Autor Thema: Die Bedeutung des Engelglaubens  (Gelesen 3815 mal)

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Sairo

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Die Bedeutung des Engelglaubens
« am: 15. Mai 2011, 12:18:42 »
Ein paar Zeilen von P. Engelbert Recktenwald FSSP zum Thema Engelglauben. Hervorhebungen sind von mir:

Die Kirche lehrt, daß Gott “am Anfang der Zeit aus nichts zugleich beide Schöpfungen erschuf, die geistige und die körperliche, nämlich die der Engel und die der Welt: und danach die menschliche, die gewissermaßen zugleich aus Geist und Körper besteht” (Viertes Laterankonzil).

Es ist dies gleichsam der Widerhall der biblischen Worte, daß Gott am Anfang “Himmel und Erde” erschaffen habe. Der Himmel ist, wie der KKK sagt, der Ort der geistigen Geschöpfe, die Gott umgeben.

Die Welt ist der Ort des Menschen. Das ist die sinnlich wahrnehmbare Wirklichkeit um uns herum, gleichgültig, ob mit dem bloßen Auge oder mit dem Hubble-Teleskop wahrnehmbar: das gesamte Universum in seiner gewaltigen Ausdehnung von vielen Milliarden Lichtjahren. Die moderne Wissenschaft hat uns seine Größe und seine Ordnung, die vom Kleinsten bis ins Größte durchstrukturiert ist, auf bewundernswerte Weise nahegebracht. Dabei erliegt sie allerdings allzuleicht der Versuchung, das materielle Universum als das Gesamte der Wirklichkeit zu betrachten und es monokausal durch Evolution zu erklären. Die Urknalltheorie geht übrigens auf einen katholischen Priester zurück, den Belgier Georges Lemaitre (1894 - 1966). Sie stieß anfangs, in den dreißiger Jahren, auf heftige Ablehnung seitens vieler Wissenschaftler, weil sie den Gedanken eines absoluten Anfangs und damit der Schöpfung insinuierte. In Wirklichkeit verhält sich die Urknalltheorie zum Schöpfungsgedanken neutral. Sie erklärt nicht die Existenz des Universums, sondern seinen jetzigen Zustand aus einem früheren Zustand: die ständige Ausdehnung des Universums aus einem Zustand unendlicher Dichte aller Materie und Energie. Wir sind gewissermaßen Zeugen einer Explosion, die vor vielen Milliarden Jahren begann und bis heute anhält. Sogar Einstein war dieser Gedanke zu explosiv, und er bekämpfte ihn, bis die Entdeckungen Edwin Hubbles über die Bewegung der Galaxien die Streitfrage zugunsten Lemaitres entschieden. Woher jedoch das, was da explodiert, kommt, stellt sich in dieser Theorie genauso wie bei der Idee eines in sich ruhenden, unveränderlichen Universums.

Das Dogma des Laterankonzils besagt in diesem Zusammenhang ein Zweifaches: Erstens: Es gibt eine Schöpfung, die nicht Teil des Universums ist, die nicht der Evolution unterliegt und die mit dem Urknall nichts zu tun hat. Zweitens: Der Mensch vereint beide Wirklichkeiten in sich, da er zugleich aus Geist und Körper besteht. Das bedeutet aber auch, daß die Geistseele des Menschen an der ersten Wahrheit Anteil hat: Sie ist nicht Teil des Universums, sie ist kein Produkt der Evolution und war nicht, in welcher Form auch immer, beim Urknall gegenwärtig. Die Seele kann nicht materialistisch aus dem Urknall erklärt werden, mag das sonst auch bei allen materiellen Phänomenen des Universums möglich sein. Sie ist dem Zugriff der modernen Naturwissenschaft entzogen.

Hier sehen wir, wie eng die beiden Glaubenswahrheiten von der Existenz der Engel und der Geistseele des Menschen zusammenhängen und einander schützen: Der Versuch, den Menschen materialistisch zu erklären, mag für die Wissenschaft schwierig genug sein: Beim Engel muß sie von vorneherein kapitulieren. Wer die Geistseele des Menschen leugnet, leugnet a fortiori die Existenz der Engel. Wer umgekehrt an die Existenz der Engel glaubt, tut sich um so leichter, die Grenzen der Wissenschaft in der Erforschung und “Erklärbarkeit” des Menschen anzuerkennen.

Gemeinsam haben beide Wirklichkeiten, daß sie Schöpfung sind. Sie haben einen gemeinsamen Ursprung: den liebenden Schöpferwillen Gottes. Fällt der Glaube an den Schöpfergott weg, fehlt auch die einende Klammer von Engel- und Menschenwelt. Hier sehen wir, wie wunderbar hierarchisch die gesamte Wirklichkeit von Gott her geordnet ist. Der Gegenstand der modernen Wissenschaft ist nur ein Teil dieses Ganzen.

Die Engel sind Personen, d.h. handelnde Subjekte. Sie übernehmen Verantwortung und spielen eine wichtige Rolle im Heilsplan Gottes. Sie dienen, wie der KKK sagt, seiner Verwirklichung: “Sie schließen das Paradies ab, beschützen Lot, retten Hagar und ihr Kind, gebieten der Hand Abrahams Einhalt, teilen dem Volk das Gesetz mit, führen das Gottesvolk, kündigen Geburten und Berufungen an, stehen den Propheten bei, um nur einige Beispiele zu nennen. Schließlich erscheint der Engel Gabriel, um die Geburt des Vorläufers und die Geburt Jesu selbst anzukündigen” (nr. 332).

Als Personen sind uns die Engel weit überlegen: Sie haben eine tiefergehende Erkenntniskraft und einen stärkeren Willen. Ihr Verstand ist nicht diskursiv, also in logischen Schlüssen Schritt für Schritt mühsam fortschreitend, sondern intuitiv: Alle Zusammenhänge erkennt er auf einen Schlag. Der Engel muß nicht lernen, sondern erfaßt die Wahrheit in einem einzigen mühelosen Akt geistiger Schau. Dementsprechend ist die Willensentscheidung des Engels endgültig und unwiderruflich. Aus diesem Grund konnte es für die aufrührerischen Engel keine Erlösung geben. Das lag nicht an mangelnder göttlicher Barmherzigkeit, sondern in der Natur der Sache.

Wenn wir den Menschen als Person verstehen wollen, hilft uns mehr der Blick auf die Engel als auf den Urknall. Dieser liefert nur die Erklärung für physikalische und chemische Prozesse, nicht aber für Handlungen. Handlungen sind nicht aus materiellen Zuständen ableitbar, sondern nur verstehbar, wenn wir ihre Absichten kennen. Absichten gibt es nur als Ziele eines um sich selbst wissenden Willens. Dass beim Menschen dieser Wille mit einer leiblichen Natur verbunden ist, ist dem Wesen des Willens kontingent. Aus ihm ergibt sich nicht, dass dies so sein muß. Der Wille als Konstitutivum einer rein geistigen Natur ist denkbar und beim Engel wirklich. Der Mensch gehört durch seinen Willen und sein Wissen der geistigen Welt an, die er mit den Engeln teilt, und ist Abbild Gottes. In diesem Sinne bekommt ein Wort des Theologen Joseph Ratzinger einen tiefen Sinn, der einmal die Engel als ein Unterpfand von Gottes lebendiger Gegenwart beschrieben hat. “Die Unfähigkeit, den Engel zu denken, die uns heute kennzeichnet, ist ein Ausdruck dafür, daß wir selbst als Gläubige von einer gottentleerten Welt ausgehen, in der zuletzt auch Gott als etwas Fremdes und Unpassendes erscheint” (zitiert in Alfred Läpple, Arbeitsbuch zum KKK).

Obwohl die Engel uns überlegen sind, hat Gott sie uns zu Dienern bestellt. Das geht so weit, daß er jedem Einzelnen sogar einen Schutzengel zur Seite gestellt hat. Die Größe der Ehre, die uns Gott damit erweist, steht leider im umgekehrten Verhältnis zu unserer Bereitschaft, diese Ehre zu würdigen. Wer von uns ist denn schon wirklich um eine innige, ehrfurchtsvolle Beziehung zu seinem Schutzengel bemüht? Der hl. Pfarrer von Ars sagt, daß es für den Schutzengel eine große Freude sei, wenn er seinen Schützling zur hl. Messe begleiten kann. Wenn es uns also möglich ist, unserem Schutzengel Freude zu bereiten, indem wir Gutes tun, dann sollten wir oft von dieser Möglichkeit Gebrauch machen, um ein wenig unsere Dankesschuld unserem himmlischen Freund gegenüber abzutragen. Wir sind zur Freundschaft mit einer mächtigen Persönlichkeit berufen.

Liebe Grüsse und Gottes Segen
Sairo

 

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