Barbara: „Ich
danke Dir, mein Jesus, für das unaussprechliche Glück,
das Du den Armseligsten zuteil werden läßt. Ich danke
Dir im Namen meiner beiden Freundinnen und all derer,
die sich an uns anschließen. O Liebe, Du wirst nicht
geliebt; o unendliche Liebe, Du wirst nicht geliebt, du
wirst gehaßt, verachtet und verfolgt. O komme, Dein
armes Kind heimzusuchen. Ja, ja, Du wirst noch geliebt,
Du wirst es noch! Mein Jesus! Ich bin Dir noch zu großem
Dank verpflichtet für das große Glück, das Du mir heute
früh erwiesen, das Du mir zuteil werden ließest in dem
Augenblick, als Du Dich würdigtest, in meine arme Seele
zu kommen unter den sakramentalen Gestalten. O wie
glücklich dieser Augenblick, von dem nur Deine heiligen
Engel Zeugen sind.
Du zeigtest mir meine liebe, kleine
Nichte Anna. O ich danke Dir, mein Jesus. Warum war ich
doch so glücklich, sie zu sehen? Mein Jesus, ja,
unaussprechlich ist die Wonne der Seligen,
unaussprechlich ist die Wonne der Seligen! Auch wir
sollen teilnehmen an dieser Glückseligkeit. Dieses
kleine Geschöpf, das Du in so jungen Jahren zu Dir
beriefst, wie ist sie doch jetzt so vollkommen, wie eine
schöne, ausgewachsene Jungfrau.
Ja, wenn ihr doch wüßtet das Glück, das
uns erwartet, das wir jetzt nur durch einen Schleier
sehen, noch verhüllt, in den Schönheiten der Kirche
eingeschlossen, o wie würde die Welt uns anekeln.
Wunderbar bist Du in Deinen Werken, o Herr! Wunderbar
schön hast Du diese Welt, Deine Schöpfung ausgestattet.
Alles lobt und preist Dich in der ganzen Schöpfung; nur
der Mensch, den Du als König der Schöpfung geschaffen,
hineingestellt in dieses Denkmal der Liebe, er allein
preist Dich nicht. Denn alle Deine Werke zielen nur
darauf ab, Dein Lob zu verkünden, und der arme Mensch,
ihn hast Du erschaffen mit freiem Willen, begabt mit
Verstand; Du gabst ihm ein Gedächtnis, damit er
überlegen könne, wozu er erschaffen, und er allein
erniedrigt sich unter alle Deine Werke. Ein Herz hast Du
ihm gegeben, damit er Dich lieben könne, und er haßt
Dich. Mein Jesus! O komme, komme in meine Seele, o komme
doch, o komme doch! Für alle Menschen will ich Dich
lieben. Ein Herz hast Du mir gegeben, einen Leib hast Du
mir gegeben, damit ich Dir dienen könne. Wohlan, mein
Geliebter, nimm ihn in Besitz, besitze diese Seele,
besitze diesen armseligen Leib. Ja, mein Jesus, wohl ist
er oft nur der Anlaß zur Sünde. O dieser armselige
Körper! Wann werde ich einmal ausgehen aus dieser Hülle,
die mich noch von Dir trennt, daß ich mich ewig mit Dir
vereinigen könne? O mein Jesus, wahrhaft Du bist es. O
wie bist Du so gut! O mein Geliebter! Ich danke Dir,
mein himmlischer Bräutigam! Gelobt sei Jesus Christus!“
Ich sehe meine lieben Eltern und dich
wieder, meine liebe Anna!
Anna: „Du
bist die Braut des großen Königs geworden. Aber liebe
Tante, glaube, glaube, glaube bis zum Ende deines
Lebens! Siehe, der Herr hat Sich gewürdigt, dir meinen
Todestag zu zeigen, zu verkünden. Er gab dir dieses
Zeichen, um deine Vorgesetzten zu überführen, deinen
Beichtvater zu belehren. Ich mußte mein Leben hingeben
in der Blüte meiner Jahre. Ich mußte dir und meiner
lieben Mutter einen großen Schmerz verursachen. Aber
siehe, meine Tante, welchen Tausch ich gemacht habe.
Sieh dieses herrliche Kleid, das ich
jetzt trage, es ist das Kleid der Unschuld. Siehe diese
herrliche Krone! Zwar habe ich sie noch nicht verdient,
ich habe noch wenig gelitten. Aber weil mein Leben ein
Opfer sein mußte, um den Willen deines himmlischen
Bräutigams zu bekräftigen, habe ich eine weit schönere
Krone erlangt, als die anderen Kinder meinesgleichen,
die in diesem Alter sterben; doch ist es noch bei weitem
nicht die Krone der Jungfrauen, die dem Lamme folgen.
Ich habe dir heute früh schon gezeigt und gesagt, daß es
dreierlei jungfräuliche Seelen gibt.
Die ersten Jungfrauen, das sind jene
Seelen, die das Kleid der Unschuld noch nicht befleckt
mit einer schweren Sünde, die die Erde nur mit den
Fußspitzen berührten, die aber ihrem himmlischen
Bräutigam zuliebe schon viel gelitten, rein und
unschuldig aus Liebe zu Ihm geblieben sind. Dies sind
jene Seelen, die du siehst, die Ihm folgen, die ein Lied
singen, das niemand singen kann, außer diesen
Jungfrauen.
Die zweiten Jungfrauen sind jene
jungfräulichen Seelen, die ihrem himmlischen Bräutigam
zwar auch verlobt sind, die aus Liebe zu Ihm den
jungfräulichen Stand betreten, Ihm ihre Keuschheit
opfern von der Zeit an, wo sie es erkannt haben, daß der
Herr sie zum jungfräulichen Stand berufen hat, die Ihn
aber trotzdem doch schon durch schwere Sünden beleidigt
haben. Die Kronen dieser Jungfrauen sind nicht so
herrlich wie die der ersten, nicht so glänzend. Auch hat
das Kleid nicht den Glanz wie das Kleid jener
Jungfrauen, doch sind sie nicht viel weiter zurück. Sie
folgen den ersten auf dem Fuß. Und zu diesen gehört auch
deine Nichte. Obwohl sie das Kleid der Unschuld noch
nicht verloren und befleckt, hat sie aber auch nicht
viel gebüßt und gelitten. Sie hat noch nicht ihrem
himmlischen Bräutigam viel geopfert, sie hat gleichsam
den Himmel gestohlen, sie hat ihn erschlichen wie ein
Dieb, weil sie ganz unerwartet und schnell, ohne es zu
vermuten, von Ihm abgerufen wurde.
Zu der dritten Art Jungfrauen gehören
die Kinder, die in der Taufunschuld sterben, die aber
noch nichts verdient haben, die der Herr nur geschaffen
hat als ein reines Geschöpf, und als ein reines Geschöpf
nach der Taufunschuld wieder zu sich berief, in der
Taufunschuld, sage ich. Diese sind auch Jungfrauen.“
Barbara: „O
liebe Anna! Erzähle mir noch ein
bißchen was von heute früh. O du hast mir so schön
erzählt, wie die Feste im Himmel gefeiert werden. Du
warst so fröhlich. Es muß doch gar so herrlich sein.“
Anna: „Kein
Auge hat es gesehen, kein Ohr hat es gehört, in keines
Menschen Brust ist es gestiegen, was Gott denen bereitet
hat, die Ihn lieben. Ja, die Ihn lieben! Groß, erhaben,
majestätisch ist die Liebe!“
Jesus: „Meine
Kinder! Seht die Liebe eines Gottes! Ihr wollt müde
werden, ihr wollt erschlaffen in der Liebe, ihr, Meine
armseligen Würmchen, die Ich erschuf zu Meiner Freude,
die Ich liebe mit unendlicher Liebe. Ich werde nicht
müde, euch zu lieben, und ihr wollt erschlaffen? Nein,
nein, Meine Kinder! Dreiunddreißig Jahre bin Ich unter
euch gewandelt, um euer Bruder zu sein und sein zu
können. Seht, Ich bin es aber jetzt noch, Ich bin jetzt
noch euer Bruder. Zwar bin Ich wieder eingegangen in
Meine Freude, in Meine Herrlichkeit, zu Meinem Vater
zurückgekehrt, aber um euch zu beweisen, daß Ich euer
Bruder jetzt noch bin, genügt es Mir nicht, mit Meiner
Gnade euch zuzusprechen, euch zuzusetzen, euch alle zu
ermahnen, zu warnen, zu trösten, wenn ihr schwach werden
wollt, nein, das alles genügt Meiner Liebe nicht. Ich
will euch beweisen, daß Ich noch euer Bruder bin.
Deswegen komme Ich zu einem Meiner Geschöpfe, lasse Mich
herab in ein sterbliches Wesen, um als Bruder zu euch zu
reden, wenn Ich eine Seele in Besitz nehme, die Mir ihre
Einwilligung gab, denn ohne den freien Willen eines
Menschen verlange Ich nichts von ihm.
Ich bin ein gar vorsichtiger Gott! Ich
habe den Himmel erschaffen zu Meiner Ehre und
Verherrlichung und den Himmel mit Geschöpfen gefüllt.
Ich habe die Welt erschaffen zu Meiner Ehre und
Verherrlichung und den Menschen als König dieser
Schöpfung gesetzt. Dieser Mensch, der Mein Ebenbild in
sich trägt, soll aber wissen, daß er ein Geschöpf ist,
daß Ich ihn erschuf zu Meiner Ehre und zu Meiner
Verherrlichung, und daß er nicht nur diese kurze Zeit
Mir dienen soll, diese ist ja nur die Prüfungszeit, er
soll dereinstens ewig, ewig, durch die ganze Ewigkeit
mit Mir herrschen, nicht mehr dienen, nein, herrschen
sollst du, du armes Geschöpf. Ist es da zuviel verlangt,
wenn Ich dir deinen freien Willen lasse, wenn Ich dir
sage, daß Ich dich prüfen muß? Aber du hast deinen
freien Willen, Ich beeinträchtige ihn nicht. Hier hast
du die Wahl:
Du kannst Mir dienen und ewig mit Mir
herrschen; du kannst Mir nicht dienen, dann herrsche Ich
die ganze Ewigkeit über dich. Wenn du Mir aber dienst,
wie Ich will, dann belohne Ich es dir, wie du willst.
Wenn du Mir aber dienst, wie du willst, dann belohne Ich
es dir, wie Ich will. Verstehst du Mich, Mein Kind?
Stoßt euch nicht an all den Geschöpfen, die um euch her
sind, an den eitlen, niedrigen Dingen dieser Welt. Wenn
man euch sagt, man glaubt nicht mehr solche Dinge,
längst ist die Welt über solche Dinge eins geworden,
dieses ist längst veraltet, vermodert, in Staub
zerfallen, die Menschheit ist jetzt aufgeklärt, man muß
sich an das Evangelium halten. Ja, das alles ist recht.
Die Nackten, die ganz abgestreift sind von allen
religiösen Anschauungen, die sagen, diese Dinge sind
längst vermodert und veraltet, so was hat man geglaubt,
als das Volk noch dumm war und sich von den Pfaffen
beherrschen ließ. Die Besseren, ja die Besten sagen, man
muß sich an das Evangelium halten, das von der Kanzel
herab verkündet wird, und die Gebote Gottes und der
Kirche beobachten, dieses ist der sicherste Weg zum
Himmel.
Ja, ja, Meine Kinder, für das allgemeine
Wohl ist diese Sprache gut, denn die Schwachköpfe nehmen
daran keinen Anstoß und kein Ärgernis. Starke Seelen
aber, Seelen, wie Ich sie brauche und haben muß in allem
und jedem Zeitalter, von der Erschaffung der Welt
angefangen bis hinauf zum letzten der Tage, die wissen
und glauben auch, daß Ich die Macht besitze, Mich
herniederzulassen und durch Meine Geschöpfe zu reden.
Diese Seelen sind es aber auch, um derentwillen Ich die
Schwachheiten aller Menschen ertrage.
Im Alten Bund waren es die Propheten,
die Patriarchen und alle jene frommen Israeliten, die
sich nicht abwendig machen ließen von dem Glauben an den
einen, wahren Gott. Diese glaubten auch, wenn Ich dann
durch einen Menschen zu ihnen redete. Alle übrigen aber
überhäuften diese Meine Diener nur mit Spott und Hohn.
Ja, man schleppte sie hinaus, man steinigte sie. Im
Neuen Bund sind es Meine Diener und Dienerinnen, die
alle, möget ihr lesen, wo ihr wollt, möget ihr
nachschlagen in den Büchern, wo das Leben einer solchen
Seele verzeichnet ist, in allen habe Ich auf
außergewöhnliche Weise gehandelt mit ihnen, sie alle
mußten glauben und glaubten es auch, daß Ich wunderbar
bin, daß Ich ein wunderbarer Gott bin.
Wenn Ich nun in der ganzen neuen Zeit so
sehr verkannt bin in Meinen Geschöpfen, wenn man solche
Seelen so mit Spott überhäuft, daß es fast unmöglich
ist, daß eine Seele sich noch anschließt und glaubt, daß
Ich gut bin, daß Ich es bin, Der in einer Seele wirkt,
Der sie leitet, so müßt ihr aber auch wissen, daß Ich
deswegen, weil solche Seelen so mißhandelt werden,
traktiert von allen Seiten, Ich die sonstigen
Bußübungen, die sich Meine früheren Diener und
Dienerinnen zugute taten, nicht mehr haben will, nicht
mehr verlange; denn die Menschheit ist um vieles
schwächer geworden, je näher sie ihrer Auflösung
entgegengeht. Darum, Meine Kinder, das
Allernotwendigste, was Ich von euch verlange, ist nichts
anderes als ein tiefer, lebendiger Glaube!“
Barbara:
„Mein Jesus! Mein Beichtvater ist wieder anders gesinnt.
Es scheint mir, daß er dableiben will. Er will jetzt
wieder, daß ich mit ihm rede über die Dinge, über die
ich sonst zu niemand spreche. Ach, da bin ich doch
manchmal so ängstlich, weil ich doch gar nicht weiß, was
ich tun soll, und weil ich doch mit der Kirche Schritt
für Schritt gehen will, habe ich gar so große Angst. O
diese Woche hast Du mich ganz davon befreit, aber ich
weiß, wenn Du Dich zurückziehst, dann kommt Satan wieder
mit allerlei Ängsten und Zweifeln. O sage mir doch, was
ich tun soll?“
Jesus:
„Du Närrin! Habe Ich dir nicht einen
Seelenführer gegeben? Du brauchst keinen Anstoß zu
nehmen, wenn Ich hie und da einen Meiner Diener
beauftrage, und er sich zurückzieht. Siehe, Meine Gnade
biete Ich allen Menschen an, aber keiner, der die Hand
an den Pflug legt und noch zurücksieht, taugt zum Reiche
Gottes; keiner, dem Ich Meine Gnade anbiete, der aber
zögert, das Angebotene zu tun; in diesem Fall ziehe Ich
Meine Gnade zurück und lasse dem freien Willen seinen
Lauf; weil ich den freien Willen eines Meiner Geschöpfe
nicht beeinträchtigen will. Wenn Ich nun einen Auftrag
gebe, sich deiner anzunehmen und mit der ganzen
Zärtlichkeit Meines liebenden Herzens ihm entgegenkomme,
und er es nicht tut, dann ziehe Ich Mich zurück; wenn
Ich aber drohend komme, wenn Ich warne, dann soll er
dies nicht so übel deuten, denn Ich habe die Macht in
Meiner Hand. Alle Menschen, auch diejenigen, die Ich mit
einer Würde bekleidet, sind immer noch Menschen. Die
Würde, die Ich ihnen gab, ausgenommen, haben sie ihr
persönliches Heil selbst zu wirken, jeder in seiner
Weise.
Du und dein Beichtvater und dein Bischof
sind sehr verschiedene Personen. Aber im Streben nach
Heiligkeit, im Mehren der Verdienste ist keine Ausnahme,
und dein Bischof hat die Pflicht, so gut nach Heiligkeit
zu streben wie du; und dein Beichtvater so gut wie du.
Wenn Ich ihnen also eine Gnade anbiete, und sie dieselbe
nicht annehmen wollen, haben sie die Gnade so gut
verscherzt wie du auch, wenn Ich sie dir anbiete und du
sie nicht annimmst. Aber weil du Mir zu der angebotenen
Gnade deine Zustimmung gegeben, habe Ich von deinem
Herzen sofort Besitz genommen, und es gefällt Mir, hie
und da in dich herabzusteigen und durch dich zu Meinen
Geschöpfen zu reden. Darum, Meine Kinder, freut euch,
die ihr das Glück habt, in die Nähe zu kommen, an der
Quelle zu sitzen. Seht, Ich habe Meiner Dienerin heute
früh gezeigt, welche große Zahl sich euch anschließt,
ein hübsches Häuflein, eine herrliche Prozession, wie
sie alle wachsen in der Liebe zu Mir, wie sie die Akte,
die sie von Tag zu Tag verrichten, öfter verrichten, als
wenn sie nichts wüßten von der Gnade, die Ich in dir
gewirkt.
Sieh, all die Tugendakte, die Tag für
Tag erweckt werden in den Herzen der einzelnen Glieder,
die sich an euch anschließen, werden wie eine Kette
Glied an Glied sich anreihen und durch die ganze
Ewigkeit euch allen besondere Freuden bereiten, wie Ich
dir gezeigt heute früh an deiner kleinen Nichte, wie sie
eine besondere Krone erlangte, und wie sie immer und
immer teilnimmt an der Gemeinschaft, an der
Gnadengemeinschaft und an der Gütergemeinschaft, die Ich
über euch ausgieße, und so ihre Freuden jedesmal
vermehrt werden, sie sich jedesmal mitfreut, wenn Ich
Mich euch nahe.
Und wie alle die Mitglieder deiner
Familie, die eingegangen sind in Meine Herrlichkeit,
weil sie dasselbe Blut durchströmt, jedesmal erfreut
werden, sogar die Kinder, die Ich in der Taufunschuld
abrief, so sollen alle diejenigen, die sich anschließen
an euch, in der Gnade und Liebe wachsen. Und sooft eine
Seele in späteren Zeiten die Liebesakte erweckt, die sie
in den Schriften liest, soll eure Freude vermehrt werden
im Himmel und die der Kette, der Gemeinschaft, die sich
an euch anschließt.
Wie bei einer Kette, wenn man an dem
ersten Glied eine Bewegung macht, diese Bewegung sich
hinaufzieht bis ins letzte Glied, so soll, wenn eine
Seele, die sich an euch anschließt in späteren Zeiten,
auch wenn ihr schon eingegangen seid in Meine
Herrlichkeit, jedesmal eine neue Freude sich erfüllen
von Ewigkeit zu Ewigkeit. Saget dieses Meinem Diener,
daß er nicht müde werde; denn daran ist die Verheißung
geknüpft, daß ihr ausharrt bis ans Ende. ‚Auf daß wir
würdig werden der Verheißungen Christi!‘ Seht, dieses
kleine Wörtchen, das ihr in den letzten Abenden in den
Maipredigten gehört, wird so wenig beherzigt, und doch
sind die Verheißungen, die Ich dort Meinen Jüngern gab,
Meinen Aposteln, für alle Menschen gegeben, auch für
euch.
Und die Verheißungen, die Ich jetzt gebe
für dich, Meine Kleine, sind dieselben Verheißungen, und
sie werden so gewiß in Erfüllung gehen, so gewiß alle
diese in Erfüllung gehen, die Ich damals Meinen Jüngern
gab, und die sich erfüllen werden, solange ein Mensch
auf Erden lebt. Und doch werden diese Verheißungen von
so wenigen beachtet und beherzigt. Daran nehmt euch ein
Beispiel. Seht, Ich war der Eingeborene Sohn des Ewigen
Vaters, Gott von Gott, das wahre Licht, das da hereinkam
in die dunkle Erde. Und doch sind es so wenige, die
dieses Licht in sich aufnehmen, die es verstanden, die
Meine Worte verstanden. Wundert euch also nicht, wenn
selbst Meine Apostel, die Tag für Tag mit Mir umgingen,
auch wenn Ich ihnen noch so schöne Belehrungen gab, wenn
Ich ihnen die Schönheiten des Himmels, die
Glückseligkeit eines Seligen offenbarte, Mich mit großen
Augen anschauten, sobald Ich das letzte Wort gesprochen,
und alles wieder vergessen hatten und einen ganz anderen
Begriff von der Verheißung hatten, die Ich ihnen gab.
Also wundert euch nicht, wenn so wenige
euch verstanden, selbst diejenigen nicht, die Meine
Apostel auf Erden sind, und doch ist es wahr, daß Ich es
bin, und doch ist es wahr. Wenn der Schleier fällt,
werden sie alle es erkennen, für euch aber ist und
bleibt das Verdienst des Glaubens. Glauben, sonst
verlange Ich nichts von euch! Deine Nichte hat dir nicht
umsonst gesagt: ‚Liebe Tante, wie glücklich, daß du
geglaubt hast. Sieh meine Glückseligkeit, und die deine
und die deiner Freundinnen wird eine viel größere.‘“
Barbara:
„Mein lieber Jesus! Umschließe doch N. fest mit Deiner
Liebe, gib ihr doch die Gnade der Beharrlichkeit.“
Jesus: „Mein
liebes Kind! So wahr Ich bin und deine Seele an Mich
ziehen will, so wahr ist es aber auch, daß Satan um
deine Seele streitet, daß er die Liebenswürdigkeit
Meines Dienstes dir verleiden will und verleiden möchte,
daß alles, was er dir vorstellt, nichts ist. O ergreife
die Gnade, die Ich dir anbiete, und du wirst sehen, wie
die Schuppen dir von den Augen fallen.
Ich verlange nicht zu viel von dir,
nicht, daß du deine Stellung wechseln sollst, nicht wie
die Einsiedler bei Wasser und Brot hinausgehen sollst
aus der Welt. Ich verlange nur ganz wenig, und was Ich
verlange, ist nicht zu viel. Ich muß Opfer verlangen von
den treuen Kindern, von den Kindern Meines Herzens.
Siehe, als der Jüngling zu Mir kam und Mich fragte:
‚Herr, was soll ich tun, um das ewige Leben zu
erlangen‘, und Ich ihm sagte: ‚Halte die Gebote‘, da
antwortete er Mir: ‚Diese habe ich von Jugend auf
beobachtet‘. Als Ich ihm dann weiter sagte: ‚Willst du
Mir treuer dienen, so gehe hin und verkaufe alles, was
du hast, und gib es den Armen, und dann komme und folge
Mir nach‘, da ging er traurig hinweg; denn er war reich
und konnte dieses nicht. Du aber, Meine Kleine, sollst
nicht traurig hinweggehen. Ich verlange nicht, daß du
alles verlassen sollst. Aber wenn Ich eine Kleinigkeit
von dir verlange, dann sei dir dies nicht zu viel. Ich
werde dir alles ersetzen, was dieses kleine Opfer dich
kostet.
Siehe, Satan malt dir alles so vor, weil
er dich umstricken will, weil er dieses Licht dir nehmen
will. Im übrigen, ihr alle Meine Kinder, ist doch Mein
Joch süß und Meine Bürde leicht. Werdet nicht mutlos,
ihr alle, die ihr euch anschließt. Seht nicht auf jene,
die eine Zeitlang Mir folgen und dann wieder
zurücktreten. Nehmt euch an Meinem Diener N. ein
Beispiel.
Seht, das glaubte man nicht. Und doch
habe Ich es Meiner Dienerin gezeigt, als er noch in
vollster Blüte seiner Herrlichkeit strahlte, als er noch
stand in der ganzen Würde, daß er am Pförtchen stand, um
einzugehen in Meine Wohnung, aber er schaute zurück.
Durch diesen Rückblick wollte Ich Meiner Dienerin
zeigen, wie gefährlich es ist, wenn man sich einer Gnade
entzieht. Seht, was aus ihm geworden ist. Er geht nicht
verloren um deines Gebetes willen, um der Tränen willen,
die du vergießest. Wehe aber denjenigen, die die Gnade
nicht ergreifen; denn alle, die mitgeholfen, daß er
dahin kam, sie alle werden es büßen. Ich werde sie es
fühlen lassen, denn die Finsternis, die ihren Geist
umlagert, daß sie nicht sehen, ist auch eine Strafe,
obwohl sie ihr Heil wirken, aber sie müssen es in Furcht
und Zittern viel mehr als andere wirken. Und nun lebt
wohl, Meine Kinder, und freuet euch am heutigen Fest.
Lieschen, Ich tadle dich!“
Barbara:
„Warum denn, mein Jesus? Ja, Du tadelst uns alle, ja,
ich weiß, wir haben alle unsere Fehler, und ich, o mein
Jesus, ich weiß es, verzeih, o verzeih. Gelt, wir sind
manchmal nicht einig genug?
Jesus: „Ja,
das ist es, was Ich tadeln will. Dreifach in Personen,
aber einfach im Wesen. Versteht ihr Mich? Einfach in der
Gesinnung wie der Vater und Ich und der Heilige Geist,
dreifach in Personen. Man tadelte das Wort, als ob ihr
euch als die Dreifaltigkeit hinstelltet. Und doch ist es
so, daß, wenn Ich drei Personen zusammenführe und eines
und dasselbe mit ihnen vorhabe, die Gesinnung ein und
dieselbe sein muß. Ich tadele euch alle drei. Aufrichtig
müßt ihr sein gegeneinander, nicht anders reden, als wie
das Herz denkt. Und auch du, Meine Luise, und auch du,
Meine Kleine! Man tadelt an dir, daß du so offen, so
frei redest. Unter anderen Menschen sollst du dich wohl
hüten, aber daß du offen und frei redest unter deinen
Freundinnen, daß sie sich auskennen, ist nicht zu
tadeln, und so sollst du auch bei deinem Beichtvater und
Seelenführer nicht anders reden, als wie das Herz denkt.
Merkt es euch, ihr sollt vielen Menschen
zum Vorbild werden. Deswegen verlange Ich so wenig.
Weniger kann Ich als Gott nicht verlangen. Ich verlange
nicht, daß du dein Vermögen verschleudern sollst, was
Ich aber verlange, kannst du tun; etwa wenn Ich dir
sagen lasse durch Meine Kleine, daß du dir manchmal ein
Vergnügen versagest – es ist auch ein Vergnügen, wenn du
so viel Geld umsonst ausgibst, was die Leute nicht
beachten –, um dir dieses Geld zu ersparen und zu
verdienen für einen Zweck, den Ich dir sage. Im großen
Ganzen werde Ich sonst nichts verlangen, wie Ich auch
bisher nie tat, und auch Meine Dienerin wird dir nie
lästig sein. Sie wird in ihrer Familie stehen, wie Ich
es haben will, ebenso Lieschen und du. Im übrigen aber
will Ich alles geregelt wissen. Und nun lebt wohl! Wenn
Ich auch manchmal eine ernste Sprache rede, bin Ich doch
derselbe liebende Vater, derselbe liebende Bräutigam,
Der Seine Kinder liebt mit unaussprechlicher Liebe, Der
Seine Braut umarmt mit dem Kuss des Friedens.“
Barbara:
„Mein Jesus! Ich danke Dir für das unaussprechliche
Glück. O nimm mich ganz hin, reiß mich los von allem,
was in der Welt ist. Wie verlangst Du gar so wenig von
uns. O nimm mich hin; meine Seele mit all ihren Kräften,
meinen Leib mit seinen fünf Sinnen, mein Herz mit seinen
Neigungen. Ich danke Dir auch im Namen meiner zwei
Freundinnen. O ihr heiligen Jungfrauen, ich grüße euch
alle durch das süßeste Herz Jesu Christi, besonders
Dich, Du Königin der Jungfrauen! O liebe Mutter Gottes!
Sage Dank meinem Jesus für alle die Gnaden, die Er mir
an diesem Abend wieder erwies. Ja, ich will ausharren,
mit Deiner Gnade ausharren. O steht mir bei, und ihr
alle, ihr Diener Gottes, seid mir gegrüßt! O mein Jesus!
Gib mir ein Herz so groß und weit wie die ganze Welt,
zerteile es in so viele Stückchen, als es Menschenherzen
gibt. Gib mir eine Zunge wie die der Seraphim und so
viele Zungen, wie es Menschenzungen gibt, um Dein Lob zu
verkünden. O gib mir so viele Akte des Glaubens, als
böse Gedanken heute wieder erweckt werden, um alle die
bösen Gedanken zu übertönen durch all die guten Gedanken
des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe. O mein Jesus,
im Allerheiligsten Sakrament wahrhaft gegenwärtig, ich
bete Dich an. Nimm hin meine Seele mit all ihren
Kräften, mein Herz mit all seinen Neigungen, meinen Leib
mit seinen fünf Sinnen.
Niemals werde ich mich Deiner Gnade
entziehen. Komme nur! Im Namen aller Menschen werde ich
mich Dir opfern. Niemand soll ausgeschlossen sein von
meiner Liebe, wie auch kein Mensch ausgeschlossen ist
von Deiner Liebe. Ganz besonders empfehle ich Dir die
Seelen, die sich uns anschließen, und die Dich auf
besondere Weise zu lieben verlangen, und alle Verwandte
und Bekannte und alle, die uns noch fernstehen, die
nicht begreifen, wie gut Du bist. Ganz besonders bitte
ich Dich für meine Neffen und Nichten, die jetzt hinaus
müssen. O erbarme Dich, erhalte doch den guten Sinn! O
mein Jesus! Der arme Junge muß seine Heimat verlassen, o
wie hat er mir doch so lieb geschrieben. Laß nicht zu,
daß sein Herz verdorben geht. Du hast ihnen so viele
Kinder gegeben, die können sie unmöglich alle zu Hause
behalten. Darum sorge Du für sie. Ich vertraue auf Dich.
Ja, ich weiß, daß Du für sie sorgst.“
Maria: „Meine
Tochter! Habe keine Angst! Die Kinder deiner Geschwister
sind brav, gut und fromm und sind fleißig. Sie wollen
ihr Brot verdienen und verdienen es auch. Und wo der
Fleiß mit Frömmigkeit gepaart ist, da kann eine Seele
nicht irregehen. Habe keine Angst um sie. Ich habe dir
längst versprochen, daß sie alle unter Meinem
Schutzmantel geborgen sind. Keiner von ihnen wird je
darben, auch wenn sie noch so zahlreich sind. Brigitte
ist eine brave Ehefrau.“
Barbara: „O
liebe Mutter! O nimm doch auch N.
unter deinen Schutzmantel. Du hast ihr auch die
Gesundheit versprochen und wirst Wort halten, nicht
wahr?“
Maria: „Ganz
gewiß, Mein Kind! Der Kummer und die Ängste, die Satan
dir beibringt, machen dich krank. Je freier aber dein
Herz wird, desto gesünder wirst du. Ich verspreche es
dir, Meine Tochter! Schließe dich an deine Freundin an;
siehe, nicht umsonst hat Mein Sohn dich herbeigeführt.
Du wirst zu einer Freiheit des Herzens gelangen, und
diese Freiheit wird bewirken, daß du viel gesünder
wirst. Geh über alles hinweg. Erst mußt du verdienen,
Mein Kind.
Siehe, du hast Meinen Sohn beleidigt,
und du mußt erst verdienen, erst Verdienste dir
erwerben, und dann, Mein Kind, bedenke, wie groß die
Glorie und Freude deines Herzens sein soll, wenn du dich
einmal ganz angeschlossen, wenn Ich dich mit Meiner
Gnade besuche. Und du wirst noch fühlen, wie gut Ich
bin, daß Ich wirklich und wahrhaft deine Mutter bin, daß
Ich dir Vater und Mutter und Bruder und Schwester
ersetze.
Grüßt Mir auch Mein Lieschen und N., die
Jungfrauen in Neuwied, in Bayern droben, in
Ehrenbreitstein, in Aachen und alle, die eifern für
Meine Ehre. Denn im Maimonat wird Mir viel mehr Ehre
erwiesen von allen denjenigen, die wissen, daß Mein Sohn
es wünscht, daß Ich, Seine Mutter, von den treuen
Kindern, die Ihn lieben, recht geehrt werde. Singt Mir
noch ein liebes Liedchen zu Meiner Ehre; denn der Himmel
ist heute sehr erfreut. Es ist ja das Freudenfest, wo
Mein Sohn eingezogen ist in die lichten Räume.“
Barbara: „Ich
danke Dir, mein Jesus, für das unaussprechliche Glück,
daß Du mich heimsuchst in dieser heiligen Stunde. Ich
bete Dich an aus dem Abgrunde meines Nichts, ja,
wirklich aus dem Abgrunde meines Nichts. O warum bin ich
denn so traurig? Hast Du doch so oft gesagt, daß das
Pfingstfest ein Freudenfest sei, weil heute die junge
Kirche gegründet wurde. O verzeihe mir bitte, daß ich
Dir heute so wenig Liebesakte entgegenbrachte. Ich weiß
nicht, woher es kommt, daß ich gar so armselig bin. O
mein Jesus, verzeihe mir! Gelobt sei Jesus Christus!“
Jesus:
„Kommt, Meine Kinder, mit Mir in den Abendmahlsaal, wo
Meine heilige Mutter und die Apostel und die Mir treu
gebliebenen Jünger versammelt sind. Warum haben sie sich
wohl hierher geflüchtet und zusammengeschart? In erster
Linie freilich, um sich vorzubereiten auf die große
Gnade, die ihnen zuteil werden soll, aber auch, weil sie
sich fürchteten, weil Schrecken sie erfaßte. Verfolgt,
verachtet und geschmäht von allen Seiten, von klein und
groß, von hoch und niedrig, fühlen sie sich eingeengt,
und der Gedanke regt sich in ihnen, ob sie wohl, weil
sie doch die einzigen seien in der ganzen Welt, die an
Jesus, den Nazarener, glauben, sich nicht auch auf einem
Irrweg befänden. Seht, Meine Kinder, dies ist auch die
Ursache, warum ihr so mutlos seid. Ein Sinnbild der
jungen Kirche. Wie damals Meine heiligen Apostel und
Meine Jünger, die Mir treu anhingen, von allen Seiten
nur Schmach und Verachtung und Verfolgung zu ertragen
hatten, warum soll es denjenigen, die Ich bestimmt habe,
das Glaubensleben zu erneuern in so vielen, vielen vom
rechten Weg abgewichenen Christen, warum sollte es ihnen
anders gehen? Werdet nicht mutlos, Meine Kinder,
vertraut auf Mein Wort. Niemand kann sagen ‚Herr Jesus‘
außer im Heiligen Geist.
Wenn Ich Mir nun ein Werkzeug erwähle,
dem Ich die Schätze Meiner Liebe offenbaren will, dann
ist dieses eine außerordentlich große Gunstbezeigung
Meinerseits, und für ein so unwürdiges Geschöpf eine
große Gnade, eine große Gnadenerweisung. Darum muß ein
solches Wesen geübt sein im Leiden, geübt werden, damit
es nicht etwa sich selbst die Ehre gebe, die Ehre sich
aneigne. Seht hinein in die Gesellschaft, in die alte
Kirche, nicht in die junge Kirche wie damals, als das
erste Pfingstfest gefeiert wurde. Zwar ist die Kirche
längst gegründet, veraltet ist sie in der
Weltgeschichte, aber nicht allein in der Weltgeschichte,
auch unter denjenigen, die heute noch Christen sein
wollen. Sie fangen an, allmählich sich mitreißen zu
lassen in den Strom der Zeit, den Ich euch längst schon
vorhergesagt.
O tut doch die Augen auf, Meine Kinder,
und seht euch um unter euren liebsten Freunden, wie der
Geist der Welt in sie hineindringt, ohne daß sie es
merken, wie er sie unbemerkt mit sich fortreißt. Wo soll
da noch eine tiefe Frömmigkeit sein, ein tiefer,
lebendiger Glaube? Seht hinein in Meine Kirche: Die
große Verwirrung der Geister! Fast scheint es, als
wollte sich alles auflösen, alles sich widersprechen.
Aber werdet nicht mutlos, vertrauet auf Mich. Dieses,
was Ich schon längst vorhergesagt, geht nach und nach in
die Wirklichkeit über. Es braucht nicht Blut zu fließen
und doch wird Krieg sein. Wie der erste Streit, der im
Himmel vor sich ging, der furchtbarste war, der je sich
in der Schöpfung vollzog; so ähnlich ist der Kampf, der
entbrannt ist in der Welt unter den Geistern. Der Geist
der Finsternis streitet mit dem Engel des Lichtes, und
die guten, gläubigen Katholiken können und dürfen sich
nicht viel nach rechts und links umsehen, sonst werden
sie irre!
Einer nach dem anderen wirft sich auf in
der Kirche und gibt vor, eine Erneuerung, eine
Kirchenerneuerung herzustellen, einen Schafstall und
eine Herde zu bilden, aber nur, um seine Interessen an
den Mann zu bringen. Was sie beabsichtigen, stellt sich
bald heraus. Sobald sie anfangen sollen, das Kreuz zu
tragen, da ist es aus mit ihrer Erneuerung, dann fallen
sie ab; aber ein abgetötetes, zurückgezogenes Leben
führen, Verachtung und Verspottung zu ertragen, am
letzten Platz sein wollen, dazu will niemand mehr sich
hergeben, und doch ist es das, was Ich euch lehren will
und warum Ich gerade über euch so vieles kommen lasse,
so viel Unangenehmes, so viel Kreuz, um allen, die sich
an euch anschließen, ja allen, die noch gute Christen
sein wollen, den Weg zu zeigen, den Ich gegangen bin.
Aufwärts die Herzen, dunkel ist der Weg, und je mehr die
Welt abgewichen, je mehr die guten Christen sich mit
hineinziehen lassen in den Strom der Zeit, desto dunkler
wird er.
Aber gerade dieses ist es ja, was euch
Sicherheit geben soll. Ich habe euch gezeigt, in Meiner
kleinen Dienerin, welches Kreuz Meine Kirche schleppt,
und daß Ich euch und allen, die sich anschließen, dieses
Kreuz auf die Schulter legen will. Ich habe ihr aber
gesagt, daß Ich es ohne ihren Willen nicht tun werde.
Ich verlangte ihre Zustimmung, weil der Weg ein gar
dunkler und harter ist; aber Mein Wohlgefallen ist es,
daß ihr ihn geht. Seid ihr zufrieden, Meine Kinder?“
Barbara: „Ja,
liebster Jesus, mit Freuden!“
Jesus:
„Pfingstfest ist ein Freudenfest, aber eure Freude soll
nicht sein wie die der Weltkinder. Darum ist sie so
getrübt mit Leiden und Wirren, innerlich und äußerlich.
Ihr müßt das Kreuz schleppen helfen, das Meine
jungfräuliche Braut schleppt. Seht, ihre Kinder, wie sie
sie treulos verlassen, Meine hochheilige Braut; seht,
wie ihre Kinder in diesen Tagen nach allen vier Winden
hin sich bewegen, wie sie nur ihre Vergnügen suchen, wie
sie an alles denken, nur nicht an Mich. Wo bleibt der
Dank, der Mir gezollt werden soll, daß Ich ihnen nicht
nur Mich Selbst, Mein heiliges Fleisch und Blut zum
Pfand dahingab, nicht nur, daß Ich bei ihnen sein will
alle Tage bis ans Ende der Welt, habe Ich noch Meinen
Geist gesandt vom Himmel herab. O dieses undankbare
Geschöpf!“
Barbara: „O
mein Jesus, o mein Jesus! Du bist so traurig! O verzeihe
mir, daß ich Deine Sprache immer noch nicht verstehe,
daß ich immer, wenn solche Zeiten kommen, so mutlos bin
und nicht weiß, daß Du es bist, daß ich nur das Kreuz
Dir tragen helfen muß. O ich undankbares Geschöpf! O wie
erkenne ich heute abend, daß dies der Schmerz ist, den
Du mich fühlen läßt! O ihr alle, die der Herr erwählte,
teilzunehmen an der Freude in dieser heiligen Stunde, o
kommt und tragt den Schmerz mit mir. O der Herr ist
bedrängt. O mein Jesus, wie ist Dein Herz so bedrängt
über Deine treulosen Kinder!“
Jesus:
„Deswegen verlange Ich von euch, Meine Kinder, daß ihr
euch um alles, was euch heilig ist, nicht in Verwirrung
bringen lasset. Solange ihr nichts suchet als Mein
Wohlgefallen, Meine Freude, Meine Ehre, braucht ihr euch
nicht zu ängstigen. Nur dann fangt an, euch zu
ängstigen, wenn ihr eure Bequemlichkeit, eure Ehre, eure
Freude suchen wolltet, was Ich von euch nicht erwarte.
Deshalb will Ich nicht, daß ihr noch einmal etwas bei
einem Meiner Diener verlauten lasset, außer bei deinem
Seelenführer. Es muß erst eine andere Zeit kommen. Die
Gesinnungen der Menschen werden sich ändern; sie werden
alle glauben, wenn einmal die Früchte gereift sind,
sowohl Meine Frucht, wie die Früchte der Weltkinder.
Jene reifen, Meine Frucht reift aber auch. Meine Frucht,
die Ich in euch niederlege, die jetzt erst in die Erde
gelegt wird, dann aufsproßt und grünt und blüht und zur
Reife kommt. Die Früchte der Weltkinder sind aber schon
aufgesproßt. Sie liegen schon längst in der Erde und
sind jetzt größer geworden; sie sind schon an der Reife,
und man wird bald Ernte halten.
Versteht es nur! Durch die
Gewalttätigkeit der Menschen, womit sie alles Gute aus
den Herzen der Menschenkinder herausreißen wollen und
wollten, ist das Menschengeschlecht verderbt worden, und
alles will nichts mehr nützen. Wenn Ich jetzt noch den
Himmel verließe und herabstiege auf die Erde, und wenn
Ich Mein Kreuz nach Golgotha hinaufschleppte und an
demselben Mich annageln ließ und sterben würde für
dieses Menschengeschlecht, man würde dennoch nicht
glauben. Es ist das neue Heidentum, in das ihr
hineingestellt seid, und das alte Judentum: Das neue
Heidentum, indem man nichts sucht als nur den Himmel auf
Erden in der Vergnügungssucht, in Geld und Gut; das alte
Judentum, indem man die Lehre vom Gekreuzigten nicht
annehmen will, weil man es für zu kleinlich hält, Meinen
Geist zu erkennen, da wo Er weht.
Die Juden erwarteten wohl einen Messias,
aber einen Messias nach ihrer eigenen Meinung, der sie
zu Glanz und Ehre bringen sollte; ebenso erwartet man
auch jetzt noch unter den besten Kindern Meiner Kirche,
daß es Heilige gibt, aber man malt sich diese Heiligen
so aus, wie sie einem passen sollen. Sie sollen sich
einem jeden anpassen nach seinem Geschmack und nach
seinem Willen; dann wollte man schon glauben, daß Ich
noch dieselbe Macht habe, wie seit der Erschaffung der
Welt, und daß Ich noch derselbe gute Gott bin wie seit
Erschaffung der Welt, Der die Menschen retten will, Der
Sich durch Seinen Geist vervielfältigt in den Herzen der
Menschen, aber dann soll eine solche Person aus
vornehmer Familie stammen. Sie soll eine gebildete
Person sein, niemand soll ein schiefes Licht auf sie
werfen können, sie soll an einem Ort wohnen, wo niemand
sie schauen und beobachten kann. Gerade dies alles ist
aber verkehrt wie bei den Juden die Erwartung des
Messias.
Wenn Ich dir, Mein Freund, eine Seele
vorstelle, die Ich herausgenommen aus der untersten
Klasse von Menschen, die Ich mitten in die Welt
hineingestellt, in das Getriebe der Weltkinder und sie
mit Meiner Gnade überhäufe, so daß sie in Meinen Augen
Mir ein angenehmes Opfer ist, so will Ich dadurch euch
zeigen, daß Ich gerne alle Menschen retten möchte, nicht
nur die, die in den Palästen wohnen, die sich hinter die
Klostermauer zurückgezogen, die Ich mit einer Würde
bekleidet habe, nein, nein, Mein Freund: Ich will alle
Menschen retten, und damit niemand eine Ausrede habe und
niemand sagen kann, das Christentum verlangt zu viel,
ich kann dies nicht.“
Barbara: „O
mein Gott, wie glücklich!“
Eben fängt die Musik an zu spielen.
Barbara sang: Ehre sei Gott in der Höhe, Friede den
Guten auf Erden.
„Lob, Ehre und Preis und Anbetung, Dank
Dir, Du großer Begnadigter, König des Himmels,
Allmächtiger Herr, Eingeborener, Jesus, Gesalbter, Gott,
Du Lamm Gottes, des Vaters Sohn.“
Ein Freudenmahl wird bereitet, ein Thron
wird hergerichtet. O mein Gott!
Der ganze Himmel beteiligt sich
an der Festlichkeit.
„O glorreiche Himmelskönigin, o Du
allerreinste Braut des Heiligen Geistes! Ich grüße Dich
im Namen aller Geschöpfe. Ich grüße Dich in Vereinigung
mit den Cherubim und Seraphim und dem ganzen himmlischen
Hof. O Du allerreinste Braut des Heiligen Geistes, o
gewähre mir doch die ganz besondere Gnade, daß ich nicht
wanke in all den Finsternissen, die mich noch
überfallen. O glückseligste Mutter meines allerliebsten
Jesus! O ich danke Dir, mein Jesus! Ist es wirklich
wahr, daß Du so gut bist? Also waren es lauter Geschenke
Deiner Liebe. O ich danke Dir!
O mein Jesus, o mein Jesus! Du würdigst
Dich, mir zu nahen. O betet mit mir an! Ich will nichts
von Dir, mein Geliebter, als die Beharrlichkeit und Dich
die ganze Ewigkeit, und für alle, die sich mit mir
vereinigen, die Gnade der Beharrlichkeit und Deinen
Besitz in alle Ewigkeit. Führe mich in den tiefsten
Abgrund, aber bleibe Du bei mir. O ihr glücklichen
Menschen, die ihr glaubt, daß der Herr gut ist. Er ist
wirklich gut. Unaussprechlich gut bist Du, mein Jesus! O
meine Seele ist eingegangen in die Geheimnisse Deiner
Liebe, sie ist eins geworden mit Dir. O Maria, o meine
Mutter, Du allerreinste Braut des Heiligen Geistes,
glückselig bist Du, daß Du geglaubt hast!“
Maria:
„Glückselig bist auch du, daß du geglaubt hast, und
alles, was der Herr dir sagen wird, wird in Erfüllung
gehen. Glückselig seid ihr alle, Meine lieben Kinder,
wenn ihr euch anschließt, aber vernachlässigt keine
eurer Pflichten, keine, auch nicht die geringste
Religions- und Standespflicht.
Seht auf Mein Beispiel. Ich war die
Mutter und bin die Mutter des Erlösers, und kommt in das
kleine Häuschen, das Ich bewohnte, was ihr da findet:
Häuslichkeit und Frieden, Tag für Tag. In der Nähe
Meines Sohnes verlebte Ich Meine Tage, aber niemand
brauchte es zu wissen, daß Ich in der Nähe Meines
göttlichen Sohnes war. Wie still und verborgen zog sich
Mein Leben dahin, still und verborgen soll auch das
eurige dahinfließen: Gutes tun, wo ihr könnt, wenn Mein
Sohn ein Scherflein verlangt von euch, es Ihm nicht
versagen. Wenn Er verlangt, wenn die Nächstenliebe es
erheischt, ein Werk der Barmherzigkeit zu üben, dann
tut, was in euren schwachen Kräften steht.
Wenn ihr jemand eine Freude, auch wenn
sie noch so gering ist, machen könnt, dann setzt eure
Bequemlichkeit hinten an. Seht, das ist das
Familienleben des kleinen Häuschens von Nazareth, dessen
Vorbild Ich bin, jetzt, wo man schreit in allen vier
Himmelsrichtungen: Nieder mit allem Übernatürlichen,
nieder mit Offenbarungen und Wunderglauben! Laßt diesen
Sturm vorübergehen, es wird bald anders werden.“
Lied: Hochpreiset ...
Jesus:
„Freuet euch, Meine Kinder! Freuet euch! Morgen, wenn
ihr zum Tisch des Herrn geht, dann legt alle Trauer ab;
denn die Novene ist vorüber, die Vorbereitung auf das
hochheilige Pfingstfest. Die Kirche hat eine eigene
Novene eingeführt, um die Gläubigen hinzuweisen auf das
große Glück, das Ich ihnen am Pfingstfest übergab, und
weil so wenig Menschen sich erinnern an diesen
glücklichen Tag und diesen Freudentag so wenig schätzen,
darum hat Mein Statthalter, der römische Papst, alle
Kinder der katholischen Kirche aufgefordert und sie
genötigt, sich zu erinnern an dieses hochheilige Fest.
Und weil aber weitaus die meisten Christen sich doch
nicht beteiligen und der Stimme Meines Stellvertreters
Gehör schenken, müssen diejenigen, die eng mit Mir
verbunden sind, Meinen Schmerz mitfühlen.
Nun geziemt es sich aber nicht, daß die
treugebliebenen Kinder immer trauern sollen; sie sollen
auch hie und da ein Freudenfest mitfeiern. Und ihr alle,
Meine lieben Kinder, sollt teilnehmen an diesem
Freudenfeste. Darum geht hin, morgen früh, laßt es euch
nicht zuviel sein, eure Sünden euch abzuwaschen im
Beichtstuhl und am heiligen Tisch zu erscheinen. Ich
verspreche euch ganz besondere Vergünstigung. Ihr sollt
alle die Gnade des Heiligen Geistes in wirksamer Weise
fühlen. Auch werde Ich niemals zulassen, daß eines von
euch in solche Verwirrung gerät, daß es sich nicht mehr
erinnern könnte und glauben könnte, daß Ich es bin, Der
in Meiner kleinen Dienerin redet; auch wenn noch so viel
euch zugeredet wird und es euch scheint, als könntet ihr
nicht mehr glauben, wird immer noch ein kleines
Flämmchen bleiben.
Wo alle abfallen werden, werdet ihr
nicht zurücktreten; denn die nächsten Angehörigen sind
immer die ersten, in erster Linie nehmen sie teil an den
Gnadenschätzen, die der Himmel ausgießt über Seine
Schöpfung, wie auch Meine heilige Mutter, Mein heiliger
Nährvater am reichsten mit Gnaden überschüttet worden,
und wie an all denjenigen, in denen Ich noch Großes
wirken wollte, ihre nächste Umgebung den meisten Anteil
hatte, so auch ihr, die Ich euch dazu gestellt. Es ist
wahr, daß Ich es bin, wenn es auch noch so unscheinbar
vor sich geht.“
Barbara:
„Mein Jesus! Ich bitte Dich noch für die lieben Armen
Seelen. Gib mir doch auch eine Freude. Schenke mir den
armen, jungen Menschen, der die vorige Woche gestorben
ist. Mein Jesus! Mache doch auch N. wieder gesund; gib
ihn seiner Mutter wieder. Sieh, wie sie so ganz und gar
umgestellt sind, wie offen all ihr Kummer gelegt ist. O
mein Jesus! Ich bitte Dich, hilf ihm auch, wie Du auch
den anderen Kranken geholfen hast.“
Jesus: „Ja,
weil Ich sie retten will, weil Ich sie an Mich ziehen
will, deswegen muß Ich mit Kreuz kommen.“
Barbara: „O
gib mir die Armen Seelen, die meinem Gebet empfohlen
sind. Gib mir Weihwasser für die Armen Seelen. O Jesus,
durch Dein teures Blut und durch das geweihte Wasser
reinige sie von ihren Strafen. Ich opfere Dir auf den
ganzen Gnadenschatz der heiligen Kirche und alle die
Verdienste, die Deine heilige Mutter sammelt, wenn die
Gnaden von den Christen nicht benutzt werden in der
heiligen Messe. Ich bitte Dich, meine liebe Mutter, nimm
diese Gnaden heraus und teile sie unter den Armen Seelen
aus, und so viele, als Gnaden fließen und als heilige
Kommunionen empfangen werden, so viele Arme Seelen bitte
ich, daß Du mir schenken wollest. Schenke mir besonders
die Arme Seele N.“
Jesus: „Den
kann Ich euch nicht schenken; er hat noch viel, viel zu
leiden. Ihr müßt wissen, Meine Kinder, wenn Ich
freigebig bin, sind nicht alle gemeint; ihr müßt nicht
glauben, daß damit das ganze Fegefeuer leer wird, wenn
Ich sage, alle Seelen vom Deutschen Reich will Ich dir
schenken; das sind diejenigen, die am nächsten an der
Erlösung stehen, die sich Meiner Gnade und Liebe durch
gute Werke würdig gemacht haben, diese Seelen sind
gemeint. Und wenn jemand zweifeln und Anstoß nehmen
wollte, wenn Ich sage, alle Seelen vom ganzen Deutschen
Reich, dann sind daran noch viele Hindernisse, noch
viele Häkelchen hat dieses Wort, wie am Evangelium,
worin für euch auch manches unverständlich ist.
Darunter sind viele, an die niemand mehr
denkt, und sie aus dem Fegefeuer befreit. Weil aber
niemand da ist, der für sie bittet, so erwähle Ich Mir
eine Seele, die die Gnaden hinüberleitet, und diese muß
für alle anderen bitten und beten, und der Gnadenschatz
fließt dann über alle diese Seelen, und sie gehen ein in
Meine Freude. Ich schenke euch alle diejenigen, die ihr
Mir genannt, alle, die sich Meiner Gnade würdig gemacht
haben, und die in diesem Festkreis gestorben sind von
Ostern bis Pfingsten, alle Seelen im ganzen Deutschen
Reich, aber nur diejenigen, die Ich euch genannt, damit
ihr nicht irre werdet und glaubet: Alle ohne
Unterschied.“
Dienstmädchen Anna: „Schenke uns auch den Bischof Krementz
von Köln.“
Jesus: „Recht
so, Mein Kind!“
Barbara: „O
ein Kirchenfürst! O welche Wonne ist es doch, so
ausgießen zu können Deinen Geist. Liebe Mutter, wie bist
Du doch so gut! Wie ist Sie so eifrig, die Gnaden
auszuteilen, die Sie gesammelt. O wenn ihr wüßtet, was
für Gnaden geknüpft sind an die Feste der Kirche. O wie
glücklich seid ihr! Der Himmel ist geöffnet, und wie ein
milder Regen, so strömen die Gnaden herab über uns und
über den Reinigungsort, über die leidende Kirche. Die
leidende Kirche ist zu einer triumphierenden Kirche
geworden. Die streitende Kirche hat sich vereinigt mit
der triumphierenden Kirche, und die streitende Kirche
feiert das Fest, das seinen Anfang genommen, fort, bis
die Festoktav vorüber ist, und die triumphierende Kirche
vervollkommnet das Fest.
Und die leidende Kirche, wie freut sie
sich, nimmt sie teil an dem Gnadentau. O himmlischer
Gnadentau, o falle über uns herab! O liebe Mutter, jetzt
teile aus, jetzt sei freigebig, alle die Ave, die
Rosenkränze, die gebetet wurden, o leite sie hinein,
befreie sie, all die Armen Seelen vom ganzen Deutschen
Reich, die sich der Gnade und Liebe Gottes würdig
gemacht haben im Leben. O gib uns N. und N.“
Maria: „Meine
Kinder, sagt Mir: ‚Gib uns jene Seelen, die Du befreien
kannst und willst, die Dir am liebsten sind‘, und übt so
einen Akt des Gehorsams. Seht, das ist Mir lieber, als
wenn ihr euren Eigenwillen durchsetzen wollt.“
Barbara: „O
gib uns doch den Kirchenfürsten. O meine liebe Mutter,
führe ihn heraus.“
Jesus: „Seht,
Meine Kinder, dies ist das große Geheimnis, woran viele
noch irre werden. Man will nicht begreifen, daß Ich so
freigebig bin. Man sagt, die Kirche habe doch den
größten, den mächtigsten Arm, das heilige Meßopfer sei
doch das vorzüglichste Opfer. Ja, ja, Meine Kinder, das
ist alles wahr und richtig. Aber seht, welch ein
Unterschied ist zwischen einem recht lebendigen Glauben
und einem phlegmatischen Glauben. Das heilige Meßopfer
ist und bleibt das größte Opfer und das einzige, wodurch
der Menschheit Gnaden erwiesen werden können, und der
leidenden Kirche im Fegefeuer geholfen werden kann.
Meine Verdienste allein reichen hin.
Wenn aber keine Seele da ist, die mit
lebendigem Glauben Mir die Güte herauszwingt aus Meinem
Herzen, die die Gnaden herausleitet, die Meine
Barmherzigkeit hervorlockt und ihr Gewalt antut, dann
bleiben die Gnaden unbenutzt. Man muß Mir Gewalt antun,
man muß die Gnaden hinzuleiten und zu opfern wissen, und
nicht nur ein Opfer, sondern alle heiligen Meßopfer, die
in der ganzen Welt Mir dargebracht werden, zusammen Mir
aufopfern und durch Maria, Meine Mutter, Mir opfern.
Dies ist der Grund, warum Ich so freigebig bin in dieser
heiligen Stunde. Hier habt ihr alle diese Seelen. Dieser
Bischof dankt ganz besonders der Anna.
Bischof:
„Mein Kind, du wirst Jungfrau bleiben. Eine
jungfräuliche Seele gefällt dem Herrn, und ich werde
dich nicht vergessen.“
Barbara: „O
welche Herrlichkeit! In einem Strahlenkranz sehe ich ihn
eingehüllt. Mein Gott, ich kann nichts mehr sehen, keine
andere Seele mehr sehen vor lauter Glanz. O welche
Herrlichkeit!“
Zwei geweihte Jungfrauen aus der Ferne
waren zugegen.
Barbara: „Ich
danke Dir, Vielgeliebter meines Herzens, für das
unaussprechliche Glück, das Du meiner Seele zuteil
werden läßt in dieser heiligen Stunde. Ich danke Dir im
Namen aller derjenigen, die sich mit mir vereinigen,
besonders meiner Freundinnen, Geschwister und Verwandten
und aller, die glauben, wie gut Du bist. Ich danke Dir
im Namen Deiner lieben Kinder, die von der Ferne
herkommen, Dich zu lieben, anzubeten und zu
verherrlichen. Ich bitte Dich um Verzeihung meiner
Sünden. O mein Jesus! Ich armseliges Wesen, ist es
möglich, daß Du Dir ein so unwürdiges Werkzeug erwählt,
um durch dieses große Dinge zu wirken, anderen Menschen
zu beweisen, wie gut Du bist? O mein Jesus, von Herzen
bereue ich alle Sünden meines Lebens, besonders aber
alle, die ich begangen habe in dieser Woche.
Du hast mich hineingestellt in eine
Familie, wo so viel zu tun ist, wo ich mit so vielen
Menschen zusammenkomme, und ich lese und höre immer, man
soll keine Sonderbarkeiten machen; denn auch Deine
heilige Mutter habe keine Sonderbarkeiten geübt. Darum
will ich auf meinem Posten stehen und wie jede andere
arme Dienstmagd arbeiten und will mit den Menschen
verkehren. So mußt Du mir aber auch verzeihen, wenn ich
hie und da einen Fehltritt mache, wenn ich mich aufrege,
wenn so viel zu tun ist und jedes seine Launen anbringt,
dann komme ich auch mit meinen Launen. O verzeihe mir!“
Jesus: „Meine
Kinder! Ich will euch hier ein Wesen vorstellen, das ihr
alle nachahmen könnt; denn ihr alle, reich und arm,
verheiratet und unverheiratet, Ordensleute und
Weltleute, Priester und Laien, alt und jung, leidet an
Ängstlichkeit, an Schwerfälligkeit. Der arme Körper, das
Fleisch zieht abwärts und macht den Menschen kleinmütig.
Er sieht seine Schwäche, auch wenn er sich bemüht und
bestrebt, ist er immer doch der arme, schwache Mensch,
wie Ich ihn hineingestellt habe in die Schöpfung seit
Adams Sündenfall. Kein Mensch aber soll mutlos werden
und glauben, es sei unmöglich, Mir zu dienen und Mir zu
gefallen in den Ständen, in den verschiedenen Ständen,
die Ich den Menschen angewiesen habe in der Schöpfung.
Denn um eine Harmonie zu bilden, um dieses Weltall recht
zu verschönern und den Menschen angenehm zu machen –
damit niemand eine Ausrede habe, wenn Ich sie einmal
alle zu Mir berufen werde –, habe Ich verschiedene
Stände erschaffen, verschiedene Berufe, damit alle
Menschen sich beschäftigen können und einer dem anderen
dienen kann und soll. Es soll der Reiche da sein, damit
er viele arme Menschen beschäftigen könne; es soll der
Arme da sein, damit er dem Reichen dienstbar sei.
Der Reiche soll den Armen ernähren, und
der Arme soll das Ganze zusammenhalten, damit eine
schöne Harmonie sei wie dort im Jenseits, im Himmel, wo
ihr alle auch einstens teilnehmen sollt an dieser
Schöpfung. Und damit diese Harmonie zustande komme,
müssen alle Menschen zusammenwirken, die Ich erschaffen
habe, jetzt erschaffe und noch erschaffen werde. Da gibt
es nun freilich auch Fehler und Unvollkommenheiten unter
diesen Geschöpfen.
Und weil jetzt eine Zeit gekommen ist,
wo die Verhältnisse gar zu schlimm stehen, wo die Guten
vereinzelt sind, wo die Wasser der Trübsale steigen von
Tag zu Tag, um den Guten die Last zu erschweren, die
Last und Bürde, die Ich ihnen auferlegt – und doch habe
Ich gesagt, daß Mein Joch süß sei und Meine Bürde leicht
–, darum will Ich selber kommen und will diesen Guten,
diesen vereinzelten Seelen ihre Bürde erleichtern.
Wundert euch also nicht, Meine Kinder, wenn Ich ein so
armseliges Werkzeug Mir erwählte, um durch sie euch alle
zu ermuntern, zu ermahnen, zu trösten und zu tadeln, wo
es notwendig ist, damit ihr alle nicht mutlos werdet,
wenn ihr euch so unvollkommen seht, wenn der Kleinmut
das Herz beschleichen will, dann nehmt die Schrift und
lest. Nichts ist umsonst, was darin steht. Kein Wort ist
umsonst geschrieben, gesprochen. Jede Woche, wenn Ich
Mich würdige, sie heimzusuchen, um zu euch zu reden, muß
Ich vorerst ihr Sündenregister aufzählen, damit ihr alle
seht, daß sie ein armseliges Geschöpf ist. Wenn aber
einer versucht sein soll, voraus einer von jenen
Kritikern, die alles zerschneiden wollen, und sagen:
Diese Seele ist keine von jenen Vollkommenen, durch die
der Herr solche Dinge wirken könne, dann sagt ihnen, daß
jeder in sich selbst hineinschauen soll; und doch bin
Ich mit jedem zufrieden, wenn er nur Meine Gebote hält
und Meinen Willen tut und den Stand, den Ich ihm
angewiesen, ausfüllt nach Meinem Willen. Warum sollte es
nicht möglich sein, daß Ich in diesem Wesen wirken will?
Wer hat Mir zu gebieten?
Meine Kinder! Recht so, daß ihr kommt,
um euch zu überzeugen von der Wirklichkeit. Ja, ja, geht
hin, es soll euch nicht gereuen, daß ihr hierher kommt;
denn ihr gehört zu jenen glücklichen Seelen, die berufen
sind, am Mahle des Lammes teilzunehmen. Ihr gehört zu
den Jungfrauen, seid also bestimmt, viel, viel zu wirken
in Meinem Reich; denn die Jungfrauen sind diejenigen,
die das Priestertum am meisten unterstützen und helfen
sollen, das Reich Gottes auszubreiten hier auf Erden.
Was der Priester im Beichtstuhl und auf der Kanzel nicht
fertigbringt, das müßt ihr durch euer Gebet, durch Opfer
und Sühnungsleiden zuwege bringen. Und Ich sage euch,
daß überall, wo in einer Gemeinde solch jungfräuliche
Seelen sich befinden, die mit gläubigem Herzen, mit
Bußgeist das Priestertum unterstützen, selten, ja, Ich
sage dieses und betone es, selten eine Seele
verlorengeht in der Gemeinde, es müßte absolut jemand
sich von Mir abwenden, absolut verlorengehen wollen, den
Glauben ganz über Bord geworfen haben.
Darum freut euch, Meine Kinder! Ich bin
unendlich gut. Unendlich weit ist Mein Herz, und der
Schoß Meiner Erbarmungen ist nicht zu erschöpfen.
Erweitert auch ihr eure Herzen, die Gnaden in Empfang zu
nehmen, die Ich an dieser Stelle über euch ausgießen
werde. Seht, wenn man euch sagen will, was hier
geschieht sei Glaubenserneuerung oder gar Ketzerei, dann
sagt, daß niemand wagen wird, diejenigen zu tadeln, die
tiefgläubige Seelen sind, die das Leben der Kirche
leben, die sich anschließen an das Leben der heiligen
katholischen Kirche. Ich habe noch niemand getadelt, der
seine Schuldigkeit tut, sei er Priester oder Laie, sei
er im Ordensstand oder verheiratet, oder eine Jungfrau
in der Welt; alle, die ihre Schuldigkeit tun, auch wenn
sie nichts wissen von dem, was Ich hier rede, oder wenn
sie die Schriften lesen, es aber nicht glauben können,
tadle Ich nicht, weil es kein Glaubenssatz ist.
Der Priester, der ein Priester ist nach
Meinem Herzen, steht ja dabei, ist ja in den Liebesbund
mit einbegriffen, ohne es zu wissen. Alles, was Ich hier
wirke, ist nicht eine Neuerung, ist nichts Neues, ist
nur eine Bekräftigung der Lehre Meiner heiligen
katholischen Kirche, und für die Priester, die nach Amt
und Würde leben, die ein zweiter Christus sind auf
Erden, nur eine Bestätigung, daß es wirklich wahr ist,
daß Ich im Allerheiligsten Sakramente wohne, daß alles,
was sie tun, von Mir ausgeht, und daß alles Gute, was
sie wirken, wieder auf Mich zurückströmt. Daß Ich hier
Mich auf außergewöhnliche Weise zeigen will, muß und
soll alle guten Christen nur trösten und freuen; denn
das Leben der ersten Christen soll erneuert werden.
Ja, diese Erneuerung möchte Ich
einführen, aber keine Glaubenserneuerung, wie einige
sagen wollen, die annehmen, es könne dieses noch schlimm
ausgehen. Nein, nein, Meine Kinder! Niemals wird etwas
schlimm ausgehen, wo Ich dabei im Spiele bin. Überall,
wo solche Dinge bewirkt werden von einem anderen Geist,
da war auch ein anderes Leben dabei. Ihr müßt das Leben
dieser Person prüfen. Seht, wo Arbeitsamkeit und
Frömmigkeit miteinander Hand in Hand gehen, da ist kein
Irrtum möglich. Tretet in diese Familie ein, wenn ihr
wollt, ihr werdet sie nie müßig finden. Deswegen ist es
aber auch für Meine Diener das sicherste Zeichen, daß
sie nichts zu fürchten haben. Wohlan, Meine Diener,
ergreift die Schriften und leset und handelt danach. Das
Band der Liebe will Ich schlingen um alle, die sich
anschließen.
Und seht, ob jene Diener, die nach
diesem Geiste handeln, wie Ich Ihn angebe, nicht mehr
wirken als jene, die so hoch hinaus wollen mit ihrem
Studium, die alles nur aus den Büchern studieren wollen,
die den Wunderglauben nicht mehr annehmen wollen. Ja,
ja, Wunder hat es gegeben zu allen Zeiten, und je tiefer
der Glaube gesunken ist, je mehr Gefahr für die Guten
vorhanden ist, desto mehr muß sich der Wunderglaube
erneuern.
Seht, in den ersten Zeiten, als es
notwendig war, Mein Reich auf Erden auszubreiten, da war
es auch notwendig, Wunder zu wirken. Warum meint ihr
wohl, hat Meine heilige Mutter Sich gezeigt in Lourdes,
an dieser Gnadenstätte? Um das Leben der ersten Christen
zu erneuern. Dort in Lourdes, wo Meine heilige Mutter
erscheint, könnt ihr Wunder finden alle Tage, Wunder,
wie sie gewirkt worden in den ersten Zeiten, wo der
Glaube sich ausbreiten sollte in der ganzen Welt. Nun
ja, Meine Kinder, sollte es Mir nicht möglich sein, den
Wunderglauben zu erneuern? Wenn Meine Diener auch sagen
wollen, so etwas paßt nicht für unsere Zeit, dann weist
sie hin nach Lourdes.
Seht, daß der frühere Papst, Mein
Diener, Meine Mutter aus Dankbarkeit zu dieser
Ehrenstelle erhob, dies ist aber nicht der einzige
Grund; der erste Grund ist, daß das Leben des Glaubens
wieder soll erneuert werden soll und darum müssen Wunder
gewirkt werden, Wunder geschehen in der Kirche. Alle
Konfessionen in der ganzen Weltgeschichte sollen
hinschauen nach Lourdes und sollen prüfen, ob unter
ihrem Glauben ein Wunder geschieht. Daran sollen alle
erkennen, daß die heilige katholische Kirche die einzig
wahre Kirche ist auf Erden, und durch den Wunderglauben
soll und wird ihre Strafe eine viel strengere werden,
wenn sie den Wunderglauben sehen und nicht annehmen. Ich
habe schon vieles zu euch gesprochen, Meine Kinder.
Nicht wahr, wenn dieses Wesen diese Worte aus Büchern
herauslesen wollte oder sich alles selbst zusammendenken
wollte, dann wäre das Grübchen längst erschöpft; denn
der armselige Ameisenverstand eines jeden Menschen ist
schnell erschöpft und gar kurzsichtig. Prüft euch nur
selbst, jedes für sich, wenn ihr aufgefordert werdet,
eine Ansprache zu halten und dazu eine Ansprache, die
auch für jeden Menschen einen Sinn haben soll, dann
kämet ihr gewiß in große Verlegenheit.
Nun seht, dieses armselige Wesen, wie
sie gehetzt ist Tag für Tag; wie Ich auch, wenn Ich Mich
wieder zurückziehe, Mein ganzes Licht wieder mitnehme
und ihr Verstand wieder dunkel ist, so daß sie mit
vielen Zweifeln und Ängsten zu kämpfen hat, Tag für Tag!
Wie wäre es also möglich, eine lange Rede zu halten und
dazu eine Rede mit Verstand und mit Vernunft? Es wird
noch lange Zeit dauern, bis Meine Kirche überall
anerkannt und ausgebreitet ist; aber sie steht im
Begriff aufzusteigen. Sie steigt auf, denn es wird viel
getan, viel gearbeitet, viel gelitten und gestritten in
der Schöpfung. Ja, ja, Meine Kinder, Ich bin zufrieden.
Deswegen wißt: Man sagt, daß es keine
Mißjahre mehr gibt, daß seit längerer Zeit immer alles
in Hülle und Fülle da ist. Man wundert sich darüber,
weil in früheren Zeiten manchmal große Hungersnot
herrschte, voraus in eurem Vaterland. Ja seht, den Geist
des Antichrist kann und will Ich nicht vertreiben, weil
die Zeit noch nicht gekommen. Aber um des Gebetes so
vieler Gerechten willen kann und will Ich auch den
strafenden Arm noch aufhalten, und um des Gebetes und
des Lebens so vieler frommen Seelen willen, lasse Ich
Meine Sonne scheinen über Gute und Böse. Um der Guten
willen erhalte Ich auch die Bösen und gebe ihnen Nahrung
und Kleidung und alles, was sie brauchen, aber um der
Fortschritte im Guten, und um des Eifers Meiner Diener
willen, geht es doch allmählich, wenn auch langsam
voran, in jenen Gemeinden, wo die heilige Eucharistie
mehr verehrt wird; wo man Meine Kinder herbeiführt an
diesen Gnadenstrom, den Ich ausgieße vom Allerheiligsten
Sakramente aus, da steht es überall gut. Geht nur hin in
die Heimat Meiner Dienerin, welche Zufriedenheit, welch
eine Eintracht, welche Liebe!
Hast du nicht gesehen, Meine Kleine, das
Leben der ersten Christen dort? So soll es aber überall
werden in allen christlichen Gemeinden, wo ein eifriger
Diener steht, wo ein Diener steht, ein Priester, der
sich selbst vergißt und Mir dient, der ein zweiter
Christus ist. Meine Kinder! Ich will euch noch sagen,
seid bescheiden und setzt die Klugheit voraus, wenn ihr
etwas sagt. Wenn ihr eifern wollt für Meine Ehre, dann
seid nicht allzu aufdringlich. Wo ihr merkt, daß es
nicht angenommen wird, dann seid ganz zurückhaltend und
im stillen betet aber; durch euer Beispiel, durch eure
opferwillige Liebe gewinnt ihr die Herzen, und so könnt
ihr mehr fertigbringen als durch zudringliche Reden. Ihr
müßt nicht direkt sagen: ‚So und so will es der Herr‘.
Nein, ihr müßt das ganz umgehen bei solchen, die noch
nicht so weit eingeweiht sind, die nicht so tiefgläubig
sind wie ihr.
Denn merkt es euch, Meine Kinder, eine
Seele, die ohne Zweifel glaubt und ohne Häkelchen, ist
schon in der Vollkommenheit voraus, ist schon eine
vollkommene Seele. Ihr dürft nicht stolz darauf sein,
wenn Ich euch lobe. Es ist Meine Sitte, daß Ich hie und
da auch die Menschen lobe, nicht, daß sie annehmen
sollen, sie seien schon vollkommen, Ich sage dieses nur,
daß sie es werden sollen. Aber diejenigen, die Ich
herbeiführe, die Zeuge sein sollen, was Ich hier wirke,
sind schon vorangeschritten. Sie müssen deshalb Geduld
haben mit jenen, die zweifeln und spötteln, wenn ihr so
tiefgläubig eure Sprache vorbringt. Mit diesen müßt ihr
klug vorgehen, die Klugheit voranstellen überall, wo
Meine Diener glauben, wo sie die Sache verbreiten. Auch
hier wird es angenommen und verbreitet; nur, ihr wißt es
nicht; euer Bischof hat die Sache auch gelesen und
glaubt auch; wenn er euch auch bearbeitet, als glaube er
nicht. So wird es gemacht im ganzen Deutschen Reich, wo
man davon gehört und gelesen hat.
Der Priester kann es allein ausnützen,
ihr Jungfrauen könnt es nur unterstützen durch Gebet,
Opfer und Sühnungsleiden, und darum müßt ihr auch den
Spott, die Schmach und Verachtung, die man euch hie und
da zuwirft, diese müßt ihr ertragen, und wißt, das ist
in erster Linie euer Verdienst, und damit allein könnt
ihr Seelen retten. Diese Sünder, die im Bösen verhärtet,
sind nur zu retten durch überfließende Genugtuung, die
ihr leistet für andere; denn Meine Gebote halten und
Meinen Willen tun, den Stand, in den Ich ihn
hineingestellt habe, halten, so wie es Gott verlangt,
ist jedes Christen Pflicht, und er kommt in den Himmel,
wenn er ganz einfach darin lebt; aber mehr tun als
dieses, Mir gefallen wollen, Mein Leben in sich
verwirklichen wollen, in Meine Fußstapfen eintreten,
dazu verlange Ich etwas mehr, und dazu seid ihr alle
bestimmt, die Ich euch herbeiführe. Dazu sind die
Jungfrauen bestimmt, die müssen mehr tun als die
Eheleute, die nur einfach in den Himmel kommen wollen,
die den letzten Platz einnehmen wollen. Ihr müßt wissen,
daß ihr dem Lamme folgen sollt, wohin es geht, und daß
ihr ein Lied singen sollt, das niemand mitsingen kann,
außer den Jungfrauen, die dem Lamme folgen. Da heißt es
Opfer und Sühneleiden mit Mir auf sich nehmen. Wundert
euch nicht, wenn ihr Schmerzen leiden müßt, Schmerzen
des Leibes und der Seele.
Du, Meine Kleine, du hast wenige Tage,
wo du nichts zu leiden hast, und ihr alle habt wenige
Tage. Ja, ihr steht im geistigen Ehestand und der Ernst
des Lebens ist an euch herangetreten. Es wird mit euch
nicht mehr gespielt, wie ein Bräutigam tut, wenn er
seine Braut an sich ziehen will. Nein, nein, die
Flitterwochen sind längst vorüber. Du wunderst dich,
Meine Kleine, daß du so wenig Trost und Freude mehr
hast, wenn du Mich empfängst. Du brauchst dich gar nicht
zu wundern. Ich mache keine Späße mehr mit dir. Weißt
du, du sollst Mir Seelen gewinnen, Kinder gewinnen, du
sollst das Kreuz schleppen, das Ich dir gezeigt, und das
du aufgenommen, auf dich genommen mit deiner
Einwilligung, und die dicken Schweißtropfen, die du auf
Meiner Stirne sahest, sollen jetzt auf deiner Stirne
stehen. Merk dir es wohl, und merkt es euch alle, Meine
Kinder!“
Barbara:
„Mein Jesus! Sollen wir diese Summe zur Verschönerung
des Herz-Jesu-Bildes in der Kirche verwenden oder zu dem
anderen Zweck? Es würde doch zu Deiner Ehre gereichen,
wenn es ein rechter Anziehungspunkt würde.“
Jesus: „Nein,
es sind noch Damen hier in der Stadt, die ihre milde
Hand auftun sollen, die alle das Herz Jesu verehren.“
Barbara:
„Mein Jesus! Manche Deiner treuen Kinder sind so ganz
verwirrt, daß von den geistlichen Vorgesetzten der
Verehrung des Prager Jesuskindes so entgegengearbeitet
wird.“
Jesus: „Diese
Gewalt habe Ich niedergelegt in Meine Diener, und ihr
hängt ab von den Bischöfen und Priestern. Darum
unterwerft euch. Ich habe euch ja letzthin zu verstehen
gegeben, wie alles, was Mir dargebracht wird, auch wenn
es Mir mehr Ehre eintrüge, wenn aber Meine Diener
dagegen sind, dann trete Ich zurück und nehme das
Mindere an, das Mir der fromme Sinn der Gläubigen
darbringt. Niemals werde Ich von dieser Stätte aus
Meinen Dienern entgegentreten in einer Sache. Ich werde
nie ihren Willen beeinträchtigen. Nur in dem, was Ich
hier wirke, will Ich beweisen, daß Ich es bin, weil Ich
die Macht habe, mit Meinen Geschöpfen zu tun, was Ich
will, und weil Ich immer so getan. Die armen Geschöpfe
freilich, die Ich dazu Mir erwählte, müssen viel leiden;
aber dafür werden sie auch belohnt. Ja, in bezug auf
alles andere, die Andachtsübungen, die das Volk halten
will, und die Meine Stellvertreter nicht annehmen
wollen, habe Ich nichts dareinzureden. Dies gehört zu
der Gewalt, die Ich ihnen übertrug. Ich gab ihnen die
Gewalt, zu binden und zu lösen nach Belieben, als Ich
aufstieg zu Meinem Vater. Was sie nicht für gut finden,
dürfen sie verwerfen.
Deswegen wundert euch nicht, wenn
Gebete, die Ich hier Meine Dienerin lehre, nicht
angenommen werden, weil dieses in ihre Gewalt
hineinzweigt. Aber, daß Ich die Macht habe, in einem
Geschöpfe zu wirken, das kann Mir niemand abstreiten,
selbst nicht der Papst auf dem Stuhle Petri, auch wenn
sie Anstoß nehmen, wenn sie es nicht glauben wollen. Es
ist eben eine gar gottlose Zeit, wo alles sich danach
richten muß. Harret aus, Meine Kinder, es ist noch nicht
aller Tage Abend. Es ist noch vieles zu wirken und
vieles zu leiden.“
Barbara:
„Meine süße Mutter, ich danke Dir!“
Maria: „Meine
Kinder! Ihr habt Mir in diesem Maimonat viele Freude
gemacht, überall, wo ihr hingeschrieben, wo ihr den
Geist befördert, da wurde Mir eifrig gedient, da wurde
Ich eifriger verehrt, ein Maialtärchen in den ärmsten
Hütten gebaut, und Mein Sohn, weil Er wünscht, daß Ich
gerade in jetziger Zeit recht geehrt werde von Meinen
Kindern, läßt die Ströme Seiner Gnade, Seiner Liebe und
Barmherzigkeit viel reichlicher fließen als sonst. Seht,
wie die Jugend dort, wo Ich geehrt werde, sittenrein
bleibt, wie die Eheleute ihre Pflicht erfüllen, wie der
Himmel sich freut und die Erde getröstet wird, das
Fegefeuer wird entvölkert, viele Arme Seelen feiern
ihren Einzug in diesem Maimonat, und bis nächsten
Freitag sollst du sehen, wie viele befördert werden und
befördert worden sind in diesem Maimonat, wie viele Arme
Seelen. Grüßt Mir alle recht herzlich, besonders alle
die Priester, die die Schriften gelesen, auch wenn sie
jetzt tun, als glaubten sie nicht. Ein Aufstand ist in
der ganzen Welt; dieses alles legt sich wieder, es muß
so sein. Werdet nicht irre, weil es so viele falsche
Propheten gibt. Einen herzlichen Gruß an alle Meine
Kinder!“
Jesus:
„Räumt die Hindernisse hinweg, Meine Kinder!“
Barbara: „O
mein Gott! Alle meine Sünden sind
mir von Herzen leid, weil ich dadurch Dich, das höchste
Gut, beleidigt. Ich hasse und verabscheue alle meine
Sünden und nehme mir ernstlich vor, jeden Gedanken, jede
Gelegenheit, wo ich Dich beleidigen könnte, sorgfältig
zu meiden. Gib mir, o Herr, Deine Gnade dazu. Amen.
O Herr, ich grüße Dich in Vereinigung
mit Deiner lieben, heiligen Mutter, mit allen lieben
Engeln und Heiligen, besonders denen, die beim Letzten
Abendmahl zugegen waren, den heiligen Aposteln und
Frauen, die das Glück hatten, in demselben Haus zu
wohnen, wo Du das Heiligste Sakrament eingesetzt hast,
und wo sie dasselbe zum ersten Mal aus Deinen heiligen
Händen empfingen. Ich grüße Dich im Namen aller
Menschen, besonders meiner lieben Angehörigen, die hier
gegenwärtig sind, aber auch im Namen aller meiner lieben
Geschwister, die so sehr nach Dir verlangen. Ich
erinnere Dich an meine Schwester in A., die so
sehnlichst verlangt nach Dir. O führe sie noch einmal
hierher. O wenn es Dir recht ist, so gib ihrer Oberin es
ein, da Du doch so gern hast, wenn zwei oder drei in
Deinem Namen versammelt sind. O so gib doch, daß meine
liebe Schwester, die eines Herzens und Sinnes mit mir
war, daß wir uns noch einmal sehen und besprechen
können. Ich grüße Dich im Namen aller der Lieben, die
auch so gern ein liebes Wörtchen hören und verlangen,
etwas zu lesen, im Namen aller Menschen und Armen Seelen
im Fegefeuer; denn Du hast uns versprochen, daß Du uns
recht viele Arme Seelen schenken willst. Mein Jesus! Es
scheint, als seiest Du recht freudig gestimmt, weil Du
so auf und ab gehst, wie wenn Du Dich heimisch fühltest,
als wenn Du unter Freunden weilen würdest.“
Jesus: „Ja,
das ist so, Meine Kinder! Darum hinweg alle Hindernisse,
die in irgendetwas eure Freude trüben könnten. Seht, Ich
habe gesagt, als Ich auf Erden wandelte, daß, wo zwei
oder drei in Meinem Namen versammelt seien, Ich mitten
unter ihnen sei. Damit wollte Ich damals schon andeuten,
wie sehr Ich Mich sehne, unter den Menschenkindern
weilen zu können, und wie gerne Ich als Bruder unter
ihnen weile. Deswegen siehst du Mich auf und ab gehen,
wie ein guter Freund tut, wenn er bei seinen Freunden
ist und es ihm recht wohl gefällt, er sich recht
behaglich fühlt. Nicht wahr, es ist zum Erstaunen, daß
der große Gott so klein wird, so kleinlich tut, und doch
ist es so. Ihr alle sollt einstens Erben, Brüder und
Schwestern, also ein Erbe mit Mir sein; nicht wie
Stiefgeschwister behandle Ich euch, sondern ihr alle
seid Meine Brüder und Schwestern.
Es freut Mich sehr, daß Ich doch noch
Seelen finde in der Welt, trotz der schlechten
Zeitperiode, der schlechten Luft, in der sie sich
bewegen, noch viele, gute, treue Kinder habe, die Mir
Freude machen. Ja, mit Stolz sage Ich es, und stelle sie
den Himmelsbewohnern vor. Morgen bei der
Fronleichnamsprozession, wo die ganze Welt, die ganze
katholische Welt wetteifert, Mich zu bekennen, ihren
Glauben zu bekennen, da zeige Ich mit Stolz herab auf
diese unwirtliche Erde, auf diese verfluchte Erde, die
so mit Gottlosigkeit überschwemmt ist, daß Ich möchte
eine Sintflut hereinbrechen lassen, um alles Fleisch zu
vertilgen. Aber seht, Meine Kinder, mitten unter diesem
gottlosen Geschlecht leben Meine Guten, Meine
Auserwählten, die Mir doch noch viele Freude machen, ja
mehr Freude als je zu jener Zeit im Heidentum; als die
Christen zerstreut lebten unter den Heiden und Juden,
war die Gefahr bei weitem nicht so groß, als sie jetzt
ist. Die Christen wußten ja, mit wem sie es zu tun
hatten, sie wußten, welchem Feind sie gegenüberstehen,
und alles war noch zu neu und frisch.
Das Erdreich war noch aufgelockert in
den jungen Christengemeinden; denn Ich hatte noch nicht
lange diese Erde verlassen, und die Spuren Meiner
Fußstapfen waren ja noch sichtbar. Aber jetzt in diesem
neuen Heidentum ist es anders geworden. Jetzt weht der
Wind, der damals wehte, um die Kirche zu vernichten in
ihrem Entstehen. Derselbe Wind weht wieder von allen
Seiten; von den vier Weltgegenden ist man nur bemüht,
die eine, wahre Kirche zu unterdrücken und von der Erde
zu vertilgen. Die guten und treuen Katholiken, die da
leben in der Welt unter diesem gottlosen Geschlecht,
haben bei weitem größere Gefahr als die Christen der
ersten Zeit, wegen der vielen, vielen bösen Beispiele,
die sie überall sehen und in sich aufnehmen. Worte
bewegen, aber Beispiele ziehen.
Seht, Worte: Wie werden sie in Schrift
und Wort hinausgeschleudert, und Meine Guten hören und
lesen die Worte und nehmen das Gift in sich auf.
Beispiele ziehen: Die Guten und Besten, auf die alles
gebaut wurde und alles hinschaute, sie fallen ab. Die
Zedern vom Libanon fallen, und wie viele nehmen sie mit
sich fort und erschlagen sie, wenn sie fallen. Da ist es
an der Zeit, festzustehen. Ja, wundert euch nicht, daß
Ich Mich dir heute abend zeige, lustwandelnd unter euch.
Seht, stolz bin Ich darauf, stolz bin
Ich auf Meine guten Kinder. Ist ja der Vater, wenn er
seine Söhne betrachtet, seine Töchter betrachtet, die
gut geblieben, gut erzogen sind, stolz darauf. Warum
sollte nicht auch Ich stolz sein auf Meine Kinder, und
Ich feiere mit dem ganzen himmlischen Hof das
Fronleichnamsfest herzinniglich mit ihnen. Der ganze
Himmel vereinigt sich mit den guten und treuen Kindern
der Welt, um ihnen Mut einzusprechen, um sie zu
begeistern an dieser Feier, und die Schutzengel, wie
sind sie beschäftigt, wie stolz schreiten sie einher
neben ihren Schützlingen, die teilnehmen an der
Fronleichnamsprozession. Und diejenigen, die so gern
sich anschließen möchten, und deren Pflichten sie
abhalten davon, wie gehen die Schutzengel dieser Seelen
mit und vertreten die Stelle dieser Schützlinge, zwar
traurig, weil sie wissen, daß ihre Schützlinge so gerne
sich beteiligen möchten und können es nicht, aber um so
eifriger stimmen sie ein in den Lobgesang, den die
übrigen Mir darbringen. Darum freuet euch; denn auch Ich
freue Mich und Ich bin stolz auf Meine Kinder.
Fahret fort, wenn auch nach rechts und
links sie fallen, bleibet stehen, ihr alle, die ihr euch
mit Mir vereinigt, bleibet stehen. Schaut nicht auf die
bösen Beispiele, hört nicht auf die lockenden Worte;
seht, schönere Worte, als ihr sie hören könnt aus Meinem
Mund, höret ihr nirgends in der Welt. Wenn auch Satan
euch zusetzt innerlich und äußerlich in Menschengestalt
und auch sichtbar, nichts wird er euch anhaben, da ja
eine Woche gar nicht lang ist, wo Ich euch immer wieder
ermuntere. Um dieses kleine Häuflein zu bestärken im
Glauben, habe Ich dieses Werk unternommen. Und es kommt
eine Zeit, wo jedes Meiner Worte wird wohl beherzigt
werden.
Wenn einmal die Menschheit reif geworden
ist, werden viele zur Einsicht kommen, und man wird die
verstaubten Schriften hervorziehen und wird sie lesen
und wie Meine Apostel sagen: ‚Ja, jetzt begreifen wir‘.
Als Ich zu ihnen von Meinem Leiden und Tode sprach, als
Ich ihnen Mein künftiges Reich erklärte, da verstanden
sie Mich nicht. Ich hatte noch das letzte Wort auf den
Lippen, und sie fragten schon wieder. So ist es mit
allem, wo Ich wirke und was Ich wirke, man versteht
Meine Sprache nicht, bis die Zeit erfüllt sein wird.
Seht, Meine Kinder! Ich habe schon
vieles mit euch gesprochen, drohend und warnend,
liebreich und zärtlich wie ein Vater, und es scheint,
als werde denjenigen, die Meine Drohungen gelesen und
gehört, die Zeit zu lang, bis sie sich erfüllen. Wißt
ihr nicht, daß es einem Vater weh tut, wenn er sein Kind
strafen muß, daß er die Zuchtrute, solange es geht,
zurückhält, und nur in der äußersten Not sie herbeiholt?
Bin Ich doch der zärtlichste Vater, der beste Freund,
den je die Welt gesehen, und Mir sollte es nicht leid
tun, mit der Zuchtrute dreinzuschlagen, das Schwert zu
schwingen, solange es Menschen gibt, die sich Meiner
Gerechtigkeit entgegenwerfen? Und in jetziger Zeit gibt
es viele, die Mir noch recht treu dienen. Um der Guten
willen verschone Ich die Welt. Deswegen aber ist es
nicht gesagt und ausgemacht, daß alles vorüber ist und
daß man Meiner spotten könne.
Niemals werde Ich es ungeahndet lassen,
wenn eine gläubige Seele sich erdreisten wollte, zu
spötteln gegen die Worte, die Ich in einer Seele rede.
Ich habe an verschiedenen Stellen schon gesprochen, und
weil es sich nicht verwirklicht, wird man wieder frech
und erhebt stolz das Haupt. Aber, obwohl es immer
abwärts geht, stehen auch die Guten und Treuen enger
zusammen. Es werden Mir mehr Opfer gebracht als jemals
zuvor, wenn man auch nicht mehr hinauszieht in die
Einöde und bei Wasser und Brot fastet. Es gibt in
jetziger Zeit unter den jetzigen Kindern Meiner Kirche
andere Mittel, womit sie sich heiligen können; denn die
guten und treuen Kinder Meiner Kirche werden mehr
verfolgt als die heiligen Märtyrer jener Zeit. Obwohl
sie ihr Blut nicht zu opfern brauchen, so haben sie alle
ein unblutiges Martyrium durchzumachen. Seelenleiden
sind die größten Leiden. Die einen haben zu kämpfen mit
der Not des Lebens; durch Arbeit und Mühe müssen sie ihr
Brot verdienen, sind aber gute, treue Katholiken, gute
Familienväter und Mütter. Und weil sie nichts als Not
und Elend dafür ernten für all ihre Mühe, so muß Ich
einen gnädigen Blick auf sie werfen, und sie gehören zu
den liebsten Kindern Meines Herzens, die Tag für Tag
Meinen Zorn besänftigen. Wenn Ich hinschaue auf die
vielen Ordensgenossenschaften in der Welt, worunter sehr
viele und gute Ordenspersonen sind, Heilige, und was
ernten sie von der Welt für all ihr Gebet und Hinopfern
und Darben? Nichts als Spott und Hohn. Wie manche
jungfräuliche Seele in der Familie steht, still und
verborgen, verkannt, verachtet und verspottet, sogar von
denjenigen, die sie in Schutz nehmen sollten.
Seht, um dieser willen verschone Ich die
Welt, um dieser treuen Seelen willen, die da inmitten
des Stromes, der sie zu verschlingen droht, mutig darauf
losgehen. Darum laßt euch nicht verdrießen, wenn alles
nicht so glatt geht. Leiden müßt ihr; durch Leiden müßt
ihr die Krone verdienen, und im Leiden müßt ihr sie
verdienen. Ihr sollt vielen zur Erbauung und zum Vorbild
werden, ihr alle, die Ich euch hierher und
zusammengeführt habe. Ein Herz und eine Seele sollt ihr
untereinander sein, wie die ersten Christen. Die ersten
Christen waren auch Menschen wie ihr. Wenn ein kleiner
Unmut sich regt, die Ungeduld, was unter Menschen, weil
sie schwache und gebrechliche Geschöpfe sind, nicht zu
vermeiden ist, dann will Ich euch ja gerne verzeihen,
wenn ihr, sobald der erste Unmut vorüber ist, euch
hinwegsetzt, euch durch einen Blick auf Mich abwascht
und wieder von neuem anfangt, die Ruhe des Herzens in
euch herzustellen.
Ich habe Verschiedenes in diese Familie
hineingestellt, um allen Familien ein Vorbild zu sein.
Niemand soll sich fremd fühlen, weil ihr alle Kinder
eines Vaters seid, in der Familie. Und wenn es so in der
ganzen Welt, wenigstens unter den Christen wäre, wie
viel Unglück und Unheil könnte erspart werden! Die
Dienstboten hätten überall ein Heim, wenn diejenigen,
die Ich gesetzt habe über die Familie, das Oberhaupt,
Nachsicht hätte mit den Fehlern und Schwächen seiner
Untergebenen, wenn die Dienstboten wüßten und erkennten,
welche Pflichten sie haben, und die Kinder sich
erinnern, daß sie Kinder christlicher Eltern sind. Wie
könnte da überall der Verein der Heiligen Familie
blühen!
Seht, so war es im Häuschen zu Nazareth,
wo Ich wohnte. So ist es in dieser Familie, und so soll
es überall sein, wo die Schriften gelesen werden, und wo
sie noch nicht gelesen werden, da sollten sie doch
gelesen werden. Hütet euch, daß etwas hinausdringe aus
diesem Haus, was Ärgernis erregen könnte. Wenn ihr
merkt, daß unter eurem Dach ein Feuer sich entzündet,
denn die Leidenschaft ist ein Feuer, dann setzt alle
Hebel in Bewegung beim ersten Entstehen, wenn auch hie
und da ein kleiner Nachteil daraus hervorgehen könnte.
Scheut ihn nicht! Ich werde auf andere Weise ihn wieder
ersetzen. Habt ihr es ja schon oft gesehen. Aber hütet
euch alle, daß nichts hinausdringt aus diesem Haus, weil
es ein Vorbild für viele werden soll, weder in der
Familie noch in der Wirtschaft. Frieden will Ich wissen,
Frieden, soweit es von euch abhängt. Deinem
Schwesterlein in A. sage einen herzlichen Gruß und
Meiner Tochter, Meiner vielgeliebten Tochter, die Ich
gestellt habe in diesem Hause zur Oberin, sie lasse Ich
bitten, sie möge dieses Kind noch einmal hierher kommen
lassen, weil es sonst vor Heimweh stirbt und sich
verzehrt. Es ist ja nichts Böses, daß sie so verlangt
nach ihrer Schwester, sie ist ein Engel im Fleische,
niemals bin Ich von ihr gewichen, und darum ist sie frei
von allem Vorurteil.
Die Schwester N. sowie ihre
Leidensgefährtin lasse Ich herzlich grüßen. Nichts
verlange Ich von ihr, als daß sie leide und dulde.
Täubchen brauche Ich; sie sind für dieses Haus ein
Blitzableiter durch ihr Gebet und durch ihr
Sühnungsleiden. Und alle, auch Meinen treuen Diener ganz
besonders, lasse Ich herzlich grüßen, und alle, die an
Mich glauben, die auf Mich vertrauen. Sie sollen
feststehen in all den Prüfungen. Warum sollte es nicht
möglich sein, daß Ich noch derselbe Gott wäre, Der Ich
war und sein werde. Immer waren es Menschen, mit denen
Ich verkehrte und keine Engel. Warum zögerst du, warum
fürchtest du, Meine Kleine?“
Barbara:
„Wegen meiner Unvollkommenheiten, o Herr, weil ich so
unvollkommen bin.“
Jesus: „Alle
Menschen sind unvollkommen, ausgenommen Meine heilige
Mutter. Sie war heilig schon vor Ihrer Geburt. Alle
übrigen sind unvollkommene Geschöpfe und sollen und
müssen noch Heilige werden! Ihr alle sollt Heilige
werden und müßt es werden, wenn ihr Anteil an Meiner
Herrlichkeit haben wollt.“
Barbara: „O
Herr! Mit Entsetzen sind wir
erfüllt über den Tod der Frau N., die Dich bis zum
Todesbett verspottete. Wie wirst Du sie denn wohl
empfangen haben?“
Jesus: „Es
ist nicht Mein Wille, euch Aufschluß zu geben über eine
Seele, die sich Meiner Gnade unwürdig gemacht. Laßt Mich
in Ruhe fernerhin mit dieser Seele.“
Barbara: „O
Herr! Ich bitte Dich für alle,
die sich an mich wenden, daß Du ihnen besondere Gnaden
zukommen lassest. Wenn Du mir auch die übernatürlichen
Sachen nicht zu erkennen geben willst, wenn die Seelen
in Deiner Gnade abgeschieden sind, ist es ja gut.
Erbarme Dich besonders ihrer noch lebenden Kinder, weil
die Gefahren so groß sind. Ich habe so viele Briefe
bekommen; o könnte ich sie alle umfassen und Dir
zuführen. Ich empfehle Dir besonders N. O führe ihn
wieder in die Arme seiner Mutter.“
Jesus: „Es
kommt eine Zeit, wo er zur Einsicht kommt. Er stirbt
nicht in der Ungnade, aber er hat vieles, vieles zu
büßen hier auf Erden.“
Barbara: „O
Herr, Frau N. läßt fragen, ob Du zufriedener jetzt
seiest.“
Jesus: „Ja,
Ich bin zufrieden, denn Ich schaue auf das Herz, die
Gesinnung. Ich will diese Frau auf den rechten Weg
bringen, und weil sie Mir fortwährend Vorwürfe machte,
muß Ich hie und da eine scharfe Sprache reden, wie ein
Vater tut, wenn er seinen Sohn zurechtweist. Wenn er ihm
auch zürnt, ist er doch sein Sohn und bleibt es. Wenn er
sich wieder umwendet, ist der Vater wieder besänftigt.
So mache Ich es allen Meinen Kindern. O wüßten sie doch,
wie gut Ich bin.“
Barbara: „Ja,
Du bist gut, unendlich gut, o Herr! N. hast Du mit einem
schweren Kreuze bedacht.“
Jesus: „Sie
soll nur leiden. Leiden ist der königliche Weg zum
Himmel.“
Eines der Dienstmädchen bat für ihre
Schwester.
Jesus: „Deine
Schwester geht nicht verloren. Sie ist arm, sehr arm,
eine arme Frau; aber sie kennt Mich noch. Sie büßt ihren
Leichtsinn hier auf Erden; dort oben wird sie wieder mit
dir vereinigt.“
Mein lieber Freund ist gekommen, mein
lieber Führer, der heilige Johannes.
Johannes:
„Die Liebe spricht die Sprache aller Sprachen; da
spricht man nicht viel.“
Barbara:
„Glückselig ist dieser Augenblick, zu ruhen an Deinem
Herzen, o Herr! O könnte ich doch alle Menschen Dir
zuführen! O könnte ich ihnen das Glück verschaffen, das
ich genieße in diesem Augenblick. Es gibt nur noch einen
Ort, und das ist der Himmel. Dort liebe ich Dich, ohne
je wieder aufzuhören. Hier liebe ich Dich gebrochen;
denn die Liebe hört wieder auf, und ich beleidige Dich
wieder. O nimm mich weg von dieser Erde, nimm meine
Seele auf, durchbreche die Hülle, damit ich nicht wieder
von Dir getrennt werde.“
Lied: O Schöpfer, dessen Allmachtswort
... Hochgelobt und angebetet sei Jesus im
Allerheiligsten Sakrament des Altares, von nun an bis in
Ewigkeit. Hochpreiset meine Seele. Gelobt sei Jesus
Christus!
Jesus: „Meine
Kinder! Freude erfüllt Mein Herz, wenn Ich das Leben und
Streben Meiner guten Kinder betrachte, wenn Ich
hineinschaue in den eucharistischen Strom, der sich
dahinwälzt über die ganze Erde, über die Strömung, die
heilige Eucharistie zu verehren und anzubeten. Ja, es
wird Meinem Willen entsprochen, den Wunsch, den Ich
äußerte schon über ein Jahrzehnt. Meine Diener bestreben
sich, ihn zu erfüllen, und überall, wo eine Kirche
steht, wo ein guter Priester sich befindet an der
Spitze, da kommen die treuen Schäflein und versammeln
sich um Meine Altäre, um Mir Ersatz und Sühne zu leisten
für die Schmach und Verachtung, die ein anderer Strom
über die Erde ergießt, eine andere Strömung.
Seht, dies ist es, was Mich auch
bestimmt, Meinen Zorn zu verbergen, niederzuhalten. Wie
ein Vater tut, der ungeratene Söhne oder Töchter hat,
der, wenn er weiß, daß unter diesen seinen Kindern sich
welche befinden, die sich alle Mühe geben, ihm zu
ersetzen, was seine ungeratenen Kinder ihm verdarben,
und diese Kinder den Schmerz des Vaters so sehr
mitfühlen, daß sie vergehen von Leid, wenn die übrigen
gestraft werden, wie der Vater dann seinen Zorn
beherrscht, solange er kann, um nur diesen guten Kindern
den Schmerz zu ersparen. Seht, so geht es dem
himmlischen Vater, so geht es Mir. Um der Tränen, um des
Gebetes, um des Eifers der treuen, guten Christen
willen, die überall jetzt in der ganzen Welt sich
aufraffen und hinströmen, um Mich zu trösten, halte Ich
Meinen Zorn zurück.
Seht, wie Ich die Sonne scheinen lasse
über Gute und Böse, über Gerechte und Ungerechte, wie
ein Jahr um das andere sich herrlicher gestaltet, aber
nur um des Gebetes der Gerechten willen, um des Opfers
willen, das dargebracht wird auf dem Altar, das
fortwährend um Sühne hinaufruft zum Thron der Heiligsten
Dreifaltigkeit. Obwohl Ich überall neues, reges Leben
finde, um Mir zu dienen, und Ich Mich getröstet fühle
von Meinen treuen Kindern, und Ich ihnen wieder dafür
Tröstungen zukommen lassen möchte und sollte, von Rechts
wegen, findet ihr doch überall, wo ihr euch hinwendet,
am meisten in euch selbst, viele Leiden und
Widersprüche.
Aber werdet nicht irre, Meine Kinder!
Seht den unendlichen Lohn, der euer wartet. Ihr müßt das
Leben eures Erlösers nachleben und in Seinen Fußstapfen
wandeln. Seht, ihr alle, die ihr so viel schon getan,
manche Seele aufgeweckt und mit neuer Liebe zu Mir
erfüllt durch die Bemühungen, die ihr euch gebt, Meine
Worte niederzuschreiben und hinauszusenden unter Meine
treuen Kinder, dies ist es, was Ich euch gestern zeigen
wollte, Meine Kinder!“
(Barbara hatte uns das, was der Herr
gezeigt, verschweigen wollen, aber der Herr befahl ihr,
es uns jetzt zu erzählen.)
Barbara:
„Meine lieben Mitschwestern! Gestern sah ich auf dem
Altare den Herrn in unaussprechlicher Glorie und
Herrlichkeit, nachdem ich Ihn empfangen hatte in der
heiligen Kommunion. Weil ich nichts verschweigen darf,
muß ich es euch heute sagen: Er war so liebeerfüllt, so
freudig, so getröstet, weil doch hier in Mainz und
überall in der Welt die Leute so eifrig waren, Ihm
Freude zu machen und alles, wenn es auch manche
Unordnung war, war aber doch darauf abgesehen, Gott zu
dienen. Und alle erfüllte ein heiliger Schauer, eine
heilige Freude im Herzen, wenn sie auch noch so
armselige Christen sind. Selbst Andersgläubige
beteiligten sich an dieser Feier, und das erfreute Ihn
so sehr, daß Er in unaussprechlichem Strahlenglanz Sich
zeigte auf dem Altar. Von Ihm ging ein Strom kristallen
glänzendes Wasser aus auf mein armes, sündiges Herz.
Und mein Herz wurde zu einem Quell, der
sprudelte. In meiner Geburtsgegend habe ich oft solche
Quellen gesehen, ich will nur einen Vergleich machen,
die, weil sie nicht geöffnet waren, fortwährend mit
solcher Gewalt das Wasser emporsprudelten, daß das
Erdreich davon aufgewühlt wurde. So war es hier. Es
ergoß sich ein Strom aus meinem Herzen, der nach allen
Richtungen hin sich verteilte, und ich verstand nicht,
was dieses zu bedeuten habe.“
Jesus: „Meine
Kinder! Dies will Ich dir heute erklären. Meine Worte
sind lebendiges Wasser, das Ich euch geben will. Wenn
Ich nun dieses Wasser hineinleite in eine Quelle, in
eine Seele nämlich, eine Seele ist eine solche Quelle,
diese Seele aber ist ein armer, sündiger Mensch, wie
alle Menschen sind. Das Erdreich überschüttet die
Quelle. Es wird um die Seele herum gearbeitet,
gesündigt, gefehlt durch böse Neigungen und Begierden,
die jeder Mensch in sich hat. Dadurch wird die Quelle
oft zugeschüttet, verschüttet und getrübt das Wasser.
Wenn Ich nun aber Meine Liebe so sehr hineinleite in
diese Seele, daß die Quelle sich nicht mehr verbergen
kann, dann durchbricht sie dieses Erdreich, diese
Fehler, diese Unvollkommenheiten und ergießt sich nach
allen Richtungen hin, und alle, die da kommen und
dürsten, kommen und schöpfen aus der Quelle, und leiten
so dies reine Wasser in ihr Herz hinein. Seht, Meine
Kinder, du bist eine solche Quelle, durch die Ich Mein
lebendiges Wasser hineinleite, Mein göttliches Wort. Du
hast aber dabei nichts, was dir zukommen könnte, als daß
du das Erdreich aufwühlst und herbeischaffst durch deine
Sünden und Unvollkommenheiten und dadurch die Quelle
verunreinigst, trübst und verschüttest, so daß sie
manchmal vertrocknet scheint und zugeschüttet ist. Wenn
dann Meine göttliche Liebe so sehr hineinscheint, dann
durchbricht diese Liebe dieses Erdreich wieder, die
Quelle erkämpft sich Bahn und sprudelt mit solcher
Gewalt in die Höhe, daß alle davon trinken können, wer
nur will.
Ich bin dieses lebendige Wasser. Ich bin
die unendliche Liebe, die nie erschöpft werden kann und
nie zu erschöpfen ist; denn die Liebe hat dieses alles
erschaffen. Die Liebe hat das Paradies auf Erden
erschaffen, das Paradies, das diejenigen genießen, die
Mir treu dienen; denn alle die Leiden, die Ich über eine
Seele kommen lasse, die Mich liebt, sind für nichts zu
achten, und diese Seele achtet sie für nichts, denn sie
liebt Mich und weiß, daß ihr Erlöser nur geliebt werden
kann, wenn man Ihm auch nachfolgt, wenn man auch in den
Spuren wandelt, die Er gewandelt ist.
Meine liebe kleine Dienerin N. möge sich
doch recht anschließen und recht mit Freuden trinken aus
der Quelle und auch ein lebendiges Wasser in sich, eine
lebendige Quelle in sich aufnehmen, eine Quelle, die da
überströmt in heiligen Worten und Begierden; denn erst
muß sie verlangen und dann dieses Verlangen in Worte
kleiden, und so viele ihrer Freundinnen, die den
besseren Ständen angehören, teilnehmen lassen und
trinken lassen an der Quelle. Ich werde nicht sparen, um
sie von Zeit zu Zeit mit Tröstungen zu überhäufen; denn
was ist all der Flitter, der Moder, der einstens nur auf
dem Grabeshügel den Leib drücken und die Seele quälen
wird in der Ewigkeit. Wißt, Meine Kinder, viel Geld und
Gut besitzen ist nur der Stein auf dem Grabeshügel, der
den Leib zerquetscht und zerdrückt und die Seele
belastet in der Ewigkeit. Wandelt darum diesen Stein um
zu Edelsteinen in eurer Krone. Seht, alle Menschen sind
berufen und bestimmt, dafür zu sorgen, daß sie ihren
Leib zu unterhalten haben durch Fleiß, durch
Arbeitsamkeit.
Aber um Reichtümer zu sammeln, zu
prassen und zu schwelgen, wie es die Reichen tun, und
mitunter auch die Armen, die, wenn sie dieselben nicht
haben, auf unrechte Weise sich verschaffen wollen,
dieses ist gar nicht Meine Absicht. Deswegen habe Ich
die Welt nicht so bereichert und verschönert, damit die
Menschen sich die ewige Verdammnis zuziehen. Nein, nein,
ihr Reichen, die ihr die Güter in Überfluß besitzet,
euch habe Ich Gelegenheit gegeben hier auf Erden, um
diese Güter, diesen Stein, der euch in der Ewigkeit
drücken wird, falls ihr Meine Worte nicht beachtet, in
Edelsteine umzuwandeln in eurer Krone, das heißt, ihr
sollt in erster Linie Meine Ehre befördern, Mir Tempel
bauen, wie Salomon tat, der alles Gold in Israel
sammelte, um seinem Herrn einen Ihm ebenbürtigen Tempel
zu bauen, damit das ganze Volk Israel in diesem Tempel
den einen, wahren Gott anbetete.
Und keine Freude hatte Israel außer an
dem Tage, wo es hinaufzog in den Tempel, um den einen,
wahren Gott dort anzubeten. Ihr seid bestimmt, mit dem
Reichtum, den ihr besitzt, die Wünsche Meiner Kirche zu
befriedigen, soweit ihr könnt. Ihr Armen seid bestimmt,
durch Arbeitsamkeit und Fleiß euer Brot zu verdienen und
im Frieden Mich anzubeten und Mir zu dienen, vor Meinem
Altar zu erscheinen, nicht mit Groll im Herzen, sondern
mit Freude. Seid ihr ja bestimmt, Meine Altäre zu zieren
durch eure Gegenwart, indem ihr Mir ein freudiges,
fröhliches Herz entgegenbringt; denn Arbeit macht das
Leben süß, macht es nie zur Last; der nur hat
Bekümmernis, der die Arbeit haßt. Also, niemals wirst du
gehört haben, Mein Freund, Meine Freundin, daß ein
Mensch hungerte, der eine fleißige, arbeitsame Hand
gehabt hat in seinem Leben. Wenn Ich ihm hie und da
Leiden zuschicke oder ein Glied seiner Familie wegnehme,
das ihm notwendig gewesen wäre zu seinem
Lebensunterhalt, so ist dieses nur, um seine Krone zu
verschönern; denn durch das geduldige Ertragen seiner
Leiden, nebst seinem Fleiße, wird seine Krone von Tag zu
Tag verschönert. Dieses sind bei dem Armen die
Edelsteine, womit seine Krone soll geziert werden, wie
bei dem Reichen die Abgabe seines Überflusses, so bei
dem Armen das geduldige Ertragen der Leiden. Darum,
Meine Kinder, freut euch, daß ihr gewürdigt werdet,
sooft Meine süßen Worte zu hören, die süßer sind als
Balsam und Honig für das Herz, das sie versteht; denn
nur noch eine kleine Weile, und alles ist vorüber, und
ihr werdet Mich sehen und Meine Worte verstehen. Ihr
werdet von einer Verwunderung in die andere fallen, von
einem Ausruf der Freude in den anderen. Jubelnd und
frohlockend werdet ihr sagen: ‚Hochgelobt sei der Herr!
Wie wahr ist es doch, was Er uns gesagt, wie glücklich
sind wir doch, daß wir Ihm geglaubt.‘ Lebet wohl, Meine
Kinder! Grüßet Mir alle, die sich mit euch vereinigen.“
Barbara:
„Mein lieber Jesus! Wenn anstatt eines Priesters ein
Seminarist den Rosenkranz vorbetet, schenkst du uns denn
auch einen Sünder, weil er doch Priester wird?“
Jesus: „Ein
Seminarist, der die höheren Weihen schon empfangen, ist
schon Priester, wenn auch noch nicht ganz bestätigt,
aber in den ersten Anfängen; wo sie in das Seminar
eintreten, sind sie es noch nicht. Es ist die Gnade, die
Ich euch da versprochen habe, an das Gebet der Kirche
geknüpft und an die Weihe der Kirche. Das Gebet der
Kirche, der von Gott geweihten Personen, hat eine solche
Kraft. Deswegen ist auch das Gebet, das die Ordensmänner
verrichten, die Priester sind dazu noch Ordensleute, von
solcher Kraft, von solcher Wichtigkeit für die
menschliche Gesellschaft, daß es unmöglich wäre, den
Zorn zu besänftigen, den Zorn Gottes, wenn nicht diese
gottgeweihten Priester in der Welt überall ihr Gebet zum
Himmel schickten. Solche Priester, und noch dazu
Ordenspersonen, sind für die Welt ein geheimnisvoller
Schatz, der nicht erkannt, der begraben liegt, verstaubt
und verschüttet. Aber in der Ewigkeit werden sie sehen,
welche Edelsteine sie nicht geachtet und verworfen
haben. O die Toren! Aber auch wie glücklich die Seelen,
die das Glück haben, dem heiligen Ordens- und
Priesterstand anzugehören. Zwar sind die Jungfrauen, die
gottgeweihten Jungfrauen, eine große Stütze für die
Kirche, aber ein gottgeweihtes Priestertum ist der Kanal
der Kirche, durch welchen alle Gnadenschätze
hineingeleitet werden in die gottlose Welt, aber auch
wieder hineingeleitet werden in das Herz Gottes. In die
gottlose Welt, sage Ich, weil Ich um ihretwillen die
Welt verschone, und ihre Gebete, ihre Opfer und
Sühnungsleiden hineingeleitet werden in das Herz Gottes.
Weil dieser verborgene Schatz so
verkannt ist von der Welt, ruht Mein Auge mit besonderem
Wohlgefallen auf ihm. Es ist wahr, die Welt ist gottlos,
sie ist aber auch auf der anderen Seite, auf der
Lichtseite in glänzenden Strahl versetzt; denn das
kirchliche Leben blüht allenthalben still empor, wenn
auch jetzt noch der Welt verborgen. Aber in allen
klösterlichen Genossenschaften gibt man sich mehr Mühe.
Der alte Schlendrian wird abgelegt und ein reges,
eifriges Ordensleben wird überall zu Tage gefördert, und
dieses geht Hand in Hand mit dem Weltleben.
Die guten, treuen Christen raffen sich
auf, und es ist überall ein Streben nach dem Heiligsten
Sakrament, und wo das Heiligste Sakrament verehrt wird,
steht es gut in der Welt. Die junge Kirche, wo schöpfte
sie ihre Kraft? Nur in der heiligen Eucharistie, weil
sie täglich das Heiligste Sakrament empfing. In jetziger
Zeit empfangen viele täglich das Heiligste Sakrament,
und dieses ist es, warum ein Glanz verbreitet ist über
die Kirche, ein neuer Glanz. Zu neuem Leben entfaltet
sich die Kirche, Ich muß sagen, die junge Kirche; denn
obwohl Meine Kirche nie veraltet, war aber das
Glaubensleben sehr verstaubt, sehr veraltet, es ist so
in der jetzigen Zeit. Deswegen schickte Ich viele Leiden
über die Kirche; Ich machte sie los von allem, was nicht
ihr gehört. Arm mußte sie werden, am Bettelstab mußte
sie sich ernähren eine Zeitlang, weil Ich sie demütigen
wollte. Aber jetzt fängt sie an aufzublühen, sie gefällt
Mir, und sie wird in kurzer Zeit, in Bälde, auf einen
Höhepunkt gestellt sein, von wo aus die ganze Welt sie
schauen wird, und alle Konfessionen auf der ganzen Erde
werden mit Ehrfurcht auf sie schauen. Darum auf, Meine
Kinder, auf zum Kampfe! Durch Kampf zum Sieg, durch Sieg
zur Krone.
Krönen sollt ihr Meine Kirche mit der
Siegeskrone der Märtyrer, denn geistige Märtyrer sollt
ihr werden: Kämpft gegen Fleisch und Blut, gegen Welt
und Hölle! Auf zum Kampfe, Meine Diener, denn Ich bin
nicht gekommen, den Frieden zu bringen, sondern das
Schwert. Nicht sollt ihr hadern und zürnen; denn
diejenigen, die euch anhören, die euren Worten, eurer
Predigt beiwohnen, wollen sich Mir hingeben und gehören
zu den guten, eifrigen Christen. Darum sprecht ihnen
Trost und Mut zu und muntert sie auf zum Kampf. Geht
Hand in Hand mit dem armen Volk. Und du, du kleines
Volk, schaue hinauf zu deinem Priester, deinem Pfarrer,
Männer, die Ich euch gesetzt und gestellt als Leiter und
Führer. Steht zu euren Bischöfen, zu eurem Papst, ein
Herz und eine Seele untereinander, ein Schafstall und
eine Herde.“
Barbara: „O
liebe Mutter! Ich grüße Dich
durch das allersüßeste Herz Jesu Christi, meines
vielgeliebten Bräutigams. O sage Du doch Dank statt
meiner, ich armes, unwürdiges Geschöpf, für all die
lieben Worte, die Er mir heute wieder gab; fühle ich
mich doch wieder so glücklich, wenn ich zur heiligen
Kommunion gehe und ich mich Dir übergeben habe. O so
komme doch auch heute mir in meiner Schwachheit zu
Hilfe. Siehe, der Herr hat versprochen, wenn wir im
Maimonat Dich recht fleißig verehrten, uns viele Arme
Seelen zu schenken. Etwas wollten wir gern dem lieben
Jesus bringen, um Seine Krone zu verschönern, Sein
liebendes Herz zu beglücken; denn je mehr Anbeter Er um
Sich sieht, desto glücklicher ist Er. Ja, schenke mir
all die versprochenen Armen Seelen, die im Maimonat
gestorben oder schon länger im Fegefeuer sind, die aber
noch zu leiden haben. Ich mache Dir keine Vorschriften
mehr, Du weißt es besser, ich unterstelle meinen Willen
Seinem göttlichen Willen. Diejenigen Seelen, die auf
Erden Ihm nicht gedient, die Ihn verachtet und
verspottet, dann aber aus Gnade und Barmherzigkeit zur
Einsicht gekommen und noch gerettet sind, wenn Du sie
nicht befreien kannst, auch wenn es Seelen sind von
meinen allerliebsten Freunden und Bekannten, will ich
meinen Willen unterwerfen dem göttlichen Willen.“
Der Bruder von Fräulein St. hat noch zu
leiden, er hat noch schwarze Flecken. Die Schwester von
Fräulein Sch. sehe ich auf einem blauen See, ist aber
eine sehr schöne Jungfrau; sie ist wie im Paradies, so
schön ist die Landschaft, so sehe ich sie. (Lange
Aufopferung des kostbaren Blutes Jesu Christi.) Ich sehe
die liebe Mutter Gottes hinaufsteigen, wie wenn Sie aus
einem Abgrund geht. O nimm den Bruder von Fräulein St.
mit. O wie wunderschön! Das Paradies, in dem ich die
Seele schaute, ist der liebliche Maimonat. Der blaue See
ist die Demut Mariens. Um Ihrer Demut willen werden sie
befreit und wird all der Stolz hinweggenommen, womit die
Seele Gott gedient, nachlässig gedient. O jetzt steigen
sie auf. Diese schönen Treppen, die ich geschaut, sind
der schöne Übergang von dem Maimonat zum Monat des
heiligsten Herzens Jesu, meines geliebten Bräutigams. O
so zieht denn hin, vergeßt uns nicht. O noch so viele
kommen mit Kränzen auf dem Kopf; das sind Kinder,
Jungfrauen mit rosaroten und weißen Rosen. Das ist die
Unschuld, die Reinheit und die Liebe.
„Schenke uns N.N., die armen Mädchen aus
dem Hospital.“
Die sind dabei, die tragen die Kronen
aus Liebe zu Jesus. Alle sind nicht dabei, aber ein
guter Teil.
„Schenke uns auch die verstorbenen
Schwestern dieser Klöster.“
Jesus: „Es
sterben auch Ordensleute, die noch recht an der Welt
hängen, die dann auch längere Zeit zu büßen haben, wie
die Weltkinder. Die Frau, die dir wegen ihrer Eltern
geschrieben hat, die sollen noch beten, noch hie und da
eine heilige Messe lesen lassen und selbst recht fleißig
in die heilige Messe gehen; das ist das Allerwichtigste.
Eine Mutter, die Tag für Tag sich neue Kraft schöpft im
heiligen Meßopfer, deren Kinder gehen nicht verloren.“
Barbara: „Ist
denn der Bruder von Fräulein N. gerettet, der eine
gemischte Ehe eingegangen ist?“
Jesus: „Ja,
um des Gebetes seiner frommen Schwester willen und durch
das Leiden, das sie an sich hat, weil ihr das Augenlicht
genommen ist, muß sie sühnen für die Familie, weil sie
sich dem wahren Licht abgewendet und sich mit
Irrlichtern besudelt, durch Irrlichter hat verleiten
lassen. Dieses muß die Schwester durch ihre Blindheit
sühnen. Seht, Meine Kinder, man begreift nicht, warum
Ich manchmal Leiden in eine Familie sende,
außergewöhnliche Leiden. Dadurch muß eines der Glieder
der Familie gerettet werden. Du hast auch nicht
begriffen, nicht wahr, Meine gute Liese, als deine
Mutter verarmte, obwohl sie doch so eine wahre brave
Christin war und obwohl ihr alle gut und wohlerzogene
Kinder gewesen. Denn Ich wußte schon im voraus, weil Ich
alles weiß, daß eines ihrer Kinder sich dem Lichte
entziehe würde. Dadurch, daß er sich in eine gemischte
Ehe begab, entzog er sich das Licht des Glaubens in
seinen Kindern. Dafür mußte Ich euch alles entziehen,
und durch diesen zeitlichen Schaden wurde die Seele
dieses Bruders noch gerettet, am Rande des Grabes.
Aber es liegt immer noch ein dunkler
Schatten auf dieser Familie; denn solange ein Mitglied
lebt, solange wird derjenige, der die Anleitung dazu
gab, die Rückwirkung fühlen. Siehe, dein Bruder ist zwar
gestiegen in ein höheres Licht, in eine bessere
Seligkeit nicht, in ein Licht. Er ist aber noch nicht in
der Anschauung, in der Glorie, und kann nicht dahin
kommen, solange eines seiner Kinder noch lebt, weil er
schuld ist, daß seinen Kindern das Licht des rechten
Glaubens fehlt. Er floh dich, als du ihn im Traume
sahest, weil er sich schämt vor dir. Der Ort, den du
dort geschaut, ist die Verbannung, in der er sich
befindet, wo er Meines Angesichtes beraubt ist. Es gibt
verschiedene Orte der Qualen im Reinigungsort, von wo
aus eine Seele durch das Gebet und das Opfer ihrer
Angehörigen kann befreit und versetzt werden an einen
besseren Ort. Aber noch gar lange nicht ist dieses die
glückselige Ewigkeit, die für die Seele bestimmt ist.
Sie haben nur weniger Leiden und mehr Trost, das Gebet
der Kirche dringt besser hin und tröstet sie, und das
Opfer und Sühnungsleiden, die dargebracht werden von
ihren Angehörigen, trösten diese Seele. Du verstehst
manchmal nicht alles, wenn du so Seelen siehst, wie sie
ausziehen, wie sie aus einer Grube heraufsteigen.
Deswegen sind sie aber nicht alle in die höheren Räume
des Himmel versetzt, sie sind nur in einen besseren Ort
versetzt, der aber noch zu dem Weltall gehört; denn der
Ort der Reinigung ist ein Ort, der nur geschaffen ist zu
dem Weltall und verschwindet mit dem Verschwinden des
Weltalls. Deswegen ist er auch in der Welt, und die
Seelen sind nur unsichtbar, ihr könnt sie nicht sehen.
Aber mitunter leiden die Seelen an eben
dem Ort, wo sie sich versündigt, in ihrer eigenen
Wohnung oder ihrer Gemarkung, in ihrer Heimat, wo sie
gelebt. Sie schauen, was ihre Angehörigen tun, sehen es
mit an, freuen sich, wenn sie Gutes tun, auch wenn sie
nicht daran denken, daß es für sie getan wird, daß sie
es ihnen aufopfern. Sie freuen sich doch, weil sie Gott
als das höchste Gut über alles lieben; denn die Seelen
des Reinigungsortes sind heilige Seelen. Sie hängen
nicht mehr an dem Staub und Kot dieser Erde, sie sind
enthoben all der Kleinigkeiten, an denen die Seele auf
dieser Erde hängt.
Darum ist ihr Schmerz ein unendlich
großer, wenn sie sehen, daß von ihren Angehörigen Gott
beleidigt wird, den sie so sehr lieben, und groß ist der
Schmerz, weil sie so sehen, wie groß die unendlich
erhabene Majestät ist, der die Beleidigung zugefügt
wurde. So freuen sie sich, wenn ihre Angehörigen auf dem
rechten Weg Gott dienen, und sie nehmen teil an der
Freude, die Gott erwiesen wird durch Menschen in der
Welt. Darum, Meine Kinder, werdet nicht müde. Immer und
immer werdet ihr wieder Neues erfahren, aus dem alten
Schatz werde Ich euch immer noch Neues hervorbringen,
das ihr bis jetzt noch nicht begriffen und verstanden
habt.“
Lieschen: „O
liebe Mutter, soll ich die Kinder taufen lassen?“
Maria: „Du
mußt den Mann bearbeiten, du mußt an den Mann gehen und
mußt ihn an unsere heilige katholische Kirche erinnern,
deren Mitglied er ist, und ihm offen und frei sagen, wie
es sich mit deinem Bruder verhält, und was du schon
getan, und ihm sagen, daß ihm dasselbe bevorsteht. Wenn
er noch einen Funken Glauben habe, möge er sich wohl
besinnen, diesen Stein auf sich zu wälzen, der ihn in
der Ewigkeit schwer belasten und drücken wird. Solange
ein Tropfen Blut von ihm noch die Adern seiner
Nachkommen durchströmt, kann er nicht berufen werden,
wenn er auch die Gnade erlangt, daß er nicht
verlorengeht auf ewig; aber diese Strafe ist eine
unendlich schwere und harte. Dies sollte doch überlegt
werden. Sprich doch offen und frei mit ihm; erinnere ihn
an die Armseligkeit dieser Welt, wie kurz die Zeit ist,
wie die Tage schwinden und wie niemand helfen kann als
allein Gott.
Frage ihn, warum er sich fürchte vor den
Protestanten, die weit unter ihm stehen, er soll sich
schämen als Katholik. Nimm deine Freundin Luise mit.
Geht an einem Tag hin, wo du weißt, daß er zu Hause ist,
und schämt euch nicht. Sprecht offen und frei, und geht
hinweg und schüttelt den Staub von euren Füßen. Aber tut
es! Seht, was Satan tut, um die Seelen zu würgen. Darum
tut ihr auch alles, um die Seelen von diesen Klauen
freizubringen.“
Barbara:
„Mein Jesus! O Du Bräutigam meiner Seele! Ich bete Dich
an aus dem Abgrund meines Nichts und danke Dir für alle
Gnaden, die Du mir seit meinem Leben, besonders in den
letzten zehn Jahren, erwiesen hast. O verzeihe mir
armen, elenden Sünderin all die Vergehen meiner Jugend
und die Sünden der letzten Zeit, besonders der letzten
Woche, all die Nachlässigkeiten und Fehler, die ich
wieder begangen. Im Namen aller Menschen bete ich Dich
an in Vereinigung mit der heiligen Kirche, besonders
Deinem Stellvertreter, Papst Leo XIII., mit allen
Priestern der ganzen Welt, besonders mit dem Bischof von
Mainz, und empfehle Dir alle Anliegen der Diözese und
des Bischofs. Vielleicht ist es ihm auch ein Anliegen,
wenn er meine Schriften liest. O mein Jesus! Vielleicht
hat er doch auch manchmal Bedenken, daß er so darüber
weggeht. Wenn es so ist, so bitte ich Dich um Nachsicht
für ihn. Ich bitte für alle, die je gegen Dich waren, Du
mögest ihnen verzeihen. Ich danke Dir, o Herr! Ist es
auch vielleicht Dir manchmal ein Schmerz gewesen, daß
ich so abstoßend behandelt worden bin, und wenn es einer
geglaubt, so hat er sich doch gefürchtet nach außen hin,
es zu zeigen.
O ich danke Dir für all die harten
Behandlungen, die mir widerfahren, weil es mir doch gar
großen Nutzen brachte. O ihr alle, die ihr das Glück
habt zu wissen, wie gut Gott ist, o freut euch über die
Verdemütigungen; denn seht, wie auf einer Leiter steigt
man hinauf zum Herzen Gottes; nur sie sind es, die mich
befähigt haben, in dieses Herz zu steigen. O wie
glücklich ist hier meine Wohnung, und ihr alle, die ihr
teilnehmt an den Verdemütigungen, ein Platz ist euch
bereitet hier in diesem lieben, süßen Gottesherzen. O es
ist groß und weit wie die ganze Welt. Für alle Menschen
wäre Platz in diesem Herzen.“
Jesus: „Meine
Kinder! Ich habe euch am heiligen Fronleichnamsfest, wo
die Kirche Meinen Fronleichnam ehrt, Der am Kreuze hing,
Der ins Grab gelegt wurde, Der aber nach drei Tagen
siegreich aus demselben hervorging und Sich mit Seiner
Seele wieder vereinigte, um wieder hinaufzusteigen zu
Meinem und eurem Vater, um Besitz zu nehmen von der
Herrlichkeit, die Ich um euretwegen verließ, und die Ich
jetzt wieder im Triumph einnehmen wollte; an diesem
Fest, das Meine Kinder Mir bereiteten, wollte Ich euch
schon einführen und zeigen, wie beglückt Mein Herz ist,
wie es Sich freut, weil es schon damals wußte, was auf
dieses Fest folgen werde. Meine Kinder zogen aus, um
Meinen Fronleichnam zu ehren, den Leib, den Meine Seele
besaß.
Heute aber wird ein anderes Fest
gefeiert, das Mich noch viel mehr freut und beglückt,
ein neues Fest Meines Herzens. Ja, Meine Kirche tut
recht, Mein Herz zu verehren. Und ihr alle, glücklich
seid ihr, glücklich bist du, du neuer Sprößling Meines
Herzens, du frische Blume Meines Herzens, du sollst
aufsprossen, du bist noch eine Knospe. Aufbrechen soll
sie und sich entfalten wie eine tausendblättrige Rose,
du Meine kleine Dienerin! Darum freue dich an Meinem
süßen Gottesherzen; denn Ich bin gekommen, Feuer auf die
Erde zu bringen, und was will Ich anders, als daß es
brenne. Du sollst Mir aber noch recht viele
herbeiführen, noch viele deinesgleichen, alle, alle
sollen teilnehmen an dem Wohlgeruch, der ausströmt aus
Meinem Herzen. Von der Quelle, die da sprudelt, sollen
alle betaut, bewässert und benetzt werden, von dem
Gnadenstrom, den Ich ausgießen will über die sündige
Welt.
Seht, Meine Kinder, wie der Strom des
Unglaubens, der Gottlosigkeit, der Sittenlosigkeit die
ganze Welt überflutet, zu einer Sintflut macht, so soll
dieser Sintflut entgegen ein Gnadenstrom fließen, und
gerade in letzter Zeit, in dieser Zeit, in der ihr lebt,
soll dieser Strom geöffnet werden, und wie der Unglaube
dahinströmt über die ganze Welt und alles mit sich
fortreißt, so soll dieser zweite Strom dahinströmen über
die ganze Welt und alles mit sich fortreißen.
Wie Satan eifert und schürt, um alles zu
umstricken und umgarnen, so soll und will Mein Herz
eifern und umstricken alle, die sich da noch fangen
lassen; auch wenn sie schon in dem Strom stehen bis zum
Hals, bis zum Ersticken in dem Morast des Unglaubens,
der Sittenlosigkeit, Ich will sie retten, Ich will sie
herausziehen. Sie sollen bewässert und befeuchtet werden
aus dem Strom, der da ausfließt aus Meinem süßen
Gottesherzen. Und dadurch, daß Leo XIII., mit dem Ich
gerade so spreche wie mit dir, Meine Kleine, dieses
Rundschreiben an alle Bischöfe der ganzen katholischen
Welt ergehen ließ und sich richtet an alle gläubigen
Christen, ist dieser Strom geöffnet worden, und er wälzt
sich dahin und reißt mit sich alle die guten, eifrigen
Seelen. Sie stehen zusammen zu einem Bund, und was Ich
euch schon jahrelang vorausgesagt, es ist plötzlich mit
einem Mal in Erfüllung gegangen.
Seht, Meine Kinder! Kein Wort, das Ich
mit euch besprochen, ist unerfüllt. In der Bulle, die
Mein Stellvertreter eröffnete, ist in kurzem Inhalt
alles mit einbegriffen, was Ich seit Jahren mit euch
besprochen habe, euch klar und deutlich
auseinandersetzte. Und wenn sich auch manchmal deine
Sprache ausdehnt, und du etwas mit eingemischt, weil
dein Geist mit Meinem Geist verbunden ist und hie und da
etwas undeutlich ist, so ist und bleibt aber die
Hauptsache immer dasselbe. Es ist die eine Sprache, die
Ich rede in Meinem Diener, in dem Statthalter, der dort
auf dem Stuhle Petri sitzt. Ein Band will Ich schlingen
um die ganze Menschheit. Die Guten sollen zusammenstehen
und einen Eifer entfalten, der da die gottlose Welt in
Staunen setzen soll. Niemand darf sich fürchten und
schämen wegen seiner Religion. Ja, die Spötter sollen
und müssen verstummen ob des Eifers Meiner Kinder. Und
wer sich nicht anschließen will, weil er Meine Gerichte
fürchtet, so muß er sich anschließen, wenn er sieht, mit
welcher Entschiedenheit, mit welcher heiligen Freude
Meine guten Kinder all den Spott und die Verdemütigungen
ertragen, die man ihnen allenthalben zufügt.
Darum merkt es euch, Meine Kinder, ihr
alle, die Ich euch herbeiführe, und die ihr schöpfen
sollt aus der Quelle, die da ausströmt, wie Ich es
Meiner kleinen Dienerin zeigte am heiligen
Fronleichnamsfest; ihr alle müßt Verdemütigungen
annehmen, wenn auch nicht direkt suchen; denn das arme
Menschenherz ist gar zu schwach. Wenn sie aber an euch
herantreten, dann wißt, daß ihr diejenigen seid, die
bestimmt sind, vielen voranzugehen. Und du, Meine
Kleine, bist bestimmt, in den Kreisen zu wirken, die da
in der Welt die besseren Stände genannt werden; das ist
zwar ganz verkehrt, denn die Besseren sind nur die Guten
und Frommen, auch wenn sie die Allerärmsten sind, die im
Dachkämmerchen wohnen, diese soll man die Besseren
nennen, auch wenn es in der Weltsprache so ist, daß man
die Begüterten die Besseren nennt. In diesen Kreisen
sollst du wirken.
Ich habe dich herbeigeführt, damit du
teilnehmest an den Gnadenschätzen Meines lieben
Gottesherzens, und weil Ich dich gefunden habe als eine
treue Seele. Du hast ein gutes Herz, Mein Kind! O laß
dich bearbeiten und beeinflussen. Gehe hin und wirke in
den Kreisen, schäme dich nicht, da kannst du dich
zeigen. Da werden Verdemütigungen an dich herantreten,
da zeige, daß du eine starke Seele hast, daß du zu jenen
gehörst, die in der Schrift genannt werden ‚das starke
Weib‘, das in der einen Hand die Spindel dreht und mit
der anderen starke Dinge verrichtet. Verstehst du Mich,
Mein Kind?
In der einen Hand sollst du verrichten
die Dinge, die Werke, die Ich dir aufgetragen. Du sollst
emporbringen den Verein, den Ich dir übertrug, du sollst
vorausgehen und keine Mühe scheuen, wenn es gilt zu
schreiben, zu lesen, zu sprechen. Du sollst aber nicht
nur die Spindel führen, du sollst auch mit der anderen
Hand starke Dinge verrichten. Du sollst, wenn Ich
Verdemütigungen an dich herantreten lasse, wenn du
verspottet und verhöhnt wirst, denn das sind starke
Dinge, wenn diese ein Weib verrichtet, dann gehörst du
zu den Starken, die sich nicht verwirren lassen. Da gilt
es nicht zu erschrecken, mutig das Haupt zu erheben und
dich zu freuen, wie diese Meine drei Dienerinnen, die
Ich Mir erwählte, denen es auch weh tut, wenn sie durch
die Straßen gehen und sehen, wie man über sie lächelt,
sonst wäre es ja auch kein Opfer mehr. Es muß auch dir
weh tun, damit es ein Opfer ist, aber gehe ruhig weiter,
denn dann freust du dich, wenn du ausharrst und ruhig
weitergehst auf der Bahn, die Ich dir vorgezeichnet
habe. So sollen es alle tun, auch die Damen, die
gekommen sind von E. und N. und alle, die Ich
herbeiführen werde, sie sollen sich gefaßt machen auf
Verdemütigungen; denn Ich führe sie nicht herbei, um sie
vor der Welt zu Ehren zu bringen. Nein, nein!
Vor der Welt müßt ihr verachtet und
verspottet sein; denn dies ist der Weg, den Ich
gewandelt und auf dem Ich in Meine Herrlichkeit
eingegangen bin. Verachtet und verdemütigt müssen alle
diejenigen sein, die in Meine Fußstapfen eintreten,
mögen sie in der Welt oder im Kloster sein, mögen sie
auf dem bischöflichen Stuhl sitzen oder auf dem Stuhl
Petri, mag es sein ein Ordensmann, eine Ordensfrau oder
der arme Laie, der arme Hausbursche, die arme
Dienstmagd. Sie alle können teilnehmen an den
Gnadenschätzen, die Ich ausströmen lasse hier aus dieser
Quelle, in die Ich hineinleite Meine süßen Worte, die
Worte, die ausströmen aus Meinem Mund. Ich will euch
zeigen, Meine Kinder, da Ich doch gesagt, welche Freude
Ich empfinde, so daß Ich dich an dieser Freude schon
teilnehmen ließ am Fronleichnamsfest, die Meine Kinder
Mir bereiteten in diesen Tagen.
Seht, lange hat es gedauert, bis die
ganze Welt es annehmen will. Weißt du noch, Meine
Kleine, es ist noch gar nicht so lange her, als ein
alter, erfahrener, ergrauter Priester dir sagte, daß man
da etwas Neues aufbringen wolle mit der Andacht zum
Herzen Jesu, daß da nichts dahinter sei, daß das die
Sprache der verzärtelten Menschheit sei, die da nur von
Süßeleien träumen wollten? Erinnerst du dich noch, wie
er sagte: ‚Wir glauben an einen Gott, damit ist alles
eingeschlossen! Mit der Süßlichkeit, was ist denn damit?
Alle, die da die Zeitschriften halten, die solche
Süßelei bringen, möchte ich hinausschleudern‘. Erinnerst
du noch diese Worte?
Selbst Meine Diener, die Priester, die
Ich berufen habe, um die Andacht in erster Linie zu
pflegen, haben sie nicht angenommen, auch wenn sie diese
nach außen, weil es so befohlen wurde, geübt haben,
waren sie im Herzen doch abgeneigt. Seht, dies alles
hört jetzt auf, weil Mein Statthalter auf Erden die
Andacht empfiehlt, erhebt und befördert. Er führte sie
in der ganzen Welt ein und befahlt den Bischöfen der
ganzen Welt, daß sie an alle Pfarrer ein Hirtenschreiben
ergehen lassen, um die Gläubigen herbeizuführen zu
Meinem lieben Gottesherzen.
Ja, in Wahrheit bin Ich dieses süße
Gottesherz, das man damals noch zu einer Süßlichkeit
machte. Süßigkeit und Trost sollen alle empfinden, die
dieses Herz verehren und anbeten. Jener Herr, der dieses
zu dir sagte, hat diesen glorreichen Tag, diesen
Triumphtag, nicht erlebt. Er ist eingegangen, und hätte
er es geglaubt und befördert, statt dich abzuhalten und
dir die Schrift (Sendbote des Heiligsten Herzens Jesu)
zu verbieten, er hätte eine größere Glorie erlangt.
Dieses sage Ich allen den Priestern, die so speien und
schimpfen auf das, was Ich hier rede. Sie alle würden
eine weit größere Glorie erreichen, wenn sie glauben,
was in diesen Schriften niedergelegt ist; denn der
Geist, Der da ausströmt, ist der Geist Meines süßen
Gottesherzens. Es ist die dritte Person in der Gottheit,
die dieser Seele mitgeteilt ist, und sie alle schaden
sich und schaden ihren Untergebenen, denn wenn ihr jetzt
noch nicht glaubt, dann leset die Bulle, die Mein
Stellvertreter an euch alle ergehen ließ, und ihr werdet
in kurzen Zügen zusammengefaßt finden, was Ich hier
schon jahrelang gesprochen habe.
Ihr aber, Meine Kinder, du und Lieschen,
tut, was ihr euch beide vorgenommen habt, auch wenn
keines von euch noch recht weiß, was das andere tun
soll. Tut es, Meine Kinder! Schämt euch nicht, besonders
du, Meine Kleine Barbara, fürchte nichts, ob es Mir
recht oder unrecht sei. Es gefällt Mir, wenn du es tust,
gerade, weil deine Natur sich so dagegen sträubt. Tut es
nur, Ich werde euch beide erhalten (barfuß sich an der
Wallfahrt zu den Vierzehn Nothelfern, eineinviertel
Stunde von hier weg, zu beteiligen). Überhaupt verlange
Ich von euch ein uneingeschränktes Wesen über alles, was
Ich in euch niederlege, uneingeschränkt sollt ihr alles
befolgen. Ihr dürft euch keine Schranken setzen, denn
Ich verlange nicht zu viel. Was Ich verlange, könnt ihr
tun, denn ihr sollt der Welt ein Vorbild werden, den
Spott und Hohn der Welt nicht scheuen, und wenn es
diejenigen wären, die Ich euch zu Vorgesetzten gegeben
habe.“
Luise: „O
Herr! Wenn Du willst, so will ich auch gern mitgehen.“
Jesus: „Aber
nicht wie diese zwei. Dieses verlange Ich von diesen
zweien. Du sollst mitgehen, sie begleiten – aber nicht
barfuß, nein, du bist noch nicht stark genug –, damit
die Welt euch sagt: ‚Seht, diese Narren!‘, wie man auch
Meinem Diener Franziskus sagte. Seht, Heilige will Ich
bilden, Heilige in diesem Jahrhundert, Menschen, die
starke Dinge verrichten, die sich nicht schämen.“
Barbara: „O
Herr! Soll ich denn auch von
unserem Haus so gehen? Sieh, das ist noch ein großer
Haken und die Meinigen sind nicht so stark am Ende.“
Jesus: „Gehe
zu Lieschen oder zu Luise, deinen Freundinnen. Ich will
den Kleinen nicht zu viel aufladen, um der Kleinen
willen mußt du Rücksicht nehmen. Verstehst du Mich? Die
Kleinen, das sind all diejenigen, die noch zu kleinlich
sind, um so Großes zu erfassen, die da rückwärts gingen,
wenn Ich mit solcher Sprache kam. Ihr habt schon
ziemlich Kieselsteine regnen lassen, denn wenn man von
der Kanzel herab eine Seele beschimpft, dann vergeht
vielen der Mut. Merk es dir auch du, Meine Kleine, du
gehörst noch eher zu den Kleinen, du sollst aber groß
werden, du sollst noch die Schuhe ausziehen, du hast
schon vieles abgelegt. Verstehst du Mich?
Du willst noch nicht die Verdemütigungen
auf dich nehmen, du willst dich noch schämen, wenn man
sagt: ‚Diese gehört zu den Frommen.‘ Das mußt du Mir
noch bringen. Doch bin Ich schon zufrieden, du hast
schon viel Opfer gebracht, und es freut Mich immer, wenn
der erste Freitag kommt; denn du bist das Werkzeug,
durch das Ich die Sache durchführte. Schon lange hatte
Ich es Meiner Dienerin aufgetragen, und es kam nicht
zustande, weil keiner Meiner Diener sich dazu
herbeiließ. Als Ich aber dich herbeibrachte, als Ich
dich herbeizog, da du Mir mit deinem guten Willen die
nötigen Opfer brachtest, kam die Sache sogleich in Gang
und der Verein zustande. Ich werde es dir zu belohnen
wissen. Ich gab dir den Entschluß, die Anregung, daß du
dich anschlossest an Meine Dienerin, und von Ewigkeit
habe Ich dich erwählt, um diesen Gebetsgeist zu erwecken
unter dem Volk hier in Mainz. O wie tut es so not dieser
Zeit.
Seht, wie der Segen hineinströmt in alle
die Familien, die sich da beteiligen; denn obwohl man
sagt, es wären Andachten genug hier, tut man aber gar
nie zu viel. Immer etwas Neues will das Volk, immer eine
neue Anregung, wie Ich ja auch erfinderisch sein muß in
Meiner Liebe, um immer von neuem anzulocken das Volk.
Ich muß Mich abmühen und absinnen gleichsam, wie Ich
wieder etwas herbeibringen kann, um Mein Volk zu wecken,
weil es immer Neuigkeiten hören und wissen will. Ja, wie
Mein Diener sagte, es sei nur Neuigkeitshascherei der
Frommen, so wie sie die Neuigkeiten des Tages suchen und
hören, so auch die der Frömmigkeit, der
Tagesfrömmigkeit. Ja, ja, da hat Mein Diener recht
gesprochen, es ist in Wirklichkeit so; die Menschheit
seufzt nach Neuigkeiten, so auch nach neuer Frömmigkeit,
und dieses Suchen nach Neuigkeit muß man ausnützen, um
das Volk herbeizuführen. Wenn es auch eine Neuigkeit
ist, so ist es doch eine fromme und gibt eine gute
Anregung. Ich tadle niemand, der etwas Neues aufbringt,
um das Volk zum Guten anzuregen. Es stimmt immer mit der
alten Lehre überein und bleibt immer in demselben
Rahmen, wie Ich gesagt, als Ich auf Erden lebte, daß der
Hausvater unter dem Schatz, den er auffand in seinem
Acker, immer wieder etwas Neues hervorbringe, aus dem
alten immer wieder etwas Neues. Damit ist gemeint das
Evangelium, daß aus dem alten Evangelium immer wieder
Neues hervorzubringen sei und hervorgebracht wird bis
zum Ende der Welt. Denn wie die Zeit voranschreitet, so
schreiten die Menschen voran, und siehe, so muß auch die
Andachtsübung voranschreiten, denn wißt, je mehr das
Menschengeschlecht dem Weltuntergang entgegengeht, desto
schwächer wird es in allen Beziehungen.
Es nimmt ab in seiner Kraft in allen
Fasern. Da muß es nun allerlei Anregungen geben, andere
Regeln müssen aufgebracht und aufgestellt werden. Zum
Beispiel die Kraft, die die Menschen hatten im
Mittelalter, haben sie jetzt nicht mehr, und selbst die
besten unter Meinen Kindern, die hinausziehen, die
Heiden zu bekehren, die Gut und Blut aufopfern für den
Glauben, für Meine Liebe, haben doch die Kraft nicht
mehr, wie sie hatten in den ersten Zeiten und im
Mittelalter. Sie müssen essen und trinken und schlafen,
sonst reiben sie sich vor der Zeit auf und können Meine
Befehle nicht ausführen. Darum habe Ich ganz andere
Maßregeln getroffen, weil in jetziger Zeit die
Menschheit gar zu krank ist. In religiösen Dingen bin
Ich schon zufrieden mit den Werken, die Meine Kinder
üben, wenn es nur hie und da ein Werk der Gottesliebe,
der Nächstenliebe, ein außergewöhnliches Bußwerk ist.
Sie sollen sich nicht aufreiben bei
Wasser und Brot, wie dies Meine Diener früher taten;
aber die Bußwerke, die Ich hie und da von denjenigen
verlange, die zu Meinen Auserwählten gehören wollen und
sollen, die können und sollen sie üben, damit andere
sehen, was Ich von Meinen Auserwählten verlange. Alle
aber, die sich anschließen an den Liebesbund, sollen das
befolgen, was Ich angegeben habe. Das können und müssen
sie tun, sonst gehören sie nicht zu den liebsten Kindern
Meines Herzens; denn darin ist alles so leicht gemacht,
daß kein Christ, mag er stehen, wo er will, es nicht
befolgen könne.“
Barbara: „O
Herr, darf N. ihre Freundinnen besuchen?“
Jesus: „Du
kannst sie besuchen mit dem Vorsatz, sie auf bessere
Gesinnung zu bringen. Das ist es ja, was Ich dir sagte
von Anfang an, weswegen Ich dich erweckt habe und
erwählt habe, daß du unter besseren Kreisen wirken
sollst. Du sollst aber, wie Ich dir angab, mit der einen
Hand die Spindel drehen, das heißt, das
gesellschaftliche Leben üben, in der anderen Hand aber
starke Dinge vollbringen, frei und offen deinen Glauben
bekennen, zeigen, daß du eine andere geworden bist und
nicht teilnehmen willst an den Vergnügungen, die sie dir
anbieten. Nein, nein, Meine Tochter! Ein ehrbares
Vergnügen sei dir gestattet, aber nicht, wie es die Welt
bietet.“
Barbara:
„Darf sie denn, o Herr, eine Erholungsreise machen?“
Jesus: „Geh
nur, Meine Tochter, denn du bist in diesem Jahr schon
kräftiger geworden als voriges Jahr, im geistigen Leben.
Voriges Jahr war es für dich nicht gut, es wäre sehr
nachteilig für dich gewesen, aber Versuchungen wirst du
genug haben. Sei stark, Meine Tochter, und komme zurück,
wie du gegangen bist.
Du, N. (Schwester von Barbara), sollst
die Stelle Meiner Dienerin vertreten. Ich habe von ihr
eine Verdemütigung verlangt, und die Familie braucht
Stütze und Hilfe. Du sollst ihre Stelle ausfüllen am
Sonntag, weil Ich bestimmt habe, einen Wallfahrtsgang zu
machen, und mit großer Verdemütigung zu machen.“
Barbara: „O
Herr! Soll ich denn fragen im
Beichtstuhl, weil doch ein außergewöhnliches Bußwerk,
mit Gehorsam verbunden, besser ist? Er wird es mir aber
nicht erlauben.“
Jesus: „Du
kannst fragen, Ich habe nichts dagegen, mach dich aber
schon gefaßt auf eine Verdemütigung im Beichtstuhl.“
Barbara: „O
Herr! Soll ich N. einen Vormund
setzen lassen?“
Jesus: „Laß
es gehen, kümmere dich nicht um unnötige Dinge. Laß sie
kommen, wie sie kommen.“
Barbara: „O
Herr! Bist Du denn mit Schwester
N. zufrieden?“
Jesus:
„Siehe, Ich habe ihnen ja gezeigt, daß sie schwimmen in
den Wonnen Meines lieben Gottesherzens. Sie sollen sich
doch nicht beeinflussen lassen. Alle Beängstigungen,
alle Engherzigkeit kommt nicht von Mir, ist nicht
Wirkung Meines Geistes; sie sollen alle ihr Herz
erweitern und sich freuen wie Mein Diener. Ich bin
zufrieden mit allen Menschen, die guten Willens sind.
Auch bei dir, Meine Kleine, und bei euch allen schaue
Ich nur auf den guten Willen. Deswegen, wenn ihr euch
hie und da mal verfehlt, und ihr vergeßt euch, seht, wie
Ich da wieder zufrieden bin, wenn ihr nur zu Mir kommt
und Abbitte leistet.
Wenn ihr etwas miteinander beratet, dann
müßt ihr nicht glauben, daß Ich unzufrieden bin, aber
ihr müßt dabei bleiben, was ihr unter euch miteinander
redet, das ist wie ein Ratschluß, den ihr miteinander
beratet. Ihr sollt, wie Ich gesagt am Anfang, am
Fronleichnamsfest vor vier Jahren, alles miteinander
gemeinschaftlich haben; all euer Wissen soll ein Wissen
sein. Hierin sollt ihr uns ähnlich werden, daß ihr,
obwohl drei Personen, eins sein müßt in Gedanken, Wollen
und Wünschen. Eure Gedanken sollen ein Gedanke sein. Ihr
alle drei müßt wünschen und verlangen, daß Mein Herz
erkannt, geliebt und verehrt werde in der ganzen Welt,
und darauf hin muß all euer Sinnen und Trachten
gerichtet sein. Wenn euch nun Böses gesagt wird von
einem Meiner Diener oder von irgend jemand, da dürft ihr
euch darüber besprechen, aber nur, um diesen Fehler zu
sühnen, damit ihr Sühne und Abbitte leistet, und dann
für die Betreffenden beten könnt. Darum verzeihe Ich
alle Fehler, die ihr in dieser Beziehung gemacht, aber
mit anderen darüber zu reden ist und bleibt euch
untersagt.“
Barbara: „O
Herr! Ich empfehle Dir besonders
N. und N.“
Jesus: „Sie
alle sind ja eingeschlossen in Meinem lieben
Gottesherzen. Deine Rosa ist bestimmt, alle ihre Kinder
für Mich zu erziehen, und wie Ich ihren Mann gewonnen,
wie sie ihren Mann gewonnen vielmehr, so soll und muß
sie auch ihre Schwiegereltern gewinnen und die
Geschwister. Diese Erdscholle, um das sich alles dreht
und wendet, ist und bleibt vergänglich, sie soll und
braucht nichts zu fürchten. Für was fürchten? Ruhig soll
sie stehen und auch ihr Mann, der sich da so grämt um so
nichtige Dinge. Nur noch ein paar Jährchen, und alles
ist vorüber, und das Haus gehört ja ihm. Für was sich
grämen? Deine liebe Schwester Karoline macht Mir große
Freude und alle deine Geschwister, wie ihr alle, die ihr
euch anschließt, gehört ja zu den liebsten Kindern
Meines Herzens, aber das Kreuz kann Ich nicht
hinwegnehmen, aus keiner Familie.
Ja, alle, die da kommen, sie wollen vom
Kreuze befreit sein. Ja seht, bin Ich denn vom Himmel
herabgestiegen, um auf Rosen zu wandeln? Bin Ich etwa in
das Paradies hineingestiegen? Habe Ich etwa das Paradies
erst wieder erschaffen, um in dem Paradies zu wandeln?
Nein, nein, Meine Kinder! Meine Fußstapfen waren blutige
Fußstapfen. Blut und Schweiß bedeckten alle Pfade Meines
Lebens. Als Ich Mein öffentliches Leben begann, da
gönnte Ich Mir kaum einige Stunden Schlaf, und als Ich
schlief, da wachte Mein Herz, dessen Pulsschläge ihr
hören sollt, wenn ihr Mich lieben wollt. Dieses Herz
sagte Mir: Steh auf, laufe, laufe, um Seelen zu retten,
laufe, laufe, um Seelen Meinem Vater zuzuführen, und Ich
stand auf in früher Morgendämmerung und durchlief die
Städte und Orte Palästinas, und Ich wäre die ganze Welt
durchlaufen, wenn Ich nicht diesen schwachen Leib mit
Mir herumgetragen hätte; denn Ich war ein Mensch wie
ihr, aber Gottmensch, und mußte darum wandeln, wie alle
Menschen gehen, aber Ich lief, soweit Ich wandeln
konnte, um Seelen zu retten. Und wie schmerzlich war
Mein letzter Gang! Nicht nur, daß Ich zermalmt wurde wie
ein Wurm an der Geißelsäule, die Dornenkrone auf Meinem
Haupte, mußte Ich noch auf Meinem Rücken dieses schwere
Kreuz halten und tragen, das Mir Mein Fleisch
zerquetschte und die Wunde bis auf den Knochen Mir
drückte.
Und ihr wollt vom Kreuze befreit sein?
Warum schleppte Ich das Kreuz hinauf und wollte am
Kreuze sterben? Um euch allen ein Vorbild zu werden und
zu zeigen, wie groß der Lohn ist, dem ihr entgegengeht.
Um euch zu zeigen, daß Ich, euer Bruder, keinen anderen
Weg wandeln wollte als den Kreuzweg, daß ihr dereinst
mit Mir durch die ganze Ewigkeit herrschen sollt, ewig
triumphieren mit Mir, ewig jubilieren mit Mir, ewig
herrschen und im Entzücken euch freuen von Ewigkeit zu
Ewigkeit. Seht, Meine Kinder, ist es da zuviel verlangt,
wenn Ich euch allen, die Ich hineingestellt in dieses
Leben, den Kreuzweg vorgezeichnet? Sage deinen guten
Schwestern und allen, die die Schriften lesen, der Weg,
den sie gehen, die Haushaltung, die Familie, in die Ich
sie hineingestellt, sei der Weg, den Ich ihnen
vorgezeichnet, sei die Stelle, an die Ich sie gestellt,
und nicht sollen sie weichen und nicht sich grämen.
Alles, was vorkommt, alle die Kreuze,
die da von irgendeiner Person ihnen bereitet werden,
sind die Leiden, die Ich wünsche, daß sie sie tragen,
und womit sie sich die ewige Herrlichkeit verdienen
sollen. Die eine hat die Last mit ihren Kindern, die
andere hat die Last mit anderen Personen; und ihr, die
Ich euch bestimmt habe, Mir als Jungfrauen in der Welt
zu dienen, ihr habt eure Leiden, verschiedene Leiden. O
wie sind es so kleine Kreuzchen, die Ich auf eure
Schultern gelegt! O wenn ihr einmal in der Ewigkeit mit
Mir herrscht und triumphiert, und ihr schaut zurück auf
eure Leiden, wie lächerlich kommt es euch vor, daß ihr
manchmal geseufzt unter der Last eurer Leiden. Dann
werdet ihr erst sehen, wie klein das Leiden war.
Denn seht, Meine Bräute haben alle einen
leichten Weg, wenn es auch hie und da eine Verdemütigung
kostet, wenn sie auch hie und da zurückgesetzt sind von
anderen Menschen, wenn es heißt: ‚Diese alte Jungfer‘,
oder in dem Kloster, wenn man manchmal sich gegenseitig
feindselig begegnet, seht, Meine Kinder, sind das nicht
lauter Kleinigkeiten?
Darum sage deiner Schwester einen
herzlichen Gruß von Mir, sie möge alles als Kleinigkeit
ansehen, was sie manchmal grämt, und daß Ich mit ihr
zufrieden bin, und daß Ich ihr diesen Stand angewiesen,
und weil Ich weiß, wie viel Gutes sie wirkt in ihrem
Stand als Oberin, wie viele Seelen sie schon
zurückgeführt hat in Meine Arme, und weil sie doch weiß,
daß Krankenpflege und überhaupt die Pflege älterer
Personen zu den Werken der Barmherzigkeit gehört, die
Ich ja schon in den acht Seligkeiten gepriesen, was
braucht sie denn da noch neue Ermunterung Meinerseits?
Ein liebes Wörtchen verlangen alle Menschen, und Ich
gebe es allen Menschen, die da glauben. Siehe, Meine
Tochter, es ist doch ein wenig Stolz dabei, wenn man
sagt, man wolle ein liebes Wörtchen. Man muß da so
zufrieden sein, wenn man im allgemeinen mit gemeint ist.
O Ich habe zu tadeln an allen Menschen. Aber seht, sie
sind ja Adamsgeschöpfe, Evaskinder. Adam, der
Schwachkopf, Eva, die stolze Eva, sie will Gott gleich
sein, die stolze, sinnliche Eva. Aber seht, das Paradies
soll erneuert werden, das Paradies, aus dem Ich den
Menschen hinausstieß, weil er Mich verachtet, Meine
Gebote von sich stieß. Es soll aber erneuert werden, und
es ist erneuert worden.
Als Ich hinaufstieg an das Kreuz und
Meine Kirche geboren war, da wurde das Paradies erneuert
auf Erden, und in diesem Paradies wohnen alle
diejenigen, die in Meiner heiligen katholischen Kirche
sich befinden und die Meine Wege wandeln, den Kreuzweg
wandeln; die ihn aber wandeln in vollem Bewußtsein, die
wissen, daß sie Meine Wege gehen. Versteht ihr Mich,
Meine Kinder? Verstehst du Mich? Du bist bestimmt, viele
nachzuziehen, viele zu lehren, wie das Paradies auf
Erden aufzurichten ist. Das Paradies auf Erden gehen nur
die Kreuzträger und haben nur die Kreuzträger, diese,
weil sie wissen, daß sie auf Meinem Weg wandeln, die
diesen Gang hindurch zu dem überirdischen Paradies
gelangen, Meine Wege gehen und darum auch wissen, daß
sie im Paradies sind; denn sie achten das Kreuz nicht
anders, als daß der Kreuzweg der Weg zum Siege ist, der
Weg zum Himmel.
Freut euch, Meine Kinder, denn ihr steht
an der Wende eines glückseligeren Jahrhunderts. Viele
werden sich euch anschließen, und der Damm ist im
Entstehen. Dadurch, daß Papst Leo XIII. Hand anlegt und
allen seinen Kindern die Bulle in die Hand gibt, ist das
Band geschlungen um die ganze katholische Welt. Sie
alle, die da teilnehmen an Meinem Tisch, die hineilen zu
Meinem Tisch, sie alle sind Mitglieder des Liebesbundes,
wenn auch jetzt noch unbewußt. Wenn ihr einmal
eingegangen sein werdet und die Schriften allenthalben
gelesen werden, dann ist der Liebesbund in der ganzen
Welt begründet, sowohl unter den Ordensleuten wie in der
Welt. Alle werden einstehen in den Liebesbund, und es
wird ein Schafstall und eine Herde sein, und die ganze
Welt wird schauen auf den Thron, auf welchem Petrus
sitzt, das heißt, auf den Papst, den Statthalter, der
auf dem Stuhl Petri in Rom sitzt. Und man wird sich
verwundert fragen: ‚Wer ist denn die, die da
heraufsteigt aus der Wüste, schön wie die Morgenröte,
aufgehend wie die Sonne am Mittag?‘ Seht, das ist Meine
heilige katholische Kirche! Schön wird sie aufsteigen
wie die Morgenröte, und alle werden verwundert an ihr
hinaufschauen und sie bewundern ob ihrer Schönheit.
Darum freut euch, Meine Kinder, die ihr jetzt das Kreuz
tragt, die ihr am Wendepunkt steht, wo es aufwärtsgehen
soll. Aber seht, der Weg ist noch steil und hart, es
kostet noch vielen Schweiß und Tränen, bis die Spitze
des Berges erreicht ist, von wo aus die ganze Welt Meine
Kirche schauen und sehen soll. Auf den Berg soll sie
gestellt werden, auf den heiligen Berg. Und nun lebt
wohl, Meine Kinder! Kämpfet, ringet, weichet nicht!“
Barbara: „O
liebe Mutter! Ich bitte Dich um
ein kleines, liebes Wörtchen für die Armen Seelen im
Fegefeuer, die alle so sehnlichst warten auf so hohe
Feste. O erbarme Dich ihrer, und noch einmal rufe ich
alle die frommen Gebete zurück, die in der ganzen
katholischen Welt verrichtet worden, alle die Ablässe,
die gewonnen worden sind in den letzten Wochen. O öffne
Deine Hand und lasse den Segen hinüberströmen, gib uns
doch alle die Seelen, die in letzter Zeit gestorben
sind, die Dich verehrten und das göttliche Herz Jesu.“
Maria: „Meine
Kinder! Wenn ihr Mir nachfolgen wollt, dann müßt ihr
auch die Tugenden euch recht aneignen, die Ich geübt
habe im Leben; das war aber in allererster Linie der
Glaube. Der Glaube erzeugt alle Tugenden, die Demut
treibt die Wurzel, aber der Glaube gebiert sie. Der
Glaube ist die Mutter aller Tugenden. Aus ihm gehen sie
hervor wie das Kind aus dem Mutterschoß; aber die Demut
treibt die Wurzeln, daß sie hineinschlagen in den tiefen
Abgrund, daß sie der größte Sturm nicht mehr entreißen
kann aus den Herzen der Menschen. Darum, Meine Kinder,
der Glaube war Mir zwar schon eingegossen mit der
Vernunft, weil Ich bestimmt war, die Mutter des Messias
zu werden. Ich beförderte aber auch diesen Glauben Mein
ganzes Leben, indem Ich ihm alle Nahrung zuführte, die
Ich nur konnte.
Jedes Wort, das Ich las in der Heiligen
Schrift, jedes Wort, das Ich hörte aus dem Munde eines
Menschen, mochte es auch der geringste Knecht oder Magd
gewesen sein, das sich bezog auf den Sohn Gottes, Ich
erwog es, Ich dachte darüber nach und nährte so den
Glauben von Tag zu Tag. Und Meine tiefe Demut hatte
keine Hinterhäkelchen, keine Zweifel. Ich ließ diesen
Glauben hineinsenken bis ins innerste Mark Meines
Herzens.
Als die Hirten kamen und sagten, daß sie
eine Erscheinung gehabt hätten in der Luft und einen
Gesang gehört, der ihnen schien, als sei es ein
überirdischer Gesang und keine Geschöpfe gewesen, da
überlegte Ich in Meinem Herzen und dachte: Ist dieses
der Himmel, der da bezeugt, daß der Sohn Gottes auf die
Welt gekommen, ist dieses das erste Wunder, das Mein
göttliches Kind wirkt? Und Ich dachte darüber nach, wie
doch die Menschen, wenn sie es alle gehört hätten,
diesen Gesang und die Worte des Engels, wie sie alle
herbeiströmen und Mein liebes Kind anbeten möchten.
Sooft Ich diese Worte erwog, kam die Sehnsucht, als
wollte Ich hinaustreten unter alle Menschen und sagen,
daß dieses Mein Kind ein göttliches Kind sei, und daß es
Sich bei Seiner Geburt so geäußert, als vom Himmel
stammend. Aber die Demut sagte Mir, daß Ich schweigen
solle, da es noch nicht Zeit sei, und daß, wenn Es
eingegangen sei in Seine ewige Herrlichkeit, wenn Es
wieder hinaufgestiegen, dann erst die Menschen es
verstehen und es verkündigt werde.
Wißt ihr, was Ich sagen wollte: Seht,
ihr seid bestimmt, viele, viele zu belehren, und es
wandelt euch oft die Lust an und der Gedanke, als
möchtet ihr alle Menschen herbeiführen und alle Menschen
teilnehmen lassen an dem Glück und sagen, daß der Herr
es sei, Der mit euch rede. Die Demut aber muß euch
halten, daß ihr es nicht tut. Nein, nein, ihr dürft es
nicht tun! Erst wenn ihr eingegangen seid in die
Herrlichkeit, dann erst verstehen es die Menschen, was
hier der Herr in euch wirkt; denn wenn die Menschen zu
damaliger Zeit an die Krippe gekommen wären, die
weltlichen, die sinnlichen Menschen, diese Welt, die nur
Eitelkeit und Üppigkeit in sich aufgenommen, die einen
Messias wähnten aus einem Palast, aus einem Stammschloß
des Königs David, die hätten nie und niemals geglaubt,
daß dieses Kind der Sohn Gottes sei, und man wäre
hinausgegangen und hätte nur gespöttelt und gelächelt,
manche vielleicht eine Zeitlang geglaubt, aber die
Zweifel, die Satan über die Seele ausbreitet, hätten
gewuchert, und alles hätte nichts genützt.
Darum erwog Ich die Worte in Meinem
Herzen, aber Ich glaubte felsenfest, daß alles, jedes
Wort seine große Bedeutung hätte für Meinen lieben Sohn
und für das Reich Jesu Christi auf Erden. Lernt, Meine
Kinder, lernt alles tief glauben, was sich bezieht auf
die Lehre Jesu Christi, Meines Sohnes. Alles, was euch
befördern könnte in der Liebe, das glaubet fest und
unumwunden. Laßt euch von keinem Zweifel beherrschen,
mag Satan kommen, mag die Welt kommen, laßt euch nie von
einem Zweifel beirren, es ist und bleibt Mein Sohn. Aber
nicht eher wird die Welt glauben, selbst diejenigen
nicht, die der Herr um euch gestellt hat, bis ihr
eingegangen seid in Seine Herrlichkeit. Darum soll die
Demut euch halten, die Demut soll so tief in euch
gewurzelt sein, daß ihr euer ganzes Leben in
Verborgenheit leben wollt. Wollt ihr das, Meine Kinder?“
Barbara: „O
ja, liebste Mutter, von Herzen gern.“
Maria: „Und
jetzt tretet hin, wo Mein Sohn geehrt wird, das Herz des
Sohnes Gottes, und wenn ihr heute mittag euch beteiligt
an der Andacht in der Kirche, dann sagt von ganzem
Herzen Meinem Sohn Dank, und erwägt die Worte, die Ich
euch gesagt habe, überlegt sie, damit kein Zweifel in
eure Herzen kommen kann, und singt recht aus tiefstem
Herzensgrund ‚Großer Gott, wir loben Dich!‘ Damit ihr
aber auch für all die Mühe einigermaßen entschädigt seid
und um der Opfer willen, die Meine Kinder tun wollen,
die sie sich vorgenommen haben, will Ich euch alle die
Seelen schenken, die im Maimonat gestorben sind; nicht
alle, aber die, die Mich verehrten als ihre Mutter, und
die Mein Sohn ganz besonders liebt, weil sie Mich
verehrten, denn es ist der Wille Meines Sohnes, daß Ich
in jetziger Zeit von allen Menschen recht geehrt und
geliebt werde.“
Und Sie steigt hinab in das Fegefeuer.
Und ich sehe, wie Sie so beschäftigt ist, wie geht Sie
dahin von einem Ort zum andern, wie eine besorgte
Mutter. Es ist doch zu schön, wenn ich Dich so sehe, o
Mutter, wenn Du so beschäftigt bist. O wenn es doch die
Menschen begriffen! O nimm sie alle mit! O Jesu, durch
Deinen Tod und Blut, erlöse die Armen Seelen aus der
heißen Glut! O ewiger Vater! Ich opfere Dir auf das
kostbare Blut Jesu Christi, die Tränen und Schmerzen der
lieben Mutter Gottes und des heiligen Josefs und alles,
was Dir heute im Himmel und auf Erden zu Deiner Ehre
dargebracht wird, zum Troste für diese Armen Seelen.
Eben ziehen sie ein, alle in weißen Kleidern ziehen sie
dahin.
Barbara: „Ist
der Bruder von K. aus Schippach auch dabei?“
Jesus: „Nein,
die muß noch mehr büßen für ihn, er war ein Weltmensch,
er war leichtsinnig und gleichgültig. Nur diejenigen,
die Mir gedient, sind lauter Verehrer Mariens, die im
Maimonat gestorben sind in der ganzen Welt.“
Barbara: „O
mein Gott! Wie erhaben ist unsere
Religion, wie groß und erhaben! Ja, man will nicht
begreifen, daß Du so gut bist, und siehe, diese große
Prozession, die da hinzieht, sind nur vom Monat Mai die
eifrigsten, frommen Christen. Es sind aber auch welche
dabei, eben kommen sie, die nicht so hell und glänzend
sind.“
Jesus: „Das
sind Andersgläubige. Jetzt sieh mal an, die sind
dunkler, sind nicht so hell, kommen auch nicht an den
Ort wie diese. Aber es gibt doch unter ihnen solche, die
auch glauben, und die auch die Mutter Gottes verehren.“
Barbara:
„Gelobt sei Jesus Christus!“ Darauf bat Barbara den
lieben Heiland abermals für obigen Bruder von K. in der
heiligen Kommunion. Sie sah ihn dann sitzen auf einem
Meer ohne Grund; er kam auf einer Eisscholle
dahergeschwommen und richtete seinen Blick nach dem
Dörfchen, wo seine Schwester wohnt. Barbara fragte den
Herrn, was das bedeuten solle.
Jesus: „Das
Meer ist die Welt, der Zeitgeist; er ist mit dem
Zeitgeist fortgeschwommen. Er war zwar ein Christ, aber
ein kalter Christ, und seine Frau und Kinder beten nicht
viel für ihn. Es ist alles kalt und gleichgültig, aber
die Schwester hat schon viel für ihn getan, und deshalb
schließt er sich ihr an, deswegen sieht er so nach
seiner Schwester.“
Barbara: „O
Herr, was soll die Schwester tun?“
Jesus: „Weil
er so sündige Wege gegangen ist, so soll sie einige
Wallfahrten gehen, und zwar im Geiste der Buße. Und für
die Gleichgültigkeit, die er hatte, soll sie sich
inniger anschließen an die heiligen Messen. Und für das,
was er gefehlt durch unabgetötetes Leben, soll sie all
die Hitze und Durst und Hunger aufopfern. Der Bauer
braucht gar nicht mehr zu fasten, als er ohnehin tut,
und bis das Jahr herum ist, will Ich ihn freigeben.“
Als die Prozession sich in der
Pfarrkirche von Barbara aufstellte, sah sie eine
unzählige Schar Engel, die alle über die Prozession
hinweg vorauszogen zum Allerheiligsten, das vom Dom aus
erst getragen wurde. Es zitterte die Luft, wie wenn die
Sonne in Tautröpfchen hineinscheint. Die Schutzengel
ihrer Pfarrangehörigen blieben jedoch bei ihren
Schützlingen, die sich an der Prozession beteiligten.
Barbara schaute dann in großer Herrlichkeit einen
goldenen Tabernakel verschlossen mit dem Lamm. Um
denselben herum waren der erste Chor der Engel und all
die hohen Kirchenfürsten. Die Geheimnisse, die ein
unendliches Licht verbarg, durfte sie aber nicht
schauen. Danach folgte die liebe Mutter Gottes mit
unabsehbaren Scharen von Jungfrauen. Dann kamen die
verschiedenen Stände und ein Anführer voraus. Der
heilige Josef führte die Männer an, die heilige Mutter
Anna die Frauen. Dann kam noch eine gemischte Schar.
Jesus:
„Dieses Fest verherrlicht Mich mehr als alle die
Hauptfeste, die von Meinem Leben und Leiden gefeiert
werden, weil das Fest ganz und gar aus dem Herzen Meiner
Kinder herausgewachsen ist. Es ist ein Dankfest. Wohl
habe Ich es angeregt durch eine fromme Jungfrau, aber
wenn es Meine Diener nicht bestätigt hätten, hätte Ich
es nicht aufgedrängt. Die Unordnung, das Durcheinander,
das hie und da bei der Prozession stattfindet, sei ein
Sinnbild, wie Ihm von den verschiedenen Konfessionen
gehuldigt werde. Wenn sie nichts anderes wüßten, und
hätten das höchste Ziel im Auge, so nähme Er auch ihren
Gottesdienst an. Aber bei allem Durcheinander ist doch
eine Harmonie, und die Andersgläubigen können der Gewalt
nicht widerstehen.“
Bei der am Sonntag danach stattfindenden
Prozession in der Vorstadt sagte der Herr zu Barbara:
Jesus: „Wage
nicht aufzuschauen. Wenn du es fertigbringst, kannst du
große Gnaden erlangen. Ihr müßt mehr durch Beispiele als
durch Gebet die Welt belehren. Gerade weil die
Fronleichnamsprozession dazu angeordnet ist, um der Welt
Meine Macht und Herrlichkeit zu zeigen, darum sollt ihr
euch daran beteiligen. Die Prozessionen in der Kirche
und die Bittprozessionen sind nicht so wichtig wie die,
welche zur Sühne eingesetzt sind, und deshalb habt ihr
auch dabei nicht die großen Verdienste, weil Mir die
Sühne nicht geleistet wird, weil niemand da ist, der
ihrer spottet, weil lauter Gläubige in der Kirche sind.
Aber wenn Ich auswärts getragen werde, und es so viele
Spötter gibt, habe Ich Verherrlichung durch den Glauben
von diesen Leuten, und ihr habt Verdienst, weil ihr
euren Glauben offen und frei bekennt.
Danket Mir für die Gnade, die Ich
ausgieße, weil hier so wenig daran gedacht wird. Mach
Mir Platz in deinem Herzen, denn es ist alles so kalt.
Es ist ja wahr, daß es Mir ein Zuwachs von
Verherrlichung ist, daß dies Fest hier eingeführt ist;
aber es ist gar zu traurig, denn nur einige Priester und
Ordensfrauen, aber keine innerlichen Seelen sind hier,
die tiefgläubig fest an Mich glauben. Alles ist ein
Schlag: Die Reichen sind ganz versunken ins Geld, und
die Armen sind Sozialdemokraten. Es wäre Mir sehr lieb,
wenn da mehr getan würde; deshalb halte Ich so viel an
um innerliche Seelen, die sich mit Mir hingeben, weil
Ich in ihnen allein noch wirken kann.“
Als der Segen gegeben wurde, befahl der
Herr Barbara, niederzuknien, wiewohl sie weit vom
Allerheiligsten war und nichts sehen und hören konnte
davon. Der Herr ließ Barbara den ganzen Tag Seine Nähe
fühlen. Weil Lieschen das große Opfer gebracht, anstatt
Barbara die Arbeit zu verrichten, ließ die liebe Mutter
Gottes Lieschen sagen:
Maria: „Sage
Lieschen einen herzlichen Gruß, und Ich danke ihr, daß
sie das Opfer gebracht. Ich habe sie bearbeitet, weil
Ich wußte, daß Mein Sohn verlangte, Sein Herz
auszugießen in dich. Er wollte dir Seine Not klagen, und
weil Ich dies wußte, habe Ich ihr keine Ruhe gelassen.
Sage ihr, daß Mein Sohn es ihr doppelt lohne.“
In diesen Tagen sagte der Herr:
Jesus: „Um
euch die Zweifel zu ersparen, will Ich, daß ihr bei
keinem Priester mehr etwas sagt; denn vom Bischof ist
ihnen aufgetragen, daß sie nichts annehmen dürfen; damit
sind die Priester gedeckt. Darum will Ich euer Führer
sein, und solange der Geist euch die Abtötung und
Selbstverleugnung anrät, solange kann es kein unrechter
Geist sein, und solange ihr Spott und Hohn erntet von
den Menschen, ist nicht zu fürchten, daß ihr stolz
werdet. Darum habt ihr nichts zu fürchten, Ich bin es.
Weil alle Theologen und geistliche Lehrer es
niedergeschrieben und eingeschärft haben, daß eine Seele
alles offen sagen muß, und weil ihr das getan habt, so
nutzen sie es aus, um euch Zweifel und Ängsten
beizubringen. Das ist aber verkehrt, und deshalb will
Ich, daß ihr nichts mehr sagt.“
Als Barbara den Beichtvater fragte, ob
sie barfuß die Wallfahrt machen dürfe, sagte er, mit
Schuhen ohne Sohlen, aber er wolle nichts Auffallendes.
Am folgenden Morgen fragte sie abermals
den Herrn in der heiligen Kommunion, was sie machen
solle. Er sagte, um dem Beichtvater zu gehorchen, solle
sie in der Stadt und in dem Wallfahrtsort die Schuhe
anziehen, in der Zwischenzeit aber barfuß gehen. Barbara
fragte, ob denn Luise mitgehen solle, um Ihm Freude zu
machen, gekleidet wie Lieschen und Barbara. Jesus sagte
mit großer Entschiedenheit:
Jesus: „Ja,
Ich verlange von ihr dieselben Demütigungen wie von euch
zwei. Ein Büßer darf nicht stolz sein. Sie soll die
demütige Tracht aufopfern für jene stolzen, frommen
Damen, die so mit der Welt liebäugeln und der
Kleiderpracht frönen.“
Als wir vor das Stadttor kamen,
begegnete uns eine Bekannte, schlug die Hände über dem
Kopf zusammen und rief lachend: „Sie haben sich aber
einmal schön herausgeputzt!“ Viele wagten aber nichts zu
sagen, sahen uns aber mit Staunen an. Eine vornehme Dame
sagte: „Ich habe schon Tränen vergossen, so hat es mich
erschüttert.“ Andere stießen sich an und machten
einander darauf aufmerksam. Als die Haushaltshilfe von
Luise es hörte, sagte sie: „Wenn das Fräulein so
fortfährt, kommt die ganz gewiß noch ins Narrenhaus.“
Während des Hochamtes am Wallfahrtsort
sah Barbara den lieben Heiland so schön und in solcher
Majestät wie noch nie, daß sie sich fürchtete. Bei der
heiligen Wandlung kam aus der Seitenwunde ein Strahl,
der sich bildete rund wie eine Monstranz. Daraus gingen
sehr viele Strahlen nach allen Richtungen hin. Der liebe
Heiland nahm uns drei und zog uns in Sein Herz hinein.
Dann kamen die heiligen Vierzehn Nothelfer auf einer
Lichtstraße daher und scharten sich um Jesus. Darauf
versetzte Jesus Barbara wieder auf die Welt zurück, die
ganz umgestaltet war. Alles prangte in lieblichem
Frühlingsgrün. Der Herr sagte, das bedeute das
Emporblühen der Kirche. Auch sämtliche Lichter sah
Barbara auf ganz andere Art. Jedes bildete ein großes
Herz mit einem grünen Kranz rund herum. Der Herr sagte,
das bedeute, daß in der Kirche jetzt viele Heilige
lebten und noch viele mehr dazu kämen.
Jesus: „Recht
so, Meine Kinder! Seht, wie Meine Jünger und Meine
Apostel sich vereinigten und mit Meiner heiligen Mutter
einschlossen, um auf die Ankunft des Heiligen Geistes zu
warten; wie sie es aus freien Stücken taten, weil es
kein Gebot war; wie sie von der Welt abgeschieden in
stiller Einsamkeit Mir dienten in frommen Gesprächen und
Gebeten; wie sie sich gegenseitig erbauten und die
Worte, die Ich zu ihnen gesprochen, beherzigten und
erwogen, um sie dann in sich zu verwerten und sich zu
vervollkommnen. Weil sie ja bis dahin nicht wußten, daß
die ganze Welt ihnen glauben werde und sich ihnen zu
Füßen legen werde, wollten sie bis zur Ankunft des
Heiligen Geistes in sich selbst arbeiten, sich selbst
recht vervollkommnen. So tut ihr jedesmal, wenn ihr euch
versammelt, um Meines Geistes zu harren. Die Zeit, die
ihr dafür benutzt, ist die beste Zeit eures Lebens. So
wie ihr in dieser Stunde eure Geschäfte beiseite setzt
und die Welt mit Füßen tretet, so müßt ihr dereinst, ob
gern oder ungern, die ganze Welt verlassen, alle eure
Geschäfte bleiben liegen, und die Welt bleibt die Welt,
ob ihr noch in derselben arbeitet oder nicht. Ihr aber
habt euch unterdessen viele Verdienste für die Ewigkeit
gesammelt, weil die Vorbereitung auf Meine Ankunft doch
immer mit Gebet ausgefüllt werden soll und muß, und die
Gespräche, die ihr da führt, sollen nur eine Ermahnung,
eine Zurechtweisung für euch sein, daß ihr euch stärkt
in der Erfüllung alles dessen, was Ich von euch
verlange.
Darum, Meine Kinder, müßt ihr nicht
hören auf die Stimme der Welt, welche euch vorwirft, daß
ihr die Arbeit liegen laßt, besonders du, Meine Kleine,
die du in einer Familie stehst, wenn man dir Vorwürfe
macht, daß du so wenig Sorge für die Welt hast. Ja, ja,
es ist aber so Mein Wille, ihr Kinder der Welt. All
Meine Diener und Dienerinnen, die Ich Mir erwählte,
haben die Welt mit Füßen getreten, haben die meisten
weitaus ihre Geschäfte verlassen und haben andere
Geschäfte auf sich genommen, Geschäfte des ewigen
Heiles.
Und wenn Ich auch hie und da eine Seele
mitten in der Welt, in der Beschäftigung, zur Heiligkeit
führte, so soll dieses nur den übrigen Weltmenschen ein
Beweis sein, daß man auch im Getöse der Welt, im Trubel
der Welt und in den Bekümmernissen sich heiligen kann,
wenn man alles dies Mir zuliebe tut und aufopfert, wie
eine heilige Zita, eine heilige Notburga, die
Dienstmägde waren, ein heiliger Isidor, der Bauer war,
ein heiliger Wendelinus. Sie alle waren in der Welt
beschäftigt mit vielen Arbeiten, aber nur, um anderen
ein Vorbild zu sein. Die meisten aber habe Ich
herausgeführt aus ihren Geschäften und Arbeiten,
entweder in ein stilles Kloster, wo sie mehr ein
beschauliches Leben als ein arbeitsames Leben führten,
oder Ich habe ihre Verhältnisse so gestellt, daß sie Mir
mehr dienten als der Welt und wenig Bedürfnisse dieses
armseligen Lebens zu haben brauchten; denn eine Seele,
die Ich Mir erwähle, braucht nicht viel, weil sie gar
wenige Bedürfnisse hat. Sie hat die Welt mit Füßen
getreten, und das Allernotwendigste, das sie braucht,
verschaffe Ich ihr von Tag zu Tag.
Also, Meine Kinder, dieses nur zur
Einleitung, weil man euch allerlei nachsagt, so viel,
als sei das für die Welt nicht passend, man müsse so
tun, wie andere tun, damit man kein Sonderling sei, man
verbietet euch das, was Ich von euch verlange, weil man
keine Sonderlinge ziehen will, und doch sind alle Meine
Diener und Dienerinnen Sonderlinge gewesen, von Meiner
heiligen Mutter angefangen bis hierher zu dieser Stunde,
zum letzten Meiner Diener, der in Meine Herrlichkeit
schon eingegangen ist. Auch ihr müßt Sonderlinge werden
gegenüber der Welt, die da nur genießen und besitzen
will, die da nur Vergnügen sich verschaffen will, Freude
über Freude.
Aber da diese Freude, diese sinnlichen
Freuden der Weltmenschen nur zu Bitterkeiten führen und
dann schließlich zum unglücklichsten, zum bittersten
Tode, so will Ich durch euch den Weltmenschen zeigen,
daß die wahre Freude nur zu finden ist, indem man die
Welt mit Füßen tritt, sich ihr gegenüberstellt wie ein
Tor, wie ein Narr, wie die Welt sagt. Dann hat man die
wahre Freude gefunden, die nie endende Freude, die keine
Bitterkeit mit sich führt, die nicht zu einem
unglücklichen Tode führt. Nein, nein, Meine Kinder!
Glücklich soll der Tod sein, den ihr dereinst empfinden
werdet, glücklich, um allen zu zeigen, wie wahr es ist,
was Ich in euch bewirke.
Wenn Ich euch sage, daß ihr euch
öffentlich zeigen sollt vor der genußsüchtigen,
putzsüchtigen Welt in einem armen, geringen Aufzug, und
man euch darüber verspottet, dann freut euch. Denn seht,
warum tadelt man nicht diejenigen, die arm in der Welt
stehen, die keine besseren Kleider haben, als ihr sie
tragt an diesen Tagen, die Ich euch angebe. Nicht wahr,
diese tadelt man nicht, weil man ihnen nicht zu besseren
Kleidern verhelfen will. Wozu tadelt man euch, wenn ihr
euch den Armen gleichstellen wollt? Habe Ich nicht den
Armen wie den Reichen erschaffen, ist nicht der Arme
mein Liebling ebenso wie der Reiche, der Mir mit
freudigem Herzen dient? Im Himmel sollen alle
diejenigen, die jetzt euch gegenübertreten, sehen,
welcher Unterschied war in der Welt, ob Ich den
Unterschied schuf, oder ob es ein Erzeugnis der
Weltmenschen ist.
Wahrhaftig habe Ich den Unterschied
nicht erschaffen, denn als Ich den Menschen in das
Paradies hineinstellte, war er nackt, ein Mensch wie der
andere, und weil Ich ihn in der Unschuld erschuf, sah
keiner, ob der andere nackt sei. Seht, ein Vorbild für
alle, die da glauben, man müsse einen Unterschied haben
in der Person. Der Reiche, der Geld besitzt, müsse sich
als solcher zeigen und mit Verachtung auf den Armen
herabsehen. Diesen Unterschied möchte Ich ausgleichen,
indem Ich bessere, reichere Glieder der menschlichen
Gesellschaft den Armen gleichstelle, indem Ich ihnen
eingebe, sich zu kleiden wie die Armen, um der Welt zu
zeigen, was Ich halte von diesem Moder und Staub. Darum
freut euch, Meine Kinder; denn das ist eure Ernte, daß
man euch verlacht, verspottet und sich vor euch
fürchtet.
Nun aber kommt mit Mir! Seht, Meine
Kinder, die erste Hälfte des Kirchenjahres ist vorüber.
Die herrlichen Feste, die Meine Kirche in der ersten
Hälfte Meinem Leben, Meinem Leiden und Meiner
Wirksamkeit widmete, habt ihr jetzt wieder hinter euch.
Nun führt sie euch hinein, um euch zu zeigen, wie sie
Meine Diener und Freunde ehrt. Seht da, wie weise diese
Mutter ist, eure heilige katholische Kirche, wie sie,
vom Heiligen Geist geleitet, alles so anordnet, daß
alles sich um Mich dreht und wendet. Die Erstlinge der
Früchte Meines Leidens und Sterbens kommen auch in
erster Linie. Gleich nachdem man die hohen Feste
gefeiert, die sich auf Mich beziehen, fängt Meine
jungfräuliche Braut an, die Feste derjenigen Meiner
Diener zu feiern, die in nächster Nähe um Mich gestellt
waren, ja, die noch mit Mir lebten, in derselben Zeit
lebten, als Ich diese Erde betreten. Sie feiert jetzt
das Fest Meines Vorläufers, des heiligen Johannes des
Täufers, der größte unter allen Heiligen. Weil sein
ganzes Leben nichts war als eine einzige Vorbereitung
innerlich und äußerlich, weil er Meine große Mission
einleitete, kommt er am nächsten nach Meiner heiligen
Mutter; denn Ich bin ja der Erlöser der Menschheit, also
war Mein Leben eine einzige Mission, die Ich zu erfüllen
hatte, die Mir Mein Vater auftrug, und um dessentwillen
Er Mich in die Welt sandte.
Dieser Mission mußte aber eine
Vorbereitung vorausgehen, damit das Erdreich
aufgelockert sei, und das Herz der Menschen, wenn Meine
milde Stimme erschalle, damit schon durch den ernsten
Ton der vorausgehenden Stimme, einer Donnerstimme, die
Welt geweckt, erschrocken und erschüttert sei. Wenn so
der Mensch in Schrecken versetzt ist, wenn er sich
fürchtet vor einer Strafe, dann ist er leichter zu
gewinnen, wenn dann der Vater ein gutes Wörtchen spricht
zu dem Kind, ist das Kind gleich gedemütigt, gleich
bereit, dem Vater zu folgen. Dieses war die Aufgabe
Meines Lieblingsjüngers Johannes. Mit einer Donnerstimme
rief er der sündigen Menschheit zu: ‚Tuet Buße, das
Himmelreich ist nahe! Wacht auf, ihr Schläfer, das
Gericht kommt!‘ Und die erschrockene Menschheit, die
sich da einander zuflüsterte, was will wohl dieser
Abgetötete, dieser Mensch, der da vor uns aufsteigt wie
eine Erscheinung aus der anderen Welt; sie wußten nicht,
woher er sei und wohin er gehe, sie hielten ihn für
einen Engel Gottes. Diesem folgte Ich mit der milden,
zärtlichen, süßen Stimme eines Gottmenschen. Darum, weil
Johannes so innig verknüpft ist mit Meinem Leben, muß er
gleich gefeiert werden, nachdem die Kirche das
Herz-Jesu-Fest gefeiert hat, die ja fortwährend Mein
Leben mitlebt; in ihr lebe Ich fort und fort bis zum
Ende der Zeiten. Wer das Leben der Kirche mitlebt, führt
Mein Leben fortwährend mit; denn Meine Kirche ist Mein
Leben.
Darum hat der Heilige Geist angeordnet,
daß dieser jungfräuliche Johannes sogleich, nachdem die
Festoktav vorüber ist, wo Meine Kirche den Schlußstein
setzt auf die Feste, auf die hohen Feste, die sie Mir
eingesetzt der Reihe nacheinander: Das Osterfest, das
Fest Meiner Auffahrt in den Himmel; das heilige
Pfingstfest; das hochheilige Fronleichnamsfest und das
allerneueste Fest Meines liebenden, göttlichen Herzens,
dies liebe, schöne, eigene Fest, das Mir die Kirche
gesetzt; gleich darauf das Fest dieses Meines Vorläufers
gefeiert wird. Alles nicht ohne Grund, Meine Kinder,
denn dies alles leitet der Heilige Geist, Der da weht
und waltet in Meiner Kirche, so, damit sich die treuen,
die liebsten Kinder Meines Herzens, fortwährend erfreuen
sollen, weil sie darin erkennen, wie nahe Ich will, daß
diejenigen stehen, die Mir am nächsten stehen auf der
ganzen Welt, Ich der Welt zeigen will, daß so, wie sie
Mir am nächsten stehen im Himmelreich, auch schon hier
auf Erden nahestanden, weil dadurch der Welt gezeigt
wird, daß sie Mir nahestehen, weil sie Mir in
allernächster Nähe gefolgt sind, um Meinen Kindern und
allen in späteren Jahrhunderten zu zeigen und Mut
einzuflößen, wie man Mir dienen soll und muß, um Mir zu
gefallen.
Es kommt in diesen Tagen das Fest, das
liebe Fest Meiner heiligen Apostelfürsten Petrus und
Paulus, weil Ich dem Petrus die Schlüssel des
Himmelreiches übergeben, und Paulus, weil aus diesem
Verfolger ein treuer Nachfolger Meines lieben Herzens
geworden ist, weil er mehr wirkte als alle übrigen
Apostel. Darum wollte der Heilige Geist, daß dies Fest
sogleich gefeiert werde, nachdem Meine heiligen Feste
aufhörten.
Seht, auch nicht umsonst ist es, daß das
Fest Meines heiligen Nährvaters, der doch auch mit Mir
in so nahe Verbindung getreten ist, gewöhnlich vor
Ostern oder um die Osterzeit gefeiert wird, weil dieser
Mein guter Nährvater zu schwach gewesen wäre, weil er
eine solche Liebe zu Mir hatte, daß er es nicht über
sich gebracht hätte, unter dem Kreuz stehen zu müssen;
das Herz wäre ihm zersprungen. Darum mußte er, bevor Ich
in dieses Leiden eingeführt wurde von Meinem himmlischen
Vater, diese Welt verlassen. Seht, wie lieb, wie gut
Meine Kirche dieses aufgefaßt. Darum feiert sie auch,
bevor sie anfängt, Meine Leiden zu begehen, das Fest
Meines Nährvaters. Diese sind so die Nächsten, die Mir
aufs innigste verknüpft standen hier auf Erden. Das Fest
Meiner heiligen Großmutter feiert man auch in diesen
Tagen, an den übrigen Tagen die Feste der Millionen und
Milliarden Meiner Diener und Dienerinnen, die da
eingegangen sind in Meine Herrlichkeit.
Aber, Meine Kinder, sie alle waren
Sonderlinge, sie hielten es nicht mit der Welt. Darum
freut euch, freut euch, daß ihr den Stein gefunden habt,
den Stein der Weisen, und geht hin und verkündigt allen,
die mit euch verkehren wollen, daß sie in allernächster
Nähe euch nachfolgen müssen und nachfolgen sollen, wenn
auch nicht in dem Grad, wie Ich es von euch verlange.
Jedes hat seine eigenen Wege. Der Ehegatte, die Ehefrau
hat wieder ihre eigenen Wege; sie ist gestellt in die
Familie, und kann nicht wie ihr, sich losreißen, wenn
sie will. Die Klosterfrau, der Ordensmann kann nicht wie
ihr; er hat seine Statuten, seine Regeln, und diese muß
er befolgen, aber er muß sich losreißen von dem großen
Haufen, er muß glauben, daß Ich ihm alles belohne, was
er tut aus Liebe zu Mir, auch wenn er hie und da einen
Tadel einstecken muß von seinen übrigen Mitgenossen oder
von seinem Oberen.
Dieses alles gehört zu den
Sonderlichkeiten; denn diese werden getadelt. Was aber
der Mensch tut aus Liebe zu Mir, und um Mir Freude zu
machen, werde Ich ihm überaus belohnen, auch wenn es
manchmal scheint, es sei besser gewesen, wenn er getan
hätte wie alle übrigen Menschen; denn Ich bin ein gar
guter Gott, ein gar reichlicher Bezahler. Ich habe ein
Gedächtnis, das nichts vergißt. Jeder Schritt und Tritt,
den ihr tut aus Liebe zu Mir, er bleibt in Meinem
Gedächtnis, und in der Ewigkeit führt dieser Schritt
euch um so näher, je mehr ihr um Meinetwillen und für
Mich getan habt.“
Barbara:
„Mein Jesus! Ich bitte Dich auch für alle Anliegen
meines Herzens, Du weißt sie. Meine arme Schwester in
A., o tröste Du sie, da sie mich nicht besuchen darf.
Lenke und leite das Herz der Oberin, daß sie doch
Mitleid mit meiner armen Schwester hat, die Dich so
liebt und ein liebes Wörtchen von Dir hören möchte. O
erbarme Dich ihrer. Sieh, wir sind Zwillingsschwestern,
wenn auch nicht leiblich, sondern geistig. Du hast uns
zusammen an Dich gekettet, ein Herz und eine Seele unter
uns gebildet. O laß sie teilnehmen an den
Gnadenschätzen, welche Du über uns ausgießest, damit
sie, nachdem sie keine andere Freude mehr kennt, doch
auch die Freude mit mir genießen darf. O ich grüße Dich
in ihrem Namen.“
Jesus: „Dein
liebes Schwesterchen soll nur noch ein wenig Geduld
haben. Sie wird dich hienieden noch einmal sehen, und in
der Ewigkeit werdet ihr wahrhaftig Zwillingsschwestern
werden. Grüße mir auch recht herzlich ihre Oberin. Sie
hat ein gutes Herz und guten Willen, aber sie hat eine
Bürde zu tragen, die ihr viel Sorge und Kummer bereitet.
Sie soll aber überzeugt sein, daß Ich Freude an ihr
habe, daß sie eingegangen ist in die Rechte Meiner
Bräute. Verstehst du Mich? Die Rechte Meiner Bräute
sind, daß sie einen vertrauten Umgang mit Mir haben, daß
sie nichts fürchten, auch wenn es manchmal scheint, es
sei sehr viel zu fürchten, fürchten Meine Bräute nichts,
weil sie wissen, daß sie Mein Herz bewohnen. Und eine
Braut, wenn sie auch sieht, wie Ihr Bräutigam die Stirne
faltet und Unwillen auf Seiner Stirn sich zeigt, sie
fürchtet sich dennoch nicht vor Ihm, weil sie weiß, daß
sie mit einem einzigen, zärtlichen Wort diesen Unwillen
wieder besänftigt und wieder an Meinem Herzen ruhen
darf.
Dies sind die Rechte Meiner Bräute, auch
wenn sie sich verfehlen, wenn sie auch hie und da, weil
sie schwache Geschöpfe sind, Mir den Unwillen auf die
Stirne treiben, so wissen sie, wie dieser allsogleich
besänftigt ist; wenn sie Mir entgegenkommen mit einem
reumütigen, gedemütigten Herzen, dann ist alles wieder
vergessen. Der Blick ist wieder freudig auf sie
gerichtet, und sie ruhen wieder an Meinem Herzen. So
diese Oberin, die Ich euch nur schildern wollte, damit
ihr auch wißt, daß sie mit deiner Schwester Hand in Hand
geht. Sie hat noch viele Seelen zu leiten und darunter
auch kleine Seelen. Versteht ihr Mich? Die Kleinen, die
noch mit Milch müssen genährt werden, die noch nicht an
harte Brotkrusten gewöhnt sind. Also seid zufrieden,
wenn es auch noch einige Jahre dauert. Dein liebes
Schwesterlein soll die Freude noch einmal erleben, an
deinem Herzen und mit deinem Herzen an Meinem Herzen zu
ruhen. Fahret fort, Meine Kinder, Mich zu lieben und Mir
zu dienen.
Fahret fort, auch wenn man euch verfolgt
und verlacht, auch wenn wieder ein Platzregen kommen
sollte. Seht, der Eichbaum fürchtet sich nicht; er
bietet dem Platzregen, dem Sturmwind und dem Wolkenbruch
seine Stirn. Er bleibt stehen, wenn ihm auch hie und da
der Blitzschlag einen Ast abschlägt. Er bleibt dennoch
stehen, weil sein Stamm eingewurzelt ist in tiefer Erde.
So müßt auch ihr stehen wie Eichbäume, womit Ich die
Priester schon so oft verglich, daß sie die Eichbäume
sein sollen in Meiner Kirche; aber auch ihr müßt sie
sein, indem Ich Großes von euch verlange.“
Barbara: „O
mein Jesus! Ich bitte Dich noch
für die Klosterfrau, die heute beerdigt worden ist. O
mein Jesus! Siehe diese Bräute Deines Herzens, obwohl
sie tun, als glaubten sie nicht, daß Du auch mit einer
armen, von der Welt zurückgestoßenen, verachteten Person
verkehrst. Du weißt aber, daß es meine Sitte ist, für
alle Menschen zu beten, alle Menschen in mein Herz
einzuschließen, am allermeisten aber die liebsten Bräute
Deines Herzens.
Siehe, Du hast mir einmal gezeigt, wie
durch dieses Haus (Schwestern von der ewigen Anbetung)
viel Segen fließt über die Stadt Mainz, weil sie Tag und
Nacht vor Dir auf den Knien liegen und Dich anbeten.
Siehe, diese sind auch von der Welt so gehaßt und
verfolgt, weil man sagt, sie seien Faulenzer. O darum
bitte ich Dich, weil sie teilnehmen müssen an Deiner
Schmach und Verachtung, darum zeige mir, daß Du ihnen
mehr Huld zukommen lässest als anderen, die nicht so
verachtet sind vor den Menschen, wie die Orden, die
Werke der Nächstenliebe üben. O mein Jesus!
Barmherzigkeit für alle, die in Deiner Gnade sterben.
Gegrüßet seist Du, Maria!“
Ich sehe diese Schwester weiß, ganz weiß
gekleidet wie eine Braut Jesu Christi, aber sie steht
noch vor der Türe. Der Raum, wo die Seligen sich
befinden, ist ihr noch nicht geöffnet. Sie wartet noch
vor der Türe.
„Mein Jesus Barmherzigkeit! Warum hältst
Du sie zurück? O Jesus, durch Deinen Tod und Blut,
erlöse sie aus der heißen Glut!“
Jesus: „Ja,
sie ist nicht in der heißen Glut! Nein, nein, Meine
Kinder! Sie darf Mich aber noch nicht sehen. Meines
lieben Angesichts ist sie noch beraubt, weil sie doch
nicht ganz vollkommen ihren Willen Meinem göttlichen
unterworfen; ein einziger Willensakt fehlte noch. Seht,
Meine Kinder, euch allen rufe Ich zu, ihr, die ihr vor
Meinem Thron kniet wie die Seraphim, und die Engel auf
Erden sein sollt, und weil Ich die Welt anlocken und
anziehen will, weil Ich die ganze Welt, alle guten,
treuen Christen herbeiführen möchte vor das
Allerheiligste Sakrament, weil es Mein Wille ist, und
Ich diesen Willen Meiner Kirche kundtue, daß Ich die
Christen um Mich geschart wissen will, um Meine Altäre,
und ihr die Stellvertreter all dieser Christen seid, ihr
seid die Vertreter der Menschheit in der Schöpfung.
Wie die Engel im Himmel Mich anbeten Tag
und Nacht, so seid ihr um Meine Altäre geschart Tag und
Nacht, um die sündige Menschheit zu vertreten. Darum
sollt ihr das ganz besondere Privileg haben – falls ihr
euch unumwunden Mir schenkt, mit freiem Willen Mir
schenkt, das heißt, wenn ihr euch einmal in diesem Orden
befindet, den Versuchungen des bösen Feindes kein Gehör
mehr schenkt, auch wenn der Versucher euer ganzes Leben
euch zusetzt, denn dieses alles kann euch noch kein Haar
krümmen, wenn euer guter Wille nicht mit einstimmt, wenn
ihr mit freiem Willen, wenigstens mit gutem Willen vor
Mir kniet, um Mich anzubeten, wie die Seraphim es tun
vor Meinem Angesicht, und in dieser Gesinnung dann euer
Leben Mir zum Opfer bringt, sei es früh oder spät, wenn
Ich dann an euch herantrete durch den Tod, und ihr durch
euren Willensakt ganz eingegangen seid in Meinen
göttlichen Willen –, daß ihr sofort von diesem Leben
hinweg zu Meiner Anschauung gelangen sollt. Dies soll
ein besonderes Privileg sein für euch, daß ihr alle
Sünden, die ihr begangen, abbüßen könnt durch diese
fortwährende, immerwährende Anbetung, weil ihr Vertreter
der sündigen Menschheit seid und sein sollt, und wenn
ihr dann bei eurem Tod diesen Willensakt erneuert, so
daß ihr vollständig euch hingebt Meinem göttlichen
Willen, so wie im Leben jetzt auch im Sterben, dann ist
alles getilgt.
Darum freuet euch, nehmt teil an diesen
Gnadenschätzen, die Ich ausgieße über Meine kleine
Dienerin. Seht, wenn Ich durch euch gesprochen hätte zu
der Welt, man hätte wahrhaftig es nicht geglaubt. Man
hätte gesagt: ‚Ja, diese tun nichts, als daß sie über
solche Dinge nachdenken‘, und niemand hätte ein Gewicht
darauf gelegt. Da Ich mir aber eine Seele erwählte, die
mit schwerer Arbeit zu kämpfen hat, die nie Zeit hat, um
nachzudenken über solche Dinge, hat niemand, auch nicht
der Bischof, dem Ich sie unterstellt, eine Ausrede. Wenn
er auch sagt und tut, als glaube er nicht, wenn er aber
der Sache auf den Grund schaut, muß er bekennen, daß es
unmöglich ein Menschenwerk ist, daß es nur ein Werk
Meiner Gnade sein kann und ist.“
Barbara: „O
mein Jesus! Ich opfere Dir auf
alle Gebete, Werke und Leiden dieses Tages in jener
Meinung, in der Du unablässig betest und Dich auf
unseren Altären opferst, besonders für die heilige
Kirche, für unseren Heiligen Vater, den Papst, und die
Armen Seelen. O schenke uns diese Schwester, die da
gestorben ist, o laß sie eintreten, sie steht vor der
Pforte des Himmels.“
Jesus: „Meine
Kinder! Seht, damit alle, die Ich einführe, glauben, daß
Ich es bin, ja damit alle sehen, daß Ich wirklich
derjenige bin, Der die Macht hat über alle Seine
Geschöpfe, Der aber auch die Güte besitzt, alles Gute
anzuerkennen um des Gebetes dieser frommen Klosterfrauen
willen und um der heiligen Meßopfer willen, die heute
gelesen werden, um der heiligen Kommunionen willen, die
heute, besonders aber in den beschaulichen Orden,
empfangen worden sind, will Ich sie euch schenken.“
Barbara: „So
bitte ich Dich denn, mein Jesus, und opfere Dir dies
alles zur Sühne für diesen Fehler, der dieser
Klosterfrau noch angerechnet wird, und schenke uns auch
das verstorbene Mädchen. O mein Jesus! O mein liebster
Jesus! O Du Bräutigam meiner Seele! Gelobt sei Jesus
Christus! Gelobt sei Jesus Christus! Gelobt sei Jesus
Christus!“
Die Klosterfrau ist eingegangen, sie hat
ein Kleid an, ganz durchschimmernd wie mit lauter
Kristallgläschen besetzt. Jedes Gläschen hat einen
eigenen Glanz.
Jesus: „Das
sind alle die Stunden, die sie vor dem Tabernakel
zugebracht hat; mit den Stunden wird ihr Kleid
geschmückt, die ganze Ewigkeit hindurch.“
Barbara: „O
mein Jesus, o schenke uns doch auch das Mädchen.“
Jesus: „Den
ersten Freitag im Monat; für heute noch nicht. Sie hat
noch allerlei Mäkelchen und Flecken an sich und ist
gestorben ohne allen Zuspruch und hat, weil sie ganz
allein war, sich nicht helfen können. Aber den ersten
Freitag im Juli sollt ihr sie haben; sie war eine recht
gottinnige Seele, hat viel Gutes getan, auch eine
gläubige Seele.“
Barbara: „O
liebe Mutter! Tröste sie doch. O mein lieber, heiliger
Schutzengel, ich grüße dich durch das allersüßeste Herz
Jesu Christi. Gehe hin und sage ihrem Schutzengel einen
recht freundlichen Gruß, wir wollen alle Tage für sie
beten; die Beängstigungen müssen von ihr weichen.“
Jesus: „Es
ist gar so wichtig die Sterbestunde. Deswegen, wenn eine
fromme Seele es auf sich nimmt, dem Kranken beizustehen,
so ist dieses etwas Großes. Und wenn auch Ich, der Herr
über Leben und Tod, jeden glücklich machen will, so muß
der freie Wille eines Menschen doch ganz übereinstimmen
mit Meinem göttlichen Willen, und der freie Wille ist in
ihm, solange der Atem in ihm aus- und eingeht, und Ich
darf diesen freien Willen nicht beeinträchtigen, nicht
beeinflussen, Ich darf es nicht tun, Meine Gerechtigkeit
verlangt es so, weil ihr die ganze Ewigkeit mit Mir
herrschen und triumphieren sollt. Solange der Atem aus-
und eingeht, hat der Mensch seinen freien Willen, und
wenn er ihn nicht ganz zum Opfer bringt, muß er die
Fehler abbüßen im Reinigungsort.
Seht darum, wie notwendig es ist, daß
ein Priester dabei ist, oder der Sterbende hat eine
fromme Seele, die ihm zuspricht, damit er sich an Mich
erinnert und sich von sich selbst nicht so beeinflussen
läßt, von seinen eigenen Gefühlen und Schmerzen und
Satan ihm nicht so viel anhaben kann. Wohl mache Ich
eine Ausnahme bei Fällen, wo er schnell stirbt, oder wo
es gar nicht möglich ist, auf ihn einzuwirken; aber wo
es tunlich ist, sollte man doch dafür sorgen, daß andere
gutgesinnte Menschen dem armen, leidenden Sterbenden zu
Hilfe kommen. Dieses noch zum Schluß, Meine Kinder! Und
nun lebt wohl!“
Barbara:
„Mein Jesus! Macht es Dir Freude, wenn wir einen solchen
Bußgang machen nach Mombach oder nach Wiesbaden?“
Jesus: „Geht
nicht nach Wiesbaden, wie Lieschen meinte. Diese üppige
Stadt würde nichts Gutes daraus ziehen; geht in dem
Aufzug nach Mombach. Ich will aber, daß ihr unter solche
Menschen treten sollt, denen ihr nützen könnt; denn
beeinflussen könnt ihr durch solchen Aufzug nur die
guten, treuen Seelen. Die Weltmenschen verhärten sich um
so mehr, je mehr sie sehen, wie die Guten sich
beherrschen. Ich werde euch sagen, wann ihr wieder gehen
sollt. Für jetzt seid zufrieden und geht ruhig nach
Mombach in demselben Aufzug. Wenn ihr am Bahnhof
aussteigt, dann geht ungeniert durch das Dorf und zieht
so ein in Mombach, unbekümmert über andere; denn ihr
müßt wissen, daß ihr da nicht eure Freude suchen sollt.
Wenn ihr in Wiesbaden auch mehr Predigt und Andacht für
euch hättet, wo bleibt aber Mein Gewinn? Ich will
gewinnen und da müßt ihr alles hintansetzen, und wenn
ihr keine Predigt hören könnt dort, so ist das Opfer Mir
mehr wert, als wie wenn ihr mehr Genuß für euch hättet.
Seht, als Mein Diener Franziskus auf
Erden wandelte, und er anfing, auf alle mögliche Weise
sich abzutöten, als er von Tür zu Tür betteln ging und
er in einem außergewöhnlichen Kleide sich zeigte, barfuß
ging, da hielt man ihn auch für einen Narren, für einen
Toren. Er verachtete die Welt, verschleuderte sein
Vermögen; infolge dieses Auftretens enterbte ihn sein
Vater. Da hielt man ihn auch nicht für einen Heiligen.
Man hielt ihn für einen simpelhaften Menschen, der da
der Welt etwas vormachen wolle. Einige hielten ihn für
einen Narren, andere für einen überspannten, hochmütigen
Menschen, der gerade durch diesen Auftritt jetzt der
Welt zeigen wolle, wie er sein bisheriges Leben jetzt
umsetzen wolle in dieses verachtete Leben, um sich der
Welt als Heiliger aufzuspielen, die Rolle eines Heiligen
aufzuführen. Und man verachtete ihn von allen Seiten.
Die sinnlichen, weltlichen Menschen
hielten ihn für einen Narren, die anderen,
bessergesinnten, hielten ihn für einen überspannten,
frommen, hochmütigen Menschen. Er konnte keine großen
Almosen mehr spenden, weil er selbst nichts hatte. Aber
gerade durch diesen Aufzug, daß er dadurch die Blicke
der ganzen Welt, aller Menschen auf sich zog, und Mir
zuliebe diese Verachtung, diese verschiedenen Meinungen
mit Geduld ertrug, wurde er derjenige, den ihr jetzt an
ihm bewundert, ein Heiliger. Wenn Ich nun von euch
verlange, daß ihr stundenlang Meiner wartet, daß die
Arbeit liegen bleibt deinetwegen, wenn Ich von euch
verlange, daß ihr Mir außergewöhnliche Wallfahrten
machen sollt, dann müßt ihr alles hintansetzen, all das
Gerede der Menschen nicht beachten und ruhig Meinen
Willen ausführen. Frage deswegen nicht bei deinem
Beichtvater, frage bei deinem Seelenführer, weil der
Gehorsam eure ganze Aufgabe würzen soll.“
(Es war in der Familie von Barbara
allerlei Mißstimmungen vorgekommen, die Barbara sehr
niederdrückten, und Barbara hatte deshalb auch ihrem
Unwillen Luft gemacht.)
Barbara:
„Mein Jesus! O ist es möglich, in diesem Seelenzustand
Dein armes Kind heimzusuchen? Ich bin ja so bedrückt.
O mein Gott! Alle meine Sünden sind mir leid und
reuen mich vom Grund meines Herzens, weil ich dadurch
Dich, das höchste Gut, beleidigt habe. Ich hasse und
verabscheue alle meine Sünden und nehme mir ernstlich
vor, Dich nie mehr zu beleidigen, ja jeden Gedanken und
jede Gelegenheit sorgfältig zu meiden, die Dich
beleidigen könnten. Gib mir, o Jesu, Deine Gnade dazu.
Ich danke Dir, o mein Jesus! O wie bist Du so gut. O
Herr, ich bin nicht würdig, daß Du eingehest unter mein
Dach, aber sprich nur ein Wort, so wird meine Seele
gesund und eine Dir angenehme Wohnung. O sprich nur ein
Wörtchen, o Herr! Gelobt sei Jesus Christus!“
Jesus:
„Dieses eine Wörtchen, Meine Kinder, ist: ,Ich will!’
Ich will eingehen in Deine Seele. Dieses eine Wörtchen
muß aber auch dein Wahlspruch sein, Meine Kleine: ‚Ich
will!‘ Ich will mit meinem Gott mich vereinigen; ich
will meinen Willen Seinem göttlichen Willen unterwerfen;
ich will dulden und tragen, leiden und streiten und
kämpfen, vor allem mit mir selbst und mit anderen.
Leiden und schweigen – das sind zwei Wörtchen, zwei
kostbare Edelsteine für eine Seele, die es versteht, Mir
zu dienen.
Siehe, Mein Kind, wenn du dieses eine
Wörtchen verstehst ‚ich will‘, dann kann der Kleinmut
nicht ansetzen, und ihr sollt doch vielen anderen zum
Vorbild werden. Darum muß Ich anfangen, fortsetzen und
vollenden mit euch. Viele, die es lesen und sehen, wie
gut Ich bin, werden Mut fassen in all ihren
Bedrängnissen. Sie werden, wenn sie sehen, wie armselige
Geschöpfe ihr seid und mit welcher Geduld Ich euch
ertrug, in sich selbst hineinschauen und sich sagen:
‚Haben die es gekonnt, warum soll ich es nicht können?‘
Und sie werden anfangen und sagen: ‚Ich will, o Herr!
Ich will dieses Kreuz tragen!‘ Und Ich werde sagen: ‚Ich
will zu euch kommen, Ich will euch leiten und regieren,
Ich will diese, deine Seele leiten. Du sollst nicht
zugrunde gehen an diesem Kreuz, du sollst dieses Kreuz
Mir nachtragen. Ich habe es auf deine Schultern gelegt,
und Ich will, daß du es trägst und dich dadurch
heiligst; denn dieses Kreuz soll dich einführen in die
ewige Herrlichkeit.‘ Und du sollst sagen: ‚Ich will es
tragen!‘
Meine Kinder! Vor allem muß Ich immer
wieder Meiner Kleinen eine Predigt halten; denn es
braucht der Mensch Gnade und Beharrlichkeit. Die
Beharrlichkeit ist eine Gnade, die der Mensch von Mir
erwarten muß. Kein Mensch, kein Geschöpf hat die
Verheißung und hat es schriftlich in der Hand, daß er
ausharren werde bis ans Ende; auch ihr nicht, obwohl Ich
euch schon so große Verheißungen gemacht habe.
Daran sind immer wieder Bedingungen
geknüpft, und solange der Mensch den Atem ein- und
ausgehen läßt, hat er noch diese Bedingungen zu
erfüllen; denn so lange dauert die Prüfungszeit, wie der
Mensch lebt. Auch wenn er eingegangen ist in Mich
Selbst, in die Vereinigung mit Mir, steht er noch in der
Prüfungszeit; er hat noch zu kämpfen und zu streiten
gegen die niederen Neigungen seiner Natur.
Darum, wenn ihr leset von den großen
Dienern Gottes, die da auf die Leuchter gestellt sind in
der Kirche, in Meiner Kirche, wenn ihr aber ihr Leben
genau prüfet und leset – wenn es so geschildert ist, wie
es in und an sich vor sich ging, so werdet ihr finden,
daß auch sie noch in Fehler gefallen sind, somit noch
die Schwachheit des Menschen an sich getragen, somit
auch in der Prüfungszeit gestanden sind; denn die Fehler
mißfallen Mir, und der Mensch läuft immer noch Gefahr,
solange er Fehler begeht, kleinmütig zu werden, und so
einen Fehler auf den anderen zu häufen. Aber seht,
dieses war die große Kunst, daß sie heilig geworden sind
und auf die Altäre gestellt worden sind, daß sie über
ihre Fehler hinweggingen, indem sie diesen Fehler beim
Zopf nahmen und Mir darbrachten, und daß sie diesen
Fehler benutzten und Mir sagten: ‚Ich bin gefallen, ich
will aber nicht von Dir weichen, bis Du mir verzeihst.
Herr, verzeihe mir!‘ Und dieser Fehler, der da kurz
vorher begangen wurde, hat sich verwandelt in einen
kostbaren Edelstein, den Ich in ihre Krone einfügte;
denn Ich bin nicht wie die Menschen, die immer grollen
und zürnen.
Wenn der arme Mensch zu Mir kommt und um
Verzeihung bittet, dann habe Ich vergessen und
verziehen, und kein Fehler wird nachgezählt, wievielmal
der arme Mensch gefallen ist. Nein, nein, Meine Kinder!
Ich will nur wissen, ob der Mensch ein kindliches Gemüt
hat. Darum, Meine Kinder, Kinder sollt ihr werden.
Nicht umsonst rede Ich euch immer mit
diesem Wort, mit diesem Titel an: ‚Meine Kinder‘. Damit
ihr euch jedesmal daran erinnert, was Ich von euch
verlange: Kinder müßt ihr werden, und euch nachfolgend
sollen alle diejenigen Kinder werden, die die Schriften
lesen, die eingehen in Meinen Geist, die da glauben, daß
Ich mit euch verkehre.
Seht, wenn ein Kind zornig geworden ist,
wenn es seinen Willen nicht durchführen kann, und es
zürnt und stampft mit den Füßen, und der Vater straft
es, nimmt es beim Zopf und haut es tüchtig durch, das
Kind läßt sich die Strafe gefallen und schreit aus
vollem Hals beim Vater; sobald es aber die Strafe
eingesteckt hat, dreht es sich um und schaut den Vater
lieblich an und lächelt dem Vater zu. Das ist soviel
gesagt wie: ‚Gelt, du verzeihst mir, ich war böse!‘ Wenn
der Vater fragt: ‚Bist du noch böse?‘, dann lächelt das
Kind. Und das genügt dem Vater. So müßt ihr werden. Du
bist zornig geworden wie ein Kind; du hast gestampft mit
den Füßen (durch unwillige Worte) wie ein Kind, weil du
deinen Willen nicht durchführen konntest, weil man dir
nicht nach allen Seiten huldigte. Andere, die aber nicht
so wie du bearbeitet werden, die noch viel Weltsinn in
sich haben, die mehr nach dem Irdischen streben als nach
dem Himmlischen, dies ist immer der Fall, deswegen bist
du manchmal in der Familie überflüssig und man nimmt
Anstoß an dir, weil du zu viel nach dem Überirdischen
strebst; du willst in deinem Sinn fortfahren und willst
das Himmlische anstreben, nach allen Richtungen hin. Da
bietest du manchmal auch Anstoß und störst die Familie.
Darum darfst du nicht aufgeregt sein, wenn sie dir nicht
huldigen. Jene müssen Geduld haben, wenn sie wissen, daß
nur der Segen von Meiner Hand ausströmt; und wenn du
manchmal dich zurückziehst und anstößest, weil Ich dich
ans Krankenbett fessele, oder dich für Mich verwende,
geht der Segen doch über auf die Familie.
Und du, wenn du stampfest mit den Füßen
und zornig wirst, dann aber Mir entgegenkommst und
diesen Fehler wieder bereust, ja, so will Ich es haben,
daß du wie ein Kind diesen Fehler bereust und dich
hütest, deinen Angehörigen ein böses Gesicht zu machen,
und die Arbeit wieder aufnimmst und die harten Worte,
die man dir sagte, dann wieder vergißt, siehe, das ist
dann die Strafe für dich, wenn du dich zornig äußerst,
daß Ich dich gleich beim Zopf nehme und dich abstrafe.
Nun aber hast du die Predigt gehört, denn sie gilt dir;
denn durch dich sollen viele belehrt werden; denn jeder
Mensch hat sein Kreuz zu tragen, hat seine Last, und er
mag stehen, wo er will, ob er ein Familienvater ist oder
im Kloster sich befindet, er hat sein liebes ‚Ich‘, und
um dieses ‚Ich‘ zu bekämpfen, gehört noch das Wörtchen
‚will‘. Dieses ‚Ich will‘ will Ich betonen und will die
Menschheit lehren, wie dieses ‚Ich will‘ verstanden
werden muß.
Das ‚Ich‘ steht bei jedem Menschen
voraus. Das liebe ‚Ich‘, das möchte sich Geltung
verschaffen. Wenn nun aber das ‚Will‘ daran hängt, dann
ist es nicht mehr gefährlich. Dieses ‚Ich‘, wenn es
allein steht, führt es zum Verderben; wenn das ‚Will‘
dranhängt, dann führt es zur ewigen Glückseligkeit. Denn
‚will‘ ist ‚wollen‘, und ‚wollen‘ heißt ‚heilig werden
wollen‘, heilig werden wollen die guten Christen. Wenn
nun der Mensch das ‚Ich‘ bekämpft, muß er noch überall
daransetzen: ‚Ich will mich bekämpfen, ich will diesen
Fehler ausrotten!‘ Und wenn er in der Familie steht und
ein Kreuz zu tragen hat, dann muß er sich sagen: ‚Ich
will dieses Kreuz tragen!‘ Damals dachte Ich schon an
euch, damals dachte Ich schon, welches Kreuz Ich auf
eure Schultern legen wolle, und daß ihr Mir dereinst
dieses Kreuz solltet nachtragen.
Meine Kinder! Ihr seid noch auf dem Weg,
werdet nicht mutlos! Seht, wenn einmal der letzte
Hammerschlag fällt, um euch an dieses Kreuz anzunageln,
dann nur noch ein kurzes Ringen, Dulden und Leiden, und
alles ist vorüber. Die Hammerschläge, womit ihr
angenagelt werden sollt, sind all die üblen Nachreden,
all die Spottreden, all die üblen Launen, die ihr von
euren Mitmenschen zu erdulden habt, die aber auch eure
Mitmenschen von euch zu ertragen haben; denn alle
Menschen sollen heilig werden. Ich will, daß alle
Menschen selig werden und zur Erkenntnis der Wahrheit
gelangen. Darum, wenn Ich dem einen den Dienstbotenstand
angewiesen habe, dem anderen, daß er herrschen soll über
mehrere Personen, einem Dritten, daß er allein steht in
der Familie, so habe Ich dieses so gefügt, daß dieses
eine schöne Harmonie ausmacht in der Familie; denn diese
kleine Familie ist das Vorbild der ganzen Schöpfung. Wie
es in der Familie ist, so ist es in der großen
Schöpfung, wo Ich diese Harmonie zuwege bringe, wenn
jedes sein ihm auferlegtes Kreuz trägt.
Das unvernünftige Tier, die leblosen
Geschöpfe, die tragen ihr Kreuz, wie Ich es ihnen
auferlege. Nur der Mensch, der arme und schwache Mensch,
der gottlose Mensch allein will sein Kreuz nicht tragen,
und die Harmonie in der Schöpfung wird gestört nur durch
diesen Menschen. Er macht Mir den Querbalken, er trägt
dieses Kreuz schleppend und hinkend. Und je mehr sich
anschließen und die Lehre vom Kreuz verstehen lernen,
die Ich da über euch ausgieße, desto mehr wird die
Harmonie zustande gebracht werden in der Schöpfung.
Eure Mädchen, eure Dienstmädchen haben
vieles voraus, was andere Dienstboten nicht haben. Wie
glücklich und zufrieden könnten sie leben, wenn sie sich
hie und da nicht den Querbalken selbst auferlegten; denn
in dem Stand, in den Ich sie hineingestellt, wollte Ich
sie haben, und er ist für sie der sicherste Weg zur
Heiligkeit. Sie sollen Mir wie eine heilige Zita, eine
heilige Notburga, eine heilige Armella dienen und sich
heiligen in diesem Haus und Mir dienen in diesem Stand.
Wie unrecht tun sie manchmal, wenn sie glauben, die
Bürde sei zu schwer.
Deine Verwandte, die Ich dir
beigestellt, wie leicht kann sie und könnte sie sich
heiligen, wollte sie ja doch den ersten Weg nicht gehen,
auf den Ich sie gestellt, und Ich habe sie jetzt auf
diesen gestellt und bin zufrieden mit ihr, wenn sie auch
den minderen Weg gehen will, der Mir nicht so viel
Freude bereiten kann; denn der Ehestand steht so weit
unter dem jungfräulichen Stand, wie der Himmel von der
Erde verschieden ist. Nun aber hat sie diesen Stand
erwählt, denn auch der Ehestand ist ein heiliger Stand,
und man kann Mir hier recht gut dienen und ein großer
Heiliger werden, wenn man das Wort ‚Will‘ zu dem ‚Ich‘
setzt. Nun aber habe Ich sie hierher geführt, weil sie
Mir eine treue Dienerin war und Ich große Freude an ihr
hatte in ihrer Jugendzeit; aber ihr Stolz mußte bestraft
werden. Nun hat sie aber alles, was sie sich nur
wünschen kann und mag. Vielen, vielen geht es
schlechter. Ein Kreuz mußt du tragen, ein Kreuz! Ich
bitte dich darum, setze das ‚Ich‘ nicht voraus bei allen
deinen Handlungen, setze das ‚Will‘ dazu. ‚Ich will mein
Kreuz tragen, ich will auch ein Kreuzchen tragen‘, und
dieses kleine Kreuzchen trägst du, wenn du bei den
Leiden, die du hast von deinem Geschäft, auch noch die
Leiden trägst, die Ich dir bereite durch diese Meine
Dienerin. Es sollte dir aber Freude bereiten, Freude
soll es dir bringen!
Wenn du dich aber nicht fügen willst,
werde Ich ein anderes Mittel ersinnen; denn Ich will
niemand über seine Kräfte versuchen. Ich will, daß eine
Harmonie bestehe in Meiner Schöpfung. Diese Harmonie in
der Schöpfung ist noch niemals so gestört gewesen von
der Zeit an, da Ich auf Erden wandelte bis zu dieser
Stunde, wie gerade jetzt in dieser Zeit. Niemand will
mehr dienen, alles will herrschen. ‚Ich will herrschen‘,
nicht, ‚Ich will dienen‘, so sagen die Menschen. Dieses
‚Ich will‘ will Ich aber in die rechte Bahn einlenken.
Darum müßt ihr Mir euren guten Willen entgegenbringen
und nicht müde werden, wenn es auch noch so hart wird.
Solange Ich nicht müde werde zu kommen, euch zu
belehren, dürft auch ihr nicht müde werden, Mich
anzuhören, und die Welt soll dereinst, solange sie die
Schriften liest, die Harmonie bewundern, die in diesem
Haus stattfindet. Darum muß Ich es rügen, wenn diese
Harmonie gestört ist, und öffentlich rügen. Es ist der
böse Feind und nicht Mein Geist, der sich hie und da
durchschlüpft. Hinaus mit ihm, hinaus aus der Familie,
hinaus mit ihm, hinaus! Ihr Dienstmädchen, laßt euch
nicht betören, hinaus mit ihm!
Du, Meine Freundin, du hast in der
Tugend Fortschritte gemacht, mache keine Rückschritte.
Fahre fort, den Eigensinn zu bekämpfen; denn es ist
Eigensinn, wenn du tagelang Haß nachträgst. Du darfst
nicht grollen, wie auch Meine Kleine nicht grollen darf,
Ich verbiete es Mir.
Seht, Meine Kinder, welch eine Geduld
Gott haben muß mit Seinen Geschöpfen. Ihr gehört zu den
besten Meiner Kinder, und welche Schwäche seht ihr da,
welche Armseligkeit. Jetzt nehmt euch all die Geschöpfe
in der ganzen weiten Welt, geht mit Mir hinein in die
Klostermauern, geht mit Mir in das Priestertum, überall,
überall, wie viel, wie vieles habe Ich zu rügen und zu
tadeln, ‚Ich will‘ sagt man, aber nicht ‚Ich will mein
Kreuz tragen‘, sondern ‚Ich will dieses Kreuz los sein!‘
Der Priester klagt, der Ordensmann klagt, die Ehefrau
klagt, der Ehemann klagt, die ganze Welt, nichts als
Unfriede.
Wenn die Menschen es so haben, wollen
sie es anders haben; wenn sie ihr gutes Auskommen haben,
wollen sie Überfluß; diejenigen, denn Ich rede hier nur
von den guten, von den treuen Seelen, diejenigen, denen
Ich es gegeben und gelegt, daß sie Mir dienen könnten
nach Herzenswunsch, wenn Ich dann in ihrem Gottesdienst
eine kleine Störung eintreten lasse, welche Klagen,
welche Mutlosigkeiten, weil Ich ihnen etwas in die Quere
schicke. Oder wenn Ich sie auf das Krankenlager hinlege,
welche Mutlosigkeit. Alle die Priester ach, sie möchten
Mir alle ihre Gemeinden, ihre Untergebenen zuführen;
aber welche Mutlosigkeit, wenn sie sehen, daß man nicht
auf ihre Worte achtet, daß man sie überhört. Ja, du Mein
Freund! Sieh, dies ist der große Haken, und warum Ich so
eine Sprache rede in die Welt hinein, die niemand
verstehen will. Du sollst das ‚Ich‘ umsetzen in das ‚Ich
will!‘ Du sollst dazusetzen: ‚Ich will mein Kreuz
tragen‘, Mein lieber Freund, alles, was Ich dir zusende,
du Mein treuer Freund, denn Ich rede hier in dieser
Schrift nur zu treuen, nur zu frommen Seelen, Ich will
mein Kreuz tragen, das Kreuz, das Du mir auferlegt. Ich
will den Stand, den Du mir gegeben, an den Du mich
angewiesen, ausfüllen in der Absicht, in der Du mich
hineingesetzt!‘
Es war und ist verkehrt, wenn jemand
davonlaufen will. Nur dann, wenn das Heil der
unsterblichen Seele gefährdet ist, dann billige Ich es,
daß jemand seinen Stand ändern darf, oder, wenn er von
einem geringeren Stand in einen höheren hinauftritt, das
heißt, wenn er in einen Stand treten will, wo er Mir
mehr dienen kann, mehr Fortschritte machen kann auf dem
Weg zur Heiligkeit. Im übrigen gestatte Ich nicht, daß
er den Stand ändere, in den Ich ihn hineingesetzt habe.
Darum soll der Priester zufrieden sein
in einer Gemeinde, wo er meint, nicht viel wirken zu
können; er soll wirken durch sein Beispiel, indem er Tag
für Tag seine Pflicht erfüllt und ruhig weitergeht, ob
er sieht, daß man seine Worte beachtet oder nicht. Ja,
wenn es vorkommen sollte, daß man ihn verachtet und mit
Füßen tritt, und er dennoch ruhig weitergeht, setze Ich
ihm die Krone des Martyriums auf, und in seiner
Gemeinde, die sich ihm entgegengestellt, soll er viel,
viel ernten nur durch seine große Geduld. Durch seine
Geduld soll er sie dann retten.
Ebenso verhält es sich mit klösterlichen
Genossenschaften. Die Seele, die darum weiß, wie deine
Schwester, wie vieles kann sie verdienen, wie viele
Seelen kann sie retten, wenn sie auch glaubt, sie könne
nichts wirken, weil sie die Schriften nicht verbreiten
kann, mit niemand darüber reden kann. Siehe, Meine
Tochter, Mein Liebling, durch deine Geduld, durch die
Tränen, die du Mir darbringst, wirst du sehen, wie viele
Seelen du Mir rettest, so viele wie Meine Dienerinnen
hier durch die Verbreitung der Schriften; denn du bist
mit eingegliedert in die Kette, in das Band
eingeschlossen, und auch deine Oberin, wenn sie es auch
noch nicht verbreiten darf, weil die Kirche hier in
Mainz es jetzt noch nicht bestätigt hat. Sie kann im
stillen viel wirken, wenn sie die Schriften liest und es
im stillen für sich und für viele verwertet. Sie kann
viel Nutzen daraus ziehen für ihre Leitung. Ebenso auch
deine Schwestern, Meine Lieblinge; denn sie alle nehmen
teil an den Früchten, die Ich daraus wirken will.
Ebenso auch du, N.; wenn die
Mutlosigkeit kommt und dich niederdrücken will, dann
setze diese vier Wörtchen zusammen und sage: ‚Ich will
mein Kreuz tragen!‘ Und ihr alle, ihr
Liebesbundmitglieder, wo ihr auch steht, wenn ihr diese
Zeilen in die Hand bekommt, dann stellt euch tapfer
unter das Kreuz, das Ich Meiner Dienerin gezeigt, daß
selbst ihr Beichtvater, der doch dagegen ist, mit
einstimmte: ‚Das war ein guter Gedanke‘, sagte er, ‚das
ist wirklich schön.‘
Seht, dort zeigte Ich ihr, welche
Früchte diejenigen tragen, die die Schriften lesen und
die Schriften befördern. Ich zeigte ihr dort, wie Ich
Mich ihr gezeigt, als Ich ihr dieses Kreuz aufladen
wollte. Diese alle sind eucharistische Kreuzträger, alle
im ganzen Land, wo ihr euch befindet: Wer die Schriften
aufschreibt, steht unter dem Kreuz und hat ein Glöcklein
in der Hand. Damit fordert er die übrigen Menschen auf
herbeizukommen, sich herbeizudrängen und sich unter das
Kreuz zu stellen. Diejenigen aber, die nur die Schriften
lesen und nicht verbreiten, und sich anschließen an den
Liebesbund, kommen herbei und stellen sich unter das
eucharistische Kreuz und helfen es Mir tragen. Seht, je
mehr herbeikommen und sich darunterstellen, desto mehr
wird das Kreuz Mir erleichtert, und die Ordnung in der
menschlichen Gesellschaft wird nach und nach mehr
gefördert; denn jetzt ist ja eine Unordnung. Was ist es
denn, daß die ganze Welt so unzufrieden ist? Weil die
Unordnung überhand genommen hat, und diese Ordnung kann
nur hergestellt werden, wenn das Paradies hergerichtet
wird auf der Welt, und dies kann nur auf dem Kreuzweg
zuwege gebracht werden.
Darum ihr alle, Meine lieben Freunde und
Freundinnen, wo ihr euch befindet, ihr seid
eucharistische Kreuzträger, ihr sollt herbeieilen und
euch unter das Kreuz stellen, möget ihr nun doppelt
arbeiten oder einfach. Diejenigen, die die Schriften
verbreiten, haben doppelten Gewinn, weil sie das
Glöcklein in der Hand haben und fortwährend die Leute
auffordern herbeizukommen. Diejenigen, die sich
darunterstellen, haben den Gewinn nur für sich, daß sie
arbeiten an dem großen Ziel, das erstrebt werden soll,
die Kirche wieder zum Sieg zu bringen und wenigstens
doch ein Steinchen, ein Bausteinchen, abgeben. Dieses
Bausteinchen sind sie selbst an dem Neuaufbau der
Kirche.
Darum, Meine Kinder, setzt überall die
fünf Wörtchen zusammen, sobald die Mutlosigkeit sich
einschleichen will, denn es ist nur Mutlosigkeit, wenn
die Freude aus dem Herzen schwindet. Du N. sollst die
Freude um jeden Preis erkämpfen, die Freude des Herzens,
merk es dir, wenn etwas Entgegengesetztes kommt, dann
ist es nicht von Mir, dann ist es von Meinem
Widersacher, also setzt überall die fünf Wörtchen
zusammen, wenn die Mutlosigkeit euch niederdrückt, wenn
ihr zusammenzubrechen droht unter der Last des Kreuzes:
‚Ich will mein Kreuz tragen!‘
Barbara: „O
Herr, wie soll ich es machen mit dieser Protestantin,
die zwar den guten Willen hat, aber den Übertritt in die
katholische Kirche so lange hinausschiebt?“
Jesus:
„Zwingen kann man niemand, auch Ich zwinge niemand.
Stelle es ihr vor; sie hat ein gutes Herz, aber
Protestanten sind hart zu gewinnen, wenn sie es nicht
tut, dann hast du deine Schuldigkeit getan. Du und Mein
liebes Lieschen, seid recht kindlich, werdet Kinder, und
ihr alle drei, du, Meine Kleine, werde ein Kind, werdet
Kinder; niemals darf in eurem Herzen ein Tag etwas
bleiben, auch wenn etwas vorkommt. Seht, ein Kreuz müßt
ihr tragen; euch zwei, Lieschen und Luise, habe Ich
gestellt in Meine Schöpfung, daß ihr bereits kein Kreuz
mehr habt; ihr müßt euch nur umsehen in Meiner
Schöpfung, unter den Mitmenschen; ihr müßt höher
hinaufsehen, ihr seid ja die guten, die treuen Kinder
Meines Herzens.
Aber seht, wie viele gibt es, denen Ich
es nicht so gemacht habe. Ein Kreuz müßt ihr tragen.
Wenn Ich euch Kreuze auflade, dann müßt ihr euren Willen
beugen und sagen: ‚Ja, Herr, ich will mein Kreuz tragen‘
und nicht dagegen ausschlagen, ihr alle drei. Du,
solange du hier in der Familie stehst, hast du manchmal
ein schweres Kreuz zu tragen, weil deine beiden
Mitschwestern ihren Willen befriedigen können. Du mußt
aber manchmal sagen: ‚Ich will mein Kreuz tragen‘ in dem
Punkt, wo es scheint, als sei es besser, Mir nachlaufen
zu können.
Seht, ihr zwei habt eurer Mitschwester
zwar dieses voraus, daß ihr eure Lust (Mir nachlaufen zu
können) befriedigen könnt. Diese hat sich da noch zu
bekämpfen, bis Ich es ihr anders machen werde. Darum
müßt ihr mit ihr manchmal Geduld haben!“
Barbara: „Ja,
o Herr, ich weiß schon, was Du sagen willst. O habe
Nachsicht mit uns armen Geschöpfen; Dir muß ich immer
den Kopf vollbrummeln.“
Jesus: „Ja,
Ich bediene Mich eurer Sprache, Ich mache Mich klein, um
euch zu belehren. Seht, nichts ist umsonst, auch wenn
Ich so rede, wie ihr Menschen redet, wie es eure
Muttersprache ist. Sogar bis in die Familiensprache
hinein richte Ich Mich, um euch die große Demut eines
Gottes zu zeigen. Demütig müßt ihr werden, kindlich, wie
Ich es bin. Dieses soll euch erinnern an die
Kindlichkeit, wie Ich kindlich mit euch rede, daß Ich
manchmal ein Wort rede, was man in eurer Muttersprache
spricht, dann merkt doch, wie kindlich Ich Mich zu euch
herablasse und werdet doch einmal Kinder, ja, werdet
doch einmal Kinder!“
Barbara: „O
lieber Jesus! Hast Du denn auch gehört, was N. zu mir
sagte, daß die Priester alle gegen uns seien?“
Jesus:
„Deswegen habt ihr ja die Predigt. Ich weiß ja alles.
Ich will euch nur ermutigen und ermuntern. Ich werde
euch nicht verlassen. Verlasset nur ihr Mich nicht.“
Barbara: „O
schenke uns auch die Seele von N. Ich opfere Dir auch
all den Spott und Hohn auf. Ich freue mich, wenn auch
die Natur sich sträubt. Ich will aber mein Kreuz tragen,
das Kreuz, das Du mir auferlegst. Wie danke ich Dir;
kein anderes können sie mir aufladen. Ich habe die
heilige Kommunion und die heiligen Messen und alles, wie
andere, aber doch so viele Gnaden. O komm nur, Herr! Es
ist mir ein kleines Kreuz, daß mich die Priester
verachten und spotten und höhnen; ihnen sollst Du die
größte Glorie im Himmel verschaffen. O führe sie auf den
Weg zur Heiligkeit! O laß N. eine besondere Glorie
zukommen, weil er mir so viele Verdemütigungen bereitet
hat, segne N. und N.! Mein Jesus, wie fürchte ich mich
vor dieser Sache.“
Jesus: „Habt
keine Angst, Meine Kinder!“ Dann sang Barbara das Lied:
„Gott sorgt für mich, was will ich sorgen, Er ist mein
Vater, ich Sein Kind; Er sorgt für heute, sorgt für
morgen, so daß ich täglich Spuren find.“
Barbara: „O
Herr, was soll ich machen mit dieser Summe? Soll ich es
den Verwandten austeilen oder dazu, daß die Irrsinnige
besser gehalten wird, oder in ihrem Namen zu guten
Zwecken?“
Jesus: „Das
machst du so: Das Geld behältst du für dich in Verwahr,
und von Zeit zu Zeit schicke jemand hin und erkundige
dich, wie es ihr gehe, und überlasse dem Aufseher ein
Geschenk, damit er es für sie verwende. Solange sie
lebt, verwende das Geld auf diese Weise, weil die
Nächsten immer die ersten sind bei guten Zwecken,
solange sie bedürftig sind; wozu es gemacht und gedacht
ist von dem Stifter, dazu muß es verwendet werden. Nach
dem Tode kannst du es verwenden, wie du willst.“
Auf den ersten Aloysianischen Sonntag im
Juni 1899 wurde Barbara dieser Heilige gezeigt inmitten
einer ganzen Schar, die ihn umringten. Es wurde ihr
gesagt, daß dieses lauter Jünglinge seien, die sich zu
gleicher Zeit mit dem heiligen Aloysius geheiligt
hätten, die aber vor der Welt verborgen und auf dieser
Erde nicht zu Ehren gelangt seien. Barbara staunte, weil
sie diese noch mehr glänzen sah als den heiligen
Aloysius. Der Herr sagte: „Weil Aloysius schon auf Erden
so hoch geehrt sei, jene aber verborgen geblieben seien,
so hätten sie den Vorzug vor ihm und glänzten vor in der
Ewigkeit.“
Bei der heiligen Kommunion sah Barbara
den Herrn vom Tabernakel herkommen, gekleidet wie ein
Priester mit einem weißen Chorrock. Er stellte Sich
zwischen Barbara und Lieschen, die nebeneinander knieten
und ermutigte sie, die Wallfahrt zu machen.
Jesus: „Wie
oft bin auch Ich barfuß gegangen. Wenn Mich ein Gewitter
auf Meinen Wanderungen überraschte, und Ich deshalb
Meine Schritte beschleunigte, da waren Mir Meine
Sandalen hinderlich bei dem lehmigen Boden, und Ich nahm
sie deshalb in Meine Hände.“
Am Wallfahrtsort sagte Er:
„Drei Schritte habt ihr zu tun: Der
erste ist der, daß ihr geglaubt habt; den habt ihr gut
bestanden. Der zweite Schritt ist der, dass ihr im
Vertrauen, in der felsenfesten Hoffnung auf Mich, daß
Ich trotz aller Anfeindungen die Sache durchführen
werde, nicht wankt. Deshalb übertrage Ich euch die
Bußwallfahrten, daß ihr immer mehr abgehärtet werdet
gegen das Gerede der Menschen, weil solche gerade den
Spott und Hohn am meisten erregen. Der dritte Schritt
ist schon in diesem zweiten vielfach mit einbegriffen:
Daß ihr in euch alle Fehler ausrottet, so daß die Liebe
sich in euch vollends entfalten kann.“
Barbara bat den Herrn um die Gnade der
Beharrlichkeit. Da breitete die liebe Mutter Gottes
Ihren Mantel aus und sagte, Sie werde es nicht zulassen,
daß wir nicht ausharren, und Sie umschlang uns fest mit
Ihrem Mantel. Sie sagte auch:
Maria: „Seht,
wie leicht euch der erste Schritt vorkam, ebenso leicht
werdet ihr auch die beiden anderen Schritte tun.“
Als die Prozession aus der Kirche
auszog, kam Jesus auf Barbara zu, und sagte:
Jesus: „Leihe
Mir dein Herz als einen Thron und liebe Mich für alle
diejenigen, die Mich nicht lieben, und die sich nicht
beteiligen.“
Barbara:
„Ach, so leihe mir doch Dein Herz, damit ich Dich auch
so lieben kann, wie Du es verdienst.“ Der Herr gab ihr
alsdann Sein Herz und sagte:
Jesus: „So
liebe Mich denn mit Meinem Herzen. Siehe, keiner von all
denen, die sich beteiligen, geht verloren.“
Als am folgenden Tag in der Kirche die
Kinder zum hochheiligsten Sakrament geführt wurden, ging
ein Strahl aus Seinem Herzen aus, vor Freude über die
unschuldigen Kleinen. Der Herr sagte:
Jesus: „Vor
vierzehn Jahren habe Ich dir gezeigt, wie diese Pfarrei
darniederlag, und siehe, welch einen Umschwung ein
eifriger Priester bewirkt. Gebt Mir feurige Priester!
Gebt Mir feurige Priester! Weil der Vater der Menschheit
die Verehrung Meines göttlichen Herzens angewiesen hat,
hat Er Mir dieselbe gleichsam aufgebunden, und Ich bin
noch mehr verpflichtet, alles zu ihrer Rettung
aufzubieten. Darum ist aber auch Mein Schmerz noch viel
größer, die Menschheit verdammen zu müssen. Fühle den
Schmerz mit Mir, daß viele sich gar nicht beteiligen und
absolut verlorengehen wollen.“
Er gab Barbara den Schmerz zu fühlen, so
daß sie vor Schmerz nicht mehr atmen konnte.
„Fahret nur fort, so entschieden zu
sein! Zeigten die Priester eine solche Entschiedenheit,
so würde die Kirche zum Sieg gelangen, ohne
Blutvergießen. Ihr könnt gar nicht glauben, welch guten
Eindruck ihr auf das gewöhnliche Volk macht, wenn sie
euch so entschieden eure Wege gehen sehen, insbesondere
soll Luise durch Einfachheit der Kleidung vorangehen und
sich um Mode gar nicht kümmern.“
Am letzten Tag der Anbetung in der
Kirche der heiligen Barbara war der liebe Heiland
umringt von einer großen Schar Heiliger, die alle in der
Stadt Mainz gelebt, voran der heilige Bonifatius. Dieser
führte das Wort. Und Barbara sah, wie in der Luft ein
großer Kampf stattfand (gemeint ist ein geistiger
Kampf). Er war so heftig, daß die Schwerter auf- und
abgingen, wie wenn gedroschen wird. Das Häuflein der
Guten war sehr klein, darunter auch Barbara und ihre
beiden Freundinnen und die Heiligen der Stadt. Der
heilige Bonifatius sagte:
Bonifatius:
„Obwohl euer Häuflein so klein ist, braucht ihr euch
nicht zu fürchten, denn alle diese Heiligen kämpfen mit
euch. Den Priestern der Stadt möchte ich zurufen:
Laufet, laufet im Sturmschritt, denn wenn die Priester
nicht alles aufbieten, wird, wenn die alte Generation
gestorben und die junge groß geworden ist, alles Gute so
zertreten werden, daß es darniederliegt. Darum sollten
die Priester doch nicht auf den Spott achten; denn der
bliebe doch nicht aus. Sie sollten sich um gar nichts
bekümmern, sondern laufen, um zu retten, was noch zu
retten ist. Wehe, wehe der Stadt Mainz, wir werden mit
zu Gerichte sitzen und eure Ankläger sein; denn wir
haben uns auf dem nämlichen Boden geheiligt, wo ihr euer
Verderben holt. Wehe jenen, die die Gnaden vorbeifließen
lassen, ohne sich derselben teilhaftig zu machen!“
Barbara wurde ihre Seele gezeigt mit
vielen Fehlern entstellt; sie wurde darüber sehr
entmutigt und sagte:
Barbara: „Wie
kann denn der Herr mit mir verkehren!“
Da kam die heilige Maria Magdalena,
tröstete sie, und sagte:
Maria Magdalena: „Bedenke doch, daß ich die größte
Sünderin war, und daß der Herr Sich nicht scheute, mich
zu lieben und mit mir zu verkehren. Machet alle drei an
meinem Festtag eine Wallfahrt zum Andenken daran, daß
ich in einer Felsenhöhle Zuflucht gesucht. Und in der
Oktav vom Rochusfest geht an die Gnadenstätte dieses
Heiligen.“
Barbara:
„Meine liebe Mutter! Ich grüße Dich durch das
allersüßeste Herz Jesu Christi und bitte Dich, ersetze
Du, was unserer Armseligkeit abgeht. Noch einmal opfere
ich Dir und durch Deinen lieben Sohn den Weg auf, den
wir gemacht zu Deinem heiligen Gnadenbild (alle drei in
gleicher Kleidung, Lieschen und Barbara barfuß). Alle
die Strapazen, die wir durchgemacht, auch all den Spott,
den wir freiwillig und mit Freude auf uns genommen,
opfere ich Dir auf, in Vereinigung mit dem Weg, den Du
zu Deiner Base Elisabeth gegangen bist. Wir haben uns
nicht an dieses Geheimnis erinnert, darum bitte ich
Dich, daß Du alles der Heiligsten Dreifaltigkeit
darbringen möchtest, damit wir Mut und Stärke in all den
Leiden und Verachtungen erlangen, auch für die Anliegen
der Kirche, die Bekehrung der Sünder und zum Trost der
Armen Seelen im Fegefeuer. O daß wir doch so unbekümmert
durchs Leben gingen wie Du, denn Dein lieber Sohn und Du
seid in die Welt gekommen, uns zum Vorbild, also muß es
Menschen geben, die Euch nachfolgen.“
Maria: „Meine
Kinder! Ja, freilich sind Wir da, um euch ein Beispiel
zu geben. Alles, jeden Schritt und Tritt, den Ich in
Meinem Leben getan und den Mein Sohn getan, jedes Wort,
das Wir gesprochen, ist nur da, um euch ein Beispiel zu
geben, damit ihr Uns nachfolgen könnt. Seht, von Mir
spricht man in der Heiligen Schrift wenig, weil das Weib
schweigt in der Kirche; aber alles, was Ich getan habe,
was notwendig ist, damit viele Mir nachfolgen, ist doch
niedergeschrieben und wird bei gewissen Festen euch
vorgestellt, zur Nachahmung vorgestellt.
Seht nun, Meine Kinder, wenn die Kirche
das Fest Meiner Heimsuchung feiert, wo Ich über das
Gebirge eilte zu Meiner Base, um ihr die frohe Botschaft
zu bringen, daß der Erlöser eingetreten sei in diese
Welt, und daß Er bald öffentlich erscheinen werde; denn
die Freude Meines Herzens war so groß, daß Ich es Meiner
Base doch nicht länger hätte vorenthalten können, weil
Ich durch innere Erleuchtung wußte, daß auch sie
empfangen, und daß sie ein Kind gebäre, das Meinem Sohn
viele Freude mache, ja, daß er die Wege einschlagen
solle, die er Meinem Sohn vorbereiten solle. Denkt euch,
mit welcher Freude Ich Meine Schritte beschleunigte!“
Und ich sehe Sie dahinziehen mit Ihrem
heiligen Gemahl, nicht aber ein Eselchen. Sie gehen
nicht wie bei der Flucht nach Ägypten; Sie gehen einsam
des Weges dahin. Jeder hat ein Päckchen auf dem Arm und
auf dem Rücken gerade wie wir, wenn wir nach Mainz
gehen. Aber ein himmlisches Licht umfließt Sie, eine
Helle geht von Ihnen aus, von der lieben Mutter Gottes,
mit der der heilige Josef eingeschlossen ist, und die
weithin Ihr Licht verbreiten.
Maria: „Es
ist dies die göttliche Gnadensonne, Mein Kind, Die in
Meinem Schoß noch eingeschlossen ist.“
O wie freudig ist das Angesicht zu
schauen. Ja, da ist kein Kummer zu sehen. Das ist, als
wenn Sie Beide ins Paradies eintreten, eilen müßten, um
recht bald an der Pforte anzukommen. Sie singen und
beten abwechselnd auf dem ganzen Weg.
Barbara:
„Meine liebe Mutter! Was willst Du uns denn mit dieser
heutigen Betrachtung lehren, da ja doch Großes Gebet
ist, und Dein lieber Sohn uns immer so schön belehrt
über die Herrlichkeit dieses Festes und Seine Freude uns
kundtat, wenn die Große Gebetswoche war.“
Maria: „Das
hat alles seine Bedeutung. Seht, ihr steht jetzt im
Begriff, den zweiten Schritt zu tun auf dem Weg, um in
allernächster Nähe Mir und Meinem Sohne nachzufolgen.
Darum muß Ich euch heute belehren. Darum bin Ich
gekommen, Ich, die Mutter der Schönen Liebe, um euch
recht bald zu helfen, daß auch ihr den Schritt zur
göttlichen Liebe ganz und vollkommen zurücklegen könnt;
denn jetzt steht ihr noch in dem Zeitpunkt, den Schritt
eines lebendigen Gottvertrauens zu tun. Der erste
Schritt ist zurückgelegt, wie Mein Sohn dir zu wissen
tat, als ihr in Mombach waret. Den zweiten Schritt habt
ihr begonnen, und deshalb verlangt Mein Sohn, daß ihr
außergewöhnliche Werke verrichtet, außergewöhnliche
Bußübungen, und heute bin Ich gekommen, um euch zu
bestärken und recht zu befestigen, besonders
deinetwegen, Meine Kleine, weil du noch in einer Familie
stehst, wo du viel abgehalten wirst, und wo man dir
manchmal bös entgegentritt, weil du viel aus der Familie
heraustrittst, um Meinem Sohn Freude zu machen.
Seht, als wir auf Erden wandelten,
gehörten wir der Gesellschaft an wie alle Menschen,
unseren damaligen Zeitgenossen. Damals waren schon die
drei Hauptfeinde zu bekämpfen, die Augenlust, die
Fleischeslust und die Hoffart des Lebens wie jetzt. Ja,
es war die höchste Spitze der Zeit gekommen, wo diese
drei Hauptfeinde mit aller Wut wüteten, mit aller
Energie, um alle Menschen in ihre Garne zu ziehen. Satan
hatte sein Reich aufgerichtet wie noch nie und glaubte,
die Zeit sei gekommen, wo die ganze Menschheit sich ihm
unterwerfen müsse. Da war auch die Augenlust, die
Habsucht; da wollte jeder reich sein und keiner arm, und
derjenige, der arm war, galt für keinen Menschen, galt
als ehrlos. Darum strebte jeder, recht reich zu sein, zu
glänzen in der Welt, um ja nicht zu den ehrlosen Armen
herabsteigen zu müssen.
Mein Bräutigam, der heilige Josef, war
doch ein gewöhnlicher Mensch wie ihr. Er war nicht schon
vor der Geburt ein ganz besonderes Gnadenkind, wie dies
bei Mir der Fall war, und hatte somit viel auszukämpfen,
mehr zu kämpfen als Ich. Und doch hatte er es durch sein
fortwährendes Streben, nur Gott allein zu gefallen, nur
Ihm allein zu dienen, dahin gebracht, daß er diese drei
Hauptfeinde überwand. Wenn er nun einmal merkte, es
könne der Wille Gottes sein, eine Wallfahrt zu tun, dann
bestrebte er sich aber auch, diese Wallfahrt ganz und
voll zu tun. Dies tat er schon, ehe er mit Mir vermählt
war. Wenn die Zeit kam, wo die Juden ihre Feste
feierten, da schaute er nicht darauf, ob er etwas
verlieren könne an seinem Vermögen, ob es auch
schicklich sei, daß er fortzöge.
Nein, er beeilte sich, ließ alles, sein
Handwerk liegen, und ging. Und als Ich mit ihm vermählt
war, und er mehr Sorge hatte, weil er in einer Familie
jetzt lebte, und deswegen für sie sorgen mußte, wenn
aber die Zeit kam, wo Wir Uns Gott wohlgefälliger
erzeigen wollten, und somit alles liegen und stehen
ließen, um Ihm allein zu dienen, da brachte er dies
Opfer auch ganz und voll. Seht, Meine Kinder, so sollt
ihr euch jedesmal erinnern, wenn der Herr euch anspornt,
wenn Er durch eines von euch spricht, daß Er verlange,
da und dorthin zu gehen, sollt ihr euch jedesmal zu
dritt in Vereinigung verbinden, damit ihr so das
Geheimnis der Heiligen Familie erneuert, wie Sie Ihre
Wallfahrten zurücklegte. So wie Wir der Menschheit so
großen Nutzen brachten, obwohl Wir ganz still und
verborgen dahinzogen, unbeachtet von anderen und
unbekümmert, was sie von Uns denken, zogen Wir dahin,
einzig und allein Gott lobend und preisend, und doch,
welche Gnaden brachten Wir bei diesen einfachen
Wallfahrten der gesamten Menschheit.
Die erste Gnade war, als Wir eintraten
in das Haus des Zacharias, Ich und Mein liebes Kind,
denn Mein heiliger Bräutigam war wieder zurückgekehrt,
daß die ganze Familie sich an Mir erbaute und der Herr
das Wunder wirkte, Sich, ehe Ich auch ein Wort sprach,
zu erkennen zu geben Meiner Base und ihrem lieben Kind,
das sie noch unter ihrem Herzen trug. Seht, bedenkt
dieses, wenn ihr wallfahrten geht, still, ohne euch
umzusehen, ob jemand lache oder weine, ob jemand sich
erbaue oder spotte, unbekümmert, ob ihr etwas versäumt
oder vernachlässigt; denn ihr seid Jungfrauen, und eine
Jungfrau tut das, was des Herrn ist, damit ihr eure
Schritte beschleunigen könnt und mit felsenfestem
Gottvertrauen die Hindernisse übersteigt, die euch noch
in den Weg kommen. Die Früchte reifen doch, wenn es auch
scheint, es sei dieses eine Sache der
Nichtnotwendigkeit, man müsse den Kleinen keinen Anlaß
geben, zu spotten und zu höhnen. So meinen wohl die
Besseren, die Priester und die Gläubigen, die guten
Christen.
Aber sagt ihnen, ob Wir denn Rücksicht
genommen haben bei Unseren Wallfahrten? Als Ich mit
Meinem heiligen Gemahl hineilen mußte, und die Stunde
gekommen war, wo Mein göttliches Kind die Welt erblicken
sollte, wurde Ich auch viel verspottet, Ich und Mein
Gemahl, und man sagte: ‚Dieser Mann muß wohl närrisch
sein, daß er eine so junge Frau hinausführt in die Welt
unter solchen Umständen. Der wird wohl glauben, bei uns
eine Herberge aufzuschlagen‘, und spottend und
hohnlachend wiesen sie ihn ab von Tür zu Tür. Erinnert
euch daran, wenn ihr seht, daß ihr verlacht und
verspottet werdet. Ferner, wo Mein Sohn Sich offenbart,
da braucht ihr es nicht zu tun, das heißt, wo Mein Sohn
offen Seinen Willen kundtut, da geht und folgt; denn das
Opfer, das ihr bringt, genügt und ist besser, als lange
hin- und herzufragen, denn der arme Mensch ist von Natur
aus angelegt, womöglich wenig zu opfern, und bis er das
Opfer in seinem Herzen gebracht hat, ist schon ein
großer Schritt getan.“
Barbara:
„Liebe Mutter! Sollen wir denn in der Nähe an einen
Wallfahrtsort gehen, wenn wir die dritte Wallfahrt
machen, oder noch einmal nach M.? O tue es uns doch zu
wissen, gern wollen wir das Opfer noch einmal bringen.“
Maria: „Mein
Sohn wird es dir schon zu wissen tun; für jetzt warte es
noch ab. Höre, was Ich dir sage zu deiner weiteren und
zu eurer weiteren Belehrung. Dieses nur zum gestrigen
Fest, das die Kirche feierte. Ihr seid nicht berufen, um
Wunder zu wirken. Auch will der Herr kein Wunder an euch
wirken; denn die Kirche steht in vollem Glanz. Sie ist
entfaltet nach allen Richtungen hin, und darum ist es
nicht mehr notwendig, außergewöhnliche Zeichen zu geben
und die Menschen auf die Kirche aufmerksam zu machen.
Weil ihr aber gestellt seid, vielen zum
Vorbild und so, daß alle Menschen euch nachahmen können,
und weil die Zeit gekommen ist, wo die Kirche wieder zum
Aufschwung, zum Sieg gelangen soll, weil ihr an dem
Wendepunkt steht, und viele sich euch anschließen
sollen, darum will der Herr, daß ihr den ganz
gewöhnlichen Weg geht in betreff eurer Lebensweise. Oft
schon hat der Herr euch gesagt, daß Er kein großes
Fasten verlange, keine außergewöhnliches Fasten, und
dies fühlt ihr ja, ein jedes an sich, daß dem so ist,
daß es der Herr von euch nicht verlangt, sonst gäbe Er
euch die Kraft dazu. Da ihr aber alle drei merkt, daß
die Kräfte schwinden, sobald ihr euch zuviel auferlegt,
darum will Ich euch sagen, daß solches der Herr nicht
von euch verlangt, und ihr dies demzufolge auch nicht
tun sollt. Um eure Kräfte zu erhalten, sollt ihr euch
nähren und kräftigen, so oft und sobald es notwendig
ist.
Diese Woche ist das Große Gebet hier in
der Stadt, wo ihr euch aufreibt und aufreiben wollt;
denn inniges und andächtiges Beten fordert Kräfte und
Anstrengung. Weil ihr aber durch die Überanstrengung
eurer Kräfte alle drei aufgerieben seid, die Natur
verlangt nun mal ihr Recht, darum rate Ich euch, bringt
das Opfer, die erste Stunde zu missen, denn dieses ist
für euch ein großes Opfer, weil ihr Meinen Sohn gern
zuerst begrüßen möchtet. Aber deswegen bringt dieses
Opfer und wartet, bis die Zeit gekommen ist, wo ihr
gewöhnlich aufsteht, damit ihr dann eure Kräfte um so
mehr anstrengen könnt in der Zeit, wo andere nicht
können.
Euch hat Mein Sohn berufen, außerhalb
der Familie zu stehen, damit ihr Ihm Ersatz und Sühne
leisten könnt für andere Menschen. Nun gibt es so viele
in der Stadt und in der Welt, die gern Meinem Sohn auf
den Knien dienen möchten, anbetend vor Ihm knien
möchten; aber ihr Beruf und ihr Stand verträgt sich
nicht damit. Es sind die Hausmütter und Väter,
Jungfrauen, aber sie stehen in der Familie; sie sind im
Dienstbotenstand und müssen arbeiten. Für diese alle
sollt ihr den Tag über Ersatz und Sühne leisten.
Wenn ihr gekräftigt seid, dann könnt ihr
euch voll und ganz Ihm hinschenken und könnt euer Herz
erweitern, die ganze Welt im Geist durchwandern und
zusammenscharen, und anstatt aller Menschen, Ihm eure
Huldigung zu Füßen legen. Dieses aber, wenn der Mensch
so abgespannt ist, fällt ihm gar nicht ein. So muß Geist
und Fleisch zusammenwirkend vor Ihm knien. Seht, obwohl
Mein Sohn euren guten Willen kennt, obwohl Er alles
weiß, will Er aber doch wenigstens, daß ihr Ihm in euren
Gedanken euch aufopfert. Wenn aber das Fleisch und Gemüt
so abgespannt sind, kann man nicht denken an seine
Mitmenschen, man denkt nur an seine Armseligkeit und
kauert zusammen.
Um dieses die ganze Woche zu verhüten,
wollte Ich euch diese Belehrung geben. Ihr werdet sehen,
wie gut es ist, auch manchmal der Bequemlichkeit
nachzugeben, wie andere meinen. Andere wissen nicht, wie
abgehärmt ihr jetzt seid, der Körper jetzt ist; und wenn
solche, die noch mehr Kraft haben, bei denen nach einer
ruhigen, geschlafenen Nacht alles vorüber ist, und die
dann, wenn sie diese Stunde Gott geopfert haben, weiter
gehen und den Geist anders zerstreuen, wenn diese auch
darüber sprechen sollten, schadet es nichts, dieses
Opfer müßt ihr bringen.“
Barbara: „Ich
danke Dir, liebe Mutter.“
Maria: „Jener
ängstlichen Seele sage, Meinem Sohn dienen, sei das
Allervollkommenste, das ein Mensch auf Erden üben könne;
sich ganz Ihm hingeben, in heiliger Liebe sich mit Ihm
vereinigen. Dieses könne aber nur eine Seele, die ganz
aus sich herausgeht, die, weil sie ängstlich angelegt
ist, sich ruhig leiten läßt von einem geistlichen Führer
und in Abgang dessen, sich oft der Worte erinnert, die
Mein Sohn zu Seiner Dienerin gesprochen: ‚Ich vergesse
und Ich zähle nicht‘. Magst du Fehler begangen haben in
deiner Jugend und dein ganzes Leben wie Sandkörner am
Meere, sobald du dich in die Arme Meines Sohnes wirfst,
demütig, reumütig um Verzeihung flehend, ist alles
vergessen, alles verziehen. Und jetzt raffe dich auf,
Meine Tochter, und beeile dich, denn nur noch kurz ist
der Weg, den du zu wandeln hast. Beeile dich, den Stein
von deinem Grab zu wälzen, der einstens deine irdische
Hülle drücken soll, um ihn in deine Krone einzufügen.
Siehe, der Herr gab dir zeitliche Güter, damit du sie,
weil Er dir dazu auch eine edle Seele und ein gutes Herz
gab, verwerten könnest zu Seiner Ehre und Verherrlichung
und dir Schätze sammeln könnest für den Himmel mit
diesem ungerechten Mammon. Schließe dich an, an Meine
Freundinnen und tue, was dein Beichtvater dir sagt. Lege
alles ab, was dich bisher zurückhielt, alle die
Hindernisse; tue den ersten Schritt, und der zweite
Schritt ist schon damit getan, und der dritte wird
leicht zu tun sein, wenn der zweite getan ist.
Meine Kinder! Seht, gestern wurde Mein
Sohn viel verherrlicht. Die Dompfarrei hat sich glänzend
erwiesen, aber nicht allein die Dompfarrei; die Ursache
ist, weil alle sich beteiligen, alle guten Katholiken in
der ganzen Stadt. Heute ist das Herz Meines Sohnes
wieder recht erfreut und erquickt, weil Seine Kinder
sich so zahlreich um Ihn versammeln, um Sühne zu
leisten. Seht dieses liebende Herz, wie genügsam Es ist,
wenn nur noch einige da sind, die Seine Liebe nicht
verschmähen, ist Er zufrieden. Darum freuet euch, Ersatz
und Sühne zu leisten für all die übrigen, die Ihn
verachten und verschmähen.
Und wenn Mein Sohn wieder ein
außergewöhnliches Opfer von euch verlangt, ein
außergewöhnliches, dann seht euch nicht um und fragt
nicht lange, wenn das Opfer nur im Herzen gebracht ist,
voll und ganz. Meine Diener, die Diener der katholischen
Kirche, die Priester hier in Mainz sind gar zu
ängstlich. Es sind ja recht fromme, eifrige Seelenhirten
dabei; alle tun ihre Schuldigkeit, aber darüber hinaus
wollen sie nichts. Jedes Gespött vermeiden – das geht
nicht in dieser Welt! Wie hat die Kirche sich gedrückt
und gedemütigt, nachgegeben und immer wieder
nachgegeben, und doch spottet man ihrer und spottet Tag
für Tag drauflos. Darum auf, Meine Diener! Nicht achten
auf den Spott der Welt. Schaut hin auf Meine Kleinen,
die sich nicht schämen vor dem Gerede der Menschen. Und
wenn sie es ertragen können, ist es dann zuviel, wenn
man euch sagt: ‚Ja, solche ziehen diese Priester!‘ Seid
ihr ja doch die Schufte, die Schwarzröcke, die Pfaffen
euren Feinden gegenüber, die gesonnen sind, lieber heute
als morgen euch aus der Welt zu schaffen. Ein bißchen
Spott mehr oder weniger; aber auf, schließt euch mit
aller Entschiedenheit denen an, die es ernst meinen, die
nicht nach dem Spott der Welt fragen, das wäre an der
Zeit!
Was war es denn, das Meinen Sohn beliebt
machte unter dem kleinen Volk, daß alles Ihm nachlief?
Weil Er Strenge und Majestät und Milde mitsammen zu
verbinden wußte. Dieses könnt ihr alle, ihr Priester;
denn ihr seid ja ein anderer Christus. Anstatt alles
zerschneiden zu wollen, um ja nichts herauszufinden, was
ein bißchen Spott heraufbeschwören könnte, sollt ihr
mutig und entschlossen euch mit einstellen in die Rechte
der Kirche; denn diese verteidigen nur die Rechte der
Kirche, der heiligen katholischen Kirche. Die heilige
katholische Kirche hat von jeher Büßer, Heilige
gebildet, und in jetziger Zeit erst recht. Heilige muß
sie bilden, Heilige muß sie ziehen. Ja, Heilige gibt es
in eurem Jahrhundert viele; viele großmütige Herzen,
großmütige Seelen unter allen Klassen von Menschen.“
Barbara: „O
liebe Mutter! Schenke mir doch
die Seele von N. Sieh, sie hat Dich doch ihr Leben lang
sehr geliebt und hatte das ganze Jahr ein Maialtärchen
aufgerichtet.“
Maria: „Du
mußt aber auch die andere Seite aufziehen. Ich kann sie
dir nicht schenken.“
Barbara: „So
sage uns zu unserer Belehrung, was sie denn jetzt am
meisten bereut.“
Maria: „Weil
sie noch so halb und halb mit der Welt liebäugeln
wollte. Eine Seele, die der Herr mit Gnaden überhäufte,
und der Er Seinen Willen kundgetan, wie dieses hier der
Fall war, soll sich aber auch an Ihn anklammern und
nicht so sehr der Welt anhängen. Sie hätte nicht mehr
der Welt zu gefallen leben sollen und mehr dem Herrn
opfern müssen; sie hat aber weder von ihrem Vermögen
noch von ihrer Ehre etwas abgeben wollen. Nicht einen
Pfennig, nicht einen Pfennig, hat sie von ihrem Kapital
dem Herrn geopfert. Sie wollte glänzen vor den Augen der
Menschen und ihr Vermögen recht zusammenhalten, nur
damit ihre Familie glänze. Dafür muß sie jetzt büßen.
Anstatt sich eine große Glorie und
Herrlichkeit zu verdienen, hat sie jetzt eine ganz matte
Krone zu erwarten, wie sie jede Ehefrau und jeder
Christenmensch zu erwarten hat, der die Gebote Gottes
und der Kirche genau beachtet. Eine Jungfrau sorgt für
das, was des Herrn ist, während eine Frau sucht, ihrem
Mann zu gefallen. Dieses soll eine Jungfrau, die der
Herr in solche Verhältnisse gestellt, daß sie es tun
kann, sie soll diese Krone sich erkaufen. Die arme
Jungfrau aber, die der Herr in Armut darben läßt, kann
sich diese Krone erkaufen und verdienen durch ihre
Geduld, ihr treues Anhängen an den Herrn und inniges
Gottvertrauen. Darauf wollte euch der Herr hinzielen,
als Er in Mombach dir sagte: ‚Ihr steht im zweiten
Schritt!‘
Du, Meine Kleine, habe ein felsenfestes
Gottvertrauen. Der Herr wird alles ersetzen, wenn du
auch hie und da einen Tag versäumst. Ja, Er wird alles
ersetzen, wie deine Schwägerin es merken kann.
Diejenigen, die der Herr dazugestellt, haben denselben
Gewinn, wenn sie nur zufrieden sind. Sage nur den zwei
Dienstboten, welch herrliche Krone sie sich verdienen,
wenn sie mit Geduld die Arbeit verrichten, die du
hättest verrichten sollen an dem Tag, wo du abwesend
bist. Sage ihnen, welche herrliche Krone der Jungfrau
wartet, aber nur der Jungfrau, die Jungfrau ist nach dem
eigentlichen Sinn des Wortes; nicht derjenigen, die ihre
Bequemlichkeit sucht in der Welt, die Ehre sucht, wenn
sie reich ist, und auch nicht derjenigen armen Jungfrau,
die nur unzufrieden dahinschleicht und ihren Stand
verwünscht und glänzen möchte.“
Barbara: „Ich
bete Dich an, o göttliches Herz Jesu, im Allerheiligsten
Sakrament, besonders in dieser Kirche, wo Du von so
vielen angebetet und verehrt wirst, und in allen
Kirchen, wo heute Dein göttliches Herz auf besondere
Weise verehrt wird, in Vereinigung mit allen frommen
Ehrenwächtern und Sühneanbetern in der ganzen weiten
Welt.
O mein Jesus! O mein Jesus! Ich danke
Dir für die unendliche Liebe und Herablassung, daß Du
mich heimsuchst. Ich bin nicht würdig, daß Du eingehst
unter mein Dach, aber sprich nur ein Wort. O verzeihe
mir alle Fehler und Nachlässigkeiten, die ich begangen
habe. Reinige mein Herz und meine Lippen von allem, was
Dir mißfällt, von jedem unnützen Wort, das ich
gesprochen. Gelobt sei Jesus Christus!“
Jesus: „Meine
Kinder! Freuet euch! Die Stunde ist gekommen, wo Ich
Mich würdige, in eurer Mitte zu sein, Mich auszugießen,
Meinen Geist auszugießen in euch; denn wißt, alles, was
Mein Herz beschwert, sollt ihr wissen, und ihr sollt
Anteil nehmen an jeder Meiner Freuden und Leiden, denn
es ist Freundessitte, daß sie sich gegenseitig
austauschen, Freud und Leid miteinander teilen, denn
geteilte Freude ist doppelte Freude, geteilter Schmerz
ist nur halber Schmerz. Es freut Mich, Seelen zu finden,
in denen Ich Mich noch ergießen kann; es freut Mich,
Seelen zu finden, die sich aber auch dafür hergeben, die
Leiden mit Mir zu teilen, die Mein Herz in Meinem
eucharistischen Leben bedrücken und belästigen.
Seht, Meine Kinder, bin Ich nicht der
größte Tor, daß Ich Mich erniedrigte, bis zum letzten
der Tage Mir Leiden aufzubürden? Könnte Ich nicht
überselig und überglücklich sein bei Meinem himmlischen
Vater, dort in dessen Schoß? Und doch ist die Liebe zu
euch Menschen, zu euch armseligen Geschöpfen so groß,
daß Ich es vorzog, Meine Herrlichkeit zu teilen, Meine
Freude zu mindern, um nur noch etwas von diesem
irdischen Leben mit Mir hineinzuziehen in diese ewige
Herrlichkeit, in diese unvergänglichen Freuden. Obwohl
Ich im Himmel bin, im Schoß Meines Vaters, auf ewig,
wollte Ich doch auch noch auf Erden sein, um das Kreuz
tragen zu können. Ja, bin Ich nicht der größte Tor
aller?
Ist denn das Kreuz so süß, daß Ich es
vorziehe den Freuden, der Herrlichkeit des Himmels? Ja,
ja, Meine Kinder! Süß und angenehm ist das Kreuz, weil
das Kreuz die Herrlichkeit des Himmels nur allein
vermehren kann, die Herrlichkeit des Himmels nur allein
verdienen kann. Seht, deswegen habe Ich dieses
eucharistische Leben Mir geschaffen, um das Kreuz tragen
zu können bis ans Ende der Welt. In diesem
eucharistischen Leben nun, Meine Kinder, trage Ich ein
schweres, schweres Kreuz, unter welches ihr alle euch
stellen müßt, um Mir die Last und Bürde zu erleichtern.
Der Mensch, der Mein Ebenbild in sich
trägt, ist Mein Bruder, Meine Schwester, also Miterbe,
Tischgenosse Meines Reiches, Meines Vaters. Sie alle
speisen täglich mit Mir an ein und derselben Tafel, denn
sie alle ernährt Mein himmlischer Vater, alle Menschen,
ohne Ausnahme: Juden und Heiden, Irrgläubige und
schlechte Christen, sie alle sind Tischgenossen mit Mir
an der Tafel Meines himmlischen Vaters. Wie viele sind
nun unter diesen Meinen Brüdern und Schwestern, die die
Rolle eines Judas spielen? Und doch muß Ich sie
ertragen, und Ich ertrage sie. Aber seht, da das Kreuz
Mich immer schwerer drückt, sehe Ich Mich täglich um von
der Warte aus, ob nicht welche kommen, um Mir das Kreuz
in etwas zu erleichtern. Alle nehme Ich an, alle, kommt
nur alle, Meine Kinder, stellt euch unter dieses
eucharistische Kreuz; helft Mir, helft Mir!
Du, Mein Freund, der du an der Spitze
einer Gemeinde stehst, und der du siehst, wie so viele
deiner Gemeinde auf Irrwegen gehen, wie alle deine Worte
unnütz und vergebens sind, in den Wind gesprochen, ja
komme, Mein Freund, und stelle dich unter das
eucharistische Kreuz; hier klage deine Not, und trage es
mit Mir; denn in so vielen Tabernakeln wohne Ich und
stehe auf der Warte und rufe und warte, und niemand hört
Mich. Taub und stumm gehen sie vorüber, als hörten und
verständen sie Mich nicht. Komme und lerne Geduld bei
Mir. Du Vater, du Mutter, du
schleppst das Kreuz, das deine Kinder dir auferlegen,
oder du bist in Armut und Not geraten, weil Mein Vater
verschiedene Stände geschaffen und nicht alle gleich an
irdischen Gütern sind.
O komme mit deinem Kreuzlein, so muß Ich
es nennen, denn gar klein ist das Kreuzlein, das du für
so schwer hältst; denn wisse, dieses Kreuz dauert nur
wenige Tage, und dann ist es nur die Brücke zu deiner
ewigen, ewigen unaussprechlichen Herrlichkeit; denn du
Vater und du Mutter, die du arm bist, du bist auf dem
sichersten Weg zum Himmel. Beneide darum deine Brüder
nicht, die reich sind, die zeitliche Güter besitzen,
denn sie sind auf dem Wege zur Hölle; jeder Schritt ist
gepflastert für sie mit Gefahren zur Hölle. Wenn sie
diese Pflastersteine nicht aufheben, um sie umzuwandeln
in Edelsteine und in ihre Krone einfügen, sind sie alle,
alle verloren, die Reichen, die so viele zeitliche Güter
besitzen und sie nicht in der rechten Weise gebrauchen;
denn sie sind ja nur Gefahren für sie. Du aber, du armer
Vater und Mutter, die du darbst mit deinen Kindern, du
hast nur am Ende deines Lebens deine Sünden zu bereuen,
die du etwa begangen, und du gehst ein in die Freude
deines Herrn. Ja, Ich sage dir: Durch das Tragen deiner
Armut mit Geduld, gehst du ohne Fegefeuer ein in die
Freude deines Herrn. Darum komme und trage das Kreuz mit
Mir; denn du bist ein eucharistischer Kreuzträger.
Du Ordensfrau oder Ordensmann, du gehst
freilich auf dem sichersten Weg. Aber da die Welt so
gottlos geworden ist, und so viele angesteckt sind vom
Geist der Welt, und die ganze Welt überflutet ist mit
Unglaube, mit Gottlosigkeit, und dieser Geist auch mit
hineingetragen wird in die Mauern des Klosters, da gibt
es auch viele Leiden, viele Zerwürfnisse mit einzelnen
Personen, die hie und da nicht den rechten Geist mit
hineingebracht. Du hast ja auch ein schweres Kreuz zu
schleppen. Aber komme, komme, vereinige dein Kreuz mit
Meinem Kreuz. Siehe, all diese Leiden muß Ich tragen in
Meinem eucharistischen Leben, und ihr sollt sie mit Mir
tragen. Ihr alle, in der ganzen Welt ohne Ausnahme, die
ihr euch anschließen wollt, die ihr gern bei Mir
verweilt im Heiligsten Sakrament, ihr alle sollt
Kreuzträger werden, eucharistische Kreuzträger.
Wollt ihr nicht noch mit dem Glöcklein
in der Hand durchs Leben gehen, so stellt euch
wenigstens unter das Kreuz; wenn auch die Schweißtropfen
eure Stirn bemalen, schadet nichts; seht nur auf Mich,
der Ich vorausgehe und den langen und den Querbalken
zusammen trage. Ihr alle habt nur ein Hölzchen. Ich aber
trage ein zweifaches, schweres Holz. Darum über alles
hinweg, über all die Hindernisse, die euch da in den Weg
gestellt werden, darüber steigen, den Fuß ein wenig
anheben, aber nicht wanken und nicht weichen, wenn ihr
auch hie und da zu Boden fallt, und das Kreuz ein wenig
abhanden gekommen ist, steht schnell wieder auf, und
setzt die Achsel wieder unter das Kreuz; denn wißt,
solange ihr euch bewußt seid, daß ihr eucharistische
Kreuzträger sein und bleiben wollt, wird euch nichts zu
schwer, da kannst du die Schulter eines Mannes auf dich
nehmen und Kinder ernähren und Kinder erziehen, da
kannst du ein zänkisches Weib erdulden in deiner Nähe
und mit ihr dein Brot teilen und essen. Trotz der
bitteren Armut, die dich drückt, hast du dann doch noch
ein liebes Wörtchen für jedermann, der dir seine Not
klagt. Da hast du Mitleid mit dem armen Kranken, mit dem
armen Verstorbenen, mit dem Sünder, der da taub an Ohren
dahingeht und nicht hört auf deine Worte, du kannst doch
noch für ihn beten.
Ja, ja, Meine Kinder, harret aus auf dem
Weg, den ihr betreten, laßt euch nicht irre machen.
Seht, alle die Worte, die Ich Jahre und Jahre schon mit
euch sprach, sie sind bekräftigt und bestätigt am 25.
Mai von Meinem ersten Statthalter in Rom; denn wie Ich
gesagt, spreche Ich mit ihm wie mit dir. Ihm tue Ich
Meinen Willen kund wie dir, und Hand in Hand sollt ihr
gehen; denn staunen wird die Nachwelt, wenn Meine Kirche
einmal auf den Leuchter gestellt sein wird und alles in
Erfüllung gegangen sein wird, was Ich dir vorausgesagt;
wenn das Grün, das Ich dir gezeigt am letzten
Herz-Jesu-Fest, einmal härter geworden ist und in Dunkel
übergegangen, dunkelgrün geworden ist, denn jetzt ist es
nur noch ein blasses Grün, das heißt, der Schimmer der
Hoffnung ist angebrochen, dann soll die Zeit kommen, wo
alle Völker der Erde hinaufschauen, und die Strahlen
dieser Sonne, die da ist Meine heilige katholische
Kirche, sollen alle Völker der Erde erwärmen. Staunen
wird die Welt, die Nachwelt, wenn sie liest, wie in
einem armen Dorfmädchen Ich die Weisheit niedergelegt,
die Weisheit einer ganzen Weltgeschichte.
Unscheinbar und doch gewaltig geht alles
vor sich. Nicht wahr, Meine Kleine, als Ich dir sagte,
daß Ich ein Band um die Menschheit schlingen will, daß
dieses Band ausgehen soll und ausgehen wird aus Meinem
göttlichen Herzen im Heiligsten Sakrament und alle, die
sich an diesem Band festhalten, Mitglieder des
Liebesbundes sein und werden sollen: ‚Ein Band will Ich
schlingen um die Menschheit, die guten, treuen Christen
sollen sich zusammenscharen‘, da ahntest du nicht, daß
dieses so bald in Erfüllung gehen werde.
Siehe, dieses Band ist nun geschlungen
durch Meinen Statthalter in Rom dadurch, daß er die
ganze Menschheit Meinem göttlichen Herzen weihte und
opferte. Nun müßt ihr aber auch wissen, daß diese
Menschheit mit Mir noch in viel engere Verbindung
getreten ist seit dem letzten Herz-Jesu-Fest, und Ich
noch viel engere Verpflichtung mit der Menschheit
eingegangen bin. Diejenigen, die da das Gelübde
mitgemacht, die sich Meinem Herzen geweiht haben, sind
nun Mitglieder des Liebesbundes, den Ich mit der
Menschheit geschlossen, sie sind nun Arbeiter im
Weinberge des Herrn; sie haben alle die Verpflichtung
auf sich genommen zu arbeiten, zu ackern und zu pflügen
und das Unkraut auszurotten, damit der gute Same recht
üppig wuchern könne. Wißt ihr, der gute Same seid ihr,
ihr alle, die ihr euch anschließt.
Damit ihr ohne Hindernis und ohne
Zweifel und Ängsten ruhig euren Weg verfolgen könnt,
habe Ich alle Hindernisse Selbst weggeräumt durch den
ersten Statthalter in Rom; denn durch die Priester
jetziger Zeit, die da gar zu ängstlich sind, wenn eine
Seele einen tieferen Einblick hat in das, was Ich wirke
auf übernatürliche Weise in der Seele, sind die guten,
treuen Christen viel gehemmt in ihrem Fortschritt, weil
dann die ängstlichen Seelen viel mehr den Priestern
glauben, die sie zu leiten haben, und der Priester, wenn
er sagt, es ist der böse Feind, es ist eine Krankheit,
dann ist die Seele kleinmütig und geht den alten
Schlendrian lieber wieder weiter, als daß sie sich in
engere Verbindung mit Mir setzt. Nun aber hat Mein
Statthalter in Rom in die ganze Welt hinaus gesprochen:
Preis allen denen, die unter Laienkreisen Gutes anregen,
gern will ich es bewilligen. Damit ist alles bestätigt,
all die guten Anregungen, die Meine treuen Kinder auf
Erden in ihrem Kreis bewirkt haben. Nun fahret fort,
stört euch an niemand.
Was Ich von euch verlange, ist ja nur
wenig, aber dieses wenige erfüllt mit Pünktlichkeit. Vor
allem traget euer Kreuz mit Geduld, jeder in seinem
Stand, damit die anderen nicht irre werden.
Du, Meine Kleine (eine Jungfrau, die die
Kinder ihres armen Bruders erzieht), du hast, wie du
meinst, ein schweres Kreuz zu schleppen. Ja, aber siehe,
du mußt hinschauen auf die Früchte, die dieses Kreuz
zeitigt. Du mußt hinschauen auf die unsterblichen
Seelen, die du zu leiten und zu lenken hast und mußt
immer bedenken, daß du jetzt eine Klosterfrau bist, die
die Kinder anderer Leute erzieht; denn das, was eine
Ordensfrau tut durch die Gelübde, die mit
Kindererziehung beschäftigt ist, das tust du jetzt in
der Familie, wo du die Kinder erziehst für Gott. Und die
Früchte, die da in diesen Kindern heranreifen, indem du
ein Tugendleben in sie einpflanzt, laß es dich nicht
gereuen, auch wenn du von Tür zu Tür das Brot betteln
müßtest für sie; dann sollst du wissen, daß es der Wille
Gottes ist, daß du die Kinder erziehst, und du sollst
dich nicht fürchten, mag man sprechen, wie man will;
denn die Krone, die deiner wartet, ist eine
unvergleichlich schöne Krone, und auf diese magst du
schauen.
Sage deinen Bekannten einen herzlichen
Gruß von Mir, sie sollen sich beteiligen an dem Werk,
das Ich aufrichten will in eurem Dorf. Hand in Hand muß
da gehen arm und reich, damit die umliegenden
Ortschaften sehen, wie das Christentum blüht; wo man,
jedes für sich, sein Kreuz trägt, da steht es gut um die
Gemeinde. Ihr müßt aber auch das Kreuz tragen, was ihr
mit euren Vorgesetzten habt. Ihr müßt ihnen doch folgen,
wenn es auch manchmal schwer scheint, denn nicht jeder
Meiner Diener hat die gleichen Begriffe von höherer
Vollkommenheit, und ist er auch ein armseliger Mensch,
deswegen aber ist er doch noch Mein Diener. Wie mag man
sagen, man schimpfe über die Priester! Ja, ja, Mein
Freund, nimm nur die Schrift in die Hand und lies und
bedenke, ob jemals ein Wort gegen dich gesprochen ist.
Im Gegenteil, alle Meine Kinder sind angehalten, dem
Priester als Meinem Stellvertreter zu folgen; aber du,
Mein Freund, hast auch Mir zu folgen und sollst wissen,
daß du ein anderer Christus bist, und wenn dir das nicht
gefällt, dann werde Ich strenge Rechenschaft von dir
fordern. Meine Kinder! Alle, die sich beteiligen an dem
Liebesbund, sollen reichliche Früchte ernten schon in
diesem Leben. Ängstlichkeit und Kleinmut verschwinden
bei allen denjenigen, die Ich mit geistigen Gütern
gesegnet habe; die Gesundheit des Leibes wird gehoben
werden; denn meistens gehen Leib und Seele Hand in Hand,
weil die Seele dem Leib unterworfen ist, obwohl sie der
höhere Teil ist im Menschen.
Wenn nun diese Seele so gedrückt und
bedrängt ist von allen Seiten, durch Fehler, die sie
gemacht, oder durch Gewissensbisse, die sie quälen, oder
– wenn es fromme Personen sind – durch allerlei
Hindernisse und Vorkommnisse, die da von außen auf sie
einstürmen, sie alle tragen dazu bei, daß die Seele
beängstigt ist und beklommen; und weil die Seele der
höhere Teil ist, kann es nicht anders kommen, als daß
der Leib mit Kränklichkeit dahinsiecht, immer zu
kränkeln hat. Darum auf zum Liebesbund, ihr ängstlichen
Seelen, ihr werdet sehen, wie von Tag zu Tag eure
Gesundheit stärker wird und der Kleinmut verschwindet.
Die Seele, die da befolgt, was Ich hier rede, sie hat
den Stein der Weisen gefunden; denn sie wird, anstatt
sich herauszuputzen und vor der Welt zu glänzen, an
üppiger Tafel zu schwelgen, sich zurückziehen und in Mir
sich erfreuen, nicht mit der Welt liebäugeln und darum
ihre übrigen Pfennige, die sie sich erspart oder auch
die überflüssigen Güter, die Ich ihr gegeben, benützen,
um die Not des Armen zu lindern, Meine Ehre zu
befördern, so daß der Arme, wenn er in der Kirche sich
einfindet, um Mir Mein Lob zu singen, sich erfreuen wird
an der Herrlichkeit dieses Hauses.
Ja, ja, so soll es werden in der Welt,
daß ein Zusammenstehen zustande kommt, wie es war im
ersten Christentum. Der Reiche gab auch nicht alle seine
Güter her, so daß es eine Gleichheit gewesen wäre, wie
jetzt das neue Heidentum eine errichten will. Der Reiche
war und blieb doch der Reiche, aber er gab dem Armen so
viel, daß er ganz glücklich und zufrieden leben konnte
neben seinem Wohltäter, neben dem Reichen, der da an
irdischen Gütern mehr gesegnet war. Das neue Heidentum
will aber alles über Bord werfen, all die Einrichtungen,
die Ich eingeführt habe schon jahrelang, um dann
schwelgen zu können auf einige Zeit, dann aber wäre die
neue Geschichte wieder wie die alte. Nein, nein, Meine
Kinder, in dem Ort, in der Pfarrei, wo der Liebesbund
errichtet ist, wird alles dieses in ganz anderer Weise
hinübergeleitet werden. Der Arme wird glücklich und
zufrieden leben können, der Reiche wird gutmütig und
wohltätig werden. Der Priester wird unterstützt werden
in seinen Unternehmungen, und er selbst wird nicht mehr
besitzen wollen, als er zu seinem Lebensunterhalt nötig
hat. Es ist nicht notwendig, weder bei dem Priester noch
bei dem Laien, daß er reich ist. Er hat auch die
Verpflichtung, nicht allzu große Schätze aufzuhäufen,
und darum, wo es notwendig ist, daß eine Kirche soll
gebaut werden, er auch seinen Beitrag und seine
Unterstützung abgibt.
Und jetzt, Meine Kinder, will Ich euch
noch einen kleinen Einblick geben in die Stadt Mainz. Es
ist diese Woche das Große Gebet. Ja, ja, Ich muß
gestehen, daß man alles aufbietet, um dieses Fest zu
einem herrlichen zu gestalten, daß Meine Diener sich
wirklich Mühe geben und einheitlich zusammenstehen, um
das Volk herbeizulocken. Vieles hat sich doch schon
geändert und angehoben, und man merkt so allmählich, daß
es besser wird; aber es ist noch vieles zu tun. Wenn
Mein Volk am Abend, in der letzten Stunde, um Meinen
Thron versammelt ist, und Mir das Te Deum anstimmt, dann
jubeln die Engelchöre, dann stimmen sie mit ein, und der
ganze Himmel stimmt dann mit ein. Seht, welche Harmonie,
wenn die streitende und die triumphierende Kirche
zusammenstehen, wie es dir gezeigt worden ist in der N.
Kirche.
Dieses alles ist in Wirklichkeit so, wie
dir es gezeigt wird. Der arme Mensch begreift es nicht
und glaubt es nicht, bis er eingegangen ist in Meine
Herrlichkeit. Darum helft Mir noch recht viel, daß viele
Arme Seelen aus dem Reinigungsort in diesen Tagen sich
emporschwingen, damit auch das Fegefeuer, die mittlere
Kirche, recht Anteil nimmt an der Freude dieser Feste,
weil ja in diesen Tagen Mein eucharistisches Leben viel
Zuwachs erhält. Alle, die sich da so abmühen, um sich
bei Meinen Altären einzufinden, nehmen zu an Gnade,
wachsen in der Liebe zu Mir, und Mein eucharistisches
Kreuz wird erleichtert.“
Barbara:
„Mein Jesus! So schenke mir doch das Mädchen N., das
sich schon seit ein paar Tagen gemeldet hat. Du hast mir
es ja versprochen, o ich bitte Dich. O Ewiger Vater, ich
opfere Dir (lange Aufopferung) alle heiligen Meßopfer
auf, die in der ganzen Stadt, ja in der ganzen Welt
gelesen worden sind, all die frommen Gebete Deiner
Kinder und die Schmerzen, die sie erdulden, um recht
lange bei Dir zu verweilen. Siehe, wenn es auch fehlt,
man hat doch guten Willen. O ersetze Du, was uns abgeht.
O liebe Mutter! Du hast mir mal gezeigt,
wie wir beten sollen, mit welcher Ehrfurcht und Demut;
aber freilich ist alles so schwach und armselig. Ich
mache mein Gebet zu dem Deinigen; Du mußt alles
ersetzen. Dein lieber Sohn hat es gesagt, daß wir unsere
Fehler Dir vorbringen sollen, Du wollest alles ersetzen.
Erbarme Dich dieser Armen Seelen.
Siehe, mein Jesus, Du hast ja gesagt,
wenn es eine Seele gibt, die es versteht, Dich am
rechten Fleck anzupacken, um die Gnaden herauszuleiten,
so könnest Du nicht anders. Ich halte Dich beim Wort. O
schenke uns die Seele, Du hast es versprochen, und Du
hast gesagt, das Wort des Priesters sei Dein Wort. Du
mußt sie uns schenken, ganz besonders die Seelen, die in
innige Verbindung zu uns treten. Ich opfere Dir auf alle
heiligen Messen, die in ganz Deutschland gelesen worden
sind, all die guten Entschlüsse, die gefaßt worden sind
von all den Liebesbundmitgliedern, all die guten Werke,
die verrichtet worden sind.“
Jetzt kommt die liebe Mutter Gottes mit
den Schutzengeln.
Maria: „Hier
ist das Mädchen!“
Das hat ein ganz lichthelles Kleid an
und einen Kranz von roten und weißen Rosen; das ist ihre
Jungfräulichkeit und ihre Liebe zu Jesus. Mädchen:
„Ich danke euch, meine Schwestern! Ja, ich habe dich
nochmals daran erinnert, deswegen bin ich gekommen,
damit du mich nicht vergissest. Ich werde auch dich
nicht vergessen.“
Barbara: „O
wie schön, wie schön! Auch du hast geglaubt!“
Kathchen: „O
freut euch, o wie glücklich, o wie glücklich! O liebe
Schwestern seht doch, die liebe Mutter Gottes hat mich
abgeholt durch meinen Schutzengel.“
Barbara: „O
liebes Kathchen! O du gehst jetzt für immer ein!“
Kathchen: „Ich habe keine Zeit mehr.“
Barbara: „O
nimm doch auch Fräulein N. mit!“ Kathchen: „Nein,
nein, ich habe keine Zeit mehr.“
Barbara: „O
lieber Jesus! O schenke uns doch auch den Bruder von
Fräulein N., der in Südamerika gestorben ist. Heiliger
Schutzengel, gehe hin und hole ihn!“
Maria: „Meine
Kinder! Für alle, die befreit werden durch euer
fürbittendes Gebet, ohne daß sie alle ihre Schulden
abgebüßt, mache Ich aber als die Mutter aller bedrängten
Kinder der katholischen Kirche zur Bedingung, daß keines
von den Mitgliedern, die teilnehmen an den
Gnadenschätzen, die Mein Sohn ausgießt an dieser Stätte
hier, zurückstehen darf und zurücktreten darf in seinen
guten Werken, es darf sich nicht der Schlaffheit und
Trägheit hingeben, als seien ja die Seinigen befreit; es
muß mit um so größerem Eifer sich einstellen für andere,
und seine guten Werke müssen weitergehen, mag es sein
durch heilige Meßopfer, oder Almosen, oder sonstige gute
Werke; nichts darf geschmälert werden an den Werken, die
sich die Seele vorgenommen, damit die Ehre Gottes keinen
Schaden leide.
Der Herr will, daß von den Mitgliedern
des Liebesbundes viel, viel gewirkt werde, und die
Gnadenschätze allen Menschen zugewendet werden; denn es
gibt Seelen, an die niemand denkt, und die gar niemand
mehr auf der Welt haben, und für diese müssen andere
sich einsetzen.
Deswegen soll der Liebesbund sich
einsetzen und, wo möglich, viel wirken für die Seelen,
damit recht viele sich einstellen und viel
hinübergeleitet werde für andere; denn alle Mitglieder
sollen in sich das gemeinsame Leben der ersten Christen
verwirklichen, und was ihnen an zeitlichen Gütern
abgeht, sollen sie um so treuer erfüllen durch geistige
Werke der Barmherzigkeit. Sie sollen ergänzen durch die
geistigen Güter, was sie durch leibliche Güter nicht zu
leisten vermögen.
Darum sagt der Frau N. einen
freundlichen Gruß, ebenso auch ihrer Schwester. Weil sie
sich doch Mühe geben, Mir zu gefallen, wollte Ich ihnen
ihren Vater schenken, der wohl noch lange, lange Jahre,
ja noch zwanzig, dreißig Jahre hätte zu büßen gehabt im
Fegefeuer; denn er war wohl ein Christ, aber er
betätigte sich allzu wenig an den Werken der
Barmherzigkeit. Er hätte nach Vermögen mehr sorgen
müssen für seine arme Seele, und dies tat er nicht.
Nun gebe Ich aber als die Mutter aller
Armen Seelen seinen Töchtern den Auftrag, daß sie um so
eifriger die Werke der Barmherzigkeit üben müssen und
sollen, wenn sie ihre Krone verschönern wollen und nicht
eingehen wollen, wie die Ärmsten der Armen. Wißt, Meine
Kinder, die Allerärmsten sind nicht die armen Christen
dieser Welt, es sind die armen Reichen, die da ihr Geld
nur anhäufen, die da nur für die reichen Verwandten
sorgen, die da zwar noch nicht verdammt werden können,
weil sie die Gebote Gottes in aller Pünktlichkeit
beobachtet, aber die Reichtümer zu sehr lieben; dies
sind die armen Reichen, die dann in der Ewigkeit die
Ärmsten sind. O sagt es doch allen Reichen, Meine
Kinder, daß sie ihre überflüssigen Schätze verwenden, um
ihre Krone zu verschönern, um Edelsteine hineinzusetzen
in ihre Krone, damit das Christentum aufblühen kann;
denn das Christentum kann nur aufblühen, wenn der Reiche
seine Krone verschönert; denn dann nimmt er den Stein,
der sein Reichtum ist, und wandelt ihn um in Edelsteine
und fügt ihn ein in seine Krone: Er baut Kirchen, er
stiftet Klöster, damit der Arme eintreten könne und Mir
dienen könne; er unterstützt die Armen, damit sie ihre
Tränen trocknen und teilt sein Brot mit ihnen.
Dies sagt Meiner Tochter, der Frau N.,
und ihrer Schwester. Sagt ihnen, Ich verbiete Mir jedes
weitere Gespräch mit den Damen in der Stadt Mainz. Was
Ich hier spreche, soll nicht in den Kot gezogen werden,
wie dein Beichtvater sagt und auch recht damit hat. Die
Stadt Mainz ist übersät mit vielen guten Christen und
Damen, die viel tun könnten; aber da wäre gar vieles
abzuschneiden. Und wie herrlich könnte die Kirche zur
Blüte gelangen, wenn alle die Reichen glaubten und
verständen, was Mein Sohn verlangt, und im rechten Geist
zu wirken und zu handeln wüßten.“
Barbara: „O
liebe Mutter! N. läßt Dich bitten
für ihren Bruder, der auf bösen Pfaden wandelt.“
Maria: „Sage
diesem Mädchen, es möge sich als Opfer einsetzen für
ihren Bruder, als Opfer ein Gelübde der ewigen
Jungfräulichkeit dem Herrn machen, und daß es in
allernächster Nähe Ihm zu dienen verlange. Er möge ihr
Opfer annehmen für ihren Bruder, damit er auf bessere
Wege komme; dann verspreche Ich dir auch die Befreiung
seiner Mutter.“
Barbara:
„Schenke uns doch auch noch N.N.“
Maria: „Für
heute nicht! Da ist noch viel zu büßen.“
Barbara:
„Wird diese Seele denn die Schriften verstehen?“
Maria: „Sie
wird nicht alles begreifen. Es gibt solche Menschen, die
können nicht aus sich herausgehen, die hängen zu viel an
ihrem eigenen Ich. Merkt es euch: Skrupulanten,
ängstliche Seelen, die hängen nur an ihrem eigenen Ich.
Das ist nur der Stolz. Man muß aus sich herausgehen und
über sich hinweggehen. Man muß es verstehen, seine
Fehler ins Gute umzusetzen, seine Fehler bei der Wurzel
zu packen und zu wissen, daß man ein fehlerhafter Mensch
ist. Ja, ja, Mein Freund, Meine Freundin, ihr müßt
wissen, daß ihr Fehler habt und diese Fehlerhaftigkeit
in euch anerkennen, dann haben alle Skrupel ein Ende,
und die Ängstlichkeit hört auf. Dann weiß man, daß Gott
gut ist, und daß Er nur die Fehler anerkannt wissen
will.“
Barbara:
„Ich grüße euch alle, o ihr lieben Heiligen Gottes,
besonders euch, unsere verbündeten Mitschwestern, die
ihr uns vorausgeeilt seid und uns die Stätte bereiten
helft, die wir dereinst einnehmen werden. O wir
vereinigen uns mit euch. Seid uns gegrüßt durch das
allersüßeste Herz Jesu, helft uns vorwärts zu kommen.
Wie sollen wir es doch machen, um in eure Fußstapfen
einzutreten? Wart ihr doch Menschen wie wir. Warum fühlt
man sich so kalt und lau und so nachlässig, so wenig
begeistert für das Gute, so weltlich, so irdisch? Wie
bin ich doch so nachlässig, kalt und lau, daß ich mich
vor mir selber fürchte. O mein Jesus, Barmherzigkeit!
Alle meine Schulden bekenne ich vor Dir und lege Dir
alle Nachlässigkeiten zu Füßen. O wie kalt bin ich bei
der heiligen Kommunion und beim heiligen Meßopfer. O
mein Jesus, Barmherzigkeit! O ihr lieben Mitschwestern,
bittet für uns!“
Margareta:
„Liebe Schwestern! Im Namen unseres und eures
himmlischen Bräutigams Jesus Christus vereinigen wir uns
mit euch. Die heilige katholische Kirche bekennt frei
und offen eine Gemeinschaft der Heiligen; aber die in
der Welt lebenden Christen, obwohl sie dieses jeden Tag
beten im katholischen Glaubensbekenntnis, begreifen so
wenig, wie wahr dieser heilige Artikel ist. Selbst die
besten Kinder der katholischen Kirche, wenn sie diesen
Glaubensartikel in Wirklichkeit übersetzen sollen, dann
stehen sie da zögernd und zaudernd und glauben nicht,
daß dieser Artikel die Wahrheit sei.
Wenn sie es glauben würden, würden sie
nicht so viel zu kritisieren und zu tadeln wissen, wenn
es hie und da vorkommt, daß dieser Artikel in die
Wirklichkeit eintritt. Hier bei euch ist es wirklich der
Fall, daß wir in Verbindung treten mit euch; denn alle
guten, gläubigen Christen sind auf dem Weg der
Heiligkeit. Auch wir waren keine anderen, als ihr seid.
Wir waren Menschen und keine Engel, von Fleisch umgeben,
und darum mußten auch wir essen und trinken wie ihr,
schlafen und uns erholen wie ihr, beten und arbeiten
miteinander verbinden wie ihr, kämpfen gegen das Böse
und uns mit großer Mühe und mit Opfern die Tugend
erkämpfen und erringen.
Seht, meine lieben Schwestern, auf
diesem Weg seid ihr nun, und wir sind gekommen, euch zu
bestärken, ich Margareta, und meine Schwester Magdalena
hier, deren Fest in diesem Monat auch noch gefeiert
wird. Hier bei uns ist noch unsere liebe Mitschwester
Hildegard, die in diesem schönen Rheingau sich
geheiligt, und eure Freundinnen Barbara und Katharina.
Wir alle, wir alle sind Jungfrauen und folgen dem Lamme,
wohin es geht. Auch ihr seid Jungfrauen und sollt jetzt
schon dem Lamme folgen, wohin es euch ruft, und
einstens, wenn der Schleier fällt, unverhüllt Ihm
folgen, von selbst Ihm folgen. Jetzt muß es euch noch
rufen; dort geht ihr nur Seinem Strahlenglanz nach,
wohin Es Sich bewegt. Aber hört, liebe Schwestern,
scheut keine Mühe und kein Opfer, das euch zur
Heiligkeit führen kann; denn der Himmel ist ein gar
großer Lohn. O könntet ihr doch sehen die Herrlichkeit,
die wir genießen. Die Krone, die wir tragen, sollt
dereinst auch ihr empfangen, und sie ist schon bereitet,
und eure Schutzengel halten sie in Verwahrschaft.
Wenn euch das letzte Stündlein schlägt,
dann kommt Er euch, mit der Krone in der Hand, entgegen.
Darum sage ich nochmals, scheut keine Mühe und kein
Opfer, um diese Krone zu verzieren und zu verschönern,
um womöglich in allernächster Nähe eurem himmlischen
Bräutigam folgen zu können. Deswegen rate ich euch,
liebe Schwestern, in diesem Jahr, wo der Heilige Vater
allen guten Christen rät, Wallfahrten zu machen, weil
dieser erhabene Kirchenfürst, dieser zweite Petrus, gar
wohl weiß, was der Zeit not tut. Er weiß, daß der arme
Mensch so sehr am Irdischen klebt, daß er sich schwer
losreißen kann und den Geist emporschwingen zu dem
Überirdischen, außer er müßte einmal herausgehen aus
sich selbst und der Familie, in die Ferne hinaus aus
Liebe zu Gott, um dort frei und ungehinderter, fern von
der Familie, von den Sorgen und Mühen des Lebens,
ungehindert Gott zu dienen.
Deswegen befiehlt der Heilige Vater
allen guten Christen in diesem und im kommenden Jahr,
womöglich Wallfahrten zu machen, und für das Heil der
Kirche zu beten. Und, liebe Schwestern, folgt diesem
Ruf, folgt ihm in erster Linie; denn ihr müßt es selbst
sehen und an euch erfahren, wie der Geist freier wird,
wenn ihr hinauszieht in Gottes freie Natur, hin an einen
Gnadenort, wo die Gnadenströme reichlicher auf das arme
Menschenherz sich ergießen. Warum denn? Ei, weil ihr
nähersteht dem Herzen Gottes und Seiner lieben Heiligen.
Dort, an den Gnadenorten, sind beständig die Augen der
Heiligen auf die Menschenherzen gerichtet, auf die
Besuchenden. Die lieben Engel, die Schutzengel der
Besucher, haben dort mehr zu tun mit Gott, ihrem
höchsten Herrn, weil sie mehr gute Werke emporzutragen
haben; denn dort ergießt sich das Herz freier im Gebet,
es klagt dem lieben Gott seine Not, und die heiligen
Engel, sie tragen diese Gebete empor, und die Heiligen
unterstützen dieses Gebet.
Also stellen sich dort die lieben
Heiligen ein und vereinigen sich dort mit den armen
Menschenherzen, und die Schutzengel tragen das Gebet
empor und stellen sich zur Seite, wenn auch unsichtbar,
und sind so beschäftigt, weil sie mehr gute Werke
emporzutragen haben als im Alltagsleben, wo der
Schutzengel wenig zu tun hat und er gar betrübt ist und
weinen muß, weil er nichts Gutes zu bringen hat, und
vielmehr um Gnade und Erbarmung zu bitten hat für seinen
Schützling. Das wollte ich euch sagen, und was meine
liebe Schwester Magdalena dir am Montag zu wissen tat
und dich aufforderte, eine Wallfahrt zu ihrer Ehre nach
G. zu machen, um sie zu ehren, und um sich mit ihr zu
verbinden, das möchte ich euch heute bitten, daß ihr
noch eine weitere Wallfahrt machen möchtet. Reißt euch
los, du meine Schwester Luise, geh mit und du, Lieschen,
geh auch mit. Es ist gewünscht von euch, du bist
eingeladen nach W. zu gehen. Geht ihr drei zusammen.
Geht Montag früh los und fahrt direkt nach W. und geht
den ersten Tag barfuß hinauf auf den Marienberg. Wir
alle wollen euch begleiten in feierlicher Stille, wenn
euch auch unsichtbar. Aber seht, liebe Schwestern, wie
notwendig es ist, Buße zu tun für die Sünder, besonders
für das arme, bayerische Land, das gute Bayernvolk, wo
noch so viel zu retten wäre, wenn da mehr innige Seelen
sich einfänden, tiefgläubige Seelen. Wie der Herr es von
euch verlangt, so möchte Er in allen deutschen Gauen
Seelen wissen, die sich losreißen von allem Irdischen,
ungehindert um das Gerede der Menschen, ungestört und
frei vom Familienleben, und vom Herrn sich anwehen
lassen, von Seinem Geist. Es ist Sein Geist, der mit
euch tut, was Er will. Seht, wo Er euch hinblasen will,
da geht. Er hat ja gesorgt dafür, daß ihr es tun könnt;
denn Ihr, Lieschen und Luise, habt die Mittel dazu.
Laßt lieber ein anderes, gutes Werk, das
ihr gern verrichten möchtet, beiseite und opfert dieses
Geld, das ihr für die Reise zu bezahlen habt, Gott dem
Herrn auf, weil das arme Herz freier schlägt, freier für
seinen Gott. Die Reise benützt dazu, um hie und da ein
gutes Wörtchen anzubringen bei einem Reisepassagier, der
mit euch reist, wo ihr nur könnt.
Gilt es, euren Glauben zu bekennen, dann
tut es. Gilt es, eine Seele aufzurichten, wo ihr ein
gutes Keimchen findet, wo der Docht noch glimmt, da
flammt es zu einer Flamme, zündet an, wo ihr könnt.
Ebenso macht es dort, ihr zwei. Benützet dies als eine
Wallfahrt; denn wenn ihr nach Lourdes reisen wolltet,
wäre es ja auch eine Wallfahrt zu Ehren der lieben
Mutter Gottes; wenn ihr wollt, könnt ihr unterwegs noch
einmal einen Wallfahrtsort besuchen. Aber sobald ihr die
Stadt verlaßt, vielmehr das Haus verlaßt, wo ihr
logiert, ziehet die Schuhe aus und gehet in demütigem
Aufzug einher, damit ihr so zu dem Gebet große,
außergewöhnliche Abtötungen verrichtet. Ferner nehmt
euch etwas mit, damit ihr nicht allzu große Auslagen
habt, und scheut nicht die Beschwernisse der Reise.
Du Barbara, hast dich gestern abend
geäußert in dir selbst, als sei es doch gar zu
beschwerlich, und du freutest dich, daß du nicht nach
Wiesbaden zu gehen brauchtest. Aber, liebe Schwester,
dies ist nicht das Richtige; wo der Herr zieht, wo Er
einbläst, wo Er sichtbar auch noch Sich zu erkennen gibt
wie hier, da sollt ihr keine Mühe und kein Opfer
scheuen. Euer Seelenführer sagt euch, daß ihr dem
Antrieb der Gnade folgen sollt, und dieses sagen auch
wir euch.
Seht, wir alle, wir alle, die wir jetzt
dem Lamme folgen, wir folgten Ihm aber auch schon hier
auf Erden, sei es, daß Er uns führen wollte zum
Richterstuhl, um uns zur Marter zu führen, oder sei es,
daß wir, wie ihr auch, zum Teil den unblutigen Martertod
erleiden mußten, wir uns aber alle heiligten, indem wir
viele, ja täglich, Wallfahrten machten, besondere Gebete
verrichteten wie an einem Wallfahrtsort.
Hildegard:
„Ja, dies ist wahr, Ich habe euch schon einmal gesagt,
daß ich so begeistert war für Gottes Ehre, und daß ich
im Rheingau Gottes Lob, anstatt aller Bewohner im
Rheingau, so zu verbreiten und zu verherrlichen suchte,
daß fast kein Tag verging, wo ich nicht meine Schwestern
versammelte, um mit ihnen Gottes Lob zu singen, um mit
ihnen über die Herrlichkeit des Himmels, die Liebe des
göttlichen Bräutigams zu sprechen und Ersatz zu leisten
für so viele, die es nicht tun. Ihr seid so glücklich,
im Rheingau zu wohnen, wie ich. Ihr müßt dasselbe tun,
wie ich es getan, und weil ihr in der Welt lebt und
könnt, wie ihr wollt, was wir Klosterleute nicht tun
können, weil es die Regel nicht erlaubt, darum benutzet
jede Gelegenheit, um euch loszureißen und der Gnade
Gottes zu folgen, um Gottes Lob zu singen, Dank zu
sagen.
Und wenn ihr an einen Wallfahrtsort
kommt – und ihr könnt ohne besonderen Anstoß zu geben,
denn in der Kirche, wo viel Volk versammelt ist, ist
dieses nicht möglich, den Berg hinauf, den Marienberg
hinauf und an allen Wallfahrtsorten, barfuß gehen, weil
ihr ziemlich allein geht –, da tut abwechselnd singen
und beten, wenn es auch scheint, als seid ihr nicht so
dazu aufgelegt; ihr müßt euch selbst auflegen dazu.
Seht, dies sind ja die Opfer der Wallfahrt, daß man
nicht auf seine Launen und nicht auf die Launen der
anderen hören darf; die Natur muß man übersteigen und
muß auf die Ehre Gottes schauen und nicht auf sein
Gefühl.
Jener Klosterfrau aber sagt, sie soll
doch unbekümmert sein und nicht ängstlich, wenn es auch
scheint, als könne sie nicht recht wissen, welcher Geist
sie leite, wenn man ihr auch so sagen sollte. Dies sind
ja die Prüfungen des Menschen. Auch sie steht in der
Prüfungszeit. Solange sie nicht von der Regel abweicht
und solange sie nicht von den Geboten Gottes abweicht,
so lange soll sie glauben, daß es der Herr ist. Es ist
der Herr, wenn Er ihr etwas sagt, wenn es auch nicht im
allgemeinen von jedem getan wird im Orden, dann soll sie
es doch tun, wenn sie merkt, daß die Stimme ihres
himmlischen Bräutigams sie dazu antreibt; denn sie muß
sich dieses erst erkämpfen mit großer Mühe und Opfern.
Sie soll nur bedenken, welche Opfer es alle die kostet,
die im Ordensstand heilig werden, zur besonderen
Heiligkeit berufen sind. Alle Ordensleute müssen und
sind berufen, heilig zu werden.
Und doch gibt es unter ihnen wieder
solche, die sich mehr auszeichnen vor anderen, und diese
sind dann auch berufen, mehr der inneren Stimme zu
folgen und besondere Werke zu verrichten. Aber niemals
soll sie glauben, daß die Ängstlichkeiten von Gott
herrühren. Beängstigungen sind nicht von ihrem
himmlischen Bräutigam, die sind von dem bösen Feind, der
da alles verderben möchte. Sie soll diese Beängstigungen
als Prüfungen betrachten und sich freuen, daß sie solche
erdulden darf; denn sie werden sie in kurzer Zeit zu
höherer Stufe der Vollkommenheit emportragen, wenn sie
dieselben mit ruhiger Ergebung in Gottes heiligen Willen
erträgt.“
Barbara: „O
liebe, heilige Hildegard! Soll ich denn auch barfuß
gehen?“
Hildegard:
„Nein!“
Barbara:
„Sollen wir denn so gehen wie bei den Wallfahrten?“
Hildegard:
„Auch nicht, ihr sollt gehen wie immer, weil ihr auch
vor Ordensleuten erscheinen müßt, wo eine große
Feierlichkeit stattfindet; nur den Weg hinauf geht
barfuß und ein Tüchlein auf dem Kopf, die könnt ihr
leicht mitnehmen.“
Jesus: „Liebe
Kinder! Seht, ihr habt alle so viel voraus vor anderen
Menschen. Ich, Der unendlich große Gott, habe jedem
Menschen einen Engel beigegeben, der ihn bewachen soll,
Tag und Nacht, auf Schritt und Tritt ihm folgen soll.
Also nehmt an, was Mir an einem Menschenherzen gelegen
ist, was eine unsterbliche Seele Meinem Herzen gekostet.
Diese unsterbliche Seele soll Mir nun und wird Mir Tag
für Tag entrissen, und die Welt ist so gottlos geworden,
daß wir alle, Ich, der Vater und der Heilige Geist,
gleichsam Uns beraten, was Wir tun wollen, um das arme
Menschengeschlecht wieder zurückzuführen, wieder
einzulenken in die rechten Bahnen. Das Heidentum ist
aufgepflanzt in der Welt; von einem Festtaumel in den
anderen hinein wird das arme Volk gezogen. Kein Götze
fehlt mehr, kein Jupiter, keine Vesta, wie sie
nacheinander heißen, die alten Heidengötter, keine
Venus.
Die Sinnlichkeit, die Genußsucht, alles
wird auf den Thron gesetzt, nur um Mich abzusetzen. Wo
bleiben und wo sind die Anbeter, die die Gottheit
geschaffen? Vernichten sollte der Herr die Welt mit all
ihren Geschöpfen. Ja, Mein Vater ist so erzürnt über
dieses Geschlecht, daß nur Mein Arm, der Arm Meiner
Mutter und die Arme der vielen Gerechten, die da Tag für
Tag sich hinstellen vor Meinen Vater und Ihm sagen:
‚Halte ein, o Vater, um Deines lieben Sohnes willen, um
des Opfers unserer Altäre willen. Verschone, o Herr,
verschone Dein Volk!‘ den Zorn Meines Vaters noch
aufhalten können, aber wie lange noch, Meine Kinder?
Deswegen scheut keine Opfer, geht hin.
Nicht nur habe Ich euch Engel beigegeben, nein, alle
Meine lieben Heiligen, die schon eingegangen sind in
Meine Herrlichkeit, sie verbinden sich mit euch. O
möchte es doch recht viele Seelen geben in der Welt, die
sich euch anschließen. O möchte doch keiner Meiner
Diener mehr sich erdreisten, euch Einhalt zu gebieten,
etwas zu reden oder zu tun, um euch aufzuhalten auf dem
Weg, den ihr betretet.
Nein, nein, Meine Kinder! Fahret fort,
Meiner Stimme zu folgen und saget N., er möge doch an
all den Priestern arbeiten, daß sie, anstatt die guten
und treuen Seelen abzuhalten, die sich ihrer Leitung
unterstellt haben, dieselben fördern und sie aufmuntern,
doch für ihre armen Mitbrüder und Mitschwestern Bußwerke
zu üben, Opfer zu bringen, ihre armen Mitbrüder zu
unterstützen, soweit sie mit zeitlichen Gütern gesegnet,
um arme, fromme Seelen an Wallfahrtsorte hinzuschicken,
um zu beten für die großen Anliegen der heiligen,
katholischen Kirche. Dieses sei und ist die wichtigste
Angelegenheit, die nur die guten und treuen Seelen tun
können.
Diejenigen aber, die es nicht können,
wie du, du Familienvater und Mutter, die zu tun und zu
sorgen haben für ihre Kinder, meidet, o meidet doch die
schändlichen Vergnügen. Geht nicht an die Orte, wo sie
stattfinden, tuet doch, o Ich bitte euch, nicht wie die
Weltmenschen euch ergötzen an solchem Verderben, an
solchem Sittenverderbnis. Seht doch, wie das arme Volk
von Tag zu Tag herabsinkt, wie die Jugend verwildert,
wie das Heidentum aufgepflanzt wird. Wo soll denn noch
Hilfe kommen? Hilfe muß kommen und muß es geben, und wer
soll sie bringen? Einmal war Ich auf der Welt.
Dreiunddreißig Jahre bin Ich unter euch gewandelt, Ich
habe Mein Herzblut daran gesetzt an dieses Geschöpf. Wo
sind nun aber die Seelen, die dieses Leiden fortsetzen,
wo sind sie denn? Es fehlt noch gar vieles an Meinem
Leiden, weil noch gar viele Menschen zu retten sind.
Fleisch für Fleisch, Geschöpf für Geschöpf, das heißt:
Opfer für Opfer; denn Menschen sollen gerettet werden;
da muß Meinem Vater ein Opfer dafür dargebracht werden,
um Seelen zu retten.
Es müssen Menschen da sein, die sich
einsetzen für ihre Brüder. Das Blut der Märtyrer floß,
das Fleisch der Märtyrer wurde geopfert, um die Welt zu
bekehren. Aus dem Blut der Märtyrer ging der Samen des
Christentums auf. Aus dem Blut und dem Opfer Meiner
treuen Seelen muß Meine junge Kirche erstehen. Also
besinnt euch nicht, Meine Kinder! Opfer für Opfer! Geht
hin, reißt euch los; denn Ich sehe gar zu wohl: Sobald
ihr wieder in dem Alltagsleben steht, seid ihr nur halb
so gut, wie wenn Ich euch hinausführe aus euch selbst.
Ich habe euch nun einmal als Werkzeug für viele erwählt.
Viele sollen durch euch gerettet werden, und viele
sollen sich an euch anschließen. Deine Angehörigen
sollen nicht mit Unwillen das kleine Kreuzlein tragen,
daß du dich sooft der Arbeit entziehen mußt. Sie sollen
wissen, daß du Mein bist, und daß du in Meinem Dienst
stehst, und wenn sie Anteil nehmen wollen an all dem
Guten, was daraus hervorgeht, daß ich dich sooft
hinwegführte, dann müssen sie mit Geduld das kleine
Kreuzlein tragen.
Und du, Meine Freundin (die Schwester
von Barbara), mußt dich hie und da beteiligen, wenn es
notwendig ist, wenigstens mittags dich ein wenig
losreißen und die Stelle Meiner Dienerin versehen, und
auch abends zuweilen. Gelt, das tust du Mir? Dann
verspreche Ich dir, daß auch du an der Frucht Anteil
nimmst und deine ganze Familie. Ihr müßt zusammenwirken,
damit es Einheit bleibt und Friede; denn es soll durch
euch und eure Familie vielen ein Tugendbeispiel gegeben
werden, vielen christlichen Familien. Deswegen will der
Herr, daß Priester und Ordensleute, Familienväter und
Mütter, Jungfrauen, in der Welt alle zusammenwirken
sollen an dem großen Ziel, das euch gesteckt ist. Ihr
steht alle an dem Wendepunkt, ihr seid eingegliedert und
müßt Mir helfen.
Seht, Meine Kinder! Mein Vater und der
Heilige Geist, Sie stehen auf der Warte mit Mir und
überschauen das Weltall, und jammernd sieht Mein Vater
von Tag zu Tag, wie Mein Blut mit Füßen getreten wird.“
Barbara: „O
mein Jesus! O mein Jesus! Wie dauerst Du mich! Verzeih
mir doch alle Fehler. Ich will ja Deinen Willen tun. Ich
empfehle Dir ganz besonders das junge Mädchen, das
eingekleidet wird. Deswegen willst Du haben, daß ich
hinkomme, an dem hast Du große Freude. Ich danke Dir,
daß Du mir sie zugeführt; mich hast Du als Werkzeug dazu
benutzt.“
Jesus: „Meine
Tochter! Alle, die Ich dir zuführe, und dein Inneres
sagt es dir schon, welches die rechten sind, führe Ich
dir zu, weil Ich weiß, daß du das Werkzeug bist, durch
die Ich sie Mir aneignen will. Darum sei ungeniert, wenn
jemand kommt, und eifere für Meine Ehre, Mir die Seelen
zuzuführen.“
Barbara: „O
Herr! So habe ich doch vielleicht
unrecht getan, daß ich N. und ihre Schwester so kalt
abgewiesen habe. O ich fürchte das viele Gerede. Siehe,
ich habe sie ja so gern wie andere auch, aber ich meine
halt doch, ich habe so ein inneres Gefühl gehabt. Ich
fürchte mich vor dem Bekanntwerden, nicht wegen mir,
aber wegen der Geistlichkeit und dem Bischof.“
Jesus: „Diese
Frau soll nur recht an sich arbeiten und das aufgeregte
Wesen umsetzen. Sie hängt etwas zu viel am Irdischen, an
dem Staub der Erde. O armer, armer Tor! Wie bald sind
die Tage vorüber, wo das blinkende Gold umgewandelt wird
in eine Hand voll Staub.
Siehe, man trägt dich hin und häuft ein
Häuflein Erde auf deinen Leib, man setzt einen Stein
darauf, auf dieses Häuflein Erde, und in einigen Jahren
bist du schnöder Leib zu Staub geworden, wie der Staub,
mit dem du bedeckt wirst, und dein Gold und Geld, es ist
unter anderen Händen, die wieder Wucher treiben mit
diesem Staub und sich herausputzen und Sünde auf Sünde
häufen. Du armer Tor! Wenn deine Verwandten zu leben haben und
nicht darben müssen, was sorgst du denn für ihren ewigen
Untergang? Nehme dir ein Beispiel an Meinen Dienerinnen
und schaffe diesen Stein aus deinem Herzen heraus; wie
sie es machen, so tue auch du es. Setze die Güter, die
Ich dir nur gegeben, damit du selig werden sollst und
eine möglichst schöne Krone dir verdienen sollst, um in
Edelsteine. Und nun, seid Mir alle recht herzlich
gegrüßt, Meine Kinder!“
Privatoffenbarungen gehören nach
katholischem Verständnis zu den Möglichkeiten, durch die
Gott, der Herr der Geschichte und aller Menschen, in das
Leben eines Einzelnen eingreifen kann. Wird ein Mensch
solcher Offenbarung gewürdigt, wird er durch sie in die
Pflicht genommen. Er muß ihr im Glaubensgehorsam folgen.
Dabei ist es möglich, daß sie der Glaubensvertiefung und
Lebenserhellung dieses Menschen in erster Linie dient;
das bedeutet, daß sie im „Material“ dieses Lebens
wirksam ist und für andere zunächst verborgen bleibt. So
wurde die besondere mystische Lebensführung der heiligen
Theresia vom Kinde Jesu erst nach ihrem frühen Tod durch
ihre Niederschriften bekannt. Andere begnadete Menschen
erfahren Offenbarungen, die mit einem ausdrücklichen
Auftrag in den Raum der Kirche und der
gesellschaftlichen Öffentlichkeit hinein verbunden sind,
wie wir es zum Beispiel aus dem Leben und Wirken der
heiligen Hildegard von Bingen und des heiligen Don Bosco
kennen.
Es gilt dabei zu bedenken, daß auch bei
echten Offenbarungen womöglich Elemente zu finden sind,
die schwer verständlich, unzulänglich und verzerrt
erscheinen. Kritische Prüfung ist nötig, weil je und je
die begnadete Erfahrung im Rahmen der Möglichkeiten und
Begrenzungen des begnadeten Menschen, seiner Ausbildung,
der geistigen, seelischen und geistlichen Weite oder
Enge gemacht wird. Deshalb ist mit Unschärfen und
zeitbedingten Verengungen auch bei echten
Privatoffenbarungen zu rechnen.
Vom Ganzen des Glaubens losgelöste
Ausbrüche des Unterbewußtseins dagegen, krankhafte
Initiativen und schwärmerische Einbildungen und
punktförmige Aktivitäten sind kritisch zu ordnen und –
so schwierig das im einzelnen auch sein mag – in ihre
Schranken zu verweisen. Den Rat des Thessalonicherbriefs
gilt es für die mitunter schwer durchschaubaren
Zusammenhänge von Privatoffenbarungen zu beachten:
„Prüft alles, was gut ist behaltet“ (1 Thess. 5,21).
Neben vielen und oft schwierigen Fragen
an die Person und die persönlichen Voraussetzungen der
Visionäre, bleibt doch eine unentbehrliche erste
Klarstellung für die Echtheit einer Privatoffenbarung
leicht möglich. Sie lautet: bleibt das Gesagte im Rahmen
der in Christus endgültig geschehenen Offenbarung? Ist
dagegen der Versuch zu erkennen, diese Offenbarung des
menschgewordenen Herrn zu korrigieren oder zu verbessern
oder gar zu übertreffen, haben wir gewiß keine echte
Privatoffenbarung vor uns. Ebenso gehört die
Bereitschaft, sich dem Lehramt der Kirche, der die
Verkündigung gültig übertragen ist, zu unterstellen, zur
glaubhaften Gestalt des Empfängers einer Offenbarung.
Niemals kann es um modische Neuheiten gehen; vielmehr
muß das unausschöpfbare „Alte“ der Christusoffenbarung
neu gesagt werden, als Ruf in die Zeit, als Anstoß für
das, was einer Epoche nötig ist, als Verlebendigung des
Handelns der Kirche aus der Kraft des einzigen und
einmaligen Evangeliums. So hat sich Vinzenz von Paul für
die Priestererziehung und zeitgerechte Formen in der
Nächstenliebe leidenschaftlich eingesetzt, Pius X.
konnte die Liturgie und die tätige Anteilnahme der
Gläubigen an der heiligen Eucharistie bis zum häufigen
Empfang der heiligen Kommunion beleben und Pater
Maximilian Kolbe hat im grauenhaften Dunkel der
Menschenvernichtung durch sein Martyrium die Würde des
Menschen aufleuchten lassen.
Spätestens hier zeigt sich der
„prophetische“ Charakter jeder echten Privatoffenbarung.
Prophet meint hier nicht zuerst Zukunftswisser oder
Zukunftsdenker. Vielmehr ist mit dieser Bezeichnung
jeder Christ gemeint, der seinen Glauben lebendig hält.
So werden beispielsweise heute jeder Mann und jede Frau,
die ihre Ehe als endgültigen christliche Bund leben, zu
stillen und unfanatischen religiösen Verkündern: zu
„Propheten“. Ebenso ein Meister, der seine
Auszubildenden als Menschen achtet und fördert, und
jeder, der aus gläubiger Gesinnung nichts dem
Gottesdienst vorzieht. Alle sagen unaufdringlich durch
ihr Leben auch etwas über die Zukunft: Die Eheleute
zeigen Gottes bleibende Liebe zu uns Menschen; der
tüchtige Meister beweist die Gottebenbildlichkeit seinem
Auszubildenden und der glaubensentschiedene
Gottesdienstbesucher feiert die Nähe des ewigen
Gottesreiches in unserer Welt.
Dann aber gibt es noch – neben dem
Charisma, das alltagsnah die eigenen Gaben und
Fähigkeiten schlicht in den Dienst des Reiches Gottes
stellt – das besondere Charisma (Gnadengabe), den
prophetischen Auftrag, die erwählende Offenbarung.
Dieses prophetische Charisma einer besonderen Erwählung
zu einem besonderen Auftrag nennt Karl Rahner: „Jene
Einwirkungen des Geistes Gottes auf den einzelnen
Glaubenden, die vom Menschen her niemals erzwingbar, von
den amtlichen Organen der Kirche nicht vorhersehbar,
durch die Setzung der Sakramente nicht erreichbar und
dennoch immer und überall benutzbar sind, weil sie – wie
Amt und Sakrament – zum notwendigen und dauernden Wesen
der Kirche gehören“. Zu den zahlreichen Begnadeten in
der Kirchengeschichte mit ihrem großen geistlichen
Auftrag gehört auch Barbara Weigand (1845–1943).
II
Vor dem Hintergrund der Bemerkungen über
Privatoffenbarungen lassen sich eindrucksvolle Gründe
für die Echtheit der besonderen Berufung erkennen, deren
Barbara Weigand gewürdigt wurde. Einige davon seien
stichwortartig genannt:
Barbara Weigand wächst in einer ruhigen
und das ganze Leben durchdringenden Frömmigkeit auf.
Die kränkliche Mutter, die zusätzliche
Belastung des Vaters durch das Amt des Bürgermeisters
und die Fürsorge für die Geschwister machen Barbara zu
einem arbeitsamen und verantwortungsbewußten Mädchen mit
starker Bodenhaftung.
Trotz der Aussicht auf eine gute Partie
ringt sie sich zu einem jungfräulichen Leben durch.
Fast unbegreifliche körperliche Leistung
vollbringt sie aus Sehnsucht nach der heiligen
Kommunion: häufiger fünfstündiger Gang nach
Aschaffenburg (Kapuzinerkirche) und zurück, danach
schwere Haus- und Feldarbeit.
Ein Höchstmaß an Fleiß und Arbeit übt
sie in Schippach, dann ab 1885 für dreißig Jahre in
Mainz, wovon sie allein zwanzig Jahre in der Wirtschaft
ihres Bruders und weitere zehn Jahre in der Pflege einer
nahen Verwandten zubringt, und ist dann wieder, bis zu
ihrem Tode, in Schippach.
Opfer, Buße und Sühne für die eigenen
und die Sünden der Menschen, dazu oft auch als soziale
Hilfe für Notleidende.
In Barbara Weigand wächst immer größere
Leidensbereitschaft. Ihr umfassender Gebetsgeist übt
ständig das glühende Dankgebet und das Bittgebet für
Lebende und Verstorbene.
Zeitlebens charakterisiert innigste
Marienverehrung das Leben von Barbara Weigand. Dabei
fällt auf, wie glaubenssicher sie die Teilhabe am
einzigen Erlöser- und Mittlertum Christi in früher Zeit
bereits ausspricht.
Bei allen böswilligen Verdächtigungen
und lügnerischen Unterstellungen lebt sie nach dem Wort
der Bergpredigt: „Selig seid ihr, wenn ihr um
meinetwillen beschimpft und verfolgt, und auf alle
mögliche Weise verleumdet werdet. Freut euch und jubelt,
euer Lohn im Himmel wird groß sein“ (Mt. 5,11).
Die alles bestimmende Mitte des
begnadeten Lebenswerkes von Barbara Weigand ist ihr
Ringen um die eucharistische Frömmigkeit; näherhin um
die tägliche heilige Kommunion. Spätestens an diesem
fünfunddreißigjährigen Mühen bis zur weltkirchlichen
Anerkennung durch das Kommuniondekret des heiligen
Papstes Pius X. zeigt sich die beständige und allen
Wechselfällen widerstehende große Berufung.
Nachdem die häufige heilige Kommunion
längst liturgische Praxis geworden ist, scheint sich in
einer Phase der (vorsichtig gesagt) sich abkühlenden
eucharistischen Frömmigkeit, die glühende Christusliebe
und eucharistisch geprägte Frömmigkeit der Barbara
Weigand für die innere Reform und missionarische
Stärkung der Kirche im 3. Jahrtausend eine unerwartet
neue Aktualität zu bekommen.
Die zahlreichen Visionen, Auditionen und
Wegweisungen, die sie geschenkt bekommen hat, liegen
jetzt im Druck vor. Im Blick auf diesen geistlichen
Schatz möchte man dem geneigten Leser zurufen: „Nimm und
lies!“
Im September 2001
Pfarrer Pater Monsignore
Alfred Stürmer Anselm Ehmele David
Nikolaus Becker
Die Mitglieder des Liebesbundes
versprechen: 1. Daß sie mutig und standhaft, offen und
frei den katholischen Glauben bekennen wollen durch
treue Beobachtung der Gebote Gottes und der Kirche,
sowie durch standhafte Verteidigung der Rechte
derselben, insoweit sie dazu berufen sind.
2. Daß sie den öfteren, ja täglichen
Empfang der hl. Kommunion nach dem Wunsche des hl.
Vaters und dem Rate des Beichtvaters fleißig üben und
das hl. Sakrament der hl. Eucharistie mit aller nur
möglichen Verehrung und Liebe umgeben wollen.
3. Da sie, sofern es ihnen die Lage
gestatttet, an allen öffentlichen Kundgebungen des
katholischen Glaubens (Wallfahrten, Prozessionen,
Kreuzweg-, Rosenkranz- und Maiandachten) eifrig
teilnehmen, um so ihren Glauben vor aller Welt zu
betätigen.
4. Daß sie im übrigen ein stilles,
zurückgezogenes Leben führen und dem heutigen Zeitgeist,
besonders dem Geiste der Vergnügungssucht, vollständig
entsagen wollen.
5. Daß sie endlich ein Opferleben führen
wollen durch Beten, Sühnen und Leiden in der treuen
Erfüllung ihrer Standespflichten, in Ertragung des
täglichen Kreuzes und in der geduldigen Hinnahme von
Schmach und Verachtung.
6. Die Mitglieder beten täglich die
Vereinsgebete (Aufopferung am Morgen und am Abend) und
suchen sich von dem Geiste derselben tagsüber zu
durchdringen, indem sie sich selbst vergessen, ihre
Fehler zu bessern und abzulegen suchen und sich
einsetzen für das Wohl der Kirche und für die sündige
Menschheit, auf daß bald werde eine Herde und ein Hirt,
und die Kirche Gottes auf den hl. Berg gestellt werde,
von wo aus sie überallhin leuchten soll.
Wer in den Liebesbund aufgenommen werden
will, der richte die einmalige und innige Bitte nach der
hl. Kommunion an Jesus, Er möge Sich würdigen, ihn
aufzunehmen in den Bund der Liebe, den Er mit der
Menschheit geschlossen hat. Man kann sich dabei
folgenden Gebetes bedienen:
„Jesus Christus, wahrer Gott und wahrer
Mensch, den ich im allerheiligsten Sakramente wahrhaft
gegenwärtig glaube und bekenne, ich bitte Dich mit der
ganzen Inbrunst meines Dich aufrichtig liebenden
Herzens, würdige Dich, mich in die Zahl jener
bevorzugten Kinder Deiner hl. Kirche aufzunehmen, mit
denen Du den Bund der Liebe geschlossen hast. Ich
verspreche Dir von ganzem Herzen, mit Deiner
allmächtigen Gnade alle Obliegenheiten des Liebesbundes
getreu und gewissenhaft zu erfüllen. Hl. Maria, Du meine
Mutter und mächtige Fürsprecherin am Throne meines
Erlösers, hl. Erzengel Michael, hl. Joseph, hl.
Franziskus, alle lieben Engel und Heiligen Gottes,
bittet für mich! Amen.“
Wer zeitweise verhindert ist, die
folgenden Aufopferungsgebete zu verrichten, der spreche
statt dessen am Morgen: „Ich will heute beten, leiden
und sühnen nach Meinung des Liebesbundes;“ und am Abend:
„Ich opfere all mein Beten, Leiden und Sühnen auf nach
Meinung des Liebesbundes.“
„O Jesus, Du Bräutigam meiner Seele, ich
opfere Dir beim Beginn dieses Tages alle Leiden und
Widerwärtigkeiten auf, die mir bei Ausübung meiner
Standes- und Berufspflichten begegnen werden. In
Vereinigung mit Dir will ich heute wieder das Kreuz
meines Berufes tragen, gleichwie Du Dein schweres Kreuz
den Kalvarienberg hinauf getragen hast, und ich
verspreche Dir, mit Deiner Gnade auszuharren in diesem
meinem Berufe bis zum letzten Atemzuge meines Lebens.
Laß nie mehr zu, daß ich etwas anderes begehre, als eine
Braut des Gekreuzigten zu sein. Um diese Gnade bitte ich
auch für alle verfolgten und hartbedrängten Priester und
Ordensleute, die um ihres Glaubens und Berufes willen so
vieles leiden müssen. Indem ich mich mit ihnen verbinde,
bitte und beschwöre ich Dich, uns als Schlachtopfer
hinzunehmen, daß wir uns selbst ganz vergessen, unsere
Fehler zu bessern und abzulegen suchen und uns einsetzen
für die sündige Menschheit, auf daß bald werde eine
Herde und ein Hirt. Daß Du die Feinde Deiner heiligen
Kirche demütigen wollest, wir bitten Dich, erhöre uns!“
„Lieber, heiliger Schutzengel, nimm mein
armseliges Gebet und Tagewerk und trage es in die Hände
der lieben Mutter Gottes. Dich aber, o liebe Mutter,
bitte ich, Du wollest alles, was mangelt, ersetzen und
es in dem kostbaren Blute Jesu reinigen und
vervollkommnen.
Mache es auch vollwertig aus dem
unendlichen Wert der heiligen fünf Wunden und Deiner
Verdienste und Tugenden. Vereinige es mit dem Gebet und
den Werken aller Heiligen des Himmels und aller Frommen
und Gerechten auf Erden und opfere es so dem himmlischen
Vater auf für die Anliegen der heiligen Kirche,
besonders des heiligen Vaters, für die Bekehrung der
Sünder, besonders derer, die heute sterben, zum Trost
der armen Seelen, für meine Anliegen und das Wohl aller
meiner lieben Angehörigen. Amen.“
Nihil obstat. Jos. Hutter, Censor eccl.
No. 728 Eccl. Imprimatur
Tridenti, die 6. Aprilis 1914 Eug.
Mattevi, Vic. glis. Imprimatur
Monachii, die 29. Maji 1914 † Neudecker,
Vic. gen.
Gemäß den Dekreten von Papst Urban VIII
und der Heiligen Ritenkongregation wird erklärt, daß
diesen veröffentlichten Darlegungen keine andere als die
zuverlässig bezeugte menschliche Glaubwürdigkeit
beizumessen ist und nicht beabsichtigt ist, in
irgendeiner Weise dem Urteil der Heiligen katholischen
und apostolischen Kirche vorzugreifen.
Das Dekret der Glaubenskongregation (A.A.S.N.
58-18 vom 29. Dezember 1966), daß die Canones 1399 und
2318 aufhebt, wurde von Papst Paul VI. am 14. Oktober
1966 gebilligt und auf seine Anordnung veröffentlicht.
Auf Grund dieses Dekretes ist es nicht verboten, ohne
Imprimatur Schriften über Erscheinungen, Offenbarungen,
Visionen, Prophezeiungen oder Wunder zu verbreiten.
Alle Bände dieses Werkes dürfen nur
unentgeltlich verbreitet werden.
1. Auflage 2002
Copyright und Herausgeber:
Barbara Weigand Gesellschaft e.V.,
D-63820 Elsenfeld-Schippach, St. Pius-Str. 27 und
Wolfgang E. Bastian, Postfach 1153, D-61362
Friedrichsdorf
Schriftleitung, Bestellung:
Wolfgang E. Bastian, Postfach 1153,
D-61362 Friedrichsdorf