Autor Thema: Dort, wo der übernatürliche, von Gott gewirkte Ursprung einer Vision behauptet w  (Gelesen 1951 mal)

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Offline Hildegard51

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“Dort, wo der übernatürliche, von Gott gewirkte Ursprung einer Vision behauptet wird, ist diese Behauptung zu beweisen, nicht vorauszusetzen; der Bejaher, nicht der Zweifler oder Verneiner hat nach allen Grundsätzen der Theologie die Beweislast.”


Was Wahrsagern von Propheten unterscheidet


 Fälschlicherweise werden Menschen, die (angeblich) in die Zukunft schauen, als “Propheten” bezeichnet. Diese Wahrsager oder Hellseher nehmen für sich in Anspruch, die Zukunft zu kennen und bestimmte Ereignisse vorhersagen zu können. Entgegen dieser Annahme, dass bereits alles festgelegt ist, betont der biblische Glaube, dass die Zukunft dieser Welt offen ist. Der Mensch ist berufen, die Welt zu gestalten. Er kann frei und verantwortungsvoll handeln und entscheiden. Es liegt an ihm, die Geschichte gut oder schlecht zu gestalten.


Ein Prophet deutet die Gegenwart

 Die “Prophetien” der biblischen Propheten sind dementsprechend von den vorher genannten Zukunftsvoraussagen zu unterscheiden. Die Propheten verstehen sich nicht als Hellseher von etwas bereits Beschlossenem, sie wollen vielmehr warnen, mahnen und wachrütteln. Sie verkünden nicht die Zukunft, sondern den Willen Gottes. Ihre Ankündigungen besagen nicht: “So und nicht anders wird es geschehen!”, sondern: “So wird es euch ergehen, wenn ihr nicht dieses tut oder unterlasst!” Damit wird in prophetischen Ankündigungen gerade der freie Wille der Menschen bekräftigt:
 Der Mensch kann handeln, wie er will, aber er muss dann auch die Folgen dieses Handelns tragen; er kann sich - frei - zum Guten und zum Bösen entscheiden. Der Prophet sieht also nicht die Zukunft, sondern deutet die Gegenwart!


 Angesichts der Aufmerksamkeit, die Weissagungen bei uns derzeit finden, ist die Auseinandersetzung damit nicht nur interessant, sondern geradezu unerlässlich. Die nähere Beschäftigung mit diesem Thema zeigt, dass die Versuche, sogenannte Weissagungen als Voraussagen der Geschichte zu deuten, in sich nicht überzeugend sind.


Wenn Gott - wie die Bibel bezeugt

- der Herr der Geschichte ist, dann gibt er seine Verheißungen weder an “Heils- oder Geschichtspläne” noch an Sterne oder Ähnliches ab. Alles bleibt in seiner Hand. Eine vorausgeplante Geschichte(Leben, Ereignisse, Entwicklungen) würde vor allem der menschlichen Freiheit widersprechen. Die Freiheit und Personwürde des Menschen liegt aber gerade darin begründet, sein Leben, die Welt und die Geschichte selber zu gestalten. Die Bibel drückt das mit dem Satz aus, dass der Mensch Ebenbild Gottes ist. Die Bilder vom Gericht unterstreichen den Ernst und die große Chance dieser gestalterischen Eigenverantwortung.

. Christliche Theologie gibt demnach keine apokalyptischen Prognosen. Sie will vor allem eine Theologie der Hoffnung sein, die sich an Menschen richtet, die ihr Leben zu bewältigen und zu gestalten haben.
. Die Theologie lehrt nicht, wie der moderne Fortschrittsglaube, dass in Zukunft alles immer besser werde. Ebensowenig lehrt sie, wie die moderne Apokalyptik, dass in Zukunft alles immer schlechter werde.
. Sie will vielmehr Augen öffnen, langen Atem und Mut zum gestalterischen Durchhalten geben, Perspektiven und Orientierung schenken.


 (Autor  unbekannt. )
Die Zeit, Gott zu suchen, ist das Leben;
 die Zeit, Gott zu finden, ist der Tod;
 die Zeit, Gott zu besitzen, ist die Ewigkeit.
von Franz von Sales

 

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