Autor Thema: Vorbereitung zum Tode — fromm leben, selig sterben  (Gelesen 262 mal)

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Offline geringstes Rädchen

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5. Betrachtung, Punkt 3
« Antwort #15 am: 27. Dezember 2016, 13:59:02 »
Vorbereitung zum Tode
oder Betrachtungen über die ewigen Wahrheiten
um fromm zu leben und selig zu sterben

vom Heiligen Alphons Maria von Liguori


5. Betrachtung
Ungewißheit der Stunde des Todes
 
3. Punkt
Seid bereit. - Der Herr sagt nicht, wir sollen dann erst uns vorbereiten, wenn der Tod schon vor der Tür ist: denn dann sollen wir schon bereitet sein. Wann der Tod kommt, dann wird es bei diesem Sturme und bei dieser Verwirrung fast unmöglich sein, ein verwirrtes Gewissen zurecht zu bringen. So spricht die Vernunft, so drohet Gott, der da sagt, daß er alsdann nicht kommen werde, zu verzeihen, sondern sich zu rächen wegen der Verachtung gegen seine Gnaden: Die Rache ist mein, ich will vergelten. (Röm 12, 19) Eine gerechte Bestrafung wird es, sagt der heilige Augustinus, für jenen sein: da er es konnte, wollte er sich nicht retten, so er dann, wenn er es wollen wird, nicht mehr im Stande sein.

„Eine gerechte Strafe ist es, daß man jenem, der recht handeln konnte und nicht wollte, es nicht zuläßt zu vermögen, da er es will." (Lib. 3 de lib. arbitr.) Allein, es dürfte jemand sagen: Wer weiß es, vielleicht bekehre und rette ich mich alsdann? - Würdest du dich wohl in einen Brunnen stürzen und sagen: wer weiß es, es kann sein, daß ich, wenn ich mich hineinstürze, am Leben bleibe und nicht sterbe? O Gott, was soll das heißen? So wie die Sünde den Verstand verblendet, so bringt sie auch um die Vernunft. Geht es den Leib an, so sprechen die Leute wie Gelehrte; handelt es sich aber um die Seele, so reden sie wie Narren. Mein Bruder, wer weiß, ob nicht diese Wahrheit, die du ließest, die letzte Warnung ist, die Gott an dich ergehen läßt? Wohlan! wir wollen uns sogleich zum Tode vorbereiten, auf daß er uns nicht unversehens dahinraffe. Der Herr verbirgt uns den letzten Lebenstag, sagt der heilige Augustinus, damit wir an jedem Tage zu sterben bereit seien: „Der letzte Tag ist verborgen, damit man jeden Tag in acht nehme". (Hom 3) Der heilige Paulus ermahnet uns, wir sollen stets darauf bedacht sein, uns zu retten, und uns nicht nur fürchten, sondern auch zittern: Wirket euer Heil mit Furcht und Zittern. (Phil 2,12) Es erzählt der heilige Antonius, ein König von Sizilien habe einen Untertan, um ihm die Furcht begreiflich zu machen, mit der er auf dem Throne säße, an seiner Tafel sitzen lassen, mit einem an einem Faden hängenden Schwerte über dessen Kopfe, so daß dieser, indem er so saß, kaum ein bißchen Speise nehmen konnte. Wir alle sind in gleicher Gefahr; denn alle Augenblicke kann das Todesschwert, von dem unser ewiges Heil abhängt, auf uns fallen.

- Es handelt sich um eine Ewigkeit! Der Bäum mag gegen Mittag oder gegen Mitternacht fallen: wohin er fällt, da wird er bleiben. (Eccl. 11,3) Befinden wir uns im Augenblicke des Todes in der Gnade Gottes: o, wie fröhlich wird dann die Seele sein, wenn sie sagen kann: ich habe alles in Sicherheit; nun kann ich Gott nicht mehr verlieren, immer werde ich glücklich sein. Trifft aber der Tod die Seele im Stande der Sünde, o, wie verzweiflungsvoll ist dann ihre Sprache: „Also irrten wir! Also habe ich geirrt und für meinen Irrtum wird in alle Ewigkeit keine Abhilfe sein!" - Dies befürchtend, sagte der ehrwürdige M. Avila, Spaniens Apostel, als man ihm den Tod ankündete: O hätte ich noch ein wenig Zeit, um mich zum Sterben zu bereiten! Ein Einsiedler, der nach einer vieljährigen Buße starb, ließ doch dem Abte Agathon sagen: Wie wird es mir ergehen? Wer weiß die Urteile Gottes? Der heilige Arsenius zitterte im Tode und, von seinen Schülern gefragt, warum er zittere, antwortete er: „Diese Furcht, meine Kinder, ist mir nicht neu: all meine Lebtage hatte ich sie".

Mehr als alle zitterte der heilige Job, indem er sagte: Was soll ich tun, wenn Gott zum Gerichte sich erhebt und wenn er Rechenschaft fordert, was soll ich ihm antworten?
 
Anmutungen und Bitten
Ach mein Gott! wo hatte ich jemals einen Freund, der mich mehr geliebt hätte als du? Und wen habe ich wohl mehr verachtet als dich ? O Blut, o Wunden Jesu! ihr seid meine Hoffnung. Ewiger Vater! Sieh nicht auf meine Sünden, schaue auf die Wundmale Jesu Christi, siehe deinen Sohn an, der aus Schmerz für mich stirbt, und dich um Verzeihung für mich bittet. Es reuet mich, o mein Schöpfer! dich beleidiget zu haben, es schmerzt mich über alles Übel. Du hast mich erschaffen, auf daß ich dich liebte; ich aber lebte, als hättest du mich erschaffen, um dich zu beleidigen. Um der Liebe Jesu Christi willen verzeihe, und gib mir die Gnade, dich zu lieben. Vorher widersetzte ich mich deinem Willen, jetzt will ich nicht mehr widerstehen: was du mir befiehlst, will ich tun. Du gebietest mir, die dir angetanen Beschimpfungen zu verfluchen: ich verfluche sie mit ganzem Herzen. Du heißest mich den Entschluß fassen, tausendmal lieber das Leben als deine Gnade zu verlieren; du gibst mir das Gebot, dich von ganzem Herzen zu lieben: ja ich liebe dich von meinem ganzen Herzen, und will nichts, als dich lieben: du sollst von heute an mein einziger Geliebte, meine einzige Liebe sein. Von dir verlange und hoffe ich die heilige Beharrlichkeit.

Um der Liebe Jesu Christi willen mache, daß ich dir getreu sei, und daß ich mit dem heiligen Bonaventura stets sage: „Einer ist mein Geliebter, Einer meine Liebe!" Nein, ich will, daß mein Leben nicht mehr dazu diene, dich zu beleidigen; ich will, daß es mir nur dazu diene, die dir zugefügten Beleidigungen zu beweinen und dich immer zu lieben.   —  Maria, meine Mutter, du bittest für alle, die sich dir anempfehlen, o bitte Jesum auch für mich!
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6. Betrachtung, Punkt 1
« Antwort #16 am: 28. Dezember 2016, 11:35:35 »
Vorbereitung zum Tode
oder Betrachtungen über die ewigen Wahrheiten
um fromm zu leben und selig zu sterben

vom Heiligen Alphons Maria von Liguori



6. Betrachtung
Tod des Sünders
„Wenn die Bedrängnis über sie kommt, werden sie den Frieden suchen und ihn nicht finden: dann wird Schrecken über Schrecken kommen."
(Ez 7,25)
 
1. Punkt
Jetzt schlagen die Sünder die Erinnerung und den Gedanken an den Tod sich aus dem Sinne und suchen so Frieden zu finden, obwohl sie ihn, solange sie in der Sünde leben, nicht finden. - Sind sie aber in Todesängsten und ganz nahe daran, in die Ewigkeit zu gehen, kommt Bedrängnis über sie: so werden sie auch den Frieden suchen und nicht finden, und alsdann können sie der Pein ihres bösen Gewissens nicht entgehen. Ruhe werden sie suchen; doch welche Ruhe kann eine Seele finden, welche sich mit Schulden belastet findet, die sie zernagen werden, wie ebensoviele Ottern! Welche Ruhe, wenn sie bedenken, daß sie über wenige Augenblicke vor Jesus Christus erscheinen müssen, dessen Gebote und Freundschaft sie bisher verachteten? Dann wird Schrecken über Schrecken kommen. Die schon erhaltene Ankündigung des Todes; der Gedanke, von allem in der Welt Abschied nehmen zu müssen; die Gewissensbisse; die verlorene Zeit; die Kürze der Zeit; die Strenge des göttlichen Gerichtes; die unglückliche auf den Sünder wartende Ewigkeit: dies alles wird einen fürchterlichen Sturm erregen, das Mißtrauen vermehren, und so wird der Sterbende verwirrt und hoffnungslos ins andere Leben schreiten. Abraham hoffte mit großem Verdienste gegen alle menschliche Hoffnung auf Gott, indem er dem göttlichen Versprechen glaubte: er hat wider alle Hoffnung gehofft und geglaubt. (Röm 4,18) Allein die Sünder hoffen zu ihrer großen Strafe und fälschlich zu ihrem Verderben nicht nur gegen die Hoffnung, sondern auch gegen den Glauben; denn sie verachten auch die Drohungen, welche Gott den Hartnäckigen macht. Sie haben Furcht vor dem Tode, doch fürchten sie sich nicht, ein schlechtes Leben zu führen. Wer aber gibt ihnen die Versicherung, daß sie nicht vom Blitze getroffen, durch Gift oder Blutsturz plötzlich dahin sterben? Und hätten sie auch Zeit zur Besserung, wer versichert sie, daß sie sich wahrhaft bekehren werden? Der heilige Augustinus hatte zwölf Jahre zu kämpfen, um seine bösen Gewohnheiten zu überwinden: wie wird nun ein Sterbender, welcher immer beschmutzten Gewissens war, in Mitte seiner Schmerzen, bei den Betäubungen des Kopfes und der Verwirrung des Todes so leicht sich wahrhaft bekehren? Ich sage „wahrhaft"; denn zu jener Zeit genügt es nicht, es nur zu sagen und zu versprechen, sondern man muß es sagen und versprechen mit dem Herzen. O Gott! von welchen Schrecken wird dazumal der arme Kranke, der um sein Gewissen sorglos war, ergriffen und verwirrt werden, wenn er sich von den Sünden und von Furcht vor dem Gerichte, der Hölle und Ewigkeit darnieder gedrückt sieht! In welche Verwirrung werden ihn diese Gedanken bringen, wenn er den Verstand verlieren, verfinsterten Sinnes von den Schmerzen des schon nahen Todes angefallen werden wird!

Er wird beichten, er wird versprechen, er wird weinen, er wird zu Gott um Barmherzigkeit flehen, ohne sich recht bewußt zu sein. Und während dieses Sturmes von Verwirrung, von Gewissensbissen, Angst und Schrecken wird er in das ewige Leben übergehen: Es wird ein Aufruhr unter den Völkern entstehen, und sie werden durchdringen. (Job 34,20) Mit Recht sagt ein Schriftsteller: Das Weinen und Versprechen des sterbenden Sünders ist geradeso, wie das Weinen und Versprechen eines solchen, der sich von seinem Feinde angegriffen sieht, welcher ihm den Dolch an die Brust setzt, um ihn ums Leben zu bringen.
 
Anmutungen und Bitten
O Wunden Jesu, ihr seid meine Hoffnung! Ich würde an der Verzeihung meiner Sünden und an meinem ewigen Heile verzweifeln, wenn ich nicht auf euch schauen würde, ihr Quellen der Barmherzigkeit und Gnade, welche Gott dazu vermochten, all sein Blut zu vergießen, um meine Seele von so vielen gemachten Schulden zu waschen. Ich liebe euch demnach, o heilige Wunden! und vertraue auf euch. Ich verfluche tausendmal und vermaledeie jene unerlaubten Vergnügen, wegen welcher ich meinen Erlöser beleidiget und auf elende Weise seine Freundschaft verloren habe. Indem ich also auf dich hinsehe, will ich all meine Hoffnung und meine Zuneigung dir zuwenden. Ach mein Erlöser! gib nicht zu, daß ich ferners dich beleidige und verdammt werde! O Gott! welche Qual wäre in der Hölle für mich der Anblick deines Blutes, deiner so großen Barmherzigkeit, die du gegen mich übtest! Ich liebe dich und verlange dich immerdar zu lieben. Gib mir die heilige Beharrlichkeit. Reiß mein Herz los von jeder Liebe, die nicht zu dir gerichtet ist, und begründe in mir ein aufrichtiges Verlangen und einen wahren Entschluß, von nun an nur dich, mein höchstes Gut zu lieben. - O Maria, meine Mutter, ziehe mich zu Gott und mache, daß ich, ehevor ich sterbe, ganz sein Eigentum werde.

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6. Betrachtung, Punkt 2
« Antwort #17 am: 29. Dezember 2016, 17:36:29 »
Vorbereitung zum Tode
oder Betrachtungen über die ewigen Wahrheiten
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vom Heiligen Alphons Maria von Liguori


6. Betrachtung
Tod des Sünders
 
2. Punkt
Nicht bloß eine, sondern mehrere und viele Ängsten wird der sterbende Sünder haben. Einerseits werden ihn die bösen Geister quälen. Beim Tode bieten diese fürchterlichen Feinde alle Gewalt auf, um die Seele zu Grunde zu richten, da sie im Begriffe steht, aus diesem Leben zu scheiden. - Sie wissen es, daß ihnen wenig Zeit übrig bleibt, um sie zu gewinnen, und daß sie, wenn sie selbe jetzt verlieren, sie für immer verlieren. Der Teufel kommt zu euch mit einem großen Zorne herauf, weil er weiß, daß er wenig Zeit hat. (Offb 12,12) Und nicht bloß ein einziger Teufel wird er sein, der dann versuchen wird, sondern unzählige, die den Sterbenden umgeben werden, damit er zu Grunde gehe. Ihre Häuser werden voll Drachen sein. (Jes 13,21) Der eine wird zu ihm sagen: Fürchte dich nicht, du wirst gesund werden. Der andere wird sagen: Wie, du warst so viele Jahre hindurch taub gegen die Stimme Gottes, und jetzt soll er deiner sich erbarmen? Ein dritter wird sagen: Wie kannst du jetzt machen, daß jener Schaden, den du andern zufügtest, der gute Namen, um den du manchen brachtest, wieder gutgemacht werde?

Andererseits wird man den Sterbenden von seinen Sünden umgeben sehen. „Der ungerechte Mann wird vom Unheil zu seinem Untergange überfallen werden. (Ps 139,12) Seine Sünden werden ihn, sagt der heilige Bernardus, wie ebensoviele Häscher ergreifen, festhalten und zu ihm sagen: Wir sind deine Werke, wir werden dich nicht verlassen. Wir sind dein Anteil, wir wollen dich nicht verlassen, wir werden dich ins andere Leben geleiten und uns mit dir dem ewigen Richter vorstellen. Der Sterbende wird sich zwar von diesen Feinden losmachen wollen; um sich aber davon loszumachen, wäre vonnöten, sie zu hassen, und sich vom Herzen zu Gott zu bekehren; allein der Verstand ist verfinstert, das Herz verhärtet: (Eccl 3,27) Das Herz, sagt der heilige Bernardus, welches zu Lebzeiten hartnäckig war, wird sich anstrengen, um aus dem Stande der Verwirrung zu kommen; allein es wird nicht davon loswerden, und von seiner Bosheit unterdrückt wird es im nämlichen Zustande das Leben beschließen. Weil der Sünder bisher die Sünde liebte, liebte er zugleich die Gefahr seiner Verdammung; billigerweise also wird es der Herr zugeben, daß er in jener Gefahr umkomme, in der er bis zum Tode leben wollte. Der heilige Augustinus sagt: wen die Sünde verläßt, ehe er sie verläßt, der wird sie schwerlich verabscheuen, wie sich's gebührt; denn damals wird das, was er tun wird, gezwungen geschehen. „Wer von der Sünde verlassen wird, bevor er sie verläßt, verachtet sie nicht freiwillig, sondern nur notgedrungen."

Elend ist also der Sünder, welcher hartnäckig ist und dem göttlichen Zurufen widersteht. Sein Herz wird wie ein Stein hart werden und so fest wie der Amboss eines Schmiedes sein. (Job 41, 15) Er, der Undankbare - wird, anstatt sich auf die Stimme Gottes hin zu ergeben und zu erweichen, desto verhärteter, so wie der Amboss durch die Schläge des Hammers härter wird. Zur Strafe dafür wird er auch im Tode so sein, wenn er schon im Begriffe steht, in die Ewigkeit überzugehen. Ein hartes Herz wird er am letzten Tage haben.

Die Sünder, sagt der Herr, haben aus Liebe zu den Geschöpfen mir den Rücken zugekehrt; sie haben mir den Rücken und nicht das Angesicht zugekehrt und sie werden zur Zeit ihrer Trübseligkeit sagen: Stehe auf und rette uns. - Wo sind deine Götter, die du dir gemacht hast? Lasse sie aufstehen und dich retten. (Jer 2,27) Die Elenden werden sich im Tode zu Gott wenden und Gott wird zu ihnen sagen: Kommt ihr jetzt zu mir? Rufet die Geschöpfe nun zu Hilfe, denn diese waren eure Götter. Also wird der Herr sprechen, denn sie werden bei ihm Zuflucht nehmen, aber ohne rechten Ernst sich zu bekehren. Der heilige Hieronymus sagt, er halte es fast für gewiß und er habe es aus Erfahrung gelernt, daß nie einer ein gutes Ende haben wird, der bis zum Ende ein schlechtes Leben führte: „Das halte ich dafür, das lernte ich durch vielfältige Erfahrung, daß jener kein gutes Ende hat, der einen schlechten Lebenswandel führte". (In ep. Eus. ad Dam.)
 
Anmutungen und Bitten
Mein geliebter Heiland! hilf mir, verlasse mich nicht. Ich sehe meine Seele von Sünden ganz verwundet; die Leidenschaften, die bösen Gewohnheiten drücken mich zu Boden; ich werfe mich dir zu Füßen, habe Erbarmen mit mir. Auf dich, o Herr! habe ich gehofft, ich werde ewig nicht zu Schanden werden. Lasse meine Seele nicht zu Grunde gehen, die auf dich vertraut. „ Übergib nicht die auf dich vertrauende Seele den Bestien!" Es reuet mich, dich beleidigt zu haben. Ich habe böse gehandelt.

Ich bekenne es; ich will mich bessern, mag es kosten, was es wolle; wenn du aber mit deiner Gnade mir nicht zu Hilfe kommst, bin ich verloren. Nimm auf, o Jesu! diesen Anführer, der dich so beschimpft hat. Bedenke, daß ich dir Blut und Leben kostete. Nimm mich also um der Verdienste deines Leidens und Sterbens willen in deine Arme auf und gib mir die heilige Beharrlichkeit. Ich war verloren, du hast mich gerufen, siehe, ich will nicht mehr widerstehen; dir weihe ich mich; binde mich mit den Banden deiner Liebe und laß nicht zu, daß ich dich neuerdings durch Verlust deiner Gnade verliere. Mein Jesu! gib es nicht zu. - Maria, meine Königin! gestatte dies nicht; erlange mir den Tod und lieber tausend Tode, als daß ich die Gnade deines Sohnes wieder verlieren sollte.

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6. Betrachtung, Punkt 3
« Antwort #18 am: 30. Dezember 2016, 19:23:48 »
Vorbereitung zum Tode
oder Betrachtungen über die ewigen Wahrheiten
um fromm zu leben und selig zu sterben

vom Heiligen Alphons Maria von Liguori


6. Betrachtung
Tod des Sünders
 
3. Punkt
O wichtige Sache! Gott bedroht die Sünder so oft mit einem bösen Tode. Alsdann werden sie mich anrufen; ich werde sie aber nicht erhören. (Spr 1,19) Wird Gott sein Geschrei erhören, wenn Angst über ihn kommt? (Job 27,6) Ich will zu eurem Untergange lachen und eurer spotten. (Das Lachen Gottes heißt so viel, als sich nicht erbarmen wollen. S. Greg.) Mein ist die Rache und ich will vergelten zu seiner Zeit, auf dass ihr Fuß wanke. (Dtn 32,35)

Und in so vielen anderen Stellen droht er ihnen - und die Sünder leben so ruhig und sicher dahin, als hätte ihnen Gott für die Sterbezeit die Verzeihung und den Himmel ganz gewiß versprochen! Es ist wahr, in was immer für einer Stunde der Sünder sich bekehrt, hat ihm Gott Vergebung verheißen; allein er sagte nicht, daß sich der Sünder im Tode bekehren würde, er beteuerte vielmehr öfters, wer in der Sünde lebt, werde in der Sünde sterben. - Ihr werdet in eurer Sünde sterben. (Joh 8,21) Sterben werdet ihr in euren Sünden. (Joh 8,24) Er sagte, wer ihn erst im Tode suchen wird, werde ihn nicht finden. Ihr werdet mich suchen und nicht finden. (Joh. 7, 34) Daher muß man Gott aufsuchen, wenn man ihn auffinden kann: Suchet den Herrn, da man ihn finden kann. (Jes 55,6) Jawohl; denn es wird eine Zeit geben, wo man ihn nicht wird finden können. Arme Sünder! arme Blinde! die ihr es auf die Sterbestunde verschiebet, euch zu bekehren, wo nicht mehr Zeit sein wird zur Bekehrung! Oleaster sagt: Nie lernten die Gottlosen Gutes tun, außer wenn es nicht mehr Zeit ist, Gutes zu tun. Alle will Gott retten; doch die Hartnäckigen straft er!

Wenn irgend ein Elender, der in der Sünde sich befindet, vom Schlagflusse getroffen, der Sinne beraubt würde, welches Mitleiden würde er in allen rege machen, da sie ihn ohne Sakramente und ohne Zeichen von Reue sterben sehen! Und wie froh wäre dann jeder, wenn jener wieder zu sich kommen, um die Lossprechung bitten und Akte der Reue machen würde! Ist der aber nicht töricht, welcher, obwohl er Zeit hat es zu tun, immer im Stande der Sünde verbleibt! Oder wird wohl der, welcher im Sündigen fortfährt ungeachtet der Todesgefahr, im Tode sich wirklich ändern? Ist es nicht furchtbar, jemand jählings sterben zu sehen? und begeben sich nicht dennoch so viele freiwillig in die Gefahr eines solchen Todes, eines Todes in der Sünde!

Ein Gewicht und eine Waage sind des Herrn Gerichte. (Spr 16,11) Wir berechnen nicht die Gnaden, die der Herr uns erweist; der Herr aber führt Rechnung darüber und wiegt sie, und wenn er sie bis auf eine gewisse Zeit gering geschätzt sieht, so überläßt er den Sünder seinen Sünden und läßt ihn so sterben. O wie armselig ist jener, der die Buße bis auf den Tod verschiebt! „Die Buße, die von einem Kranken verlangt wird, ist krank!" sagt der heilige Augustinus. (Sermo 57, de temp.) Der heilige Hieronymus sagt:

„Von hunderttausend Sündern, die bis zum Tode in der Sünde verbleiben, wird kaum Einer selig werden; von Hunderttausenden, deren Leben schlecht war, verdient kaum ein einziger von Gott die Verzeihung". (S Hieronymus in Ep. Eus. de morte ejus.)

Der heilige Vincentius Ferrerius sagt (Sermo 1, de Nat. Virg.): „Ein größeres Wunder ist es, wenn solche, die einen schlechten Lebenswandel führen, gut sterben, als wenn man Tote erwecken würde. Welchen Schmerz, welche Reue wird jener im Tode über die Sünde empfinden, der bis dahin die Sünde geliebt hat?" Bellarmin erzählt, daß er einst zu einem Sterbenden kam, um ihm beizustehen, und da er ihn zu einem Akte der Reue ermahnte, so habe ihm jener geantwortet, er wüßte nicht einmal, was Reue wäre. Bellarmin suchte es ihm zu erklären; allein der Kranke sagte: „Pater, ich verstehe Sie nicht, solche Sachen begreife ich nicht". Und so starb er mit offenbaren Zeichen seiner Verdammung, wie Bellarmin schriftlich hinterließ. „Ganz billig wird der Sünder damit bestraft - sagt der heilige Augustinus - daß er sterbend sich selbst vergesse, da er lebend auf Gott vergessen hat." (Sermo 10, de sanct.) Irret nicht, Gott lässt seiner nicht spotten. Denn was der Mensch säen wird, das wird er auch ernten; wer im Fleische säet, der wird von dem Fleische das Verderben ernten, ermahnt uns daher der Apostel. (Gal 6,7) Das hieße Gott verspotten: In Verachtung seiner Gebote leben und dann Lohn und ewige Herrlichkeit von ihm ernten wollen.

Gott läßt seiner nicht spotten! Was man in diesem Leben säet, erntet man im andern. Wer verbotene Fleischeslust säet, den trifft nichts anderes, als Verderben, Elend und ewiger Tod.

Mein Christ, was man für andere sagt, sagt man auch für dich. Sage mir, wenn du nun auf dem Punkte wärest, wo die Ärzte alle Hoffnung für dich bereits schon aufgegeben hätten; wenn du der Sinne beraubt und schon in der Todesangst wärest: wie sehr würdest du dann Gott bitten, er möchte dir noch einen Monat, noch eine Woche Zeit lassen, um dein Gewissen in Ordnung zu bringen! Und Gott gibt dir jetzt diese Frist; danke ihm und mache sogleich das begangene Böse gut, ergreife alle Mittel, um dann im Stande der Gnade zu sein, wann der Tod kommt; denn alsdann wird keine Zeit zur Abhilfe mehr sein.
 
Anmutungen und Bitten
Ach mein Gott! wer hätte wohl so viel Geduld mit mir gehabt, als du gehabt hast? Wäre deine Güte nicht unendlich, so würde ich an der Verzeihung verzweifeln. Doch ich habe es mit einem Gott zu tun, der darum gestorben ist, um mir zu verzeihen und mich selig zu machen. Du befiehlst mir, daß ich hoffe, und ich will hoffen. Wenn mich meine Sünden schrecken und verdammen, so geben mir deine Verdienste und deine Verheißungen neuen Mut. Du sichertest dem, der zu dir wiederkehrt, das Leben deiner Gnade zu: Bekehret euch und lebet. (Ez 18,52) Du versprachst den zu umarmen, der zu dir sich wendet.

Bekehret euch zu mir, so will ich mich zu euch kehren. (Zach 1,7) Du sagtest, du könntest den nicht verschmähen, der sich verdemütigt und reuig ist. Gott! du wirst ein zerknirschtes und gedemütigtes Herz nicht verachten. (Ps 50)
Siehe mich, o Herr! ich kehre zu dir zurück, zu dir wende ich mich; ich bekenne, tausendmal die Hölle zu verdienen und bereue es, dich beleidigt zu haben. Ich verspreche dir, dich nicht mehr beleidigen und dich immer lieben zu wollen.

Ach, laß mich für so viele Güte nicht mehr undankbar sein! Ewiger Vater! um der Verdienste Jesu Christi willen, der da starb, um dir zu gehorchen, mache, daß ich bis zum Tode deinem Willen gehorsam sei. Ich liebe dich, o höchstes Gut! und aus Liebe, die ich zu dir fasse, will ich in allem dir Gehorsam leisten.

Gib mir die heilige Beharrlichkeit; schenke mir deine Liebe, und nichts anderes verlange ich mehr. - Maria, meine Mutter, bitte für mich!
 
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7. Betrachtung, Punkt 1
« Antwort #19 am: 20. Januar 2017, 14:33:47 »
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7. Betrachtung
Gefühle eines Sterbenden, der sorglos und wenig auf den Tod bedacht war.
„Bestelle dein Haus, denn du wirst sterben, und nicht leben."
(Isaias 38,1)
 
1. Punkt
Stelle dir vor, du wärest bei einem Kranken, der wenige Stunden mehr lebt. O armer Kranker! Schaue, wie er von Schmerzen, Ohnmächten, Beklemmungen der Brust, Atemlosigkeit, von kaltem Schweiße beschwert, und außer Sinnen ist, daß er wenig fühlen, empfinden, hören und reden kann. Doch die größte von seinen Armseligkeiten ist, daß er, obgleich dem Tode schon nahe, anstatt auf die Seele und auf die Vorbereitung zur Rechenschaft für die Ewigkeit zu denken, nur auf Ärzte und auf Mittel zur Wiedergenesung oder auf Befreiung der ihn tötenden Schmerzen bedacht ist. „Nichts genügt ihm, als auf sich zu denken," sagt der heilige Laurentius Justinianus in der Rede über Sterbende dieser Art. Wenigstens sollten ihn die Verwandten, die Freunde von der gefährlichen Lage in Kenntnis setzen, in der er sich befindet: doch nein, unter allen seinen Anverwandten und Freunden hat kein einziger den Mut, ihm den Tod anzukünden, und an den Empfang der heiligen Sakramente ihn zu erinnern; jeder weigert sich, es ihm zu sagen, um ihm nur keinen Verdruß zu machen. - O mein Gott! schon von jetzt an danke ich dir, daß du mir im Tode von meinen lieben Kongregations-Mitbrüdern wirst Beistand leisten lassen, denen dazumal an nichts anderem, als an meinem ewigen Heile gelegen sein wird, und die mir alle zu einem guten Tode verhelfen werden. Indessen, wenn ihm auch der Tod nicht angekündet wird, so sieht der Kranke doch seine Familie in Unruhe, er sieht, wie die Ärzte in ihrer Versammlung sich widerlegen, wie die Arzneimittel vermehrt, wie oft solche, und was für starke angewendet werden.

Der arme Kranke kommt in Verwirrung und Schrecken, bei den Anfällen der Furcht, der Gewissensbisse und des Mißtrauens, und sagt bei sich selbst: Ach! wer weiß, ob nicht schon das Ende meiner Tage angerückt ist? Was wird nun der Kranke dann erst für ein Gefühl haben, wenn er die Todesnachricht empfängt: Bestelle dein Haus, denn du wirst sterben und nicht leben! Welchen Kummer wird er haben, wenn er sagen hört: Herr, ihre Krankheit ist tödlich, sie müssen die heiligen Sakramente empfangen, mit Gott eins werden, und von der Welt Abschied nehmen. Von der Welt Abschied nehmen? Von diesem Hause, von diesem Landgute, von diesen Verwandten, Freunden, Gesellschaften, Spielen, Belustigungen? Ja, von allem! Schon ist der Notar gekommen und schreibt die Verlassenschaftsakte: Ich hinterlasse ..., ich hinterlasse ... Und was trägt man mit sich? Nichts anderes als einen elenden Lumpen, der in kurzem im Grabe mit vermodern wird.

O welche Schwermut und Verwirrung werden dem Sterbenden die Tränen der Hausleute und das Stillschweigen der Freunde verursachen, die in seiner Gegenwart schweigen und sich nicht zu sprechen getrauen! Noch größere Pein aber werden ihm seine Gewissensbisse machen, die er in diesem Sturme fühlen wird, wegen des bisher geführten ausschweifenden Lebenswandels, nachdem er so viele göttliche Stimmen und Ermahnungen, so viele Räte von den geistlichen Vätern erhalten, und so viele Vorsätze gemacht, aber entweder nie ausgeführt oder nachher wieder außer Acht gelassen hatte.

O ich armer Mensch! wird er sodann sagen: ich erhielt von Gott so viel Kenntnis, so viel Zeit, mein Gewissen zu ordnen und tat es nicht, und siehe, jetzt bin ich schon daran zu sterben! Was hätte es mir wohl gekostet, jene Gelegenheit zu fliehen, von jener Freundschaft mich zu trennen, oft zu beichten? Und hätte es auch sehr viel gekostet, so hätte ich dennoch alles tun sollen, um meine Seele, an der alles gelegen war, zu retten.

O hätte ich diesen dazumal gefaßten guten Entschluß ausgeführt! hätte ich das damals Begonnene fortgesetzt! wie zufrieden würde ich jetzt darüber sein! Allein ich tat es nicht und jetzt ist nicht mehr Zeit dazu. - Die Gefühle der Sterbenden, die bei Lebzeiten das Gewissen vernachlässigten, sind jenen der Verdammten ähnlich, die in der Hölle ihre Sünden, als Ursache ihrer Qual, aber ohne Nutzen und ohne Hoffnung bereuen.
 
Anmutungen und Bitten
Herr, welche Gefühle des Schmerzes würde ich haben, wenn mir in diesem Augenblicke die Nachricht von meinem ganz nahen Tode gebracht würde ? Ich danke dir, daß du mir dies Licht und diese Zeit gibst, in mich zu gehen. Nein, mein Gott! ich will dir nicht mehr entfliehen. Genug, daß du mir nachgegangen bist. Billigerweise soll ich jetzt fürchten, daß du mich verlassest, wenn ich widerstehe und mich dir nicht ergebe. Du gabst mir ein Herz, damit ich dich liebe, und ich machte so schlechten Gebrauch davon! Ich liebte die Geschöpfe und nicht dich, meinen Schöpfer und Erlöser, der du das Leben für mich hingabst! Anstatt dich zu lieben, habe ich dich so oft beleidigt, verachtet, dir den Rücken gekehrt! Ich wußte schon, daß ich dir durch jene Sünde eine große Beleidigung zufügen würde, und dennoch beging ich sie! Mein Jesus, ich bereue es; mir ist es von ganzem Herzen leid, ich will das Leben ändern. Ich verzichte auf alle Freuden der Welt, um dich zu lieben, um dir, o Gott meiner Seele, Freude zu machen. Du gabst mir große Beweise deiner Liebe; auch ich möchte dir, ehe ich sterbe, ein Zeichen meiner Liebe geben. Von nun an nehme ich alle Krankheiten, Kreuze, Verachtungen und Beleidigungen an, die mir die Menschen antun werden; gib mir Stärke, sie friedsam zu ertragen, ich will alle um deiner Liebe willen erdulden. Ich liebe dich, unendliche Güte, ich liebe dich über alle Güter. Gib mir mehr Liebe und Beharrlichkeit. - Maria, meine Hoffnung, bitte Jesum für mich!
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7. Betrachtung, Punkt 2
« Antwort #20 am: 21. Januar 2017, 21:27:16 »
Vorbereitung zum Tode
oder Betrachtungen über die ewigen Wahrheiten
um fromm zu leben und selig zu sterben

vom Heiligen Alphons Maria von Liguori


7.Betrachtung
Gefühle eines Sterbenden, der sorglos und wenig auf den Tod bedacht war.
 
2. Punkt
O, wie klar lassen sich im Tode die Glaubenswahrheiten erkennen! Doch nur zur größeren Pein für jenen Sterbenden, der schlecht gelebt hat, besonders wenn es eine Gott geweihte Person war, welche mehr Gelegenheit, Zeit, Beispiel, Einsprechungen gehabt hatte, ihm zu dienen. O Gott, welchen Schmerz wird eine solche Person haben, wenn sie zu sich sagen muß: Ich ermahnte andere und dann betrug ich mich schlechter, als sie! Ich habe die Welt verlassen und lebte dann dem Vergnügen, den Eitelkeiten und Liebeleien der Welt zugetan. Welche Gewissensbisse wird ihr der Gedanke machen, daß mit den Erleuchtungen, die sie von Gott erhalten hat, sogar ein Heide heilig geworden wäre! Wie bitter wird die Erinnerung sein, an anderen die Übungen der Frömmigkeit als Geistesschwachheiten verachtet und gewisse weltliche Grundsätze von eigener Hochschätzung oder von Eigenliebe gelobt zu haben, z. B. zu nichts Beschwerlichem sich zu bequemen und jede Belustigung, die sich nur darbietet, sich zu erlauben! Der Wunsch der Sünder wird zu nichte werden. (Ps 111,10) Wie sehr wäre im Tode die Zeit erwünscht, die man jetzt vergeudet! Der heilige Gregorius erzählt in seinen Zwiegesprächen: Es gab einen gewissen Chrysantius, der ein reicher Mann, allein von schlechten Sitten war, und da er dem Tode ganz nahe war, schrie er den Teufeln, welche ihm sichtbar erschienen, um ihn zu ergreifen, so zu: „Lasset mir Zeit, lasset mir nur bis morgen Zeit". Und sie antworteten ihm: „O, du Tor, jetzt verlangst du Zeit? Du hattest so viele, und verwendetest sie zum Sinnlichen und jetzt verlangst du Zeit? Jetzt ist keine Zeit mehr." Der Elende schrie immerfort und bat um Hilfe. Es befand sich alldort einer von seinen Söhnen als Mönch, mit Namen Maximus, der Sterbende sagte zum Sohne: „Mein Sohn, hilf mir, mein Maximus! hilf mir!" und indessen warf er sich mit einem wie Feuer glühenden Gesichte wütend von einer Seite des Bettes auf die andere, und während er sich so hin- und herwarf und wie ein Verzweifelter schrie, gab er unglücklich seinen Geist auf.

Leider lieben diese Toren im Leben ihre Torheit, im Tode aber gehen ihnen dann die Augen auf, und da bekennen sie, töricht gewesen zu sein! Dann nützt es ihnen zu nichts mehr, als zur Vergrößerung des Mißtrauens, dem verübten Bösen abhelfen zu können, und indem sie so sterben, hinterlassen sie eine große Ungewißheit über ihr Heil. Auch du, mein Bruder, der du diesen Punkt liesest, sagst, wie ich mir denke: „So ist es." Wenn es aber dem also ist, so wäre deine Torheit und dein Unglück noch weit größer, wenn du - indem du diese Wahrheiten schon im Leben erkennest - nicht bei Zeiten abhelfen würdest. Eben das, was du gelesen hast, wäre für dich im Tode ein Schwert des Schmerzes. Auf also, da du noch Zeit hast, einem so fürchterlichen Tode zu entgehen, hilf schnell ab; verschiebe es nicht auf jene Augenblicke, wo nicht mehr Zeit sein wird zu helfen. Verschiebe es nicht auf den nächsten Monat, auf die nächste Woche. Wer weiß, ob diese Erkenntnis, die Gott aus Barmherzigkeit dir leuchten läßt, nicht das letzte Licht, der letzte Ruf für dich ist? O, wie töricht ist es, an den Tod nicht denken wollen, da er doch gewiß ist, und da von ihm die Ewigkeit abhängt; allein eine noch größere Torheit ist es, daran zu denken und auf den Tod sich nicht vorzubereiten. Mache jetzt jene Betrachtungen und Vorsätze, die du alsdann machen würdest; jetzt zwar noch mit Nutzen, dann aber mit großer Ungewißheit deines Heiles. Als sich ein Edelmann am Hofe Karl V beurlaubte, um Gott allein zu dienen, fragte ihn der Kaiser, warum er den Hof verlasse: „Es ist vonnöten, antwortete er, daß zwischen dem ausschweifenden Leben und zwischen dem Tode ein Zeitraum von Buße sei."
 
Anmutungen und Bitten
Nein, mein Gott, ich will deine Barmherzigkeit nicht mehr mißbrauchen. Ich danke dir für das Licht, das du mir jetzt gibst, und verspreche dir, mein Leben zu ändern. Ich sehe schon ein, daß du mich, so wie ich bin, nicht mehr dulden kannst. Und sollte ich warten, bis du mich in die Hölle wirfst, oder mich einem ausgelassenen Leben überlassest, welches für mich eine weit größere Strafe wäre, als selbst der Tod?

Siehe, ich werfe mich dir zu Füßen, nimm mich zu Gnaden auf. Ich verdiene es nicht; doch du sagtest: Wann immer der Gottlose sich von seiner Gottlosigkeit bekehren will, soll ihm die Ungerechtigkeit nicht schaden. (Ez 33,12) Wenn ich also bisher dich, mein Jesu, als die unendliche Güte beleidigte, so bereue ich es jetzt mit ganzem Herzen und hoffe von dir Verzeihung. Ich will mit dem heiligen Anselmus sagen: Ach gib nicht zu, daß meine Seele ihrer Sünden wegen zu Grunde gehe, denn du hast sie ja mit Deinem Blute erlöst. Schaue nicht auf meine Undankbarkeit, sondern auf die Liebe, die dich dazu vermochte, für mich zu sterben. Wenn ich deine Gnade verlor, so verlorst du ja nicht die Macht mir sie wieder zu geben. Erbarme dich also meiner, o mein lieber Erlöser! Verzeihe und gib mir die Gnade, dich zu lieben; denn ich verspreche dir, von nun an niemand andern, als dich zu lieben. Unter so vielen Geschöpfen erwähltest du mich, daß ich dich liebe: ich erwähle dich, o höchstes Gut! um dich über alle anderen Güter zu lieben. Du gehst mir mit deinem Kreuze voran: ich will nicht ermangeln, dir mit jenem Kreuze nachzufolgen, das du mir zu tragen geben wirst. Alle Leiden und Mühseligkeiten, die von dir kommen werden, nehme ich an. Wenn du mich nur nicht deiner Gnade beraubst, so bin ich wohl zufrieden. - Maria, meine Hoffnung, erlange mir von Gott die Beharrlichkeit und die Gnade ihn zu lieben; um nichts anderes mehr bitte ich dich.

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7. Betrachtung, Punkt 3
« Antwort #21 am: Gestern um 20:40:02 »

Vorbereitung zum Tode
oder Betrachtungen über die ewigen Wahrheiten
um fromm zu leben und selig zu sterben

vom Heiligen Alphons Maria von Liguori


7. Betrachtung
Gefühle eines Sterbenden, der sorglos und wenig auf den Tod bedacht war.
 
3. Punkt
Dem Sterbenden, der in seinem Leben um sein Seelenheil sorglos war, wird alles, was ihm vorkommt, verdrießlich sein. Zum Mißmute gereichen ihm die genossenen Unterhaltungen, die gehabte Ehrsucht und Pracht; Unwillen werden ihm die Freunde verursachen, die ihn zu besuchen kommen, nebst allem, an was sie ihn erinnern werden; ein Dorn in seinem Auge werden ihm die geistlichen Väter sein, die wechselweise ihm beistehen werden; zum Anstoße werden ihm die heiligen Sakramente der Beicht, der Kommunion und letzten Ölung, die er empfangen muß; zum Ärgernis wird ihm das Bildnis des Gekreuzigten sein, das man neben ihm hinstellen wird, indem er an diesem Bilde deutlich erkennen wird, wie schlecht er jenem Gott entsprochen hat, der um seiner Rettung willen gestorben ist. - O, welcher Tor war ich! wird dann der arme Kranke sagen. Mit so vieler Erkenntnis und Gelegenheit, die mir Gott gab, hätte ich heilig werden, ein in der Gnade Gottes glückliches Leben führen können; und nun finde ich, so alt ich bin - nichts als Pein, Mißtrauen, Furcht, Gewissensbisse und eine Rechenschaft, die ich bald vor Gott ablegen muß. Und schwerlich werde ich selig werden. - Und dann wird er dies sagen?

Wenn die Lampe schon zum Auslöschen ist und das Schauspiel dieser Welt sich endet, und schon hat er die zwei Ewigkeiten vor Augen, die glückliche und die unglückliche, und bald wird er zum letzten Mal den Mund öffnen, und von diesem Augenblicke dann hängt es ab, ob er für immer selig, oder für immer, so lange Gott - Gott sein wird, in Verzweiflung sein werde. Wie vieles würde er geben, wenn er noch ein Jahr, ein Monat oder wenigstens eine Woche lang bei gesundem Verstande leben könnte. Denn da er im Tode bei jener Betäubung des Kopfes, bei jener Engbrüstigkeit und Atemlosigkeit nichts tun kann, und weder zum Nachdenken, noch zur Übung eines guten Aktes fähig ist, so befindet er sich gleichsam in einer finsteren Grube von Verwirrung, wo er nichts begreift als jenen großen Sturz, der ihm bevorsteht, und wogegen er sich hilflos sieht. Daher möchte er einen Aufschub haben, allein es wird zu ihm gesagt werden: Reise alsogleich ab, bringe in dieser kurzen Zwischenzeit alles bestmöglichst in Richtigkeit, und reise ab; weißt du nicht, daß der Tod nicht wartet und auf keinen Rücksicht nimmt? O, welchen Schrecken wird ihm dieser Gedanke und diese Worte machen! Heute früh lebe ich, heute abend bin ich vielleicht tot! Heute bin ich in diesem Zimmer, morgen werde ich in einer Grube sein! Und wo wird meine Seele sich befinden? Welcher Schrecken, wenn man die Sterbekerze zubereiten sehen wird, wenn man den kalten Todesschweiß wird erscheinen sehen, wenn man zu den Verwandten wird sagen hören, sie sollen aus dem Zimmer gehen und nicht mehr hereinkommen! Welcher Schrecken endlich, wenn man nun die Kerze anzünden wird, weil der Tod bereits vor der Tür ist! O Kerze, o Sterbekerze, wie viele Wahrheiten wirst du alsdann entdecken! O wie wirst du die Dinge ganz anders sehen lassen, als sie jetzt erscheinen! Wie wirst du zu erkennen geben, daß die Güter dieser Welt Eitelkeit, Torheit und Täuschungen sind! Was wird es aber nützen, diese Wahrheiten zu verstehen, wenn die Zeit der Hilfe vorbei sein wird?
 
Anmutungen und Bitten
Ach mein Gott! du willst nicht meinen Tod, sondern daß ich mich bekehre und lebe. Ich danke dir, daß du bisher meiner harrtest, und danke dir für die Erleuchtung, die du mir gibst. Ich erkenne den Fehler, den ich beging, indem ich deine Freundschaft so niedrigen, elenden Gütern nachsetzte, wegen welcher ich dich verachtete. Es reuet und schmerzet mich von ganzem Herzen, daß ich dir ein so großes Unrecht antat.

Ach, lasse dies in meinem mir übrigen Leben nicht zu, stehe mit deinem Lichte und mit deiner Gnade mir bei, damit ich das zur Besserung meines Lebens Nötige erkenne und tue. Was wird es mir nützen, diese Wahrheiten zu begreifen, wenn die Zeit, mir helfen zu können, mir dann wird benommen werden ? Übergib die auf dich vertrauenden Seelen nicht den Bestien. Wenn der Teufel mich versuchen wird, dich wieder zu beleidigen, ach, dann bitte ich dich, mein Jesu, um der Verdienste deines Leidens willen, strecke deine Hand aus und rette mich, daß ich nicht in die Sünde falle und nicht neuerdings ein Sklave der Feinde werde. Mache, daß ich alsdann mich zu dir wende und nicht aufhöre, mich dir anzuempfehlen, solange die Versuchung währet. Dein Blut ist meine Hoffnung und deine Güte ist meine Liebe. Ich liebe dich, mein Gott, unendlicher Liebe würdig. Mache, daß ich dich recht liebe. Laß mich erkennen, wovon ich mich losreißen soll, um dein zu sein, denn ich will dein sein! Du aber gib mir die Gnade dazu. O Königin des Himmels, o Mutter Gottes! bitte für mich armen Sünder, lasse mich in den Versuchungen nie aufhören, zu Jesu und zu dir zu stehen, die ihr jeden vor dem Falle bewahret, der zu euch sich wendet.
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