Selige Anna Katharina Emmerich

Verwüstung der Kirche

   
   





  
Die Liturgiereform und zwei Päpste
Geheimnisse des Alten und des Neuen Bundes

Prophezeiungen der Mystikerin Anna Katharina Emmerich und die Verwüstung der Kirche

(Coesfeld/Rom) Der Katechismus der katholischen Kirche findet klare Worte: „Im Laufe der Jahrhunderte gab es sogenannte ‘Privatoffenbarungen’, von denen einige durch die kirchliche Autorität anerkannt wurden. Sie gehören jedoch nicht zum Glaubensgut. Sie sind nicht dazu da, die endgültige Offenbarung Christi zu ‚vervollkommnen‘ oder zu ‚vervollständigen‘, sondern sollen helfen, in einem bestimmten Zeitalter tiefer aus ihr zu leben. […] Der christliche Glauben kann keine ‚Offenbarungen‘ annehmen, die vorgeben, die Offenbarung, die in Christus vollendet ist, zu übertreffen oder zu berichtigen“. (KKK 67)

Schwarmgeisterei und eine gewisse Offenbarungssucht haben zu allen Zeiten ihre Blüten getrieben. Das gläubige Gottesvolk tut gut daran, genau zu prüfen, denn Glauben hat es letztlich nur der von der Kirche bewahrten göttlichen Offenbarung zu schenken.

Vor neun Jahren am 3. Oktober 2004 erhob Papst Johannes Paul II. durch die Seligsprechung die deutsche Ordensfrau Anna Katharina Emmerich zu den Altären. Die Selige wurde 1774 in Coesfeld im Münsterland geboren und starb 1824 im Kloster Agnetenberg in Dülmen. Die aus einer Bauernfamilie stammende Nonne wird von der Weltkirche als Mystikerin und stigmatisierte Seherin verehrt. Dank ihrer Visionen konnte bei Ephesus von einer Expertenkommission 1891 das Haus Mariens entdeckt werden, in dem, so die Archäologen, Maria und der Evangelist und Apostel Johannes nach der Hinrichtung und Himmelfahrt Jesu lebten. Papst Benedikt XVI. besuchte das Haus am 29. November 2006.

Das bittere Leiden unsers Herrn Jesu Christi, die durch Clemens Brentano aufgezeichneten Schauungen der Seligen enthalten einige unbekannte Details zum Tod Jesu. Das veranlaßte den katholischen Schauspieler, Regisseur und Produzenten Mel Gibson sich bei seinem Film Die Passion Christi (2004) an die Visionen der deutschen Mystikerin zu halten.

Emmerich, die Liturgiereform und zwei Päpste

Zu den Visionen der Augustinerin gehören auch einige apokalyptische Prophezeiungen über die Zukunft der Kirche. Was sie voraussagte, klingt in manchem wie eine Vorwegnahme der nachkonziliaren Liturgiereform: „Die Messe war kurz“ und am Ende wurde das Schlußevangelium aus dem Johannesevangelium nicht mehr gelesen.

Am 13. Mai 1820 sah sie in einer Vision zwei Päpste und zwei Kirchen: „Ich habe diese Nacht“ das Bild „von zwei Kirchen und zwei Päpsten gehabt“. Sie sah den Papst „und sah, wie unter ihm eine andere dunkle Kirche in Rom entstand“. Sie sah ein Gebäude ohne Altar und ohne Allerheiligstes: „Ich sah nur Bänke und in der Mitte wie einen Rednerstuhl. Es wurde da gepredigt und gesungen; sonst war nichts.“ Über die Leute, die sich in dieser „falschen“ Kirche ohne Sakrament des Altares, Emmerich spricht oft auch von „Afterkirche“ versammeln, schaute sie:

„Ein jeder zog einen anderen Götzen aus seiner Brust und stellte ihn vor sich hin und betete ihn an. Es war, als zöge jeder seine Meinung, seine Leidenschaft hervor wie ein schwarzes Wölkchen, und wie es heraus war, nahm es gleich ein bestimmte Gestalt ab, und es waren lauter Figuren, wie ich sie an dem Halsgeschmeide der unechten Braut in dem Hochzeitshause hängen sah, allerlei Menschen- und Tiergestalten. Der Gott des Einen war ganz kraus und breit, breitete viele Arme aus und wollte Alles umschlingen und auffressen; der Gott des Andern machte sich ganz klein und krümmte sich zusammen; ein Anderer hatte bloß einen hölzernen Knüppel, den er ganz verdreht anschaute, der Dritte hatte ein abscheuliches Tier, der Vierte eine Stange.“

Das besondere ist, daß

„diese Götzen den ganzen Raum ausfüllten […] und wenn sie fertig waren, kroch der Gott eines Jeden wieder in ihn hinein. Das ganze Haus aber war dunkel und schwarz und alles, was darin geschah, war Dunkelheit und Finsternis. Nun wurde mir auch der Vergleich gezeigt zwischen jenem Papst und diesem und zwischen jenem Tempel und diesem.“

Eine „dunkle Kirche“ breitet sich in der Kirche aus: von lauen Priestern und einer geheimen Sekte

Emmerich schaute, wie zahlenmäßig schwach der richtige Papst war und wie zahlenmäßig stark hingegen der falsche Papst. Der richtige Papst war „stark aber an Willen“ und entschlossen die große Zahl der Götzen zu stürzen. Der andere Papst hingegen war „schwach an Willen, in dem er den einzig wahren Gott und die einzig wahre Andacht durch Gestattung des falschen Tempels in so viele Götter und falsche Andachten habe auflösen lassen.“ Unter dem falschen Papst wurden „tausend Götzen“ angebetet, dem Herrn aber kein Platz eingeräumt. Emmerich sah, wie sich die wahre Kirche zerstreute und die falsche sich sammelte und zahlenmäßig im Vorteil war.

„Ich sah auch, wie sehr übel die Folgen von dieser Afterkirche sein würden. Ich sah sie wachsen, ich sah viele Ketzer aller Stände nach der Stadt [Rom] ziehen. Ich sah die Lauigkeit der dortigen Geistlichen wachsen, ich sah sich viel Dunkelheit dort mehr und mehr verbreiten. […] Ich sah in allen Orten die katholischen Gemeinden gedrückt, bedrängt, zusammengeschoben und eingeschlossen werden. Ich sah viele Kirchen aller Orten sperren. […] Ich hatte das Bild wieder, wie die Peterskirche planmäßig durch die geheime Sekte abgetragen und auch durch Stürme abgebrochen werde.“

 

Gewißheit des göttlichen Beistandes für die wahre Kirche

Doch Emmerich sieht auch den göttlichen Beistand für die wahre Kirche:

„Ich sah aber auch im höchsten Elend wieder die Nähe der Rettung. Ich sah die heilige Jungfrau wieder auf die Kirche steigen und den Mantel ausbreiten. [Ich sah alles neu werden und sich eine Kirche bis in den Himmel hineinbauen. […] Den Zeitraum, da alles dieses geschehen soll, kann ich nicht angeben.“

Die von Emmerich geschaute falsche Kirche verriet die kirchliche Glaubenslehre und ihr Klerus war „lau“. Die stigmatisierte Mystikerin wird an anderer Stelle selbst von einer „protestantisierten“ Kirche sprechen. Das alles verhinderte es aber nicht, daß diese falsche Kirche ein großes Wachstum erlebte. „Es entstand ein Leib, eine Gemeinschaft außer dem Leibe Jesu, der Kirche, eine heilandslose Afterkirche, deren Geheimnis es ist, kein Geheimnis zu haben“.

Am 10. August 1820 schaute sie die Vision:

„Ich sehe den Heiligen Vater in großer Bedrängnis. Er bewohnt einen andern Palast und läßt nur wenige Vertraute vor sich. Würde die schlechte Partei ihre große Stärke kennen, sie wäre schon losgebrochen. Ich fürchte, der Heilige Vater wird vor seinem Ende noch große Drangsale leiden müssen. Die schwarze Afterkirche sehe ich im Wachsen und in üblem Einfluß auf die Gesinnung. Die Not des Heiligen Vaters und der Kirche ist wirklich so groß, daß man Tag und Nacht zu Gott flehen Muß Es ist mir viel zu beten aufgetragen für die Kirche und den Papst…“

 

Verwüstung der Kirche durch Protestantisierung – „Gott aber hat andere Pläne“

Am 22. April 1823 sah Emmerich eine Protestantisierung der katholischen Kirche. Alles was protestantisch war, habe schrittweise in der katholischen Kirche die Oberhand gewonnen und in dieser einen völligen Dekadenzprozeß ausgelöst. Die Mehrheit der Priester sei durch die verführerischen, aber falschen Lehren angezogen worden und trugen zum Werk der Zerstörung bei. In den Tagen, in denen das geschehen wird, so Emmerich, wird der Glauben tief fallen und nur an wenigen Orten, in wenigen Häusern und wenigen Familien bewahrt werden, die Gott vor den Verwüstungen bewahrt.

Emmerich sah, daß sich viele Priester von Ideen einwickeln lassen, die für die Kirche gefährlich sind und den Bau einer neuen großen, seltsamen und extravaganten Kirche. Emmerich scheint einige Ideen und Praktiken geschaut zu haben, die sich in der Nachkonzilszeit auszubreiten begannen und noch heute andauern, so am 22. April 1822. Alle sollten in der neuen Kirche zugelassen sein, damit alle geeint sind und alle sollten die gleichen Rechte haben: Protestanten, Katholiken und Sekten aller Denominationen. Das sollte die „neue Kirche“ sein. Gottes Pläne seien das aber nicht gewesen.

„Gott aber hatte andere Pläne“, zitierte Mattia Rossi in der Tageszeitung Il Foglio die selige Anna Katharina Emmerich: „Pläne, die wir natürlich alle nicht kennen: niemand ist imstande zu sagen, ob, wie und wann die Prophezeiungen der seligen Emmerich aktuell sind oder sich sogar bewahrheiten. Mit Sicherheit jedenfalls verblüfft die Übereinstimmung mit vielen, mehr oder weniger dunklen Aspekten der Kirche von heute“. Mattia Rossi ist Redaktionsmitglied der Liturgiezeitschrift Liturgia. Culmen et fons.
Text: Giuseppe Nardi 

 
 
Texte entnommen aus dem Buch
"Geheimnisse des Alten und des Neuen Bundes"

von Anna Katharina Emmerick.
 
 
 
Einführung zu Anna Katharina Emmerick

Anna Katharina Emmerick (1774-1824) ist eine der herausragendsten Persönlichkeiten in der Geschichte der christlichen Mystik. Von Kindheit an prophetisch begnadet, von einzigartiger Herzensunschuld, trug sie während zwölf Jahren die Stigmata, die Wundmale Jesu Christi. Sie erlitt jeden Freitag seine Passion und sah in ihren Visionen viele Ereignisse aus der ganzen Schöpfungs- und Heilsgeschichte. Der deutsche Dichter Clemens Brentano saß während fünf Jahren an ihrem Krankenlager und notierte alles, was sie ihm über ihre Visionen mitteilte. Am 3. Oktober 2004 wurde Anna Katharina Emmerick seliggesprochen.

 
A.-K. Emmerick

Ostern 1820
A.-K. Emmerick: Ich sah die Erde wie eine runde Fläche, die von Dunkelheit und Finsternis überzogen wurde. Alles verdorrte und war im Absterben. Ich sah dies in unzähligen Einzelheiten an allen Geschöpfen, an Bäumen, Gesträuchern, Pflanzen, Blumen und Feldern. Ja, es war, als werde selbst das Wasser in Bächen, Brunnen, Flüssen und Meeren aufgesaugt oder ziehe sich in seinen Ursprung zurück. Ich wandelte über die verwüstete Erde und sah die Flüsse wie feine Linien, die Meere als schwarze Abgründe, in deren Mitte nur noch schmale Streifen Wassers zu erblicken waren. Alles andere war ein trüber, dicker Schlamm, in welchem ich allerlei ungeheure Tiere und Fische stecken und mit dem Tode ringen sah. Ich kam so weit herum, dass ich deutlich das Meeresufer erkennen konnte, wo ich einmal St. Clemens versenkt werden sah. Ich sah auch Orte und Menschen in trübem, traurigem Gewühl und Verderben und sah mit dem Bilde der wüst und wasserlos werdenden Erde gleichmäßig die dunklen Werke der Menschen wachsen. Ich sah sehr viele Greuel ganz im einzelnen, erkannte Rom und sah die Bedrängnis der Kirche und ihr Sinken von innen und außen.

Ich sah nun aus mehreren Gegenden große Scharen gegen einen Punkt hinströmen und alles im Kampf. Ich sah in der Mitte zwischen ihnen einen großen schwarzen Fleck wie ein ungeheures Loch, und die Kämpfenden um dasselbe immer dünner werden, als stürzten sie ganz unvermerkt hinein. Währenddessen sah ich wieder mitten in dem Verderben die zwölf Menschen in den verschiedensten Gegenden getrennt, ohne voneinander zu wissen, Strahlen des lebendigen Wassers empfangen. Ich sah, dass sie alle dasselbe von verschiedenen Seiten bearbeiteten, und dass sie nicht wussten, woher sie es bekamen, und dass, wenn das eine vollendet war, sie das andere erhielten. Es waren wieder zwölf, keiner über vierzig Jahre alt, und drei Geistliche darunter und einige, die es werden wollten. Ich sah auch, als berühre ich mich manchmal mit einem, oder er sei mir bekannt oder nah. Sie waren nicht bedeutend gekleidet, sondern ein jeder nach seiner Landesart und jetziger Sitte, und ich sah, dass sie alles von Gott wieder erhielten, was verloren gegangen, und dass sie nach allen Seiten zum Guten wirkten.

Ich sah auch bei den dunkeln Verderbern falsche Propheten und Leute, welche gegen die Schriften dieser zwölf neuen Apostel arbeiteten. Ich sah sie oft im Getümmel verschwinden und immer wieder heller hervortauchen. Ich sah auch wohl an hundert Weibspersonen wie in Entzückung sitzen und Männer bei ihnen, welche an ihnen magnetisierten, und sah, dass sie prophezeiten. Aber ich hatte einen Greuel an ihnen und Abscheu. Als die Reihen der um den schwarzen Abgrund her Streitenden immer mehr sich lichteten, und da während des Streites eine ganze Stadt verschwunden war, gewannen die zwölf apostolischen Männer immer größeren Anhang, und aus der andern Stadt (der wahren Stadt Gottes: Rom) ging wie ein leuchtender Keil in die dunkle Scheibe hinein. Ich sah über der klein gewordenen Kirche eine herrliche Frau in weit ausgebreitetem himmelblauen Mantel mit einer Sternenkrone auf dem Haupte. Von ihr aus ging das Licht und drang immer weiter in die trübe Finsternis. Wo dies Licht eindrang, wurde alles neu und blühend. In einer großen Stadt sah ich eine Kirche, welche die geringste war, die erste werde. Die neuen Apostel kamen alle in dem Lichte zusammen; ich glaubte mich mit andern, die ich kannte, vorne in der Spitze zu sehen. (Mit jenen, welche ähnlich wie sie Anteil an dem Verdienst der Erneuerung hatten.) Es blühte nun alles wieder auf. Ich sah einen neuen, strengen Papst und den schwarzen Abgrund immer enger werden. Zuletzt sah ich noch drei Scharen oder Gemeinden mit dem Lichte sich vereinigen. Sie hatten gute, erleuchtete Leute bei sich und gingen in die Kirche ein. Nun war alles neu. Die Wasser füllten sich wieder. Alles ward grün und blühend. Ich sah Kirchen und Klöster bauen.


28. August 1820
A.-K. Emmerick: Ich hatte ein Bild von der Peterskirche, als schwebe sie über der Erde, und als eilten viele Leute heran, um unter sie zu treten und sie zu tragen. Groß und klein, Priester und Laien, Frauen und Kinder, ja sogar alte Krüppel sah ich dies tun. Es war mir dabei ganz ängstlich; denn ich sah, wie der Kirche überall der Einsturz drohte. Die Grundmauern und der ganze untere Teil schienen auseinanderzufallen. Da stellten aber die Leute überall ihre Schultern unter, und indem sie dieses taten, waren sie alle gleicher Größe. Es war jeder an seiner Stelle, die Priester unter den Altären, die Laien unter den Pfeilern und die Frauenzimmer unter dem Eingang. Sie alle trugen so gar große Lasten, dass ich meinte, sie müssten zerquetscht werden. Über der Kirche aber war der Himmel offen, und die Chöre der Heiligen sah ich durch ihre Gebete und Verdienste die Kirche aufrecht halten und den unten Tragenden helfen. Ich befand mich zwischen beiden schwebend und flehend. Ich sah aber, dass die Tragenden die Kirche eine Strecke vorwärts trugen, und dass eine ganze Reihe von Häusern und Palästen ihr gegenüber wie ein Ährenfeld, über das man hinschreitet, in die Erde sank, und dass die Kirche da niedergesetzt wurde. Hier sah ich nun wieder ein anderes Bild. Ich sah die heilige Jungfrau über der Kirche und Apostel und Bischöfe umher. Ich sah unten große Prozessionen und Feierlichkeiten. Ich sah alle schlechten Kirchenvorsteher, welche geglaubt hatten, sie könnten aus sich etwas tun, und welche nicht Christi Kraft aus den Gefäßen ihrer heiligen Vorfahren und der Kirche zu ihren Arbeiten empfingen, vertrieben und andere genommen werden. Ich sah große Segenspendung von oben und viele Veränderungen. Ich sah auch den Papst, welcher alles dieses veranstaltete. Ich sah ganz arme, einfältige Männer und auch junge emporkommen.


Weihnachten 1819
A.-K. Emmerick: Ich sah die Peterskirche und eine ungeheure Menge Menschen, welche beschäftigt waren, sie niederzureißen; aber auch andere, welche wieder an ihr herstellten. Es zogen sich Linien von handlangenden Arbeitern durch die ganze Welt, und ich wunderte mich über den Zusammenhang. Die Abbrechenden rissen ganze Stücke hinweg, und es waren besonders viele Sektierer und Abtrünnige dabei. Den Papst sah ich betend und von falschen Freunden umgeben, die oft das Gegenteil von dem taten, was er anordnete. Ich sah einen kleinen schwarzen, weltlichen Kerl in voller Tätigkeit gegen die Kirche. Während die Kirche auf der einen Seite so abgebrochen wurde, ward auf der andern Seite wieder daran gebaut, aber sehr ohne Nachdruck. Ich sah viele Geistliche, die ich kannte. Der Generalvikar machte mir viel Freude. Er ging, ohne sich stören zu lassen, gerade durch die Abbrechenden durch und ordnete zur Erhaltung oder Herstellung an. Ich sah auch meinen Beichtvater einen großen Stein auf weitem Umweg herbeischleppen. Andere sah ich träge ihr Brevier beten und dazwischen etwa ein Steinchen als große Rarität unter dem Mantel herbeitragen oder andern hinreichen. Sie schienen alle kein Vertrauen, keine Lust, keine Anweisung zu haben und gar nicht zu wissen, um was es sich handle. Es war ein Jammer. Schon war der ganze Vorderteil der Kirche herunter, und nur das Allerheiligste stand noch. Ich war sehr betrübt und dachte immer: Wo bleibt denn der Mann, den ich sonst mit rotem Kleide und weißer Fahne rettend auf der Kirche stehen sah?

Da erblickte ich aber eine majestätische Frau über den großen Platz vor der Kirche wandeln. Ihren weiten Mantel hatte sie mit beiden Armen gefasst und schwebte leise in die Höhe. Sie stand auf der Kuppel und breitete weit über den ganzen Raum der Kirche ihren Mantel, der wie von Gold strahlte. Die Abbrechenden hatten eben ein wenig Ruhe gegeben. Nun wollten sie wieder heran, konnten sich aber auf keine Weise dem Mantelraume nähern. Aber von der andern Seite entstand eine ungeheure Tätigkeit der Aufbauenden. Es kamen ganz alte, krüppelige, vergessene Männer und viele kräftige, junge Leute, Weiber und Kinder, Geistliche und Weltliche, und der Bau war bald wieder ganz hergestellt. Nun sah ich einen neuen Papst mit einer Prozession kommen. Er war jünger und viel strenger als der vorige. Man empfing ihn mit großer Feierlichkeit. Es war, als solle er die Kirche einweihen, aber ich hörte eine Stimme, es brauche keine neue Weihe, das Allerheiligste sei stehen geblieben. Es sollte eben ein doppeltes, großes Kirchenfest sein, ein allgemeines Jubiläum und die Herstellung der Kirche. Ehe der Papst das Fest begann, hatte er schon seine Leute vorbereitet, welche aus den Versammelten ganz ohne Widerspruch eine Menge vornehmer und geringer Geistlichen ausstießen und forttaten. Und ich sah, dass sie mit Grimm und Murren die Versammlung verließen. Und er nahm sich ganz andere Leute in seinen Dienst, geistliche und auch weltliche. Dann begann die große Feierlichkeit in der St. Peterskirche.


30. Dezember 1819
A.-K. Emmerick: Wieder sah ich die Peterskirche mit ihrer hohen Kuppel. Michael stand auf ihr leuchtend in blutrotem Gewand, mit einer großen Kriegsfahne in der Hand. Auf der Erde war großer Streit. Grüne und Blaue kämpften gegen Weiße, und diese Weißen, welche ein rotes, feuriges Schwert über sich stehen hatten, schienen ganz zu erliegen; alle aber wussten nicht, warum sie kämpften. Die Kirche war ganz blutrot wie der Engel, und mir wurde gesagt: "Sie wird im Blute gewaschen." Je länger der Kampf währte, um so mehr wich die rote Blutfarbe von der Kirche, und sie ward immer durchscheinender. Der Engel aber stieg nieder und trat zu den Weißen, und ich sah ihn vielfach vor allen Haufen. Da ergriff sie ein wunderbarer Mut, sie wussten nicht woher; er war es, der unter die Feinde schlug, und diese flohen nach allen Seiten. Über den siegenden Weißen war nun das feurige Schwert verschwunden. Während des Kampfes liefen fortwährend Haufen der Gegner zu ihnen über und einmal eine ganz große Menge. Über dem Kampfe erschienen auch Scharen der Heiligen in der Luft, welche zeigten und mit Händen deuteten und winkten, alle verschieden und doch aus und in und zu einem Geiste.

Als der Engel vom Dach der Kirche niedergestiegen war, sah ich über demselben im Himmel ein großes, leuchtendes Kreuz, an welchem der Heiland hing, aus dessen Wunden leuchtende Strahlenbüschel sich über die Welt verbreiteten. Die Wunden waren rot wie glänzende Tore mit sonnengelber Mitte. Er trug keine Dornenkrone; aber aus allen Kopfwunden schossen Strahlen horizontal in die Welt. Die Strahlen aus den Händen, der Seite und den Füßen schossen regenbogenfarbig und teilten sich haarfein und auch mehrere vereint nach Dörfern, Städten, Häusern durch die ganze Welt. Ich sah sie hie und da, fern und nah, auf allerlei Strebende fallen und die Seelen einsaugen, welche in einer dieser Farben hinanglitten in die Wunde des Herrn. Die Strahlen der Seitenwunde strömten auf die unten stehende Kirche in einem sehr reichen und breiten Strom nieder. Die Kirche leuchtete ganz davon, und durch diesen Strahlenguss sah ich die meisten Seelen eingehen in den Herrn.

Ich sah aber auch ein rotes, leuchtendes Herz am Himmel schweben, aus welchem eine weiße Strahlenbahn in die Seitenwunde führte, und von welchem sich eine andere Strahlenbahn über die Kirche und viele Gegenden ausbreitete; und diese Strahlen saugten sehr viele Seelen ein, welche durch das Herz und die Lichtbahn in die Seite Jesu eingingen. Es wurde mir gesagt, MARIA sei dieses Herz. Außer diesen Strahlen sah ich aus allen Wunden Leitern sich gegen die Erde senken; einige reichten nicht ganz hinab. Diese Leitern waren verschieden gestaltet, schmal, breit, nah- und weitsprossig. Sie standen einzeln und auch gehäuft, es mögen wohl an dreißig gewesen sein. Sie waren von den Farben des Reinigungsortes dunkel und heller, grau, bis hinan immer mehr sich lichtend. Auf diesen sah ich viele Seelen mühsam hinanklettern. Manche stiegen rasch, als hätten sie Hilfe in stetem Fortschreiten, andere drängten sich verwirrt und fielen darüber wieder auf niedrigere Stufen, und einige fielen ganz in Nacht. Das mühsame Aufklettern war sehr rührend gegen das freudige Einsaugen zu betrachten. Es schien, als ob die stets und mit Hilfe Aufsteigenden der Kirche verwandter seien als die Gehinderten und Stockenden, Harrenden, Verlassenen, Stürzenden. Ich sah auch viele jener Seelen, welche in dem Kampfe blieben, jede ihre Bahn in den Leib des Herrn nehmen. Hinter dem Kreuz aber, in den tiefen Himmel hinein, sah ich ganze Scharen von ferner und ferner vorbereitenden Bildern des Erlösungswerkes, die ich nicht aussprechen kann. Es war, als wären sie die Stationen des Weges der göttlichen Gnade durch die Geschichte der Welt bis zu ihrer Erfüllung in der Erlösung. Ich stand nicht auf einem Punkt. Ich bewegte mich durch und zwischen den Strahlen umher und sah alles. Ach, ich sah Unermessliches, Unbeschreibliches.

Als der Kampf auf Erden getilgt war, waren die Kirche und der Engel, der nun verschwand, weiß und leuchtend geworden. Auch das Kreuz verschwand, und an seiner Statt stand eine hohe, leuchtende Frau auf der Kirche und breitete ihren goldenen, strahlenden Mantel weit über sie aus. Unter der Kirche erschien gegenseitige Demütigung und Versöhnung. Ich sah Bischöfe und Hirten sich nähern und ihre Bücher auswechseln, und die Sekten erkannten die Kirche durch den wunderbaren Sieg und durch die Lichter der Offenbarung, welche sie selbst auf sie hatten strahlen gesehen. Diese Lichter waren aus den Strahlen des Springquells des Sees, der aus Johannes war. Als ich diese Vereinigung sah, kriegte ich eine tiefe Empfindung von der Nähe des Reiches Gottes. Ich fühlte einen Glanz und ein höheres Leben in der Natur und eine heilige Bewegtheit in allen Menschen, wie zur Zeit der nahen Geburt des Herrn, und ich fühlte die Nähe des Reiches Gottes so, dass ich ihm entgegenzulaufen und zu jauchzen gezwungen war. (...)

Ich sah nun in der Kirche, welche nach dem überstandenen Kampf ganz wie eine Sonne strahlte, ein großes Fest. Ich sah viele Prozessionen hineinziehen. Ich sah einen neuen, sehr ernsten und strengen Papst. Ich sah vor dem Beginn des Festes sehr viele Bischöfe und Hirten verstoßen von ihm, weil sie schlecht waren. Ich sah dieses Fest in der Kirche besonders von den heiligen Aposteln mitfeiern. Da sah ich das 'Herr, zukomme uns dein Reich' recht nahe. Es war, als sehe ich himmlische, leuchtende Gärten von oben niedersteigen und sich mit auf Erden entzündeten Plätzen vereinigen und unten alles in ein ursprüngliches Licht eintauchen. Die Feinde, welche aus dem Kampf geflohen waren, wurden nicht verfolgt, aber sie schieden sich ab. Diese Kirchenbilder gingen nun in ein großes Gesicht vom himmlischen Jerusalem über.

Ich sah in die schimmernden Straßen der Gottesstadt voll glänzender Paläste und Gärten, in denen sich zahllose Scharen von Heiligen Gott lobend und auf die Kirche einwirkend bewegen. Im himmlischen Jerusalem ist keine Kirche; Christus selbst ist die Kirche. Maria thront über der Gottesstadt und über ihr Christus und die heiligste Dreifaltigkeit. Von ihr fällt wie Tau des Lichtes auf Maria, das sich von ihr niederbreitet über die ganze heilige Stadt. Ich sah unter der Gottesstadt die Peterskirche und frohlockte, dass sie trotz aller Nachlässigkeit der Menschen doch immer das wahre Licht von oben in sich empfängt. Ich sah die Wege, die zum himmlischen Jerusalem führen, und sah die heiligen Hirten, welche aus ihren Herden die vollendeten Seelen dahin geleiten. Diese Bahnen waren nicht sehr voll.

Ich sah auch meinen Weg nach der Stadt Gottes und sah von ihm aus wie aus der Mitte eines weiten Kreises alle, denen ich irgendwie geholfen habe. Da sah ich alle Kinder und Arme, denen ich Kleidungsstücke verfertigt hatte, und wunderte und freute mich besonders über die vielerlei Moden, in denen ich schon geschneidert hatte. Dann sah ich auch alle Bilder aus meinem Leben, in welchem ich nur irgendeinem Menschen genützt hatte durch Rat, Beispiel, Unterstützung, Gebet, Leiden; und ich sah den Vorteil, den sie daraus gezogen hatten, in Form von Gärten vorgestellt, welche ihnen daraus erwachsen waren. Sie hatten diese Gärten auf verschiedene Weise bewahrt, fortgepflegt oder verderben lassen. Und ich sah einen jeden, dem ich jemals einen Eindruck gemacht, was daraus geworden sei.


Oktober 1820
Vom Anfang August bis Ende Oktober 1820 war Anna Katharina in zusammenhängenden Gebeten und Fürbitten für den Heiligen Vater, welche durch ein umfassendes Gesicht eingeleitet wurden. Der Zustand der ganzen Kirche wurde ihr, wie immer in solchen Gesichten, im Bilde der Peterskirche gezeigt, und das in ununterbrochenem Vernichtungskampfe gegen sie begriffene, über den ganzen Erdkreis verzweigte Reich des Widerchrists. Dieses empfängt seine Signatur von dem apokalyptischen Tier, das, aus dem Meere gestiegen, zum Kampf gegen die Herde Christi antreibt.

A.-K. Emmerick: Ich sehe neue Märtyrer, nicht von jetzt, sondern in der Zukunft; aber ich sehe sie schon drängen. Ich sah Leute immerfort an der großen Kirche herunterbrechen und sah ein abscheuliches Tier, aus dem Meere gestiegen, bei ihnen. Es hatte einen Schweif wie ein Fisch und Pratzen wie ein Löwe und viele Köpfe, die um einen großen Kopf so kraus wie eine Krone standen. Sein Maul war groß und rot. Es war gefleckt wie ein Tiger und war ganz vertraut mit den Abbrechenden. Es lag oft mitten unter ihnen, während sie arbeiteten; auch gingen sie zu ihm in die Höhle, in welcher es sich manchmal verbarg. Währenddessen sah ich hie und da durch die ganze Welt viele gute, fromme Leute und besonders Geistliche gequält, eingekerkert und gedrückt werden, und hatte die Empfindung, sie würden einstens neue Märtyrer werden. Als die Kirche schon weit herabgerissen war, so dass nur der Chor mit dem Altar noch stand, sah ich diese Abbrecher mit dem Tier in die Kirche dringen, und hier fanden sie ein großes, herrliches Weib. Es war, als sei es gesegneten Leibes, denn es ging nur langsam; die Feinde erschraken sehr darüber, und das Tier konnte keinen Schritt weiter. Es streckte seinen Hals ganz grimmig nach dem Weibe aus, als wollte es dasselbe verschlingen. Das Weib aber wendete sich und fiel nieder auf sein Antlitz. Ich sah nun das Tier wieder gegen das Meer fliehen, und die Feinde liefen verwirrt durcheinander; denn ich sah nun rings um die Kirche aus der Ferne große Kreise sich herannahen auf der Erde und auch oben im Himmel. Der erste bestand aus Jünglingen und Jungfrauen, der zweite aus Eheleuten jeden Standes, Königen und Königinnen, der dritte aus Ordensleuten, der vierte aus Kriegsleuten. Vor diesen sah ich einen auf einem weißen Pferde. Und der letzte Kreis bestand aus Bürgern und Bauern, unter denen viele mit einem roten Kreuz an der Stirn gezeichnet waren. Während sie nahten, wurden Gefangene und Bedrängte befreit und zogen mit ihnen; aber alle die Abbrechenden und Verschworenen wurden von allen Orten vor ihnen zusammengetrieben und waren, ohne zu wissen wie, auf einem Haufen nun beisammen und ganz verwirrt und voll Nebel. Sie wussten weder, was sie getan, noch was sie tun sollten, und rannten mit den Köpfen gegeneinander, wie ich sie oft tun sehe.

Als sie alle auf einem Haufen waren, sah ich sie ihre Arbeit am Kirchenabbruch aufgeben und sich in die Kreise verlieren. Ich sah aber nun die Kirche schnell wieder aufgebaut und in schönerem Glanze als je; denn es reichten sich die Leute aus allen Kreisen von einem Ende der Welt bis zum andern Steine zu. Als die Kreise unten sich näherten, trat der innere zurück hinter die andern. Es war, als stellten sie verschiedene Arbeiten des Gebetes vor, und der Soldatenkreis die des Krieges. Es schienen mir in diesem Kreise Feind und Freund aller Völker. Es waren lauter Kriegsleute unserer Art und Farbe. Der Kreis war aber nicht geschlossen, sondern hatte gegen Mitternacht eine breite, dunkle Lücke wie ein Loch, einen Absturz. Es ging so ins Dunkel abwärts wie im Paradies, wo Adam hinauseilte. Es war mir, als liege dahin ein finsteres Land. Ich sah auch einen Teil aus diesem Kreise zurückbleiben, er wollte nicht vorwärts, und alle standen dicht und finster aufeinander. Unter allen diesen Kreisen sah ich viele Menschen, welche für Jesus Märtyrer werden würden; denn es waren noch viele Böse darunter, und es würde noch eine andere Scheidung kommen. Ich sah aber die Kirche ganz hergestellt und über ihr das Lamm Gottes auf einem Berge und einen Kreis von Jungfrauen mit Palmen darum, und ebenso die fünf Kreise von himmlischen Scharen, wie unten von irdischen; sie waren mit diesen zugleich herangezogen und wirkten mit ihnen. Um das Lamm standen die vier apokalyptischen heiligen Tierbilder.


10. August 1820
A.-K. Emmerick: Ich sehe den Heiligen Vater in großer Bedrängnis. Er bewohnt einen andern Palast und lässt nur wenige Vertraute vor sich. Würde die schlechte Partei ihre große Stärke kennen, sie wäre schon losgebrochen. Ich fürchte, der Heilige Vater wird vor seinem Ende noch große Drangsale leiden müssen. Die schwarze Afterkirche sehe ich im Wachsen und in üblem Einfluss auf die Gesinnung. Die Not des Heiligen Vaters und der Kirche ist wirklich so groß, dass man Tag und Nacht zu Gott flehen muss Es ist mir viel zu beten aufgetragen für die Kirche und den Papst... Ich ward diese Nacht nach Rom geführt, wo der Heilige Vater in großer Bedrängnis noch verborgen ist, um üblen Zumutungen zu entgehen. Er ist sehr schwach und von Trauer, Sorge und Gebet ganz erschöpft. Er hat sich hauptsächlich verborgen, weil er vielen nicht mehr trauen kann. Es ist aber ein alter, einfältiger, sehr frommer Priester bei ihm, der sein Freund ist, und den man als einfältig gar nicht der Mühe wert gehalten, ihn aus seiner Nähe wegzuschaffen. Dieser Mann aber hat viele Gnaden von Gott. Er sieht und merkt vieles und teilt es dem Heiligen Vater treulich mit. Diesem musste ich mehreres im Gebet eröffnen über Verräter und schlecht Gesinnte unter den vertrautesten hohen Beamten des Heiligen Vaters, das er ihm hinterbringen musste Auf diese Weise ist er vor dem gewarnt, der bis jetzt alles machte, und er wird nichts mehr machen. Der Papst ist so schwach, dass er allein nicht mehr gehen kann.


25. August 1820
A.-K. Emmerick: Ich weiß nicht mehr, wie ich heute Nacht nach Rom kam, aber ich befand mich bei der Kirche Maria Maggiore und sah viele arme und fromme Leute, welche in großer Angst und Sorge waren wegen der Verborgenheit des Papstes, der Unruhen und besorgniserregenden Reden in der Stadt, sich der Kirche nahen, um zur Mutter Gottes zu flehen. Die Leute schienen nicht zu erwarten, dass die Kirche sich öffnen würde; sie wollten nur draußen flehen. Ein innerer, gemeinsamer Antrieb hatte sie hergeführt. Ich war aber in der Kirche und öffnete die Tür, die Leute gingen bange und erstaunt über die sich öffnende Tür hinein. Und es war mir, als stände ich dahinter, und sie sähen mich nicht. Es war kein Gottesdienst in der Kirche, es brannten nur die ewigen Lampen. Die Leute aber beteten ganz ruhig. Und ich sah die Mutter Gottes erscheinen, welche sagte, die Not werde groß sein; die Leute sollten eifrig beten und mit ausgestreckten Armen, wenn sie es auch nur drei Vater unser lang vermöchten. Ihr Sohn habe am Kreuz auch so für sie gebetet. Sie sollten um Mitternacht aufstehen und so beten. Sie sollten immer hierher in ihre Kirche kommen, die Tür sollten sie offen finden. Sie sollten besonders beten, dass die finstere Kirche hier wegkomme. Die Soldaten, welche herannahten, würden auch kein Heil bringen, sondern Not und Verwüstung, denn der Krieg würde ohne Gebet und ohne Priester geführt. Sie sagte vieles und was nur schwer zu sagen ist, dass, wenn nur ein Priester das unblutige Opfer ganz in der Würde und Gesinnung darbrächte, wie die Apostel getan, so könnte er alle Not abwenden. Ich weiß nicht, dass die Leute in der Kirche diese Erscheinung sahen, aber sie mussten doch durch etwas Übernatürliches bewegt sein; denn als die heilige Jungfrau sagte, sie sollten mit ausgebreiteten Armen zu Gott flehen, hoben sie alle die Arme empor. Es waren alle diese Leute gut und fromm und wussten keinen Rat noch Hilfe. Es war kein Verräter, kein Feind unter ihnen, und doch waren sie bange und scheu voreinander.


10. Oktober 1820
A.-K. Emmerick: Ich sah die Peterskirche, welche bis an den Chor und den Hauptaltar abgebrochen war. Michael stieg geschnürt und gerüstet in die Kirche nieder und wehrte mit seinem Schwerte vielen schlechten Hirten, die in sie eindringen wollten. Er trieb sie in einen dunkeln Winkel, da saßen sie nun und schauten sich an. Das Abgebrochene an der Kirche ward in wenigen Augenblicken mit leichtem Flechtwerk wieder zugebaut, so dass der Gottesdienst vollkommen gehalten werden konnte. Von außen her aber wurden von Priestern und Laien aus der ganzen Welt die Mauern wieder von Steinen aufgeführt, denn die festen Grundsteine hatten die Abbrechenden nicht erschüttern können. (Anna Katharina brachte nun ganze Nächte im Gebet mit ausgespannten Armen zu und hatte dabei sehr heftige Anfälle vom bösen Feind zu bestehen. Dreimal stürmte er in der ersten Nacht auf sie ein, sie zu erwürgen.)

Er warf mir von meiner Jugend an allerlei Fehler vor, welche ich nicht von ihm annahm. Ich fasste alle meine Reliquien zusammen und focht mit denselben gegen den Feind. Endlich saß ich in meinem Bett aufrecht und segnete nach allen Seiten mit der Kreuzpartikel, worauf ich Ruhe bekam. (Die darauf folgende Nacht brachte sie in gleichem Gebet zu, kämpfte aber so siegreich gegen den Feind, dass sie mehrmals das Te Deum sang.)


4. Oktober 1820
A.-K. Emmerick: Ich habe so entsetzlich kämpfen müssen wie nie zuvor. Ich bin schier erlegen; ich kann nicht sagen, wie verzweifelt ich gelitten habe. Es ist mir dieser Streit seit langem vorhergezeigt worden. Ich sah eine Person, welche von vielen Teufeln angefallen wurde und gegen sie kämpfte. Nun erkenne ich wohl, dass ich selbst diese Person war. Gegen eine ganze Schar von Teufeln muss ich streiten; sie reizen, wen und wie sie können, gegen mich an. Ich habe zu viel Gebet übernommen.

Wenn mir die Heiligen nicht beiständen, könnte ich es nicht aushalten, ich werde dann ganz kraftlos in den Kampf gestellt und soll siegen, und da wird es mir so schwer. Ich sehe den Teufel alles tun, um mich zuschanden zu machen. Er schickt mir dann auch immer Leute und Besuch von weit her, mich zu quälen und zu schwächen.

Als ich heute Nacht den hl. Franziskus in einem Gesicht des Papstes die Kirche tragen sah, sah ich hernach die Peterskirche von einem kleinen Mann auf den Schultern tragen, welcher etwas Jüdisches im Gesicht hatte. Es schien ganz gefährlich. Maria stand auf der Nordseite auf der Kirche und breitete schützend ihren Mantel aus. Der kleine Mann schien zusammenzubrechen. Er schien noch ein Laie und mir bekannt. Es sollten die Zwölfe, welche ich immer als neue Apostel sehe, ihm tragen helfen; aber sie kamen etwas zu langsam. Er schien schon zu sinken, da kamen sie endlich alle und traten unter, und es halfen viele Engel. Es war nur noch der Boden und das Hinterteil, das andere war alles von der geheimen Sekte und den Kirchendienern selbst abgebrochen. Sie trugen die Kirche auf einen andern Platz, und es war, als sänken mehrere Paläste wie Ährenfelder vor ihnen nieder.

Als ich die Peterskirche in ihrem abgebrochenen Zustande sah und wie so viele Geistliche auch an dem Werk der Zerstörung arbeiteten, ohne dass es einer vor dem andern öffentlich wollte getan haben, da empfand ich solche Betrübnis darüber, dass ich heftig zu Jesus schrie, er solle sich erbarmen. Und ich sah meinen himmlischen Bräutigam vor mir wie einen Jüngling, und er sprach lange mit mir. Er sagte auch, dieses Wegtragen der Kirche bedeute, dass sie scheinbar ganz sinken werde; dass sie aber auf diesen Trägern ruhe und aus ihnen wieder hervorgehen werde; wenn auch nur ein katholischer Christ noch übrig sei, könne die Kirche wieder siegen, denn sie sei nicht im Verstande und Rate der Menschen gegründet. Er zeigte mir nun, wie es nie an Betern und Leidenden für die Kirche gefehlt. Er zeigte mir alles, was er für die Kirche gelitten, und wie er den Verdiensten und Arbeiten der Märtyrer Kraft gegeben und wie er nochmals alles leiden würde, so er noch leiden könnte. Er zeigte mir auch in unzähligen Bildern das ganze elende Treiben der Christen und Geistlichen in immer weiteren und weiteren Kreisen durch die ganze Welt bis zu meiner Heimat und ermahnte mich zu ausharrendem Gebet und Leiden. Es war dieses ein unbeschreiblich großes, trauriges Bild, das nicht auszusprechen ist. Es wurde mir auch gezeigt, dass schier keine Christen im alten Sinne mehr da sind. Ich bin sehr betrübt durch dieses Bild.


7. Oktober 1820
A.-K. Emmerick: Ich habe eine große Arbeitsreise gemacht. Ich war in Rom in den Katakomben. Ich sah das Leben eines Märtyrers, der mit vielen da heimlich lebte. Er hatte viele bekehrt, er war nicht lange nach Thekla; ich habe seinen Namen vergessen. Schon als Knabe ging er mit frommen Frauen in die Katakomben und Gefängnisse, die Christen zu trösten. Er wurde mit vielen gemartert. Er war auch eine Zeit lang in einer Einsiedelei verborgen. Er litt große Marter und wurde zuletzt enthauptet; er trug sein Haupt von dannen, ich weiß die Geschichte nicht mehr recht. Ich war mit Franziska Romana und eben diesem Märtyrer in den Katakomben in einem Keller, dessen ganzer Boden voll leuchtender Blumen stand. Es waren dieses die Blüten der Schmerzen dieses Märtyrers und seiner Genossen, welche da umgekommen. Es standen da besonders viele schöne weiße Rosen, und ich sah auf einmal, dass eine davon an meiner Brust steckte (die Reliquie dieses Heiligen). Ich war noch an vielen Orten, wo ich unzählige Blumen sah, lauter Schmerzen der Märtyrer, welche ich für die Kirche in der jetzigen Not in Anspruch nahm.

Als ich mit Franziska und dem Heiligen durch Rom ging, sahen wir einen großen Palast (Vatikan) von oben bis unten in Flammen stehen. Ich war sehr bang, die Einwohner möchten verbrennen, es löschte niemand; als wir aber nahten, hörte die Flamme auf, und das Haus war schwarz und brandig. Wir gingen durch viele prächtige Säle und kamen zu dem Papst. Er saß im Dunkel und schlief in einem großen Stuhl; er war sehr krank und ohnmächtig, er konnte nicht mehr gehen. Vor der Tür gingen etliche Leute auf und ab. Die Geistlichen, welche zunächst um ihn wohnten, gefielen mir nicht gut, sie schienen falsch und lau. Die frommen, einfältigen, die ich manchmal bei ihm sehe, waren in einem entfernteren Teil des Hauses. Ich sprach lange mit ihm, und ich kann nicht sagen, wie sehr wirklich anwesend ich mir schien; denn ich war unbeschreiblich schwach, und die bei mir waren, mussten mich immer unterstützen. Ich sagte ihm von den Bischöfen, die jetzt eingesetzt werden sollen. Ich sprach auch noch mit dem Papst, dass er Rom nicht verlassen dürfe, es werde dann alles in Verwirrung geraten. Er aber meinte, die Gefahr sei doch nicht zu vermeiden, und er müsse weggehen, um sich und vieles zu retten. Er war sehr geneigt und beredt, Rom zu verlassen. Franziska sprach noch viel länger mit ihm. Ich war ganz ohnmächtig und schwach, meine Begleiter unterstützten mich. Ich sah Rom so elend, dass der kleinste Funke alles entzünden könnte. Sizilien sah ich ganz finster und gräulich, und dass noch alle Leute fliehen, die können.

Ich sehe die Kirche ganz einsam, wie ganz verlassen. Es ist, als fliehen sie alle. Alles um sie her ist im Streit. Überall sah ich große Not und Hass, Verrat und Erbitterung, Unruhe, Hilflosigkeit und völlige Blindheit. Von einer dunkeln Mitte aus sehe ich Boten senden, da und dort etwas zu verkünden, das schwarz aus ihrem Munde geht und bitter auf die Brust der Zuhörer fällt und Hass und Grimm entzündet. Ich bete eifrig für die Bedrängten. Über Orte, wo einzelne beten, sehe ich Licht niederfallen, über andere schwarze Finsternis kommen. Der Zustand ist schrecklich. Ich habe so gefleht. Gott muss sich erbarmen. O Stadt, o Stadt (Rom), was droht dir! Der Sturm ist nahe. Nimm dich in acht! Aber ich hoffe, du wirst fest bleiben.


Quellenangabe A.-K. Emmerick
Entnommen aus dem Buch "Geheimnisse des Alten und des Neuen Bundes"

von Anna Katharina Emmerick.

 

 
 

 

Zitat von Anna Katharina Emmerich:
"Alles, was der Mensch denkt,
spricht und tut, hat in sich etwas Lebendiges,
das fortwirkt
zum Guten
oder zum Bösen.

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