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Libysche Terroristen dringen in Syrien ein
« am: 18. August 2012, 14:42:39 »

18.08.2012

Libysche Terroristen dringen in Syrien ein

Tony Cartalucci

Die USA, England, die NATO und die Golfstaaten bewaffnen und finanzieren die ausländische Invasion Syriens – die westlichen Medien beschönigen dies in immer stärkerem Maße als »revolutionär«.



Die Nachrichtenagentur Reuters überrascht  uns heute mit einer in sich widersprüchlichen Überschrift: »Libysche Kämpfer schließen sich syrischem Aufstand an«. Aber wenn ausländische Kämpfer aus Libyen Städte überfallen, regierungsamtliche und zivile Ziele angreifen und versuchen,

die souveräne Regierung Syriens zu schwächen und zu stürzen, handelt es sich offensichtlich nicht um einen »Aufstand«, sondern um eine Invasion.

Weiter meldet Reuters, »ein einflussreicher Milizenchef aus den westlichen Bergen Libyens«, Mahdi al-Harati, ein Kämpfer der Libyschen Islamischen Kampfgruppe (LIFG), die auf der von den USA, England und der UNO erstellten Liste terroristischer Organisationen aufgeführt ist, »steht nun an der Spitze einer Kampfeinheit in Syrien, die vor allem aus Syrern besteht, der aber auch ausländische Kämpfer, darunter etwa 20 kampferprobte Mitglieder seiner eigenen libyschen Rebelleneinheit, angehören«. Reuters beeilt sich zu erklären, dass zu den Libyern, die den Syrern zur Hilfe geeilt sind, »auch Spezialisten für die Bereiche Kommunikation, Logistik, humanitäre Angelegenheiten und schwere Waffen gehören«, und sie »in Ausbildungslagern tätig sind und dort Kurse für körperliche Fitness und das taktische Vorgehen im Kampf abhalten«.

Reuters räumt dann ein, dass die anhaltenden Kämpfe weniger mit Demokratie zu tun hätten, sondern ausschließlich durch religiöse und ethnische Konflikte geprägt seien. Den Aufständischen gehe es darum, die schiitische Minderheit in Syrien zu vertreiben, die die sunnitischen Muslime »unterdrückt«.

Dieser Reuters-Propagandaartikel wird durch die Äußerungen eines  libyschen Terroristen abgerundet, der angeblich damit droht, »militante Kräfte würden sich in der gesamten Region ausbreiten, wenn der Westen nicht größere Anstrengungen unternehme, den Sturz Assads zu beschleunigen«. Dieses Argument stammt direkt aus den Chefetagen der von der amerikanischen Finanzwelt unterstützten Denkfabriken. Und tatsächlich heißt es in einer vor Kurzem veröffentlichten Erklärung einer dieser Denkfabriken, der Foreign Policy Initiative, die von neokonservativen Ideologen aus der Ära Bush unterzeichnet wurde:

   
»Die Sicherheitsinteressen Amerikas sind mit dem Schicksal des syrischen Volkes und der Region im weiteren Sinne verwoben. Denn der eskalierende Konflikt in Syrien bedroht nun unmittelbar die Nachbarn dieses Landes – einschließlich der Türkei, des Libanons, Jordaniens, des Iraks und Israels – und könnte Terrorgruppen wie al-Qaida ein neues Operationsfeld eröffnen.«

Es ist in der Tat eine Inspiration, dass diese beiden unerbittlichen Gegner –  die al-Qaida nahestehende LIFG und das amerikanische neokonservative Establishment – jetzt harmonisch Hand in Hand zusammenarbeiten. Man sollte sich daran erinnern, dass die Unterzeichner dieser Erklärung – darunter Elliott Abrams, Max Boot, Ellen Bork, William Kristol, Paul Bremer, Paula Dobriansky, Douglas Feith, Robert Kagan, Clifford D. May, Stephen Rademaker, Michael Weiss und  Radwan Ziadeh – daran beteiligt waren, den auf der Vorspiegelung falscher Tatsachen beruhenden »Krieg gegen den Terrorismus« vom Zaun zu brechen. Gerade der letzte auf dieser Liste, Radwan Ziadeh, gehört dem so genannten »Syrischen Nationalrat« an – einer der zahlreichen Handlangerorganisationen des amerikanischen Außenministeriums, von denen erwartet wird, dass sie bald die Macht in Syrien übernehmen.


Syrien ist Opfer einer Invasion und erlebt keine Revolution


Um nach Syrien zu gelangen, mussten die libyschen Kämpfer das Mittelmeer durchqueren und dann über die Türkei einsickern. Ein anderer Weg bestünde darin, über Ägypten, Israel und schließlich Jordanien  in Syrien einzudringen. Die syrische Regierung hat in unmissverständlicher Weise klargemacht, dass das Vorgehen Libyens einen nicht hinnehmbaren Akt militärischer Aggression darstellt. Aber die von der NATO in Libyen eingesetzte Regierung hat die Unterstützung der Militäraktionen im weit entfernten Syrien offiziell gebilligt.

Im November 2011 berichtete die englische Tageszeitung Daily Telegraph unter der Überschrift »Führende libysche Islamisten treffen mit der Oppositionsgruppe der Freien Syrischen Armee zusammen«:

    »Abd al-Hakim Balhadsch, Vorsitzender des Militärrates in Tripolis und früher Chef der Libyschen Islamischen Kampfgruppe (LIFG) ›traf in Istanbul und in der Grenzregion zur Türkei mit führenden Vertretern der Freien Syrischen Armee zusammen‹, erklärte ein Militärvertreter, der mit Balhadsch zusammenarbeitete. Mustafa Abd al-Dschalil (der libysche Interimspräsident) habe ihn hierher entsandt.«

Und in einem anderen Artikel des Telegraph mit der Überschrift »Libyens neue Herrscher bieten den syrischen Rebellen Waffen an« heißt es:

    »Am Freitag kam es zu geheimen Gesprächen zwischen syrischen Rebellen und der neuen libyschen Regierung. Die Aufständischen ersuchten um finanzielle Unterstützung und Waffenlieferungen für ihren Aufstand gegen das Regime Präsident Baschar al-Assads, erfuhr der Daily Telegraph«.

Auf dem Treffen, das unter Beteiligung türkischer Regierungsvertreter in Istanbul stattfand, baten die Syrer die libyschen Vertreter um ›Unterstützung‹ und erhielten Zusagen über Waffenlieferungen und möglicherweise sogar die Entsendung libyscher Freiwilliger.

Aus libyschen Delegationskreisen verlautete, es sei geplant, Waffen und sogar Kämpfer nach Syrien zu schicken. ›Das ist der Beginn einer militärischen Intervention. Innerhalb nur weniger Wochen werden Ergebnisse sichtbar sein‹.«

Noch im gleichen Monat sollen Berichten zufolge etwa 600 libysche Terroristen in Syrien eingedrungen sein, um sich dort an den Kämpfen zu beteiligen. Und im vergangenen Monat enthüllte Ivan Watson vom amerikanischen Fernsehsender CNN, der die Terroristen über die türkisch-syrische Grenze bis nach Aleppo  begleitet hatte, dass sich tatsächlich vor allem libysche, aber auch ausländische Kämpfer anderer Herkunft unter den bewaffneten Aufständischen befänden. Watson räumte ein:

    »Bewohner der Dörfer, in denen die syrischen Falken ihr Hauptquartier errichtet hatten, berichten, auch zahlreiche Kämpfer aus nordafrikanischen Ländern hätten sich den Brigaden angeschlossen.

    Ein freiwilliger libyscher Kämpfer erklärte gegenüber CNN, er wolle schnellstmöglich über die Türkei nach Syrien einreisen, um sich dort einem ›Zug‹ libyscher Kämpfer anzuschließen und so die bewaffnete Bewegung zu unterstützen.«

Weiter berichtet CNN:

    »Am Mittwoch traf die CNN-Crew einen libyschen Kämpfer, der zusammen mit vier anderen Libyern von der Türkei aus nach Syrien eingedrungen war. Der Kämpfer trug einen Tarnanzug und war mit einer Kalaschnikow bewaffnet. Er erklärte, noch weitere libysche Kämpfer seien [nach Syrien] unterwegs.

    Diese ausländischen Kämpfer wirken entschlossen, weil sie dies als … Dschihad sehen. Auf diese Weise wird [der syrische Aufstand] zu einem Anziehungspunkt für Dschihadisten, die ihn als Kampf für die sunnitischen Muslime begreifen.«

Diese CNN-Berichte untermauern das Eingeständnis, dass libysche Terroristen in erheblicher Zahl, ausgestattet mit NATO-Geldern und -Waffen, in Syrien eingedrungen sind, wobei ein berüchtigter terroristischer LIFG-Kommandeur die Fäden zieht.

Man kann also sagen, dass libysche Terroristen seit fast einem Jahr ständig nach Syrien eindringen und dort aktiv werden – aber diese libyschen Kämpfer verfolgen keineswegs eigene imperiale Interessen, sondern werden eher von weitaus ruchloseren Drahtziehern wie eine Art terroristischer Fremdenlegion eingesetzt.



Der Westen lässt die Invasion von Stellvertretern durchführen


Das NATO-Mitglied Türkei ist direkt an dieser Aggression libyscher Kampfgruppen in Syrien beteiligt, indem es die libyschen Kämpfer auf türkischem Boden unterbringt und ihre Finanzierung und Bewaffnung sowie andere logistische Aspekte für sie koordiniert, wenn sie die türkisch-syrische Grenze überschritten haben. An diesen Operationen, die das ständige Eindringen libyscher Kämpfer nach Syrien ermöglichen, ist entlang der türkischen Grenze auch die amerikanische CIA beteiligt.

Im Juni 2012 räumte die New York Times unter der Überschrift »CIA soll an der Versorgung der syrischen Opposition mit Waffen beteiligt sein« ein: »CIA-Mitarbeiter operieren verdeckt in der Südtürkei« und regelten den Nachschub an Waffen wie »automatischen Gewehren, reaktiven Panzerbüchsen, Munition  und auch einigen Panzerabwehrwaffen«. Die Zeitung deutet an, dass die Türkei, Saudi-Arabien und Katar vor allem die finanzielle Seite der Waffenversorgung regelten, während die CIA weitgehend für die logistischen Aspekte verantwortlich sei.

Um dieses eigenartige Arrangement und die Gründe zu verstehen, aus denen die USA so unbedingt daran festhalten, jegliche aktive Verwicklung [in den Konflikt] vehement glaubhaft abzustreiten, was sie offenbar immer noch, wenn auch mühsam, versuchen, müssen wir auf erhellende Stellungnahmen amerikanischer politischer Entscheidungsträger zurückgreifen, die teilweise bis zum Jahr 2007 zurückreichen. Aus ihnen ergibt sich, dass sie bereits damals entschlossen waren, die syrische Regierung mithilfe ausländischer religiöser Extremisten zu Fall zu bringen. Über Länder wie Saudi-Arabien sollten die Gelder und die Waffen fließen, um auf diese Weise die Illusion aufrecht zu erhalten, man selbst  – die USA – sei irgendwie unbeteiligt.

Bereits 2007 legte Seymour Hersh in der Zeitschrift The New Yorker in einem neunseitigen Bericht mit der Überschrift »The Redirection« (Die Neuausrichtung) die amerikanischen Pläne offen, die Regierung Syriens mit verdeckten Mitteln zu stürzen. Dies sei Teil umfassenderer Bemühungen, den Iran zu destabilisieren und letztlich zu zerschlagen. »Die Stärkung sunnitischer Extremisten, die einer militanten Auffassung des Islam anhängen und Amerika ablehnend, al-Qaida aber eher freundlich gegenüberstanden, war«, so schrieb Hersh damals, »eine Folgeerscheinung dieser Aktivitäten«.

Dennoch führt es in die Irre, wenn man die LIFG als »al-Qaida nahestehend« beschreibt – die LIFG gehört zu al-Qaida. Sie schloss sich, wie es im Bericht Al-Qaidas Foreign Fighters in Iraq (Ausländische Al-Qaida-Kämpfer im Irak) des Combating Terrorism Center der amerikanischen Militärakademie West Point heißt, 2007 dieser saudischen Terrororganisation an: »Die offenkundige Zunahme der Zahl libyscher Kämpfer, die in den Irak reisen, steht möglicherweise mit der wachsenden Zusammenarbeit der Libyschen Islamischen Kampfgruppe (LIFG) mit al-Qaida in Zusammenhang, die ihren Höhepunkt am 3. November 2007 in dem offiziellen Beitritt der LIFG zu al-Qaida fand.« (Ebenda, S. 9)

In Hershs Bericht heißt es weiter: »Mit amerikanischer Billigung würde die saudische Regierung Gelder und logistische Unterstützung bereitstellen, um die syrische Regierung unter Präsident Baschar al-Assad zu schwächen.« Dies schloss Zuwendungen in Milliardenhöhe an prosaudische Gruppen im Libanon ein, die militante Gruppierungen mit Verbindungen zu al-Qaida unterstützten. Diese Kämpfer dringen nun über die libanesisch-syrische Grenze nach Syrien ein, um sich ihren libyschen Kollegen anzuschließen.

 

 

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