Autor Thema: Was die Kirche durch ihr Lehramt wirklich sagt  (Gelesen 18814 mal)

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Anemone

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Re:Was die Kirche durch ihr Lehramt wirklich sagt
« Antwort #30 am: 22. Juni 2011, 11:28:33 »
19) DIE VERURTEILUNG UND DER TOD JESU

Als Jesus anlässlich des Paschafestes nach Jerusalem kam, wurde er auf Befehl der Hohenpriester und Ältesten mitten in der Nacht im Garten von Getsemani vor den Toren Jerusalems verhaftet (vgl. Mt 11,47). Jesus wurde zunächst in das Haus des Hohenpriesters Kajaphas geführt (vgl. Mt 26,57) und dort vom Hohen Rat verhört. Schließlich fragte der Hohepriester Jesus, ob er der Messias, der Sohn Gottes sei (vgl. Mt 26,63). Als Jesus diese Frage des Hohenpriesters bejahte, wurde er der Gotteslästerung angeklagt. Der Hohe Rat erklärte, dass Jesus schuldig sei und sterben müsse (vgl. Mt 26,65-66). Da die Juden Jesus aber nicht zum Tod verurteilen durften, brachten sie den Fall vor den römischen Statthalter Pontius Pilatus (vgl. Mt 27,2). Dieser erkannte, dass es sich bei der Anklage um eine religiöse Angelegenheit handelte, und erklärte, dass es sich dabei nach römischem Gesetz nicht um ein todeswürdiges Verbrechen handle (vgl. Joh 18,38; 19,6). Pilatus hatte die Absicht, Jesus durch eine Amnestie freizugeben: Anlässlich des Paschafestes war es nämlich üblich, dass die Römer den Juden einen Gefangenen freiließen. Das Volk stimmte aber nicht für Jesus, sondern für den Zeloten Barabbas, der bei einem Aufstand einen Mann getötet hatte (vgl. Joh 18,39-40). Darauf verhörte Pilatus Jesus ein zweites Mal und gelangte wieder zur Überzeugung, dass er nach dem römischen Gesetz nicht die Todesstrafe verdiente. Da lenkten die jüdischen Ankläger den Prozess in eine politische Richtung und erklärten, dass Jesus sich als König ausgegeben habe und sich damit gegen den römischen Kaiser stelle. Sie erklärten Pilatus unumwunden, dass er kein Freund des Kaisers mehr sei, wenn er diesen Hochverräter laufen lasse (vgl. Joh 19,12). Darauf verurteilte Pilatus Jesus zum Kreuzestod (vgl. Joh 19,16a). Die römischen Soldaten führten Jesus mit zwei Verbrechern auf den Hügel von Golgota außerhalb der Stadtmauern von Jerusalem und kreuzigten ihn (vgl. Joh 19,16b-30). Das Todesdatum Jesu ist mit großer Wahrscheinlichkeit der 7. April des Jahres 30 n. Chr.

Wenn wir zum Abschluss diese geschichtlichen Überlegungen zusammenfassen, so gelangen wir dabei zu folgenden Ergebnissen: Wir besitzen verschiedene Quellen, die uns über den historischen Jesus Auskunft geben. Dabei unterscheiden wir zunächst die biblischen und die außerbiblischen Quellen. Zu den biblischen Quellen gehören die vier Evangelien und verschiedene Texte aus dem Neuen Testament. Zu den außerbiblischen Quellen zählen verschiedene jüdische und römische Texte. Aufgrund dieser Quellen wissen wir, dass Jesus ungefähr vom Jahr oder 6 vor Beginn unserer Zeitrechnung bis zum Jahr 30 n. Chr. gelebt hat. Die Evangelisten vermitteln uns einige Informationen über die Geburt und die Kindheit Jesu. Über den Zeitraum vom 12. bis zum 35. Lebensjahr geben uns die biblischen Quellen keinerlei Auskunft. Ab dem Beginn des öffentlichen Wirkens im Jahr 28 n. Chr. bis zum Tod Jesu am Kreuz finden sich in den verschiedenen Quellen ausführliche und detaillierte Angaben.

Anemone

  • Gast
Re:Was die Kirche durch ihr Lehramt wirklich sagt
« Antwort #31 am: 25. Juni 2011, 10:15:34 »
VII  DIE MENSCHWERDUNG JESU

Die biblischen und außerbiblischen Quellen haben uns gezeigt, dass Jesus von Nazareth eine geschichtliche Gestalt war. Die biblischen Quellen gehen aber schon am Anfang ihrer Berichterstattung über das Geschichtliche hinaus: Sie verkünden, dass Jesus nicht durch eine normale Zeugung, sondern durch ein besonderes Eingreifen Gottes Mensch geworden ist.

1) DIE VERKÜNDIGUNG DER GEBURT JESU

a) Der Bericht des Evangelisten Lukas

Der Evangelist Lukas berichtet, dass Gott einen Engel zu einer Jungfrau nach Nazaret in Galiläa gesandt hat und schreibt dann wörtlich: "Sie war mit einem Mann namens Josef verlobt, der aus dem Haus David stammte. Der Name der Jungfrau war Maria. Der Engel trat bei ihr ein und sagte: Sei gegrüßt, du Begnadete, der Herr ist mit dir. Sie erschrak über die Anrede und überlegte, was dieser Gruß zu bedeuten habe. Da sagte der Engel zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria; denn du hast bei Gott Gnade gefunden. Du wirst ein Kind empfangen, einen Sohn wirst du gebären: dem sollst du den Namen Jesus geben. Er wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden. Gott, der Herr, wird ihm den Thron seines Vaters David geben. Er wird über das Haus Jakob in Ewigkeit herrschen, und seine Herrschaft wird kein Ende haben. Maria sagte zu dem Engel: Wie wird das geschehen, da ich keinen Mann erkenne? Der Engel antwortete ihr: Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten. Deshalb wird auch das Kind heilig und Sohn Gottes genannt werden. Auch Elisabeth, deine Verwandte, hat noch in ihrem Alter einen Sohn empfangen; obwohl sie als unfruchtbar galt, ist sie jetzt schon im sechsten Monat. Denn für Gott ist kein Ding unmöglich. Da sagte Maria: Ich bin die Magd des Herrn; mit geschehe, wie du es gesagt hast. Danach verließ sie der Engel." (Lk 1,27-38)


b) Der Bericht des Evangelisten Matthäus

Neben dem Bericht von Lukas finden wir auch bei Matthäus einige Aussagen, die auf eine übernatürliche Empfängnis Jesu hinweisen. Der Evangelist schreibt: "Mit der Geburt Jesu Christi war es so: Maria, seine Mutter, war mit Josef verlobt; noch bevor sie zusammengekommen waren, zeigte es sich, dass sie ein Kind erwartete - durch das Wirken des Heiligen Geistes. Josef, ihr Mann, der gerecht war und sie nicht bloßstellen wollte, beschloss, sich in aller Stille von ihr zu trennen. Während er noch darüber nachdachte, erschien ihm ein Engel des Herrn im Traum und sagte: Josef, Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria als deine Frau zu dir zu nehmen; denn das Kind, das sie erwartet, ist vom Heiligen Geist." (Mt 1, 18-20).


c) Die jüdische Verlobung

Der Evangelist Lukas weist darauf hin, dass sich der Engel Gabriel an eine Jungfrau gewandt hat, die mit einem Mann namens Josef verlobt war. Auch der Evangelist Matthäus erwähnt, dass Maria mit Josef verlobt war. Nach jüdischem Brauch wurden die Frauen gewöhnlich im Alter von 13-14 Jahren verlobt, die Männer verlobten sich im Alter von 18 bis 24 Jahren. Die Verlobung beinhaltete nach damaligem jüdischen Brauch nicht nur ein Versprechen, sondern bereits einen ehelichen Vertrag. Die beiden Partner waren also durch die Verlobung bereits gesetzlich miteinander verbunden. Aber meistens verging zwischen der Verlobung und der Heirat etwa ein Jahr, in dem die verschiedenen Vorbereitungen für den zukünftigen Ehestand getroffen wurden. Erst nach Ablauf des Jahres wurde die Braut feierlich in das Haus des Bräutigams heimgeholt. In der Zeit zwischen der Verlobung und der Heirat war die Braut zur Treue gegenüber dem Bräutigam verpflichtet. Wenn sie dem Bräutigam untreu wurde, konnte sie der Bräutigam nach jüdischem Gesetz als Ehebrecherin klagen.


2) DIE ABSICHT DER BIBLISCHEN VERFASSER

Die Berichte von Lukas und Matthäus weisen drauf in, dass Jesus ohne das Mitwirken eines Mannes empfangen. Jesus ist also laut diesen Stellen der Heiligen Schrift der Sohn einer Jungfrau. Diese Aussage der Heiligen Schrift bereitet jedem kritisch denkenden Menschen nicht geringe Schwierigkeiten. Für den modernen Menschen ist es unvorstellbar, dass ein Mensch ohne das Mitwirken eines Mannes gezeugt werden kann. Dieser Glaubenssatz hat aber auch immer wieder zu massiven Angriffen von Seiten der Gegner des Christentums geführt. Er wird selbst von gewissen Theologen geleugnet oder umgedeutet. Um hier zu einer klareren Sicht der Dinge zu gelangen, wollen wir versuchen, diese Aussagen der Heiligen Schrift etwas tiefer zu betrachten.
Die moderne Exegese - also die moderne Auslegung der Heiligen Schrift - lehrt uns, dass sich der Leser der biblischen Texte in erster Linie nach der "Absicht des Verfassers" fragen muss. Er muss also versuchen herauszubekommen, welche Absicht der biblische Verfasser beim Niederschreiben des Textes verfolgt hat und welche Botschaft er an die sog. "Adressaten" - also an die Leser - vermitteln wollte. Wir wollen deshalb versuchen, diese Bibelstellen von Lukas und Matthäus, die die Empfängnis Jesu durch die Jungfrau Maria betreffen, nach der Absicht der Verfasser zu hinterfragen.

Anemone

  • Gast
Re:Was die Kirche durch ihr Lehramt wirklich sagt
« Antwort #32 am: 28. Juni 2011, 20:15:45 »
3) EINE REALE EMPFÄNGNIS

a) Die Aussagen der Heiligen Schrift sind real gemeint

Der Verfasser des Lukas-Evangeliums schreibt, dass der Engel Gabriel der Jungfrau Maria die Geburt eines Sohnes verkündete. Der Engel sagte zu Maria, dass dieses Kind groß sein und der Sohn des Höchsten genannt werden wird. Maria fragte darauf den Engel, wie das geschehen solle, da sie keinen Mann erkenne. Der Engel antwortet ihr, dass der Heilige Geist über sie kommen und die Kraft des Höchsten sie überschatten werde. Deshalb wird auch das Kind, das sie empfangen wird, heilig und Sohn Gottes genannt werden (vgl. Lk 1, 30-36) Wenn wir uns hier nach der Absicht des Autors fragen, so gelangen wir zu folgender Feststellung: Der Verfasser will offensichtlich den Adressaten mitteilen, dass Maria den Sohn Gottes empfangen soll. Durch die Frage Marias an den Engel, wie das geschehen soll, da sie ja keinen Mann erkenne, gibt der Verfasser zu verstehen, dass hier offensichtlich von einer konkreten Zeugung die Rede ist. Auch die Antwort des Engels lässt begreifen, dass es sich um eine konkrete Zeugung handelt, die aber nicht durch das Mitwirken eines Mannes, sondern durch das Wirken des Heiligen Geist zustande kommen soll. Die Aussagen dieser Bibelstelle lassen eindeutig begreifen, dass der Verfasser hier eine reale Zeugung meint.

b) Jesus wurde durch den Heiligen Geist empfangen

Noch deutlicher wird die Absicht des Verfassers im Matthäus-Evangelium, wo es heißt: "Mit der Geburt Jesu Christi war es so: Maria, seine Mutter, war mit Josef verlobt; noch bevor sie zusammengekommen waren, zeigte es sich, dass sie ein Kind erwartete - durch das Wirken des Heiligen Geistes. Josef, ihr Mann, der gerecht war und sie nicht bloßstellen wollte, beschloss, sich in aller Stille von ihr zu trennen. Während er noch darüber nachdachte, erschien ihm ein Engel des Herrn im Traum und sagte: Josef, Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria als deine Frau zu dir zu nehmen; denn das Kind, das sie erwartet, ist vom Heiligen Geist." (Mt 1, 18-20) Der Verfasser spricht hier offensichtlich von einer konkreten Schwangerschaft Marias, die auf den Heiligen Geist zurückgeführt wird. Der Verfasser spricht auch davon, dass Josef die Schwangerschaft Marias bemerkte; weil er aber ein gerechter Mann war, wollte er sie aber nicht der Schande preisgeben und beschloss, sich still von ihr zurückzuziehen. Die Absicht des Verfassers ist hier ganz eindeutig: Er will zeigen, dass Josef nicht der Vater des Kindes war. Das bestätigt vor allem auch der Vers, in dem der Engel zu Josef sagt, dass das Kind Marias vom Heiligen Geist sei. Es ist nach diesen eindeutigen Aussagen des biblischen Verfassers beim besten Willen nicht mehr möglich, Josef als den Vater Jesu zu bezeichnen. Wenn man nach diesen eindeutigen Aussagen der Heiligen Schrift immer noch daran festhalten will, dass Jesus einen menschlichen Vater hatte, dann muss man annehmen, dass Maria Josef mit einem anderen Mann betrogen hat. Dann wäre aber Jesus, der Sohn Gottes, bei einem Seitensprung Marias gezeugt worden...


4) BEI GOTT IST KEIN DING UNMÖGLICH

Die biblischen Autoren hatten also offensichtlich die Absicht, den Adressaten mitzuteilen, dass es sich bei der Zeugung Jesu nicht um einen natürlichen, sondern um einen übernatürlichen Akt gehandelt habe. Wenn wir diese unmissverständliche Absicht der biblischen Autoren ernstnehmen wollen, dann können wir uns nicht mit irgendwelchen symbolischen Deutungen dieser Stellen begnügen. Maria hatte nämlich in sehr nüchterner Weise an den Engel die Frage gestellt, wie es zu einer solchen übernatürlichen Zeugung kommen solle, da sie doch mit keinem Mann Geschlechtsverkehr pflege. Der Engel hatte ihr darauf geantwortet, dass die Macht Gottes dieses unerhörte Ereignis bewirken werde. "Heiliger Geist wird über dich kommen und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten." (Lk 1,35) Der Engel hatte dann - gewissermaßen als Bestätigung für die Möglichkeiten Gottes – noch hinzugefügt: "Auch Elisabeth, deine Verwandte, hat noch in ihrem Alter einen Sohn geboren; obwohl sie als unfruchtbar galt, ist sie jetzt schon im sechsten Monat." (Lk 1,36) Und dann folgte der entscheidende Satz: "Denn für Gott ist nichts unmöglich." (Lk 1,37) Maria wurde also vom Engel darauf hingewiesen, dass für Gott nichts unmöglich ist. Gott kann in seiner Allmacht auch eine andere Form der Menschwerdung wählen. Wenn wir also in dieser Frage zu einer Antwort gelangen wollen, dann dürfen wir nicht von der Natur des Menschen ausgehen, sondern von der Allmacht Gottes!
 
5) EINWÄNDE GEGEN DIE MENSCHWERDUNG JESU

Gegen die Lehre von der Zeugung Jesu durch den Heiligen Geist wurden immer wieder Einwände erhoben: Es wurde behauptet, dass die übernatürliche Empfängnis Jesu nur ein Mythos sei, dass eine solche Empfängnis gegen die Naturgesetze verstoßen würde und dass diese Bibelstelle falsch übersetzt worden sei. Wir wollen kurz auf diese Einwände eingehen und sie kritisch hinterfragen.

a) Nur ein Mythos

Ein erster Einwand versucht die Empfängnis Jesu durch den Heiligen Geist als eine religiöse Sage, als einen Mythos hinzustellen: Der Bericht des Evangelisten würde sich an antike Mythen anlehnen. Diese Mythen berichten von Jungfrauen, die durch den Verkehr mit männlichen Gottheiten ein Kind empfangen hätten. Zwischen diesen Mythen und den Aussagen des Neuen Testaments bestehen aber ganz wesentliche Unterschiede: Bei den antiken Mythen tritt nämlich eine männliche Gottheit als "befruchtende-zeugende Macht" (Ratzinger) auf (z. B. Zeus). Die Gottheit ist also der biologisch-geschlechtliche Gegenpol einer menschlichen Frau und zeugt mit dieser ein Kind. Im Neuen Testament hingegen wird berichtet, dass der Heilige Geist Maria überschattet und in ihr auf schöpferische Weise Jesus zeugt. Damit ist aber der Vorgang, der zur Menschwerdung führt, ein grundsätzlich anderer: Bei den Mythen handelt es sich um einen sexuellen Akt zwischen einer männlichen Gottheit und einer menschlichen Frau, im Fall Jesu um einen schöpferischen Akt Gottes in Maria. Es besteht dann aber auch ein grundsätzlicher Unterschied zwischen den Kindern, die von Göttern und Jungfrauen stammen, und Jesus, der durch den Heiligen Geist von der Jungfrau Maria empfangen wird: Die Kinder der Götter und Jungfrauen werden als Halbgötter bezeichnet (z. B. Herkules), von Jesus Christus hingegen sagt das Neue Testament, dass er ganz Gott und ganz Mensch sei. Auch dieser grundlegende Unterschied lässt uns begreifen, dass die antiken Mythen gar nicht imstande gewesen wären, ein Wesen wie Jesus zu erklären. Die Berichte des Neuen Testaments meinen also etwas ganz Anderes und Neues, und können daher nicht als eine Kopie von antiken Mythen bezeichnet werden. Die Annahme, dass es sich bei dieser Stelle um eine Anlehnung an antike Mythen handle, wird auch durch die Tatsache widerlegt, dass der Glaube an die jungfräuliche Empfängnis bei Nichtchristen, Juden wie Heiden, auf lebhaften Widerspruch, Gespött und Unverständnis gestoßen ist; er war also nicht durch die heidnische Mythologie oder irgendeine Angleichung an zeitgenössische Ideen motiviert..."

b) Gegen die Naturgesetze

Ein zweiter Einwand behauptet, die Empfängnis Jesu durch den Heiligen Geist widerspreche den Gesetzen, die Gott in die Natur hineingelegt hat. Gott könne aber nicht seinen eigenen Gesetzen zuwiderhandeln. Dazu wäre zunächst zu sagen, dass die Empfängnis Jesu durch den Heiligen Geist nicht gegen die Naturgesetze verstieß, sondern wenn schon außerhalb der Naturgesetze erfolgte (Thomas von Aquin). Vor allem ist aber zu bedenken, dass Gott nicht an seine eigenen Gesetze gebunden ist und sehr wohl auch auf andere Weise seine Ziele erreichen kann. Was wäre das für ein armseliger Gott, der seinen eigenen Gesetzen unterstellt wäre und diese nicht aufheben könnte?! Aber Gott ist nicht der Sklave seiner Gesetze. Er ist vielmehr ein freier und allmächtiger Gott, der der Herr der Schöpfung bleibt und sie nach eigenem Ermessen regiert.

c) Eine falsche Übersetzung

Ein dritter Einwand führt an, dass es sich bei dieser Stelle des Neuen Testaments um eine falsche Übersetzung handle: Es sei bei Maria nicht von einer Jungfrau, sondern von einer "jungen Frau" die Rede. Eine solche Behauptung lässt sich aber nicht halten, da im griechischen Originaltext des Lukasevangeliums das Wort "parthenos" verwendet wird. Dieses griechische Wort meint aber eindeutig eine Jungfrau! Aber auch aus der beschriebenen Situation heraus ergibt sich klar und eindeutig, dass hier von einer Jungfrau die Rede ist, die ohne das Mitwirken eines Mannes ein Kind empfangen soll. Manche Theologen (z. B. Bultmann) haben auch behauptet, dass dieser Bericht im Lukasevangelium erst später eingeschoben worden sei und daher nicht ursprünglich und echt sei. Aber die moderne Bibelforschung der letzten Jahre hat auch diese Behauptung widerlegt (Ferreira).


Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Einwände gegen die Empfängnis Jesu durch den Heiligen Geist sich bei einer genaueren Untersuchung als nicht stichhaltig erweisen.

Anemone

  • Gast
Re:Was die Kirche durch ihr Lehramt wirklich sagt
« Antwort #33 am: 29. Juni 2011, 11:38:00 »
VIII  DIE HERKUNFT JESU


Wir haben aus der Heiligen Schrift erfahren, dass Jesus nicht auf eine gewöhnliche Weise Mensch geworden ist. Jesus wurde vielmehr durch den Heiligen Geist empfangen und von der Jungfrau Maria geboren. Wenn aber Jesus vom Heiligen Geist empfangen und von der Jungfrau Maria geboren wurde, dann muss er zwei Naturen haben, nämlich eine göttliche und eine menschliche. Er ist dann Gott und Mensch zugleich.

1) DIE PRÄEXISTENZ JESU

In diesem Zusammenhang stellt sich wiederum eine schwierige Frage: Wenn Jesus Christus nicht nur eine menschliche, sondern auch eine göttliche Natur hat, kann er nicht erst seit seiner Menschwerdung existieren. Er hätte nämlich sonst als Gott einen Anfang und wäre damit nicht Gott. Wenn also Jesus Christus wirklich eine göttliche Natur hat und damit Gott ist, dann muss er schon seit ewig existieren. Christus muss dann bereits vor seiner Menschwerdung als Gott existiert haben.

2) IM ANFANG WAR DAS WORT  

Auf diese schwierige Frage nach der Präexistenz Jesu (= Existenz Jesu vor seiner Menschwerdung) gibt uns der Evangelist Johannes eine sehr tiefgründige Antwort: Im berühmten Prolog (= Vorwort, Einleitung) seines Evangeliums schreibt der Apostel: "Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott." (Joh 1,1) Johannes nennt hier Christus das "Wort" und bringt damit zum Ausdruck, dass Christus im Anfang wie ein noch unausgesprochenes Wort im Geist Gottes war. Der Evangelist hebt dabei hervor, dass das Wort, also Christus, am Anfang schon da war. Das bedeutet aber, dass Christus bereits vor allen geschaffenen Dingen existiert hat. Christus hat damit bereits vor dem Anfang der Schöpfung bei Gott existiert und ist damit ewig.

Doch dann kam es zur Menschwerdung Jesu, die Johannes wieder auf seine Weise beschreibt: "Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt..." (Joh 1,14) Christus trat nun aus dem Vater heraus, wie ein Wort aus dem Geist hervorgeht. Auf diese Weise wurde Christus auch das Wort Gottes, durch das sich Gott den Menschen mitteilte und offenbarte.



3) JESUS IST VOM HIMMEL HERABGESTIEGEN

In einem Gespräch mit dem Pharisäer Nikodemus hat Jesus selbst darauf hingewiesen, dass er bereits vor seiner Menschwerdung existiert hat: Jesus sprach von sich selbst als dem Menschensohn, der "vom Himmel herabgestiegen ist" (Joh 3,13). Mit diesen Worten gab Jesus zu verstehen, dass er schon vor seiner Menschwerdung im Himmel existiert hat. Jesus sagte dann auch, dass ihn Gott als seinen einzigen Sohn in die Welt gesandt habe, um die Welt zu retten (vgl. Joh 3,16-18). Auch aus dieser Aussage geht hervor, dass Christus schon vor seiner Menschwerdung bei Gott war und dann von Gott mit einem besonderen Auftrag in die Welt gesandt wurde. Jesus wies mit diesen Worten aber auch darauf hin, dass er der einzige Sohn Gottes ist und direkt von Gott kommt: Christus ist also unmittelbar aus Gott hervorgegangen und hat daher dieselbe Natur und das gleiche Wesen wie Gott Vater.

4) JESUS WAR GOTT GLEICH

Auch der Apostel Paulus hat bei seinen Unterweisungen auf die vorweltliche Existenz von Jesus Christus hingewiesen. In seinem Brief an die Philipper lesen wir folgende Zeilen: "Er war Gott gleich, hielt aber nicht daran fest, wie Gott zu sein, sondern er entäußerte sich und wurde ein Sklave und den Menschen gleich." (Phil 2,6-7) Auch Paulus spricht also davon, dass Christus schon vor seiner Menschwerdung Gott war und dann seine göttliche Herrlichkeit verlassen hat, um Mensch zu werden.

5) GEZEUGT, NICHT GESCHAFFEN

Nach dieser kurzen Betrachtung einiger Bibelstellen aus dem Neuen Testament verstehen wir nun auch die wichtigen Glaubenssätze, die im großen Glaubensbekenntnis über Jesus Christus als den eingeborenen Sohn Gottes stehen. Im großen Glaubensbekenntnis heißt es: "Ich glaube an ... Jesus Christus, Gottes einziggeborenen Sohn, aus dem Vater geboren vor aller Zeit, Gott von Gott, Licht vom Lichte, wahrer Gott vom wahren Gott, gezeugt, nicht geschaffen, wesensgleich dem Vater..."

Offline sceptic

  • **
  • Beiträge: 98
Re:Was die Kirche durch ihr Lehramt wirklich sagt
« Antwort #34 am: 29. Juni 2011, 14:17:29 »
13) DAS VERBORGENE LEBEN JESU

Nach diesem Bericht über den zwölfjährigen Jesus übergehen die Evangelien die nächsten zwei Jahrzehnte im Leben Jesu. Sie berichten erst wieder über das erste öffentliche Auftreten Jesu, das wahrscheinlich im Jahr 28 n. Chr. stattfand. Im Leben Jesu gibt es also einen Zeitraum von über 20 Jahren, von dem uns die Evangelisten nichts berichten. Für eine Biographie ist das höchst merkwürdig. Für das bessere Verständnis von Jesus wäre es doch sehr wertvoll, wenn uns die Evangelisten etwas von diesen zwanzig Jahren berichtet hätten. Es würde uns interessieren zu erfahren, welche Erfahrungen Jesus in seinen jungen Jahren gesammelt hat. Es wäre auch interessant zu wissen, welchen Menschen Jesus in jungen Jahren begegnet ist und welche Orte er besucht hat. Aber von all dem berichten die Evangelisten nichts. Sie wollen uns damit in nachdrücklicher Weise auf das verborgene Leben Jesu in Nazaret hinweisen. Jesus ist für die damalige Zeit sehr lange verborgen geblieben und ist erst im Alter von etwa 35 Jahren an die Öffentlichkeit getreten.

Frage: Was heißt das? Ich meine, dass die Evangelisten uns "damit in nachdrücklicher Weise auf das verborgene Leben" hinweisen wollen. Was sollen sie uns damit bedeuten wollen?

Und: gibt es eigentlich IRGENDEINE kirchlich abgesegnete Theorie, was in dieser Zeit passiert sein könnte? Ich meine -  Gott wandelt als Mensch über die Erde, 20 Jahre unerkannt? Und es passiert NICHTS überliefernswertes? Er lebt ein Leben wie Du und Ich, völlig normal (und dann noch berücksichtigend, dass er mit Beginn des öffentlichen Wirkens für die damalige durchschnittliche Lebenserwartung auch kein "junger Mann" mehr war).

Anemone

  • Gast
Re:Was die Kirche durch ihr Lehramt wirklich sagt
« Antwort #35 am: 29. Juni 2011, 18:36:32 »
@sceptic

Das heißt soviel wie:

»Das ganze Leben Jesu - seine Worte und Taten, sein Schweigen und seine Leiden, seine Art zu sein und zu sprechen - ist Offenbarung des Vaters.«

 (KKK II Mysterien der Kindheit und des Vorborgenen Leben Jesu, 522-532)

Gottes Segen

Anemone

 

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