Autor Thema: Das Beste aus der Bibel  (Gelesen 50477 mal)

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velvet

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Antw:Das Beste aus der Bibel
« Antwort #40 am: 09. Mai 2012, 11:17:52 »
Diebstahl und Betrug in der Bibel
Zu biblischen Zeiten fielen die Strafen für Betrug und Diebstahl mal gnädig, mal furchtbar aus. Zum Wohl oder Nachteil der Kleinkriminellen, deren Geschichten die Heilige Schrift überliefert.

Name: Rahel. Tat: Diebstahl. Strafe: keine / 1. Mose 31, 19-32

Es bleibt rätselhaft, warum Rahel ihrem Vater den »Hausgott«, eine Art Glücksbringer, stahl und mit in die Fremde nahm. Hals über Kopf war sie mit ihrem Mann Jakob und ihrer Schwester Lea aus dem elterlichen Haus geflohen. Als der Vater Laban es merkt, jagt er ihnen nach und stellt sie. Doch seinen Hausgott findet er nicht - denn Rahel sitzt auf ihm und weigert sich mit Hinweis auf ihre Menstruation, aufzustehen. Wie gesagt: rätselhaft... ( 1. Mose 31, 19-32)

 Zitat: »Zürne nicht, denn ich kann nicht aufstehen vor dir, denn es geht mir nach der Frauen Weise.«

 
Eva, Hans Thoma, 1897, St. Petersburg, Eremitage.
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  Eva, Hans Thoma, 1897, St. Petersburg, Eremitage.
Name: Eva. Tat: Mundraub. Strafe: Vertreibung / 1. Mose 3, 1-7

»Rühret sie nicht an«: Gott, der Besitzer des Baumes im Garten Eden, hatte Eva eindeutig verboten, dessen Früchte zu essen. Eva konnte es nicht lassen, pflückte eine Frucht und verspeiste sie gemeinsam mit Adam. Die Strafe fiel völlig unverhältnismäßig aus: Gott warf die beiden für immer aus dem Paradies in die mühsame Wirklichkeit. ( 1. Mose 3, 1-7)

 Zitat: »Und sie nahm von der Frucht und aß.«

 
Name: Micha. Tat: Diebstahl. Strafe: keine / Richter 17, 1-4

So sehr zwickte das schlechte Gewissen Micha, dass er seiner Mutter gestand, sie bestohlen zu haben. 1100 Silberstücke hatte er ihr entwendet. Die Mutter hatte den ihr unbekannten Täter verflucht, das wird Micha beeindruckt haben. Anders als erwartet, schimpft die Mutter ihn nicht aus und lässt den Fluch nicht wirken, im Gegenteil: »Gesegnet seist du, mein Sohn!« ( Richter 17, 1-4)

 Zitat: »Ich selbst hab's genommen.«

 
Albrecht Dürer (Detail), 1507, Wien, Kunsthistorisches Museum.
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  Albrecht Dürer (Detail), 1507, Wien, Kunsthistorisches Museum.
Name: Achan. Tat: Unterschlagung. Strafe: Steinigung / 1. Mose 41, 1-36

Kaum ist Israel im Gelobten Land angekommen, schon hat Gott Grund zur Klage. Denn Achan, ein Mann aus dem Stamme Juda, behält einen Teil der in Jericho erbeuteten Schätze für sich. Und das, obwohl die gesamte Kriegsbeute Gott gehört! Der ist ungehalten und beschert Israel zur Strafe eine blutige Niederlage im Kampf gegen die Ammoniter. Heerführer Josua überführt den Dieb Achan; mitsamt seinen Söhnen, Töchtern und seinem Vieh wird er gesteinigt. Damit ist Gott besänftigt... ( 1. Mose 41, 1-36)

 Zitat: »Ich sah unter der Beute einen kostbaren babylonischen Mantel und zweihundert Lot Silber und eine Stange von Gold; danach gelüstete mich, und ich nahm es.«

 
Name: Gehasi. Tat: Betrug. Strafe: Aussatz / 1. Könige 5, 1-27

»Man kann's ja mal versuchen«, wird sich Gehasi gedacht haben: Sein Herr, der Prophet Elisa, hatte soeben einen Hauptmann namens Naaman vom Aussatz geheilt. Naaman wollte seinem Heiler Geld geben, doch der Mann Gottes lehnte jede Bezahlung ab. Gehasi, der Diener Elisas, witterte Reichtum; er lief Naaman nach und forderte unter einem Vorwand nachträglich Silber von ihm. Zwei Zentner reicher, kehrte er heim und musste die Erfahrung machen: Ein Prophet lässt sich nicht so leicht überlisten. Die Strafe folgte auf den Fuß. Elisa ließ Gehasi an Aussatz erkranken. ( 1. Könige 5, 1-27)

 Zitat: »Gib ihnen doch einen Zentner Silber und zwei Feierkleider!«

 
Name: Unbekannt (Verwalter). Tat: Veruntreuung. Strafe: keine / Lukas 16, 1-9

Dieser namentlich unbekannte Verwalter wollte seinen Kopf retten: Als sein Auftraggeber ihm kündigte, erdachte er sich eine List. Zugunsten und mithilfe der Schuldner fälschte er deren Schuldscheine. Sein Hintergedanke: Ist er arbeitslos, werden ihm die so Begünstigten später mit Kost und Logis helfen. Seltsamerweise lobt Jesus das »kluge Handeln« dieses betrügerischen Verwalters und empfiehlt die Nachahmung: »Macht euch Freunde mit dem ungerechten Mammon!« ( Lukas 16, 1-9)

 Zitat: »Gib Rechenschaft über deine Verwaltung!«

 
Vincent van Gogh: »Der Sämann«, 1890, New York, M. W. Haft.
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  Vincent van Gogh: »Der Sämann«, 1890, New York, M. W. Haft.
Name: Unbekannt (Landwirt). Tat: Sabotage. Strafe: keine / Matthäus 13, 24-30

Auch unter Bauern entwickelt sich bisweilen eine fantasievolle kriminelle Energie, um Konkurrenten aus dem Feld zu schlagen. Eine solche Geschichte erzählt Jesus: Ein Landwirt hatte gerade Weizen ausgesät; während des wohlverdienten Feierabend-Nickerchens schleicht sich ein Feind heran und sät mitten ins Feld Unkrautsamen aus. Als der Landwirt es merkt, nimmt er's gelassen und verbietet seinen Knechten, das Unkraut zu jäten; erst bei der Ernte soll es gepflückt und verbrannt werden. ( Matthäus 13, 24-30)

 Zitat: »Als aber die Leute schliefen, kam sein Feind und säte Unkraut.«

velvet

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Antw:Das Beste aus der Bibel
« Antwort #41 am: 09. Mai 2012, 11:23:35 »
Die Heldinnen der Bibel
Wer redet denn da vom »schwachen Geschlecht«? In der Bibel treten Frauen auf, die äußerst stark, mutig und schlau handeln. Meistens leider oft auch mit Gewalt.
Rahab - Josua 2

Bis ins Ostjordanland hatte Mose das Volk Israel geführt. Nun musste sein Nachfolger Josua das »gelobte Land« erobern. Er sendet Kundschafter aus, um die Stimmung im Land Kanaan auszuforschen. Zwei von ihnen kommen nach Jericho - und haben offensichtlich nichts besseres zu tun, als zunächst eine Prostituierte zu besuchen. Rahab, so ihr Name, versteckt die beiden auf dem Dach ihres Hauses und verleugnet sie vor den Soldaten des Königs von Jericho. Als Dank fordert sie, bei der Besetzung Jerichos durch die Israeliten verschont zu bleiben. Die beiden Männer versprechen es ihr; als Zeichen soll sie ein rotes Seil aus dem Fenster hängen lassen. Danach lässt Rahab die beiden durch ihr Fenster fliehen. ( Josua 2)

 Zitat: »Da ließ Rahab sie an einem Seil durchs Fenster hernieder.«

 
Debora von Gustave Doré, Buchillustration von 1866.
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  Debora von Gustave Doré, Buchillustration von 1866.
Debora und Jaël - Richter 4-5

Das ist geballte Frauen-Power: Debora, Richterin Israels, hatte durch kluge Kriegstaktik gerade die starke Armee der Kanaaniter besiegt. Um deren flüchtigen Heerführer Sisera kümmerte sich Jaël, und zwar ganz speziell. Sie lädt ihn in ihr Zelt ein, gibt ihm Milch zu trinken und gaukelt ihm Sicherheit vor. Als er einschläft, tötet sie ihn. ( Richter 4-5)

 Zitat: »Da nahm Jaël einen Pflock von dem Zelt und einen Hammer in ihre Hand schlug ihm den Pflock durch seine Schläfe.«

 
Unbekannte Heldin - Richter 9, 50-54

Seltsam, dass diese mutige Frau namenlos blieb - schließlich hat sie es durch eine beherzte Tat geschafft, einen feindlichen König auszuschalten. Als Abimelech, Sohn des Richters Gideon, die Stadt Tebez angereift, verschanzen sich deren Bewohner in einer Burg. Die Lage wird brenzlig, als Abimelech das Stadttor anzünden will. In letzter Sekunde wirft eine Frau vom Dach der Burg einen Mühlstein auf Abimelech, der ihm den Schädel zerschmettert. Schwer verletzt bittet dieser seinen Waffenträger um einen Gnadenschuss: Zu peinlich war es ihm, von einer Frau erlegt worden zu sein. Eitel geht die Welt zugrunde... ( Richter 9, 50-54)

 Zitat: »Zieh dein Schwert und töte mich, dass man nicht von mir sage: Eine Frau hat ihn erschlagen.«

 
Hinterrücks beraubte Delila den schlafenden Simson seiner Kraft: Simson und Delila von Max Liebermann, 1902, Frankfurt, Städelsches Kunstinstitut.
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  Hinterrücks beraubte Delila den schlafenden Simson seiner Kraft: Simson und Delila von Max Liebermann, 1902, Frankfurt, Städelsches Kunstinstitut.
Delila - Richter 16, 4-21

»Wie können wir dem übermenschlich starken Simson, Richter Israels, seine Kraft rauben?« Das fragten sich die Philister. In Delila, der Geliebten Simsons, finden sie schließlich eine Verbündete. Ihr öffnet Simson sein Herz und verrät ihr das Geheimnis seiner Kraft: Würde sein Haar geschnitten, wäre er genauso schwach wie jeder andere Mensch. Delila lässt ihn in seinem Schoß einschlafen, schneidet ihm sieben Locken ab und übergibt den wehrlosen Simson den Philistern. Und kassiert 1100 Silberstücke. ( Richter 16, 4-21)

 Zitat: »Und sie ließ ihn einschlafen in ihrem Schoß...«

 
Lucas Cranach d.Ä.: Judith mit dem Haupt des Holofernes. 16. Jh. Staatsgalerie Stuttgart.
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  Lucas Cranach d.Ä.: Judith mit dem Haupt des Holofernes. 16. Jh. Staatsgalerie Stuttgart.
Judit - Buch Judit (apokryph)

Die hübsche Witwe Judit fühlte sich berufen, ihr Volk Israel vor dem feindlichen Feldherrn Holofernes zu schützen. Sie tauscht ihre Trauerkleider gegen prächtige Gewänder und betört Holofernes mit ihrem Duft, Charme und Sex-Appeal. Als er betrunken bei ihr liegt, schlägt sie ihm mit einem Schwert den Kopf ab. Daraufhin müssen seine Truppen den Rückzug antreten. ( Buch Judit)

 Zitat: »Darauf stach sie ihn zweimal mit ganzer Kraft in den Hals und schnitt ihm den Kopf ab.«

 
Ester - Buch Ester

Wie schafft es eine einzige Frau, unzählige Juden vor dem geplanten Genozid zu bewahren? Zum Beispiel so: Die hübsche Jüdin Ester umgarnte den Perser-König Ataxerxes und gelang so in seine Nähe. Mutig und ungefragt enthüllte sie ihm die Pläne seines einflußreichen Günstlings Haman. Der wollte nicht nur den Juden Mordechai umbringen, von dem er sich gekränkt fühlte. Nein, er wollte dafür alle in Persien lebenden Juden ausrotten. Aufgrund Esters Enthüllung macht König Ataxerxes den Ausrottungsbefehl rückgängig. Ende gut, alles gut. Nur nicht für den Judenfeind Haman. Der hängt am Ende an dem Galgen, den er für Mordechai errichten lassen hatte. ( Esther 1, 0)

 Zitat: »Und als der König die Königin Ester im Hofe stehen sah, fand sie Gnade vor seinen Augen.«

 
Maria - Evangelien

Die eigentlichen Heldinnen sind die Mütter. Maria, die Mutter Jesu, sticht hervor, weil sie viele Prüfungen des Lebens besteht. Zuerst vertraut sie einem Engel, der ihr eine ganz und gar unglaubliche Schwangerschaft ankündigt. Als ihr Junge sich tatsächlich als Gottes Sohn entpuppt, steht sie ihm bei bis zum Tod und lässt seine bisweilen unfreundlichen Anwürfe (»Was geht's dich an, Frau, was ich tue?«) in mütterlicher Geduld und Liebe abprallen. Auch in seiner schwersten Stunde, als er den grausamen Tod am Kreuz erleidet, bleibt sie in seiner Nähe. ( Matthäus 1)

 Zitat: »Es stand aber bei dem Kreuz Jesu seine Mutter.«

velvet

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Antw:Das Beste aus der Bibel
« Antwort #42 am: 09. Mai 2012, 11:27:02 »
Was Maria besonders macht

Francesco Granacci: Verkündigung an Maria (1. Drittel 16. Jh., Corsham Court bei Bath, Sammlung Lord Methuen).
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  Francesco Granacci: Verkündigung an Maria (1. Drittel 16. Jh., Corsham Court bei Bath, Sammlung Lord Methuen).
Glaube - Lukas 1, 26-38

Was für eine Szenerie: Da hört und spürt die (wohl erst 13-jährige) jüdische Frau Maria aus Nazareth einen Engel. Seine Botschaft: Maria wird - als Jungfrau - einen Sohn gebären, dieser wird der nach jüdischem Glauben lang ersehnte Messias sein. Selbst für die fromme Maria ist das eine ganz und gar unglaubliche Ankündigung. Viele Fragen liegen nahe: »Wie soll ich das meinem Verlobten erklären?« oder »Wie werde ich die Schande, die eine voreheliche Schwangerschaft bedeutet, in meinem Dorf überstehen?« Maria aber fragt anders: »Wie soll das zugehen, da ich doch von keinem Mann weiß?« »Bei Gott ist nichts unmöglich«, antwortet der Engel ihr - und Maria ergibt sich voll Vertrauen in ihre neue Rolle: ( Lukas 1, 26-38)

 Zitat: »Siehe, ich bin des Herrn Magd; mir geschehe, wie du gesagt hast.«

 
Lorenzo Costa: Lesende Maria (1. Drittel 16. Jh., Dresden, Gemäldegalerie).
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  Lorenzo Costa: Lesende Maria (1. Drittel 16. Jh., Dresden, Gemäldegalerie).
Frömmigkeit - Lukas 1, 46-56

Für Maria ist der Glaube nicht auf die persönliche Beziehung zu Gott oder aufs stille Kämmerlein beschränkt. Mit den biblischen Propheten des Volkes teilt sie die Überzeugung: Glaube und Gerechtigkeit gehören untrennbar zusammen. Gott ist nicht nur für das private Seelenheil da, sondern wird auch in der Welt für Gerechtigkeit sorgen. Zum Beispiel indem er den Hungrigen zu essen gibt und die Reichen leer ausgehen lassen wird. Das Magnificat, der Lobgsang Marias, ist Zeugnis dieses Glaubens. ( Lukas 1, 46-56)

 Zitat: »Er stößt die Gewaltigen vom Thron und erhebt die Niedrigen.«

 
Bedacht - Lukas 2, 19.51b

Maria nahm sich Zeit, über die Dinge nachzudenken, die ihr geschahen. Sie bewegte Worte des Engels in ihrem Herzen, beschreibt der Evangelist diesen Wesenszug. Nachdem der zwölfjährige Jesus ihr erklärt hatte, dass er »sein muss in dem, was meines Vaters ist«, behält sie auch diese kryptischen Worte in ihrem Herzen und denkt darüber nach. Aus diesen vielen Beobachtungen setzt sich später wie ein Mosaik die Erkenntnis durch: Jesus ist tatsächlich der Sohn Gottes. ( Lukas 2, 19.51b)

 Zitat: »Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen.«

 
Bernaerd van Orley: Maria mit Kind (1. Hälfte 16. Jh., Madrid, Museo del Prado).
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  Bernaerd van Orley: Maria mit Kind (1. Hälfte 16. Jh., Madrid, Museo del Prado).
Geduld - Lukas 2, 41-52

Eigentlich ein Grund für eine Vermisstenanzeige: Maria und Josef sind mit dem zwölfjährigen Jesus nach Jerusalem gegangen. Auf dem Rückweg merken sie, dass ihr Sohn nicht da ist. Sie suchen ihn bei Verwandten und Bekannten - kein Jesus, nirgends. Sorgenvoll kehren sie nach Jerusalem zurück, irren verzweifelt durch die Straßen. Endlich, nach drei Tagen, finden sie ihn im Tempel, wo er sich seelenruhig mit »Lehrern« unterhält. Maria stellt ihn zur Rede und bekommt eine einigermaßen patzige Antwort, die heutigen Eltern pubertierender Kinder allzu bekannt sein dürfte: »Warum habt ihr mich gesucht?« Maria und Josef schnappen sich ihren Sohn, es geht nach Hause - »und er war ihnen untertan.« ( Lukas 2, 41-52)

 Zitat: »Mein Sohn, warum hast du uns das getan? Siehe, dein Vater und ich haben dich mit Schmerzen gesucht!«

 
Nachsicht - Johannes 2, 1-12; Markus 3, 13-35

Eine Mutter hat seitens ihres erwachsenen Sohnes mehr Respekt verdient: Diesen Gedanken legen einige Bibelstellen nahe. Zum Beispiel diese: Maria und Jesus sind auf einer Hochzeit; wie aus heiterem Himmel blafft Jesus seine Mutter vor den anderen Gästen an. Maria lässt sich nicht auf einen Streit ein, sondern gibt klein bei: »Was er euch sagt, das tut.« Eine ähnlich rüde Antwort muss Maria auch an anderer Stelle ertragen. »Wer ist meine Mutter und meine Brüder?«, fragt Jesus in ihrer Anwesenheit vor einer großen Menschenmenge und kartet mit Blick auf sein gläubiges Publikum nach: »Siehe, das ist meine Mutter, und das sind meine Brüder.« Wahre Mutterschaft sei nicht Sache der leiblichen Abstammung, sondern des Glaubens. ( Johannes 2, 1-12, Markus 3, 13-35)

 Zitat: »Was geht's dich an, Frau, was ich tue?«

 
Mitgefühl - Johannes 19, 25-27

Maria scheut sich nicht, Jesus in dessen schwerster Stunde beizustehen. Mit seinen Jüngerinnen und Jüngern steht sie unter dem Kreuz in Golgatha. Maria muss ertragen, wie ihr ältester Sohn, grausam ans Kreuz geschlagen, unter großen Schmerzen stirbt. Kurz vor seinem Tod erst erkennt er sie und ist um sie besorgt. Seinen Lieblingsjünger bittet er, Maria als seine Mutter bei sich aufzunehmen. Maria kann daran erkennen: Sie spielt doch eine ganz besondere Rolle im Leben ihres Sohnes. ( Johannes 19, 25-27)

 Zitat: »Es standen aber bei dem Kreuz Jesu seine Mutter und seiner Mutter Schwester...«

 
Robert Campin: Kreuzigung Christi (um 1425, Berlin, Gemäldegalerie).
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  Robert Campin: Kreuzigung Christi (um 1425, Berlin, Gemäldegalerie).
Trauer - Apostelgeschichte 1, 1-14

Wie trauert eine Mutter um ihren Sohn? Die Bibel berichtet nichts darüber, was Maria in den drei Tagen nach dem Tod ihres Sohnes tat. Erst nach der Auferstehung und Himmelfahrt rückt sie wieder in die Aufmerksamkeit des Evangelisten Lukas. Gemeinsam mit ihren Söhnen sitzt sie mit den Jüngerinnen und Jüngern Jesu zusammen und betet zu Gott. Danach, so ist anzunehmen, wird sie in der Urgemeinde mitgelebt und mitgewirkt haben. ( Apostelgeschichte 1, 1-14)

 Zitat: »Diese alle waren stets beieinander im Gebet samt den Frauen und Maria, der Mutter Jesu.«

velvet

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Antw:Das Beste aus der Bibel
« Antwort #43 am: 09. Mai 2012, 11:30:31 »
Jesu prominenteste Vorfahren
Seltsam: Josef war nicht der leibliche Vater Jesus. Trotzdem will die Bibel mit seinem Stammbaum belegen, dass Jesus wirklich der Messias ist.

 Der blinde Isaak segnet Jakob

Jakob, der Großvater Jesu - Matthäus 1, 16

Selten widerspricht sich die Bibel so offensichtlich wie hier: Dem Evangelisten Matthäus zufolge heißt der Vater des Josef Jakob; andere Informationen hat der Evangelist Lukas, bei dem er Eli heißt. Oder sollte der Quasi-Großvater Jesu gar einen Doppelnamen gehabt haben? Anzunehmen ist, dass er von Beruf, wie Josef und Jesus, Handwerker, womöglich auch Zimmermann war. ( Matthäus 1, 16)

 Zitat: »Jakob zeugte Josef, den Mann der Maria.«

 
Perez, der Zwilling - 1. Mose 38

Gezeugt wurde Perez unter obskuren Bedingungen: Seine Mutter, die Witwe Tamar, hatte sich als Hure verkleidet. Der einzige Kunde, auf den sie es abgesehen hatte, war ihr Schwiegervater Juda. Als dem klar wird, mit wem er geschlafen hat, führt Tamar ihm seine Bigotterie nach Strich und Faden vor. Tamar wird schwanger und gebärt Zwillinge. Den Erstgeborenen nennt sie Perez (Hebräisch, »Riss«). Unfassbar, dass ein Kind mit einer solch seltsamen Herkunft im Stammbaum Jesu auftaucht. ( 1. Mose 38)

 Zitat: »Und man nannte ihn Perez.«

 
Isai, der Königsvater - 1. Samuel 16

Isai, ein Bauer in Bethlehem, staunte nicht schlecht, als der Richter Samuel ihn besuchte. Der sollte in göttlichem Auftrag den neuen König Israels finden und salben. Isai stellt ihm der Reihe nach seine Söhne vor; entgegen aller Voraussicht erkennt Samuel in David, dem Jüngsten, den künftigen König und salbt ihn. Eine Verheißung des Propheten Jesaja besagt später, dass aus dem Stamm eben jenes Isais auch der endzeitliche Messias kommen und mit ihm das ewige Friedensreich anbrechen wird. Auf Lateinisch heißt Isai »Jesse« - und hat so Aufnahme in eines der bekanntesten Weihnachtslieder gefunden: »Es ist ein Ros entsprungen... von Jesse ist die Art.« ( 1. Samuel 16)

 Zitat: »Und es wird ein Reis hervorgehen aus dem Stamm Isais und ein Zweig aus seiner Wurzel Frucht bringen. Auf ihm wird ruhen der Geist des Herrn, der Geist der Weisheit und des Verstandes, der Geist des Rates und der Stärke, der Geist der Erkenntnis und der Furcht des Herrn.« (Jesaja 11,1f.)

 
Isaak, der Bewahrte - 1. Mose 22, 1-19

Fast wäre Isaak Opfer einer religiös motivierten Gewalttat geworden. Sein Vater Abraham wollte ihn auf einen Befehl Gottes hin auf einem Altar schlachten und verbrennen. In letzter Sekunde mischt sich ein Engel ein und hält Abraham von dem grausamen Vorhaben ab. Das Thema dieser an Dramatik kaum zu überbietenden Geschichte - ein Vater opfert seinen geliebten und einzigen Sohn - wiederholt sich in gewisser Weise in der Passionsgeschichte, wenngleich mit anderem Ausgang. Dass Isaak im Stammbaum Jesu auftaucht, hat also einen tiefen Sinn. ( 1. Mose 22, 1-19)

 Zitat: »Abraham! Lege deine Hand nicht an den Knaben, und tu ihm nichts!«

 
Abraham und die Engel (Tiepolo, 1726-1728, Bischofspalast Udine).
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  Abraham und die Engel (Tiepolo, 1726-1728, Bischofspalast Udine).
Abraham, der Erzvater - 1. Mose 11-25, 11

Der biblische Stammvater schlechthin, Urbild eines Gläubigen, der der Verheißung Gottes vertraut und sich aufbricht aus seinem Elternhaus »in ein Land, das ich dir zeigen will«. In seiner neuen Heimat erlebt Abraham viel. Immer wieder begegnet ihm Gott und schließt einen Bund mit ihm: Er soll Vater vieler Völker werden. Noch im hohen Alter und entgegen aller biologischen Gesetze zeugt er mit Sara seinen Sohn Isaak. ( 1. Mose 11-25, 11)

 Zitat: »In dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter.«

 
Sem, der Sohn Noahs - 1. Mose 9, 18-29

Nach der Sintflut müssen die drei Söhne Noahs für die neue Bevölkerung der menschenleeren Erde sorgen. Sem (Hebräisch, »Name«), dem ältesten Sohn, kommt eine besonders segensreiche Rolle zu. Der Grund: Er hatte die Scham seines Vater bedeckt, als der sturzbetrunken nackt im Zelt lag. Auf ihn geht die Stammlinie Abrahams und damit des gesamten Israel zurück. ( 1. Mose 9, 18-29)

 Zitat: »Set und Sem standen bei den Menschen in großen Ehren.« (Jesus Sirach 49,16)

 
Set, Evas »Ersatz«-Sohn - 1. Mose 4, 25

Nachdem Kain seinen Bruder Abel erschlagen hatte, zeugen Adam (mittlerweile 130 Jahre alt) und Eva ihr drittes Kind. Es wird wieder ein Sohn, Eva nennt ihn Set (Hebräisch, »Ersatz«). Die Bibel betont, dass er nach dem Bild des Adam gezeugt wurde, damit also auch nach dem Ebenbild Gottes. Eine nicht in der Bibel enthaltene Legende schildert, dass Set vom Erzengel Michael einen Zweig des verbotenen Baumes erhielt; er pflanzte ihn auf Adams Grab. Aus dem Holz dieses Baumes wird das Kreuz Jesu gezimmert. ( 1. Mose 4, 25)

 Zitat: »Adam erkannte abermals seine Frau, und sie gebar einen Sohn, den nannte sie Set.«

velvet

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Antw:Das Beste aus der Bibel
« Antwort #44 am: 09. Mai 2012, 11:34:03 »
Babys in der Bibel
Jesus ist - jedenfalls aus christlicher Perspektive - das Baby der Bibel schlechthin. Doch es gibt noch andere Babys der Bibel, auch wenn die nicht ganz so berühmt geworden sind.
geworden sind.

Giovanni Battista Tiepolo, Auffindung Moses (um 1740), National Gallery of Scotland, Edinburgh.
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Giovanni Battista Tiepolo, Auffindung Moses (um 1740), National Gallery of Scotland, Edinburgh.
Mose, das Findelkind - 2. Mose 2, 1-10

»Eine Seefahrt, die ist lustig«? Aber nicht, wenn man im Alter von drei Monaten hilflos in einem kleinen Schilfkästlein auf dem Nil ausgesetzt wird. Dass seine Mutter Mose so behandelt hat, ist allerdings keine Un-, sondern eine Verzweiflungstat. Sie wollte ihn vor den Häschern des Pharao schützen. Der hatte nämlich angeordnet, alle neugeborenen Söhne der Hebräer umzubringen. Mose hat Glück. Eine Tochter des Pharao entdeckt das weinende Baby und kümmert sich. Sie bittet eine hebräische Frau, das Kind zu stillen - und weiß nicht, dass sie ausgerechnet Moses Mutter fragt. So finden Mose und Mutter wieder zusammen - was für ein Happy-End! ( 2. Mose 2, 1-10)

 Zitat: »Und siehe, das Knäblein weinte. Da jammerte es sie, und sie sprach: 'Es ist eins von den hebräischen Kindlein.'«

 
Jakob und Esau, die Streit-Zwillinge - 1. Mose 25, 19-26

Manche hochschwangere Frauen können ein Leidlied davon singen: Das Kind ist noch gar nicht auf der Welt, und schon malträtiert es die Mutter mit Tritten. Für Rebekka, die Frau des Isaak, ein doppeltes Problem, denn sie trägt Zwillinge in sich. Die beiden scheinen sich ordentlich zu zoffen und kämpfen offensichtlich darum, wer als Erster das Licht der Welt erblicken darf. Esau gewinnt, an seinen Fuß hat sich sein Bruder Jakob geklammert und gleitet sofort nach ihm in die Welt. Seinen Namen verdankt Esau (»rauh, behaart«) übrigens seiner ungewöhnlichen rötlichen Körperbehaarung. Auch Jakob wird zeitlebens an die Geburt erinnert. Sein Name bedeutet »Fersenhalter«. ( 1. Mose 25, 19-26)

 Zitat: »Als nun die Zeit kam, dass sie gebären sollte, siehe, da waren Zwillinge in ihrem Leibe.«

 
Der Sohn Davids und Batsebas - 2. Samuel 12, 1-25

Der Gott der Bibel ist keineswegs immer »lieb«. Oder ist es irgendwie gerecht oder nachvollziehbar, dass ein Neugeborenes für die Sünde seiner Eltern sterben muss? David und Batseba hatten Ehebruch begangen; noch dazu hatte David Uria, den Ehemann seiner Geliebten, in den Tod geschickt. Durch Prophetenmund teilt ihm Gott mit, dass zur Strafe sein Sohn sterben müsse. Mit Fasten, Weinen und Beten versucht David, Gott umzustimmen - vergebens, Gott kennt in diesem Fall keine Gnade. Nach sieben Tagen stirbt der Säugling, dessen Namen die Bibel leider nicht überliefert hat. ( 2. Samuel 12, 1-25)

 Zitat: »Und der Herr schlug das Kind, das Urias Frau David geboren hatte, so dass es todkrank wurde.«

 
Nicolas Poussin, Bethlehemitischer Kindermord (1628-1629), Musée Condé Chantilly.
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  Nicolas Poussin, Bethlehemitischer Kindermord (1628-1629), Musée Condé Chantilly.
Die ermordeten Babys von Bethlehem - Matthäus 2, 13-18

In Bethlehem spielte sich viel Freud, aber auch unsägliches Leid ab. Kurze Zeit nach der Geburt Jesu kommen Soldaten in den kleinen Ort und richten ein Gemetzel an. Ihr Auftrag: Sie sollen alle Babys und Kleinkinder bis zum Alter von zwei Jahren umbringen. Auftraggeber ist Herodes. Als römischer Prokurator hat er Angst, dass in Bethlehem tatsächlich jemand geboren sein könnte, der seine Macht in Frage stellen könnte. Gott hatte seinen Sohn und dessen Eltern in Sicherheit gebracht: Sie hatten den Rat eines Engels befolgt und waren nach Ägypten geflohen. ( Matthäus 2, 13-18)

 Zitat: »Als Herodes nun sah, dass er von den Weisen betrogen war, wurde er sehr zornig und schickte aus und ließ alle Kinder in Bethlehem töten und in der ganzen Gegend, die zweijährig und darunter waren.«

 
Benjamin, der Glücks-Sohn - 1. Mose 35, 16-19

Einen schweren Start ins Leben musste Benjamin durchleiden: Gleich nach seiner Geburt starb seine Mutter Rahel. »Fürchte dich nicht«, hatte ihr eine Hebamme noch Mut zugesprochen - vergeblich, »ihr Leben entwich«. Im Sterben nennt sie ihren Sohn Ben-Oni (»Unglücks-Sohn«). Mit diesem Namen wird das Kind nicht glücklich werden, dachte sich womöglich der Vater Jakob und benannte ihn um in Ben-Jamin - »Glücks-Sohn«. Er ist der Jüngste der zwölf Söhne des Stammvaters Jakob. ( 1. Mose 35, 16-19)

 Zitat: »Da ihr aber die Geburt so schwer wurde, sprach die Wehmutter zu ihr: Fürchte dich nicht, denn auch diesmal wirst du einen Sohn haben.«

 
Johannes der Täufer - Lukas 1, 57-66

Dieses Baby ist etwas Besonderes, das war allen rasch klar. Erstens war seine Mutter Elisabeth schon ziemlich alt und nach biologischen Gesetzen nicht mehr gebärfähig. Zweitens war Zacharias, sein Vater, während der Schwangerschaft seiner Frau stumm. Und drittens gab es am achten Tag seines Lebens Aufsehen: Als er nach jüdischem Gesetz beschnitten werden sollte, bestand Mutter Elisabeth darauf, ihn Johannes zu nennen - und nicht, wie üblich, nach dem Namen eines Verwandten. In diesem Moment konnte Vater Zacharias wieder sprechen. Später wird Johannes Bußprediger am Jordan - und tauft auch Jesus. ( Lukas 1, 57-66)

 Zitat: »Was, meinst du, will aus diesem Kindlein werden?«

 
Friedrich Overbeck (1789-1869), Maria und Elisabeth mit den Knaben Jesus und Johannes (1825), Neue Pinakothek München.
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  Friedrich Overbeck (1789-1869), Maria und Elisabeth mit den Knaben Jesus und Johannes (1825), Neue Pinakothek München.
Jesus - Lukas 2

Das Baby der Bibel schlechthin. Die widrigen Umstände seiner Geburt sind leider Gottes meist in Weihnachtskrippen-Romantik verklärt. Wie es für die junge unerfahrene Mutter Maria gewesen sein muss, ihr erstes Kind in einem Stall zu gebären, ohne Hilfe einer Hebamme - das können allenfalls Frauen mit ähnlicher Erfahrung nachempfinden. In jedem Fall war Josef als Vater gefordert und hat seiner Frau offensichtlich gut beigestanden. Und dann liegt es da, wie ein ganz normales Menschenkind, aber eben doch ein ganz Besonderes: » Am Rande der Welt / am Rande der Stadt / ein Klaps, ein Schrei / und eine neue Zeit beginnt.« (Georg Schwikart). ( Lukas 2)

 Zitat: »Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe.«

velvet

  • Gast
Antw:Das Beste aus der Bibel
« Antwort #45 am: 09. Mai 2012, 11:37:24 »
Anfangssätze der Bibel
Der erste Satz eines Buchs will wohlbedacht sein - das wissen Schriftsteller wie Leser. Auch die Verfasser der Bibel hatten diese Herausforderung zu meistern.

Die Schöpfung
Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. - 1. Mose

Was für ein grandioser Einstieg in das Buch der Bücher! Nicht ein märchenhaft eingeleiteter Rückblick à la »Es war einmal...«, sondern ein fulminantes Bekenntnis dazu, dass niemand anderes als Gott Schöpfer der Welt ist. Schlag auf Schlag erschafft Gott in den ersten sieben Tagen alles, was auf der Erde ist - auch die Ruhe. Dieser Schöpfungsbericht stammt aus einer Verfassertradition, die »Priesterschrift« genannt wird und deren Schriften vermutlich gegen Ende des babylonischen Exils (6./5. Jh. v. Chr.) entstanden sind. So ist die Schöpfung gleichzeitig eine Abgrenzung gegenüber den dortigen Welterschaffungsmythen. ( 1. Mose 1, 1)

 
»Hiob« von Albrecht Dürer, 1503.
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  »Hiob« von Albrecht Dürer, 1503.
Es war ein Mann im Lande Uz, der hieß Hiob. Der war fromm und rechtschaffen, gottesfürchtig und mied das Böse. - Das Buch Hiob

Hier kommt nun doch ein märchenhafter Einstieg... Kein Wunder: Die Geschichte des vorbildlichen Mannes Hiob kursierte lange Zeit als Legende, ebenso die Zwiesprache zwischen Gott und dem Satan. In diese Rahmenhandlung hat ein Redakteur kunstvoll weitere Texte eingeflochten. Zum Beispiel die Unterhaltungen mit drei Freunden, ein Lied über die Weisheit und die Schlussrede Hiobs. Die Geschichte endet mit einem großen Happy End: Hiob wird wieder gesund, bekommt mehr Kinder und Tiere, als er jemals hatte: »Und Hiob starb alt und lebenssatt.« ( Hiob 1, 1)

 
Wohl dem, der nicht wandelt im Rat der Gottlosen noch tritt auf dem Weg der Sünde noch sitzt, wo die Spötter sitzen. - Der Psalter

Der Psalter - ein Buch mit 150 Gebeten und unendliche Tiefen. Mal geht es um Selbsterkenntnis und das Lob des Schöpfers, mal um Rache an Feinden und Beistand in großer Not. Die Psalmen sind zeitlos und sprechen bis heute gläubigen Menschen aus dem Herzen. Ihre große Kraft bekommen sie daher, dass sich in ihnen die Erfahrungen einzelner Menschen spiegeln; sie sind nicht am Schreibtisch eines einzelnen Verfassers entstanden, sondern wurden jahrhundertelang gebetet und schließlich niedergeschrieben. Einer jedoch muss sie letztlich geordnet und in die Reihenfolge gebracht haben, die wir in unserer heutigen Bibel vorfinden. Dieser Psalmen-Redakteur hat sich sicherlich gut überlegt, mit welchem Psalm - und welchem ersten Satz er den Psalter beginnen lässt. »Wohl dem...«: Damit bestärkt er die Frommen, ihren Weg weiterzugehen. ( Psalm 1, 1)

 
»Jona« von Michelangelo, 1512.
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  »Jona« von Michelangelo, 1512.
Es geschah das Wort des Herrn zu Jona, dem Sohn Amittais: Mache dich auf und geh in die große Stadt Ninive und predige wider sie; denn ihre Bosheit ist vor mich gekommen. - Der Prophet Jona

Vor diesem Auftrag scheut sich der Prophet Jona: Er soll der 120.000-Einwohner-Stadt die Strafe Gottes, also den Untergang ankündigen. Ängstlich flieht er auf einem Schiff übers Mittelmeer. Sein Schicksal, nach drei Tagen im Bauch eines Fisches gesund und wohlbehalten wieder ausgespien zu werden, gehört bis heute zu den bekanntesten Geschichten der Bibel. Deren Erzähler hat die Jona-Geschichte als spannende, märchenhafte Novelle aufbereitet. Um jedoch am Anfang zu betonen, dass es sich bei Jona um einen wirklich existierenden, historischen Menschen handelt, nennt er den Namen Jonas' Vaters. Der Auftrag Gottes (»Mache dich auf...«) spricht den Leser unmittelbar an und zieht ihn geschickt ins Geschehen. ( Jona 1, 1)

 
Wie liegt die Stadt so verlassen, die voll des Volks war! Sie ist wie eine Witwe... - Die Klagelieder Jeremias

Was für ein trauriger Einstieg! Der Prophet Jeremia lässt so seine »Klagelieder« beginnen. Mit der Gleichsetzung der Stadt mit einer Witwe trifft er sofort ins Herz seiner Leserinnen und Leser. Jeremia schreibt aus der Warte des Vertriebenen, der aus dem fernen Babylon auf die Heimatstadt Jerusalem blickt und seiner Trauer freien Lauf lässt. Die Klagen des Propheten haben durch die Jahrhunderte Menschen immer neu fasziniert; der Begriff »Jeremiade« zeigt, wie sie ins Allgemeingut übergegangen sind. ( Klagelieder 1, 1)

 
Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. - Das Johannesevangelium

Die Schöpfung in christlicher Version: Die Christen des ersten Jahrhunderts stellten sich die Frage nach der Bedeutung und Stellung Christi. Auch wollten sie ihre neue Lehre in der philosophisch-hellenistischen Geisteswelt verständlich machen. Dazu entwarfen sie eine Theologie, die in Form des sogenannten »Johannes-Prologs« kraftvoll in den Bann zieht. Christus ist das Wort Gottes (der »Logos«), das seit Urzeiten bei Gott ist. Diese Aussage beinhaltet hohe theologische Brisanz. Denn sie betont, dass Christus nicht Teil der Schöpfung ist, sondern Teil der Schöpfermacht. In Jesus, dem Sohn Gottes, ist das Wort schließlich Fleisch geworden »und wohnte unter uns«, heißt es einige Zeilen weiter im Johannes-Prolog. Im ganzen Johannesevanglium erscheint Jesus konsequent vergeistigter als in den anderen Evangelien. ( Johannes 1, 1)

 
Petrus, ein Apostel Jesu Christi, an die auserwählten Fremdlinge, die vertraut wohnen in Pontus, Galatien... - Der 1. Brief des Petrus

Ein geschickter Schachzug: Da möchte ein bis heute unbekannter, aber geistreicher Christ, dass sein Schriftstück viel Beachtung findet. Also wendet er einen Trick an: Er gibt sich als Petrus aus, als persönlicher Jünger Jesu also, der neben Paulus als angesehener Missionar der Urkirche wirkte. Die Mogelei kommt erst viel, viel später heraus: Die historisch-kritische Bibelforschung belegt mit vielen eindeutigen Indizien, dass Petrus diesen Brief keineswegs selbst geschrieben haben kann. Was in keiner Weise die Qualität des Briefes mindert, dem die Christenheit so schöne Sätze verdankt wie diesen: »Alle eure Sorge werfet auf ihn; denn er sorgt für euch.«( 1. Petrus 1, 1, 1. Petrus 5, 7)

 

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