Autor Thema: FÜR JEDEN NEUEN TAG  (Gelesen 54945 mal)

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« Antwort #45 am: 20. September 2013, 17:11:54 »
BEUNRUHIGEN

Die Tragödie des Menschen besteht nicht darin, daß er im Grunde immer weniger über den Sinn des eigenen Lebens weiß, sondern daß ihn das immer weniger beunruhigt.

Václav Havel


In den Bunkern tief unter dem Pfälzer Wald
Atomköpfe.
Umweltfreundliche Verpackung.

Burkhard Jahn


Der Tod ist kein Reiter auf schwarzem Pferd
und nicht mehr das alte Gerippe.
Er braucht keine Geißel, er schwingt kein Schwert,
er trägt nicht Kapuze noch Hippe.
Der Tod fährt im Auto bei leiser Musik,
wenn draußen die Nebel brauen.
Er blickt auf die Uhr und lehnt sich zurück:
Er kann seinem Zeitplan vertrauen.
Der Tod liegt als Glocke über der Stadt
als Smog und giftigen Gasen.
Du siehst an den Bäumen kein grünes Blatt,
und die Blume vergilbt auf dem Rasen.
Der Tod gibt sich gerne für fortschrittlich aus:
Wenn wir glauben, es ginge uns besser,
kocht er im Labor seine Süppchen aus
und schüttet sie in die Gewässer.
Wohin wir auch rennen, der Tod ist schon da,
wie die Igel den Hasen jagen.
Und wer's noch nicht hörte, und wer's noch nicht sah:
Die Fische können's ihm sagen.

Michael Ende


"Du bist nicht schnell genug! Er arbeitet exakter.
Du hast einmal im Jahr die Grippe.
Er ist garantiert zwei Jahre wartungsfrei.
Du gehst nach 8 Stunden nach Hause.
Er kann Tag und Nacht arbeiten.
Du störst einfach den Produktionsprozeß!"
sagte mein Chef - und -
schaltete den neuen Kollegen
mit einem Knopfdruck an!

Karl-Heinz Stoll


Als der Kirchturmhahn
sein jahrelanges Schweigen
unterbrach und plötzlich
krähte,
staunten die Leute:
Nanu, was soll das?
Als er zum drittenmal krähte,
waren sie's gewohnt.

Rudolf Otto Wiemer
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« Antwort #46 am: 27. September 2013, 16:30:03 »
GESTALTEN

Wir suchen den Zeitpunkt nicht aus,
zu dem wir die Welt betreten,
aber gestalten können wir sie.

Gioconda Belli


Der Geist, der die Erde gestaltet, ist der gleiche,
der durch uns Kunstwerke schafft.


Jetzt aber, in der Zeit des kargen Brotes und des gestörten
Lebens bedroht uns unsere eigene Stummheit. Wir müssen
uns selber ein Gesicht und eine Gestalt geben, indem wir jede
und jeder für sich und öffentlich bekunden, wer wir sind und
worauf wir vertrauen. Gebet, Gottesdienst, Bibellesen, den
Tag und das Jahr mit den Zeichen unserer Hoffnung markie-
ren - das ist unerläßlich in einer Zeit, in der das Brot der Hoff-
nung knapp ist.

Fulbert Steffensky


Wer gestern ein Schuft war, kann heute sich ändern.
Wer gestern versagt hat, kann heute was tun.
Wer gestern geschwiegen, schreit heute von den Dächern.
Wer gestern schon tot war, lebt heute durch sein Wort.

Kurtmartin Magiera


In gewissem Grad sind wir wirklich das Wesen, das die
andern in uns hineinsehen, Freunde wie Feinde. Und umge-
kehrt! Auch wir sind die Verfasser der andern; wir sind auf
eine heimliche und unentrinnbare Weise verantwortlich für
das Gesicht, das sie uns zeigen, verantwortlich nicht für ihre
Anlage, aber für die Ausschöpfung dieser Anlage.

Max Frisch


Wer seine Person gestaltet, dessen Leben wird wahr.
Wer die Welt gestaltet, dessen Leben wird weit.

Laotse


Eine winzig kleine Blume von irgendeinem wilden
Wegrain, die Schale einer kleinen Muschel am Strand, die
Feder eines Vogels - das alles verkündet dir, daß der Schöpfer
ein Künstler ist.

Tertullian
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« Antwort #47 am: 12. März 2014, 12:30:55 »
ERDE

Wir sind ein Teil dieser Erde,
und sie ist ein Teil von uns.

Indianisches Sprichwort



Gelobt seist du, mein Herr,
durch unsere Schwester, unsere
Mutter Erde:
die uns ernährt und erhält,
die vielerlei Früchte hervorbringt,
bunte Blumen und Gräser.

Franziskus von Assisi



Die Erde ist des Herrn. Er gibt sie uns zum Wohnen.
Es wird auf dieser Erde gut,
wenn wir verzichten und den Mut
uns nehmen, sie zu schonen,
daß Wald und Vieh nicht weiter stirbt,
daß Luft und Meer nicht mehr verdirbt
und noch gerettet werde. So kommt Gott auf die Erde.

Die Erde ist des Herrn. Er gibt sie uns zum Hoffen.
Trotz aller schlimmen, bösen Zeit
voll Hunger, Haß und Krieg und Leid
steht uns der Himmel offen,
weil Gott in Jesus uns erscheint
und menschlich sich mit uns vereint,
daß neue Zukunft werde. So kommt Gott auf die Erde.

Dieter Stork



Schaffe in mir Gott ein herz ohne angst
ist nicht die erde dageblieben unter der Eiszeit
konnte sie auch emigrieren
ist sie geblieben hat sie gewartet

Ich möchte daß meine liebe wächst
wie die erde unter dem eis
die sich bewegt und dort bleibt
die sich zurücknimmt und kleinmacht
und bleibt
länger als jeder winter

Es wird kälter wenn du allein für dich ißt
wenn du allein trinkst!
wenn du dich zudeckst
mit trauer

Schaffe in mir Gott die erde

Dorothee Sölle



Dem Herrn gehört die Erde und was sie erfüllt, der Erdkreis
und seine Bewohner. Denn er hat ihn auf Meere gegründet,
ihn über Ströme befestigt.

Psalm 24,12



Wir alle müssen lernen, uns als Teil dieser Erde zu sehen,
nicht als einen Feind, der von außen kommt und ihr seinen
Willen aufzuzwingen sucht. Wir wissen auch, daß wir als
lebendiger Teil dieser Erde ihr nicht Gewalt antun können,
ohne uns selber zu verletzen.

Lame Deer
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« Antwort #48 am: 14. März 2014, 16:26:03 »
WASSER

Weich ist stärker als hart,
Wasser stärker als Fels,
Liebe stärker als Gewalt.

Hermann Hesse



Vertrauen ist wie Wasser, das Schiffe trägt,
das den Schmutz auflöst, das Durstige erfrischt,
das Wüsten zu Oasen macht, das Felsen aushöhlt,
das sich in Stauseen sammelt,
das Kraftwerke speist und Strom erzeugt,
das sich bewegt, vertrocknet
und wieder als Regen zurückkommt.

Josef Dirnbeck/Martin Gutl



Wir möchten nicht, daß unsere Kinder
mit allen Wassern gewaschen sind.
Wir möchten, daß sie
mit dem Wasser der Gerechtigkeit,
mit dem Wasser der Barmherzigkeit,
mit dem Wasser der Liebe und des Friedens
reingewaschen werden.
Wir möchten, daß unsere Kinder
mit dem Wasser des christlichen Geistes
gewaschen, übergossen, beeinflußt,
getauft werden.



Gelobt seist du, mein Herr,
durch Bruder Wasser:
wie nützlich ist es,
einfach, wertvoll und rein.

Franziskus von Assisi



Habt Mut, fürchtet euch nicht! Seht, hier ist euer Gott! In der
Wüste brechen Quellen hervor, und Bäche fließen in der
Steppe. Der glühende Sand wird zum Teich und das durstige
Land zu sprudelnden Quellen.

Jesaja 35, 4-7 (in Auswahl)



Aufsteigt der Strahl und fallend gießt
er voll der Marmorschale Rund,
die, sich verschleiernd, überfließt
in einer zweiten Schale Grund.
Die zweite gibt, sie wird zu reich,
der dritten wallend ihre Flut.
Und jede nimmt und gibt zugleich
und strömt und ruht.

Conrad Ferdinand Meyer
« Letzte Änderung: 14. März 2014, 16:29:24 von amos »
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« Antwort #49 am: 15. März 2014, 16:01:35 »
LUFT

Von Luft und Liebe leben -
Sie werden lachen, das geht.
Ziemlich lange sogar.



Gelobt seist du, mein Herr,
durch Bruder Wind, durch Luft,
durch bewölktes und heiteres und jegliches Wetter:
damit erhältst du deine Geschöpfe am Leben.

Franziskus von Assisi



Über Nacht war Regen gefallen, und nun wandern Wolken
über den Himmel - ab und zu sprüht Nässe herab. Ich stehe
unter einem Apfelbaum, der zu verblühen beginnt, und
atme.
Nicht allein der Apfelbaum, sondern auch die Gräser rings-
umher haben die Feutigkeit des Regens aufgesogen -
kein Name läßt sich finden für jenen süßen Duft, der die Luft
erfüllt. Ich sauge ihn ein mit der vollen Kraft meiner Lunge,
und meine ganze Brust spürt den Wohlgeruch. Ich atme,
atme - einmal mit offenen Augen, dann wieder mit
geschlossenen Augen. Ich weiß nicht zu sagen, was schöner
ist.
Dies ist wohl jene einzigartige, allerkostbarste Freiheit,
deren uns das Gefängnis beraubt, so zu atmen, hier zu
atmen. Keine Speise dieser Erde, kein Wein erscheint mir
süßer als diese Luft - diese Luft, gesättigt von Blühen,
Feuchtigkeit, Frische. Ist es auch nur ein winziges Gärtchen,
eingezwängt zwischen den Käfigen fünfstöckiger Häuser.
Das Knattern der Motorräder, das Geheul der Plattenspieler,
das Getrommel der Lautsprecher entschwinden meinem
Bewußtsein.
Solange man noch unter einem Apfelbaum nach dem
Regen atmen kann - so lange läßt es sich leben.

Alexander Solschenizyn



Ich setzte den Fuß in die Luft
und sie trug.

Hilde Domin



Horch auf die Luft! Du kannst sie hören, sie spüren, sie rie-
chen und schmecken, die heilige Luft, die alles mit ihrem
Atem erneuert. Wir sitzen nebeneinander, wir berühren uns
nicht, aber etwas ist da; wir fühlen, daß etwas in unserer
Mitte gegenwärtig ist. Wir reden mit den Flüssen, den Seen
und den Winden wie mit unseren Verwandten.

Lame Deer



Die Luft ist ihnen allen ausgegangen,
vor Schreck fällt keinem etwas Rechtes ein.
Soll ich nun weiterwarten, weil sie schweigen?
Sie stehen da und wissen nichts zu sagen.
Jetzt ist's an mir, die Antwort zu erteilen
und offen darzulegen, was ich weiß.
Mein Herz ist randvoll angefüllt mit Worten,
der Gottesgeist in mir drängt mich zu reden.
Es gärt in mir wie eingeschlossener Wein;
wenn ich nicht reden darf, dann platze ich!
Ich halt es nicht mehr aus, es muß heraus,
damit ich endlich wieder Luft bekomme!

Hiob 32, 15-20

Die Luft sagt
ich bin Luft
Alles was atmet
atmet mich ein und aus
gehört mir
Ich gehöre
euch
eine Weile

Rose Ausländer
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« Antwort #50 am: 02. April 2014, 16:48:40 »
Feuer





 Feuer, das den Leib erwärmt, kann ihn auch verbrennen.

 Afrikanisches Sprichwort



 Gelobt seist du, mein Herr,
 durch Bruder Feuer,
 durch den du uns die Nacht erhellst:
 schön ist er, freundlich,
 gewaltig und stark.

 Franziskus von Assisi


 Dies Haus stand in Gottes Hand
 und ist dreimal abgebrannt.
 Das vierte Mal ist's wieder aufgebaut
 und dem heiligen Florian anvertraut.

 Türspruch aus Tirol



 Es gibt Menschen, in denen lebt, je älter sie werden, eine
 tiefe, unbezweifelbare Leidenschaft, die alle, die ihnen
 begegnen, in den Bann zieht und ansteckt. Sie strahlen eine
 Offenheit und Neugier fürs Leben aus, die auch Junge
 belebt und beflügelt. Sie sind imstande, die Glut des Wider-
spruchs gegen alle Zustände anzufachen, unter denen der
 Mensch ein ängstliches, geknechtetes, verächtliches
 Wesen ist. Sie sind auf unerhörte Weise frei von der Tyrannei
 des Besitzes, der Privilegien ihres Standes und ihrer Klasse,
 der herrschenden Vorurteile. Sie verkörpern die unbezwing-
bare Sehnsucht nach Freiheit und Gerechtigkeit, die in
 anderen längst unter der Asche von Anpassung und Bequem-
lichkeit erstickt ist.
 Wir brauchen solche Menschen, denn sie halten die Hoff-
 nung wach, daß das Feuer des Geistes, des Kampfes und
 der Liebe die Welt in dem Maß zu verwandeln vermag, wie
 wir die Angst verlieren, uns daran zu verbrennen.

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« Antwort #51 am: 09. April 2014, 12:19:22 »
WÜSTE

Das Auge sieht nur Sand,
das Herz das Ende der Wüste.


Geh durch die Wüste in deinem Leben -
du vermagst nicht
sie zu bewässern und fruchtbar zu machen
den Sand und die Steine bringt ein Anderer
zum Blühen.
Halte dich bereit für die Freude für das Leben
wenn der Dornbusch brennt.

Margot Bickel


Ich liebe die Wüste in ihrer Weite. Ich liebe sie
selbst, wo sie baumlos und braun und verdorrt ist,
weil in ihr die Verheißung beschlossen liegt, daß
sie blühen wird, nachdem der Winterregen die
Wadis in reißende Ströme verwandelt und die No-
maden aus den Tälern auf die Höhen hinaufge-
jagt hat. Ich liebe dieses schnelle Geschehen, das
die Saat in der grauen Lößerde zu grünen Tep-
pichen anschwellen läßt. Ich liebe diese plötzliche,
niemals zu fassende, überbordende Fruchtbarkeit,
das Wunder, an das zu glauben, einem immer so
schwerfällt und das sich in jedem Jahr wieder voll-
zieht.

Dagmar Nick
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« Antwort #52 am: 14. April 2014, 14:42:52 »
BERG




Wer nicht dann und wann auf einen hohen Berg steigt,

lernt die Ebene nicht kennen.




Chinesisches Sprichwort







Was an dir Berg war

haben sie geschleift

Und dein Tal

schüttete man zu

Über dich führt

ein bequemer Weg




Bertolt Brecht







Ich lebe hier auf einem sehr hohen Berg, lieber Alfred Seba-

stian. Was man so leben nennt, das ist weit unten, in ver-

schwommener und verworrener Schwärze. Hier oben tref-

fen sich die menschliche und göttliche Einsamkeit zu ern-

ster Zwiesprache. Man muß helle Augen haben, sonst hält

man das Licht hier nicht aus. Man muß schwindelfrei sein,

der einsamen, schmalen Höhe fähig, sonst stürzt man ab

und wird ein Opfer der Kleinheit und Tücke.

Das sind meine Wünsche für Dein Leben: helle Augen, gute

Lungen und die Fähigkeit, die freie Höhe zu gewinnen und

auszuhalten. Das wünsche ich nicht nur Deinem Körper und

Deinen äußeren Entwicklungen und Schicksalen, das

wünsche ich viel mehr Deinem innersten Selbst, daß Du

Dein Leben mit Gott lebst als Mensch in der Anbetung, in

der Liebe, im freien Dienst.

Es segne und führe Dich der allmächtige Gott,

der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

Dein Patenonkel Alfred Delp




(geschrieben 1945 im Gefängnis,

kurz vor seiner Hinrichtung)







Miß nie des Berges Höhe, ehe du den Gipfel erreicht hast.

Dort wirst du sehen, wie niedrig er ist.




Dag Hammarskjöld
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« Antwort #53 am: 15. April 2014, 07:26:59 »
BAUM

Mancher Baum ist schief
und trägt dennoch süße Früchte

Russisches Sprichwort



Sensibel ist die erde über den quellen;
kein Baum darf gefällt,
keine wurzel gerodet werden.
Die quellen könnten versiegen.
Wie viele bäume werden gefällt,
wie viele wurzeln gerodet
in uns

Reiner Kunze



Weißt du, daß Bäume reden? Ja, sie reden.
Sie sprechen miteinander, und sie sprechen
zu dir, wenn du zuhörst. Aber die weißen
Menschen hören nicht zu. Sie haben es nie
der Mühe wert gefunden, uns Indianer
anzuhören, und ich fürchte, sie werden auch
auf die anderen Stimmen in der Natur nicht
hören. Ich selbst habe viel von den Bäumen
erfahren: manchmal etwas über das Wetter,
manchmal über Tiere, manchmal über den
Großen Geist.

Tatanga Mani



Für einen Baum gibt es noch eine Hoffnung:
Wenn man ihn fällt, dann schlägt er wieder
aus.
Selbs wenn die Wurzeln in der Erde altern,
der Stumpf im Boden abstirbt und verdorrt -
er muß nur ein klein wenig Wasser spüren,
dann treibt er wieder wie ein junges Bäum-
chen.
Doch stirbt ein Mensch, so ist es mit ihm aus.

Hiob 14,7-9



Viele Jahre war ein alter krummer Baum meine
Klagemauer.
Als Kind habe ich ihm meine kleinen Geheim-
nisse und Ängst anvertraut. Er hat geduldig zu-
gehört, hat nie dreingeredet. Er hatte Zeit. Er
hat mich nicht ständig belehrt und wollte nicht
alles besser wissen. Er nickte mit seinen starken
Ästen un schwieg. Später hielt er Äpfel für uns
bereit, und im Herbst gab er ohne Murnren seine
Blätter der Erde wieder zurück. Der Baum war
auch mein Freund. So bescheiden und krumm
er am Wegrand stand, so grenzenlos waren
seine Anziehungskraft, Geduld und Ausstrahlung.
Manchmal denke ich an ihn zurück und möchte
mein Gesicht an seine rauhe Rinde legen.
Vielleicht habe ich durch ihn gelernt, mit Gott
zu verhandeln. Gewachsen aus der Erde, die
Gott schuf, zeigte mir mein Baum die Ehrfurcht,
aber auch die Kraft im Glauben an Gott.

Frieda Krieger



Wieder hat man in der Stadt
um Parkplätze zu schaffen, Platanen gefällt.
Sie wußten viel.
Wenn wir in ihrer Nähe waren, begrüßten
wir sie als Freunde.
Inzwischen ist es fast zu einem Verbrechen
geworden, nicht über Bäume zu sprechen,
ihre Wurzeln, den Wind,
die Vögel, die sich in ihnen niederlassen,
den Frieden, an den sie uns erinnern.

Walter Helmut Fritz
« Letzte Änderung: 15. April 2014, 07:31:27 von amos »
Gott ist Liebe, und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott, und Gott bleibt in ihm.
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