Autor Thema: FÜR JEDEN NEUEN TAG  (Gelesen 48686 mal)

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« Antwort #50 am: 02. April 2014, 16:48:40 »
Feuer





 Feuer, das den Leib erwärmt, kann ihn auch verbrennen.

 Afrikanisches Sprichwort



 Gelobt seist du, mein Herr,
 durch Bruder Feuer,
 durch den du uns die Nacht erhellst:
 schön ist er, freundlich,
 gewaltig und stark.

 Franziskus von Assisi


 Dies Haus stand in Gottes Hand
 und ist dreimal abgebrannt.
 Das vierte Mal ist's wieder aufgebaut
 und dem heiligen Florian anvertraut.

 Türspruch aus Tirol



 Es gibt Menschen, in denen lebt, je älter sie werden, eine
 tiefe, unbezweifelbare Leidenschaft, die alle, die ihnen
 begegnen, in den Bann zieht und ansteckt. Sie strahlen eine
 Offenheit und Neugier fürs Leben aus, die auch Junge
 belebt und beflügelt. Sie sind imstande, die Glut des Wider-
spruchs gegen alle Zustände anzufachen, unter denen der
 Mensch ein ängstliches, geknechtetes, verächtliches
 Wesen ist. Sie sind auf unerhörte Weise frei von der Tyrannei
 des Besitzes, der Privilegien ihres Standes und ihrer Klasse,
 der herrschenden Vorurteile. Sie verkörpern die unbezwing-
bare Sehnsucht nach Freiheit und Gerechtigkeit, die in
 anderen längst unter der Asche von Anpassung und Bequem-
lichkeit erstickt ist.
 Wir brauchen solche Menschen, denn sie halten die Hoff-
 nung wach, daß das Feuer des Geistes, des Kampfes und
 der Liebe die Welt in dem Maß zu verwandeln vermag, wie
 wir die Angst verlieren, uns daran zu verbrennen.

Gott ist Liebe, und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott, und Gott bleibt in ihm.
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« Antwort #51 am: 09. April 2014, 12:19:22 »
WÜSTE

Das Auge sieht nur Sand,
das Herz das Ende der Wüste.


Geh durch die Wüste in deinem Leben -
du vermagst nicht
sie zu bewässern und fruchtbar zu machen
den Sand und die Steine bringt ein Anderer
zum Blühen.
Halte dich bereit für die Freude für das Leben
wenn der Dornbusch brennt.

Margot Bickel


Ich liebe die Wüste in ihrer Weite. Ich liebe sie
selbst, wo sie baumlos und braun und verdorrt ist,
weil in ihr die Verheißung beschlossen liegt, daß
sie blühen wird, nachdem der Winterregen die
Wadis in reißende Ströme verwandelt und die No-
maden aus den Tälern auf die Höhen hinaufge-
jagt hat. Ich liebe dieses schnelle Geschehen, das
die Saat in der grauen Lößerde zu grünen Tep-
pichen anschwellen läßt. Ich liebe diese plötzliche,
niemals zu fassende, überbordende Fruchtbarkeit,
das Wunder, an das zu glauben, einem immer so
schwerfällt und das sich in jedem Jahr wieder voll-
zieht.

Dagmar Nick
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« Antwort #52 am: 14. April 2014, 14:42:52 »
BERG




Wer nicht dann und wann auf einen hohen Berg steigt,

lernt die Ebene nicht kennen.




Chinesisches Sprichwort







Was an dir Berg war

haben sie geschleift

Und dein Tal

schüttete man zu

Über dich führt

ein bequemer Weg




Bertolt Brecht







Ich lebe hier auf einem sehr hohen Berg, lieber Alfred Seba-

stian. Was man so leben nennt, das ist weit unten, in ver-

schwommener und verworrener Schwärze. Hier oben tref-

fen sich die menschliche und göttliche Einsamkeit zu ern-

ster Zwiesprache. Man muß helle Augen haben, sonst hält

man das Licht hier nicht aus. Man muß schwindelfrei sein,

der einsamen, schmalen Höhe fähig, sonst stürzt man ab

und wird ein Opfer der Kleinheit und Tücke.

Das sind meine Wünsche für Dein Leben: helle Augen, gute

Lungen und die Fähigkeit, die freie Höhe zu gewinnen und

auszuhalten. Das wünsche ich nicht nur Deinem Körper und

Deinen äußeren Entwicklungen und Schicksalen, das

wünsche ich viel mehr Deinem innersten Selbst, daß Du

Dein Leben mit Gott lebst als Mensch in der Anbetung, in

der Liebe, im freien Dienst.

Es segne und führe Dich der allmächtige Gott,

der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

Dein Patenonkel Alfred Delp




(geschrieben 1945 im Gefängnis,

kurz vor seiner Hinrichtung)







Miß nie des Berges Höhe, ehe du den Gipfel erreicht hast.

Dort wirst du sehen, wie niedrig er ist.




Dag Hammarskjöld
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« Antwort #53 am: 15. April 2014, 07:26:59 »
BAUM

Mancher Baum ist schief
und trägt dennoch süße Früchte

Russisches Sprichwort



Sensibel ist die erde über den quellen;
kein Baum darf gefällt,
keine wurzel gerodet werden.
Die quellen könnten versiegen.
Wie viele bäume werden gefällt,
wie viele wurzeln gerodet
in uns

Reiner Kunze



Weißt du, daß Bäume reden? Ja, sie reden.
Sie sprechen miteinander, und sie sprechen
zu dir, wenn du zuhörst. Aber die weißen
Menschen hören nicht zu. Sie haben es nie
der Mühe wert gefunden, uns Indianer
anzuhören, und ich fürchte, sie werden auch
auf die anderen Stimmen in der Natur nicht
hören. Ich selbst habe viel von den Bäumen
erfahren: manchmal etwas über das Wetter,
manchmal über Tiere, manchmal über den
Großen Geist.

Tatanga Mani



Für einen Baum gibt es noch eine Hoffnung:
Wenn man ihn fällt, dann schlägt er wieder
aus.
Selbs wenn die Wurzeln in der Erde altern,
der Stumpf im Boden abstirbt und verdorrt -
er muß nur ein klein wenig Wasser spüren,
dann treibt er wieder wie ein junges Bäum-
chen.
Doch stirbt ein Mensch, so ist es mit ihm aus.

Hiob 14,7-9



Viele Jahre war ein alter krummer Baum meine
Klagemauer.
Als Kind habe ich ihm meine kleinen Geheim-
nisse und Ängst anvertraut. Er hat geduldig zu-
gehört, hat nie dreingeredet. Er hatte Zeit. Er
hat mich nicht ständig belehrt und wollte nicht
alles besser wissen. Er nickte mit seinen starken
Ästen un schwieg. Später hielt er Äpfel für uns
bereit, und im Herbst gab er ohne Murnren seine
Blätter der Erde wieder zurück. Der Baum war
auch mein Freund. So bescheiden und krumm
er am Wegrand stand, so grenzenlos waren
seine Anziehungskraft, Geduld und Ausstrahlung.
Manchmal denke ich an ihn zurück und möchte
mein Gesicht an seine rauhe Rinde legen.
Vielleicht habe ich durch ihn gelernt, mit Gott
zu verhandeln. Gewachsen aus der Erde, die
Gott schuf, zeigte mir mein Baum die Ehrfurcht,
aber auch die Kraft im Glauben an Gott.

Frieda Krieger



Wieder hat man in der Stadt
um Parkplätze zu schaffen, Platanen gefällt.
Sie wußten viel.
Wenn wir in ihrer Nähe waren, begrüßten
wir sie als Freunde.
Inzwischen ist es fast zu einem Verbrechen
geworden, nicht über Bäume zu sprechen,
ihre Wurzeln, den Wind,
die Vögel, die sich in ihnen niederlassen,
den Frieden, an den sie uns erinnern.

Walter Helmut Fritz
« Letzte Änderung: 15. April 2014, 07:31:27 von amos »
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« Antwort #54 am: 16. April 2014, 10:01:11 »
KREUZ

Das Kreuz ist Widerspruch und Zuspruch.



GOTT
rätselhafter verborgener geheimnisvoller Gott -
jeden Tag wirst du aufs neue gekreuzigt.
Rund um die Uhr spielt sich der Garten von
Getsemane und Golgota vor unseren Augen ab.
Vom Sonnenaufgang bis zum Sonnenuntergang
werden immer wieder aufs neue deine Gebeine
zerbrochen und mit ihnen unsere Hoffnungen zu
Grabe getragen.
Wann werden sie zu neuem Leben erwachen?



Das Kreuz ist eine Last von der Art,
wie es Flügel für die Vögel sind:
Sie tragen aufwärts.

Bernhard von Claivaux



Ich sehe das Leid der Welt, den Hunger der Menschen nach
Brot und Friede. Ich sehe, wie Menschen ihre Kreuze durch
die Welt tragen, und andere spöttisch lächelnd daneben-
stehen und nichts tun.
Ich sehe, wie Jesus die Sünde der Welt trägt, wir aber so tun,
als hätte Gott diese Welt aus den Augen verloren.
Ich sehe, wie wir Not und Trauer verdrängen, anstatt zu ler-
nen, wie wir mit unserem Leben fertig werden können.
Ich bitte dich, Gott: Begleite uns auf unserem Weg, auch auf
dem Weg zum Kreuz. Laß uns nicht aus den Augen.

Ökumenischer Kreuzweg der Jugend 1981



Jetzt aber, in Christus Jesus, seid ihr, die einst die Fernen,
durch Christi blutigen Tod die Nahen geworden. Denn er
ist unser Friede. Er hat die beiden zu einem einzigen Volk
gemacht und die Mauer der Feindschaft, die sie voneinan-
der getrennt hat, niedergerissen. Durch die Hingabe seines
Lebens hat er das Gesetz mit all seinen Geboten und Sat-
zungen außer Kraft gesetzt, um die zwei in ihm zu einem
einzigen neuen Menschen zu erschaffen und Frieden zu stif-
ten; um durch seinen Kreuzestod die beiden in einem einzi-
gen Leibe mit Gott zu versöhnen.

Epheser 2,13-16



Menschen gehen zu Gott in ihrer Not,
flehen um Hilfe, bitten um Glück und Brot,
um Errettung aus Krankheit, Schuld und Tod.
So tun sie alle, alle, Christen und Heiden.

Menschen gehen zu Gott in seiner Not,
finden ihn arm, geschmäht, ohne Obdach und Brot,
sehn ihn verschlungen von Sünde, Schwachheit und Tod.
Christen stehen bei Gott in seinen Leiden.

Gott geht zu allen Menschen in ihrer Not,
sättigt den Leib und die Seele mit seinem Brot,
stirbt für Christen und Heiden den Kreuzestod
und vergibt ihnen beiden.

Dietrich Bonhoeffer
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« Antwort #55 am: 04. Juli 2014, 11:51:39 »
LEBENSFROH

Es lebt nur der, der lebend sich am Leben freut.

Menander (343-293 v. Chr.)



Ich höre, daß man damit leben kann:
Mit Schlaf und Arbeit, Spaß und gutem Essen.
Habt ihr dabei nicht einiges vergessen?
Und überhaupt, was soll das heißen: man?
Man lebt, und mehr fällt euch nicht ein
als Geld verdienen und ein Auto fahren
und Steuern zahlen und fürn Urlaub sparen
und abends Fernsehn oder Sportverein?
Und das soll alles dann gewesen sein
für uns, und sonst soll es nichts geben?
In mir ist Sehnsucht, mehr möcht ich erleben
und Träume haben und unsterblich sein!

Lothar Zenetti



Ein fröhliches Herz ist des Menschen Leben, und seine
Freude verlängert sein Leben. Ermuntere dich und tröste
dein Herz, und vertreibe die Traurigkeit von dir.

Sirach 30, 23.24



Zuzeiten kam ihm zum Bewußtsein, daß er ein seltsames
Leben führe, daß er da lauter Dinge tue, die bloß ein Spiel
waren, daß er wohl heiter sei und zuweilen Freude fühle, daß
aber das eigentliche Leben an ihm vorbeifließe und ihn nicht
berühre. Wie ein Ballspieler mit seinen Bällen spielt, so
spielte er mit seinen Geschäften, mit den Menschen seiner
Umgebung, sah ihnen zu, fand seinen Spaß an ihnen; mit
dem Herzen war er nicht dabei.
Einige Male erschrak er ob solcher Gedanken und wünschte
sich, es möge auch ihm gegeben sein, bei allem kindlichen
Tun des Tages mit Leidenschaft und mit dem Herzen betei-
ligt zu sein, wirklich zu leben, wirklich zu tun, wirklich zu
genießen, statt nur als Zuschauer daneben zu stehen.

Hermann Hesse



Wie mit den Lebenszeiten,
so ist es auch mit den Tagen.
Keiner ist ganz schön,
und jeder hat,
wo nicht seine Plage,
so doch seine Unvollkommenheit.
Aber rechne sie zusammen,
so kommt eine Summe
Freude und Leben heraus.

Friedrich Hölderlin
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« Antwort #56 am: 19. Juli 2014, 14:59:18 »
GLAUBWÜRDIG

Die Botschaft hör ich wohl,
allein mir fehlt der Glaube.

Johann Wolfgang Goethe



"Das Spiel ist aus!" riefen in der Schlußszene die endlich
siegreichen Gegenspieler den entlarvten bösen Machthabern
zu, verstellten ihnen den Weg zur Flucht oder zu den Waffen,
nahmen sie fest und führten sie, ohne sie noch eines Blickes
zu würdigen, in die Kulisse ab, während der Vorhang fiel.
Als er aber dann zum Applaus wieder hochging, kamen die
besiegten Machthaber schon Hand in Hand mit den neuen
Siegern zurück, und alle verneigten sich artig vor dem Publi-
kum, das ihnen zurief und wie von allen guten Geistern ver-
lassen Beifall klatschte.

Erich Fried



Ein Mensch macht sich, doch leider bloß
an seinem Stammtisch, damit groß,
es gelt -wovon ja viele träumen! -,
den Saustall endlich auszuräumen.
Er gibt -nur dort! - geheime Winke,
wie's überall zum Himmel stinke
von Säuen, die an vollen Trögen
verfräßen unser Volksvermögen.
Man müßt was tun -nur ist es schade,
daß dummerweise ihn gerade,
als einen Mann mit Weib und Kindern,
Rücksichten überall verhindern.
Der Mensch -was nützt verborgnes Lästern? -
zählt auch mit zu den Schweinemästern!

Eugen Roth



Alle haben gewußt, viele haben gewußt.
Manche haben gewußt, einige haben gewußt.
Ein paar haben gewußt, wenige haben gewußt.
Keiner hat gewußt.

Rudolf Otto Wiemer
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« Antwort #57 am: 25. Juli 2014, 07:28:19 »
STARK

Wer die Menschen kennt, ist klug.
Wer sich selber kennt, ist erleuchtet.
Wer andere Menschen besiegt, hat Gewalt.
Wer sich selbst besiegt, ist stark.

Laotse (480-390 v. Chr.)



Einem Menschen vergeben heißt nicht, das, was er getan
hat, für ungeschehen erachten, nicht wahr haben wollen
oder schlicht vergessen. Vergeben kann unter Umständen
bedeuten, gerade nicht zu vergessen. Vergeben heißt:
Die Vergangenheit eines anderen keinen Einwand dagegen
sein lassen, daß ich ihn annehme. Vergebung heißt nicht das
Ja zu einer vergangenen Schuld, wohl aber das Ja zu einem
Menschen mit seiner vergangenen Schuld.

Otto Hermann Pesch



Hier bin ich:
im Gewirr der Worte,
im Spiel der Hände,
im Aufschrei des Lachens,
im Drängen der Fragen,
im Fluchtmaß der Schritte.
Bleib!
Sei ohne Arg.
Siehe, wie schwach ich bin.
Nur wenn du rufst,
bin ich stark,
so stark
wie du möchtest.

Lisa Stromszky



Ich bin 25, und wenn ich Mädchen genannt werde, spreche
ich wie ein Mädchen. Ich flirte, kichere und stelle mich
dumm. Aber wenn ich mich dann erinnere, daß ich eine
Frau bin, lege ich die kindischen Dinge weg und sage, was ich
denke, teile und liebe.
Ich bin 36, und wenn ich Mädchen genannt werde, denke ich
wie ein Mädchen. Ich fühle mich untauglich, und deshalb
helfe ich den Männern um mich herum und bediene sie.
Aber wenn ich mich daran erinnere, daß ich eine Frau bin, lege
ich die kindlichen Dinge weg und arbeite, schaffe und erreiche
etwas.
Ich bin 52, und wenn ich Mädchen genannt werde, verstehe ich
wie ein Mädchen. Ich lasse andere mich beschützen vor der Welt.
Aber wenn ich mich daran erinnere, daß ich eine Frau bin, lege ich
die kindischen Dinge weg und entscheide und riskiere und lebe
mein eigenes Leben.

Nancy R. Smith



Ich kannte eine lahme Frau,
die ist zu Fuß nicht weit ge-
kommen.
Sie hat das angenommen
und lernte sitzen und hören.
Im Zuhören konnte sie sehr
weit gehen.

Friedrich K.Barth/Peter Horst


Wenn ihr zu mir umkehrt und stillhaltet,
dann werdet ihr gerettet. Wenn ihr gelas-
sen abwartet und mir vertraut, dann seid
ihr stark. Aber ihr wollt ja nicht.

Jesaja 30,15
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« Antwort #58 am: 10. August 2014, 11:17:05 »
GERECHT

Wer Unrecht lange geschehen läßt,
bahnt dem nächsten den Weg.

Willy Brand



Einen Mitbürger zugrunde richten will ein rechtschaffener
Mann nicht einmal dann, wenn er ein Recht dazu hätte. Viel
lieber ist ihm, daß sich die Leute später daran erinnern, wie
er jemanden geschont hat, obwohl er ihn hätte vernichten kön-
nen. So verhalten sich rechtschaffene Männer auch gegen
wildfremde Menschen, ja sogar gegen ihre schlimmsten Feinde,
und zwar weil sie deren Menschenwürde achten und weil jene
auch Menschen sind wie sie selber. So darf, wenn sie bewußt
niemanden geschädigt haben, ihnen selber mit Recht auch kein
Schaden zugefügt werden.

Cicero (106-43 v. Chr.)



Wir lassen das Gras wachsen
über Gerächte und Ungerächte.

Gert Berkensträter



An einem Wintertag führte man einem weisen Richter
einen alten, vor Kälte zitternden Mann vor. Man hatte
ihn in einem Laden beim Diebstahl eines Brotes ertappt.
Der Richter sah sich an das Gesetz gebunden und verur-
teilte den Mann zu einer Geldstrafe von fünfzig Euro.
Dann aber griff er in die eigene Tasche und bezahlte den
Betrag an Stelle des Angeklagten.
Daraufhin wandte er sich an die im Gerichtssaal Anwesen-
den. Er bestrafte jeden einzelnen mit einem Bußgeld von
fünf Euro und begründete die Strafe mit dem Hinweis, daß
sie in einer Stadt lebten, in der sich ein Mensch zum Brot-
diebstahl genötigt sehe, um nicht zu verhungern. Das Geld
wurde kassiert und ebenfalls dem Angeklagten gegeben. Der
verließ verwundert den Gerichtssaal.
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« Antwort #59 am: 16. August 2014, 10:35:04 »
BEHÜTET

Die Barmherzigkeit Gottes ist wie der Himmel, der stets
über uns fest bleibt. Unter diesem Dach sind wir sicher,
wo auch immer wir sind.

Martin Luther


Behüte, Herr, die ich dir anbefehle,
die mir verbunden sind und mir verwandt.
Erhalte sie gesund an Leib und Seele
und führe sie an deiner guten Hand,
sie alle, die mir ihr Vertrauen schenken
und die mir so viel Gutes schon getan.
In Liebe will ich dankbar an sie denken,
o Herr, nimm dich in Güte ihrer an.
Um manchen Menschen mache ich mir Sorgen
und möchte ihm helfen, doch ich kann es nicht.
Ich wünschte nur, er wäre bei dir geborgen
und fände aus dem Dunkel in dein Licht.
Du ließest mir so viele schon begegnen,
so lang ich lebe, seit ich denken kann.
Ich bitte dich, du wollest alle segnen,
sei mir und ihnen immer zugetan.

Lothar Zenetti



Schlaf, mein Sohn, mach die Augen zu,
Mama ist da und sitzt bei dir.
Träum was Schönes, na nu schlaf, du,
brauchst nicht weinen, ich bin ja hier.
Hab keine Angst vor den lauten Dingen,
Wölfe gibt es nur im Wald.
Mama ist da, um ein Schlaflied zu singen,
und wenn sie dich zudeckt, ists nicht mehr kalt.
Hab keine Angst vorm schwarzen Mann,
der fürchtet sich ja selber so.
Träume  von deiner Eisenbahn,
Löwen gibts doch bloß im Zoo.
Weine nicht mehr, ist doch schon gut.
Ich wisch dir deine Tränen weg.
Keiner ist da, der dir was tut,
wenn ich dich in dein Bettchen leg.
Na siehst du wohl, jetzt schläfst du schon.
Wie klein du bist, das tut so weh.
Ich kann nicht schlafen, wie du mein Sohn,
weil du noch nicht siehst, was ich schon seh.

Bettina Wegner



Oft entschlage ich mich aller Sorge und stelle alles Gott
anheim als dem besten Freund und Vater, mit dem ich mich
unaussprechlich gut stehe. Ja, wir sind ganz vertraut. Er
wird's schon wissen und machen, denke ich und lehne mich
ordentlich an ihn und schlummere so zu seinen Füßen ein
wenig, so unten an seinem Mantel.

Rabel Varnhagen
Gott ist Liebe, und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott, und Gott bleibt in ihm.
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Pfarrer Sterninger spricht über
das 2. Vatikanum


Der Exorzismus im alten Ritus
Pfarrer Sterninger über Glockengeläute
und Wirkung des Weihwassers.


 

Wenn das im TV gezeigt werden würde, bestünde ein Funken Hoffnung



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