Autor Thema: Vorbereitung zum Tode — fromm leben, selig sterben  (Gelesen 11722 mal)

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Vorbereitung zum Tode — fromm leben, selig sterben
« Antwort #60 am: 20. März 2017, 16:53:40 »
Vorbereitung zum Tode
oder Betrachtungen über die ewigen Wahrheiten
um fromm zu leben und selig zu sterben

vom Heiligen Alphons Maria von Liguori


20. Betrachtung
Torheit des Sünders
 
3. Punkt
Wir sollen wissen, daß jene wahrhaft weise sind, welche die göttliche Gnade und das Paradies zu erlangen verstehen. Laßt uns daher stets den Herrn bitten, daß er uns die Wissenschaft der Heiligen verleihe, die er dem gibt, welcher ihn darum bittet. Er gab ihm die Wissenschaft der Heiligen. (Weish 10,10) O, wie ist es eine so schöne Wissenschaft, zu verstehen, Gott zu lieben und seine Seele zu retten! wissen, die Bahn des ewigen Heils und die Wege, wodurch man zu demselben gelangt, einzuschlagen! Die Wissenschaft, seine Seele zu retten, ist die allernotwendigste.

Wüßten wir auch alles und verständen es nicht, uns zu retten, so würde uns alles nichts frommen, und wir wären auf immer unglücklich; dagegen werden wir stets glücklich sein, so wir Gott zu lieben wissen, sollten wir auch aller übrigen Dinge unkundig sein: „Selig, wer dich kennt, wenn er auch nichts anderes weiß", sagte der heilige Augustinus. Eines Tages sprach der Laienbruder Egidius zum heiligen Bonaventura: „Wie glücklich sind Sie doch Pater Bonaventura, daß Sie so vieles wissen; aber ich armer Tropf weiß gar nichts. Ihnen ist es leicht, heiliger zu werden als ich." - „Höre, antwortete hierauf der Heilige: wenn ein altes, unwissendes Weiblein Gott mehr zu lieben weiß als ich, so wird sie einen höheren Grad von Heiligkeit erreichen als ich". Hierauf fing Bruder Egidius an laut auszurufen: O, altes Weiblein höre, höre doch, du altes Weiblein: wenn du Gott mehr liebest, kannst du heiliger werden als unser P. Bonaventura!

„Ungelehrte stehen auf und reißen den Himmel an sich", rief seufzend der heilige Augustinus aus. Wie viele Ungebildete gibt es, die nicht lesen können; sie können aber Gott lieben und werden selig! Und welche Menge von Gelehrten dieser Welt werden verdammt! Doch jene, nicht diese, sind wirklich weise. O, wie weise waren ein heiliger Pasqualis; ein heiliger Felix, aus dem Kapuzinerorden; ein heiliger Johannes von Gott, obwohl sie in den weltlichen Wissenschaften nicht bewandert waren! Welche tiefe Weisheit besaßen so viele, welche die Welt verließen oder in Klöster sich verschlossen oder in Einöden lebten, wie ein heiliger Benediktus; ein heiliger Franziskus von Assisi; ein heiliger Ludovikus von Toulouse, der sogar auf seine Ansprüche auf den Thron Verzicht leistete! Welch hohe Stufe von Weisheit besaßen nicht so viele Märtyrer, so viele zarte Jungfrauen, die einer Verbindung mit den Großen dieser Erde entsagten, um hinzugehen und für Jesus Christus zu sterben! und diese Wahrheit erkennen auch die Weltkinder und sagen wirklich von einem, der sich Gott gewidmet hat: „Glückselig ist er; denn er ist klug und rettete seine Seele!"

Kurz, jene, welche die Güter der Welt verlassen, um sich Gott zu weihen, nennt man enttäuschte Menschen. Wie soll man nun im Gegenteil jene nennen, welche Gott verlassen, der irdischen Güter willen? Fürwahr, betrogene Leute! Mein Bruder, zu welcher dieser beiden Menschenrassen willst du nun gehören? Damit du gut wählen möchtest, erteilt der heilige Johannes Chrysostomus dir den Rat, die Gottesäcker zu besuchen: „Gehen wir zu den Gräbern hin." Die Grabstätten sind in der Tat die besten Schulen, schöne Schulen sind die Grabstätten, um die Eitelkeit der irdischen Güter kennen zu lernen und die Wissenschaft der Heiligen zu erlernen! „Sage mir doch, fragt der heilige Chrysostomus, kannst du wohl dort unterscheiden, wer von jenen ein Fürst war, wer adelig, wer gelehrt? Ich, meines Teils, fährt der Heilige fort, bemerke da nichts als Fäulnis, Gebeine und Würmer. Alles ist eine Fabel, ein Schatten, ein Traum." Alle Dinge dieser Welt werden enden wie ein Schauspiel, und vergehen wie ein Schatten, ein Traum. Willst du aber, mein Christ, weise werden, so genügt es nicht, die Wichtigkeit deines Zieles zu erkennen, du mußt auch die Mittel anwenden, ihn zu erreichen. Selig und heilig möchten alle werden; warum aber gebrauchen sie dazu nicht die Mittel, warum werden sie nicht heilig, weshalb werden sie verdammt? - Man muß die Gelegenheiten fliehen, die heiligen Sakramente oft empfangen, beten und vor allem jene Grundsätze des Evangeliums sich tief ins Herz prägen: Was nützt es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt? (Mt 15,26)

Wer seine Seele liebt, der wird sie verlieren (Joh 12,25), das heißt, man muß auch sein Leben verlieren, um die Seele zu retten. Wer mir nachfolgen will, verleugne sich selbst. (Mt 16,24) Um Jesu Christi Nachfolger zu sein, muß man der Eigenliebe jene Befriedigungen, die sie verlangt, versagen. Das Leben hängt von Seinem Willen ab. (Ps 29,6) Unser Heil besteht in Erfüllung des göttlichen Willens. Diese und dergleichen Grundsätze muß man sich stets vor Augen halten.
 
Anmutungen und Bitten
O Vater der Erbarmungen! wende deinen mitleidigen Blick auf meine Armseligkeiten hernieder und erbarme dich meiner; gib mir Licht und laß meine bisherige Torheit mich einsehen, auf daß ich sie beweine, laß deine unendliche Güte mich erkennen, auf daß ich sie liebe. Mein Jesu! übergib die Seelen, die auf dich vertrauen, nicht den Bestien. Du gabst ja dein Blut dahin, um mich zu retten; laß mich nicht mehr zum Leibeigenen der bösen Geister werden, wie ich es bisher war. Ich bereue es, dich, o höchstes Gut! verlassen zu haben. Ich verwünsche alle jene Augenblicke, da ich in die Sünde einwilligte, und ich ergebe mich deinem heiligen Willen, der nur mein Bestes verlangt. Ewiger Vater, gib mir um der Verdienste Jesu Christi willen die Stärke, alles zu erfüllen, was dir gefällig ist. Laß mich lieber sterben als deinem Willen widerstreben. Hilf mir mit deiner Gnade, auf daß ich alle meine Liebe nur dir schenke und mich von allen meinen Gemütsneigungen losmache, die nicht nach dir gerichtet sind. Ich liebe dich, o Gott meiner Seele! ich liebe dich über alles und von dir hoffe ich mein ganzes Heil, die Verzeihung meiner Sünden, die Beharrlichkeit in deiner Liebe und den Himmel, um in Ewigkeit dich lieben zu können. — Maria! hüte für mich um diese Gnaden. Dein Sohn schlägt dir ja nichts ab. Meine Hoffnung! auf dich ist mein Vertrauen gegründet.
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Vorbereitung zum Tode — fromm leben, selig sterben
« Antwort #61 am: 21. März 2017, 12:22:23 »
Vorbereitung zum Tode
oder Betrachtungen über die ewigen Wahrheiten
um fromm zu leben und selig zu sterben

vom Heiligen Alphons Maria von Liguori


21. Betrachtung
Unglückliches Leben des Sünders und glückliches Leben desjenigen, der Gott liebt.
„Für die Gottlosen ist kein Friede, spricht der Herr." (Jes 48,22)
„Die dein Gesetz lieben, haben großen Frieden." (Ps 118,126)
 
1. Punkt
Jeder Mensch, der in diesem Leben sich befindet, strebt nach Ruhe. Es strebt jener Handelsmann, jener Soldat, jener, der da mit einem Rechtsstreite beschäftigt ist, daß er durch diesen Gewinn, durch diese Stelle, durch diesen Rechtshandel sein Glück mache und somit Ruhe finde. O ihr armen Weltkinder, die ihr den Frieden suchet bei der Welt, welche ihn nicht geben kann! Gott allein kann uns den Frieden verschaffen: Gib deinen Dienern, bittet die heilige Kirche, jenen Frieden, den die Welt nicht geben kann. Nein, mit allen ihren Gütern vermag die Welt es nicht, das Herz des Menschen zufrieden zu stellen; denn nicht für diese Güter ist der Mensch erschaffen, sondern für Gott; und deshalb kann ausschließlich nur Gott ihn befriedigen. Die Tiere, die zur Sinneslust geschaffen sind, finden den Frieden in den Gütern der Erde. Gib einem Lasttier ein Büschlein Heu, gib einem Hunde ein Stück Fleisch und siehe, sie sind zufrieden und wünschen nichts mehreres. Die Seele aber, nur zur Liebe und zur Vereinigung mit Gott erschaffen, wird trotz aller erdenklichen sinnlichen Vergnügungen ihre Ruhe nie finden; nur Gott allein ist fähig, sie vollkommen zufrieden zu stellen.

Der Reiche, welcher (wie der heilige Lukas 12,19 erzählt) von seinen Feldern eine gute Ernte gewonnen hatte und sodann bei sich sagte: Meine Seele, du hast einen großen Vorrat an Gütern auf viele Jahre; ruhe nun, iss und trink - wurde ein Tor genannt. „Du Tor", sagt mit Recht der heilige Basilius, „hast du vielleicht die Seele von einem Schweine oder von irgend einem Tiere, daß du deine Seele mit Essen und Trinken oder mit Sinneslust zu ersättigen meinest? Ruhe nun, iss und trink." Der Mensch kann, wenn er auch die Güter dieser Erde vollauf hätte, doch nicht satt werden: „Aufgeblasen zwar, doch nicht gesättiget kann er werden", sagt der heilige Bernardus. Und der nämliche Heilige schreibt über jenes Evangelium: Siehe, wir haben alles verlassen ... Er habe mehrere Narren mit verschiedenen Torheiten gesehen. Er sagt, alle diese hätten großen Hunger gelitten, einige aber sättigen sich mit Erde - das Bild der Geizigen; andere mit Luft - das Bild der Ehrsüchtigen; die einen verschluckten an einem Ofen die Feuerfunken, die da aufsprühten - das Bild der Jähzornigen; die andern endlich tranken bei einem stinkenden See aus diesem faulen Wasser - das Bild der Wollüstigen. Der Heilige wendete sich hierauf zu ihnen und sprach: „O ihr Narren! wißt ihr nicht, daß diese Dinge euern Hunger eher vermehren als stillen?" Und fürwahr; die Güter dieser Erde reizen vielmehr den Hunger, als daß sie ihn zu stillen vermöchten. Die irdischen Güter sind nur Scheingüter und können daher dem Menschen nicht Genüge leiste: Ihr habt gegessen und euch nicht ersättiget. (Hag 1,6) Je mehr daher der Geizige gewinnt, desto mehr sucht er zu erwerben. Der heilige Augustinus sagt: Eine größere Menge Geld stopft den Rachen des Geizes nicht, sondern reißt ihn um so weiter auf.

Je mehr der Wüstling im Unflate sich wälzt, desto mehr bekommt er Ekel und Hunger zugleich, und wie können auch Kot und sinnlicher Unflat das Herz befriedigen? Ebenso ergeht es dem Ehrgeizigen, der mit Rauch sich sättigen will; denn der Ehrsüchtige sieht immer mehr auf das, was ihm fehlt, als auf das, was er hat. Alexander der Große vergoß nach der Eroberung so vieler Reiche Tränen, und warum? - weil er die Herrschaft über die andern noch nicht besaß. Könnten die Güter dieser Welt den Menschen befriedigen, so wären die reichen Leute oder die Herrscher vollkommen glücklich: doch die Erfahrung zeigt das Gegenteil. Salomon, der da bezeugt, daß er seinen Sinnen ganz und gar nichts versagt habe: Und alles, was meine Augen nur wünschten, habe ich ihnen gewährt (Eccl 2,10), sagt dessenungeachtet: Eitelkeit über Eitelkeit, und alles ist Eitelkeit. (Ibid. 1,2) Er will sagen: Alles, was auf der Welt ist, ist lauter Eitelkeit, lauter Lüge, lauter Torheit.
 
Anmutungen und Bitten
Ach mein Gott! was habe ich zum Lohne von jenen Beleidigungen, die ich vor dir verübte, als Pein, Bitterkeit und eine Schuldenlast für die Hölle? Doch ist mir diese Bitterkeit, die ich darob empfinde, nicht unlieb, ja sie tröstet mich vielmehr, denn sie ist ein Geschenk deiner Gnade und läßt mich einsehen, daß du mir verzeihen wollest, eben weil du sie in mir erweckest. Was mich schmerzt, besteht darin, daß ich dich, meinen Erlöser, erzürnte, der du mich so sehr liebtest. Ich hätte verdient, mein Herr, von dir verlassen zu werden; allein, statt mich zu verlassen, sehe ich, daß du Verzeihung mir anbietest, ja du bist sogar der erste, der um Frieden bittet. Ja, mein Jesus, ich will Frieden schließen, und ich sehne mich nach deiner Gnade mehr, als nach jedem anderen Gute. Es reuet mich, mein Jesu, dich beleidiget zu haben, ich möchte vor Schmerz hierüber sterben. Ach, verzeihe mir um jener Liebe willen, die du zu mir hattest, da du am Kreuze deinen Geist für mich aufgabst; nimm mich wieder in dein Herz auf und verändere mein Herz so, daß ich dir in der Folge ebenso viele Freude mache, als ich dir bisher Schmerz verursachte. Dir zu Liebe verzichte ich nun auf alle Vergnügen, welche die Welt mir geben könnte, und ich nehme mir vor, lieber das Leben als deine Gnade zu verlieren. Sage mir nur, was ich tun soll, um dir zu gefallen, denn ich will alles tun. Hinweg mit den Vergnügungen, mit den Ehrenstellen, mit den Reichtümern! Dich allein will ich lieben, mein Gott, mein Ruhm, mein Schatz, mein Leben, meine Liebe, mein Alles! O Herr! stehe mir mächtig bei, auf daß ich dir getreu bleibe. Gib mir die Gnade, dich zu lieben und dann tue mit mir, was du willst. - Maria, meine Mutter, und nach Jesu meine Hoffnung! nimm mich in deinen Schutz und mache mich ganz Gott ergeben.

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Vorbereitung zum Tode — fromm leben, selig sterben
« Antwort #62 am: 22. März 2017, 20:08:39 »
Vorbereitung zum Tode
oder Betrachtungen über die ewigen Wahrheiten
um fromm zu leben und selig zu sterben

vom Heiligen Alphons Maria von Liguori


21. Betrachtung

Unglückliches Leben des Sünders und glückliches Leben desjenigen, der Gott liebt.
 
2. Punkt
Allein Salomon sagt nicht nur, daß die Güter dieser Welt eitel seien und durchaus nicht befriedigen, sondern sie sind auch Leiden, die den Geist betrüben: Und siehe, alles ist Eitelkeit und Geistesplage. (Eccl 1,14) Wehe den Sündern! Sie bemühen sich, durch ihre Sünden sich glücklich zu machen, finden aber nur Bitterkeit und Gewissensbisse! Trübsal und Unglück ist auf ihren Pfaden, und den Weg des Friedens erkannten sie nicht (Ps 13,3) Frieden! welchen Frieden? Nein, sagt Gott: Für die Gottlosen ist kein Friede. (Jes 48,22) Fürs erste hat die Sünde zur Folge die Furcht vor der göttlichen Rache. Hat jemand einen Mächtigen zum Feinde, so ißt und schläft er nie ruhig. Und kann wohl jener, der Gott zum Feinde hat, Ruhe haben? Die da Böses üben, sind in Furcht und Sorgen. (Spr 10,29) O, wie zittert der, der in der Sünde ist, wenn er nur donnern hört. Jedes Laub, das sich bewegt, erschreckt ihn.

Schreckenstöne erschallen immer in seinen Ohren. (Job 15,21) Er nimmt die Flucht, ohne zu sehen, wer ihn verfolge. Der Gottlose flieht, ohne dass jemand ihm nachsetzt. (Spr 28,1) Und wer verfolgt ihn? Seine eigene Sünde. Nachdem Kain den Abel getötet hatte, sprach er: Jeder also, der mich findet, wird mich töten. (Gen 4.14) Und obgleich der Herr ihn versicherte, daß niemand ihm zu Leibe gehen werde: „Keineswegs - also sagte der Herr zu ihm - soll dies geschehen", so sagt doch die Schrift, daß Kain als Flüchtling in der Welt gewohnt habe; (ibid.) immer streifte er von einem Orte zum anderen herum. Wer war Kains Verfolger? Wer anders als seine Sünde?

Ferner folgt der Sünde der Vorwurf des Gewissens, und dieses ist jener tyrannische Wurm, der immerdar naget. Der elende Sünder geht ins Schauspiel, zum Freudenfest, auf den Spazierweg, aber das Gewissen sagt zu ihm: Du bist in Gottes Ungnade, wo gehst du hin? Die Gewissensbisse sind eine große Marter auch in diesem Leben, daß manche sogar, um davon los zu werden, sogar zu Selbstmördern wurden. Einer von diesen war Judas, der, wie man weiß, aus Verzweiflung sich selbst erhenkte. Man erzähl! Von einem anderen, der, nachdem er ein Kind ermordet hatte, sich in ein Kloster begab, um von seinen Gewissensbissen frei zu werden; allein da er auch im Kloster keine Ruhe finden konnte, überlieferte er sich selbst dem Richter, bekannte sein Verbrechen und ließ sich zum Tode verurteilen.

Was ist eine Seele, die ohne Gott ist? Der heilige Geist sagt es, sie ist ein sturmbewegtes Meer: Die Gottlosen aber sind wie das tobende Meer, das nicht ruhen kann. (Jes 27,20) Ich frage, wenn jemand zu einem Musikfeste, wo es Musik, Tanz und Erfrischungen gibt, gebracht, dort mit Fuß und Kopf abwärts gehangen würde, könnte er sich wohl freuen? So ist jener Mensch, welcher unter und über sich inmitten der Güter dieser Welt sich befindet, aber ohne Gott. Er wird zwar essen, trinken, tanzen, er wird dieses kostbare Kleid tragen, jene Ehren, jene Anstellung, jenen Besitz erlangen, aber dabei niemals die Ruhe genießen. Für die Gottlosen ist kein Friede. Den Frieden erhält man ausschließlich nur von Gott, und Gott gibt ihn seinen Freunden, nicht aber seinen Feinden.

Die Güter dieser Welt, sagt der heilige Vincentius Ferrerius, sind außerhalb des Herzens und nicht innerhalb desselben. Gewässer sind sie, die sich nicht dahin ergießen, wo Durst ist. Jener Sünder mag wohl ein schön gesticktes Kleid am Leibe, einen schönen Diamant am Finger tragen, mit seinem Talente prahlen; sein armes Herz aber wird voll Dornen und Galle sein; und daher wirst du ihn bei allen seinen Reichtümern, Ergötzungen und Belustigungen immer unruhig, bei vorfallenden Verdrießlichkeiten aber in Wut und Zorn entbrennen und einem tollen Hunde gleich finden. Wer Gott liebt, der ergibt sich bei Widerwärtigkeiten dem göttlichen Willen und findet Ruhe; wer aber dem Willen Gottes zuwider dahinlebt, vermag dies nicht und hat sohin kein Mittel, sich zu beruhigen. Dient der Elende dem Teufel, so dient er einem Wüterich, der mit Verdruß und Bitterkeit ihn bezahlt. Nimmermehr können die Worte Gottes vergehen, der da sagt: Weil du dem Herrn deinem Gott nicht mit Freuden gedient hast ... wirst du deinem Feinde dienen ... in Hunger und Durst, in Blöße und aller Not. (Dtn 28,47,48) Was hat nicht dieser Rachgierige noch zu ertragen, nachdem er sich schon gerächt hat, jener Wollüstling, nachdem er seinen Zweck schon erreicht hat, dieser Ehrsüchtige, jener Geizige! O wie viele würden große Heilige werden, wenn sie das für Gott erduldeten, was sie leiden, um in die Hölle sich zu stürzen.
 
Anmutungen und Bitten
O verlorenes Leben! Ach, mein Gott, hätte ich die Beschwerden, die ich ausstand, um dich zu beleidigen, für deinen Dienst auf mich genommen: wie viele Verdienste hätte ich nun für das Paradies. Ach, mein Herr! ach warum verließ ich dich und warum verlor ich deine Gnade ? Einiger vergifteter und kurzer Genüsse wegen, die, da ich sie kaum verkostet hatte, mich verließen und mein Herz mit Dornen und Bitterkeiten erfüllten. O ihr, meine unglücklichen Sünden! ich verwünsche und verfluche euch tausend Mal; ich preise aber, o du mein mildester Herr! deine Barmherzigkeit, die mit so großer Geduld mich ertrug. Ich liebe dich, o mein Schöpfer und Erlöser! der du das Leben für mich gabst; und weil ich dich liebe, so bereue ich von ganzem Herzen, dich beleidiget zu haben. Mein Gott, mein Gott, o warum habe ich dich verloren ? Wofür habe ich dich vertauscht? Jetzt sehe ich wohl ein, das Böse, das ich tat und fasse den ernstlichen Entschluß, lieber alles, auch das Leben zu verlieren, als deine Liebe. Gib mir Licht, o ewiger Vater! um Jesu Christi willen; laß mich erkennen, welch großes Gut du seiest und wie schlecht dagegen jene Güter seien, die der Teufel mir vorspiegelt, um zum Verluste deiner Gnade mich zu bewegen. Ich liebe dich, aber ich wünsche dich noch mehr zu lieben. Mache, daß du mein einziger Gedanke, mein einziges Verlangen, meine einzige Liebe seiest. Alles hoffe ich von deiner Güte durch die Verdienste deines Sohnes. — Maria, meine Mutter! ich bitte dich, erlange mir um der Liebe willen, die du zu Jesu Christo trägst, Licht und Stärke ihm zu dienen und ihn bis in den Tod zu lieben.
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« Antwort #63 am: 23. März 2017, 18:56:37 »
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21. Betrachtung
Unglückliches Leben des Sünders und glückliches Leben desjenigen, der Gott liebt.
 
3. Punkt
Es sind also sämtliche Güter und Vergnügungen dieser Welt nicht fähig, das menschliche Herz zu befriedigen? Was ist denn aber im Stande, ihm Genüge zu leisten? Nur Gott: Erfreue dich im Herrn und er wird dir nach dem Verlangen deines Herzens geben. (Ps 36,4) Des Menschen Herz forscht immer nach einem Gute, wodurch es befriedigt werden könnte. Es genießt Reichtümer, Vergnügungen, Ehren und gibt sich nicht zufrieden; denn dies sind Güter, die ein Ende nehmen, das Menschenherz aber ist für ein endloses Gut geschaffen; findet es Gott, vereint es sich mit Gott, dann erst ist es zufrieden, nichts mehr wünscht es alsdann: Erfreue dich im Herrn und er wird dir nach dem Verlangen deines Herzens geben. Der heilige Augustinus fand solange keine Ruhe, als er in sinnlichen Vergnügungen dahinlebte.

Als er sich aber Gott geschenkt hatte, bekannte er sonach und sprach zum Herrn: „Unser Herz ist unruhig, bis es Ruhe findet in dir." Mein Gott! sagte er, jetzt erst verstehe ich es, daß alles Eitelkeit und Geistesplage ist und daß du allein die echte Ruhe unserer Seelen bist: „Alles ist bitter; du allein bist die Ruhe." Daher schrieb er, durch eigene bittere Erfahrung belehrt: „Was suchst du Elender bei den Gütern dieser Erde? Suche ein Gut, das alle anderen Güter in sich schließt." Zur Zeit, als der König David in der Sünde lebte, ging er auf Jagden, in Lustgärten, zu Tafeln und allen königlichen Ergötzungen; allein sowohl die Tafeln als die Gärten und alle Geschöpfe, deren er sich erfreute, riefen ihm zu: David, du willst von uns befriediget werden? Nein, wir sind außer Stand, dich zu befriedigen: Wo ist dein Gott? Gehe nur, suche deinen Gott, denn er allein kann dich zufrieden stellen; und deshalb konnte David mitten unter allen seinen Ergötzlichkeiten nicht anders, als weinend klagen: Meine Tränen sind Tag und Nacht meine Speise geworden, weil man täglich zu mir saget: Wo ist dein Gott. (Ps 41,4)

O wie vollends kann hingegen Gott die Seelen befriedigen, welche ihn lieben!

Nachdem der heilige Franziskus von Assisi Gott zu Liebe alles verlassen hatte, fand er -  wenngleich barfuß und mit schlechten Lumpen angetan und halb tot vor Hunger und Frost - himmlische Wonne in den Worten: „mein Gott und mein Alles! Traf es sich, daß der heilige Franziskus von Borgia, nach seinem Eintritte ins Kloster, auf seinen Reisen auf Stroh liegen mußte, da war er dessen so froh, daß er vor Freude kaum einschlafen konnte. Wollte der heilige Philippus Nerius, nachdem er ebenfalls alles verlassen hatte, zur Ruhe sich begeben, so wurde er von Gott so vollauf getröstet, daß er fast klagend ausrief: „Ach, mein Jesus Christus, laß mich doch schlafen." Pater Karl von Lothringen, aus dem fürstlichen Hause Lothringen, ein Jesuit, fing manchmal in seiner armen Zelle vor Freude an zu tanzen. Der heilige Franciscus Xaverius schlug auf Indiens Feldern sich an die Brust und rief aus: „Es ist genug, o Herr! es ist genug. Herr, keine Tröstung mehr, mein Herz ist nicht im Stande, es auszuhalten." Die heilige Theresia sagte: Ein Tropfen himmlischen Trostes gewähre mehr Freude als alle Vergnügungen und Unterhaltungen der Welt. Und mit Recht; denn Gott kann sein gegebenes Wort: denjenigen, welche ihm zu Liebe die Güter der Welt verlassen, auch in diesem Leben hundertfachen Frieden und Freude zu geben, nicht brechen: Wer um meines Namens willen sein Haus oder seine Brüder verlässt, der wird es hundertfältig wieder bekommen und das ewige Leben besitzen. (Mt 19,29)

Was suchen wir noch länger? - Lasset uns also zu Jesu Christo hingehen, der uns mit dem Zurufe einladet: „Kommt zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken." (Mt 11,28) Eine Seele, die Gott liebt, findet jenen Frieden, der alle Vergnügungen und Befriedigungen übertrifft, welche Sinn und Welt verschaffen kann!

Der Friede Gottes, welcher allen Verstand übertrifft. (Phil 4,7) Es ist wahr: auch die Heiligen haben auf dieser Welt Leiden; denn diese Welt ist ein Ort der Verdienste, und ohne zu leiden kann man nicht Verdienste sammeln. Allein der heilige Bernardus sagt, die göttliche Liebe sei dem Honig vergleichbar, welcher die bittersten Sachen süß und lieblich macht. Wer Gott liebt, der liebt dessen Willen und ist daher auch bei Widerwärtigkeiten fröhlich, denn er weiß, daß er, durch willige Annahme derselben, Gott lieb und wohlgefällig werde. O Gott! die Sünder verachten das geistliche Leben, ohne es noch versucht zu haben. „Sie sehen das Kreuz, die Salbung aber sehen sie nicht", sagt der heilige Bernardus; nur die Leiden, welche die Liebhaber Gottes ausstehen, und die Vergnügen, deren sie sich berauben, fassen sie ins Auge, die Freuden des Geistes aber, wodurch Gott seine Liebe ihnen bezeugt, diese beachten sie gar nicht. O möchten doch die Sünder den Frieden verkosten, den eine Seele genießt, die nichts als Gott will. Kostet und sehet, sagt David, daß der Herr süß ist. (Ps 33) Mein Bruder, fange nur einmal an, täglich zu betrachten, oft zu kommunizieren, vor dem heiligsten Sakramente dich aufzuhalten; beginne die Welt zu verlassen und mit Gott es zu halten und du wirst erfahren, daß der Herr in der kurzen Zeit, da du mit ihm dich unterhalten wirst, weit mehr dich erfreuen werde, als die Welt samt allen ihren Unterhaltungen dich vergnügte: Kostet und sehet. - Wer es nicht versucht, der kann es auch nicht begreifen, wie sehr Gott eine Seele, die ihn liebt, zu trösten wisse.
 
Anmutungen und Bitten
Mein lieber Erlöser, wie war ich doch vorher so blind, daß ich dich, o unendliches Gut, du Quelle alles Trostes! wegen so elenden und kurzen sinnlichen Vergnügen verlassen habe! Ich erstaune ob meiner Blindheit, noch mehr aber verwundere ich mich über deine Barmherzigkeit, die mit so großer Güte mich geduldet hat. Dank dir, daß du nun meine Torheit und die Pflicht, dich zu lieben, mir zu erkennen gibst. Ich liebe dich, mein Jesus, aus ganzer Seele und verlange, dich noch mehr zu lieben. Vermehre mein Verlangen und meine Liebe. Erfülle mich mit Liebe zu dir, o unendlich Liebenswürdiger! der du nicht mehr tun kannst, um von mir geliebt zu werden, und meine Liebe so sehr verlangst. Wenn du willst, kannst du mich rein machen. Ach, mein Erlöser, reinige mein Herz von unlauteren Gemütsneigungen, die mich hindern, dich zu lieben, wie ich es wünschte! Es liegt ja nicht in meiner Gewalt, zu bewirken, daß mein Herz für dich ganz entflammt werde, und nichts anderes als dich liebe. Deine Gnade muß es bewirken; denn diese vermag alles, was sie nur will. Reiße mich los von allem, vertreibe aus meiner Seele jede Neigung, die nicht auf dich abzielt, und mache mich ganz zu deinem Eigentume. Ich habe über alle dir zugefügten Beleidigungen größeres Leid, als über jedes Unglück und nehme mir vor, mein ganzes übriges Leben deiner heiligen Liebe zu widmen; allein du mußt bewirken, daß ich es vollbringe. Bewerkstellige es um des Blutes willen, das du für mich unter so vielen Schmerzen und mit so großer Liebe vergossen hast. Es diene zur Verherrlichung deiner Macht, wenn du bewirkst, daß ein Herz, welches einst von irdischen Gedanken voll war, jetzt aus Liebe zu dir, o unendliches Gut! eine lautere Flamme werde. — O Mutter der schönen Liebe, Maria! mache mich durch deine Fürbitte von Liebe zu Gott ganz glühend, wie du es immer warst.
 
GOTTES HANDELN IST IMMER LIEBE,
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22. Betrachtung
Von der bösen Gewohnheit „Wenn der Gottlose in den Abgrund der Sünden gekommen sein wird, verachtet er es." (Spr 18,3)
 
1. Punkt
Einer der größten Nachteile, den Adams Sünde uns verursachte, ist die böse Neigung zum Sündigen. Dies preßte dem Apostel Tränen aus seinen Augen, indem er von der sinnlichen Begierde zu bösen Handlungen sich angetrieben sah, die er doch so sehr verabscheute. Ich empfinde in meinen Gliedern ein anderes Gesetz... das mich unter dem Gesetze der Sünde gefangen hält. (Röm 7,24) Und daher wird es uns, die wir mit dieser bösen Begierlichkeit behaftet sind, nebst den vielen Feinden, die uns zum Bösen reizen, so schwer, schuldlos in unser heiliges Vaterland zu gelangen. Diese unsere Gebrechlichkeit im Auge, frage ich dich nun: Was würdest du wohl von einem Reisenden sagen, der mit seinem halb zerbrochenen Schiffe das Meer durchfahren wollte bei einem großen Sturmgewitter, und der überdies dasselbe noch beladen würde mit einer Last, welche, wenn auch kein Sturm und das Schiff stark wäre, dennoch hinreichend wäre, es zu versenken? Was würdest du von dem Leben dieses Menschen schon im voraus sagen? Dasselbe kannst du mit Recht auch von einem Menschen sagen, der böse Gewohnheiten hat. Denn auch dieser durchsegelt das Meer dieses Lebens (diese stürmische See, wo so viele ihren Untergang finden) mit einem schwachen und zertrümmerten Fahrzeuge (welches unser Fleisch ist, mit dem wir vereint sind), und will selbes überdies noch mit seinen Gewohnheitssünden schwer beladen. Diese wird schwerlich sich retten; denn die böse Gewohnheit verblendet den Verstand, verhärtet das Herz, und dadurch geschieht es leicht, daß er bis zum Tode verstockt bleibt.

Fürs erste verblendet die böse Gewohnheit. Woher kommt es, daß die Heiligen Gott immer um Licht bitten, daß sie fürchten und zittern, auch die schlimmsten Sünder der Welt zu werden? Daher, weil sie wissen, daß, wenn sie nur einen Augenblick das Licht verlieren würden, sie jede Lastertat begehen könnten. Woher kommt es, daß so viele Christen hartnäckig in der Sünde leben wollten, bis sie endlich verdammt worden sind? Ihre Bosheit hat sie verblendet. (Weish 2,21) Die Sünde nahm ihnen das Licht, und so gingen sie zu Grunde. Jede Sünde hat die Verblendung zur Folge; und wie die Sünden sich mehren, so vermehrt sich die Verblendung. Gott ist unser Licht; je mehr also die Seele von ihm sich entfernt, desto mehr erblindet sie. Die Laster werden bis in seine Gebeine dringen. (Job 20,11) So wie in ein Geschirr voll Erde das Sonnenlicht nicht eindringen kann, ebensowenig kann das göttliche Licht ein lastervolles Herz erleuchten. Hieraus ist erklärlich, wie lau gewordene Sünder das Licht verlieren und dann von Sünde zu Sünde schreiten und nicht einmal mehr daran denken, sich zu bessern. Die Gottlosen gehen rings umher. (Ps 11,9) Sind diese Elenden endlich in diesen finstern Abgrund gestürzt, so können sie nichts als sündigen, so denken sie an nichts, als an das Sündigen, und sie wissen beinahe nicht mehr, daß die Sünde etwas Böses sei. „Die Angewöhnung des Bösen", sagt der heilige Augustinus, „läßt dem Sünder das Böse nicht sehen, das er verübt." Daher leben sie, als glaubten sie nicht mehr, daß es einen Gott, einen Himmel, eine Hölle, eine Ewigkeit gebe. Und siehe! Vor der Sünde, die man früher fürchtete, hat man wegen der bösen Gewohnheit gar keine Furcht mehr. Treibe sie um wie ein Rad und wie Stoppeln vor dem Winde. „Ihr sehet - sagt der heilige Gregorius - wie leicht ein Strohhalm auch von einem geringen Winde fortgetrieben wird." Das nämliche kannst du auch an jenem bemerken, der früher vor seinem Falle wenigstens eine Zeit lang Widerstand leistete und mit der Versuchung kämpfte; ist ihm aber nun das Böse schon zur Gewohnheit geworden, so fällt er bei jeder kleinen Anfechtung und so oft sich ihm Gelegenheit zum Sündigen darbietet. Und warum? Weil die böse Gewohnheit ihm das Licht genommen hat. Der heilige Anselmus sagt, der Teufel mache es mit gewissen Sündern wie einer, der einen Vogel an einen Faden gebunden: „Er läßt ihn zwar fliegen; wenn er aber will, zieht er ihn sogleich wieder zu Boden." So sind, wie dieser Heilige sich ausdrückt, die Gewohnheitssünder beschaffen: „Durch eine böse Gewohnheit ins Netz gezogen, werden sie vom Feinde festgehalten; fliegen sie auch, so fallen sie doch wieder in die nämlichen Laster." (Ap. Edinor. in vita lib. 2) Einige, fügt der heilige Bernardinus von Siena hinzu (tom, 4, Serm. 15), fahren fort zu sündigen, auch ohne Gelegenheit. Der Heilige sagt, die Gewohnheitssünder werden den Windmühlen gleich, welche von jedem Winde herumgetrieben werden; sie gehen bei jedem Wehen des Windes herum, wenn auch kein Korn zu mahlen darauf ist und wenn auch der Eigentümer nicht will, daß sie sich bewegen. Du wirst sehen, daß ein Gewohnheitssünder auch ohne Veranlassung, ohne Lust und beinahe wider Willen den bösen Gedanken nachhänge, von der bösen Gewohnheit mit Gewalt dazu getrieben. Der heilige Johannes Chrysostomus sagt: „Etwas Hartes ist die böse Gewohnheit, denn sie zwingt, manchmal wider Willen etwas Verbotenes zu tun." Und so ist es; denn die böse Gewohnheit wird dann, wie der heilige Augustinus lehrt, gewissermaßen Bedürfnis: „Widersteht man der Gewohnheit nicht, so wird sie zum Bedürfnis." Und wie der heilige Bernardinus hinzusetzt, wird die Gewohnheit auch zur zweiten Natur.

So wie also der Mensch Atem holen muß, so scheint auch den Gewohnheitssündern, welche Leibeigene der Sünde geworden sind, das Sündigen zur zweiten Natur zu werden. Ich sagte: „Leibeigene", denn Knechte nennt man die, die um Lohn dienen; die Leibeigenen aber dienen aus Zwang, ohne Lohn. Diesen gleichen einige Elende, die da sündigen, ohne hiezu Lust zu haben.

Wenn der Gottlose in den Abgrund der Sünde gekommen sein wird, verachtet er sie. (Spr 18,3) Dies erklärt der heilige Chrysostomus von dem Gewohnheitssünder, welcher in diesen Abgrund der Finsternis versunken und keine Kirchenstrafen, keine Predigten, keine Zurechtweisungen, selbst die Hölle und auch Gott nicht mehr achtet; er verachtet alles und wird elend, gleich einem Geier, der, um das Aas nicht von sich zu lassen, lieber auf demselben von den Jägern sich erschießen läßt. Es erzählt P. Recupito, ein zum Tode Verurteilter habe noch auf der Richtstätte in einen bösen Gedanken eingewilligt, indem er auf dem Wege dahin, seine Augen erhebend, ein Mädchen erblickte. Auch P. Gisolfo erzählt, ein Gotteslästerer, der ebenfalls zum Tode verurteilt war, sei, während er von der Leiter herabgeworfen wurde, in eine Gotteslästerung ausgebrochen. Der heilige Bernardus versichert sogar, für Gewohnheitssünder helfe kein Beten mehr, man müsse sie vielmehr als Verdammte beweinen. Wie sollten sie aber aus ihrem Abgrunde herauskommen, wenn sie bereits nicht mehr sehen? Da muß die Gnade Wunder wirken. Die Elenden werden in der Hölle erst die Augen öffnen; doch dann wird es ihnen zu nichts anderem dienen, als um ihre Torheit desto bitterer zu beweinen.
 
Anmutungen und Bitten
Mein Gott! Du hast mit deinen Wohltaten mich ausgezeichnet, denn du hast mir mehr Gutes getan als anderen; ich aber habe dich gleichsam mit Missetaten ausgezeichnet, indem ich dich mehr beschimpfte, als jede mir bekannte Person. O schmerzvolles Herz meines Erlösers! das am Kreuze ob dem Anblicke meiner Sünden so betrübt und gequält wurde, gib mir doch durch deine Verdienste eine lebhafte Erkenntnis und einen recht heftigen Schmerz über meine Verbrechen. Ach, mein Jesu! ich bin voll von Lastern, du aber bist allmächtig; du kannst ja deine heilige Liebe in vollem Maße mir schenken. Auf dich also stütze ich mich, denn du bist eine unendliche Güte, eine unendliche Barmherzigkeit! Es reuet mich, o höchstes Gut! dich beleidiget zu haben.

O wäre ich lieber gestorben und hätte ich doch nie dir ein Mißfallen verursacht! Ich vergaß auf dich; doch du hast nicht auf mich vergessen, ich erkenne es an dem Lichte, das du mir jetzt gibst. Da du mir also Licht gewährest, so verleihe mir auch die Kraft, dir treu zu sein. Ich verspreche, tausend Mal lieber zu sterben, als dir jemals wieder den Rücken zu kehren; doch auf deiner Hilfe beruhen meine Hoffnungen: Auf dich, o Herr! habe ich gehofft, ich werde in Ewigkeit nicht zu Schanden werden. Von dir, mein Jesu! hoffe ich, daß ich mich niemals mehr durch eine Sünde beschämt und deiner Gnade beraubt sehen werde. — Auch zu dir, o Maria, meine Frau, wende ich mich: Auf dich, o Frau! habe ich gehofft, ich werde in Ewigkeit nicht zu Schanden werden. Auf deine Fürsprache vertrauend, erwarte ich, o meine Hoffnung! daß ich mich nie mehr als einen Feind deines Sohnes sehen werde. Ach bitte ihn, er möge mich lieber sterben lassen, als diesem größten Unglücke mich preisgeben.
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Vorbereitung zum Tode — fromm leben, selig sterben
« Antwort #65 am: 29. März 2017, 22:23:38 »
Vorbereitung zum Tode
oder Betrachtungen über die ewigen Wahrheiten
um fromm zu leben und selig zu sterben

vom Heiligen Alphons Maria von Liguori


22. Betrachtung
Von der bösen Gewohnheit
 
2. Punkt
Ferner verhärtet die böse Gewohnheit das Herz. „Die Gewohnheit zu sündigen, macht das Herz hart", sagt Cornelius a Lapide. Und mit Recht läßt dies Gott zur Strafe für den Widerstand, den man gegen seine Stimme leistete. Der Apostel lehrt: Der Herr erbarme sich über wen er will, und verhärtet, wen er will. Der heilige Augustinus erklärt es so: „Verhärtung von Seite Gottes heißt, sich nicht erbarmen wollen." Nicht als verhärtete Gott den Sünder, sondern er entzieht ihm die Gnade zur Bestrafung der Undankbarkeit, mit der er sich gegen seine Gnade benommen hat, und auf diese Weise bleibt des Sünders Herz hart und einem Steine gleich. Sein Herz wird wie ein Stein hart werden, und so fest wie der Amboss eines Schmiedes. (Job 41,15) Und so wird es kommen, daß, während die einen vor Rührung weinen, wenn sie von der Strenge des göttlichen Gerichtes, von den Peinen der Verdammten, vom Leiden Jesu Christi predigen hören, dagegen der Gewohnheitssünder ganz ungerührt bleibt, mit Gleichgültigkeit davon spricht und sprechen hört, als ginge ihn die ganze Sache gar nichts an; und so wird er bei solchen Schlägen nur noch härter: Und er wird so fest wie der Amboss eines Schmiedes werden.

Auch unvorhergesehene Todesfälle, Erdbeben, Donnerschläge, Blitzesstrahlen werden ihn nicht erschrecken; ja, anstatt ihn aufzuschrecken, und zur Besinnung zu bringen, tragen sie vielmehr zu jenem Todesschlummer bei, in welchem verloren er dahinschläft: Sie sind, o Gott Jakobs! von deinen Verweisen entschlafen (Ps 75,7)

Der heilige Augustinus sagt: „Werden die Sünden, und seien sie auch noch so entsetzlich, zur Gewohnheit, so scheinen sie klein oder wohl gar nichts zu sein." Auf böse Taten folgt natürlich eine gewisse Scham; allein der heilige Hieronymus sagt, die Gewohnheitssünder verlieren durch das Sündigen auch die Scham: „Sie schämen sich nicht einmal, wenn sie sündigen." Der heilige Petrus vergleicht den Gewohnheitssünder mit einem Schweine, das im Kote sich wälzt: Das Schwein wälzt nach der Schwemme sich wieder im Kote. (2 Petr 2,22) So wie ein Schwein, das im Moraste sich wälzt, dessen Gestank nicht riecht: so geht es auch dem Gewohnheitssünder, er allein riecht nicht den Gestank, der allen Ekel erregt. Und da der Unflat ihm auch das Gesicht bedeckt hat, ist es noch zu verwundern, fragt der heilige Bernardus, daß er es nicht einmal gewahr wird, wenn Gott ihn züchtiget? „Das Volk wälzt sich in Sünden, wie das Schwein, wenn es im Unflat sich wälzt; was Wunder, wenn es die kommenden Gerichte des geißelnden Gottes nicht erkennt?" (S. Bern. Ser. part 2. p. 182) Daher kommt es, daß er, anstatt über seine Sünden zu trauern, darüber lacht, darob sich erlustiget, und sich rühmt: Sie erfreuen sich, wenn sie Böses getan haben (Spr 2,14) Sind das nicht Beweise von einer teuflischen Herzenshärte? Der heilige Thomas von Villanova sagt: dies alles sind Zeichen der Verdammnis: „Verstocktheit ist ein Kennzeichen der Verdammung." Mein Bruder, zittere, daß dir nicht dasselbe widerfahre. Hast du etwa eine böse Gewohnheit, so suche davon sogleich dich loszumachen, da Gott dich jetzt ruft. Und so lange dein Gewissen dir Vorwürfe macht, sei frohen Mutes, denn es ist ein Zeichen, daß Gott dich noch nicht verlassen habe. Aber bessere dich, winde dich aus der Gewohnheit heraus; denn tust du es nicht alsobald, so wird zur Wunde der Krebs sich schlagen, und dann wird es um dich geschehen sein.
 
Anmutungen und Bitten
O Herr! wie werde ich dir danken können, in dem Maße, als ich es schuldig bin für so viele Gnaden, die du mir erwiesen hast? Wie oft hast du mich gerufen, und ich - habe mich dir widersetzt? Anstatt dir Dank und Liebe zu zollen dafür, daß du vor der Hölle mich bewahrtest und mit so großer Liebe riefest, fuhr ich fort, dich durch Wiederholung der Unbilden zum Zorne zu reizen. Nein, mein Gott! ich will deine Geduld nicht länger mehr mißbrauchen: ich habe oft genug dich beleidiget. Nur du, der du die unendliche Güte bist, konntest mich so lange dulden. Allein, ich sehe ein, daß du mich nicht mehr gedulden kannst; und du hast Recht. Vergib mir also, mein Herr und mein höchstes Gut! alle die Unbilden, die ich dir zufügte, welche ich von ganzem Herzen bereue, und ich nehme mir vor, in Zukunft dich nicht mehr zu beleidigen. Wie? Sollte ich fortfahren, dich zu beleidigen? Ach, versöhne dich mit mir, o Gott meiner Seele! nicht meiner Verdienste wegen, da nur Pein und Hölle mir zugehören, sondern um der Verdienste deines Sohnes und meines Erlösers willen, worauf ich meine Hoffnung gründe. Nimm mich also, Jesu Christo zu Liebe in deiner Gnade auf, und gib mir die Beharrlichkeit in deiner Liebe. Reiße von allen unreinen Gemütsneigungen mich los, und ziehe mich ganz zu dir. Ich liebe dich, o höchstes Gut! o höchster Liebhaber der Seelen, der du einer unendlichen Liebe würdig bist! O, hätte ich dich doch immer geliebt! - Maria, meine Mutter! mache, daß mir mein noch übriges Leben nicht mehr dazu diene, deinen Sohn zu beleidigen, sondern nur, um ihn zu lieben und die ihm zugefügten Beleidigungen zu beweinen.
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Vorbereitung zum Tode — fromm leben, selig sterben
« Antwort #66 am: 30. März 2017, 20:51:28 »
Vorbereitung zum Tode
oder Betrachtungen über die ewigen Wahrheiten
um fromm zu leben und selig zu sterben

vom Heiligen Alphons Maria von Liguori


22. Betrachtung
Von der bösen Gewohnheit
 
3. Punkt
Ist einmal das Licht verloren, und das Herz verhärtet, so wird sittlicherweise davon die Folge sein, daß der Sünder ein übles Ende nehme, und hartnäckig in seiner Sünde sterbe. Einem verstockten Herzen wird es am Ende übel ergehen. (Eccl 3,27) Die Gerechten gehen den geraden Weg fort: Richtig ist der Fußsteig der Gerechten zu wandeln. (Jes 26,7) Dagegen gehen die Gewohnheitssünder immer im Kreise umher. Die Gottlosen gehen rings herum. (Ps 11,9) Sie verlassen die Sünden auf einige Zeit und kehren dann wieder zu ihnen zurück. Diesen kündet der heilige Bernardus die Verdammung an: „Wehe dem Menschen! der diesen Unweg fort und fort einschlägt." (Serm. 12, sup. Ps. 90)

Es kann aber einer sagen: vor dem Tode will ich mich schon bessern. Allein, das ist eine schwere Sache, daß ein Gewohnheitssünder, wenn er auch ein hohes Alter erreicht, sich bessere, sagt der Heilige Geist: Ein Jüngling wird vom gewohnten Wege nicht abweichen. (Spr 22,6) Hiervon, sagt der heilige Thomas von Villanova, liegt die Ursache darin, weil unsere Kraft sehr klein ist: Eure Stärke wird wie verbrannte Stoppeln sein. (Jes 1,31) Hieraus folgt, daß, wie der Heilige sagt, die der Gnade beraubte Seele nicht anders kann, als neuerdings sündigen: „Dadurch geschieht, daß die Seele, welcher die Gnade entzogen ist, ferneren Sünden nicht lange ausweichen kann." Überdies aber wie töricht wäre einer, wenn er spielen, und freiwillig all das Seine verlieren wollte in der Hoffnung, sich beim letzten Spiele wieder zu erholen. Dies ist die Torheit desjenigen, der in Sünden fortlebt, und sich mit der Hoffnung schmeichelt, in den letzten Tagen seines Lebens alles wieder gutzumachen. Kann wohl der Mohr oder der Leopard die Farbe seiner Haut anders machen? Und wie wird denn der ein gutes Leben führen, welcher lange an das Böse gewohnt war? Wenn ein Mohr seine Haut verändern kann oder ein Parder seine Flecken, so könnt auch ihr Gutes tun, die ihr des Bösen gewohnt seid. (Jer 13,23) Und so kommt es, daß der Gewohnheitssünder sich der Verzweiflung überläßt, und darin sein Leben endet. Wer aber harten Herzens ist, der wird ins Unglück stürzen. (Spr 28, 14)

Der heilige Gregorius spricht folgende Stelle Jobs: Er hat mir eine Wunde über die andere geschlagen und wie ein Riese mich überfallen. (Job 16,15) Also, wird jemand von einem Feinde angegriffen, so ist er beim ersten Schlage, den er bekommt, vielleicht noch fähig, sich zu verteidigen; je mehr Schläge er aber bekommt, desto mehr verliert er an Kräften, bis er endlich unterliegt. So macht es die Sünde; das erste, das zweite Mal bleibt dem Sünder einige Stärke (es versteht sich immer, mittelst der ihm beistehenden Gnade); sündigt er aber sodann fort, so wächst die Sünde an wie ein Riese, um ihn zu überfallen. Wie wird nun der Sünder bei seiner Schwäche und mit Wunden überhäuft dem Tode zu entweichen vermögen? Die Sünde gleicht ferner, wie Jeremias sich ausdrückt, einem großen Steine, der die Seelen niederdrückt: Und sie haben einen Stein auf mich gelegt. (Thren 3,53) Der heilige Bernardus sagt, einem Gewohnheitssünder sei es ebenso schwer, wieder aufzustehen, als es einem Menschen mühsam ist, sich zu erheben, wenn er unter einem großen Steine liegt und nicht so stark ist, ihn fortzuwälzen, um dessen los zu werden. „Schwer steht der auf, den der Stein einer bösen Gewohnheit darniederdrückt."

Also - wird jener Gewohnheitssünder fragen - also ist für mich keine Hoffnung mehr? Höre die Wahrheit: Wenn du selbst mitwirken willst, darfst die Hoffnung nicht aufgeben; wisse aber, sagt ein Schriftsteller, daß man gegen die schwersten Übel auch die bewährtesten Arzneien anwenden müsse: „In schweren Krankheiten muß man mit vorzüglichen Hilfsmitteln den Anfang machen." (Card. Meth. cap. 16) Würde ein Arzt zu einem tödlich Kranken, der keine Arznei nehmen will, weil er die Bedenklichkeit seines Übels nicht erkennt, also sprechen: Freund, nimmst du diese Arznei nicht ein, so bist du des Todes! was würde wohl der Kranke antworten? Ei, würde er sagen, ich bin bereit, alles zu nehmen; es handelt sich ja um mein Leben. Eben diese Worte sage ich zu dir, mein Christ, wenn du an eine Sünde gewohnt bist.

Gar schlecht steht es mit dir, du bist einer jener Kranken, „die da selten genesen", wie der heilige Thomas von Villanova spricht; du stehst am Rande der Verdammnis; willst du jedoch wieder hergestellt werden, so gibt es gleichwohl ein Mittel, doch darfst du kein Wunder von der Gnade erwarten. Du mußt dir selbst Gewalt antun, indem du alle Gelegenheit zur Sünde hinwegräumst, der bösen Gesellschaft ausweichest und Widerstand leistest, und dich Gott anempfiehlst, so oft du versucht wirst. Du mußt auch noch folgende Mittel gebrauchen, nämlich: oft beichten, täglich ein geistliches Büchlein lesen, Maria, die allerheiligste Jungfrau, verehren, indem du sie stets bittest, sie möchte dir die Stärke erlangen, nicht wieder zu fallen. Du mußt Gewalt brauchen, sonst erfüllt sich an dir des Herrn Drohung gegen die Verstockten: Ihr werdet in euren Sünden sterben. (Joh 8,21) Und greifest du nicht jetzt zu den Mitteln, da dir Gott dies Licht gibt, so wirst du dir nachher schwerlich heraushelfen können. Höre, wie Gott dir zuruft: Lazarus, komm hervor! O elender, schon verstorbener Sünder! komme hervor aus diesem finsteren Grabe deines so schlechten Lebens. Entsprich und ergib dich Gott alsogleich, und zittere, denen dies könnte der letzte Ruf sein an dich.
 
Anmutungen und Bitten
Ach mein Gott! soll ich noch länger zögern, bis du mich wirklich verläßt und in die Hölle mich wirfst? Ach Herr! warte doch auf mich, ich will das Leben schon ändern und dir mich ergeben. Sage mir, was ich tun soll, ich will es gern vollziehen. O Blut Jesu! hilf mir. O du Fürsprecherin der Sünder, Maria! komme mir z.u Hilfe. Und du, ewiger Vater! erbarme dich meiner um der Verdienste Jesu und Maria willen. Es reuet mich, o Gott unendlicher Güte! dich beleidiget zu haben, und ich liebe dich über alles.

Verzeihe mir Jesu Christo zu Liebe und gib mir Liebe zu dir. Flöße mir auch eine große Furcht ein, vor meinem Untergang, wenn ich dich neuerdings beleidigen würde. Licht, mein Gott! Licht und Stärke — alles hoffe ich von deiner Barmherzigkeit. Du hast mir ja so viele Gnaden erwiesen, als ich fern von dir dahinlebte, um so mehr darf ich jetzt deinen Beistand erwarten, da ich mit dem Vorsatze zu dir zurückkehre, nichts mehr zu lieben, als dich. Ich liebe dich, mein Gott, mein Leben, mein Alles. — Auch dich, o Maria! liebe ich, dir übergebe ich meine Seele, bewahre du sie durch deine Fürbitte von dem Rückfalle in Gottes Ungnade.
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Vorbereitung zum Tode — fromm leben, selig sterben
« Antwort #67 am: 03. April 2017, 17:06:32 »
Vorbereitung zum Tode
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23. Betrachtung
Täuschungen, die der böse Geist den Sündern einflüstert (Obwohl viele Gedanken, welche in dieser Betrachtung vorkommen, schon in den vorhergehenden angedeutet wurden, so ist es doch gut, sie hier zusammengestellt vorzutragen, um die gewöhnlichen Täuschungen zu heben, wodurch der böse Feind die Sünder zum Rückfalle zu verleiten pflegt.)
 
1. Punkt
Stellen wir uns vor, ein Jüngling wäre in eine schwere Sünde gefallen, habe sie dann gebeichtet und die göttliche Gnade wieder erhalten. Der böse Feind aber sucht ihn neuerdings zum Rückfalle zu bringen; der Jüngling widersetzt sich, doch er fängt an zu wanken, getäuscht durch die Scheingründe, die ihm der Feind eingibt. Sage mir, junger Mensch, frage ich, was willst du tun? Willst du etwa dieses elenden Vergnügens wegen die Gnade Gottes verscherzen, die du schon erhalten hast und die mehr wert ist, als die ganze Welt? Willst du dir selbst das Urteil deines ewigen Todes schreiben und dich verurteilen, für immer in der Hölle zu brennen? Nein, sagst du, ich will nicht verdammt werden, ich will selig werden! wenn ich auch diese Sünde jetzt begehe, so werde ich sie hernach schon beichten. Siehe, das ist der erste Betrug des Versuchers. Du sagst also, du werdest sie hernach beichten, inzwischen aber geht deine Seele schon verloren. Sage mir, wenn du in deiner Hand einen Edelstein im Werte von tausend Dukaten hättest, würdest du ihn wohl in den Fluß werfen und sprechen: hernach will ich mir schon Mühe geben, und hoffentlich werd' ich ihn wieder finden. Du hast dies schöne Kleinod, deine Seele, die Jesus mit seinem Blute erkauft hat, in deiner Hand, und du wirfst sie freiwillig in die Hölle (denn durch das Sündigen wirst du, vermöge der göttlichen Gerechtigkeit, verdammt) und sagst: ich hoffe sie durch die Beichte schon wieder zu retten! Wenn du sie aber nicht mehr retten solltest? Um sie wieder zu retten, bedarf es einer wahrhaften Reue; diese aber ist ein Geschenk Gottes, und wenn Gott diese Reue dir nicht gibt? Und wenn der Tod kommt und dir die Zeit zu beichten nimmt?

Du sagst, du werdest keine Woche vorübergehen lassen und sie beichten. Und wer verspricht dir diese Zeit von einer Woche? Du sagst: morgen werde ich beichten. Und wer wird dir den morgigen Tag zusichern? Der hl. Augustinus schreibt: „Den morgigen Tag hat Gott nicht versprochen; vielleicht wird er ihn geben, vielleicht auch wird er ihn nicht geben." Den morgigen Tag hat dir Gott nicht verheißen: Vielleicht wird er ihn dir gestatten, vielleicht wird er ihn dir versagen, wie er ihn so vielen versagt hat, die sich abends gesund ins Bett legten und morgens tot gefunden wurden. Wie viele ließ der Herr in dem Augenblicke, als sie die Sünde begingen, sterben und in die Hölle fallen! Und wenn er mit dir das nämliche tun sollte, wie wirst du dein ewiges Verderben verhüten können? Wisse, daß der böse Geist durch jene täuschenden Worte: „ich werde hernach schon beichten", tausende und tausende von Christen in die Hölle gebracht hat; denn schwerlich findet man einen so verzweifelten Sünder, der wirklich verdammt werden wollte. Alle, wenn sie sündigen, begehen die Sünde mit der Hoffnung zu beichten; allein eben dadurch sind so viele Elende verdammt worden und können jetzt sich nicht mehr helfen.

Du sagst: Ich vermag es nicht, jetzt dieser Versuchung zu widerstehen. Siehe, dies ist der zweite Betrug des bösen Feindes, welcher dir vorspiegelt, du hättest nicht Stärke genug, der gegenwärtigen Leidenschaft zu widerstehen. Vor allem muß man wissen, daß Gott, wie der Apostel sagt, getreu ist und uns nie über unsere Kräfte versucht werden läßt: Gott ist getreu; er wird euch über euer Vermögen nicht versuchen lassen. (1 Kor 10,13) Ferner frage ich dich: wenn du es jetzt nicht wagst, zu widerstehen, wie wirst du es später wagen? Hernach wird der Feind nicht unterlassen, dich zu andern Sünden zu verleiten, und dann wird er gegen dich um vieles stärker und du wirst weit schwächer geworden sein. Wagst du es also nicht, jetzt schon diese Flamme zu löschen: wie wirst du Mut haben sie auszulöschen, nachdem sie an Größe wird zugenommen haben? Du sagst: Gott wird mir seinen Beistand verleihen. Allein Gott gibt dir ihn jetzt; warum willst du mit dieser Hilfe nicht Widerstand leisten? Hoffest du etwa, Gott werde seinen Beistand und seine Gnade vermehren, nachdem du die Sünden vermehrt hast? Und wenn du jetzt größere Hilfe und Kraft wünschest, warum bittest du nicht Gott darum? Zweifelst du etwa an Gottes Treue, da er doch alles zu geben versprochen hat, um was man ihn immer bittet: Bittet und es wird euch gegeben werden. (Mt 7,7) Gott kann sein Wort nicht brechen: lauf zu ihm hin und er wird dir die zum Widerstand nötige Stärke verleihen. „Gott befiehlt nichts Unmögliches, spricht der Kirchenrat von Trient, sondern durch seine Gebote ermahnet er, so viel zu tun, als man kann, und er hilft, damit man es vermöge." (Sess. 6, cap. 11) Gott gebietet nichts Unmögliches; indem er uns aber Gebote gibt, so ermahnt er uns zu tun, was wir mit seiner tätigen Hilfe im Stande sind, und sollte uns diese Hilfe zum Widerstande nicht genügen, so ermahnt er uns, größere Hilfe zu suchen, und wenn wir ihn sonach darum recht bitten, so wird er sie uns wahrhaftig verleihen.
 
Anmutungen und Bitten
Weil du also, mein Gott! mit mir so gut warst, war ich gegen dich so undankbar? Wir stritten gegen einander, ich suchte vor dir zu fliehen und du suchtest mir nachzugehen; du trachtetest mir Gutes zu erweisen, ich strebte dir Böses zuzufügen.

Ach, mein Herr! geschähe es auch nicht aus einem anderen Grunde, so müßte ich schon deiner Güte wegen dich lieben, da du, nachdem ich die Sünden gemehrt habe, die Gnaden vermehrtest. Und wodurch verdiente ich wohl das Licht, das du mir jetzt gibst? Mein Herr! ich danke dir dafür von ganzem Herzen und hoffe in den Himmel zu kommen, um dir dafür immer und ewig Dank abzustatten. Ich hoffe kraft deines Blutes selig zu werden und hoffe es zuversichtlich, da du mir so viele Beweise von Barmherzigkeit gabst. Für jetzt hoffe ich, du werdest mir Stärke geben, dir nicht mehr untreu zu werden. Ich nehme mir mit deiner Gnade vor, lieber tausend Mal zu sterben, als dich wieder zu beleidigen. Ich habe dich genug beleidiget. In dem mir noch übrigen Leben will ich dich lieben. Und warum sollte ich einen Gott nicht lieben, der, nachdem er für mich gestorben ist, mit so großer Geduld mich ertragen hat, ungeachtet so vieler von mir ihm zugefügten Unbilden? O Gott meiner Seele! es reuet mich von ganzem Herzen; ich möchte vor Schmerz darüber sterben. Wenn ich dir vorhin den Rücken kehrte, so liebe ich dich nun über alles; ich liebe dich mehr als mich selbst. Ewiger Vater! hilf um der Verdienste Jesu Christi willen einem armen Sünder, der dich lieben will. — Maria! meine Hoffnung, hilf mir; erlange mir die Gnade, immer zu deinem Sohne mich zu wenden, besonders so oft der böse Feind neuerdings zur Sünde mich versucht.
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Täuschungen, die der böse Geist den Sündern einflüstert
 
2. Punkt
Man sagt femer: Gott ist barmherzig. Siehe, dies ist die dritte und sehr gewöhnliche Täuschung der Sünder, wodurch so viele verdammt werden. Ein sehr gelehrter Schriftsteller schreibt, wegen der Barmherzigkeit Gottes kommen mehrere in die Hölle, als wegen der Gerechtigkeit Gottes, denn diese Armseligen, die da vermessen auf 'die Barmherzigkeit vertrauen, hören zu sündigen nicht auf und gehen dadurch zu Grunde. Wer von uns wird leugnen, daß Gott barmherzig ist?

Allein, wie viele verstößt er dessen ungeachtet täglich in die Hölle? Er ist auch gerecht und daher muß er denjenigen bestrafen, der ihn beleidiget. Er erzeigt Barmherzigkeit, aber wem? Dem, der ihn fürchtet! Er hat seine Barmherzigkeit ausgebreitet über die, welche ihn fürchten, der Herr hat sich über die, welche ihn fürchten, erbarmt. (Ps 102,11,13) Wer ihn aber verachtet und seine Barmherzigkeit mißbraucht, an dem übt er seine Gerechtigkeit aus. Gott verzeihet wahrhaftig die Sünde; allein sündigen wollen - das kann er durchaus nicht verzeihen. Der heilige Augustinus sagt: Wer sündiget mit dem Gedanken, daß er Reue darüber haben wolle nach der Sünde, der ist kein Büßer, sondern ein Spötter und Verächter Gottes. „Ein Spötter ist er, und kein Büßer." Der Apostel sagt aber ausdrücklich, daß Gott sich nicht verspotten lasse: Täuscht euch nicht, Gott lässt seiner nicht spotten. (Gal 6,7) Es hieße Gott verspotten, wenn man ihn nach Belieben, wie und so oft man will, beleidigen und dann auf Verzeihung Anspruch machen wollte.

Ein anderer läßt sich also hören: Da mir Gott bisher so viele Barmherzigkeit erwiesen und mich nicht bestraft hat, so hoffe ich, werde er gegen mich wohl auch in Zukunft barmherzig sein; - und dies ist der vierte Trugschluß. Weil also Gott mit dir Mitleid hatte, deswegen soll er dir immer barmherzig sein und dich nie bestrafen? Ganz und gar nicht! Je größer die Erbarmungen waren, die er an dir übte, um so mehr mußt du zittern, daß er dir nicht mehr verzeihe und dich strafe, sobald du ihn wieder beleidigest. Sage nicht: Ich habe gesündiget, und was ist mir Übels widerfahren? Denn der Allerhöchste ist ein geduldiger Vergelter. (Eccl 5,4) Sage ja nicht, warnt der Sohn Sirach, ich habe gesündiget und keine Strafe erfahren; denn Gott duldet, doch er duldet nicht immer. Sobald die von ihm festgesetzte Zeit der Erbarmungen, die er an einem Sünder übt, vorüber ist, nimmt er an ihm Strafe über alle seine Sünden. Und je länger er auf die Buße gewartet hat, desto strenger wird die Strafe sein, wie der heilige Gregorius versichert: „Je länger er wartet, desto strenger verurteilt er."

Siehst du also, mein Bruder, daß dich Gott bei allen deinen oftmaligen Beleidigungen nicht in die Hölle gestürzt habe, so mußt du sagen: Dies kommt von der Güte des Herrn, daß wir nicht ganz vertilgt sind. (Thren 3,22) O Herr! ich danke dir, daß du mich nicht in die Hölle verstoßen hast, wie ich es verdient hätte.

Bedenke, daß viele mit bei weitem geringerer Sündenzahl der Verdammnis anheimfielen. Und mit diesem Gedanken suche die Beleidigungen, die du Gott zufügtest, durch Buße und andere gute Werke gutzumachen. Jene Geduld, welche Gott mit dir hatte, muß dich ermuntern, nicht etwa ihn wieder zu beleidigen, sondern ihm eifriger zu dienen und ihn mehr zu lieben, indem du siehst, daß er gegen dich viel barmherziger war, als gegen viele andere.
 
Anmutungen und Bitten
Mein gekreuzigter Jesus, mein Erlöser und mein Gott! Siehe hier zu deinen Füßen liegen den Treulosen. Ich schäme mich, zu dir aufzublicken, vor dir zu erscheinen. Wie oft habe ich deiner gespottet, wie oft versprach ich dir, dich nicht mehr zu beleidigen! Allein keines meiner Versprechen hielt ich; vielmehr habe ich, wenn sich Gelegenheit mir deutlich darbot, deiner vergessen und neuerdings den Rücken dir zugekehrt. Ich danke dir, daß du nicht zuließest, daß ich jetzt schon in der Hölle brenne, was ich verdiente. Laß mich nun zu deinen Füßen liegen, und erleuchte und rufe mich zu deiner Liebe. Ja, ich will dich lieben, mein Retter und mein Gott! und nicht ferner will ich dich geringachten. Du hast ja schon genug Geduld mit mir gehabt. Ich sehe ein, daß du mich nicht mehr ertragen kannst. Wehe mir! wenn ich nach so vielen Gnaden neuerdings dich beleidigen sollte. Herr! ich bin fest entschlossen, mein Leben zu ändern; und so sehr ich dich vormals beleidigte, ebenso sehr will ich dich jetzt lieben. Mein Trost ist, daß ich es mit dir zu tun habe, der du die unendliche Güte bist. Es reuet mich über alles, dich so sehr verachtet zu haben, und ich verspreche dir für die Zukunft meine ungeteilte Liebe. Verzeihe mir um der Verdienste deines Leidens willen, vergiß alle meine dir zugefügten Unbilden und gib mir Stärke, dir in meinem noch übrigen Leben treu zu sein. Ich liebe dich mein höchstes Gut, und hoffe dich immerfort zu lieben. Mein lieber Gott! ich will dich nicht mehr verlassen. — O Maria, Mutter meines Gottes! binde mich fest an Jesus Christus, und erflehe mir die Gnade, von seinen Fußstapfen nicht mehr abzuweichen; auf dich baue ich.
GOTTES HANDELN IST IMMER LIEBE,
AUCH WENN WIR IHN NICHT VERSTEHN.

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Vorbereitung zum Tode — fromm leben, selig sterben
« Antwort #69 am: 09. April 2017, 15:46:46 »
Vorbereitung zum Tode
oder Betrachtungen über die ewigen Wahrheiten
um fromm zu leben und selig zu sterben

vom Heiligen Alphons Maria von Liguori


23. Betrachtung
Täuschungen, die der böse Geist den Sündern einflüstert
 
3. Punkt
Ich bin ja jung, spricht abermals ein anderer; Gott hat Nachsicht mit der Jugend; später werde ich mich Gott schon übergeben. Dies ist die fünfte Täuschung. - Du bist jung? Weißt du aber nicht, daß Gott nicht die Jahre, sondern die Sünden eines jeden zählt? Jung bist du? Allein wie viele Sünden hast du begangen? Es wird viele Alte geben, die nicht einmal den zehnten Teil der Sünden begangen haben, die du bereits verübt hast. Und weißt du nicht, daß der Herr die Zahl und das Maß der Sünden, die er jedem verzeihen will, festgesetzt habe? Der Herr wartet mit Geduld, sagt die Schrift, dass er sie, wenn der Tag des Gerichtes kommen und das Maß der Sünden voll sein wird, strafe. (2 Makk 6,14) Das heißt, Gott hat Geduld und wartet bis zu einem gewissen Maß; ist aber dieses Maß der Sünden, die er zu verzeihen bestimmt hat, voll, dann vergibt er nicht mehr und straft den Sünder mit einem plötzlichen Tod zu einem Zeitpunkt, wo er im Stande der Verwerfung ist; oder er überläßt ihn seinen Sünden, und diese Strafe ist noch ärger, als selbst der Tod: Seinen Zaun will ich hinwegnehmen und er soll zum Raube werden. (Jes 5,5) Wenn du Grund und Boden hast, den du mit einem Zaune rings herum umgeben, schon mehrere Jahre hindurch angebauet, viele Unkosten darauf verwendet hast und nun siehst, daß der Boden dennoch keine Frucht bringe, was wirst du tun? Du nimmst den Zaun hinweg und lassest ihn unbebaut liegen. Zittere, daß es Gott mit dir nicht ebenso mache. Wenn du fortsündigen wirst, so wirst du die Gewissensbisse verlieren, nicht mehr an die Ewigkeit, noch an deine Seele denken, fast ganz um das Licht kommen und die Furcht Gottes verlieren: Siehe, nun ist der Zaun weg und du bist von Gott verlassen!

Wir kommen nun zur letzten Täuschung. Du sagst: Es ist wahr, durch die Sünde verliere ich Gottes Gnade; ich spreche mir selbst das Verdammungsurteil und kann auch vielleicht dieser Sünde wegen verdammt werden; allein es kann auch geschehen, daß ich hernach beichte und selig werde. - Ja, ich gib dir's zu, vielleicht wirst du noch selig; denn ich bin ja kein Prophet und kann daher nicht ganz gewiß sagen, ob dir Gott nach dieser Sünde vielleicht abermals Barmherzigkeit erzeigen werde. Doch kannst du auch mir das nicht ableugnen, daß es leicht möglich ist, daß, wenn du jetzt abermals nach so vielen Gnaden, die Gott dir erwiesen hat, ihn wieder beleidigest, du für immer zu Grunde gehen könnest. So spricht die Schrift: Einem verstockten Herzen wird es am Ende übel ergehen. (Eccl 3,27) Dem hartnäckigen Herzen wird es im Tode schlecht gehen. Die Boshaften werden vertilgt werden. (Ps 36,9) Die Bösen werden von der göttlichen Gerechtigkeit vernichtet werden. Was der Mensch säet, das wird er auch ernten. (Gal 6,8) Wer Sünden säet, wird am Ende nichts als Pein und Qualen ernten. Weil ich rief und ihr euch geweigert habet, so will ich zu eurem Untergange lachen und euer spotten. (Spr 1,24) Ich habe euch gerufen, sagt Gott, und ihr habt meiner gespottet, bei eurem Tode werde auch ich euer spotten. Mein ist die Rache und ich will vergelten zu seiner Zeit. (Dm 32,35) Mir steht die Rache über die Sünden zu und ich werde sie an dir nehmen, wenn die Zeit herangekommen sein wird. Dies sind Aussprüche der Heiligen Schrift über die Verstockten, dies fordert die Gerechtigkeit, dies die Vernunft. Sagst du endlich: Vielleicht werde ich ungeachtet alles dessen dennoch selig, so erwidere ich dir zum Schlusse: Möglich ist es; allein welche Torheit ist es, sein ewiges Heil auf die Möglichkeit, auf ein „vielleicht" gründen zu wollen. Soll man das allerwichtigste Geschäft einer so großen Gefahr aussetzen?
 
Anmutungen und Bitten
Mein teurer Erlöser! Vor deine Füße hingeworfen, danke ich dir dafür, daß du mich nach so vielen Sünden nicht verlassen hast. Wie viele, "die dich weniger als ich beleidigten, werden das Licht nicht haben, das du gegenwärtig mir gibst. Ich sehe, daß du mich wirklich selig haben willst, und ich will, vorzüglich um dir wohlzugefallen, selig werden. Ich will in den Himmel kommen, um ewig diese so großen Erbarmungen zu preisen, die du mir erwiesen hast. Ich hoffe, du werdest mir bereits schon verziehen haben; wäre ich aber vielleicht noch in deiner Ungnade, weil ich die dir zugefügten Beleidigungen nicht gehörig zu bereuen verstand, so bereue ich sie nun von ganzer Seele, sie fallen mir schmerzlicher als jedes Übel. Verzeihe mir um deiner Barmherzigkeit willen, und vermehre immer mehr den Schmerz in mir, dich, meinen so guten Gott, beleidigt zu haben. Gib mir Schmerz und verleihe mir auch Liebe. Ich liebe dich über alles, doch ich liebe dich allzu wenig; ich will dich recht sehr lieben; um eine inbrünstige Liebe bitte ich dich und hoffe sie auch von dir. Erhöre mich, mein Jesu; du versprachst, dem Gehör zu geben, der dich bittet. — O Maria, Mutter Gottes! Alle sagen, du lassest niemand ungetröstet von dir hinweggehen, der dir sich anempfiehlt. O Maria, nach Jesu meine Hoffnung! Zu dir nehme ich meine Zuflucht und zu dir fasse ich Vertrauen; empfiehl mich deinem Sohne und mache mich selig.
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