Hl. Johanna von Lestonnac
1556 - 1640
Heute vor 400 Jahren, am 7. April 1607,
bestätigte Papst Paul V. mit dem Breve "Salvatoris
et Domini" die "Gesellschaft der Töchter
Unserer Lieben Frau"
(heute: "La Compagnie de Marie Notre Dame"),
die von der hl. Johanna von Lestonnac
gegründet worden war.
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Johanna de Lestonnac wurde 1556 in
Bordeaux geboren. Ihre Mutter, Jeanne
Eyquem de Montaigne, war eine
Schwester des berühmten Philosophen
Michel de Montaigne
(1533 - 1592)
und versuchte, ihre Kinder im
calvinistischen Glauben zu erziehen -
bei Johanna erfolglos, was dieselbe
stets auf eine besondere Gnade Gottes
zurückführte. Mit dreizehn Jahren
wurde sie katholisch getauft.
Montaigne schrieb einmal über seine
Nichte: |
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"Es ist schwer zu sagen, ob bei meiner Nichte
die Schönheit des Leibes oder der Seele größer
sei; man kann aber in Wahrheit behaupten, daß
die Natur in ihr ein Meisterwerk geschaffen
hat, indem sie eine schöne Seele mit einem
adeligen Leibe vereinte"
(zitiert in: Ferdinand Baumann SJ, Pius XII.
erhob sie auf die Altäre, S. 65 f).
1573 heiratete Johanna Gaston von Montferrand
(Montferrat)
Baron de Landiras, der nach 23 Ehejahren
starb. Sie gebar acht Kinder, von denen drei
im Kindesalter starben. Zwei ihrer Töchter
traten in Orden der Annunziaten ein, den die
hl. Johanna von Valois 1501 gegründet hatte.
Sie selber schloß sich den Feuillantinnen ein,
dem von der Abtei Feuillans ausgehenden
Reformzweig der Zisterzienserinnen. Doch aus
gesundheitlichen Gründen mußte sie das Kloster
nach zehn Monaten wieder verlassen. Gott
tröstete sie mit der Aussicht, daß sie die
Mutter vieler geistlicher Töchter werden
würde. "Zugleich war ihr, als öffne sich vor
ihren Augen die Hölle und als riefen
umgezählte, von der Hölle bedrohte Seelen um
ihre Hilfe"
(Baumann, S. 67).
In ihr reifte der Plan, einen Orden zur
Erziehung der weiblichen Jugend zu gründen.
1605, als in Bordeaux die Pest wütete, suchte
sie die Kranken auf und pflegte sie.
Mit Hilfe des Jesuitenpaters Jean de Bordes
(1559 - 1620),
der am 23. Spetember 1605, noch bevor er die
Heilige kennengelernt hatte, während der hl.
Messe von Christus die Idee und den Impuls
empfing, einen Frauenorden zur Erziehung der
weiblichen Jugend ins Leben zu rufen, gründete
sie in Bordeaux 1606 den Orden der "Töchter
der Gesellschaft Unserer Lieben Frau", der
zunächst vom Erzbischof von Bordeaux anerkannt
wurde. Mit dem genannten Breve war es nach den
Ursulinen das zweite Mal in der Geschichte der
Kirche, dass ein weiblicher Orden mit dem
Erziehungsapostolat beauftragt wurde. "Wie
sehr ein solcher Orden dem Bedürfnis und den
Notwendigkeiten der damaligen Zeit
entgegenkam, geht schon daraus hervor, daß
gleichzeitig mehrere ähnliche
Frauenkongregationen ins Leben traten: so
wurden im Jahre 1600 die
(von der heiligen Angela Merici im Jahre 1535
gegründeten)
Ursulinen nach Frankreich verpflanzt. Im Jahre
1606 entstand die ‘Gesellschaft der heiligen
Ursula' von Dôle durch Anna de Xainctonge;
1600 hatte der heilige Pierre Fourier zusammen
mit Alix Leclerc in Lothringen die
‘Kongregation Unserer Lieben Frau' gegründet,
die 1615 vom Paul V. bestätigt wurde"
(Baumann, S. 67).
Ein weiteres Ziel war die Ausbreitung des
Glaubens nach dem Vorbild der Gesellschaft
Jesu. Ein wichtiges Mittel der intellektuellen
und spirituellen Formung waren der hl. Johanna
die
Ignatianischen Exerzitien,
die sie in kluger Weise der weiblichen
Mentalität anpaßte.
Bis 1622 leitete Johanna ihren Orden als
Oberin. In dieser Zeit breitete sich der Orden
über die Diözesangrenzen von Bordeaux hinweg
aus: 1616 Béziers, 1618 Poitiers und Le Puy,
1621 Périgueux und Agen, 1622 La Flèche und
Riom. Dann ließ Gott eine besondere Prüfung
zu: Eine geltungssüchtige Schwester namens
Blanche Hervé hetzte den Erzbischof von
Bordeaux gegen Johanna auf, so daß dieselbe
1622 nicht mehr zur Oberin gewählt wurde. An
ihre Stelle trat Schwester Blanche, die nun
die Heilige fortwährend durch ungerechte
Maßnahmen quälte und diskriminierte, bis sie
sich am 26. Dezember 1624 plötzlich bekehrte:
Sie kniete vor ihr nieder und bat sie um
Verzeihung.

Die hl. Johanna von Lestonnac starb am 2.
Februar 1640. Zu diesem Zeitpunkt besaß ihr
Orden 30 Häuser. 1650 wurde das erste Kloster
in Spanien, in Barcelona, gegründet. Im 18.
Jahrhundert kamen Gründungen in Mexiko,
Argentinien, Kolumbien und Kuba hinzu. Im 20.
Jahrhundert erreichte der Orden auch Afrika
und Asien. Heute umfaßt er etwa 2000
Schwestern und ist in 27 Ländern in Europa
(Frankreich, Spanien, Belgien, Italien,
Großbritannien, Niederlande und Albanien),
Amerika, Afrika und Asien
(Japan und Philippinen)
verbreitet. Johanna wurde am 23. September
1900 selig-, am 15. Mai 1949 heiliggespochen.