Autor Thema: MEDITATIONEN ZU TEXTEN DER BIBEL  (Gelesen 24670 mal)

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Anemone

  • Gast
Re:MEDITATIONEN ZU TEXTEN DER BIBEL
« Antwort #6 am: 10. März 2011, 12:22:43 »
Gebet



   Wenn ihr betet, macht es nicht wie die Heuchler. Sie stellen sich beim Gebet gerne in die Synagogen und an die Straßenecken, damit sie von den Leuten gesehen werden. Amen, das sage ich euch: Sie haben ihren Lohn bereits erhalten. Du aber geh in deine Kammer, wenn du betest, und schließ die Tür zu; dann bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist. Dein Vater, der auch das Verborgene sieht, wird es dir vergelten.
   Wenn ihr betet, sollt ihr nicht plappern wie die Heiden, die meinen, sie werden nur erhört, wenn sie viele Worte machen. Macht es nicht wie sie; denn euer Vater weiß, was ihr braucht, noch ehe ihr ihn bittet.

   (Mt 6,5-8)


   In diesem Text werden wir auf einige Punkte aufmerksam gemacht. Es beginnt mit der Aufforderung, beim Gebet falsche Einstellungen zu meiden:
   - es nicht zu machen wie die Heuchler, d.h. nicht zu beten mit dem Hintergedanken, von den Menschen gesehen oder gerühmt zu werden. Sie suchen die am meisten befahrenen Straßen und Plätzen, um möglichst aufzufallen.

   - Gebetsübungen werden auch dann verworfen, wenn sie in der Kirche und in frommer Umgebung geschehen- wenn sie dazu dienen, sich selbst zur Schau zu stellen. Es ist widerlich, Gott im Gebet begegnen zu wollen, um uns bei den Menschen Vorteile zu schaffen oder bei ihnen Eindruck zu machen.

   -Der Text unterscheidet nicht zwischen Orten des Gebetes (wir wissen, dass der Tempel und die Synagoge bevorzugt werden), es wird vielmehr die Art des Betens unterstrichen; denken wir etwa an das Gespräch am Jakobsbrunnen: im Geist und in Wahrheit.
   Die positive Form des Betens wird so beschrieben:
Geh in deine Kammer und schließ die Tür zu!
   Der Vater wird es uns vergelten!

   Noch weitere Themen werden hier besprochen:
   - Das Gebet, das richtig verrichtet wird, hat einen Wert vor Gott, denn Gott sieht das Verborgene, was im Herzen geschieht. Er kennt unsere Gedanken und Sorgen, noch bevor wir sie aussprechen.
   Das Gebet hat allerdings nicht nur dann einen Sinn, wenn es von Gott sofort erhört wird und unsere Wünsche erfüllt werden, sondern jedes Gebet, jede Zuwendung im Vertrauen, jeder Kontakt wird von Gott belohnt ... was aber nicht unbedingt bedeutet: sofort oder hier auf Erden. Ist uns bewusst geworden, dass Beten nicht nur jetzt eine Bedeutung, sondern auch einen eschatologischen Wert hat?

   - Ein weiterer Aspekt könnte manches in uns in Frage stellen. Auf Gott einzustürmen, Ihm unsere Wünsche einreden zu wollen oder gar den Versuch zu unternehmen, Ihm zu überreden, passt nicht zu einer Haltung des Vertrauens. Wir wissen, dass Gebet Ausdruck einer persönlichen Bindung an den Vater ist, der uns kennt und liebt.

   Jesus sagt es uns ganz deutlich: Wenn wir zu Ihm sprechen, wissen wir, dass Er unsere Worte enrst nimmt und ein offenes Ohr für uns hat ... - zu überlegen wäre, ob wir Vertrauen zu Ihm haben oder eher meinen, Ihn so lange sekkieren zu müssen, bis Er nachgibt ...
   In Seinen Gebeten handelt Jesus nicht so, Er spricht Seine Bitte und Sein Anliegen aus, schnekt dabei aber Seinem Vater das volle Vertrauen, dass Er richtig entscheiden wird ... nicht wie ich will, sondern wie du willst.

   - Gebet ist eine Sache des Herzens, Ausdruck des Glaubens an Gott. Wenn dies fehlt, dann machen wir nur leere Worte, vielleicht Zauberworte. Die Wiederholung darf nicht den Eindruck von magischer Kraft gewisser Übungen erwecken ...
    In diesem Text lese ich eine Korrektur des Gottesbildes: Gott ist kein unberechenbares Wesen, das Launen hat und mit magischen Übungen oder Formeln zu besänftigen ist; Gott ist für uns ein liebevoller Vater, der die Nöte und Anliegen des Menschen kennt.

   Um Gott zu begegnen, brauchen wir nicht Zauber oder Magie, sonden Vertrauen und einen Blick für Ihn.
   Weil ich vor Augen habe, was Gott uns geschenkt hat, glaube ich, dass Gott uns erschaffen hat und uns als das Werk Seiner Hände schätzt.

Anemone

  • Gast
Re:MEDITATIONEN ZU TEXTEN DER BIBEL
« Antwort #7 am: 11. März 2011, 12:50:08 »
In Gottes Hand



   Die Bildersprache ist in den Augen mancher Menschen kein adäquater Weg, exakt-intellektuelle Formulierungen wiederzugeben. Darum wird sie zu gering geschätzt. Wer die Sprache der Bilder aber richtig hört und versteht, entdeckt eine Form der Mitteilung, die sehr in die Tiefe des Menschen eindringen kann.
   Mit folgenden Bildern möchte ich einige Denkanstöße zur Besinnung geben für Momente der Stille:

   - Ich bin zwar ein Mensch aus Fleisch und Blut,
doch ich weiß, dass Gott mich persönlich schaut,
darum bete ich voll Vertrauen und Zuversicht:
Behüte mich wie den Augapfel,
den Stern des Auges.

Der Augapfel ist etwas Wertvolles,
das man nicht verlieren will,
da die Folgen sehr negativ für Betroffenen sind.
Erstaunlich ist diese Erfahrung der Bibel:
In den Augen Gottes bin ich wertvoll,
dass Er mich unter Seine Obhut nimmt
und mich unversehrt erhält.

   - Ich weiß mich unter Gottes Schutz gestellt,
auch wenn Menschen mir auflauern
oder mich umkreisen und bedrängen:
Ist Gott für uns, wer ist dann gegen uns?
Bei Gott bin ich in jeder Situation geborgen,
der mich behütet, schläft und schlummert nicht,
Er lässt mich keinen Moment aus den Augen,
Er steht mir zur Seite,
damit meine Füße nicht wanken.

   Ich kann immer mit Seiner fürsorglichen Liebe rechnen:
wenn ich zu Hause bin und wenn ich fortgehe,
wenn ich wegfahre und wenn ich zurückkomme,
wenn ich falle und wenn ich aufstehe,
wenn ich krank und wenn ich gesund bin ...
Weder geographische noch moralische Änderungen
in meinem Leben reichen aus,
um Gottes Haltung ins Wanken zu bringen.

   Einfache Bilder aus dem Alltag zeigen uns das
Geheimnis eines uns liebenden Gottes:
Als Wanderer auf Erden erleben ich Momente,
in denen Unsicherheit und Zweifel,
Ermüdung und Enttäuschung mir zusetzen.
Als Wanderer habe ich oft eine Hand erfahren,
die mich hält
und die mir das Gefühl gibt,
gehalten, gestützt und gestärkt zu sein.
Der Herr ist dein Hüter, der Herr gibt dir Schatten;
Er steht dir zur Seite.
Bei Tag wird dir die Sonne nicht schaden
noch der Mond in der Nacht
(Ps 121,5-6).
Immer mehr tauchst du, Herr, auf meinem Lebensweg auf,
wie ein Baum, der mir Schatten spendet
und unter dessen Ästen ich mich ausrasten
und meine Kräfte erneuern kann.

   - Das Bild einer Henne kann uns weitere Aspekte der
Geborgenheit durch Gott vor Augen führen:
Jerusalem, wie oft wollte ich deine Kinder um mich
sammeln, so wie eine Henne ihre Kücken unter ihre
Flügel nimmt; aber ihr habt nicht gewollt
(Mt 23,37).

   Unter den Flügeln Schutz finden vor Gefahr,
vor Kälte,
vor der stechenden Sonne.
Unter den Flügeln finden die Kücken Schutz,
wenn unkluge Schritte Lebensgefahr bedeuten,
wenn Naivität sie in heikle Situationen bringt.

   Unter den Flügeln können Kücken sich entspannen,
ihre Kräfte erneuern, sich schlafen legen.
Sicherheit gibt den Kücken die Nähe der Henne,
ihr Da-Sein und ihre Gegenwart.
Die Kücken können auf sie schauen,
auf sie hören und sich auf sie verlassen.

   Wie ein Vogel mit ausgebreiteten Flügeln wird der Herr der Heere Jerusalem schützen, es beschirmen und befreien, verschonen und retten (Jes 31,5). Der Herr wird dir Geborgenheit und Heimat bieten, doch du musst den Schutz, die Befreiung, die Geborgenheit annehmen.

Anemone

  • Gast
Re:MEDITATIONEN ZU TEXTEN DER BIBEL
« Antwort #8 am: 12. März 2011, 10:52:53 »
Der Mensch



   Viele träumen von einem perfekt funktionierenden und fehlerlosen Menschen, der alles in den Griff bekommt.
   Ich glaube nicht an einen idealen Menschen, der nicht mehr Mensch sein will, sondern ein Produkt seiner selbst. Ich glaube vielmehr an den Menschen, der eine Schöpfung Gottes ist und sich dazu bekennt:
   der Mensch in den Augen Gottes,
   der neue Mensch,
   Gott mitten unter uns erleben.



   Was ist der Mensch?


   Was ist der Mensch, dass du an ihn denkst, des Menschenkind, dass du dich seiner annimmst?
Du hast ihn nur wenig geringer gemacht als Gott, hast ihn mit Herrlichkeit und Ehre gekrönt.
Du hast ihn als Herrscher eingesetzt über das Werk deiner Hände, hast ihm alles zu Füßen gelegt:
All die Schafe, Ziegen und Rinder und auch die wilden Tiere, die Vögel des Himmels und die Fische im Meer,
alles, was auf den Pfaden des Meeres dahinzieht.



   Diese Worte aus dem Psalm 8 behaupten,
dass Gott an den Menschen denkt -
er ist in Seinen Augen so wertvoll,
dass Er ihn nicht vergessen kann;
jeder Mensch ist Ihm so wichtig und willkommen,
dass Er sich um ihn kümmert, sich seiner annimmt.


   Gott hat den Menschen als Herrscher über Seine
Schöpfung bestimmt -
Er hat sich ihm zugewandt
und ihm einen Platz zugewiesen,
der mit Ehre und Würde,
aber auch mit Verantwortung der Schöpfung gegenüber
verbunden ist.

  Gott hat dem Menschen vieles anvertraut:
die Tiere des Feldes,
die Vögel des Himmels,
die Fische des Meeres ...

   Gott hat den Menschen nur wenig geringer gemacht -
Gott ist also größer als der Mensch,
Er hat den Menschen erschaffen und beschenkt.
Der Mensch ist das Werk Gottes,
von Ihm geliebt und bejaht,
von Ihm liebevoll angeschaut als das Werk Seiner Hände!

   Zum Gleichgewicht im Leben des Menschen gehört
die Einhaltung und Ordnung:
Gott ist Schöpfer,
der Mensch ist das Geschöpf.

  Weil ich vor Augen habe, was Gott uns Menschen
geschenkt hat, glaube ich nicht
- an einen perfekt funktionierenden Menschen,
- an einen fehlerlosen Menschen,
-an einen "postitiv denkenden" Menschen, der alles in den
Griff bekommt.
Ich glaube nicht an einen Menschen,
-der sich selbst erlösen kann,
-der sich selbst Bestätigung und Anerkennung verleiht
und sein Leben nur dadurch als wertvoll erachtet,
- der alles machen kann und auf niemand angewiesen ist.

   Ich glaube, das Gott uns Menschen erschaffen hat und
uns als das Werk Seiner Hände schätzt.
Ich glaube an die Liebe und Zuneigung,
mit der Er an mich denkt,
mir manches anvertraut.
Ich glaube an die Fürsorge,
mit der Er mich behütet wie Seinen Augapfel,
den Stern des Auges.

   Ich glaube an den Menschen, der auf unseren Straßen herumgeht, aber ich glaube nicht
an einen idealen Menschen, der nicht existiert.
   Ich glaube nicht an den Menschen, der nicht mehr Mensch sein will, sondern ein Produkt
seiner selbst.
Ich glaube an den Menschen,
der eine Schöpfung Gottes ist und sich dazu bekennt.

Anemone

  • Gast
Re:MEDITATIONEN ZU TEXTEN DER BIBEL
« Antwort #9 am: 13. März 2011, 12:12:01 »
Der neue Mensch



   Ich sage es euch und beschwöre euch im Herrn: Lebt nicht mehr wie die Heiden in ihrem nichtigen Denken! Ihr Sinn ist verfinstert. Sie sind dem Leben, das Gott schenkt, entfremdet durch die Unwissenheit, in der sie befangen sind, und durch die Verhärtung ihres Herzens. Haltlos wie sie sind, geben sie sich der Ausschweifung hin, um voll Gier jede Art von Gemeinheit zu begehen. Das aber entspricht nicht dem, was ihr von Christus gelernt habt. Ihr habt doch von Ihm gehört und seid unterrichtet worden in der Wahrheit, die Jesus ist. Legt den alten Menschen ab, der in Verblendung und Begierde zugrunde geht, ändert euer früheres Leben und erneuert euren Geist und Sinn! Zieht den neuen Menschen an, der nach dem Bild Gottes geschaffen ist in wahrer Gerechtigkeit und Heiligkeit.
(Eph 4,17-24)


   Eine erste Begegnung mit diesen Text zeigt, dass für Paulus ein tiefer Kontrast zwischen der Lebensführung(Gesinnung und Wandel)von Christen und Heiden besteht. Und die christliche Botschaft in den Vordergrund zu stellen, unterstreicht er als Hintergrund sehr kräftig die negativen Züge des Lebens der Heiden.
   Paulus entdeckt - von der Warte einer grichischen Denkweise her gesehen - in dem absoluten Mangel an Gotteserkenntnis den Grund für die heidnische Lebensführung:
-intelektuelle Verfinsterung,
-Entfremdung, die sich als Leben ohne Begegnung des Menschen mit Gott zeigt,
-Verhärtung des Herzens.

   Aus der religiösen Verdunkelung und der inneren Verhärtung folgt der gottlose, sündige Wandel des alten Menschen. Aus einer vergifteten Wurzel, aus vergifteten Zweigen und Blüten können ja keine guten Früchte wachsen.
   Der alte Mensch lebt in der Finsternis und dies wirkt sich in konkreten Bereichen seines Lebens aus, wie Paulus uns vor Augen führt:
-Verfinsterung im Denken,
-Verstockung des Herzens,
-Verblendung im Wandel.

   Wer neu geworden ist, hat Jesus als den mächtigen Retter vor Sünde und Tod erfahren, denn Christus hat uns mit Seinem Blut für Gott erkauft, zu einem Leben und Wandel mit Gott. Wer neu geworden ist, hat Christus nicht in der Weise erfahren, als ob noch die Möglichkeit offen bliebe, wie ein Heide zu handeln.

   Es ist wichtig zu unterscheiden zwischen dem, was uns als Christen auszeichnet, und dem, was wir anzustreben haben. Was uns auszeichnet, ist die Tatsache, dass unser Leben einen Sinn hat, weil wir als Kinder Gottes aus Gott und auf Gott hin leben.
   Aus dieser Glaubenshaltung kommt Paulus zu einem sittlichen Verhalten im Alltag, das ein Weg ist, dem nachzustreben, was wir noch nicht zur Gänze besitzen und was Schritt für Schritt wachsen kann.

   Der neue Mensch wird charakterisiert durch drei Schritte, die an die Taufzeremonie erinnern:
-die Kleider ablegen,
-neu werden,
-ein neues Kleid anziehen.

   In diesen Sätzen macht uns Paulus aufmerksam  auf eine Grundsatzentscheidung, die eine Bekehrung und ein Bekenntnis zu Jesus Christus beinhaltet, egal was dieser Schritt kostet. Er erwartet von uns den Mut zu neuem Leben. Unterstrichen ist das Wort neues Leben.

   Eine allmählige Besserung durch äusseres Verbessern, Polieren und Flicken kann kein neues Leben hervorbringen. Solche Schritte können aber sinnvoll sein in Zeiten, in denen die Grundentscheidung farblos zu werden beginnt, d.h. wenn ein Prozess des Erschlaffens und Abstumpfens im Gange ist.


Besinnliches


   Zusammenfassend möchte ich unterstreichen, dass Paulus uns auf ein sehr wichtiges Thema unter zwei Gesichtspunkten aufmerksam macht:
   ein neuer Mensch werden und als neuer Mensch leben,
   auf der einen Seite Wiedergeburt aus dem Wasser und dem Geist, auf der anderen aber Heiligung.

   Das eine ist das Einmalige, das absolut Gültige, das uns geschenkt wird; das andere ist im Werden, kann zunehmen, abnehmen, gesunden und krank werden
...das zweite ist ja kein Zustand, sondern eine Bewegung
  -immer mehr um Gott kreisen, immer mehr auf Ihn hin.

   Wiederholt hören wir, dass wir - durch Gottes Gnade und Erbarmen - Kinder des Lichts geworden sind. Diese Gnade, die Gott uns geschenkt hat, zeichnet uns als Christen aus. Damit eng zusammen hängt aber die Einladung, als Kinder des Lichts zu leben und Werke des Lichts zu tun.

   Wir neigen jedoch zu Haltungen, die eher Ausdruck von Halbheit sind: nicht ganz Finsternis, dies würde ja eine klare Gegenposition bedeuten, aber auch nicht ganz Licht, denn das würde von uns viel Konsequenz verlangen.
   Wir bringen nicht Früchte des Lichts hervor, das unsere Schritte nicht auf dem Weg des Lichts erfolgen. Für uns gilt, aus der Finsternis zum Licht zu gelangen, aus der Finsternis zum Licht zu gelangen, aus der Finsternis herauszukommen und uns auf den Pfad des Lichts zu begeben.
   Jesus ist das Licht. Wenn wir Ihm gehören, werden wir auch Schritte des Lichts setzen.

Anemone

  • Gast
Re:MEDITATIONEN ZU TEXTEN DER BIBEL
« Antwort #10 am: 14. März 2011, 09:42:14 »
In deiner Mitte



   Vielleicht ist die Erfahrung der eigenen Grenzen der Grund, warum Menschen unter Umständen ängstlich bzw. unsicher sind:
   Angst vor Gefahren,
   Angst, allein Entscheidungen zu treffen,
   Angst, den Weg zu verfehlen,
   Angst, müde zu werden,
   Angst, das Ziel nicht zu erreichen,
   Angst, sich zu blamieren …

   In diesem Zusammenhang sind die Worte der Bibel  sehr tröstlich: Ich bin mit dir, ich behüte dich, wohin du auch gehst, und bringe dich zurück in dieses Land. Denn ich verlasse dich nicht, bis ich vollbringe, was ich dir ver- sprochen habe (Gen 28, 15).

   Hier wird deutlich die Nähe Gottes an jedem Ort unter- strichen. Gott ist überall bei dir und reicht dir Seine schüt- zende Hand. Für Gottes schützende Hand gibt es keine geographische Entfernung, denn Er überbrückt sie mit Seiner Allmacht.
   Wiederholt lese wir im Alten Testament, dass Gott uns zur Seite steht und wir uns – inmitten der Aufgaben, die das Leben an uns stellt – nicht fürchten müssen. Dieser Gedanke verlangt unter Umständen viel von uns, denn es wird uns gesagt:
Verlass dich nicht nur auf dich selbst,
auf deine Taktik und Kraft,
auf dein Können;
rechne mit Gott,
hab Vertrauen zu Ihm,
Er gibt dich nicht preis,
Er verlässt dich nie!

   Beim Propheten Jesaja lesen wir: Fürchte dich nicht, denn ich bin bei dir; hab keine Angst, denn ich bin dein Gott. Ich helfe dir, ich mache dich stark, ja, ich halte dich mit meiner hilfreichen Rechten (Jes 41, 10).

   Furchtlosigkeit wird gepriesen als Folge des Glaubens an Jahwe. Jahwe ist dein Gott. Er ist mächtiger als die Götter der Völker. Mit ihm kannst du rechnen.
   Gott unterstreicht Seine Bereitschaft, uns Menschen zu helfen, indem er betont: Ich bin dein Gott, ein Gott für dich, ein Gott, der sich zu dir bekennt, ein Gott der sich verpflichtet fühlt, deine Sache zu verteidigen.
   Der Prophet Zefanja wagt zu sagen, dass Gott in unserer Mitte ist, sich über uns freut und jubelt und Seine Liebe zu uns erneuert (Zef 3, 17).

   Der Glaube an Gott wird zum Halt für den Menschen. Weil der Mensch auf festem Boden steht, kann er gelassen seinen eigenen Weg gehen, im Vertrauen darauf, dass Gott ihn an der Hand festhält und in jeder Situation des Lebens zu ihm steht.

Anemone

  • Gast
Re:MEDITATIONEN ZU TEXTEN DER BIBEL
« Antwort #11 am: 16. März 2011, 12:03:56 »
Christlich leben


   Beziehung zu Gott und Beziehung zu den Mitmenschen gehören zusammen, wie wir wiederholt in verschiedenen Texten der Bibel lesen.
   Es besteht die Gefahr einer Ideologie und einer verstandesmäßigen Religion, die eine vertikale Verbindung mit Gott sucht, dabei aber den eigenen Lebensrahmen vernachlässigt.
   Wir denken an jene Worte, die uns ermutigen:
   wahres Licht zu werden,
   als Licht zu leben,
   einander zu lieben
   und für den Herrn zu leben.
 


Das wahre Licht


   Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und das Wort war Gott. Im Anfang war es bei Gott. Alles ist durch das Wort geworden und ohne das Wort wurde nichts, was geworden ist. In ihm war das Leben und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht leuchtet in der Finsternis und die Finsternis hat es nicht erfasst.
   Es trat ein Mensch auf, der von Gott gesandt war; sein Name war Johannes. Er kam als Zeuge, um Zeugnis abzulegen für das Licht, damit alle durch ihn zum Glauben kommen. Er war nicht selbst das Licht, er sollte nur Zeugnis ablegen für das Licht. Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt. Er war in der Welt und die Welt ist durch Ihn geworden, aber die Welt erkannte Ihn nicht. Er kam in Sein Eigentum, aber die Seinen nahmen Ihn nicht auf. Allen aber, die Ihn aufnahmen, gab Er Macht, Kinder Gottes zu werden...
(Joh 1,1-12)

   Die Bibel verbindet mit Finsternis Nacht. Nacht erweckt in den Aussagen der Bibel nicht selten das Gefühl von Schrecken und Angst.
   Wie uns bekannt ist, war das Volk Israel ein Volk von Nomaden. Die Nomaden haben vor der Nacht Angst, weil sie in der Dunkelheit der Nacht von Räubern oder von wilden Tieren überfallen werden können. Von dieser Erfahrung aus gesehen werden wir manche Betonungen in der Bibel verstehen:
   Nacht und Dunkelheit werden zum Symbol des Unheils,
   die Nacht ist die Zeit des Würgegels,
   die Nacht ist die Zeit der Tränen und des Todes,
   die Nacht ist Symbol des Bösen und der Sünde.

   Der Abend und der Sonnenuntergng sind ein häufiges Sinnbild für Prüfung und Unheil: Ist kein Licht, erhebt sich der Mörder, tötet Elende und Arme; in der Nacht gleicht er dem Dieb (Ijob 24,14).

   Wir lesen in der Bibel weiter von Kindern des Lichts und Kindern der Finsternis. Während mit Licht ethisches Verhalten und tugendhaftes Leben gleichgesetzt werden, hat Finsternis mit Undurchsichtigkeit, Unechtheit und Bosheit zu tun.

   Die Begegnung mit diesem Text aus dem Johannes-Evangelium kann uns dazu führen, den Kopf zu schütteln als Zeichen dafür, dass wir das Verhalten jener Menschen nicht verstehen, die das wahre Licht nicht angenommen haben. Auf der einen Seite wird erzählt von einem Boten, der im Voraus auf das Kommen des Lichtes aufmerksam machte, und dann hören wir, dass die Menschen das wahre Licht nicht erkannten, dass sie es ablehnten und sich dagegen wehrten.

   Ist es tatsächlich so eine Seltenheit, dass Menschen die Finsternis lieber haben als das Licht? Finsternis ist zu bevorzugen, wenn etwas im Geheimen bleiben soll, wenn etwas undurchsichtig ist und nicht entlarvt werden soll, wenn dunkle Gedanken nicht als Licht kommen sollen.

   Im Wort Gottes werden wir auf einen Erfahrung aufmerksam gemacht: Es gibt Menschen, die sich im Bereich der Finsternis, der Gottlosigkeit und Ungerechtigkeit bewegen, und Menschen, die im Licht wandeln und handeln.
Es gibt Menschen, so sagt uns die Erfahrung, die mit ihrem Dasein ihre Umwelt heller, lichter, zukunftsvoller machen, und Menschen, die alles um sich herum finster, dunkel, trostlos machen.

   Für uns gilt aber die Aufforderung, uns aus der Finsternis zum Licht zu bewegen, auf den Pfad des Lichtes zu kommen. Gott selbst ist das Licht der Glaubenden, dieses Licht aber ist zu uns in Jesus Christus gekommen: Der Herr ist mein Licht und mein Heil: Vor wem sollte ich mich fürchten? Der Herr ist die Kraft meines Lebens: Vor wem sollte mir bangen? (Ps 27,1).

   Wer im Licht Christi wandeln will, muss sich Ihm durch den Glauben und durch die Liebe anschießen. Wir sind eingeladen, in seinshafter Beziehung zu Gott zu stehen. Der Glaube ist ein Ausdruck dieser inneren Verbudenheit mit Gott und die Liebe ist ein Weg, um zu diesem Licht zu gelangen und in diesem Licht zu bleiben.

 

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