Autor Thema: Kirchenjahr  (Gelesen 39041 mal)

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velvet

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Antw:Kirchenjahr
« Antwort #16 am: 10. Juli 2012, 08:36:46 »
14. Sonntag im Jahreskreis


Jesus wunderte sich über ihren Unglauben
Jesus kommt in seine Heimatstadt. Markus erwähnt hier deren Namen nicht, hat aber in 1,9 dem Leser bereits mitgeteilt, dass Jesus aus Nazaret stammt. "Aus Nazaret? Kann von dort etwas Gutes kommen?" An diese Frage des Natanael aus dem Johannesevangelium (Joh 1,46) werden wir uns vielleicht beim heutigen Evangelium erinnern.
Zur Zeit Jesu war Nazaret ein unbedeutendes Dorf, seine Bewohner hausten in Kalksteinhöhlen oder wohnten in schlichten, aus Kalkstein erbauten, einstöckigen Häusern. Ein öder Ort, der nichts Sehenswertes zu bieten hatte. Die Menschen dort dürften recht engstirnig gewesen sein.
Jesus wird in seinem Heimatort nicht als "großer Sohn unserer Stadt" gefeiert. Sicher, die Leute wissen, was aus diesem Jesus geworden ist, der vor kurzem noch als Zimmermann den Beruf seines Vaters im Ort fortgeführt hat. Sie haben gehört, wie überall die Massen zu ihm hinströmen. Jetzt sind sie neugierig und wollen hören, was Jesus zu sagen hat.
Als Jesus zu ihnen spricht, sind sie erst einmal erstaunt über seine Worte, doch dann beginnen sie zu zweifeln. Sie glauben nicht daran, dass dieser Jesus, der in ihrer Mitte aufgewachsen ist, der Messias sein soll. Für sie ist er nur ein Handwerker, der seinen Beruf an den Nagel gehängt hat, und es vorzieht, müßig durch die Gegend zu ziehen. Sie kennen seine Verwandten. Auch das sind keine großen Leute. Rein irdisch gesehen hat Jesus keine vornehme Herkunft vorzuweisen, die ihn zu Höherem prädestiniert hätte in den Augen der Menschen.
Die Leute aus Nazaret zeigen Jesus offen ihre Ablehnung. Wegen ihres Unglaubens kann dort nicht das geschehen, was an anderen Orten geschieht, wo alle Kranken zu Jesus kommen und Heilung finden. Die Bewohner Nazarets bleiben in ihrer Trostlosigkeit gefangen. Nur ein paar vereinzelte Kranke kommen zu Jesus und werden geheilt.
Jesus ist verwundert über ihren Unglauben. Er wundert sich darüber, dass die Menschen lieber in ihrer trostlosen Dunkelheit bleiben wollen, als die lichtvolle Freude des Reiches Gottes zu kosten. Sicher hat Jesus die Ablehnung durch die ihm vertrauten Menschen auch verletzt. Schließlich haben sie ja verächtlich über seine Mutter und seine Verwandten geredet. Jesus war ganz Mensch und deshalb wird ihn dies nicht unberührt gelassen haben. Doch Jesus macht weiter. Er zieht in die anderen Dörfer der Gegend und lehrt dort.
Jesus hat die Ablehnung in seiner Heimat wohl geschmerzt, nicht aber an sich zweifeln lassen. Nie macht Jesus sein Selbstwertgefühl von Lob oder Tadel, Annahme oder Ablehnung anderer abhängig. Jesus weiß um seine Sendung. Er weiß, dass sein Wort den Menschen das Heil bringt. Wenn Jesus traurig ist, dann darüber, dass die Menschen dieses Heil nicht annehmen wollen und so letztlich sich selbst schaden.
"Jesus war wirklich frei. Seine Freiheit wurzelte in seiner spirituellen Erfahrung, Gottes geliebtes Kind zu sein. Er wusste in der Tiefe seines Wesens, dass er schon vor seiner Geburt zu Gott gehört hatte; dass er in die Welt gesandt war, um Gottes Liebe zu verkünden; und dass er nach der Erfüllung seiner Sendung zu Gott zurückkehren würde.
Dieses Wissen schenkte ihm die Freiheit, reden und handeln zu können, ohne der Welt gefallen zu müssen, sowie die Kraft, mit der heilenden Liebe Gottes auf alles eingehen zu können, worunter die Menschen litten." (Henri Nouwen)
Bitten auch wir Gott darum, dass wir nie aus den Augen verlieren, wie groß Gott uns gemacht hat. Wir sind Töchter und Söhne Gottes und in sein himmlisches Reich berufen. Nicht Lob und Tadel der Menschen sollen uns bestimmen, sondern allein das Streben danach, uns als Bewohner des himmlischen Reiches würdig zu erweisen.
Wenn ich schwach bin, dann bin ich stark.
In diesen Worten des Apostels Paulus liegt ein Widerspruch, der die Leser stutzig machen und zum Nachdenken anregen soll. Der große Rahmen, in dem diese Worte stehen, sind Probleme in der Gemeinde von Korinth. Scheinbar sind dort alle möglichen Lehrer aufgetreten, von denen jeder behauptet, wie toll er ist. Jeder hat schnell seine Fangemeinde um sich gesammelt und die eine Gemeinde Jesu Christi ist in viele Grüppchen zerfallen, die miteinander nichts zu tun haben wollen.
Menschen sehen gerne auf das Äußere. Zeig was du kannst. Viele lassen sich vom äußeren Schein beeindrucken und prüfen nicht, was dahinter steckt. Es gibt Menschen, die können sich groß machen, ohne wirklich groß zu sein. Paulus will kein solcher Blender sein. Ihm geht es nicht um seinen eigenen Ruhm, sondern um Jesus Christus. Er will die Menschen zur Begegnung mit Jesus führen, der ihnen Heil und Leben schenkt.
Paulus hat genug Qualitäten, deren er sich rühmen könnte. Wenn wir die Apostelgeschichte lesen, erfahren wir, welch große Taten er vollbracht hat und welche Kraft in ihm steckt. Aber er sagt deutlich: Diese Kraft kommt nicht aus mir selbst, diese Kraft schenkt mir Jesus.
Der Stachel im Fleisch, von dem Paulus spricht, ist zu einer sprichwörtlichen Redensart geworden. Vielleicht haben wir das, was Paulus meint, an uns selbst erfahren. Jeder hat seine besonderen Talente, aber jeder hat auch ein Handikap, eine Schwäche. Gott schenkt uns viel Gutes und nimmt auch viel Schweres von uns, aber diese eine Schwäche bleibt, sie gehört zu uns. Wir werden sie nur überwinden, wenn wir sie annehmen. Wenn wir diese eine Schwäche nicht annehmen, dann können wir daran zugrunde gehen, wenn wir sie aber annehmen, dann können wir daran wachsen, dann kann aus dieser Schwäche eine Kraft entstehen, die unserem ganzen Leben eine neue Dynamik schenkt.
Es ist wie mit einer Perle. Der Ursprung jeder Perle ist ein kleines, lästiges Stück Schmutz, oft ein Sandkorn, das in die Muschel hineinkommt und sie stört. Da sie es nicht mehr los werden kann, umgibt sie es mit Perlmut, und im Laufe der Zeit entsteht daraus eine wunder- schöne Perle. Die Muschel hat an der Perle keinen Nutzen, aber wer sie findet, der freut sich an deren Glanz.
So wird auch der Stachel im Fleisch des Paulus für andere nützlich. Seine Schwäche hat er verwandelt in eine Stärke. Der Perlglanz über dem Stachel kommt nicht von ihm, sondern wurde ihm ganz von Christus geschenkt. So will Gott auch unsere Schwächen und dunklen Seiten mit dem Glanz seiner Gnade umgeben und so zum Leuchten bringen.

velvet

  • Gast
Antw:Kirchenjahr
« Antwort #17 am: 14. Juli 2012, 02:40:03 »
15. Sonntag im Jahreskreis
   

In jenen Tagen sagte Amazja, der Priester von Bet-El, zu Amos: Geh, Seher, flüchte ins Land Juda! Iss dort dein Brot, und tritt dort als Prophet auf! In Bet-El darfst du nicht mehr als Prophet reden; denn das hier ist ein Heiligtum des Königs und ein Reichstempel.
    Amos antwortete Amazja: Ich bin kein Prophet und kein Prophetenschüler, sondern ich bin ein Viehzüchter, und ich ziehe Maulbeerfeigen. Aber der Herr hat mich von meiner Herde weggeholt und zu mir gesagt: Geh und rede als Prophet zu meinem Volk Israel!

Zweite Lesung

Eph 1, 3-14

    Gepriesen sei Gott, der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus: Er hat uns mit allem Segen seines Geistes gesegnet durch unsere Gemeinschaft mit Christus im Himmel. Denn in ihm hat er uns erwählt vor der Erschaffung der Welt, damit wir heilig und untadelig leben vor Gott; er hat uns aus Liebe im Voraus dazu bestimmt, seine Söhne zu werden durch Jesus Christus und nach seinem gnädigen Willen zu ihm zu gelangen, zum Lob seiner herrlichen Gnade. Er hat sie uns geschenkt in seinem geliebten Sohn; durch sein Blut haben wir die Erlösung, die Vergebung der Sünden nach dem Reichtum seiner Gnade.
    Durch sie hat er uns mit aller Weisheit und Einsicht reich beschenkt und hat uns das Geheimnis seines Willens kundgetan, wie er es gnädig im Voraus bestimmt hat: Er hat beschlossen, die Fülle der Zeiten heraufzuführen, in Christus alles zu vereinen, alles, was im Himmel und auf Erden ist.
    Durch ihn sind wir auch als Erben vorherbestimmt und eingesetzt nach dem Plan dessen, der alles so verwirklicht, wie er es in seinem Willen beschließt; wir sind zum Lob seiner Herrlichkeit bestimmt, die wir schon früher auf Christus gehofft haben.
    Durch ihn habt auch ihr das Wort der Wahrheit gehört, das Evangelium von eurer Rettung; durch ihn habt ihr das Siegel des verheißenen Heiligen Geistes empfangen, als ihr den Glauben annahmt. Der Geist ist der erste Anteil des Erbes, das wir erhalten sollen, der Erlösung, durch die wir Gottes Eigentum werden, zum Lob seiner Herrlichkeit.

Evangelium

Mk 6, 7-13

    In jener Zeit rief Jesus die Zwölf zu sich und sandte sie aus, jeweils zwei zusammen. Er gab ihnen die Vollmacht, die unreinen Geister auszutreiben, und er gebot ihnen, außer einem Wanderstab nichts auf den Weg mitzunehmen, kein Brot, keine Vorratstasche, kein Geld im Gürtel, kein zweites Hemd und an den Füßen nur Sandalen.
    Und er sagte zu ihnen: Bleibt in dem Haus, in dem ihr einkehrt, bis ihr den Ort wieder verlasst. Wenn man euch aber in einem Ort nicht aufnimmt und euch nicht hören will, dann geht weiter, und schüttelt den Staub von euren Füßen, zum Zeugnis gegen sie.
    Die Zwölf machten sich auf den Weg und riefen die Menschen zur Umkehr auf. Sie trieben viele Dämonen aus und salbten viele Kranke mit Öl und heilten sie.

    Amos

    Der Prophet Amos             
    "Geh und rede als Prophet zu meinem Volk Israel!" Das ist der Auftrag Gottes an den Propheten Amos. Amos ist der Prophet der Gerechtigkeit. Ein markanter Satz seiner Botschaft lautet: "Sucht das Gute, dann werdet ihr leben!"
    Amos trat in der Mitte des 8. Jahrhunderts vor Christus im Nordreich Israel auf. Er ruft seine Worte einer Gesellschaft zu, die meint in höchster Blüte zu stehen und nicht merkt, daß sie fast tot ist.
    Nach dem Tod König Salomos wurde Israel in das Südreich Juda und das Nordreich Israel geteilt. Beide litten unter den Angriffen ihrer Nachbarvölker. Unter Jerobeam II. war es im Nordreich nach einer langen Periode kriegerischer Auseinander- setzungen wieder zu Ruhe, Frieden und wirtschaftlichem Aufschwung gekommen. Doch davon profitierte nur eine kleine Oberschicht. Die einfache Bevölkerung geriet immer mehr in Armut und Abhängigkeit. Die Reichen verstanden es, sich durch ungerechte Machenschaften immer mehr zu bereichern.
    Gott wird in den Reichsheiligtümern, allen voran Bet-El, mit einem pompösen Kult verehrt. Doch feiert die Oberschicht nicht einfach nur sich selbst durch diesen Kult? Die staatlich angestellten Hofpropheten tun ihr übriges dazu, daß man sich im Recht und ob seines Reichtums in besonderem Maße als von Gott auserwählt wähnt.
    Da tritt der Prophet Amos als Störenfried auf. "Sucht das Gute, dann werdet ihr leben!"
    Aber wir leben doch und das nicht schlecht. Und überhaupt: was will dieser Fremde aus dem Südreich Juda hier bei uns? Er soll doch wieder nach Hause gehen.
    Doch Amos bleibt. Er weiß sich von Gott als Prophet berufen. Er hat seine Heimat, seine Herde und seine Maulbeerfeigen verlassen. Er folgt dem Auftrag Gottes: "Geh und rede als Prophet zu meinem Volk Israel!" Er ist frei und braucht in seinen Reden auf niemand Rücksicht zu nehmen. Er gehört nicht zu den Hofpropheten, die nur gefällige Sprüche sprechen dürfen, weil sie sonst um ihr Einkommen fürchten müssten.
    Er verkündet den Ruf Gottes nach Gerechtigkeit. Gott verabscheut die pompösen Gottesdienste, die fetten Opfer und den Lärm der Lieder, weil er nicht mit dem Leben zusammengeht. Es nützt nichts, auf der einen Seite Gottesdienst zu feiern und dann hinauszugehen und Unrecht zu begehen. Leben und Gottesdienst müssen in Einklang zueinander stehen. Das Unrecht macht das Land kaputt. Mag es auch Reichtum bringen, am Ende bringt es den Tod. Nur die Gerechtigkeit bringt Leben. Sucht das Gute, dann werdet ihr leben!
    Wenige Jahre nach seinem Auftreten wird das Nordreich von den Assyrern erobert und verschwindet für immer von der Landkarte.

    Segen

    Lobpreis und Segen
    Preisen und segnen, was im Deutschen zwei verschiedene Wörter sind, das wird in den alten Sprachen mit dem gleichen Wort ausgedrückt. Benedicere, wörtlich "Gutes sagen", das meint einerseits das Lob, das der Mensch Gott darbringt, aber auch den Segen, den Gott schenkt.
    Somit wird deutlich, dass Preisen und Segnen in einem untrennbaren Zusammenhang stehen. Wer Gott lobt, der tritt ein in die Beziehung mit Gott, aber noch bevor der Mensch Gott lobt, hat ihn Gott schon mit seinem Segen beschenkt.

    Sendung

Die Aussendung der Zwölf


    In jener Zeit rief Jesus die Zwölf zu sich
    und sandte sie aus, jeweils zwei zusammen.
    Und er gab ihnen Vollmacht über die unreinen Geister.

Jesus ist es, der seine Jünger ruft und sendet. Be-rufung ist ein persönlicher Vorgang, der sich zwischen Jesus Christus und dem Einzelnen ereignet. Der Ruf Jesu zur Umkehr und zum neuen Leben im Reich Gottes ergeht an alle Menschen. Alle können Mitbürger im Reich Gottes sein, die Aufnahme in den engeren Kreis um Jesus setzt aber eine explizite Berufung voraus.
Bereits im Neuen Testament begegnen wir der Vielschichtigkeit der Bürgerschaft im Reich Gottes. Da sind die Zwölf, die Jesus zu seinen engsten Begleitern beruft. Es gibt da aber auch noch andere, die Jesus nachfolgen auf seinem Weg, es wird einmal von der Sendung der 72 berichtet, auch der geheilte Bartimäus folgt Jesus. Dann gibt es aber auch noch andere, die nicht das Wanderleben Jesu teilen und doch zu seinen Jüngern gehören. Das bekannteste Beispiel dafür sind Maria, Marta und Lazarus, die Jesus mehrmals in ihrem Haus empfangen haben. Sie haben vor Ort ein Leben nach Jesu Wort gelebt und die umherziehenden Jünger aufgenommen. Auch später gab es Wanderapostel, aber auch Jünger Jesu, deren Häuser zum Zentrum der Gemeindebildung wurden.
Bis heute ist es so, dass viele dazu gerufen sind, an ihrem Platz in der Welt ein christliches Leben zu führen, und nur wenige in die radikale Nachfolge Jesu berufen sind, die mit einem radikalen Schnitt im Leben, einem Ausstieg aus der Welt und einer totalen Hingabe an die Vorsehung Gottes verbunden ist. Charles de Foucauld schreibt dazu an seinen Freund Louis Massignon:
"Arbeiten sie, beten sie, halten sie die Schwierigkeiten aus, tun sie Menschen Gutes, mit denen sie unmittelbar zu tun haben! Die Liebe Gottes lernt man, indem man die Menschen liebt. Der Weg zur Gottesliebe geht über die konkrete Nächstenliebe.
Ich habe keine Ahnung, wozu sie Gott im Besonderen beruft. Ich weiß aber sehr gut, wozu er alle Christen beruft, Frauen und Männer, Priester und Laien, Ehelose und Verheiratete: Apostel zu sein.
Apostel durch ihr Beispiel, durch Güte, durch wohltuenden Umgang, durch Zuneigung, die wieder Zuneigung weckt und zu Gott führt. Apostel, sei es wie Paulus, sei es wie Priszilla und Aquila. - Allen alles werden."

Jesus sendet die Jünger zu zweit aus. Verkündigung geschieht in Gemeinschaft. Einer allein kann oft nur wenig ausrichten. So galt auch im Judentum erst das Zeugnis von zwei Menschen als wahr. Sie bekräftigen so die Wahrheit der Botschaft Jesu. Wenn man zu zweit ist, kann man einander helfen, wenn einer in Gefahr gerät. Auch das war bei einem ungesicherten Wanderleben, bei dem man nicht damit rechnen konnte, stets auf freundlich gesinnte Menschen zu treffen, notwendig.
Doch auch für das geistliche Leben ist ein Begleiter wichtig. Unverzichtbar sind das gemeinsame Gebet, der Austausch über die Erfahrungen und der Beistand des anderen, wenn einer Zweifeln oder Anfechtungen ausgesetzt ist. Jesus sagt auch: "Was zwei von euch gemeinsam erbitten, werden sie erhalten. Denn wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen." So wird deutlich, dass die Jünger nicht in ihrem eigenen Namen kommen, sondern dass Jesus bei ihnen ist und durch sie wirkt.
"Es ist Jesus, der heilt, nicht ich; es ist Jesus, der Worte der Wahrheit spricht, nicht ich; es ist Jesus, der Herr ist, nicht ich. Das kommt sehr klar und sichtbar zum Ausdruck, wenn wir die erlösende Macht Gottes gemeinsam verkünden. Ja, sooft wir gemeinsam Dienst an den Menschen tun, können sie leichter erkennen, dass wir nicht in unserem eigenen Namen kommen, sondern im Namen Jesu des Herrn, der uns gesandt hat." (Henri Nouwen)

    Sendung

    Und er trug ihnen auf, dass sie nichts mitnehmen auf den Weg,
    nur einen Stock, aber kein Brot, keine Vorratstasche,
    kein Geld im Gürtel, sondern Sandalen untergebunden, und:
    Zieht nicht zwei Untergewänder an.

Die Jünger sollen sich ganz auf Gottes Vorsehung verlassen und darauf, dass sie stets Menschen begegnen, die ihnen das Nötige zukommen lassen. "Sorgt euch nicht um morgen!" Dieses Wort Jesu wird hier ebenso lebendig wie die Vater-Unser-Bitte um das tägliche Brot. Zugleich sehen wir uns an die Wüstenwanderung des Volkes Israel erinnert. Damals sollten die Menschen nur für einen Tag das Manna sammeln und stets darauf vertrauen, dass Gott es ihnen am nächsten Morgen wieder von neuem schenken wird.
"Das leichte Gepäck der Nachfolger Jesu soll auf das Neue verweisen, das jetzt in Israel geschieht. Überall in den Städten und Dörfern finden die Jünger bei ihrer Verkündigung der Gottesherrschaft Anhänger und Sympathisanten Jesu, "Menschen des Friedens" (Lk 10,6), die sie in ihre Häuser aufnehmen und mit allem versorgen.
Die Jünger bleiben also nicht allein. Um sie herum beginnt sich das wahre, endzeitliche Israel zu sammeln. Sie sind zwar mittellos - aber sie haben alles. Sie sind zwar arm - und sind doch reich. Eine Gruppe von Menschen im ganzen Land, die alle vom Reich Gottes ergriffen sind, die einander rückhaltlos vertrauen, die miteinander teilen, die füreinander sorgen: das ist eine unerschöpfliche Reserve.
So geht es in der Ausrüstungsregel der Jünger nicht zuerst um Armut oder Anspruchslosigkeit. Die fehlende Ausrüstung der Jünger ist vielmehr ein hinweisendes Zeichen auf das endzeitlich-solidarische Miteinander im Gottesvolk, das die Jünger Jesu frei und verfügbar macht." (Gerhard Lohfink)

    Und er sagte zu ihnen: Bleibt in dem Haus, in dem ihr einkehrt, bis ihr den Ort wieder verlasst. Wenn man euch aber in einem Ort nicht aufnimmt und euch nicht hören will, dann geht weiter, und schüttelt den Staub von euren Füßen, zum Zeugnis gegen sie.

Die Jünger sollen an einem Ort nicht das Haus wechseln, denn das könnte schnell zu Eifersüchteleien führen. Die Bewohner eines Ortes könnten in einen Wettstreit treten und versuchen, einander in ihrer Gastfreundschaft zu überbieten und dann ginge es nicht mehr um das Reich Gottes, sondern darum, den Jüngern eine immer anspruchsvollere Unterkunft anzubieten.
Es kann aber auch das Gegenteil eintreten, dass sich an einem Ort kein Mensch findet, der die Jünger aufnehmen will. Auch das ist Realität. Verkündigung des Evangeliums ist auch mit Rückschlägen verbunden. Doch das soll die Jünger nicht mutlos machen. Sie sollen nicht an sich zweifeln, sondern vielmehr denen, die sie nicht aufnehmen wollen zeigen, welche Chance sie damit verpasst haben. Sie haben ein einmaliges Angebot ausgeschlagen.

    Die Zwölf machten sich auf den Weg und riefen die Menschen zur Umkehr auf. Sie trieben viele Dämonen aus und salbten viele Kranke mit Öl und heilten sie.

"Vagabunden des Evangeliums" könnte man die Jünger nennen, wenn man sie so umherziehen sieht. Vagabunden aber haben aber in der Regel keinen guten Ruf bei den Menschen. Doch Jesus schickt seine Jünger wie Bettler aus, ohne Geld, ohne Vorräte, ohne Kleidung zum wechseln. Sie sollen ganz von der Fürsorge anderer Menschen leben. Und doch unterscheiden sich die Apostel, die Jesus zu zweien ausschickt, grundlegend von Landstreichern. Sie haben eine Vollmacht. Sie haben die Vollmacht Jesu, der sie sendet, zu heilen und unreine Geister auszutreiben.
Vagabunden sind vor allem deswegen oft wenig geachtet, weil wir in ihnen gescheiterte Existenzen sehen. Die Apostel aber sind quasi "gute" Vagabunden. Sie sind nicht bestimmt von den Mächten, die Menschen ins Elend und in die Sucht treiben, sondern können diese Mächte besiegen. Zwar sind sie materiell von der Sorge anderer abhängig, doch können sie den Menschen etwas geben, das den Wert der materiellen Hilfe bei weitem übersteigt. Sie können die Menschen heilen an Leib und Seele und es ihnen so ermöglichen, ein besseres Leben zu führen.

Es ist die erste selbständige Mission der Apostel. Markus schildert uns ihr Wirken nur ganz kurz, aber vielleicht können wir uns vorstellen, was das für eine Begeisterung gewesen sein muss, als die Apostel gemerkt haben, dass auch sie wie Jesus Wunder wirken, Dämonen austreiben und Kranke heilen können.
Wo spüren die Menschen heute, dass die Boten Jesu Vollmacht haben? Können Arbeitskreise und pastorale Konzepte den Ruf zur Umkehr ersetzen?

velvet

  • Gast
Antw:Kirchenjahr
« Antwort #18 am: 21. Juli 2012, 12:32:21 »
22.07.  16. Sonntag im Jahreskreis B


Ruht ein wenig aus! (Mk 6,30-34)

Durch den Propheten Jeremia spricht Gott das trostreiche Wort:

„Ich selbst sammle den Rest meiner Schafe, ich bringe sie zurück auf ihre Weide, sie sollen fruchtbar sein und sich vermehren. Ich werde für sie Hirten bestellen, die sie weiden, und sie werden sich nicht mehr fürchten und ängstigen und nicht mehr verloren gehen - Spruch des Herrn.“ (Jer 23,3f)


Zur sommerlichen Urlaubs- und Ferienzeit paßt recht gut das Evangelium des heutigen Sonntags, wo Christus seine Apostel, die ganz erschöpft von ihrer ersten Mission zurückkehren, einlädt: „Kommt mit an einen einsamen Ort, wo wir allein sind und ruht ein wenig aus“ (Mk 6,31).
Ruht ein wenig aus. - Ähnlich sagt er es einmal an anderer Stelle: „Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch Ruhe verschaffen“ (Mt 11,28).
Der Herr weiß sehr wohl, dass es nicht so einfach ist mit dem Leben und mit dem Christsein; dass es oft genug beschwerlich ist und mühsam. Gerade darum ist er ja in diese Welt gekommen und darum ruft er uns zu sich, die wir mühselig und beladen sind – und manchmal orientierungslos wie Schafe, die keinen Hirten haben (Mk 6,34), weil wir bei ihm genau das finden, was wir brauchen: neue Kraft, neuen Elan, inneren Frieden und Freude.
Lassen Sie mich das in drei Gedanken ein wenig ausführen:

Erster Gedanke: Ausruhen ist wichtig für den Menschen!
Der Mensch ist keine Maschine. Wir können nicht ununterbrochen funktionieren wie ein Rädchen im Getriebe. Arbeit und Erholung, Spannung und Entspannung gehören untrennbar zusammen wie Einatmen und Ausatmen. Wer das vergißt und von morgens bis abends in Betrieb ist, kommt unweigerlich aus dem Gleichgewicht. Darum hat uns Gott den Sabbat, den Ruhetag, gegeben und diesen Tag – nicht die Werktage! – gesegnet (Gen 2,3). Darum brauchen wir Urlaub und Ferien, wirkliche „Auszeiten“. Manchmal ist dabei ein Ortswechsel, eine Reise nötig, dass wir aussteigen können aus dem Alltagsgetriebe und für eine Weile nicht erreichbar sind. Nur schade, dass aus dem Urlaub auch schon wieder ein großes Geschäft geworden ist und ein Statussymbol und dass viele Zeitgenossen gestresster aus dem Urlaub heimkommen, als sie bei der Abreise waren. Auch hier wäre weniger oft mehr, ein rechtes Maß, eine rechte Beschränkung. - Jeder muss prüfen, wo er am besten ausruhen kann: vielleicht daheim, vielleicht auf Reisen.

Zweites  Stichwort: Ausruhen beim Herrn.
„Christus ist unser Friede“ – heißt es in der heutigen Lesung (Eph 2,14). Den wirklichen Frieden – die innere Harmonie, Ausgeglichenheit, Zufriedenheit und Gelassenheit – finden wir bei ihm – oder wir finden das nirgends. Der Friede – das ist das kostbarste Geschenk, das der Herr – in diesem Leben – seinen Gläubigen zu geben hat.
Und wir müssen dieses Geschenk immer wieder aufs neue annehmen, besonders dann, wenn wir merken, dass bei uns innerlich „Ebbe“ wird.
Gerade die Urlaubszeit könnte Gelegenheit geben, mehr Zeit mit dem Herrn zu verbringen, Zeit, die sonst allzu knapp bemessen ist.
Zum Beispiel in der Natur - in den Bergen, am Meer, vor großen Landschaften, unter dem nächtlichen Sternenzelt - wieder das Staunen lernen. Die Schöpfung ist doch ein einziges herrliches Lob des Schöpfers. Wie oft sehen wir das gar nicht mehr. Wie oft sind wir eingedeckt mit dem alltäglichen Kleinkram und vergessen, uns aufzurichten und zum Himmel aufzuschauen und das Große zu sehen, das uns umgibt – und vor dem unsere eigenen Sorgen plötzlich klein werden.
Die Freude an der Schöpfung Gottes ist ein Grundmotiv der Bibel. Immer wieder werden wir zum Lob des Schöpfers aufgerufen. Etwa im Psalm 104, einem Loblied auf den Schöpfer:
“Lobe den Herren meine Seele!  Herr, mein Gott, wie groß bist du! Du bist mit Hoheit und Macht bekleidet. Du hüllst dich in Licht wie in ein Kleid, du spannst den Himmel aus wie ein Zelt.“
Und dann werden die Wunderwerke der Schöpfung durchbustabiert: von den Gestirnen, über die Elemente - Erde, Wasser, Luft und Feuer - die Pflanzenwelt, die Tiere, bis hin zum Menschen. Um dann am Schluss wieder in das Gotteslob einzumünden: „Ich will dem Herrn singen, solange ich lebe, will meinem Gott spielen, solange ich da bin. – Lobe den Herrn meine Seele!“

Gott ist groß. Das Wunderwerk der Schöpfung ist gewaltig und faszinierend. Wie klein und unwichtig ist so vieles, was uns den lieben langen Tag in Atem hält. Vielleicht kann uns dies an einem schönen Ferientag neu bewußt werden.
Und wie von selbst wird dann dieses Bewußtsein, diese Erkenntnis zum Gebet werden, zur bewußten Hinwendung zu Gott, unserem Schöpfer und Vater.
Oft erscheint uns das Gebet wie eine lästige Pflicht. – Aber das ist ein Mißverständnis.
Beten ist Atemholen der Seele.
Beten ist Erfrischung und Erneuerung des Geistes an der Quelle des Lebens.
Freilich, um das zu entdecken, müssen wir uns Zeit nehmen. Und zwar nicht nur eine Randzeit des Tages, eine Restzeit am frühen Morgen oder am späten Abend, wo wir müde und zerstreut sind, sondern eine gute Zeit, eine Zeit, wo wir ganz da sind. Reservieren wir uns in der Urlaubszeit gute Zeiten für Gott, für das Gebet, für das Nachdenken, für Lektüre, für einen Besuch im Gotteshaus – das wird die beste Kur für unsere Seele sein!

Und ein dritter und letzter Gedanke:
Am Schluss unseres heutigen Evangeliums läßt sich Jesus aus Mitleid mit den Menschen, die so orientierungslos und hilfsbedürftig sind, bewegen, sich ihrer anzunehmen. Das Mitgefühl ist auch für uns immer eine wichtige und heilsame Perspektive. Wir dürfen die Not der Mitmenschen nicht übersehen. Dort, wo wir können, sollen wir zur Hilfe bereit sein, und wenn dies nur ein Wort des Trostes und der Ermutigung ist, wenn es etwas Zeit ist, die wir anderen schenken, das Interesse, das wir für andere aufbringen.
Vielleicht kann uns auch für solche spontane Mitmenschlichkeit die Urlaubszeit freier machen.
Dann könnten die kommenden Wochen wirklich eine gesegnete Zeit sein.
Ich wünsche es uns allen!

Amen.

velvet

  • Gast
Antw:Kirchenjahr
« Antwort #19 am: 28. Juli 2012, 01:04:31 »
17. Sonntag im Jahreskreis

Die erste Lesung aus dem Alten Testament zeigt uns jeweils eine Situation, die als Vorausbild des Geschehens im Evangelium gedeutet werden kann und uns zu einem tieferen Verständnis des Evangeliums hilfreich ist.
Die zweite Lesung aus dem Neuen Testament ist jeweils dem Epheserbrief entnommen und hat in der Regel keinen direkten Bezug zum Evangelium. Ihre Kommentierung hat daher einen von den anderen Texten unabhängigen Schwerpunkt.

Johannes, der uns vom letzten Abendmahl nur die Fußwaschung, nicht aber wie die anderen drei Evangelisten die Einsetzungsworte der Eucharistie überliefert, entfaltet in diesem Kapitel eine umfangreiche Lehre über die Eucharistie. Es beginnt damit, dass Jesus eine große Menschenmenge, die ihm folgte und seine Worte hörte, mit nur fünf Broten und zwei Fischen satt gemacht hat. Ausgehend von diesem Zeichen hält Jesus in der Synagoge von Kafarnaum eine lange Rede über das wahre Brot vom Himmel, das er selbst ist. Ich bin das Brot des Lebens, sagt Jesus ganz deutlich. Doch die Menschen verstehen nicht, was er ihnen damit sagen möchte. Sie hätten es ganz gerne, wenn sie einfach nur immer mit irdischer Nahrung satt werden würden. Dass aber der Glaube an Jesus Christus das sein soll, was sie wirklich satt macht, das übersteigt ihre Vorstellungskraft. So hatten sie sich diesen Jesus nicht vorgestellt. Alle verlassen ihn, nur die Zwölf bleiben.
Es wird deutlich, dass Jesus zwar von einem Sättigungsmahl ausgeht, das den Menschen als Zeichen dienen soll, das, was Eucharistie bedeutet, aber etwas ganz anderes ist. Hier geht es nicht darum, den irdischen Hunger des Menschen zu sättigen, sondern darum, dass der Mensch erkennt, dass allein in Jesus Christus das Heil ist, das den Hunger des Menschen nach dem Leben - ewigen Leben - stillt. Auch heute noch scheiden sich an diesem Glauben die Geister.

Erste Lesung
2 Kön 4,42-44


    In jenen Tagen kam ein Mann von Baal-Schalischa und brachte dem Gottesmann Brot von Erstlingsfrüchten, zwanzig Gerstenbrote, und frische Körner in einem Beutel. Elischa befahl seinem Diener: Gib es den Leuten zu essen!
    Doch dieser sagte: Wie soll ich das hundert Männern vorsetzen? Elischa aber sagte: Gib es den Leuten zu essen! Denn so spricht der Herr: Man wird essen und noch übrig lassen. Nun setzte er es ihnen vor; und sie aßen und ließen noch übrig, wie der Herr gesagt hatte.

Zweite Lesung
Eph 4, 1-6


    Ich, der ich um des Herrn willen im Gefängnis bin, ermahne euch, ein Leben zu führen, das des Rufes würdig ist, der an euch erging. Seid demütig, friedfertig und geduldig, ertragt einander in Liebe, und bemüht euch, die Einheit des Geistes zu wahren durch den Frieden, der euch zusammenhält.
    Ein Leib und ein Geist, wie euch durch eure Berufung auch eine gemeinsame Hoffnung gegeben ist; ein Herr, ein Glaube, eine Taufe, ein Gott und Vater aller, der über allem und durch alles und in allem ist.



Evangelium
Joh 6, 1-15


    In jener Zeit ging Jesus an das andere Ufer des Sees von Galiläa, der auch See von Tiberias heißt. Eine große Menschenmenge folgte ihm, weil sie die Zeichen sahen, die er an den Kranken tat. Jesus stieg auf den Berg und setzte sich dort mit seinen Jüngern nieder.
    Das Pascha, das Fest der Juden, war nahe. Als Jesus aufblickte und sah, dass so viele Menschen zu ihm kamen, fragte er Philippus: Wo sollen wir Brot kaufen, damit diese Leute zu essen haben? Das sagte er aber nur, um ihn auf die Probe zu stellen; denn er selbst wusste, was er tun wollte.
    Philippus antwortete ihm: Brot für zweihundert Denare reicht nicht aus, wenn jeder von ihnen auch nur ein kleines Stück bekommen soll. Einer seiner Jünger, Andreas, der Bruder des Simon Petrus, sagte zu ihm: Hier ist ein kleiner Junge, der hat fünf Gerstenbrote und zwei Fische; doch was ist das für so viele!
    Jesus sagte: Lasst die Leute sich setzen! Es gab dort nämlich viel Gras. Da setzten sie sich; es waren etwa fünftausend Männer. Dann nahm Jesus die Brote, sprach das Dankgebet und teilte an die Leute aus, so viel sie wollten; ebenso machte er es mit den Fischen.
    Als die Menge satt war, sagte er zu seinen Jüngern: Sammelt die übrig gebliebenen Brotstücke, damit nichts verdirbt. Sie sammelten und füllten zwölf Körbe mit den Stücken, die von den fünf Gerstenbroten nach dem Essen übrig waren.
    Als die Menschen das Zeichen sahen, das er getan hatte, sagten sie: Das ist wirklich der Prophet, der in die Welt kommen soll. Da erkannte Jesus, dass sie kommen würden, um ihn in ihre Gewalt zu bringen und zum König zu machen. Daher zog er sich wieder auf den Berg zurück, er allein.

    Elischa Die Brotvermehrung des Evangeliums spielt direkt auf das Geschehen aus dem zweiten Buch der Könige an. Auch Jesus verwendet Gerstenbrote. Auch bei Jesus können sich alle satt essen. Doch sind es bei Elischa "nur" hundert Männer, die von immerhin zwanzig Broten satt werden, so sind es bei Jesus fünftausend Männer und nur fünf Brote.
    Vielleicht kennen wir die Stellen aus der Heiligen Schrift einfach schon zu gut, um uns das Ereignis eines Wunders vorzustellen, oder man hat uns allen Wunderglauben ausgetrieben mit dem Hinweis darauf, dass die Wunder nur symbolisch zu verstehen sind und so gar nicht stattgefunden haben.
    Stellen wir uns einmal vor, wir würden mit einer Gruppe einen Ausflug machen, haben vergessen, Proviant einzupacken, sind am Abend erschöpft und merken: weit und breit kein Ort, kein Gasthof nirgendwo gibt es etwas zu Essen. Erschöpft setzen wir uns und dann teilt einer aus und alle werden satt.
    Ertragt einander
    in Liebe!
    Friede Die Kirche ist "bunt". Menschen aus allen Rassen, Völkern und Schichten finden in ihr zusammen. Das bedeutet aber auch, dass in ihr die verschiedensten Gedanken und Meinungen zusammentreffen. Nicht alle verstehen sich untereinander gleich gut. Wir erleben diese Spannungen in unseren Gemeinden vor Ort, aber auch innerhalb der Weltkirche.
    "Ertragt einander in Liebe!" Dieses Wort des Apostels Paulus soll ein Aufruf an uns alle sein, das Anderssein des Anderen zu ertragen, um der Einheit willen, die nach Jesu Wunsch die Kirche prägen soll.
    Doch Einheit ist nur möglich, wo es auch das Gemeinsame gibt, der gemeinsame Glaube an den dreieinen Gott, den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist, wie ihn uns die Kirche überliefert, die gemeinsame Hoffnung auf unsere Erlösung, durch die wir durch die Taufe Anteil erhalten haben.
    Katholisch sein, das meint stets beides, die Weite der "bunten" Kirche, in der viele Heimat finden, aber auch die Bereitschaft, auf dem gemeinsamen Fundament des Glaubens zu stehen.

Die Heilungswunder Jesu haben Eindruck gemacht. Eine große Menschenmenge folgt ihm und seinen Jüngern. Jesus erscheint als der neue Mose, der dem neuen Volk Gottes voranzieht. Wie Mose steigt Jesus auf einen Berg. Er setzt sich, um das Volk zu lehren. Wir würden hier eine lange Rede Jesu ähnlich der Bergpredigt erwarten. Vielleicht hat Jesus das Volk tatsächlich gelehrt. Doch die entscheidende Unterweisung geschieht erst nach dem Wunder der Speisung, das nun geschieht.
Das erinnert uns an das Prinzip, das Cyrill von Jerusalem in seinen mystagogischen Katechesen anwendet, dass nämlich die Erklärung des Mysteriums erst erfolgt, nachdem die Menschen es an sich erfahren haben. Cyrill schreibt:

    "Ihr wahren und ersehnten Kinder der Kirche! Schon lange wollte ich euch diese geistlichen, himmlischen Mysterien erläutern. Weil ich aber genau wusste, dass Sehen viel überzeugender ist als Hören, habe ich den jetzigen Zeitpunkt abgewartet. Durch die Erfahrung des Taufabends seid ihr viel empfänglicher für das, was zu sagen ist. So will ich euch nun an der Hand zur leuchtenden und duftenden Wiese des Paradieses führen." (I, 1)

So will auch Jesus den Jüngern zunächst Anteil schenken an dem göttlichen Wunder und dann zeigt er auf, dass dieses Wunder mehr bedeutet, als die Menschen erahnen. Das Brot, das Jesus schenkt, ist sein Leib, hingegeben zum Leben der Welt.
Johannes stellt einen Bezug zum Paschafest her, dem höchsten der Feste Israels. Damit wird zum einen erneut auf Mose und den Auszug Israels aus Ägypten zurückverwiesen, doch der kundige Leser wird zugleich erinnert an das letzte Mahl Jesu mit seinen Jüngern, das seine Erfüllung findet durch Jesu Kreuzesopfer. Schon hier wird deutlich, dass die Speisung der Menge, die nun folgt, mehr ist, als ein Wunder zur körperlichen Sättigung.
Jesus wendet sich an Philippus, der im Johannesevangelium an mehreren Stellen besonders herausgestellt wird. Joh 1,43-47 schildert seine Berufung und sogleich führt er auch seinen Freund Natanael zu Jesus. In Joh 12,21 wendet sich eine Gruppe griechischer Pilger, die mit Jesus in Kontakt treten möchte, zunächst an Philippus und in Joh 14,8f wendet er sich an Jesus mit der Bitte: "Herr, zeig uns den Vater."
Auch hier will Jesus Philippus etwas zeigen. Wir können uns sein verdutztes Gesicht vorstellen, als Jesus ihn plötzlich fragt, wo sie das ganze Brot für die vielen Leute herbekommen sollen. Er kann sich die Wunderkraft Gottes nicht vorstellen, denkt noch ganz irdisch, wie seine Antwort zeigt: "Brot für zweihundert Denare reicht nicht aus, wenn jeder von ihnen auch nur ein kleines Stück bekommen soll."
Philippus ist ratlos. Andreas, der ebenfalls bei Johannes eine besondere Rolle im Kreis der Zwölf inne hat, macht einen Vorschlag, glaubt aber selbst nicht daran, dass der sie weiterbringen wird. Und doch kommt er damit der Sache schon näher als Philippus. Brot kaufen geht nicht, dazu fehlt das Geld. Aber teilen - im Teilen geschieht das Wunder, das Jesus nun wirkt.
Bisher saßen nur Jesus und seine Jünger. Wie in der Antike üblich sitzt der Lehrer, während seine Zuhörer stehen. Auch das ein weiterer Hinweis darauf, dass Jesus eine Rede gehalten hat oder dass die Menschen zumindest mit einer Rede Jesu gerechnet haben. Nun aber sollen sich alle setzten. Es folgt ein gemeinsames Mahl. Jesus ist der Vorsteher der Mahlgemeinschaft. Er spricht das Segensgebet und teilt Brot und Fisch an die Menschen aus.
Als die Menge satt war, sagte er zu seinen Jüngern: Sammelt die übrig gebliebenen Brotstücke, damit nichts verdirbt. Sie sammelten und füllten zwölf Körbe mit den Stücken, die von den fünf Gerstenbroten nach dem Essen übrig waren.
Jeder konnte essen, soviel er wollte, alle wurden satt und es blieb sogar noch etwas übrig. Auch im außerchristlichen Raum finden wir solche Speisungswunder. Ein Charakteristikum ist, dass stets mehr übrig bleibt, als man zu Anfang hatte. Man sammelt die Reste, damit nichts verdirbt.

Die Brotvermehrung Jesu steht in der Tradition der Brotwunder des Alten Testaments. In der ersten Lesung hören wir, wie der Prophet Elischa mit zwanzig Broten hundert Männer speist (2Kön 4, 42-44). Jesus macht mit fünf Broten und zwei Fischen fünftausend Männer satt. Jesus überbietet somit die bekannten Wunder.
Das Brotwunder schlechthin ist die Speisung des Volkes Israel auf dem Weg durch die Wüste mit dem Manna. Mose ist es, der dem Volk das Manna gibt, doch letztlich ist es Gott selbst, der sein Volk mit dem Brot vom Himmel speist. Das Volk Israel, das auf Gottes Geheiß hin von Ägypten ins Gelobte Land aufgebrochen ist, braucht unterwegs nicht zu hungern.
So brauchen auch die Menschen, die aus ihren Dörfern und Städten zu Jesus gekommen sind, um seine Worte zu hören, nicht zu hungern. Jesus gibt ihnen nicht nur geistige Nahrung durch sein Wort, sondern sorgt sich auch um ihr leibliches Wohl. Die wunderbare Speisung soll in Tabgha stattgefunden haben, wo heute eine Kirche mit einem bekannten Mosaik an dieses Wunder erinnert.
Als die Menschen das Zeichen sahen, das er getan hatte, sagten sie: Das ist wirklich der Prophet, der in die Welt kommen soll. Da erkannte Jesus, dass sie kommen würden, um ihn in ihre Gewalt zu bringen und zum König zu machen. Daher zog er sich wieder auf den Berg zurück, er allein.
Die Menschen erkennen in Jesus den von Mose verheißenen Prophet, den Messias. Und doch haben sie nicht wirklich verstanden, was Jesus ihnen zeigen wollte. Sie denken rein irdisch, wollen einen König, der sein Volk wie der Kaiser in Rom stets mit Brot und Spielen bei Laune hält, einen Herrscher nach ihrer Vorstellung, der groß und mächtig ist. Sie setzen andere Prioritäten als Jesus. Für sie ist das Zeichen wichtiger als das, was es zeigen soll. Die Worte Jesu, die zur Umkehr rufen, sind schnell vergessen. Nur weil Jesus sie alle satt gemacht hat, ist er plötzlich für sie der große Held. Es ist leicht, sich die Menge mit materiellen Wohltaten gewogen zu machen.
Jesus aber will nicht von den Menschen bejubelt werden, weil er sie satt gemacht hat. Jesus kauft sich nicht Menschen durch ein billiges Wunder. Er will den Menschen zeigen, dass sie dann, wenn sie seinen Worten glauben, sich keine Sorgen um materielle Dinge zu machen brauchen, wie es in der Bergpredigt heißt: "Euch aber muß es zuerst um das Reich Gottes und um seine Gerechtigkeit gehen, dann wird euch alles andere dazugegeben." (vgl. Mt 6,33) Den Menschen aber geht es zuerst ums Essen, deshalb können sie Jesus nicht verstehen. Jesus flieht vor ihnen und zieht sich in die Einsamkeit zurück.

velvet

  • Gast
Antw:Kirchenjahr
« Antwort #20 am: 04. August 2012, 13:45:41 »
18. Sonntag im Jahreskreis
Ich bin das Brot des Lebens, wer mich annimmt, wird nicht hungern!

Erste Lesung
Ex 16,2-4.12-15

    In jenen Tagen murrte die ganze Gemeinde der Israeliten in der Wüste gegen Mose und Aaron. Die Israeliten sagten zu ihnen: Wären wir doch in Ägypten durch die Hand des Herrn gestorben, als wir an den Fleischtöpfen saßen und Brot genug zu essen hatten. Ihr habt uns nur deshalb in diese Wüste geführt, um alle, die hier versammelt sind, an Hunger sterben zu lassen.
    Da sprach der Herr zu Mose: Ich will euch Brot vom Himmel regnen lassen. Das Volk soll hinausgehen, um seinen täglichen Bedarf zu sammeln. Ich will es prüfen, ob es nach meiner Weisung lebt oder nicht. Ich habe das Murren der Israeliten gehört. Sag ihnen: Am Abend werdet ihr Fleisch zu essen haben, am Morgen werdet ihr satt sein von Brot, und ihr werdet erkennen, dass ich der Herr, euer Gott, bin.
    Am Abend kamen die Wachteln und bedeckten das Lager. Am Morgen lag eine Schicht von Tau rings um das Lager. Als sich die Tauschicht gehoben hatte, lag auf dem Wüstenboden etwas Feines, Knuspriges, fein wie Reif, auf der Erde. Als das die Israeliten sahen, sagten sie zueinander: Was ist das? Denn sie wussten nicht, was es war. Da sagte Mose zu ihnen: Das ist das Brot, das der Herr euch zu essen gibt.

Zweite Lesung
Eph 4,17.20-24

    Ich sage es euch und beschwöre euch im Herrn: Lebt nicht mehr wie die Heiden in ihrem nichtigen Denken! Das aber entspricht nicht dem, was ihr von Christus gelernt habt. Ihr habt doch von ihm gehört und seid unterrichtet worden in der Wahrheit, die Jesus ist.
    Legt den alten Menschen ab, der in Verblendung und Begierde zugrunde geht, ändert euer früheres Leben, und erneuert euren Geist und Sinn! Zieht den neuen Menschen an, der nach dem Bild Gottes geschaffen ist in wahrer Gerechtigkeit und Heiligkeit.

Evangelium
Joh 6, 24-35

    In jener Zeit als die Leute sahen, dass weder Jesus noch seine Jünger dort waren, stiegen sie in die Boote, fuhren nach Kafarnaum und suchten Jesus. Als sie ihn am anderen Ufer des Sees fanden, fragten sie ihn: Rabbi, wann bist du hierher gekommen?
    Jesus antwortete ihnen: Amen, amen, ich sage euch: Ihr sucht mich nicht, weil ihr Zeichen gesehen habt, sondern weil ihr von den Broten gegessen habt und satt geworden seid. Müht euch nicht ab für die Speise, die verdirbt, sondern für die Speise, die für das ewige Leben bleibt und die der Menschensohn euch geben wird. Denn ihn hat Gott, der Vater, mit seinem Siegel beglaubigt.
    Da fragten sie ihn: Was müssen wir tun, um die Werke Gottes zu vollbringen?
    Jesus antwortete ihnen: Das ist das Werk Gottes, dass ihr an den glaubt, den er gesandt hat.
    Sie entgegneten ihm: Welches Zeichen tust du, damit wir es sehen und dir glauben? Was tust du? Unsere Väter haben das Manna in der Wüste gegessen, wie es in der Schrift heißt: Brot vom Himmel gab er ihnen zu essen.
    Jesus sagte zu ihnen: Amen, amen, ich sage euch: Nicht Mose hat euch das Brot vom Himmel gegeben, sondern mein Vater gibt euch das wahre Brot vom Himmel. Denn das Brot, das Gott gibt, kommt vom Himmel herab und gibt der Welt das Leben.
    Da baten sie ihn: Herr, gib uns immer dieses Brot!
    Jesus antwortete ihnen: Ich bin das Brot des Lebens; wer zu mir kommt, wird nie mehr hungern, und wer an mich glaubt, wird nie mehr Durst haben.


    Das Manna
    Wie die Rede von den "Fleischtöpfen Ägyptens" zu einem geflügelten Wort dafür geworden ist, dass Menschen lieber beim gewohnten Wohlstand - und sei er noch so gering - bleiben, als Entbehrungen für etwas Neues auf sich zu nehmen, so ist das Manna zu einem Bild für Gottes wunderbare Fürsorge geworden für alle, die bereit sind, auf Gottes Wort hin einen neuen Aufbruch zu wagen.
    Die Israeliten mussten in Ägypten keinen Hunger leiden, aber sie waren Sklaven, die für ihre Herren arbeiten mussten. Was ist der Mensch bereit, für seine Freiheit auf sich zu nehmen? Mir geht's doch gut, ich hab doch alles, was ich brauche - wirklich?
    Ein Beispiel dafür ist die Wende in Osteuropa. Rein materiell waren die Menschen im Kommunismus gut versorgt. Jeder hatte Arbeit, das Essen war billig, die Mieten niedrig - ein Traum, wenn man auf heutige Verhältnisse blickt. Aber doch gab es Menschen, denen etwas gefehlt hat - die Freiheit, sagen zu dürfen, was sie denken, die Freiheit, nicht nach dem einförmigen Menschenbild des Kommunismus leben zu müssen.
    Viele konnten nicht verstehen, warum Menschen dafür auf die Straße gingen. Viele sagen heute wieder: wie schön war es doch damals im Osten. Sicher, die westliche Gesellschaft hat mittlerweile auch ihre inneren Werte an den Kapitalismus verkauft. Doch wer ist heute bereit, anders zu leben, und sich nicht allein vom Geld beherrschen zu lassen?
    Jeder kennt die ihm vertrauten "Fleischtöpfe Ägyptens" an denen er sitzt und die es ihm schwer machen, sich für etwas Neues zu entscheiden, das zudem noch mit vielen Fragen und Ungewissheiten verbunden ist.
    Die Israeliten haben den Weg aus Ägypten gewagt. Oft standen sie vor unlösbaren Problemen. Als das Heer des Pharao sie fast eingeholt hatte, als sie in der Wüste Hunger und Durst litten. Doch Gott hat sich allezeit als Retter erwiesen. Gott ließ sein Volk nicht im Stich. Die lebensfeindliche Wüste spendete Lebensbrot. Manna - Was ist das? So haben sie gefragt, als sie es zum ersten Mal sahen. Jeden Tag lag es da, von Gott geschenkt. Aber auch Fleisch gab es, das vom Himmel fiel, Wachtel- schwärme, die auf ihrem Weg über die Wüste vor Erschöpfung direkt über dem Lager der Israeliten niederfielen.
    Es gibt für das Manna zwei natürliche Erklärungen: In einigen Gegenden der Halbinsel Sinai leben Schildlausarten, die aus der Manna-Tamariske Pflanzensaft zur Versorgung ihrer Larven saugen. Den Überschuss an Saft, den die Larven nicht benötigen, sondern sie als Tropfen ab, die als kleine, weißlich-gelbliche Kugeln auf den Boden fallen. Die Kügelchen müssen am Morgen aufgesammelt werden, da sie während des Tages schmelzen. Manna gibt es auch von dem Wüstenstrauch der Weißen Hammada. Das Manna ist süß und wird heute als Honigersatz, aber nicht an Stelle von Brot verwendet.
    Im Laufe der Zeit ist aus der Naturerscheinung des Manna immer mehr ein Wunder geworden. Es wurde zum Sinnbild dafür, wie Gott für sein Volk sorgt. Wie alle Wunder des Alten Testaments, so ist auch das Manna zu einem Vorausbild dessen geworden, was sich im Neuen Testament erfüllt hat. "Brot vom Himmel gab er ihnen zu Essen." Das Himmelsbrot des Neuen Bundes ist die Eucharistie, in der Jesus Christus sein Fleisch und sein Blut hingibt zum Leben der Welt.
    Das Manna des Neuen Bundes ist nun nicht mehr eine Nahrung, die den irdischen Hunger stillt, sondern die Eucharistie wird zum Brot des Lebens, das den geistigen Hunger des Menschen stillt und Nahrung ist für das ewige Leben bei Gott. Sie ist nicht mehr nur eine Speise, die Gott schenkt, sondern in der Eucharistie schenkt Gott sich selbst. Jesus Christus gibt uns sein Fleisch und Blut zu Essen und zu Trinken, damit wir so eins werden mit ihm und Anteil haben am Reich Gottes.
    Haben wir den Mut, unsere "Fleisch- töpfe Ägyptens" zu verlassen und uns, gestärkt vom wahren Manna Jesus Christus, aufzumachen zu einem neuen Leben, das Gott uns schenken will?

"Ich bin das Brot des Lebens"

Am Tag zuvor haben die Menschen die Erfahrung gemacht, dass Jesus sie auf wunderbare Weise satt gemacht hat. Sie wollten Jesus zum "König" machen, doch dann war er weg. Die Menschen blieben allein zurück, einige werden nach Hause gegangen sein, aber viele suchen am anderen Morgen nach Jesus. Er ist nicht zu finden. Was die Menge nicht weiß: Jesus hat vor den Augen seiner Jünger ein weiteres Wunder vollbracht. Er ist über das Wasser gelaufen und hat die Jünger, die schon mit dem Boot über den See voraus gefahren sind, eingeholt.
Schließlich spricht sich herum, dass Jesus am anderen Ufer des Sees in Kafarnaum ist und die Menge setzt sich über den See dorthin in Bewegung. Sie wundern sich, wie Jesus dorthin kommen konnte. Ihre Frage danach, wann und wie er dorthin gekommen ist, lässt Jesus aber unbeantwortet. Und doch sind seine Worte eine Antwort auf ihre Frage. Die Worte Jesu können etwa folgende Bedeutung haben: Schaut nicht nur auf das, was euch vor Augen steht, blickt tiefer, erkennt das Wesen der Dinge, damit ihr verstehen könnt. Wie mein Weg nach Kafarnaum im Verborgenen geschehen ist, so ist auch die Bedeutung des Speisungswunders eine Verborgene, die nur der erkennt, der bereit ist, seinen Blick zu schärfen für das, was Gott wirkt.
Jesus erkennt, dass die Menschen nicht tiefer blicken wollen. Sie sind satt geworden, das genügt ihnen.

    "Sie suchen im Messias und so in dem Gott, der ihn sendet, letztlich den Versorger. Sie brauchen Gott - für die eigenen Bedürfnisse. Den, der Brot spendet, nehmen sie an. Den, der selber Brot ist, lehnen sie ab. Der Mensch macht sich ein geschnitztes Bild vom Heil, statt sich unmittelbar dem auszusetzen, von dem er allein sein und leben kann: Versorgung statt Beziehung, damit aber Entgöttlichung Gottes." (Klaus Hemmerle)

    Manna

Sie fragen nach den Werken. Was müssen wir tun? Die Gesetzeslehrer kennen hunderte Vorschriften, die das Tun des Menschen genau regeln, damit er durch sein Tun heilig lebt. Das Volk Israel hat die Tora als Weisung Gottes. Die Tora ist der Schatz Israels. Doch es genügt nicht, sie nur dem Wortlaut nach zu befolgen. Glaube, das geht tiefer. Glaube, das bedeutet, nicht nur fromme Dinge tun, sondern in seinem Herzen zu erfassen, dass Gott ist, dass Gott da ist, dass Gott mit den Menschen ist, dass er mitten unter den Menschen ist, dass Gott da ist im hier und jetzt in diesem Menschen Jesus Christus.
Die Menschen wollen ein Zeichen sehen, das ihnen die Gewissheit gibt, dass Jesus wirklich das Recht hat, diesen Glauben zu fordern. Beim Auszug aus Ägypten hat Mose dem Volk Israel das Manna geschenkt, Brot vom Himmel, das dem Volk auf seinem Weg durch die Wüste Nahrung bot. Gott selbst hat das wandernde Israel mit himmlischem Brot genährt. Wenn der Messias kommt, der Prophet, den Mose selbst vorhergesagt hat, dann wird er noch Größeres tun als Mose, so glaubten die Menschen damals. Heißt das nun, dass der Messias mehr Menschen speisen wird als Mose, dass er für ein Volk, in dem viele an Hunger und unter der Mühsal des täglichen Broterwerbs leiden, eine Gabe anbietet, die für alle und für immer den Hunger stillt?

Die Menschen damals und auch wir heute tun uns schwer damit zu verstehen, dass Jesus, in dem sich die Verheißungen des Alten Bundes erfüllen, nicht nur ein quantitatives, sondern ein qualitatives Mehr auszeichnet. Nicht allein dass Jesus durch die wunderbare Brotvermehrung so viele Menschen satt gemacht hat ist von Bedeutung. Entscheidend ist, dass Jesus nicht nur Brot gibt, sondern dass er selbst das Brot des Lebens ist.
Der Glaube an Jesus bietet nicht ein irdisches Paradies, in dem Menschen keine Not und keinen Hunger mehr zu leiden haben. Freilich, Jesus sorgt sich auch darum und heilt die Menschen, die zu ihm kommen und macht sie satt. Doch er will noch viel mehr geben: Die Speise, die nicht verdirbt und nach deren Genuß der Mensch nicht wieder Hunger bekommt, die Speise, die allein die Sehnsucht nach einem erfüllten Leben stillt.
Die Sehnsucht des Herzens können keine Gaben aus zweiter Hand stillen. Die Sehnsucht des Herzens kann nur der stillen, der die Herzen geschaffen hat: Gott. Und so gibt sich Jesus selbst als Brot, das unseren Lebenshunger stillt. Wir finden die Erfüllung unseres Lebens, wenn wir es leben mit Jesus Christus.

    Bild Gottes

Zieht den neuen Menschen an,
der nach dem Bild Gottes
geschaffen ist. (Eph 4,24)

Kleider machen Leute, so sagt man und das war zu allen Zeiten so. Wer etwas sein will, der kleidet sich vornehm. Die Menschen sehen zuerst auf das Äußere, das kann man selbst leicht ausprobieren, wenn man ein Geschäft oder Restaurant entweder im feinen Anzug oder in einer abgetragenen Jeans betritt.
Viele Heilige haben am Beginn ihres Weges ein bewusstes Zeichen auch in Bezug auf ihre Kleidung gesetzt. Bekannt ist Franziskus, der sich in aller Öffentlichkeit ausgezogen und seinem Vater seine vornehmen Kleider zurückgegeben hat. Auch Ignatius von Loyola hat auf dem Montserrat seine Kleider einem Bettler geschenkt und selbst ein einfaches Gewand angezogen. Heute noch steht am Anfang des Weges zum Klosterleben die Einkleidung. In einer öffentlichen Zeremonie wird das neue Mitglied der Ordensgemeinschaft feierlich mit dem Ordensgewand bekleidet und erhält in manchen Orden zudem auch einen neuen Ordensnamen.

Jeder Christ ist in der Taufe zu diesem neuen Menschen geworden, der nach dem Bild Gottes geschaffen ist. Früher stiegen die Täuflinge nackt in das Taufbecken und erhielten nach der Taufe ein weißes Gewand, um dies äußerlich sichtbar zu machen. Heute kennen wir das weiße Taufkleid, das die Kinder bei der Taufe tragen.
All dies ist Zeichen dafür, dass das Leben als Christ mit einer bewussten Entscheidung verbunden ist. Der Mensch bleibt zwar von seinem Körper her der gleich, doch in seinem Inneren wird er neu. Dieses neue Leben als Christ muss sich aber auch nach Außen hin zeigen. Dazu ruft Paulus in der heutigen Lesung auf. Das Denken und Tun der Christen muss sich von dem anderer Menschen unterscheiden. Es muss sich zeigen in einem Leben nach dem Willen Gottes. Nicht Begierde und Selbstsucht sollen den Menschen bestimmen, sondern das Streben nach Gerechtigkeit und Heiligkeit.
Sicher ist das oft nicht leicht. Es erscheint so attraktiv, zu sein wie die anderen. Nicht jeder kann wie Franziskus oder Ignatius ein ganz neues Leben beginnen. Aber doch müssen wir uns immer wieder fragen: Wo zeige ich in meinem Leben, dass ich Christ bin? Wo können Menschen an meinem Leben erkennen, dass ich ein Mensch bin, der nach dem Bild Gottes geschaffen ist?

velvet

  • Gast
Antw:Kirchenjahr
« Antwort #21 am: 12. August 2012, 08:01:59 »
19. Sonntag im Jahreskreis


Erste Lesung
1 Kön 19, 4-8

    In jenen Tagen ging Elija eine Tagereise weit in die Wüste hinein. Dort setzte er sich unter einen Ginsterstrauch und wünschte sich den Tod. Er sagte: Nun ist es genug, Herr. Nimm mein Leben; denn ich bin nicht besser als meine Väter.
    Dann legte er sich unter den Ginsterstrauch und schlief ein. Doch ein Engel rührte ihn an und sprach: Steh auf und iss!
    Als er um sich blickte, sah er neben seinem Kopf Brot, das in glühender Asche gebacken war, und einen Krug mit Wasser. Er aß und trank und legte sich wieder hin.
    Doch der Engel des Herrn kam zum zweiten Mal, rührte ihn an und sprach: Steh auf und iss! Sonst ist der Weg zu weit für dich.
    Da stand er auf, aß und trank und wanderte, durch diese Speise gestärkt, vierzig Tage und vierzig Nächte bis zum Gottesberg Horeb.

Zweite Lesung
Eph 4,30 - 5,2

    Beleidigt nicht den Heiligen Geist Gottes, dessen Siegel ihr tragt für den Tag der Erlösung.
    Jede Art von Bitterkeit, Wut, Zorn, Geschrei und Lästerung und alles Böse verbannt aus eurer Mitte! Seid gütig zueinander, seid barmherzig, vergebt einander, weil auch Gott euch durch Christus vergeben hat.
    Ahmt Gott nach als seine geliebten Kinder, und liebt einander, weil auch Christus uns geliebt und sich für uns hingegeben hat als Gabe und als Opfer, das Gott gefällt.

Evangelium
Joh 6, 41-51

    In jener Zeit murrten die Juden gegen Jesus, weil er gesagt hatte: Ich bin das Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Und sie sagten: Ist das nicht Jesus, der Sohn Josefs, dessen Vater und Mutter wir kennen? Wie kann er jetzt sagen: Ich bin vom Himmel herabgekommen?
    Jesus sagte zu ihnen: Murrt nicht! Niemand kann zu mir kommen, wenn nicht der Vater, der mich gesandt hat, ihn zu mir führt; und ich werde ihn auferwecken am Letzten Tag.
    Bei den Propheten heißt es: Und alle werden Schüler Gottes sein. Jeder, der auf den Vater hört und seine Lehre annimmt, wird zu mir kommen. Niemand hat den Vater gesehen außer dem, der von Gott ist; nur er hat den Vater gesehen.
    Amen, amen, ich sage euch: Wer glaubt, hat das ewige Leben. Ich bin das Brot des Lebens.
    Eure Väter haben in der Wüste das Manna gegessen und sind gestorben. So aber ist es mit dem Brot, das vom Himmel herabkommt: Wenn jemand davon isst, wird er nicht sterben. Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Wer von diesem Brot isst, wird in Ewigkeit leben. Das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch, ich gebe es hin für das Leben der Welt.

 Wir sind immer noch im Evangelium mitten in der Rede über das Himmelsbrot, die Jesus am Tag nach der wunderbaren Speisung des Volkes in der Synagoge von Kafarnaum gehalten hat. Die Leute murren gegen Jesus und wollen Zeichen sehen, die es rechtfertigen, dass er mit dem Anspruch auftritt, der Sohn Gottes zu sein.
Es ist typisch für Johannes, dass in den langen Reden Jesu, die er in seinem Evangelium überliefert, ein Thema immer wieder von unterschiedlichen Seiten beleuchtet wird. Wenn wir das heutige Evangelium hören, so werden wir thematisch nicht viel Neues gegenüber dem vom letzten Sonntag finden. Jesus wiederholt nur noch einmal eindrücklich das, was er bereits gesagt hat. Die Reden Jesu bei Johannes sind eine große Meditation, die uns wie über eine Spirale immer tiefer zum Kern der Worte Jesu hinführen.
Das Zeichen Jesu war für die Juden noch kein ausreichender Beleg dafür, dass er der Messias ist. Wer 5000 Männer satt macht, tut noch kein größeres Zeichen als Mose, der das ganze Volk Israel in der Wüste gesättigt hat. Die Menschen messen irdisch nach Zahl und Größe und sind nicht in der Lage, den substantiellen Sprung von der quantitativen zur qualitativen Verschiedenheit Jesu zu leisten. Sie sehen in ihm nur einen mehr oder weniger großen Menschen und nicht den Sohn Gottes, der er in Wahrheit ist.
Der Messias wird auch einer sein, dessen Herkunft unbekannt ist, so weiß es die jüdische Tradition. Doch von Jesus weiß die Menge, dass er der Sohn Josefs ist. Wie kann der Sohn Josefs und Mariens, der Bekannte von nebenan, von sich behaupten, dass er vom Himmel herabgekommen ist? Auch darin erkennen wir ein Argument gegen das Christentum, mit dem sich alle Christen, von den ersten Jüngern bis zu uns heute, auseinanderzusetzen haben. Das Geheimnis der Menschwerdung Gottes im Schoße einer Jungfrau bleibt nach allein menschlichen Maßstäben unergründlich.
Irgendwie können wir die Zuhörer Jesu schon verstehen - und sind wir nicht manchmal selbst wie sie? Wenn einer mit großen Zeichen und spektakulären Wundern auftritt, ja dann staunen die Menschen. Aber die Unscheinbarkeit, mit der Jesus auftritt, ist das die Weise, wie das Reich Gottes einbricht in diese Welt? Trauen wir Gott überhaupt noch zu, dass er in dieser Welt seine Wunder wirkt, auch noch heute? Wunder, die nicht unseren eigenen Wünschen entgegenkommen und so sind, wie wir es gerne hätten, sondern die Gottes Herrlichkeit offenbaren, so wie er es will? Jesus sagt:

    "Niemand kann zu mir kommen, wenn nicht der Vater, der mich gesandt hat, ihn zu mir führt." (Joh 6,44)

Wörtlich übersetzt heißt es: "Niemand kann zu mir kommen, wenn nicht der Vater, der mich gesandt hat, ihn zieht." Was bedeutet das? Ist Gezogen-Werden nicht etwas Unfreiwilliges? Wer gezogen wird, der kann nicht aus, der wird "abgeschleppt". Aber Gott will doch, dass wir ihm freiwillig folgen.
Wenn wir das Gezogen-Werden im Sinn von "Hingezogen-Werden" verstehen, wird diese Stelle schon anschaulicher. Wir fühlen uns zu jemand oder etwas hingezogen, das bedeutet, dass uns ein Mensch oder eine Sache sehr wichtig ist. Wir fühlen uns hingezogen zu einem schönen Kunstwerk, können uns daran nicht satt sehen. Wir lieben einen Menschen und wollen daher viel Zeit mit ihm verbringen. So zieht uns Gott zu sich, wir sind einfach fasziniert von ihm und können nicht anderes, als ihn anschauen wollen und mit ihm im Gebet zusammen sein. Augustinus schreibt:
"Wenn du vernimmst: ,Niemand kommt zu mir, außer wen der Vater zieht', sollst du nicht meinen, dass du wider Willen gezogen wirst. Es wird der Geist auch durch Liebe gezogen. So geschieht das Gezogen-werden nicht nur freiwillig, sondern mehr noch als das: du wirst sogar mit Lust gezogen, denn so heißt es in den Psalmen: ,Habe Lust im Herrn, und er wird dir die Wünsche deines Herzens erfüllen.' (Ps 37,4)
Nicht nur die körperlichen Sinne haben ihre Freuden, auch der Geist hat seine Freuden. In den Psalmen beten wir: ,Die Menschenkinder bergen sich im Schutz deiner Flügel, sie werden trunken vom Überfluss deines Hauses, und du tränkst sie mit dem Strom deiner Wonnen. Denn bei dir ist die Quelle des Lebens und in deinem Licht schauen wir das Licht.' (Ps 36,8-10) Denk dir einen Liebenden, er versteht, was ich sage."
Bereits im Alten Testament haben wir den Gedanken, dass Gott sein Volk wie ein störrisches Tier "zieht". So heißt es bei Jeremia: ,Mit ewiger Liebe habe ich dich geliebt, deshalb zog in dich in mein Erbarmen.' (Jer 38,3) und Hosea schreibt: ,Ich habe sie gezogen mit den Fesseln meiner Liebe.' (Hos 11,4).
Aus Liebe hat Gott seinen Sohn gesandt, um in ihm die Menschheit, die sich von Gott entfernt hat, heimzuholen in die Gemeinschaft mit Gott. Gott sehnt sich nach dem Menschen. Er will die Liebe des Menschen wecken, damit er ihn dann mit der unaussprechlichen Fülle seiner Liebe beschenken kann. Der Vater sendet den Sohn, er schickt ihn weg von sich in unsere Welt. Diese Sendung geschieht um unseretwillen. Durch den Sohn zieht der Vater uns wieder an sich. Unser Ziel ist es, zu Christus kommen und mit ihm zum Vater. Dazu ist Christus Mensch geworden, dass wir durch ihn zum Vater kommen und so ewiges Leben haben.

    Schüler Gottes

    "Und alle werden Schüler Gottes sein." (Joh 6,45)

Es ist Gott selbst, der uns lehrt, ihn zu erkennen. Wir müssen es nur zulassen, dann kann er uns den Glauben schenken, der unserem Leben eine neue Perspektive eröffnet. Gott klopft immer wieder an unsere Herzen. Vielleicht gelingt es ihm, uns von unserer Engstirnigkeit, in die wir so oft gefangen sind ohne es zu merken, herauszuführen und unsere Herzen weit zu machen, damit wir seine Größe fassen können.
Versuchen wir, alles aus dem Weg zu räumen, was uns den Blick auf Jesus verstellt, alle rein irdischen Argumente, die uns nicht erkennen lassen, dass Gott mehr vermag, als wir es uns mit unserem irdischen Verstand vorstellen können, alle Argumente, die das Wirken Gottes auf ein rein menschliches Maß reduzieren wollen. All das führt zum Murren gegen Gott. Geben wir Gott Raum in unserem Leben und lassen wir uns von ihm zum ewigen Leben führen.

Elija - Aufbruch

In der ersten Lesung hören wir heute vom Propheten Elija. Der Hintergrund zum Text der Lesung ist folgender: In seinem Eifer für Gott hat Elija etwas Schreckliches getan, er hat das Volk dazu aufgewiegelt, 450 Propheten des heidnischen Gottes Baal zu ermorden. Dafür soll er jetzt bestraft werden. Voller Angst und um sein eigenes Leben zu retten, flieht er in die Wüste.
An einem Ort völliger Einsamkeit setzt sich Elija unter einen Ginsterstrauch, ein armseliges Gestrüpp, das ihn nur notdürftig vor der prallen Sonne schützt. Er weiß nicht weiter. Wie steht Gott zu dem, was er getan hat? In seinem Kummer möchte er am liebsten sterben. "Nun ist es genug, Herr. Nimm mein Leben; denn ich bin nicht besser als meine Väter." Dann legt er sich unter den Ginsterstrauch und schläft ein.
Wir kennen solche Momente der Erschöpfung und der Resignation. Ein falsches Wort, eine unüberlegte Handlung und plötzlich ist alles anders, eine Freundschaft zerstört, eine Beziehung kaputt, der Arbeitsplatz verloren, der Aufstieg verpasst. Und wir fragen uns: Warum? Warum musste es so kommen und nicht anders? Wie kann es jetzt noch weiter gehen?
In solchen Situationen sind wir machtlos, können uns selbst nicht helfen. Auch Elija kann sich nicht selbst aus dieser Not befreien. Doch Gott lässt ihn nicht im Stich. Ein Engel kommt und weckt ihn, hat Brot und Wasser gebracht, Stärkung für den Erschöpften in der Wüste. Doch es reicht noch nicht. Elija kann noch nicht weiter, legt sich wieder hin. Ein zweites Mal weckt ihn der Engel: "Steh auf und iss!"
Vielleicht ist es wirklich so, dass es niemals einen Augenblick gibt, an dem uns Gott ganz allein lassen würde, egal wie viel wir gesündigt haben und an allem "selber schuld" sind. Wir müssen aber offen sein für das, was uns der Engel Gottes zur Stärkung bringt, es sehen und annehmen. Es kann dauern, bis wir wieder aufstehen können, doch irgendwann dürfen auch wir dann wieder die Erfahrung machen, die auch Elija gemacht hat:
Er stand auf, aß und trank und wanderte, durch diese Speise gestärkt, vierzig Tage und vierzig Nächte bis zum Gottesberg Horeb.
Und die Wüste fängt an zu blühen.

In der Lesung aus dem Epheserbrief hören wir heute Mahnungen zu einem christlichen Leben. Güte, Barmherzigkeit und Liebe sollen im Leben der Gläubigen zum Ausdruck kommen. Damit sollen wir das weitergeben, was wir selbst an uns erfahren haben. Gott hat zuerst an uns seine Güte Barmherzigkeit und Liebe erwiesen.

Mache ich im Glauben die Erfahrung, von Gott beschenkt zu sein? Ein Ort, wo mir dies besonders bewusst werden kann, ist die Beichte. Auch wenn viele heute die Beichte anders sehen, sie ist ein Geschenk, das Gott uns immer wieder anbietet.

"Das Sakrament der Versöhnung ist der Moment, in welchem dem einzelnen Gläubigen die größte Würde zuerkannt wird. In jedem anderen Moment des kirchlichen Lebens ist der Gläubige nur einer in der Vielzahl der anderen: einer von denen, die das Wort Gottes hören, einer von denen, die den Leib Christi empfangen - hier ist er der Einzige, in diesem Moment existiert die Kirche ganz und gar allein für ihn." (Raniero Cantalamessa)

Ein Konvertit gab einmal dieses Zeugnis:


"Wenn die Leute mich fragen: ,Warum hast du dich der Kirche von Rom angeschlossen?', lautet die erste Antwort: ,Um mich von meinen Sünden zu befreien.' Denn es gibt keine andere religiöse Gemeinschaft, die wirklich erklärt, die Leute von ihren Sünden zu befreien. Nur eine einzige Religion habe ich gefunden, die es wagt, mit mir in die Tiefe meines Selbst hinabzusteigen." (Gilbert. K. Chesterton)

Nehmen wir dieses Geschenk Gottes an und geben wir es weiter. Wie Gott uns die Vergebung allein aus seiner Liebe schenkt, so erwartet er auch von uns, dass wir unseren Mitmenschen vergeben, auch wenn es uns oft schwer fällt und Bitterkeit und Wut über uns Macht zu gewinnen versuchen. Wir können es, weil Gott es schon zuvor für uns getan hat.
Vergebung

 

Wege aus dem Seelentief
Depression in der Bibel: Wie der Prophet Elia aus der Wüste zu neuem Leben kommt


Von Barbara Hauck

Die Bibel ist ein zutiefst menschliches Buch: Sie kennt Niedergeschlagenheit, tiefe Erschöpfung und Depression und schildert sie in eindrucksvollen Worten. Barbara Hauck zeigt anhand der Geschichte des Propheten Elia, wie einer aus der Seelenwüste wieder herausfindet - zu einem neuen Leben.
»Die Speisung des Elias durch den Engel«, nach 1. Könige 19,7-8, Francesco Maggiotto, um 1790, Venedig, S. Giovanni in Bragora.



 »Die Speisung des Elias durch den Engel«, nach 1. Könige 19,7-8, Francesco Maggiotto, um 1790, Venedig, S. Giovanni in Bragora.
   
Er kann nicht mehr. Er will nicht mehr. Klar: Dass man mal durchhängt nach anstrengenden Arbeitswochen, das kennt er. Diesmal aber ist es anders. Diesmal, so spürt er, wird er nicht mehr aufstehen. Der Körper ist Blei. Der Kopf ist Blei. Die Gedanken sind Blei. Was soll das alles noch: sich abrackern, Erfolg haben, der dann doch nicht anerkannt wird.

Noch vor einem halben Jahr hätte er weitergekämpft. Hätte es allen gezeigt. Nun triumphieren die anderen. Sie haben ihn geschafft. Er ist fertig. Er spürt es selbst. Es hat ja doch keinen Sinn mehr…

VOM PROPHETEN ELIA ist die Rede. Man kann seine Geschichte, die im 1. Buch der Könige erzählt wird (1. Könige 19, 17-19), lesen als Ringen um die Aufgabe eines Propheten oder als Teil der uralten Geschichte Israels mit seinem Gott. Man kann sie aber auch lesen als die Geschichte eines depressiven Menschen. Elia wünschte sich zu sterben und sprach: »Es ist genug, so nimm nun, Herr, meine Seele; ich bin nicht besser als meine Väter.«

»Depression hat zu tun mit Überforderung, und Überforderung führt zu Erschöpfung«, schreibt der Schweizer Psychotherapeut Josef Giger-Bühler. In seinem Buch »Endlich frei. Wege aus der Depression« betont er, wie häufig solche Überforderung daher rührt, dass man es besser machen will oder machen soll als die Eltern oder Großeltern. Die Bibel ist ein zutiefst menschliches Buch, sie kennt Niedergeschlagenheit, tiefe Erschöpfung, Depression, und sie schildert das in eindrucksvollen Worten.

Nicht nur das Schicksal des Elia, nicht nur die Geschichte des Königs Saul, der sich wünscht, dass der Hirtenjunge David sein verdüstertes Gemüt durch Musik aufhellt, lassen etwas ahnen von den vielen Gesichtern der Depression, die die Bibel bereithält. Die Psalmen, das Gebetbuch der jüdischen Frommen, lesen sich, als hätte einer die Klagen depressiver Menschen wörtlich mitgeschrieben:

Ich bin ein Wurm und kein Mensch ( Ps 22, 7)

Ich bin hingeschüttet wie Wasser ( Ps 22, 15)

Ich versinke in tiefem Schlamm, wo kein Grund ist, ich bin in tiefe Wasser geraten, und die Flut will mich ersäufen. Ich habe mich müde geschrien, mein Hals ist heiser, meine Augen sind trübe geworden ( Ps 69, 3-4)

Ich bin fremd geworden meinen Kindern und unbekannt den Kindern meiner Mutter ( Ps 69, 9)

Mancher, der heute in seiner Depression mit dunklen Gedanken zu kämpfen hat, staunt, dass all das bereits in den Psalmen ausgesprochen ist. Und es wird nicht einfach ausgesprochen und aufgezählt. Da werden die Gedanken hin- und hergewälzt, wird nach Gründen gesucht, warum sich die Seele so verdunkelt hat. Bin ich selbst schuld daran, dass es mir so schlecht geht, sind es Feinde, die mir Böses wollen, oder hat sich Gott selbst abgewendet?
Wer drinsteckt, kann nicht glauben, dass es einmal enden wird
»So nimm nun, Herr, meine Seele«: Der Prophet Elias, Daniele da Volterra, um 1560, Rom, Sammlung Pannocchieschi d'Elci.



  »So nimm nun, Herr, meine Seele«: Der Prophet Elias, Daniele da Volterra, um 1560, Rom, Sammlung Pannocchieschi d'Elci.

       

Das Grübeln kann qualvoll sein, aber in der Art und Weise, wie die Beter der Psalmen darüber nachdenken, steckt auch etwas Befreiendes. »Mein Auge ist trübe geworden vor Gram und matt, weil meiner Bedränger so viele sind. Weicht von mir, alle Übeltäter, denn der Herr hört mein Weinen; … es sollen alle meine Feinde zuschanden werden und sehr erschrecken…« (Psalm 6,8-11)

Da nimmt einer seine eigenen Gefühle ernst. Diese Gefühle sagen ihm, was er lange Zeit nicht wahrhaben wollte: dass er mit Feinden zu kämpfen hat. Die Aggressivität, mit der er die Feinde verwünscht, lässt etwas ahnen von der Kraft, die darin stecken kann, sich selber und anderen einzugestehen: Ja, da sind andere Menschen, die mir Böses wollen, und ich will nicht, dass das ungestraft einfach so durchgeht.

Es geht nicht darum, anderen bewusst Böses zuzufügen. Wohl aber geht es darum, das quälende Kreisen um sich selbst zu durchbrechen und zu erkennen: Nicht ich bin an allem schuld. Es gibt in meiner Geschichte Menschen, die meiner Seele geschadet haben, bewusst oder unbewusst, und deretwegen ich mich nun herumplagen muss mit einer Lebenslast, die schwer zu tragen ist. Der Mut, so etwas zu sagen, kann ein Schritt sein, sich mit der eigenen Depression und ihren Ursachen auseinanderzusetzen.

Die Geschichte des Propheten Elia lässt noch andere Schritte erkennen. Sie gibt Hinweise und Anregungen, wie einer den schweren Weg der Depression durchstehen kann. Vierzig Tage und vierzig Nächte, so erzählt die Bibel, ist Elia allein in der Wüste unterwegs. Vierzig - das heißt zunächst: Dieser Weg hat einen Anfang, und er wird ein Ende haben. Die Tage sind gezählt. Sie werden sich nicht ins Unendliche dehnen. Vierzig ist aber auch eine heilige Zahl. Sie weist darauf hin, dass sich etwas Besonderes ereignen kann in dieser Zeit, etwas Besonderes auch zwischen einem Menschen und seinem Gott.
»Und siehe, ein Engel rührte ihn an«: Speisung des Elias, Lorenzo Gramiccia, 1769, Venedig.

  »Und siehe, ein Engel rührte ihn an«: Speisung des Elias, Lorenzo Gramiccia, 1769, Venedig.

Freilich: Eine Depression und den langen Weg, den einer zu gehen hat, soll man nicht schönreden. Wer drinsteckt, der kann nicht mehr glauben, dass es einmal enden wird - und er spürt schon gar nicht, dass es eine besondere Zeit sein kann, die er da durchmacht. In der Rückschau merkt einer manchmal, dass es eine Reifezeit war, dass hinterher etwas anders ist als vorher, dass die Zeit nicht einfach vergeudet und verloren war. Aber erst mal geht es einfach ums Durchkommen, ums Überleben.

Eine im wahrsten Sinn des Wortes anrührende Szene wird geschildert: »Und siehe, ein Engel rührte ihn an und sprach zu ihm: Steh auf und iss! Und er sah sich um, und siehe, zu seinen Häupten lag ein geröstetes Brot und ein Krug mit Wasser. Und als er gegessen und getrunken hatte, legte er sich wieder schlafen. Und der Engel des Herrn kam zum zweiten Mal wieder und rührte ihn an und sprach: Steh auf und iss! Denn du hast einen weiten Weg vor dir. Und er stand auf und aß und trank…«
Elia geht weiter, Schritt für Schritt durch die Wüste

Es sind die einfachsten Dinge, die elementarsten, die einer braucht für den weiten Weg durch die Depression. Dazu kann gehören, dass er sich eingesteht: Alleine schaff ich es nicht. Ich brauche Hilfe. Ich brauche jemanden, der mich von außen anrührt und mir zeigt, was jetzt zum Weiterleben nötig ist.

Für Elia ist es ein geröstetes Brot und ein Krug mit Wasser. Essen und Trinken, mehr nicht. Das ist genug. Es ist auch Arbeit genug für einen, der sonst gar nichts mehr tun kann: wenigstens einen Bissen Brot essen, wenigstens einen Schluck trinken. Vielleicht kann er nicht mal Danke sagen, aber essen und trinken, das geht gerade noch. Gut, dass Engel keinen Dank brauchen.

Er geht weiter, Schritt für Schritt durch die Wüste, allein, kaum sichtbar für Außenstehende. Für Angehörige ist das oft schwer zu ertragen, diese Langsamkeit. Wer spürt schon von außen, wie anstrengend jede Bewegung ist, wenn sich einer einsam durch die Lebenswüste schleppt.

Wer mit depressiven Menschen zu tun hat, muss aushalten, dass er nur von außen diesen Menschen berühren kann. Er kann ihn nicht verändern und verwandeln. Wer mit depressiven Menschen zu tun hat, muss sich darauf einstellen, dass er das Lebenswichtige ständig wiederholen muss. Der Engel weist zweimal hin auf Brot und Wasser. Auch Gott sagt zu Elia immer wieder das Gleiche. Mit großer Geduld lockt er ihn aus der Höhle, in die Elia sich verkrochen hat.

Doch zunächst scheint es, als wäre Gott nicht mehr da. Zumindest nicht so, wie Elia ihn erwartet - im Feuer, im Sturm, im lauten Brausen: »Und ein großer, starker Wind, der die Berge zerriss und die Felsen zerbrach, kam vor dem Herrn her; der Herr aber war nicht im Winde. Nach dem Wind aber kam ein Erdbeben; aber der Herr war nicht im Erdbeben. Und nach dem Erdbeben kam ein Feuer; aber der Herr war nicht im Feuer.«

So fremd einem diese archaischen Gotteserfahrungen hier scheinen mögen, so ist das etwas, was viele Menschen aus ihrer Depression erzählen und was sie erschüttert: Gott ist nicht mehr da zu finden, wo sie ihn suchen. Er redet nicht mehr so zu ihnen wie früher. Es scheint, als hätte er sein Gesicht verborgen.

Das, was einer vor der Depression einmal geglaubt hat, das ist nicht mehr zugänglich. Die Seele kann nicht mehr antworten auf Gottesbilder, die einem womöglich als Kind lieb und wichtig waren. Es ist, als wäre sie nicht mehr empfänglich für die lauten und selbstgewissen Tonarten des Glaubens. Jetzt braucht sie das Leise: »Und nach dem Feuer kam ein stilles, sanftes Sausen. Als das Elia hörte, verhüllte er sein Antlitz mit seinem Mantel und ging hinaus und trat in den Eingang der Höhle. Und siehe, da kam eine Stimme zu ihm und sprach: Was hast du hier zu tun, Elia?« Gott redet zu Elia so, wie der es in seiner Depression gerade noch ertragen kann, mit der »Stimme eines kümmerlichen, kleinen, schwachen Schweigens«. So lässt sich das »stille, sanfte Sausen« auch übersetzen. Und leise stellt er ihm die entscheidende Frage: »Was suchst du hier, Elia?«

Die Frage beantworten zu können bedeutet: zu wissen, warum man hier ist und was man hier will. Die Frage beantworten zu können heißt: dem eigenen Leben, dort, wo es einen - auch auf einem langen Weg durch die Depression - hingeführt hat, wieder einen Sinn zu geben. Manchmal ist das, aus dem Rückblick gesehen, der tiefste Sinn einer Depression: dass einer an dem Ort, an den ihn sein Weg geführt hat, diese Frage hört und sie ernst nimmt und beantwortet, für sich und mit allen Konsequenzen.


« Letzte Änderung: 12. August 2012, 08:17:07 von velvet »

velvet

  • Gast
Antw:Kirchenjahr
« Antwort #22 am: 18. August 2012, 14:23:33 »
20. Sonntag im Kirchenkreis




Erste Lesung
Spr 9, 1-6

    Die Weisheit hat ihr Haus gebaut, ihre sieben Säulen behauen. Sie hat ihr Vieh geschlachtet, ihren Wein gemischt und schon ihren Tisch gedeckt.
    Sie hat ihre Mägde ausgesandt und lädt ein auf der Höhe der Stadtburg: Wer unerfahren ist, kehre hier ein. Zum Unwissenden sagt sie:
    Kommt, esst von meinem Mahl, und trinkt vom Wein, den ich mischte. Lasst ab von der Torheit, dann bleibt ihr am Leben, und geht auf dem Weg der Einsicht!

Zweite Lesung
Eph 5, 15-20

    Achtet also sorgfältig darauf, wie ihr euer Leben führt, nicht töricht, sondern klug. Nutzt die Zeit; denn diese Tage sind böse. Darum seid nicht unverständig, sondern begreift, was der Wille des Herrn ist.
    Berauscht euch nicht mit Wein - das macht zügellos -, sondern lasst euch vom Geist erfüllen! Lasst in eurer Mitte Psalmen, Hymnen und Lieder erklingen, wie der Geist sie eingibt. Singt und jubelt aus vollem Herzen zum Lob des Herrn!
    Sagt Gott, dem Vater, jederzeit Dank für alles im Namen Jesu Christi, unseres Herrn!

Evangelium
Joh 6, 51-58

    In jener Zeit sprach Jesus zu der Menge: Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Wer von diesem Brot isst, wird in Ewigkeit leben. Das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch, ich gebe es hin für das Leben der Welt.
    Da stritten sich die Juden und sagten: Wie kann er uns sein Fleisch zu essen geben?
    Jesus sagte zu ihnen: Amen, amen, das sage ich euch: Wenn ihr das Fleisch des Menschensohnes nicht esst und sein Blut nicht trinkt, habt ihr das Leben nicht in euch.
    Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben, und ich werde ihn auferwecken am Letzten Tag. Denn mein Fleisch ist wirklich eine Speise, und mein Blut ist wirklich ein Trank.
    Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir, und ich bleibe in ihm. Wie mich der lebendige Vater gesandt hat und wie ich durch den Vater lebe, so wird jeder, der mich isst, durch mich leben.
    Dies ist das Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Mit ihm ist es nicht wie mit dem Brot, das die Väter gegessen haben; sie sind gestorben. Wer aber dieses Brot isst, wird leben in Ewigkeit.


    Leben in Christus

    Jesu Fleisch, das ist sein Leben, seine Menschwerdung - in Jesus ist Gottes Wort Fleisch geworden. In Jesus können wir Gott fassen, ergreifen.
    Er gibt sich uns als Speise, wir sollen sein Fleisch essen - das heißt, wir sollen ihn nicht nur nachahmen wie einen vorbildlichen Menschen, sondern an ihm teilhaben, ihn ganz in uns aufnehmen, zu seinem Bild werden - Abbild Gottes werden, wozu Gott den Menschen geschaffen hat.
    Sein Fleisch essen, ihn mit unseren Zähnen zerkauen, ihn ganz in uns aufnehmen.
    Mir kommt hier ein anderes Wort aus der Spiritualität in den Sinn:
    Ruminatio - Wiederkäuen, das bedeutet, das Wort Gottes durch ständige Wiederholung präsent zu haben und immer tiefer wirken zu lassen, so dass wir selbst durch dieses Wort verwandelt werden.
    Jesus ist das Wort Gottes - dieses Wort aufnehmen, wirksam werden lassen - mich verwandeln lassen, diesem Wort gleich werden. So wie Jesus das lebendige Wort Gottes ist, so soll auch ich zu solch einem lebendigen Wort Gottes werden.
    Jesu Fleisch essen - mich ganz von Jesu Person durchdringen lassen, dass seine Worte meine Worte, sein Tun mein Tun und mein Leben ganz zum Bild seines Lebens wird.
    Jesus bringt uns nicht nur eine Lehre, er bringt sich uns als Person, darum gilt es nicht nur eine Lehre anzunehmen, sondern ihn selbst ganz und gar.
    Das ist der Anspruch, mit dem Jesus auftritt und der auf Ablehnung und Missverständnis stößt - bis heute.

Wille Gottes

Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben.


Blut - Lebenskraft

Um die Bedeutung dieser Stelle besser verstehen zu können, müssen wir zunächst einmal darauf blicken, welche Gedanken das Wort Jesu vom Trinken seines Blutes in den Hörern geweckt haben mag.
Den Juden ist es streng verboten, Blut zu genießen. In der Gesetzessammlung des Buches Deuteronomium heißt es: "Beherrsche dich und genieße kein Blut, denn Blut ist Lebenskraft" (Dtn 12,23). Ähnlich sagt das Buch Levitikus: "Die Lebenskraft des Fleisches sitzt im Blut. ... Niemand unter euch darf Blut genießen" (Lev 17,11f).
Blut ist Leben. Es fällt uns nicht schwer, diesen Gedanken nachzuvollziehen. Wie aber der Kreislauf des Blutes den Menschen am Leben erhält, so will Christus uns sein Blut schenken, damit es uns ewiges Leben gibt.
Für die Juden, die Jesu Worte wörtlich verstanden haben, war dies eine unerhörte Aussage, eine deutliche Lästerung gegenüber Gott, der ja selbst den Genuss von Blut verboten hat. Jesu Worte sind anstößig, wenn wir in ihm einen Menschen sehen, den wir wie Kannibalen mit unseren Zähnen zerfleischen würden.
Doch Jesus ist Gott. Wie sich in der Person Jesu Christi die göttliche Natur mit der menschlichen Natur vereint hat, so will Gott in Christus Jesus allen Menschen Anteil schenken an seiner göttlichen Natur und so alle Menschen in die Gemeinschaft mit sich aufnehmen, die ewiges Leben bedeutet.

Christi Leib und Blut

Nicht den menschlichen Leib Jesu zerfleischen wir also, wenn wir sein Fleisch essen und sein Blut trinken, sondern wir haben teil an seiner Gottheit. Was wir essen und trinken sind Brot und Wein, doch sie werden durch die Worte des Priesters im Heiligen Geist gewandelt in Christi Leib und Blut.
Cyrill von Jerusalem erklärt dies den Neugetauften in seinen mystagogischen Katechesen:

    Durch die göttlichen Mysterien der Taufe und Eucharistie "seid ihr ein Leib und ein Blut mit Christus geworden. ... Christus selbst sprach über das Brot: ,Das ist mein Leib' - wer wird da noch wagen zu zweifeln? Er selbst hat es versichert und gesagt: ,Das ist mein Blut' - wer wird da noch Bedenken haben und sagen, es sei nicht sein Blut? ...
    Wir haben also mit Gewissheit teil am Leib und Blut Christi. Denn in der Gestalt des Brotes wird dir der Leib gegeben, in der Gestalt des Weines wird dir das Blut gegeben, damit du durch die Teilnahme am Leib und Blut Christi ein Leib und ein Blut mit Christus wirst. Denn so werden wir zu Christusträgern, indem sich sein Leib und sein Blut in unseren Gliedern verteilt. Wir werden - wie Petrus sagt (2 Petr 1,4) - seiner göttlichen Natur teilhaftig.
    Einmal erklärte Christus den Juden: ,Wenn ihr mein Fleisch nicht esst und mein Blut nicht trinkt, habt ihr das Leben nicht in euch.' Sie aber verstanden das Gesagte nicht geistlich, fanden es skandalös und gingen weg. Sie meinten, der Heiland wolle sie zur Menschenfresserei auffordern. ...
    Das himmlische Brot und der Kelch des Heils heiligen Seele und Leib. ... Sieh das Brot und den Wein also nicht als etwas Gewöhnliches an. Denn sie sind nach Aussage des Herrn Leib und Blut. Wenn die Wahrnehmung dir auch jenes nahelegt - der Glaube gebe dir Sicherheit. Beurteile diese Sache nicht nach dem Geschmack! Sei vom Glauben her fest überzeugt, dass du des Leibes und Blutes Christi gewürdigt worden bist! ...
    Das, was wie Brot aussieht, ist nicht Brot - auch wenn es für den Geschmack so scheint -, sondern Leib Christi. Und das, was wie Wein aussieht, ist nicht Wein - auch wenn der Geschmack es will -, sondern Blut Christi. Darüber hat schon David gesungen: ,Brot stärkt das Herz des Menschen, aufzuheitern das Angesicht durch Öl' (Ps 104,15).
    Stärke also das Herz, indem du das Brot geistlich empfängst und heitere das Gesicht der Seele auf! Und wenn du es in reiner Gesinnung enthüllt hast, dann sollst du die Herrlichkeit des Herrn widerspiegeln und fortschreiten von Herrlichkeit zu Herrlichkeit in Christus Jesus, unserem Herrn. Ihm sei die Herrlichkeit von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen."

Wir werden bei diesen Worten des hl. Cyrill erinnert an das "Adoro te devote" des hl. Thomas von Aquin:

    Ich bete dich voll Demut an, verborgene Gottheit,
    die du dich in diesen Gestalten (Brot und Wein) wahrhaft verbirgst. ...
    Sehen, Tasten, Schmecken täuschen sich in dir,
    aber durch das Hören allein glaube ich sicher.
    Ich glaube alles, was Gottes Sohn gesprochen hat. ...
    Oh Angedenken an des Herren Tod,
    Lebensbrot, das dem Menschen Leben gibt,
    gib dich meinem Geiste, damit er aus dir lebt!

Blut hatte im Alten Bund auch kultische Funktion. Durch das Opfer des Blutes wurde durch die Sünde bedrohtes Leben wieder hergestellt. Menschen und Dinge wurden durch das Blut entsühnt. Das Opfer als Kraft zum neuen Leben.
Hier denken wir sofort an das Kreuzesopfer Jesu Christi. Sein Tod am Kreuz hat uns den Weg zum ewigen Leben geöffnet. Wir haben Teil an diesem neuen Leben, wenn wir das Blut Jesu in uns aufnehmen.
Dies meint zum einen die sakramentale Teilhabe an Christus in der Eucharistie. Diese aber müssen wir darüber hinaus an uns wirksam werden lassen, indem wir ein Leben führen nach dem Willen Gottes. Wie Christus ganz dem Willen des Vaters gehorsam war, so sollen auch wir leben, wie er gelebt hat und so zu einem Bild Gottes werden.
Die Eucharistie ist ja keine Speise, die allein aus individueller Frömmigkeit heraus empfangen wird, sondern sie ist zutiefst auf Gemeinschaft hin ausgerichtet, auf die Gemeinschaft mit Jesus Christus, die aber auch die Gemeinschaft der Menschen untereinander einschließt.
Wir werden hier an das Liebesgebot erinnert. Wir sollen Gott lieben. Die Liebe zu Gott zeigt sich in der Liebe der Menschen untereinander. Damit ein Mensch aber überhaupt erst liebesfähig wird, muss er sich selbst annehmen und lieben. Ein immer tieferes Hineinwachsen in die Liebe führt uns immer tiefer in das Geheimnis Gottes hinein, der ja in seinem Wesen die Liebe ist, Ausgangspunkt und Ziel aller Liebe und Nahrung, welche die Liebe nährt und so das Wachstum der Liebe fördert.
Diese Nahrung nehmen wir auf, wenn wir uns im Gebet mit Gott verbinden, wenn wir in der Heiligen Schrift den Willen Gottes für unser Leben suchen, wenn wir den Menschen in Liebe begegnen. All dies läuft zusammen in der Eucharistie, die all unser Streben nach Liebe weiterführt und vollendet.

velvet

  • Gast
Antw:Kirchenjahr
« Antwort #23 am: 26. August 2012, 08:36:28 »
21. Sonntag im Kirchenkreis



Erste Lesung
Jos 24,1f.15-18

    In jenen Tagen versammelte Josua alle Stämme Israels in Sichem; er rief die Ältesten Israels, seine Oberhäupter, Richter und Listenführer zusammen, und sie traten vor Gott hin. Josua sagte zum ganzen Volk:
    Wenn es euch aber nicht gefällt, dem Herrn zu dienen, dann entscheidet euch heute, wem ihr dienen wollt: den Göttern, denen eure Väter jenseits des Stroms dienten, oder den Göttern der Amoriter, in deren Land ihr wohnt. Ich aber und mein Haus, wir wollen dem Herrn dienen.
    Das Volk antwortete: Das sei uns fern, dass wir den Herrn verlassen und anderen Göttern dienen. Denn der Herr, unser Gott, war es, der uns und unsere Väter aus dem Sklavenhaus Ägypten herausgeführt hat und der vor unseren Augen alle die großen Wunder getan hat. Er hat uns beschützt auf dem ganzen Weg, den wir gegangen sind, und unter allen Völkern, durch deren Gebiet wir gezogen sind. Auch wir wollen dem Herrn dienen; denn er ist unser Gott.

Zweite Lesung
Eph 5, 21-32

    Einer ordne sich dem andern unter in der gemeinsamen Ehrfurcht vor Christus.
    Ihr Frauen, ordnet euch euren Männern unter wie Christus, dem Herrn; denn der Mann ist das Haupt der Frau, wie auch Christus das Haupt der Kirche ist; er hat sie gerettet, denn sie ist sein Leib.
    Wie aber die Kirche sich Christus unterordnet, sollen sich die Frauen in allem den Männern unterordnen.
    Ihr Männer, liebt eure Frauen, wie Christus die Kirche geliebt und sich für sie hingegeben hat, um sie im Wasser und durch das Wort rein und heilig zu machen. So will er die Kirche herrlich vor sich erscheinen lassen, ohne Flecken, Falten oder andere Fehler; heilig soll sie sein und makellos.
    Darum sind die Männer verpflichtet, ihre Frauen so zu lieben wie ihren eigenen Leib. Wer seine Frau liebt, liebt sich selbst. Keiner hat je seinen eigenen Leib gehasst, sondern er nährt und pflegt ihn, wie auch Christus die Kirche.
    Denn wir sind Glieder seines Leibes. Darum wird der Mann Vater und Mutter verlassen und sich an seine Frau binden, und die zwei werden ein Fleisch sein. Dies ist ein tiefes Geheimnis; ich beziehe es auf Christus und die Kirche.

Evangelium
Joh 6, 60-59

    In jener Zeit sagten viele der Jünger Jesu, die ihm zuhörten: Was er sagt, ist unerträglich. Wer kann das anhören?
    Jesus erkannte, dass seine Jünger darüber murrten, und fragte sie: Daran nehmt ihr Anstoß? Was werdet ihr sagen, wenn ihr den Menschensohn hinaufsteigen seht, dorthin, wo er vorher war?
    Der Geist ist es, der lebendig macht; das Fleisch nützt nichts. Die Worte, die ich zu euch gesprochen habe, sind Geist und sind Leben. Aber es gibt unter euch einige, die nicht glauben. Jesus wusste nämlich von Anfang an, welche es waren, die nicht glaubten, und wer ihn verraten würde.
    Und er sagte: Deshalb habe ich zu euch gesagt: Niemand kann zu mir kommen, wenn es ihm nicht vom Vater gegeben ist. Daraufhin zogen sich viele Jünger zurück und wanderten nicht mehr mit ihm umher.
    Da fragte Jesus die Zwölf: Wollt auch ihr weggehen?
    Simon Petrus antwortete ihm: Herr, zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens. Wir sind zum Glauben gekommen und haben erkannt: Du bist der Heilige Gottes.

Entscheidung

Heute hören wir den letzten Abschnitt der langen Rede Jesu über das Himmelsbrot, die schon an den letzten vier Sonntagen Thema des Evangeliums gewesen ist. Ganz deutlich hat Jesus den Menschen darin gesagt: "Ich bin das Brot des Lebens. Wer von diesem Brot ißt, wird in Ewigkeit leben." Er hat die Menschen dazu aufgefordert, an ihn, den Sohn Gottes, zu glauben. Die Menschen sollen sich nicht mühen um die Speise, die verdirbt, sondern für die Speise, die für das ewige Leben bleibt.
Die Worte Jesu sind nach menschlichen Maßstäben unbegreiflich. Viele Jünger zogen nun nicht mehr mit Jesus umher und sagten: Was er sagt, ist unerträglich. Auch heute kennen wir diese Ablehnung der Worte Jesu. Der Mensch kann doch auch ohne Gott gut sein. Ist es nicht wichtiger, sich um das irdische Wohl der Menschen zu kümmern, darum, dass alle satt werden, als die Menschen mit frommen Worten vom ewigen Leben abzuspeisen? Ist Jesus nicht genau ein Mensch wie wir? Wenn er von sich sagt, er sei der Sohn Gottes, so ist das doch die reinste Anmaßung.
Jesus erkennt ihr Murren und sagt zu ihnen: "Daran nehmt ihr Anstoß? Was werdet ihr sagen, wenn ihr den Menschensohn hinaufsteigen seht, dorthin, wo er vorher war? Der Geist ist es, der lebendig macht, das Fleisch nützt nichts."
Freilich dürfen wir die Sorge um das Irdische nicht aufgeben - das hat auch Jesus nicht getan. Er hat Menschen körperlich geheilt und ihnen zu essen gegeben. Wir dürfen darüber aber das Entscheidende nicht vergessen. Damit ein Mensch Leben kann, braucht er mehr als nur irdische Güter. Wir können den Menschen ein noch so umfangreiches Angebot an Nahrung und Gesundheitsvorsorge bieten, irgendwann wird es ihm nicht genug sein zum Leben. Der Mensch braucht auch Nahrung für seinen Geist, braucht eine Wegweisung, die ihn hinführt zum wahren Sinn des Lebens.
Es ist die Frage, die heute aktueller ist denn je: Braucht der Mensch Gott? Es ist nicht leicht, darauf eine Antwort zu geben und allzu einfache Antworten taugen heute nicht mehr. Als viele Jünger Jesus verlassen haben, fragt er die Zwölf: "Wollt auch ihr weggehen?" Da antwortet Petrus stellvertretend für alle: "Herr, zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens."
Das ist die Antwort auf die Frage, ob der Mensch Gott braucht. Wo sonst soll das tiefste Sehnen des Menschen seine Erfüllung finden? Wo sonst findet der Mensch das wahre Leben, das nicht vergänglich ist wie dieses irdische - in dem es sich der Mensch noch so schön einrichten kann und sich noch so absichern kann, das er aber auf jeden Fall irgendwann aufgeben muß, ohne dass er gefragt wird, ob er das möchte.
Das irdische Leben vergeht mit absoluter Sicherheit, ob wir aber in das ewige Leben eingehen möchten, danach werden wir gefragt. Gott wartet auf unser Ja um uns hinein zu führen.
Zu wem sollen wir gehen?

Die Menge ist entsetzt über die Worte Jesu: "Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben." Auch viele unter den Jüngern Jesu nehmen Anstoß an diesen Worten. Nur wenige bleiben bei Jesus. Warum bleiben sie? Petrus gibt Jesus stellvertretend für sie die Antwort: "Zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens - du bist der Heilige Gottes."
Die Jünger, die bei Jesus bleiben, haben erkannt, dass Jesus nicht gekommen ist, um sich selbst feiern zu lassen und den Menschen nach dem Mund zu reden, sondern dass er den Menschen die Worte Gottes bringt, ja mehr noch, dass er selbst das Wort Gottes ist, das unter den Menschen Wohnung genommen hat.
Sie suchen nicht die Erfüllung ihrer eigenen Wünsche, sie suchen nicht einen Führer, der ihren Vorstellungen gerecht wird, sondern sie sind bereit, sich führen zu lassen. Sie sind bereit zur Umkehr, die Abkehr von den eigenen Plänen und Hinkehr zu dem, was Gott will, bedeutet.
Bin auch ich bereit, mich von Jesus führen zu lassen? Brauche ich Gott nur dazu, dass er mir bei meinen eigenen Wünschen hilft, oder bin ich bereit, mich auf seinen Willen einzulassen - nicht mein, sondern dein Wille geschehe? Wir können das nicht von jetzt auf gleich, aber doch wird uns Gott immer tiefer in die Gemeinschaft mit sich führen, wenn wir uns ihm anvertrauen. 

Predigtgedanken



"Worte des Lebens"


Jesus hat "Worte des ewigen Lebens"
Eine spannende Szene schildert das heutige Evangelium: Dass dieser Jesus jemand ganz besonderes ist, hat sich herumgesprochen, und so versammeln sich zahlreiche Zuhörerinnen und Zuhörer um ihn. Zunächst sind alle fasziniert und begeistert von seiner Person und dem, was er sagt. Aber plötzlich - auf ein Wort Jesu hin - schlägt die Stimmung um. Ein Großteil der Zuhörenden geht zunächst innerlich auf Distanz. Es fallen Sätze wie: "Was er sagt, ist unerträglich!" und: "Wer kann das anhören?" Jesus bemerkt diesen Stimmungsumschwung, aber er beschwichtigt ihn nicht. Mit seiner Frage "Daran nehmt ihr Anstoß?" verschärft er den Konflikt eher noch. Nun müssen die Jünger Stellung beziehen. Was folgt, ist eine "Abstimmung mit den Füßen": Viele der Jünger, die lange mit Jesus umhergezogen sind, ziehen sich zurück. Sie haben ihre guten Gründe dafür und gehen von nun an getrennte Wege. Sie ent-scheiden sich im ursprünglichen Wortsinn: sie scheiden, trennen sich von Jesus.

Übrig bleiben die Zwölf. "Gehen oder Bleiben" - Jesus stellt sie direkt vor diese Entscheidung. Petrus spricht sich spontan und voller Überzeugung fürs Bleiben aus. Und auch er hat seinen guten Grund dafür: "Worte des ewigen Lebens" hat Jesus für ihn. Und dazu gibt es für Petrus keine Alternative. Er hat erfahren, dass Jesus keine leeren Worte macht, sondern in seinem Handeln und mit seiner ganzen Person die Zuwendung Gottes zu allen Menschen lebt. Seine Worte bewirken das Heil der Menschen, sie schenken neue Lebendigkeit.

"Worte des ewigen Lebens" nennt Petrus dies, "Worte unendlichen Lebens" heißt es in einer anderen Übersetzung; Jesu selbst sagt von sich: "Meine Worte sind Geist und Leben." Das ist ein Schlüsselwort des heutigen Evangeliums.

"Worte des Lebens" für Menschen heute

"Worte des Lebens" brauchen Menschen auch heute: Worte voller Geist und Leben, aus denen sie Kraft schöpfen können im Alltag, die trösten und stärken in Krisenzeiten, die von Ängsten befreien und Mut zum Leben machen. Manchmal sind aber auch Worte nötig, die unruhig machen und aufrütteln aus dem Trott und der Bequemlichkeit, Worte, die herausfordern und etwas zumuten. Kurz gesagt: Worte, die einen Menschen lebendiger machen.

Ein Satz, ein Gedanke wird zu einem "Wort des Lebens", wenn er jemanden unmittelbar anspricht und mitten ins Herz trifft, so als sei er nur für ihn oder sie jetzt gesagt oder geschrieben. Ein solches Wort bekommt man vielleicht von einem lieben Menschen gesagt oder geschrieben, es fällt einem mit einem Buch in die Hände oder springt jemandem irgendwo ins Auge. Gemeinsam ist allen: Ein Wort des Lebens wird geschenkt, oder - wie es ein äthiopisches Sprichwort formuliert: "Das Wort, das dir hilft, kannst du dir nicht selber sagen."

Manches "Wort des Lebens" wird so wichtig und wertvoll, dass es vielleicht schriftlich festgehalten wird und vielleicht sogar einen besonderen Platz bekommt. Ein Spruch an der Wand, eine Karte als Lesezeichen erinnert auch in schweren Zeiten an kraftvolle Worte.
Persönliche "Worte des Lebens"
Welches ist ein solches Wort des Lebens für Sie ganz persönlich? Fällt Ihnen spontan ein Satz dazu ein? ... (kurze Pause)...
Vielleicht von einer Spruchkarte, die eine gute Freundin geschickt hat, als es Ihnen schlecht ging...
Oder es gibt einen Liedvers, der Ihnen immer wieder in den Sinn kommt und Mut macht...
Möglicherweise kennen Sie ein Gebet auswendig, das Ihnen wichtig ist...
Auch ein "Ich mag dich, so wie du bist." eines lieben Menschen schenkt neue Lebenskraft, von der man lange zehren kann...
"Worte des Lebens" aus der Bibel
Auch manches Bibelwort erweist sich als "Wort des Lebens", so z. B. der tröstende Aufruf "Fürchte dich nicht!", "Fürchtet euch nicht!" Dass sich dieser Zuspruch über 130 mal in der Bibel findet, zeigt, dass er Menschen aller Zeiten Mut gemacht hat.
Haben Sie selber ein Lieblings-Bibelwort, das für Sie persönlich voller Geist und Leben ist, das Sie mit einer wichtigen Erfahrung verbinden? ... (kurze Pause)...
Vielleicht eines, das Sie schon länger durch Ihr Leben begleitet und Sie im Alltag oder in Krisenzeiten immer wieder stärkt?...

Zu Worten des Lebens können beispielsweise die Psalmen werden, in denen Menschen unzensiert ihre Not und Klage, ihre Freude und ihren Dank vor Gott zum Ausdruck bringen. Mancher bekannte Vers eignet sich als vertrauensvolles Stoßgebet: "Der Herr ist mein Hirte, nichts wird mir fehlen... Muss ich auch wandern in finsterer Schlucht, ich fürchte kein Unheil; denn du bist bei mir." (Ps 23,1.4a). In anderen Texten des Alten und Neuen Testaments ist die Lebens- und Glaubenserfahrung vieler Menschen zu zeitloser Lebensweisheit verdichtet. Die Evangelien führen Jesu Worte und sein heilendes Handeln lebendig vor Augen.

Wachsam gehört oder gelesen sprechen viele Worte Jesu auch heute Menschen unmittelbar in dem an, was sie beschäftigt und vielleicht bedrückt: "Sorgt euch also nicht um morgen..." (Mt 6,34), sagt Jesus, und: "Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruhe verschaffen." (Mt 11,28). Nicht nur zu Jesu Lebzeiten erhielten Menschen durch solche Worte Trost und Zuversicht. Auch nach seinem Tod erfuhren sie seine lebendige und Leben spendende Gegenwart, und so überlieferten sie als Wort des Auferstandenen: "Seid gewiss, ich bin bei Euch alle Tage bis zum Ende der Welt." (Mt 28,20b). Aber Jesus mutet anderen auch etwas zu: Gelähmte fordert er, aufzustehen und zu gehen, den Taubstummen, sich zu öffnen. Das Gebot der Nächstenliebe treibt er auf die Spitze: "Liebt eure Feinde; tut denen Gutes, die euch hassen." (Lk 6,27).

Bibelworte können sich also in eine ganz persönliche Botschaft verwandeln, die Zuspruch schenkt oder einen Anspruch stellt - je nach dem, wessen man gerade mehr bedarf, um erfüllt zu leben. Biblische Worte fordern auch heraus, so dass manch einer sie vielleicht als Zumutung erlebt - so wie die Jünger, die an Jesu Worten Anstoß nahmen. Wenn Gott aber etwas zumutet, dann ist es auch eine Einladung, es sich zuzutrauen, daran zu wachsen und lebendiger zu werden.

Mit Offenheit und Neugier gehört oder gelesen kann die Bibel zu einer Schatzkiste werden voller Worte des Lebens, die trösten, stärken, befreien, ermutigen; Worte, die beleben, herausfordern, unruhig und lebendiger machen.
"Worte des Lebens" sind von Gott geschenkt
In all diesen Worten - egal ob aus der Bibel, von einem Dichter oder lieben Menschen - will Gott uns ansprechen und Mut machen zum Leben, zum Lebendigsein.
Ich wünsche uns allen die Gewissheit, das Vertrauen und die Entschiedenheit des Petrus, aus tiefstem Herzen zu Gott sagen zu können "Du hast Worte des Lebens für mich".
Ich wünsche uns, dass wir auch in Zeiten des Lebens, in denen wir Gottes Nähe nicht spüren oder wir manches als unzumutbar erleben, Gott treu bleiben, der uns in solchen Worten immer wieder nahe kommen will.

(c) Claudia Simonis-Hippel, in: Bernhard Krautter/Franz-Josef Ortkemper (Hg.), Gottes Volk Lesejahr B 7/2009. Verlag Katholisches Bibelwerk, Stuttgart 2009. S. 13-27

 




La Salette 1846



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