Autor Thema: Das Besondere Gericht  (Gelesen 3199 mal)

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Das Besondere Gericht
« am: 14. Juni 2012, 09:32:07 »
Aus unserer Webseite: http://kath-zdw.ch/maria/das.besondere.gericht.html

Das Besondere Gericht   (oder das persönliche Gericht)

Ludwig de Ponte (* 1554 in Valladolid, Spanien) starb 1624 im Rufe der Heiligkeit, nachdem er als Philosophie- u. Theologielehrer, als Rektor und Novizenmeister bei den Jesuiten grosse Verdienste erworben hatte. Seine Betrachtungen vermitteln die geistige Tiefe der damaligen Zeit und geben dank ihrer Klarheit heute noch zeitlose Antworten auf wiederkehrende Fragen.

Vorbereitung
1. Wir stellen uns vor, wie wir nach dem letzten, bangen Herzschlag hinübergehen in die Ewigkeit und vor Gottes allsehendem Auge erscheinen. Das Urteil des nächsten Augenblicks gilt auf ewig.
2. Wir bitten Gott schon jetzt, unseres Gerichtes eingedenk, um die Gnade eines guten Lebens.



Nach dem Tod
Unmittelbar nach dem Tode entscheidet ein göttlicher Rechtsspruch endgültig über das ewige Schicksal des Verstorbenen. Die Seelen gehen alsbald nach dem Tode in den Himmel, oder in das Fegfeuer, oder in die Hölle ein. Das ist die Lehre der Kirche. Verlassen von allen Geschöpfen dieser Erde, nur im Geleit ihrer guten Werke, tritt die Seele einsam und allein vor ihren Schöpfer. Sie mag über Königreiche geherrscht haben, sie mag ein Bettler gewesen sein, es gibt keine Ausnahme von dieser Regel. Nützen und helfen werden uns nur die guten Werke.
Auf der einen Seite der Seele steht der Schutzengel, auf der andern der Teufel. Der Schutzengel triumphiert vor Freude, wenn die Seele zu den Gerechten gehört, er ist traurig und niedergeschlagen, wenn es nicht der Fall ist. Der Teufel ergrimmt vor Missgunst und Wut, wenn das Gericht gut ausgeht, er ist voll Hochmut und Schadenfreude, wenn die Seele in der Todsünde gestorben ist.

Frage dich, christlicher Mensch, auf wen würdest du in diesem Augenblick hören, auf den Teufel oder auf deinen Engel? Noch ist es Zeit, dir ein gutes Gericht zu verdienen. Gott selbst ist der Richter. Er ist derselbe gütige und allmächtige und allgegenwärtige Gott, der das Gewissen der Bösen in Unruhe versetzt und den Guten Mut und Trost eingibt. Ich beuge mich im Geiste vor Gott, meinem höchsten Richter, bis in den Staub. Ich bitte ihn um eine heilsame Furcht vor seinem ewigen Gerichte und um ein kindliches Vertrauen auf seine Güte.
Mein Gott, Richter über Leben und Tod, um Deiner Verdienste am Kreuze willen bitte ich Dich um die Gnade, mein Leben so zu leben, dass ich es jederzeit vor Dir verantworten kann. Heilige Jungfrau, Mutter Gottes, Zuflucht der Sünder, erflehe mir Hilfe bei Gott. Lass mich Deinem Beispiel folgen, Gottes Geboten gehorchen und sprechen: „Mir geschehe nach Deinem Willen."
 

Ort und Zeit
Was ist zu sagen über den Ort und die Zeit dieses Gerichtes? Die Zeit ist jener Augenblick, da die Seele vom Leibe scheidet. Es ist ein unsagbar wichtiger Augenblick. Ich darf ihn nie vergessen. Ich muss alle Tage meines Lebens an ihn denken. Ich muss mit allen meinen Kräften für sein Gelingen sorgen, wenn ich auch nur ein Quäntchen Glauben und einen Funken Vernunft habe. Der Ort dieses Gerichtes ist kein anderer als der, an dem ich mich im Augenblick meines Todes befinde.

Wahrscheinlich ist er das Haus, in dem ich sterbe, das Bett, in dem ich liege, oder jedenfalls etwas sehr Ähnliches. Immerhin habe ich diese Dinge täglich vor Augen. Wie weise sind jene Menschen, die in ihrem Sarge zu schlafen pflegen. Hier, so muss ich auch sagen, hier werde ich gerichtet werden.
Bin ich schon jetzt in der Lage, in diesem Gericht zu bestehen?
Ich kann noch heute am Tage umfallen und tot sein. Auf, meine Seele, lebe so, dass du dich nicht zu fürchten brauchst ! Seien wir vernünftig, seien wir weise, seien wir nüchtern, nichts ist sicherer als der Tod, nichts ist sicherer als das Gericht, bereiten wir uns vor.   

Die Kläger
Wer wird mich in diesem Gerichte anklagen ?
Mein eigenes Gewissen, mein Schutzengel, der Teufel.
Zuerst tut der Teufel den Mund auf. Der hl. Johannes nennt ihn den Ankläger unserer Brüder (Offb 12, 10). Er wird mich aller meiner wirklich begangenen Sünden anklagen und würde noch erdichtete hinzufügen, wenn sich die Allwissenheit Gottes betrügen liesse. Aber das geht nicht. Auf jeden Fall wird die Anklage des Teufels schonungslos sein.
Der zweite Kläger ist mein eigenes Gewissen. So wie in der heiligen Beichte jeder sein Ankläger und sein eigener Zeuge ist, so ist es auch beim Gerichte. Es besteht nur der eine Unterschied zwischen Beichte und Gericht, dass man gerne beichten kommt, um losgesprochen zu werden, zum Gerichte aber gezwungen wird, das Urteil hört zum ewigen Leben oder zur Verdammnis.
Das letzte gilt vor allem von jenen Sündern, die sich nicht dem Beichtgerichte unterwerfen wollen.
Es ist ein grosser Trost für die Sterblichen, alle Sünden stets mit wahrer Reue hier auf Erden gebeichtet zu haben.
Als dritter klagt uns endlich der heilige Schutzengel an. Wenn wir hier auf Erden seinen liebevollen Ermahnungen nicht gehorchen, so würde er uns dieses Ungehorsams wegen verklagen müssen. Und er wäre so gern unser Beschützer und Freund am Throne Gottes.

Ich bitte Dich, o Herr, lass jenen, den Du mir zum Hüter hier auf Erden gegeben hast, auch mein Freund an Deinem Throne sein. Gib mir die Gnade, ihm hier auf Erden zu gehorchen, damit ich ihn auch im Tode an meiner Seite habe.


 

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