Autor Thema: MEDITATIONEN ZU TEXTEN DER BIBEL  (Gelesen 23958 mal)

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Anemone

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Re:MEDITATIONEN ZU TEXTEN DER BIBEL
« Antwort #10 am: 14. März 2011, 09:42:14 »
In deiner Mitte



   Vielleicht ist die Erfahrung der eigenen Grenzen der Grund, warum Menschen unter Umständen ängstlich bzw. unsicher sind:
   Angst vor Gefahren,
   Angst, allein Entscheidungen zu treffen,
   Angst, den Weg zu verfehlen,
   Angst, müde zu werden,
   Angst, das Ziel nicht zu erreichen,
   Angst, sich zu blamieren …

   In diesem Zusammenhang sind die Worte der Bibel  sehr tröstlich: Ich bin mit dir, ich behüte dich, wohin du auch gehst, und bringe dich zurück in dieses Land. Denn ich verlasse dich nicht, bis ich vollbringe, was ich dir ver- sprochen habe (Gen 28, 15).

   Hier wird deutlich die Nähe Gottes an jedem Ort unter- strichen. Gott ist überall bei dir und reicht dir Seine schüt- zende Hand. Für Gottes schützende Hand gibt es keine geographische Entfernung, denn Er überbrückt sie mit Seiner Allmacht.
   Wiederholt lese wir im Alten Testament, dass Gott uns zur Seite steht und wir uns – inmitten der Aufgaben, die das Leben an uns stellt – nicht fürchten müssen. Dieser Gedanke verlangt unter Umständen viel von uns, denn es wird uns gesagt:
Verlass dich nicht nur auf dich selbst,
auf deine Taktik und Kraft,
auf dein Können;
rechne mit Gott,
hab Vertrauen zu Ihm,
Er gibt dich nicht preis,
Er verlässt dich nie!

   Beim Propheten Jesaja lesen wir: Fürchte dich nicht, denn ich bin bei dir; hab keine Angst, denn ich bin dein Gott. Ich helfe dir, ich mache dich stark, ja, ich halte dich mit meiner hilfreichen Rechten (Jes 41, 10).

   Furchtlosigkeit wird gepriesen als Folge des Glaubens an Jahwe. Jahwe ist dein Gott. Er ist mächtiger als die Götter der Völker. Mit ihm kannst du rechnen.
   Gott unterstreicht Seine Bereitschaft, uns Menschen zu helfen, indem er betont: Ich bin dein Gott, ein Gott für dich, ein Gott, der sich zu dir bekennt, ein Gott der sich verpflichtet fühlt, deine Sache zu verteidigen.
   Der Prophet Zefanja wagt zu sagen, dass Gott in unserer Mitte ist, sich über uns freut und jubelt und Seine Liebe zu uns erneuert (Zef 3, 17).

   Der Glaube an Gott wird zum Halt für den Menschen. Weil der Mensch auf festem Boden steht, kann er gelassen seinen eigenen Weg gehen, im Vertrauen darauf, dass Gott ihn an der Hand festhält und in jeder Situation des Lebens zu ihm steht.

Anemone

  • Gast
Re:MEDITATIONEN ZU TEXTEN DER BIBEL
« Antwort #11 am: 16. März 2011, 12:03:56 »
Christlich leben


   Beziehung zu Gott und Beziehung zu den Mitmenschen gehören zusammen, wie wir wiederholt in verschiedenen Texten der Bibel lesen.
   Es besteht die Gefahr einer Ideologie und einer verstandesmäßigen Religion, die eine vertikale Verbindung mit Gott sucht, dabei aber den eigenen Lebensrahmen vernachlässigt.
   Wir denken an jene Worte, die uns ermutigen:
   wahres Licht zu werden,
   als Licht zu leben,
   einander zu lieben
   und für den Herrn zu leben.
 


Das wahre Licht


   Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und das Wort war Gott. Im Anfang war es bei Gott. Alles ist durch das Wort geworden und ohne das Wort wurde nichts, was geworden ist. In ihm war das Leben und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht leuchtet in der Finsternis und die Finsternis hat es nicht erfasst.
   Es trat ein Mensch auf, der von Gott gesandt war; sein Name war Johannes. Er kam als Zeuge, um Zeugnis abzulegen für das Licht, damit alle durch ihn zum Glauben kommen. Er war nicht selbst das Licht, er sollte nur Zeugnis ablegen für das Licht. Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt. Er war in der Welt und die Welt ist durch Ihn geworden, aber die Welt erkannte Ihn nicht. Er kam in Sein Eigentum, aber die Seinen nahmen Ihn nicht auf. Allen aber, die Ihn aufnahmen, gab Er Macht, Kinder Gottes zu werden...
(Joh 1,1-12)

   Die Bibel verbindet mit Finsternis Nacht. Nacht erweckt in den Aussagen der Bibel nicht selten das Gefühl von Schrecken und Angst.
   Wie uns bekannt ist, war das Volk Israel ein Volk von Nomaden. Die Nomaden haben vor der Nacht Angst, weil sie in der Dunkelheit der Nacht von Räubern oder von wilden Tieren überfallen werden können. Von dieser Erfahrung aus gesehen werden wir manche Betonungen in der Bibel verstehen:
   Nacht und Dunkelheit werden zum Symbol des Unheils,
   die Nacht ist die Zeit des Würgegels,
   die Nacht ist die Zeit der Tränen und des Todes,
   die Nacht ist Symbol des Bösen und der Sünde.

   Der Abend und der Sonnenuntergng sind ein häufiges Sinnbild für Prüfung und Unheil: Ist kein Licht, erhebt sich der Mörder, tötet Elende und Arme; in der Nacht gleicht er dem Dieb (Ijob 24,14).

   Wir lesen in der Bibel weiter von Kindern des Lichts und Kindern der Finsternis. Während mit Licht ethisches Verhalten und tugendhaftes Leben gleichgesetzt werden, hat Finsternis mit Undurchsichtigkeit, Unechtheit und Bosheit zu tun.

   Die Begegnung mit diesem Text aus dem Johannes-Evangelium kann uns dazu führen, den Kopf zu schütteln als Zeichen dafür, dass wir das Verhalten jener Menschen nicht verstehen, die das wahre Licht nicht angenommen haben. Auf der einen Seite wird erzählt von einem Boten, der im Voraus auf das Kommen des Lichtes aufmerksam machte, und dann hören wir, dass die Menschen das wahre Licht nicht erkannten, dass sie es ablehnten und sich dagegen wehrten.

   Ist es tatsächlich so eine Seltenheit, dass Menschen die Finsternis lieber haben als das Licht? Finsternis ist zu bevorzugen, wenn etwas im Geheimen bleiben soll, wenn etwas undurchsichtig ist und nicht entlarvt werden soll, wenn dunkle Gedanken nicht als Licht kommen sollen.

   Im Wort Gottes werden wir auf einen Erfahrung aufmerksam gemacht: Es gibt Menschen, die sich im Bereich der Finsternis, der Gottlosigkeit und Ungerechtigkeit bewegen, und Menschen, die im Licht wandeln und handeln.
Es gibt Menschen, so sagt uns die Erfahrung, die mit ihrem Dasein ihre Umwelt heller, lichter, zukunftsvoller machen, und Menschen, die alles um sich herum finster, dunkel, trostlos machen.

   Für uns gilt aber die Aufforderung, uns aus der Finsternis zum Licht zu bewegen, auf den Pfad des Lichtes zu kommen. Gott selbst ist das Licht der Glaubenden, dieses Licht aber ist zu uns in Jesus Christus gekommen: Der Herr ist mein Licht und mein Heil: Vor wem sollte ich mich fürchten? Der Herr ist die Kraft meines Lebens: Vor wem sollte mir bangen? (Ps 27,1).

   Wer im Licht Christi wandeln will, muss sich Ihm durch den Glauben und durch die Liebe anschießen. Wir sind eingeladen, in seinshafter Beziehung zu Gott zu stehen. Der Glaube ist ein Ausdruck dieser inneren Verbudenheit mit Gott und die Liebe ist ein Weg, um zu diesem Licht zu gelangen und in diesem Licht zu bleiben.

Anemone

  • Gast
Re:MEDITATIONEN ZU TEXTEN DER BIBEL
« Antwort #12 am: 17. März 2011, 12:45:43 »
Licht sein



   Ihr seid das Licht der Welt. Eine Stadt, die auf einem Berg liegt, kann nicht verborgen bleiben. Man zündet auch nicht ein Licht an und stülpt ein Gefäß darüber, sondern man stellt es auf den Leuchter; dann leuchtet es allen im Haus. So soll euer Licht vor den Menschen leuchten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.   
   (Mt 5,14-15)


   Wir haben hier eine bekannte Bibelstelle vor uns, die wir gemeinsam durchdenken wollen.
   Was sagt uns der Text: Diese Stelle erinnert uns an eine Forderung und eine Erwartung: Die Gemeinde der Gläubigen als sichtbare Stadt soll durch ihr vorbildliches Leben die Mitmenschen anziehen.
   Dem, der sich Christus im Glauben öffnet, will Er Licht, Leben, Freude bringen. Für diesen Menschen erscheint die Wirklichkeit des Lebens in einem neuen Licht: Er entdeckt darin andere Inhalte und Werte; dieser Mensch wird aber auch mit anderen Augen gesehen: Sein Leben ist ein Zeichen für Christus.

   Wie die Lampe auf dem Leuchter der Umgebung erhellt, sollen die Gläubigen in ihre Umwelt hinein leuchten.
   Dafür ist aber notwendig, dass das Licht in ihnen selbst ungetrübt bleibt. Die Leuchtkraft kann nämlich nachlassen und sogar erlöschen. Wo dies geschieht, sieht sich der Mitmensch mit der Schwierigkeit konfrontiert, Jesus zu erkennen, Seine Schritte richtig zu sehen, Seine Worte richtig zu verstehen … - wie kann er dann Christus sichtbar machen?

    Die Aufgabe der Jünger ist es, das empfangene Licht weiterzugeben. Was sie von Jesus bekommen haben, sollen sie furchtlos im Licht, in die Öffentlichkeit verkünden.
    Das Licht in dir bedeutet die Gemeinschaft mit Gott und die Fähigkeit zum Guten, die von Gott kommt. Wie wir wissen, kann der Mensch diese Gabe verscherzen bzw. vertun.

    Das Licht, so lesen wir weiter, soll allen im Haus leuchten oder allen Eintretenden und Dazukommenden, die dort Heimat finden.
    Nicht zu überhören ist der Aufruf zu guten Werken. Die Betonung, dass die Werke zum Ruhm Gottes führen sollen, befreit den Gläubigen von einer Leistungsreligiosität und von der Gefahr, sich selbst in den Mittelpunkt zu stellen. Wenn die Menschen meine guten Werke sehen, sollen sie nicht auf mich, sondern auf Gott aufmerksam gemacht werden.
    - Ihr seid das Licht.
    Der Anfang des Textes, den wir besprechen, klingt sehr konkret und direkt. Es genügt eine kurze Besinnung, um zu hören, dass diese Aussage mich, meine Person meint: Ihr, du, seid das Licht für die Welt.
   Wenn die Sonne scheint, fällt es uns nicht auf, dass die Straßenbeleuchtung eingeschaltet ist. Wenn es aber dunkel wird und erst recht, wenn es ganz finster ist, fallen uns die eingeschalteten Lampen auf.
    Viele jammern über die wachsende Dunkelheit in unserer Gesellschaft und unseren zwischenmenschlichen Beziehungen. Wenige entdecken aber darin eine Herausforderung, mit dem eigenen Licht diese Situation zu erhellen.
   
    Ihr seid das Licht, das Licht leuchtet in der Finsternis. Je dunkler es um mich herum wird, desto deutlicher fällt mein Licht auf. Es geht aber nicht so sehr darum aufzufallen, sondern die Finsternis zu erhellen, zu leuchten, damit jeder den Weg sieht und nicht stolpert.
    Licht sein als Berufung und Sendung ist nicht etwas Statisches, sondern vielmehr ein lebendiger Prozess. Das Licht kann sich entfalten, Schritt für Schritt wachsen und mich ganz umschließen, sodass von mir Licht ausgeht.

   Diese Gabe kann jedoch auch ihre Kraft verlieren und zur Finsternis werden. Wenn aber dein Auge krank ist, dann wird dein ganzer Körper finster sein. Wenn nun das Licht in dir Finsternis ist, wie groß muss dann die Finsternis sein! (Mt 6,23).
   Wenn dein ganzer Körper von Licht erfüllt und nichts Finsteres in ihm ist, dann wird es so hell sein, wie wenn die Lampe dich mit ihrem Schein beleuchtet  (Lk 11,36).

   Licht sein ist eine Gabe und Berufung, die sich in den Schritten des Alltagslebens ausdrückt:
   - als stützende Hand für die Schwachen und Kranken,
   - als Wort der Ermutigung,
   - als verzeihende Geste,
   - als richtungsweisende Lebensgestaltung …
   
   Woher bekommen die Gläubigen, die Gemeinde ihre Strahlungskraft? Jesus beantwortet diese Frage: Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, wird nicht in der Finsternis umhergehen, sondern wird das Licht des Lebens haben (Joh 8, 12).
    Unsere christliche Berufung und Sendung sind groß.

Anemone

  • Gast
Re:MEDITATIONEN ZU TEXTEN DER BIBEL
« Antwort #13 am: 18. März 2011, 13:00:43 »
Einander lieben



   Liebe Brüder, wir wollen einander lieben; denn die Liebe ist aus Gott und jeder, der liebt, stammt von Gott und erkennt Gott. Wer nicht liebt, hat Gott nicht erkannt; denn Gott ist die Liebe. Die Liebe Gottes wurde unter uns dadurch offenbart, dass Gott Seinen einzigen Sohn in die Welt gesandt hat, damit wir durch Ihn leben. Nicht darin besteht die Liebe, dass wir Gott geliebt haben, sondern dass Er uns geliebt und Seinen Sohn als Sühne für unsere Sünden gesandt hat.
   Liebe Brüder, wenn Gott uns so geliebt hat, müssen auch wir einander lieben. Niemand hat Gott je geschaut; wenn wir einander lieben, bleibt Gott in uns und Seine Liebe ist in uns vollendet. Daran erkennen wir, dass wir in Ihm bleiben und Er in uns bleibt: Er hat uns von Seinem Geist gegeben. Wir haben gesehen und bezeugen, dass der Vater den Sohn gesandt hat als den Retter der Welt. Wer bekennt, dass Jesus der Sohn Gottes ist, in dem bleibt Gott und er bleibt in Gott.
   
   (1 Joh 4,7-15)


   Eine erste Begegnug mit diesem Text lässt uns Begriffe entdecken, die in Beziehung zueinander besprochen werden: Liebe, Gott, neue Schöpfung, erkennen...
   Echte Liebe wurzelt in Gott, doch sie strömt zu uns Menschen über. Wer sich von diesen Strömen ergreifen lässt, wird eine neue Schöpfung; wer sich aber dagegen sperrt, bezeugt damit, dass er Gott nicht erkannt hat und in sich eingesperrt bleibt.

   Im Text wird deutlich angedeutet, dass nicht jeder Mensch sich auf die Liebe oder auf das Beispiel Jesu einlässt: Er hat Sein Leben für uns hingegeben, so sollen wir unser Leben füreinander hingeben.
   Es wird uns im Text weiter gesagt: Gott setzt den ersten Schritt, Er schenkt uns Liebe und macht uns dadurch fähig, Liebe zu empfangen und sie zu schenken. So liegt es an uns Menschen, uns von dieser Bewegung der Liebe in Anspruch nehmen zu lassen.
   Gott agiert, handelt, beschenkt uns,
   der Mensch reagiert, antwortet,
   bringt zur Entfaltung, was Gott ihm geschenkt hat.

   In Seiner Liebe hat Gott uns nicht irgendetwas, sondern Seinen geliebten Sohn geschenkt, der den Vater für uns sichtbar macht und uns mit Seiner Botschaft das Verhalten Gottes uns gegenüber vor Augen führt.

   Echte Liebe will aber nicht im Herzen verborgen bleiben, sie sucht Möglichkeiten sich zu zeigen, sie will andere Menschen erreichen, andere mit dieser Kraft glücklich und froh machen.
   Wahre Liebe sucht die Mitteilung,
   die prograssive Hingabe, die Selbsthingabe.
   Viele Schritte sind es, die die wahre Liebe bis zur vollen Entfaltung macht, viele Zwischenstufen sind notwendig bis zur Vollendung.

   In unserer gegenseitigen Liebe lebt und liebt Gott in uns. Johannes beschreibt die Liebe, die unter uns lebt, als Weg, Gott zu erfahren und Sein Geheimnis zu begreifen.
   Die Liebe zueinander wird Merkmal der Gegenwart Gottes mitten unter uns und der Wirkungskraft Seines Geistes.

   Auf einen Punkt werden wir hingewiesen:
   Gott hat Seinen Sohn, Seinen einzigen und innigst geliebten, als Retter für die Welt gesandt. Darin sollen wir die Liebe Gottes erkennen.
   Die Liebe, die Gott zu uns hat, besteht nicht nur in Gefühlen, aus dieser Liebe wachsen Taten: Rettung, die Heilung und Erlösung des Menschen.

   Vieles kommt in der Haltung Jesu zu Ausdruck: Gott ist nicht nur Wéisheit und Macht, Er ist sich schenkende Liebe, die uns schwachen und sündigen Menschen verzeihen und aufhelfen will.
   Jesus als den Retter der Welt zu erkennen und sich zu Ihm bekennen wird als Basis angesehen für ein Ineinander und Miteinander mit dem lebendigen Gott: Gott bleibt in ihm und er bleibt in Gott.

   Wer die Hingabe der Liebe Gottes, die sich uns in Christus mitteilt, versteht, kann nichts anderes versuchen, als Liebe mit Liebe zu beantworten. Diese Antwort wird mit der Zeit umfassender und wesentlicher werden.
   Die Antwort des Menschen wird aber darauf achten, dass die Liebe sich nicht erschöpft in einem persönlichen Verhältnis zu Gott, sie soll vielmehr die kirchliche Gemeinschaft, die Mitmenschen schlechthin umfassen.

   Vielen Dingen schenken wir Aufmerksamkeit im Leben, es wäre aber zielführend, die Vorrangstellung der Liebe nicht zu vergessen: Liebe zu Gott und den Menschen.
   Die gegenseitige Liebe kann ein Zeichen sein, das Menschen dazu führen kann, Gott zu erkennen und an Ihn zu glauben.


Anemone

  • Gast
Re:MEDITATIONEN ZU TEXTEN DER BIBEL
« Antwort #14 am: 19. März 2011, 13:23:19 »
Für Ihn



   Dann wird der König denen auf der rechten Seite sagen: Kommt her, die ihr von meinem Vater gesegnet seid, nehmt das Reich in Besitz, das seit der Erschaffung der Welt für euch bestimmt ist. Denn ich war hungrig und ihr habt mir zu essen gegeben; ich war durstig und ihr habt mir zu trinken gegeben; ich war fremd und obdachlos und ihr habt mich aufgenommen; ich war nackt und ihr habt mir Kleidung gegeben; ich war krank und ihr habt mich besucht; ich war im Gefängnis und ihr seid zu mir gekommen.
   Dann werden ihm die Gerechten antworten: Herr, wann haben wir dich hungrig gesehen und dir zu essen gegeben oder durstig und dir zu trinken gegeben? Und wann haben wir dich fremd und obdachlos gesehen und aufgenommen oder nackt und dir Kleidung gegeben? Und wann haben wir dich krank oder im Gefängnis gesehen und sind zu dir gekommen?
   Darauf wird der König ihnen antworten: Amen, ich sage euch: Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.

   (Mt 25,34-40)

 
   Die Bibelstelle, die wir vor uns haben, ist nur ein Teil des Berichtes über das Weltgericht. Die Stelle vom Gericht beinhaltet eine Anzahl von konkreten Akzenten, die uns helfen können zu erkennen, worauf uns der Herr Jesus aufmerksam machen will.
   Eine Begegnung mit diesem Text lässt uns bald einige Punkte feststellen, in denen wir die Botschaft des Abschnittes wahrnehmen:
   - Ein jeder Mensch wird gerichtet;
   - alle Menschen werden nach dem gleichen Maßstab gerichtet;
   - es wird uns gesagt, was wir Menschen angesicht des Gerichtes auf Erden tun sollen;
   - der Brudergedanke, ursprünglich auf die Gemeindemitglieder bezogen, kann im Kontext des Weltgerichts auf alle Menschen ausgedehnt werden.

   Und wird weiter gesagt, dass der Urteilsspruch nach den Taten jedes Einzelnen ergeht, oder genauer formuliert nach den Liebeswerken, die ein jeder getan oder unterlassen hat. Die Bereitschaft, Verantwortung für unsere Taten zu übernehmen, können wir nicht an andere delegieren oder auf andere abschieben.

   Wir lesen von sechs Werken der leiblichen Barmherzigkeit, eine Aufzählung, die nicht erschöpfend sein will, sondern nur als Illustration zu betrachten ist. Im Alten Testament lesen wir bereits von diesen Arten der Nächstenliebe als Kennzeichen einer Gott wohlgefälligen Frömmigkeit.
   Es gibt aber noch weitere Ausdrucksformen der Nächstenliebe, denn die Not des Mitmenschen ist nicht nur leiblicher oder materieller Natur. Mit dem Hinweis auf diese Schritte der Barmherzigkeit wird uns gesagt, dass es vor Gott auf die Liebe ankommt.

   Sehr vielsagend ist die nächste Betonung: Indem wir dem Geringsten, dem Menschen, der sich in Not befindet, Gutes tun, begegnen wir Ihm selbst, Gott; wer sich dem Menschen verschlossen hat, hat sich Ihm verschlossen.
   Der Herr indefieziert sich mit jedem Menschen, sodass wir zu der Überzeugung kommen: Wer den Menschen in dieser Haltung bejaht, wer ihm die Hand reicht, wer ihm ein Glas Wasser zu trinken gibt, wer ihn freundlich begrüßt, wer ihm aufzustehen hilft ..., hat dies alles für Gott getan. Wer hingegen den Menschen nichts zu tun haben will, wird wohl mit Gott nicht sehr viel zu tun haben. Und doch ist dieses Wissen aus dem Glauben manchmal zu schwach ...

   Eine klare Betonung glaube ich in diesem Bericht zu hören: Die Frage nach meiner Nächstenliebe dürfte gleichbedeutend sein wie die Frage nach meiner Gottesliebe und gleichbedeutend mit der Frage nach meiner Stellung zu Jesus. Denn wer seinen Bruder nicht liebt, den er sieht, kann Gott nicht lieben, den er nicht sieht(1 Joh 4,20).

   Ich überdenke nochmals diese letzte Überlegung, und während ich an die Folgen für den Umgang miteinander denke, erinnere ich mich an die Aussage aus der Bibel: Denn Gott hat Seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit Er die Welt richtet, sondern damit die Welt durch Ihn gerettet wird(Joh 3,17). Gott hat uns gezeigt, welche Schritte zu machen sind, Jesus hat uns die Barmherzigkeit vorgelebt und sie auch von uns gefordert.

   Der Bericht über das Weltgericht ist kein Anlass zur Furcht oder Angst vor Gott, sondern eine Ermutigung, im Leben jene Schritte zu setzen, die vor Gott wichtig sind.
   Wenn wir uns von der Liebe Gottes erfüllen lassen und aus dieser Kraft heraus die Welt und die Menschen selbstlos lieben, wie Jesus es uns hier auf Erden vorgelebt hat, werden wir bestehen.

Anemone

  • Gast
Re:MEDITATIONEN ZU TEXTEN DER BIBEL
« Antwort #15 am: 20. März 2011, 10:33:32 »
Immer neu



   Gleicht euch nicht dieser Welt an, sondern wandelt euch und erneuert euer Denken, damit ihr prüfen und erkennen könnt, was der Wille Gottes ist: was Ihm gefällt, was gut und vollkommen ist (Röm 12,2).


   Wir dürfen nicht mitmachen mit dem Treiben der Welt. Dieser Text beinhaltet nicht zuerst die Aufforderung, durch Aktionen die Welt zu verändern, sondern uns selbst wandeln zu lassen. Wie können wir die Weltverhältnisse ändern, wenn wir selbst nicht verwandelt sind?

   Die Verwandlung in mir ist gefragt. Diese innere Umwandlung ist nicht Sache einer einmaligen Entscheidung, die Welt verlockt uns ja immer wieder, uns ihr anzugleichen. Deswegen muss der Christ in seinem Wandeln ständig werden, was er ist.

   Auffallend ist weiterhin, dass diese fundamentale Verwandlung sich zunächst durch die Erneuerung des Denkens vollzieht: die Fähigkeit zu prüfen, sich zu entscheiden, zu unterscheiden ... Dieses erneuerte Denken hat das Ziel, uns zu einem authentischen Leben aus der Verbindung mit Gott zu verhelfen, dann werden wir erkennen können,
   was der Wille Gottes ist, was gut und edel ist,
   was Ihm gefällt, was vollkommen ist.

 

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