Autor Thema: Vita des hl. Bonifatius - Apostel der Deutschen  (Gelesen 3982 mal)

0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema.

Offline Otto

  • *
  • Beiträge: 24
  • Country: de
  • Geschlecht: Männlich
  • Ora et labora et lege, Deus adest sine mora.
  • Religionszugehörigkeit: Römisch-katholische Kirche
Vita des hl. Bonifatius - Apostel der Deutschen
« am: 03. Juli 2012, 21:08:41 »
Auszug aus dem Werk "Helden und Heilige" von Hans Hümmeler.

"Ein Gregor sandte im Jahre 596 jene vierzig Missionare nach England, die unter Führung des heiligen Abtes Augustin überraschend schnell die heidnischen Angelsachsen zum Christentum bekehrten, und wieder war es ein Gregor, der am 14. Mai 719 den Apostel der Deutschen aussandte, um ein anderes Land und Volk für den Gekreuzigten zu gewinnen. Aus England war Wynfrith, ein nicht mehr ganz junger, kräftiger Mann in der Kutte der Benediktiner, nach Rom gekommen, hatte ein Empfehlungsschreiben des Bischofs Daniel von Winchester mitgebracht und verlangte ungestüm nach einer großen Missionsaufgabe. Sohn eines altadeligen Geschlechts, aufgewachsen im Kloster Nutshalling bei Southampton, gebildet und vor allem in der Heiligen Schrift bewandert, konnte Wynfrith darauf hinweisen, daß er auch auf dem schwierigen Feld der Heidenmission kein Neuling mehr sei. Auf eigenen Antrieb hatte er im Frühjahr 716 den Kanal überquert, um sich in das Bekehrungswerk seines älteren Landsmannes Willibrord einzureihen. Wo er aber bereits Ansätze des christlichen Glaubens zu finden hoffte, hatte der Aufstand des Friesenherzogs Radbod alles wieder vernichtet. Es blieb ihm damals bei der feindseligen Haltung der Eroberer keine andere Wahl, als nach England zurückzukehren.

Seine Mitbrüder hatten ihn dort zum Abt gewählt, aber er hatte sich nicht an das Kloster Nutshalling fesseln lassen. Nun stand er in der ewigen Stadt vor Papst Gregor II. und empfing von ihm die feierliche Missionsvollmacht und einen neuen Namen: Bonifatius. In Thüringen, dem äußersten Vorposten Willibrords, wollte er seine Arbeit beginnen. Wiederum stand er nach einigen Monaten vor einem Mißerfolg. Er hatte erkennen müssen, dass ein Land, das zwar den Glauben angenommen hatte, jedoch heidnischen Sitten anhing, eine nicht minder steinige Wüste sei als die Gebiete, wo Thor und Wodan noch als Götter galten. Da unterstellte er sich demütig der größeren Erfahrung Willibrords und wirkte Seite an Seite mit ihm einige Jahre in Westfriesland, bis er sich stark genug glaubte, allein das Kreuz weiter vorzutragen. Er war vorsichtig genug, nicht sogleich seiner eigentlichen Sehnsucht zu folgen und in das noch unerforschte, heidnische Ostfriesland vorzustoßen, sondern begab sich vorerst nach Hessen, wo er die stark verweltlichten Christengemeinden reformierte und das erste Kloster auf geschenktem Grund und Boden zu Amöneburg gründete.

An Mitarbeitern fehlte es ihm nicht. Daheim und unterwegs hatte er mit Mönchen und Priestern Verbrüderungen des Gebetes geschlossen; seine Landsleute vergaßen ihn nicht, und nach und nach folgten ihm die Besten und Eifrigsten in das fremde Land, ein Wigbert, ein Burchard, die Brüder Willibald und Wunibald, ihre Schwester Walburga, eine Lioba und viele andere. Nur die weltliche Macht hinderte ihn mehr, als sie ihm nützte. Um den Mißhelligkeiten mit Karl Martell auszuweichen, ging Bonifatius im Jahre 722 zum zweiten Male nach Rom. Als Bischof kehrte er zurück und erwirkte nun auch einen Schutzbrief des Frankenherrschers, ohne den er innerhalb der Grenzen des Reiches ohnmächtig gewesen wäre. Dennoch fand er heftigen Widerstand bei den Laienpriestern Thüringens, die sich der kirchlichen Oberhoheit entzogen und ein ungeistliches Leben führten. Ihre Sittenlosigkeit, Unbotmäßigkeit und ihre nachlässige Verwaltung der Sakramente stürzten ihn in tiefe Gewissensnot; aber lieber wollte er in größter Armseligkeit leben und das tägliche Brot mit bäuerlicher Arbeit verdienen, als den Schwierigkeiten weichen. Auch wenn Sachseneinfälle ihn verjagt hatten, er kam wieder, bis er um Erfurt und Gotha feste Stützpunkte des Glaubens geschaffen hatte.

In Hessen konnte er sich eines besseren Erfolges freuen. Seit er bei dem Dorfe Geismar die Donareiche gefällt und aus ihrem Holz die Peterskirche zu Fritzlar erbaut hatte, war der alte Götterglaube erschüttert. Kampflos konnte er die Feste Buraburg nehmen und die Klöster Hersfeld und Fulda gründen. Zum Lohn für seine Mühen und Leistungen wurde er von Gregor III. zum Apostolischen Legaten und Erzbischof ernannt und ordnete als solcher das Kirchenwesen in Bayern neu. Es war der Beginn eines weitreichenden kirchlichen Reform- und Organisationswerkes, das in wenigen Jahren das ganze fränkische Reich in seine Maßnahmen einbezog. Auf seiner dritten Romreise hatte Bonifatius die Tätigkeit größerer Synoden kennengelernt. Er beeilte sich, diese Erfahrungen auch jenseits der Alpen auszuwerten. Im Jahre 740 fand die erste bayerische Synode statt, im Jahre 742 die erste gesamtdeutsche Synode, zu Estinnes und Soissons sprach er vor den Bischöfen des Westens; ein Reichskonzil im Jahre 747 fasste die Beschlüsse gegen die Ehe und den Waffendienst der Priester, gegen Totenopfer und Wahrsagungen zusammen, verpflichtete Klerus und Volk zum geistlichen Gehorsam gegen den zuständigen Bischof und erreichte den Schutz dieser Bestimmungen durch staatliche Gesetze. Jetzt war die Kirchenverfassung des jungen Frankenreiches fest gefügt. Jetzt konnte jene abendländische Kulturgemeinschaft entstehen, die im christlichen Mittelalter ihre schönste Blüte trieb. Zugleich war es Bonifatius gelungen, die Bistümer des Nordens auf engste mit Rom zu verbinden.

Wieviel Kampf, Enttäuschungen und Leiden aber dieses gewaltige Werk gekostet hat, geht aus den zahlreichen Berichten an den Papst und noch mehr aus den vertrauten Briefen an die Freunde hervor. Bonifatius war weder Politiker noch eine Kampfnatur. Oft befielen ihn tiefe Verzagtheit und ein Bangen, ob seine Nachfolger den widerspenstigen Priestern, dem heidnischen Adel und den völkischen Gegensätzen gewachsen sein würden. Auch quälte ihn der Gedanke, daß er durch die Kirchenreform ganz von seinem Ziel und Auftrag der Heidenmission im ostrheinischen Gebiet abgedrängt worden war. Er rieb sich auf in dem wenig fruchtbaren Kampf gegen zahllose Mißbräuche, die den christlichen Namen schändeten. Nicht aus Machtwillen, sondern aus Pflichtbewusstsein sah er sich genötigt, in seinen letzten Lebensjahren immer wieder zu mahnen und zu tadeln.

Selbst die Bischöfe des Frankenreiches, auf deren Gefolgschaft er am meisten gebaut hatte, ließen ihn im Stich, weil sie seine Absichten nicht verstanden oder selbstsüchtig eigene Interessen verfolgten. So mußte er als Greis im Alter von achtzig Jahren im Winter des Jahres 754 nach Utrecht reisen, um in einem Streitfall mit dem Bischof von Köln seine Rechte zu wahren. Vorsorglich hatte er in seinem Bistum Mainz Lullus als Nachfolger eingesetzt; er führte ein Leichentuch mit sich, weil er gewiss war, bald vor Gott erscheinen zu müssen. Bis zum Tode aber wollte er seiner Sendung getreu bleiben und tätig sein; deshalb wanderte er von Utrecht aus zu dem Volk, dem seine erste Mission gegolten hatte, an die friesische Meeresküste. Dort überfielen in der Morgenfrühe des 4. oder 5. Juni 754 Heiden das Zeltlager der Mönche bei Dokkum; mit zweiundfünfzig Begleitern wurde Bonifatius erschlagen. Die Klage um seinen Tod widerhallte von England bis Rom. Jetzt, da er nicht mehr war, erkannte man die ganze Bedeutung dieses Mannes, der sich im Eifer für die Kirche verzehrt hatte."
"Jesus sagte zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater außer durch mich."
Joh 14, 6

 

Ähnliche Themen

  Betreff / Begonnen von Antworten Letzter Beitrag
3 Antworten
4061 Aufrufe
Letzter Beitrag 02. Februar 2012, 14:04:01
von Andal
2 Antworten
4501 Aufrufe
Letzter Beitrag 15. Juni 2012, 16:00:22
von Otto
3 Antworten
3298 Aufrufe
Letzter Beitrag 15. Juni 2012, 18:58:12
von velvet
0 Antworten
2453 Aufrufe
Letzter Beitrag 05. Oktober 2013, 07:53:39
von Hildegard51
0 Antworten
2652 Aufrufe
Letzter Beitrag 05. September 2014, 08:23:39
von Joel

www.infrarot-heizungen.info

Gerhard Wisnewski spricht Klartext

Wenn das im TV gezeigt werden würde, bestünde ein Funken Hoffnung



Suche in den Seiten Zeugen der Wahrheit

Wenn Sie nur ein Wort suchen, sollte es nicht links in der Menüauswahl stehen, weil es Ihnen die ganze Palette anzeigt.
Die Menüs sind auf jeder Seite vorhanden..

top

Du hörst die Stimme deines Gewissens: Es lobt, tadelt oder quält dich. Diese Stimme kannst du nicht los werden. Sie weist dich hin auf Gott, den unsichtbaren Gesetzgeber. Daher lässt das Gewissen uns nicht im Zweifel darüber, daß wir für unser Tun verantwortlich sind und daß wir einmal gerichtet werden. Jeder hat eine Seele, für die zu sorgen seine einzige Aufgabe in dieser Welt ist. Diese Welt ist nur eine Schranke, die uns vom Himmel oder der Hölle trennt. »Wir haben hier keine bleibende Stätte, sondern suchen die zukünftige.« (Hebr 13, 14)

Suche in den kath. Webseiten von:
Zeugen der Wahrheit
www.Jungfrau-der-Eucharistie.de
www.maria-die-makellose.de
www.barbara-weigand.de
www.adoremus.de www.pater-pio.de
www.gebete.ch
www.gottliebtuns.com www.assisi.ch
www.adorare.ch www.das-haus-lazarus.ch www.wallfahrten.ch

"Die Zeit verrinnt, oh Mensch sei weise. Du tust NUR einmal diese Reise."
Eure Tage und Stunden auf dieser Erde sind gemessen an der Ewigkeit ein Wimpernschlag.

Dieses Forum ist mit folgenden Webseiten verlinkt
Zeugen der Wahrheit - www.assisi.ch - www.adorare.ch - Jungfrau.d.Eucharistie
www.wallfahrten.ch - www.gebete.ch - www.segenskreis.at - barbara-weigand.de
www.gottliebtuns.com- www.das-haus-lazarus.ch - www.pater-pio.de

www3.k-tv.org
www.k-tv.org
www.k-tv.at

K-TV der katholische Fernsehsender

Wahrheit bedeutet Kampf -
Irrtum ist kostenlos
.
Fürchtet nicht den Pfad der Wahrheit,
fürchtet den Mangel an Menschen die diesen gehn!


Nur registrierte Benutzer können Themen und Beiträge im Forum schreiben.

Wenn Sie sich anmelden
Neuanmeldungen müssen erst vom Admin bestätigt werden
Nach dem Anmelden wird Ihnen das Passwort per Email gesendet.
Dann können sie sich unter Member Login oben einloggen.
Nach dem Einloggen können Sie Ihre persönlichen Angaben unter Profil ändern oder weitere hinzufügen.
Ebenso können Sie unter Profil Ihre Signatur eingeben (dann erscheint unter jedem Ihrer Beiträge z.B. ein Spruch)
Unter Profil/Profil können Sie ein Bild hochladen, das dann links im Beitrag unter Ihrem Nicknamen erscheint.


Vorteile beim anmelden
Sie können Ihren Beitrag nachträglich verändern oder löschen.
Sie haben die Möglichkeit unter einer Rubrik ein neues Thema zu verfassen.
Zu diesem Beitrag (Neues Thema) besitzen Sie die Rechte, Ihren Beitrag zu ändern oder das Thema zu löschen.
Löschen Ihrer Themen können nur Mitglieder.
Die Registrierung ist kostenlos
Ungelesene Beiträge seit Ihrem letzten Besuch.
Ungelesene Antworten zu Ihren Beiträgen.
Sie können das Design verändern. (Versch. Vorlagen)
Wir geben Ihre E-Mail-Adresse nicht weiter
Wir verschicken keinen Spam
Ihre E-Mail-Adresse wird je nach Einstellung im Profil anderen Mitgliedern nicht angezeigt.
Wir sammeln keine persönlichen Daten wie Anschrift oder Telefonnummer

Sinn und Zweck dieses Forums
Dieses Forum dazu gedacht, Fragen und Antworten über die katholische Kirche jedem zugänglich zu machen. Jeder der Fragen hat, kann diese in diesem Forum eintragen. Besonders Priester sind in diesem Forum dazu eingeladen, auf verschiedene Fragen über den Glauben sich an den Beiträgen zu beteiligen. "Hier haben die Besucher dieser Seite die Möglichkeit mit anderen Besuchern über den Glauben zu diskutieren." Der Betreiber übernimmt jedoch in diesem Forum keine Gewähr für die Aktualität, Richtigkeit, Vollständigkeit oder Qualität der bereitgestellten Informationen.

Unseriöse Themen und Beiträge werden gelöscht. Wenn Sie solche finden, melden Sie dies bitte dem Administrator per Mitteilung oder schreiben Sie unter:
Mail
info@kath-zdw.ch

Machen Sie das Forum Zeugen der Wahrheit unter Ihren Freunden bekannt: kath-zdw.ch/forum oder forum.kath-zdw.ch

Auf die Veröffentlichung und den Wahrheitsgehalt der Forumsbeiträge habe ich als Admin keinerlei Einfluss. Da ich nebst Forum/Webseite/E-Mail noch der Erwerbstätigkeit nachgehen muss, ist es mir nicht möglich alle Inhalte zu prüfen. Ein jeder Leser sollte wissen, dass jeder Beitrag, die Meinung des Eintragenden widerspiegelt. Im Forum sind die einzelnen Beiträge dementsprechend zu bewerten.
Distanzierungsklausel: Der Webmaster dieses Forums erklärt ausdrücklich, dass er keinerlei Einfluss auf die Gestaltung und die Inhalte der Seiten hat, die über die Links des Forums zu erreichen sind. Deshalb distanziert er sich ausdrücklich von allen Inhalten aller gelinkten Seiten und macht sich diese Inhalte nicht zu Eigen. Diese Erklärung gilt für alle auf dieser Forumspräsenz angezeigten Links und für alle Inhalte der Seiten, zu denen die Links führen. Feb. 2006

Linkempfehlung - Webseiten für Kinder: www.freunde-von-net.net www.life-teen.de

top

Seiten-Aufrufe in ZDW