• Die gute Gattin und Mutter. Ein Katholisches Lehr- und Gebetsbuch. 5 1

Autor Thema: Die gute Gattin und Mutter. Ein Katholisches Lehr- und Gebetsbuch.  (Gelesen 27944 mal)

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Antw:Die gute Gattin und Mutter. Ein Katholisches Lehr- und Gebetsbuch.
« Antwort #10 am: 15. Februar 2013, 09:47:18 »
XII.
Übe eine vernünftige Sparsamkeit!

Keine Ehe kann dauernd glücklich sein, wenn nicht schon früh eine vernünftige Sparsamkeit in der Haushaltung zum Grundsatze gemacht wird. Mehr als man glaubt, steht die Wärme oder Kälte der Herzen in engem Zusammenhange mit den Finanzen, und nur zu leicht erstirbt die glühende Liebe bei den Nahrungssorgen. Eine unvernünftige, kostspielige Haushaltung erzeugt über kurz oder lang Mangel, und dieser Mangel ist nirgends drückender als in der Ehe, welche vom lieben GOTT mit Kindern gesegnet wird.
Das Herz, welches so gern in Liebe, Frohsinn und Freude sich ergießen möchte,  verstummt vor der drückenden Sorge. Der Anblick der Not verfinstert jede Freude über die Kinder; der Charakter wird mürrisch, kalt und lieblos; und das gequälte Gemüt bereut es, sich verheiratet zu haben. Solches Elend und Unglück kann ein Haushalt verhindern, der sich vom Anfange der Ehe fortwährend nach den vorhandenen Mitteln richtet. Niemals darf mehr ausgegeben werden, als eingenommen wird, und junge Eheleute müssen alle Genüsse sich versagen, welche die Kräfte und Mittel des Hausstandes überschreiten. Mann und Frau sollen sich immer, vom ersten Tage ihrer eigenen Haushaltung an, eine aufrichtige Rechenschaft über ihre Ausgaben und Einnahmen geben und durch eine vernünftige Sparsamkeit sich so einrichten, dass sie nicht nur das Familienvermögen nicht verlieren, sondern auch dasselbe vergrößern, damit sie später in der Lage sind, für das zeitliche Wohl und Fortkommen ihrer Kinder hinreichend zu sorgen.
Dass aber manche Haushaltung nicht nur keine Fortschritte im zeitlichen Erwerb machen, sondern oft sogar bettelarm werden, ist nicht selten einzig und allein die Schuld der Hausfrau, die nicht ans Sparen denken will und nur allzu oft ganz unnötige und unnütze Ausgaben macht. Nicht ohne Grund sagt der Heilige Geist: „Eine weiße Frau baut ihr Haus auf, eine törichte aber, bricht das erbaute mit eigenen Händen wieder ab.“ (Sprichw. 14, 1.) Wie mancher Mann ist schon durch die Verschwendung seiner törichten Frau bettelarm geworden!
Die Gattin soll daher immer sorgfältig alle unnützen Ausgaben vermeiden; denn solche Ausgaben machen im Laufe der Jahre eine große Summe und schädigen den Haushalt. Nehmen wir zum Beispiel an, eine Frau würde jeden Tag 10 Pfg., die sie bis jetzt zu unnützen Bedürfnissen ausgegeben hat, und so jeden Monat 3 Mk. zu 3 ½ Prozent in die Sparkasse bringen, dann würde sie auf diese Weise nach 10 Jahren mit Zins und Zinseszins ein Vermögen von 436,25 Mk. und nach 20 Jahren ein Vermögen von 1046,26 Mk. in der Sparkasse haben, eine Summe, womit man zur Ausbildung der Kinder oder bei Unglücksfällen schon etwas anfangen kann, eine Summe, womit man viele Tränen trocknen, viel Not und Elend verhindern kann, eine Summe, durch deren guten Gebrauch man sich ein sehr großes Verdienst für den Himmel erwerben kann.
Mache daher, gute Gattin, keine unnützen, ungewöhnlichen Ausgaben aus Eitelkeit, Putz- und Gefallsucht, weder für dich noch für deine Angehörigen. Fliehe die unsinnige Vornehmtuerei! Meide auch jene Frauen, die gern geistige Getränke zu sich nehmen oder anderen bösen, schlimmen Leidenschaften ergeben sind. Man kann sich leicht etwas angewöhnen, was nur sehr schwer wieder abgelegt wird, und was im Laufe der Jahre eine recht große Geldsumme verschlingt.
Sehr viel Geld kann auch erspart werden, wenn alles Schadhafte an Wohnung, Möbeln, Kleidung, Schuhwerk, Gerät, sobald man den Schaden bemerkt, ausgebessert wird, wenn man mit allem recht sorgsam und schonend umgeht und nichts mutwillig verdirbt oder leichtsinnig zu Grunde gehen lässt.
Wer sparen will, darf nicht borgen. Denn Borgen verteuert die Einkäufe und macht, dass man schlechtere Ware erhält. Borgen führt ferner zur Verschwendung, zu leichtsinnigen Ausgaben und zum Schuldenmachen. Warum kamen manche Familien gegen ihren Willen zur Verschwendung, und wodurch gerieten sie in Schulden, die sie nicht mehr leicht bezahlen konnten? Das kam daher, weil durch das Borgen beim Bäcker, Metzger, Kaufmann und so weiter lustig darauf gelebt wurde, ohne zu bedenken, was das Einzelne kostet, und wenn zuletzt die Rechnungen einliefen, war zu wenig Geld da. Deshalb bezahle alle Einkäufe bar!
Eine verständige, sparsame Hausfrau verabscheut die Kleiderpracht und Modesucht, weil sie nämlich gut weiß, dass der unordentliche Kleiderputz und die Modesucht, neben ihren übrigen traurigen Folgen, zur Verschwendung und nicht selten zum Schuldenmachen und zum Ruine eines ganzen Hauses führen. Sie kleidet sich mit ihren Untergebenen ihrem Stande gemäß sittsam, einfach und bescheiden, aber sie wird niemals eine Sklavin der Mode, die das Verdienst ihres Mannes vergeudet. Sie bedenkt wohl, wieviel Schweißtropfen gleichsam am Verdienste ihres Gatten hängen.
Besonders wichtig ist es, dass die Hausfrau in der Küche spare. Die eine braucht von allen Zutaten zweimal so viel und liefert doch elende Kost, während eine andere wenig nötig hat, um die Speisen trotzdem gut, wohlschmeckend und nahrhaft zu machen. Woher das? Die letzte versteht das Kochen, die erstere hat nie ordentlich kochen gelernt. Sie kann vielleicht Klavier spielen und tanzen, versteht etwas Französisch und Englisch, hat Schiller und Goethe und ein paar Dutzend Romane gelesen. Wenn aber eines Morgens die Magd krank wird, dann kann die Hausherrin nicht einmal den Kaffee kochen. Ist das nicht entsetzlich traurig? Manche Hausfrau wird daher gut tun, Versäumtes nachzuholen und sich vor allem in der Kochkunst gründlich auszubilden. Etwas zu lernen ist nie eine Schande, wohl aber hängt das Wohl oder Wehe einer Familie zum großen Teile von der Küche ab. So viele Frauen treiben nur dadurch ihre Männer ins Wirtshaus, weil sie nichts Ordentliches kochen können oder wollen. Insbesondere bringe die Frau das beste Nahrungsmittel, die Milch, wieder in Ehren. Das Volk verlangt immer mehr, was augenblicklich reizt: Wein, Kaffee, Branntwein, und kennt die milden, starken Nahrungsstoffe: Milch, Weizen und Mais, Hafer und Bohne gar nicht mehr nach ihrem wahren Werte ….. Die Chemiker sagen: „Die Milch ist das reichhaltigste, das zweckmäßigste und immer noch das wohlfeilste unserer sämtlichen Nahrungsmittel.“ Daher wird die kluge Mutter, obgleich sie ihre Kinder von Jugend an gewöhnt, genügsam und mäßig, sparsam und mit wenigem zufrieden zu sein, reichlich ihnen Milch verabreichen.
So spart die verständige Hausfrau. Trotz aller Sparsamkeit ist sie aber weit vom Geiz und von der Habsucht entfernt. Sie hat immer ein Herz für die Armen und Notleidenden. Ihr gelten die Worte der Heiligen Schrift: „Sie öffnet ihre Hand dem Armen und breitet ihre Armen nach dem Dürftigen aus.“ (Sprichw. 31, 20.) Nach ihren Verhältnissen unterstützt sie gern die Dürftigen, besucht selbst wo möglich die Kranken, um mit der milden Gabe ein teilnehmendes Wort zu verbinden, und sie gibt mit Freuden etwas zu guten Zwecken. Denn sie weiß, dass GOTT der Heilige Geist versichert: „Das Almosen errettet vom Tode, und dasselbe ist´s, was von Sünden reinigt und macht, das man Barmherzigkeit und das Ewige Leben finde.“ (Tob. 12, 9.)
Glücklich der Mann, dem eine solche Hausfrau zur Seite steht! „Wie von ferne, ja von den äußersten Grenzen kommend, ist ihr Wert. Es vertraut auf sie ihres Mannes Herz, und an Gewinn wird es ihr nicht fehlen. Sie erweist ihm Gutes und nie Böses alle Tage ihres Lebens.“ (Sprichw. 31, 1 – 4.)

Fortsetzung folgt!
Nie kann o Herr ich danken Dir genug!
Es soll Dir danken jeder Atemzug,
es soll Dir danken jeder Herzensschlag,
bis zu dem letzten Schlag am letzten Tag.
Es soll Dir danken jeglicher Gedanke,
nichts will ich denken als: Ich danke, danke!

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« Antwort #11 am: 18. Februar 2013, 14:17:17 »
XIII.
Sei immer zufrieden mit deinen Verhältnissen,
auch in Kreuz und Leid!

Um glücklich in der Ehe zu sein, muss man suchen immer zufrieden mit seiner Lage und seinen Verhältnissen zu sein. Zufrieden mit seiner Lage, auch in Kreuz und Leid wird man aber nur dann sein, wenn man das Leben im Lichte des Glaubens betrachtet, der uns sagt, „dass ohne den Willen des Himmlischen Vaters nicht einmal ein Haar von unserem Haupte fällt,“ „dass denen, die GOTT lieben, alles zum Wesen gereicht,“ und „dass GOTT diejenigen züchtigt die Er lieb hat.“
Christliche Gattin, bedenke immer, dass nichts auf Erden, die Sünde ausgenommen, ohne den Willen GOTTES geschieht. Wenn du oder deine Angehörigen von Krankheiten heimgesucht werden, wenn dein Gatte, der Ernährer der Familie, oder liebe, teure Kinder dir durch den unerbittlichen Tod entrissen werden, wenn die Ehe kinderlos bleibt, oder wenn der Allgütige Schöpfer sie mit einer zahlreichen Nachkommenschaft segnet, wenn dir schwere Beleidigungen zugefügt werden, wenn bitteres Kreuz und Leid an dich herantritt und du von harten Unglücksfällen heimgesucht wirst, dann vergiss nie, dass alles dieses der Wille deines Liebevollsten Vaters im Himmel ist, und sprich mit demütigem und liebevollen Herzen: „Herr, Dein Wille geschehe! Möge der Herr mit mir machen, was Er will, wie Er will und wo Er will!“ Durch eine solche christliche Auffassungsweise werden selbst die schwierigsten Dinge leicht. „Fühlt ihr es nicht,“ sagte die Heilige Maria Magdalena von Pazzis, „welche Süßigkeit das eine Wort: „Der Wille GOTTES,“ „in sich schließt? Dasselbe versüßt die größten Bitterkeiten, wie das dem Moses gezeigte Holz das bittere Wasser süß machte.“
Sind wir in Kreuz und Leid schon durch die Überzeugung, dass alle Leiden von unserem Liebevollsten Vater kommen, zufrieden, so werden wir das noch mehr sein, wenn wir bedenken, dass dieselben zu unserem Besten gereichen. „Nichts kommt aus der Anbetungswürdigen Hand GOTTES,“ versichert der Heilige Franz von Sales, „ohne Gottesfürchtigen Seelen Nutzen zu bringen, sie werden durch die Leiden entweder geläutert oder in Seiner Liebe gestärkt.“
„GOTT, der den Seelen,“ schreibt Fenelon, „so strenge scheint, lässt sie nimmermehr darum leiden, weil Er Wohlgefallen an ihren Leiden hätte. Die schmerzhafte Operation wird gefordert durch das Übel, welches gehoben werden muss. GOTT würde keinen Einschnitt tun, wenn alles gesund wäre. Er schneidet nur weg, was abgestorben und entzündet ist. Es ist also unsere verderbte Eigenliebe, die uns Schmerzen verursacht; die Hand GOTTES bereitet uns deren so wenig, als nur möglich ist. Erkennen wir, wie tief und giftig unsere Wunden sein müssen, da GOTT, trotzdem Er so Gnädig gegen uns ist, uns dennoch so sehr leiden lässt.
O wie glückselig ist, wer gut leidet! Wie unglückselig, wer nicht mit Jesus Christus leidet! Wie glücklich ist, wer leidet, wenn er gern leiden, und der Gerechtigkeit GOTTES genugtun will! Wie vieles sind wir Ihm schuldig, und welche Strafen verdienen wir nach strenger Gerechtigkeit! Eine Ewigkeit voll Qualen, die in leichte Krankheiten umgewandelt werden! Der Verlust GOTTES, die Wut und Verzweiflung der bösen Geister, die in ein ruhiges und kurzes Leiden abgeändert werden, wo man die Hand anbetet, die aus Barmherzigkeit schlägt! - Solche Kreuze verdienen Danksagungen und keine Klagen. Es sind Gnaden, die man mit einem von GOTTES Güte gerührten Herzen anerkennen muss.“
Nur, wo dieser praktische Glaube vorhanden ist, wird man stets auch bei Kreuz und Leiden zufrieden und glücklich sein. „Wenn du das Kreuz,“ sagt der Verfasser der Nachfolge Christi, „gern trägst, so wird es dich tragen und zu dem ersehnten Ziel führen, wo nämlich das Ende des Leidens sein wird, wie wohl das hienieden nie der Fall sein wird. Trägst du es ungern, so machst du dir eine Last und beschwerst dich selbst noch mehr, und tragen musst du es doch. Wenn du ein Kreuz abwirfst, so wirst du ohne Zweifel ein anderes finden, und vielleicht ein schwereres.“
Es trifft sich wohl bei manchem, wie bei jenem Kreuzträger, von dem die Legende erzählt, dass sein Kreuz ihm zu schwer erschien, und dass er von GOTT die Erlaubnis erhielt, sich ein anderes Kreuz unter vielen auszusuchen. Er suchte und versuchte manches Kreuz; aber alle legte er wieder hin, weil sie ihm zu schwer waren. Doch endlich fand er ein Kreuz, das ihm recht war. Als er es aber genauer betrachtete, fand er, das es dasselbe war, welches er früher schon getragen hatte.
„Wird dir, christliche Gattin, dein Kreuz und Leid sehr schwer, so denke,“ sagt der Heilige Franz von Sales, „an die große Verlassenheit, die unser Meister im Ölgarten erduldete, und siehe, wie dieser geliebte Sohn, nachdem Er Seinen Vater um Trost gebeten und erkannt hatte, dass Er Ihm denselben nicht zu teil werden lassen wollte, nicht mehr daran denkt, ihn nicht mehr sucht, sondern wie Er freudig und mutig das Werk unserer Erlösung vollbringt. Nachdem du daher den Vater um Abwendung des Kreuzes gebeten, denke nicht länger daran, wofern es Ihm nicht gefällt, deine Bitte zu erhören, sondern stähle deinen Mut, um dein Werk am Kreuzesbalken zu vollbringen, gerade, als ob du denselben nie mehr verlassen dürftest.“ Denn wenn es zum Heile der Menschen etwas Besseres und Ersprieslicheres gäbe als das Leiden, so würde es uns Jesus Christus durch Sein Wort und Beispiel gelehrt und nicht zugerufen haben: „Wer Mir nachfolgen will, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge Mir nach.“ (Luk. 9, 23.)
Christliche Gattin, wenn du das in diesem Kapitel Gesagte recht beherzigest, so wirst du mit deiner Lage und deinen Verhältnissen selbst in großem Kreuz und Leid, immer zufrieden mit dem Heiligen Willen GOTTES sein, und dir so viele Verdienste für den Himmel sammeln. - Übrigens vergiss niemals den schönen Spruch:

Ein jeder Stand hat seinen Frieden,
Ein jeder hat auch seine Last.
Genieße froh, was dir beschieden,
Entbehre gern, was du nicht hast!

Fortsetzung folgt!
Nie kann o Herr ich danken Dir genug!
Es soll Dir danken jeder Atemzug,
es soll Dir danken jeder Herzensschlag,
bis zu dem letzten Schlag am letzten Tag.
Es soll Dir danken jeglicher Gedanke,
nichts will ich denken als: Ich danke, danke!

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« Antwort #12 am: 19. Februar 2013, 15:48:33 »
XIV.
Mache dich nie des geringsten
Diebstahles schuldig!

Fremdes Gut bringt kein Glück und Segen, sondern Unheil, Angst, Fluch und leicht ein unseliges Ende. Daher die Sprichwörter: „Ungerecht Gut gedeihet nicht.“ „Wie gewonnen, so zerronnen.“ „Ein ungerechter Groschen frisst 99 gerecht erworbene wieder auf.“ Wir lesen in der Heiligen Schrift, dass am allgemeinen Gerichtstage der Göttliche Richter zu denen, welche auf der linke Seiten stehen, sprechen wird: „Weichet von Mir, ihr Verfluchte, in das Ewige Feuer, welches dem Teufel und seinem Anhange bereitet ist; denn Ich war hungrig, und ihr habt Mich nicht gespeist.“ (Matth. 25, 41.) Wenn nun die Unterlassung der Liebeswerke vor GOTT ein so großes Verbrechen ist, dass Er es mit dem Ewigen Feuer bestrafen wird, was für eine Sünde wird in Seinen Augen alsdann erst der Diebstahl, die Beraubung des Nächsten sein? „Was,“ sagt der Heilige Fulgentius, „was für eine Strafe wird derjenige erhalten, der fremdes Gut an sich reißt, da er schon zum Ewigen Feuer verurteilt wird, welcher von seinem Eigentume den Nächsten nicht unterstützt.“ Deshalb mache dich nie des geringsten Diebstahles, nie der kleinsten Ungerechtigkeit schuldig. Denn wer im Kleinen nicht treu ist, wird es auch nicht lange im Großen sein. Deshalb lass jedem das Seine und sei immer ehrlich und redlich! Oft lohnt GOTT die Ehrlichkeit schon auf dieser Welt.
In Brüssel lebte vor einigen Jahren ein reicher Herr. Er wollte einmal sehen, wieviel ehrliche Leute es in der Stadt gebe. Er setzte sich in den Wagen der Straßenbahn hart neben den Kondukteur, und wenn die Leute das Fahrgeld bezahlten und noch Geld herausbekamen, so legte er jedesmal unbemerkt noch ½ Franken dazu. Den ganzen Vormittag meldete sich niemand, dass er zu viel bekommen habe. Erst gegen Mittag rief ein ärmlich gekleidetes, junges Mädchen: „Herr Kondukteur! Sie haben mir ½ Franken zu viel gegeben.“ Der reiche Mann erkundigte sich noch näher nach dem Mädchen, und weil er auch sonst nur gutes vernahm, so setzte er es zur Erbin seines sehr großen Vermögens ein. - Christliche Gattin, vergiss nie: Ehrlichkeit währt am längsten, und: Eine ehrlich Hand geht durchs ganze Land. Vergiss nie die Worte der Heiligen Schrift: „Wehe dem, der sein Haus mit Ungerechtigkeit baut.“ (Jer. 22, 13.) Darum:

„Üb´ immer Treu´ und Redlichkeit
Bis an dein kühles Grab,
Und weiche keinen Finger breit
Von GOTTES Wegen ab.“

Fortsetzung folgt!
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« Antwort #13 am: 20. Februar 2013, 16:26:58 »
XV.
Veranstalte hin und wieder ein kleines Familienfest!

Wenn man auch zurecht über die Vergnügungssucht unserer Zeit klagt, so sollen und müssen doch die Feste der Kirche, sowie die allgemeinen weltlichen Feste in jeder Familie eine passende Feier finden. Denn dieses befördert das Familienleben und Familienglück. Wir sind nun einmal vom lieben GOTT so erschaffen, dass die äußeren Dinge einen großen Einfluss auf uns ausüben. Und wie unsere Heilige Katholische Kirche in überaus schöner Weise die einzelnen Festtage auf das ganze Jahr verteilt und dadurch unsere Herzen aufrichtet und mit neuer Kraft stärkt, die religiösen Pflichten gern und gewissenhaft zu erfüllen, so ist es sehr gut, wenn die ernsten und sehr oft recht schweren Pflichten des Familienlebens erleichtert werden durch solche Familienfeste. Denn die Erfahrung lehrt, dass in jenen Familien, wo solche Festlichkeiten begangen werden, die Liebe und die Anhänglichkeit unter den einzelnen Familienmitgliedern immer größer wird.
Außer diesen allgemeinen kirchlichen und weltlichen Festen aber soll jede Familie noch ihre besonderen häuslichen Feste haben. Zuerst verdient es gewiss der Jahrestag der Vermählung, dass er ein eigentliches Familienfest sei. Wie soll denn dieses Fest jedes Jahr auf freudige, aber doch fromme Weise von allen christlichen Eheleuten gefeiert werden? Hierüber spricht sich der Heilige Franz von Sales in seiner Philothea folgendermaßen aus:
„Zur Zeit des Heiligen Gregor von Nazianz begingen die Eheleute den Jahrestag ihrer Trauung festlich. Gar sehr wünsche ich, dass dieser Gebrauch auch unter uns eingeführt wäre, nur müssten dabei keine unpassenden Ergänzungen veranstaltet werden. Das beste wäre, wenn an diesem Tage (oder wenigstens am folgenden Sonntage) Mann und Frau zur Heiligen Beichte und Kommunion gingen. Mit mehr Eifer als gewöhnlich sollten sie dann zu GOTT um Segen beten, zugleich den Vorsatz erneuern, dass sie ihren Ehestand durch gegenseitige Liebe und Treue immer mehr zu heiligen sich bestreben wollen. So würden sie in GOTT gleichsam neu aufatmen und, um die Beschwerden ihres Standes zu tragen, neuen Mut und neue Kraft gewinnen.“
Gute Gattin, suche, so viel als an dir liegt, mit deinem Gatten dieser Ermahnung des Heiligen Bischofs vollkommen zu entsprechen! Sehr anzuraten ist es auch, an diesem Tage das Heilige Meßopfer darbringen zu lassen zur Danksagung für die zahlreichen Wohltaten, die GOTT der ganzen Familie erwiesen, zur Abbitte und Genugtuung für die begangenen Fehler und zur Erflehung weiteren Segens. Eine solche Feier macht den Jahrestag der Trauung zu einem Gedenktage für die ganze Familie.
Die Namenstage des Vaters und der Mutter sollen als Familienfest ebenfalls gefeiert werden, wenigstens am folgenden Sonntage und zwar nicht bloß durch die Kinder, sondern auch von Seiten der Eltern selbst. Es ist sehr schön, wenn der Mann seiner Frau und umgekehrt die Frau ihrem Mann am Namensfeste gratuliert, einige herzliche Worte und Glückwünsche bricht und ein kleines Geschenk damit verbindet, wenn es auch nur ein Blumenstrauß wäre. Es beweist dieses, dass man einander gedenkt und sich gern hat. Und zwar sollen dieses nicht nur die jungen Eheleute tun, sondern auch die älteren, denn die Liebe zwischen Eheleuten darf niemals abnehmen. Durch solche Aufmerksamkeiten wird auch die Achtung und Liebe der Kinder gegen Vater und Mutter vermehrt und befestigt.
Ferner wird passend ein Familienfest veranstaltet bei der ersten Heiligen Kommunion eines Kindes und bei der glücklichen Rückkehr eines Familienmitgliedes nach längerer Abwesenheit.
„Bei einem solchen Familienfeste werden einige Verwandte und Freunde eingeladen; da werde etwas Besseres aufgetragen als an gewöhnlichen Tagen; da werde ein schönes Lied gesungen...; da möge einer der Hausbewohner ein sinniges Gedicht vortragen; da unterhält man sich durch fröhliche Gespräche, unschuldige Spiele, und am Nachmittage nach dem Gottesdienste werde gemeinschaftlich ein Sparziergang gemacht, aber keine Ausgelassenheiten und nichts Unpassendes darf geduldet werden.“
„Das ist Familienleben! Das ist stille Häuslichkeit! So werden die Ehegatten ans Haus gefesselt! So gewinnen die Kinder das Elternhaus lieb! Es wird für sie zum leuchtenden Stern, der licht und freundlich über ihrem Haupte schwebt, der sie auch in der Fremde nie verlässt, der leise und warnend ihnen zuflüstert, wenn sie vom rechten Wege abirren wollen: Was würde der Vater, die Mutter dazu sagen?“
„Nur ein Glück, eines gibt’s hienieden. Fast für diese Welt zu gut und groß: Häuslichkeit! In deines Glückes Frieden liegt allein der Menschheit großes Los.“
Bei Kinderfesten möge die gute Gattin und Mutter es nie unterlassen, einige belehrende, herzliche Worte an ihre Kinder zu richten. Am Namenstage erinnere sie ihre Kinder an ihren Heiligen Namenspatron und halte ihnen deren Leben wie einen Spiegel vor Augen. Am Tage der ersten Heiligen Kommunion lege sie ihnen ans Herz, welch große Gnaden sie erhalten haben, und fordere sie auf, ihrem Göttlichen Erlöser stets treu zu bleiben.
Bei den weltlichen Festen, wo der Jugend gefahrvolle Vergnügungen geboten werden, müssen die Eltern ihre Wachsamkeit und ihre Aufsicht sorgfältig ausüben, um jede Gefahr von ihren Kindern und Untergebenen möglichst fernzuhalten. Sehr viele Jünglinge und Jungfrauen, die sonst brav leben, fallen bei solchen Gelegenheiten in schwere Sünden, weil sie ohne die nötige Aufsicht gelassen werden.
Auf solche Weise werden die Familienfeste ohne allen Zweifel sehr viel zur Erhaltung der Liebe und Anhänglichkeit unter den einzelnen Familienmitgliedern beitragen.

Fortsetzung folgt!
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« Antwort #14 am: 21. Februar 2013, 12:30:20 »
XVI.
Vergiss nie das IV. Gebot!

Christliche Gattin, die strenge Pflicht, die Eltern zu ehren und zu lieben, hört auch für dich niemals auf. Selbst wenn du nicht mehr unter ihrer Gewalt stehst, bist du ihnen doch Ehrfurcht und Liebe schuldig. Zwar hört die Pflicht des strengen Gehorsams auf, wenn du einen eigenen Herd gegründet und die vollkommene Selbstständigkeit erlangt hast, aber immer bist und bleibst du streng verpflichtet, sie zu ehren und zu lieben. Mag auch Alter und Gebrechlichkeit sie niederbeugen und in üble Laune bringen, mögen sie auch ihre Fehler und Schwächen haben, mag auch ihre Stellung und Bildung noch so gering sein: Immer musst du ihnen mit Hochachtung und Liebe begegnen, ihre Gebrechen und Fehler mit Geduld ertragen und niemals darfst du dich ihrer schämen.
Der König Salomon gibt dir, christliche Gattin, ein herrliches Beispiel der Ehrfurcht und Liebe gegen die Eltern. Die Heilige Schrift erzählt uns, dass dieser König, umgeben von den Großen des Reiches, die ihm die tiefste Ehrfurcht bezeigten, auf einem goldenen Throne gesessen habe, als seine Mutter eintrat, um ihm ein Anliegen vorzutragen. Was tut Salomon? Er erhebt sich sofort von seinem Throne, eilt ihr entgegen, neigt sich tief vor ihr und lässt sie auf seinem Throne Platz nehmen. Sodann gibt er Befehl, dass man für sie einen eigenen Thron zu seiner Rechten aufrichte, und nötigte sie, sich auf denselben niederzulassen. Und wie Bethsabee schüchtern ihr Anliegen vortragen will, unterbricht er sie mit den Worten: Bitte, meine Mutter, denn es geziemt sich nicht, dass ich dir etwas abschlage. (3. Kön. 2, 18.)
So ehrte der weiseste König seine Mutter! Und wie Salomon seine Mutter ehrte und liebte, so musst du, christliche Gattin, ebenfalls deine Eltern ehren und lieben, und zwar immer und überall; denn das IV. Gebot lautet ganz allgemein: „Du sollst Vater und Mutter ehren!“
Das fordert von dir GOTTES strenge Gebot. Das fordert von dir die Mengen und Größe der Wohltaten, die du deinen Eltern verdankst. Das fordert von dir dein zeitliches und ewiges Glück. Dieses strenge Gebot GOTTES findet sich an verschiedenen Stellen der Heiligen Schrift auf das deutlichste ausgedrückt. Wer aber wollte die Menge und Größe der Wohltaten, die du deinen Eltern verdankst, nach Gebühr schildern? Denke nur mal, wieviel Sorgen, Mühen und Arbeit du ihnen bei Tag und Nacht verursacht hast! Wie oft sie auf Ruhe und Schlaf deinetwegen verzichtet, wie viele Schritte und Tritte sie deinetwegen getan, und wieviel Schweißtropfen sie für dich vergossen haben! Nirgends in aller Welt wirst du jemand finden, der alles das für dich tun wollte, was deine Eltern für dich getan haben. Ist es nun zu viel gefordert, wenn man dir sagt, du sollst und musst deine Eltern ehren und lieben, du sollst und musst mit ihren Schwachheiten und Fehlern Nachsicht haben, sie mit Schonung und Liebe behandeln und sie in der Not nach Kräften unterstützen?
Daher ehre und liebe immer deine Eltern, sowohl deine leiblichen als auch deine Schwiegereltern, in Wort und Tat und aller Geduld! Sei besonders im Alter ihre Freude und ihre Pflege, und tu alles, um ihnen die alten Tagen zu versüßen. Opfere dich gern für sie auf, wie sie sich gern für dich geopfert haben, und werde nie eine von solch ungeratenen Kindern, die kein Herz für die alten Eltern haben, und denen die Eltern zur Last sind. Vergiss auch nicht, nach ihrem Tode täglich für sie zu beten.
Erfüllst du so deine Pflichten gegen deine Eltern, dann kannst du zuversichtlich auf den Segen GOTTES hoffen und du brauchst nicht seinen Fluch zu fürchten,  den Er 33 Mal in der Heiligen Schrift über ungeratene Kinder ausgesprochen hat. „Verflucht sei, wer Vater und Mutter nicht ehrt.“ „Das Auge, das seinen Vater verachtet und seine Mutter schief ansieht, sollen die Raben aushacken und die jungen Adler fressen“ (Sprich. 30, 17.), das heißt, eines gewaltsamen, schrecklichen Todes sterben. Das Sünden gegen das IV. Gebot schon hier auf Erden meistens sehr hart und streng vom lieben GOTT bestraft werden, und zwar bei verheirateten Kindern sehr oft durch ihre eigenen Kinder, zeigt die tägliche Erfahrung.
In Friesland kam eines Tages ein Sohn in heftigen Streit mit seinem Vater. Endlich ergriff der wutentbrannte Sohn den alten Vater bei seinen wenigen grauen Haaren, schleppte ihn über die Stiege hinab der Haustüre zu. Der Vater jammerte nicht, noch rief er um Hilfe, sondern schien alles geduldig zu leiden. - Nur als sie zur Schwelle der Haustüre kamen, rief er: „Halte Sohn! Jetzt ist es genug; ich bin bestraft; denn bis hierher habe auch ich meinen Vater an den Haaren geschleppt!“ - Entsetzt ließ der Sohn den Vater los, vermutlich auch darum, damit nicht auch ihm einst von seinen Kindern Gleiches mit Gleichem vergolten werde.
In einem Dörfchen des Siegerlandes ereignete es sich gegen das Ende des vorigen Jahrhunderts, dass ein Landmann seinen Sohn bei sich ins Haus verheiratete und ihm die Wirtschaft übertrug. Anfangs ging alles gut; der Vater wurde gut behandelt und auch von der Schwiegertochter in Ehren gehalten. Nach und nach fing man an, mit einiger Härte gegen ihn zu verfahren. Bis dahin hatte er noch immer am gemeinschaftlichen Tische mitgegessen; dann aber lies man ihn allein essen, weil, wie die Schwiegertochter sagte, seine Art zu essen Ekel errege. Man pflegte ihm anfangs noch sein Essen in einem irdenen Schüsselchen zu geben, weil er aber dasselbe ein paarmal zerbrach, indem der alte Mann zitterte und fast blind war, musste er aus einem hölzernen Näpfchen essen. Dieses ungebührliche Benehmen gegen den alten Vater hatte schon eine Zeitlang gedauert, als ein geringfügiger Vorfall dasselbe auf einmal änderte. Eines Tages bemerkte nämlich der hartherzige Mann, wie sein Söhnchen an einem Holze schnitzelte. „Was machst du da?“ fragte jener. „Ich schnitzele ein Näpfchen!“ entgegnete der Kleine. - „Ein Näpfchen?“ „Wozu und für wen?“ fragte der Vater weiter. „Ei, für dich, Vater!“ entgegnete der Knabe lächelnd, „wenn du einmal alt bist und zitterst und wie der Großvater allein hinter dem Ofen sitzen musst.“ Betroffen vernahm der Vater diese Antwort, und schweigend sah er seine Frau an, die hauptsächlich Schuld an dieser Härte war, womit der alte Mann behandelt wurde. Von dieser Zeit wurde dieser wieder an den gemeinschaftlichen Tisch gezogen und überhaupt mit gebührender Ehrfurcht und Liebe behandelt.
Christliche Gattin, sorge doch dafür, dass du durch Ehrfurcht und Liebe sowohl gegen deine leiblichen Eltern, als auch gegen deine Schwiegereltern den Segen GOTTES hier erwirbst und dich fortwährend so liebevoll gegen dieselben benimmst, wie du das einst von deinen eigenen Kindern wünschest. Betagte Schwiegereltern müssen wie die eigenen Eltern mit aller Ehrfurcht und Liebe behandelt werden. Wehe den jungen Eheleuten, welche ihre alten Eltern oder Schwiegereltern grob oder wegwerfend behandeln; die alles besser verstehen und mit den Gebrechen und Fehlern ihres Alters keine Nachsicht üben wollen und so denselben ihre alten Tage verbittern und sie vor der Zeit durch Kummer ins Grab bringen! „Der Segen des Vaters erbaut das Haus, der Fluch der Mutter aber reißt es nieder,“ ruft nicht ohne Grund die Heilige Schrift uns warnend zu. (Eccl. 3, 11.)
Darum sei du, gute Gattin, recht liebevoll sowohl gegen deine Eltern, als auch gegen betagte Schwiegereltern. Gib ihnen gern alles, was sie mit Recht wünschen können! Ertrage ihre Schwächen und Gebrechen, die Launen und Fehler des Alters mit christlicher Geduld und Nächstenliebe, achte nicht gering ihre guten Ratschläge und pflege sie recht liebevoll in der Krankheit. Befolge immer die schöne Mahnung der Heiligen Schrift: „Mein Kind, nimm dich deines Vaters an, wenn er alt wird, und betrübe ihn nicht, solange er lebt. Nimmt er an Verstand ab, so halte es ihm zu gute und verachte ihn nicht in deiner Kraft; denn die Wohltat, die du deinem Vater erzeigst, wird nicht in Vergessenheit kommen, und für das Widerwärtige, was du von deiner Mutter zu erleiden hast, wird dir mit Gutem vergolten.“ (Eccl. 3, 14.)

Fortsetzung folgt!
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« Antwort #15 am: 22. Februar 2013, 16:23:19 »
 
XVII.
Sorge für deine Dienstboten und Untergebenen
stets recht gewissenhaft!

An deinen Dienstboten und an all deinen Untergebenen vertrittst du, christliche Gattin, die Stelle einer Mutter; du musst also für deren zeitliches und ewiges Wohl in ähnlicher Weise sorgen, wie eine Mutter es für ihre eigenen Kinder zu tun verpflichtet ist.
Die Sorge für das zeitliche Wohl verlangt 1. dass deine Dienstboten und Untergebenen den verdienten Lohn und die hinreichende Nahrung erhalten. Denn der Arbeiter ist seiner Nahrung und seines Lohnes wert. Deshalb sagt der Heilige Paulus: „Ihr Herren, was recht und billig ist, erweiset den Knechten, da ihr wisset, dass auch ihr einen Herrn im Himmel habet.“ (Kol. 4, 1.) Die Gerechtigkeit verlangt, dass den Dienstboten und Untergebenen verabreicht werde, was ihnen vertragsmäßig zukommt. Liebe und Billigkeit fordert, dass in der Festsetzung des Lohnes und der Verabreichung der Nahrung nicht lang verfahren werde. Selbst der eigene Nutzen der Herrschaft macht eine gewisse Freigebigkeit ratsam; denn je freigebiger man rücksichtlich des Lohnes und des Unterhaltes ist, desto fleißiger werden in der Regel die Untergebenen ihren Arbeiten obliegen, und desto weniger werden sie zur Untreue versucht werden.
Die Sorge für das leibliche Wohl verlangt, 2. dass die Dienstboten und Untergebenen liebevoll behandelt werden. Denn auch diese sind Kinder des Himmlischen Vaters, Brüder in Christo, Miterben der Ewigen Glorie. Wenn es nun schon im Alten Bunde heißt: „Hast du einen Knecht, so sei er dir so wert, als du dir selbst bist. Halte ihn wie deinen Bruder“ (Eccl. 33, 31.), um wieviel mehr gilt dies im Neuen Bunde, dessen Stifter so eindringlich und mit so großem Nachdrucke spricht: „Was ihr einem meiner geringsten Brüder getan, das habt ihr Mir getan.“ Zudem ist der Stand eines Dienstboten an sich schon drückend genug, dass man sich wohl hüten soll, ihn durch Lieblosigkeit und harte Behandlung noch drückender zu machen.
Eines Tages besprach sich der Heilige Franziskus von Sales mit einem Freunde über die Behandlung der Untergebenen. Nachdem der Heilige vor einer unschicklichen und tadelhaften Vertraulichkeit gewarnt hatte, sagte er: „Alles wohl erwogen, kann ich hinsichtlich der Dienstboten heute nur soviel sagen, dass sie unsere Nächsten und demütigen Brüder sind, welche wir der Pflicht der Nächstenliebe gemäß so lieben sollen, wie wir uns selbst lieben. Lieben wir sie also wie uns selbst, diese teuren Nächsten, welche uns so nahe und so benachbart sind, dass sie mit uns unter einem Dache leben, und behandeln wir sie wie uns selbst aber vielmehr – wie wir selbst behandelt werden möchten, wenn wir an ihrer Stelle wären... Freilich darf man ihre Fehler nicht übersehen,  wenn solche erheblich sind, und ihnen auch die Zurechtweisung nicht erlassen; doch müssen wir auch das Gute anerkennen, welches durch sie geschieht. Es ist sogar ratsam, dass man zu ihrer Aufmunterung zuweilen seine Zufriedenheit bezeige und ihnen Beweise gebe, dass man Vertrauen zu ihnen habe und sie Brüdern oder Schwestern gleichhalte, deren Unglück man lindern oder deren Glück man befördern will.
Wie ein Windstoß, welcher die Segel schwellt, das Schiff schneller auf dem Wege fortbewegt als hundert Ruderschläge, also regt auch ein freundliches Wort und ein Zeichen des Wohlwollens einen Diener gewiss weit wirksamer an, uns um GOTTES willen zu dienen, als hundert rauhe, drohende und harte Befehle!“
Umso mehr aber verdient aber ein Dienstbote und Untergebener liebevolle Behandlung, wenn er sich durch Treue auszeichnet oder seine besten Lebensjahre, vielleicht seine Gesundheit im Dienste seiner Herrschaft hingeopfert hat.
Erkrankt ein Dienstbote oder Untergebener, so wird die gute Gattin ihn nicht lieblos verstoßen, sondern ihm mitleidige, tätige und  opferfreudige Teilnahme bezeigen, und an ihm wie an ihren eigenen Kindern das leibliche Werk der Barmherzigkeit, die Krankenpflege, üben, oder wenigstens dafür sorgen, dass er von andern sorgsam verpflegt wird.
Die gute Gattin muss aber nicht bloß für das zeitliche Wohl ihrer Dienstboten und all ihrer Untergebenen sorgen, sondern noch ganz besonders auf ihr Seelenheil bedacht sein und alles tun, was in ihren Kräften steht, um sie auf dem Wege der Tugend zu erhalten oder, wenn sie denselben verlassen hätten, wieder darauf zurückzuführen. Diese Sorge für das ewige Wohl ist nach dem Heiligen Augustinus das eigentliche Merkmal einer echt christlichen Herrschaft, eines echt christlichen Hausvaters und einer echt christlichen Hausmutter. Die christliche Hausmutter muss daher nicht bloß Zeit und Gelegenheit geben zur treuen Erfüllung aller Christenpflichten, zum Beispiel des Sonntags und Feiertags der Heiligen Messe beizuwohnen, die Predigt und Christenlehre anzuhören, von Zeit zu Zeit die Heiligen Sakramente zu empfangen und so weiter, sondern auch die Lauen und Saumseligen dazu mit aller Entschiedenheit anhalten und alle durch Wort und Beispiel dazu aufmuntern; sie soll endlich durch gewissenhafte Beaufsichtigung und strenge Handhabung der häuslichen Zucht und Ordnung so viel als möglich jede Gelegenheit zur Sünde von ihnen sorgfältig fernhalten. Versäumen die Herrschaften die Heilige Pflicht, so hören sie auf, christliche Herrschaften zu sein. Denn „wenn jemand,“  sagt der Völkerapostel Paulus (1. Tim. 5, 8.), „für die Seinigen und besonders für die Hausgenossen keine Sorge trägt, so hat er den Glauben verleugnet, und er ist ärger als ein Heide.“ Er hat den Glauben verleugnet, weil er die Werke des Glaubens nicht tut, weil er seiner Haushaltung nicht nach den Vorschriften des Glaubens vorsteht; er ist schlimmer als ein Heide, weil selbst die Heiden all ihre Hausgenossen zur Verehrung ihrer vermeintlichen Gottheit anzuhalten pflegten.
Die gute Gattin wird sich daher fortwährend alle Mühe geben, den weisen Ratschlägen des Heiligen Karl Borromäus zu folgen, der von den Hausherren und Hausfrauen folgendes sagt: „Sie müssen darauf achten, dass sich in ihrem Hause nicht eine einzige Person befinde, die nicht genügend in der Religion unterrichtet ist; sie müssen ihre Untergebenen ermahnen und anhalten, die Gebote GOTTES und der Kirche zu beobachten; sie müssen wachen, dass keiner von ihnen fluche, oder schwöre, oder etwas Unehrbares rede, oder gar tue; sie müssen schlechte oder gottlose Bücher aus ihrem Hause verbannen, sie sollen selbst die Arbeiter zur Tugend ermahnen und keinen annehmen, der ein ungeordnetes Leben führt und dem übrigen Hause Ärgernis geben könnte.“
Möchten doch alle Herrschaften diese Ratschläge wohl befolgen und wohl bedenken, wie leicht ihre eigenen Kinder von schlechten Dienstboten verführt und unglücklich gemacht werden! Möchten sie wohl bedenken, dass sie am Tage des Gerichtes auch wegen der Sünden, die ihre Dienstboten und Untergebenen begangen haben, und sie hätten verhindern können und müssen, zur strengen Rechenschaft gezogen werden! Wehe alsdann der Herrschaft, durch deren Nachlässigkeit auch nur ein einziger Untergebener unglücklich geworden ist! Tausendmal aber wehe allen jenen Herrschaften, die es sogar darauf anlegen, ihre Dienstboten und Untergebenen durch die schändlichsten Verführungskünste zu sittenlosen Menschen, zu willfährigen Werkzeugen ihrer Leidenschaften zu machen!
Christliche Gattin, sorge daher doch recht gewissenhaft für das zeitliche und ewige Wohl deiner Dienstboten und all deiner Untergebenen, und sei überzeugt, dass du hierdurch dir und deiner ganzen Familie GOTTES reichsten Segen zuziehst.

Fortsetzung folgt!
Nie kann o Herr ich danken Dir genug!
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Antw:Die gute Gattin und Mutter. Ein Katholisches Lehr- und Gebetsbuch.
« Antwort #16 am: 25. Februar 2013, 10:16:46 »
XVIII.
Befleißige dich immer einer wahren
und gediegenen Frömmigkeit!

Absichtlich rufe ich dir, christliche Gattin, nach allen übrigen Ermahnungen und Warnungen zuletzt zu: Befleißige dich immer einer wahren und gediegenen Frömmigkeit; denn nur dann, wenn die Gattin wahrhaft religiös und fromm ist, kann sie ihre zahlreichen und wichtigen Pflichten treu erfüllen, ihre oft großen Beschwerden und Leiden ergeben aus Liebe zu GOTT tragen, sich und andere glücklich machen. Nur die Gottesfürchtige, fromme Frau kann eine treue Gattin, eine fleißige, sparsame und umsichtige Hausfrau und eine gute Mutter sein. Nur in einer wahren Frömmigkeit findet die Gattin die nötige Kraft zur treuen Erfüllung all ihrer schweren Standespflichten.
„Der verständige Mensch,“ sagt unser Göttlicher Heiland, „baute sein Haus auf einen Felsengrund. Da fiel ein Platzregen und es kamen Wasserströme, es wehten die Winde, und es stürzte nicht ein, denn es war auf einen Felsengrund gegründet.“ (Matth. 7, 25.) Dieser Fels, auf dem das ganze Gebäude des christlichen Lebens aufgebaut sein muss, ist die Religion und Frömmigkeit. Ohne Religion und Frömmigkeit hat der Mensch keinen Halt im Leben, keine Stütze in den Stunden des Leidens und keine Hoffnung, wenn der Augenblick des Todes ihm naht. Ohne Religion und Frömmigkeit gerät alles auf Abwege und verliert alles seine Kraft; die Frömmigkeit allein befähigt zu ernster Berufstreue auch in schwierigen Verhältnissen. Wie sollte nun eine christliche Frau ihre zahlreichen und oft schweren Pflichten, die sie als Gattin und Mutter hat, treu erfüllen können ohne eine innige Frömmigkeit! Wie sollte sie ihre Kinder gut erziehen können, ohne selbst wahrhaft Gottesfürchtig und fromm zu sein! Kann man denn einem andern geben, was man selbst nicht hat? Nicht ohne Grund sagt daher der so beliebte Volksschriftsteller Alban Stolz: „Eine Mutter ohne Religion wirkt unter den Kindern wie ein Eisblock im Blumenbeet.“ Und an einer anderen Stelle: „Einer Mutter, welche unreligiös ist, gilt ganz sicher: Es wäre ihr besser, dass ihr ein Mühlstein am Halse hinge und sie läge in der Tiefe des Meeres versenkt, als dass sie Mutter geworden ist.“ „Der Unglaube des Weibes,“ schreibt Wasserburg, „ist wie ein Pesthauch, der die Atmosphäre des Hauses vergiftet, der sich wie Skrofeln (Halsdrüsengeschwulst) auf die Kinder forterbt.“
Ist die Mutter weltlich, hoffärtig gesinnt, so werden es auch die Kinder. Ist sie eigensinnig, reizbar, zornmütig, zanksüchtig, lügenhaft und genusssüchtig, so werden auch die Kinder in der Regel diese Eigenschaften besitzen. Ist sie nicht religiös, so werden die Kinder fast immer missraten und unglücklich. Nur wenn die Mutter ihren Kindern einen großen Abscheu vor aller Unehrlichkeit und Ungerechtigkeit, vor jeglicher Lüge und Untreue beibringt und ihnen Liebe zu allem Guten einflößt, kann man hoffen, dass diese brave, zuverlässige, fromme Menschen werden. Dieses ist aber nur möglich, wenn die Mutter selbst wahrhaft fromm ist. Nur dann kann sie nicht bloß ihrem Manne und ihrer Familie ein Engel im Glück und eine starkmütige Heldin und Trösterin im Unglück sein, sondern auch ihren Kindern eine gute Erzieherin.
Dieses erkannte wohl der Kaiser Napoleon 1. Daher gab er auf die Frage: „Was fehlt der französischen Nation hauptsächlich?“ Die kurze, aber vielsagende Antwort: „Brave Mütter!“ „O wie segenbringend wirkt der Keim,“ sagt Bischof Ketteler, „den eine fromme Mutter in die Seele des Kindes legt. Wenn die Mutter schon lange im Grabe liegt, der Sohn oder die Tochter aber, von den Stürmen des Lebens ergriffen, hin und hergeworfen wird und nahe daran ist, Glauben und Sitte einzubüßen und dem ewigen Verderben anheimzufallen, so wird die fromme, edle Gestalt seiner christlichen Mutter ihm noch erscheinen und ihn mit wunderbarer Gewalt auf die Bahn des Glaubens und der Tugend zurückführen.“
Daher muss die erste Zierde und der erste Schmuck jeder christlichen Frau eine innige Frömmigkeit sein, welche in der Liebe zu GOTT und im Gehorsam gegen die Gebote GOTTES und der Kirche besteht. Sehr viele Frauen haben sich zu jeder Zeit durch große Frömmigkeit ausgezeichnet. Der Kürze wegen erinnere ich nur an eine Helena, die das Kreuz im römischen Reiche aufpflanzte, eine Klothilde im Frankenreiche, eine Hermenilde in England, eine Endegunde in Spanien, eine Theodolinde in der Lombardei, eine Elisabeth in Deutschland, eine Damlernka in Polen, eine Olga in Rußland. Soll ich noch erwähnen eine Heilige Monika, die Mutter des Heiligen Augustin, eine Heilige Bathilde, die mit ihrem Sohne Chlotar die Sitten wiederherstellte, eine Irene, die dem Bilderstreite ein Ende machte und an der Bekehrung der Bulgaren mitwirkte, eine Heilige Amelberga, die Belgien eine ganze Familie von Heiligen geschenkt und die Religion zur schönsten Blüte gebracht hat, und noch viele andere Heilige Frauen der Vergangenheit!... Nein, ich will lieber darauf hinweisen, dass es auch in unseren Tagen, GOTT sei Dank, noch sehr viele Frauen gibt, die sich durch große Frömmigkeit auszeichnen, so dass sie fest entschlossen sind, aus Liebe zu GOTT eher alles zu erdulden, lieber alles, selbst ihr Leben zu opfern, als ihren Schöpfer, Erlöser und Seligmacher zu beleidigen.
Auch du, christliche Gattin, musst so deinen GOTT über alles lieben wegen Seiner Unendlichen Liebenswürdigkeit und wegen all der Wohltaten, die du von Ihm erhalten hast und noch fortwährend empfängst. Niemals wird ein menschlicher Verstand diese Liebenswürdigkeit GOTTES vollständig erkennen, niemals eine menschliche Zunge all diese Wohltaten nach Gebühr schildern. Wegen ihrer Größe und ihrer Anzahl und ihres täglichen Genusses werden diese natürlichen Wohltaten kaum mehr recht geachtet. Aber es bleibt ewig wahr: Jeder Bissen Brot, den wir essen, jeder Trunk Wasser, den wir trinken, jeder Atemzug, den wir tun, mit einem Worte, alles, was wir Gutes haben und besitzen, ist nichts anderes als ein unverdientes Geschenk unseres überaus Liebenswürdigen und Freigebigen GOTTES gegen uns.
Was soll ich aber erst sagen von den unendlich wertvolleren, übernatürlichen Gnaden und Wohltaten, die gerade wir vor Millionen armer Heiden und Ungläubigen tagtäglich in überreicher Fülle als Kinder der Heiligen Katholischen Kirche erhalten? Nicht zufrieden, das ganze Menschengeschlecht in der Person unserer Stammeltern an Kindes Statt angenommen zu haben, sandte GOTT VATER, nachdem diese durch ihren Ungehorsam das Recht der Kindschaft für sich und ihre Nachkommen verloren hatten, Seinen innigst geliebten Sohn in die Welt, sandte Ihn ungeachtet der zahllosen persönlichen Sünden, womit die Menschen Ihn beleidigten, sandte Ihn, damit Er durch Sein bitteres Leiden und Sterben uns wieder zu Seinen vielgeliebten Kindern mache und die goldenen Pforten des Himmels wieder eröffne. -
GOTT dem Sohne war es nicht genug, für uns unter unsäglichen Schmerzen am Kreuze gestorben zu sein, sondern Er wollte in Seiner Liebe zu uns, dass dieses blutige Kreuzesopfer bis zum Ende der Welt auf unseren Altären täglich erneuert würde, dass Er mit Gottheit und Menschheit unter uns im Allerheiligsten Altarsakramente als unser bester Freund und Allmächtiger Helfer in jeder Not zugegen wäre, und dass uns durch den Heiligen Geist die Früchte Seines bitteren Leidens und Sterbens fortwährend in den Heiligen Sakramenten mitgeteilt würden. Daher sandte Er uns die dritte Göttliche Person, den liebevollen Gnadenspender, GOTT den Heiligen Geist.
Und wer wollte all die Gaben und Gnaden angeben, die uns dieser Allerbeste Tröster fortwährend spendet? Wie oft hat Er dir vielleicht schon von neuem die Kindschaft GOTTES geschenkt durch das Heilige Bußsakrament?
Verdient nun eine so unbegreiflich große Liebe des HEILIGEN DREIEINIGEN GOTTES nicht unsere ganze Gegenliebe? Müssen wir nicht in Wahrheit gestehen, wir können die ALLERHEILIGSTE DREIFALTIGKEIT nie genug lieben? Lasst uns deshalb der Mahnung der Heiligen Schrift fortwährend immer mehr zu entsprechen suchen: „Du sollst den Herrn, deinen GOTT, lieben aus deinem ganzen Herzen, aus deiner ganzen Seele, aus deinem ganzen Gemüte und aus allen deinen Kräften.“ (Mark. 12, 30.)
Willst du, christliche Gattin, dieses wirklich tun, oder mit anderen Worten, willst du wahrhaft fromm sein, so musst du vor allem das Gebet lieben und fleißig üben. Denn das Gebet ist die Sprache der Liebe zu GOTT; es ist der natürliche Ausdruck der Religion und der Liebe GOTTES. Deshalb verrichte täglich dein Morgen-, Abend- und Tischgebet andächtig. Morgens und öfters im Tage erneuere die gute Meinung: Alles zur größeren Ehre GOTTES! So machst du alles zu ewigem Golde für den Himmel. Empfange regelmäßig und oft die Heiligen Sakramente und gehe, wenn möglich, auch werktags zur Heiligen Messe und lass keinen Tag vorübergehen, ohne für deine Gatten und deine Angehörigen etwas zu beten. Verrichte oft während des Tages Stoßgebetlein. In Versuchungen denke an Tod, Gericht, Himmel und Hölle, und sei immer bereit, eher zu sterben, als eine Todsünde zu begehen.
Solltest du aber je, was GOTT verhüte, das Unglück haben, schwer zu sündigen, so säume nie, durch sofortige vollkommene Reue und baldige Beichte deine Seele zu reinigen. Denn im Stande der Todsünde kannst du dir keine Verdienste für den Himmel erwerben, und du schwebst in der allergrößten Gefahr, für alle Ewigkeit ganz unglücklich zu werden.
Sorge auch dafür, dass alle deine Angehörigen ihre tagtäglichen Gebete andächtig verrichten, und soviel als möglich gemeinsam, und das wenigstens an den langen Winterabenden das Gnadenvolle Lieblingsgebet der lieben Muttergottes, der Heilige Rosenkranz, gemeinsam gebetet werde. Tu alles, was du kannst, damit die Gebote GOTTES und der Kirche in deinem Hause immer recht treu beachtet werden, und geh in allem immer mit einem musterhaften Beispiele voran. Lass eifrig aus Katholischen Erbauungsbüchern oder einem religiösen Wochenblatte vorlesen, um dich und deine Angehörigen im Heiligen Glauben zu befestigen und zu stärken. Dulde aber niemals, dass ein unpassendes Buch oder Blatt sich in deinem Hause befindet.
Eine gute Gattin wird es nicht unterlassen, mit ihrer ganzen Familie den schönen Maimonat der lieben Himmlischen Mutter zu weihen und gebührend zu feiern. Vor allem bestehe die Feier in folgenden vier Punkten:
1. Die Sorge dafür, dass ein Bild oder eine Statue der Muttergottes während des ganzen Monats mit Blumen und Kerzen beschmückt sei.
2. Sie verrichte mit ihrer Familie vor diesem mit Blumen geschmückten Bilde täglich wenigstens ein kurzes Gebet.
3. Sie beteilige sich mit ihren Angehörigen so viel als möglich an der Maiandacht, die in der Kirche gehalten wird.
4. Sie nehme sich gleich im Anfange des Monats vor, Maria zuliebe irgend einen bestimmten Fehler zu bekämpfen. Jeden Morgen erneuere sie diesen Vorsatz und erforsche sich jeden Abend, wie sie ihn gehalten hat.
Auf dieselbe Weise wird die gute Gattin im Junimonate zu Ehren des Liebevollsten Herzens Jesu verfahren.
Ziere die Wände deiner Wohnung mit religiösen Bildern, besonders mit dem Bilde des Heiligsten Herzens Jesu, Seiner Unbefleckten Mutter und des Heiligen Joseph. Das altehrwürdige Weihwasserkesselchen an der Türe soll dem Ein- und Austretenden zu einem frommen Kreuzzeichen Gelegenheit geben. Am Ehrenplatze aber muss das Bild des Gekreuzigten hängen zum Zeichen, dass der aus Liebe zu uns gekreuzigte Erlöser der Mittelpunkt des Hauses ist.
Leite deine Angehörigen an, GOTT Vater, den Schöpfer der Welt, den Heiligen Geist, den Liebevollen Gnadenspender und Allerbesten Tröster, das Heiligste, Dankbarste und Gütigste Herz Jesu, die liebe Gottesmutter und den Heiligen Joseph recht innig zu verehren, und geh ihnen mit gutem Beispiele voran. Empfiehl dich und dein ganzes Haus der Heiligen Familie und folge ihr als deinem Vorbilde in allen Tugenden immer mehr nach!

Fortsetzung folgt!
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Antw:Die gute Gattin und Mutter. Ein Katholisches Lehr- und Gebetsbuch.
« Antwort #17 am: 26. Februar 2013, 13:58:46 »
XIX.
Denke immer an die hohe Würde
einer guten Mutter!
Der grausame ägyptische König Pharao hasste die Israeliten und erließ darum den unmenschlichen Befehl, alle Knäblein, die ihnen geboren würden, zu töten. Der kleine Moses, der später so außerordentlich Großes für GOTT und sein Volk wirkte, wurde drei Monate lang von seiner Mutter verborgen gehalten. Als sie ihn aber nicht mehr länger verheimlichen konnte, nahm sie ein Binsenkörbchen, überzog es mit Harz, legte das Kind hinein und setzte es im Schilfe des Nilflusses aus an einer Stelle, wo die Tochter des Königs oft vorbeizugehen pflegte. In der Nähe aber blieb die Schwester des kleinen Moses, um den Ausgang der Sache abzuwarten. Siehe, da kam die Tochter des Pharao, und als sie das Kindlein fand, erbarmte sie sich desselben. Auf ihren Befehl beeilte sich die Schwester, eine hebräische Mutter, welche den Knaben ernähren sollte, zu holen, und sie rief die eigene Mutter des Kindes. Ihr übergab darauf die Königstochter den gefundenen Knaben mit den Worten: „Nimm diesen Knaben und ernähre ihn für mich, und ich werde dir deinen Lohn geben.“ (2. Mos. 2, 9.)
Nicht eine Königstochter, nicht ein irdischer Fürst, sondern der König aller Könige, der Allmächtige Herr Himmels und der Erde übergibt der christlichen Mutter ihre Kinder und spricht gleichsam jedesmal, wenn Er ihr ein Kind schenkt: „Nimm dieses Kind; erziehe es für Mich und Meinen Dienst, und Ich werde dir dafür einen überaus großen Lohn geben.“
Dieses, christliche Mutter, ist deine hohe Würde, dieses deine wichtige, unermesslich hohe Aufgabe. Du sollst all deine Kinder für den Himmel erziehen. O könntest du doch recht begreifen diese deine so hohe Würde, diesen deinen so erhabenen Beruf! Das Kostbarste, was GOTT besitzt, hat Er dir in deinen Kindern anvertraut; die Hoffnung des Himmels und der Erde, Sein eigenes Ebenbild, den Preis Seines Kostbaren Blutes, den Tempel des Heiligen Geistes hat Er deiner Obsorge übergeben, damit du jedes deiner Kinder nährest, (Die Mutter soll ihre Kinder, wenn es eben möglich ist, selbst ernähren; wie die Ärzte versichern, wird die Gesundheit sowohl von Mutter als Kind dadurch bedeutend gefördert. Ist aber dieses gar nicht möglich, so sei man doch möglichst vorsichtig in der Auswahl der Amme. Wie manchmal haben Kinder geistiges und leibliches Verderben von den Ammen eingesogen!) schützest und erziehest zu einem wahrhaft guten, braven Menschen und zum Erben des Himmelreiches.
Welch eine hohe Würde! Welch ein erhabener Beruf!
Vergiss, christliche Mutter, diese deine hohe Würde niemals! Die folgenden Belehrungen sollen dir helfen, sowohl deine Kinder gut zu erziehen, als auch alle deine übrigen großen Pflichten, die du als Familienmutter hast, treu zu erfüllen, damit du so deinem so ehrwürdigen Namen alle Ehre machst.

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Antw:Die gute Gattin und Mutter. Ein Katholisches Lehr- und Gebetsbuch.
« Antwort #18 am: 28. Februar 2013, 14:04:39 »
XX.
Die größte Wohltat für ein christliches Kind
ist eine fromme Mutter!

„Die größte Wohltat,“ sagt der Hochselige Bischof Freiherr von Ketteler, „die GOTT einem Menschen in der Natur zuwenden kann, ist ohne Zweifel das Geschenk einer wahrhaft christlichen Mutter. Ich sage nicht eine zärtliche, liebevolle Mutter; denn wenn die Mutter selbst vom Geiste der Welt erfüllt ist, so ist ihre Liebe dem Kinde nicht nützlich, sondern verderblich. Aber eine christliche Mutter ist unter allen GOTTES Gaben die größte. O, wenn ich so oft in der Welt das Glück der Kinder nach dem Reichtum der Eltern schätzen höre, wie empört sich da mein ganzes Innere! Unermesslich unglücklich ist das Kind, dass eine unchristliche, glaubens- und tugendlose Mutter hat, und wenn es auch in Purpur und Seide gebettet ist; unermesslich glücklich aber das Kind, das eine wahrhaft christliche Mutter hat, und wenn es in Lumpen aufwächst und in Lumpen dem Grabe zuwankt.
Mit einem großen christlichen Denker sage ich: Die Erziehung des Menschen wird größtenteils in den ersten sechs Jahren auf dem Schoße der Mutter vollendet. Was sich in späteren Jahren im Kinde entwickelt, hat die Mutter vielfach in den ersten Lebenstagen dem Herzen des Kindes eingepflanzt. Die Eindrücke, die in der frühesten Jugend der so weichen, biegsamen, für jeden Einfluss empfänglichen Seele des Kindes gegeben werden, werden so sehr zur andern Natur des Kindes, dass sie sich später nicht mehr verwischen lassen.
Schon hier sehen wir die Abgeschmacktheit jenes Erziehungssystems, das behauptet, der Mensch könne und müsse nur aus sich selbst entwickelt werden. Dann müsset ihr die Muttermilch vom Munde des Kindes abhalten, dann müsset ihr die Wärme des Mutterherzens vom Herzen des Kindes entfernen, dann müsset ihr das Kind zwischen vier nackten Wänden aufwachsen lassen, sonst wird es nimmermehr gelingen. Ja, Menschen die später die Würgengel und die Beglücker des menschlichen Geschlechtes geworden sind, haben oft am Herzen der Mutter den Keim zu diesen Taten eingesogen. Deshalb gilt auch vor allem der Mutter der Ausspruch des Herr: „Wer aber eines aus diesen Kleinen, die an Mich glauben, ärgert, dem wäre es besser, dass ein Mühlstein an seinen Hals gehängt und er in die Tiefe des Meeres versenkt würde.“ Kein Ärgernis kann in seinen Folgen dem Ärgernisse gleichkommen, das die Mutter dem Kinde durch die ersten schlechten Eindrücke gibt. Sie sind wie Zweige der Sünde und des Verderbens, die dem zarten Stamme eingepfropft worden und dem ganzen Stamme die Richtung geben.
Wer die Erziehung aus der Erfahrung und nicht aus der Studienbude beurteilt, wird es bestätigen können. Solange ich den Beruf habe, als Seelsorger Kinder zu beaufsichtigen, habe ich solchen Kindern, die an dem Herzen einer  schlechten Mutter gelegen, die sorgfältigste Pflege angedeihen lassen, aber noch bei keinem konnte ich mir den sicheren Trost geben, dass es von dem Verderben der Erziehung gänzlich befreit worden sei. Ja, wehe der Welt, der schlechten, unchristlichen Mutter wegen; das ist das größte Verderben, an dem wir leiden! Sie legen recht eigentlich die Axt an die Wurzel des Baumes. Sie hauchen der zarten Seele des Kindes den Geist der Welt, des Unglaubens, der Selbstsucht, der Unkeuschheit ein, an dem einst diese Blume, die GOTT gepflanzt, die Christus mit Seinem Blute getränkt, ersticken und verwelken wird. Aber so verpestend wie der Hauch der unchristlichen Mutter, wenn sie auch den Namen einer Christin trägt, auf das Kind wirkt, so Segenbringend wirkt auch der Keim, den die fromme Mutter in die Seele des Kindes legt. Wenn die Mutter schon lange im Grabe ruht, der Sohn aber von den Stürmen des Lebens hin- und hergeworfen wird und nahe daran ist, Glauben und Sitte einzubüßen, dem ewigen Verderben anheimzufallen, so wird die fromme, edle Gestalt seiner christlichen Mutter ihm noch erscheinen und ihn mit wunderbarer Gewalt auf die Bahn des Glaubens und der Tugend zurückführen.“
An der Sorge der Erziehung müssen zwar Vater und Mutter gemeinschaftlich Anteil nehmen; aber in den zarten Jahren des Kindes wird der Einfluss der Mutter bei weitem vorwiegend sein. „Unserm Geschlecht,“ sagt sehr schön Graf von Maistre, „kommt es ohne Zweifel zu, geschickte Geometer, große Geschichtsforscher, tüchtige Feldherren zu bilden; aber der sittliche Mensch muss auf den Knieen seiner Mutter in den ersten zehn Jahren gebildet werden. Hat es die Mutter sich zur Pflicht gemacht, der Stirn ihres Kindes den Göttlichen Charakter tief einzuprägen, so kann man gewiss sein, dass die Hand des Lasters ihn niemals ganz verwischen werde. Der junge Mann wird allerdings vom rechten Wege abirren können, allein er wird wieder auf den Punkt zurückkommen, von welchem er ausgegangen war, indem er an die von seiner Gottesfürchtigen Mutter erhaltenen Lehren denkt.“
Der Dichter Klemens Brentano schrieb 1836 an seine Nichte: „Die Kindergebete waren der einzige Faden, woran ich mich gerettet habe, alles andere hat nichts geholfen!“ -
Der amerikanische Staatsmann John Ramdolph bemerkt: „Ich wäre ein Gottesleugner geworden, wenn mich nicht etwas zurückgehalten hätte, nämlich die Erinnerung an die Zeit, da meine selige Mutter meine kleinen Hände in die ihren nahm, mich niederknieen und beten ließ: Vater unser, der Du bist in dem Himmel!“
Der Gesellenvater Kolping erklärt: „Wisst ihr, was mich inmitten aller Verderbnis aufrecht erhalten hat? Ich habe eine arme Mutter gehabt, aber eine Mutter, von der ich nichts gesehen und gehört, was ich nicht hätte ehren müssen. Wenn die Versuchung sich mir nahte, dann dachte ich an meine fromme Mutter, - und der Versucher wich von dannen. Und seit sie gestorben, ist mir erst klar geworden, was ich ihrer Erziehung und ihrem Gebete zu verdanken habe!“
Zu Adams, dem großen amerikanischen Präsidenten, sagte einst ein Herr: „Nun weiß ich, wie sie der Mann geworden, der sie sind.“ - „Wieso?“ - „Ich habe die Briefe gelesen, die ihre Mutter an den Sohn geschrieben hat.“
Thateaudriand, ein französischer Schriftsteller des vorigen Jahrhunderts, bekannte nach seiner Bekehrung: „Ich verdanke meine jetzige christliche Überzeugung einzig und allein dem Gebete und der Mahnung meiner ehrwürdigen Mutter!“
Ein unglückliches Mädchen, das lieber freiwillig sterben wollte, als durch ein unkeusches Leben sich sein Brot verdienen, schrieb am Tage vor ihrem Tode: „Ich kann die Bahn der Sünde und des Lasters nicht betreten, denn meine arme tote Mutter sieht aus dem Jenseits auch mich herab.“
Ist´s nicht genug mit diesen Beispielen? Wer wollte nun noch in Zweifel ziehen, dass für jedes Kind unter allen Gottesgaben eine christliche Mutter die größte ist! Ohne allen Zweifel überglücklich ist das Kind, das an der Seite einer braven, verständigen, wahrhaft frommen Mutter heranwächst, einer Mutter, die es mit der so hohen Aufgabe, mit dem so wichtigen Amte der Kindererziehung recht ernst und gewissenhaft nimmt. Ein solches Kind kann dem lieben GOTT für diese größte Wohltat nicht dankbar genug sein.

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Antw:Die gute Gattin und Mutter. Ein Katholisches Lehr- und Gebetsbuch.
« Antwort #19 am: 05. März 2013, 16:14:27 »
XXI.
Vergiss nie die hohe Würde deines Kindes!

Willst du als gute Mutter all die Opfer, welche eine gute Kindererziehung verlangt, immer freudig und treu bringen, so musst du der hohen Würde deines Kindes fortwährend eingedenk sein.
Welche Würde hat denn ein christliches Kind?
Ein christliches Kind ist das herrlichste, edelste, vollkommenste Geschöpf auf Erden, es ist ein Ebenbild GOTTES, der Preis Seines Blutes, ein Tempel des Heiligen Geistes, ein Kind GOTTES und ein Erbe des Himmels.
Das Kind ist also zunächst ein Ebenbild GOTTES, des Unendlichen Weltenschöpfers, des Ewigen, des Unsterblichen, des alles Erhaltenen und Allweise Regierenden GOTTES. Der Sonne Licht blendet unser Auge, die Millionen und abermals Millionen von Sternen sehen wir staunend und bewundernd, das unermessliche Weltmeer erfüllt uns gleichzeitig mit Erstaunen und Entzücken; die Werke menschlicher Kunst betrachten wir als ausgezeichnete Leistungen; selbst vor der Tiere Schaffen und Treiben und vor dem Pflanzenreiche stehen wir voll Bewunderung: Und doch, was ist all das gegen ein einziges Kind, das GOTT nach Seinem Ebenbild erschaffen hat? Was sind alle anderen Schöpfungen gegen ein einziges mit Verstand und Vernunft begabtes Kind? Alle übrige tote Materie oder doch nur unverständige und vernunftlose Wesen. Das Kind allein ist ein lebendiges und vernünftiges Geschöpf.
Wenden wir unsern Blick hin, wohin wir wollen, überall sehen wir Treiben und Schaffen, überall Bewegung; aber all dieses Treiben und Schaffen, all diese Bewegung geschieht nach ewigen, unabänderlichen, von GOTT gegebenen Naturgesetzen, nirgends bewusste Selbstbestimmung. Sonne, Mond und Sterne verherrlichen GOTT. Meere und Flüsse, Berge und Täler verkündigen GOTTES Ruhm, Tiere der Erde, Fische des Meeres, Vögel des Himmels, Bäume des Waldes und Blumen des Feldes Preisen Seine Herrlichkeit: Alles aber aus Notwendigkeit, aus innerem, unbewussten Drange, nichts, nichts mit Freiheit. Nur der Mensch, das Kind kann tun und lassen, was es will, nur es allein kann GOTT Verherrlichen freiwillig und mit Bewusstsein, es allein besitzt freien Willen.
Betrachten wir alle Dinge, Himmel und Erde: Sie sind heute da und erfüllen uns mit Staunen und Bewunderung. Wie lange werden sie noch Dasein haben? Darauf wissen wir keine Antwort, das weiß nur Derjenige, welcher sie alle erschaffen hat, erhält und regiert; aber was wissen wir: Alles wird eines Tages vergehen, Himmel und Erde, wie die Heilige Schrift sagt, werden vergehen: Nur allein der Mensch, das Kind kann nicht vergehen, es lebt ewig, es hat eine unsterbliche Seele. Wenn alles Irdische vergangen sein wird, dann lebt die vernünftige, freie, unsterbliche Kinderseele noch fort. Welche Größe, welche Würde besitzt somit das Kind, da es nach dem Ebenbilde GOTTES erschaffen ist, da es mit Verstand, freiem Willen und mit einer unsterblichen Seele ausgestattet ist! „Die anderen Geschöpfe,“ sagt der Heilige Augustinus, „sind nur die Fußstapfen GOTTES, der Mensch ist der Ausdruck, das Bild GOTTES.“
In berühmten Bildergalerien befinden sich Bilder, die staunenerregende Summen gekostet haben, so hat zum Beispiel das Berliner Museum im Jahre 1884 ein Gemälde Dürrers von einer Nürnberger Familie um eine Million Mark gekostet. Und doch ist ein solches Bild von einem sterblichen Menschen gemacht, es ist, wenn auch noch so kunstvoll, nur auf Leinwand hingemalt und ohne Leben. Ein Kind dagegen ist ein lebendiges Porträt GOTTES, von Ihm Selbst gleichsam mit aller Sorgfalt verfertigt. Was Wunder, wenn deshalb das Kind einen solchen Wert hat, dass es mit allen Schätzen der Welt, mit allen Diamanten und Edelsteinen, mit allem Gold und Silber, nicht zu bezahlen ist! Denn GOTT Selbst, der alle Dinge nach dem eigentlichen Werte abschätzt, hat nicht ein noch so großes irdisches Gut hierfür hingegeben, sondern Sich Selbst bis zum letzten Tropfen Seines Kostbaren Blutes. Wie hoch, wie unendlich hoch muss somit ein Kind in den Augen GOTTES stehen! Welch ein wertvoller Schatz muss doch ein Kind sein! Scheint es nicht, als wenn ein Kind gerade soviel wert sei, als GOTT Selbst? Denn GOTT Selbst ist zur Erlösung des Kindes des qualvollsten Kreuzestodes gestorben.
Höher noch erscheint uns die Würde des Kindes, wenn wir betrachten, dass es bei der Taufe zu einem Tempel des Heiligen Geistes umgestaltet wurde, ein Kind GOTTES geworden und zum Erben des Himmels eingesetzt ist. Wer vermöchte die Herrlichkeit und Würde einer Seele zu beschreiben, die durch die Taufe des Heiligen Geistes, der Lieblingsaufenthalt der Heiligsten Dreifaltigkeit geworden ist? Und wer könnte erst nach Gebühr schildern, was das heißt, in Wahrheit ein Kind GOTTES sein? Ist dieses nicht die höchste Würde, die einem Menschenkinde zuteil werden kann? Ist es nicht der höchste Adel, in den es erhoben werden kann? Nicht die höchste Ehre, die es erlangen kann? Sie übertrifft himmelweit alles, was sonst die Erde Schönes und Herrliches bietet. Die Würde der Göttlichen Kindheit ist so groß, so erhaben, dass wir sie nie nach Gebühr schätzen können. Dies erwägend, pflegte der Heilige König Ludwig sich Ludwig von Poissi zu nennen, da er in diesem Städtchen durch die Taufe ein Kind GOTTES geworden und diese Würde ihm über alle Würden der Welt ging.
Dieser mehr als königlichen Würde entspricht auch ein mehr als königliches Erbe. Was soll ich aber von der Größe und dem Werte dieses Erbes sagen, da es über all unsern Begriff erhaben ist und unendlich mehr wert ist, als alle Königreiche und Schätze dieser Welt? Ist daher das reichste Fürstenkind ohne die Taufgnade nicht geradezu unendlich ärmer, als das Kind des ärmsten Tagelöhners, welches durch die Taufe mit der Heiligmachenden Gnade geschmückt ist und somit ein Tempel des Heiligen Geistes, ein Kind GOTTES und Erbe des Himmels ist!
Welch hohe Würde ein Kind in den Augen GOTTES hat, ersehen wir ebenfalls daraus, dass Er jedem Kinde einen Engel, einen Fürsten des Himmels, zum beständigen Beschützer gegeben, der es vor körperlichem und geistigem Schaden bewahrt.
Tief durchdrungen von der Würde des Kindes war der berühmte Kardinalerzbischof von Cheverus. Als er eines Tages in seiner Kathedrale zu Bordaux ein Kind aus fürstlicher Familie und ein ganz armes getauft hatte, sprach er zu den Anwesenden: „Diese beiden Kinder, das Fürstenkind und das arme, äußerlich so verschieden, sind gleich groß vor GOTT, gleich würdig vor Seinen Augen, gleich teuer Seinem Herzen. Beide sind zu gleicher Herrlichkeit bestimmt, nur auf verschiedenem Wege sollen sie dahin gelangen: Das reiche durch Ausübung von Barmherzigkeit, das arme durch ein geduldiges, arbeitsames Leben. Die Tugend des einen wird die Freigebigkeit, die Tugend des andern die Dankbarkeit sein, und schon heute sollen sie ihrer künftigen Bestimmung entsprechen. Im Namen des armen will ich bitten und danken, im Namen des reichen wollen sie sich großmütig und barmherzig zeigen.“
Tief durchdrungen von der Würde des Kindes war auch Leonidas, der Vater des berühmten Origenes. Als sein Sohn von der Taufe ihm gebracht wurde, empfing er denselben am Eingange seines Hauses knieend, ihn begrüßend als ein Kind GOTTES und feierlich gelobend, für GOTT denjenigen zu erziehen, der ihm von GOTT geschenkt sei.
Tief durchdrungen von der Würde des Kindes war der große Pädagoge der selige Overberg. „Sind diese da,“ pflegte er zu sagen, „nicht GOTTES Kinder, GOTTES Lieblinge, GOTTES Erben? Sind sie nicht meines Heilandes unschuldige, unmündige Brüder, der Preis Seines Blutes, Seines Heiligen Geistes Tempel? Sind sie nicht Pflegekinder der Engel, die Freude der Eltern, die Blume der Menschheit, die Hoffnung einer besseren Nachwelt? Wie, wenn der Heiland mir erschiene, um mir Seine Lieblinge zu empfehlen, könnte und würde Er mir da nicht sagen: Sieh hier die Wundmale Meiner Hände, Meiner Füße, Meiner Seite! Durch das Blut, welches aus diesen floss, sind die Seelen erkauft, welche Ich deiner Fürsorge anvertraut habe. „Heilige dich für sie, wie Ich Mich für alle geheiligt habe.“
Welche christliche Mutter könnte nun noch blind gegen die Würde ihrer Kinder sein? Wer muss nicht unwillkürlich in seinem Herzen ausrufen: Welche Würde hat doch ein Kind? Wohl hat aber der Dichter Recht, wenn er das Kind eine herrlich blühende Au, umwogt von stürmischer See, einen Himmelsgarten auf Erden nennt. Wohl sagt daher der beliebte Volksschriftsteller Alban Stolz mit Recht: „Drei Dinge hat uns GOTT aus dem Paradiese noch gelassen: Die Sterne des Himmels, die Blumen der Erde und das Auge des Kindes.“
Christliche Mutter! Wenn schon der heidnische Philosoph Plutarch schrieb: „Maxima debet puero reverentia,“ „Die größte Achtung verdient das Kind,“ mit wieviel größerem Rechte musst du dieses dann von deinen Kindern sagen, wenn du sie im Lichte des Glaubens betrachtest? Vergiss dieses niemals, damit du desto eher all die Opfer, welche eine gute Kindererziehung verlangt, immer mit Freuden bringst!

Fortsetzung folgt!
Nie kann o Herr ich danken Dir genug!
Es soll Dir danken jeder Atemzug,
es soll Dir danken jeder Herzensschlag,
bis zu dem letzten Schlag am letzten Tag.
Es soll Dir danken jeglicher Gedanke,
nichts will ich denken als: Ich danke, danke!

 

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