Kreuzweg
"Mein Jesus, ich danke Dir für das Buch, das Du vor den Augen meiner Seele aufgeschlagen hast.
Das Buch ist Dein Leiden, das Du aus Liebe zu mir auf Dich genommen hast.
Aus diesem Buch habe ich gelernt, Gott und die Seelen zu lieben.
Es enthält unermeßliche Schätze für uns.
O Jesus, so wenige Seelen begreifen Dich in Deinem Leiden aus Liebe!"

Hl. Schwester Faustyna - Tagebuch, 304

   
   





 

 

  
In der Kreuzwegandacht wird der Schmerzen gedacht, die unser Göttlicher Erlöser auf seinem Weg vom Haus des Pilatus, wo Er zum Tode verurteilt wurde, bis zum Kalvarienberg, wo Er zu unserem Heil am Kreuz gestorben ist, erlitten hat.

Der heilige Kreuzweg

Vorbereitung
Herr, in dieser Stunde will ich Deines heiligen Kreuzweges gedenken. Du bist ihn gegangen im Gehorsam gegen den himmlischen Vater und aus Liebe zu mir. Das Schwerste hast Du auf Dich genommen, um mir den unendlichen Wert meiner Seele, die Größe der Sünde und die Macht Deiner Liebe zu zeigen. Lasse mich an der Stätte Deines Erlöserleidens dankbar werden für Dein Kostbares Blut. Diese Betrachtung möge mir helfen, den Kreuzweg in meinem Leben mit derselben Gesinnung zu gehen, wie Du ihn gegangen bist.


1. Station:
Jesus wird zum Tode verurteilt.

Wir beten Dich an, Herr Jesus Christus, und sagen Dir Dank. Denn durch Dein heiliges Kreuz hast Du die ganze Welt erlöst.
Gott ist unerforschlich in Seinen Ratschlüssen und unbegreiflich in Seinen Wegen: Pilatus darf über das Leben des Gottmenschen urteilen. Aus Menschenfurcht spricht er ein ungerechtes Urteil; Jesus hört darin die Stimme Seines himmlischen Vaters und schweigt. Es fällt uns schwer, erlittenes Unrecht schweigend hinzunehmen. Einmal kommt der Tag, das Gericht; da wird Jesus nicht mehr schweigen, sondern reden. Wir werden dann horchen und gehorchen müssen. - Herr lehre mich im Leben stiller werden und geduldig, auch wenn mich ein Unrecht schwer trifft. Gib mir etwas von Deiner Gesinnung!
Gekreuzigter Herr Jesus Christus!
Erbarme Dich unser!

 

2. Station:
Jesus nimmt das Kreuz auf Seine Schultern.

Wir beten Dich an, Herr Jesus Christus, und sagen Dir Dank. Denn durch Dein heiliges Kreuz hast Du die ganze Welt erlöst.
Isaias sagt von Jesus, dem Messias, voraus: "Ein Sohn ist uns geschenkt, auf seinen Schultern ruht die Weltherrschaft." Nun ruht das durch unsere Sünden gezimmerte Kreuz auf diesen blutenden Schultern. Weil die Sünde die Herrschaft an sich gerissen, muß der Herr das Kreuz tragen. Er trägt die Last der anderen und ruft uns zur Nachfolge auf: Nehmt Mein Joch auf euch, meine Bürde ist leicht, wer Mein Jünger sein will, nehme jeden Tag sein Kreuz auf sich und folge Mir nach. Wie bitter schmerzt es uns, wenn wir die Schuld anderer auf uns nehmen sollen. Aber so wird die Welt erlöst, so werden die Seelen gerettet: durch anderer Leiden und Opfer. - Herr, gib mir die Kraft, die Leiden, die Du mir schickst, entschlossen zu tragen und auch der Mitmenschen Last tragen zu helfen!
Gekreuzigter Herr Jesus Christus!
Erbarme Dich unser!


3. Station:
Jesus fällt zum erstenmal unter dem Kreuz.

Wir beten Dich an, Herr Jesus Christus, und sagen Dir Dank. Denn durch Dein heiliges Kreuz hast Du die ganze Welt erlöst.
Welche Unbegreiflichkeit: Die Allmacht des Gottmenschen ist zur Ohnmacht des Menschensohnes geworden. Wie schwer lastet unsere, meine Sünde auf Ihm. Unsere verdiente Züchtigung liegt auf Ihm. Gott hat Ihn mit meinen Sünden geschlagen. Der Herr nimmt mich sehr ernst. Dieser erste Fall Jesu unter dem Kreuze zeigt mir anschaulich, was die Sünde ist: sie stößt Gott von sich. Die Sünde ist mehr als menschlich-verzeihliche Schwäche, sie ist eine Tat des Menschen mit erhobener Faust gegen Gott. - Herr, Du blutest auf der Erde für mich und ich nehme es mir nicht zu Herzen. Nimm mich lieber aus dieser Welt, als daß ich je einmal schwer sündige. -
Gekreuzigter Herr Jesus Christus!
Erbarme Dich unser!


4. Station:
Jesus begegnet Seiner Mutter.

Wir beten Dich an, Herr Jesus Christus, und sagen Dir Dank. Denn durch Dein heiliges Kreuz hast Du die ganze Welt erlöst.
Die Mutter! Zwei heilige Seelen begegnen sich im größten Leid: Jesus, der von der Sünde nichts wußte und die Mutter, die voll der Gnade ist. Das Geheimnis des unverschuldeten Leidens! Mutter und Sohn sind aber im Leiden nicht irre geworden am Vater im Himmel. Sie fragen nicht nach dem Warum. Vor Gott muß unser Murren verstummen und der Hader muß schweigend in gefaltete Händen gelegt werden. Gott ist die Liebe, ob er wohl- oder wehtut. Nun wissen wir, daß der Herr und Seine Mutter uns in jedem Leid verstehen, weil sie alles durchgemacht haben. - Herr, Du hast in Deiner Begegnung mit der Mutter Trost gefunden. Ich darf mich an sie, als Trösterin der Betrübten, wenden. Lehre mich, liebevoll Rücksicht zu nehmen auf die Leiden der Menschen.
Gekreuzigter Herr Jesus Christus!
Erbarme Dich unser!


5. Station:
Simon von Cyrene hilft Jesus das Kreuz tragen.

Wir beten Dich an, Herr Jesus Christus, und sagen Dir Dank. Denn durch Dein heiliges Kreuz hast Du die ganze Welt erlöst.
Als der Herr Wunder über Wunder wirkte an Kranken und Toten, als Er Brot vermehrte und Kinder segnete, drängte sich alles Volk an Ihn heran. Jetzt im Leiden, ist es still um Ihn geworden. Er ist verlassen vom Vater im Himmel, von Seinen Freunden und von Seinem Volke. "Nur Schmähung und Leid hat Mein Herz zu erwarten, da schau Ich aus, ob jemand Mitleid habe, niemand ist da; einen Tröster such' Ich, keinen find' Ich." Jesus will auf Simon von Cyrene angewiesen sein. Die Allmacht läßt sich helfen. Es ist die größte Ehre, die Gott uns Menschen erweisen konnte, daß Er uns zur Mitarbeit beruft. In jedem leidenden Menschen schaut uns das Bild des kreuztragenden Herrn an. Wieviel Gelegenheit habe ich, meine Liebe zu Gott im Dienst am Nächsten zu beweisen. Es ist leichter, zu geben, als zu empfangen. - Herr öffne mir den Blick für das Leid meiner Mitmenschen. Lasse mich nicht herzlos, vorübergehen am Schicksal der Armen.
Gekreuzigter Herr Jesus Christus!
Erbarme Dich unser!


6. Station:
Veronika reicht Jesus das Schweißtuch.

Wir beten Dich an, Herr Jesus Christus, und sagen Dir Dank. Denn durch Dein heiliges Kreuz hast Du die ganze Welt erlöst.
Aus der Reihe der teilnahmslosen Menschen tritt Veronika mit einem Schweißtuch vor den Herrn. Dafür erhält sie das Bild des Meisters zurück. Es ist aber ein Bild des blutigen Leidens. So ist der Herr. Wenn wir Ihm etwas schenken, lohnt Er es vielmals zurück; Gott dankt den Menschen. Gott will auch durch mich den Menschen danken. Gott übersieht und überhört und übergeht keinen Dienst helfender Liebe. - Herr, Du hast uns berufen, Deinem Bilde ähnlich zu werden. Präge Dein Bild tief in mich ein und zeige mir, wie schön und wichtig es ist, zu danken.
Gekreuzigter Herr Jesus Christus!
Erbarme Dich unser!


7. Station:
Jesus fällt zum zweitenmal unter dem Kreuz.

Wir beten Dich an, Herr Jesus Christus, und sagen Dir Dank. Denn durch Dein heiliges Kreuz hast Du die ganze Welt erlöst.
Mensch sein heißt: schwach sein. Ich bereue meine Sünden und falle wieder in dieselben zurück. Was der Mensch heute anbetet, kann er morgen schon wieder verleugnen. Wegen meiner vielen rückfälligen Sünden fällt der Herr zum zweitenmal. Der immer sich wiederholende Kampf und die Plage macht mich schnell müde und verzagt. Das wußte der Herr; so wollte Er auch dies durchmachen. Er hebt mich immer wieder auf. Was bliebe meiner Seele noch, wenn ich Ihn nicht mehr hätte! - Herr, bewahre mich vor mir selber, denn wenn Du mir die Gnade nicht gibst, bin ich zu allem fähig.
Gekreuzigter Herr Jesus Christus!
Erbarme Dich unser!


8. Station:
Jesus und die weinenden Frauen von Jerusalem.

Wir beten Dich an, Herr Jesus Christus, und sagen Dir Dank. Denn durch Dein heiliges Kreuz hast Du die ganze Welt erlöst.
Bis jetzt hat der Herr nichts gesagt auf dem Kreuzweg: weder eine Klage noch eine Frage. Er redet nicht von Sich, von Seinen Leiden. Seine Gedanken sind vielmehr bei uns. Beim Anblick der weinenden Frauen löst Er das Schweigen: "Weinet nicht über Mich, weinet über euch, über eure Kinder." Jesus will nicht Mitleid, fromme Gefühle, schöne Worte. Es kommt auf die Tat an. Wir wollen über die Leiden des Volkes, um die Sünder und Sünde weinen. Die Sünde ist schuld an Seinem Leiden. Vor Jerusalem weint der Herr wegen der verschmähten Liebe und der verlorenen Gnaden. - Herr, muß es Dich reuen, mich erschaffen, erlöst zu haben und für mich das Blut vergossen zu haben? Was denkst Du von mir? Bringe aus der Härte meines Herzens die Tränen der Reue hervor, daß ich meine Sünden beweine.
Gekreuzigter Herr Jesus Christus!
Erbarme Dich unser!


9. Station:
Jesus fällt zum drittenmal unter dem Kreuz.

Wir beten Dich an, Herr Jesus Christus, und sagen Dir Dank. Denn durch Dein heiliges Kreuz hast Du die ganze Welt erlöst.
Mit der Größe und Zahl meiner Sünden wächst das Leiden des Herrn. Er sieht die Sünden aller Menschen zu allen Zeiten, an allen Orten und das vielfache "Umsonst" Seines Blutvergießens. Als der Herr kam, nahmen Ihn die Seinigen nicht auf und es fand sich kein Platz in der Herberge. Viele Herzen blieben verschlossen gegenüber Seiner Frohbotschaft. Gegen Jerusalem muß Er die Klage und Anklage erheben, du hast nicht gewollt. Wie gerne wäre der Herr hier liegen geblieben, um endlich einmal auszuruhen, aber Sein drängendes Herz ließ Ihm keine Ruhe. Die wahre Liebe will nicht Halt machen mitten auf dem Wege. Jesus will mich nicht als verloren aufgeben. Er unternimmt den letzten Versuch. - Herr, ich danke Dir, daß Du nicht irre geworden bist an meiner bisherigen Untreue. Sei wegen Deines heiligen Blutes barmherzig zu allen Menschen, auch zu jenen, die die Finsternis mehr lieben als das Licht.
Gekreuzigter Herr Jesus Christus!
Erbarme Dich unser!


10. Station:
Jesus wird Seiner Kleider beraubt.

Wir beten Dich an, Herr Jesus Christus, und sagen Dir Dank. Denn durch Dein heiliges Kreuz hast Du die ganze Welt erlöst.
Bei der Menschwerdung hat der Herr das Kleid der Herrlichkeit, das Ihm der Vater von Ewigkeit her gegeben, abgelegt und hat Knechtsgestalt angenommen. Jetzt gibt Er das Gewand noch her, das Ihm die eigene Mutter gewoben. So gab Er alles, was Er vom Vater und von der Mutter hatte. Sein ganzes Erbteil, um uns damit auszustatten: das hochzeitliche Gewand der Gnade! Er hat alles gegeben, Er darf auch alles fordern: eine Liebe aus allen Kräften, aus ganzer Seele und aus ganzem, ungeteiltem Herzen. Der Herr mag keine geteilten Herzen. - Herr, Deine Wunden bluten aufs neue! Durch Deine Wunden werden wir geheilt. Hilf mir, Dich endlich so zu lieben, wie Du geliebt zu werden verdienst.
Gekreuzigter Herr Jesus Christus!
Erbarme Dich unser!


11. Station:
Jesus wird an das Kreuz genagelt.

Wir beten Dich an, Herr Jesus Christus, und sagen Dir Dank. Denn durch Dein heiliges Kreuz hast Du die ganze Welt erlöst.
Als der Herr Mensch wurde, hatte Jerusalem keinen Platz und keine Zeit und keine Liebe für Ihn. Zum Sterben hängt man Ihn an ein Kreuz zwischen Himmel und Erde. Er hatte nichts, worauf Er Sein Haupt hätte legen können. Seine segnenden Hände ruhen nun an den Nägeln, Seine Liebe aber kann nicht ausgelöscht und unmöglich gemacht werden. Er wird mit den Lippen bald nichts mehr sagen können, dafür sprechen Seine Wunden und Sein Blut! "Wenn ich am Kreuz erhöht bin, werde ich alles an mich ziehen" (Joh 12, 32). Nägel und Wunden sind Werk meiner Sünden. - Herr, ich verberge mein Angesicht in die Hände und bereue tief meine Schuld! Mir kommt nun das Wort des Völkerapostels in den Sinn: "Alle jene, die schwer sündigen, kreuzigen für sich aufs neue den Sohn Gottes!"
Gekreuzigter Herr Jesus Christus!
Erbarme Dich unser!


12. Station:
Jesus stirbt am Kreuz.

Wir beten Dich an, Herr Jesus Christus, und sagen Dir Dank. Denn durch Dein heiliges Kreuz hast Du die ganze Welt erlöst.
Wie merkwürdig! Der Herr nennt sich "das Leben" und will, "daß alle durch Ihn das Leben in Überfülle haben" - und stirbt! Das Samenkorn ist in die Erde gefallen und bringt viele Frucht: die Erlösung im Kostbaren Blute! Der am Holze siegte, sollte auch am Holze besiegt werden! Vom Baum im Paradies kam der Tod, vom Kreuzesbaum kommt das Leben. Der Ungehorsam des ersten Adam ist gesühnt durch das Opfer des Gehorsams des zweiten Adam: Jesus Christus. Unser Tod ist durch Seinen Tod verklärt: Er ist eine Reliquie in Ihm. - Herr, nun bist Du verblutet! Dein Kostbares Blut wird aber für mich "der Strom des lebendigen Wassers ins ewige Leben". Ich kann nur danken.
Gekreuzigter Herr Jesus Christus!
Erbarme Dich unser!


13. Station:
Jesus wird vom Kreuze abgenommen.
 
Wir beten Dich an, Herr Jesus Christus, und sagen Dir Dank. Denn durch Dein heiliges Kreuz hast Du die ganze Welt erlöst.
Der Karfreitag des Herrn ist zu Ende. Man nimmt den Leichnam vom Kreuze und legt ihn in die Arme Mariens.
Maria verehrt die heiligen Wunden und das Kostbare Blut. Die Einsicht des Hauptmanns und die Reue des Volkes kommen zu spät. Jetzt sprechen die Elemente der Natur: die Felsen, die bebende Erde, die verfinsterte Sonne und der Tempelvorhang. Was denke ich unter dem Kreuze meines Herrn? Ich bete Sein heiliges Blut an. Meine Karwoche dauert noch an, aber auch ich werde einmal vom Kreuz des Lebens und des Berufes abgenommen. Es geht alles vorüber - nur die Ewigkeit nicht. Maria blieb ihrem Gelübde, Magd des Herrn zu sein, treu. Still und wortlos hat sie ausgehalten. solange der Vater wollte. - Herr, lehre mich immer mehr, einzusehen, daß es nur auf den Willen des Vaters ankommt. Wenn ich mein "Ja" zu ihm spreche, dann darf ich von Liebe zu Dir sprechen, sonst nicht.
Gekreuzigter Herr Jesus Christus!
Erbarme Dich unser!


14. Station:
Jesus wird ins Grab gelegt.

Wir beten Dich an, Herr Jesus Christus, und sagen Dir Dank. Denn durch Dein heiliges Kreuz hast Du die ganze Welt erlöst.
Nun ist es ganz still geworden. Wenige Getreue tragen den Herrn zu Grab. Die Hoffnung selber steigt nun nieder in die Hoffnungslosigkeit des Grabes. Nun gibt es keine Hoffnungslosigkeit mehr auf Erden. Über diesem Zug liegt ein stiller Friede: der Friede siegreicher Vollendung. Bald kommt die Zeit der Herrlichkeit, denn das Grab ist nicht die letzte Stätte und der Tod nicht das letzte Wort, sondern die Auferstehung und das Leben. "Wenn wir mit Christus leiden und in den Tod gehen, werden wir auch mit ihm auferstehen und verherrlicht werden." - Herr, das Felsengrab, in welchem Du ruhst, ist nun der Tabernakel; dort darf ich Deinen heiligsten Leib und Dein Kostbares Blut anbeten, ja, ich darf durch den Besitz Deiner Erlösungsgnaden selber ein lebendiger Tempel sein. Noch ist der Weg zum ewigen Leben eng und die Pforte schmal, aber Dein Kostbares Blut wird mich retten. Gehe Du mit mir den Kreuzweg meines Lebens, dann finde ich heim zum Vater.
Gekreuzigter Herr Jesus Christus!
Erbarme Dich unser!

 

(So oft man in reumütiger Gesinnung und ordnungsgemäß den hl. Kreuzweg betend geht, gewinnt man einen vollkommenen Ablaß; einen weiteren vollkommenen Ablaß, wenn man an demselben Tage zum Tische des Herrn geht.)
 

Vollkommener Ablass für den Kreuzweg

Demjenigen Christgläubigen, der die fromme Übung der Kreuzwegandacht verrichtet, wird ein VOLLKOMMENER Ablass gewährt. In der Kreuzwegandacht wird der Schmerzen gedacht, die unser Göttlicher Erlöser auf seinem Weg vom Haus des Pilatus, wo Er zum Tode verurteilt wurde, bis zum Kalvarienberg, wo Er zu unserem Heil am Kreuz gestorben ist, erlitten hat. Für die Gewinnung des vollkommenen Ablasses gilt:

1. Die Andacht muss an den dafür vorgesehenen Kreuzwegstationen verrichtet werden.
2. Zur Errichtung eines Kreuzweges sind 14 Kreuze erforderlich, denen meist Tafeln oder Bilder beigefügt werden, welche die Leidensstationen von Jerusalem darstellen.
3. Üblicherweise gehört zum Kreuzweg die Lesung von 14 Schriftstellen, auf welche jeweils Gebete folgen. Zum geistlich fruchtbaren Vollzug der Kreuzwegandacht genügt aber auch die Betrachtung des Leidens und Sterbens des Herrn, OHNE dass jeweils ausdrücklich die einzelnen Stationsgeheimnisse berücksichtigt werden.
4. Zur Verrichtung der Kreuzwegandacht gehört das Gehen von der einen zur nächsten Station. Wenn beim gemeinsamen (öffentlichen) Vollzug nicht alle Teilnehmer ohne Schwierigkeiten mitgehen können, genügt es, wenn der Vorbeter sich zu den einzelnen Stationen begibt und die übrigen an ihren Plätzen bleiben.
5. Gläubigen, denen der Mitvollzug der Kreuzwegandacht aus einsichtigem Grund nicht möglich ist, können denselben Ablass gewinnen, wenn sie in geistlicher Lesung und Betrachtung des Leidens und Sterbens unseres Herrn Jesus Christus wenigstens eine gewisse Zeit (Viertelstunde) verharren.
6. Der Kreuzwegandacht können – im Hinblick auf die Ablassgewährung – auch andere von der kirchlichen Autorität approbierte fromme Übungen entsprechen, die dem Gedächtnis des Leidens und Sterbens unseres Herrn dienen und gleichfalls in 14 Stationen aufgebaut sind.
7. Für die Orientalen, die diese Übung der Kreuzwegandacht nicht kennen, können die Patriarchen zur Gewinnung dieses Ablasses eine andere Frömmigkeitsform zum Gedächtnis an das Leiden und Sterben unseres Herrn Jesus Christus bestimmen.

 

 

 

Der heilige Kreuzweg

Aus dem antiquarischen Buch 
Geistliches Senfkörnlein
1869

Betrachtung des bitteren Leidens und Sterbens Jesu Christi.

 

Der heilige Kreuzweg

welchen unser Herr und Heiland Jesus Christus mit dem Kreuz beladen vom Richterhaus des Pilatus bis auf den Kalvarienberg gegangen ist.

Vorbereitungsgebet.

Ich armer sündiger Mensch falle auf meine Knie zur Erde nieder und in tiefster Demut bete ich meinen Herrn und Gott an. An Dich glaube ich, auf Dich hoffe ich, Dich liebe ich über alles und darum ist mir von Herzen leid, weil ich Dich, das höchste, unendlich liebenswürdigste Gut, jemals beleidigt habe. Zu Deiner grösseren Ehre, zu meinem Heil und zur Erlangung aller heiligen Ablässe, die für die heilige Kreuzwegandacht verliehen worden sind, will ich diese Andacht jetzt vornehmen, und mit Deiner Gnade würdig vollenden.

Erste Station

Jesus wird zum Tode verurteilt.

Ich bete Dich an, o Herr Jesus Christus, und benedeie Dich, denn durch Dein heiliges Kreuz und Dein unschuldiges Sterben hast Du uns, und die ganze Welt erlöst.

Betrachtung.

Der unschuldige Jesus, der niemals ein Übel getan, der wird zum Tode verurteilt und zwar zum schmählichsten Tod am Kreuz; damit Pilatus für einen Freund des Kaisers gehalten werde, übergibt er Jesum dem Willen seiner Feinde, damit sie ihn nach Belieben töten könnten. Eine entsetzliche Lastertat, die Unschuld zum Tode verdammen und Gott missfallen, damit man den Menschen gefalle.

Anmutung.

Ach unschuldigster Jesus, ich habe gesündigt, und den Tod verschuldet, damit ich aber lebe, nimmst Du das Todesurteil willig an. Wie soll ich denn künftig leben können, als Dir allein, o Jesus? Solange ich den Menschen zu gefallen suche, kann ich Dein Diener nicht sein, und so will ich denn den Menschen und der Welt missfallen, damit ich Dir gefalle. Amen.

Vater unser. Ave Maria.

Gekreuzigter Herr Jesus! erbarme Dich meiner.

 

 

Zweite Station.

Jesus nimmt das Kreuz auf seine Schultern.

Ich bete Dich an, o Herr Jesus Christus, und benedeie Dich, denn durch Dein heiliges Kreuz und Dein unschuldiges Sterben hast Du uns, und die ganze Welt erlöst.

Betrachtung.

Als Jesus das Kreuz erblickte, hat er nach demselben mit grösster Begierde seine blutigen Arme ausgestreckt, hat es liebreich umfangen, herzlich geküsst und mit Freude auf seine Schultern genommen; und obwohl er schon todmüde gewesen, hat er doch gefrohlockt, gleich einem Riesen seinen Weg zu laufen.

Anmutung.

Sollte ich wohl ein Freund Jesu Christi sein können, wenn ich ein Feind des Kreuzes bin? O liebes, o gutes Kreuz, ich umfange Dich, ich küsse Dich, ich nehme Dich mit Freuden von der Hand Gottes an. Es sei fern von mir, dass ich mich in etwas rühme, als im Kreuz. Durch dieses soll mir die Welt und ich der Welt gekreuzigt sein, damit ich, o Jesus, allein Dein sei. Amen.

Vater unser. Ave Maria.

Gekreuzigter Herr Jesus, erbarme Dich meiner.

 

Dritte Station.

Jesus fällt das erste Mal unter dem Kreuz.

Ich bete Dich an, o Herr Jesus Christus, und benedeie Dich, denn durch Dein heiliges Kreuz und Dein unschuldiges Sterben hast Du uns, und die ganze Welt erlöst.

Betrachtung.

Als der liebe Heiland das Kreuz auf den Schultern daher trug, wurde er durch dessen Schwere zu Boden gedrückt und er tat einen schmerzlichen Fall. Nämlich meine Sünden und Missetaten sind wie eine schwere Last auf ihn überhäuft worden und haben ihn zu Boden gedrückt. Eine leichte und süsse Bürde war ihm das Kreuz, eine schwere und fast unerträgliche Last waren ihm unsere Sünden.

Anmutung.

O mein Jesus, Du hast meine Bürde auf Dich genommen und die schwere Last meiner Sünden getragen, warum soll denn nicht auch ich Dein Joch auf mich nehmen, damit wir also einer des andern Last tragend, das Gesetz erfüllen. Dein Joch ist süss und Deine Bürde ist leicht, darum trage ich es gerne, und nehme auch willig mein Kreuz auf mich und folge Dir nach. Amen.

Vater unser. Ave Maria.

Gekreuzigter Herr Jesus, erbarme Dich meiner.

 

Vierte Station.

Jesus begegnet seiner betrübten Mutter.

Ich bete Dich an, o Herr Jesus Christus, und benedeie Dich, denn durch Dein heiliges Kreuz und Dein unschuldiges Sterben hast Du uns, und die ganze Welt erlöst.

Betrachtung.

Was muss das für ein trauriger Anblick gewesen sein, da die schmerzhafte Mutter Maria ihren liebsten Sohn Jesum Christum das schwere Kreuz daher tragen gesehen hat? Was für unaussprechliche Schmerzen wird sie in ihrem Herzen empfunden haben? Sie verlangte entweder für Jesus oder mit Jesus zu sterben. Bitte daher die schmerzhafte Mutter, dass sie auch Dir, mein Christ, bei Deinem Hinscheiden gnädig begegnen wolle.

Anmutung.

O Jesus, o Maria, ihr betrübteste Herzen! ich bin die Ursache eurer so grossen und vielen Schmerzen. Ach, dass auch mein Herz mit Schmerzen erfüllt würde. O betrübteste, schmerzhafte Mutter, teile mit mir Deine Schmerzen und lass mich Dein Herzeleid empfinden, damit ich mit Dir trauere und komme auch mir entgegen in der letzten Not bei meinem Absterben. Amen.

Vater unser. Ave Maria.

Gekreuzigter Herr Jesus, erbarme Dich meiner.

 

Fünfte Station.

Simon von Cyrene hilft Jesus das Kreuz tragen.

Ich bete Dich an, o Herr Jesus Christus, und benedeie Dich, denn durch Dein heiliges Kreuz und Dein unschuldiges Sterben hast Du uns, und die ganze Welt erlöst.

Betrachtung.

Simon von Cyrene wird gezwungen, dem todschwachen Jesus das Kreuz tragen zu helfen und Jesus nimmt ihn als einen Mitgehilfen, als einen Gespan des Kreuzes an. O wie gern würde er auch Dich, mein Christ, als ebensolchen Weggefährten annehmen, wenn Du nur wolltest! Er ruft Dich, aber Du gibst ihm kein Gehör, er ladet Dich ein, aber Du weigerst Dich. Schäme Dich, dass Du Dein Kreuz nur auf gezwungene Weise trägst.

Anmutung.

O Jesus, der Dein Kreuz nicht auf sich nimmt und Dir nicht nachfolgt, ist Deiner nicht wert, ich will Dir demnach das Kreuz tragen helfen, ich will Dir auf dem Kreuzesweg einen Gefährten und Gespan abgeben, in Deine blutigen Fussstapfen will ich eintreten und Dir nachfolgen, damit ich zu Dir einst in die ewige Herrlichkeit möge aufgenommen werden. Amen.

Vater unser, Ave Maria.

Gekreuzigter Herr Jesus ! erbarme Dich meiner.

 

Sechste Station.

Veronika reicht Jesus das Schweisstuch dar.

Ich bete Dich an, o Herr Jesus Christus, und benedeie Dich, denn durch Dein heiliges Kreuz und Dein unschuldiges Sterben hast Du uns, und die ganze Welt erlöst.

Betrachtung.

Veronika reicht Jesus aus Andacht und Mitleid den Schleier ihres Hauptes als ein Schweisstuch hin, damit er sein todbleiches, verspieenes und blutiges Angesicht möchte abtrocknen, er aber hat in dieses das Bildnis seines allerheiligsten Angesichtes eingedrückt. Ein kleiner Dienst, aber eine grosse Belohnung. Welchen Dienst und Dank für so grosse und so viele Wohltaten erweisest Du, mein Christ, Deinem göttlichen Heiland?

Anmutung.

O Jesus, was soll ich Dir vergelten für alles, was Du mir und für mich getan? Siehe, ich übergebe mich Dir ganz und gar zu Deinem Dienst, Dir opfere ich mein Herz, drücke Dein Bildnis tief in dasselbe hinein, damit dasselbe in Ewigkeit nicht mehr ausgelöscht werden könne. Amen.

Vater unser, Ave Maria,

Gekreuzigter Herr Jesus, erbarme Dich meiner.

 

Siebte Station.

Jesus fällt das zweite Mal unter dem Kreuz.

Ich bete Dich an, o Herr Jesus Christus, und benedeie Dich, denn durch Dein heiliges Kreuz und Dein unschuldiges Sterben hast Du uns, und die ganze Welt erlöst.

Betrachtung.

Es liegt der schmerzensvolle Jesus abermals unter der schweren Last des Kreuzes und mit seinem allerheiligsten Angesicht zur Erde; dennoch wird ihm von den unbarmherzigen Henkersknechten nicht ein Augenblick auszuruhen vergönnt, er wird wie ein Lasttier vom Boden aufgepeitscht und fortgetrieben. Solche Beschwernis machen also Jesus meine Sünden und ich sollte noch ferner Lust haben zu sündigen?

Anmutung.

O Jesus, erbarme Dich meiner, reiche mir Deine barmherzigen Hände und unterstütze mich, dass ich nicht mehr in die alten Sünden zurückfalle. Ich will jetzt einmal vollen Ernst machen und mich vor der Sünde hüten. Du mein Jesus, stärke mich mit Deiner Gnade, dass ich meinen Vorsatz nie mehr brechen möge. Amen.

Vater unser. Ave Maria.

Gekreuzigter Herr Jesus, erbarme Dich meiner.

 

Achte Station.

Jesus redet die weinenden Töchter von Jerusalem an.

Ich bete Dich an, o Herr Jesus Christus, und benedeie Dich, denn durch Dein heiliges Kreuz und Dein unschuldiges Sterben hast Du uns, und die ganze Welt erlöst.

Betrachtung.

Das andächtige Frauenvolk weint über den leidenden Heiland, er aber wendet sich zu ihnen und sagt: weinet nicht über mich, der ich unschuldig bin, sondern weinet über euch und eure Kinder, welche schuldig sind, über die begangenen Sünden weinet. So weine denn  auch Du, es ist Christo nichts angenehmer und Dir nichts nützlicher als die Zähren, welche aus Reue über die begangenen Sünden vergossen werden.

Anmutung.

O Jesus, wer wird meinem Haupt Wasser und meinen Augen genug Tränen geben, dass ich Tag und Nacht meine Sünden beweine? Ich bitte Dich durch Deine blutigen und bitteren Zähren, die unseretwegen vergossen, verleihe mir die Gnade, dass ich mein ganzes Leben hindurch meine Sünden recht bereuen möge, und über dieselben bittere Zähren vergiesse, damit Dein Leiden auch an mir armen Sünder zum ewigen Heil werden könne. Amen.

Vater unser. Ave Maria.

Gekreuzigter Herr Jesus, erbarme Dich meiner!

 

Neunte Station.

Jesus fällt zum dritten Mal unter das Kreuz.

Ich bete Dich an, o Herr Jesus Christus, und benedeie Dich, denn durch Dein heiliges Kreuz und Dein unschuldiges Sterben hast Du uns, und die ganze Welt erlöst.

Betrachtung.

Nachdem der abgemattete Jesus mit dem Kreuz am Kalvarienberg angelangt war, ist er abermals zu Boden gefallen, und es wäre kein Wunder gewesen, wenn er sein heiligstes Haupt ganz und gar zerquetscht hätte, doch aber wird solches nicht zerschlagen, denn seine Liebe zu uns war deswegen noch nicht zu Ende. Was muss es doch für eine entsetzliche und schwere Last um die Sünde sein? Jesus drücken sie so oft zu Boden, und mich, wenn nicht Jesus gewesen wäre, hätten sie gar in den höllischen Abgrund hinunter gestürzt.

Anmutung.

O barmherzigster Jesus, Dir sei unendlicher Dank gesagt, dass Du mich nicht in Sünden hast liegen lassen, und wie ich wohl verdient, mich in die Tiefe der Hölle hast fallen lassen. Entzünde in mir einen neuen Eifer zum Guten, erhalte mich beständig in Deiner Gnade, damit ich nimmermehr falle, sondern im Guten bis ans Ende standhaft verharren möge. Amen.

Vater unser. Ave Maria.

Gekreuzigter Herr Jesus, erbarme Dich meiner!

 

10 Station.

Jesus wird Seiner Kleider entblösst.

Ich bete Dich an, o Herr Jesus Christus, und benedeie Dich, denn durch Dein heiliges Kreuz und Dein unschuldiges Sterben hast Du uns, und die ganze Welt erlöst.

Betrachtung.

Es werden dem lieben Heiland seine Kleider ausgezogen, oder vielmehr hinweggerissen. Ach mit welch grossen Schmerzen! mit den Kleidern, welche in den Wunden und Blut angeklebt waren, wird auch die Haut mit hinweggerissen und alle Wunden erneuert. Die Kleider werden ihm ausgezogen, damit er nackt und entblösst sterben sollte. So musste der göttliche Heiland wohl noch viel schmerzlicher sterben; gut aber werde ich sterben, wenn ich den alten Menschen samt seinen bösen Begierlichkeiten werde ausgezogen haben.

Anmutung.

Es geschehe, o Jesus, dass ich den alten Menschen aus und einen Neuen anziehe, welcher nach Deinem Wohlgefallen, Wunsch und Willen ist. Sollte es mir auch noch so schmerzlich und empfindlich vorkommen, so will ich doch meinen Leib nicht schonen, von allem Irdischen und Zeitlichem entblösst, verlange ich zu sterben, damit ich mit Dir ewig lebe. Amen.

Vater unser. Ave Maria.

Gekreuzigter Herr Jesus, erbarme Dich meiner!

 

Elfte Station.

Jesus wird an das Kreuz genagelt.

Ich bete Dich an, o Herr Jesus Christus, und benedeie Dich, denn durch Dein heiliges Kreuz und Dein unschuldiges Sterben hast Du uns, und die ganze Welt erlöst.

Betrachtung.

Nachdem Jesus seiner Kleider entblösst worden ist, wird er am Kreuz peinlichst ausgestreckt und mit Händen und Füssen an dasselbe genagelt. O Schmerzen! o Marter! o Pein! und Jesus schweigt, weil es dem himmlischen Vater also gefallen; er überträgt es mit Geduld, weil er mir zu Liebe leidet. Wie verhältst Du Dich in Kreuz und Leiden? Was für eine Ungeduld erzeigest Du? Was für Klagen führst Du?

Anmutung.

O geduldigstes Lämmlein Jesus! ich verwerfe und verfluche meine Unvollkommenheiten und Ungeduld. Nimm mich hin, kreuzige mein Fleisch mit seinen Begierlichkeiten und Laster, schneide, brenne, kreuzige in diesem Leben, wie Du willst, auf dass Du mich ewig verschonest. Ich übergebe mich Dir völlig, in allem geschehe Dein allerheiligster Wille.

Vater unser. Ave Maria.

Gekreuzigter Herr Jesus, erbarme Dich meiner!

 

Zwölfte Station.

Jesus wird erhöht und stirbt am Kreuz.

Ich bete Dich an, o Herr Jesus Christus, und benedeie Dich, denn durch Dein heiliges Kreuz und Dein unschuldiges Sterben hast Du uns, und die ganze Welt erlöst.

Betrachtung.

Siehe Jesus am Kreuz, da hängt er nackt und bloss, jetzt kannst Du sehen die Wunden, so er aus Liebe für Dich empfangen hat. Die ganze Gestalt des gekreuzigten Jesus ist voll der Liebe. Das Haupt ist geneigt, Dich zu küssen, die Arme sind ausgespannt, Dich zu umfangen, das Herz ist offen, Dich einzuschliessen. O was ist das für eine Liebe? Jesus stirbt am Kreuz, damit der sündige Mensch lebe, und vom ewigen Tod erlöst werde.

Anmutung.

O allerliebster Jesus! wer wird mir geben, dass auch ich aus Liebe zu Dir sterben möge? Lass mich wenigstens der Welt gänzlich absterben. O wie wird mir diese Welt samt ihren Eitelkeiten zum Ekel und Überdruss, wenn ich Dich nackt und bloss am Kreuz hängen sehe. Nimm mich, o Jesus, in Dein geöffnetes Herz hinein, Dir will ich ganz und gar angehören. Nicht anders als Dir zu leben und zu sterben verlange ich.

Vater unser. Ave Maria.

Gekreuzigter Herr Jesus, erbarme Dich meiner!

 

Dreizehnte Station.

Jesus wird vom Kreuz abgenommen
und in den Schoss Mariens gelegt.

Ich bete Dich an, o Herr Jesus Christus, und benedeie Dich, denn durch Dein heiliges Kreuz und Dein unschuldiges Sterben hast Du uns, und die ganze Welt erlöst.

Betrachtung.

Vom Kreuz wollte Jesus nicht herabsteigen, sondern ist an demselben verharrt bis zum Ende; da er aber nach seinem Tod vom Kreuz herabgenommen wurde, hat er wie einst lebendig, also auch tot in den jungfräulichen Schoss Mariä, seiner liebsten Mutter, liegen wollen. Sei beständig im Guten und lass nicht vom Kreuz; wer verharrt bis ans Ende, der wird selig werden. Bedenke ferner, wie rein, wie keusch jenes Herz sein muss, in welches der zarte Fronleichnam Jesus Christi im allerheiligsten Sakrament des Altars empfangen wird.

Anmutung.

O Jesus, ich bitte Dich demütigst, lass mich von Deinem Kreuz nicht abnehmen; ich verlange an demselben zu leben und zu sterben. Erschaffe in mir ein reines Herz, damit ich mittels der heiligen Kommunion Deinen allerheiligsten Leib würdig empfangen möge, auf dass Du in mir und ich in Dir verbleibe und nimmermehr von Dir abgesondert werde. Amen.

Vater unser. Ave Maria.

Gekreuzigter Herr Jesus, erbarme Dich meiner!

 

Vierzehnte Station.

Der Leichnam Jesu wird ins Grab gelegt.

Ich bete Dich an, o Herr Jesus Christus, und benedeie Dich, denn durch Dein heiliges Kreuz und Dein unschuldiges Sterben hast Du uns, und die ganze Welt erlöst.

Betrachtung.

Es wird der Leichnam Jesus in ein fremdes Grab gelegt. Er, der nicht so viel hatte, wohin er sein Haupt hätte legen können, hatte  auch nicht einmal auf der Welt ein Grab, weil er nämlich von dieser Welt nicht war. Du, der Du so viel von dieser Welt hast, bist Du nicht von dieser Welt? Verachte die Welt, damit Du mit derselben nicht zu Grunde gehest.

Anmutung.

O Jesus, Du hast mich auserwählt von der Welt, was soll ich denn in der Welt suchen? Du hast mich zum Himmel erschaffen, was soll ich denn in der Welt verlangen? Fern sei von mir, o Welt mit Deinen Eitelkeiten, auf dem Kreuzweg, welchen mir mein Heiland und Erlöser mit seinen gebenedeiten Fussstapfen gebahnt, werde ich meinem Vaterland, dem Himmel, zuwandern, dort soll meine Wohnung sein in Ewigkeit. Amen.

Vater unser. Ave Maria.

Gekreuzigter Herr Jesus, erbarme Dich meiner!

 

Aufopferung.

O gütigster Jesus, ich sage Dir demütigsten Dank für die grosse Barmherzigkeit, welche Du mir auf diesem Kreuzweg verliehen hast.

Ich opfere Dir denselben auf zur Verzeihung meiner Sünden und Nachlassung der verdienten Strafen, zur Hilfe und zum Trost der armen Seelen im Fegfeuer. Endlich bitte ich Dich, o Jesus, Du wollest Dein allerheiligstes kostbares Blut, Dein Leiden und Sterben an mir nicht lassen verloren werden. Amen.

 

15 geheime Leiden und Schmerzen unseres Herrn Jesus Christus

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