Autor Thema: Thomas von Aquin - Lehre des Heils  (Gelesen 9473 mal)

0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema.

Offline Caelum

  • **
  • Beiträge: 114
  • Country: de
  • Verdana
  • Religionszugehörigkeit: Römisch-katholische Kirche
Re: Thomas von Aquin - Lehre des Heils
« Antwort #9 am: 06. Dezember 2019, 08:02:24 »
DIE EINHEIT DES KIRCHLICHEN LEHRAMTES

Das Glaubensbekenntnis neu zu fassen, ist dann notwendig, wenn neu entstandene Irrtümer zu überwinden sind. Diese Verkündigung des Glaubensbekenntnisses steht kraft seines Amtes dem zu, der die Vollmacht hat, endgültig zu bestimmen, was zum Glauben gehört, so daß es von allen mit unerschütterlichem Glauben festgehalten werden muß. Das gehört aber zur Vollmacht des Papstes, dem die wichtigeren und schwierigeren Fragen der Kirche vorzulegen sind, wie es in den Dekretalen heißt (Extra de baptismo cap. Majores). Deshalb hat auch der Herr zu Petrus gesagt: "Ich habe für dich gebetet, Petrus, daß dein Glaube nicht wanke. Dafür stütze und stärke du dereinst deine Brüder" (Lk 22,32).

Der Grund dafür ist: Die ganze Kirche muß einen Glauben haben, wie der erste Korintherbrief mahnt: "Seid alle einig! Laßt keine Spaltungen unter euch aufkommen! Seid eines Sinnes, einer Meinung!" (1 Kor 1,10). Das kann nur bewahrt werden, wenn eine neu entstandene Glaubensfrage durch den Vorsteher der Gesamtkirche entschieden wird, dessen Urteil darum von der ganzen Kirche mit fester Zustimmung angenommen werden muß. Deshalb steht eine Neuausgabe des Glaubensbekenntnisses kraft seines Amtes nur dem Papste zu, und das gilt auch von allen anderen Angelegenheiten der Gesamtkirche, wie zum Beispiel von der Einberufung eines allgemeinen Konzils.

Offline Caelum

  • **
  • Beiträge: 114
  • Country: de
  • Verdana
  • Religionszugehörigkeit: Römisch-katholische Kirche
Re: Thomas von Aquin - Lehre des Heils
« Antwort #10 am: 09. Dezember 2019, 07:24:55 »
DIE BISCHÖFE ALS NACHFOLGER DER APOSTEL

Nur die zwölf Auserwählten haben von Christus die Sendung empfangen: "Er rief seine Jünger zu sich und wählte zwölf von ihnen aus, die er Apostel nannte" (Lk 6,13). Die anderen Jünger haben nicht diese ursprüngliche, sondern nur eine untergeordnete Sendung. Deshalb sind den Aposteln die Bischöfe nachgefolgt, welchen die besondere Sorge für die Herde des Herrn anvertraut ist. Die übrigen Priester sind jedoch den zweiundsiebzig Jüngern nachgefolgt und vollbringen die ihnen von den Bischöfen zugewiesenen Aufgaben.

Obwohl allen Aposteln gemeinsam die Löse- und Bindegewalt übertragen wurde, so ward sie doch zuerst nur dem Petrus verliehen, damit eine bestimmte Ordnung in dieser Gewalt deutlich werde. Dadurch sollte nämlich die Tatsache zum Ausdruck kommen, daß von Petrus diese Gewalt auf die anderen herabsteigen sollte, und deshalb sagte der Herr zu ihm allein: "Stütze und stärke du dereinst deine Brüder" (Lk 22,32), und: "Weide du meine Schafe", das heißt: statt meiner. Dazu bemerkt Chrysostomus: "Sei du der Vorgesetzte und das Haupt deiner Brüder, auf daß sie sich statt meiner annehmen und dich auf deinem Throne überall auf Erden verkünden und festigen."

Denn da die ganze Kirche ein Leib ist, muß zur Erhaltung dieser Einheit eine bestimmte Regierungsgewalt für die Gesamtkirche da sein, die noch über der die Einzelkirche leitenden bischöflichen Gewalt steht: Und das ist die Vollmacht des Papstes. Deshalb werden die Leugner dieser Vollmacht als Kirchenspalter bezeichnet, da sie gleichsam die Einheit der Kirche zerspalten.

Offline Caelum

  • **
  • Beiträge: 114
  • Country: de
  • Verdana
  • Religionszugehörigkeit: Römisch-katholische Kirche
Re: Thomas von Aquin - Lehre des Heils
« Antwort #11 am: 09. Dezember 2019, 08:21:49 »
DER BISCHOF IST STELLVERTRETER CHRISTI UND SICHTBARES HAUPT SEINES BISTUMS

Wie die Vollkommenheiten aller Dinge urbildlich in Gott vorher existieren, so ist Christus das Urbild der kirchlichen Ämter. Und deshalb stellt jeder Diener der Kirche irgendwelche Züge des Bildes Christi dar... Der hat jedoch einen höheren Rang, der Christus in größerer Vollkommenheit darstellt. Nun stellt der Priester Christus dar als den, der in eigener Person einen bestimmten Auftrag erfüllt hat; während ihn der Bischof darstellt als den, der andere zu Dienern eingesetzt und die Kirche gegründet hat. Somit steht es auch dem Bischof zu, für die göttlichen Dienstleistungen die Hand aufzulegen, als einer, der Begründer des göttlichen Kultes ist nach dem Vorbild Jesu Chrsiti. Deshalb heißt der Bischof auch in besonderer Weise der Bräutigam der Kirche, wie Jesus Christus.

Der Bischofsring ist ein Sinnbild der Geheimnisse des Glaubens, durch den die Kirche Christus bräutlich vermählt ist. Als Christi Stellvertreter ist ja der Bischof der Kirche angetraut. Der Erzbischof trägt außerdem das Pallium als Zeichen jener goldenen Kette, die man den rechtschaffenen Kämpfern nach altem Brauch auf die Schultern legte.

Offline Caelum

  • **
  • Beiträge: 114
  • Country: de
  • Verdana
  • Religionszugehörigkeit: Römisch-katholische Kirche
Re: Thomas von Aquin - Lehre des Heils
« Antwort #12 am: 09. Dezember 2019, 09:40:24 »
DIE EINHEIT DER KIRCHE

Paulus schreibt an die Epheser (4,4): "Bestrebt euch, die Einheit im Geiste durch das Band des Friedens zu bewahren. Es ist ein Leib und ein Geist, wie auch eure Berufung euch eine Hoffnung gegeben hat." Der Apostel spricht hier von der Einheit der Kirche nach Art der Einheit eines menschlichen Leibes. Mit den Worten: "Es ist ein Leib", will er gleichsam sagen: Bleibt verbunden durch das Band des Friedens, damit ihr ein Leib seid..., damit alle Gläubigen in gegenseitiger Hinordnung leben, wie die Glieder, die einen Leib bilden. "Denn wie wir an dem einen Leibe viele Glieder haben, aber nicht alle Glieder den gleichen Dienst verrichten, so bilden wir viele zusammen einen Leib in Christus, einzeln aber sind wir Glieder untereinander" (Röm 12,4).

"Und ein Geist...", das heißt: Ihr sollt kraft der Glaubens- und Liebeseinheit eine geistige Einstimmung besitzen... Dann erklärt Paulus den Sinn dieser Einheit mit den Worten: "wie auch eure Berufung euch eine Hoffnung gegeben hat"... Damit sagt er: Weil ihr zu dem einen Ziele des ewigen Lebens berufen seid, deshalb müßt ihr mit der Geisteseinheit in der einen Hoffnung wandeln, die euch eure Berufung gegeben hat, das heißt: auf das eine Hoffnungsziel hin, zu dem eure Berufung euch hinführt... "Der Gott der Gnade aber, der euch durch Jesus Christus zu seiner ewigen Herrlichkeit berufen hat, wird euch, die ihr kurze Zeit zu leiden habt, ausrüsten, stärken, kräftigen und befestigen. Sein ist die Herrlichkeit und die Macht in alle Ewigkeit. Amen" (1 Petr 5,10 f.)...

"Ein Herr, Ein Glaube, Eine Taufe, Ein Gott und Vater aller, der da ist über allen und durch alle und in allen" (Eph 4,5 f.). Nachdem er sie ermahnt hat, die kirchliche Einheit zu bewahren, legt Paulus den Ephesern das Wesen dieser Einheit dar. Man muß dabei bedenken, daß die Kirche kraft ihrer Ähnlichkeit mit einem bürgerlichen Gemeinwesen eine unterschiedliche Einheit darstellt. Denn sie ist sozusagen nicht eine einfache, sondern eine aus verschiedenen Teilen zusammengesetzte Einheit...
Damit ein bürgerliches Gemeinwesen einheitlich sei, muß eine vierfache Gemeinsamkeit dasein, nämlich: ein Lenker, ein Gesetz, dieselben Kennzeichen und die gleiche Zielsetzung. Diese vier Stücke finden sich nach Paulus in der Kirche. Deshalb sagt er: Ihr müßt einen Leib und einen Geist haben, weil ihr in der Einheit der Kirche seid, die eine einige ist aus folgenden Gründen:
Erstens: Sie hat einen Herrscher, nämlich Christus. Und in diesem Sinne sagt Paulus: Es ist nur "Ein Herr", nicht mehrere, deren verschiedenartiges Wollen euch auseinanderbringen müßte. Heißt es doch: "Christus steht als Sohn über seinem Hause" (Hebr 3,6). "So erkenne denn das ganze Haus Israel mit Sicherheit: Eben den Jesus, den ihr ans Kreuz geschlagen habt, hat Gott zum Herrn und zum gesalbten gemacht" (Apg 2,36). "Wir haben nur einen Herrn: Jesus Christus, (durch den alle Dinge und auch wir das Dasein haben") (1 Kor 8,6). "An jenem Tage ist der Herr der Einzige, und 'der Einzige' ist sein Name" (Zach 14,9).

Zweitens: Die Kirche hat nur ein Gesetz, denn das Gesetz der Kirche ist das Gesetz des Glaubens. "Wo bleibt nun das Rühmen? Es ist ausgeschlossen! Durch welches Gesetz? Durch das der Werke? Nein, durch das Gesetz des Glaubens" (Röm 3,27). Einerseits versteht man unter dem Glauben unsere Glaubenswahrheiten, so wenn man sagt: "Das ist der katholische Glaube, und niemand kann selig werden, der ihn nicht gläubiger Zustimmung festhält" (Athanasianisches Glaubensbekenntnis). Glaube heißt hier das, was man glauben muß. Andererseits versteht man darunter auch die Glaubenshaltung, mit der man im Herzen glaubt. Und für beide Bedeutungen gilt die zuvor angeführte Behauptung. Bei der ersten ergibt sich folgender Sinn: Der Glaube ist einer, das heißt: Ihr müßt dasselbe glauben und in gleicher Weise tätig sein, denn ein und dasselbe glauben alle Gläubigen. Deshalb heißt die Kirche auch die allumfassende oder die katholische. Und so steht auch im ersten Korintherbrief (1,10): "Ihr sollt alle dasselbe sagen", das heißt: dasselbe glauben. In der anderen Bedeutung handelt es sich um den einen Glauben, das heißt die eine Glaubenshaltung, mit der man glaubt. Ich meine nicht einen zahlenmäßig, sondern der Artgleichheit nach einzigen Glauben, weil derselbe in aller Herzen sein muß. So spricht man ja auch von einem Willen bei denjenigen, die dasselbe wollen.

Drittens: Die Kennzeichen der Kirche sind (für alle) dieselben. Das sind die Sakramente Christi, unter denen die Taufe an erster Stelle steht als die Tür zu allen anderen Sakramenten. Und deshalb sagt Paulus: "Eine Taufe." Ein Einiges heißt sie aus einem dreifachen Grunde: Zunächst sind die Taufen nicht nach ihren Spendern verschieden, weil sie eine gleichartiges Wirkung hervorbringen, gleichgültig, wer sie spendet. Denn der innerliche Taufspender ist ein und derselbe, nämlich Christus: "Auf wen du den Geist herabsteigen und über wem du ihn schweben siehst, der ist es, der mit dem Heiligen Geiste tauft" (Joh 1,33). Sodann heißt die Taufe ein Einiges, weil sie im Namen der Dreieinigkeit gespendet wird: "Taufet sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes" (Mt 28,19). Schließlich auch deshalb, weil sie nicht wiederholt werden kann. Buße, Ehe, Eucharistie und Letzte Ölung können zwar mehrmals empfangen werden, nicht aber die Taufe. "Denn wer einmal (durch die Taufe) erleuchtet war, die Himmelsgabe genossen und den Heiligen Geist empfangen, wer das herrliche Gotteswort und die Kräfte der künftigen Welt gekostet hat und dann abgefallen ist, läßt sich unmöglich wieder zur Umkehr bringen" (Hebr 6,4 ff.). Die Taufe wird nicht wiederholt wegen des bleibenden Males, und weil ihre Ursache nicht wiederholt wird, denn wir sind durch die Taufe auf den Tod mit ihm begraben... ("Wenn wir aber mit Christus gestorben sind, so glauben wir, auch an seinem Leben teilzunehmen. Wissen wir doch, daß Christus, von den Toten auferstanden, nicht wieder stirbt. Der Tod hat keine Macht mehr über ihn. Mit seinem Tode ist er ein für allemal tot für die Sünde, mit seinem Leben aber lebt er nur für Gott. So betrachtet auch ihr euch als solche, die tot sind für die Sünde, die aber leben für Gott in Christus Jesus, unserem Herrn") (Röm 6,4-11)...

Viertens: Die Kirche hat ein und daselbe Ziel, nämlich Gott. Der Sohn führt uns ja zum Vater: "Dann kommt das Ende, wenn er seine Königsherrschaft Gott dem Vater übergibt, nachdem er zuvor alle Herrschaft, Macht und Gewalt zunichte gemacht hat. Er muß ja herrschen, bis er alle Feinde unter seine Füße gelegt hat. Als letzter Feind wird der Tod vernichtet (1 Kor 15,24 ff.). Und in diesem Sinne sagt Paulus: "Ein Gott und Vater aller, der da ist über allen und durch alle und in allem" (Eph 4,6).

Offline Caelum

  • **
  • Beiträge: 114
  • Country: de
  • Verdana
  • Religionszugehörigkeit: Römisch-katholische Kirche
Re: Thomas von Aquin - Lehre des Heils
« Antwort #13 am: 10. Dezember 2019, 07:29:54 »
DIE KATHOLISCHE KIRCHE

Der christliche Glaube kann als katholischer bezeichnet werden zunächst im Hinblick auf seine Bekenner. Denn der Apostel Paulus bezeugt, daß der Glaube der wahre sei, auf den schon das Gesetz und die Propheten hingewiesen hätten (Röm 3,21). Da zur Zeit der Propheten die verschiedenen Völker auch verschiedenen Götterkulten sich hingaben und nur das Volk Israel dem wahren Gott die schuldige Verehrung erwies, bestand damals keine allumfassende Religion. Deshalb hat der Heilige Geist durch den Mund der Propheten vorausgesagt, daß der Kult des wahren Gottes von allen angenommen werden sollte: "Jedes Knie wird sich beugen vor mir, und jede Zunge wird mir huldigen" (Is 45,24). Das geht in Erfüllung in unserem Glauben, in der christlichen Religion, die deshalb mit Recht die katholische heißt, weil sie von den Menschen aller Stände und Länder angenommen ist. Und deshalb heißen die, welche von diesem Glauben, von dieser allgemein verheißenen und angenommenen Religion zu irgendwelchen Sondermeinungen abgefallen sind, nicht mehr Katholiken, sondern Abgespaltene, gleichsam von der Gemeinschaft Abgetrennte.

Aber auch im Hinblick auf die Glaubenslehren offenbart sich im christlichen Glauben die katholische Wahrheit. Denn im Altertum gab es verschiedene Künste und Lebenswege, mit denen man für die verschiedenen Bedürfnisse der Menschen Vorsorge traf oder doch zu treffen glaubte. So suchten einige das Wohl des Menschen nur im Körperlichen, im Reichtum, im Ruhme oder in der Lust. Andere dagegen sahen das Gut des Menschen nur in den Gütern der Seele, so in den sittlichen oder in der geistigen Tugenden. Augustinus berichtet im "Gottesstaat", daß manche der Ansicht waren, man habe die Götter zu verehren um der leiblichen Lebensgüter willen, wogegen andere meinten: um jener Güter willen, die nach diesem Leben kommen. Porphyrius behauptete ferner, daß die Seele durch bestimmte heidnische Sühneriten in ihrer Einbildungskraft, also nicht vollständig, gereinigt werde. Er lehrte ferner, wie Augustinus im zehnten Buche des "Gottesstaates" berichtet, daß noch kein Glaube Aufnahme gefunden habe, der einen allumfassenden Weg für die Befreiung der Seele enthielte.

Das aber ist, wie Augustinus daselbst lehrt, die christliche Religion. Denn sie lehrt, daß Gott nicht nur um der ewigen, sondern auch um seiner zeitlichen Wohltaten willen verehrt werden muß. Sie führt den Menschen nicht nur im Geistesleben, sondern auch im Gebrauch der sichtbaren Weltdinge. Sie verheißt die Glücksgeborgenheit für die Seele und für den Leib. Und deshalb heißen ihre Vorschriften allumfassend, weil sie das ganze Menschenleben und alles, was irgendwie dazugehört, einbegreifen und in die rechte Ordnung bringen.

Offline Caelum

  • **
  • Beiträge: 114
  • Country: de
  • Verdana
  • Religionszugehörigkeit: Römisch-katholische Kirche
Re: Thomas von Aquin - Lehre des Heils
« Antwort #14 am: 10. Dezember 2019, 07:56:32 »
DIE APOSTOLISCHE KIRCHE

"Ihr seid auf dem Fundament der Apostel und Propheten aufgebaut, und Jesus Christus selbst ist der Eckstein. In ihm ist der ganze Bau fest zusammengefügt und wächst zu einem heiligen Tempel im Herrn empor" (Eph 2,20 f.).
Es ist bedeutsam, daß die Apostel als Fundamente bezeichnet werden. "Seine Fundamente liegen auf heiligen Bergen" (Ps 86,2). "Deinen Grund will ich legen auf Saphirsteine", das heißt: auf himmlische Männer (Is 54,11). Ausdrücklich heißen die Apostel "Fundamente" in der Geheimen Offenbarung (21,14): "Die Mauern der Stadt hatten zwölf Fundamente, auf denen zwölf Namen geschrieben standen, die Namen der zwölf Apostel des Lammes." Sie heißen Fundamente, weil sie durch ihre Lehre Christus verkündigen. "Auf diesem Felsen will ich meine Kirche bauen" (Mt 16,18). Paulus spricht von Aposteln und Propheten, weil beider Lehre zum Heile notwendig ist. "Jeder Lehrer, der in der Verkündigung des Himmelreiches bewandert ist, gleicht einem Hausvater, der aus seinem Schatze Altes und Neues hervorholt" (Mt 13,52). Ferner will Paulus die Übereinstimmung und das einheitliche Fundament beider aufzeigen. Denn was die Propheten als zukünftig voraussagten, das verkündigten die Apostel als geschehene Wirklichkeit. Darum beginnt der Römerbrief mit den Worten: "Paulus, Knecht Christi Jesu, zum Apostel berufen und auserwählt für die Frohbotschaft von seinem Sone, die Gott durch seine Propheten vorherverkündigt hatte" (Röm 1,1 f.). Erstlich ist jedoch Jesus Christus allein das Fundament; deshalb sagt Paulus auch: "und Jesus Christus ist der Eckstein" (Eph 2,12).

Der Herr selbst hat gesagt: "Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende der Weltzeit" (Mt 28,20). Das gilt aber nicht nur für die Apostel. Denn sie sind alle längst gestorben, und noch immer ist die Weltzeit nicht vollendet... Es ist ein und dieselbe Kirche, die damals bestand, und die jetzt noch fortbesteht. Denn in ihr sind derselbe Glaube, dieselben Sakramente, dieselbe Vollmacht und dasselbe Bekenntnis. Und in diesem Sinne sagt Paulus: "Ist etwa Christus geteilt? Das sei ferne" (1 Kor 1,13).

Die Apostel und ihre Nachfolger sind (also) insofern Gottes Stellvertreter, als sie die durch den Glauben und durch die Glaubenssakramente begründete Kirche zu leiten haben. Sowenig es ihnen demnach erlaubt ist, eine andere Kirche zu gründen, ebenso wenig steht es ihnen zu, einen anderen Glauben zu verkündigen oder andere Sakramente einzusetzen. Die Kirche ist vielmehr aufgebaut durch "die Sakramente die aus der Seitenwunde des am Kreuze hängenden Christus geflossen sind" (Petrus Lombardus zu Röm 5,14).

Offline Caelum

  • **
  • Beiträge: 114
  • Country: de
  • Verdana
  • Religionszugehörigkeit: Römisch-katholische Kirche
Re: Thomas von Aquin - Lehre des Heils
« Antwort #15 am: 10. Dezember 2019, 12:33:24 »
DIE KIRCHE AUF ERDEN LEITET UNS HIN ZUR TRIUMPHIERENDEN GEMEINSCHAFT DER SELIGEN

"Um Eines bitte ich den Herrn. Nur dies erflehe ich für mich: im Haus des Herrn zu weilen alle Tage meines Lebens" (Ps 26,4). Das geistige Gotteshaus ist die streitende Kirche. Paulus schreibt an Timotheus: "Du sollst wissen, wie man sich in Gottes Haus zu verhalten hat, das ja die Kirche des lebendigen Gottes ist, eine Säule und Grundfeste der Wahrheit" (1 Tim 3,15). Es gibt noch eine andere Kirche, die triumphierende, von der es im zweiten Korintherbrief (5,1) heißt: "Wir wissen ja, wenn unser irdisches Haus abgebrochen wird, erhalten wir einen festen Bau von Gott, ein ewiges Haus im Himmel, das nicht von Menschenhand erbaut ist." Man kann den obigen Psalmvers von beiden Arten der Kirche verstehen, denn das erste Haus ist der Weg und das Tor zum zweiten, wie der Psalm sagt: "Das ist das Tor des Herrn, durch das die Gerechten hineingehen" (Ps 117,20). Und darum muß es unsere Sehnsucht sein, in diesem Hause der Kirche zu wohnen. Und zwar "alle Tage meines Lebens" bis zu seinem Ende. "Sie soll in Ewigkeit mein Ruheplatz sein, ich will hier wohnen, denn hier gefällt es mir" (Ps 131,14).

Nun wohnt man in Gottes Hause durch den Glauben und die Liebe sowie durch entsprechende gute Werke. "Er läßt sie nach gleicher Lebensart in (seinem) Hause wohnen" (Ps 67,7), und zwar, gottlob, für immer. Wir sollen darin wohnen und nicht daraus entfernt werden. Man trennt sich aber von der Kirche durch die Sünde, durch Exkommunikation, durch Abspaltung von der Kirche oder durch Irrlehre. Wer also in ihr, das heißt in dieser Kirche, bis zum Ende wohnt, der wird für dauernd in ihr wohnen. "Selig, die in Deinem Hause wohnen, Herr" (Ps 83,5).

Nunmehr erklärt der Psalmist, warum er im Hause Gottes wohnen will: "um des Herrn Lieblichkeit zu kosten und sie in seinem Tempel zu betrachten" (Ps 26,4)... Hieronymus liest statt dessen: "um die Schönheit des Herrn zu schauen". Damit ist der Lohn bezeichnet, wie Augustinus meint und Johannes (17,3) bezeugt: "Das aber ist das ewige Leben: Dich zu erkennen, den einzig wahren Gott, und den Du gesandt hast: Jesus Christus." Drei Werte begreift diese Gottschauung in sich, nach deren offender Schau der Mensch von Natur aus verlangt: Erstens das Schöne. Die höchste Schönheit ist in Gott selbst. Denn die Schönheit besteht in der Wohlgestalt, und Gott ist die Urform, die allen Wesen Form und Gestalt verleiht. - Zweitens die Freude und das Freisein von Trauer. Und darum heißt es: "Um des Herrn Lieblichkeit zu schauen", das heißt, Gottes Güte, in der die höchste Freude liegt. "In seiner Rechten liegen Wonnen immerdar" (Ps 15,11). - Drittens die Schau der Weltordnung. Denn es ist eine hohe Wonne, in alle Dinge des Weltalls Einsicht zu haben. Und darum ist die offene Schau des Planes der göttlichen Vorsehung solch eine große Freude. Darum sagt der Psalmist, daß er des Herrn Willen schauen möchte, das heißt den von Gottes Willen aufgestellten Heilsplan. "Prüfet, was der Wille Gottes, was gut, wohlgefällig und vollkommen ist" (Röm 12,2). Das tun wir in diesem Leben unvollkommen im Glaubenslicht, wir werden es aber vollkommen tun im künftigen Leben, wo die Heiligen Gott schauen von Angesicht zu Angesicht: "Wir alle aber schauen mit unverhülltem Angesicht die Herrlichkeit des Herrn und werden so zum gleichen Bilde umgestaltet von Herrlichkeit zu Herrlichkeit" (2 Kor 3,18).

Offline Caelum

  • **
  • Beiträge: 114
  • Country: de
  • Verdana
  • Religionszugehörigkeit: Römisch-katholische Kirche
Re: Thomas von Aquin - Lehre des Heils
« Antwort #16 am: 11. Dezember 2019, 07:28:20 »
DIE KIRCHE UND DIE GEMEINSCHAFT DER HEILIGEN

Wie im natürlichen Leibe die Betätigung eines Einzelgliedes dem ganzen Leibe zugutekommt, so ist es auch im geistigen Leibe der Kirche. Weil alle Gläubigen einen Leib bilden, wird das Gut des einen auch dem anderen mitgeteilt. "Als einzelne sind wir Glieder untereinander" (Röm 12,5). Deshalb lehren die Apostel auch unter anderem, daß es in der Kirche eine Gemeinschaft der Güter gibt, die man als Gemeinschaft der Heiligen bezeichnet.

Von den Gliedern der Kirche ist Christus das adeligste, weil er das Haupt ist. "Ihn hat er als Haupt über die ganze Kirche gesetzt, die sein Leib ist" (Eph 1,22 f.). Und wie die Kraft des Hauptes allen Gliedern zuteil wird, so wird auch das Gut Christi allen Christen mitgeteilt. Diese Teilnahme wird verwirklicht durch die Sakramente der Kirche, in denen die Kraft des Leidens Christi wirksam ist, und zwar bewirkt sie die Mitteilung der Gnade zur Vergebung der Sünden.
(Erläuterung des Apost. Glaubensbekenntnis: Die Gemeinschaft der Heiligen.)

Die Kirche ist aufgebaut durch die Sakramente, die aus der Seite des am Kreuze hängenden Christus geflossen sind.

Offline Caelum

  • **
  • Beiträge: 114
  • Country: de
  • Verdana
  • Religionszugehörigkeit: Römisch-katholische Kirche
Re: Thomas von Aquin - Lehre des Heils
« Antwort #17 am: 11. Dezember 2019, 07:40:23 »
DIE SAKRAMENTE SIND HEILIGE ZEICHEN

Da das Sakrament eine heiligende Sache bezeichnet, muß es auch die Wirkung bezeichnen, die schon in der heiligenden Ursache als solcher mitverstanden wird. Im eigendlichen Sinne besagt "Sakrament" etwas, was angeordnet ist, um unsere Heiligung zu bezeichnen, bei der man folgende drei Dinge ins Auge fassen kann: Die Ursache unserer Heiligung selbst, nämlich das Leiden Christi; ferner: das Wesen unserer Heiligung, das in der Gnade und den Tugenden besteht; und schließlich das letzte Ziel unserer Heiligung, das ewige Leben. Alle diese Dinge werden durch die Sakramente bezeichnet. Darum ist das Sakrament sowohl ein Erinnerungszeichen des voraufgegangenen Leidens Christi, als auch ein hinweisendes Zeichen der durch Christi Leiden in uns bewirkten Gnade, wie auch ein vorausdeutendes Zeichen, ein Vorzeichen der künftigen Herrlichkeit.

 

Ähnliche Themen

  Betreff / Begonnen von Antworten Letzter Beitrag
28 Antworten
24791 Aufrufe
Letzter Beitrag 28. April 2014, 13:19:42
von TheKid
0 Antworten
5408 Aufrufe
Letzter Beitrag 15. Juni 2012, 07:38:47
von amos
0 Antworten
6800 Aufrufe
Letzter Beitrag 27. Januar 2013, 03:08:24
von velvet
0 Antworten
2984 Aufrufe
Letzter Beitrag 28. Januar 2013, 10:55:06
von amos
1 Antworten
5104 Aufrufe
Letzter Beitrag 12. Oktober 2013, 20:12:48
von vianney

Schau Dir das Video an und bleibe gesund!

Wichtige Botschaft von Neurologin Margareta Griesz Brisson
Und Warnung eines italienischen Arztes


The-Covid-Plan_Rockefeller-Lockstep-2010 (Ickeroth Traugott).pdf
Strategiepapier Innenministerium:
https://www.abgeordnetenwatch.de/blog...
 


La Salette 1846



Suche in den Seiten Zeugen der Wahrheit

Wenn Sie nur ein Wort suchen, sollte es nicht links in der Menüauswahl stehen, weil es Ihnen die ganze Palette anzeigt.
Die Menüs sind auf jeder Seite vorhanden..

top

Du hörst die Stimme deines Gewissens: Es lobt, tadelt oder quält dich. Diese Stimme kannst du nicht los werden. Sie weist dich hin auf Gott, den unsichtbaren Gesetzgeber. Daher lässt das Gewissen uns nicht im Zweifel darüber, daß wir für unser Tun verantwortlich sind und daß wir einmal gerichtet werden. Jeder hat eine Seele, für die zu sorgen seine einzige Aufgabe in dieser Welt ist. Diese Welt ist nur eine Schranke, die uns vom Himmel oder der Hölle trennt. »Wir haben hier keine bleibende Stätte, sondern suchen die zukünftige.« (Hebr 13, 14)

Suche in den kath. Webseiten von:
Zeugen der Wahrheit
www.Jungfrau-der-Eucharistie.de www.maria-die-makellose.de
www.barbara-weigand.de
www.adoremus.de www.pater-pio.de
www.gebete.ch
www.gottliebtuns.com www.assisi.ch
www.adorare.ch www.das-haus-lazarus.ch www.wallfahrten.ch

"Die Zeit verrinnt, oh Mensch sei weise. Du tust NUR einmal diese Reise."
Eure Tage und Stunden auf dieser Erde sind gemessen an der Ewigkeit ein Wimpernschlag.

Dieses Forum ist mit folgenden Webseiten verlinkt
Zeugen der Wahrheit - www.assisi.ch - www.adorare.ch - Jungfrau.d.Eucharistie
www.wallfahrten.ch - www.gebete.ch - www.segenskreis.at - barbara-weigand.de
www.gottliebtuns.com- www.das-haus-lazarus.ch - www.pater-pio.de

www3.k-tv.org
www.k-tv.org
www.k-tv.at

K-TV der katholische Fernsehsender

Wahrheit bedeutet Kampf -
Irrtum ist kostenlos
.
Fürchtet nicht den Pfad der Wahrheit,
fürchtet den Mangel an Menschen die diesen gehn!


Nur registrierte Benutzer können Themen und Beiträge im Forum schreiben.

Wenn Sie sich anmelden
Neuanmeldungen müssen erst vom Admin bestätigt werden
Nach dem Anmelden wird Ihnen das Passwort per Email gesendet.
Dann können sie sich unter Member Login oben einloggen.
Nach dem Einloggen können Sie Ihre persönlichen Angaben unter Profil ändern oder weitere hinzufügen.
Ebenso können Sie unter Profil Ihre Signatur eingeben (dann erscheint unter jedem Ihrer Beiträge z.B. ein Spruch)
Unter Profil/Profil können Sie ein Bild hochladen, das dann links im Beitrag unter Ihrem Nicknamen erscheint.


Vorteile beim anmelden
Sie können Ihren Beitrag nachträglich verändern oder löschen.
Sie haben die Möglichkeit unter einer Rubrik ein neues Thema zu verfassen.
Zu diesem Beitrag (Neues Thema) besitzen Sie die Rechte, Ihren Beitrag zu ändern oder das Thema zu löschen.
Löschen Ihrer Themen können nur Mitglieder.
Die Registrierung ist kostenlos
Ungelesene Beiträge seit Ihrem letzten Besuch.
Ungelesene Antworten zu Ihren Beiträgen.
Sie können das Design verändern. (Versch. Vorlagen)
Wir geben Ihre E-Mail-Adresse nicht weiter
Wir verschicken keinen Spam
Ihre E-Mail-Adresse wird je nach Einstellung im Profil anderen Mitgliedern nicht angezeigt.
Wir sammeln keine persönlichen Daten wie Anschrift oder Telefonnummer

Sinn und Zweck dieses Forums
Dieses Forum dazu gedacht, Fragen und Antworten über die katholische Kirche jedem zugänglich zu machen. Jeder der Fragen hat, kann diese in diesem Forum eintragen. Besonders Priester sind in diesem Forum dazu eingeladen, auf verschiedene Fragen über den Glauben sich an den Beiträgen zu beteiligen. "Hier haben die Besucher dieser Seite die Möglichkeit mit anderen Besuchern über den Glauben zu diskutieren." Der Betreiber übernimmt jedoch in diesem Forum keine Gewähr für die Aktualität, Richtigkeit, Vollständigkeit oder Qualität der bereitgestellten Informationen.

Unseriöse Themen und Beiträge werden gelöscht. Wenn Sie solche finden, melden Sie dies bitte dem Administrator per Mitteilung oder schreiben Sie unter:
Mail
info@kath-zdw.ch

Machen Sie das Forum Zeugen der Wahrheit unter Ihren Freunden bekannt: kath-zdw.ch/forum oder forum.kath-zdw.ch

Auf die Veröffentlichung und den Wahrheitsgehalt der Forumsbeiträge habe ich als Admin keinerlei Einfluss. Da ich nebst Forum/Webseite/E-Mail noch der Erwerbstätigkeit nachgehen muss, ist es mir nicht möglich alle Inhalte zu prüfen. Ein jeder Leser sollte wissen, dass jeder Beitrag, die Meinung des Eintragenden widerspiegelt. Im Forum sind die einzelnen Beiträge dementsprechend zu bewerten.
Distanzierungsklausel: Der Webmaster dieses Forums erklärt ausdrücklich, dass er keinerlei Einfluss auf die Gestaltung und die Inhalte der Seiten hat, die über die Links des Forums zu erreichen sind. Deshalb distanziert er sich ausdrücklich von allen Inhalten aller gelinkten Seiten und macht sich diese Inhalte nicht zu Eigen. Diese Erklärung gilt für alle auf dieser Forumspräsenz angezeigten Links und für alle Inhalte der Seiten, zu denen die Links führen. Feb. 2006

Linkempfehlung - Webseiten für Kinder: www.freunde-von-net.net www.life-teen.de

top

Seiten-Aufrufe in ZDW

Stats