Autor Thema: Die Passion - Interview mit theologischen Berater von Mel Gibson  (Gelesen 3083 mal)

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Die Passion

Interview mit einem theologischen Berater von Mel Gibson

ROM, 7. April 2004 (ZENIT.org). – Interview mit Pater Jonathan Morris LC, einem der theologischen Berater, die Mel Gibson während der Dreharbeiten des Films „Die Passion Christi“ zur Seite standen. Seine umfangreiche Mitarbeit sowohl während der langen Monate der Dreharbeiten als auch danach vermittelten tiefe Einblicke in das Denken und die Absichten des Regisseurs und in die Besonderheit dieses Films. Pater Morris wurde 2002 zum Priester geweiht. Er lebt und arbeitet gegenwärtig in Rom.

ZENIT: Sie waren an der Entstehung des Films „Die Passion Christi“ mitbeteiligt. Was für eine Erfahrung war das für Sie?

Pater Morris: Die letzten anderthalb Jahre hatte ich das große Glück, an diesem Film mitarbeiten zu dürfen, zum einen, da ich als theologischer Berater gelegentlich behilflich sein konnte, aber vor allem, weil ich als Priester und Freund der Produzenten und Schauspieler dabei sein durfte. Dieser Film ist ein Triumph der Kunst, vor allem und zu aller erst aber ein Triumph des Glaubens. Am Set herrschte gelegentlich ein ziemlicher Stress. Mel, Steve, Jim, ... sie hatten ein großes Risiko auf sich genommen, sie hatten mit dem Projekt ihre beruflichen Karrieren, ihren Ruf und ihre guten Beziehungen innerhalb der Filmindustrie aufs Spiel gesetzt. Es stand enorm viel auf dem Spiel und uns war klar, dass wir hier mit einem Projekt von ungeahnten Ausmaßen zu tun hatten. Und als die Dinge anfingen aus dem Ruder zu laufen, als die Presse anfing, ohne Unterlass über uns herzufallen, .... das waren schwierige Augenblicke.


ZENIT: Warum gerade der Kreuzweg? Wäre es nicht wesentlich wirkungsvoller gewesen, andere Elemente des Lebens Christi zu zeigen?

Pater Morris: Gibson beansprucht in keiner Weise für sich, eine Zusammenfassung der christlichen Religion oder eine Synthese der Evangelien erschaffen zu haben. Was dieser Film zeigt, ist die visuelle Umsetzung von Mels persönlicher Auseinandersetzung mit den historischen Ereignissen während der letzten Augenblicke im Leben Jesu Christi. Zweitausend Jahre lang hat die Figur Jesus Christus, für Christen wie für Nicht-Christen gleichermaßen, eine entscheidende Rolle gespielt. Sein Leben hat in der Menschheitsgeschichte eine Zäsur gesetzt und hat bis zum heutigen Tage unsere Kultur geprägt. Und aus eben diesem Grunde ist dieser Film, obgleich er von seinem Ansatz her äußerst persönlicher Natur ist, ein gültiges und sehenswertes Kunstwerk für Menschen aller Rassen und Religionen.


ZENIT: Ein Hauptkritikpunkt am Film besteht im Vorwurf der überzogenen Gewaltdarstellung. Wie sehen Sie das?

Pater Morris: Wir haben uns zahllose Male anhören müssen, dass der Film Gewalt darstellt, und das stimmt ja auch. Er stellt Gewalt dar, aber er ist nicht gewaltverherrlichend. Er handelt davon, wie man der Gewalt ein Ende setzen kann, und das geht nur durch Liebe und Vergebung. Es handelt sich um die Geschichte eine Mannes, der aus freien Stücken ein ungerechtes Todesurteil auf sich nimmt, der seine Lehre, dass Liebe stärker ist als Hass, auch konsequent in die Tat umsetzt. Für Mel Gibson ist das Blut, das wir in der „Passion Christi“ sehen, nicht dasselbe Blut wie in „Braveheart“ oder „Lethal Weapon.“ Es ist das Blut Jesu, der gekommen ist, den Bund Gottes mit den Menschen wieder herzustellen und bereit ist, dafür den höchstmöglichen Preis zu zahlen. „Niemand hat eine größere Liebe als derjenige, der sein Leben hingibt für seine Freunde. Euch aber habe ich gesagt, dass Ihr meine Freunde seid,“ erklärt Jesus seinen Jüngern.


ZENIT: Warum muss die Darstellung dann aber so plakativ, so brutal sein? Beim Anblick gewisser Szenen, insbesondere der Geißelungsszene, möchte man am liebsten laut ausrufen: „Aufhören!“

Pater Morris: Mel wollte zeigen, dass eine Kreuzigung keine schöne Sache ist. Was hier auf der Leinwand gezeigt wird, entspricht nicht einmal der Hälfte der Geißelungen und Schläge, die man dem Leichentuch von Turin entnehmen kann. Das wirkliche Geschehen in voller Gänze zu zeigen, wäre für uns zuviel gewesen. Aber Mel war es wichtig, dass der Zuschauer mit Jesus mitleidet, damit er versteht, welcher Preis für unsere Erlösung gezahlt wurde. Allerdings glaube ich, dass die Wirkung durch die Rückblenden etwas gemildert wird, und durch sie erfährt man auch den Grund für das Leiden. Ich gebe Ihnen recht, das Leiden und der Schmerz in dem Film sind schwer zu ertragen und ebenso schwer zu vergessen. Was aber am Ende bleibt, was wir mit nach Hause nehmen, ist nicht die Sinnlosigkeit unnötiger Gewalt, wie wir sie in anderen Filmen beobachten, sondern der hohe Preis der Sünde und die unendliche Größe der Liebe Christi.


ZENIT: Welches sind Ihre Lieblingsszenen im Film?

Pater Morris: Obgleich Christus fraglos die Hauptfigur des Films ist, war Mel sehr daran interessiert, auch das Drama derjenigen darzustellen, die willentlich oder unwillentlich mit Christus auf seinem Kreuzweg in Berührung kamen. In jeder Einstellung fordert Jesus' eindringlicher Blick uns auf, uns zu seiner Ebene aufzuschwingen, unsere Selbstsucht hinter uns zurückzulassen und bessere Menschen zu werden. Simon von Kyrene, Veronika, Petrus, Pilatus, der reuige Dieb sowie mehr als ein römischer Soldat begegneten diesem Blick und durchlaufen einen inneren Wandel durch den Eindruck dieses ungewöhnlichen Menschen.

Ich kann mich noch an zahllose Momente während der Dreharbeiten erinnern, in denen Mel eine Einstellung nach der anderen drehte, nur um diesen Blickkontakt so überzeugend wie möglich einzufangen. Mir gefällt ganz besonders dieser Aspekt des Films, weil sich in ihm mit äußerster Deutlichkeit widerspiegelt, dass es die persönliche Begegnung mit Jesus war, durch welche die Veränderung und Bekehrung seiner Mitmenschen bewirkt wurde.


ZENIT: Einige Kritiker äußerten, dass sie anstelle der ausschließlichen Fixierung auf das Opfer und das Kreuz gern etwas mehr Liebe gesehen hätten.

Pater Morris: Wenn es gestattet ist, würde ich der Antwort gern voranstellen, dass die überwältigende Mehrheit der Zuschauer sich der Prämisse Ihrer Frage nicht anschließen würde. Liebe ist im Film durchgehend zu finden. Das Problem liegt darin, dass wir dazu konditioniert wurden zu glauben, dass Liebe sich nur in positiven Gefühlen ausdrückt. Ich sehe keinen Widerspruch zwischen Opfer und Liebe.

Die Liebe des Kreuzes ist sicherlich nicht die romantische Liebe, die wir sonst von Kinofilmen gewohnt sind, die Art von Liebe, die schöne und sentimentale Gefühle hervorruft, und dann in unserer Erinnerung versickert, wenn im Kino das Licht angeht und uns klar wird, dass das alles doch nur ein Film war. Hier geht es um die Liebe, das Wohl anderer Menschen über das eigene zu stellen, selbst wenn das Gerechtigkeitsgefühl nach Rache und Verbitterung schreit.


ZENIT: Wie steht Mel Gibson selbst zu den Debatten um den Film?

Pater Morris: Dieser Film hat sicherlich viele Fragen aufgeworfen und eine hitzige Debatte provoziert. Über diesen Film wurde vor seiner Premiere mehr geschrieben als über jeden anderen Film je zuvor. Einige Kritiker versuchten ihn zu politisieren, eine verborgene Botschaft herauszulesen, oder aus ihm einen Krimi zu machen, nach dem Motto „Wer hat Jesus auf dem Gewissen?“ Wenn wir es uns gestatten, uns auf diese Diskussion einzulassen, dann sehen wir vielleicht einen ganz interessanten Film, aber dann sehen wir nicht Mel Gibsons Film.

Vor zwölf Jahren, in Augenblicken seiner persönlichen Krise, da beantwortete Mel die Frage nach der Schuld am Tode Jesu Christi für sich selbst. Er brachte den Mut und die Aufrichtigkeit auf zu sagen, dass seine Sünde es war, dass es die Sünde der Menschheit zu allen Zeiten war, wegen derer Christus ans Kreuz geschlagen wurde und heute immer noch ans Kreuz geschlagen wird, wann immer wir uns gegenseitig durch alle möglichen Ungerechtigkeiten kreuzigen. Mel ist der festen Überzeugung, dass der Film in keiner Weise kontroverser ist als die Person Christi selbst. Christus war und ist ein lebender Widerspruch.


ZENIT: Wie kam es, dass Sie in dieses Projekt einbezogen wurden? Haben Sie vor, auch zukünftig als Priester im Bereich der Medien tätig zu sein?

Pater Morris: Ich bin gewissermaßen durch Zufall mit diesem Projekt in Berührung gekommen. Andererseits gibt es keine Zufälle. Was zunächst als geringfügige Mitarbeit am Film anfing, entwickelte sich bald in eine Vollzeit-Aufgabe, der ich mich mit Leib und Seele verschrieb. Das kam daher, dass ich an den Film glaubte, und außerdem, weil mich meine Vorgesetzten in dieser Angelegenheit unterstützten. Ein Teil des apostolischen Charismas meines Ordens ist es, in den Massenmedien tätig zu sein, die gute Nachricht mithilfe der modernen Kommunikationsmittel zu verbreiten, um möglichst viele Menschen zu erreichen. Und für genau diese Arbeit herrscht auch ein Bedarf.

Vor ein paar Monaten kam ich mal mit Mel und Steve zum Set eines völlig weltlichen Unterhaltungsfilms, der diesen Sommer herauskommen soll. Es wurde gerade eine Krankenhausszene gedreht, und als ich da hinkam, da glaubten alle, ich sei ein als Priester verkleideter Statist. Aber als sie herausbekamen, dass ich ein echter Priester bin, da kamen sie zu mir, um sich mit mir zu unterhalten, und ich verbrachte schließlich den Rest des Vormittags damit, die Beichte abzunehmen, und das mitten auf einem Set in Hollywood.

In der Filmindustrie, wie auch in den meisten anderen Bereichen, sehnen sich die Menschen nach der Liebe Christi. Die Welt ist auf Priester angewiesen. Die Welt ist auf gute Mütter und Väter angewiesen. Die Welt ist auf gute Christen angewiesen. Ich hoffe, dass der Mut, den Mel aufgebracht hat, in den Herzen vieler weiterer Künstler, Politiker, Sportler, Priester und Akademiker widerhallen wird, auf dass sie ihre Begabungen mit Bedacht einsetzen, jeder von uns gemäß seinen Fähigkeiten und im Einklang mit den Eingebungen des Heiligen Geistes.


 

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