Untermenü

Gottes Gesetz und die Freiheit

   
   





  
Wer kann fliegen?
Woher kennen wir Gesetze?
GOTTES Lehrer als Helfer
GOTTES GEBOTE
Was befiehlt GOTT im Gesetz?
Strafe aus Liebe
Gib mir die Gnade!

Der Mensch wurde von GOTT aus dem Nichts geschaffen und wird nur durch GOTTES Willen von einem Augenblick zum andern am Leben erhalten. GOTTES Wille ist die Ursache der menschlichen Existenz; so muss GOTTES Wille auch das Gesetz seiner Existenz sein. Dem Gesetz nicht zu gehorchen ist Sünde; zu glauben, wir könnten durch Ungehorsam etwas gewinnen, ist Torheit. Niemand zweifelt, dass es im Universum Gesetze gibt; das Gravitationsgesetz ist ein Beispiel, die Gesetze der Ernährung ein anderes. So wie wir diese Gesetze erkennen und befolgen, gewinnen wir Freiheit. Wem dieser Gedanke neu ist, der halte hier inne.

 

Wer kann fliegen?

Freiheit ist immer verbunden mit Gehorsam gegenüber Gottes Gesetz; es gibt keine Freiheit von diesen Gesetzen, nur innerhalb ihrer. Jedes neue Gesetz, das wir erkennen, vermehrt unsere Freiheit. Wir lernen die Gesetze der Schwerkraft, der Luftzirkulation, der Bewegung von Körpern, und schliesslich können wir fliegen. Wir lernen, welche Elemente für unsere Ernährung notwendig sind, und gewisse Beschwerden verschwinden. Ebenso wahr ist, dass es auch für die menschliche Seele Gesetze gibt, moralische Gesetze. Derselbe Gott, der das Gravitationsgesetz schuf, machte Gesetze, die Gerechtigkeit und Reinheit betreffen. Die physikalischen Gesetze gelten nicht nur für jene, die sie annehmen —das neugeborene Baby kann sterben, weil es nicht die richtigen Vitamine bekommt, oder weil es irgendwo herunterfällt. Dasselbe gilt für die Moralgesetze. Weil beide Arten Gesetze sind, können wir sie nicht brechen. Wie könnten wir das Gravitationsgesetz brechen? Wir können von einer Klippe springen; aber damit hätten wir das Gravitationsgesetz nicht ausser Kraft gesetzt, sondern bestätigt. Wir können die Gesetze nicht brechen, aber wenn wir sie ignorieren, können sie uns zerbrechen. In dieser Hinsicht verhalten sich die moralischen Gesetze wie die physikalischen. Wenn wir ihnen nicht gehorchen —auch aus Unwissenheit— wird unsere Natur immer Schaden nehmen. Wenn wir ihnen nicht gehorchen, obwohl wir wissen, dass Gott es uns befohlen hat, dann führt das zur Sünde, der schlimmsten denkbaren Schädigung unserer Person.

 

Woher kennen wir Gesetze?                     top

Wenn die moralischen Gesetze für den Menschen so wichtig sind, woher weiss er dann von ihnen? Wir erfahren von ihnen auf zwei Wegen: durch das Zeugnis unserer Natur und wenn Menschen uns unterweisen, die berechtigt sind, im Namen GOTTES zu sprechen. Fragen wir zuerst die Natur. Als Gott die Geschöpfe machte, baute er die Gesetze ihres Wesens in sie ein, genau wie jemand, der ein Auto konstruiert. Er baut seine Maschine so, dass sie läuft: mit Wasser im Kühler, mit Benzin im Tank, mit Getriebe... Gott machte unseren Leib mit Lungen, die Luft verbrauchen und mit einem komplizierten Mechanismus, der für Luft sorgt usw. Er gab uns Kräfte und ein Empfinden dafür, dass es notwendig ist, diese Kräfte auch auszuüben; so baute er seine Gesetze in unseren Leib ein; wenn wir ihnen gehorchen, sind wir gesund. Ebenso baute Gott seine Gesetze auch in unsere Seelen ein. Die Gesetze, nach denen wir gerecht und rein sein und ihn verehren sollen, sind so wirklich für die Seele wie die Gesetze der Ernährung für den Leib. Wenn wir ihnen gehorchen, ist die Seele gesund. Wenn wir die Gesetze missachten, nach denen unser Auto funktioniert, dann steht es still. Wenn wir die Gesetze missachten, nach denen unser Leib eingerichtet ist, haben wir Schmerzen, schliesslich sterben wir. Die Gewissensbisse der Seele gleichen dem fremden Geräusch im Motor und den Schmerzen im Körper; sie sind ein Protest gegen den Missbrauch.

So zeigt die Seele an, dass die Gesetze ihres Schöpfers missachtet wurden. Dieser Schmerz in der Seele gleicht keinem anderen —jenes intensive Bewusstsein davon, dass wir etwas hätten unterlassen sollen, dass es uns nicht nur schadet, sondern unrecht ist. Selbst wenn das Tun scheinbar Vergnügen macht und Gewinn bringt —wenn wir etwa jemandem sein Geld oder seine Frau wegnehmen, so verdirbt dieser innere Protest das Vergnügen und macht den Gewinn fragwürdig. Dies allein ist aber noch keine ausreichende Führung; wir sind nicht mehr so, wie Gott uns gemacht hat; die Generationen vor uns haben unser Gewissen verändert, falsche Gewohnheiten und Vorstellungen sind uns zur zweiten Natur geworden, indem sie ursprüngliche Äußerungen unserer Natur zum Schweigen brachten. Sicher meldet sich die innere Stimme bei den meisten Gelegenheiten; aber manchmal schweigt sie auch.

 

GOTTES Lehrer als Helfer                                     top

Um ganz sicher zu gehen, brauchen wir die Weisungen der dafür von Gott bestellten Lehrer. Das Gewissen ist das praktische moralische Urteil des Menschen, das Urteil über Recht oder Unrecht des eigenen Tuns. Der Mensch bringt sein Urteil in Übereinstimmung mit Gottes Gesetz, das ihm auf dem einen oder anderen der beiden Wege bekannt geworden ist. Wie wir nur von Gott zuverlässig die Gesetze erfahren können, nach denen wir leben sollen, so können wir auch nur von Gott zuverlässig den Sinn unseres Lebens erfahren. Wir können nichts verständig benutzen, wenn wir nicht wissen, wozu es dient. Alles benutzen die Menschen selbstverständlich nach Vorschrift, nur sich selbst nicht. Aber auch für den Menschen gibt es klare Gebrauchsanweisungen. Wir können unser eigenes Leben nicht verständig handhaben oder das der anderen verständig beeinflussen, wenn wir nicht wissen, wozu der Mensch da ist. Hier ist nicht der Platz, diesen Gedankengang zu entwickeln, aber man sollte darüber nachdenken. Wenn wir das Ziel nicht kennen, das der Mensch zu erreichen hat, dann können wir unser Leben nicht danach ausrichten oder anderen helfen, es danach auszurichten. Spazieren auf dem Lebensweg ohne zu wissen wo das Ziel ist, heisst mit Blindheit geschlagen sein. Unser Schöpfer hat uns gesagt, wozu er uns gemacht hat: um zur vollen Entwicklung all unserer Kräfte und zur vollkommenen Vereinigung mit ihm zu gelangen.

Kurz: Die obersten Fähigkeiten des Menschen sind die Vernunft, mit der er erkennt, und der Wille, mir dem er liebt (und entsprechend seiner Liebe wählt). Der Gegenstand der Vernunft ist die Wahrheit, der des Willens das Gute. Unsere Vernunft soll zur vollkommenen Erkenntnis der höchsten Wahrheit gelangen, die Gott ist. Unsere Liebe soll zur vollkommenen Liebe des höchsten Gutes gelangen, das Gott ist. Indem wir Gott erkennen und lieben, erfüllen wir den Sinn, um dessentwillen Gott uns geschaffen hat. Was wir niemals vermuten könnten, ohne dass ER es uns gesagt hätte: Was Erkenntnis und Liebe einmal sein sollen!

top

GOTTES GEBOTE  

L.P. Als der Herr die Gebote am Berge Sinai verkündete, als das ganze Volk die Donnerschläge, die Blitze, den Posaunenschall und den rauchenden Berg wahrnahm, fürchtete es sich und blieb in der Ferne stehen. Sie sagten zu Moses: «Rede du mit uns, so wollen wir hören, GOTT aber möge nicht mit uns sprechen; sonst sind wir des Todes!» Das ganze Volk antwortete einstimmig: «Alles was der Herr befiehlt, wollen wir tun» (Ex 20, 18f). Sprechen auch wir zu GOTT, wie das auserwählte Volk zu Moses sprach.

top

Was befiehlt GOTT im Gesetz?  Was verbietet ER?

Warum fordert er die Unterwerfung seiner Geschöpfe? Welche Verwegenheit und Verblendung sind es auf Seiten des Menschen, Gott diese Unterwerfung zu verweigern?

Gott fordert auf der 1. Gesetzestafel, auf der die drei Gebote stehen, die IHN selbst betreffen, die höchste Gottesverehrung in Geist und Wahrheit, in Worten und Werken. Auf der 2. Gesetzestafel, auf der die sieben Gebote unserer Pflichten gegen den Nächsten eingeschlagen sind, verbietet er jegliches Unrecht an der Person, am Eigentum und an der Ehre des Nächsten. 

Was ist gerechter, was vernünftiger, als dem Herrn und Schöpfer der Welt die schuldige Ehre und den Nebenmenschen jene Liebe zu erweisen, die wir selbst von andern zu erfahren wünschen! Die 10 Gebote sind eigentlich etwas Selbstverständliches für den Menschen. Sie sind Seinsgebote. Sie wurden auf Sinai in Tafeln geschlagen, damit wir sie vor Augen hätten. In Wirklichkeit sind sie schon tief in unser Herz geschrieben. Ohne Gottesverehrung und Achtung vor den Rechten der Mitmenschen ist ja eine menschliche Gemeinschaft ganz unmöglich. Mein Gott, wie beschämt es mich, dass ich Deinen Geboten so oft untreu gewesen bin. Ich musste ja gleichsam die Fäuste vor meine Augen halten, um Deine Gebote nicht zu erkennen, und mein Herz verleugnen, um sie zu verletzen. Ich war freiwillig blind, sonst hätte ich sie erkannt. Ich war undankbar, entartet, sonst hätte ich sie befolgt. Sie gehören ja zu unserer Natur wie das Blut zu unserm Leben. Welch herrliche Ordnung herrscht in einem Herzen, das Dir unterworfen ist! Welche Unordnung dagegen stiftet der Ungehorsam! Ihm folgt ein Durcheinander schaudernder Verbrechen.

Wenn mich bisher Deine Barmherzigkeit, o Herr vor solchen Verirrungen bewahrt hat, so macht diese Güte meinen Undank gegen Dich auch in kleineren Dingen um so sträflicher. Vater im Himmel, Du kennst die eitlen Götzen, die ich neben Deiner heiligen Majestät verehre. Habe ich Dir nicht am Fusse Deiner Altäre hochheilige Treue geschworen? Wie schlecht habe ich sie gehalten! Immer wieder muss ich mich bei rein weltlichen Beschäftigungen ertappen. Wie gering ist meine Hochachtung vor Deinen Priestern. Sie sind doch wie Moses am Berge Sinai deine Stellvertreter auf Erden. Wie frivol habe ich mich oft dem heiligen Berge der Sakramente genaht, auf dem Du uns das grosse Gebot der Liebe unter Donnerschlägen und dem Bersten der Felsen gegeben hast. Ich war eitel, statt Dich zu ehren, ich kränkte meinen Nächsten, statt Dich in ihm zu lieben. Oft und oft gab ich Deinem Gesetz eine falsche Deutung, um die Unordnung meines Herzens zu beschönigen.

In diesem Abgrund der Bosheit befinde ich mich. Hilf mir, o Herr, dass ich herauskomme. Erbarme Dich meiner, o GOTT, nach Deiner grossen Barmherzigkeit, und nach d er Menge Deiner Erbarmungen tilge meine Missetat (Ps 50, 1f).

Strafe aus Liebe                                                      top

Hätten wir keine andere Begründung für unsern Gehorsam als diese, dass der Herr, unser Gott, uns das Gesetz gegeben hat, sie müsste genügen. Kann man denn gegen einen GoTT vorgehen, der nur die Güte will? Und dazu ist das Gebot GOTTES die beste Sicherung meines Heils in dieser Welt und im Jenseits. Sie ist Ausdruck der göttlichen Liebe zu uns. Dem, der es in Demut befolgt, erwirbt es alle Segnungen des Himmels. Seine Verächter aber trifft der Fluch. Eigentlich ist es beschämend für den Menschen, dass Gott die Erhaltung seiner und unserer Rechte mit Strafen sichern musste. Ja, man muss gestehen, o Herr, nur Deine Freunde sind zufrieden hier auf Erden. Nur sie haben den wahren Frieden. Nur sie haben im Grunde auch ein Recht, die Freuden dieser Welt zu erleben und in die ewige Seligkeit einzugehen. So gilt von ihnen: «Der verständige Mensch glaubt dem Gesetze GOTTES, und das Gesetz hält ihm auch Wort» (Sir 33,3). Wenn es heisst, das Gesetz hält ihm Wort, so besagt das nichts anderes, als dass der freie Mensch den Lohn des verheissenen ewigen Lebens erhält. Mein Gott, wie leicht ist es, in Deinem Dienste glücklich zu sein! Welch grosse Freude bedeutet es, hienieden Deinen Willen zu tun, wie unfassbar aber wird erst der Friede sein, der uns im Himmel erfüllt, wo wir Dich besitzen, ohne Dich jemals wieder zu verlieren, ohne sündigen zu können. Herr, lass uns Dir treu sein, rette uns!

Gib mir die Gnade!                                                 top

GOTTES Gebot kann man nur halten, wenn man es hochschätzt. Es muss in unserm Gedächtnis haften, damit wir uns seiner stets erinnern, es muss in unserm Geiste sein, damit wir es immer hochschätzen. Wir müssen es wollen, um es stets zu befolgen. Diesen Willensentschluss müssen wir oft erneuern. Sprechen wir mit David: «Ich habe geschworen und in allem Ernste beschlossen, o Herr, Deine gerechten Gesetze zu halten» (Ps 118,106). Wir wollen endlich unsern Herrn selbst zum Vorbild der unverletzlichen Anhänglichkeit an GOTTES Gebot nehmen. Es war seine Speise, den Willen des Vaters zu tun (Joh 4,34). Er war ihm gehorsam bis zum Tode, ja bis zum Tode am Kreuze (Phil 2, 8).

Sagen auch wir: «Es ist meine Lust, o mein Gott, Deinen Willen zu tun, und Dein Gesetz trage ich im Herzen“ (Ps 39, 9). Habe ich aber lange Zeit GOTTES Gebot nicht aus eigenen Kräften erfüllen können, so ist das notwendigste Mittel zur Treue gegen ihn seine Gnade. Wir wollen mit dem hl. Augustinus beten: <Gib mir die Gnade, o Herr, das zu tun, was Du mir befiehlst, und befiehl mir alles, was Du willst.»

An den Schluss dieser Betrachtung gehört das Wort aus dem Buche Ecclesiastes (12, 13): «Fürchte Gott und halte seine Gebote, denn das ist der ganze Mensch.» Es ist das ebenso wesentlich in der Ordnung der Übernatur als vernünftig in der Ordnung der Natur. Mein GOTT, mag ich auch an Geist, Vernunft und Menschenverstand noch so gut ausgerüstet sein, so bin ich dennoch kein voller Mensch, wenn ich Dir nicht gehorche und Deinem Gesetze nicht treu bin.

.Z/Ewig

  www.kath-zdw.ch back top