|
Seit Wochen sind wir
Zeugen, Beteiligte und Leidende eines aufwühlenden
Streites innerhalb und außerhalb unserer Kirche. Es geht
um die Aufhebung einer Kirchenstrafe, um eine
unangebrachte Äußerung, um Beschimpfungen des Heiligen
Vaters und um Verdächtigungen unserer Kirche. Von allen
Seiten treten die alten Feinde der heiligen Religion zum
Sturme an. Nur vordergründig wird uns eingegeben und
vorgemacht, dass es um den Gnadenakt des Papstes geht.
In der Tiefe ist es ein Kampf um den christlichen, um
den katholischen Glauben. Die Feinde der Kirche wollen,
etwas vereinfacht dargestellt, nichts anderes, als
unsere Kirche in eine weitere protestantische
Denomination verwandeln. Bei diesem Bemühen muss zuerst
und zuoberst die Gestalt Jesu ihrer göttlichen Hoheit
entkleidet werden. Wenn sie fällt, stürzt alles andere
hinterher!
So setzen die
ungläubigen Theologen unserer Zeit dort an, wo die
ungläubigen Theologen des 19. Jahrhunderts aufgehört
hatten. Im Jahre 1835/36 ließ der protestantische
Theologe David Friedrich Strauß in Tübingen sein Buch
erscheinen: „Das Leben Jesu“. In diesem Buche wird Jesus
als eine mythische Gestalt dargestellt. Das heißt, was
in den Evangelien geschrieben steht, ist eine Verklärung
eines bloßen Menschen, ist eine künstliche Aufsteigerung
eines Menschen wie du und ich. Die Gestalt Jesu ist nach
Strauß von verblendeten Anhängern Jesu erfunden worden.
Diese Verirrungen haben bis heute ihre Nachahmer
gefunden.
Neben mir in Mainz hat der
protestantische Theologe Herbert Braun gelehrt. Und was
lehrte er? „Jesus ist ein jüdischer Lehrer und ein
Vorbild mit prophetischen Zügen.“
Ein jüdischer Lehrer und
ein Vorbild mit prophetischen Zügen. Mehr nicht, das ist
alles. Die Verfehlungen gegen die Wirklichkeit Jesu
haben auch im katholischen Lager ihre Anhänger gefunden.
In Saarbrücken lehrte jahrzehntelang der Irrlehrer Ohlig
Katholische Theologie. Und was lehrte er von Jesus?
„Jesus ist ein archetypisches Modell wahrer
Menschlichkeit.“ Ein archetypisches Modell wahrer
Menschlichkeit. Also ein echter Mensch, aber ein bloßer
Mensch.
In diese Reihe gehört
auch der Schweizer Theologe Hans Küng. Es wird wenige
Bestandteile der katholischen Glaubens- und Sittenlehre
geben, die Küng nicht anzweifelt oder ablehnt. Aber
davon soll heute nicht die Rede sein. Ich beschränke
mich darauf, seine Ansicht über Jesus Ihnen vorzutragen.
Seine Irrlehre fängt damit an,
dass er den
dreieinigen Gott leugnet. Er unterschiebt den Christen –
den Christen! – den Glauben an drei Götter. Gleichzeitig
zeigt er Sympathie für die Gotteslehre des Islam. Aus
der Leugnung des dreieinigen Gottes ergibt sich die
Zerstörung der Lehre von Christus. Jesus ist für Küng
ein persönlicher Botschafter, Vertrauter, Freund Gottes.
Botschafter, Vertrauter, Freund Gottes. Ja, meine lieben
Freunde, das sind sehr viele gewesen, das sind alle
Heiligen gewesen, Botschafter, Freunde und Vertraute
Gottes! Er nennt ihn auch einen „Sachwalter“. Sachwalter
ist auch Moses gewesen und sind die Propheten gewesen.
Die Apostel und die Bischöfe sind ebenfalls Sachwalter
Gottes. Offen geredet: Für Küng ist Christus nicht mehr
als ein Mensch. Er entkleidet den Heiland seiner
göttlichen Würde. Die Folge dieser Leugnung zeigt sich
im Inhalt der Predigt Jesu. Sie geht über eine Sache,
nicht über eine Person. „Nicht sich selbst verkündet
Jesus.“ Über diesen Satz wollen wir heute nachdenken.
Über diesen Satz von Küng: „Nicht sich selbst verkündet
Jesus.“ Ja, was verkündet er denn nach Küng? Den Vater
im Himmel, das Reich Gottes, aber nicht sich selbst
verkündet Jesus. Küng leugnet damit einen fundamentalen
Glaubenssatz unserer Kirche. Wer auch nur einen
Glaubenssatz leugnet, verfällt der Exkommunikation. Küng
ist der Exkommunikation wiederholt, immer wieder
verfallen. Aber kein Mensch kümmert sich darum. Kein
Bischof spricht davon, dass Küng ein Exkommunizierter
ist. Über die armen Kerle, die unerlaubt die
Bischofsweihe empfangen haben, fällt man her. Der
Theologe Küng leugnet grundwesentliche Wahrheiten des
christlichen Glaubens und wird nicht als
Exkommunizierter angesehen. Er eilt von Ehrung zu
Ehrung. Die Freimaurer geben ihm einen Preis und viele
andere.
Gegen die Verirrungen dieser bodenlosen
Theologie halten wir uns an die historischen Zeugnisse.
Mit geht es darum, zu zeigen, dass der Satz „Nicht sich
selbst verkündet Jesus“
grundfalsch ist. Er verfehlt das Wesen Jesu. Wir wollen
fragen: Wie hat sich Jesus von Nazareth verstanden? Der
Anspruch Jesu begegnet im Evangelium an vielen Stellen.
Zunächst bei der Heilung des Gelähmten. Sie kennen die
Geschichte. Vier Männer bringen einen Gelähmten zu
Jesus, lassen ihn durch das abgedeckte Dach des Hauses
vor ihn hin, und als Jesus ihren Glauben sieht, da sagt
er zu dem Gelähmten: „Mein Sohn, deine Sünden sind dir
vergeben.“ Die Schriftgelehrten, die dabeistehen, sind
entsetzt und denken im Stillen: Wie kann dieser Mensch
so reden? Er lästert Gott. Wer kann Sünden vergeben
außer Gott? Wie reagiert Jesus auf diese Einrede? Er
sagt zu den Schriftgelehrten: „Ihr sollt erkennen, dass
der Menschensohn Macht hat, auf Erden Sünden zu
vergeben.“ Und er beweist diesen Anspruch, indem er zu
dem Gelähmten sagt: „Steh auf, nimm dein Bett und geh
nach Hause!“ Und der Mann stand auf, nahm sein Bett und
ging nach Hause. Jesus hat Vollmacht. Das Wort Vollmacht
begegnet mehrfach im Zusammenhang mit Jesus. Als die
Zuhörer seine Predigt hörten, da sagten sie: „Das ist
eine Rede in Vollmacht. Er spricht nicht so wie unsere
Schriftgelehrten.“ Und als ihn eine Sünderin bei einem
Gastmahl salbt und ihr Jesus sagt: „Deine Sünden sind
dir vergeben“, da denken die Geladenen: Wer ist denn
der, dass er sogar Sünden vergibt? Jesus, so sehen wir,
ist Inhaber einer Vollmacht. Er beansprucht diese
Vollmacht, er bejaht sie. Es ist eine doppelte. Es ist
die Vollmacht im Tun, und es ist die Vollmacht im Reden.
Sündenvergebung und Glaubensgesetzgebung sind Gottes
Sache. Jesus nimmt sie für sich in Anspruch. Er stellt
sich damit an die Seite Gottes.
Bei den drei ersten Evangelisten findet
sich die Erzählung von dem öffentlichen Auftreten Jesu
in seiner Heimatstadt, in Nazareth. Er läßt sich eine
Schriftrolle geben. Es ist der Prophet Isaias. Und da
liest er vor: „Der Geist des Herrn ruht auf mir, denn
der Herr hat mich gesalbt. Er hat mich gesandt, damit
ich den Armen eine gute Nachricht bringe“ und schließt:
„Heute hat sich das Schriftwort, das ihr gehört habt, in
mir erfüllt.“ Die Zuhörer staunen. Ist das nicht der
Sohn des Joseph? Als Jesus dann weiterspricht, und zwar
provozierend, da geraten sie in Wut, wollen ihn den
Abhang hinunterstürzen, auf dem ihre Stadt erbaut war.
Er aber schritt mitten durch die Menge hindurch und ging
weg. Hier begegnet wieder der Anspruch Jesu: Heute –
heute! – ist dieses Schriftwort in Erfüllung gegangen,
nämlich in ihm. In ihm, in seinem Reden, in seinem
Auftreten ist dieses Schriftwort erfüllt. Er ist der von
Gott Gesalbte und Gesandte Wenn er redet, dann redet
Gott. Wenn er auftritt, dann erscheint Gott. Aber Küng
sagt: „Nicht sich selbst verkündet Jesus.“
Jesus weist darauf hin, dass er eine
Stelle beim Endgericht einnimmt. „Wer sich vor den
Menschen zu mir bekennt, zu dem wird sich auch der
Menschensohn vor den Engeln Gottes bekennen. Wer mich
aber vor den Menschen verleugnet, der wird auch vor den
Engeln Gottes verleugnet werden.“ Jesus bringt mit
diesen Worten das Bekenntnis zu ihm mit dem Urteil am
Letzten Gericht zusammen. Er erhebt einen Anspruch, der
alle gängigen Kategorien von Rabbis und Propheten
übersteigt. So hat noch niemand geredet in Israel. Das
Verhalten zu ihm entscheidet über das endzeitliche
Schicksal des Menschen. Die Engel Gottes sind hier
gemeint als die Boten und Diener und Helfer beim Letzten
Gericht. Sie führen die Befehle Gottes aus über die zu
richtenden Menschen, aber wer ihnen die Aufträge gibt,
das ist Jesus. In der Stellung zu ihm entscheidet sich,
ob sie, die Gerichteten, auf die rechte, die gerettete
Seite oder auf die linke, die untergehende Seite
gestellt werden. Jesus ist der Weltrichter. Von ihm
hängt das ewige Schicksal der Menschen ab. Aber Küng
sagt: „Nicht sich selbst verkündet Jesus.“
Die Sprüche über die Nachfolge Jesu
künden ebenfalls sein Selbstbewußtsein, das in dieser
radikalen Weise kein Prophet Israels in Anspruch
genommen hat. „Wer Vater oder Mutter mehr liebt als
mich, ist meiner nicht wert. Wer Sohn oder Tochter mehr
liebt als mich, ist meiner nicht wert.“ Da kommt einer
und sagt: „Herr, laß mich zuerst heimgehen und meinen
Toten begraben, meinen Vater.“ Jesus entgegnet ihm: „Laß
die Toten ihre Toten begraben, du komm und folge mir
nach!“ So kann nur sprechen, wer Herr ist über alle
irdischen Bindungen und familiären Verhältnisse. Diese
Souveränität kommt nur einem zu, Gott. Aber Küng sagt:
„Nicht sich selbst verkündet Jesus.“
Niemals hätte ein Jude sagen können:
„Größeres als der Tempel ist hier.“ Das sagt Jesus.
Größeres als der Tempel ist hier, nämlich in ihm. Der
Tempel ist das Heiligtum in Israel, ist das größte
Heiligtum. Er ist der Ort der besonderen Gegenwart
Gottes. Jesus bestreitet die Heiligkeit des Tempels
nicht, aber er ist dem Tempel weit überlegen. Der Tempel
ist Menschenwerk, er aber ist Gottes Sohn. Er ist Gott
in menschlicher Gestalt, und deswegen: „Mehr als der
Tempel ist hier.“ Aber Küng sagt: „Nicht sich selbst
verkündet Jesus.“
Der unerhörte Anspruch Jesu gipfelt in
seinem Bekenntnis vor dem Hohen Rat. Da wird er gefragt:
„Bist du der Messias, der Sohn des Hochgelobten?“ Jesus
antwortet: „Ich bin es. Ihr werdet den Menschensohn zur
Rechten Gottes sitzen und kommen sehen mit den Wolken
des Himmels.“ Wer zur Rechten Gottes sitzt und mit den
Wolken des Himmels kommt, das ist nicht ein irdischer,
nicht ein menschlicher Messias, das ist der Gottessohn,
der am Herzen des Vaters ruht. Er ist der einziggeborene
Sohn Gottes. Aber Küng sagt: „Nicht sich selbst
verkündet Jesus.“
Der unerhörte Anspruch Jesu begegnet
selbstverständlich auch im Johannesevangelium. Ich
erinnere an die vielen Ich-Aussagen im
Johannesevangelium. „Ich und der Vater sind eins.“ „Wer
mich sieht, der sieht den, der mich gesandt hat.“
„Keiner kommt zum Vater, es sei denn durch mich.“ „Ich
bin die Auferstehung und das Leben.“ „Ich bin der Weg,
die Wahrheit und das Leben.“ „Ich bin das Brot des
Lebens.“ Aber Küng sagt: „Nicht sich selbst verkündet
Jesus.“
Zum Anspruch Jesu gehört auch sein Zäsur-
und Erfüllungsbewußtsein. Sein Erscheinen, sein Wirken
macht einen Einschnitt aus, eine Zäsur in der
Weltgeschichte und in der Heilsgeschichte. Was vorher
war, ist Vorbereitung, was in ihm ansetzt, ist
Erfüllung. Das Vorhergehende ist zu Ende, das Endgültige
nimmt seinen Anfang. Dieser Anfang ist niemand anderes
als Jesus selbst. Aber Küng sagt: „Nicht sich selbst
verkündet Jesus.“
Hierher gehört auch die Anfrage des
Täufers. Er schickt zwei Jünger zu Jesus. Sie sollen ihn
fragen, ob er es ist, auf den sie warten oder ob ein
anderer kommen soll. „Meldet dem Johannes, was ihr seht
und was ihr hört: Blinde sehen, Lahme gehen, Aussätzige
werden rein, Taube hören, Tote stehen auf, Armen wird
die Heilsbotschaft verkündet, und Heil dem, der sich an
mir nicht ärgert.“ Das Harren, das Warten, das
Ausschauen nach Gottes Kommen ist zu Ende. Christ, der
Retter, ist da! In ihm sind die unerhörten Ankündigungen
der Propheten erfüllt. „Wenn ich – wenn ich! – die
Dämonen mit dem Finger Gottes austreibe, ist folglich
das Reich Gottes bei euch angelangt.“ Also Christus
verkündet nicht nur das Reich Gottes, er bringt das
Reich Gottes. In ihm ist es gegenwärtig. „Wenn cih die
Dämonen mit dem Finger Gottes austreibe, ist folglich
das Reich Gottes bei euch angelangt.“ Der Satan und
seine Dämonen sind mächtig, aber ein Mächtigerer ist
über sie gekommen. Er entreißt dem Satan die von ihm
geplagten Menschen. Er erscheint in Macht und
Herrlichkeit. In Jesus, in seinem Erscheinen, in seinem
Wirken bricht Gottes Reich an. Er ruft es nicht nur aus,
er bringt es in seiner Person zur Gegenwart. Aber Küng
sagt: „Nicht sich selbst verkündet Jesus.“
Das eigentliche Thema der Predigt Jesu
ist seine eigene Person. Mit dem Heroldsruf: „Erfüllt
ist die Zeit und nahe gekommen die Herrschaft Gottes“,
eröffnet das Evangelium das Wirken Jesu. Es ist ein
typischer Eröffnungstext, der das Zäsur- und
Erfüllungsbewußtsein Jesu klassisch zum Ausdruck bringt.
Die Verheißungs- und Wartezeit ist vorbei. Ein Neues
beginnt: „Kehrt um und glaubt dem Evangelium!“
Ich hoffe, meine lieben Freunde, Sie
haben begriffen, wie falsch der Satz ist, den der
Irrlehrer Küng schreibt: „Nicht sich selbst verkündet
Jesus.“ Das Gegenteil ist richtig. Sich selbst verkündet
Jesus als den wahren Sohn Gottes. Jesus predigt nicht
bloß das Heil, er ist das Heil. Er ist der Heiland der
Welt.
Prof. Dr. Georg May
Anmerkung des
Webmasters:
Aussagen
der Dämonen bei Anneliese Michel
10.10. Vor allem den Küng von Tübingen und den
Haag kenne ich sehr gut. Und die Bischöfe sind
so blöd und glauben den Theologen mehr wie dem
Papst.
Anneliese Michel |