Autor Thema: Lourdes: Dr. Alexis Carrels denkwürdige Reise  (Gelesen 895 mal)

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Lourdes: Dr. Alexis Carrels denkwürdige Reise
« am: 03. April 2017, 17:37:06 »
Dr. Alexis Carrels
denkwürdige Reise nach Lourdes
Das große Licht im Leben
eines Nobelpreisträgers

Von Josef Niklaus Zehnder

Miriam-Verlag
ISBN 3-87449-232-X

Inhalt

Zum Geleit .
„Ich werde es nicht aushalten bis Lourdes!“
Kommt es zum Bankrott des Wunders?
„Ich fühle, daß ich geheilt bin!“
Weltberühmt und Nobelpreis
„Den Glauben kann man nicht diskutieren“
Nicht nur Kanonenfutter
Literaturnachweis 


Zum Geleit

Im folgenden geht es um eine der spannendsten Episoden aus den Annalen der Gnadenstätte Unserer Lieben Frau von Lourdes im Südwesten Frankreichs. Lourdes ist reich an solchen und ähnlichen Begebenheiten, viele von ihnen sind so dramatisch wie diejenige, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts unserem Dr. Alexis Carrel, dem berühmten Nobelpreisträger in Medizin, widerfahren ist.

Die Geschichte dieses Wallfahrtsortes beginnt mit dem 11. Februar 1858, als die aus der ärmsten Familie des Städtchens am Pyrenäenfluß Gave de Pau stammende 14jährige Bernadette Soubirous die erste ihrer 18 Erscheinungen hatte, an deren Ende sich die „schöne Dame“ als die „Unbefleckte Empfängnis“ bezeichnete, und das, nachdem Papst Pius IX. 1854 dieses Gnadenprivileg der Jungfrau Maria zum verpflichtenden Glaubenssatz erhoben hatte. Schon 1830 hatte übrigens die Gottesmutter bei einer Erscheinung in der Rue du Bac in Paris die - wie Bernadette - später auch heiliggesprochene Katharina Laboure auf dieses Geheimnis hingewiesen.
Fast könnte man sagen, der Heilige Vater hätte 1854 mit der Dogmatisierung etwas nachvollzogen, was die spanischen Maler schon vom 16. bis zum 18. Jahrhundert mit ihren herrlichen Immakulatabildern im voraus getan hatten. Von diesen Meistern seien nur Murillo, Ribera, Zurbarän und Veläzquez genannt, von welchen der erste die Unbefleckte etwa 30 mal dargestellt hat.

Dem neuen Dogma wurde von verschiedenen Seiten her heftig widersprochen, so beispielsweise von dem schwedischen Literaten A. V. Rydberg, der damals dem Papst allen Ernstes vorwarf, er hätte damit „der zivilisierten Welt ins Gesicht geschlagen“.
Daß auch heute, im Zeitalter von Pornographie, Abtreibung und Aids, das Thema „unbefleckt“ für viele tabu ist, wird kaum jemand verwundern. Es fällt allerdings auf, daß es heute ausgerechnet Theologen und Theologinnen sind, die Schwierigkeiten nicht nur mit der Unbefleckten Empfängnis haben, sondern auch mit der jungfräulichen Geburt unseres Erlösers - zwei Sachen, die immer wieder miteinander verwechselt werden.

Viele gläubige Katholiken sahen und sehen auch heute in der Aussage von Bernadettes schöner Dame, sie sei die Unbefleckte Empfängnis, eine vom Himmel gekommene Bestätigung der 1854 von Pius IX. vorgenommenen Dogmatisierung. Andere lehnten aber, wie wir gesehen haben, und lehnen auch heute eine solche Argumentation mehr oder weniger schroff ab, weil sie dem Übernatürlichen zu skeptisch gegenüberstehen.

Doch gäbe es allenfalls nicht „handfestere“ Beweise für die Richtigkeit der in der Grotte von Massabielle von der Erscheinung gemachten Aussage?
Wiederum für viele Gläubige, auch für den Verfasser dieser Zeilen, gibt es solche Beweise, nämlich die gleichzeitig mit den Erscheinungen einsetzenden und seither immer wieder vorkommenden, wissenschaftlich nicht erklärbaren Heilungen schwerer Krankheiten in oder im Zusammenhang mit Lourdes.

Ich denke da beispielsweise an Justin Bouhohorts, den 18 Monate alten Jungen, der sich wegen Knochenerweichung von Geburt an nicht hatte bewegen können und dem Tode nahe war, als er nach einem Bad im eiskalten Wasser der kurz zuvor entsprungenen Quelle geheilt wurde. Im Jahr 1933 konnte er als alter Mann an der Heiligsprechung der Seherin Bernadette teilnehmen. Ich denke auch an Pierre de Rudder, dessen fast sensationell wirkender Fall an anderer Stelle zur Sprache kommen wird.

Als weiteren Beweis für die Echtheit der Aussage von Bernadettes Dame darf man sicher die vier gleichfalls aufsehenerregenden Heilungen betrachten, die der berühmte Romancier Emile Zola 1892 anläßlich der großen französischen Landeswallfahrt in Lourdes aus nächster Nähe miterleben durfte. Leider bekannte er sich dann in seinem Roman »Lourdes« nicht dazu, ja, er leugnete und verdrehte die Tatsachen.

Nennen wir als Beweis schließlich noch die im folgenden ausführlich geschilderte plötzliche Heilung Marie Baillys von einer tuberkulösen Bauchfellentzündung im letzten Stadium, die den jungen Agnostiker Alexis Carrel, wie wir sehen werden, zu guter Letzt in den Schoß der katholischen Kirche zurückführte.

Es gibt in Lourdes auch in neuerer Zeit immer wieder solche Heilungen, nur sind sie heute seltener als früher. Erwähnt sei hier der Fall des Schweizer Benediktiner-Bruders Leo Schwager aus der Kongregation von St. Ottilien, der auf einer Wallfahrt beim Krankensegen mit der Monstranz plötzlich von Multipler Sklerose geheilt wurde.
Solch unerklärliche Heilungen werden aber von der Kirche nicht alle ausdrücklich als Wunder anerkannt. Die Kirche ist in dieser Angelegenheit genauso wie bei Marienerscheinungen sehr vorsichtig, denn ihre Feinde sind ständig auf der Lauer, in der Hoffnung, sie bei einem Irrtum ertappen und dann bloßzustellen zu können.

Das Thema Wunder ist ja eine sehr umstrittene Sache. Zur Zeit der Aufklärung war beispielsweise für einen Jean Jacques Rousseau allein schon die Frage nach dem Wunder absurd, und 100 Jahre später meinte der Spötter Ernest Renan, noch niemand hätte bewiesen, daß sich je eines ereignet habe.

Wenn man bedenkt, daß sogar die Wunder Jesu von vielen seiner Zeitgenossen abgelehnt wurden und heute die evangelischen Wunderberichte von vielen Theologen als „nachösterliche Eintragungen in das vorösterliche Leben Jesu“ (vgl. F. Mussner, »Die Wunder Jesu«) gedeutet werden, darf man sich nicht verwundern, wenn auch viele die in Lourdes von Fachleuten beobachteten Heilungen nicht und schon gar nicht als Wunder anerkennen wollen. Wohl in einem solchen Zusammenhang hat der französische Philosoph und Mathematiker Blaise Pascal einmal das ernste Wort geprägt: „Die Wunder dienen nicht zur Bekehrung, sondern zur Verdammnis.“

Im Anschluß an die gefallene Bemerkung, auch bei Marienerscheinungen sei die Kirche sehr vorsichtig, nun ein paar Worte zum Thema Marienerscheinungen ganz allgemein. Diese geben ja Anlaß zu allerlei Diskussionen. Da wird vor allem einmal ihre Häufigkeit kritisch erörtert. Nach einer Notiz in der Zeitschrift »Der Fels« (Dezember 1986) soll es deren 210 allein zwischen 1928 und 1971 gegeben haben, wobei die Kirche von den letzteren zehn Prozent als Fälschungen verworfen habe, während die anderen noch Gegenstand von Untersuchungen seien.

Ich möchte mich nicht direkt zu diesen Zahlen äußern, sondern auf eine andere Art an die Sache herangehen. Ich sehe vor mir auf dem Erdball zwei weit auseinanderliegende Marienheiligtümer, zu denen ich ein gewisses persönliches Verhältnis habe: im Osten dasjenige der heiligen Mutter Gottes von Kasan an der Wolga, dessen herrliche Filialkathedrale ich im damaligen Leningrad mit dem Museum des Atheismus besucht habe und dessen Ikone in Fatima gehütet wird, und weit davon entfernt, im Südwesten Amerikas, sehe ich die bei den Indianern beliebte Pilgerstätte Unserer Lieben Frau von Copacabana in Bolivien, die ich zwar nicht betreten habe, die ich aber bei einem Flug über die Anden klar ausmachen konnte auf einer Halbinsel im Titicacasee. Zwischen diesen zwei Gnadenorten liegen Hunderte, ja Tausende der heiligen Jungfrau geweihte andere Gotteshäuser oder Kirchen und Kapellen mit Marienaltären. Dann gibt es in Museen und Privathäusern auch wieder Abertausende von Madonnenbildern, viele von ihnen, wie bereits gesagt, von großen und größten Meistern gemalt.

Schließlich denke ich auch noch an viele Gebete und Lobpreisungen, die an Maria gerichtet sind, angefangen bei dem aus der Heiligen Schrift stammenden Ave Maria und dem Magnifikat über ein herrliches Mariengebet von Ephrem dem Syrer aus dem 4. Jahrhundert zu den unzähligen anderen marianischen Texten aller Art aus allen Jahrhunderten, viele von ihnen Werke berühmter Kirchenlehrer, Schriftsteller und Dichter.

Wenn ich nun all das etwas zu überschauen versuche, fühle ich mich nicht mehr im geringsten veranlaßt, mir den Kopf zu zerbrechen über Fragen von Notwendigkeit oder Opportunität der wirklichen Marienerscheinungen noch über Probleme der nur angeblichen Kundgebungen der Jungfrau.

Ich möchte nur eines hinzufügen: Angesichts des entsetzlichen Elends, das weltweit herrscht und auch uns in der Wohlstandswelt immer direkter bedroht, dürfte es kein Luxus sein, die wiederholten Aufforderungen der Gottesmutter zu Gebet und Buße, wie sie beispielsweise in Lourdes und Fatima erfolgten, eifriger zu befolgen, als wir es bisher getan haben.

Dabei weiß ich sehr gut, daß Marienerscheinungen, auch wirklich vorgekommene, der Kirche und den Gläubigen mancherlei Probleme aufgeben. Sehr treffend hat das, wohl vor allem in Bezug auf Lourdes, Fatima und Medjugorje, der berühmte französische Mariologe Rene Laurentin ausgedrückt: „Eine Erscheinung ist für einen Pfarrer oder einen Bischof keine gute Nachricht. Sie ist vielmehr ein Problem“ (»Bote von Fatima«, Nr. 1,1989).

Ja, Schwierigkeiten aller Art haben wir eben auch in Sachen Religion selbst mit Marienerscheinungen, gegen welche sich die Mächte der Unterwelt verschworen haben. Die Probleme verursachen wir jedoch sehr oft selbst, weil wir bei Beurteilung der geheimnisvollen Vorkommnisse unsere menschlichen Maßstäbe anlegen, da wir diejenigen des göttlichen Waltens verkennen, wie es in der Heiligen Schrift steht.

Hier ein markantes Beispiel eines solchen „hausgemachten“ Problems: Man regt sich immer wieder darüber auf, daß bei Marienerscheinungen so oft Kinder Empfänger von Botschaften sind. Das war ja bekanntlich der Fall in Lourdes, Fatima und Medjugorje, ferner in La Salette, Pontmain und Beauring, um nur diese Beispiele zu nennen. Da könnte man aber fragen, ob sich das nicht „rechtfertigt“ mit dem hohen Stellenwert des Kindes im Neuen Testament, wo wir u.a. lesen: „Amen, das sage ich euch: wenn ihr nicht umkehrt und wie die Kinder werdet, könnt ihr nicht in das Himmelreich kommen“ (Mt 18, 3). Man darf wohl annehmen, daß mit solchen Marienerscheinungen der Wert des Kindes unterstrichen werden soll in einer Welt, welche Kinder auf das schändlichste mißbraucht und mißhandelt.

Dann gestatte man mir noch eine andere Frage, und zwar speziell in Bezug auf Lourdes und Fatima: Hätte die Welt die Bußbotschaften der Gottesmutter wohl ernster genommen, wenn dieselben statt an Kinder direkt an Pius IX. und Pius XII. ergangen wären, also an jene zeitgenössischen Päpste, die in den letzten Jahren in gemeinster Weise selbst von katholischer Seite her beschimpft und verleumdet worden sind? Da dürfte sich die Antwort wohl erübrigen!

Zum Abschluß dieses Geleitworts will ich versuchen, noch eine aufgebauschte Schwierigkeit im Hinblick auf die Seherkinder von Lourdes und von Fatima auszuräumen. Nicht wenige Kritiker haben sich über die Menschlichkeiten im familiären Umfeld bei Bernadette Soubirous und Lucia de Jesus dos Santos aufgeregt, wobei sie meistens viel zu strenge Maßstäbe verwendet haben. - Gibt es in Tat und Wahrheit etwas Tröstlicheres für uns in vielem so beschränkte Menschen als die Feststellung, daß sich die heilige Jungfrau bei ihrem direkten Eingreifen in unsere irdischen Verhältnisse eben auch des Menschlichen und allzu Menschlichen nicht schämt?

Doch nun, liebe Leserinnen und Leser, auf zu unserer denkwürdigen Reise nach Lourdes!

Fortsetzung folgt

« Letzte Änderung: 03. April 2017, 18:42:29 von geringstes Rädchen »
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Lourdes: Dr. Alexis Carrels denkwürdige Reise
« Antwort #1 am: 23. April 2017, 20:38:28 »
Dr. Alexis Carrels
denkwürdige Reise nach Lourdes
Das große Licht im Leben
eines Nobelpreisträgers

Von Josef Niklaus Zehnder


„Ich werde es nicht aushalten bis Lourdes!“
Im Mai 1903 verließ ein großer französischer Pilgerzug mit mehr als 300 Kranken die Stadt Lyon in Richtung Süden. Das Ziel war Lourdes, der seiner natürlich nicht erklärbaren plötzlichen Heilungen wegen schon damals weltberühmte Wallfahrtsort im Vorfeld der Pyrenäen.

Einige Tage vor der Abfahrt war der für die Oberaufsicht über die kranken Pilger vorgesehene Arzt plötzlich am Mitgehen verhindert worden, weshalb er einen jungen Kollegen gebeten hatte, an seiner Stelle mitzufahren. Dieser andere Mann, der gerade vor seinem 30. Geburtstag stand, war Dr. Alexis Carrel (1873-1944), Prosektor an der Medizinischen Fakultät der Rhonestadt. Obwohl er infolge seines nicht alltäglichen Geschicks als Chirurg und Erfinder einer neuen Technik auf dem Gebiet der Blutgefäßnaht sowie dank einiger medizinischer Publikationen in Fachkreisen schon einen gewissen Ruf besaß, war er aber, alles in allem, doch ein eher unbeschriebenes Blatt.

Wie Carrel in seiner erst nach dem Tode gedruckten »Reise nach Lourdes« gesteht, war er nach Mittelschulstudien bei den Jesuiten auf der Universität, „verführt durch die deutsche Kritik, allmählich zur Überzeugung gelangt, daß es außer der positiven Methode keine Sicherheit gab.“ In Sachen Religion war er zum Agnostiker geworden, der schon längst nicht mehr in die Kirche ging, jedoch ohne irgendwelche Voreingenommenheit, Verachtung oder gar Haß gegen die Gläubigen; ja, er empfand, wie er weiter sagt, „Abscheu vor jeglichem Fanatismus“, und er glaubte „an die Güte aller aufrichtigen Überzeugungen.“

Natürlich hatte auch er von den Heilungen in Lourdes gehört. Diese waren gerade in Lyon schon in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts leidenschaftlich diskutiert worden. Hier hatte ein Dr. Diday von der Charite im Fahrwasser eines Dr. Voisin von der Pariser Salpetriere und anderer Vertreter der Medizin in einer Schmähschrift die Seherin Bernadette Soubirous als Halluzinierte, als Hysterikerin hingestellt, war dann allerdings mit der Zeit zu einer besseren Ansicht gelangt. Ja, er hatte sich gänzlich bekehrt und war schließlich ein Jahr vor Dr. Carrels hier erzählter Lourdesreise als eifriger, stadtbekannter Rosenkranzbeter eines erbaulichen Todes gestorben.
Carrel kannte sowohl Zolas berüchtigten Roman als auch die Schriften von Dr. Lucien Boissarie, dem Vorsitzenden des Ärztlichen Konstatierungsbüros am Wallfahrtsort, und er hatte sogar das Werk Henri Lasserres gelesen, des umstrittenen ersten „Propagandisten der Wunderklinik“, der 1862 nach Waschungen mit Lourdes-Wasser in Paris plötzlich selber von einer schweren Augenkrankheit geheilt worden war.

Aber mit dem Wunder hatte Carrel trotz der erwähnten Großzügigkeit gewisse Probleme: Er schwankte zwischen der Behauptung, es sei Unsinn, und der weniger kategorischen Aussage, es sei noch keines wissenschaftlich ermittelt worden. Den starren Standpunkt der offiziellen Medizin Lourdes gegenüber, eine Art Vogelstraußpolitik, welche die rätselhaften Heilungen, nur weil sie nicht sein durften, einfach als tabu erklärte, teilte er indessen nicht: „Man hat sich“, schreibt er, „immer systematisch geweigert zu untersuchen, was in Lourdes eigentlich vor sich geht. Warum die Sache nicht einmal anpacken? Wenn es dort nämlich nur eingebildete Heilungen gibt, so wird das höchstens einen kleinen Zeitverlust bedeuten. Sollte es sich aber wider jede Erwartung um wirkliche Heilungen handeln, so wäre es, welches auch immer deren Ursachen sein sollten, ein Ereignis, das von größter Tragweite sein könnte, sofern man es nur auf wahrhaft wissenschaftliche Art feststellen würde.“
Von vornherein schloß Carrel nicht aus, ja er scheint längere Zeit damit gerechnet zu haben, daß hinter den von vielen als Wunder betrachteten Heilungen noch nicht erforschte natürliche Kräfte stecken könnten, so daß es sich ja gar nicht um Wunder gehandelt hätte.

Aus solchen und ähnlichen Überlegungen heraus hatte er, als sich ihm ganz unerwartet die Gelegenheit bot, als Pilgerarzt einzuspringen, ohne Zögern zugesagt. Zusammen mit seiner Pravazschen Spritze hatte er Koffein-, Morphium- und Ätherlösungen eingepackt, war zum Bahnhof gegangen und in den Zug gestiegen, der ihn einem ganz außergewöhnlichen Geschick, dem geheimnisvollsten seines ganzen Lebens, entgegenführen sollte.

Einmal in Fahrt, muß Dr. Carrel allerdings bald konstatieren, daß es nicht so leicht ist, in einem Pilgerzug wissenschaftliche Arbeit zu leisten. So ist es fast unmöglich, sich zuverlässig über die Leiden der mitgenommenen Kranken zu orientieren. Da sind zuerst die von ihnen mitgebrachten Zeugnisse mangelhaft. Viele Ärzte hatten nämlich Hemmungen, wenn sie solche ausfertigen mußten für Patienten, die ihre Hoffnung statt auf Äskulaps Künste auf das neue Betesda (vgl. Joh 5, 2-9) setzten, denn Lourdes war nun einmal in der Medizin, wie bereits gesagt, noch weitgehend tabu.
Dann gibt es andere Schwierigkeiten. Wenn der Pilgerarzt beispielsweise auf einem Bahnhof zu einem schweren Fall gerufen wird, so hat er bis zum nächsten Halt in dem Abteil auszuharren, auch wenn es länger als eine Stunde dauert, da er während der Fahrt nicht von einem der Waggons ohne Durchgang zum anderen gelangen kann.
Eine Wallfahrt nach Lourdes war 1903 natürlich auch für die Pilger eine sehr mühevolle Angelegenheit, namentlich für die Kranken und Schwerkranken. Man legte in die Eisenbahnwagen von einer Bank zur anderen Bretter und darauf, mit oder ohne Matratzen, die Kranken. Manch einer bezeichnete es als puren Wahnsinn, leidende Menschen solchen Strapazen, ja Torturen auszusetzen, besonders angesichts der Tatsache, daß ja nur sehr wenige gesund wurden.

Solche Kritiker - und zu ihnen gehörte anfänglich ein wenig auch unser Dr. Alexis Carrel - übersahen indessen, daß in der „Heilsökonomie“ von Lourdes Heilungen gar nicht das Wichtigste sind. Viel wichtiger ist nämlich, wie der geistliche Leiter des Pilgerzuges in den ersten Stunden der Bahnfahrt bei einem Gespräch mit unserem zweifelnden Doktor ausführte, ja viel wichtiger ist der Umstand, daß die meisten der nicht geheilten Kranken nach ihrer Heimkehr ihr Leiden leichter ertragen und gottergeben sterben, ganz abgesehen davon, daß auch Millionen gesunder Pilger und gewöhnlicher Touristen in Lourdes beten und nicht wenige von ihnen so oder so gleichfalls von der Gnade gerührt werden.

Im Verlauf der nicht enden wollenden Reise wurde Dr. Carrel zu einigen Schwerkranken gerufen, so auch zu der 22jährigen Marie Bailly, die im Buche Marie Ferrand heißt, während Carrel sich selber mit dem Anagramm seines Namens Lerrac nennt.

Diese Patientin war in Ohnmacht gefallen, und als sie in Anwesenheit des Arztes das Bewußtsein wieder erlangte, stöhnte sie: „Ich werde es nicht aushalten bis Lourdes!“ Carrel verabreichte ihr eine Morphiuminjektion, nachdem er die Nadel in einer Zündholzflamme desinfiziert hatte. Als die Spritze zu wirken begann, untersuchte er die Kranke - eine wahre Jammergestalt - so gut es möglich war. Er tastete den stark aufgeschwollenen Unterleib ab, der in der Nabelgegend eine mit Flüssigkeit angefüllte Stelle aufwies. Auch die Beine waren geschwollen, das Herz schlug schnell, und der Atem ging rasch. Es waren die typischen Symptome der ihm in Lyon gemeldeten tuberkulösen Bauchfellentzündung.

Vor der Abfahrt hatte ihm nämlich eine Ordenskrankenschwester, die mit Marie zum Bahnhof gekommen war, die Hauptdaten aus der langen Krankheitsgeschichte mitgeteilt. Sowohl die Eltern als auch die Brüder Maries waren an Tuberkulose gestorben. Ja, die Ärmste war den größten Teil des Lebens krank gewesen. Schon mit 15 Jahren hatte sie Blut gehustet, dann waren ihr bei einer Brustfellentzündung zweieinhalb Liter Flüssigkeit aus der linken Seite der Brust entzogen worden. Schließlich war eine Bauchfellentzündung hinzugekommen. Ein Chirurg hatte Marie operieren wollen, doch zuletzt hatte er angesichts ihres kritischen Befindens den Eingriff nicht gewagt. Die Bedauernswerte war von einem Spital ins andere abgeschoben worden, und als sich nirgendwo eine Heilung erzielen ließ, hatte sie ihre letzte Hoffnung auf Lourdes gesetzt und nach vielem Bitten erreicht, sich dem Lyoner Pilgerzug anschließen zu dürfen.

Dr. Alexis Carrel überdachte das alles und erwog die Möglichkeit, die Patientin nach der Rückkehr allenfalls selber zu operieren, denn daß sie in Lourdes durch ein Wunder geheilt werden könnte, so etwas zu erwarten oder sich auch nur vorzustellen, das wäre unserem Agnostiker nicht einmal im Traum eingefallen.
Am Ende der langen, langen Bahnfahrt über Valence, Avignon, Montpellier, Narbonne, Carcassonne, Castelnaudary, Toulouse und Tarbes langte der Zug endlich am Ziel an. Die gesunden Pilger stiegen aus und vertraten sich auf dem Bahnsteig ein wenig die Beine, die Kranken wurden ausgeladen, während in den weiten Hallen als Gruß an Bernadettes „schöne Dame“ aus Hunderten von Kehlen das „Ave maris Stella“ ertönte.

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Lourdes: Dr. Alexis Carrels denkwürdige Reise
« Antwort #2 am: 18. Juni 2017, 13:37:53 »
Dr. Alexis Carrels
denkwürdige Reise nach Lourdes
Das große Licht im Leben
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Kommt es zum Bankrott des Wunders?
Am Abend fand Dr. Carrel etwas Zeit zu einem Gespräch mit einem ehemaligen Studienkollegen, der die Wallfahrt als Krankenträger mitmachte. Dieser hatte seinen Jugendglauben nicht verloren und versuchte, den Zweifler von der Wirklichkeit der in Lourdes geschehenen Heilungen zu überzeugen. Er nannte unter anderem auch den geradezu phantastisch klingenden Fall des Belgiers Pierre de Rudder, dessen seit acht Jahren nicht heilen wollender Beinbruch mit einer Eiterwunde, in der die beiden Knochenenden zu sehen waren, im Jahre 1875 nach Anrufung der Jungfrau von Lourdes, und zwar nicht am Wallfahrtsort selber, sondern vor einer Lourdes-Grotte bei Gent in seiner belgischen Heimat, augenblicklich geheilt worden war. Die Sache hatte auf Jahre hinaus in medizinischen Kreisen ungeheueres Aufsehen erregt. Carrel kannte den Fall, doch er machte alle möglichen Ausflüchte.

Irgendwie glaubte er an Zolas berühmte Theorie von der „heilenden Ausdünstung der Massen“, die von dem großen Mediziner Charcot ausgegangen war, obwohl ja gerade die Heilung de Rudders, fern von jeglichem Menschengetümmel, ganz klar dagegen sprach. Aber da Pierre de Rudder schon längst tot war, konnte man den Fall nicht mehr mit der positiven Methode abhandeln. Wohl gab es die von mehreren glaubwürdigen Augenzeugen bestätigten Aussagen. Doch was ist für einen methodischen Positivisten schon glaubwürdig? Meistens nur das, was ihm ins Konzept paßt, aber beileibe nicht, was seine Methode zu erschüttern droht und ihn zur Anerkennung der Übernatur zwingen könnte!

Carrels Studienkamerad hat also einen schweren Stand. Trotzdem gelingt es ihm schließlich, den Doktor mit folgender Frage in die Enge zu treiben: „Was für Heilungen würden dich denn, falls du sie mitansehen könntest, zur Anerkennung des Wunders veranlassen?“

Zuerst gibt sich der Gefragte von der anspruchsvollen Seite. Er möchte beobachten, wie ein abgeschnittenes Bein wieder nachwächst, wie ein Krebs plötzlich verschwindet. Im weiteren muß es sich selbstverständlich um die Heilung eines organischen Leidens, nicht eines bloß nervösen handeln. Allmählich werden seine Forderungen bescheidener, und zuletzt meint er gar: „Wenn ich nur eine Wunde sich unter meinen Augen schließen sähe, würde ich fanatisch glauben oder aber ... verrückt werden.“

Am Ende des Gesprächs erwähnt Carrel den seiner Ansicht nach hoffnungslosen Fall von Marie Bailly, und nachdem er ihn ausführlich geschildert hat, versteigert er sich zur Äußerung: „Wenn die gesund würde, dann wäre das wirklich ein Wunder; ich würde an alles glauben und in ein Kloster eintreten.“

Aufgepaßt mit solchen Herausforderungen der überirdischen Mächte, Dr. Alexis Carrel, denn nur elf Jahre vor Ihnen hat in Lourdes ein Zola ähnlich gesprochen, und dann mit eigenen Augen gleich vier plötzliche Heilungen schwerer Krankheiten miterlebt, aber trotzdem nicht geglaubt, ja in der Folge in seinem Roman alles entstellt und als faustdick geschwindelt dargestellt!

Bei seiner Rückkehr in das Spital Unserer Lieben Frau von den Sieben Schmerzen wird Dr. Alexis Carrel sofort an Marie Baillys Bett gebeten, denn ihr Befinden hat sich seit der Ankunft in Lourdes noch verschlimmert. Es ist schon etwa das zehnte Mal seit Beginn der Wallfahrt, daß er zu ihr gerufen wird. Er zählt 150 Pulsschläge pro Minute. Unter diesen Umständen wäre es fast Wahnsinn, die Kranke am nächsten Tag in das kalte Wasser der Piszinen zu tauchen. Die Kranke? Man würde besser sagen: die Sterbende! Sie erhält eine Kokainspritze. Carrel berührt ihre Nase und ihre Hände und merkt, daß sie seit dem Morgen kälter geworden sind. Ferner haben Ohren und Fingernägel bereits eine leicht olivenartige Färbung angenommen.

Tags darauf steht es mit Marie Bailly noch schlimmer, weshalb die Krankenschwester, die sie seit Lyon liebevoll betreut, scheinbar mit Recht von neuem die Frage aufwirft, ob es ratsam sei, mit ihr zu den Piszinen zu fahren.

Auf Ersuchen von Dr. Carrel wird Marie nun noch von einem anderen Pilgerarzt untersucht, worauf dieser dem Kollegen zuflüstert: „Die liegt in den letzten Zügen, die kann vor der Grotte sterben.“ Doch jetzt verwendet sich eine Ordenskrankenschwester für die Sterbende: Diese hätte ja nichts mehr zu verlieren, ob sie sofort oder erst in einigen Tagen sterbe, das sei doch einerlei; ja, es wäre grausam, fügt sie hinzu, den so sehnlichen Wunsch der Ärmsten nicht zu erfüllen. Schließlich ringt sich Dr. Carrel zu einer Entscheidung durch, gibt der Ordensfrau recht und sagt, er gehe ja auch zu den Bädern, und man brauche ihn nur zu rufen, wenn man seiner bedürfe. Zu dem ihn begleitenden Kollegen meint er allerdings mit leicht spöttischem Unterton, man könne ja „das unmögliche Wunder der Auferstehung einer Toten versuchen.“

Wie dann die Träger Marie Bailly vor den Piszinen zu den anderen Kranken hinstellen, scheint sie bewußtlos zu sein. Dr. Carrel, der auch schon dort angelangt ist, ergreift nochmals ihr Handgelenk. Der Puls ist nach wie vor rasend. Da durchzuckt ihn ein Gedanke, auch wieder leicht spöttischer Natur: Wenn die im Bad drin stürbe, was für einen Eindruck würde das auf die frommen Pilger machen, denn das wäre ja der Bankrott des Wunders?

Darum, Dr. Alexis Carrel, hätten Sie sich nicht sorgen müssen, denn es ist noch nie ein Kranker im kalten Wasser der Piszinen von Lourdes gestorben, ebensowenig wie sich noch nie jemand im denkbar unhygienischsten aller Wasser der Welt angesteckt hat!

Während der Doktor, das ihn umgebende Meer des Leidens musternd, seinen Gedanken freien Lauf läßt, sich sogar - steht man nicht vor der Grotte der Gottesmutter? - zu einem Gebet aufrafft und diese, natürlich nur falls sie wirklich existiert, um die Heilung der armen Marie Bailly anfleht, ist sie ins Bad getragen worden. Man hat sich dort aber nicht getraut, sie wie die anderen Kranken ganz einzutauchen, sondern man hat ihr nur den aufgeschwollenen Unterleib leicht angefeuchtet. Dann wird sie auf den Platz vor der Grotte gefahren und neben ihre Leidensgefährten angereiht, worauf bald ein Priester beginnt, mit lauter Stimme Anrufungen vorzubeten, welche die Menge inbrünstig wiederholt: „Heilige Jungfrau, mach unsere Kranken gesund!“

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« Antwort #3 am: 29. September 2017, 00:03:18 »
Dr. Alexis Carrels
denkwürdige Reise nach Lourdes
Das große Licht im Leben
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Von Josef Niklaus Zehnder


„Ich fühle, daß ich geheilt bin!“
Um der inneren Spannung Herr zu werden, begibt sich Dr. Carrel nun für ein paar Minuten zur Brüstung über dem an der Grotte ungestüm dahinschießenden Pyrenäenfluß Gave de Pau und lehnt sich an. Dort trifft ihn ein Spitalarzt aus Bordeaux, den er am Vorabend kennengelernt und dem er Marie Bailly auch gezeigt hat. Carrel möchte wissen, ob es unter seinen Kranken Heilungen gegeben habe und erhält die Antwort, daß sich nur einige Hysteriker geheilt fühlten. Dann fährt der Mann aus Bordeaux weiter: „Was Ihre Kranke betrifft, so habe ich sie eben gesehen. Daß man sie in einem so elenden Zustand hierher gebracht hat, ist unklug, es wäre wohl besser gewesen, es mit einer Operation zu versuchen.“
Etwas später kämpfen sich die beiden zum Viereck vor der Grotte durch, wo die gebadeten Kranken auf ihren Bahren liegen, die Statue der Unbefleckten im Blickwinkel. Sie bleiben hinter dem Geländer stehen, von wo aus die Kranken und dahinter die gesunden Pilger gut zu überblicken sind. In der vordersten Reihe befindet sich Marie Bailly, immer noch fast regungslos, nur die Brust ein wenig bewegt durch den raschen Atem. Sie kann, denkt Dr. Carrel, jeden Augenblick sterben. Neben ihr kniet am Boden die Krankenschwester aus Lyon, sie betet mit Andacht und erfleht wohl das Wunder, das immer noch auf sich warten läßt.
Während noch andere Kranke von den Bädern herangefahren werden, darunter auch arme Geisteskranke und andere Elendsgestalten, nähern sich im Leben von Dr. Alexis Carrel, dem zukünftigen Nobelpreisträger für Medizin, die aufwühlendsten Momente, die er nie vergessen wird.
Wie er nämlich bald darauf erneut auf seine Kranke schaut, will ihm scheinen, der Ausdruck ihres Gesichtes habe sich ein bißchen verändert, denn es kommt ihm nun etwas weniger bleich vor.
Aber allsogleich überfällt ihn der Zweifel: Bin ich das Opfer einer Täuschung? überlegt er. - Das hätte einem methodischen Positivisten gerade noch gefehlt... Um nun ja ganz nach den Regeln der Wissenschaft zu verfahren, zieht er seine Füllfeder hervor und notiert auf eine Manschette seines Hemdes: 14.50 Uhr und nimmt sich vor, von jetzt an alle Beobachtungen mit Zeitangabe aufzuschreiben. Um absolut sicher zu sein, fragt er den Kollegen aus Bordeaux, ob er nicht auch eine Besserung im Befinden der Kranken wahrgenommen habe. Doch dieser hat nichts bemerkt und meint: „Alles, was ich sagen kann, ist, daß es sich nicht verschlimmert hat.“
Nun gehen die beiden zu Marie Bailly hin, und Dr. Carrel kontrolliert einmal mehr Puls und Atem, worauf er zum Kollegen sagt: „Die Atmung hat sich verlangsamt.“ Der Arzt aus Bordeaux hat indessen immer noch nichts von einer Besserung gemerkt, er faßt im Gegenteil den verlangsamten Atem als Vorzeichen des Todes auf. Carrel teilt diese Befürchtung nicht. Während die Menge abwechselnd singt und weiterhin die Anrufungen des Priesters nachbetet, starrt er wieder auf Maries Gesicht, das ihm abermals verändert vorkommt, wobei ihre glänzenden Augen wie verzückt zur Nische mit dem Standbild der heiligen Jungfrau emporblicken.
Auf einmal gewahrt Carrel zu seiner größten Verblüffung, wie die bisher aufgebauschte Decke über Maries Leib langsam auf normale Bauchhöhe zusammenschrumpft und dann flach daliegt. Er sagt es dem Kollegen, doch dieser hat es selber beobachtet. Je länger Carrel seine Kranke anstarrt, desto mehr überzeugt er sich, daß die Aufblähung des Unterleibs verschwunden ist, und wie er sich über Marie herabbückt, stellt er fest, daß ihr Herz zwar noch rasch, jedoch ganz regelmäßig schlägt. Endlich wagt er es, Marie, die mittlerweile wieder zu sich gekommen ist, nach ihrem Befinden zu fragen, und sie antwortet leise: „Es geht mir sehr gut, ich bin nur noch ein wenig schwach, aber ich fühle, daß ich geheilt bin.“
Und gleichsam zur Bestätigung ihrer Aussage trinkt sie jetzt in einem Zug eine ihr von der Krankenschwester dargereichte Tasse Milch aus, hebt hernach den Kopf hoch, blickt verwundert um sich und dreht sich dann zum ersten Mal seit Wochen, ohne Schmerzen zu verspüren, auf die andere Seite.
Da gab es also, hätte man meinen können, keinen Grund mehr für Zweifel. Innerhalb von wenigen Minuten hatte sich Marie Baillys Zustand stark verwandelt. Tatsächlich war sie kaum wiederzuerkennen, als es am Turm der Basilika drei Uhr schlug. Keine Überraschung war der Vorfall für die gute Krankenschwester, die in Lourdes schon andere Heilungen erlebt hatte.
Trotz allem zuckt es jetzt von neuem durch Carrels Hirn: Oder bin ich gar verrückt geworden? - Um mit sich ins reine zu kommen, will er auf den riesigen Platz vor der Basilika gehen, und er verabschiedet sich von dem Kollegen und Marie Bailly, der er verspricht, sie am Abend im Spital aufzusuchen.
Darauf bahnt er sich einen Weg durch die Menge. Doch als er sich dem Ärztlichen Konstatierungsbüro nähert, wo Heilungen gemeldet und über längere Zeit in bezug auf ihre Beständigkeit im Auge behalten werden, steht vor der Tür der Vorsitzende der berühmten Institution, Dr. Lucien Boissarie, eine bedeutende Persönlichkeit in der Wallfahrtsgeschichte, und Carrel berichtet ihm das fast unglaubliche Geschehnis an der Grotte, wohl in der Erwartung, den Mann zu verblüffen. Für diesen ist das indessen kein Grund zur Aufregung, denn man hat ihm bereits tags zuvor andere Heilungen mitgeteilt, und von früher her sind ihm, wie er zu Carrel sagt, gerade auch solche von tuberkulösen Bauchfellentzündungen bekannt, wovon sich eine genau vor einem Jahr bei einer anderen Kranken aus Lyon ereignet hat. Boissarie bittet Carrel, ihm die Geheilte am folgenden Tag vorzustellen, er hat es offenbar nicht eilig.
Am Abend eilt Dr. Alexis Carrel, wie er es Marie an der Grotte versprochen hat, in das Spital der Sieben Schmerzen, denn sein Bedürfnis nach Sicherheit ist noch nicht ganz gestillt. Am Bett der Geheilten stellt er fest, daß die Spuren ihres langen Siechtums zwar nicht ganz verschwunden sind, aber schon schimmert auf ihren neulich noch so bleichen Wangen etwas rosa Farbe durch. Wieder greift Carrel zum Handgelenk: 80 Pulsschläge in der Minute! Auch der Atem ist normal geworden, langsam hebt und senkt sich die Brust, und wie um beim Doktor allfällige weitere Zweifel auszuräumen, bemerkt Marie Bailly: „Herr Doktor, ich bin vollkommen geheilt, ich fühle mich zwar noch etwas schwach, aber ich glaube, daß ich gehen könnte, wenn ich wollte.“
Doch kaum ist das gesagt, wird Dr. Carrel von neuen Zweifeln überrumpelt. Man ist nicht ungestraft ein Landsmann von Rene Descartes, alias Renatus Cartesius, dem Philosophen, der einmal doziert hat: „Ich denke, also bin ich.“ Auf einmal quält sich nämlich unser Arzt mit der Frage, ob vielleicht eine bloß funktionelle Besserung bei der Patientin vorliege, obwohl er ja mit eigenen Augen wahrgenommen hat, wie die über dem Unterleib aufgebauschte Decke unvermittelt zusammensackte. Er will also nachprüfen, ob wirklich auch die Symptome der Krankheit verschwunden sind. Hierüber will er sich unverzüglich mit einer genauen Untersuchung Klarheit verschaffen.
Fast hat er ein wenig Angst davor, doch er wirft die Bettdecke zurück und macht sich an die Arbeit. Auf den ersten Blick gewahrt er oberhalb der schmalen Hüften einen verengerten Unterleib, flach und niedergedrückt, wie es bei einer 20jährigen, stark abgemagerten Frau normal ist. Dann betastet er die Bauchwand: Sie ist weich, nachgiebig und äußerst dünn. Trotzdem sucht er fast ungestüm nach einer vielleicht doch irgendwo vorhandenen Geschwulst, aber die harten Substanzen haben sich in Luft aufgelöst. Alles ist wieder normal, nur die Beine sind noch geschwollen.
So weit, so gut... Aber noch ist nicht der letzte Zweifel vom Tisch, denn plötzlich überlegt der Doktor, ob es unter Umständen nur eine nervöse Bauchfellentzündung war, ob er sich wohl in der Diagnose getäuscht hat... Das war ja eine der Standarderklärungen der offiziellen Medizin für die Ereignisse im neuen Betesda (vgl. Joh 5, 2-9): Es handle sich dort nur um nervöse Krankheiten. Wie wenn beispielsweise Pierre de Rudder sich acht Jahre lang eingebildet hätte, an einem Beinbruch zu leiden! Von neuem rekapituliert Carrel die Krankheitsgeschichte: tuberkulöse Brustfellentzündung, Lungentuberkulose mit Bluthusten und zuletzt noch die Bauchfellentzündung ... Nein, er kann sich unmöglich geirrt haben! Im Ringen um absolute Sicherheit bittet er nun drei sich im Saal aufhaltende ärztliche Kollegen, Marie Bailly auch noch zu untersuchen. Sie können ihm indessen alle drei nur die Heilung bestätigen. Aus einer Sterbenden ist also binnen weniger Stunden eine gesunde, wiewohl noch etwas geschwächte Person geworden.
Man muß es demnach, so folgert der Doktor, mit einem Ereignis zu tun haben, das man ... Wunder nennt. Es wird ihm allerdings rasch bewußt, daß es gar nicht so angenehm ist, Zeuge einer so rätselhaften Begebenheit geworden zu sein. „Da habe ich mich also in eine Wundergeschichte verstrickt, tant pis!“ stöhnt er, und es tönt fast wie Molieres berühmter Satz in den »Fourberies de Scapin«: „Was zum Teufel hatte er in dieser Galeere zu tun?“ Und warum war die Sache eher unangenehm?
Dr. Alexis Carrel gibt uns die Antwort selber: „Es ging eben nicht einfach darum, einem geometrischen Lehrsatz zuzustimmen, sondern man mußte Tatsachen anerkennen, die dem Leben eine neue Richtung zu geben vermögen.“
Was Marie Bailly im weiteren angeht, so war ihre Heilung von Dauer. Im gleichen Jahre 1903 trat sie in Lyon bei den Schwestern des hl. Vinzenz von Paul als Postulantin ein, absolvierte anschließend das Noviziat in der Rue du Bac in Paris, wo 1830 die hl. Katharina Laboure die Marienerscheinungen gehabt hatte, die in engem Zusammenhang stehen mit dem 1854 verkündeten Dogma von der Unbefleckten Empfängnis. Hierauf wirkte Marie 34 Jahre lang segensreich im Dienste der Kranken, bis sie am 22. Februar 1937 in Montoulieu (Diözese Carcassonne) das Zeitliche segnete. Somit hatte noch ihr Todestag etwas mit Lourdes zu tun, denn 79 Jahre zuvor war dieser Tag in der Erscheinungsgeschichte dadurch gekennzeichnet, daß Bernadette Soubirous durch das Ausbleiben ihrer „schönen Dame“ recht schwer geprüft worden war.

Fortsetzung folgt
GOTTES HANDELN IST IMMER LIEBE,
AUCH WENN WIR IHN NICHT VERSTEHN.

ÖFFNET AUGEN, OHREN, HERZ UND SEELE
FÜR GOTTES HERRLICHKEIT!

ANGEBETET SEI OHNE END JESUS CHRISTUS
IM ALLERHEILIGSTEN ALTARSAKRAMENT!

GLAUBEN IST MACHT DES GEISTES!

AVE MARIA,
VOLL REINHEIT UND
OHNE SÜNDE EMPFANGEN
BITTE FÜR UNS.

 

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