• "Katechese, denn ein selbstgemachter Glaube ist wertlos." 4 11

Autor Thema: "Katechese, denn ein selbstgemachter Glaube ist wertlos."  (Gelesen 1915482 mal)

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Offline amos

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Re: "Katechese, denn ein selbstgemachter Glaube ist wertlos."
« Antwort #8080 am: 29. Dezember 2019, 16:20:22 »
Danke liebe Tina für diese schöne russische Weihnachtsgeschichte!

Und das soll alles verloren gehen?
 
Lieber Heiland Jesus Chrstus beschütze unsere Kinder und gib ihnen
eine Zukunft -
 

Es grüßt Dich herzlich und wünscht Dir noch eine gnadenvolle
Weihnachtszeit, amos
Gott ist Liebe, und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott, und Gott bleibt in ihm.
1. Joh. 4.16

Offline Tina 13

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Re: "Katechese, denn ein selbstgemachter Glaube ist wertlos."
« Antwort #8081 am: 29. Dezember 2019, 18:44:11 »
Lieber Amos,

eine gesegnete Weihnachtszeit wünsche ich noch und ein Gutes Neues Jahr 2020, Gottes und Mariens Segen, Gesundheit und alles Liebe.

Fröhliche Weihnachten - Feliz Navidad - Merry Christmas - Joyeux Noel - Buone Feste Natalizie.

viele Märchen beginnen mit es war ein mal ...

Die Erlösungsgeschichte beginnt mit: Es begab sich

aber zu der Zeit, dass ein Gebot vom Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzt würde. Und diese Schätzung war die allererste, und geschah zur Zeit, da Qyrenius Landpfleger in Syrien war. Und Jedermann ging, dass er sich schätzen ließe, ein jeglicher in seine Stadt. Da machte sich auch auf Joseph aus Galiläa, aus der Stadt Nazareth, in das jüdische Land zur Stadt Davids, die da heißt Bethlehem, darum dass er von dem Hause und Geschlechte Davids war, auf dass er sich schätzen ließe mit Maria, seinem vertrauten Weibe, die war schwanger. Und als sie daselbst waren, kam die Zeit, dass sie gebären sollte. Und sie gebar ihren ersten Sohn, und wickelte ihn in Windeln, und legte ihn in eine Krippe; denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge. Und es waren Hirten in der selbigen Gegend auf dem Felde, die hüteten des Nachts ihre Herde. Und siehe, des Herrn Engel trat zu ihnen, und die Klarheit des Herrn leuchtete ums sie; und sie fürchteten sich sehr. Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht; siehe, ich verkünde euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids. Und das habt zum Zeichen: Ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen. Und also bald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerscharen; die lobten Gott und sprachen:
Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden, und den Menschen ein Wohlgefallen!
Und da die Engel von ihnen gen Himmel fuhren, sprachen die Hirten untereinander: Lasst uns nun gehen gen Bethlehem, und die Geschichte sehen, die da geschehen ist, die uns der Herr kundgetan hat. Und sie kamen eilend, und fanden beide Maria und Joseph, dazu das Kind in der Krippe liegen. Das sie es aber gesehen hatten, breiteten sie das Wort aus, welches zu ihnen von diesem Kind gesagt war. Und alle, vor die es kam, wunderten sich der Rede, die ihnen die Hirten gesagt hatten. Maria aber behielt alle diese Worte, und bewegte sie ihn ihrem Herzen. Und die Hirten kehrten wieder um, priesen und lobten Gott um alles, das sie gehört und gesehen hatten, wie denn zu ihnen gesagt war.

Einfach himmlisch ist es was Gott uns zu Weihnachten schenkt:

- den Retter und Erlöser der Welt,

- tiefen Frieden und große Freude darüber, dass Gott uns liebt.

- einen Tröster in der Sorge und in der Not

Einfach himmlisch ist es, wenn wir erfahren, dass Jesus bei uns bleibt, auch wenn alle Geschenke ausgepackt sind und das letzte Plätzchen gegessen ist.
Fürchtet euch nicht, Euch ist der Heiland geboren!
« Letzte Änderung: 29. Dezember 2019, 18:57:57 von Tina 13 »
Ps 77,14-15 Gott, dein Weg ist heilig. / Wo ist ein Gott, so groß wie unser Gott? Du allein bist der Gott, der Wunder tut, / du hast deine Macht den Völkern kundgetan.

Offline Tina 13

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Re: "Katechese, denn ein selbstgemachter Glaube ist wertlos."
« Antwort #8082 am: 29. Dezember 2019, 18:44:59 »
Hl. Johannes Paul II. (1920-2005)
Papst
Generalaudienz am 29. Dezember 1993 (trad. © Evangelizo)

„Er hat wie wir als Mensch gelebt, in allem uns gleich außer der Sünde“ (4. Hochgebet)

Fast unmittelbar nach der Geburt Jesu zeigt sich die sinnlose Gewalt, die sein Leben bedroht, auch an so vielen anderen Familien im Mord an den heiligen Unschuldigen Kindern. Die Kirche erinnert an diese schreckliche Bedrängnis, die der Gottessohn und die Kinder in seinem Alter erleiden mussten, und sie fühlt sich dadurch eingeladen, für alle Familien zu beten, die von innen her oder von außen bedroht sind […] Die Heilige Familie von Nazareth ist für uns eine ständige Herausforderung, die uns dazu verpflichtet, das Geheimnis der „Hauskirche“ und jeder menschlichen Familie zu vertiefen. Sie lässt in uns den Eifer wachsen, für die und mit den Familien zu beten und alles mit ihnen zu teilen, was sie mit Freude oder Hoffnung erfüllt, aber auch, was sie besonders beschäftigt und beunruhigt.

Tatsächlich soll die Erfahrung der familiären Situation eine tägliche Opferbereitung werden, wie eine heilige Gabe, ein Gott wohlgefälliges Opfer. Das Evangelium von der Darstellung Jesu im Tempel weist uns darauf hin. Jesus, das „Licht der Welt“, aber auch „das Zeichen, dem widersprochen wird“ (vgl. Lk 2,32.34), verlangt danach, diesen Opfergang jeder Familie anzunehmen, wie er auch das Brot und den Wein in der Eucharistie annimmt. Er will diese Hoffnungen und diese menschlichen Freuden mit dem Brot und dem Wein, die verwandelt werden sollen, vereinigen, aber auch die unausweichlichen Leiden und die dem Familienleben eigenen Beschäftigungen, indem er sie in das Geheimnis seines Leibes und Blutes einschließt. Diesen Leib und dieses Blut gibt er dann in der Kommunion als geistliche Kraftquelle, und das nicht nur für jede einzelne menschliche Person, sondern auch für jede Familie.

Die Heilige Familie von Nazareth möge uns empfänglich machen für ein immer tieferes Verständnis der Berufung einer jeden Familie, die in Christus die Quelle ihrer Würde und Heiligkeit findet.
Ps 77,14-15 Gott, dein Weg ist heilig. / Wo ist ein Gott, so groß wie unser Gott? Du allein bist der Gott, der Wunder tut, / du hast deine Macht den Völkern kundgetan.

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Re: "Katechese, denn ein selbstgemachter Glaube ist wertlos."
« Antwort #8083 am: 30. Dezember 2019, 20:41:30 »
Hl. Bonaventura (1221-1274) Franziskaner
Kirchenlehrer
Lignum Vitae, 7 (vgl. Der Lebensbaum, Freiburg 1888, S. 16f.)

Nimm das Kind in deine Arme

Der Lehrmeister der vollkommenen Demut wollte, obwohl er dem Vater in allem gleich war, sich nicht bloß der demütigsten Jungfrau Maria, sondern auch dem Gesetz unterwerfen, um „diejenigen, die unter dem Gesetz standen, loszukaufen und zu befreien von der Knechtschaft des Verderbens zur Freiheit der Herrlichkeit der Kinder Gottes“ (vgl. Gal 4,5 u. Röm 8,21). Er wollte deshalb, dass auch seine allerreinste Mutter das Gesetz der Reinigung erfülle, und dass er, der Erlöser aller Menschen, als Erstgeborener erlöst, das heißt losgekauft, im Tempel Gott aufgeopfert und für ihn ein Opfer dargebracht werde in Gegenwart der frohlockenden Gerechten.

Frohlocke auch du mit jenem glücklichen Greis Simeon und der hochbetagten Hanna. Gehe der Mutter und dem Kind entgegen. Die Liebe möge die Scheu besiegen, und das Herz die Furcht austreiben. Nimm auch du das Kind Jesus in deine Arme und sprich mit der Braut im Hohenlied: „Ich halte ihn und lasse ihn nicht“ (vgl. Hld 3,4). Juble mit dem ehrwürdigen Greis Simeon und stimme ein in den Lobgesang: „Nun lässt du, Herr, deinen Knecht, wie du gesagt hast, in Frieden scheiden“ (Lk 2,29).
Ps 77,14-15 Gott, dein Weg ist heilig. / Wo ist ein Gott, so groß wie unser Gott? Du allein bist der Gott, der Wunder tut, / du hast deine Macht den Völkern kundgetan.

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Re: "Katechese, denn ein selbstgemachter Glaube ist wertlos."
« Antwort #8084 am: 30. Dezember 2019, 20:42:17 »
 ;tffhfdsds

Erster Johannesbrief 2,12-17.

Ich schreibe euch, ihr Kinder, dass euch durch den Namen Jesu die Sünden vergeben sind.
Ich schreibe euch, ihr Väter, dass ihr den erkannt habt, der von Anfang an ist. Ich schreibe euch, ihr jungen Männer, dass ihr den Bösen besiegt habt.
Ich schreibe euch, ihr Kinder, dass ihr den Vater erkannt habt. Ich schreibe euch, ihr Väter, dass ihr den erkannt habt, der von Anfang an ist. Ich schreibe euch, ihr jungen Männer, dass ihr stark seid, dass das Wort Gottes in euch bleibt und dass ihr den Bösen besiegt habt.
Liebt nicht die Welt und was in der Welt ist! Wer die Welt liebt, hat die Liebe zum Vater nicht.
Denn alles, was in der Welt ist, die Begierde des Fleisches, die Begierde der Augen und das Prahlen mit dem Besitz, ist nicht vom Vater, sondern von der Welt.
Die Welt und ihre Begierde vergeht; wer aber den Willen Gottes tut, bleibt in Ewigkeit.

Psalm 96(95),7-8.9-10.

Bringt dar dem Herrn, ihr Stämme der Völker,
bringt dar dem Herrn Lob und Ehre!
Bringt dar dem Herrn die Ehre seines Namens,
spendet Opfergaben, und tretet ein in sein Heiligtum!

In heiligem Schmuck werft euch nieder vor dem Herrn,
erbebt vor ihm, alle Länder der Erde!
Verkündet bei den Völkern: Der Herr ist König.
Den Erdkreis hat er gegründet, so dass er nicht wankt.
Er richtet die Nationen so, wie es recht ist.

Aus dem Heiligen Evangelium nach Lukas - Lk 2,36-40.

In jener Zeit lebte eine Prophetin namens Hanna, eine Tochter Penuëls, aus dem Stamm Ascher. Sie war schon hochbetagt. Als junges Mädchen hatte sie geheiratet und sieben Jahre mit ihrem Mann gelebt;
nun war sie eine Witwe von vierundachtzig Jahren. Sie hielt sich ständig im Tempel auf und diente Gott Tag und Nacht mit Fasten und Beten.
In diesem Augenblick nun trat sie hinzu, pries Gott und sprach über das Kind zu allen, die auf die Erlösung Jerusalems warteten.
Als seine Eltern alles getan hatten, was das Gesetz des Herrn vorschreibt, kehrten sie nach Galiläa in ihre Stadt Nazaret zurück.
Das Kind wuchs heran und wurde kräftig; Gott erfüllte es mit Weisheit, und seine Gnade ruhte auf ihm.
Ps 77,14-15 Gott, dein Weg ist heilig. / Wo ist ein Gott, so groß wie unser Gott? Du allein bist der Gott, der Wunder tut, / du hast deine Macht den Völkern kundgetan.

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Re: "Katechese, denn ein selbstgemachter Glaube ist wertlos."
« Antwort #8085 am: 31. Dezember 2019, 05:10:14 »
Predigt von Professor May

25. Dezember 1994

Zu Beth­le­hem gebo­ren

Im Namen des Vaters und des Soh­nes und des Hei­li­gen Geis­tes. Amen.

Geliebte, in hei­li­ger Weih­nachts­freude Ver­sam­melte!

„Zu Beth­le­hem gebo­ren ist uns ein Kin­de­l­ein. Das hab' ich aus­er­ko­ren; sein eigen will ich sein!“ So singt die Chris­ten­heit am Fest der Geburt unse­res Herrn und Hei­lan­des Jesus Chris­tus. „Zu Beth­le­hem gebo­ren ist uns ein Kin­de­l­ein. Das hab' ich aus­er­ko­ren; sein eigen will ich sein!“ Daß der Mes­sias in Beth­le­hem gebo­ren wurde, war nach Got­tes Wil­len geplant und vom Pro­phe­ten Mich­äas vor­her­ver­kün­digt. „Und du, Beth­le­hem, die kleinste unter den Gauen Judas, du bist der Ort, aus dem mir der her­vor­ge­hen wird, der Israel regie­ren soll.“ Das ist die Weis­sa­gung des Pro­phe­ten Mich­äas über den Geburts­ort Jesu. Diese Weis­sa­gung hat sich erfüllt. Wie uns die Evan­ge­lis­ten Matt­häus und Lukas über­ein­stim­mend, aber auf ver­schie­dene Tra­di­tio­nen zurück­ge­hend, berich­ten, wurde Jesus in Beth­le­hem gebo­ren. Der Evan­ge­list Lukas erklärt, wie es kam, daß Jesus nicht in Naza­reth, wo ja seine Fami­lie lebte, son­dern in Beth­le­hem gebo­ren wurde. „Der Kai­ser Augus­tus ließ den gan­zen Erd­kreis auf­schrei­ben. Diese Auf­schrei­bung war die erste, die zu der Zeit statt­fand, als Qui­ri­nius Statt­hal­ter von Syrien war. Alle gin­gen hin, sich auf­schrei­ben zu las­sen, ein jeder in seine Stadt. Auch Josef reiste von Gali­läa aus der Stadt Naza­reth hin­auf nach Judäa in die Stadt Davids, die Beth­le­hem heißt, weil er aus dem Hause und Geschlechte Davids war, um sich mit Maria, der ihm ver­lob­ten Frau, die guter Hoff­nung war, auf­schrei­ben zu las­sen. Es geschah aber, wäh­rend sie dort waren, kam für sie die Zeit ihrer Nie­der­kunft, und sie gebar ihren erst­ge­bo­re­nen Sohn.“ So berich­tet der Evan­ge­list.

Aber anders spre­chen heute soge­nannte katho­li­sche Theo­lo­gen. Sie sagen: Beth­le­hem ist nur der theo­lo­gi­sche Geburts­ort, doch der his­to­ri­sche Geburts­ort ist Naza­reth. Anders und deut­li­cher aus­ge­drückt: Die Evan­ge­lis­ten haben die Geschichte ver­fälscht. Sie haben die Geburt Jesu von Naza­reth, wo sie wirk­lich pas­siert ist, nach Beth­le­hem ver­legt, um auf diese Weise die Erfül­lung der Weis­sa­gung des Mich­äas über die Geburt des Mes­sias zu doku­men­tie­ren. Sie haben zwei­tau­send Jahre lang die ganze Chris­ten­heit in die Irre geführt, die näm­lich singt: „Zu Beth­le­hem gebo­ren ist uns ein Kin­de­l­ein. Das hab' ich aus­er­ko­ren; sein eigen will ich sein!“ Wie stüt­zen diese soge­nann­ten katho­li­schen Theo­lo­gen ihre Behaup­tung? Sie brin­gen vier Argu­mente:

1. Eine all­ge­meine Auf­schrei­bung des Rei­ches unter Augus­tus hat nie­mals statt­ge­fun­den.
2. Eine römi­sche Volks­zäh­lung im Gebiet des Hero­des ist aus­ge­schlos­sen.
3. Qui­ri­nius (das ist der latei­ni­sche Name, Cyri­nus der grie­chi­sche) war nie­mals Statt­hal­ter von Syrien.
4. Es wider­spricht der römi­schen Zähl­weise, daß man sich am Abstam­mungs­ort und nicht am Wohn­ort zäh­len ließ.
Mit die­sen vier Behaup­tun­gen suchen die Fal­sch­leh­rer die Anga­ben der Evan­ge­lis­ten aus den Angeln zu heben: „Zu Beth­le­hem gebo­ren ist uns ein Kin­de­l­ein. Das hab' ich aus­er­ko­ren; sein eigen will ich sein!“ Was ist zu die­sen vier Behaup­tun­gen zu bemer­ken?

Die erste lau­tet: Eine allgmeine Reichs­zäh­lung unter Augus­tus hat es nie gege­ben. Meine lie­ben Chris­ten, das ist schlicht falsch. Augus­tus hat in sei­ner Regie­rungs­zeit drei­mal die römi­schen Voll­bür­ger zäh­len las­sen, näm­lich 28 v.​Chr., 8 v.​Chr. und 14 n.​Chr. Die Zäh­lung, die für uns in Frage kommt, liegt natür­lich im Jahre 8 v.​Chr. Ja, wieso 8 v.​Chr.? Weil sich der Mönch Dio­ny­sius, der unsere Zeit­rech­nung gemacht hat, um meh­rere Jahre ver­zählt hatte. Jesus ist nicht im Jahre 1 gebo­ren, son­dern er ist im Jahre 7 v.​Chr. gebo­ren. Dio­ny­sius hat sich bei der Auf­stel­lung sei­ner Zeit­rech­nung (ab urbe con­dita – von der Grün­dung der Stadt Rom) um meh­rere Jahre ver­rech­net. Wenn wir also den genauen his­to­ri­schen Zeit­punkt der Geburt Jesu ange­ben wol­len, dann müs­sen wir sagen: Chris­tus ist 7 v.​Chr. gebo­ren. Das ändert natür­lich nichts an der Geschicht­lich­keit sei­ner Geburt, aber es bestä­tigt uns den Zusam­men­hang sei­ner Geburt mit der Auf­schrei­bung des Rei­ches durch den Kai­ser Augus­tus, denn diese Auf­schrei­bung im Jahre 8 ist die­je­nige, die hier von Lukas gemeint ist.

Wir dür­fen uns die Auf­schrei­bung der dama­li­gen Zeit nicht wie eine heu­tige Volks­zäh­lung vor­stel­len, die an einem bestimm­ten Stich­tag beginnt, gleich­mä­ßig durch­ge­führt wird und an einem ande­ren Stich­tag endet. Nein, so ist Augus­tus nicht ver­fah­ren, son­dern die Auf­schrei­bung fand für Voll­bür­ger und für Unter­ta­nen getrennt statt. Die römi­schen Voll­bür­ger, die allein das Bür­ger­recht besa­ßen, waren gewis­ser­ma­ßen die Her­ren des Rei­ches; die Unter­ta­nen waren nur Men­schen zwei­ter Klasse. Die Voll­bür­ger wur­den gezählt, und die Unter­ta­nen wur­den gezählt, aber das zog sich über Jahre hin. Denn wenn das gleich­zei­tig in allen Reichs­tei­len gesche­hen wäre, dann hätte es zu Auf­stän­den geführt. Warum zu Auf­stän­den? Weil man wußte, wozu die Auf­schrei­bung diente. Sie diente dazu, für die Aus­he­bung zum Mili­tär Daten zu lie­fern; sie diente dazu, die Besteue­rung zu regeln; sie diente dazu, die Fron­dienste, die man für Kai­ser und Reich zu leis­ten hatte, zu notie­ren. Das waren natür­lich höchst unan­ge­nehme Dinge, und es ist mehr als ein­mal vor­ge­kom­men, daß sich infolge von Volks­zäh­lun­gen Auf­stände ereig­net haben. Augus­tus war schlau; er hat des­we­gen die Auf­schrei­bung auf die ver­schie­de­nen Teile sei­nes Rei­ches ver­teilt und nicht alles gleich­zei­tig gemacht. Wir wis­sen sogar, wie das Ergeb­nis die­ser Volks­zäh­lung ist. Es ergab näm­lich 4.​233.​000 Voll­bür­ger. Nicht mehr. 4.​233.​000 Voll­bür­ger. Und neben den Voll­bür­gern wur­den die Unter­ta­nen gezählt. Das waren die Men­schen, die in den vie­len Pro­vin­zen des Rei­ches wohn­ten und leb­ten. Man rech­net mit etwa 25 bis 30 Mil­lio­nen Unter­ta­nen. Die Skla­ven zählte man nicht. Sie waren natür­lich noch viel zahl­rei­cher. Aber die Skla­ven gal­ten als Sache, und des­we­gen wur­den sie offi­zi­ell nicht gezählt. Der erste Ein­wand ist also unzu­tref­fend, daß es eine Reichs­zäh­lung nie­mals gege­ben hat. Es hat drei sol­cher Reichs­zäh­lun­gen gege­ben, und eine davon, näm­lich die vom Jahre 8, ist genau die, wel­che Lukas mit sei­nen Bemer­kun­gen anzielt.

Der zweite Ein­wand lau­tet: Im Herr­schafts­ge­biet des Hero­des konnte eine römi­sche Zäh­lung nicht statt­fin­den. Rich­tig. Hero­des war zu die­ser Zeit noch ein eige­ner Herr­scher. Erst 6 n.​Chr. wurde das Gebiet, das er ver­wal­tet hatte, unter sei­nem Nach­fol­ger Archel­aos dem römi­schen Reich zuge­schla­gen. Er war also ein eige­ner Herr­scher, ein Selbst­herr­scher. Aber auch Hero­des hat Auf­schrei­bun­gen ver­an­stal­tet, denn er war ein gro­ßer Bau­herr. Er hat unge­heure Bau­ten errich­tet, Was­ser­lei­tun­gen, Bur­gen, Kanäle. Vor allem hat er den Tem­pel bauen las­sen. Zehn­tau­send Mann hat er auf­ge­bo­ten, um den Tem­pel bauen zu las­sen. Für diese Bau­ten brauchte er Geld, und woher sollte er es neh­men? Von sei­nen Unter­ta­nen. Man rech­net mit etwa 1,5 bis 2 Mil­lio­nen Unter­ta­nen. Aus ihnen hat er her­aus­ge­preßt, was er für seine rie­si­gen Unter­neh­mun­gen brauchte. Er konnte es natür­lich nur her­aus­ho­len, wenn er wußte, was sie besa­ßen. Er konnte nur wis­sen, was sie besit­zen, indem er eine Auf­zeich­nung vor­neh­men ließ. Und so hat also auch Hero­des, und zwar immer in einem Abstand von 6 Jah­ren, Auf­schrei­bun­gen sei­nes Herr­schafts­ge­bie­tes vor­neh­men las­sen. Das waren Per­so­nen­stands­auf­nah­men, das waren Schat­zun­gen des Ver­mö­gens, und im Jahre 7 v.​Chr., das für uns die bri­sante Zeit ist, hat er auf Geheiß des Kai­sers Augus­tus die Auf­schrei­bung mit einem Treu­schwur gegen den Kai­ser ver­bun­den. Offen­bar war sich der Kai­ser die­ser stör­ri­schen Juden nicht sicher, und so ver­langte er, daß Hero­des von ihnen einen Treu­schwur auf ihn, und natür­lich auch auf den König Hero­des, able­gen ließ. In dem Jahre 7 fal­len also in Paläs­tina zwei Dinge zusam­men, die von Hero­des ange­ord­nete Auf­schrei­bung (Schat­zung, Per­so­nen­stands­auf­nah­men) und der von Augus­tus befoh­lene Treu­schwur, um diese rebel­li­sche Gegend sicher im römi­schen Rei­che zu hal­ten. Für diese Auf­gabe, den Treu­schwur zu über­wa­chen, bestellte Augus­tus einen Mann namens Qui­ri­nius.

Das ist näm­lich jetzt die dritte Behaup­tung: Qui­ri­nius war nie­mals Statt­hal­ter von Syrien. Was ist zu die­ser Behaup­tung zu sagen? Der Statt­hal­ter, der zur Zeit Jesu Syrien regierte, hieß tat­säch­lich Saturn­i­nus. Wir ken­nen sei­nen Namen; er war von 9 bis 6 v.​Chr. Statt­hal­ter von Syrien. Ihm folgte Varus, den wir ja ken­nen aus der Schlacht im Teu­to­bur­ger Wald. Jeden­falls zu der Zeit, die für uns in Frage kommt, war Saturn­i­nus Statt­hal­ter von Syrien. Aber das schließt nicht aus, daß es neben ihm einen zwei­ten Beam­ten, einen Son­der­be­auf­trag­ten von Rom gab, und das war eben Qui­ri­nius. Syrien war die wich­tigste Außen­po­si­tion des römi­schen Rei­ches. Es war die Vor­macht im gan­zen Osten. Alles, was im Osten des Rei­ches lag, wurde von Syrien aus bestimmt. Immer wie­der gab es dort Auf­ruhr. Zur Abwehr die­ser Rebel­lio­nen hatte Augus­tus einen her­vor­ra­gen­den Mann, näm­lich Qui­ri­nius, ins Land gesandt. Der hatte sich schon in Nord­afrika bewährt, als er dort auf­rüh­re­ri­sche Stämme nie­der­ge­wor­fen hatte, und so sandte er ihn jetzt auch nach dem Osten, damit er neben dem Statt­hal­ter von Syrien als Feld­herr und Son­der­be­auf­trag­ter des Kai­sers Ruhe schaffe. Qui­ri­nius konnte gar nicht anders als mit den vier Legio­nen, die in Syrien stan­den, die Homo­na­den­ser im dama­li­gen Klein­asien (in der heu­ti­gen Tür­kei) nie­der­zu­wer­fen. Er mußte die Trup­pen haben, die in Syrien stan­den, denn das war die gewal­tigste Trup­pen­macht, die es im gan­zen Osten gab, vier Legio­nen. Infol­ge­des­sen ist es durch­aus berech­tigt, von Qui­ri­nius in einer volks­tüm­li­chen Rede­weise als dem Statt­hal­ter von Syrien zu spre­chen. Er war eben Mit-Statt­hal­ter. Er stand nicht über dem Saturn­i­nus, er stand auch nicht unter ihm, er stand neben ihm. Und als sol­cher hat er eine ähn­li­che Befehls­ge­walt aus­ge­übt wie Saturn­i­nus. Spä­ter wurde er dann auch noch, als Paläs­tina römi­sche Pro­vinz gewor­den war, Statt­hal­ter in Paläs­tina. Des­we­gen sagt der Evan­ge­list Lukas: Das war das erste Auf­schrei­ben. Als Statt­hal­ter von Paläs­tina hat er näm­lich eine zweite vor­ge­nom­men, wie­derum im 6-Jah­res-Rhyth­mus, der nun ein­ge­führt war. Die Behaup­tung, Lukas berichte falsch, wenn er Qui­ri­nius als Statt­hal­ter von Syrien bezeich­net, ist nicht auf­recht­zu­er­hal­ten. Man muß Syrien im vol­len Begriffe neh­men, das bedeu­tet eben als Vor­macht im gan­zen römi­schen Osten.

Die vierte Behaup­tung lau­tet: Die römi­sche Zähl­weise war anders als die von Lukas berich­tete, näm­lich man ließ sich zäh­len am Wohn­ort und nicht am Abstam­mungs­ort. Rich­tig. Durch­aus rich­tig. Aber in Paläs­tina war eben zu der Zeit, als Jesus gebo­ren wurde, nicht die römi­sche Zähl­weise ein­ge­führt, son­dern die paläs­ti­nen­si­sche, die hero­dia­ni­sche, und diese sah vor, daß sich zumin­dest bestimmte Fami­lien an ihrem Abstam­mungs­ort ein­zu­fin­den hat­ten. Warum? Weil Hero­des ein außer­or­dent­lich miß­traui­scher Herr­scher war. Er war ja ein Empor­kömm­ling. Er war gar kein Jude. Er regierte als Nicht­jude das Juden­land und hatte des­we­gen mit der Feind­schaft sei­ner Unter­ta­nen zu rech­nen; er war ein Idu­mäer. Und des­we­gen seine fort­wäh­rende Sorge, es könne ein ech­ter Jude, gar einer aus dem Stamme Davids, ihm den Thron strei­tig machen. Wir erin­nern uns, wie es beim Besuch der Magier heißt: Hero­des erschrak, als er von dem neu­ge­bo­re­nen König hörte, und die ganze Stadt Jeru­sa­lem mit ihm. Natür­lich erschrak er, weil er Angst hatte, vom Throne gestürzt zu wer­den durch einen ech­ten Davi­di­den, durch einen Mes­sias, der aus dem Geschlechte Davids kam. Und so muß­ten sich alle 6 Jahre die Abkömm­linge aus dem Geschlechte Davids in Beth­le­hem, in ihrem Stam­mort, ein­fin­den. Und das hat nun eben auch Josef getan. Er ist von dem Wohn­ort in Naza­reth nach Beth­le­hem gezo­gen; dort war der Stam­mort der Davi­di­den, dort hat­ten sie Grund­be­sitz. Sie muß­ten ja die Brenn­stoff­lie­fe­rung an den Tem­pel bestrei­ten für das dort immer flam­mende Feuer. Sie hat­ten die Auf­gabe der Brenn­stoff­lie­fe­rung, und dazu braucht man natür­lich Besitz, und die­ser Besitz lag eben in der Nähe. So wurde also im 6-jäh­ri­gen Rhyth­mus eine Auf­schrei­bung der Per­so­nen und eine Schat­zung des Ver­mö­gens vor­ge­nom­men, die den groß­ar­ti­gen Plä­nen und Unter­neh­mun­gen des Hero­des als Unter­lage diente.

Wir haben kei­nen Anlaß, meine lie­ben Freunde, das Lied abzu­schaf­fen „Zu Beth­le­hem gebo­ren ist uns ein Kin­de­l­ein. Das hab' ich aus­er­ko­ren; sein eigen will ich sein!“ Jesus ist wahr­haf­tig in Beth­le­hem gebo­ren. Das läßt sich mit ratio­na­len Grün­den glaub­haft machen. Nur wer von vorn­her­ein der Über­zeu­gung ist, daß Weis­sa­gun­gen sich nicht erfül­len kön­nen, der muß die Behaup­tung auf­stel­len: Die Evan­ge­lis­ten Matt­häus und Lukas haben aus der Ankün­di­gung des Pro­phe­ten Mich­äas die Geburt Jesu her­aus­ge­spon­nen. Sie haben sie erfun­den. Sie haben diese Weis­sa­gung zum Anlaß genom­men, einen fik­ti­ven Geburts­ort Jesu zu schaf­fen anstelle des wirk­li­chen Geburts­or­tes. Nur wer von vorn­her­ein über­zeugt ist, daß, was Gott ange­kün­digt hat, nicht in Erfül­lung gehen kann, der muß zu sol­chen gewag­ten Kon­struk­tio­nen grei­fen.

Nein, wir wol­len uns nicht irre­ma­chen las­sen. Wir wol­len wei­ter im Rosen­kranz beten: „Den du, o Jung­frau, zu Beth­le­hem gebo­ren hast“, wir wol­len wei­ter im Kir­chen­lied sin­gen: „Zu Beth­le­hem gebo­ren ist uns ein Kin­de­l­ein. Das hab' ich aus­er­ko­ren; sein eigen will ich sein!“

Amen.
Ps 77,14-15 Gott, dein Weg ist heilig. / Wo ist ein Gott, so groß wie unser Gott? Du allein bist der Gott, der Wunder tut, / du hast deine Macht den Völkern kundgetan.

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Re: "Katechese, denn ein selbstgemachter Glaube ist wertlos."
« Antwort #8086 am: 31. Dezember 2019, 05:25:23 »
Predigt von Professor May

26. Dezember 2000

Die Bot­schaft der Hei­li­gen Nacht

Im Namen des Vaters und des Soh­nes und des Hei­li­gen Geis­tes. Amen.

Geliebte im Herrn!

Der geniale Natur­for­scher Isaac New­ton hat ein­mal das schöne Wort gespro­chen: „Ich habe in mei­nem Leben zwei Dinge gelernt, ers­tens, daß ich ein gro­ßer Sün­der bin, und zwei­tens, daß Jesus ein noch grö­ße­rer Hei­land ist.“ Ähn­lich hatte schon viele Jahr­hun­derte vor ihm Augus­ti­nus gesagt, daß wir eigent­lich Jesus mehr Dank schul­den als dem Vater im Him­mel. Denn was hätte es uns genützt, geschaf­fen zu wer­den, wenn wir nicht erlöst wor­den wären? Man hat Jesus viele Namen gege­ben, aber ein Name ist der schönste von allen, näm­lich Jesus, Hei­land der Welt. Die­ser Name gibt uns Anlaß drei Dinge zu beden­ken, näm­lich ers­tens das Elend ohne Ende, zwei­tens die Liebe ohne Ende und drit­tens das Erbar­men ohne Ende.

Am leich­tes­ten fällt es uns, das Elend ohne Ende zu begrei­fen, denn wir sind vom Elend umge­ben. Jede Sen­dung des Rund­funks oder des Fern­se­hens bringt uns Mel­dung von immer neuen Erschüt­te­run­gen in der Welt. Die Natur ist feind­se­lig gegen den Men­schen, denn sie teilt das Schick­sal des Men­schen. Und da der Mensch in die Sünde gefal­len ist und in Unord­nung gera­ten ist, so ist auch die Natur nicht mehr in Ord­nung. Der Regen fällt zu spät oder im Über­maß, die Sonne ver­birgt sich hin­ter den Wol­ken oder brennt erbar­mungs­los nie­der, die Erde öff­net sich, und furcht­bare Erd­be­ben stür­zen aus den Feu­er­schlün­den, Vul­kane öff­nen sich – die Erde ist durch die Sünde des Men­schen in Unord­nung gera­ten. Und erst recht sind es die Men­schen. Trä­nen über Trä­nen wer­den ver­gos­sen, die erste Träne, wenn ein Mensch­lein gebo­ren wird, und die letzte Träne, wenn der Mensch auf dem Ster­be­bett liegt. Wenn man die Trä­nen sam­meln könnte, die von den Men­schen ver­gos­sen wer­den, es würde ein wah­rer rie­si­ger Trä­nen­see wer­den. Kein schmerz­volle Situa­tion, die die Sonne nicht beschie­nen hätte, keine schmerz­volle Lage, wel­che die Nacht nicht zuge­deckt hätte! Schmer­zen, Ver­fol­gun­gen, Zwie­tracht, Unei­nig­keit, die furcht­bare Gewalt der Triebe, die Macht der Lei­den­schaf­ten, Lüge, Ver­leum­dung, Unge­rech­tig­keit, das sind die apo­ka­lyp­ti­schen Rei­ter, die das mensch­li­che Leben durch­ra­sen. Elend ohne Ende. Das fällt uns nicht schwer zu begrei­fen.

Das schlimmste Elend aber ist die Sünde selbst, denn sie ist die Wur­zel von all die­sem Elend. Jeder­mann spürt: So kann die Erde nicht aus der Hand des Schöp­fers her­vor­ge­gan­gen sein, wie sie jetzt ist. Es muß etwas Schreck­li­ches gesche­hen sein, daß die Erde so ver­än­dert wor­den ist, und das nen­nen wir die Sünde, die Schuld. Die Sünde hat die Erde zum Schlech­te­ren gewan­delt. Es gibt Men­schen, die von die­sem Thema nicht gern reden hören, die das Schuld­be­wußt­sein ver­drän­gen wol­len, die sich ein gutes Gewis­sen machen, auch wenn sie Böses tun, nicht zuletzt auch durch Mit­ver­ant­wor­tung der Kir­che, die die Sün­den nicht mehr beim Namen zu nen­nen wagt und die in „Buß­and­ach­ten“ den Men­schen eine fal­sche Befrei­ung von der Sünde vor­gau­kelt. Nein, es ist ein Elend ohne Ende, und die­ses Elend hat seine tiefste Wur­zel im Riß mit Gott. Weil der Mensch von Gott geflo­hen ist, weil er sich gegen Gott erho­ben hat, weil er sich empört hat gegen sei­nen Schöp­fer, des­we­gen ist ein Elend ohne Ende über diese Welt gekom­men.

Wenn die­ses Elend beho­ben wer­den soll, dann muß seine tiefste und schreck­lichste Ursa­che besei­tigt wer­den, näm­lich der Unfriede mit Gott. Aber das kann der Mensch nicht aus eige­ner Kraft, son­dern nur wenn der Belei­digte sel­ber kommt und sagt, es soll wie­der gut sein, dann wird die­ser Riß geheilt. Das aber eben ist die Bot­schaft der Weih­nacht, daß Gott gekom­men ist, um das Elend von den Men­schen zu neh­men, daß eine Liebe ohne Ende auf Erden erschie­nen ist, um die Men­schen zu befreien. Im Ephe­ser­brief hat Pau­lus den Grund­ak­kord die­ser Liebe ohne Ende ange­stimmt: „Gott aber, reich an Erbar­men, hat in sei­ner über­gro­ßen Liebe, mit der er uns geliebt und uns, da wir in den Sün­den tot waren, leben­dig gemacht mit Chris­tus. Aus Gnade also seid ihr geret­tet; es ist Got­tes Gabe.“ Wahr­haf­tig, das ist die Liebe ohne Ende. Jesus hat die Sünde gehaßt, er war ein Feind der Sünde. Er hat schon das auf­kei­mende Böse, näm­lich die böse Gesin­nung, ver­ur­teilt. Nicht nur, wer Ehe­bruch treibt in offen­ba­rer Tat, ist der Sünde schul­dig, son­dern wer die Frau des ande­ren begehr­lich ansieht, ist schon der Sünde schul­dig. Er hat vor der Gele­gen­heit zur Sünde gewarnt: Wenn dein Auge dich ärgert, dann reiß es aus, und wenn deine Hand dich ärgert, dann hau sie ab. Es ist dir bes­ser, ein­äu­gig oder mit einer Hand ins Leben ein­zu­ge­hen, als mit bei­den Augen und mit bei­den Hän­den ins Feuer gewor­fen zu wer­den. Er hat gewarnt vor dem Ver­füh­rer, vor dem, der unschul­di­ges Leben in die Sünde bringt. Es wäre ihm bes­ser, er wäre nie gebo­ren, oder es würde ihm ein Mühl­stein an den Hals gehängt und er würde in die Tiefe des Mee­res ver­senkt. Er war der Feind der Sünde. „Er ist gekom­men, die Boll­werke des Teu­fels zu zer­stö­ren.“

Aber er war der Freund der Sün­der. Mit einer Zärt­lich­keit, wie sie nur von einer idea­len Mut­ter bewährt wer­den kann, hat er die Sün­der geliebt. Er ist gekom­men, zu suchen und selig zu machen, was ver­lo­ren war. Und wir haben ja so herr­li­che Bei­spiele sei­ner Sün­der­liebe. Er kehrt bei dem Zöll­ner ein, der ein gro­ßer Sün­der war; er läßt Magda­lena seine Füße sal­ben; er schützt die Ehe­bre­che­rin vor dem Stein­wurf, und er ver­spricht dem reui­gen Schä­cher das Para­dies. Er hat die Sün­der geliebt, frei­lich, meine Chris­ten, die reui­gen Sün­der, die Sün­der, die sich bekeh­ren, die Sün­der, die wil­lens sind, sich zu Gott zu wen­den, die hat er geliebt. Das ist Liebe ohne Ende. Aus Liebe zu den Sün­dern ist er her­ab­ge­stie­gen vom Him­mel und hat Fleisch ange­nom­men und ist ein Mensch gewor­den. Aus Liebe ohne Ende hat er ein har­tes Leben geführt, und aus Liebe ohne Ende ist er den grau­sa­men Kreu­zes­tod gestor­ben. Eine Mys­ti­ke­rin, die hei­lige Rosa von Viterbo, hat ein­mal den Herrn gefragt: „Wer hat dich denn so grau­sam gemar­tert?“ Da hat ihr der Gekreu­zigte geant­wor­tet: „Das haben die Sün­den getan.“ Sie haben das Kreuz berei­tet, sie haben die Nägel geschmie­det, sie haben Galle und Essig gemischt, sie haben die Hände und die Füße durch­bohrt, sie haben den Lan­zen­stich des Sol­da­ten geführt. „Wir sta­chen dich mit Spott und Wut, du tauf­test uns mit dei­nem Blut, nun müs­sen wir dich lie­ben.“ Liebe ohne Ende hat er uns bewie­sen.

Aber nicht nur das, auch Erbar­men ohne Ende. Er wollte, daß die Liebe, die in sei­nem Leben und Ster­ben auf­ge­strahlt ist, nicht auf­hört, ihre Strah­len aus­zu­sen­den bis zur Abend­däm­me­rung der Welt, bis zum letz­ten Tage. Zu die­sem Zweck hat er seine Kir­che gestif­tet. Ach, diese geschmähte, diese geschän­dete, diese ver­un­glimpfte, diese beschimpfte Kir­che – sie hat er gestif­tet, um sein Erbar­men ohne Ende wei­ter­zu­tra­gen. Sie ist es, meine lie­ben Freunde, die uns die Wahr­heit und die Gnade ver­mit­telt. Es gibt eine sol­che Ver­mitt­lung. Die katho­li­sche Kir­che ist die von Gott gestif­tete Gna­den­an­stalt. Die katho­li­sche Kir­che ist das von Chris­tus gestif­tete Zelt der Wahr­heit. Vor allem jugend­li­che Men­schen mei­nen, die Kir­che wolle ihnen die Freude ver­der­ben, indem sie ihnen die Gebote vor­hält. O nein, meine lie­ben Freunde, das ist ein völ­li­ges Miß­ver­ständ­nis. Die Gebote sind die Weg­wei­ser, die Gebote sind die Schil­der, die uns den stei­len und schwe­ren Weg zum Heil wei­sen, aber es ist eben der Weg zum Heil, der durch sie gewie­sen wird. Die Gebote sind keine Last, sie sind die Weg­wei­ser zum Him­mel. In den sie­ben Sakra­men­ten hat er uns die Gna­den­ströme eröff­net, vor allem in einem Sakra­ment, näm­lich im Sakra­ment der Buße. Das Sakra­ment der Buße ist der innigste Aus­druck eines Erbar­mens ohne Ende. Es muß so sein, wie es uns die Kir­che lehrt, daß der Mensch seine Sün­den bereut, aber auch bekennt, daß er sie bekennt vor einem Men­schen, der der Stell­ver­tre­ter Got­tes ist, der im Namen Got­tes mit unfehl­ba­rer Sicher­heit spricht: Deine Sün­den sind dir ver­ge­ben. Und wie rela­tiv leicht ist es uns doch gemacht, meine lie­ben Freunde, an die­sen Gna­den­strom her­an­zu­kom­men! Wie leicht ist es uns gemacht! Die Zahl unse­rer Beich­ten ist unbe­grenzt. Noch nie­mals ist fest­ge­setzt wor­den, daß man eine bestimmte Beichte nicht able­gen dürfte, wenn immer man dazu berei­tet ist. Und wie schnell, in wie kur­zer Spanne der Zeit geschieht doch diese Ver­ge­bung! Und wie kommt man aus dem Beicht­stuhl, voll Freude, daß einem die Last abge­nom­men ist, voll Glück, daß man wie­der frei aus­schrei­ten kann, nicht mehr bela­den mit der Last der Schuld, daß man wie­der neu anfan­gen kann, daß man auf Gott zuge­hen kann! Wel­ches Glück ist es, beich­ten zu dür­fen! Goe­the hat ein­mal das schöne Wort gesagt: „Die Ohren­beichte hätte den Men­schen nie genom­men wer­den dür­fen.“ Luther hat sie ihnen genom­men. Die Ohren­beichte hätte den Men­schen nie genom­men wer­den dür­fen. Denn hier ist der Ort des Erbar­mens, hier wird das Erbar­men ohne Ende am Men­schen wirk­sam. Und so ist auch die Weih­nachts­zeit eine Gele­gen­heit, für die­ses Geschenk des Erbar­mens ohne Ende zu dan­ken, gleich­zei­tig zu dan­ken, daß uns Gott das Pries­ter­tum gege­ben hat, denn ohne Pries­ter­tum gibt es keine hei­lige Beichte. Das Pries­tersa­kra­ment und das Bußsa­kra­ment sind innig und untrenn­bar mit­ein­an­der ver­knüpft.

So wol­len wir heute unse­rem Herrn und Hei­land dan­ken, daß er in sei­nem Erbar­men ohne Ende uns das Sakra­ment der Ver­söh­nung geschenkt hat, daß er uns das Pries­ter­tum geschenkt hat. Vor allem aber wol­len wir ihm dan­ken, daß er ist und bleibt, was er immer war: Jesus, der Hei­land der Welt.

Amen.
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Re: "Katechese, denn ein selbstgemachter Glaube ist wertlos."
« Antwort #8087 am: 31. Dezember 2019, 05:35:26 »
Hl. Amadeus von Lausanne (1108-1159)
Zisterziensermönch, Bischof
Marienhomilie III, SC 72 (trad. © Evangelizo)

Er ist unser Retter geworden

Herr, wir haben von deinen Taten gehört und sind erschrocken; wir haben deine Wunder bedacht und sind überwältigt.

Da nun dein Wort herabgestiegen ist, ist unser Herz zerschmolzen, und unser ganzes Inneres übergab sich ihm zitternd. Wahrhaftig: Als tiefes Schweigen das All umfing und die Nacht in ihrem Lauf bis zur Mitte gelangt war, da sprang dein allmächtiges Wort vom königlichen Thron herab (vgl. Weish 18,14–15). Du hast nämlich, Vater, das Innerste deiner Liebe über uns ausgegossen und konntest die Fülle deiner Erbarmungen nicht länger zurückhalten. Du hast das Licht in die Finsternis gesandt, den Tau auf dürres Land, und in der schneidenden Kälte hast du das machtvollste Feuer entzündet. Deshalb ist das Erscheinen deines Sohnes für uns wie ein Überfluss an Nahrung angesichts einer drohenden Hungersnot größten Ausmaßes und wie ein Quell lebendigen Wassers für die leidende Seele, die in der sengenden Hitze vergeht. Oder auch so, wie es gewöhnlich Belagerten geht, die im Begriff sind, sich in den Kampf zu stürzen, den Tod vor Augen angesichts der drohenden Schwerter des Feindes, wenn auf einmal ein mächtiger Helfer und Befreier eintrifft: So erschien er uns und wurde unser Retter.

Es ist sehr gut für uns und sehr heilsam, uns auf die Ursprünge unseres Heilands zurückzubesinnen, und wiederum von seiner Menschwerdung zu sprechen, uns zu erinnern, woher er gekommen ist und auf welche Weise er herabstieg, wo und wie er empfangen wurde.
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