• Die gute Gattin und Mutter. Ein Katholisches Lehr- und Gebetsbuch. 5 1

Autor Thema: Die gute Gattin und Mutter. Ein Katholisches Lehr- und Gebetsbuch.  (Gelesen 26794 mal)

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Antw:Die gute Gattin und Mutter. Ein Katholisches Lehr- und Gebetsbuch.
« Antwort #20 am: 06. März 2013, 13:00:31 »
XXII.
Bedenke immer die Wichtigkeit und
Notwendigkeit einer guten Erziehung!

„Nichts geht über eine gute Erziehung,“ sagt Plutarch; „sie soll der Anfang, die Mitte und das Ende aller elterlichen Sorgen bilden. Glücksgüter sind trügerisch und hinfällig; die gute Erziehung ist ein unvertilgbares, Göttliches Gut!“
Was der heidnische Philosoph mit diesen Worten ausgesprochen hat, ist nur allzu wahr und gilt besonders noch für christliche Eltern. Die Erziehung ihrer Kinder ist die wesentlichste ihrer Elternpflichten, sie ist so wichtig und notwendig, dass sie die Hauptpflicht aller Eltern bildet und fortwährend ihre erste und größte Sorge sein muss. Die Wichtigkeit und Notwendigkeit einer guten Erziehung wirst du, christliche Mutter, am besten einsehen, wenn du dir den Wert eines Kindes recht klar vorführst.
So unscheinbar auch das Kind uns erscheint, so birgt es doch einen rätselhaften Wert, unschätzbar groß, wenn es für den Himmel, grauenerregend, wenn es für die Hölle sich entfaltet. Noch ist es ein unaufgedeckter Schacht, in welchem vielleicht die edelsten Metalle verborgen sind; es kann aber auch ein verdeckter Krater sein, in dem die glühende Lava kocht, die einst alles ringsum verwüsten wird. Es kann einem fruchtbringenden Stamme gleichen, der ganzen Länderstrecken seinen Segen spendet; es kann aber auch wie ein wild flutender Gießbach alles um sich verwüsten und zerstören.
Wer hätte damals, als der Heilige Vincenz von Paul, ewig glückseligen und preiswürdigen Andenkens, noch die Schafe hütete, geahnt, dass durch ihn der reichste Segen allen Völkern der Erde zu teil kommen sollte, dass er bis zum Ende der Welt die größten Gnaden spenden würde durch die von ihm gegründeten Orden der Lazaristen-Missionspriester und der barmherzigen Schwestern?
Mastai Feretti wurde allgemein für ein unglückliches Kind gehalten, als er als 12jähriger Knabe die Schule besuchte, weil er an der schrecklichen Fallsucht litt. Wem in aller Welt wäre es damals in den Sinn gekommen, dass dieser einst als Statthalter GOTTES unter dem Namen Pius IX. eine Tätigkeit entfalten würde, die in der Kirchengeschichte aller Jahrhunderte fast beispiellos dasteht, dass er allein 29 Erzbistümer und fast 200 Bistümer gründen werde?
Wer hätte noch nichts von dem ehrwürdigen Priester Don Bosco gehört, der 1888 eines Heiligmäßigen Todes gestorben ist? Durch die Bemühungen dieses Mannes wurden 160 große Anstalten für die Erziehung verwahrloster Knaben gegründet, in denen man während 50 Jahre 10 Millionen armer und verlassener Kinder zu braven christlichen Arbeitern herangebildet hat, die ohne ihn wahrscheinlich verkommen und Verbrecher geworden wären. Und die von ihm ins Leben gerufene Genossenschaft der Salesianer für die Erziehung der Jugend und Ausbreitung des Glaubens entfaltet noch fortwährend ihre sehr segensreiche Tätigkeit in Europa und Amerika.
Am 10. November 1483 wurde einer Bürgersfamilie in Eisleben ein Kind geboren, welches in der Taufe den Namen des Heiligen Martin erhielt. Damals noch bekannte ganz Deutschland und fast ganz Europa einen und denselben Glauben und war durchglüht von einer Liebe wie die Kinder einer Familie. Aber durch jenes Kind wurde halb Europa und mehr als die Hälfte Deutschlands vom Mutterherzen unserer Heiligen Katholischen Kirche losgerissen und unsägliches Elend über unser teures Vaterland gebracht, so dass Melanchthon, einer der ersten sogenannten Reformatoren behauptet, mit Strömen von Tränen könne diese unheilvolle Trennung nicht genug beweint werden.
Da siehst du, gute Mutter, welch einen Wert, welch eine Bedeutung ein einziges Kind für sich und andere haben kann!
Wenn nun auch die angeführten Beispiele mehr Ausnahmen bilden, so lehrt doch die tägliche Erfahrung, dass jeder gute Mensch die Quelle von sehr großem Segen und jeder schlechte die Quelle von unsäglichem Elende ist. Jeder gute Mensch ist ein Muster und Vorbild für seine ganze Umgebung, welche er durch Wort und Beispiel zum Guten aneifert und vom Bösen abhält. Mag er im bescheidenen Kreise oder im verantwortlichen höheren Amte wirken, er wird nur Gutes stiften und über das Grab hinaus wird sein Andenken in Segen bleiben.
Welches Unheil richtet aber ein unerzogener Mensch an! Verwöhnt, verdorben, fähig zu jeder Schlechtigkeit wird er Kreuz und Leid, Kummer und Elend über alle bringen, mit denen er in Berührung kommt. Wie oft nämlich muss man hören, dass ein unsittlicher Mensch seine ganze Umgebung verpestet, und dass eine liederliche Frauensperson Hunderte in ihre Netze zieht!
So birgt das Kind, so unscheinbar es an und für sich ist, in der Tat einen rätselhaften Wert, unschätzbar, wenn es zum Guten, grauenerregend, wenn es zum Bösen sich entfaltet. Wovon hängt den hauptsächlich das eine oder das andere ab? Es hängt hauptsächlich von der Erziehung ab.
Was wird wohl aus diesem Kinde werden? Kann man bei jedem Kinde fragen. Wird es der Trost und die Stütze, die Ehre und Freude, das Heil und das Glück oder das größte Kreuz und Leid der Eltern und Angehörigen bilden? Wird es ein nützliches oder schädliches Glied der menschlichen Gesellschaft sein? Wird es seinem Stande Ehre machen, oder zum Ärgernis einer ganzen Gegend gereichen? Wird es endlich ein Bewohner des Himmels oder der Hölle sein? Welch wichtige und folgenschwere Fragen! Die Antwort lautet: „Das Kind wird im allgemeinen das, was die Erziehung aus ihm macht.“ Die schlechte Erziehung ist es, welche die Erde mit Verbrechern und Scheusalen anfüllt, die ein unsägliches Verderben und ein entsetzliches Elend anrichten, und die sowohl sich selbst als auch viele andere zeitlich und ewig unglücklich machen. Die gute Erziehung aber ist es, welche eine unversiegbare Quelle aller Tugenden enthält, die Erde mit Wohltätern der Menschheit und den Himmel mit Heiligen bevölkert.
Wie wichtig und notwendig ist daher die Erziehung zum Guten! Diese ist aber zunächst und vorzüglich in die Hände der Eltern gelegt, und diese können, wie der Töpfer seine Gefäße, das Leben der Kinder gestalten. „Die Herzen der Kinder sind wie Wachs, es lässt sich das Gute und Wahre ebenso leicht, als das Böse und Falsche in dieselben drücken. Die Kinder sind jungen Bäumchen ähnlich, denen man in der ersten Jugendzeit leicht eine gerade Richtung geben kann.“ „Wachsen sie krumm,“ sagt der Heilige Vincenz Ferrerius, „so hat eigentlich nicht der Baum, sondern der Gärtner die Schuld, weil es in seiner Macht stand, und auch Pflicht für ihn war, das Bäumchen gerade zu richten.“ -
Was vom Gärtner und Baume hier gesagt wird, gilt ganz genau von den Eltern in Bezug auf ihre Kinder. Wie wichtig und notwendig ist es darum, dass du, gute Mutter, mit deinem Gatten fortwährend alles aufbietest, um all deine Kinder gut zu erziehen!

Fortsetzung folgt!
Nie kann o Herr ich danken Dir genug!
Es soll Dir danken jeder Atemzug,
es soll Dir danken jeder Herzensschlag,
bis zu dem letzten Schlag am letzten Tag.
Es soll Dir danken jeglicher Gedanke,
nichts will ich denken als: Ich danke, danke!

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Antw:Die gute Gattin und Mutter. Ein Katholisches Lehr- und Gebetsbuch.
« Antwort #21 am: 07. März 2013, 21:58:05 »
XXIII.
Befolge immer treu die Grundsätze
der christlichen Erziehung!

Die Erziehung wird mit vollem Rechte die Kunst der Künste genannt. Je schwieriger nun dieselbe ist, umso wichtiger ist es, dass du, gute Mutter, dir die wahren Grundsätze der christlichen Erziehung wohl merkest und sie immer treu befolgest. Diese wahren Grundsätze sind enthalten in folgendem Satze: „Von frühester Jugend an leite die Kinder zum Guten an, und halte sie vom Bösen ab, und zwar: Durch Angewöhnung, Belehrung, Belohnung, Strafe, der regelmäßig die entsprechende Warnung und Drohung vorhergegangen sein muss, durch fleißiges Gebet und gutes Beispiel.“
I. Die Angewöhnung kann nicht früh genug geschehen, denn: „Jung gewohnt, alt getan.“ Was man oft tut, das wird zur Gewohnheit, und was zur Gewohnheit geworden ist, das lässt sich nur schwer wieder ablegen. Denn Kinder (Von besonderer Wichtigkeit ist es, dass gerade das erste Kind mit aller Sorgfalt recht gut erzogen wird, denn nach ihm werden sich seine jüngeren Geschwister richten und bilden.) vom zartesten Alter an stets zu allen Tugenden, welche eine Zierde der Jugend bilden, angehalten werden, so werden ihnen diese zur zweiten Natur; sie wachsen als gute und tugendhafte Christen heran, ohne dass es nötig ist, sie lange und viel zu ermahnen und zu bestrafen. Dies erspart den Eltern viel Verdruss, den Kindern Rügen und Strafen, und das schöne Verhältnis, welches zwischen Kindern und Eltern herrschen soll, wird nicht getrübt.
Damit aber die Kinder von der frühen Jugend zum Guten angeleitet und vom Bösen abgehalten werden können, muss eine aufmerksame, beständige und genaue Aufsicht geübt werden. Diese Aufsicht muss in frühester Kindheit beginnen, und sie muss ohne Unterbrechung fortgesetzt werden. Vor allem muss die Mutter bei der Angewöhnung auf folgendes sehen:
1. Dulde von frühester Kindheit an keinen Eigensinn, sondern verlange immer einen schnellen und freudigen Gehorsam. (Sieh Kapitel 25.)
2. Bekämpfe den Zorn und die Rachsucht, erziehe die Kinder zur Versöhnlichkeit und dulde keinen Zank und Streit, keine Feindschaft unter ihnen. (Sieh Kapitel 26.)
3. Meide allen verderblichen Scherz! Lache zum Beispiel nicht, wenn die Kinder zum Scherze dich und andere schlagen, oder freche, unpassende Antworten geben. Dulde keine tückischen Spässe, welche gefährlich werden können, weder von deinen Kindern noch sonst von jemand; zum Beispiel jemand erschrecken, im Finstern oder sonst unvermutet einem etwas in den Weg legen oder halten, damit er fallen soll; den Stuhl zurückziehen, worauf man sich setzen will und so weiter. Durch dergleichen Spässe ist schon oft ein großes Unglück geschehen.
4. Unterdrücke jeglichen Neid und jede Missgunst! (Sieh Kapitel 27.)
5. Leite deine Kinder zur Verträglichkeit, Dienstfertigkeit und Nächstenliebe an; halte sie an, dass sie sich untereinander vertragen, dass bei einem erhaltenen Geschenke das eine Kind dem andern gern etwas mitteilt, und dass sie sich mit Freuden gegenseitig einen Dienst erweisen! Erziehe sie zur Artigkeit und Höflichkeit, auch gegen Dienstboten. Verlange, dass sie um alles, was sie haben wollen, schön bitten und für alles, was sie von Eltern, Geschwistern, Dienstboten oder fremden Personen erhalten, hübsch danken. Leite sie an zur Barmherzigkeit, besonders gegen Arme, Kranke, alte Leute, Krüppelhafte und Geistesschwache! Falls diese um ein Almosen bitten, sollen im allgemeinen die Kinder es überbringen. Besuchen Vater oder Mutter einen Armen oder Kranken, so sollen sie die Kinder, wenn nicht gewichtige Gründe dagegen sprechen, mitnehmen, damit diese so Not und Elend mancher Menschen sehen und lernen, mit ihnen Mitleid zu haben und gegen den lieben GOTT dankbar zu sein, der sie vor einem solchen Unglück bewahrt hat. Bestrafe alle Tierquälerei und Zerstörungssucht!
6. Bekämpfe die Lügenhaftigkeit! (Sieh Kapitel 28.)
7. Erziehe deine Kinder zur Demut und mache sie nicht selbst hoffärtig und eitel durch unvernünftige Kleiderpracht und unvorsichtiges Lob. Zu anderen sollst du im allgemeinen nicht lobend über deine Kinder sprechen, wenn diese zugegen sind.
8. Reize nicht die Gaumenlust der Kinder und dulde nicht, dass sie unmäßig und wählerisch im Essen werden. Leite sie zur Mäßigkeit, Enthaltsamkeit und Genügsamkeit an, und du wirst sie glücklich machen. Gib ihnen kein Geld für Naschwerk, halte sie vom Genusse aller geistigen Getränke möglichst fern und bekämpfe die ungezügelte Vernügungslust, welches ein Krebsübel unserer Zeit ist. Erziehe sie zur Sparsamkeit, zur Einfachheit in Kost und Kleidung und zur unschuldigen Fröhlichkeit. Heiterkeit und Frohsinn ist sowohl ein Zeichen von Gesundheit als auch von kindlicher Unschuld. Daher soll man sich freuen, wenn die Kinder munter und fröhlich sind, mag auch ihr geräuschvolles Spiel und ihr kindlicher Mutwille uns zuweilen lästig werden; nur gegen Unarten schreite man immer kräftig ein.
9. Bewahre deine Kinder vor Betrügen und Stehlen! Erziehe sie zur Redlichkeit im Kleinsten, lass das Kind selbst zurücktragen, was es in einem Geschäfte zu viel bekommen hat, und befiehl ihm, wenn es etwas gefunden hat, sich nach dem Eigentümer zu erkundigen, um es zurückzugeben.
10. Leite deine Kinder zur Arbeitsamkeit und Pünktlichkeit an! Gewöhne sie an eine passende Beschäftigung, übertrage ihnen schon im frühen Alter kleine, leichte Arbeiten und Dienstleistungen, welche ihrem Alter und Stande angemessen sind, ohne ihnen jedoch die notwendige Erholung und die Zeit zum Spielen (Sollen die Kinder auch Spielzeug haben? Gewiss, aber nicht zu vielerlei und nur passendes. Zu derselben Zeit sollen sie nur ein Spielzeug haben, und die übrigen sind stets in einer gewissen Ordnung aufzubewahren. Dadurch werden die Kinder an Ordnung gewöhnt, und dem Verschwenden und mutwilligen Verderben wird vorgebeugt. Die allereinfachsten Spielsachen sind die besten; dieselben müssen fest und dauerhaft sein. Auch hier vermeide man den übertriebenen Luxus; denn es ist dem Kinde wirklich einerlei, ob sein Spielzeug 20 Pfennige oder 20 Mark gekostet hat. Im Sommer verschaffe man den  Kindern einen Sandhaufen, und gebe ihnen einige Blechlöffel, eine kleine Schaufel und einen kleinen Schubkarren. Die Kinder werden nicht müde, sich damit zu beschäftigen. Ein passendes Spielzeug für Knaben sind ferner Baukasten mit verschieden gesägten Hölzchen oder regelmäßig geformten Steinchen, während für Mädchen Puppen und Puppenwagen das passendste Spielzeug sind. Aber ein schlecht gewählten und unpassendes Spielzeug ist die Peitsche. Denn was soll ein Kind mit der Peitsche? Ein solches Spielzeug bringt nur Schaden mit sich für das Kind. Durch das Spielen mit der Peitsche gewöhnt sich das Kind an Lärm, an Herumschlagen und Geschrei, ja an Misshandlung anderer. Zuerst schlägt der Knabe sein Steckenpferd, dann den Stuhl, den Ofen, bald aber alles, was in seiner Nähe ist, unschuldige Tiere, seine Kameraden, Geschwister und so weiter. Statt gutherzig und sanft zu werden, wird das Kind ausgelassen und roh. Darum fort mit diesem Spielzeug aus der Kinderstube!) zu nehmen. Die Spielzeit muss aber mit zunehmendem Alter immer mehr beschränkt werden und immer mehr einer verständigen, regelrechten Arbeit Platz machen. Bei jeder Beschäftigung, die du den Kindern anweisest, halte darauf, dass sie zur bestimmten Zeit verrichtet und nicht vergessen wird. Gerade diese erste Gewöhnung an Pünktlichkeit und Arbeitsamkeit ist den Kindern oft fürs ganze Leben von größtem Nutzen.
11. Erziehe deine Kinder zu einer gediegenen Frömmigkeit! (Sieh Kapitel 29.)
12. Wache sorgfältig über die Unschuld der Kleinen und der Großen und halte streng auch bei den kleinen Kindern auf äußere Schamhaftigkeit. (Sieh Kapitel 30.)
Mit der Angewöhnung ist oft, besonders wenn die Aufsicht nicht eine Aufmerksame und beständige war, eine Abgewöhnung verbunden. Diese muss fest und beharrlich durchgeführt werden, bis das Übel beseitigt ist. Weil aber bekanntlich das Ablegen einer schlechten Gewohnheit immer mit sehr großen Schwierigkeiten verbunden ist, so mögen doch die Eltern und überhaupt alle, die das wahre Wohl der Kinder anstreben, alles aufbieten, damit diese nur gute Gewohnheiten sich aneignen. Denn sorgt man dafür, dass die Kinder niemals zu tun anfangen, was sie irgend einmal zu tun aufhören müssen, so erspart man ihnen die große Schwierigkeit des Ablegens und Abgewöhnens.
II. Mit der Gewöhnung ist die Belehrung zu verbinden, wodurch das Kind lernt, was recht und unrecht ist, was es tun und was es meiden soll. Die Belehrung muss zur richtigen Zeit und mit wohlüberlegten Worten (So darf eine Mutter aus falscher, törichter Scham es nicht unterlassen, ihrer Tochter zur Zeit, wo das monatliche Unwohlsein zum ersten Mal eintritt, die nötige Belehrung zu geben, indem sie dieselbe mit der Versicherung beruhigt, dass diese Erscheinungen in diesem Alter bei allen Mädchen eintreten und von da an sich jeden Monat wiederholen. Darauf gibt sie ihrer Tochter an, wie sie sich hierbei zu verhalten hat. Zugleich sagt sie ihr, darüber spricht man nicht mit andern, und wenn andere das tun wollten, so dürfe sie nicht davon wissen wollen und solche mit aller Entschiedenheit als gefährliche Menschen meiden.) gegeben werden; sie soll nicht in Gestalt von Strafpredigten geschehen, ein Wort hier, eine Ermahnung dort, lässt sich leicht an Vorkommnisse und Begebenheiten anknüpfen. (Wenn zum Beispiel bei einem schweren Gewitter dem Kinde von der Majestät und der Allmacht GOTTES gesprochen wird, und wie Er es allein in der Hand habe, dass kein Unglück durch Blitz und Hagelschlag geschehe, so wird diese Belehrung ganz anders die Willigkeit zur Anbetung und Anrufung GOTTES nahelegen, als wenn dasselbe gesagt würde im Verlauf des Unterrichts des Katechismus. Desgleichen lässt sich dem Kinde eine sehr eindringliche Belehrung geben, wenn es gerade eine Leiche gesehen hat, oder eines seiner Eltern gefährlich krank ist. Ähnlich so die Belehrung über bestimmte Sünden, welche gerade vor den Augen und Ohren eines Kindes in ihrer vollen Hässlichkeit und ihren Folgen sich gezeigt haben, zum Beispiel Schlägerei oder große Betrunkenheit. Soll die Belehrungen sich festsetzen und wirksam werden, so ist besonders alles breite Schwätzen zu vermeiden. Ein Kind kann keine weitläufigen Erörterungen verdauen.)
Damit aber die Belehrung über das Schädliche, Gefährliche und Verbotene auch dann von Kindern Heilig gehalten werde, wenn sie sich ohne Aufsicht wissen, so soll man sie oft erinnern, dass GOTT überall zugegen ist, alles sieht, was man tut, auch wenn man alleine ist, dass Er unsere geheimsten Gedanken kennt, das Gute belohnt und das Böse bestraft, und dass ihr Schutzengel immer gegenwärtig ist; man soll sie beharrlich anhalten, die Selbstüberwindung auch in erlaubten Dingen zu üben. Derartige Übungen können schon bei kleinen Kindern angewandt werden, indem man sie anleitet, solches, welches für die Gesundheit weder notwendig noch besonders nützlich ist, sondern nur der Sinnlichkeit schmeichelt, aus Liebe zu GOTT, um den leidenden Seelen im Fegfeuer zu Hilfe zu kommen, für einige Zeit nicht zu essen, oder weniger davon zu nehmen.
III. Die Belohnung und das mit Klugheit gespendete Lob sind ebenfalls recht wirksame Mittel, um das Kind vom Bösen abzuhalten und zum Guten anzuspornen. Wenn auch beides nicht zu oft angewandt werden soll, sondern nur dann, wenn es verdient ist, so muss man doch sagen, dass die Macht der Belohnung und des Lobes oft unterschätzt und zu wenig berücksichtigt wird. Haben die Kinder es wirklich verdient, so muss man ihnen auch die Freude der Anerkennung bereiten. Doch in den meisten Fällen ist das belohnende Wort der Eltern vollständig genügend; mit anderen Belohnungen, wie Geschenken, sei man sparsam. Aber nicht oft genug kann man die Kinder hinweisen, dass der liebe GOTT und ihr Schutzengel große Freude an ihnen haben, wenn sie recht folgsam und brav sind, und dass sie hierfür einen hundertfältigen Lohn im Himmel erhalten werden. Von großer Wichtigkeit ist es, dass man sich wohl hüte, durch Loben oder Belohnen die Kinder eitel und stolz zu machen.
Ebenso sehr muss man sich in acht nehmen, ein Kind vor dem andern zu bevorzugen. Ein parteiisches Verfahren ist eine Ungerechtigkeit; denn alle Kinder haben genau dieselben Rechte und dieselben Ansprüche. Es klingt geradezu empörend, wenn es zum Beispiel heißt: „R. ist der Liebling der Mutter,“ oder: „R. ist der Liebling des Vaters.“ Das Wort Liebling soll unter Geschwistern niemals gehört werden; es hat immer etwas Gehässiges für die übrigen Kinder. Und was wird meistens aus einem verhätschelten Liebling? Zunächst der Störenfried der Familie und der Quälgeist seiner Geschwister, und nachher oft die Schande und das größte Kreuz der parteiischen ungerechten Eltern.
Zur Belohnung sollen nicht Gegenstände genommen werden, die den Kindern schädlich sind oder zum Bösen missbraucht werden können, wie zum Beispiel Geld. Aber sehr gut kann man zur Belohnung nehmen das Nützliche und Notwendige, was man den Kindern verschaffen muss oder will: Neue Bücher, Spielsachen, Besuche bei Verwandten und so weiter. Stellt man dieses den Kindern in Aussicht für ihr gutes Betragen und ihren Fleiß, so wird all dieses ihnen doppelt lieb und wert sein.
Lässt sich aber ein Kind durch Lob und Belohnung nicht zum Guten anhalten und vom Bösen abhalten, dann ist seine Bestrafung eine unerlässliche Notwendigkeit. Der Bestrafung soll aber die Androhung der Strafe vorhergehen.
IV. Die Drohung darf vor allem nicht zu häufig angewandt werden, sondern nur dann, wenn es notwendig ist. Was aber angedroht wird, muss, falls das Gebot oder Verbot übertreten wird, immer unfehlbar sicher ausgeführt werden. Daher darf man nie unbesonnen und ohne Überlegung drohen, nie mit etwas, was unwahr ist, zum Beispiel bei kleinen Fehlern: „Du kommst in die Hölle,“ nie mit etwas, was man nicht erfüllen kann oder will. So ist es ganz verkehrt, wenn Eltern drohen: „Ich schlag dich tot, ich jag´dich fort,“ und so weiter; denn erstens lügen sie, und zweitens verursachen solche Drohungen zuletzt gar keine Furcht, weil das Kind halb merkt, dass sie nicht aufgeführt werden.
Am besten ist es, keine bestimmte Strafe anzudrohen; denn man muss ja doch jeden Fall für sich allein abwägen und beurteilen, um nicht ungerecht zu werden. So möge die Mutter dem fehlenden Kinde zum Beispiel sagen: „Ich habe dich schon oft ermahnt, du sollst dieses nicht tun, und du tust es doch immer wieder; wenn es noch einmal vorkommt, erhältst du eine Strafe, damit du dann sicher daran denkst.“ Was sie nötigenfalls anordnen werde, sagt sie nicht, denn es wird sich nach den Umständen richten, und wenn das Kind fragte: „Welche Strafe werde ich denn erhalten?“ so müsste die Mutter ihm erwidern: „Das wirst du sehen“ - Bei einem solchen Verfahren setzt man sich nicht der Gefahr aus, unüberlegte Strafen anzudrohen, die man niemals ausführen darf oder kann.
Es gibt auch Mütter, die nicht anders zu drohen wissen als: „Wart, ich sag´s dem Vater.“ Diese Handlungsweise ist verkehrt; denn zunächst wird diese Drohung meistens nicht ausgeführt, und dann ist es auch unrecht, die nötige Züchtigung dem Vater immer zuzuschieben. Oder soll dieser, wenn er müde von der Arbeit nach Haus kommt und sich schon darauf gefreut hat, mit den Seinigen eine angenehme Erholungsstunde zu haben, statt dessen das traurige Geschäft der Züchtigung immer vornehmen müssen! Die Mutter muss selbst die nötige Bestrafung vornehmen, und sie darf nur dann mit dem Vater drohen und diesen zu Hilfe nehmen, wenn es gilt, bei einem sehr großen Eigensinne oder bei einem größeren boshaften Vergehen, eine körperliche Züchtigung anzuwenden, die allerdings vom Vater nachdrücklicher gegeben werden kann.

Fortsetzung folgt!
Nie kann o Herr ich danken Dir genug!
Es soll Dir danken jeder Atemzug,
es soll Dir danken jeder Herzensschlag,
bis zu dem letzten Schlag am letzten Tag.
Es soll Dir danken jeglicher Gedanke,
nichts will ich denken als: Ich danke, danke!

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Antw:Die gute Gattin und Mutter. Ein Katholisches Lehr- und Gebetsbuch.
« Antwort #22 am: 11. März 2013, 16:24:04 »
XXIV.
Befolge immer treu die Grundsätze
der christlichen Erziehung!
(Fortsetzung)
V.

Helfen die mahnenden und drohenden Worte nichts, so muss ganz notwendig zur Strafe gegriffen werden. Freilich fällt den Eltern oft schwer, ihr Kind empfindlich zu strafen, denn ihr liebevolles Herz fühlt ja doppelt die Strafen; aber sie sind im allgemeinen so notwendig, dass ohne eine jegliche Strafe eine gute Erziehung gar nicht denkbar ist. Denn wie der Weinstock, falls er gute und reichliche Früchte bringen soll, beschnitten werden muss, so dass er blutet, so muss man auch bei der Erziehung seine Zuflucht zum Bestrafen nehmen, wenn die übrigen Erziehungsmittel nicht den erwünschten Erfolg hatten.
Im Betreff der Strafe ist folgendes zu merken:
1. Körperliche Züchtigung ist nicht auszuschließen, wenn sie auch nur selten und im allgemeinen nur dann, wenn alle anderen Mittel versagt haben, zur Anwendung kommen soll. Es gibt aber gewisse Fehler, die nur durch eine angemessene körperliche Züchtigung gebessert werden können, nämlich angewohnte Lügenhaftigkeit, grober Ungehorsam, hartnäckige Fehler gegen die Sittlichkeit, anhaltender Leichtsinn und jene Roheit, die fremdes Eigentum mutwillig verdirbt und Tiere absichtlich quält. Daher rät auch der Heilige Geist mit den nachdrücklichen Worten allen Eltern, die Rute zu gebrauchen, wo es Not tut. „Schlägst du den Sohn mit der Rute, so wird er nicht daran sterben (das heißt er wird’s wohl fühlen, aber Schaden wird er nicht leiden), seine Seele aber wirst du von der Hölle erlösen.“ (Sprichw. 23, 13.) „Wer die Rute spart, hasset seinen Sohn.“ (Sprichw. 13, 24.) „Rute und Strafe geben Weisheit; der Knabe aber, dem sein Wille gelassen wird, macht seiner Mutter Schande.“ (Sprichw. 29, 15.)
2. Die Strafe soll vernünftig und gerecht sein.
a) Vernünftig ist sie, wenn sie nicht zu oft, nicht ohne Überlegung, nicht in blinder Leidenschaft angewandt wird, und wenn jede Misshandlung und Grausamkeit vermieden wird. Schlagen an den Kopf kann sehr leicht Gehirnleiden, Gehörfehler und andere Schäden zur Folge haben. Das beste körperliche Züchtigungsmittel ist und bleibt die Rute, aus dünnen, festen Reisern zusammengebunden; aber auch damit schlage man nicht auf den Kopf, sondern auf den Rücken oder in die flache Hand.
b) Gerecht ist die Strafe, wenn jede parteilichkeit (Auch die Stiefkinder dürfen nicht anders behandelt werden als die eigenen. Wer Stiefkinder übernimmt, muss ihnen wahrhaft und vollständig Vater und Mutter ersetzen; auch nicht der mindeste Unterschied darf zwischen den Stiefkindern und den eigenen Kindern bemerkbar sein, sowohl bei der Bestrafung als auch in allem übrigen.) vermieden wird und die Strafe der Größe der Fehler entspricht. Niemals darf ein Kind gestraft werden, wenn es nur durch Unwissenheit oder durch ein Unglück gefehlt hat. Wenn zum Beispiel ein Kind eine Arbeit nicht recht gemacht hat, weil es dieselbe nicht besser verstand, wenn es etwas zerbrochen oder verloren hat, nicht aus Bosheit oder Mutwillen und großer Nachlässigkeit, sondern nur durch ein Unglück, so gebührt ihm dafür keine Strafe. Einem Fehler aus Unwissenheit soll nur eine Belehrung folgen; im Falle einer verzeihlichen Nachlässigkeit nur eine Erinnerung; bei großer Nachlässigkeit oder Gleichgültigkeit aber geziemt sich schon ein Tadel oder eine Drohung. Handelt es sich um Fehler aus böser Neigung oder Gewohnheit, zum Beispiel um Lügen, um Zanken, Schimpfen, Naschen, Stehlen, da darf die Strafe nicht ausbleiben, noch viel weniger, wenn sich Eigensinn oder Bosheit zeigen sollte.
Leider wird der Erfolg der Strafe oft in Frage gestellt dadurch, dass manche Eltern nicht gleichmäßig beim Strafen verfahren. Heute bei schlechter Laune bestrafen sie streng, was ein andermal bei guter Laune gar nicht bestraft worden ist. Ein solches Verfahren lässt die Strafe als ungerecht erscheinen und wirkt gegen die Eltern erbitternd.
Sollen die Strafen die gewünschte Besserung bewirken, dann müssen die Kinder ferner deutlich fühlen, dass dieselben aus Heiliger Pflicht, mit voller Gerechtigkeit, ohne Zorn und Leidenschaft vollzogen werden.
Was sollen daher die Eltern tun, wenn ein Kind durch schlechtes Betragen sie plötzlich aufgeregt und zornig gemacht hat?
Sie dürfen nicht sofort strafen, sondern sie müssen dem Kinde nur sagen: „Du bekommst deine Strafe später.“ Diese Ankündigung und die Ungewissheit, was für eine Strafe es bekommt, und die Angst davor wirken oft ebensoviel, als die Strafe selbst. Wenn der Vater oder die Mutter es dann bei vollständig wiederhergestellter Gemütsruhe nach strenger Gerechtigkeit abstraft und zuvor noch dem Kinde für seine Besserung vor einem Kreuz knieend etwas betet und ihm sagt: „Nur ungern strafe ich dich, aber der liebe GOTT verlangt es von mir,“ so wird das Kind deren Notwendigkeit erkennen und sich ohne allen Zweifel bald bessern.
Vor allem aber müssen die Eltern in der Erziehung und Bestrafung einig sein. Niemals darf Vater oder Mutter ein Kind in Schutz nehmen gegen die vernünftige und gerechte Strafe, welche Mutter oder Vater verhängen will; oft fehlen in dieser Beziehung oft die Mütter in ihrer blinden Liebe zum größten Schaden für die Erziehung. Selbst wenn der Vater auch mal zu streng strafte, so dürfte die Mutter das weinenden Kind nicht in Schutz nehmen, sondern dem Vater dieses unter vier Augen liebevoll sagen.
Ebenso wenig sollen die Eltern von Verwandten, Großeltern (Die Großeltern, unverheiratete Tanten, verwöhnen gern die Enkel. „Sie haben,“ sagt Alban Stolz, „nicht so dass Bewusstsein der Verantwortlichkeit bezüglich der Kindererziehung wie die Eltern; die Kleinen sind ihnen oft nur ein angenehmes Spielzeug und Zeitvertreib, die einzigen Wesen, bei welchen noch für abgelebte alte Personen neue Liebe vielleicht zu gewinnen ist. Darum suchen manche die Enkel an sich zu locken, indem sie deren Sinnlichkeit durch Zuckerwert, törichte Schmeichelreden und dergleichen befriedigen und ihren Unarten nicht wehren, um ihnen recht lieb zu bleiben und sie an sich zu binden. Aber auch wenn sie einigen Erziehungsernst haben, so fehlt es oft an der Kraft zu strafen. Die unmittelbare Folge hiervon ist, dass bei solchen Kindern die Liebe zu den Eltern und der willige Gehorsam abnimmt. Die Eltern sollen deshalb genau abwägen, ob mehr guter oder schlechter Einfluss auf die Kinder zu erwarten ist, wenn dieselben viel in Umgang mit einem der Verwandten kommen.“) oder Dienstboten oder zufälligen Besuchern Parteinahme für ihre bestraften Kinder dulden.
Auch dürfen Vater und Mutter den anderen Erziehern ihrer Kinder keine Hindernisse in den Weg legen, sondern sie sollen die Erziehung und den Unterricht in der Kirche und Schule tatkräftig unterstützen und mit anderen, besonders ihrem Pfarrer, bei schwierigen Fällen Rücksprache nehmen und sich bei ihnen Rat holen. Eltern, Seelsorger und Lehrer müssen immer Hand in Hand gehen, sonst können Erziehung und Unterricht nicht gedeihen. Sobald du, gute Mutter, auch nur ein Wort gegen Schule und Lehrer oder andere Erzieher sprichst, schadest du der Erziehung und dem Unterrichte deines Kindes. Es sei dir darum das Wort und die Handlungsweise der Erzieher deiner Kinder Heilig. Verstehst du in gewissen Punkten ihre Absicht nicht, so hüte dich ja um deines lieben Kindes willen, in dessen Gegenwart dich über dieselben auszulassen, sondern besprich dich mit ihnen, und du wirst sehen, dass sie das Beste mit deinem Kinde wollen.
Niemals dürfen Eltern in Gegenwart ihrer Kinder vermeintliche oder wirkliche Fehler anderer Erzieher tadeln, oder ein Kind gegen Vorwürfe und Strafen, die es im Unterrichte erhalten hat, in Schutz nehmen, sondern die Kinder müssen ein für allemal wissen: „Für jede Bestrafung, die ich in der Schule erhalte, bekomme ich zu Hause, wenn es bekannt wird, eine weitere Strafe.“
3. An GOTTES Segen ist alles gelegen. „Weder wer pflanzt, noch der, welcher begießt, ist etwas, sondern GOTT, der das gedeihen gibt.“ (1. Kor. 3, 7.) Diesen Segen GOTTES musst du, gute Mutter, über die Kindererziehung herabflehen durch das Gebet. Bete daher täglich um GOTTES Segen in der so schwierigen und so wichtigen Erziehungskunst; empfiehl jeden Tag alle deine Kinder dem Liebevollsten Gnadenspender, GOTT dem Heiligen Geist, dem Heiligsten Herzen Jesu, der lieben Gottesmutter, dem Heiligen Joseph und den Heiligen Schutzengeln deiner Kinder. Vergiss niemals, dass das beharrliche Gebet alles vermag. Verliere deshalb, gute Mutter, niemals den Mut, auch wenn es dir scheint, als ob alle deine wohlgemeinten Maßnahmen wenig oder gar keinen Erfolg hätten, sondern nimm um so eifriger zum Gebete deine Zuflucht. Schau hin auf die Heilige Monika! Sie hat 17 Jahre ausgeharrt im Gebete für ihren Sohn Augustinus. Hätte sie die Geduld verloren, so würden wir vielleicht keinen Heiligen Augustinus haben. Daher fahre du trotz aller Hindernisse und Schwierigkeiten in der Erziehung zu beten fort, verliere niemals den Mut, und der liebe GOTT wird’s wohlmachen!
Hier möchte ich an einen sehr alten, überaus schönen Gebrauch erinnern, von dem ich wünschen möchte, dass er bei allen Katholischen Familien zur Geltung komme, nämlich an den Gebrauch, dass Väter und Mütter ihre Kinder segnen. Sehr segensreich ist dieser Gebrauch. Denn erstens befestigt dieser Segen das Ansehen der Eltern bei den Kindern. Dadurch aber wird die gute Zucht und der Gehorsam in der Familie befördert. Zweitens kann leicht ein unbeachtes, allzu hartes Wort der Eltern so gutgemacht werden. Drittens ist es sehr trostvoll für die Kinder, sich von den Eltern gesegnet zu wissen, weil sie dann mit um so größerem Vertrauen auf GOTTES Schutz und Hilfe beseelt werden. Die Wirkung und Kraft des Elternsegens spricht der Heilige Ambrosius mit folgenden Worten aus: „Wer von seinen Eltern gesegnet wird, ist von GOTT gesegnet.“
Wie soll denn der Elternsegen erteilt werden? Vor dem Schlafengehen der Kinder erteilt ihnen täglich den Segen, „indem ihr,“ wie P. Zyprian Fröhlich sagt, „eure Kinder (wenigstens die Kleinen) vor euch niederknien oder in ehrerbietiger Haltung vor euch hinstehen lasset; alsdann legt ihr ihnen die rechte Hand auf´s Haupt, indem ihr dabei saget: „GOTT segne dich, mein Kind; darauf macht ihr ihnen mit dem Daumen der rechten Hand das Heilige Kreuzzeichen auf die Stirn und sprechet dabei: „Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes,“ worauf das Kind „Amen“ sagen soll und „Vergelts GOTT!“ - Das ist überhaupt der richtigere Dankesausdruck des Christen statt dem kalten „Danke“. - Manche Eltern besprengen die Kinder beim Segnen mit Weihwasser. Ihr könnt auch stillschweigend dem Kinde das Heilige Kreuzzeichen auf die Stirn zeichnen, oder das Heilige Kreuz nur über die Kinder machen, besonders dann, wenn sie nicht zu Hause sind, im Dienst, in der Stadt, in der Kaserne, über dem Meere, oder im Fegfeuer: O, der Elternsegen geht über Berg und Tal und findet die Kinder überall, wo sie sind, ja er holt eure Kinder aus dem Meeresgrunde des Verderbens, auf welchen sie durch ihre Sünden und Leidenschaften geraten sind. Sendet also euren abwesenden Kindern täglich den Heiligen Segen und schreibet unter jeden Brief an sie neben dem „Es grüßt dich,“ auch „Es segnet dich dein Vater, deine Mutter.“
4. Das wirksamste, das wichtigste und notwendigste Mittel der Erziehung ist das gute Beispiel. Alle Angewöhnungen, alle Belehrungen, alle Ermahnungen, kurz, alle übrigen Erziehungsmittel werden erfolglos bleiben, wenn die Eltern sich nicht Achtung, Liebe und Folgsamkeit bei ihren Kindern durch eigenen tadellosen Wandel bewahren und ihnen in jeder Tugend mit gutem Beispiele vorangehen. Vergeblich ermahnen sie ihre Kinder zur Verträglichkeit, zur Nachsicht oder Geduld, wenn sie selbst zänkisch, gebieterisch und ungeduldig sind und den Hausfrieden nicht zu wahren wissen. Vergebens verlangen sie von ihren Kindern Wahrheitsliebe, wenn sie selbst die Unwahrheit sagen und vielleicht sogar bei besonderen Veranlassungen ihre Kinder zum Lügen auffordern. Vergebens suchen sie ihren Söhnen und Töchtern Liebe zur Tugend und Achtung gegen die Religion und alles Heilige einzuflößen, wenn sie selbst ihre Christenpflichten übertreten, zum Beispiel Freitags Fleisch essen, die Sonntagsheiligung oder den Sakramentenempfang vernachlässigen, mit einem Worte, wenn sie selbst nicht wahrhaft tugendhaft und religiös sind. Von späterer Verführung abgesehen, werden in der Regel die Kinder das, was die Eltern sind. Zwar gibt es Ausnahmen, aber als Ausnahmen bestätigen sie nur die Regel: „Der Apfel fällt nicht weit vom Baume.“ Es wird immer wahr bleiben, dass die Kinder ihren Eltern wie von Gesicht, so auch in der Denkart und Handlungsweise ähnlich sind, dass die Kinder das Spiegelbild der Eltern darstellen.
Sehr schön sagte der Heilige Isidor: „Auf die Eltern blickt das Kind mit festem, sicherem Auge, wie der Schüler auf die vorgelegte Musterschrift. Ihr Beispiel ist die Präge, die dem zarten Herzen den Stempel aufdrückt, die Gußform, in der es seine Gestalt empfängt. Je nach dem eigenen Wandel malt die Vater- und Mutterhand in die Kinderseele das entzückende Gottesbild oder Satans häßliches Zeerbild. Von diesem Wandel hängt zumeist des kindlichen Geistes Herzensveredelung oder Entartung, wahre Bildung oder Verunstaltung ab.“ - Denn die Kinder sind nicht nur treue Nachahmer, sondern auch scharfe Beobachter.
Von dem Bischof Mermillod wird uns folgendes erzählt. Als er noch apostolischer Vikar in Genf war, besuchte er nach seiner Gewohnheit eines Abend das Allerheiligste. Nachdem er seine Andacht beendigt hatte und nach einer ehrfurchtsvollen Verbeugung vor dem Altare die Kirche verlassen wollte, trat eine protestantische Dame aus einem Beichtstuhl, wo sie sich verborgen hatte, ihm in den Weg und sagte: „Hochwürdigster Herr, wollen sie gütigst mein auffallendes Benehmen entschuldigen. Ich habe in letzter Zeit viele ihrer Predigten angehört und wollte mich nun persönlich überzeugen, ob sie selbst das auch glauben, was sie predigen. Da ich aus ihrer Haltung vor dem Altare das soeben entnehmen konnte, so wünsche ich Katholisch zu werden. Wollen sie mir hierzu gütigst die nötige Anleitung geben!“
Auffallend zwar, aber ganz vernünftig war das Verhalten dieser Dame, und geradeso beobachtet, urteilt und handelt bekanntlich die Jugend. Sie bewahrheitet vor allem das Sprichwort: „Worte belehren, Beispiele reißen hin.“ Denn kraft des Nachahmungstriebes kommt das Kind fast unwiderstehlich dazu, das Benehmen der Erwachsenen, die ihm Autorität sind, nachzuahmen. Für alle Eltern ist es deshalb Heilige Pflicht, sich selbst als Vorbild ihren Kindern hinzustellen, sie müssen sein, was die Kinder werden sollen, tun, was diese tun sollen, unterlassen, was diese unterlassen sollen. Ohne dieses Vorbild werden ihre Worte in den Wind gesprochen.
Wie das gute Beispiel das Kind zum Guten anspornt, ebenso mächtig, ja noch mächtiger reißt das schlechte Beispiel wegen unserer verdorbenen Natur es in den Abgrund des Bösen. O welch eine entsetzliche Verantwortung muss dann alle Eltern treffen, die ihren Kindern ein schlechtes Beispiel geben! Ihnen gilt ganz besonders das schreckliche Wehe unseres zukünftigen Richters: „Wehe der Welt um der Ärgernisse willen! Wehe dem Menschen, durch den Ärgernis kommt; es wäre ihm besser, dass ein Mühlstein an seinen Hals gehängt und er in die Tiefe des Meeres versenkt würde.“
Christliche Mutter, sorge dafür, dass der Liebe Heiland, der Göttliche Kinderfreund, nicht nötig hat, ein solches Wehe über dich auszusprechen wegen schlechten Beispiels und überhaupt wegen Vernachlässigung der Kindererziehung! Daher befolge immer treu die Grundsätze der Christlichen Erziehung und suche fortwährend alles zu tun, was ich dir in den folgenden Kapiteln noch ans Herz legen werde. Sei überzeugt, dass alsdann deine Kinder mit zunehmendem Verstande immer mehr einsehen, welch große Wohltaten du ihnen erwiesen hast, und das sie deshalb bis über das Grab hinaus dankbar sein und dein Andenken ihr ganzes Leben segnen werden!

Fortsetzung folgt!
Nie kann o Herr ich danken Dir genug!
Es soll Dir danken jeder Atemzug,
es soll Dir danken jeder Herzensschlag,
bis zu dem letzten Schlag am letzten Tag.
Es soll Dir danken jeglicher Gedanke,
nichts will ich denken als: Ich danke, danke!

Offline ArmeSeele

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Antw:Die gute Gattin und Mutter. Ein Katholisches Lehr- und Gebetsbuch.
« Antwort #23 am: 12. März 2013, 16:28:27 »
XXV.
Dulde niemals bei deinen Kindern
Eigensinn; gewöhne sie an Gehorsam!
Welche Freude und welches Glück für Eltern, gehorsame Kinder zu haben, die nicht bloß jedem Winke willig folgen, sondern ihnen schon von den Augen absehen, was sie wünschen, und es unaufgefordert freudig erfüllen!
Christliche Mutter! Du wünschest sicherlich, dass auch deine Kinder so folgsam werden, nun wisse, es liegt ganz in deiner Hand und in der deines Gatten, ob die Kinder so brav und willig werden: Denn der Gehorsam ist ebenso Sache der Angewöhnung, wie auch der Eigensinn.
Manche Eltern glauben, mit der Erziehung zum Gehorsam müsse man warten, bis das Kind zum gehörigen Gebrauche seiner Vernunft gelangt sei. „Es kann ja noch nicht gehorchen, es versteht´s noch nicht,“ so sprechen viele Eltern und lassen auf diese Weise den Eigensinn des Kindes immer größer werden, bis es zuletzt zu spät ist. Welch ein Unverstand! Wenn auch das kleine Kind nicht belehrt werden kann, warum es seinen Eltern folgen muss, so kann es doch sehr gut an den Gehorsam gewöhnt werden, und dieses ist von der allergrößten Wichtigkeit. Denn in der Seele des Kindes befindet sich, wenn es auch von der Erbsünde gereinigt ist, noch immer die böse Begierlichkeit. Wenn dieselbe auch durch die Heilige Taufe gemindert ist, so sind doch die bösen Neigungen und Begierden noch immer vorhanden, welche nach und nach erwachen. Werden diese nicht beizeiten unterdrückt, so schlagen sie immer tiefere und tiefere Wurzeln und arten in Gewohnheiten aus, die oft nie mehr abgelegt werden und das größte Unheil anrichten.
Ein junges Bäumchen kann leicht noch gerade gerückt werden, ist das krumme junge Bäumchen aber zu einem großen, starken, krummen Baume geworden, so kann ihn niemand mehr gerade biegen. Ebenso geht es mit den bösen Neigungen des Menschen. Unter diesen bösen Neigungen ist der Eigenwille, der Eigensinn jene, die sich am ersten zeigt und die immer stärker wird, je mehr man ihr nachgibt, und zuletzt eine solche Stärke erhält, dass sie nur mit der größten Mühe und oft gar nicht überwunden werden kann. Wie wichtig und notwendig ist es daher, dass der Eigensinn in der frühesten Jugend, sobald er sich nur zeigt, gebrochen wird.
Deshalb fordert auch die Heilige Schrift die Eltern auf, den Eigensinn ihrer Kinder so frühzeitig als eben möglich zu bekämpfen: „Lass ihnen ihren Willen in der Jugend nicht, beuge ihren Nacken und schmeidige ihre Lenden, solange sie noch jung sind.“ (Eccl. 30, 11. 12.) Denn „das Kind, dem sein Wille gelassen wird, macht seiner Mutter Schande.“ (Sprichw. 29, 15.)
„Solange sie noch jung sind,“ heißt es; denn Hirscher lehrt, „Gehorsam ist mehr als jede andere Tugend Sache der Angewöhnung.“ Christliche Mutter, beginne daher früh mit dem Brechen des Eigensinnes, weil es das Schwerste in der Erziehung ist und überhaupt nur in der frühesten Jugend gelingen kann.
„In der Wiege schon muss die Brechung des Eigenwillens anfangen, und mit dem zweiten Lebensjahre soll sie vollendet sein. Warum sind oft Eltern gezwungen, ihren widerspenstigen Sohn und ihre trotzige Tochter zu züchtigen? Nur darum, weil in den ersten Jahren dem Kinde aller Wille gelassen wurde; später wollten die Eltern den Gehorsam mit Gewalt erzwingen, aber es ging nicht mehr, es war zu spät.
Deshalb sollen die Eltern, sobald sie merken, dass das kleine Kind durch Weinen seinen Willen durchsetzen will, wo es der Mutter vernünftiger erscheint, ihm nicht zu willfahren, sein Geschrei und seine Tränen ganz unbeachtet lassen. Das Kind verlangt noch mehr Speise, - die Mutter ist überzeugt, dass es genug habe und gibt ihm nichts; - das Kind fängt an zu weinen und zu schreien, - da darf die Mutter ihm ja nichts reichen, muss es ruhig aufschreien lassen. Gibt sie nach, dann weiß das Kind, dass es durch sein Weinen etwas erreicht hat, und es wird’s nächstens immer so und noch schlimmer machen, und gar bald ist es so weit gekommen, dass das Kind der Mutter gar nicht mehr folgt, sondern die Mutter dem Willen des Kindes blind gehorcht.“
Christliche Mutter, lass daher deine Kinder vom zartesten Alter an erfahren, dass dein Wille für sie ein Zwang ist, dem sie sich absolut weder durch Bitten und Tränen noch durch Schmeicheln und Geschrei nicht zu entziehen vermögen. Wissen die Kinder, dass kein Widerstand hilft, so versuchen sie auch keinen. Wozu sich abmühen und anstrengen, wenn man vorher weiß, dass doch alles vergebens ist? Hat sich einmal in das Kind die Überzeugung eingelebt, dass es deinen Willen tun muss, so wird es sich jeden Kampf dagegen sparen und dir damit Aufregung und Verdruss. Diese Überzeugung muss dem Kinde schon in den ersten Jahren beigebracht werden und fortwährend gleichmäßig danach gehandelt werden.
Das Kind wird größer, es kann bereits sprechen und spielt recht vergnügt; nun kommt die Zeit zum Mittagessen; da möchte es lieber noch spielen - : Du darfst dich in keine Unterhaltung oder auch nur Auseinandersetzung einlassen; ob es schreit oder nicht schreit, ob es tritt, mit den Händen um sich schlägt, sich krümmt und reckt, - nichts darf dich bewegen, seinem Willen nachzugeben, es muss mit dem Spielen sofort aufhören, und bei fortgesetztem Trotze und Eigensinn muss es die Rute fühlen, wenn es auch noch so klein ist. Der Schmerz der Züchtigung schadet ihm gar nichts; sollte es deshalb allzu laut und lange weinen, so trage es ruhig in ein abgelegenes Zimmer und lass es dort, bis es sich ausgeweint hat. Fürchte dabei gar nicht, das Kind möchte sich durch ein längeres Schreien einen Schaden zufügen. Das ist gar nicht zu besorgen, wenn es ihm weh tut, wird es von selbst schon aufhören. Machen törichte Leute dir den Vorwurf: Wer kann so hartherzig sein, ein unschuldiges, kleines Kind so lange schreien zu lassen, so bleibe dabei ganz ruhig und sage ihnen höchstens: „Für mein Kind habe ich zu sorgen, und ich will es mit GOTTES Hilfe so tun, dass ich es einst vor GOTT verantworten kann.“
Hat die erste Züchtigung das Kind noch nicht gebessert, so muss bei weiteren Anzeichen von Trotz dieses Verfahren immer wiederholt werden, bis das Kind seinen trotzigen Sinn abgelegt hat. Würdest du aber seiner Laune willfahren, so würde es bald immer durch Schreien sein Köpfchen durchzusetzen suchen und notwendig eigensinnig werden.
Nicht genug kann hier betont werden, dass Vater und Mutter in der Erziehung zum Gehorsam ganz einig sein müssen. Hat die Mutter etwas befohlen, so darf der Vater, und wäre es auch nur im Scherze, den Befehl nicht tadeln oder sogar dem Kinde zuliebe aufheben. Ihm und dem Kinde soll dieser Befehl Heilig sein. Das Gleiche gilt für die Mutter. Haben Vater und Mutter verschiedene Ansichten über erteilte Anordnungen, Strafen oder sonst irgend etwas, das die Erziehung betrifft, so sollen sie sich im stillen, wenn sie allein sind, darüber besprechen, aber in Gegenwart der Kinder dürfen die Eltern nur wie aus einem Munde gebieten und verbieten, damit nicht der eine niederreißt, was der andere aufbaut.
Nie darf die Mutter Klagen oder Murren über den Vater oder dieser über die Mutter anhören, und sollte ein Kind ohne genügenden und wichtigen Grund wagen, dergleichen vorzubringen, so verdient es eine Strafe. Es versteht sich von selbst, dass noch viel weniger die Eltern in Gegenwart der Kinder einander tadeln dürfen.
Damit deine Kinder immer wirklich erfahren, dass nicht ihr Wille, sondern dein Wille zu geschehen habe, ist beim Befehlen die allergrößte Vorsicht nötig. Du musst bei deinen Kindern jedesmal, ehe du einen Befehl gibst, überzeugt sein, dass du seine Ausführung erzwingen kannst; du darfst nichts befehlen, was du nicht unter allen Umständen durchsetzen kannst. Daher darfst du nicht zuviel und nicht zu vielerlei befehlen, und du musst immer vorher überlegen, ob das, was du befehlen willst, das Richtige ist und von den Kindern befolgt werden kann. Wenn du nämlich unüberlegte Befehle gibst, so kann es vorkommen, dass du etwas befiehlst, was den Kindern schadet oder sonst Unheil anrichtet, und was du somit zurücknehmen musst – und dieses schadet im allgemeinen immer deinem Ansehen und damit den Kindern.
Oft ist es besser, dem Kinde die Wahl zwischen zwei Dingen zu lassen, als eines direkt zu befehlen. Weint und schreit zum Beispiel das Kind, weil ihm etwas nicht nach seinem Köpfchen geht, so ist es gewagt, ihm bloß Schweigen zu gebieten, weil man dieses nicht erzwingen kann. In einem solchen Falle ist es besser zu sagen: „Höre, das Weinen kann ich hier nicht gebrauchen; entweder musst du damit aufhören, oder hinüber in jenes entlegene Zimmer gehen; da kannst du weinen, solange du willst.“ Jetzt hast du es in der Hand, deinen Willen auszuführen, schweigt das Kind nicht, so wird der Schreier in das entlegene Zimmer transportiert, und er wird sich für die Zukunft merken, dass er nicht eigensinnig sein darf und so Gehorsam lernen.
Um deine Kinder im Gehorsam zu üben, darfst du ihnen nicht einmal alles Erlaubte, um was sie bitten, immer gewähren, sondern du musst hin und wieder zu einer Bitte „nein“ sagen können, und ist das Wörtchen einmal gesprochen, so muss es auch unerbittlich dabei bleiben. Sehr anzuraten ist es, die Kinder alsdann aufzufordern, aus Liebe zu GOTT oder den armen Seelen gern darauf zu verzichten. Denn von der größten Wichtigkeit ist es, dass die Kinder an Entsagung und Enthaltsamkeit auch im Erlaubten aus Liebe zu GOTT frühzeitig gewöhnt werden, damit sie später desto eher die Kraft haben, sich von allem Unerlaubten fernzuhalten.
Gewöhne deine Kinder auch an einen schnellen und pünktlichen Gehorsam, ohne noch lange, besonders bei kleinen Kindern, die Gründe der Befehle auseinanderzusetzen. Es muss Hausgesetz sein: „Was Vater und Mutter befohlen haben, das muss geschehen und zwar sogleich, und geschieht es nicht auf das erste Wort, so wird der Befehl nur einmal mit Nachdruck wiederholt, und folgt darauf das Kind nicht sofort, zeigt es Eigensinn, so ist die Strafe so sicher als zwei mal zwei vier ist.“ „Ein gutes Kind gehorcht geschwind,“ dies goldene Sprüchlein muss den Kindern recht tief eingeprägt werden und auf dessen Befolgung muss von dir, gute Mutter, unnachsichtig gedrungen werden, damit deine Kinder in allem Erlaubten ohne Widerrede und ohne Zögern gehorchen lernen. Damit dieses aber geschehe, müssen die Eltern sich vor zwei Fehlern besonders hüten: 1. Sie dürfen nicht zu viel, nicht ohne Überlegung und nicht aus bloßer Laune ge- und verbieten; 2. Sie dürfen sich das einmal Versagte weder durch Bitten oder Tränen noch durch Schmeicheln oder Geschrei nachträglich wieder abtrotzen lassen. Die Eltern müssen nur das Notwendige ge- und verbieten und alsdann aber auch unerschütterlich auf ihrem Willen beharren.
Je kleiner die Kinder sind, desto unstatthafter ist die Anführung von Gründen. Fragen kleine Kinder nach dem Warum? so erwidere man ihnen: „Weil du folgen musst,“ oder „Weil deine Mutter oder dein Vater es haben will.“ - Ist bei einem Kinde die Vernunft vollständig erwacht, machen sich bei ihm Verstand und Gewissen geltend, so muss das Kind allmählich immer mehr angeleitet werden, dass es den Eltern nicht bloß aus Zwang und Gewohnheit, sondern auch aus eigenem Antriebe und aus Pflichtgefühl im Hinblick auf das IV. Gebot folgt. Belehrung, Mahnung und Warnung sind alsdann die wichtigsten Erziehungsmittel, damit Verstand und Gewissen siegen über die widerstrebende Natur und aus dem Kinde ein charakterfester Jüngling oder eine charakterfeste Jungfrau werde. Die heranwachsenden Kinder müssen von den Eltern auch immer mehr an Selbstständigkeit gewöhnt werden; doch sollen auch solche nichts, was im Hauswesen, in der Arbeit, in Anschaffungen von einiger Bedeutung ist, auf eigene Faust tun, sondern nur mit Einwilligung ihrer Eltern. Das eigentliche Befehlen muss bei erwachsenen Kindern seltener werden, und während den kleinen Kindern nur sehr selten ein Grund angegeben werden soll, warum ihnen etwas befohlen wird, sollen den älteren Kindern die Gründe mehr mitgeteilt und der Befehl in gelinderer Weise, meistens in der Form eines Wunsches, gegeben werden. Ferner sollen die Eltern im allgemeinen mit ihren erwachsenen Kindern die häuslichen Angelegenheiten besprechen und danach streben, dass diese ebenfalls vertrauensvoll und bescheiden ihre Ansichten und Wünsche angeben.
Noch verkehrter als dieses unzeitige Begründen von Befehlen ist die Hinzufügung von schmeichlerischen Versprechungen oder langen Strafandrohungen. Der Befehl sei ruhig, kurz, wohl überlegt und mit Festigkeit.
Darf man den einmal gegebenen Befehl niemals zurücknehmen?
Nie darf es ohne wichtige Gründe geschehen, zum Beispiel wegen unbegründeter Bitten der Kinder; aber wenn wichtige Gründe und Umstände angeführt werden, die man vorher nicht kannte oder nicht berücksichtigt hat, so muss man bereitwillig darauf eingehen und den Befehl demgemäß ändern oder vollständig zurücknehmen. Dieses schadet dem Ansehen der Eltern nicht, und der Gehorsam wird dadurch auch nicht geschädigt, sondern gefördert; denn das Kind sieht, dass die Eltern nicht aus Laune oder Willkür etwas befehlen oder verbieten.
Auf einen Punkt möchte ich noch aufmerksam machen, wovon hauptsächlich bei größeren Kindern der schnelle und freudige Gehorsam abhängt. Wollen Eltern auch bei ihren größeren Kindern einen schnellen und freudigen Gehorsam, so müssen sie sich die nötige Hochachtung bei ihnen bewahren. Vater und Mutter müssen sich in ihrem ganzen Tun und Lassen so benehmen, dass die Kinder in ihnen immer die Stellvertreter GOTTES verehren und Ehrfurcht und Hochachtung vor ihnen haben können. Diese Hochachtung muss aber verloren gehen, wenn Eltern miteinander in Unfrieden leben oder ihre Kinder wegen Fehler bestrafen, die sie selbst vor ihnen begehen. Wird zum Beispiel das Kind wegen einer Lüge bestraft und hört dann, wie die Mutter selbst den Vater belügt, oder wird es bestraft, weil es stiehlt und nascht, und sieht dann, wie Vater und Mutter sich nichts daraus machen, andere Leute zu betrügen und zu hintergehen, so muss das Kind die notwendige Achtung und Ehrfurcht vor den Eltern verlieren, und es wird nicht mehr freudig und schnell gehorchen, sondern nur aus Furcht vor der Strafe.
Die Eltern verlieren die notwendige Achtung auch durch zu große Vertraulichkeit mit ihren Kindern, indem sie mit denselben zu viel scherzen und lachen. Eltern erlauben oft den Kinder, den „unartigen Papa“ oder die „böse Mama“ im Scherze zu schlagen, zu schelten und mit unpassenden Namen zu nennen, und sind später erstaunt, wenn ihre Kleinen es an der schuldigen Achtung fehlen lassen, ungehorsam sind und sich sogar ungeziemende Freiheiten erlauben.
Ferner, wie können Kinder vor Vater und Mutter die nötige Hochachtung bewahren, wenn sie deren geringschätzige und rohe Behandlung der eigenen Eltern sehen? Wo der Großvater oder die Großmutter hinter den Ofen gesetzt werden und sich nicht rühren dürfen, wofern sie nicht beschimpft und rücksichtslos behandelt werden wollen, da werden die Kinder den Respekt und die Ehrfurcht vor den eigenen Eltern gewiss bald verlieren und sich ungehorsam und widerspenstig zeigen. Auch wird gewöhnlich solchen Eltern, wenn sie alt werden, von ihren Kindern ausgezahlt, was sie an ihren eigenen Eltern früher gesündigt haben. (Sieh Kapitel 16.)
Die Eltern werden bei ihren Kindern die Ehrfurcht ebenfalls verlieren, wenn sie sich selbst ehrfurchtslos und ungehorsam gegen zeitliche und weltliche Obrigkeit zeigen. Denn wenn die Kinder sehen, dass die Eltern nichts nach zeitlichen und weltlichen Vorgesetzten, die doch auch Stellvertreter GOTTES sind, fragen, wie kann dann Vater und Mutter hoffen, dass ihre Kinder noch lange in ihnen die Stellvertreter GOTTES respektieren?
Endlich schaden manche Eltern ihrem Ansehen sehr durch eine gewisse Geschwätzigkeit und übel angebrachte Offenherzigkeit, indem sie die Torheit ihrer eigenen Jugend in Gegenwart der Kinder erzählen.
Siehe, gute Mutter! Wohl weiß ich recht gut, dass alles das, was ich dir in diesem Kapitel gesagt habe, keineswegs gering und leicht ist. Allein bedenke, dass es von der frühzeitigen Erziehung zum Gehorsam großenteils abhängt, ob du selbst an deinen Kindern große Freude erleben wirst, oder ob sie für dich das größte Kreuz bilden und ganz unglückliche Menschen werden. Daher dulde niemals bei deinen Kindern Eigensinn und erziehe sie vom zartesten Alter an zu einem schnellen und freudigen Gehorsam!
Zum Schluss diese sehr wichtigen Kapitels will ich noch an einem Beispiele zeigen, wie verderblich bei der Erziehung die Nachgiebigkeit der Eltern gegen die Kinder ist.
Willi, der Erstgeborene von fünf Geschwistern, beherrschte schon als Kind von 2 Jahren das ganze Haus. Wonach er das Händchen ausstreckte, wurde ihm gegeben; und wenn es unserm kleine Weltbürger zu schreien beliebte, so war alles stets zu Diensten. Tat aber jemand nicht, was dieser kleine Prinz begehrte, so fing er jämmerlich zu schreien an und wälzte sich zuweilen vor Zorn auf dem Boden, bis er seinen Willen durchgesetzt hatte. Bei Tisch hörte man von ihm selten ein anderes Wort als: „Ich will das haben, dieses mag ich nicht“ und so weiter, und die unvernünftige Mutter willfahrte blindlinks dem eigensinnigen Knaben. Der Vater sah bald ein, dass es so nicht weiter gehen dürfe. Aber so oft er entschieden auftreten wollte, trat ihm die „zärtliche“ Mutter immer entgegen mit den Worten: „Wie kannst du so hartherzig sein: Ich gebe ihm, was er haben will; dann ist er zufrieden und wir haben Ruhe.“
War Willi am Spiel, so ließ er sich nicht stören, auch wenn die Mutter rief: „Willi, komm und hole mir das, dann kannst du wieder spielen.“ Er spielte ruhig weiter, und die Mutter rief dann gewöhnlich: „Nun, so komm doch, ich habe etwas Schönes für dich, etwas Gutes.“ Aber auch dann kam der Kleine oft noch nicht; und die unverständige Mutter ließ in ihrer Affenliebe diesen Ungehorsam und Eigensinn ungestraft durchgehen.
Was Wunder, wenn auf diese Weise der Eigensinn großgezogen wurde? Was Wunder, wenn Willi den Eltern und Lehrer ungehorsam war und immer seinen Kopf durchsetzen wollte?
Das dieses eigensinnige Benehmen des Ältesten von fünf Geschwistern einen sehr schlimmen Einfluss auf seine jüngeren Brüder und Schwestern ausübte, brauche ich wohl nicht zu erwähnen.
Als herangewachsener Jüngling lehnte sich Wilhelm gegen geistliche und weltliche Autorität auf, geriet öfters in Schlägereien, ging mehrmals aus der Lehre laufen und desertierte als Soldat zum großen Leidwesen der Eltern und zu seinem eigenen Schaden. Er wurde in der Fremde, im Ausland, ein ganz unglücklicher Mensch, der fortwährend in Streit mit andern lebte, weil er glaubte, alles müsse nach seinem Willen gehen.
Und wer ist schuld an allem diesem?
Allein die Eltern, die ihr Kind so gewöhnt, so erzogen haben, die Trotz und Eigensinn in ihm großgezogen haben. Daher mache du es doch nicht so, gute Mutter, sondern dulde niemals bei deinen Kindern Eigensinn und verlange immer einen schnellen und freudigen Gehorsam und zwar vom zartesten Alter an!

Fortsetzung folgt!
Nie kann o Herr ich danken Dir genug!
Es soll Dir danken jeder Atemzug,
es soll Dir danken jeder Herzensschlag,
bis zu dem letzten Schlag am letzten Tag.
Es soll Dir danken jeglicher Gedanke,
nichts will ich denken als: Ich danke, danke!

Offline ArmeSeele

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Antw:Die gute Gattin und Mutter. Ein Katholisches Lehr- und Gebetsbuch.
« Antwort #24 am: 13. März 2013, 13:10:59 »
XXVI.
Bekämpfe immer den Zorn!

Unter diejenigen Fehler und bösen Neigungen, welche von frühester Jugend an bekämpft und ausgerottet werden müssen, gehört auch der Zorn. Dieser pflegt sich bei den Kindern durch Weinen, Schlagen, Stoßen, Zanken und Streiten zu zeigen. Es gibt viele Kinder, die gleich zu schreien anfangen, die mit Händen und Füßen um sich schlagen, die im Gesichte blau und rot werden, wenn man ihnen nicht gleich tut, was sie haben wollen.
Das Verkehrteste, was Eltern solchen Zornesausbrüchen gegenüber tun können, ist den Willen des Kindes zu erfüllen, um den kleinen Schreihals zur Ruhe zu bringen. Denn das Kind merkt alsdann, dass es auf solche Weise seinen Willen durchsetzen kann, und es wird deshalb in der Zukunft immer versuchen, durch Schreien und ungebührliches Weinen seinen Willen durchzusetzen. Dadurch aber wird einerseits, wie wir im vorigen Kapitel gesehen haben, der Eigensinn großgezogen, anderseits der Zorn immer tiefere Wurzeln schlagen. Daher dürfen die Eltern sich bei solchem Gebahren ihrer Kinder niemals schwach zeigen, sondern sie müssen das Schreien und die Tränen ganz unbeachtet lassen, oder am besten den kleine Schreihals in einem abgelegenen Zimmer sich ausweinen lassen; oft ist auch eine empfindliche körperliche Züchtigung am Platze. Stampft zum Beispiel das Kind mit den Füßchen, oder wirft es sich auf die Erde, dann muss es die Rute fühlen, wenn es auch noch so klein ist. Der Schmerz der Züchtigung schadet ihm gar nichts, aber es wird dadurch von einem sehr schlimmen Fehler geheilt. Hat die erste Züchtigung noch nicht ganz geholfen, so muss bei weiteren Anzeichen von Zorn die Rute immer zur Hand sein, bis das Kind seinen zornigen Sinn vollständig abgelegt hat. Möchten doch die Eltern bei dem schmerzvollen Weinen und Zucken ihrer Kleinen niemals schwach zeigen! Denn es ist doch tausendmal besser, das eine oder andere mal diesen Schmerz standhaft auszuhalten, als später, wenn das Kind größer geworden, zehnmal öfter und härter zu strafen, oder selbst den erwachsenen Sohn, die erwachsene Tochter wegen der Zornausbrüche unglücklich zu sehen.
Um den Zorn nicht allmählich großzuziehen, ist die Verhütung von Neckereien, Zank und Streit und die Anleitung zur Versöhnlichkeit von der größten Wichtigkeit. Viele Eltern tun das gerade Gegenteil. Wie oft kann man sehen, das törichte Eltern ihre Freude daran haben, wenn Kinder sich necken, verspotten, zum Zorn reizen, oder wenn Erwachsene und sie selbst durch Neckereien kleine Kinder absichtlich zum Zorn reizen und dann, wenn eines ihrer Kleinen in Feuer und Flamme ausbricht, sich durch Schlagen und Stoßen zu rächen sucht, an dessen Aufbrausen sich weiden! Dergleichen ist nie und unter keiner Bedingung gestattet. Möchten doch die Eltern bedenken, dass Kinder, welche von Natur nicht zum Zorn neigen, auf diese Weise dazu erzogen werden! Möchten doch alle, die sich gern das billige Vergnügen machen, ein Kind zu necken, zu reizen und dann über seinen Zorn zu lachen, sich hiervon abhalten lassen im Bewusstsein, dass sie das namenlose Unglück, welches sehr leicht daraus entstehen kann, zu verantworten haben!
Nicht selten kann man noch ein anderes törichtes Benehmen der Eltern beobachten. Das kleine Kind hat sich an einen Gegenstand, zum Beispiel einen Stuhl gestoßen und schreit fürchterlich. „Der böse Stuhl,“ sagt die Mutter, und sie gibt dem Kinde, damit es vom schreien ablasse, einen Stock in die Hand, damit es den Stuhl dafür züchtige. Und was ist die Folge einer solchen törichten Handlungsweise? Von selbst schlägt bald das kleine Kind um sich, wenn der Bruder oder die Schwester oder sonst jemand ihm etwas zuleide getan hat, und Zorn und Rachsucht werden großgezogen. Solange das Kind noch klein ist, lachen die Eltern und größere Geschwister darüber und lassen es ruhig geschehen. Was ist aber das traurige Ende? Der Zorn und die Rachsucht haben zuletzt tiefe Wurzeln gefasst, sind zur zweiten Natur geworden, und Zank und Streit ist deshalb unter den Geschwistern und in der Familie an der Tagesordnung.
Und was soll man erst dazu sagen, wenn Eltern ihre Kinder geradezu auffordern, sich von andern Kindern nichts gefallen zu lassen und sich an ihren Beleidigern zu rächen? Oder wenn Eltern ihre Kinder in ihre eigenen Feindschaften hineinziehen, ihnen zum Beispiel unter Androhung von Schlägen verbieten, mit des Nachbarn Kindern zu spielen, weil der Vater oder die Mutter gegen den Nachbar gerade aufgebracht ist? Heißt das nicht, absichtlich in die zarten Kinderherzen Hass, Rachsucht und Zorn streuen?
Christliche Mutter, sei du verständiger! Meide allen verderblichen Scherz, dulde keinen Zorn und erziehe zur Versöhnlichkeit!
Für die Erziehung zur Versöhnlichkeit ist es von der größten Wichtigkeit, dass die Eltern die Streitigkeiten zwischen den Kindern immer auf gerechte Weise schlichten und dabei auf Versöhnung dringen. Es wäre ungerecht, und es müsste den unschuldigen Teil notwendig zum Zorne reizen, wenn die Eltern über zwei sich zankende Geschwister herfielen und ohne Untersuchung beide gleich hart bestrafen würden oder, was noch schlimmer wäre, nur das ältere Kind abstrafen würden mit der Erklärung: „Du bist älter, du musst also auch verständiger sein, also nicht zanken.“ Durch eine solche verkehrt Handlungsweise würde das jüngere Kind streitsüchtig, das ältere mit Recht erbittert. Jeder Streit, auch unter kleine Kindern, muss gerecht geschlichtet werden; der Störenfried soll nicht bloß seine Strafe erhalten, sondern auch gezwungen werden, den beleidigten Bruder oder die Schwester um Verzeihung zu bitten.
Zeigt sich aber, dass das gekränkte Kind nicht gern oder willig verzeihen will, dann soll es gezwungen werden, seine Hand zum Frieden zu reichen; die Eltern aber sollen sich diesen Mangel an Versöhnlichkeit sehr gut merken und eifrig auf Besserung dieses Fehlers bedacht sein. Niemals dürfen sie aber zulassen, dass ein Kind wegen einer Kränkung sich selber an einem seiner Geschwister zu rächen sucht. Selbstrache muss durch schwere Strafe verwehrt sein, sonst ist es um den Frieden und die Eintracht der Kinder untereinander für immer geschehen.
Die christlichen Eltern sollten in der Anleitung zur Versöhnlichkeit auch noch einen Schritt weiter gehen und das Kind in der Friedensliebe im Hinblick auf unsern Göttlichen Heiland üben. Den Erwachsenen würde die Übung dieser Tugend lange nicht so schwer vorkommen, wenn sie dieselbe als Kind gelernt hätten.
Endlich ist es sehr zu empfehlen, dass die Eltern ihren aufbrausenden Kindern zeigen, welch ein verderbliches Laster der Zorn ist; wie der Zorn nicht nur der Gesundheit sehr schädlich ist, sondern auch zu vielen anderen Sünden, zu Feindschaften, sogar zu Mord und Totschlag leicht führt und den Aufbrausenden oft in zeitlichen und ewiges Verderben stürzt.
Liebe, gute Mutter, befolge das, was dir zur Bekämpfung des Zornes ans Herz gelegt worden ist, damit an deinen Kindern die Verheißung der Ewigen Wahrheit sich erfülle: „Selig sind die Sanftmütigen, denn sie werden das Erbreich besitzen.“ (Matth. 5, 4.)

Fortsetzung folgt!
Nie kann o Herr ich danken Dir genug!
Es soll Dir danken jeder Atemzug,
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Es soll Dir danken jeglicher Gedanke,
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« Antwort #25 am: 15. März 2013, 13:16:37 »
XXVII.
Unterdrücke den Neid und die Missgunst!

Nicht alle Kinder haben gleich starke Neigung und Anlage, neidisch zu werden.  Einige sind gar nicht unzufrieden, wenn auch die Schwester einen Apfel oder von den Nüssen mehr bekommt; andere hingegen haben immer ihre Augen auf die Teller der Geschwister gerichtet, ob diese nicht mehr erhalten, ob deren Stück Kuchen nicht größer ist, und ärgern sich oft so sehr über eine kleine Bevorzugung derselben, dass sie anfangen zu weinen. „Sei still!“ sagt dann meistens die Mutter, „hier bekommst du noch ein Stück dazu,“ und gibt dem Kinde noch etwas, damit es aufhöre zu weinen; das ist ein großer Fehler! Auf solche Weise müssen notwendig Neid und Missgunst bei den Kindern großgezogen werden.
Mache du, gute Mutter, es nicht so, sondern unterdrücke frühzeitig jede Äußerung des Neides und der Missgunst. Wenn die Kleinen am Tische voreilig ihre Teller hinhalten, um vor den andern nicht zu kurz zu kommen; wenn sie das ihnen zugeteilte Obst zählen, weil sie fürchten, weniger als die andern bekommen zu haben; wenn sie die ihnen gekauften Sachen gegeneinander unwillig vergleichen, - so sind dieses sichere Zeichen eines neidischen Herzens, und du darfst das nicht ungestraft oder wenigstens nicht ungerügt lassen. Du sollst ihnen sagen, falls sie ihre Geschwister recht lieb hätten, so würden sie sich freuen, wenn diese etwas mehr oder etwas Besseres erhielten, und ihnen zeigen, wie hässlich es sei, sich zu ärgern über das Glück anderer. Schon tiefer eingewurzelt ist der Neid, wenn die Kinder missgünstige Besorgnisse äußern, wie zum Beispiel: „Nicht wahr, dies gehört allein mir?“ - „Anna bekommt nichts davon.“ - „Franz darf nicht davon essen.“ - Dass die Mutter bei solchen Äußerungen nicht ruhig zuhören darf, versteht sich von selbst. Sie muss mit aller Entschiedenheit gegen dieselben auftreten.
Damit aber solche missgünstigen Gesinnungen nicht aufkommen, soll die Mutter jedem Kinde seine Sachen geben, und keines darf dem andern ohne Erlaubnis etwas nehmen, damit sie so die Unverletzbarkeit des Eigentumes frühzeitig kennen lernen; zugleich aber sollen sie angehalten werden, sich gegenseitig das ihnen Angehörige zu leihen, empfangene Geschenke und Esswaren untereinander zu teilen und immer eine wohlwollende Nächstenliebe zu üben, die sich auch über den Besitz und das Glück anderer freut.
Die Mutter soll ihren Kindern ferner zeigen, 1. dass der Neid das dümmste und törichtste Laster ist;  denn es bringe dem Neidischen auch nicht den geringsten Nutzen und Vorteil, sondern nur Schaden, da er sich selbst die Zufriedenheit raubt und sich das Leben mit seiner giftigen Missgunst verbittert; 2. dass der Neid verabscheuungswürdig vor GOTT ist, weil der Neidische dem Teufel nachahme und ihm ähnlich werde; und 3. dass aus dem Neide sehr viel Böses entstanden ist und noch fortwährend entsteht.
Auf diese Weise müssen die Kinder daran gewöhnt werden, es ruhig und zufrieden hinzunehmen, wenn sie nicht dasselbe bekommen wie andere, auf diese Weise müssen sie lernen, auf niemand neidisch zu sein. Geschieht das nicht, dann werden sie auch bald die hässliche Schadenfreude zeigen. Denn wer sich über eines andern Glück ärgert, wird sich bald über dessen Unglück freuen. Die Mutter aber darf ihren Kindern keine Schadenfreude ungestraft durchgehen lassen. Wenn diese bei der Bestrafung ihrer Geschwister boshaft lachen oder sie sogar deshalb verspotten, so gebührt ihnen dieselbe Züchtigung, an der sie Wohlgefallen hatten.
Es ist aber nicht genug, dass die Mutter mit aller Entschiedenheit der geringsten Neigung zum Neide entgegentrete, sie muss sich auch sorgfältig hüten, den Neid in den Herzen der Kinder wachzurufen. Dies geschieht oft dadurch, dass die Mutter, besonders noch die Stiefmutter, die Kinder ungleich und parteiisch behandelt, das eine vor dem andern bevorzugt. Christliche Eltern müssen all ihren Kinder mit gleicher Liebe zugetan sein, allen mit demselben Maße messen, sie dürfen unter ihren Kindern keine sogenannten Lieblinge haben; Schönheit und andere Vorzüge dürfen die Mutter nie zur Parteilichkeit verleiten, sonst wird das Haus zu einem Orte des Neides, der Missgunst, des Hasses und der Feindschaft. Möchten doch alle Eltern dieses bedenken, zumal da sie außerdem sich eines großen Unrechtes schuldig machen, wenn sie wegen mangelnder geistiger Befähigung oder wegen körperlicher Gebrechen ein Kind zurücksetzen; denn alle Kinder haben auf die Liebe der Eltern die nämlichen Ansprüche und dieselben Rechte!
Der Neid kann ebenfalls wachgerufen werden durch schadenfrohe Äußerungen. Wenn die Kinder oft anhören, wie der Vater oder die Mutter über Nachbarsleute, Verwandte und so weiter neidische, missgünstige Reden führen, wenn Eltern vor ihren Kindern über die Reichen losziehen, oft ihre Unzufriedenheit darüber ausdrücken, dass sie nicht ebenso reich seien, nicht ebenso viel Glück in ihren Unternehmungen, in ihrem Geschäfte wie dieser und jener haben, kurz, wenn die Kinder zu Haus fast täglich und stündlich nicht anderes als neidische, missgünstige, lieblose Reden über den Nächsten hören, müssen dann nicht Neid, Missgunst und Lieblosigkeit auch in den zarten, für alles empfänglichen Kinderseelen Wurzel fassen? Handle du, gute Gattin, nicht so töricht, sondern präge deinen Kindern als goldene Regel wiederholentlich ein, dass man, um glücklich und zufrieden zu werden, auf solche schauen soll, denen es schlechter geht wie uns, und nicht auf solche, von denen man glaubt, dass es ihnen besser gehe. Lehre deine Kinder auf GOTT vertrauen, aber verschone sie mit unzufriedenen und missgünstigen Reden und leite sie an, oft an das Los der Kranken, Armen und Notleidenden zu denken, so wirst du gewiss zufriedene Kinder erziehen und sie vor Neid und Missgunst bewahren.
Hüte dich denn, liebe, gute Mutter, durch neidische,missgünstige Äußerungen oder Parteilichkeit deine Kinder Neid und Missgunst zu lehren! Tu vielmehr alles, was du kannst, um ihnen von frühester Jugend an die diesem so traurigen und verabscheuungswürdigen Laster entgegengesetzte Tugend, die wohlwollende Nächstenliebe, einzuflößen, jene Liebe, die immer nach dem Worte des Göttlichen Heilandes handelt: „Alles, was ihr wollt, dass euch die Menschen tun, das sollt ihr ihnen auch tun.“ (Matth. 7, 12.)

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« Antwort #26 am: 25. März 2013, 12:42:39 »
XXVIII.
Bekämpfe die Lügenhaftigkeit!

Einer der verderblichen Fehler, welche nicht selten in der Seele des Kindes gleich bei der Entwicklung des Verstandes aufzutauchen pflegen, ist die Lügenhaftigkeit. Sie tritt meistens zuerst als Verstellung und Listigkeit auf. Nur zu oft wird darüber gelacht und den Verwandten sogar in Gegenwart des Kindes erzählt: „Hört einmal, wie klug und pfiffig der Kleine ist.“ Statt dessen sollte die Mutter betrübt darüber sein, dass schon so früh der hässliche Makel der Lügenhaftigkeit an ihrem Kinde zu Tage tritt, und sollte dieselbe im Keime zu ersticken suchen. Denn die Angewöhnung des Lügens ist für das Kind ein großes Verderben.
Wie traurig, dass so viele Eltern eine Lüge so geringachten und sich selbst so wenig daraus machen. Es steht doch in der Heiligen Schrift: „Lügenhafte Lippen sind vor dem Herrn ein Greuel; ein hässlicher Schandfleck an dem Menschen ist die Lüge.“ (Sprichw. 21, 22.) Jede Mutter sollte von dieser Wahrheit tief durchdrungen sein und ihrem Kinde, sobald es das begreifen kann, recht oft durch Wort und Beispiel folgendes einprägen: „Die Lüge ist eine Sünde; denn GOTT ist die Wahrheit und muss die Lüge somit hassen. Der Vater der Lüge aber ist der Teufel. So oft daher jemand lügt, wendet er sich von GOTT ab und folgt somit dem Teufel nach.“
Schon den kleinen Kindern kann der Abscheu vor dem Lügen durch derartige religiöse Belehrungen eingeflößt werden, und dieses ist von der größten Wichtigkeit für die Zukunft der Kinder. Niemand will nämlich mit einem verlogenen, durchtriebenen Menschen etwas zu tun haben. Was wird aber aus einem, dem niemand mehr Vertrauen schenkt? Er fühlt sich von allen Guten verachtet und zurückgestoßen, und er gerät notwendig in die Gesellschaft der Schlechten und Gottlosen. Will also die Mutter nicht den furchtbaren Schmerz erleben, dass aus ihrem Kinde ein Betrüger, ein Dieb, ein Verleumder oder gar ein Meineidiger werde, dann muss sie ihren Kindern frühzeitig eine hohe Ehrfurcht und Liebe zur Wahrheit und einen tiefen Hass und Abscheu vor der Lüge einpflanzen, dann muss sie beständig und mit allem Ernste die Lügenhaftigkeit in ihnen bekämpfen und es an Aufrichtigkeit und Wahrheitsliebe gewöhnen.
Wie kannst und sollst du, gute Mutter, dies bewerkstelligen? Hierfür merke dir zwei Regeln. Die erste Regel heißt: „Sei immer wahr und aufrichtig gegen das Kind.“ Denke dir: Ein Kind hört eine Lüge aus dem Munde seiner Mutter oder seines Vaters. Welch´ verheerende Wirkungen muss dieses in seiner Seele hervorbringen? Das Kind hat in seiner Mutter und in seinem Vater bisher das Vorbild aller Güte und Vollkommenheiten gesehen, sie selbst haben ihm gesagt: „Die Lüge ist eine Sünde, sie missfällt dem lieben GOTT, sie wird von Ihm bestraft“ - und nun hört es, wie die Eltern ihm im Scherz die Unwahrheit sagen, um sich an der Leichtgläubigkeit des Kindes zu erlustigen, es hört, wie die Mutter den Vater belügt und hintergeht, es hört zu, wie die Eltern, Verwandten und Nachbarn erlogene Dinge erzählen, - wahrlich, ein kalter Nachtfrost im Mai kann nicht verderblicher wirken, als diese Wahrnehmung des Kindes. Es verliert dadurch nicht bloß seine Scheu vor dem Lügen, sondern auch seine Ehrfurcht und Achtung vor den Eltern wird immer schwächer, und eine gute Erziehung des Kindes ist in der traurigsten Weise gehindert. Daher, liebe, gute Mutter, lüge deine Kinder nie an und dulde auch nicht, dass die kleineren von älteren Geschwistern, Dienstboten und so weiter angelogen werden. Wie oft kommt es vor, dass man, um die Kleinen zu beschwichtigen und zur Ruhe zu bringen, ihnen geschwind etwas vorlügt, dass man ihnen Drohungen und Versprechungen macht,  die man nachher nie ausführt! Wie verkehrt! Das Kleine merkt bald, dass es belogen wird, und sein Glaube an das Wort der Eltern und sein Wahrheitssinn wird dadurch sehr erschüttert.
Auch darf man dann keine Lüge sagen, wenn Kinder nach etwas fragen, was sie noch nicht wissen sollen und dürfen. Solchen Fragen kann man ausweichen, ohne eine Täuschung oder Lüge zu begehen. Die einfache Antwort aber, dass Kinder solches noch nicht wissen sollen, würde nicht ratsam sein, weil dadurch die Neugierde noch mehr gereizt und die Kinder veranlasst werden könnten, andere zu fragen, die ihnen in roher Weise eine schlechte und verderbenbringende Antwort geben. Man sollte daher zum Beispiel auf die Frage betreffs der Herkunft der Kinder sagen: „Die Kinder kommen vom lieben GOTT.“
Die zweite Regel heißt: „Verführe nicht deine Kinder unabsichtlich oder gar absichtlich zum Lügen.“ Unabsichtlich kann dies geschehen:
1. Durch starke Drohungen. Das Kind ist von Natur schwach und furchtsam, es hat große Scheu vor jeder Bestrafung und sucht sich auf alle Weise, am liebsten durch Lügen, einer drohenden Strafe zu entziehen. Daher sind die Kinder in Familien, wo oft und streng gestraft wird, meist viel lügenhafter als in anderen. Durch öftere Drohung mit Schlägen, „ich schlage dich schwarz und blau, wenn du das … noch einmal tust“, und dergleichen, wird im Kinde so große Furcht erweckt, dass es nach der Tat ganz verwirrt ist und ohne alle Überlegung, oft fast wider Willen, die Lüge „ich habe es nicht getan“ ausspricht, um nur der gefürchteten Bestrafung zu entgehen. Darum sei doch vorsichtig und weise, christliche Mutter, in der Bestrafung deiner Kinder und stets maßvoll im Androhen derselben. Es ist besser, dass manchmal ein Vergehen oder kleinere Fehler ungestraft bleiben, als dass das Kind aus Furcht zum Lügner werde.
Sehr oft wird auch ein Kind unabsichtlich zum Lügen veranlasst:
2. Durch unvorsichtiges Ausfragen. Eltern müssen mehr durch aufmerksames Beobachten, als durch lästiges Ausfragen die Fehler ihrer Kinder zu erfahren suchen; in keinem Falle aber dürfen sie bei ihren Fragen dem Kinde die Lüge geradezu nahelegen, zum Beispiel: „Du hast es doch nicht getan? Wenn ich wüsste, dass du es nicht getan hättest, dann ...“ Eine andere Antwort als „nein“ ist dann selten zu erwarten.
Vermuten die Eltern, ein Kind werde etwas nicht sagen, so sollen sie nie unnötigerweise danach fragen. Haben die Eltern ein Vergehen des Kindes zuverlässig erfahren, dann sollen sie nicht noch lange fragen: „Hast du das wirklich getan?“ als wenn sie noch nichts davon wüssten, sondern sie müssen ohne weiteres: Tadel, Zurechtweisung oder Strafe, je nachdem es sie verdient hat, folgen lassen. Nur dann könnten die Eltern eine Frage stellen, wenn ihr Kind schon öfter gelogen hätte, um sich zu überzeugen, ob es sich gebessert habe, alsdann müsste man ihm auch einen Teil der Strafe für das aufrichtige Geständnis nachlassen.
Die Kinder werden absichtlich zum Lügen verleitet, wenn sie geradezu zum Lügen angehalten und aufgefordert werden. Nicht bloß bei armen Eltern, die ihre Kinder zum Betteln auf die Straße schicken, leider nur zu oft auch bei andern kommt es vor, dass sie ihre Kinder direkt auffordern, den Pfarrer, den Lehrer oder andere Leute anzulügen, um sich aus einer Verlegenheit zu helfen, oder um sich vor Strafe zu sichern. Was soll man aber über solche Eltern denken? Solche Eltern, wenn sie überhaupt noch diesen Namen verdienen, sind die Verführer ihrer eigenen Kinder. Ist es da zu verwundern, wenn solche Kinder später nicht nur lügen, sondern auch betrügen und stehlen? Denn die tägliche Erfahrung lehrt nur allzu deutlich, wer sich aus dem Lügen nichts mehr macht, der ist auch imstande, zu stehlen und zu betrügen. Wer unaufrichtig in Worten ist, der wird es auch leicht in Werken und in der Tat werden. Lügen und Betrügen, Hehlen und Stehlen reimen sich nicht umsonst!
Die dritte Regel heißt: „Dulde an deinen Kindern nie die geringste Lüge.“ Kann ein Kind unter 4 Jahren schon lügen, das heißt wissentlich die Unwahrheit sagen, um andere zu täuschen? Gewiss, es weiß das jede Mutter, sie weiß aber auch, dass eine Kindeslüge in diesem zarten Alter noch nicht sündhaft ist. Nichtsdestoweniger darf sie dieselbe nicht ungerügt lassen, sondern sie muss das Kind durch Belehrung und Zurechtweisung davon abzubringen suchen. Ist das Kind aber etwas älter geworden und hat Wahres und Falsches, Gutes und Böses unterscheiden gelernt, weiß es schon, dass man nicht lügen darf, dann soll man ihm jedesmal, wenn es gelogen hat, nicht nur eine passende Belehrung erteilen, sondern auch eine geziemte Strafe geben.
Als feststehende Regel muss gelten:
1. Hat ein Kind etwas Böses getan und leugnet es dieses ab, so wird die Strafe verdoppelt: Dabei muss aber dem Kleinen gesagt werden: Dies ist für den Fehler und jenes für das Lügen.
2. Kommt ein Kind ganz von selbst und klagt sich wegen eines Vergehens an, dann darf der begangene Fehler gar nicht bestraft werden, ebenfalls nicht, wenn es denselben sofort, wie man danach fragt, aufrichtig eingesteht, es sei denn, dass Grund vorhanden ist, zu fürchten, das Kind würde um so schneller denselben Fehler wieder begehen. Hat aber ein Kind bei der Befragung schon ausdrücklich geleugnet, dann darf man ihm nicht mehr den Nachlass der ganzen Strafe versprechen, um es zum Geständnis zu bringen, weil dann ja nicht bloß der begangene Fehler, sondern auch seine Lüge ungestraft bliebe.
3. Hat ein Kind über ein anderes aus Rache oder aus Bosheit lügenhafter Weise etwas ausgesagt, also verleumdet, so muss es dafür nicht nur tüchtig abgestraft, sondern es muss in diesem Falle unnachsichtig darauf gedrungen werden, dass das Kind die Lüge vor allen, die sie gehört haben, ausdrücklich widerrufe.
O möchten doch alle Eltern bedenken, dass die ganze Zukunft ihrer Kinder verdorben wird, wenn es ihnen nicht gelingt, ihre Kinder an Aufrichtigkeit und Wahrheitsliebe zu gewöhnen, und daher alles tun, was sie nur können, um ihnen eine hohe Ehrfurcht und Liebe zur Wahrheit und einen recht tiefen Hass und Abscheu vor der Lüge einzupflanzen!

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« Antwort #27 am: 05. April 2013, 14:21:07 »
XXIX.
Leite deine Kinder frühzeitig zu einer
echten Religiösität und Frömmigkeit an!
Das Fundament aller Erziehung ist die Religion. Ohne Religion ist keine wahre Erziehung möglich, denn nur diese zeigt dem Kinde in Eltern und Erziehern die Stellvertreter GOTTES. Ohne Religion und Frömmigkeit hat der Mensch keinen Halt im Leben, keine Stütze in den Versuchungen, keinen Trost in den Stunden des Leidens und keine Hoffnung, wenn der Augenblick des Todes sich ihm naht. Ohne Religion und Frömmigkeit gerät alles auf Abwege und verliert alles seine Kraft, nur die Religion befähigt zu ernster Berufstreue auch in schwierigen Verhältnissen. Nur die Religion und Frömmigkeit kann uns hier auf Erden wahrhaft glücklich machen und vor dem ewigen Unglücke der Hölle bewahren. Wie wichtig ist daher die frühzeitige Erziehung zu einer echten Religiösität und gediegenen Frömmigkeit!
Den Eltern ist nun von der Göttlichen Vorsehung die Aufgabe gestellt, ihre Kinder für GOTT und das Ewige Leben oder mit anderen Worten zur Religiösität und Frömmigkeit zu erziehen und für ihr zeitliches Wohl und Fortkommen zu sorgen. Da aber die Ewige Glückseligkeit jede irdische an Wert und Vorzüglichkeit unendlich übertrifft, so muss unstreitig die Erziehung zur Religiösität  und Frömmigkeit die erste und heiligste Pflicht der Eltern sein. Darum hören wir, wie der liebe GOTT wiederholt allen Eltern diese Pflicht einschärft. Schon durch Moses befahl Er ihnen: „Lehret eure Kinder Meine Gebote, wenn ihr sitzet in eurem Hause und ihr wandelt auf dem Wege, und wenn ihr euch niederlegt und wenn ihr aufsteht.“ (5. Mos. 11,19.) Er sagt durch den weisen Sirach: „Hast du Kinder, so unterweise sie.“ (7,25.) Durch Salomon: „Unterweise dein Kind, so wird es dich ergötzen und Wonne gewähren deiner Seele.“ (Sprichw. 29,17.) Durch den Heiligen Paulus: „Erziehet eure Kinder in der Lehre und Zucht des Herrn; unterrichtet sie in der Religion Jesu und haltet sie zu einem christlichen Wandel an.“ (Eph. 6,4.)
Die nämliche Sprache führen die Heiligen Kirchenväter. „Auch ihr sollt,“ sagt der Heilige Augustinus zu den Eltern, „in euren Häusern das Amt der Lehrer vertreten; ihr sollt mit den Bischöfen und Priestern wirken, und mit ihnen den Vortrag des Wortes GOTTES teilen, damit ihr eure Kinder, nachdem ihr sie gelehrt, gewarnt und zurechtgewiesen habt, dereinst mit Vertrauen und Trost zum Richterstuhl des Höchsten Richters hinführen könnt.“ „Ihr Väter und Mütter,“ spricht sehr schön der Heilige Chrystostomus, „ihr seid die Apostel eurer Familie... Und wenn wir Priester für eure Seelen wachen und Rechenschaft geben müssen, um wieviel mehr müsst ihr für die Seelen eurer Kinder dieses tun, da euch ihre Erziehung besonders empfohlen ist, und da sie euch GOTT schon im zartesten Alter ins Haus gegeben hat, damit ihr sie um so leichter regieren könnet.“
Dieser Pflicht der religiösen Erziehung entsprachen von jeher alle Gottesfürchtige Eltern; sie ließen sich nichts mehr angelegen sein, als ihren  Kindern schon im zartesten Alter Liebe zur Tugend und Hass gegen die Sünde einzuflößen. Wie schön sind nicht, um nur ein Beispiel anzuführen, die Lehren, welche der alte Tobias seinem Sohne gegeben hat! „Höre, mein Sohn,“ sprach er oft zu ihm, „die Worte meines Mundes und lege sie wie eine Grundfeste auf dein Herz. Alle Tage deines Lebens habe GOTT vor Augen, und hüte dich, je in eine Sünde einzuwilligen und die Gebote des Herrn, unseres GOTTES, außer acht zu lassen. Gib Almosen von deinem Vermögen und wende von keinem Armen dein Angesicht ab; denn also wird es geschehen, dass des Herrn Angesicht auch von dir nicht abgewendet werde. Hüte dich vor aller Unkeuschheit, und lass nie etwas Lasterhaftes von dir hören. Lass die Hoffart (Stolz) nie in deinem Sinne und in deinen Worten herrschen; denn alles Verderben hat von der Hoffart (Stolz) seinen Anfang genommen. Wer diretwas arbeitet, dem gib alsbald seinen Lohn, und lass ja deines Tageslöhners Lohn nicht bei dir bleiben. Sieh, dass du nie einem andern tust, was du nicht willst, dass dir von einem andern widerfahre. Hüte dich vor böser Gesellschaft. Lobe GOTT zu aller Zeit und bitte Ihn, dass ER deine Wege leite. Fürchte dich nicht, mein Sohn, wir führen zwar ein armes Leben, aber wir werden viel Gutes erhalten, wenn wir GOTT fürchten und alle Sünden meiden und Gutes tun.“
o, wahrhaft goldene Lehren! Möchtest doch du, gute Mutter, dem Heiligen Tobias nachzufolgen suchen und deine Kinder zu einer echten Religiösität und gediegenen Frömmigkeit erziehen! Wie kannst und sollst du dieses den tun? Wie kann und soll dies geschehen? Deine größte Freude, wie der Heilige Hieronymus sagt, muss es sein, dein Kind, wenn seine Stimme noch schwach ist und seine Zunge stammelt, den süßen Namen Jesus und Maria aussprechen und das Heilige Kreuzzeichen machen zu lehren. Du musst deine Kinder frühzeitig beten lehren und frühzeitig sie an das pünktliche Beten gewöhnen. Namentlich morgens und abends, vor und nach Tisch soll gemeinsam und andächtig immer von den Kindern gebetet werden. Die Macht der Gewohnheit muss auch bei Anleitung zum Beten benutzt werden; das Sprichwort „Jung gewohnt, alt getan“ bewährt sich hier ebenso, wie bei Gewöhnung an Anstand, an Gehorsam und leider auch bei Gewöhnung an Lügen und andere Sünden. Solange dem Kinde jedoch das Sprechen schwer fällt, soll man es nicht quälen und zu sehr darauf dringen, dass es die Gebete allein hersagen lerne, zumal wenn es längere sind, damit das Gebet ihm nicht zur Qual werde, sondern eine liebe Beschäftigung bleibe.
„Kurz und leicht verständlich“ - das muss die Eigenschaft der ersten Gebete sein. Darum ist es ratsam, dass man das Erlernen mit einem kleinen Sätzchen beginne, zum Beispiel: Alles aus Liebe zu GOTT! oder : Alles meinem GOTT zu Ehren! Man kann auch mit kleinen, leichten Verschen anfangen, wie dieses: Lieber GOTT, o mach mich fromm, damit ich in den Himmel komm! Anfangs hört man mit zwei Zeilen auf, und erst wenn diese ganz geläufig sind, nimmt man die folgenden hinzu: O, lieber GOTT, ich bitte Dich, ein frommes Kind lass werden mich! - und sollt ich es doch nicht werden, so nimm mich lieber von der Erden; - Und nimm mich in Dein Himmelreich, damit ich werd´ den Engeln gleich! Sehr zu empfehlen ist ebenfalls folgendes schöne Gebet zum Heiligen Schutzengel:

O Heil´ger Schutzengel mein,
lass mich Dir anbefohlen sein,
in allen Nöten steh mir bei
und halte mich von Sünden frei.
An diesem Tag, ich bitte Dich,
beschütze und bewahre mich.
Amen.

Beim Abendgebete sagt man im vorletzten Werke: „In dieser Nacht“ statt: „An diesem Tag.“
Das „Vater unser“, das „Gegrüßet seist Du, Maria“ und das Apostolische Glaubensbekenntnis müssen die Kinder auch schon früh lernen; doch soll man auch dafür sorgen, dass die Kinder diese Gebete richtig aussprechen und nicht zu schnell beten.
Es genügt aber nicht, dem Kinde nur die Worte solcher kleinen Gebete beizubringen, du musst ihm auch den Sinn der Worte klarzumachen suchen und dir alle Mühe geben, eine andächtige Stimmung beim Beten in ihm zu wecken. Damit dein Kind desto eher andächtig bete, sage ihm oft: „Der liebe GOTT, zu dem wir jetzt sprechen, ist bei uns, Er sieht uns, Er hört unsere Worte und weiß immer alles, woran wir denken.“ Jede Blume, jeder Stein, jedes Morgen- und Abendrot, der Sternenhimmel und der Wechsel von Winter und Frühling können dir dazu dienen, dein Kind immer mehr mit dem Lieben GOTT bekannt zu machen. Wenn in der Natur das Große vor dir und dem Kinde auftritt, Sturm, Blitz und Donner, Krankheit und Tod, so weise immer dein Kind auf den Allmächtigen Herrn Himmels und der Erde hin. Erinnere dasselbe auch sehr oft an den immer gegenwärtigen Himmlischen Vater und an die Gegenwart seines Heiligen Schutzengels. Dadurch wird es vor Furcht in der Dunkelheit und vor Verzagtheit bei irgend einer Gefahr bewahrt und bei Rettung aus einer Gefahr mit Dank gegen den lieben GOTT erfüllt.
Um deinem Kinde ein recht lebendiges Bewusstsein der Allgegenwart GOTTES einzuflößen, lass es oft das Verslein wiederholen:

„Wo ich bin, und was ich tu´,
sieh mir GOTT, mein Vater zu.“
Oder:
„Gedenke, wo immer du bist,
dass GOTT, dein Vater, bei dir ist.“

Bei der Anleitung zum Beten sollen die Eltern auch nicht vergessen, ihreKinder beim Aufstehen und Schlafengehen an den andächtigen Gebrauch des Weihwassers zu gewöhnen und, sobald sie es fassen können, ihnen zu erklären, wie sie dadurch den Segen der Kirche und die Gnade GOTTES auf sich herabziehen, um vor Übeln des Leibes und der Seele bewahrt zu bleiben.
Von großer Wichtigkeit für die Erziehung ist es, die Kinder daran zu gewöhnen, täglich für Vater und Mutter zu beten. Es fördert die Ehrfurcht, die Liebe und den Gehorsam gegen die Eltern. Auch wenn ein Unglück die Familie getroffen, wenn ein Krankheitsfall eingetreten ist, oder Arbeitsmangel Not ins Haus gebracht hat, dann sollen die Kinder jedesmal zum Gebet für das besondere Anliegen aufgeopfert werden, nicht bloß weil der unschuldigen Kinder Gebet GOTT wohlgefällig ist, „durch die Wolken dringt,“ sondern auch, damit diese frühzeitig lernen, in jeder Not vertrauensvoll zu GOTT ihre Zuflucht zu nehmen. -
Zum Gebet in die Kirche sollen die Kinder nicht eher mitgenommen werden, bis vorauszusetzen ist, dass sie
sich still und andächtig verhalten und auch nur dann, wenn der Gottesdienst nicht lange dauert; denn längere Zeit in der Kirche ruhig zu bleiben, ist ihnen zu schwer, und sie würden dadurch gegen die Kirche nur eine Abneigung erhalten, was zu vermeiden ist.
Die Eltern sollen ihre Kinder aber nicht bloß passende Gebet frühzeitig lehren, sondern sie auch mit den Grundwahrheiten unserer Heiligen Religion bekannt machen. Schon im Alter von vier bis sechs Jahren können einem Kinde viele religiöse Kenntnisse beigebracht werden; zwar ist die Fassenskraft der einzelnen Kinder in diesen Jahren verschieden, aber die Kinder lernen um so mehr und um so früher, je mehr und je früher man sich ihrer annimmt. Die Mutter soll daher ihren Kindern schon früh, wo möglich mit Hilfe religiöser Bilder oder einer Biblischen Geschichte mit Bildern die passenden Begebenheiten aus dem Alten Testamente und der Kindheit Jesu erzählen. Wenn ihnen vom Paradies und den ersten Menschen, von Kain und Abel, von der Arche Noes und der Sindflut, vom Opfer Abrahams oder vom ägyptischen Joseph erzählt wird, lauschen sie mit gespannter Aufmerksamkeit, und mit wahrer Andacht hören sie zu, wenn man ihnen von der Geburt Jesu, von der Anbetung der Hirten und der drei Könige, oder vom bitteren Leiden und der Auferstehung des Heilandes erzählt. Und wie leicht können dann die Eltern an solche Erzählungen heilsame Ermahnungen und Warnungen für ihre Kinder knüpfen!
(Bevor die Kinder in die Kirche mitgenommen werden, sollen sie belehrt sein, dass dieselbe das Haus und die Wohnung GOTTES ist, der unter Brotsgestalt aus Liebe zu uns im Tabernakel wahrhaft, wirklich und wesentlich zugegen ist als unser Allmächtiger Freund und Helfer in jeder Not. Die Eltern mögen ihren Kindern deshalb öfters sagen: Jesus, der Herr Himmel und der Erde, ist im Tabernakel ein ebenso großer Kinderfreund, wie vor mehr als 1800 Jahren. Du siehst und hörst den lieben Heiland freilich nicht; aber Er sieht und hört dich, und weiß deine geheimsten Gedanken. Sein Göttliches Herz hat jetzt nicht weniger Liebe und Mitleid mit dir, als Es damals hatte mit den Kindern der Juden, als Er sprach: „Lasset die Kleinen zu Mir kommen,“ und als Er sie in Seine Arme schloss, ihnen die Hände auflegte und sie segnete. Sei überzeugt, Er hat die größte Freude, dir und allen Kindern in jeder Not und bei jedem Anliegen zu helfen. Darum rede mit Ihm vertrauensvoll
 von allem, was dir auf dem Herzen liegt, bete für dich, für Vater und Mutter, für Brüder und Schwestern, für Angehörige und Wohltäter. - Wie sehr muss es nun aber auch den größten Kinderfreund betrüben, wenn Kinder in Seiner Gegenwart, in der Kirche, sich unandächtig betragen, schwätzen und lachen! Möglichst früh sollen die Kinder von der Wichtigkeit der Heiligen Messe überzeugt und durchdrungen werden. Sie sollen lernen, die Heilige Messe als eine große Gnade GOTTES zu betrachten, innig danach zu verlangen, in ihren Anliegen zur Heiligen Messe ihre Zuflucht zu nehmen, sich stets andächtig dabei zu benehmen, und sie besonders an Sonn- und Feiertagen niemals ohne hinreichenden Grund zu versäumen.)
Besucht das Kind die Schule und den Religionsunterricht, so dürfen die Eltern nicht denken, dass sie nun alle religiösen Unterweisungen und die Übungen der Frömmigkeit den Geistlichen und Lehrpersonen überlassen können, sondern sie müssen mit diesen Hand in Hand gehen und sie im Unterrichte und in der Erziehung unterstützen. Die Eltern sollen sich von dem Fleiße und den Fortschritten ihrer Kinder überzeugen und dieselben zum fleißigen Lernen anhalten. Sie sollen, soweit dieses möglich ist, die Kinder selbst abfragen, ihnen nach Bedürfnis nachhelfen, besonders wenn diese schlecht beanlagt sind. Von seiten der Eltern ist auch dafür zu sorgen, dass ihre Kinder immer frühzeitig zur Kirche gehen, dass sie ihr Gebetbuch und den Rosenkranz mitnehmen, auf dem Wege zur Kirche nicht spielen, ruhig in der Kirche ihren Platz aufsuchen, mit einer guten Meinung andächtig beten oder singen und die Kirche ruhig und eingezogen nach dem Gottesdienste verlassen. Hierfür sollen die Eltern nicht nur an den Tagen sorgen, wo die Kinder ihre Schulmesse haben, sondern jeden Tag. Mit noch größerer Andacht wird das Kind der Heiligen messe täglich beiwohnen, wenn die Eltern ihm öfters sagen: Du musst an Werktagen statt unser die Heilige Messe hören und für Vater und Mutter und all deine Angehörigen beten, weil uns die Berufsgeschäfte nicht erlauben, zur Kirche an Werktagen zu gehen.
(Sehr anzuraten ist allen Eltern, dem Seelsorger sehr behilflich zu sein, ihre Kinder nach und nach in das Verständnis der Heiligen Messe einzuführen, damit dieselben nicht mechanisch und gedankenlos derselben beiwohnen. Die Eltern können dieses tun, indem sie sagen: „Schon im alten Bunde gab es Opfer; aber sie waren nur Vorbilder des Opfers Christi; darum konnten sie auch nicht aus sich selbst Sünden tilgen und Gnaden erwirken. Das kann nur das Opfer Christi. Jesus Christus hat Sich zuerst auf blutige Weise am Kreuze geopfert, jetzt opfert Er Sich unblutiger Weise in jeder Heiligen Messe durch die Hände des Priesters. Dem Wesen nach sind das blutige und das unblutige Opfer gleich. Wer andächtig der Heiligen Messe beiwohnt, kann der nämlichen Gnaden teilhaftig werden, als wenn er mit der lieben Muttergottes unter dem Kreuze gestanden hätte. Die Heilige Messe ist wie das Kreuzesopfer von einem unendlichen Werte und dem Allerhöchsten überaus angenehm und wohlgefällig. Sie ist das Höchste Anbetungs- und Lobopfer, das Größte Dankopfer, das Würdigste Sühnopfer und das Wirksamste Bittopfer, weil eben Jesus Selbst für uns Lobt, Dankt, Sühnt und Bittet. Darum Ehren wir durch Anhörung der Heiligen Messe GOTT mehr und erlangen ebenfalls mehr Gnade, als wenn wir einer anderen Andacht beiwohnen.“
auch mögen die Eltern nicht unterlassen, ihre Kinder an der Hand ihres Gebetbüchleins auf die drei Hauptteile der Heiligen Messe und auf das, was sie dabei zu tun haben, aufmerksam zu machen, indem sie sagen „Bei der Opferung bringe dich, mein liebes Kind, GOTT zum Opfer dar. Opfere Ihm auf deinen Leib und deine Seele, dein Tun und Lassen deines ganzen Lebens, besonders aber des heutigen Tages. bei der Heiligen Wandlung bete deinen Heiland unter den Gestalten von Brot und Wein demütig an, und opfere Ihm dem Heiligen Dreieinigen GOTT zur Anbetung, zum Lobe, zum Danke, zur Sühne und zur Bitte auf. Bei der Heiligen Kommunion kommuniziere geistiger Weise, indem du sprichst: „O Jesus, ich wünsche Dich in meinem Herzen zu empfangen, komm, bleibe bei mir und segne mich. Amen.“
Das alles, werden manche Eltern denken, ist zu beschwerlich; dazu haben wir keine Zeit. Liebe Mutter, bedenke doch, du tust sehr viel für das zeitliche Wohl deiner Kinder, um ihnen Vermögen zu erwerben und sie glücklich zu machen. Nun aber wisse: Bei der Anleitung der Kinder zur andächtigen Anhörung der Heiligen Messe arbeitest du ganz besonders für das Wohl deiner Kinder, und zwar für ihr zeitliches und ewiges Wohl. Denn Kinder, die andächtig der Heiligen Messe beiwohnen, erstehen viele Gnaden und großen Segen für sich und die ganze Familie. Ferner Kinder, die früh gewöhnt werden, andächtig die Heilige Messe zu hören, werden meist auch später, wenn sie aus der Schule entlassen sind und das Elternhaus verlassen haben, gern und fleißig die Heilige Messe besuchen und infolge davon viel eher vor Verführung und Elend bewahrt bleiben und so den Eltern Freude und Trost in ihren alten Tagen bereiten.)
Kommt die Zeit für die erste Heilige Beichte und die erste Heilige Kommunion, so soll diese Nachhilfe (Anleitung zur Ablegung 1. einer würdigen Beichte für Erstbeichtende. 24 S. und 2. einer guten Generalbeichte für Erstkommunikanten, 32 S. ist zu beziehen durch die Missionsdruckerei.) besonders zur Vorbereitung des Herzens in erhöhtem Maße stattfinden, zumal da der erstmalige Empfang dieser beiden Sakramente von der Größten Bedeutung für die Zukunft ist. Unterlass auch nicht, deinen Kindern zu helfen, sich auf die Firmung vorzubereiten.
Ermahne deine Kinder öfters zur Ehrfurcht im Gotteshause und überzeuge dich selbst, ob sie den Gottesdienst fleißig und andächtig besuchen, und zwar nicht nur, solange sie schulpflichtig sind, sondern besonders noch, wenn sie aus der Schule entlassen sind; dulde nicht, dass sie alsdann unten in der Kirche bei leichtsinnigen jungen Leuten stehen bleiben, und sorge für die Heilighaltung der Sonn- und Festtage und für den häufigen Empfang der Heiligen Sakramente.
Lass deine Kinder öfters aus einem guten Buche oder religiösen Blatte vorlesen. Selbstverständlich darf sich kein farbloses Blatt, noch viel weniger ein kirchenfeindliches oder ein schlechtes Buch in deinem Hause befinden, und bevor die Kinder etwas lesen, überzeuge dich, ob es etwas Gutes und für die Kinder Passendes ist.
Sorge auch dafür, dass deine Kinder ihren Katholischen Glauben allmählich so gründlich kennen lernen, dass sie imstande sind, ihren Heiligen Glauben zu verteidigen. Eine solche gründliche Kenntnis der christlichen Religion tut namentlich zu unserer Zeit not, wo so manche Tagesblätter, Zeitschriften und Romane allerlei Vorurteile gegen unsere Heilige Kirche zu Tage fördern, wo Ungläubige und Nichtkatholiken dieselbe fast fortwährend angreifen. In einer solchen Zeit soll in jeder Familie ein apologetisches Buch (Ein solches Buch ist: „Mgr. Von S´gurs Antworten auf die Einwürfe gegen die Religion,“ welches im Verlag der Missionsdruckerei gebunden zu kaufen ist. In einem Jahre wurden 20.000 Exemplare verbreitet. Der beste Beweis für die Nützlichkeit und Gediegenheit dieses Buches.) vorhanden sein, durch welches man die Angriffe der Gegner abwehren, etwaige auftauchende Zweifel widerlegen und sich selbst für seinen Heiligen Glauben immer mehr begeistern kann. Religiöse Unwissenheit ist sehr gefährlich. Solche, die ihre Religion nicht gründlich kennen gelernt haben, werden manchmal schon durch törichte, nichtssagende Redensarten, durch die oberflächlichsten Einwände irre geführt und im Glauben wankend gemacht!
Möchten doch alle Eltern dies nie vergessen und sich alle Mühe geben, ihren Kindern eine recht gründliche Kenntnis unseres Heiligen Glaubens beizubringen und sie zu einer echten Religiösität und gediegenen Frömmigkeit zu erziehen. Alsdann wird an ihnen GOTT Seine Verheißungen erfüllen: „Unterweise dein Kind, so wird es dich ergötzen und Wonne gewähren deiner Seele.“ (Sprichw. 29, 17.)

Fortsetzung folgt!
Nie kann o Herr ich danken Dir genug!
Es soll Dir danken jeder Atemzug,
es soll Dir danken jeder Herzensschlag,
bis zu dem letzten Schlag am letzten Tag.
Es soll Dir danken jeglicher Gedanke,
nichts will ich denken als: Ich danke, danke!

Offline ArmeSeele

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Antw:Die gute Gattin und Mutter. Ein Katholisches Lehr- und Gebetsbuch.
« Antwort #28 am: 15. April 2013, 17:36:08 »
XXX.
Erziehe die Kinder zur Schamhaftigkeit und sorge immer für die
Bewahrung ihrer Herzensreinheit!
Gar nicht ohne Grund rufe ich dir, gute Mutter, nach allen übrigen Ermahnungen und Anweisungen für deine kleinen Kinder zuletzt zu: „Erziehe die Kinder zur Schamhaftigkeit und sorge doch immer für die Bewahrung ihrer Herzensreinheit“; denn dieses ist das Allerwichtigste in der Erziehung, ohne welches alles übrige nichts helfen kann. Mag ein Kind noch so gehorsam, noch so friedfertig, noch so liebevoll, noch so ehrlich, noch so wahrheitsliebend und fromm sein, ohne Herzensreinheit und Unschuld ist es immer ein ganz unglückliches Kind.
Die Herzensreinheit ist die Tugend, worauf zuletzt alles ankommt, die Tugend, wovon zuletzt alles abhängt, die Tugend, durch welche die andern an Wert und Glanz gewinnen, die Tugend, ohne welche die übrigen wertlos sind, die Tugend, welche am allerwichtigsten und notwendigsten ist für das zeitliche und ewige Glück. „Sie ist nicht,“ wie Hirscher in seiner Katechetik sagt, „gleich einer der übrigen Tugenden, sie ist vielmehr Mittelpunkt der jugendlichen Tugendhaftigkeit überhaupt, alle Frömmigkeit und Sittlichkeit steht und fällt mit ihr.“ Hat ein Kind die Keuschheit unversehrt bewahrt, so wird es ihm leicht und süß, auch die anderen Tugenden zu üben, selbst in denselben sich auszuzeichen. Alsdann kann es in Wahrheit mit der Heiligen Schrift ausrufen: „Alles Gute kam mir zugleich mit ihr!“
Ach möchten alle Eltern dieses doch recht beherzigen! Möchten sie nie vergessen, dass Kinderunschuld bei weitem der allergrößte Schatz ist, den sie im Hause haben, dass derselbe unendlich höher zu schätzen sei als ein ganzes Kaiserreich! Möchten sie immer vor Augen haben, was im Buche der ewigen Wahrheit steht: „Alles, was man hochschätzt, ist nicht zu vergleichen mit einer keuschen, reinen Seele.“ (Eccl. 26, 20.) „O wie schön ist ein keusches Geschlecht im Tugendglanze, unsterblich ist sein Andenken, bei GOTT und den Menschen steht es in Ehren; ewig triumphiert es mit der Siegeskrone und trägt den Preis für die Kämpfe unbefleckter Reinheit davon.“ (Weish. 4, 1.) Möchtest du, gute Mutter, daher deine Kinder zur Schamhaftigkeit erziehen und immer sorgfältig für die Bewahrung ihrer Herzensreinheit sorgen!
Und was musst du denn zur Bewahrung ihrer Herzensreinheit tun?
Vor allem muss die Hausordnung von der Art sein, dass in allen Beziehungen die Schamhaftigkeit, die Unschuld des Kindes beschützt und alles, was der Unschuld des Kindes gefährlich werden kann, möglichst ferngehalten wird. Auf folgendes möchte ich noch besonders aufmerksam machen:
Halte streng, auch bei kleinen Kindern, auf äußere Schamhaftigkeit und flöße ihnen lebhaften Abscheu vor allem Unschamhaften und Unkeuschen ein! Dulde es niemals, dass Kinder beim Liegen, Sitzen oder Spielen sich unehrbar entblößen, oder dass sie nicht ordentlich bekleidet im Haus herumlaufen. Zeige ihnen, wie sie sich ehrbar und sittsam an- und auskleiden müssen, und wie sie die Wäsche zu wechseln haben, und verlange streng, dass es nur so und nicht anders geschieht.
Besorge die leibliche Pflege, das Waschen, Baden, Aus- und Ankleiden der kleine Kinder, wenn es eben möglich ist, immer selbst. Es ist allzu gefährlich, dieses, besonders aber das Baden der kleinen Kinder den älteren Geschwistern oder einer jungen Dienstmagd zu überlassen. Diese Arbeiten, sowie auch die Wartung des Säuglings an der Brust sollen nicht in Gegenwart und vor den Augen der älteren Geschwister oder anderer Personen geschehen. Dulde nicht, dass an unpassenden Stellen dein Kind gekitzelt werde, um es vom Weinen abzubringen, denn dieses ist für die Kinderunschuld äußerst gefährlich. Dasselbe gilt auch von den unvernünftigen, allzu großen Liebkosungen der Kinder.
Sorge dafür, dass in deinem Haus oder Hof ein von allen Seiten verschlossener Ort ist, wo die Kinder ihre Bedürfnisse ungesehen und anständig verrichten können; verlange streng, dass dies nirgendwo anders als dort und immer allein und zwar bei verschlossener Tür geschehe.
Solltest du bemerken, dass das kleine Kind etwas Unehrbares, Unkeusches tut, so musst du ihm sofort in allem Ernste, voll heiliger Entrüstung und mit großem Abscheu sagen: „Das ist hässlich, das darfst du nicht tun,“ oder: „Pfui, schämst du dich denn nicht!“ Ist das Kind aber bereits zum Gebrauche der Vernunft gekommen, so musst du noch folgende Belehrung hinzufügen: „Was du da tust, ist Sünde, und wer Unkeusches tut, kommt nicht in den Himmel, sondern in die Hölle.“  War das Kind früher schon wegen unehrbaren Handlungen zurechtgewiesen worden, dann darf eine ordentliche körperliche Züchtigung mit der Rute nicht ausbleiben, welche oft allein und zwar für das ganze Leben nachhaltig wirkt.
Gib deinen Kindern keine zu nahrhaften Speisen und keine hitzigen, reizenden, geistigen Getränke; denn der Genuss solcher Speisen und Getränke bildet eine Gefahr für die Keuschheit. Milch und Wasser sind in jeder Beziehung die besten Getränke für Kinder.
Ermuntere die Kinder zur Arbeitsamkeit und gib schon den kleinen passende Beschäftigung. Vergiss nie, der Müßiggang brütet alle, auch die schändlichsten Laster aus; denn er ist aller Laster Anfang.
Wache aufmerksam über den Umgang und den Verkehr deiner Kinder, über ihre Spiele und Arbeiten! Halte sie immer und überall möglichst im Auge. Lass deine Kinder nicht im Dunkeln spielen, noch an verborgenen Orten und Winkeln, nicht in Scheunen oder Ställen, nicht in Gebüschen oder entlegenen Teilen des Gartens. Sorge dafür, dass die Kinder auch bei ihren Spielen nach Geschlechtern so viel als möglich getrennt seien, und lass sie nicht mit anderen ohne zuverlässige Aufsicht in den Wald oder baden gehen. Wo es Sitte ist, dass Knaben baden, müssen alle mit Badehosen oder mit einem ordentlichen Tuche bekleidet sein, und Mädchen dürfen nicht in die Nähe der Badestellen kommen.
Mit aller Sorgfalt wache darüber, dass deine Kinder nichts sehen, lesen und hören, was ihrer Unschuld gefährlich sein könnte! Dass kein Verführer, sei es ein verdorbenes Kind oder ein schlechter Dienstbote oder sonst ein unsittlicher Mensch in ihre Nähe komme! Ein schamloser Dienstbote muss um jeden Preis, sobald als eben möglich, aus dem Dienste entlassen werden, und sei er noch so fleißig und treu, scheine er selbst unentbehrlich zu sein. Wie manches Kind ist gerade durch eine verdorbene Magd, einen unkeuschen Knecht unglücklich geworden!
Verlange streng, dass deine Kinder, sobald es dunkel wird, zu Hause sind und sich nicht auf der Straße herumtreiben! Lass nie eines deiner Kinder mit einer Person, zumal anderen Geschlechtes,  die dir nicht als ganz zuverlässig bekannt ist, allein. Selbst bei nahen Verwandten darfst du in dieser Beziehung keine Ausnahme machen. Auch sage deinen Kindern öfters gelegentlich, sie müssten, wenn schlechte Menschen sie verführen wollten, um Hilfe schreien und es den Eltern mitteilen. Sie brauchten sich deshalb nie zu schämen; denn dieses gereiche ihnen zur Ehre, und nur das Laster hätte allen Grund, sich zu schämen. Dulde nie, dass Kinder sich in einem abgeschlossenen Zimmer aufhalten.
Wache besonders noch auf dem Schlafzimmer und unterlass dort keine Vorsichsmaßregel! Die Kinder dürfen nicht im Schlafzimmer der Eltern schlafen, nie Knaben und Mädchen in einem Zimmer zusammen, noch viel weniger in einem Bette, wenn eines von deinen Kindern 3 bis 4 Jahre alt ist. Lass selbst nie Personen desselben Geschlechtes mit deinen Kindern in einem Bette, noch in einem Zimmer schlafen, wofern du dieselben nicht als ganz zuverlässig kennen gelernt hast! Dieses gilt sogar von nahen Verwandten. „O wie dankbar wäre ich meinen Eltern,“ sagte mir unter Tränen ein bereits ergrauter Mann, „wenn sie mich in einem Stalle hätten schlafen lassen, anstatt dass ich in einem Zimmer mit meinem Vetter, der als Gesell im Hause war, schlafen musste; denn dieser hat mich verführt und unglücklich gemacht.“
gewöhne deinen Kinder daran, vor dem Schlafengehen Weihwasser zu nehmen, unter Gebet sich auszukleiden (ebenso morgens sich anzukleiden), unter Stoßgebetlein einzuschlafen, im Bette die Hände über der Brust zusammenzulegen. Sorge dafür, dass das Bett nicht zu weich und nicht zu warm sei.
Achte darauf, dass die Kinder nicht zu früh schlafen gehen, und schlaflos im Bette verweilen oder sich herumwälzen; denn dieses ist für die Unschuld sehr gefährlich, zumal wenn 2 in einem Bette schlafen müssen. Dulde nicht, dass die Kinder im Schlafzimmer Scherze treiben und Unnötiges sprechen.
Ahme nicht die schlechte Mode der zu kurzen Kleider der Mädchen nach und jenes Einzwängen der Knaben in enge Beinkleider; beides hat seine Gefahren für die Unschuld. Untersage deinen Kindern, die Hände in den Hosentaschen zu halten, die Beine beim Sitzen übereinanderzulegen und ähnliche Unarten, aber nur mit dem Hinweis auf den Anstand und die gute Sitte.
Behüte deine Kinder, so viel als möglich, vor dem Anblicke Anstoß erregender Tiere (Weihbischof Kramer macht in seinem Buche „Die christliche Mutter“ eigens darauf aufmerksam, dass weder kleine, noch größere Kinder zu gewissen Geschäften mit dem Vieh dürfen mitgenommen werden. Aus gleichem Grunde sorge dafür, dass überhaupt die Haustiere den Kindern nicht zum Ärgernis gereichen. Leider machen sich manche gewissenlose und dumme Eltern nichts daraus.) und vor dem Anblick unanständiger Bilder. Sorge dafür, dass deine Kinder kein unpassendes Wort hören. „Nichts, was Augen und Ohren verletzt, trete über die Schwelle, wenn darinnen ein Kind verweilt,“ sagt schon der heidnische Dichter Juvenal.
Wache über die Lektüre deiner Kinder! Wenn die Kinder Zeit haben und gern lesen wollen, so haben die Eltern die heilige Pflicht, darauf zu achten, dass dieselben niemals etwas lesen, was für dieselben unpassend und der Kinderunschuld gefährlich sein kann. Verwerflich sind aufregende Romane und Liebesgeschichten, Räuber- oder Indianergeschichten nicht empfehlenswert. An wirklich guten, katholischen Kinderschriften ist heutzutage kein Mangel mehr. Soll jedoch ein gutes Buch wirklich Nutzen stiften, so müssen die Kinder es mehrmals lesen und die Eltern sich mit den Kindern über den Inhalt desselben unterhalten und sich einzelnes erzählen lassen.
Halte deine Kinder an, täglich um Bewahrung der Herzensreinheit zu beten. Gewöhne sie, recht oft an die Allgegenwart und Allwissenheit GOTTES und an ihren immer gegenwärtigen Heiligen Schutzengel zu denken. Präge jedem Kinde tief ein: „GOTT ist überall zugegen und Er sieht und weiß alles, selbst deine geheimsten Gedanken. Menschen kannst du täuschen, GOTT aber nicht; Er wird dich belohnen und bestrafen nach Verdienst. Zeuge all deiner Gedanken und Handlungen ist außer GOTT auch dein Heiliger Schutzengel. Tu doch niemals etwas, was dem lieben GOTT und deinem Himmlischen Beschützer missfällt!“
(Ich kann dieses sehr wichtige Kapitel nicht schließen, ohne dass ich vom Bischof Felix Dupanloup, einem der größten Pädagogen Frankreichs, noch einiges zur Ergänzung angeführt habe.
In seinem Buche „Erziehung“ III, 472 ff. schreibt er: Die Eltern müssen über die Unschuld ihrer Kinder wie über ihren Augapfel wachen. … Vor allem ist es von hoher Wichtigkeit, die Kinder von den ersten Jahren an zu gewöhnen an den Anstand, an die Achtung vor sich selbst und ihnen eine große Schamhaftigkeit einzuflößen …. Deswegen darf man ihnen niemals Freiheiten, Unverschämtheiten oder Unanständiges irgend einer Art erlauben ….
Ein weiterer Punkt, welcher die größte Wachsamkeit der Eltern erfordert, sind die Dienstboten …. Wenn solche Leute auch nicht, wie dies nur zu oft der Fall ist, erklärte Verführer sind, so sind sie doch in ihrem Benehmen, in ihren Manieren, in ihrer Sprache oft so roh, dass die Kinder bei ihnen leicht viele schlechte Dinge lernen können.
Nicht weniger sorgfältig muss der Verkehr mit den Kameraden überwacht werden; gewöhnlich werden die Kinder dadurch verdorben; sie lernen das Böse voneinander. In den unglücklichen Zeiten, in denen wir leben, kann jeder Kamerad eine Gefahr sein; und von diesem Gesichtspunkte muss man ausgehen, um die Überwachung zu regeln ….
Habt die Augen offen mit Furcht und Wachsamkeit, nicht alleine über die Kameraden eurer Kinder, sondern auch über die Vettern und Bäschen, mit denen die Vertraulichkeiten, weil sie viel leichter sind, oft nur um so gefährlicher werden; ich sage ferner und nicht ohne Ursache: Wachet selbst über die Brüder und Schwestern!
Ja, wenn es in einer Familie mehrere Kinder gibt, die sich in demselben Zimmer vor einander an- oder auskleiden, und die sich oft allein beieinander befinden, so sind die einen für die andern eine Gefahr, welche die ganze Wachsamkeit der Eltern beansprucht.“)
Gute, liebe Mutter, beobachte doch immer treu diese angegebenen Vorsichtsmaßregeln! Beachte die Wahrheit, die selbst ein Mensch wie der ungläubige gottlose Rousseau bekennt mit folgenden Worten: „Nur dann kann Kindern ihre Unschuld erhalten werden, wenn alle diejenigen, die um sie sind, die Unschuld ehren und lieben und daher auch im Reden, in der Kleidung, in den Gebärden, bei der Berührung, welche die Pflege des Kindes erfordert, die strengste Sittsamkeit so viel als möglich beobachten.“ Heil dir, gute Mutter, wenn durch deine und deines Gatten Bemühungen, Sorgfalt und Wachsamkeit die Seelen, welche euch zur Erziehung übergeben sind, keusch und rein bleiben! Du hast dann ein sehr großes Werk vollbracht. Die Unschuld und das Glück deiner braven Kinder wird deine Freude und dein Trost hier auf Erden, und eine unbeschreiblich große und ewig dauernde Belohnung dein Anteil im Himmel sein.

Fortsetzung folgt!
Nie kann o Herr ich danken Dir genug!
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bis zu dem letzten Schlag am letzten Tag.
Es soll Dir danken jeglicher Gedanke,
nichts will ich denken als: Ich danke, danke!

Offline ArmeSeele

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Antw:Die gute Gattin und Mutter. Ein Katholisches Lehr- und Gebetsbuch.
« Antwort #29 am: 22. April 2013, 16:13:40 »
XXXI.
Heranwachsende Söhne und Töchter!

Je mehr deine Kinder heranwachsen, je mehr sie in die Welt kommen und ihre verführerischen Reize kennen lernen, um so notwendiger ist das wachsame Auge, die sorgsame Aufsicht und das entschiedene Auftreten der Mutter, um so mehr bedarf sie auch der Stärke und Hilfe von oben.
Verrichte daher, gute Mutter, gern deine täglichen Gebete und unterlass keinen Tag das Ablaßgebet zur Heiligen Familie, um dich und all die deinen in den Allmächtigen Schutz der Heiligen Familie zu stellen. Halte auch deine heranwachsenden Kille deiner heranwachsenden Söhne und Töchter noch so schwach ist, die Leidenschaften aber immer stärker werden, jetzt, wo die Verführung in Wort und Beispiel ihnen in tausend lockenden Gestalten entgegentritt, noch eine besondere Sorgfalt anwenden, um deine größeren Kinder im Guten zu stärken und sie gegen das böse Beispiel schlechter Menschen charakterfest zu machen, so dass sie es sich zur Ehrensache anrechnen, sich nicht haltlos von der Strömung der verdorbenen Welt fortreißen zu lassen, sondern wie ein Fels im Meere mutig widerstehen und stolz darauf sind, von gottlosen Menschen verspottet und verlacht zu werden. Jetzt gelten daher auch dir, o gute Mutter, die Worte des Heiligen Paulus: „Ich beschwöre dich vor GOTT und Jesu Christo, verkünde das Wort (der Belehrung und Mahnung), halte an damit, unterweise, bitte, strafe in aller Geduld und Lehrweisheit.“
besonders möchte ich dich, gute Mutter, noch auf folgendes aufmerksam  machen.
Schon lange, bevor deine Kinder aus der Schule entlassen werden, sollst du sowie auch dein Gatte mit den Kindern oft und andächtig GOTT bitten, dass ER Seinen Heiligen Willen euch in betreff des Berufes der Kinder offenbare, ihr sollt ihre geistigen und leiblichen Anlagen beobachten und prüfen, dann im Lichte des Glaubens die verschiedenen Lebensstände mit ihren Vor- und Nachteilen erwägen und endlich einen erfahrenen, klugen Seelenführer zu Rate ziehen. Doch dürfen die Eltern ihre Kinder zu keinem Stande zwingen, und diese dürfen nicht einmal den Wünschen der Eltern willfahren, wenn dieselben dem Willen GOTTES, welchen das Kind zu erkennen glaubt, entgegengesetzt sind; denn ein verfehlter Beruf – und dieses gilt auch vom priesterlichen und klösterlichen Berufe – könnte nur zu leicht die Kinder für Zeit und Ewigkeit unglücklich machen. Also mit Rat und Tat sollen die Eltern ihren Kindern in der Berufswahl zur Seite stehen, zugleich müssen sie aber dennoch ihren Kindern die nötige Freiheit lassen.
Flöße deinen heranwachsenden Söhnen und Töchtern einen möglichst großen Hass gegen jede Sünde, besonders aber gegen die Sünden der Unkeuschheit ein. Sage ihnen oft mit der Heiligen Bianka, der Mutter des Heiligen Ludwig: „Wie sehr ich euch auch liebe,  so wollte ich euch dennoch lieber tot zu meinen Füßen liegen sehen, als erleben, dass ihr in eine Todsünde gefallen wäret und eure Unschuld verloren hättet. Nur keine Sünde, meine lieben Kinder!“
warne deine Söhne und Töchter vor der Genusssucht, vor der Kleiderpracht und vor dem Lesen schlechter Bücher, Schriften und Zeitungen. Eine einzige schlechte Schrift kann den besten Jüngling und die frömmste Jungfrau zu Grunde richten. Sorge aber auch, dass es den heranwachsenden Kindern nicht an passenden Büchern und Schriften fehlt. Besonders möchte ich dir anraten, ihnen ein Standesgebet- und Lehrbuch (Ein solches Buch ist a) Himmelsweg für Jünglinge, b) Himmelsweg für Jungfrauen, e) Via Coeli für Studierende, welche im Verlag der Missionsdruckerei zu kaufen sind.) zu kaufen.
Lass deine Kinder, bevor sie erwachsen sind, durchaus nicht an Tanzlustbarkeiten teilnehmen, und später auch nur unter ganz zuverlässlicher Aufsicht; am besten wäre es, wenn sie für immer darauf verzichteten.
Verlange, dass deine Söhne und Töchter immer zur Zeit zu Haus sind, und dulde kein abendliches Herumschweifen. Halte insbesondere deine Söhne vor unnötigem Besuch der Wirtshäuser zurück und sorge dafür, dass deine Söhne und Töchter nicht das notwendige Geld in Händen haben; denn viel Geld gereicht der Jugend fast immer zum Verderben. Lehre deine Kinder das Familienleben schätzen und veranstalte deshalb hie und da ein kleines Familienfest.
Nichts ist verderblicher und in seinen Folgen unberechenbarer, als Müßiggang. Halte deshalb all deine Kinder fortwährend zu nützlicher und passender Arbeit an; denn Müßiggang ist die Quelle unzähliger Versuchungen und aller Laster Anfang.
Müssen deine Söhne und Töchter aus dem elterlichen Hause zu unbekannten Leuten, so unterlass doch keine Vorsichtsmaßregel, erkundige dich zuvor selbst oder durch deinen Seelsorger oder andere zuverlässige Personen, ob sich dein Kind ohne Gefahr für seinen Glauben und seine Unschuld dahin begeben kann. Sieh keineswegs bloß auf materiellen Vorteil, sondern vor allem darauf, ob dein Kind als Katholik für sein Seelenheil auch gehörig sorgen kann und bei einer gut katholischen Familie, wo Zucht und Ordnung herrschen, Wohnung erhält. Gib deinen Kindern den ausdrücklichen Befehl, es sofort zu Haus mitzuteilen, wenn trotz aller Vorsichtmaßregeln dennoch in der Fremde ihre Unschuld oder ihr Glaube in Gefahr kommt. Erkundige dich auch selbst öfters über ihr Betragen,ihren Sakramentenempfang, ihren Kirchenbesuch und ihren Verkehr mit andern. Lass deine Söhne und Töchter niemals einen Dienst oder Aufenthalt in einem Orte nehmen, wo sie ihre religiösen Pflichten nicht erfüllen können.
Präge deinen Kindern ein, bei der Wahl ihrer Freunde oder Freundinnen recht vorsichtig zu sein, und sich nie solchen anzuschließen, die über die Religion spotten oder unkeusche Reden führen, die sie zum häufigen Besuche des Wirtshauses, zu unnützen Geldausgaben, zu schlechten Streichen und zur Genusssucht verführen wollen. Sehr viele selbst edle Jünglinge und Jungfrauen haben mit ihrer Unschuld den Glauben verloren und sich ganz unglücklich gemacht, weil sie zwischen schlechte Menschen, Religionsspötter und Ungläubige geraten waren.
Sollte in dem Aufenthaltsorte deiner Kinder ein Lehrlings- oder Gesellen- oder Jünglings- oder Jungfrauenverein oder eine Bruderschaft für Jünglinge und Jungfrauen sein, so veranlasse deine Söhne und Töchter, sich so bald als möglich aufnehmen zu lassen.
Warne deine Söhne und Töchter zur rechten Zeit vor zwecklosen und sündhaften Liebeleien, vor den allzu frühen Bekanntschaften, welche, wie die tägliche Erfahrung zeigt, das Grab der Unschuld und die Ursache sehr vieler und großer Sünden sind.
Mit einem Worte: Mache deine Kinder überhaupt aufmerksam auf die vielfachen Gefahren, die ihrer Tugend und ihrer Religion in der Welt drohen, und zeige ihnen an lebenden Beispielen, wohin schlechte Gesellschaft, Wirtshausleben, Leichtsinn, Vergnügungssucht, unerlaubte Bekanntschaften führen, und dass nur der wahrhaft glücklich ist, welcher ein tugendhaftes Leben führt.
Sollten,gute Mutter, deine Belehrungen und Warnungen, deine Bemühungen und Sorgen infolge Verführung eine deiner Kinder scheinbar ohne Erfolg sein, o, so bete und verzage nicht! Früher oder später, vielleicht erst, wenn du das Zeitliche gesegnet hast, kehrt dein Sohn oder deine Tochter auf den rechten Weg zurück. Jedenfalls werden deine Sorgen und Mühen, deine Gebete und Seufzer nicht unbelohnt bleiben; der Allwissende GOTT wird dir alles reichlich wenigstens im Jenseits belohnen.

XXXII.
Erwachsene Söhne und Töchter.

Sind auch deine Kinder bereits groß geworden, so hören dennoch deine Pflichten gegen dieselben nicht auf. Du bist und bleibst ihr sichtbarer Schutzengel, solange du lebst. Du musst daher nach deinen Kräften fortfahren, sie zum Guten anzuleiten und vom Bösen abzuhalten. Du musst durch Wort und Beispiel sie zum Gebete, zum fleißigen Besuch des Gottesdienstes und häufigen Sakramentenempfange anhalten, dafür sorgen, dass sie das Familienleben immer lieber gewinnen, dass sie sich von allen gefährlichen Vergnügungen und Lustbarkeiten möglichst fernhalten und dass sie dieselben nur unter zuverlässiger Aufsicht besuchen. Du darfst zum Beispiel deiner erwachsenen Tochter nicht erlauben, dass sie sich an dem sehr gefährlichen Tanzvergnügen beteilige ohne eine ganz zuverlässige Aufsicht. Es würde nicht genügen, wenn der Bruder die Schwester begleite; denn der Bruder findet seine Kameraden, und er lässt alsdann die arme Schwester ohne Schutz all den großen Gefahren preisgeben. Mit einer solchen Aufsicht können die Eltern sich sicherlich nicht beruhigen, sie müssen entweder selbst mitgehen oder für eine andere ganz zuverlässige Aufsicht sorgen und zwar vom Austritt aus dem Familienzimmer bis zur Rückkehr in dasselbe. Mögen die Eltern sich wohl merken, dass eine traurige Erfahrung lehrt: Beim Tanze erbleicht die Unschuld, beim Nachhausegehen wird sie oft zu Grabe getragen!
Erkläre deinen erwachsenen Söhnen und Töchtern bei jeder Gelegenheit, wie ein jeder, abgesehen von allem anderen, so viel als möglich, schon seines guten Namens wegen das Alleinsein mit einer Person des andern Geschlechtes, zumal im Verborgenen oder zur Nachtzeit oder bei Lustbarkeiten, meiden müsse, und erinnere sie daran, dass nicht ohne Grund die Heilige Schrift und warnend zuruft: „Wer die Gefahr liebt, kommt darin um.“ (Eccl. 3, 27.) Sorge aber auch selbst, so viel du eben kannst, dass deine Kinder sowie alle deine Untergebenen nicht in die nächste Gelegenheit zur Sünde kommen. So zum Beispiel ist es sehr anzuraten, eine deiner Töchter oder deine Magd während des Gottesdienstes nicht allein zu Haus zu lassen und dich nicht eher abends zur Ruhe zu begeben, bis alle andern dieses getan haben
müssen deine Kinder ohne zuverlässige Begleitung eine Reise unternehmen, so gib ihnen  die nötigen Vorsichtsmaßregeln an. Auf Reisen gilt besonders: „Trau, - schau, - wem?“ Muss eine deiner Töchter allein reisen, so trage ihr streng auf, stets ein Frauencoupé zu begehren.
Mache deine Kinder aufmerksam, dass gegenüber Zudringlichkeiten oder Zumuten sittenloser Mitreisender uns als Schutz zur Seite steht § 183 des Reichsstrafgesetzbuches, der solchen Eisenbahnreisenden mit Gefängnisstrafen bis zu 2 Jahren droht. Das Reichsgericht hat am 2. Mai 1893 entschieden, dass unter diesen Paragraphen auch sittenlose Reden fallen. Zudem sind auch die Schaffner dienstlich verpflichtet, bei einem solchen Falle einzuschreiten. Vor einer Reise lass deine Kinder wenigstens ein Vater unser beten, damit sie vor Unglück bewahrt bleiben.
Wird deine Tochter krank, so sollst du selbst mit ihr zu einem gewissenhaften, christlichen Arzte gehen oder für eine passende und zuverlässige Begleitung sorgen und zwar nicht bloß zur Begleitung ins Sprech- und Wartezimmer, sondern auch jedesmal mit ins Untersuchungszimmer. Wenn der Arzt dieses nicht will, so bestehe dennoch darauf und verlange es voll Mut und Entschiedenheit; denn ein guter Arzt wird es immer zugeben. Wenn im Wartezimmer des Arztes unpassende Bücher mit anstößigen Bildern liegen oder anderes vorhanden ist, was sich nicht schickt, so hast du Grund genug, anzunehmen, dass ein Mann, der solches in seinem Wartezimmer hat, nicht gewissenhaft ist. Alsdann kannst du nicht Besseres tun, als sofort seine Wohnung zu verlassen und einen gewissenhaften Arzt aufzusuchen.
Glauben deine Kinder sich zum Ehestand berufen, so bewahre sie doch vor einer lasterhaften, unerlaubten Bekanntschaft, uns sei nicht zu sehr auf ihre Versorgung bedacht, sondern vertraue nur fest auf die Göttliche Vorsehung und bete, dass der liebe GOTT zur rechten Zeit eine brave und passende Person zu deinen Kindern führe, womit sie zeitlich und ewig glücklich werden. Präge deinen erwachsenen Söhnen und Töchtern tief ein: Eine Bekanntschaft komme noch immer früh genug, wenn es sich um die Eingehung einer Ehe handelt. Sie würden in der Wahl der Person und im Leben mit ihr um so glücklicher sein, je mehr sie sich vor einer unerlaubten Bekanntschaft in acht genommen und je besser sie ihre Unschuld bewahrt hätten.
Um die Eingehung einer Ehe kann es sich bei deinen Söhnen erst dann handeln, wenn sie der Militärpflicht genügt haben und sie imstande sind, eine Familie zu ernähren. Für deine Töchter ist das passende Alter vom vollendeten zwanzigsten Jahre bis zum fünfundzwanzigsten. Du sollst also vor dieser Zeit bei deinen Kindern niemals eine Bekanntschaft dulden; denn die allzu frühen Bekanntschaften pflegen das Grab der Unschuld zu sein und die Quelle sehr vieler Sünden.
Musst du eine Bekanntschaft untersagen, so tust du klug daran, deine Gründe hierfür mitzuteilen, damit man nicht glaube, du seiest von Leidenschaft und Vorurteil geleitet. Warne vor heimlichen Bekanntschaften und sage, eine solche wichtige Sache müsse man mit den Eltern überlegen und man dürfe keine Bekanntschaft ohne Wissen der Eltern anfangen. Erlaube deinen Töchtern nicht, Besuche anzunehmen, es sei denn in deinem eigenen Hause in deiner Gegenwart oder in der Gegenwart einer ganz zuverlässigen Person. Erteile deinen Kindern bei jeder Gelegenheit in dieser gefährlichen Zeit gute Ratschläge in aller Liebe und Geduld.
Ist eine Bekanntschaft wegen des gehörigen Alters und wegen der Aussicht auf eine baldige Ehe erlaubt, so ist die Wahl der Person von der größten Bedeutung und Wichtigkeit. So wichtig nun diese Wahl ist, so schwer ist sie zugleich. Diese Schwierigkeit hat einen doppelten Grund. Einerseits ist die Verstellungskunst bei manchen sehr groß, namentlich wenn sie sich verheiraten wollen. Da sieht man bisweilen ganz ungläubige Menschen Werke der Frömmigkeit üben, Trunkenbolde Mäßigkeit heucheln, zanksüchtige Mädchen sanftmütig werden uns so weiter. Anderseits macht, wie das Sprichwort sagt, die Liebe blind. Daher ist es wohl notwendig, dass du, gute Mutter, bei der Auswahl der Person deinen Kindern ratend, ohne sie zu nötigen, zur Seite stehst.
Bei der Auswahl sollst du nicht so sehr auf eine schöne Gestalt, zierliche Kleidung und auf angenehme Manieren schauen, sondern vor alle, ob die Person wahrhaftig Gottesfürchtig, arbeitsam und häuslich ist, nicht den Vergnügungen nachläuft und mit seinen Eltern und Geschwistern bisher in gutem Frieden gelebt hat. So sollst du zum Beispiel niemals zugeben, dass eine deiner Töchter sich mit einem Jüngling heiratet, welcher der Unmäßigkeit und dem Müßiggange ergeben ist, oder einen schlechten Lebenswandel führt, oder seine religiösen Pflichten vernachlässigt und ungläubige, irreligiöse Gesinnung zur Schau trägt.
Aber unter keinen Umständen und unter keinerlei Bedingung dulde eine Bekanntschaft mit einem oder einer Andersgläubigen! Von jeher hat unsere Heilige Kirche wegen der triftigsten Gründe gemischte Ehen, das heißt Ehen zwischen katholischen und nicht-katholischen Christen, gemißbilligt, verabscheut und verboten; sie erteilt nur sehr ungern und nur aus wichtigen Ursachen unter bestimmten Bedingungen Dispens. Sie hat im Laufe der Jahrhunderte leider zu viele traurige Erfahrungen in dieser Beziehung gemacht. Wie oft ist es nämlich vorgekommen, dass das vor der Ehe gegebene Versprechen treulos gebrochen wurde, weil man Zurücksetzung in seiner Stellung fürchtete, oder durch Abhängigkeit von nicht-katholischen Angehörigen, oder durch sonstige Rücksichten zu einer traurigen Sinnesänderung verleitet wurde! - in der Bekanntschaft vor der Ehe heißt es zwar: „Er oder sie will katholisch werden.“ Aber wehe demjenigen, der sich so betören ließ. Vorher versprach man goldene Berge, aber nachher verschwanden sie wie der Nebel, und der katholische Erbteil erhielt nur noch Spott und Hohn für seine wahre Religion; er konnte nicht mehr öffentlich das Kreuzzeichen machen, kein „Gegrüßet seist Du, Maria“ beten, oder er musste Schimpf und Spott hören.
Selbst dann, wenn alle Kinder katholisch werden, ist für diese und für den katholischen Eheteil eine große Gefahr der religiösen Kälte und Gleichgültigkeit vorhanden, wofern der Vater oder die Mutter einen andern Glauben hat. Denn wenn schon der vertraute Umgang mit Andersgläubigen nicht ohne bedeutende Gefahr für den Glauben ist, um wieviel drohender muss die Gefahr sein beim ununterbrochenen Zusammenleben?
Ferner verlangt das innige Verhältnis, wie es zwischen Eheleuten bestehen soll, Einheit und Gleichheit in der Religion. Denn die Verschiedenheit der Religion bringt in das Leben einen fast unauflöslichen Zwiespalt und eine Missverhältnis, bei welchem Eheleute nie ein volles, ganzes Glück genießen können.
Endlich geht der Katholik eine unauflösliche Verbindung ein und kann keine andere Ehe eingehen, ehe der Tod der oder des Andersgläubigen das Eheband gelöst hat. Der protestantische Teil aber kann gemäß seiner Glaubenslehre aus verschiedenen Ursachen die gänzliche Ehescheidung verlangen und sich mit einer anderen Person wieder heiraten. Wie steht in solchen Fällen der katholische Eheteil mit den Kindern einsam, verlassen und unglücklich da! Daher unter keinen Umständen und unter keiner Bedingung eine Bekanntschaft mit einer oder einem Andersgläubigen, um deine Kinder vor dem so großen Unglück einer gemischten Ehe zu bewahren.
Ist die Auswahl glücklich geschehen, ist eine erlaubte Bekanntschaft angeknüpft, so bist du aber streng verpflichtet, für die nötige Aufsicht zu sorgen. Merke dir wohl: Du hast die Heiligste Pflicht, deinen erwachsenen Sohn oder deine erwachsene Tochter niemals in der Bekanntschaft mit der Person anderen Geschlechtes allein zu lassen, du musst fortwährend sorgfältige Aufsicht führen oder für zuverlässige Aufsicht sorgen, du darfst dieselben nicht einmal allein aus dem Familienzimmer bis zur Haustür gehen lassen, noch viel weniger sie vor der Haustür allein stehen lassen. Du bist der sichtbare Schutzengel deiner Kinder; GOTT hat sie dir anvertraut, aus deinen Händen wird Er sie wieder zurückfordern. Wehe dir, wenn du deine Heilige Schutzengelpflichten vernachlässigt hast!
Tausende und abermals Tausende von Vätern und Müttern brennen jetzt in der Hölle wegen schwerer Pflichtverletzung in der nötigen Aufsicht, indem sie vom Tode überrascht wurden, bevor sie dieselbe durch Reue und Beicht wieder gutgemacht hatten. Sie sind ewig verloren, weil sie so gewissenlos und pflichtvergessen waren, dass sie ihre Söhne und Töchter ohne das gehörige Alter, ohne baldige Aussicht auf eine brave, katholische Ehe und ohne Aufsicht mit Personen anderen Geschlechtes allein ließen, ja diese absichtlich allein ließen, selbst sorglos schlafen gingen, obschon sie gut wussten, dass ihre Tochter in der allergrößten Gefahr schwebte, und es ihnen alles allerlei war, wenn ihre Kinder nur eine reiche Partie in Aussicht hatten. O, welch eine Blindheit! Man möchte blutige Tränen weinen, wenn man sieht oder hören muss, wie Eltern, welche doch aus eigener Erfahrung oder aus traurigen Beispielen von anderen wissen müssen, welch große Gefahren ihren Kindern drohen, dennoch ihre Heiligsten Pflichten so entsetzlich vernachlässigten und so sich selbst und ihre Kinder unglücklich machen.
Ach, gute Mutter, sei du noch verständiger und lass dich warnen durch das Unglück anderer, bevor es zu spät ist. Und wenn diene Wachsamkeit deinen Söhnen und Töchtern lästig fällt, wenn diese vielleicht Beispiele pflichtvergessener Eltern vorschützen, so lass dich nicht irre machen und fürchte nicht ihren Unwillen, sondern bleibe fest in deiner Pflichterfüllung und sage ihnen nur: „Nichts ist am Tage der Trauung erfreulicher, nichts knüpft fester das Eheband, nicht begründet sicherer das Eheglück als das Bewusstsein, jungfräulich, keusch und rein an den Traualtar getreten zu sein.“
sind deine Kinder verlobt, so ist ihnen doch nicht mehr erlaubt als anderen Personen, und du hast alsdann noch immer die Heilige Pflicht, dafür zu sorgen, dass sie nur unter Aufsicht miteinander verkehren und sich sorgfältig vor jeder Sünde hüten. Unterlass auch nicht sie zu ermahnen, durch fleißiges Gebet und häufigen Sakramentenempfang den Segen GOTTES auf den zukünftigen Ehestand herabzuflehen. Kurz vor der Ehe gib deiner Tochter den erforderlichen Unterricht über ihre Pflichten als Gattin in allem Ernst und Anstand. Ist sie verheiratet, so mische dich nicht ohne Grund in ihre Angelegenheiten, sondern suche durch fleißiges Gebet recht viele Gnade auf sie und ihren Gatten herabzuflehen. Kommen Schwierigkeiten und Missverständnisse mit ihrem Gatte, so sei immer bereit, mit Rat und Tat zu helfen, und ermahne fortwährend zu gegenseitiger Geduld und Nachsicht.
Was den Hochzeitstag eines deiner Kinder betrifft, so musst du deinen ganzen Einfluss als Mutter aufbieten, damit dieser mit GOTT angefangen und mit GOTT beschlossen wird, dass dein Kind recht würdig mit den übrigen Sakramenten auch das Heilige Sakrament und während der Heiligen Messe den Brautsegen empfängt; sorge auch dafür, dass jede übertriebene Pracht und jeder allzu große Aufwand ferngehalten werden und bei der ganzen Hochzeitsfeier nicht vorkommt, was den christlichen Anstand und die Sittsamkeit verletzt. Halte alles fern, was sündhaft ist oder anderen Anlass zur Sünde werden könnte. Habe ein wachsames Auge auf junge Leute, die vielleicht anwesend sind! Gute Mutter, biete doch alles auf, was du kannst, dass die Hochzeitsfeier nicht bis spät in die Nacht daure, sondern dass dieselbe im traulichen Zusammensein naher Verwandten und gesitteter Freunde, fern von rauschenden Lustbarkeiten, Tänzen und sonstiger Ausgelassenheit, in Gottesfurcht und ehrbarer Freude gehalten werde, so dass Jesus und Maria, wie einst auf der Hochzeit zu Kana, als Gäste zugegen sein könnten und der ganze Himmel seine Freude daran hat und seinen Segen dazu spendet. Sorge auch dafür, dass unter den Hochzeitsgeschenken sich ein Lehr- und Gebetbuch für Eheleute befindet. (Durch die Missionsdruckerei ist dieses Buch „Die gute Gattin und Mutter,“ sowie „Der gute Gatte und Vater“ als Hochzeitsgeschenk in einem besseren Einbande zu beziehen.)
Sollte eines deiner Kinder oder mehrerer zum Priester- oder zum Ordensstande berufen sein, oder den Beruf habe, in der Welt bis zum Tode im jungfräulichen Stande zu leben, so darfst du ihnen deshalb keine Schwierigkeit machen und brauchst dich auch deshalb keineswegs zu grämen; denn ein solcher Stand ist viel höher als der Ehestand, und ein solcher Beruf ist sicher eine hohe Auszeichnung, eine sehr große Gnade. Glücklich können sich mit Recht die Eltern schätzen, deren Kinder einen solch schönen Beruf vom lieben GOTT erhalten haben.

Fortsetzung folgt!
Nie kann o Herr ich danken Dir genug!
Es soll Dir danken jeder Atemzug,
es soll Dir danken jeder Herzensschlag,
bis zu dem letzten Schlag am letzten Tag.
Es soll Dir danken jeglicher Gedanke,
nichts will ich denken als: Ich danke, danke!

 

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