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ALLGEMEINE BETRACHTUNGEN

Von Dr. Harald Eder, Pfarrer in A- 383O Waidhofen/Thaya

   
   




 

  

Inhalt

A.  ALLGEMEINE BETRACHTUNGEN

 

I. DIE RÜCKKEHR DES MENSCHEN ZUR EINFACHEN WESENHEIT

Auftrag des HERRN, 13-1-1976, Neubearbeitung: Febr.99

 

Gebet

HERR, nur EINES tut Not:

daß wir wie MARIA zu Deinen Füßen sitzen

schweigend, horchend und gehorchend, arm, lauter und getreu.

So werden wir immer mehr Deinen heiligen Willen erkennen,

erkennend verwirklichen und so die Schöpfung zu DIR heimholen

DU HEILIGER, STARKER, UNSTERBLICHER GOTT!

Amen.

 

Vorwort

Die vorliegende Arbeit ist ein Versuch, das vorgegebene Thema "Die Rückkehr des Menschen zur Einfachen Wesenheit" wie kreisend einzubringen, so weit es unserer schwachen menschlichen Erkenntnis mit der Hilfe der hl.  Engel möglich ist. Es ist ein Thema, das schon länger, vielleicht seit frühesten Jugendtagen in der Seele angeklungen ist. Es setzt mit dem Eintritt in das Werk wie in einem vollen Akkord an in jenen ersten unvergeßlichen Tagen in der Klause des hl. Bruder Klaus in Flüeli. Seither hat es die Seele nicht mehr verlassen, wenn der Ton auch manchmal nur noch der Ton der Sehnsucht war. Wo der Lobpreis GOTTES durchbricht, werden die Dinge einfach. Alles aber was einfach geworden ist, fängt wie von selbst zu "tönen" an: "Liegt ein Lied in allen Dingen, findest du das rechte Wort, fängt es zu klingen an." So ähnlich hat es wohl Mörike gesagt). Wird der Ruf GOTTES an unsere Seele laut, muß auch sie im Lobpreis GOTTES singen!

Einleitung: "In Geduld werdet ihr eure Seelen besitzen!" (Lk)

Noch nie war der Mensch in solcher Not, sich auf seinem Weg über die Erde zurechtzufinden.  Immer mehr scheint dieser Weg ein Weg durch den Dschungel zu werden, auf dem dem Menschen von allen Mächten der Finsternis Fallstricke gelegt werden, wo er von vielen wilden Tieren (den entfesselten Leidenschaften) belagert und von falschen Zeichen in die Irre geführt wird. Mehr denn je gilt die Warnung des HERRN: Es werden viele falsche Messiasse aufstehen, um euch in die Irre zu führen mit ihren "einfachen Lösungen", die letztlich doch nur Lüge und Gewalttat sind und der Herrschaft des Antichrist den Weg bereiten. Doch das Kind mit dem Priester an der Hand des Engels wird durch alle Greuel dieser Zeit den Weg in Freude finden, weil es im kleinen Abbild des höchsten Geheimnisses ist: des DREIFALTIGEN GOTTES!

Immer ist dieser dreifache Weg ganz einfach: Gnade, denn der Mensch, der durch die Sünde in Unordnung geraten ist, kann nicht von sich aus den Weg zum Lichte wieder finden. Wir müssen uns diesen Weg - immer wieder in der Demut des Schächers erbitten, in der Reue einer Maria Magdalena eropfern und im Gehorsam erkämpfen:  w a n n ,  w o  und  w i e  es der HERR will und fügt. So aber kann er in aller Geduld und Lehrweisheit von oben Schritt für Schritt ein Weg zurück in das Paradies werden, in die liebenden Hände des VATERS, Der schon von weitem nach dem verlorenen Sohne Ausschau hält!

I. Teil: "Erkennen", Fundament und Heilsplan

Je komplizierter und undurchsichtiger die Wissenschaft des Menschen wird in dieser Zeit, um so einfacher muß unser Erkennen GOTTES werden. Heilige, wie eine Kleine Theresia von Lisieux, die aus der Reinheit des Herzens im Weg des Kindes zu GOTT finden, in ihrem ersten Keimen behütet von einer heiligen Familie, in ihrem Wachsen umschlossen und gehalten von den hehren Mauern des Karmels; wie ein Charles de Foucauld, der als Sünder über die Bitte: „GOTT, wenn es Dich gibt, zeige Dich mir!" den letzten Weg der Hingabe findet, wie ein P. Pio, wie der Pfarrer von Ars, der Heilige des Beichtstuhles und der hl. Messe, sind Fingerzeige GOTTES, wie sehr GOTT uns diesen Weg der Einfalt, des reumütigen Sünders, des mit den Engeln in inniger Gemeinschaft lebenden Priesters gerade heute nahelegt.

Ja sogar die vielen unrechten "Vereinfachungen", denen die Kirche in dieser Zeit Raum gegeben hat, zeigen auf, wie groß das Bedürfnis des Menschen dieser Zeit ist, im Glauben den einfachen Weg zu finden. Freilich wird der Glaube nicht durch die richtende, scheidende Vernunft einfacher, sondern allein durch den kindlichen Glauben eines brennenden, GOTT liebenden Herzens. Wenn wir den Menschen dieser Zeit helfen wollen, dann müssen wir auch diese Irrwege verstehen, nur so können wir durch die größere Liebe abhelfen.

Wie sehr kommt dem einfältigen Herzensglauben der Engel zu Hilfe mit seinem strahlenden Licht der Erkenntnis. Immer mehr wird alle bloß menschliche Erkenntnis im Licht der Gnade, das GOTT den Einfachen schenkt, zuschanden werden und so wird auch langsam aus der Demut des einfältigen Herzens mit dem Licht des Engels eine ganz neue große Theologie erwachsen, der GOTT die höchsten Geheimnisse Seiner Liebe erschließen wird.

 

GOTT ALLEIN GENÜGT: Dies ist das Fundament aller wahren Erkenntnis, auf dem wir aufbauen müssen. Solche Erkenntnis beginnt in der  A n b e t u n g ,  denn dies ist die höchste Weise menschlichen Erkennens im dunklen Glauben. In ihr ist das ganze Geheimnis GOTT: ohne Abstrich, ohne Hinzufügung von menschlicher Seite. GOTT, als der immer Größere, vor dem der Mensch mit dem Engel - wie die Kinder in Fatima mit dem Engel von Portugal - anbetend auf der Erde liegt.  Und diese dunkle Erkenntnis GOTTES in der Anbetung, aus dem eigenen Nichts über die Gotteserkenntnis des heiligen Engels, ist so beseligend, daß der Mensch, dem solche Gnade zuteil wird, aus ihr nicht mehr heraustreten möchte. Solche Erkenntnis wird nur im völligen Schweigen der Seele vor GOTT, denn solange der Mensch noch etwas ist oder sein will, kann ihm GOTT nicht alles sein. Tiefes Schweigen  i s t  schon Anbetung, wie wir es in der unberührten GOTT nahen Natur, auf einem einsamen Berggipfel, auf einem hohen Schneefeld, das die Sonne wie einen Diamantenteppich zum Erglühen bringt, erfahren dürfen.

Wahre, tiefe Anbetung ist immer Schweigen, und zwar ein Schweigen, das so voll der Erkenntnis GOTTES ist, daß jedes Wort, das versuchte, dieses Schweigen zur Sprache zu bringen, ein Abbruch der Herrlichkeit wäre, in der die Seele GOTT im Schweigen erfahren darf. Im Schweigen ist Seele und Leib des Menschen in eins auf die größere Wirklichkeit des Lebendigen GOTTES bezogen, ja, mit dem Engel hat sie geheimnisvoll schon hier auf Erden, im dunklen Glauben, teil an der Schau GOTTES, wie sie ihr später im Licht der Glorie im Jenseits zuteil wird.

Die schweigende Anbetung ist das Dunkel, aus dem der GOTT liebende Mensch heraus jeden Tag neu in das Licht des Tages tritt, geblendet vom dunklen Licht der Liebe GOTTES, muß er seine Augen erst an das helle Dunkel des Tages gewöhnen, aus der dunklen Helle kommend. Dieses dunkle Schauen GOTTES am Morgen ist noch vor der Erkenntnis GOTTES im Geheimnis des Opfers Seines SOHNES, so sehr es selbst dieses Geheimnis voraussetzt und auf ihm aufbaut, denn ohne den SOHN gibt es keinen Weg zu GOTT!

Hier kann der Mensch ganz Kind sein vor GOTT, ja im gewissen Sinne ruht er da als Kind im Schoße des VATERS und wird erst im Opfer des SOHNES wieder neu für diese Welt geboren! Aus dieser dunklen Tiefe des Morgens schöpft der Mensch alle Kraft, sich in der Vielfalt der Dinge, die ihm an jedem neuen Morgen begegnen, nicht zu verlieren. Die Fülle der Sinneseindrücke sammelt und ordnet sich im e i n e n Licht GOTTES! Hier ist die Quelle der Kraft für alles starkmütige SOLI DEO in aller Zermürbung des Alltags. Wenn er in aller Reue und Zerknirschung über das eigene Versagen, die eigene Untreue gegenüber diesem Geheimnis hineingeht in das Dunkel der Nacht, ist er in GOTT geborgen und geht einem neuen Schöpfungstag entgegen. Seliges Einssein mit GOTT - alleinige Seligkeit!

Weil der Weg, selbst des Kontemplativen ein Weg durch diese Welt ist, muß er dem Auftrag GOTTES genügen, der durch Adam an alle Menschen erging: “Macht euch die Erde untertan“. Sie kann aber nur so dem Menschen untertan werden, wenn er Anbetung und Anerkennung GOTTES IHM untertan ist. Dann werden sich wie von selbst alle Dinge ein- und unterordnen. Der Weg dorthin ist aber - und das müssen wir durch die hl. Engel neu lernen - nicht zuerst der Weg des Tuns und Schaffens, des „homo faber, wie ihn noch ein Goethe im Faust Ihn zu verherrlichen sucht. sondern der Weg des K o n t e m p l a t i v e n ,  der die Dinge mit den Augen GOTTES sehen darf und sie so zuerst an den richtigen von GOTT gewollten Platz stellt. Das Tun folgt aus dem Schauen.  Wie der hl. Ignatius sagt: "Wenn dein Herz sich ändert,„ was Wunder, wenn auch die Welt sich ändert!" Es fehlt uns noch der Berge versetzende Glauben, aus dem solches Schauen aufsteigt durch die Dinge zu GOTT. Wer betrachtet hinein schaut in GOTT, wirkt mit IHM, daß die Erde neu werde. Nur der Christ wird der Wirklichkeit gerecht, wenn er sie in GOTT schaut. Er darf schon hier ein Stück hinein wachsen in die Erkenntnis der Engel, die das Wesen der Dinge in GOTT erkennen. So darf er sie ans Licht bringen inmitten einer Welt, die den Boden der Wirklichkeit unter den Füßen verliert. So ist das "Tun" des Kontemplativen in einem viel höherem Maß Aktivität als das Tun des Aktiven, denn im Schauen hat der schauende Mensch teil an der Neuschöpfung der Welt aus dem Herzen GOTTES! Im Schweigen und Gebet wird die Gestalt des Neuen Lebens. Das Schauen geht aus der Anbetung hervor wie der SOHN aus dem VATER in ewiger Zeugung. Nur im Maße wie wir die Dinge dieser Welt im SOHNE erkennen, sind wir in IHM und durch IHN in GOTT!

Greifbar wird dieses Tun des Kontemplativen in der  S ü h n e . Je mehr uns der HERR schauend in die Welt Seiner Herrlichkeit hinein nimmt, um so mehr erleben wir den Mißklang der Sünde. Wir sind gerufen, unser Leben in die Bresche zu werfen, wo die Sünde den Abgrund aufgerissen hat. Sühnen heißt eine Brücke bauen aus der heilen Welt der Liebe GOTTES hinüber in die unheile, durch die Sünde zerbrochene Welt der Menschen. Nur der heilige Mensch kann sühnen im Maß seiner Teilhabe am Kreuz CHRISTI, denn dieses ist die Brücke, die GOTT Selbst durch Seinen SOHN über den Abgrund gespannt hat. So nimmt der Sühnende in innigster Weise teil am Heilswerk CHRISTI, die Schöpfung wieder heil zu machen und zu GOTT zurückzuführen. Hier kommen uns die hl. Engel in ähnlicher Weise zur Hilfe, wie der HERR am Ölberg von einem Engel gestärkt wurde, um in Seiner Menschheit die Last der Sühne für die ganze Welt auf sich zu nehmen. So ist der Sühnende mit der Schmerzhaften Mutter des HERRN unter dem Kreuz hineingerufen in die Miterlösung.

Nur GOTT allein konnte solches beginnen: um der Heimholung der Schöpfung willen, den Engel als Ersterschaffenen mit dem Menschen als dem Letzterschaffenen (sind es nicht Milliarden Jahre, die sie trennen?) zu verbinden in IHM, dem HERRN, auf Den Mensch und Engel hin erschaffen sind. In dieser "Kernfusion" wird eine Energie frei, in der sich die Verheissung: „siehe, Ich mache alles neu!“ erfüllt. Leuchtet hier nicht schon die Glorie des Kreuzes? Alle Kraft zu leiden kommt aus der Auferstehung CHRISTI. Darum müssen Engel und Mensch sich hinein beugen in den Schmelzofen des Kreuzes. Für den Sehenden hat das Fegefeuer schon jetzt hier auf Erden begonnen.

Fassen wir zusammen:

Im Schweigen beziehen wir alles auf den VATER, denn nur im Schweigen sind wir mit dem Engel ganz in der Anbetung GOTTES, des Anfangs ohne Anfang.

Im Betrachten ordnen wir alles auf IHN hin, denn der HERR ist unser Gesetz in IHM fügt sich alle Ordnung.

In der Sühne wirken wir mit durch das KREUZ an der Neuordnung der Welt in der Kraft des HEILIGEN GEISTES.

Wir haben teil an der  S e n d u n g  des SOHNES, wenn wir alles auf GOTT hin im Verhältnis zueinander abstimmen, wenn Sein Wille in uns über Anbetung, Betrachtung und Sühne vollkommen erfüllt wird. In GOTT ist alles Harmonie. Im  S a n c t u s  der hl. Engel wird die Schöpfung lobpreisend schon jetzt zu GOTT emporgehoben. Himmel und Erde sind schon jetzt voll Seiner Herrlichkeit, auch wenn wir dies mit unseren blinden Augen des Leibes noch nicht sehen. Und in allem ist allein GOTT! "Dann kommt das Ende, wenn ER das Reich übergibt an den VATER, wenn ER vernichten wird jede Herrschaft und Gewalt und Macht. ER muß ja herrschen bis ER alle Feinde unter Seine Füße gelegt hat. Als letzter Feind wird vernichtet werden der Tod, denn "alles hat ER Seinen Füßen unterworfen." Wenn es aber heißt: "Alles ist IHM unterworfen so ist offenbar Der ausgenommen, Der IHM alles unterworfen hat. Wenn IHM aber alles unterworfen ist, dann wird auch der SOHN Selbst Sich Dem unterwerfen, Der IHM alles unterworfen hat, damit GOTT ALLES IN ALLEM SEI!" (vgl. 1. Kor 15,24,28)

Der Weg über das Kreuz

Die Schöpfung im Blick auf den DREIFALTIGEN GOTT

Vorbemerkung:

Es ist eine der großen Gnaden des Engelwerkes, daß wir  s e h e n  dürfen,  wo die Welt im Dunkel versinkt. Der HERR hat uns nicht nur die große, bisher ganz unbekannte Welt der Engel in ihrem ganzen Glanz geoffenbart, ER läßt uns darüber hinaus durch den Engel auch immer mehr die Zeichenhaftigkeit der materiellen Welt erkennen, in der wir leben. Dies soll am SCHÖPFUNGSBERICHT der Bibel (Gen 1 - 3) ein wenig verdeutlicht werden. Wie sehr helfen uns die hl. Engel Fragen lösen, die selbst der päpstlichen Bibelkommission bisher praktisch unlösbar galten. Hier sei besonders auf die Antwort der päpstlichen Bibelkommission an Kardinal Suhard von Paris (A AS 40 1943, 45 - 48) hingewiesen: "Über die Abfassungszeit der Pentateuchquellen und die literarische Gattung der ersten elf Kapitel der Genesis".

Hier heißt es: "Die Frage nach den literarischen Art der ersten elf Kapitel der Genesis ist noch weit dunkler und verwickelter. Diese literarischen Formen entsprechen keiner unserer klassischen Kategorien und können nicht an den griechischen, lateinischen oder modernen Literaturgattungen gemessen werden. Man kann also die Geschichtlichkeit dieser Kapitel weder einfachhin leugnen noch behaupten, ohne ungebührlicherweise auf sie die Normen einer literarischen Gattung anzuwenden, unter die sie nicht fallen. Wenn man also darin übereinstimmt, daß man in diesen Kapiteln nicht Geschichte im klassischen oder modernen Sinn sehen darf, muß man auch zugestehen, daß die gegenwärtigen wissenschaftlichen Erkenntnisse nicht erlauben, alle Probleme, die sie stellen, positiv zu lösen ... Von vornherein festzustellen, daß ihre Berichte nicht Geschichte im modernen Sinn des Wortes enthalten, könnte leicht die Meinung aufkommen lassen, diese seien völlig unhistorisch, während sie tatsächlich in einfacher, bildhafter der Fassungskraft einer weniger entwickelten Menschheit angepaßten Sprache die für die Heilsgeschicht grundlegenden Wahrheiten darstellen und zugleich eine volkstümliche Beschreibung der Ursprünge des Menschengeschlechtes und des Auserwählten Volkes geben. Daher bleibt zu hoffen, daß sich die Schwierigkeiten, die heute noch ganz verwickelt und völlig undurchdringlich scheinen, im Lauf der Zeit durch unablässige Arbeit endgültig geklärt werden."

Die behutsame, fast zaudernde Antwort der Bibelkommission konnte nicht verhindern, daß gerade an dieser und ähnlichen Stellen in der Exegese der Einbruch des modernistischen Geistes, der nur die menschlich belegbare Erkenntnis gelten läßt, geschah.  Hatte nicht gerade diese Kommission selbst empfohlen: "Die erste Aufgabe, die sich hier der wissenschaftlichen Exegese stellt, ist zuallererst ein sorgfältiges Studium all der literarischen, wissenschaftlichen, historischen, kulturellen und religiösen Probleme, die mit diesen Kapiteln verbunden sind? Dann wäre es notwendig, die literarischen Arten der alten orientalischen Völker, ihre Psychologie, ihre Ausdrucksformen und ihre Auffassung von der historischen Wahrheit näher zu prüfen. Es gälte, das ganze Material der paläontologischen Wissenschaft vorurteilslos sammeln. Nur so kann man hoffen, klaren Einblick in die wahre Natur gewisser Berichte der ersten Kapitel der Genesis zu gewinnen" (aaO).

Der gläubige Exeget wird hier einwenden:

1) Grundsätzlich kann an der verbindlichen Wahrheit der biblischen Aussagen nicht gezweifelt werden, weil es sich um durch den HEILIGEN GEIST inspirierte Aussagen handelt.

2) Diese Aussagen können nicht gut im Widerspruch zu wissenschaftlichen Ergebnissen stehen, soweit es sich um echte wissenschaftliche Forschung handelt.

Kritisch wäre zu vermerken:

1) Gerade diese einfache, volkstümliche Sprache, "angepaßt einer weniger entwickelten Menschheit", vermag allein das Geheimnis der Ursprünge von Welt und der Menschheit zu erhellen. Sie gibt dem wissenschaftlichen Forschen die Richtung. Das Geheimnis der Schöpfung ist, wie die Philosophie immer festgehalten hat, mit dem bloßen menschlichen Verstand nicht zu erkennen.

2) Auch der HERR sprach wesentlich in Bildern und Gleichnissen vor dem Volk und dann legte ER die Geheimnisse des Glaubens den Jüngern abseits von der Menge aus (vgl.  Mt 13 ff).

3) Das symbolträchtige Bild der Genesis läßt uns durchschauen auf tiefere geistige Zusammenhänge; es ist umfassender in seiner Aussage (synthetischer) als die rationale Wahrheit im Wort.

Gerade diese einfache Sprache des Anfangs ist allein fähig, die immer mehr zerspaltenden Ergebnisse der modernen Wissenschaft wieder einzufangen und sie der  e i n e n  Göttlichen Wahrheit der Offenbarung unterzuordnen. Dies gilt auch für die ebenso einfache wie bildreiche Sprache der vorsokratischen, wie z. B. der Eleatischen Schule.

Erst im betenden Schauen auf diese einfachen Bilder findet der unruhige Geist des modernen Menschen die Ruhe, tiefer in die Göttlichen Wahrheiten einzudringen und so zur einfachen Schau der Dinge, wie der HEILIGE GEIST sie den Menschen in den Jahrhunderten vor CHRISTUS schenkte, sei es dem jüdischen Volk durch die Offenbarung; sei es dem griechischen durch die Erleuchtung der Vernunft, zurückzukehren.

Zum ersten Schöpfungsbericht

An ihm soll deutlich 'werden, wie der  e i n f a c h e  Blick des Engels die  v o r d e r g r ü n d i g e  Wirklichkeit der Dinge durchdringt auf ihre  g e i s t i g e Bedeutung. Die Vielfalt der Dinge faltet sich ein im Licht der EINFACHEN WESENHEIT GOTTES. Selbst dem ungebildeten Menschen, der sein Herz für GOTT geöffnet hat werden sie – im Geheimnis -  verständlich!

Wir stellen verschiedene Fragen an den Text, die helfen sollen, seinen geistlichen Gehalt aufzuschlüsseln:

Welche Darstellungsform?

Man spricht in der modernen Exegese in bezug auf Gen 1 von einem "Schöpfungslied" - das wohl in anderen Literaturen in ähnlicher Weise vorkommen mag, aber eben hier in der Bibel in der Kraft der Inspiration durch den HEILIGEN GEIST seine vollkommenste Form gefunden hat.

Das Geheimnis der Schöpfung läßt sich nicht wissenschaftlich darlegen. Es ist zusammen mit dem der Erlösung durch den SOHN und dem der Heimholung der Schöpfung durch den HEILIGEN GEIST eine der Großtaten des DREIFALTIGEN GOTTES, die der Mensch nur im Bild und nur im Lied preisend begreifen kann. Mit einer ähnlichen großen Schau der Dinge wie die Genesis schließt auch die Bibel in der Apokalypse wieder in der Form der Liturgie (wir weisen auf die liturgischen Elemente der Apokalypse). Anfang und Ende der Bibel treffen sich im LOBPREIS GOTTES, vor allem der Engel; sie sind als reine Geistwesen fähig, tiefer hineinzuschauen in die Weisheit der Vorsehung GOTTES, Spannungsbögen auszuziehen, Zuordnungen zu erkennen.

2)   Die Gliederung des Textes:

Die Gliederung ist bestimmt durch die einzelnen Schöpfungstage. Der letzte Tag ist der Tag der Ruhe.  Wir haben also zweimal drei Schöpfungstage: Die ersten drei weisen im Bild der Elemente:  Feuer (Licht) - Wasser - Luft – Erde als die Schöpfungsräume auf, in denen sich in den zweiten drei das Leben der Geschöpfe entfalten soll. In den ersten drei Tagen (die "Tage" sind Zeiteinheiten im Schöpfungsprozeß!) schreitet der Hagiograph die ganze Größe der Schöpfung ab in ihrer stufenweise,  Millionen Jahre dauernden Entwicklung. Vom dritten Tag ab wendet er sich der Mitte dieser Schöpfung zu: dem kleinsten, unbedeutendsten ihrer "Sterne", der  E R D E und ihrem Wachstum. Zuletzt, erscheint als Benjamin der Schöpfung der Mensch.

3)   Die Gesetzlichkeit des Textes

Der Schritt geht vom Großen zum Kleinen, von der Gewalt des ersten Schöpfungstages voll Licht (Feuer) zur kleinen Erde, von der Erde zu ihrem letzten Lebewesen, dem Menschen. Hier ist eines der bedeutendsten Heilsgesetze ausgesprochen: immer erwählt der HERR das Kleine und Geringe, um mit ihm die Pläne Seiner unerforschlichen Weisheit zu vollbringen. Die Erde ist der kleinste Stern im Weltall, Bethlehem als Geburtsstätte des HERRN ist ein vergessenes Dorf, so geht es weiter in Heilsgeschichte bis zum Ende der Zeit. Auch diese letzte Zeit, die wir beginnen, ist durch solche kleinen Zeichen festgelegt.

4)   Übereinstimmung mit den Ergebnissen der Profanwissenschaften

Im Schreiben an Kardinal Suhard heißt es: "Die Aufgabe des Exegeten, bisher ungelöste Fragen immer wieder aufzugreifen, nicht nur um die Einwendungen der Gegner zu widerlegen, sondern vor allem, um eine positive Lösung herauszuarbeiten, eine Lösung, die mit der Kirche im Einklang steht, besonders mit der Überlieferung von der Irrtumslosigkeit der HL. SCHRIFT, während sie andererseits den  g e s i c h e r t e n  Ergebnissen der Profanwissenschaften gebührend Rechnung trägt." Wenn es heute auch noch keine gesicherten Ergebnisse über die Entstehung der Welt gibt (und wahrscheinlich auch nie geben kann), so gibt es doch naturwissenschaftliche Hypothesen, wie die von Philbert, die im Einklang mit dem von der Bibel aufgezeigten Weg der Entstehung der Schöpfung stehen:

Im Anfang ist eine ungeheure Energieballung (Licht) zu erschließen, aus der langsam über die heute noch zu beobachtenden Spiralnebel (Luft) durch Abkühlung erst die flüssige, dann die feste Materie entsteht (zweiter und dritter Schöpfungstag), aus ihr die Welt der Sterne und Planeten (4.Tag), manche wohl, ähnlich wie die Erde, mit einer gewissen Vegetation (dritter Tag). Nur die Erde gewährt die Bedingungen für eine weitere Entfaltung des Lebens, insbesondere des Menschen, den GOTT als Krönung Seiner Schöpfungstat am sechsten Tage schafft. Weil der Mensch das Ziel der Schöpfung ist, muß auch die Erde Mittelpunkt des ganzen Kosmos sein (entsprechend dem "alten" ptolemäischen Weltbild). Der Streit mit Galilei vernachlässigte die tieferen Hintergründe; die Neuentdeckung war zu blendend, um geistig tiefer zu schauen. Die Kirche hatte alles Recht, am "ptolemäischen System" festzuhalten, doch auch blendete der Buchstaben den Geist. Nur zu bald sollte die neu enteckte Mitte der Sonne Kopernikus überholt werden, als andere Sternsysteme in den Blickwinkel größerer Teleskope traten. Die Wissenschaft verlor ihren letzten Bezugspunkt. Wo GOTT verloren ist, wird alles relativ, der Willkür des Menschen überlassen.

Für den g l ä u b i g e n  Christen ist es  k e i n e  Frage, daß der HERR allein die MITTE setzen kann, wie ER es in Seinem SOHN getan hat, der nicht nur in der "Mitte der Zeit", sondern auch in der Mitte der Schöpfung (ihrer geistigen Bedeutung nach) Mensch wurde.

Wie klar, einfach und wegweisend ist das Wort am vierten Tag: "Dann sprach GOTT: 'Es sollen Leuchten werden am Gewölbe des Himmels, um zu scheiden zwischen Tag und Nacht und sie sollen zu Zeichen dienen und zu Festzeiten und Tagen und Jahren !'" (Gen 1,15). GOTT setzt den Menschen nicht in den Dschungel ohne eine Möglichkeit der Orientierung, sondern in eine geordnete Welt, in der er sich zurechtfinden kann. "Sie sollen Lichtspender sein am Gewölbe des Himmels, um zu leuchten über der Erde". GOTT ist LICHT und jeder der IHM nachfolgt, muß im Lichte wandeln, auch wenn dieses Licht manchmal auf Erden in der Verkehrung der Dinge durch die Sünde als Dunkel erscheint.

5) Die geistige Tiefe des Schöpfungsberichtes

Die Schöpfung als Spiegelung der HEILIGSTEN DREIFALTIGKEIT

a) In der Länge

Es ist nicht schwer festzustellen, daß die zweimal drei Schöpfungstage gerade in den "zweimal" die HEILIGSTE DREIFALTIGKEIT spiegeln. Bildlich könnten wir sagen: GOTT ist der Raum, in dem das Leben wachsen darf; und zwar sind der erste Tag dem VATER, der zweite Tag als Bild der Scheidung (Gewölbe) dem SOHN, der dritte Tag (Erde) dem HEILIGEN GEIST zugeordnet. Analoges gilt für die zweiten drei Tage. Die Sternenwelt spiegelt die Ordnung des VATERS, die zwei Lebensräume: Wasser und Luft des vierten Tages das Geheimnis der GOTTmenschlichkeit des SOHNES; das Leben auf Erden, besonders das des Menschen, das Geheimnis des HEILIGEN GEISTES in Seinem Wirken in der Kirche.

b) In der Breite

Wieder lassen sich die Tage der HEILIGSTEN DREIFALTIGKEIT zuordnen. Wir können die sechs Tage einmal in der Sicht des VATERS im Blick auf die materielle Schöpfung sehen; ein anderes Mal im Blick auf den SOHN im Blickwinkel der Scheidung (Mensch), ein drittes Mal im Blick den GEIST, auf ihre geistige Struktur (Engel).

c) In der Tiefe

Jede dieser Sichten wäre noch einmal dreifach zu gliedern, denn selbst, wo die Zuordnung zu einer Person offenbar ist, sind doch die anderen beiden Personen mitwirkend und müssen deshalb einbezogen werden.

So ergäbe sich eine dreimal dreifache Deutung des Berichtes, durch die wir allein seine Länge, Breite und Tiefe des Schöpfungsberichtes ausloten können. Im folgenden beschränken wir uns auf die Sicht des Menschen, wie sie in den sechs Tagen durchscheint:

1. Tag:  die Grundentscheidung des Menschen für das Licht oder die Finsternis (erst hier beginnt er Mensch zu werden).

2. Tag:  die Scheidung in zwei Lebensräume: ein Leben, das unten bleibt und eines das aufsteigt.

3. Tag:  allein der HEILIGE GEIST gibt den rechten, festen Boden für alles Wachstum des Menschen: "Der VATER sucht Anbeter, die IHN im Geist und der Wahrheit anbeten!"

4. Tag:  die rechte Ordnung der Werte im Menschen. Die obersten Werte sind entsprechend den großen Leuchten: JESUS und MARIA.

5. Tag:  das geheimnisvolle Zueinander von natürlichem und übernatürlichem Leben!

6. Tag:  nur im HEILIGEN GEIST kann sich der Mensch in GOTT vollenden.

Die Schöpfung des Engels weist ähnliche Schritte auf: so sehr der Engel durch seine Grundentscheidung am Anfang (l. Tag) für oder gegen GOTT schon vollendet ist (substantialiter), so sehr ist er doch kraft dieser seiner Entscheidung hineingenommen in den Schöpfungsablauf, den Dienst am Menschen (Hebr 1) und damit in die Heilsgeschichte, die erst am 7.Tag vollendet ist.

1. Tag: Die Grundentscheidung des guten Engels für GOTT, des bösen gegen GOTT sind bleibend.

2. Tag: die Scheidung der beiden Engelreiche in den Himmel und die Hölle der Engel (erst am Letzten Tag endgültig vollendet).

3. Tag: die guten Engel tragen das unsichtbare Fundament (den "festen" Boden) der Kirche, die ihrerseits der einzige feste Boden für den Menschen ist.

4. Tag: im Blick auf diesen Dienst am Menschen in der Kirche ist die himmlische Hierarchie aufgebaut.

5. Tag: der Engel hat teil an der endgültigen Scheidung des Lebens von oben und von unten, des Lebens nach dem Geiste vom Leben nach dem Fleische (Vögel/Fische).

6. Tag: weil er als Geist-Wesen noch  ü b e r  dem Menschen steht, kann sich nur in der Verbindung mit ihm das Leben des Menschen in GOTT vollenden.

Hier sollten andere Siebener-Reihen in die Betrachtung einbezogen werden, die wir, sei es aus der Kirche, sei es aus dem Reich der Engel, kennen. Denken wir an die schöpferische Kraft der hl. Sakramente, der Gaben des HEILIGEN GEISTES, der sieben Horen des Stundengebetes - darauf soll am Ende noch besonders eingegangen werden.

Weil es immer um eine Wirksamkeit des HEILIGEN GEISTES geht, sind hier überall die hl. Engel maßgeblich beteiligt. Ziel ist, daß in der Kraft des KREUZES (4 - vier Elemente) das Geheimnis der Abbildlichkeit des DREIFALTIGEN GOTTES in der Schöpfung so heraus gearbeitet wird, bis sich die Herrlichkeit GOTTES im Neuen Jerusalem mit ihren zwölf Toren spiegeln kann. So steht am Ende der Bibel das leuchtende Bild der Neuen Stadt in der Apokalypse, die vom Himmel herabsteigt.

Der zweite Schöpfungsbericht (Gen 2,4 a - 25)

Der zweite Schöpfungsbericht sieht den Anfangs in einer ganz anderen Sicht. Für den vordergründigen Beobachter mag es erscheinen, als würde der eine Bericht dem anderen widersprechen, für den geistlich Betrachtenden ist es nur ein Wechsel der Sicht. Der zweite Genesisbericht setzt dort an, wo der erste aufhört, beim Menschen. Dort ist der Mensch Schlußstein des Weltengebäudes, das GOTT in sechs Schöpfungstagen aufführt, hier ist die Schöpfung des Menschen das Anfangslied in der Perlenkette der Heilstaten, die den Menschen über Sündenfall, Erlösung und Heimholung wieder zu GOTT, seinem Ursprung, zurückführen.

Im ersten Bericht ist die Schöpfung vollendet, sie weist hinüber zum Himmlischen Jerusalem. Man könnte den ersten Bericht der Glorie nennen. Dem EINEN GOTT, dem DREIFALTIGEN, entspricht das Geheimnis der dreifaltigen Schöpfung, die im Menschen als dem Benjamin der Schöpfung aufgipfelt zum größeren Lobpreis GOTTES. "GOTT sah alles, was ER gemacht hatte und fürwahr, es war sehr gut.  Es war Abend und es ward Morgen, der sechste Tag." (Gen 1, 31). Es ist das vorausgehende: "Und GOTT sah, daß es gut war", im "sehr gut" des letzten Tages überhöht.  GOTT schaut durch den Menschen auf Seinen SOHN. dem ER alles unterworfen hat. Auf Ihn hin läuft der Auftrag: „Pflanzet euch fort und füllet die Erde und macht sie euch untertan!" (Gen. 1,28). Kein Wort fällt über die Sünde des Menschen, sie ist in der Herrschaft des SOHNES überwunden und ausgelöscht.

Der zweite Schöpfungsbericht geht den Weg des Menschen mit, den er über diese Erde zurücklegen muß, um wieder in die Heimat des Himmels zu gelangen. Der Blick des Hagiographen geht durch die Dinge und alles Geschehen hindurch auf GOTT, mit all den Umwegen, die den Weg des Menschen in seiner Gebrechlichkeit und Sünde kennzeichnen. Doch auch in diesem Bericht schauen wir auf den Goldgrund einer Ordnung, die weiter sieht als der Mensch. Wieder sind es sechs Abschnitte wie im ersten Bericht:

Die Erschaffung des Menschen

1. GOTT schafft den Menschen aus dem Staub der Ackerscholle und bläst ihm Seinen Hauch ein (die SEELE).

2. ER pflanzt gegen Osten einen Garten als Wohnstätte des Menschen; in der Mitte den Baum der Erkenntnis von Gut und Böse.

3. Der Garten Eden wird umflossen von vier Strömen, abgetrennt von seiner Umgebung. Indirekt ist dies ein Hinweis darauf, daß die Erde durch den Fall der abtrünnigen Engel in Mitleidenschaft gezogen ist. Der Mensch braut, um recht zu wachsen einen heilen Raum.

4. GOTT setzt den Menschen in den Garten, damit er ihn bebaue und gibt ihm die Weisung, nicht vom Baum der Erkenntnis zu essen.

5. Der Mensch wird durch die Namen, die er allem Getier gibt, Herr des Himmels und der Erde.

6. Doch erst in der Frau, die GOTT aus der Rippe des Mannes bildet, findet er sein Gegenstück, in dem er sich erkennen kann.

Auch hier ist ein Weg der Vollendung in sechs Stufen aufgezeigt, doch in entgegengesetzter Ordnung zum ersten Bericht.  Dort kommt der Mensch an letzter Stelle, hier steht er an erster. Dort geht die Erschaffung des Lebens auf der Erde der Erschaffung des Menschen voraus, hier wird sie andeutend vorausgesetzt; im Vordergrund steht der Mensch: "als GOTT, der HERR, die Erde machte und den Himmel ..." (Gen 2,4b). Im zweiten Bericht ordnet sich alles um den Menschen wie in einem Kreis, dort im ersten ist der Mensch der Schlußpunkt.

Vom Fall der Engel, der im ersten Bericht in der Scheidung von Licht und Finsternis am ersten Tag angesprochen wird, ist hier andeutend nur im wüsten Zustand der Erde (als Folge des Sturzes Luzifers mit seinem Anhang auf die Erde) die Rede: "Da gab es noch keinen Steppenstrauch auf Erden und Grünkraut sproßte noch nicht auf dem Felde" (Gen 2,5). Auf dem Hintergrund der  kahlen Erde erscheint die Erschaffung des Menschen wie ein  n e u e r  A n f a n g, den GOTT nach dem ersten fehlgeschlagenen Anfang (Auflehnung der Engel) setzt. Der Mensch soll an einem

abgegrenzten und geschätzten Wohnort der Aufgabe entgegenwachsen, die GOTT ihm bestimmt hat und die erst  n a c h  dem Fall offenbar wird: "daß er den Ackerboden bebaue, von dem er genommen war"(Gen 3,23 b). Auch dieser Weg geht auf die Vollendung hin: in der sechsten Stufe, der Erschaffung der Frau scheint auf ist verborgen hingewiesen auf JESUS und MARIA, den zweiten Adam und die zweite Eva, die den Auftrag erfüllen werden, an dem der erste Adam und die erste Eva scheitern.

Stellen wir die Parallelität der ersten drei zu den zweiten drei Stufen im ersten Genesisbericht heraus:

1)         Die Erschaffung des Menschen;

2)         Eden als Wohnstätte;

3)         die Eingrenzung des Gartens durch die vier Flüsse;

4)         seine Bestimmung;

5)         der Mensch: Herr über alles Getier;

 

Das Zueinander von Mann und Frau.

Wie im ersten Genesisbericht die Zuordnung zu den drei GÖTTLICHEN PERSONEN deutlich:

1) Die Erschaffung - dem VATER.

2) Der Garten Eden - erinnert sogleich an die Ölbergangst des HERRN, durch die ER uns den Weg ins Paradies wieder eröffnet.

3) Die Eingrenzung des Gartens Eden erinnert an das Geheimnis der Kirche als der „herausgerufenen = quahal, ek-kläsia). Sie baut sich auf durch das HEILIGE KREUZ (im Bild der vier Flüsse) in der Kraft des HEILIGEN GEISTES.

4) Der Erschaffung entspricht die Bestimmung des Menschen. Der VATER gibt das Gesetz, nach dem der Mensch antritt: in dem ihm von GOTT zugewiesenen Wohnraum ist der Mensch Herr über alle anderen Lebewesen.

6) Die Zuordnung von Mann und Frau erinnert an MARIA und Johannes unter dem Kreuz; sie sind die Kirche, die aus der Seite des HERRN in BLUT und WASSER geboren wird. In MARIA ist der Mensch aufgehoben in der Liebe GOTTES, wenngleich Pilger auf Erden ist er durch MARIA schon geborgen im Herzen des HERRN, wenn er es nicht selbst verläßt.

Wie tröstlich ist gerade im zweiten Genesisbericht dieser Hinweis, da der Schritt, der die Vollendung des Menschen in der Kraft des HL. GEISTES bringen sollte, ein Schritt wird in die Sünde, der ihn von GOTT trennt. Doch GOTTES Barmherzigkeit fügt es, daß er den siebten Schritt mit dem ersten noch einmal beginne, um über den Weg des Kreuzes den Weg zurück in das Paradies zu finden.

Der Fall des Menschen

Das Paradies, umflossen von den vier Strömen, ist ein erstes Bild der GOTTESSTADT, geborgen innerhalb der vier Ecktürme (Wehrtürme): der TREUE, im SO (ALLMÄCHTIGER GOTT), der REINHEIT, im NO (HEILIGER GOTT), der ARMUT, im NW (WEISER GOTT) und des GEHORSAMS, im SW (GERECHTER GOTT). Sie sollte getragen sein von der Verstrebung (dem KREUZ) der vier Grundrichtungen, entsprechend den vier Elementen (als Boden der GOTTesstadt): der ANBETUNG (Feuer), der CONTEMPLATIO (Wasser), der SÜHNE (Luft) und der SENDUNG (Erde). Gegen diese Ordnung des Menschen im Zeichen des Kreuzes richtet sich der vierfache Angriff des Bösen, der fünfte geht gegen die Mitte der GOTTESSTADT, das HERZ des HERRN.

Der Fall des Menschen

Fünffach läßt sich, in der Sicht des Engels, der Bericht über die Versuchung und den Fall des Menschen aufschlüsseln:

1. Gegen das Gebot GOTTES, des  G e h o r s a m s  setzt der Böse seine "Stärke", die satanische Freiheit, da er den Menschen zum Zweifel verführt, so wie er am Anfang gezweifelt hat und so gegen GOTT aufstand: "Hat GOTT wirklich gesagt, ihr dürft von keinem Baum des Gartens essen?" (Gen 3,3).

2. Gegen das Gebot der  R e i n h e i t ,  der Wahrhaftigkeit, setzt der Böse die Lüge. Er stachelt den Trieb des Menschen an: "O nein, auf keinen Fall werdet ihr sterben" (Gen 3,4).

3. Gegen die  A r m u t  setzt der Böse den Stachel des Wissenwollens, der satanischen Weisheit: "Vielmehr verhält es sich so, daß GOTT wohl weiß, sobald ihr davon esset, werden euch die Augen aufgehen"  (Gen 3,5).

4. Gegen die  T r e u e  (das Schweigen) setzt er seine "Macht": "Und ihr werdet wie GOTT sein, wissend Gut und Böse" (Gen 3,5).

5. Im vierten Angriff ist der fünfte enthalten; der Mensch soll nicht nur wissen wir GOTT, sondern: "ihr werdet sein wie GOTT". Der Verstand siegt über das Herz durch die "satanische Erleuchtung". O Tiefe der Weisheit GOTTES, die gegen diesen fünften Angriff des Bösen die FÜNF WUNDEN DES HERRN setzt, in die der gläubige Christ sich bergen kann durch die vier Gelübde. Da die Sünde ihm vom Kreuz der weisen Liebe GOTTES im Paradies gelöst hat, kann er, wenn er nur will, sich durch das Gelübde an das Kreuz seines HERRN binden und dadurch sicher den Weg in die Himmlische Heimat gehen. Wie der Fall - so die Erlösung!

4. Das größere Erbarmen GOTTES [1]

Bei aufmerksamen Lesen des zweiten Genesisberichtes (Gen 2,4 b,3,4) erkennen wir wieder eine siebenfache Gliederung. Auch der Weg des Menschen aus dem Paradies hinein in die Verbannung ist noch in das Wirken des HEILIGEN GEISTES geborgen und Teil der Heilsgeschichte GOTTES mit dem Menschen. Das Bild MARIENS steht wie ein Stern über dem Weg des Menschen, der ihn auch in der Dunkelheit der Verbannung nicht verlassen soll

1) Das Paradies als erste Heimat des Menschen (Gen 2,4 b - 17).

2) Die Frau als sein Gegenüber wird dem Menschen zur Prüfung - so wie MARIA am Ende dem ganzen Menschengeschlecht zur Prüfung (vgl. Gen 2,18 - 25).

3) Die Versuchung des Bösen, um den Menschen aus der Ordnung des HEILIGEN GEISTES herauszulocken (vgl. den letzten Abschnitt, Gen 3,6 - 7).

4) Der Ungehorsam der Menschen und ihr Fall (Gen 3,6 - 7).

5) Der Mensch von GOTT erkannt (Gen 8,8 - 14).

6) Strafe - doch zugleich verhüllte Verheißung des Sieges MARIENS (Gen 3,14 - 20).

7) Vertreibung im Zeichen des Flammenschwertes der Cherubim, Verheißung der Rückkehr auf dem Weg des Kreuzes.

Auch hier ist die Zuordnung zu den drei GÖTTLICHEN PERSONEN unschwer festzustellen in der dem ersten Genesisbericht entsprechenden Parallelität von 1 - 3, 4 - 6.

Das Paradies (1) verspricht die Geborgenheit des Menschen in GOTT dem VATER. Darum ist der Ungehorsam ein Fall aus GOTT heraus (4).  Wie der zweite und fünfte Schöpfungstag (Gen 1) im Zeichen des SOHNES Scheidung ist, so ist die Frau (dem SOHN geheimnisvoll zugeordnet in MARIA) Zeichen der Scheidung, in dem der Mensch von GOTT erkannt wird (5).

Aller Angriff des Bösen geht letztlich gegen die Liebe GOTTES zum Menschen im HEILIGEN GEIST (3), um ihn dieser Liebe GOTTES zu entreißen und dadurch heimatlos zu machen (6).

Wie es in der Apokalypse aufscheint, ist die siebte Phase immer zugleich Beginn einer neuen Siebenerphase, Rückkehr zur ersten, bis endlich auf dem Weg des Kreuzes (4) das Bild des vollkommenen Menschen "MARIA" sich spiegelt in der Vollendung der Herrlichkeit des Himmlischen Jerusalem (2 mal 6, oder 4 mal 3): Bild der EINFACHEN WESENHEIT GOTTES.

DIE HEIMKEHR INS HIMMLISCHE JERUSALEM

Die Kirche gemessen im Zeichen des Kreuzes.

1) Die Siebener-Struktur des lukanischen Kindheitsberichtes

Auch im Neuen Testament ist die Siebenerstruktur verhüllt als Zeichen für die Wirksamkeit des HEILIGES GEISTES zu erkennen. Die Sieben Worten des HERRN sind Mitte der Bibel und der vier Evangelien zum Anfang der sieben Schöpfungstage und zum Ende die siebenfache "Häutung" der Erde im Gericht der Engel in der Geheimen Offenbarung. Der Kindheitsbericht bei Lukas soll diese heilige Ordnung beispielhaft aufweisen. Er steht für das Wort des HERRN, daß wir nicht in den Himmel einkehren dürfen, wenn wir nicht (im HL. GEIST) Kinder geworden sind. Das KIND im ZEICHEN des KREUZES (wenn es GOTT seine Arme entgegenstreckt) und in der Führung des HEILIGEN GEISTES  ist d a s  M a ß  an  dem die Kirche, die Welt und jeder Einzelne von uns gemessen wird.

Die sieben Phasen der Kindheitsgeschichte in Parallelität zu den sieben Schöpfungstagen:

1)         Verkündigung der Geburt des Johannes (Lk 1,5 - 25).

2)         Verkündigung der Geburt JESU (Lk 1,26 - 38).

3)         MARIAE Heimsuchung (Lk 1,39 - 56).

4)         Geburt des Johannes (Lk 1,57 - 79),

5)         Geburt JESU (Lk 2,1 - 20).

6)         Beschneidung und Darstellung JEsu (Lk 2,21 - 40).

7)         Der zwölfjährige JESUS im Tempel (Lk 2,41 - 52).

Die Parallelität von Geburt und Verkündigung (1:4, 2:5) fällt ins Auge, ebenso die von MARIAE Heimsuchung und dem Finden des zwölfjährigen JESUS im Tempel (die Begegnung MARIENS mit Elisabeth weist auf das Finden ihres SOHNES in Jerusalem). Es fällt nicht schwer die Siebenordnung im Bild eines siebenarmigen Leuchters zu sehen und die einzelnen Flammen in Kreisen zu verbinden.

Der VATER ist in Johannes der Ankündende und Wegweisende, der SOHN wieder der Scheidende. ER wird von Seinem eigenen Haus abgewiesen, aber von den Hirten angenommen. In der Verkündigung durch den Engel fällt die Scheidung in MARIA selbst, um ihre Demut, ihr Magdtum zu offenbaren. Der HEILIGE GEIST ist es der wunderbar zusammenführt, befruchtet und das Geheimnis der Kirche erschließt: zuerst in MARIA und Elisabeth, dann in JESUS und den Eltern JOSEPH und MARIA. Wir erkennen etwas vom Geheimnis der Fruchtbarkeit des DREIFALTIGEN Wirkens GOTTES in den Menschen, die sich schweigend dem Anruf GOTTES öffnen und ihm Raum geben.

2. Das Kreuz als Weg

Es kann uns nach der vorausgehenden Betrachtung nicht verwundern, daß das Lukasevangelium in der gleichen Weise schließt, in der es begonnen hat; die sieben Phasen des Endes münden in den NEUEN ANFANG der AUFERSTEHUNG und HIMMELFAHRT mündet.

1) Der Tod JESU (Lk 23,44 - 49): "VATER, in Deine Hände empfehle Ich Meinen Geist".

2) Die Grablegung: "Es war Rüsttag und der Sabbath brach schon an" - im Zeichen der Gegensätzlichkeit (Lk 23,50 - 56).

3) Die Frauen am Grabe und die Begegnung mit den Engeln - Vorzeichen der Kirche (Lk 24,1 - 12).

4) Die Jünger von Emmaus: "Mußte denn nicht der Messias dies leiden und so in Seine Herrlichkeit eingehen?" (Lk 24,13 - 35).

5) JESUS erscheint den Aposteln: "Der Friede sei mit euch!" (Lk 24,36 - 43).

6) Die Abschiedsrede: "Seht ich sende die Verheißung!" (Lk 24,44 - 49).

7) Himmelfahrt: "Sie kehrten hocherfreut von Jerusalem zurück!" (Lk 24,50 - 53).

3. Das Messen des Tempels in der Apokalypse

Man gab mir ein Rohr gleich einem Stab und sagte: "Auf, miß den Tempel GOTTES, den Altar und die dort anbeten. Doch vom äußeren Vorhof siehe ab und miß ihn nicht. Er ist den Heiden preisgegeben. Diese werden die Hl. Stadt 42 Monate lang niedertreten (Apk 11,1 f).

 

1)         Entscheidend ist nicht der Engel, der den Stab gibt, mißt, sondern der M e  n s c h , der in St. Johannes mit der Mutter des HERRN unter dem Kreuz gestanden hat. Erst im Kreuz findet der Mensch sein Maß, erst im Kreuz wird der Mensch im Sinne des klassischen Wortes, "das Maß aller Dinge!" Beim Begriff "Rohr" denken wir unwillkürlich an das Rohr, das die rohe Soldateska des Herodes dem HERRN in die Hand drückte, als sie mit IHM ihr Spiel trieb. Der „HERR mit dem Zepter“ ist auch in der gröbsten Verspottung noch der HERR und  d a s  M a ß ,  nach dem der Mensch  g e m e s s e n  wird, ob er will oder nicht.

2)         Nicht der Mensch als der Gemessene hat das Maß in der Hand, sondern es wird ihm vom Engel gereicht; denn der ENGEL ist durch die erste Prüfung schon im Maß GOTTES durch das Kreuz der Scheidung.

3)         Das  M e s s e n  selbst trifft  Engel  u n d  Mensch zusammen (3+4). So ist das Maß wieder die Siebenzahl des HEILIGEN GEISTES, der Sich des Engels wie des Menschen als Seines Werkzeuges bedient. In der deutschen Sprache gibt es das Wortspiel von MESSE (hl.Opfer, Eucharistie) und MESSEN (Maß). Anbetung und Opfer sind die beiden sich durchdringenden Maße, in denen Engel und Mensch gemessen, geschieden und endlich vollendet werden. Wo der Engel dem Menschen beigesellt wird, nimmt der Engel immer mehr am Opfer des GOTTMENSCHEN teil. Sein erstes bewußtes Ja zum Opfer war seine Bereitschaft zum Dienst am menschgewordenen WORT am Beginn der Zeit in der Prüfung der Engel. Der Mensch wird durch den hl. Engel immer mehr hineingezogen in die Grundrichtung der Anbetung, die den schon geprüften Engel ganz ausfüllt.

Im Himmlischen Jerusalem ist das Maß beider gleich geworden (Apk 21,17): „Der mit mir sprach, hatte einen goldenen Meßstab, um die Stadt, ihre Tore und ihre Mauern zu messen. Die Stadt ist im Viereck gebaut, ihre Länge so groß wie ihre Breite. Er maß bei der Stadt zwölftausend Stadien; ihre Länge, Breite und Höhe sind gleich. Er maß ihre Mauer mit einhundertvierundzwanzig Ellen, als Maß eines Menschen, das eines Engels Maß ist."

Jetzt ist der Messende ein  E n g e l . Warum dieser Unterschied? Dazu der goldene Stab, nicht mehr das Rohr? Der Unterschied ist der von BARMHERZIGKEIT und GERECHTIGKEIT. Der Engel kennt nur die unbestechliche Gerechtigkeit der Liebe GOTTES. Der Mensch, besonders der Mensch, der wie Johannes an der Brust des HERRN geruht hat und unter dem Kreuz gestanden ist, der die Mutter des HERRN auf das Wort des sterbenden HERRN am Kreuz hin zu sich nahm, wird, so sehr er das Maß des Engels, das ihm gegeben wird, benutzt (und es nicht verfälschen darf noch kann als Heiliger), es doch im  M a ß  d e r  B a r m h er z i g k e i t  benutzen, die er selbst vom HERRN erfahren hat. Es ist dieselbe Barmherzigkeit, die der HERR schweigend bekundet, da man IHN als König der Juden verspottet, indem man IHM den Spottmantel umlegt und das Rohr in die Hand drückt. So müssen auch wir das vom Engel gereichte Maß benutzen. "Ihr seid nicht gerufen als Gerichts- oder Zornschalenengel, sondern als Ernteengel." ("Wissenschaft des Kreuzes" S. 6).

Es ist schon jetzt, da der HERR die Engel sendet, Zeit des Gerichtes: so wie ihr meßt, so wird euch gemessen werden; doch bis zuletzt, bis zum letzten Menschen, der sich dem Gericht GOTTES stellen muß, ist auch Zeit der Barmherzigkeit. Erst wenn in der letzten Zornschale das Gericht der Erde abgeschlossen ist und das Himmlische Jerusalem, geschmückt für den Bräutigam, endgültig vom Himmel herabsteigt, hat sich GOTTES Gerechtigkeit in Seiner Barmherzigkeit vollendet. Aus dem  R o h r ,  mit dem der Mensch gemessen hat, ist der  g o l d e n e  Meßstab der  V o l l e n d u n g  geworden. Das „CONSUMMATUM EST“ ist vollendet in einem NEUEN HIMMEL UND EINER NEUEN ERDE.

Endzeitliche Vollendung

Die endzeitliche Aufgabe der E n g e l  ist es, die Schöpfung im Zeichen des Kreuzes zu erneuern. In der ersten Prüfung haben sie sich dem DREIFALTIGEN GOTT (1=3) unterworfen im Zeichen des Kreuzes (4). Der Hl. GEIST (7) kann sich ihrer als Werkzeuge bedienen, um die Schöpfung zur Vollendung zu führen (12). Alle Wirksamkeit der hl. Engel geht auf die Mitte des Kreuzes, in dem sie gerichtet wurden, in dem die ganze Schöpfung in das Maß GOTTES gerufen ist und zu GOTT heimkehren darf. Ihre Wirksamkeit ist dreifach sein, um der Schöpfung das Antlitz des DREIFALTIGEN GOTTES aufzuprägen. In dieser Sicht müssen wir das Wirken der drei Engelgruppen erkennen.

Die "Umkehrung der Spirale"

Alles Leben geht vom VATER aus, es wird im SOHN erkannt durch das Wort und in der Kraft des HEILIGEN GEIST neu gestaltet. So dürfen wir auch die Heilsgeschichte erkennen: GOTT schenkt das Leben im Hinblick auf den SOHN - so hat es in IHM Richtung und Gestalt. In der Sünde wird diese Ordnung des Lebens durchbrochen, im Kreuz des SOHNES wird diese Ordnung wieder aufgerichtet. Der HEILIGE GEIST legt sie als Kraftfeld über die ganze Schöpfung. In der Kraft der Gegensätzlichkeit als MENSCH und GOTT  z u g l e i c h wird der SOHN zur Brücke über den Abgrund der Sünde, der zwischen GOTT und dem Menschen  aufgerissen wurde. Die Zahl "2“ steht für GOTT  u n d  MENSCH in ihrer innigsten Vereinigung und doch bleibenden Trennung; dafür steht der Name „EMMANUEL“: GOTT  i m  MENSCHEN.  Im unbeirrten Schauen auf GOTT in JESUS CHRISTUS soll im Glaubenden dieses Geheimnis Frucht bringen: 2x2, im Zeichen des Kreuzes; der Mensch muß im SOHN kreuzförmig werden. Der HEILIGE legt Sich über (überschattet) uns als Kraftfeld,  bis endlich, ähnlich der Ordnung der Feilenspäne durch einen Magnet, unser ganzes Leben im Bild der Spirale in die Ordnung des Kreuzes hineingewachsen ist.  BROT, WORT und KREUZ sind eins. Im Empfang der HEILIGSTEN EUCHARISTIE tauchen wir ein in GOTT, um  n e u e s  L e b e n  zu empfangen; durch das Wort GOTTES unser Leben gerichtet, in der Liebe des HEILIGEN GEISTES wird es „rund“ wie die Perlen des Rosenkranzes. Diese Bewegung findet erst ihr Ende, wenn wir den Gedanken GOTTES, der über unserem Leben steht, "eingeholt"  haben und so zu GOTT, von Dem wir ausgegangen, zurückgekehrt sind. Was für den einzelnen Gläubigen gilt, gilt ähnlich für das Leben der Menschheit, ja der ganzen Welt. Das Wachstum im HL.GEIST hat zwei Phasen: die erobernde oder erlösende und die heimholende, rückführende, die uns in diese Ordnung hinein nimmt. So sehr sich beide Bewegungen durchdringen und bedingen, gegen Ende der Zeit wird die zweite stärker hervortreten.

Der HERR bei Johannes sagt: "ICH habe die Macht, Mein Leben hinzugeben und es wieder an Mich zu nehmen!" GOTT, Der als  M e n s c h  in die Welt gekommen ist, zieht Sich aus der Welt wieder zurück und nimmt alle die mit Sich, die IHN in Seinem SOHNE in sich aufgenommen haben. Durch das Wirken der Engel im HEILIGEN GEISTES, die das Netz der Erlösung einziehen, wird das Kraftfeld der Kirche so verstärkt, daß alle Menschen guten Willens seine Anziehungskraft erfahren. Bild für diese Stärkung sind die Versiegelten Gemeinden, die sich im Zeichen des hl. KREUZES gesammelt haben.[2] Aus ihnen wird in der Kraft der Posaunenengel das Wort des Heiles ein letzte Mal über die ganze Welt gehen. In den Gerichtsengeln ist es Scheidung, in den Ernteengeln (die als „6“ für MARIA stehen) Fischernetz der Heimholung. In den Zornschalenengel ist es im Feuer der eifersüchtigen Liebe GOTTES Wandlung hin zu letzter Vollendung. So wird sich endlich die Schönheit MARIENS in der geläuterten Schönheit der heimgeholten Schöpfung (6) spiegeln und aufleuchten die Herrlichkeit des HIMMLISCHEN JERUSALEM (12).

Die Verheissung des Neuen Jerusalem

"Da sich die Tage Seiner Aufnahme erfüllten, richtete ER Sein Antlitz nach Jerusalem, um dorthin aufzubrechen." (Lk 9,51) -  so beginnt der lukanische Reisebericht (ein Sondergut des Lukasevangelium). Weil das „Werk der hl. Engel“ innigst mit dem Geheimnis der Aufnahme MARIENS in den Himmel zusammenhängt (die Zeit der Gründung des Werkes und der Verkündigung des Dogmas der Himmelfahrt MARIENS weisen darauf hin), ist dieses Wort des Evangelisten für uns auf dem Weg durch die Wirrnisse dieser Zeit ein Wort der Weisung, das sich immer tiefer in unsere Herzen eingraben muß. Es klärt unseren Blick, tröstet uns in aller Bedrängnis dieser Zeit und schenkt uns Kraft, unbeirrt diesem Ziel entgegenzugehen.

Wie sehr es ein Wort des GEISTES ist, erhellt die Gliederung dieses Berichtes in siebenmal sieben Abschnitte, als wollte der GEIST Selbst über den Weg der Sieben (Seiner schöpferischen Kraftentfaltung) uns diesem Endzeitgeheimnis Schritt für Schritt näherbringen, das mit der Verkündigung der Aufnahme MARIENS 1950 über die Kirche als Kraftfeld gelegt wird; denken wir an die 7 Siegelengel, die von den Vier Lebenden Wesen gerufen werden (vgl. Offb 6). Unschwer lassen sich die sieben Abschnitte dieses Berichtes den Sieben Gaben des HEILIGEN GEISTES zuordnen, so wird der Weg des HERRN Wegweisung für die Kirche im HEILIGEN GEIST ihrer Vollendung im Himmlischen Jerusalem. Da dieser Abschnitt (Lk 9,51 - 18,14) eingeschlossen ist von der zweiten und dritten Leidensvorhersage (Lk 9,43 und Lk 18,32) steht er im Zeichen des heiligen Kreuzes.

Über die "Drohgleichnisse" in Jerusalem und die synoptische Apokalypse führt er hin in das Leiden des HERRN. So gilt auch uns das Wort: "Als einige vom Tempel sagten, er sei mit so prächtigen Steinen und Weihegeschenken geschmückt, sagte ER: "Es werden Tage kommen, da wird von dem, was ihr hier seht, nicht ein Stein auf dem anderen bleiben, der nicht niedergerissen wird" (Lk 21,5). Auch dies ist ein Wort der Klarsicht und des Trostes, denn wir hören hindurch das Wort des HERRN an die Jünger auf dem Weg nach Emmaus: „Mußte denn der Messias nicht dies leiden

und in Seine Herrlichkeit eingehen?" (Lk 24,24). Die Klarsicht des Engels auf die Einfache Wesenheit GOTTES ist immer auch der Blick auf die nüchterne Liebe GOTTES.

II. Teil Suchen und Finden: die hl. Engel im Heilsplane GOTTES

Der erste Teil "Erkennen - Fundament und Heilsplan" ist dem Kind zugeordnet, denn nur das Kind an der Hand des Engels vermag die Dinge einfach zu sehen und dann auch opfernd in aller Einfalt des Herzens durchzutragen, Der zweite Teil "Suchen und Finden - Prägung" zeigt mehr dem Priester als "alter CHRISTUS", der mit der Hilfe der Engel das Antlitz der Erde prägen soll. Voraussetzung ist, daß er Kind im Herzen ist, um sich recht führen zu lassen. Der dritte Teil "Festhalten - Lobpreis GOTTES"  ist dem Engel zugeordnet, weil er an erster Stelle und schon jetzt in dieser Heilszeit der erste Träger des Lobpreises GOTTES ist, zu dem auch wir als unserer letzten Bestimmung gerufen sind. Die drei Teil sind eins, denn denn nur an der Hand der Engel geht das Kind sicher den Weg des Heiles durch alle Prüfungen und Bedrängnisse dieser Erdenzeit, nur in der Kraft des Engels wird der Priester in den Stürmen dieser letzten Zeit bestehen. Die Arbeit ist so aufgebaut, daß sie nur in dieser dreifachen und doch einfachen Sicht recht verstanden werden kann.

Grundsätzlich gilt die Dreiergliederung für die Länge, für die Breite, für die Tiefe; den äußeren Aufbau der Arbeit, die drei Hauptteile, die Untergliederung dieser Teile, die Weise, wie wir das Thema anzupacken versuche: als Spiegelung des dreifaltigen Rhythmus in der Schöpfung, Erlösung und Heimholung.

Die dreifache Aufgabe der hl. Engel im Heilsplan GOTTES

Vielfach sind die Aufgaben der hl. Engel, wenn wir ihr Wirken im Alten und Neuen Bund betrachten, doch lassen sich diese verschiedenen Aufgaben auf  d r e i  zurückführen, in denen sich am besten ihr Verhältnis zum DREIFALTIGEN GOTT in der Heilsgeschichte spiegelt. Diese drei aber sind eins: sie stehen vor allem für die HEILIGKEIT GOTTES.

- Um der Heiligkeit GOTTES willen sind sie die Erstgeprüften; so werden sie im Blick auf den Menschen Träger  der GERECHTIGKEIT GOTTES. Als solche erwähnt sie die Bibel zum ersten Mal: sie tragen das Flammenschwert vor den Pforten des Paradieses.  Hier stehen sie für den VATER. (Gen 3).

- In Bezug auf den SOHN sehen wir sie als  H e l f e r  des Menschen auf seinem Heilsweg, zuerst bei Abraham, da sie ihm und Sarah den Heilsplan GOTTES verkünden.

- In Beziehung zum GEIST sind sie Träger der HEILIGKEIT GOTTES, besonders deutlich in der Berufungsvision des Isaias (Is 6). Soweit das Alte Testament. Im Neuen Testament wie in der letzten Phase der Heilsgeschichte (Apokalypse) finden wir dieselbe Sicht: Spiegelung des DREIMAL HEILIGEN GOTTES, den wir durch Seine hl. Engel, GOTT sei es gedankt, immer deutlicher erkennen dürfen.

In der HEILIGKEIT GOTTES aber ist die Mitte die EINFACHE WESENHEIT GOTTES. Darum heißt das Wort des HERRN: „Seid  h e i l i g , denn ICH BIN HEILIG! für uns auch: Seid einfach, denn ICH BIN EINFACH!

Die Engel  Vollstrecker der Gerechtigkeit GOTTES

„GOTT vertrieb den Menschen, ließ ihn östlich vom Garten Eden wohnen und stellte die Cherubim mit den flammenden Schwertklingen auf, den Weg zum Baum des Lebens zu behüten" (Gen 3,24). Der Engel, nach der Prüfung am ersten Schöpfungstag, erster geschöpflicher Träger der Heiligkeit GOTTES, wird von GOTT gerufen. Es ist dies sein erster Auftrag in der Heilsgeschichte, den Menschen aus dem Raum zu verweisen, in dem er an der Hand des Engels zum Mannesalter CHRISTI hätte heranwachsen sollen, um von Eden aus die vom Bösen heimgesuchte Erde, an die er sich in seinem Sturz aus dem Himmel festklammerte, von allem Einfluß und aller Herrschaft des Bösen zu reinigen und zu GOTT heimzuführen. Vielleicht dürfen wir so den Beginn des zweiten Genesisberichtes deuten: "Als GOTT, der HERR, die Erde machte und den Himmel, da gab es noch keinen Steppenstrauch auf Erden und Grünkraut sproßte noch nicht auf dem Felde; denn GOTT hatte noch nicht regnen lassen auf den Erdboden und kein Mensch war da, den Boden zu bebauen" (Gen 2,4 b.5)

So sehr - behütet durch die hl. Engel gegen allen bösen, zerstörenden Einfluß der gestürzten Engel - die Schöpfung den im 1. Genesisbericht aufgezeigten Verlauf bis zum dritten Tag (einschließlich) genommen hatte, so deutlich war doch gerade auf der Erde, auf der sich der Böse festgekrallt hatte, die Folge seines Sturzes zu erkennen:  W ü s t e . War der Plan GOTTES vereitelt? Da der höchste Engel fiel, wählte GOTT zum Träger Seiner Schöpfungs- und Heilsplanes das geringste Geschöpf, an dem der höchste Engel gescheitert war, den Menschen. Inmitten der Verwüstung der Erde bereitete ER ihm eine Heimat, den Garten Eden, wo er heranwachsen sollte zu seiner Aufgabe, die Erde wieder GOTT untertan zu machen; die hl.Engel sollten ihm dabei helfen. Nur so erklärt es sich auch, warum es GOTT noch nicht hatte regnen lassen. 

Er wartete den Zeitpunkt ab, an dem der Mensch das Licht der Welt erblicken sollte. Das Wasser ist Bild der Gnade, der Huld GOTTES für den Menschen, den Benjamin der Schöpfung - einer Gnade, die nun nicht wie erwartet, durch den Regen von oben kommt, sondern "durch die Feuchtigkeit von unten aufsteigt und die ganze Erdoberfläche wässerte" (Gen 2,6). Die von unten aufsteigende Feuchtigkeit ist Bild für die erhebende, zum Himmel emportragende Gnade, die alles Wachstum des Menschen organisch durchdringen soll. Sie ist Voraussetzung dafür, daß GOTT, der HERR, aus dem durchfeuchteten Staub der Erde den Leib des Menschen bilden kann, der alles Leben der Erde zusammenfaßt, das ihm vorausgegangen ist. Insofern ist kein Widerspruch zum ersten Bericht zu finden, wo Vegetation und Lebewesen dem Menschen vorausgehen. Im zweiten Bericht soll die einzigartige Stellung des Menschen in der Schöpfung und im Heilsplan GOTTES herausgestellt: der Mensch wird erst durch den  A t e m  GOTTES, der ihm durch die Nase eingehaucht wird, zu einem lebenden Wesen, über alles andere Leben der Schöpfung erhaben. Doch wie der Engel stürzte, weil er sich dem unbegreiflichen Plan GOTTES mit dem Menschen nicht unterwarf, so stürzt bald auch der Mensch, verführt durch die Schlange. Wir haben darauf im I. Teil, II B hingewiesen.

Alle Gerechtigkeit GOTTES mit dem Menschen ist immer zugleich Barmherzigkeit. Die Cherubim, die mit ihrem Flammenschwert den Menschen aus dem Paradies vertreiben, sind nicht nur Vollstrecker der Gerechtigkeit des HEILIGEN GOTTES, der die Sünde vor Seinem Angesicht nicht dulden kann, sie sind in verhüllter Weise zugleich ein Hinweis, daß der Mensch über das Kreuz, wieder heimfinden wird, wenn er es in der Liebe des Erlösers, der an diesem Kreuz sterben wird, wieder zum Glühen bringt.[3] Dazu braucht er die Hilfe des Engels, er ist ihm Helfer auf seinem Heilsweg "Sind nicht alle dienende Geister, ausgesandt zum Dienst derer, die erben sollen das Heil" (Hebr 1,14). Der Schutzengel verbürgt uns, daß der HERR für jeden einzelnen von uns am Kreuz gestorben ist, daß Seine Liebe uns nicht ausläßt, wenn wir nicht los lassen. Nie war er Schutzengel vor uns, nie wird er es für einen anderen Menschen nach unserem Tode sein. Wie sehr brauchen wir diese Erfahrung gerade heute in der Zeit der Vermassung, wo es auch in den Kirchen immer kälter wird, weil der Verstand des Menschen die Wärme des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe verdrängt. Wundern wir uns, daß es drei Engel sind, in denen GOTT dem Abraham unter der Eiche von Mambre begegnet, um ihm und seiner Frau Sarah die Verheißung des Sohnes zu bringen? Der DREIFALTIGE GOTT bricht in diesen drei Engeln (vgl. die Ikone von Rubeljew) auf, den Menschen wieder auf den Weg des Heiles zu führen. Der Engel, der durch die Visio beatifica teilhat am Lebenshauch GOTTES, will den Menschen, der aus aller Ordnung durch die Sünde herausgefallen ist, wieder zur Liebe GOTTES zurückführen, in dem alle Dinge ihren Platz finden werden.

Nur über den Engel kann der Mensch die Heiligkeit und Majestät GOTTES erkennen, denn der Engel steht anbetend in dieser Herrlichkeit GOTTES Tag und Nacht auch in seiner Sendung auf Erden. Durch den Propheten Isaias ist uns das große Gebet der Anbetung der Engel vor dem Thron GOTTES geschenkt, in das wir täglich mit den hl. Engeln in der Messe einstimmen dürfen:

"HEILIG, HEILIG, HEILIG bist DU, HERR der Heerscharen, Himmel und Erde sind voll Deiner Herrlichkeit" (Is 6). Wie leicht vergessen wir  über der Menschwerdung die HEILIGKEIT GOTTES. Ohne die Führung und den Beistand der Engel würde die Kirche Gefahr laufen, aus dieser Heiligkeit herauszufallen. Doch GOTT, der HERR läßt uns durch Seine Engel das "Heilig, Heilig, Heilig" zurufen, daß es endlich auch in unseren Herzen nicht mehr verstummen. Sie helfen uns dem eucharistischen HERRN in der Armut als dem wiederkommenden Richter zu begegnen. Und wenn wir nur dies im „Werk der hl. Engel“ wieder gelernt hätten: die Heiligkeit GOTTES mit den heiligen Engeln anbetend zu preisen, wir müßten GOTT eine Ewigkeit lang auf den Knien danken. Wir sind hinein genommen in das Ewige Priestertum CHRISTI, in dem sich das Antlitz der Erde erneuern wird. Wir dürfen uns Seine Freunde nennen, da uns GOTT durch die hl. Engel, immer mehr Einblick gewährt in die Geheimnisse Seines Reiches im Himmel und auf Erden, das endlich  als Himmlisches Jerusalem noch hier auf Erden offenbar werden soll. Die Heiligkeit GOTTES löscht den Menschen nicht aus, wirft ihn nicht um, wie es an so vielen Stellen des Alten Testamentes erzählt wird; sie nimmt uns immer mehr hinein in die Furcht GOTTES, den immerwährenden Lobpreis Seiner Herrlichkeit und läßt in uns die Sehnsucht rufen: „Maranatha, HERR JESUS komm!“

Vollendung der Menschwerdung

Die GERECHTIGKEIT GOTTES, die den Menschen aus dem Paradies verweist und doch seine Rückkehr über das Kreuz verheißt, spiegelt sich im Neuen Testament am deutlichsten im Geheimnis der EMPFÄNGNIS MARIENS, wo St. Gabriel die Botschaft des Heiles überbringt. Gerechtigkeit GOTTES ist es deshalb, weil ER Sich MARIA die Allerreinste  a l l e r  Frauen zur Mutter Seines SOHNES erwählt. Wer anders konnte diese Botschaft vermitteln als ein Engel, geborgen und getragen vom dunklen Licht der Liebe GOTTES, das er an MARIA vermittelt. In MARIA haben auch wir teil an aller Verheißung CHRISTI, Träger GOTTES sein zu dürfen auf den steinigen Pfaden dieser Erde, die einmal drüben in der anderen Welt aufleuchten werden wie diamantene Straßen der Herrlichkeit GOTTES. Nur über den hl. Engel können wir es ahnend begreifen, daß es nicht anders sein kann: nur die reinste aller Jungfrauen ist würdig, den HERRN des Himmels und der Erde zu tragen, nur in Ihr haben wir teil an diesem Heil, nur in Ihr kann sich dieses Heil in uns vollenden.

Muß der Böse nicht versuchen, gerade dieses Geheimnis der Reinheit MARIENS zu löschen, um sein Reich der Dunkelheit auf Erden auszubreiten? Doch GOTT hat Seine hl. Engel gesandt, da MARIA im Jubel der Kirche erkannt wurde als in den Himmel aufgenommen mit Leib und Seele, damit Sie dieses erste größte Geheimnis MARIENS allem Zugriff des bösen Feindes entziehen und es bergen in die Herzen derer, die GOTT in Seinem unbegreiflichen Ratschluß MARIA als Kinder gegeben hat. Diese Gerechtigkeit GOTTES können wir nur im Wissen um unser eigenes Nichts tragen. Nur so dürfen wie MARIA CHRISTI Licht in das Dunkel dieser Erde tragen.

Pilgernd nähert sich  die Kirche im Dunkel dieser Zeit sich dem Aufstieg zum Berge Golgotha. Je bewußter sie mit dem HERRN diesen Weg geht, um so mehr beginnt sie zu verstehen, warum der HERR als Mensch in Seiner Todesnot auf dem Ölberg durch einen  E n g e l  g e s t ä r kt  werden mußte (vgl. Lk 22,39 ff). Das "Warum?" erstirbt uns auf den Lippen, GOTT weiß, warum ER solches tat, warum ER es nun wieder tut an der Kirche in aller Todesnot dieser Zeit. ER nimmt die Not nicht von ihr, ER beläßt sie im Dunkel, oft im Grauen der Verzweiflung und Verlassenheit, doch ER reicht ihr den Kelch der Stärkung durch den Engel, wenn sie ihn nur annehmen mag.

Noch ringen wir mit dem HERRN: "VATER, wenn es möglich ist, so nimm den Kelch des Leidens von uns..... doch  D e i n  Wille geschehe!" Nur im Leid, in der Verachtung, in der Armut kann sich das Heilsgeheimnis der Kirche auf Erden vollenden, so brauchen wir, um den Weg tapfer weiter zu gehen, vor allem die Gnade des Starkmutes, der Beharrlichkeit, des Bekennermutes bis hin zum Martyrium, wenn es GOTT so haben will. Der Engel will ihn uns reichen, jedem nach dem unbegreiflichen Maß, das ihm GOTT von Ewigkeit her zugerechnet hat. Wie nahe ist uns im Schutzengel dieses Erbarmen GOTTES voll väterlicher Liebe und doch zugleich voll Klarheit und Nüchternheit der Liebe, die nichts zurücknimmt von ihren Forderungen, denn sie will uns heilig sehen, wie sie selbst  h e i l i g  ist. In dieser Gegensätzlichkeit müssen wir GOTT mit den Engeln loben lernen:

Loblied auf die BARMHERZIGKEIT GOTTES

Der Barmherzigkeit GOTTES will ich lobsingen in Ewigkeit.Sie löst im verzweifelten Kampf der Schmerzen mit dem Willen GOTTES die Augen des Menschen, der nur sich spürt, sich weiß und lenkt diese Augen langsam auf GOTT, wenn auch im Hilfeschrei!

Der Barmherzigkeit GOTTES will ich lobsingen in Ewigkeit! Sie schiebt den Blick des Menschen auf das Kreuz, wo das Antlitz CHRISTI im Todesschweiß herab leuchtet und die ausgebreiteten Arme sagen: "Für euch habe Ich den Tod erlitten, damit ihr erlöst seid für immer!"

Der Barmherzigkeit GOTTES will ich lobsingen in Ewigkeit!

Sie geht durch die Augen des Menschen langsam in sein Herz ein und hebt dort die Liebe, die sich selbst beweint, hinauf zur Liebe GOTTES, die sich unseretwegen verblutet und opfert!

Der Barmherzigkeit GOTTES will ich lobsingen in Ewigkeit!

Sie weckt den Willen des Menschen, während seine Augen noch am Kreuz haften und bewegt ihn, CHRISTUS, der unseretwegen voll Schmerz und Pein starb, auch lieben zu wollen.

Der Barmherzigkeit GOTTES will ich lobsingen in Ewigkeit!

Sie bindet die schwache, weinende Liebe des Menschen zum HERRN an den Willen und erreicht schließlich das "Ja" des Annehmens dieses Heiligsten Willen GOTTES, was auch GOTT verfügen mag.

Der Barmherzigkeit GOTTES will ich lobsingen in Ewigkeit! Sie kann über die Liebe des Menschen zu GOTT immer stärker dem Menschen in seinen Schmerzen und seinem Kampf beistehen.  Sie hält ihm das "Ja" zum Willen GOTTES und zur Liebe GOTTES als Sieg vor Augen, daß der Mensch sich durchringe, den Willen GOTTES zu lieben und seinen Willen ganz in den Willen GOTTES hinein zu verschließen.

Der Barmherzigkeit GOTTES will ich lobsingen in Ewigkeit! Sie hat den müde gekämpften Menschen in die Liebe GOTTES hinein gebettet und öffnet ihm nun die Ohren, daß er den Gesang der Engel vernehme und daß er weiß,  d o r t ,  inmitten dieses Gesanges, wird ihm die Heimat sein, da er für GOTT gekämpft und gesiegt hat. Amen!

Die HEILIGKEIT GOTTES als unsere Sendung

"Die elf Jünger aber gingen nach Galiläa auf den Berg, wohin sie JESUS beschieden hatte.. Als sie IHN erblickten, beteten sie IHN an, einige aber zweifelten. Da trat JESUS näher, redete sie an und sagte: 'MIR ist alle Gewalt gegeben im Himmel und auf Erden. So geht denn hin und macht alle Völker zu Jüngern, indem ihr sie tauft: Im Namen des VATERS, des SOHNES und des HEILIGEN GEISTES und sie alles halten lehrt, was ICH euch geboten habe.  Seht, ICH bin bei euch alle Tage bis ans Ende der Welt! (mt 28,16 - 20).

Die Heiligkeit GOTTES ist unsere Sendung. Nur wenn wir die Sendung auf dem Berge (Symbol der Heiligkeit GOTTES) anbetend empfangen, hat sie teilhat an der Gewalt JESU CHRISTI, der uns hineinsendet in die Welt. An ihr wird alle Gewalt des Bösen, und mag sie sich in den kommenden Zeiten aufbäumen bis zum Himmel, zuschanden werden. Der Ruf trägt sie:"WER IST WIE GOTT?" Die hl. Engel heben uns hinein in diesen Ruf, wir brauchen nur einschwingen mit Herz, und Geist und Gemüt, GOTT wird das übrige tun. Nicht wir werden diesen Geisterkampf entscheiden, sondern die hl. Engel.  Wir sollen sie hineintragen in diese letzte Entscheid, so wie am Anfang der Zeit St. Michael GOTT Selbst in den Kampf gegen die Auflehnung Luzifers getragen hat. Weil der hl. Engel schon im Anfang der Zeit diesen ersten Kampf  bestanden hat, wird auch in diesem letzten Kampfe siegen. Der HERR hat Seine Kirche in Sein "Consummatum est" hineingenommen hat. Die Heiligkeit GOTTES tragen bedeutet: Sieger sein mit MARIA in allen Schlachten GOTTES.

Als ein kleines Samenkorn hat der HERR nicht lange nach dem 2.Weltkrieg das Werk in die Erde gelegt hat, zu Füßen der stolzen Tiroler Berge, irgendwo in einer der tausend Wohnungen der Stadt, die genauso unbekannt sind, wie einst zur Zeit des Kaisers Augustus das kleine unbedeutende Nazareth. „Was kann denn schon aus Nazareth Gutes kommen?" So wie damals die Pharisäer und Schriftgelehrten gelächelt haben, so lächeln auch heute die Theologen und Priester, doch die Torheit GOTTES ist weiser als alle Weisheit dieser Welt. ER hat es so beschlossen in Seinem unbegreiflichen Ratschluß und diesen Ratschluß ausgeführt durch Seine hl. Engel, ER wird ihn in  Gerechtigkeit zu Ende bringen.  Die Zeit wird offenbaren, wie groß die Hilfe ist, die GOTT mir ihm der Kirche anbietet. Sie soll wie der HERR und im HERRN in ihrem Ölbergleiden gestärkt werden, denn wie uns die Mutter GOTTES in Marienfried sagt: Sie wird den ihren Kreuze aufladen "tief und schwer wie das Meer!" Und so werden die Vielen in der Kraft der Sühne der wenigen Getreuen gerettet werden. Die Kreuze der wenigen werden das Meer der Not dieser Menschheit ausloten, wenn die Prüfung GOTTES über dieser Zeit offenbar wird.

Dies ist der Auftrag: "Ich sah einen Engel hoch am Himmel fliegen. Der hatte den Erdenbewohnern eine ewige Frohbotschaft zu künden. Er rief mit lauter Stimme: Fürchtet GOTT und gebt IHM die Ehre.  Gekommen ist die Stunde des Gerichtes. Betet IHN an, Der Himmel und Erde, Meer und Wasserquellen geschaffen hat.(Offb 14,6 ff).

Im Dienst der beiden Zeugen

"Meinen zwei Zeugen aber will Ich den Auftrag geben, daß sie 1260 Tage in Bußgewändern predigen. Sie sind die zwei Ölbäume und die beiden Leuchter, die vor dem HERRN der Welt stehen ..Wenn Sie ihr Zeugnis beendet haben werden, wird das Tier, das aus dem Abgrund aufsteigt, mit ihnen Krieg führen, sie besiegen und töten ..." (vgl. Apk 11).

So wie GOTT, der HERR, am vierten Schöpfungstag Leuchten an den Himmel setzt, "um zu scheiden zwischen Tag und Nacht, die als Zeichen dienen zu Festzeiten und zu Tagen und Jahren. Sie sollen Lichtspender an dem Gewölbe des Himmels sein, um zu leuchten über der Erde", unter ihnen aber zuerst die "beiden großen Leuchten', die größere, daß sie den Tag beherrsche, die kleinere aber die Nacht und dazu die Sterne .." (Gen 1,14 ff), so hat Er an den Himmel des Glaubens die beiden HERZEN  J E S U  und  M A R I A E  gesetzt (und jetzt dazu noch die Sterne der Engel durch das „Werk der hl. Engel), damit die Menschen sich in der hereinbrechenden Finsternis der letzten Zeit nicht verlieren im Dschungel des Lebens.

Wenn GOTT uns heute durch das „Werk der hl. Engel“ die Größe und Herrlichkeit des Himmels der Engel offenbart, deshalb, damit wir auf ihrem Hintergrund diese beiden Zeugen immer mehr in ihrer ganzen Bedeutung und ihrem letzten Anruf an die Menschheit erkennen und mit ihrer Hilfe diesen Anruf zu unserem und der Menschheit Heile verwirklichen. Die  B i n d u n g  an die  h l .  E n g e l ,  wie sie das Werk kündet  wird  die  B o t s c h a f t der  b e i d e n  H e r z e n  in uns  l e b e n d i g  und  w i r k l i c h  machen. Die Weihe an den Schutzengel wie an alle heiligen Engel ist zugeordnet (subsidiär) der Weihe an die Herzen JESU und MARIAE. Dies sei im folgenden wenigstens angedeutet.

In den gesammelten Aufzeichnungen der Hl. M.M. Alacoque Heiligen finden wir einen für unseren Zusammenhang bedeutsamen Abschnitt, der wie ein Hinweis auf das „Werk der hl. Engel und seine Aufgabe erscheinen muß: Der HERR spricht zur Heiligen: „Mein auserwähltes Volk verfolgt Mich insgeheim und erzürnt Meine Gerechtigkeit. Doch Ich werde seine geheimen Sünden sichtbar machen durch sichtbare Strafen,. Ich werde sie im Sieb Meiner Heiligkeit sieben, um sie von Meinen Vielgeliebten zu trennen. Sobald Ich sie ausgesondert habe, will Ich sie mit eben dieser Heiligkeit umgeben, die sich zwischen die Sünder und Meine Barmherzigkeit stellt, und wenn ihn (den selbstherrlichen Sünder) Meine Heiligkeit einmal umgeben hat, ist ihm Selbsterkenntnis unmöglich. Sein Gewissen macht ihm keine Vorwürfe mehr, sein Verstand hat kein Licht, das Herz keine Reue und schließlich stirbt er in seiner Blindheit. (Zitat aus dem Gedächtnis). Unsere Sünden werden im Verfall der Ordnung der Kirche offenbar: Verfall aller Autorität und Sittlichkeit in allen Bereichen des Lebens und in allen Ländern der Erde. Der Abfall der GOTTgeweihten, Ordensleute und Priester hat in den letzten Jahren ein vorher nicht dagewesenes Ausmaß angenommen. Die Ehrfurcht vor GOTT scheint geschwunden. Der Mensch, verführt durch den selbstherrlichen Geist des Bösen, will GOTT, wie es einmal Feuerbach ausdrückte, nach seinem Bild formen, statt sich von GOTT nach GOTTES Bild formen zu lassen. Der Mensch muß sich immer mehr gegen GOTT auflehnen, je mehr ER Sich in Seinen Engeln und Heiligen als der HEILIGE offenbart.

Die Blindheit für Dinge des Glaubens, hat von den Theologen auf die Priester und über sie auf das Volk gedrungen übergegriffen. Mit dem Abfall vom Glauben geht einher der immer unverhülltere Angriff gegen die Kirche, der endlich zur Verfolgung führen wird. Der Böse läßt seine Masken fallen: "Der Mensch der Gesetzlosigkeit muß offenbar werden, er, der Sohn des Verderbens, der Widersacher, der sich über GOTT und alles Heilige erhebt. Er setzt sich sogar in den Tempel und gibt sich für GOTT aus!" (2 Thess. 2,4). Der Plan der Freimaurer, die Kirche von innen her zu zersetzen ist dem Sehenden offenkundig. Die Verblendung der Vielen entspricht der "Verstockung" im AT  Die vom HERRN vielfach angedeutete Strafe ist im Vollzug.

Es ist nicht notwendig, all die Marienerscheinungen seit 1830 (Rue de Bac, Paris, vor Katharina Laboure - Wunderbare Medaille) durchzugehen, denn die  e i n e  Botschaft von FATIMA, zu der sich der Hl.Vater Johannes Paulus II wie kein anderer bekennt, faßt sie alle zusammen. Über die ganze Welt hin erfüllen sich die Prophezeiungen der MUTTER GOTTES. Rußland ist eine Zeit der Bekehrung gegeben, da die unsere aussteht, wird es seine Irrtümer über die ganze Welt ausbreiten und Krieg und Verfolgungen der Kirche hervorrufen. Die Guten werden ein Martyrium erleiden, der Heilige Vater wird viel zu leiden haben, mehrere Nationen werden ausgelöscht werden. Die der Botschaft vorausgehenden Erscheinungen des Engels von Portugal (St. Gabriel? unterstreichen die apokalyptische Bedeutung von Fatima[4]. In Fatima spricht die MUTTER GOTTES nicht nur durch die Worte ihrer Botschaft, sondern auch durch die besonderen Umstände der Erscheinungen, und nicht zuletzt durch die bereitenden Engelerscheinungen. So wie die Kinder im Stillen durch den Engel bereitet wurden für  i h r e  Sendung, die Botschaft des UNBEFLECKTEN HERZEN MARIENS der Welt nicht nur durch das Wort, sondern vor allem durch ihr heiligmäßiges Büßerleben zu künden, so muß die  K i r c h e  durch die  E n g e l  bereitet werden, das  G e h e i m n i s  des UNBEFLECKTEN HERZENS MARIENS zu  l e b e n,  denn nur durch ihr UNBEFLECKTES HERZ wird sie die wachsende Macht des Bösen besiegen können.

Wie die MUTTER GOTTES in Marienfried deutlich sagt, ist die Weihe an ihr UNBEFLECKTES HERZ der Welt zu einer schweren Verantwortung geworden.  GOTT will, daß wir die Weihe  l e b e n, so wie ER hat Sein Wort gehalten und die Welt aus der tiefsten Not des Krieges in entscheidender Stunde (Stalingrad) gerettet hat. Nur die hl. Engel können uns helfen, daß diese Weihe mehr und mehr in der Kirche eine Wirklichkeit werde und so die Verheißung in Erfüllung geht: Daß IHR UNBEFLECKTES HERZ AM ENDE TRIUMPHIEREN WIRD!

Die Sendung des Werkes

ist durch den Hinweis auf die Engelerscheinungen in Fatima schon angedeutet. Der HEILIGE GEIST ist es, der nach den Worten des HERRN (Abschiedsreden in Johannes) alle Gerechtigkeit erfüllen wird, von welcher der HERR ja auch in Seiner Botschaft an Margaretha Maria Alacoque spricht. Die hl. Engel sind Seine Werkzeuge, diese Gerechtigkeit nach dem Maße des Kreuzes CHRISTI zu vollstrecken. Der HERR sendet Seine Engel in alle vier Himmelsrichtungen, um die Seinen zu sammeln. Auch dies ist ein endzeitliches Zeichen, das sich heute zu verwirklichen beginnt in der Versiegelung der Gemeinden. Wer sich an der Hand des Engels führen läßt, wird wie ein Kind durch alle Schrecknisse dieser Zeit gehen so sicher wie die Israeliten, geführt durch die hl. Engel in der Wolkensäule bei Tag, der Feuersäule bei Nacht.

In der WEISHEIT GOTTES fügt sich das  „ W e r k  der hl. Engel“ ganz in den  e n d z e i t l i c h e n  P l a n  Seiner LIEBE ein, der schon in der Botschaft des HEILIGSTEN HERZENS JESU und dann noch mehr in der Botschaft des UNBEFLECKTEN HERZEN MARIENS deutlich wird.

Wenn wir unser Versagen gegenüber dem Anruf Seines Herzens und dem Herzen Seiner Mutter in Reue und Zerknirschung erkennen und all die Versuche der Kirche, sich in der Not dieser Zeit einen neuen Weg zu bahnen mit den Mitteln dieser Welt, als Versuchung des Bösen abtun, werden wir voll Dankbarkeit nach dieser Hilfe der hl. Engel greifen. Sie wird uns Licht und Stärkung werden in der Olbergnot dieser Zeit.

Corollarium: Spanien und Portugal

Im Licht der Botschaft des HEILIGSTEN HERZENS JESU vor mehr als 300 Jahren und im Lichte von Fatima wird jäh auch die Bedeutung der Weihe Spaniens an das HEILIGSTE HERZ JESU offenbar. Sie erfolgte schon 1919 (als Dank Spaniens für die Errettung aus dem ersten Weltkrieg) unter dem Hohngelächter und doch zugleich auch Haßgeschrei der progressiven Kreise in Spanien. Die Hölle wußte, daß hier ihren zerstörerischen Plänen (die langsam ganz Europa überschwemmen) ein Bollwerk entgegengesetzt wurde, an der sich die Brandung höllischer Gewalt einmal brechen wird. So wie die Freimaurer in Portugal am Erscheinungsort der MUTTER GOTTES Bomben legten, um diesen heiligen Ort in einen Ort der Verwüstung zu verwandeln. so versuchte auch die kommunistische Macht - kaum war Madrid im Bürgerkrieg von der roten Seite eingenommen - dieses Denkmal des unerschütterlichen Glaubens eines ganzen Volkes an die erlösende Macht des HEILIGSTEN HERZENS JESU in eine Stätte des Grauens zu verwandeln. Erst das fünfte schwere Attentat führte zu der vom Bösen gewollten Zerstörung. Heute hat der Feind auch dieses Mahnmal überrannt: nicht nur das Antlitz des HERRN in Seinem Bild ist bis zur Unkenntlichkeit zerstört, das ganze Land scheint sein Angesicht vor GOTT verloren zu haben. Die Tatsache bleibt, daß beide Orte, Fatima wie Cerro de Los Angeles, genau in der geographischen Mitte der beiden Länder liegen, in denen der gewaltige Ansturm der Mächte des Islams, die ihren Glauben mit Feuer und Schwert über die ganze Welt tragen wollten, zum Stehen kam, der das junge christliche Europa damals ausgelöscht hätte. GOTT sieht weiter.

Vier Jahreszahlen bestimmen die Geschichte-Spaniens:

718    Covadonga, der Beginn der Reconquista im Norden Spaniens;

1212   Las Navas, der entscheidende Sieg gegen die Mauren;

1492   die Entdeckung Amerikas und

1771   Lepanto, wo die türkische Flotte vernichtend geschlagen wurde.

Die spanische Armada führte das Bild der MUTTER GOTTES von Guadalupe, Mexiko, mit sich. Wenn man diese vier Orte verbindet, entsteht ein Kreuz, dessen beide Arme sich am Cerro de Los Angeles schneiden. Wir haben noch zu wenig nachgedacht über die besondere  religiöse  Sendung [5] eines jeden  V o l k e s  in der Kirche, im Mystischen Leib CHRISTI. Im endzeitlichen Kampf wird sie deutlicher werden. Sie ist schon heute offenbar, wo der Feind mit besonderer Wut angreift.

Die hl. Engel in der Heilsgeschichte

Bei näherer Betrachtung lassen sich  d r e i  deutlich unterschiedliche Phasen der Heilsgeschichte unterscheiden.

I)    Bereitung des Weges für den HERRN

Der Einsatz der hl. Engel beginnt schon am ersten Tag der Schöpfungsgeschichte nach ihrer Prüfung.  Im Wirken des HEILIGEN GEISTES („der GEIST schwebt über den Wassern) haben sie in Zeiträumen, die unsere menschliche Vorstellungskraft nicht mehr überblickt (die Bibel nennt sie Schöpfungstage) im ebenso unvorstellbaren Raum des Kosmos, die Erde bereitet als Haus ihres Königs. Die nähere Vorbereitung bezieht sich auf die Geschichte des Menschen, die wieder Zeiträume umfaßt, die wir zwar schon eher in Zahlen fassen können, die aber bis heute noch nicht genauer bestimmt werden können.

Der Mensch geht nach dem Fall und der Vertreibung aus dem Paradies einen langen, dunklen Weg, auf dem er die Sünde austrägt, die er im Sündenfall im Paradies empfangen hat. Er führt hinein in das Dunkel der Höhlen, in ein Leben unter dem Leben der Tiere, das wohl erst nach der der Sintflut, mit manchen tiefen und schweren Rückfällen, in der Gnade des HEILIGEN GEISTES wieder dem Licht der Liebe GOTTES entgegengeht. Wenig wissen wir von der Hilfe, die der Mensch auf diesem Leidensweg von seiten der Engel erfährt, die Bibel deutet sie Bild von den Fellen an, mit denen GOTT Barmherzigkeit den Menschen bekleidet, damit er in der Kälte der Welt nicht erfriere. Das Fell (denken wir auch an das Bild vom Vlies in der griechischen Sagenwelt) ist Bild der Hilfe des HEILIGEN GEISTES durch den Engel, die Liebe GOTTES verläßt den Menschen nicht auf seinem Weg ins Exil.

Blicken wir zurück: der Mensch, vom Bösen verführt, ist aus der Umfriedung der vier Gnadenströme, die das Paradies umspülten, ausgebrochen. Im Zweifel an GOTTES Gebot "Du sollst nicht vom Baum der Erkenntnis essen ...", hat er den Strom des Gehorsams überschritten. So muß er den Zweifel in der Sünde auskosten bis zur Verzweiflung. Heute, da er die Mauern der Kirche durchbrochen hat, stürzt er über den Zweifel in den Ekel eines Sartre; die Selbstmordkurve steigt. Verführt von der Verlockung, mehr zu wissen (euch werden die Augen aufgehen") hat er den Gnadenstrom der Armut überschritten; die Überheblichkeit seines Wissens wird ihn zerstören. Verführt von dem Streben nach Macht ("ihr werdet sein, wissend gut und böse") und Freiheit, hat er den Gnadenstrom der Treue GOTTES hinter sich gelassen; er wird in der Anarchie des eigenen Machtstrebens und der schrankenlosen Freiheit umkommen. Verführt von der Frucht der Lust, hat er nach dem verbotenen Baum gegriffen und so die letzte Schranke des Paradieses, den Strom der Reinheit, überschritten; er wird im Sumpf seiner eigenen Sünden ersticken, wie es in der Morallosigkeit dieser Tage offenbar wird.

Alle Sünde faßt sich zuletzt zusammen in dem luziferischen Zugriff auf GOTT: "Ihr werdet sein wie GOTT". Der Griff nach dem Baum des Lebens in der Mitte des Paradieses, der sich heute zum Würgegriff am ungeborenen Leben, zur Versuchung, alles Leben auf Erden durch die Atomwaffe auszulöschen, erhärtet hat. Der Engel mit dem Flammenschwert des Kreuzes weist unbeirrt den Weg zurück. I n m i t t e n  aller Verderbtheit ist die Perlenschnur des  " r e i n e n  S a m e n s "  zu erkennen, den GOTT aufgespart hat, damit aus ihm endlich durch MARIA, die ALLERREINSTE, der MESSIAS zur Welt komme und diesen Weg der Rückkehr durch SEIN KOSTBARES BLUT besiege. Alle Chöre haben ihren Anteil an der Bereitung dieses Weges. Es ist als sei der HERR durch alle Chöre über die Seraphim herab auf die Erde gestiegen bis hinunter zu den Schutzengeln der Hirten auf dem Felde, die bei der Geburt das „GLORIA IN EXCELSIS DEO“ anstimmen.

Wenn wir heute die Geschichte der Menschheit betrachten, wie sie sich im Mittelmeerraum über Offenbarung (jüdisches Volk) und Erleuchtung des Geistes (griechisches Volk) wieder zur Erkenntnis GOTTES erhebt (während andere Naturvölker wie die Chinesen und Ägypter in den eisernen Banden des Götzenkultes über Jahrtausende gefangen bleiben), dann können wir nur in tiefer Demut danken, daß wir zu den wenigen gehören, die das Erbe des Himmels in JESUS CHRISTUS empfangen haben. Bedeutsamste Hilfe in diesem langsamen Aufstieg der Menschheit hin auf CHRISTUS sind die Zehn Gebote einerseits (die sich in zweimal vier Gebote zusammenfassen lassen) und die Erkenntnis der vier Elemente und aus ihnen der vier Kardinaltugenden andererseits (die sich unschwer den Zehn Geboten zuordnen lassen) im jüdischen wie im griechischen Raum zukommen. Hier kehrt der Mensch in die Schranken zurück, die er in der ersten Sünde durchbrochen hat. In der Kirche werden sie zum Gerüst alles Wachstums im Glauben durch die heiligen Gelübde werden. Die Orden haben das christliche Abendland geformt.

Sicher ist es nicht Zufall, daß nicht nur im Rahmen des jüdischen Volkes und seiner Heilsgeschichte der Engel an allen Knotenpunkten dieser Geschichte auftritt, um den Weg zu weisen und den Irrweg zu verschließen. Auch im griechischen Raum ist das "Daimonion" in hervorragender Weise bei  S o k r a t e s  wegweisend zur tieferen Erkenntnis GOTTES und des Menschen. Hier ist die Wiege aller abendländischen Philosophie.

Wenn es im letzten Vers des Berichtes vom Sündenfall heißt, GOTT vertrieb den Menschen und ließ ihn östlich vom Garten Eden wohnen, so ist dies ein indirekter Hinweis, daß der Angriff des Bösen nach Westen gekommen war, gegen den Gehorsam, über den Angriff gegen die Armut: Norden, dann gegen die Treue nach Süden abgeschwenkt war, um endlich im Fall des Menschen von der Reinheit diesen von GOTT (Osten) ganz abzutrennen. So muß die Hilfe ansetzen im Osten, dort wo der Mensch tödlich verwundet worden war, in der Reinheit. Wir verstehen das unerbittliche Eifern Jahwes um die Reinheit Seines Volkes (und die Anprangerung seiner Sünde, jeglicher Art als Unreinheit und Ehebruch) einerseits, und das Ringen des griechischen Genies um die Reinheit des Götterbildes gegen alle allzu menschliche Vorstellung der Welt der Götter (Olymp) andererseits. Die Reinheit wird Anruf zur Treue: Jahwe tadelt den Ehebruch Seines ungetreuen Volkes, und zur Armut, wie sie aufgipfelt in den „anawim", den Armen des jüdischen Volkes, aus deren Mitte GOTT MARIA zur Mutter Seines SOHNES erwählte.Der SOHN aber hat endlich in Seinem Tod am Kreuz den Eckpfeiler des Gehorsams wieder so aufgerichtet. daß die "Pforten der Hölle" am Fels der Kirche zuschanden werden. Ein ähnlicher Weg wird im Schicksal Sokrates deutlich. Da er sich zu einem reineren Begriff der GOTTheit gegen alle Verzerrungen und Entstellungen seiner Zeit durchringt, findet er hin zur Armut des Geistes und zum Vertrauen auf die Treue der GOTTheit, die über seinem Leben steht, so daß er sich, geführt von seinem Daimönion, gehorsam dem Todesurteil stellt, das die Feinde in ihrer geistigen Blindheit über ihn verhängt haben.

GOTTES Wege sind wunderbar und einfach für den, der sie anbetend erkennen darf.

II)  Als Schutzengel im Dienste des SOHNES

In der ersten Phase (wo GOTT den Menschen von seinem Fall aufhebt und ihn wieder zum Licht führen will) hilft der Engel, die Ordnungen des Reiches GOTTES herauszuarbeiten (10 Gebote - 4 Kardinaltugenden). Einzelne Persönlichkeiten treten nur hervor, soweit sie diese Ordnungen tragen (wie Abraham, die Patriarchen, Könige, Propheten, die Philosophen, besonders Sokrates in Griechenland). In der zweiten Phase will der Engel den Menschen zur ganz persönlichen und  e i n m a l i g e n  L i e b e  GOTTES in JESUS CHRISTUS führen. Erst jetzt gibt es ein Schutzengelamt: der Engel ist gerufen, für die Lebenszeit seines Schützlings auf Erden den Weg der Nachfolge CHRISTI in aller Demut und allem Verkanntsein mitzugehen, um die Seele für GOTT zu retten. Der  S c h u t z e n g e l  ist  A n r u f  der LIEBE GOTTES, unsere  S e n d u n g  im Reiche GOTTES nach dem  P l a n e  der WEISHEIT GOTTES und immer mehr in  E i n h e i t  mit dem Engel zu verwirklichen als Glied und Baustein im Mystischen Leib CHRISTI. So wie der Engel als Namen den Namen seiner Sendung trägt: Michael - "Wer ist wie GOTT?", Gabriel - "Bote GOTTES", Raphael - "Medizin GOTTES", so trägt er auch unseren neuen Namen, den Namen unserer Sendung im Reiche GOTTES auf Erden als Geheimnis in seinem Herzen und wird alles tun, daß wir diese Sendung in der Gnade GOTTES erfüllen und so mit ihm in die ewige Seligkeit eingehen dürfen.

Wenn sich das Schutzengelamt auch wesentlich und zuerst auf den einzelnen von GOTT persönlich gerufenen Gläubigen bezieht, so gibt es doch auch als Frucht des Heilswerkes JESU CHRISTI ein anderes, allgemeines Schutzengelamt, das sich auf alle Aufgaben und Strukturen der Kirche bezieht. Die Tradition der Kirche weiß, daß es nicht nur einen Schutzengel jedes Menschen gibt, den GOTT in der Taufe gerufen hat (während die Nichtgetauften nach einer allgemein vertretenen Lehrmeinung nur einen Schutzengel der Familie oder der Sippe haben - Ausnahmen z.B. besondere Berufungen,  die hinzielen auf das Reich GOTTES, bestätigen die Regel) -, sondern, daß auch jede Gemeinde, jedes Kloster, jede Diözese, jeder Orden, jeder Wallfahrtsort usw. ihren besonderen Schutzengel hat, ja daß wohl auch die Strukturen und Ordnungen der Kirche von Engeln bewacht und besorgt werden.

All dies gehört noch in das Schutzengelamt, das uns der HERR durch Sein Sterben am Kreuz verdient hat. Wenn der HERR von den Wohnungen spricht, die ER uns im Himmel bereitet hat, so gilt wohl auch, daß der Schutzengel für jeden, der an ihn glaubt, schon hier ein Stück dieser Wohnung ist, weil er durch ihn unmittelbar in der liebenden Vorsorge GOTTES geborgen ist. Der Schutzengel hilft uns, den Ruf GOTTES mit der ganzen Kraft des Herzens zu folgen. Wo er vergessen und sogar geleugnet wird, verliert der Mensch sein Angesicht, nicht nur vor GOTT; ähnliches gilt im Blick auf die Schutzengel der Länder.

In der Liebe CHRISTI muß jede Aufgabe im Mystischen Leibe Ausdruck dieser ganz persönlichen sorgenden Liebe des HERRN für Seine Braut, die Kirche sein. Es ist ein Zeichen des Glaubensabfalles, wenn auch in der Kirche immer mehr das sachliche, funktionale Denken überhand nimmt und die äußere Organisation (der "religiöse service“) das Geheimnis der Familie CHRISTI, die nicht nur jede Gemeinde, sondern auch die ganze Kirche sein sollte, wie mit einer kalten Lavaschicht zudeckt. Viele finden sich damit ab, viele leiden darunter; wer aber diese Not wirklich wahrhaft im Herzen trägt und täglich hinaufhält vor GOTT, den VATER, den werden früher oder später die hl. Engel, die der HERR ausgesandt hat, Seine Getreuen zu sammeln, in die Versiegelten Gemeinden bergen, in denen die Liebe CHRISTI aus Seinem durchbohrten Herzen neu auflebt und in dieser Zeit der Erkaltung  zu einer letzten großen Blüte kommt. Der HERR will die letzten Reichtümer Seines HEILIGSTEN HERZENS verschenken und ausgießen über die Wüste der Glaubensnot dieser Zeit. Wer dürstet, der komme! ER wird sie tränken mit den lebendigen Wassern der Gnade!

III. Im Dienst der Vollendung aller Dinge

"Wenn ihr Mich liebt, so haltet Meine Gebote. Dann will Ich den VATER bitten, und ER wird euch einen anderen Beistand geben, Der immer bei euch bleiben soll, der Geist der Wahrheit.

IHN kann die Welt nicht empfangen, weil sie IHN nicht sieht und IHN nicht kennt. Ihr jedoch kennt IHN, denn ER bleibt bei euch und wird in euch sein."

Johannes sieht den Weg des HERRN im Lichte der Glorie und so weiß er mehr als die Synoptiker um das Geheimnis der Vollendung aller Dinge in der Kraft des HEILIGEN GEISTES. Wenn heute das Gericht über der Kirche und der Welt steht, so ist zuerst ein Maß des Erbarmens im Zeichen des Kreuzes. Wo wir es annehmen, sind wir gerettet. Das Maß, das der Lieblingsjünger gebraucht, der goldene Stab mit dem der Engel die Stadt der Verherrlichung GOTTES, das Neue Jerusalem, mißt, ist Maß der Gerechtigkeit. Immer ist es ein Geheimnis des Glaubens. Nur im Glauben können wir den GEIST empfangen und in IHM die Hilfe der hl. Engel, Voraussetzung ist, daß wir uns mit der ganzen Kraft unseres Herzens bemühen, die Gebote GOTTES zu halten. An ihnen scheidet sich heute die Kirche, scheidet sich der Geist der Gesetzlosigkeit, der sich als Antichrist offenbart.

Im gleichen Maß, wie die Welt sich von GOTT abwendet, wird sich die Fülle der Gerechtigkeit GOTTES an Seinen Getreuen in den Versiegelten Gemeinden erfüllen; denn der HERR ist nicht gekommen, das Gesetz aufzulösen, sondern das Gesetz zu erfüllen.

Dieses Gesetz ist aber nicht zuerst ein Gesetz des Buchstabens, sondern ein Gesetz des Geistes; und dieser Geist wieder ist nicht ein Geist der Willkür, sondern der  l e b e n d i g e n  Ordnung GOTTES, die wir im Wehen des GEISTES wieder erkennen und erfahren müssen. Darum läßt GOTT es zu, daß das Chaos aufbricht in der Welt. Die Engel sind die Formenden, von Anfang an; in ihrer Kraft, die die des GEISTES ist, soll die  Schöpfung ihre l e t z t e  u nd e n d g ü l t i g e  G e s t a l t  in JESUS CHRISTUS erhalten.

Wir müssen an die  Ü b e r m a c h t  d e r  G n a d e  glauben mit allen Fasern unseres Herzens, gerade da, wo die Not am größten, wo die Sünde am mächtigsten erscheint, und GOTT wird in der Kraft der Gnade helfen.  Ja, ER hat schon geholfen, wenn wir diese Hilfe der hl. Engel mit dankbarem Herzen in der ganzen Erkenntnis unserer Nichtswürdigkeit angenommen haben.  Es geht jetzt nicht mehr wie in der ersten Phase um die Ordnung des Gesetzes; die wird vorausgesetzt. Es geht auch nicht mehr nur wie in der zweiten Phase um das Geheimnis unserer ganz persönlichen Erwählung, wie sie sich in der Mystik einer großen hl. Theresia und eines hl. Johannes vom Kreuz. Es geht um die Aufrichtung des Reiches GOTTES in Seiner ganzen Herrlichkeit und Seiner ganzen Größe inmitten all der Armut dieser Welt, es geht um die Erfüllung des Gesetzes GOTTES bis auf das Jota, es geht darum, daß die Kirche die letzten Reichtümer des HEILIGSTEN HERZENS JESU ausschöpfe, damit das Erbarmen GOTTES sich noch einmal über die Erde ergießen kann, bevor unwiderruflich das Gericht beginnt.

So stehen wir am Anfang einer großen Zeit, in der sich der Himmel wahrhaft mit aller Gewalt über die Erde ergießen will, in der die ungestüme Liebe des HERRN das Letzte von den GOTTliebenden Seelen verlangt, in der der GEIST die ganze Größe des Heilswerkes CHRISTI den Gläubigen vor Augen stellen will. Und da ist es nur verständlich, wenn der Mensch bescheiden zurücktreten muß und eigentlich keine andere Aufgabe mehr hat, als den Kraftgewaltigen GOTTES die Türe seines Herzens und die Türen der Kirche zu öffnen, damit sie, die Ersterschaffenen, das letzte Werk der Vollendung vollbringen können.

III.  Teil: Festhalten:  Lobpreis GOTTES

Blicken wir kurz zurück auf den zurückgelegten Weg!

In der zweiten Erscheinung auf dem Cabeco bei Fatima sagt der Engel zu den Hirtenkindern: "Die HERZEN JESU und MARIENS haben  P l ä n e  des  E r b a r m e n s  mit euch!"

Diese Pläne des Erbarmens hat GOTT auch mit jedem Einzelnen von uns, mit der Kirche und der ganzen Welt, es kommt nur darauf an, daß wir uns in diese Pläne des Erbarmens GOTTES hineinfügen. Zuerst freilich müssen wir diese Pläne des Erbarmens wie die Kinder erkennen: in der Anbetung GOTTES, wie sie der Engel lehrt, in der Betrachtung, wie sie MARIA in ihrem Herzen wachsen läßt, in der Sühne, die sie auf sich nehmen, um ihrem Land den Frieden zu bringen, die Sünder zu retten und dem HERRN, dem solche Schmach im Allerheiligsten Altarsakrament angetan wird, die gebührende Genugtuung zu leisten. Über uns beginnt aufzuleuchten das Neue Jerusalem als unsere Bestimmung. Im Blick auf GOTT allein dürfen wir erkennen, welches der Plan des Erbarmens GOTTES über uns, über der Kirche und der ganzen Welt ist. Der HERR ruft uns hinein in Sein Lebens-Opfer (kraft unserer Teilhabe am allgemeinen Priestertum) und gibt uns Seine hl. Engel zur Seite, so wie ER Selbst in der Stunde der Todesangst am Ölberg durch den Engel gestärkt wurde.

Ist dem VATER das Erkennen zugeordnet, dem SOHN das Opfer, durch das sich uns Sein Antlitz einprägen soll; so ist dem GEIST zugeordnet der  L o b p r e i s  GOTTES, der wie von selbst aus unserem Herzen aufsteigt, wenn wir in Demut, Ergebung und GOTTvertrauen den Kreuzweg unseres Lebens gehen. Nicht im Erkennen ist die Einfache Wesenheit, wenn sie auch dort wie eine Verheißung aufleuchtet, noch im Opfer, in dem wir uns für GOTT verzehren. Einfach wird unser  Leben, wenn der  G E I S T  es anhebt zu GOTT  i m  Lobpreis Seiner HERRLICHKEIT. Hier finden wächst der e i n e  T o n  unseres Lebens, den wir rein und klar einmal eine ganze Ewigkeit hindurch singen werden, in dem unser Neuer Name vor GOTT ertönt, in dem wir für immer das Wohlgefallen GOTTES gefunden haben. Nur so können wir das in der LIEBE des VATERS  erkannte ,  das im SOHN  g e 1 e b t e  O p f e r  festhalten und in GOTT vollenden: in der Kraft des Lobpreises, den der HEILIGE GEIST Selbst in uns anstimmt. Aus der schweren Prüfung dieser Zeit, die wir durch den Engel immer mehr als eine  P r ü f u n g  d e r  L i e b e  erkennen, soll sich, das Neue Lied, erheben, das die Kirche ihrem HERRN und GOTT schon jetzt auf Erden zu singen beginnt als Angeld künftiger Herrlichkeit.

Dreifach muß dieser Lobpreis sein:

Im  E r k e n n e n ,  das immer mehr ein Leben mit GOTT sein muß, werden muß, das sich also vor allem spiegelt in der Ordnung unseres Lebens vor GOTT.

Im  O p f e r ,  in dem wir mit Paulus ergänzen, was noch aussteht an den Leiden CHRISTI für die Kirche.

Im  e i g e n t l i c h e n  L o b p r e i s  G O T T E S  durch das  G e b e t ,  durch das wir immer mehr alle Erdenschwere überwinden und endlich die Wirklichkeit des Neuen Jerusalem auf die Erde herunterziehen. Laudans invocabo DOMINUM et ab inimicis meis salvus ero – Lobpreisend will ich GOTT anrufen und, siehe, frei bin ich von meinen Feinden.

Leben mit GOTT in der Gemeinschaft der Engel

In allen Verirrungen dieser Zeit ist doch immer ein Körnchen Wahrheit oder der Sehnsucht des Menschen nach Licht und Wahrheit, auch in dem heute so stark betonten Streben nach Gemeinschaft, weg von der Großkirche, hin zur Gebetsgruppe, zu einer Kommune. Wir müssen zusammenstehen mit den Brüdern im Glauben, wenn wir die Zeit der Prüfung durchstehen und bestehen wollen. Immer muß das Miteinander zugleich L e b e n  i n  G e m e i n s c h a f t  m i t  G O T T  und mit Seinen  E n g e l n  und  H e i l i g e n  sein. Die Liebe zum Bruder muß aus der Liebe zu GOTT erwachsen, sie darf auch nicht beim sichtbaren Bruder aufhören, sie muß auch den ganz unsichtbaren Bruder, den Hl.Engel, den GOTT uns als Wegbegleiter zur Seite gestellt hat, immer bewußter einschließen. In solcher größeren, mit menschlichem Maß nicht mehr zu messenden Liebe, muß sich endlich die Kirche vollenden: "Liebet einander,  s o  w i e  I C H  e u c h  geliebt!"

DER HERR ALLEIN IST DAS RECHTE MASS DER NÄCHSTENLIEBE!

Dieses Maß ist weder Maßlosigkeit, noch bloßes Gefühl, noch bloße Eingebung des jeweiligen Augenblicks, irgendein Ungefähr, sondern es muß sein unsere gelebte Hingabe an den HERRN: „so w i e  E R  u n s  g e l i e b t hat".  Dieses Maß bleibt Geheimnis Seiner je einzigartigen Liebe zu uns, ist subjektiv, personal und doch das Maß, das ER der Kirche in ihren Ordnungen vorgegeben hat: "denn ICH bin nicht gekommen, das Gesetz aufzulösen, sondern es zu erfüllen!" In GOTT allein ist LIEBE und GERECHTIGKEIT (Maß) kein Widerspruch. Dieses Maß ist im Reich der hl. Engel schon verwirklicht, in der je besonderen und einzigartigen Berufung jedes Engels, seinem unverwechselbaren Platz und seiner einzigartigen Aufgabe in der Himmlischen Hierarchie. Der Schutzengel will uns nicht nur stärken in unserer einmaligen Berufung im Reiche GOTTES, er will uns hineinführen in die ewigen Ordnungen des Reiches GOTFES, wie GOTT sie nach der Scheidung der Engel in der Himmlischen Hierarchie festgelegt hat. Nur so kann die Kirche A b b i l d  d e r  u n s i c h t b a r e n  O r d n u n g  d i e s e r  H i m m l i s c h e n  H i e r a r c h i e  werden.

Das Werk der hl. Engel will m e h r als eine innigere Bindung an unseren eigenen Schutzengel; sie ist in der Tradition verankert und bleibt auch im Werk das Alpha für jede weitere Bindung hinein in die Hierarchie der Engel. GOTT will in der Anarchie dieser Zeit die Kirche in der Ordnung der Engel verankern, auf die der Böse keinen Zugriff mehr hat. Die  S e h n s u c h t  des Menschen nach der wahren Gerechtigkeit, vom Bösen durch den Kommunismus mißbraucht,  kann  n u r  i n  der  h i m m l i s c h e n  G e r e c h t i g k e i t , wie sie im Raum der hl. Engel verwirklicht ist (sie haben die Prüfung bestanden, in der wir heute stehen) erfüllt werden. Darum ist nicht uns zuerst aufgegeben, einen neue Ordnung aufzubauen (New Age!), sondern wir müssen GOTT tun lassen. Unser wesentlichster Beitrag ist, daß wir  uns als arme Sünder bekennen, die mit schuld sind an aller Unordnung dieser Welt. Dann wird sich GOTT um des UNBEFLECKTEN HERZEN MARIENS willen erbarmen und uns die Ordnung der Gerechtigkeit schenken, die wir im Sternenhimmel über uns bewundern dürfen.

Teilhabe am Opfer Christi

Nach der Lehre der Kirche sind die Früchte der hl. Messe  u n e n d l i c h ,  doch wir können sie nicht ausschöpfen. Unser Herz ist nicht rein, nicht weit, nicht großmütig genug, um sich ganz zu schenken, wie der HERR Sich uns in jedem Opfer ganz schenkt. Wenn wir immer nur einen Bruchteil der Gnaden aufnehmen, die uns GOTT im Meßopfer Seines SOHNES schenken möchte, so liegt dies vor allem in unserer mangelnden Hingabe. Zu dieser größeren Hingabe will uns der hl.Engel verhelfen. Wir sollen werden wie er: leer von uns selbst und voll GOTTES, Er weiß nur eines: den  h e i l i g e n  W i l l e n  GOTTES. Von ihm müssen wir neu lernen, was es heißt, ein  GOTT geweihtes Leben zu führen, zu dem wir als Gelübdegebundene verpflichtet sind, nicht zuerst nach dem Buchstaben, sondern im GEIST.

Durch den Engel erkennen wir den unendlichen Wert des hl. Meßopfers, die Größe des Geheimnisses jeder hl. Kommunion, durch ihn ahnen wir in aller Armut unseres Glaubens etwas von der überwältigenden Gegenwart des ganzen Himmels in jedem hl. Meßopfer Die unsichtbare Dimension der hl. Messe ist um so vieles größer als die erfahrene, sichtbare Wirklichkeit. Die Sichtbarkeit wie ein Nadelöhr hinein in die heiligen Räume des Reiches GOTTES im Himmel und auf Erden. Wer könnte uns besser helfen, die Bitte des Vaterunser zu verwirklichen "wie im Himmel so auf Erden" als der gute Engel, der schon im Himmel ist und nichts lieber möchte, als diesen Himmel auf seinen Schützling herunterzuziehen, damit auch dieser, wenngleich noch im Glauben, schon jetzt die himmlische Seligkeit des Seins bei GOTT verkoste.

Doch es geht in der Weihe an den Engel und später an alle Engel nicht nur um uns, sondern um die hl. Engel, die durch diese gnadenhafte Bindung an uns arme Sünder tiefer hineinschauen dürfen in das für sie immer unbegreiflich bleibende Geheimnis der Menschwerdung des SOHNES GOTTES.

Durch die Bindung des Menschen an den Engel wird ihnen jetzt noch tiefer kund die vielgestaltige Weisheit GOTTES nach dem Ratschluß der Ewigkeiten, den ER ausgeführt hat in JESUS CHRISTUS (vgl.Eph 3,10). Es ist die Kirche, die durch den Priester in der ihr in Petrus verliehenen Schlüsselgewalt den Schutzengel und dann die hl. Engel an diesen oder jenen Gläubigen bindet, die sich ihnen weihen wollen. Der Engel als reiner Geist kraft seiner Bindung an den Menschen miterleben, was es heißt, daß der HERR in jedem von uns Seinen Kreuzweg durch diese Zeit geht, daß ER uns ausgeliefert ist in aller Ohnmacht in der Heiligsten EUCHARISTIE, genagelt an das Kreuz des Menschen.

So ist es ein wahrhaft seliger Tausch. Durch den Engel haben wir teil am Geheimnis der Glorie, in die er selbst hineingenommen ist und der Engel hat durch uns teil am Leiden des HERRN im Fleische. So wachsen wir beide durch das Kreuz immer tiefer hinein in das Geheimnis der Liebe GOTTES in JESUS CHRISTUS, um zu erkennen "mit allen Heiligen, welches die Breite und Länge und Tiefe und Höhe sei (der Heilstat CHRISTI) und zu erkennen die alles übersteigende Liebe CHRISTI, so daß wir erfüllt werden hin zur ganzen Fülle GOTTES" (Eph 2,18 ff). Das Kreuz ist der Weg der  E i n u n g : "indem ER den Frieden stiftete durch das BLUT Seines Kreuzes und so alles versöhne, ob es auf Erden ist oder im Himmel" (Kol 1,20).

Der gemeinsame Lobpreis Gottes

Das Mönchsleben, wie es der Hl.Benedikt in die Kirche brachte, baut auf auf dem gemeinsamen Lobpreis von Engeln und Mensch zur größeren Ehre GOTTES. Die hl.Engel haben über den Hl.Pacomius die erste Regel für das gemeinsame Leben gegeben und in ihr das „psallere cum angelis“ an erste Stelle gestellt, wie es dann auch der Hl.Benedikt festgelegt hat: „nihil opere divino proponatur: nichts darf dem göttlichen Tun des Lobpreises vorgezogen werden“. Auch hier achtet der Engel den freien Willen des Menschen, so ist es trotz aller Inspiration von seiten des GEISTES doch der Mensch, der das Lob GOTTES im hl, Offizium trägt.

Wo der Engel durch die Schutzengelweihe die Führung des Menschen übernimmt (wir geben ihm durch sie ein Stück unserer Freiheit preis, damit er uns stärker und besser führe), sind wir gerufen ihm auch für den Lobpreis GOTTES im Offizium den ersten Platz einzuräumen. Fernes Ziel ist,  in den  h i m m l i s c h e n  L o b p r e i s  der  E n g e l  m i t e i n s t i m m e n  dürfen. Hier ist der Mensch notwendig überfordert; GOTT verlangt bei jedem Schritt neu: „verleugne dich selbst!“ nur in der größeren Gnade und Geduld GOTTES und Seiner hl.Engel mit uns schwerfälligen Menschen, können wir dieser Bestimmung allen GOTTESlobes näher kommen.

Durch die bewußte und gelebte Bindung an die hl. Engel wird  der  v o l l k o m m e n e  L o b p r e i s  GOTTES der hl.Engel, die im Angesichte GOTTES stehen auf den Menschen übergehen. Am Ende der Zeiten wird sich erfüllen, was die Väter vom Mönchslebens erwarteten, daß es ein   e n g e l g l e i c h e s  L e b e n  sei; ein Leben, in dem das  E r k e n n e n ,  das  O p f e r n  und der  L o b p r e i s  von Mensch  u n d  Engel in der Gnade GOTTES, (durch das Kreuz)  e i n s - geworden ist, so daß  nach einem apokryphen Wort des hl. Franziskus, die ganze Welt ein "Karmel der Anbetung GOTTES geworden ist.

 


 

 

II. D a s  S c h w e i g e n  d e s  H E R R N am Kreuz

Exerzitienvortrag 1969, Br+exerzitien Flüeli

Überarbeitet Sept.1999

 

Vorwort: Das Schweigen als trinitarisches Geheimnis

Innertrinitarisch

I) Im VATER

Der VATER ist der Urgrund - Abgrund alles Geheimnisses, unendlicher Seligkeit Seiner Selbst, ohne Anfang und ohne Ende - noch jenseits des Schweigens, weil auch das Schweigen erst aus dem Wort begriffen werden kann - ruhend in sich selbst.

II) Im SOHN:

Da der VATER Sich im ANFANG (vgl. Jo. 1,1) ausspricht im SOHN (denn in IHM ist aller Anfang der Schöpfung), will ER Sich in IHM der Schöpfung mitteilen, auf Den hin ER sie geschaffen hat. Solange der SOHN beim VATER ist, ist Er geborgen im Geheimnis der schweigenden Liebe des VATERS, die voll ist der Seligkeit des gegenseitigen Erkennens. Im SOHN hat der VATER alles gesagt, so ist das Schweigen zwischen ihnen Erfüllung gegenseitiger Hingabe.

Da der SOHN in die Welt hinabsteigt, um dem VATER von unten die Antwort der Liebe zu schenken, die der Mensch verweigert hat, sucht Er in der Welt das Wort der Antwort an den VATER, wie es Ihm MARIA, die Mutter, aus ihrem Wissen um das Geheimnis der Dinge lehrt. Da Er auszieht, den Menschen die Frohbotschaft der Liebe des VATERS zu bringen, ringt Er betend immer wieder um das rechte Wort, das als Wort an die Menschen immer zugleich Antwort an den VATER sein soll. Sein Wort wird zum Baustein des Reiches GOTTES, das der VATER Ihm auf Erden zu bauen aufgetragen hat. Es ist Antwort an den VATER und Anruf an den Menschen. Im Sterben am Kreuz kommt dieses Wort zur Fülle. ER sagt sich so aus, daß Er an dieser Aussage zerbricht. Seine letzten Worte am Kreuz fallen in den Abgrund des sehnsüchtig-wartenden Schweigens des VATERS. Nur im Abgrund des Kreuzestodes kann der SOHN dem VATER die Antwort des Schweigens schenken, die den Abgrund der schweigenden Liebe füllt, aus dem Er als das WORT hervorgegangen ist.

III) Im HL. GEIST:

Der HL. GEIST ist es, Der das Geheimnis der schweigenden Liebe zwischen VATER und SOHN vermittelt und in dieser Vermittlung teilhat an der Seligkeit Ihrer Hingabe im Schweigen. Der VATER beschließt im HEILIGEN GEIST, den SOHN in die Welt zu senden, damit Er aus ihr die Antwort der Liebe heimbringe. Der Hl.GEIST, der bleibend über den Abgründen der Schöpfung schwebt, weckt wegbereitend die Sehnsucht nach dem Worte, in dem sich die Schöpfung vollenden kann. Alles von GOTT gegebene Wort der Propheten soll im Menschen die größere Sehnsucht wecken nach DEM WORT, in dem sich alle Erkenntnis vollendet. MARIA, in der sich diese Sehnsucht vollendet, ist ganz Werk des HL. GEISTES, Abgrund der Schöpfung, in den der VATER Seinen SOHN bergen kann. Der HL. GEIST lehrt dem SOHN durch MARIA das menschliche Wort als Antwort zum VATER emporzuheben. ER treibt Ihn in die Wüste, damit Er in der Begegnung mit der schweigenden Liebe des VATERS, Höhe, Tiefe und Breite des Wortes ausmesse, das Er dem VATER zu bringen gerufen ist. Und da die Menschen sich der Botschaft der Liebe verweigern, ist es der HL. GEIST, Der Ihn stärkt und erleuchtet, in der Passion die Antwort letzter Hingabe an den VATER zu geben.

 

In der Spiegelung durch die  Schöpfung:

I) In der Stummheit der Schöpfung:

Die Schöpfung ist stumm, weil sie von sich aus das Wort als Antwort nicht findet und seufzend harrt der Offenbarung der Kinder GOTTES, die aus Ihr dieses Wort hinauftragen zu GOTT. Sie birgt im VATER alle Geheimnisse, die sehnsüchtig darauf harren, daß der SOHN sie ins Licht der Erkenntnis hebe, damit der VATER auch in ihnen den SOHN erkenne und sie liebend umfange.

Da der Mensch GOTT die Antwort der Liebe verweigert, fällt er in die Stummheit der Schöpfung unter ihm zurück. Auf das WORT hin geschaffen, müßte er zugrunde gehen, wenn der VATER im Himmel ihm nicht durch das WORT die Antwort ins Herz legte, die er m i t ,  i n  und  d u r c h  den SOHN dem VATER zurückbringen soll.

II) Im Schweigen des Menschen:

So ist sein Stummsein wie ein Sterben hin auf das WORT. Es soll sich am Ende des Alten Bundes noch einmal spiegeln in Zacharias, da er dem Engel die rechte Antwort verweigert hat. In hoffendem Warten öffnet sich das Stummsein hinein in das Schweigen, das Boden wird für den Samen des Wortes. Nur auf dem Kreuzweg des Schweigens kann der Mensch die Antwort an den VATER wieder finden, die Adam im Paradiese verloren hat. "Wenn das Samenkorn nicht stirbt, bringt es keine Frucht".

III) In der schweigenden Anbetung der hl. Engel.

Für die hl. Engel, die sich im Lichte verständigen, ist das anbetende Schweigen vor GOTTES Herrlichkeit, die ihnen gemäße Antwort. Da sie vor GOTT stehen, können sie nicht anders als Seine Herrlichkeit widerzuspiegeln. Und doch ist dies noch nicht die ganze Antwort, die GOTT von der Schöpfung erwartet; sie ist nur im WORTE möglich. In der Bereitschaft IHM zu dienen wurden sie geprüft: in schweigender Anbetung (in dunkler Nacht) haben sie geantwortet und sind zur seligen Anschauung GOTTES gerufen in den Weg der Antwort eingetreten, der sich im Schutzengeldienst am Menschen vollenden soll.

Im Geheimnis der EINHEIT:

Erst im liebendem Einswerden der drei Schöpfungsteile miteinander kann die Schöpfung die  Antwort auf GOTTES Liebesanruf geben, die der SOHN in Seinem Abstieg vorgegeben hat. Der Mensch, durch die Sünde hinabgebeugt zur Stummheit der Schöpfung, muß lernen, sich schweigend dem Worte zu öffnen, das der Engel in der Kraft des Lichtes des HL. GEISTES in sein Herz legt. In diesem durchlichteten Wort lernt er die Schöpfung in ihrer GOTT-Ebenbildlichkeit erkennen und lobpreisend dem VATER Im Himmel entgegen zu heben. In seinem sich verleugnenden Dienst am Menschen schenkt der Engel sich mit seinem Lichte hinein in den Menschen und hilft so die Schöpfung ins Licht GOTTES zu heben. Im Wort des Menschen an GOTT darf er durch den SOHN seine Antwort an GOTT zur letzten Fülle bringen.

Das Stummsein des Anfangs kommt durch das Wort zu sich und mündet endlich im Kreuz in das anbetende Schweigen, das vom  größeren Schweigen GOTTES aufgenommen wird. Wer die Zeichen der Zeit zu lesen vermag, versteht, daß die Kirche vor der Welt verstummt. Stumm nach außen bereitet sie sich im Schweigen MARIENS für eine neue Menschwerdung des WORTES. Das WORT wird Fleisch und geht in den Getreuen mit den hl. Engeln den letzten Kreuzweg dieser Welt. Er endet wie der des HERRN und in IHM im Schweigen von Golgotha. Selig, wer in dieses Geheimnis der Endzeit gerufen ist und sich schweigend bereitet.

 

BETRACHTUNG DER SIEBEN WORT AM KREUZ

Wir müssen die Sieben Worte des HERRN am Kreuz als Worte aus dem tiefsten Schweigen des HERRN heraus in den Abgrund des Schweigens GOTTES hinein verstehen Darum ist ihr Maß auch über das Maß aller anderen Worte des HERRN hinaus – sie sind nicht nur das Testament JESU, sondern sie sind der Kern der Evangelien, nur im Licht des Engels in ihrer Tiefe zu erschließen.

I. "VERGIB IHNEN, VATER, SIE WISSEN NICHT, WAS SIE TUN"

Nur weil JESUS der SOHN GOTTES ist, kann Er den VATER bitten, Seinen Peinigern zu vergeben. Wie Er die Anklage der Juden schweigend entgegengenommen hat, so trägt Er schweigend an Seinem Leibe das Urteil aus. Es ist wie ein stummer Schrei aus der tiefsten Qual des brechenden Herzens, das der VATER denen schenkt, die das lebendige Wort der Vergebung nicht hören wollten. In der Kraft des sterbenden WORTES wird ihnen ein letzter Raum der Bekehrung.

Wer sich dem Schweigen ausliefert, aus dem dieses Wort kommt, ist gerettet, denn er überliefert sich in die Hände dessen, der sich schweigend den Menschen ausgeliefert hat bis zum blutigen Tod am Kreuz. Wo der SOHN schweigt zur himmelschreienden Sünde des Menschen und aus der Qual dieses Schweigens, den VATER um Vergebung der Sünde ansieht, kann der VATER nicht "Nein" sagen. Wie ER den SOHN auferweckt hat von den Toten, muß ER auch den Sünder mit Ihm auferwecken aus dem Tode der Sünde zum ewigen Leben.

II. „NOCH HEUTE WIRST DU MIT MIR IM PARADIESE SEIN."

Das Schweigen des HERRN am Kreuz eröffnet nicht nur die unauslotbare Tiefe der Barmherzigkeit GOTTES mit uns armen Sündern, es vermittelt auch dem reuigen Sünder den FRIEDEN mit GOTT, für den das Wort Sankt Pauli steht:

"KEIN AUGE HAT ES GESEHEN, KEIN, OHR GEHÖRT,

IN KEINES MENSCHEN HERZ IST ES GEDRUNGEN,

WAS GOTT DENEN BEREITET HAT, DIE IHN LIEBEN."  (1 Kor 2,9)

Der SOHN bittet nicht nur den VATER, den Sündern Ihre Schuld nicht anzurechnen, Er hat auch aus dem VATER die Vollmacht, dem reuigen Sünder alle Schuld zu vergeben, weil Er der GOTTESSOHN ist, der als Mensch vor den Menschen den VATER bekannt hat und für dieses Bekenntnis die Qual des Kreuzestodes erleidet.

Weil der HERR am Kreuz für uns einsteht und mit Seinem gemarterten Leibe den Weg unserer Schuld, der nach Golgotha hinaufführt, vor dem Gerechtigkeit fordernden Auge des VATERS zudeckt, ist alle Schuld und Qual des von der Sünde gequälten Menschenherzens gelöscht, wo es sich birgt in die Wunden des HERRN, die seine Sünden geschlagen haben.

Wer in, mit und durch den SOHN vor dem VATER seine Sünden bekennt, geht ein in den unbegreiflichen Frieden der Vergebung GOTTES. Wo die Anklage der Sünde vor der Heiligkeit des GOTTESSOHNES am Kreuz verstummt, findet der Sünder mit dem rechten Schächer die verlorene Unschuld des Anfanges: das PARADIES.

 

Wieder wird uns deutlich: nur aus dem Schweigen des HERRN am Kreuz kann der Welt der Friede werden, der nicht von dieser Welt ist. Selig der Mensch, der sich In dieses Schweigen des HERRN vor der schreienden Sünde der Welt hinein geborgen hat - aus Seinem durchbohrten Herzen werden die strömenden Wasser des Friedens fließen, um zu tränken das vom Haß zerrissene Erdreich dieser Welt. Weil er mit der Mutter des HERRN unter dem Kreuz ausgehalten hat, wird ihn der VATER zu einem Ölbaum des Friedens machen, in dessen Schatten sieh die nach Frieden Dürstenden bergen können.

III. "SIEHE, DEINE MUTTER!"

Die Liebe GOTTES in JESUS CHRISTUS verzeiht nicht nur grenzenlos; sie gibt dem gefallenen Menschen schon hier auf Erden eine Heimat, ein Stück des verlorenen Paradieses: in MARIA. Sie ist die schweigende Liebe GOTTES. Am Kreuz ist ihr Schweigen ganz in das Schweigen des SOHNES eingegangen, der dieses Schweigen vom Kreuz herab dem Lieblingsjünger und mit ihm der ganzen Kirche vermacht.

Sie empfängt den SOHN im tiefsten Schweigen der Mitternacht, sie bringt Ihn zur Welt in der schweigenden Verlassenheit zu Bethlehem, sie lebt mit Ihm und dem hl. Joseph ein Leben des Schweigens und der Zurückgezogenheit In Nazareth. Da der Sohn hinauszieht aus der Stille des Hauses von Nazareth, um der Welt mit den Worten der Mutter die Botschaft des himmlischen VATERS zu verkünden, tritt sie noch mehr zurück ins Schweigen ihres Herzens. Was immer sie von ihrem Sohne hört, sie erwägt es in ihrem zarten, mütterlichen Herzen und trägt es lobpreisend und fürbittend vor den VATER im Himmel.

Da der SOHN am Kreuze hängt, zwischen Himmel und Erde, ferne vom VATER, ausgestoßen von den Menschen, weitet sich ihr Herz in schweigendem Erleiden der Qual des Sohnes bis zur Grenze des Zerberstens - um das letzte Wort des Sohnes (denn die sieben Worte sind nur eins), das Er selbst ist, noch einmal in ihrem Herzen zu bergen, damit sie es dort nicht nur erwäge alle Tage ihres Lebens (und alle Ewigkeit hindurch), sondern es aus ihrem Herzen den Menschen schenke, die ihr der Sohn in Johannes anvertraut hat.

Ist das Schweigen MARIENS schon in der Nacht der Empfängnis ein Schweigen, in dem der Mensch vor der Herrlichkeit GOTTES verstummt, um ihr Raum zu geben, hat es unter dem Kreuz wahrlich das Schweigen des Himmels in sich aufgenommen, der mit seinen Myriaden von Engeln den Atem anhält Über das Geschehen von Golgotha.

Im Schweigen MARIENS unter dem Kreuz vollendet sich ihr Weg der Sühne. Da sie in, mit und durch den SOHN alle Sünden der Menschheit aufgenommen hat und an ihrem Leib das gemarterte Fleisch des SOHNES an ihrem Fleisch ausgehalten hat, kann sie in, mit und durch den SOHN auch das neue Leben spenden, das der VATER dem SOHN in der Auferstehung geschenkt hat.

Die kreischende Frau in Apk 13, die den SOHN in ungeheuren Schmerzen gebiert, ist MARIA als Mutter der Kirche - und mit, durch und in ihr jeder Christ, der durch das Sühneleiden mit hilft zur Erlösung der Welt.

Zur Unterscheidung

Die drei ersten Worte des HERRN und die vier folgenden sind eine Einheit.

Die ersten drei sind der Anruf des DREIFALTIGEN GOTTES an den Menschen in JESUS CHRISTUS:

- des VATERS in Seiner erbarmenden. verzeihenden Liebe,

- des SOHNES, in der Macht der Sündenvergebung,

- des HL. GEISTES durch MARIA und die Kirche, um den Menschen heimzuholen.

 

Die zweiten vier sind die Antwort der Genugtuung des Menschensohnes im Namen der Menschheit an den DREI-EINIGEN GOTT - sie bilden das Kreuz in seinen vier Strahlen.

Anruf und Antwort kommen aus der Tiefe des Schweigens GOTTES, Der auch dort, wo ER Sich an den Menschen richtet und in seinem Namen antwortet, das "Ja" der LIEBE zu Sich Selbst sagt, in das der DREIEINIGE GOTT in Seiner unbegreiflichen Herabneigung den Menschen und in Ihm Engel und Schöpfung hinein gerufen hat. Wo der Mensch in MARIA zum Kreuz sein "Ja" spricht, tritt er ein in die Anbetung GOTTES durch Sich Selbst.

Wenn das Kreuz In der Mitte der Hlst. DREIFALTIGKEIT steht. kann es nicht anders sein, als daß die vier Grundrichtungen der Anbetung, der Betrachtung, der Sühne und der Sendung in der Anbetung GOTTES eins werden.

- Nur GOTT Selbst kann Sich so anbeten, wie ER ist.

- Nur GOTT Selbst kann das Geheimnis Seines Wesens, das ohne Anfang und Ende ist, in nie endender Erkenntnis umfassen.

- Nur die Liebe GOTTES kann Sich Selbst genug tun.

- Die Göttlichen Hervorgänge werden in der Sendung des SOHNES offenbar.

 

Wir rühren hier an Geheimnisse, die das Wort nicht mehr auszusagen vermag, vor denen der Mensch nur in stummer Anbetung versinken kann. Worte wie Taten unseres HERRN sind Bild und Zeichen für die immer größere Wirklichkeit GOTTES Selbst. Im Abendmahlaal verspüren die Jünger etwas von dem Geheimnis der schweigenden Liebe GOTTES, wenn sie Ihm sagen: "Siehe, nun redest Du offen" (en parresia) und nicht mehr in Gleichnissen. Nun wissen wir, daß Du Alles weißt und nicht nötig hast, daß Dich einer frage. Darum glauben wir, daß Du von GOTT ausgegangen bist." (Jo 16,29f).

IV. "MICH DÜRSTET"

"ICH habe die Macht, Mein Leben hinzugeben und es wieder an Mich zu nehmen" (Jo 10,18)

In der Hingabe JESU CHRISTI für die Seinen wird das Geheimnis der Dreifaltigen Liebe GOTTES selbst offenbar.

Der VATER verschenkt Sich so an den SOHN, daß ER ganz im SOHNE ist, ebenso schenkt sich der SOHN so an den VATER, daß Er selbst nicht mehr ist, außer im VATER.

Am Kreuze vollendet der Menschensohn in der Kraft des HL. GEISTES diese letzte Hingabe an den VATER. Da der Mensch im Sündenfall seine Hingabe an GOTT verweigert hat, verschenkt sich der SOHN am Kreuz restlos dem VATER, um so den Durst des VATERS nach der vollkommenen Liebe des Menschen zu stillen.

Weil der SOHN sich bis zum Letzten entäußert, so daß Er selbst nur noch gähnende Leere ist, schenkt Ihm der VATER alle Menschen, die kraft Seines Kreuzesopfers den Weg der vollkommenen Hingabe an GOTT finden. WER DURCH DAS KREUZ EINGEHT IN DEN SOHN, GEHT DURCH IHN EIN IN DEN VATER.

Der Göttliche Abgrund der Hingabe des SOHNES an den VATER weckt den menschlichen Abgrund der Sehnsucht des menschlichen Herzens nach GOTT in aller Verlorenheit der Sünde: Abyssus abyssum invocat.

Das Wort „Mich dürstet“ faßt noch einmal die ganze Frohbotschaft der Liebe des VATERS zu den Menschen zusammen: der VATER verlangt nach der Liebe des Verlorenen Sohnes, ER will den Verlorengegangenen heimholen ins Vaterhaus, um mit ihm Sein GÖTTLICHES Leben zu teilen. Alle Worte der Frohbotschaft kommen aus diesem maßlosen, nicht mehr in Worte zu fassenden Liebesdurst GOTTES nach Seinem Geschöpf, das ER nach Seinem Abbild auf den SOHN hin geschaffen hat. Darum kann nur der SOHN auf diesen Liebesdurst des VATERS antworten und das "Dürste" des VATERS an die Menschen guten Willens weitergeben. In der Endzeit wird die Erde im Feuer der unersättlichen Liebe GOTTES verbrennen. Die Heilsgeschichte endet im Schweigen.

DER VATER HÄLT MAHL MIT DEM SOHNE UND DEM GEISTE.

AUF DEM TISCHE LIEGT DIE GROSSE HOSTIE DER WELT,

GEBACKEN IM FEUER DER HINGABE DES SOHNES AM KREUZ.

HEIMGEHOLT DURCH DEN GEIST.

"JA, KOMM, HERR JESUS".

V. "HERR, MEIN GOTT, WARUM HAST DU MICH VERLASSEN?"

So ausgeleert bist DU, HERR, daß Leib und Seele Dir klaffen wie eine einzige große Wunde, wie ein einziger ungeheurer Schrei, der die Felsen spaltet und die Sonne verfinstert.

In Ihm entlädt sich das stumme Seufzen der geknechteten Schöpfung und aller Schrei der Verzweiflung des von der Sünde erdrosselten Menschen wie ein ungeheures Gewitter, das Himmel und Erde zerreißt, daß hervorbreche aus dunklen Wolken der Regen der Gnade.

Jetzt bist Du weniger als ein zertretener Wurm, HERR am Kreuz, bist nur- wie in glühender Sonne aufgebrochene Erde, zerspalten, schrundig, die nicht mehr glauben kann, daß noch einmal der Regen der Gnade sie durchtränke zum Lehm neuen Lebens.

Immer schon war der HERR allein und unverstanden, selbst inmitten Seiner Jünger, immer schon war der Aufblick zum VATER der einzige Halt für diesen Einsamsten, der je der Erde Boden beschritt. Doch vom VATER wird Ihm am Kreuz noch dieser letzte Halt entrissen, damit Sein Leiden hinunter reiche zu denen, die in der Finsternis und im Todesschatten sitzen, die um ihrer Sünde willen wahrhaft von GOTT verlassen sind.

Das Schweigen des VATERS erdrückt Ihn wie Blei, raubt Ihm den letzten Atem, es ist eine einzige Verurteilung der Sünde, die Er an Seinem Leibe austrägt. Er ist nur noch die namenlose Qual des Ausgestoßenen, der in die bodenlose Tiefe der GOTTverlassenheit flieht.

Nur die unbedingte, schweigende Liebe vermag solchen Vorwurf von Dem zu ertragen, von Dem sie doch ausgegangen ist und Den sie nimmer lassen kann. Sie zerbricht am Schweigen des VATERS, Der Sich vor dem Greuel der Sünde in Seine Heiligkeit verhüllt. Der Menschensohn am Kreuz ist lebendiges Zeichen dafür, daß keine Gemeinschaft besteht zwischen Finsternis und Licht, zwischen GOTT und Belial. ER, Der ganz LICHT ist, steigt so tief hinunter in das Dunkel der Sünde, daß Er Selbst vor der Heiligkeit des VATERS Sünde wird und dem Bannfluch des "Weiche" verfällt. "CHRISTUS hat uns losgekauft vom Fluch des Gesetzes, indem Er Selbst für uns Fluch geworden ist." (Gal 3,13).

So müssen auch wir alle den Fluch der Sünde an unserem Fleische austragen in JESUS CHRISTUS, um die Gerechtigkeit GOTTES in Liebe zu verwandeln, damit die Vielen, die der SOHN losgekauft hat, heimfinden ins himmlische Vaterhaus.

VI. "IN DEINE HÄNDE EMPFEHLE ICH MEINEN GEIST!"

Die Sünde kann nicht mehr als den Leib zerbrechen und zertreten, die Seele und den Geist quälen bis in die tiefste Nacht der Verlassenheit, sie kann den Willen des HERRN, der zum VATER aufblickte, nicht brechen. Der SOHN weiß auch in der letzten Verlassenheit: DER VATER IST, auch wenn ER nicht antwortet.

In der Kraft dieser unauslöschlichen Sehnsucht greift Er nach dem Herzen des VATERS, der Ihn auch in der äußersten Verlassenheit nicht allein lassen kann, weil Er Sein geliebter SOHN ist. Hier vollendet sich der GLAUBE JESU, hier wird Er zum Anführer im Glauben all derer, die sich belehren lassen. Er hat als Erster die Nacht der Sünde durchschritten und damit den Weg zum Himmel erschlossen.

Er ist ausgespannt zwischen der Heiligkeit und Seligkeit des Himmels und der Verdammnis der Hölle, in die das Kreuz hinab reicht. Im Kreuz  i s t  schon die Ewigkeit, denn wo der SOHN sich aus der Tiefe der Sünde heraus restlos dem VATER übereignet, ist Er beim VATER, auch wenn Er davon nichts erfährt. Am Kreuz hat Er auch noch die Schau des VATERS (visio beatifica) hingeopfert, um in allem den Menschen gleich zu werden - ausgenommen in der Sünde. Durch, mit und in Ihm findet deshalb auch der größte Sünder heim zum VATER, wenn er sich nicht der Verzweiflung überläßt, sondern sich mit dem SOHN in die Hände des VATERS empfiehlt. "DENN DER VATER IST GRÖSSER ALS ALLE"

ER kann auch den Verlassensten noch heimholen, weil der SOHN die größere Verlassenheit durchlitten und sie in der tiefsten Qual Seiner Seele dem VATER aufgeopfert hat.

Dieses vorletzte Wort ist das unüberbietbare "Ja" des Menschensohnes zum unbegreiflichen Willen des VATERS, gesprochen aus der letzten Armut am Kreuz, da IHM nichts mehr bleibt, an das Er sich halten könnte - denn auch Sein Werk, die Kirche, hat Er in MARIA dem Jünger anheimgegeben.

Solche Armut kann nur GOTT tragen, weil GOTT auch dort GOTT bleibt, wo der Mensch zum Nichts geworden ist: Leere. Über diese Wüste des Nichtsseins vor GOTT aber neigt sieh wie im Anfang der GEIST, Der Alles neu schaffen wird. Und dieser Augenblick zwischen Ende und neuem Anfang, der nur gähnender Abgrund ist, in dem die ganze Welt zu versinken droht, wird der Anfang eines NEUEN HIMMELS und einer NEUEN ERDE.

In diesem Wort hat sich der SOHN, der nackt am Kreuze verblutet, hinein gebettet in das unbegreifliche Schweigen des Hl. GEISTES.

Da CHRISTUS zum VATER durch alle Vernichtung hindurch sein JA spricht in SCHWEIGENDER LIEBE ist in ihm auch unser letzte Ja geborgen. Sein Wort umfängt den ganzen Erdkreis. Da ja alle Dinge durch das WORT erschaffen und erhalten sind, hat der HERR in diesem Worte begonnen, die Schöpfung herab durch das Nadelöhr des Kreuzes heimzuholen zum VATER.

Zuletzt aber wird Der, Der sich durch Seinen Tod Alles unterworfen hat, sich dem VATER unterwerfen, damit GOTT Alles In Allem sei. Dann ist das "Ja', das GOTT in der Erschaffung der Welt und des Menschen zu Sich Selbst gesprochen hat, eingeholt und vollendet. Der Kreis der Liebe, der sich öffnete mit dem "ersten Tag" der Welt, hat sich in diesem "Ja" eingeholt.

"Denn das ängstliche Harren der Kreatur wartet auf die Offenbarung der Kinder GOTTES. Denn die Kreatur ist der Vergänglichkeit unterworfen ohne ihren eigenen Willen,  um dessen willen, der sie unterworfen hat. Auch sie wird frei werden vom Dienst des vergänglichen Wesens zur herrlichen Freiheit der Kinder GOTTES. Wissen wir doch, daß alle Kreatur sich sehnt und ängstigt mit uns noch immerdar. Nicht allein sie, sondern auch wir selbst, die wir das Angeld des Geistes haben, sehnen uns auch bei uns selbst nach der Kindschaft GOTTES und warten auf unseres Leibes Erlösung". Dieses Sehnen aller Kreatur nach GOTT ist getragen vom Hauch des HL. GEISTES, "der unserer Schwachheit aufhilft, da wir nicht wissen, wie wir beten sollen, wie es sich gehört, da tritt der GEIST mit unaussprechlichen Seufzern für uns ein .... der in uns schreit: ABBA, LIEBER VATER“ (vgl. Röm 8,15 ff u. Gal 4,6).

VII. "ES IST VOLLBRACHT!"

Der Mensch, verführt durch den Bösen, hat in der ersten Sünde und seither mehr und mehr nach dem Gott-Sein selbst die Hand ausgestreckt und gerade dadurch GOTT so verloren, daß er von sich aus nie mehr ins Vaterhaus zurückgefunden hätte.

Da hat der VATER den Eingeborenen SOHN gesandt, daß dieser sich erniedrige bis in den Staub der Erde, um den Menschen wieder heimzuholen.

Seither hat GOTT für die Menschen guten Willens wieder ein Antlitz und Ihre Sehnsucht nach GOTT geht nicht mehr ins Leere, stirbt nicht mehr verzweifelt in sich selbst, vom Bösen abgewürgt - durch den SOHN ist der Weg zum VATER wieder frei geworden, denn " WER“. DEN SOHN SIEHT, SIEHT DEN VATER“.

Mit diesen letzten Worten kehrt der SOHN heim in das Schweigen des VATERS zurück. Seine Sendung ist vollbracht. Er hat sich ganz ausgesagt hinein in die Finsternis dieser Welt, damit die Menschen, die das Licht mehr lieben als die Finsternis, heimfänden zum VATER. Weil Er sich ganz entäußern hat, begegnet Er hier der äußersten, das ist zugleich der innersten, tiefsten Liebe des VATERS. Diese Liebe aber ist die schweigende Liebe unendlicher Seligkeit, die kein Wort mehr braucht, weil das WORT jetzt wieder im Schoße des VATERS lebt.

"ES IST VOLLBRACHT“, heißt für uns: GOTT HAT ALLES GUT GEMACHT. Wenn wir nur tief genug hinabsteigen, in das Geheimnis der schweigenden Liebe GOTTES. werden wir wahrhaft erkennen, daß kein Sperling vom Dache fällt, kein Haar von unserem Haupte, ohne daß der VATER darum weiß.

Weil der VATER das Äußerste geschehen ließ, Seinen SOHN für uns am Kreuz verbluten zu lassen, darum ist alles, was immer geschehen mag auf dieser Welt, eingebunden in diese äußerste Liebe des VATERS zu Seinem SOHN. Wer schweigend diesem Geheimnis nachlauscht und sich von Ihm tragen läßt, wird Immer mehr erfahren, daß der HERR wahr gesprochen hat vor Pilatus:

"Ja, ICH bin ein König, und dafür bin ICH in die Welt gekommen, um für die WAHRHEIT Zeugnis abzulegen." Dieser Wahrheit aber begegnen wir nur dann, wenn sie uns so ergriffen hat, daß auch wir einmünden in das Geheimnis der schweigenden Liebe GOTTES, die Sich Selbst das beredteste Zeugnis ablegt. Im Schweigen ist die Fülle Göttlichen Lebens.

 

IM SCHWEIGEN UND GEBET WIRD DIE GESTALT DES NEUEN LEBENS!

 


 

 

III. Die Wesentlichkeit des Kreuzes (tbb.49)[6]

Wer das Wesentliche des Kreuzes erkannt hat, dem ist alles andre unwesentlich. Und was unwesentlich ist, begehrt man nicht. Darum sind jene, welche die Wesentlichkeit des Kreuzes erkannt haben, wunschlos

Kein Sieg über die Welt ist so vollständig als sie durch das Kreuz zu besiegen. Erst wenn die Seele, von Gott getragen, sich über das Kreuz der Welt erhebt, hat sie gesiegt.

Je mehr Ich eine Seele an Mich ziehe, desto unbedingteren Gehorsam verlange Ich. Jede Seele sei zufrieden mit dem Weg, den Ich sie führe. Je härter er ist, je verborgener, desto sicherer führt er zu Mir.

Der Weg von Gott hinein ins Dunkle wird immer mit Bitterkeit im Mund und mit Blei an den Füßen und mit Scherben in den Händen sein. Und doch ist damit zu künden die Glut der Liebe aus dem Munde, ‑ aus dem Herzen Gottes in uns, und doch ist samt diesem

Blei zu gehen mit der Kraft Gottes um die Wurzel von unten zu fassen ‑ "da du in Meinem Hause Wurzel gefaßt hast‑", und doch soll aus diesen Scherbentragenden Händen die Barmherzigkeit Gottes geschöpft werden, gerade mit diesen Scherben, aus denen die Schönheit der Gnade sichtbar werden wird.

Wer in Meine Wunden getaucht ist, dem steht es nicht mehr zu, über seinen Willen zu verfügen. Über die Meinen verfüge  I c h. In diesen Seelen soll nur mehr die Liebe brennen und der Wunsch, Mir gleichförmig zu werden.In Mir ist die Vollendung. So ist die Schönheit Meiner verklärten Wunden gleich groß wie die Schmerzen der irdischen Wunden. Kostet ihr die eine, so müßt ihr auch die andern erleiden. Erst am Holz ist die Erlösung vollendet, so wie Ich am Holz gesiegt habe.Glaubt nicht, daß es Mir gefällt, euch zu kreuzigen oder zu quälen. Aber ihr seid die Genugtuungsschale, in der Ich Meinem Vater immerfort Mein Erlöserblut aufopfere.

        

1.7.1948.

Eine U n t e r w e i s u n g  des H e r r n  an Seine Getreuen

"Nun ihr euch bereiten müßt zum Kreuzweg der Liebe, so sollt ihr nicht ängstlich die Hände vor das Gesicht schlagen `Noch nicht, o Herr!' Bereitet euch, denn die Zeit bestimme I c h und wenn Ich euch sende, werdet ihr nach dem Maße eurer Bereitschaft und eures Gottvertrauens auch das Maß der Kraft zugewiesen bekommen.

        

Ihr sollt euch bereiten nach der Länge und Breite und Tiefe, die da ist Glaube und Hoffnung und Liebe. Die Drei sind eins wie der Drei‑Einige Gott. Und jedes von ihnen ist nach der Länge und nah der Breite und nach der Tiefe zu erfassen und all euer Maß ist nach diesem Maß zu richten.

        

Euer  G l a u b e 

- muß in der Länge des Maßes die ganze Erde umspannen, an allen Orten muß euer Bekenntnis zu Gott aufsteigen und mit eurem Leben besiegelt werden können.

- Und er muß in der Breite des Maßes der Sicherheit, der Ganzheit, der Lebendigkeit bis aufs Äußerste ausgespannt sein, da auch ihr aufs Äußerste ausgespannt sein werdet.

- Und er muß durch die Tiefe eures innersten Herzens und die der Herzen aller, die ihr erfassen sollt, hindurchwurzeln in die Tiefe des Herzens Gottes.

        

Eure  H o f f n u n g 

- muß sich (in der Länge), ihre Augen immer auf Mich richtend, sehnen nach allen leergebrannten Stellen der Schöpfung, um sie zu begrünen.

- Sie muß sich in der Breite der Zähigkeit wie Immergrün festklamnmern an der Barmherzigkeit Gottes und, ringend mit ihr, je schöner werden, je mehr ihre Existenz in Frage steht.

- Sie muß mit ihren Wurzeln in die Tiefe schlagen und aus allen Dunkelheiten die Kraft des Lebens wie eine Brücke von der Zeit in die Ewigkeit schlagen.

        

In der  L i e b e 

- ist es notwendig, daß ihr zuerst in die Tiefe wachset, ehe ihr euch der Länge und Breite nach ausdehnet. Denn eure Wurzel kann nicht tief genug in Meinem Herzen festgewachsen und verankert sein, da die Anstürme, denen ihr ausgestzt seid, über das irdische Maß jeder Tiefe hinausgehen. Darum müßt ihr hinab steigen in Meine Wunden. Bittet Meine Mutter um ihre Augen, um in ihrer Liebe dies zu erfassen.

 

Werdet hellsichtig und hellhörig in der Liebe, um in der tiefsten Tiefe jene Worte der Liebe zu vernehmen, welche euch ewig an Mich binden. Erst von dieser Tiefe aus könnt und müßt ihr die Zusammenhänge der Liebe erfassen zwischen Schöpfer und Schöpfung. Ihr müßt alle Wege der Liebe zwischen Gott und Mensch gegangen sein, um auf die Liebesreue und Sühne der Menschen die Breite der Barmherzigkeit Gottes legen zu können. Ihr müßt die Liebe ermessen lernen an Schuld und Sehnsucht und Opfer, wie an Langmut und Verzeihung und Barmherzigkeit.

 

- Erst wenn ihr von der Tiefe her die ganze Breite der Liebe Gottes durchdrungen habt, könnt ihr hinausgehen in die Länge über die Erde.

- Erst wenn ihr von der Breite her jene Liebe erfaßt habt, die Mich mit der Kirche auf Erden verbindet in aller ihrer Menschlichkeit, aber auch Unzerstörbarkeit und die Unfaßbarkeit ihrer Sendung und ihres Wertes,

- dann erst könnt ihr aus Meinen Wunden, die über die ganze Erde ausgespannt sind, die der Lebensstrom und das Hohelied der Kirche sind, hinausgehen, wohin Ich euch sende. Dann erst seid ihr wahrhaft bereitet."

 

UMRISS DES BAUES

14 . Juni 1948

Fundament

In dem Werk, das der HERR in Seiner Barmherzgikeit und Liebe zu bauen mit uns vorhat, besteht das Fundament aus liebeglühenden Sühneseelen, die im Verborgenen wie ewig leuchtendes Licht die Kraftspeicher bilden. Darum müssen diese Seelen in den Wunden des HERRN wie Ecksäulen stehen, sie müssen in ständiger und totaler Gebundenheit mit der göttlichen Hilfe, der Hilfe unserer Königin und ihrer Sturmscharen auch miteinander und mit denen, die sie führen, fest verbunden sein.

 

Kleine Gemeinschaften

Sie sind über die ganze Welt verstreut wie Zellen. Für sie gilt der erste Punkt des Fronleichnam Programms. Auf ihnen baut der HERR seine Zufluchtstätten, seine kleinen Häuschen von Nazareth auf. Das sind die Berufenen.

 

Ihre Sendung: der Fischfang

In ihnen und von ihnen aus leitet der HERR Seinen Fischfang. Diejenigen, die das Netz bilden, das der HERR auswirft. welche die Angel sind. die ER in die Tiefen senkt, sind geistig herausgehoben aus aller irdischen und bleibenden Geborgenheit.


 

 

IV. Der Rosenkranz  als  Schule des Gehorsams

Eine Betrachtung zur Heiligen Ordnung des Rosenkranzes

ÜBERSICHT

 

EINLEITUNG: "DIE RUNDE SICHT" AUF DEN GEHORSAM

 

A) DER GEHORSAM IM BLICK AUF DIE FREUDENREICHEN GEHEIMNISSE:

IN DER MITTE DIE GEBURT DES HERRN;

DIE GEBURT UND DAS WACHSTUM DES HERRN IN UNSERER SEELE

IM SPIEGEL UND GLEICHNIS DER GEBURT DES HERRN

IM GEHORSAM GEGENÜBER DEM VATER

 

I) DER GEHORSAM ERWÄCHST AUS DEM GESPRÄCH MIT DEM VATER

 

II) DIE VIER BEGLEITENDEN GEHEIMNISSE

ALS ENTFALTUNG DES GESPRÄCHES MIT DEM VATER

HINEIN IN DIE DIMENSION DER MENSCHWERDUNG

 

III) DIE BEWEGUNG HIN AUF DEN GRÖSSEREN GOTT

 

B) DER GEHORSAM IM BLICK AUF DIE SCHMERZENSREICHEN GEHEIMNISSE:

DER VERKANNTE VERACHTETE HERR IN DER MITTE

IM BILD DES KÖNIGS MIT DER DORNENKRONE

 

I) DURCHBRECHEN IM LEID ZUR ERKENNTNIS

DES LEBENDIGEN, DES GRÖSSEREN GOTTES,

DURCHALTEN DES GESPRÄCHES MIT DEM VATER

 

II) DIE VIER BEGLEITENDEN GEHEIMNISSE

ALS ENTFALTUNG DIESES LEIDVOLLEN GESPRÄCHES

MIT DEM VATER

 

III) DAS BEKENNTNIS DES WAHREN GOTTES

 

 

C) DER GEHORAM IM BLICK AUF DIE GLORREICHEN GEHEIMNISSE:

IN DER MITTE DAS PFINGSWUNDER

ALS OFFENBARUNG VON GOTT - GEIST;

DAS WERDEN DES NEUEN MENSCHEN

IM HEILIGEN GEIST

 

I) DAS NEUWERDEN DES MENSCHEN IM HEILIGEN GEIST

 

II) DIE AUSWIRKUNG DES NEUWERDENS

IN DEN VIER BEGLEITENDEN GEHEIMNISSEN:

EIN NEUER HIMMEL UND EINE NEUE ERDE

 

III) DIE VERHEISSUNG DES GEHORSAMS:

DAS NEUE JERUSALEM;

sie verlangt:

 

1) die je persönliche Antwort

2) das Loslassen

3) die Hilfe des Engels

 

Zusamenfassung:

DIE GEBURT DES NEUEN MENSCHEN IM GEHORSAM

Einleitung: DIE "RUNDE SICHT" AUF DEN GEHORSAM

 

Es genügt nicht, die Dinge nur von einer Seite zu sehen, wie linear, oder auch flächig. Der Wirklichkeit werden wir nur gerecht, wenn wir sie mit dem HERRN im Zeichen des Kreuzes sehen - das heißt aus allen Vier Himmelsrichtungen. Denn dort wo GOTT den Menschen in Seinem SOHNE, und das heißt über das Kreuz anspricht, muß der Mensch notwendig auch im KREUZ antworten.

 

Immer aber ist es zugleich der DREEINIGE GOTT, DER uns durch das KREUZ anspricht, darum muß auch IHM, dem VATER, dem SOHN, dem HEILIGEN GEIST in unserer Antwort Rechnung getragen werden.

 

So kommen wir wie von selbst dazu, unsere Antwort ganz in das WEHEN DES HEILIGEN GEISTES zu geben, denn nur in IHM kann sie rund werden.

 

Der Rosenkranz, in seiner formalen Struktur

gewährt uns diese dreifache Rundsicht:

 

Der Anruf durch den DREIEINIGEN GOTT liegt zuerst in den drei Rosenkränzen: der Freudenreiche besonders dem VATER, der Schmerzensreiche besonders dem SOHN, der Glorreiche besonders dem HEILIGEN GEISTE zugeordnet.

 

Die Ausrichtung auf das Kreuz ergibt sich in den Vier Geheimnissen, die in jedem der drei Rosenkränze ein Mittleres Geheimnis umschließen, das die "Achse" dieser Geheimnisse darstellt.

 

Die Führung des HEILIGEN GEISTES liegt in der Entfaltung dieser dreimal vier Geheimnisse hin auf die Vollendung aller Dinge im Himmlischen Jerusalem. Sie ist sichtbar angedeutet in den sieben Teilen des "Gegrüßet seist du MARIA..": alle Bewegung des GEISTES zielt hin auf das BILD DES SOHNES IN MARIA!

 

(Zum tieferen Verständnis dieser vom Rosenkranz her abgeleiteten Methode der Betrachtung siehe die Betrachtung: "DAS INNERE HAUS DES ROSENKRANZES")

 

Immer muß der GEHORSAM gesehen werden im Blick auf den GEHORSAM CHRISTI, BIS ZUM TOD AM KREUZ!

 

Dies ist seine Vollendung - doch sie ist schon angedeutet in der Wurzel:

- den Freudenreichen Geheimnissen, denn nur im Gehorsam kann die Seele GOTT entgegenwachsen;

- er prägt sich aus in seiner Endgestalt im den Schmerzensreichen Geheimnissen;

- er entfaltet seinen Reichtum in den Glorreichen Geheimnissen

- und wird endlich zur FRUCHT EWIGEN LEBENS in der Verheissung des NEUEN JERUSALEM.

 

Dies sind die v i e r wesentlichen Schritte dieser Arbeit!

 

A) DER GEHORSAM IM BLICK AUF DIE FREUDENREICHEN GEHEIMNISSE:

IN DER MITTE DIE GEBURT DES HERRN;

 DIE GEBURT UND DAS WACHSTUM DES HERRN IN UNSERER SEELE

im Spiegel und Gleichnis

      DER GEBURT DES HERRN IM GEHORSAM GEGENÜBER DEM VATER

 

Die Geburt des HERRN in der Armut von Betlehem ist das MITTEGHEIMNIS des Freudenreichen Rosenkranzes, auf sie zielen in der Sicht des Kreuzes die übrigen vier Geheimnisse:

 

- sie winden sich wie die Weinranken um den tragenden Pfahl,

- sie umschließen ihn

- und heben ihn. Im Bild der "großen Blumen" auf dem Bild der Mutter GOTTES von Guadalupe ist diese dreifache Bewegung deutlich zu erkennen:

 

Mittegeheimnis ist in diesem Bilde die geheimnisvolle Gegenwart des HERRN im Gesegneten Leibe der Allerseligsten, Allzeit Reinen Jungfrau MARIA, angedeutet durch die vierblättrige Blume. (Siehe dazu das III. Buch im "Blühenden Rosenstrauch": "Die Botschaft der Blumen und Sterne"!):

 

- nur von ihr her ist diese Bewegung, die wir dort als "heimholende" kennzeichnen, zu erkennen:

 

- Der HERR selbst ist durch Sein LICHT: DER FISCHER, DIE ANGEL, DAS FISCHERNETZ im Fischfang der Seelen;

 

- die Bewegung - dort der Blumen - hier der Rosenkranzgeheimnisse umschließt die Gegenwart des HERRN, hüllt sie ein in der Torheit des Kreuzes (es sind ja jeweils vier Geheimnisse!);

 

- zuletzt aber sind es diese vier Geheimnisse, die das Mittegeheimnis heben: es deutlich machen, tiefer in unser Bewußtsein bringen, daß wir uns nicht in den vielen Geheimnissen verlieren, sondern immer in allen Geheimnissen nur auf IHN allein schauen, und wieder in besonderer Weise auf IHN in unserer Seele, in der ER immer mehr geboren werden will!

 

Hier ist uns Richtweisung das Wort Eckehardts:  was nützte es uns, daß der HERR in Betlehem geboren wurde, wenn ER nicht auch in unserer Seele geboren würde. Auf dieses Mitte-Geheimnis müssen wir uns deshalb in unserer Betrachtung des GEHORSAMS in besonderer Weise ausrichten. Es wird uns am Ende deutlich werden, daß dieses Geheimnis der GEBURT UNSERES HERRN auch die Mitte der beiden anderen Rosenkränze ist, freilich in je verschiedener, durch die Geheimnisse bedingten Sicht.

 

                                                                     

I) DER GEHORSAM ERWÄCHST AUS DEM GESPRÄCH MIT DEM VATER

 

Gehorsam ist zunächst ein innertrinitarisches Geheimnis, im Blick auf die EWIGE ZEUGUNG DES SOHNES GOTTES IM HEILIGEN GEISTE DURCH DEN VATER. Dieses Geheimnis ist nicht näher zu klären, wir können nur niederknieen und anbeten mit den Hl.Engeln, anbeten und danken, denn in diesem Geheimnis des DREIFALTIGEN GOTTES und Seiner EWIGEN FRUCHTBARKEIT liegt letztlich auch alle Seligkeit des Geschöpfes beschlossen, das GOTT in Seiner unbegreiflichen Liebe zur Teilhabe an Seinem Ewigen Leben gerufen hat.

 

Im Liebesgespräch des VATERS mit dem SOHNE liegt wohl seit Ewigkeit der Gedanke an die Schöpfung: der VATER will den SOHN nicht nur bei sich haben, im Innertrinitarischen Leben, ER will IHN auch nach außen verschenken, an eine Schöpfung, die Sein Antlitz trage, damit der VATER auch "draußen" überall Seinen SOHN erkenne!

 

In solchem GESPRÄCH liegt letztlich auch die Wurzel des GEHORSAMS - auch wenn dies für uns zuerst schwer verständlich ist, weil wir nichts wissen von der HEILIGEN STRUKTUR DES GESPRÄCHES, VON SEINEN GESETZEN; letztlich deshalb, weil Adam und Eva im Anfang aus dem Gespräch mit GOTT im Ungehorsam herausgefallen sind.

 

Hier schon wird deutlich, daß es kein Gespräch gibt ohne einen zugrundeliegenden GEHORSAM, EIN HORCHEN AUF DEN ANDERN, sein Wort, seinen Anspruch - sonst wird Gespräch wie unser übriges von der Sünde geprägtes Leben Dschungelkampf: wir wollen mit unseren Worten nur unsere Meinung durchsetzen und den Anderen dazu zwingen, sich ihr zu unterwerfen.

 

Darum ist es auch nicht verwunderlich, daß in jedem Heiligen Beginn am Anfang das HORCHEN AUF GOTT, DAS GEHORCHEN steht. Dies wird in besonderer Weise bei allen Ordensgründungen deutlich, die über den Einen, der in den besonderen Gehorsam GOTTES eingetreten ist, eine Neue Lebensordnung eröffnet, auch wenn es, besonders in unserer Zeit, nur eine Oase in der Wüste der Sünde ist. Weil solche Ordnung letztlich aus dem GESPRÄCH MIT GOTT kommt, kann sie auch nur dort fortgeführt werden, wenn dieses Gespräch mit GOTT auch von denen, die gnadenhaft in solcher Ordnung geborgen sind, weitergeführt wird.

 

In dem Maße wie dieses lebendige Gespräch mit GOTT zerfällt, wird aus der lebendigen, vom Blute CHRISTI durchströmten Ordnung des Ordenslebens eine abstrakte Ordnung, um der Ordnung willen, der Unordnung der Welt in irgendeiner Weise entgegengestellt, eine Flucht vor ihr, eine relativ "besser" als Draußen - doch es ist weitgehend eine menschliche, eine gemachte Ordnung - in der GOTT nur noch schwer zu finden ist.

 

Solchen Zerfall können wir in der Geschichte der Kirche bei allen Ordenssgründungen feststellen - er ist, wegen der erbsündlichen Natur des Menschen unvermeidlich - wenn GOTT hier nicht in besonderer Weise eingreift, um solche Ordnung engelhaft zu stützen.

 

Voraussetzung für solche Hilfe ist das GESPRÄCH, DAS HORCHEN, DER GEHORSAM DES MENSCHEN, denn nur über diese Bereitschaft zum Gespräch, kann der Engel eingreifen, den Menschen anleiten, immer tiefer in das Gespräch mit GOTT hineinzuwachsen, so wie der Engel seit der Prüfung am Anfang der Zeit in den Gehorsam GOTTES hineingenommen ist.

 

Menschlich gesehen ist solche Öffnung zum Gespräch mit GOTT letztlich nur möglich, wenn der Mensch sich von seinen selbst verfertigten Ordnungen lösen kann; wenn diese Ordnungen zu zerbrechen beginnen, wenn der scheinbar sichere Boden menschlicher Ordnung wie in einem Erdbeben plötzlich nachgibt, daß der Mensch in Gefahr kommt, ins Bodenlose zu stürzen!

 

So ist letztlich die Öffnung hin zum Gespräch mit GOTT, das Horchen und Gehorchen ZEICHEN FÜR DIE GEBURT DER SEELE IN GOTT. Sicher, in der Taufe ist der Keim gesetzt, doch wie selten entfaltet er sich hin zu solchem lebendigen Leben mit GOTT, weil der Mensch, wie Adam, immer wieder fort will von GOTT, sich verstecken, "er selbst sein" - in der immerwährenden Verführung durch den gefallenen Engel, der gegen GOTT ein für alle Mal dieses Selbstsein gewählt hat.

 

Hier wird deutlich, daß das Geheimnis der GEBURT DES HERRN nicht nur ein freudenreiches, sondern notwendig, auch in den freudenreichen, ein schmerzensreiches Geheimnis ist, wie wir es ja auch am Leben der Allerseligsten Jungfrau ablesen können. Zugleich ist es aber auch ein glorreiches Geheimnis, denn es bedeutet in der durch die Sünde zum Tode bestimmten Welt Durchbruch zum Licht, in aller Finsternis!

 

 

II) DIE VIER BEGLEITENDEN GEHEIMNISSE

ALS ENTFALTUNG DES GESPRÄCHES MIT DEM VATER

HINEIN IN DIE DIMENSION DER MENSCHWERDUNG

 

Um dieses Geheimnis der MITTE ranken sich die übrigen Vier Geheimnisse, wie in zwei Kreisen.

 

Der erste Kreis ist gezeichnet durch den Begriff: Empfangen:

und dies wieder in zweifacher Weise:

 

- das erste Empfangen ist wie ein Überwältigtwerden des Menschen durch die Grössere Gnade GOTTES  ("Du bist voll der Gnaden!"- zu der er nur sein JA zu sprechen braucht, wie es MARIA in der Verkündigung getan hat;

 

- das zweite Empfangen ist ein Empfangen in Schmerzen, nach dem Verlust des SOHNES in Jerusalem, ein Wiederempfangen, in dem dem Menschen deutlich wird, daß das Empfangen keinen Anspruch bedeutet, daß es notwendig ein immer neues, immer tieferes Empfangen verlangt, um immer leerer zu werden von sich selbst, um ganz SCHALE DES EMPFANGENS zu werden!

 

Der zweite Kreis verlangt die Weitergabe des EMPFANGENEN -

AN DEN NÄCHSTEN (Weg zu Elisabeth) und zurück AN GOTT (Aufopferung JESU im Tempel).

 

Nur wenn das EMPFANGEN in letzter Selbstlosigkeit  geschieht - als reine Schale, als leeres Gefäß, wenn es zugleich immer ein Verschenken ist, an GOTT und den Nächsten, wird die GABE: der HERR, immer tiefer in der Seele des Menschen geboren; wird  Seine Gegenwart wirklich zur Mitte unseres Lebens, auf die Alles ausgerichtet sein muß und in der wir allein immer wieder neue Empfangende sein können!

 

III) DIE BEWEGUNG HIN AUF DEN GRÖSSEREN GOTT

IN DER KRAFT

DER SPANNUNG DES KREUZES

 

Es ist die Bewegung des "Überhinaus", hin auf den GRÖSSEREN GOTT (im ersten Kreis) in der "Spannung" von GOTTES- und Nächstenliebe.  Nur in solchem ÜBERFORDERTTSEIN, nach oben wie in der Horzontale, wird die GEBURT DES HERRN die treibenden Kraft in unserem Leben,  kann sich die Spirale unseres Lebens anheben und damit ausbrechen aus dem Kreis des immer Gleichen, des Einerlei, des Überdrußes, aus diesem Drehen um sich selbst, das das deutlichste Kennzeichen der Sünde ist.

 

Was hier nur angedeutet ist, wird in den Schmerzenshaften Geheimnissen aus der MITTE DES DORNENGEKRÖNTEN HERRN entfaltet: der HERR hilft uns die in den Freudenreichen Geheimnissen geschenkte Gnade der KINDSCHAFT durchzuhalten und durchzutragen gegen allen Widerstand der Sünde.

 

B) DER GEHORSAM IM BLICK AUF DIE SCHMERZENSREICHEN GEHEIMNISSE:

 

DER VERKANNTE UND VERACHTETE GOTT IN DER MITTE:

IM BILD DES KÖNIGS MIT DER DORNENKRONE.

 

I) DURCHBRECHEN IM LEID ZUR ERKENNTNIS DES LEBENDIGEN, DES GRÖSSEREN GOTTES, DURCHTRAGEN DES GESPRÄCHES MIT DEM VATER

 

Durch die Sünde hat der Mensch den Blick auf den LEBENDIGEN GOTT verloren; immer mehr ist es dem Feind GOTTES gelungen in diese Leere falsche Bilder, ja sein eigenes Bild in aller Vielfalt der Verzerrungen des Bildes GOTTES zu stellen, um den Menschen endlich ganz in seine Gewalt zu bekommen, ihm sein Bild aufzuprägen.

 

Hier muß der SOHN GOTTES im Gehorsam gegenüber dem VATER den Weg zurück zum Gespräch mit GOTT bahnen, damit der Mensch langsam wieder zur Erkenntnis des WAHREN GOTTES gelange. Es geht hier in den Schmerzensreichen Geheimnissen wesentlich um diese ERKENNTNIS DES WAHREN GOTTES, wie es verschleiert im "Ecce Homo" des Pilatus, im Hinweis: "Siehe den MENSCH!" angedeutet wird.

 

Hier ist wahrhaft das Bild des Menschen, wie er vor GOTT stehen sollte: im Bekenntnis des WAHREN GOTTES gegen alle Macht und Bosheit der Finsternis spiegelt der Mensch wieder das Antlitz GOTTES, so sehr es, nach außen durch den Anwurf der Sünde verzerrt, verdeckt zu werden droht. Hier gilt es, das Geheimnis der GEBURT DES HERRN durchzuhalten gegen allen blinden Spott der Welt, die dieses Bekenntnis niederzureissen versucht, um sich selbst zu bekennen. In solchem "bekenntnis des menschen" aber zeigt sich das Ausmaß seiner Sünde. Wer sich gegen den HEILIGEN GOTT stellt, muß notwendig seine Sünde offenbaren!

 

                                                                     

II) DIE VIER BEGLEITENDEN GEHEIMNISSE ALS ENTFALTUNG DIESES LEIDVOLLEN GESPRÄCHES MIT DEM VATER UM UNSERER RETTUNG WILLEN.

 

Der erste Ring der Geheimnisse: Ölberg und Kreuzigung, zeigt den Kampf JESU, die ERKENNTNIS GOTTES, die uns in der GOTTESkindschaft durch die Taufe geschenkt wird, gegen allen geistigen und äußeren Angriff des Feindes durchzuhalten; der Mensch muß in der ERKENNTNIS GOTTES sterbend neu geboren werden. Die Erkenntnis GOTTES verpflichtet zum Gehorsam bis zum Tod am Kreuz. Nur solche mit der Hingabe des eigenen Lebens besiegelte Erkenntnis ist wahr.

 

-In den ersten drei Ölbergstunden ist es der innere Kampf um die Erfüllung des Willens GOTTES: der HERR muß mit aller Kraft der Seele und des Leibes die IHM vom VATER gegebene Sendung zur Rettung des Menschen aus dem Tod der Sünde durchtragen. Sein Wille zum Gehorsam gegenüber dem VATER verlangt die letzte Anstrengung Seines Willens; der Engel, der IHM zu Hilfe kommt, gibt diesem Seinem Willen die nötige Kraftzufuhr, hier nicht zurückzufallen: die letzten menschlichen Kräfte einzusetzen, um das BILD GOTTES IM MENSCHEN zu retten! Hier kann kein menschlicher Trost ihm helfen, so sehr ER als Mensch im Anfang auch bei Seinen Jüngern Hilfe sucht: ER muß allein die Kelter treten!

 

- In den letzten drei Stunden des Sterbens am Kreuz muß der HERR diesen GEHORSAM gegen über DER ERKENNTNIS GOTTES bekennen gegen alle brutale äußere Gewaltanwendung der Mächte der Finsternis und ihrer menschlichen Schergen. DIE ERKENNTNIS MUSS BEKENNTNIS WERDEN - nur so kommt sie zur FÜLLE, zum PLÄROMA, aus dem alle, die den Weg der Nachfolge gehen, schöpfen können!

 

Im zweiten Ring (Geißelung und Kreuztragen) geht es darum, den WILLEN GOTTES durchzutragen durch alle Bedrängnisse, Versuchungen und Ablenkungen des Feindes, der uns dorthin bringen will, wo er "steht": in der Verneinung des Willens GOTTES, in der Erstarrung des Hasses!

 

-   In der Geißelung versucht der Böse, ihm das Letzte zu entreissen, was ihm menschlich noch bleibt: den Leib. Die dreifache Geißelung mit Ruten, Lederriemen und zuletzt mit Eisenhacken, hat dem HERRN das Fleisch vom Leib gerissen, wie es uns nicht die grausamste Schilderung vorzustellen vermag. Der HERR gibt sein Fleisch hin, damit unser von der Sünde verlocktes Fleisch zu widerstehen vermag; damit wir in der Versuchung arm werden im Blick auf den Versucher und standhaft im Blick auf IHN; der solche Qual für uns auf sich genommen hat.        

 

- Im Weg hinauf nach Golgotha ist der Gehorsam des "Tag für Tag, Stunde für Stunde" angesprochen, den wir dem HERRN leisten müssen auf diesem Pilgerweg durch das Tal der Tränen, damit wir hier nicht auf Abwege geraten.

 

III) DAS BEKENNTNIS DES WAHREN GOTTES IN LEID UND KREUZ

 

Die Geburt des Neuen Menschen aus dem Sterben des Alten Adam, Mittegeheimnis des Schmerzreichen Rosenkranzes,

muß durchgetragen werden in der Erkenntnis

und im Bekenntnis des HEILIGEN WILLEN GOTTES,

in aller Armut des Gegeißelten,

in der Beharrlichkeit, das Kreuz hinaufzutragen nach Golgotha.

 

In diesen vier sie umgebenden Geheimnissen

ist sie geborgen und geschützt zugleich

und darf sich endlich vollenden

in der GOTTESkindschaft am Kreuz.

 

Auch hier wie bei den Freudenreichen Geheimnissen

ist das Mittegeheimnis die treibende Kraft:

in ihm soll sich die Gnade der Neugeburt

im Wasser vollenden im Blut des Zeugnisses

und endlich, im Blick auf die Glorreichen Geheimnisse,

im HEILIGEN GEIST Frucht bringen für die Ewigkeit.

 

C) DER GEHORSAM IM BLICK AUF DIE GLORREICHEN GEHEIMNISSE:

 

DAS PFINGSTWUNDER IN DER MITTE ALS

 OFFENBARUNG VON GOTT-GEIST,

DAS WERDEN DES NEUEN MENSCHEN IM HEILIGEN GEIST

 

So wie der Mensch in der Taufe (Freudenreiche Geheimnisse!) gereinigt wird von der Makel und Last der Erbschuld, so wie er im Blut des sterbenden HERRN am Kreuz die Kraft erhält, durchzustoßen gegen allen Widerstand des Bösen im Bekenntnis zum Gekreuzigten HERRN (Schmerzensreiche Geheimnisse), so soll er hier in den Glorreichen Geheimnissen im HEILIGEN GEIST EIN NEUER MENSCHEN WERDEN IN JESUS CHRISTUS, DEM AUFERSTANDENEN.

 

I) DAS NEUWERDEN IM HEILIGEN GEIST

 

Erst im HEILIGEN GEIST kann der Mensch wirklich neu werden, nämlich in der Erkenntnis: GOTT IST GEIST, UND DIE IHN ANBETEN MÜSSEN IHN ANBETEN IM GEIST UND IN DER WAHRHEIT (Johannes 4). Wieder ist hier der GEHORSAM gefordert, doch jetzt nicht nur in der Hingabe des Glaubens (Frr.Geh.), nicht nur im Übersichhinaus der Hoffnung, sondern jetzt im gänzlichen Sichverlieren in die Unbegreiliche LIEBE GOTTES, die im SOHN den Menschen immer mehr an SICH ziehen will. Wo der HEILIGE GEIST über den Menschen kommt, wird der Mensch über sich selbst hinausgerissen - die Welt sieht dies, wie uns das Pfingstwunder lehrt, als Trunkenheit; die einzige Weise, wie sie, für Augenblicke ihrer selbst vergessen kann. Der Mensch aber, der vom HEILIGEN GEIST erfaßt ist, hat schon hier das Angeld des EWIGEN LEBENS.

 

II) DIE AUSWIRKUNG DES NEUWERDENS

IN DEN VIER BEGLEITENDEN GEHEIMNISSEN:

"EIN NEUER HIMMEL UND EINE NEUE ERDE"

 

Um dieses  NEUWERDEN IM HEILIGEN GEIST kreisen die übrigen vier Geheimnisse des Glorreichen Rosenkranzes.

 

im ersten Kreis (Auferstehung und Krönung MARIENS) wird das "Siehe ICH mache Alles neu" der Geheimen Offenbarung in seiner ganzen Radikalität offenbar. Die Auferstehung CHRISTI ist von keiner irdischen Gegebenheit her ableitbar.

 

Dafür steht zuerst das LEERE GRAB, der Schrecken der Frauen, das Unbegreifen der Jünger, ihr "hartes Herz". Als alte Menschen können sie nicht hinüberreichen zum Auferstandenen HERRN.

 

Die Auferstehung kann letztlich überhaupt nicht verstanden, sie kann nur erfahren werden, und sie muß erfahren werden am eigenen Leibe, an der eigenen Seele. Dafür steht das Geheimnis der Krönung MARIENS. Nur weil sie unter dem Kreuz sich selbst ganz und gar abgestorben war, kann sie solcher Gnade des Neuwerdens teilhaftig werden.

 

Es ist hier ein GEHORSAM den nicht eigentlich der Mensch mehr übt, sondern der von GOTT getan wird. Der gehorsame Mensch wird hineingerissen in die alles überwindende Kraft der Auferstehung CHRISTI, die keinen Rest hinterläßt. Die zusammengefalteten Tücher sind nur Hinweis, Wegweisung hinein in eine nicht mehr sichtbare Welt.

 

Wie im ersten Kreise der Ausgang und das Ziel der Auferstehung aufgezeigt wird: Grab und Krönung MARIENS, so im zweiten Kreis die Bewegung hin zu diesem ZIEL (Himmelfahrt des HERRN und MARIENS).

 

Die Himmelfahrt JESU ist die Überwindung aller Schwerkraft dieser Erde und der Sünde. Sie hebt nicht nur den Felsblock vom Grab hinweg, sie reißt letztlich die ganze Schöpfung mit sich hinauf zu GOTT; weil GOTT aber unendlich ist, meinen manche Väter, daß solche Bewegung hinauf nie ein Ende finden wird.

 

Die leibliche Himmelfahrt MARIENS ist der Hinweis, daß auch der Leib, ja alle materielle Schöpfung in ihrer Fähigkeit GOTT zu gehorchen (potentia oboedentialis) in die Bewegung der Vollendung hineingenommen ist, die mit der Auferstehung CHRISTI die ganze Schöpfung ergreift.

 

Die vier das Kommen des GEISTES umrahmenden Geheimnisse, sind nur im GEIST erfahrbar, sie sind notwendig auf dieses Mittegeheimnis hin ausgerichtet und erläutern so, was es für uns besagt.

 

III) DIE VERHEISSUNG DES GEHORSAMS: DAS NEUE JERUSALEM

Sie verlangt:

1) Die persönliche Antwort an GOTT

Der Gehorsam im Glauben im Blick auf die Menschwerdung (Frr.Geh.),

der Gehorsam in der Hoffnung (Schmr.Geh.), im Blick auf das Kreuz,

finden im Gehorsam der Liebe (Glorr.Geh.), die notwendig eine LIEBE IM HEILIGEN GEISTE sein muß, seine Vollendung. Zu solchem GEHORSAM DER VOLLENDUNG sind wir in besonderer Weise mit den heiligen Engeln gerufen, denn nur in ihrer Vermittlung, insbesonders der Vermittlung durch unseren je eigenen Schutzengel, kann diese Liebe auch immer mehr eine je einzigartige werden und so die entsprechende Antwort an den einzigartigen Liebesanruf GOTTES für jede Seele.

Weil der Mensch seit Adam sich immer wieder hinter den Bäumen zu verstecken sucht, hier die Bäume als Bild einer bloß geschöpflichen Ordnung verstanden, ist der Durchbruch zu solcher je persönlichen Liebe notwendig ein Geheimnis des STERBENS, sei es des individuellen, sei es, im Blick auf eine endzeitliche Katastrophe (Reinigung), der Vielen.

 

2) Das Loslassen

Um wirklich gehorchen zu können, muß der Menschen loslassen lernen, so wie er endlich im Tod Alles, ja selbst seinen Leib lassen muß. Zu solcher Loslösung sind in diesem Leben aber immer nur die Wenigen gerufen, wie einst beim ersten Kommen des HERRN, die "anawim", die Armen des Volkes Israel, die allein auf den Messias ihre Hoffnung setzten. Darum ist solch vollkommener, dreifacher Gehorsam wohl auch immer, wie schon bei Abraham, eine Gnade der "Wenigen", durch die sich aber GOTT der Barmherzige notwendig der Vielen erbarmt. Solcher Gehorsam ist Auserwählung, von der freilich der Auserwählte nur wie nichtwissend wissen darf.

Nur solch dreifaltiger Gehorsam führt im Zeichen des Kreuzes (dreimal vier) hin zur Frucht der GOTTESSTADT, in der sich die Schöpfung vollendet.

 

3) Die Hilfe des Engels

Solcher Gehorsam ist wohl in den Ordensregeln der verschiedenen Ordensgründer letztlich angezielt, doch eben nur angezielt, nicht ausgeschrieben - es ist hier ein Geheimnis angerührt, um das die Philosophie immer gerungen hat, ohne es je zu lösen; auch Romano Guardini hat es wieder aufgegriffen, im Wissen um das "Ende der Neuzeit": wie das Einzelne sich einfügt in das Ganze. Ethisch gesehen, wie die Würde des Menschen vor dem immer stärkeren Anspruch der totalitären Systeme zu wahren ist. Hier ist die Antwort der Engel, der seit der Prüfung in der Heiligen Ordnung GOTTES seinen Platz gefunden hat, nicht als ein "Rädchen im Räderwerk des Ganzen", sondern als individuelle Persönlichkeit, zu der er auch uns erziehen will.

Es ist klar, daß dort, wo der Engel uns näher kommt eine nur von außen verstandene und verwaltete Ordnung fragwürdig wird.  Das weiß auch der Böse, darum zerteilt er sie in die Vielfalt der Ismen. Der Mensch verliert in solchem Gruppenegoismus seine Persönlichkeit und kann nur noch von einer übergeordneten Instanz her geleitet werden. Der Gehorsam wird hier, wie in der technischen Welt unserer Zeit, ein Funktionieren. Je reibungsloser, um so besser erscheint der "Gehorsam" - dahinter aber steht eine "tote Seele", ausgebrannte Asche!

Darum kann der Gehorsam nicht von außen aufgebaut werden, er muß durch die LIEBESFLAMME des HEILIGEN GEISTES angefacht werden, nur dann wird er die Mauern des Bösen zum Einsturz bringen und ein Neuer Mensch in JESUS CHRISTUS wird erstehen.

Was uns zu tun bleibt ? Schweigend, horchend und gehorchend auszuschauen nach solchem Neuen Anfang - nicht nur nach oben, sondern ebensosehr im Blick auf den Bruder, den sichtbaren, wie den unsichtbaren, den Engel: nur in solcher DREIEINHEIT kann der Gehorsam vollkommen werden.

Zusammenfassend:

Die Geburt des Neuen Menschen in JESUS CHRISTUS,

IST EIN GEHEIMNIS DES GEHORSAMS

- der in den Freudenreichen Geheimnissen

im Anhauch des GEISTES steht,

- der in den Schmerzensreichen Geheimnissen

zum UNBEDINGTEN WILLEN GOTTES durchstößt

- und endlich in den Glorreichen Geheimnissen

auferstehend zur Vollendung der Schöpfung führt.

 

Anhang: DIE BEDEUTUNG DES BETENDEN DURCHDRINGENS, UM ZUM VOLLKOMMENEN GEHORSAM ZU GELANGEN

Einleitung:

 

Weil es in dieser Arbeit auch um die konkrete Verwirklichung des Gehorsams gehen soll, sei hier versucht, den GEHORSAM IN DER SENDUNG VON SAN MIGUEL aufzuzeigen - denn immer mehr wird deutlich, daß in der Bedrängnis der gegenwärtigen Stunde keine Sendung bestehen kann, wenn sie nicht ganz im WILLEN GOTTES verankert ist.

V. SENDUNG IN SAN MIGUEL DEL MILAGRO

 

I) Die Annahme der Sendung

Die Sendung nach S. Miguel wurde im November des Jahres l987 ausgesprochen, als ich für meine Vorlesungen in Anapolig weilte. Es war mir bei diesem vorletzten Aufenthalt noch deutlicher geworden, daß uns für die Erziehung unserer Ordensjugend ein wesentliches Element fehlte: die "familia DEI".

Es war gut, daß wir hier nun unser eigenes Studium verwirklichen und die Niederlassung wesentlich mit eigenen Kräften aufbauen konnten; das schuf wenigstens für den Anfang eine Gemeinschaft. Doch je mehr die Niederlassung zum Stehen kam, um so mehr wurde die Ordnung des Gemeinschaftslebens funktional: nur auf Studium und Arbeit ausgerichtet. Der Vorschlag in der wöchentlichen Brüderrunde, hier Abhilfe zu schaffen, fand kein Echo, sie wurde als Kritik gewertet.

Die Sendung nach S. Miguel wie die Entscheidung für die Sendung nach Principe-S.Tomé, am 7.Okt.92, sind Entscheidungen gegen meine Person und meinen Weg. Hier wie dort ist es mir nicht leicht gefallen, eine Aufbauarbeit abzubrechen, bei der ich von Anfang an mitbeteiligt war.

Zunächst waren mir noch die Exercitien bei den Priesterbrüder in Belem aufgegeben, so war noch Zeit, Einspruch zu erheben. Ich tat es, wie auch jetzt bei der Sendung nach Principe im Hinweis auf meine schwache Gesundheit. Die verschiedenen Tropenkrankheiten, die ich im Laufe der Jahre durchgemacht hatte, hatten Magen- und Darmtrakt sehr angegriffen. In S. Miguel mußten wir drei Priester, Br. Eleazar, Br. Xavier und ich für Alles selbst aufkommen....Doch auch hier bestanden die Brüder auf der Entscheidung.

II) Die Anfänge in S. Miguel (Ende Januar 88)

Die Niederlassung von S.M. hat eine Vorgeschichte von fast 15 Jahren. Die erste Sendung der Brüder nach Mexiko liegt wohl 21 Jahre zurück, sie führte, soweit mir erzählt wurde nur zum Kardinal von Mexiko. Die zweite, bei der ich zum ersten Male mit dabei war, war mit Br. Hubert van Dyjk. Sie begann in Puebla de los Angeles, führte von dort direkt nach Tlaxcala, und dann nach S. Miguel, wo der dortige Pfarrer, P. Manuel Serrano bei uns die SW ablegt. Die nächste Sendung, wohl zwei Jahre später, mit Br. Jean Marc, brachte uns wieder zuerst nach Tlaxcala, wo über fünfzig mexikanische Bischofe einer Konzelebration zur Wiederkrönung U.L.F. von Ocotlan beiwohnten. (Inzwischen ist auch diese zweite Krone wieder gestohlen worden!)

Bei dieser Gelegenheit hat der dortige Bischof Mgr. Munive die Sw und EW abgelegt. Er stach damals unter den anderen Bischöfen hervor durch sein scharfes Auge für die Angriffe des Feindes und seine besondere Verehrung für den Hl.Erzengel Michael, dessen Heiligtum er regelmässig besuchte. Eine dritte Missionsreise war mit Br. Peter T., auch hier haben wir S. Miguel nicht ausgelassen. Als dann vor etwa sieben Jahren eine Mexikanerin, Teresa Iturralde, zu uns nach Braga kam, aber nach neun Monaten wieder in ihre Heimat zurückkehrte, habe ich sie auf S.Miguel aufmerksam gemacht. Wie viele Mexikaner wußte sie nicht von diesem besonderen Heiligtum.

Sie hat dann bald darauf einmal den dortigen Priester besucht und mit ihm über die Möglichkeit einer Niederlassung gesprochen. Auf eigene Hand hat sie dann eine Wohnung gemietet, die sie aber bald wegen Schwierigkeiten mit dem Vermieter wieder aufgeben mußte. Kurz darauf wurde ihr das Grundstück angeboten, auf dem wir später aufgebaut haben. Das kleine Haus Guadalupe am Eingang, hat sie nach eigenen Plänen und mit eigenen Mitteln gebaut. Auf dem Weg von Indien nach Anapolis, bin ich zweimal dort vorbeigekommen und habe dann auch als erster in diesem Häuschen gewohnt, in das kurz darauf P. Maximo einziehen sollte (Sommer 86 ?).

Br. Maximo war damals eigentlich schon entschlossen, bei uns auszutreten. Wie viele andere Ausländer hat er bei uns Familie gesucht und wurde bitter enttäuscht. Ich kann mich nicht erinnern, ob der Vorschlag von mir oder von Br. Wolfgang kam, oder in gemeinsamer Aussprache - jedenfalls wurde entschieden, Br. Maximo das Angebot gemacht nach S. Miguel zu gehen. Er hat es mit Freuden, ja Begeisterung aufgenommen (vgl. die Anfänge der Chronik). Leider hat sich meine Hoffnung nicht erfüllt, daß er in P. Manuel einen Vater finden würde. Es kamen Spannungen auf, die Situation von Br. Maximo wurde immer schwieriger, er isolierte sich immer mehr, ja er wurde richtig nervenkrank. Ohne die Hilfe seines Freundes P. Guadalupe, derzeitig Pfarrer der Kathedrale, wäre es Br. Maximo schlecht ergangen.

Nach eifrigem Beginnen, mit Exercitien über das ganze Land hin, Mithilfe im Heiligtum, besonders in der Jugendseelsorge, hat Br. Maximo sich gänzlich zurückgezogen und praktisch bei seinem Freund in Tlaxcala gelebt. Als wir im Januar l988 nach S.M. kamen, war er gerade für zwei Monate in seiner Heimat und hatte die Sorge für das Haus einer Bekannten in Tlaxcala übergeben. Da wir keinen Schlüssel für das Haus hatten, sind wir an einem Donnerstagabend praktisch eingebrochen. Später hat uns Br. Maximo darauf hingewiesen, daß er uns leicht hätte anzeigen können! Schon der Anfang unserere Sendung war PASSION!

P. Manuel, der Pfarrer des Heiligtums hat uns herzlich aufgenommen, ihm verdanken wir es, daß wir in der ersten Zeit im Pfarrhaus von S. Miguel mitessen, durften; dann wurde es den Schwestern zu viel, so mußten wir uns selbst versorgen. Da ich die mexikanische Kost nicht vertrug, kam ich endlich so weit, daß ich kaum mehr etwas essen konnte. Bei Exercitien in der Hauptstadt zum Fest MARIAE Verkündigung war ich so schlecht beieinander, daß die guten Leute meinten, ich werde sterben. Eine charismatische Gruppe unter den Teilnehmern tat sich zusammen und fragte mich um Erlaubnis, für mich beten zu dürfen.

Ob es ihr Gebet war oder die Hilfe der Mutter GOTTES, jedenfalls wurde es langsam besser. Dafür nahm die Not um die jungen Priester täglich zu. Br. Maximo, nicht einmal von unserem Kommen verständigt, hatte bei seiner Rückkehr aus Peru, das kleine Haus besetzt gefunden und sich empört zu seinem Freund Guadalupe nach Tlaxcala zurückgezogen. Br. Eleazar, im Lande zu Hause, hatte seine eigene Mission, Br. Javier besuchte seine Freunde über das ganze Land hin: an eine gemeinsame Arbeit war nicht zu denken - Gehorsam war ein unbekannter Begriff.

Nach einer Auseinandersetzung mit Br. Eleazar bei einer MIssion in Merida, wo er auf Wunsch des einladenden Priester von den Vorträgen zurücktreten mußte, zog er sich nach Mexiko zurück und übernahm dort zuerst eine Kaplansstelle in der französischen, dann in der deutschen Pfarrei.

Br. Xavier fuhr zu Ferien nach Spanien und wurde, kaum zurück, wieder dorthin zurückgerufen. Nur langsam gelang es, Br. Maximo wieder hereinzuholen. Die meiste Zeit war ich allein. Was wollte der HERR mit dieser Mission ?

Wir hatten nur ein Häuschen zum Wohnen, zum Essen, Schlafen, für die Hl.Messe (meist haben wir sie oben im Heiligtum am Altar der Sieben Erzengel gefeiert!). Der Priester im Heiligtum machte seine Sachen wesentlich allein, für Exercitien war Br. Maximo im Anfang kaum zu gewinnen und als er dann endlich doch zum ersten Male wieder einstieg, wurde er nach Brasilien gerufen.

Eine erste Hilfe von außen kam uns durch das "apostolado de la Iglesia domestica" zu, dem schon Br. Eleazar und Br. Maximo geistlichen Beistand gegeben hatten. Einige der Frauen wollten sogar bei uns eintreten, doch zogen sie sich dann im entscheidenden Augenblick wieder zurück. Die uns zur Verfügung stehenden finanziellen Mittel reichten gerade für unseren Lebensunterhalt aus; Br. Maximo war fast zwei Jahre ohne jeden  Zuschuß von Europa ausgekommen! Von den leitenden Brüdern waren wie praktisch vergessen ("abgeschoben").

Als der derzeit kranke Bischof Mgr. Munive bei einem Besuch in Rom im Oktober l988 seine Bereitschaft zur Gründung eines Ordenshauses bekundete und dies auch am 7. Okt. schriftlich festlegte, haben unsere Brüder lange gezögert, bis sie ihrerseits die Zustimmung gaben (3O.Mai 89).

 

III) DER AUFBAU DER NIEDERLASSUNG

Inzwischen hatten wir wenigsten drei junge Kandidaten, von denen zwei jetzt (Febr.1993) in Belem die Ersten Gelübde abgelegt haben. Einer wurde im Herbst mit mir zusammen schwer krank an Hepatitis. Sr.M. Lydia blieb allein mit einer der ersten Kandidatinnen Hilaria im Haus zurück. Als Br. Jean Marc zum ersten offiziellen Besuch l989 im Februar in unser Haus kam, hatten wir nicht einmal ein Zimmer für ihn.

Über Augustin, einen der Kandidaten, kamen bald weitere Kandidatinnen zu uns; das kleine Schwesternhaus, das bisher leer geblieben war (wie lange haben Br. Maximo und ich überlegt, ob wir bauen sollten!), war bald besetzt. Über Charles Mendina, der die P. PIo Gruppen in Los Angeles leitete, kam uns materielle Hilfe zu, selbst die Brüder waren jetzt bereiter zu helfen. Es ist mir heute noch ein Rätsel, wie das notwendige Geld zum weiteren Aufbau hereinkam: meist nur kleinere Beträge, doch laufend, so daß die Bauarbeit von diesem Zeitpunkt an eigentlich nicht mehr zum Halten kam, so sehr wir auch hier die größten Schwierigkeiten zu bewältigen hatten, vorallem im Blick auf Planung und Ausführung der Arbeiten.

Zwei Architekten hatten sich erboten uns zu helfen, doch fielen bald aus, ein dritter kam nur sporadisch zu den Wochenenden. Alle Verantwortung für den Bau lag auf den Schultern der beiden Kandidaten: Jesus und besonders Augustin, die Finanzen lagen in den HÄnden von Sr. M. Luz....kaum war jemand neu eingetreten, mußte man ihm Verantwortungen übertragen, die man sonst nur gelübdegebunden Br.u.Sr. übergab. Dabei sei nicht verschwiegen, daß eine "Hilfe" auch ganz daneben ging. Jimmy Holloway, der sich kurz vorher auch für den Orden in USA eingesetzt hatte, verlor in Spekulationen alles Geld, das wir, wegen der unsicheren Währung im Konto des Ordens in Dallas deponiert hatten.

Den Verlust hat dann wunderbarerweise eine Spende aus Deutschland wett gemacht, so daß wir endlich auch noch das grosse Wohnhaus mit der Kapelle fertig stellen konnten. Die Kapelle wurde am 14.September 91, dem Fest der Kreuzerhöhung vom Bischof-Coadjutor Jacinto Guerrero eingeweiht: unsere Aufbauarbeit war mit Ostern l992 im Zeichen des Kreuzes abgeschlossen: die Prüfung auf das KREUZ sollte nicht auf sich warten lassen! Sie kam mit dem Entscheid der Brüder für meine Sendung nach Principe: "Wenn das Samenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bringt es keine Frucht."

DIE SENDUNG NACH SAN MIGUEL hat im Zeichen des Kreuzes begonnen, sie muß ihre Feuerprobe in diesem Zeichen bestehen. Daß die Sendung nach Principe im letzten Augenblick, einen Tag vor der Abfahrt, für die schon Alles bereitet war, zurückgenommen wurde, ist ein deutlicher Hinweis, daß hier der HERR selbst noch ein Wort mitzusprechen hatte. Mögen wir ihm unser Herz öffnen - denn nur in der Führung durch den HEILIGEN GEIST kann das Werk und der Orden wirklich die Sendung erfüllen, die ihm von GOTT her aufgetragen ist. Wir sollten nicht vergessen, daß hier St. Michael in besonderer Weise im Spiel ist.

Auf die Bedeutung der Sendung in Mexiko wurde schon verschiedentlich hingewiesen, doch ohne Erfolg. So mußte der HERR selbst eingreifen! Wir stehen im Jahre 5OO der Evangeliisierung dieses für die Kirche von morgen bedeutsamsten Kontinentes. Tlaxcala ist die Wiege des Glaubens in der Neuen Welt, die MUTTERGOTTES steht in besonderer Weise Pate für diese Neugeburt im Glauben durch ihre Erscheinung in Mexiko und Ocotlan. St. Michael hat in seiner Erscheinung in Capula, l63l deutlich gemacht, daß der Kampf um den Glauben, nicht nur in diesem Kontinent, nur in der Kraft des GRÖSSEREN GLAUBENS entschieden werden kann.

Das Werk hat begonnen im Zeichen St. Gabriels,

es muß in St. Michael seine Feuerprobe bestehen,

erst dann kann es mit St. Raphael

seine endzeitliche Sendung in Kirche und Welt erfüllen!

 


 

 

VI. „Mann und Engel“ in biblischer Sicht

23.11.96

Bild und Begriff des Priestertums  ist bei Johannes am deutlichsten ausgeprägt; es zieht sich durch das ganze Evangelium:

·  Der Prolog weist hin auf den Ursprung des Priestertums - aus der Sendung des SOHNES durch den VATER im HEILIGEN GEIST: „du bist Priester auf ewig nach der Ordnung Melchisedechs“, dieses Wort ist hier begründet!

·  Der Priester ist mit Johannes dem Täufer berufen, dem HERRN den Weg zu bereiten - er muß abnehmen, damit der HERR in ihm zunehme!

·  Er ist mit MARIA und den übrigen Jüngern, die der HERR zuerst ruft, erster Erbe des Neuen Bundes GOTTES mit den Menschen, wie er in Kana geschlossen wird.

·  Er ist am tiefsten in das Geheimnis der Taufe hineingerufen, die da bedeutetet: Neugeburt, Anbetung GOTTES im Geist und in der Wahrheit, Aufbau der „familia DEI“.

·  Wo er achtet „auf die Bewegung der Wasser“, wird er am ersten geheilt und kann solche Heilung auch anderen weitergeben.

·  Wo er ‘Kind’ im Herzen ist, steht er im Zeichen des Hl.Apostel Andreas dem Geheimnis der Hlst. Eucharistie am nächsten. Nur dort wo er selbst immer mehr „Brot zum Leben der Welt“ wird, kann er wahrhaft das Neue Leben aus GOTT vermitteln und so die Kirche im HEILIGEN GEISTE aufbauen.

·  Im unbedingten Bekenntnis zum HERRN muß er seine ‘Identität“ finden und bekennen (sie ist ja letztlich die mit dem HERRN!), auch wenn er dann wie der Blindgeborene aus den eigenen Reihen ausgestoßen wird!

Auch wenn er in der Sühne wie der HERR immer neu dem Tode überliefert wird, GOTTES Erbarmen wird ihn immer wieder neu auferwecken - und ihn so in das Zeugnis der beiden „Leuchten vor GOTT = der Herzen JESU und MARIAE“ (Apk11,1-13) hineinnehmen.

Solchem Priestertum nach der Ordnung Melchisedechs ist reichster „Fischfang beschieden“, denn in ihm wirkt die Kraft des DREIEINIGEN GOTTES!

· So ist bei Johannes in neun Stufen, den Chören der Engel parallel der Weg zur Vollendung des Priestertums aufgezeigt. Der Priester, der mit dem Engels eins geworden ist, ist die Vollendung der Schöpfung GOTTES am Siebten Tag

Der Ansatz bei ABRAHAM; der Besuch der „drei Männer in Mamre“

Schon bei Abraham sind es „drei Männer“ (Gen 18,2), die ihm im Hain von Mamre (v.10) die Geburt eines Sohnes ansagen, während Sara noch in der Hütte ist, das Gespräch mithört und über die Verheissung „lacht“(v.12). Bedeutungsvoll ist in dieser Erzählung der Wechsel von den drei zu dem einem Wortführer. Die Erzählung beginnt mit dem Einen heilshandelnden GOTT: „Der HERR erschien ihm im Hain Mamre, da er saß an der Tür seiner Hütte, als der Tag am heißesten war(v1).“Als er seine Augen erhob, da standen drei Männer vor ihm „(v2)

Drei konkrete Angaben

·       „Hain“ ist der poetische Name für eine Lichtung, ein abgeschiedener Raum meist in einem Waldgebiet; hier ist es der Eichenhain in der Nähe von Hebron, wo Abraham zuerst nach seinem Auszug Wohnung nahm unter dem weitgreifenden Segen GOTTES (vgl.Gen 13,18). Es ist dieser Ort nicht nur Wohn- sondern auch Zufluchtstätte. Als Lot verfolgt wird, wird Abraham aufmerksam gemacht, und bricht auf mit einigen Verbündeten, darunter auch Mambre, um ihn zu befreien. Bei dieser Gelegenheit trifft er auch auf Melchisedech (vgl. Bes. Gen.14,13,23). Die dritte Erwähnung dieses den Patriarchen in besonderer Weise heiligen Ortes ist im Zusammenhang mit der Rückkehr Jakobs und dem Tod seines Vaters Isaaks (Gen 35,23)..

·       Abraham sitzt vor dem Haus, wohl um dem Druck der Hitze im Haus zu entgehen. Da kommen die „drei Männer“ zu ihm. Zeit, Ort und Weise der Begegnung sind von GOTT bestimmt und darum heilig - ausgespart, wie der Hain, aus dem übrigen Leben der Menschen. Es ist ein Ort des Friedens, mehr der GOTTESbegegnung. Daß Abraham vor dem Haus sitzt, kann gedeutet werden im Sinne des „Aufbruches im Glauben“, der sein ganzes Leben kennzeichnet.

·       Die heiße Mittagsstunde hat einen entfernten Bezug zur Zeit der Kreuzigung des HERRN auf Golgotha auf dem Holz des Kreuzes, auf das hier die Eichen deuten. Die Szene ist, schon durch diese wenigen bedeutsamen Einzelheiten durchsichtig auf das tiefere Heilshandeln GOTTES bis zum Ende der Zeit. Hier setzt sich die „Verkündigung  fort, die in Ur begonnen hat, als Abraham aufgefordert wurde „aufzubrechen“. Immer schwingt im Hintergrund mit die Verheißung einer großen Nachkommenschaft (vgl. Bes. Gen 15,5;22,17f).

Hier übernimmt die „Verkündigung“ einer von den drei Männern: „Da  sprachen sie zu ihm:“ wo ist dein Weib Sara?.......Da sprach er (=einer von den dreien!): „Ich will wieder kommen über ein Jahr, siehe da soll Sara, deine Frau einen Sohn haben...“!(9f). „Da standen die Männer auf und gingen von dannen (16). Es folgt die Perikope der Androhung der Vernichtung Sodoms. Hier ist es wieder der Eine HERR, der über der Heilsgeschichte steht: „Da sprach der HERR...“(17). Die Mittlerrolle der Hl.Engel ist offensichtlich - sie verkünden nicht nur neues Leben, sie bringen es nicht nur hinein in eine Welt, die dem Tod verfallen ist - gegen alle menschliche Erwartung (das ist es was Sara lachen macht!) - sie werden es auch durchtragen gegen alle Bedrohung, der es auf einer Erde ausgesetzt ist. Es folgt ja die Perikope der Androhung der Vernichtung für Sodom und Gommorha, die den zweiten Teil des 18. Kapitels bildet (17-33).  Dieser „endzeitliche Aspekt“ (Gericht GOTTES über Sodom) , wird in Daniel in besonderer Weise entfaltet.

Die Sendung St. Gabriels bei Daniel und in der Verkündigung an Zacharias und MARIA [7]

Bei Daniel ist es St. Gabriel, „der Mann GOTTES“, der in zweimaliger Erscheinung Daniel die Offenbarung über die letzte Zeit auslegt. „Da flog daher der Mann Gabriel (vgl.9,21ff), der ihm schon vorher das „Gesicht“ ausgelegt hat (8,16-26). Gabriel selbst heißt im Hebräischen „Mann GOTTES“ - schon hier ist der Bezug auf die MENSCHWERDUNG CHRISTI angezeigt.

In der Verkündigung an Zacharias ist die Brücke hinüber zu dem größten Eingriff GOTTES, auf den die ganze Heilsgeschichte zuläuft: die Verkündigung an MARIA: in JESUS CHRISTUS, Seinem SOHN schenkt uns GOTT das Neue Leben!

Der Bezug zum Lebewesen: „Engel/Mensch“ - das Zeichen des KREUZES

Ein letzter geheimnisvoller Hinweis auf die Verbindung von „Mann“ und „Engel“ in dieser Sendung: neues Leben zu bringen (zu „zeugen“) ist eines der Vier Lebenden Wesen, der das Menschenantlitz trägt. (Vgl die Vision der Vier Lebenden Wesen bei Ezechiel (1,1-28), dort wird auch auf das eine mit dem Menschenantlitz hingewiesen (v.10).

So sind es im Zeichen des KREUZES  vier Heilsereignisse, in der der Engel als „Mann“ auftritt und im Auftrag GOTTES Neues Leben  nicht nur verkündet, sondern z e u g t. Hier liegt das „tertium comparationis“ von „Mann“ und „Engel“, es ist die Zeugungskraft, die gerade hier immer auf GOTT selbst zurückgeht. Darum ist sie in der Bereitung auf die Verkündigung MARIAE auch in besonderer Weise dem Priester Zacharias geschenkt. Er ist der erste Hinweis, schon im Alten Bund, daß dem Priester von GOTT her, und nur von ihm, diese höchste Kraft zukommt. Sie soll sich dann im Neuen Bund, im „Priestertum nach der Ordnung des Melchisedech“, besonders auf das Ende zu in ihrer vollen Kraft entfalten.

Der Angriff des Feindes auf das Leben im Mutterschoß,

die Empfängnisverhütung und (sollte das Leben doch noch aufgehen!) die Abtreibung sollten uns darauf aufmerksam machen, daß auch hier der Feind wieder einmal „eine Stunde früher aufgestanden ist mit seinem Angriff gegen das Leben schon im „Schoße „der Mutter. Es steht der Mann und in ihm in besonderer Weise der Priester, wie im Paradies, wo sich der Versucher einschlich (Gen3,1) zwischen dem Engel, der das Leben übermitteln und mittragen soll und dem Teufel, der es bis in die Wurzel hinein zu vernichten sucht. Der „Mann“ von heute, der sich sein Leben als „homo faber“ („make it yourself!“) selbst gestaltet, ist daran Leben in der Retorte zu erzeugen und so die natürliche Zeugung auszuschalten.

Die Zeugungskraft im Priester

Es ist dieser Angriff ein Angriff nicht nur gegen die Heiligkeit der Ehe sondern auch gegen den Priester , als „alter CHRISTUS“, den „anderen Mann in CHRISTUS“ (den „dritten Adam“), der nicht im Fleisch, sondern in der Kraft der Sakramente das Neue Leben aus JESUS CHRISTUS zeugen soll. Paulus spricht hier in biblischer Nachfolge (siehe die Konkordanz zum Wort „zeugen“!) die deutlichste Sprache: “In CHRISTUS JESUS habe ich euch gezeugt“(1Kor 4,15) - der Priester ist Träger der Zeugungskraft GOTTES“ - ein Geheimnis das in allen Heiligen der Kirchengeschichte aufleuchtet, auch wenn sie nicht Priester sind, haben sie doch am allgemeinen Priestertum teil. Freilich am Priester wird es am meisten deutlich. Dafür steht besonders ein noch nicht kanonisierter Priester: P.Pio de Pietrelcina mit seinen über zwei Millionen „geistlichen Kindern“! Seine innige Verbindung nicht nur mit seinem Schutzengel, sondern vor allem auch mit St. Michael, der ja nicht weit von S. Giovanni in der Höhle am Monte Gargano erschienen ist, will hier besonders bedacht werden. Wo der Priester nicht nach der helfenden Hand des Engels greift, den GOTT an seine Seite als Zeuge für das Ewigen Leben stellt, wird er notwendig manipuliert zum Funktionär einer menschlichen Gesellschaft, die die Vertikale GOTT verloren hat.

Die Fruchtbarkeit der Apostel im HEILIGEN GEIST

Die Kraft zu solcher Zeugung im HEILIGEN GEIST, kommt dem Priester aus der Hl.Messe, dem KREUZESOPFER CHRISTI zu, das ja gerade bei P.Pio in besonderer Weise die Mitte seines priesterlichen Wirkens war. Nur aus dem Tode, in der Kraft der Auferstehung CHRISTI kann uns das Neue Leben von GOTT her kommen. Wo der Priester nur noch wie bei den Protestanten und den übrigen Sekten ein Verwaltungsbeamter ist, hat er die Kraft der Zeugung wie des Zeugnisses im Hl.GEIST verloren und muß notwendig nach einem irdischen Ersatz Ausschau halten. Hier liegt die Wurzel der Krise des Priestertums und die Flucht in Ehe und Politik. Die Jungfräulichkeit des Priester ist kein Wert in sich, sondern sie muß ganz und gar im Dienst des Lebens stehen, das zu zeugen in JESUS CHRISTUS ihm aufgetragen ist. Dies zu erkennen und entsprechend zu wirken, braucht er das Licht des HEILIGEN GEISTES, das ihm in besonderer Weise durch den Engel vermittelt werden soll. Daß dieses Licht des Neuen Lebens schon in der Auferstehung über die Apostel hereinbricht, darüber geben die Auferstehungsgeschichten Zeugnis. Die Apostel erkennen nicht nur im Licht der Auferstehung das Neue Leben in JESUS CHRISTUS, sie empfangen es auch in IHM und können es dann auch weitergeben!

Das „Fiat mihi“ auch im Priester

Weil die Zeugung des Lebens das höchste Geheimnis ist, das GOTT dem Menschen anvertraut hat, indem ER ihn nach Seinem Bilde schuf, ist sie nur dort vor dem Neid und dem Zugriff des Bösen geborgen, wo der Mensch sie in JESUS CHRISTUS ganz in die Hände des VATERS zurückgibt. Der Seligsprechungsprozeß für die Eltern der Kleinen hl.Therese ist ein Zeichen, das der HEILIGE GEIST selbst in dieser Zeit gesetzt hat. Der heiße Kampf des Hl.Vaters Johannes Paul II gegen alles Besserwissen der Moraltheologen, der offene Kampf der um das ungeborene Leben besonders in den USA entbrannt ist, weisen darauf hin, daß hier die Kirche in ein Zeugnis hineingerufen ist, das sie notwendig in einer Welt, die dem Tode huldigt, zum Martyrium führen wird. Denn hier muß der Gläubige gegen die Welt von heute, die alles aus sich selbst und für sich selbst tut, Zeugnis ablegen, daß GOTT allein das Leben gibt, erhält und vollenden kann. Das gilt insbesondere für den Anfang alles Lebens in der Zeugung. Auch wenn die Eltern den Leib zeugen, die Seele gibt GOTT dazu. Wo der Mensch im Glauben zu GOTT aufschaut, wird er auch die leibliche Zeugung, wie es heilige Eltern immer getan haben, in besonderer Weise in die Hände GOTTES zurücklegen und hier die heiligen Gesetze des „rechten Ortes, der rechten Zeit, der rechten Weise“ beachten.

Die Erneuerung der Kirche beginnt im marianischen Priestertum

Vergessen wir nicht: im Hintergrund der Auferstehungsgeschichten und doch zugleich unsichtbar in ihrer Mitte steht MARIA, die Braut des HEILIGEN GEISTES. Sie ist es, die den Priester trägt und durchträgt, wenn er wahrhaft Werkzeug sein will, wie sie es im HEILIGEN GEISTE sein durfte. Darum kommt auch alle Fruchtbarkeit des Priestertums im HEILIGEN GEISTES aus MARIA. Zeichenhaft wird dies wieder bei einem P.Pio so deutlich: auf dem Wege zur Hl.Messe hielt er jedes Mal lange inne vor der Statue der Unbefleckten Empfängnis. Aus ihr muß der Priester in besonderer Weise, letztlich aber jeder wirklich christliche Vater die reine Zeugungskraft im HL.GEIST  e m p f a n g e n. Das Geheimnis der ‘Empfängnis“ ist zwar zuerst der Frau zu eigen, und doch, weil MARIA die  e i n e  Antwort auf den einen Willen GOTT gibt, muß sie auch dem Mann zu eigen sein, wenn er in dieser höchsten dem Menschen verliehenen Gabe der Zeugung allein den Willen GOTTES vollziehen will und nicht dem Wollen des Fleisches den Vorrang gibt. Die Erneuerung der Kirche setzt notwendig die Erneuerung des Priestertums in MARIA voraussetzt, wie sie schon ein Louis Maria Montfort vor über 300 Jahre vorausgesagt hat. P. Pio, der erste stigmatisierte Priester ist dafür das sprechendste Zeichen, das der HEILIGE GEIST diese Prophezeiung in dieser letzten Zeit erfüllen wird! Die Hilfe dazu ist zuerst die Immaculata, aber durch sie und über sie dann auch die der Hl.Engel, wie sie in der Auferstehung die Kirche aus der Katastrophe der Kreuzigung in das Licht und damit die Fruchtbarkeit der Auferstehung führen.

NB! Diese Betrachtung ist entnommen dem „Siebten Schöpfungstag im Evangelium des Johannes“, zu den Auferstehungsberichten der Synoptiker im Vergleich zu Johannes (unveröffentlichte Vorlesungen, Anápolis 1988)


 

VII „Ich will aufbrechen und zu meinem Vater gehen“

Lk 15,8

Jahresthema 1998

Von der Sehnsucht, zum VATER heimzukehren

Licht und Irrlicht

 „Urknall“ oder Fruchtbarkeit GOTTES

Es gibt viele Ursachen, warum der VATER uns immer mehr verloren geht. Wir wollen ihnen hier nicht weiter nachgehen, auf manche werden wir in den Betrachtungen stoßen. Tiefere Ursache ist der  gefallene Engel, der seinen Ursprung in sich selbst haben will.

Dieses: von sich selbst her sein, alles selbst tun, von niemand abhängig sein, ist ein Kennzeichen unserer Zeit. Es ist Hinweis, wir sehr sie von dem bestimmt ist, der sich von GOTT los gesagt hat und seitdem GOTT leugnet. Wie er glaubt, sich durch diese Entscheidung selbst zu machen, so verspricht er auch dem Menschen, der ihm folgt, daß er sich selbst machen kann. Nach ihm muß auch die Schöpfung aus sich selbst entstanden sein: aus einem „Urknall“. Das Wort verrät, was sich hinter ihm verbirgt: der erstgeschaffene Engel hat sich mit Gewalt gegen GOTT gestellt, um selbst gott zu sein.

Die Folgen dieses „Urknalls“, lassen sich immer deutlich bis in unseren Alltag feststellen: der Mensch wir immer einsamer,er weiß nicht mehr wohin er gehört, er schlägt in Verzweiflung um sich, er will sich mit Gewalt durchsetzen und fällt immer mehr, wohin der andere gefallen ist.

 

Das tiefste Geheimnis GOTTES des VATERS ist seine Fruchtbarkeit: GOTT ist die Fülle des Lebens. „Weil du das getan hast und deinen einzigen Sohn mir nicht vorenthalten hast, will ich dir Segen schenken in Fülle und deine Nachkommen zahlreich machen wie die Sterne am Himmel und den Sand am Meeresstrand.“ (Gen 22,16f),  GOTT gibt wie bei Abraham, all denen Anteil an Seiner Lebensfülle, die sich selbst verleugnen. Vor der Verheissung steht die Wahrl. Furchtbar ist dieses Wort: „Hiermit lege ich dir heute das Leben und das Glück, den Tod und das Unglück vor“ Dt. 30,15. In der Auflehnung Luzifers steht der Tod, in der Verleugnung Abrahams und seinem Gehorsam ist das Leben.

Dies ist die Weisung des dreifachen Wortes JESU: „Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach. Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen verliert, wird es gewinnen“(16,24f).  Wer sich an sie hält, ist selbst in der tiefsten Finsternis auf dem Weg zum Ewigen Licht. Er unterscheidet das Irrlicht des Feindes, das er den Blinden in die Augen streut. Wer seinen eigenen Wohlstand sucht, hat sich schon jetzt abgesetzt von GOTT und steht auf der Seite dessen, der im Anfang sich selbst statt GOTT gewählt hat. „Was nützt es einem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, dabei aber sein Leben einbüßt? Um welchen Preis kann ein Mensch sein Leben zurückkaufen? Der Menschensohn wird mit seinen Engeln in der Hoheit seines Vaters kommen und jedem Menschen vergelten, wie es seine Taten verdienen (Mt 16,26).

GOTT und  VATER

Der VATER als Schöpfer

Unser Wort „Vater“ geht auf das indogermanische „pitar“ zurück, das sich in allen indogermanischen Sprachen spiegelt. Der Mensch weiß auch nach dem Sündenfall und seinem Abstieg ins Dunkel um Den, Der ihn geschaffen hat. Die bewußte Leugnung GOTTES, wie wir sie heute antreffen, ist ein endzeitliches Zeichen. Das Wort Vater, in der Kindform „Papa“ kommt aus dem Kindlaut „p“ und der Nachsilbe, die diesen Explosivlaut festhält[8]. Dahinter verbirgt sich eine ganze Geschichte. Das Schöpferwort GOTTES: „Werde!“ ist wahrhaft eine Explosion. Der DREIFALTIGE GOTT tritt aus sich heraus, um die Schöpfung ins Sein zu rufen. Die heilige Gewalt, die ER Sich Selbst damit antut, wird in der Hingabe des SOHNES in den schmählichen Tod am Kreuz vor den Augen aller Welt offenbar. Wie der Vorhang des Tempels in der Gewalt dieses Sterbens JESU zerriß, so wird am Ende das sieghafte Kreuz, in das die Kirche eingegangen ist, den Himmel aufreißen. Der Urknall Luzifers ist dagegen wie ein schlecht gelungenes Feuerwerk.

Heiligkeit der Zeugung

Zeugung steht unter dem Wort: „Wer sein Leben hingibt, der wird es gewinnen“. Der VATER im Himmel macht hier keine Ausnahme: das Sterben Seines SOHNES am Kreuz ist Trennung. Das vierte Wort JESU am Kreuz: „Warum hast DU Mich verlassen?“ tut es in aller Öffentlichkeit kund. Immer reißt Zeugung das Geschöpf über sich hinaus hinein in ein Dunkel das Leben verheißt oder Tod. Weil GOTT dem Mensch Anteil an Seiner Schöpfermacht gegeben hat, steht diese Gabe unter dem Schwert: für GOTT oder wider GOTT. Wer den Samen verschleudert, hat den Tod gewählt. In der Nähe des SchöpferGOTTES ist die Wahl des Menschen endlich wie bei der Engelprüfung im Anfang unwiderbringtlich: “Onan wußte, daß die Nachkommen nicht ihm gehörten. Sooft er zur Frau seines Bruders ging, ließ er den Samen zur Erde fallen und verderben, um seinem Bruder Nachkommen vorzuenthalten. Was er tat, mißfiel dem Herrn, und so ließ er auch ihn sterben“ (Gen 38,9f). Der Tod sitzt im Keim des Lebens, wer das Leben des Lebens nicht will, hat den Tod gewählt. Eine Welt wie die unsere, die sich in mannigfacher Weise für den Tod entschieden hat, muß sich selbst zerstören. Wer dies klar sieht, hat alle entsprechenden Prophetien eingeholt.

Tiefe des Wortes „Vater-Papa“

Das „p“ ist ein Explosionslaut. Es ist beim Kind nicht der erst ausgestoßene. Das erste Kindwort „Mama“ („Mutter“ hat das entscheidene „M“ behalten!) geht nicht nur zeitlich dem „p“ voraus, es ist auch ursächlich das erste. Alles „Werde“ kommt aus einem Mutterschoß, aus einem Innenraum, einer Geborgenheit. Dies gilt noch mehr bei GOTT. Die Erlösung als Neues Leben aus GOTT, im „Benedictus“ des Zacharias wird es uns deutlich gesagt, entspringt den „Eingeweiden des Erbarmens GOTTES“ Lk 1,72. Erbarmen ist das innerste Wesen GOTTES . GOTT birgt den Verlorenen dort, wo die Quelle allen Lebens ist. Solcher Urgrund ist weich wie der Mutterschoß. Wie wunderbar rein ist durch diese beiden Selbstlaute (Konsonanten): „p, m“ das Geheimnis der Zeugung angezeigt: Aktives Tun des Vaters, aufnehmende Passivität der Mutter. Was Wunder, daß der Böse, der aus dem „Werde!“ GOTTES herausgefallen ist, sich in letztem Haß gerade gegen dieses Geheimnis wendet, um es schon in seinem Kein zu zerstören.

Wer immer dem Geheimnis des Lebens nahe steht, ist in den Namen Vater eingebunden. Weil die erste Familie eine Großfamilie ist, gehört hier der Großvater, in manchen Kulturen wie bei den Azteken der Onkel, jeder der in der vorgegebenen Lebensordnung seinen Platz hat: Autorität besitzt. Dieses Wort verweist auf „Ursprung“. Autorität hat nur der, der in irgendeiner Weise im Ursprung steht, dem Geheimnis des Lebens nahe ist, es mitträgt, hütet und weitergibt. Wo das Leben versandet, gibt es keine Autorität mehr. Da ist jeder seine Autorität, wie beim gefallenen Engel.

Selbst in aller Unordnung der Götterwelt der Griechen, die die des gefallenen Menschen spiegelt, ist doch Zeus der Vater aller Götter und genießt als solcher unbestrittene Autorität. Er ist unbestritten: Hausvater, wieder einer Großfamilie; ähnlich in den Mysterienkulten. Solche Autorität verlangt selbstverständliche Unterordnung, bis hin zum Nichtsein. Bei den Römern erwirbt der Sohn nur für den Vater. Die Anrufung Gottes ist eine Urphänomen in allen Kulturen. Für Platon ist es das „Gute“, väterliche Macht über allem untergeordneten Sein. Sogar die aufklärerische Stoa spricht von GOTT als dem Erzeuger, zu dem der Mensch zurückkehren muß.

Vater, Familie, Volk

In der hebräischen Welt ist das Wort „Ab“ ein nicht mehr abzuleitendes Urwort. Es ist das Grundelement für die Familie. Fruchtbarkeit ist ein GOTTESgeschenk; an ihr läßt sich das Maß der Gnade abmessen: die unfruchtbare Frau ist verflucht, ausgestoßen aus der Gemeinschaft der Menschen. Immer ist mit dem Vatersein das Amt des Priesters und des Richters verbunden, fernes Abbild des DREIFALTIGEN GOTTES. Der König ist Vater seines Volkes; kein Wunder, daß er sich das Recht herausnimmt, mehr Leben zu zeugen als die übrigen Sterblichen.

GOTT setzt den Anfang

Die Bibel führt uns mit Abram an den Anfang: GOTT beruft Abram und macht ihn zum Stammvater eines Volkes: Der Herr sprach zu Abram: Zieh weg aus deinem Land, von deiner Verwandtschaft und aus deinem Vaterhaus in das Land, das ich dir zeigen werde. Ich werde dich zu einem großen Volk machen, dich segnen und deinen Namen groß machen. Ein Segen sollst du sein.(Gen 12,1f). Nachdem er sich von Lot getrennt hat, verheißt ihm Jahweh: Ich mache deine Nachkommen zahlreich wie den Staub auf der Erde. Nur wer den Staub auf der Erde zählen kann, wird auch deine Nachkommen zählen können (Gen 13,16). Nach dem Segen, den Abram von Melchisedech erhalten hat, erscheint erneut der HERR, und gibt sich als der kund, der Abram aus seinem Land herausgeführt hat. Er schließt mit Abram einen Bund: Bei Sonnenuntergang fiel auf Abram ein tiefer Schlaf; große, unheimliche Angst überfiel ihn. Gott sprach zu Abram: Du sollst wissen: Deine Nachkommen werden als Fremde in einem Land wohnen, das ihnen nicht gehört.(Gen15,12).... An diesem Tag schloß der Herr mit Abram folgenden Bund: Deinen Nachkommen gebe ich dieses Land vom Grenzbach Ägyptens bis zum großen Strom Eufrat, (das Land) der Keniter, der Kenasiter, der Kadmoniter, der Hetiter, der Perisiter, der Rafaïter, der Amoriter, der Kanaaniter, der Girgaschiter, der Hiwiter und der Jebusiter Gen 15,18ff. Der „Feuerofen“, der durch die geteilten Opfetiere fährt, erinnert geheimnisvoll an das Feuer, das bei der letzten Erscheinung des HERRN am See Tiberiades am Ufer brennt. Es ist Zeichen für GOTT als brennendes Feuer, in dem endlich alle Vielfalt der Schöpfung, die hier in den verschiedenen Völkern angezeigt ist, eins wird. Der Eine, von GOTT zum Vater erwählt, schafft nicht nur ein Volk, er richtet es auch aus auf den EINEN GOTT, in dem es allein seine Verheissung einholen kann.

Und doch ist Abram noch immer ohne Erbe, Sarai seine Frau ist unfruchtbar. Sie gibt ihm die Magd zur Frau, um ihm einen Erben zu schenken. Sarais Eifersucht vertreibt die Magd; der HERR sorgt für sie und ihren Sohn. Kurz darauf wiederholt Jahweh Seinen Bund mit Abram, und verheißt ihm einen Sohn durch Sarai: Als Abram neunundneunzig Jahre alt war, erschien ihm der Herr und sprach zu ihm: Ich bin Gott, der Allmächtige. Geh deinen Weg vor mir, und sei rechtschaffen! Ich will einen Bund stiften zwischen mir und dir und dich sehr zahlreich machen. Abram fiel auf sein Gesicht nieder; Gott redete mit ihm und sprach: Das ist mein Bund mit dir: Du wirst Stammvater einer Menge von Völkern. Man wird dich nicht mehr Abram nennen. Abraham (Vater der Menge) wirst du heißen; denn zum Stammvater einer Menge von Völkern habe ich dich bestimmt. Ich mache dich sehr fruchtbar und lasse Völker aus dir entstehen; Könige werden von dir abstammen. 7 Ich schließe meinen Bund zwischen mir und dir samt deinen Nachkommen, Generation um Generation, einen ewigen Bund: Dir und deinen Nachkommen werde ich Gott sein(Gen 17,1-8)...

Die Bedeutung der Beschneidung

Dies ist das Zeichen des Bundes: die Beschneidung: Alles, was männlich ist unter euch, muß beschnitten werden. Am Fleisch eurer Vorhaut müßt ihr euch beschneiden lassen. Das soll geschehen zum Zeichen des Bundes zwischen mir und euch (Gen 17,10f). Mag die Beschneidung bei anderen Völkern ein Initiationsritus für die jungen Männer sein, hier hat sie eine viel tiefere Bedeutung. GOTT nimmt sich das Recht, in die Zeugung einzugreifen, sie nach Seinem Willen zu beschneiden. Abraham steht nicht nur an einem neuen Anfang - GOTT läßt wie bei Noe die Verderbnis der übrigen Menschen zurück: sie zerstören sich selbst. Mit diesem Bundeszeichen greift GOTT zurück auf den Anfang des Menschengeschlechtes in Adam und Eva. Der Ungehorsam des ersten Elternpaares hat dem Feind Tür und Tor geöffnet bis hinein in die Zeugung. Die Erbsünde wird durch Zeugung übertragen von einer Generation zur anderen. Hier muß der Mensch beschnitten werden. Die Fruchtbarkeit, die dem Menschen nach GOTTES willen gegeben ist, soll nicht mehr seiner Willkür (dem Ungehorsam) überlassen sein. Mit dem Zeichen der Beschneiden will GOTT daran erinnern, daß der Mensch den Anteil, den er IHM in der ersten Sünde Adams und Evas zu rauben versuchte, zurückgeben muß.

Das Gebot ist ausschließend. Wer sich ihm nicht unterwirft, hat keinen Anteil an der Abraham gegebenen Verheissung: Ein Unbeschnittener, eine männliche Person, die am Fleisch ihrer Vorhaut nicht beschnitten ist, soll aus ihrem Stammesverband ausgemerzt werden. Er hat meinen Bund gebrochen (Gen 17,14).Die Unbedingtheit dieser Forderung weist darauf hin, daß es hier um mehr geht als ein äußeres Zeichen. Es ist, von GOTT gegeben, sakramental. Es bedeutet nicht nur, sondern es wirkt auch, was es bedeutet. Unter dem Schwert, das hier GOTT ansetzt, soll der Mensch neu werden. Es weist auf das Kreuz CHRISTI, wie es im Zeichen der flammenden Schwerter der Cherubim vor dem Paradies steht. Auf Golgotha hat der HERR es gegen sich selbst gerichtet. Was der HERR am Kreuz erleidet ist, die tiefste Beschneidung. Der Vollsinn (sensus plenior) dieses Abraham gegebenen Zeichens ist erreicht. Der widergöttliche Zugriff auf das Leben,  verlangt als Sühne die bedingungslose Hingabe JESU an den VATER am Kreuz. Hier steht in Abraham wie vollendet in JESUS CHRISTUS der Mann GOTT Antwort.. Auch wenn Eva Adam verführt hat, auf ihn als das Haupt, fällt die erste Verantwortung. Das Ja Abrahams zum Ruf GOTTES ist der erste Schritt, das „In Deine Hände empfehle ich Meinen Geist“ JESU die Vollendung, in die alle die eingehen müssen, die GOTT wie Abraham auf den Weg der Beschneidung gerufen hat.

Die „Helferin“

Erst jetzt trifft die Abraham gegebene Verheissung auch Sara, seine Frau. Weiter sprach Gott zu Abraham: Deine Frau Sarai sollst du nicht mehr Sarai nennen, sondern Sara (Herrin) soll sie heißen. Ich will sie segnen und dir auch von ihr einen Sohn geben. Ich segne sie, so daß Völker aus ihr hervorgehen; Könige über Völker sollen ihr entstammen (Gen 17,15f). Sie nimmt auf, was Abraham verheissen und zugleich aufgegeben ist. Sie ist in der Linie von Eva die von GOTT gegebene Helferin, das dem Manne notwendige Gegenstück, damit in dreifaltiger Ähnlichkeit die Pläne GOTTES über beiden erfüllt werden. Auch wenn hier in der Erwählung des Einen der DREIFALTIGE GOTT zurücktritt, ER bleibt im Hintergrund da. Das Heilshandeln auch einer der drei Personen steht immer für den DREIEINIGEN GOTT.

Ein neuer Weg

Mit Abraham, Vater des Glaubens, beginnt ein neuer Weg. Wie er aufgebrochen ist aus einem Land der Verderbnis, so müssen mit ihm die Glaubenden aufbrechen aus der Sünde der Selbstherrlichkeit, zu der sie der gefallene Engel geführt hat. Sie offenbart sich notwendig am meisten dort, wo der Mensch in der Fähigkeit, neues Leben zu schenken, GOTT am nächsten kommt. Darum muß sie im Feuer GOTTES auch in dieser Tiefe geläutert werden. Der Schrecken, der Abraham vor dem ersten Bundesanerbieten befällt, zeugt vom Kampf, den dieser Eingriff GOTTES in die Wege des Menschen bis ans Ende der Zeit auslösen wird. In Abraham ist der Glaubende zurückgerufen zum Quell des Lebens in GOTT, der verzehrendes Feuer ist.

Wie sehr die Beschneidung weiter wirkt, wird im Opfer Isaaks deutlich (vgl.Gen 22,6-8). Das von GOTT gesetzte Zeichen der Beschneidung kommt hier seiner Erfüllung im Kreuzesopfer CHRISTI am nächsten. Es ist wahrhaft Heilszeichen, Sakrament, wie der HERR in Seiner Person alle Sakramente darstellt. In der Unbedingtheit, in der der Wille GOTTES über Abraham steht, ist die ganze Gesetzgebung, die durch Moses vermittelt wird, mit enthalten. Erster Ansatz ist bei Abraham die Forderung, seinem Sohn die rechte Frau zuzuführen. Beschneidung im Fleisch bedeutet auch, daß die Grenze des von GOTT erwählten Stammes nicht überschritten werden kann. Beschneidung ist auch das Gesetz des Bannes an all den Völkern, die Israel dazu verleiten könnten, bundesbrüchig zu werden. Die Unbedingtheit der Forderung GOTTES liegt in aller ihrer Schwere und Unbegreiflichkeit auf Abraham. Hier muß alles bloß humanitäre Denken zuschanden werden.

Erneuerung des Bundes

GOTT erneuert mit Isaak den mit dem Vater geschlossenen Bund (vgl. Gen 26,1-4). Daß die Philister all die Brunnen, die die Knechte Abrahams gegraben haben, zuschütten, ist mehr als eine menschliche Bosheit. Dieser Übergriff zielt letztlich auf die Abraham gegebenen Verheissungen. Isaak muß sie wieder ausgraben, um in Treue seinem Vater nachzufolgen (Gen 26,18). Es ist nicht wenig Streit um diese Brunnen Erst beim letzten wird Frieden. Darauf brach er  (Isaak) von dort auf und grub wieder einen anderen Brunnen. Um ihn stritten sie nicht mehr. Da nannte er ihn Rehobot (Weite) und sagte: Jetzt hat uns der Herr weiten Raum verschafft, und wir sind im Land fruchtbar geworden. Von dort zog er nach Beerscheba hinauf. Isaak steht, wo GOTT Abraham angesprochen hat. In jener Nacht erschien ihm der Herr und sprach: Ich bin der Gott deines Vaters Abraham. Fürchte dich nicht, denn ich bin mit dir. Ich segne dich und mache deine Nachkommen zahlreich wegen meines Knechtes Abraham (Gen 26,22ff).

GOTT lenkt

Die Abraham gegebene Verheissung muß im Segen weitergegeben werden. Auch hier ist zuerst Kampf, GOTT behält Seine Hand im Spiel: nicht Esau der Erstgeborene empfängt den Segen, sondern Jakob, auf den GOTT schaut (vgl.27,6, 23, 26ff). Jakob fordert ihn konkret heraus, als er aufbrechen muß: Jakob machte das Gelübde: Wenn Gott mit mir ist und mich auf diesem Weg, den ich eingeschlagen habe, behütet, wenn er mir Brot zum Essen und Kleider zum Anziehen gibt, wenn ich wohlbehalten heimkehre in das Haus meines Vaters und der Herr sich mir als Gott erweist, dann soll der Stein, den ich als Steinmal aufgestellt habe, ein Gotteshaus werden, und von allem, was du mir schenkst, will ich dir den zehnten Teil geben (Gen 28,20ff). In der Geschichte von Joseph fährt GOTT fort, auf „krummen Wegen gerade zu schreiben“.(vgl. Gen 37,35, bis zum Segen Josephs: Kap.49). Der Name Joseph steht für die Vorsehung GOTTES.

GOTT ist da

Wahrhaft, GOTT erweist sich in dieser Führung Seines Volkes als der: „DER DA IST“.

Eines Tages trieb er das Vieh über die Steppe hinaus und kam zum Gottesberg Horeb.Dort erschien ihm der Engel des Herrn in einer Flamme, die aus einem Dornbusch emporschlug. Er schaute hin: Da brannte der Dornbusch und verbrannte doch nicht. Wieder ist hier das verzehrende (jetzt nicht verbrennende Feuer) Zeichen der Gegenwart GOTTES. Wir sind eine Offenbarungsstufe weiter. In der ersten Bundesschließung verzehrt das Feuer die Opfertiere. Der Dornbusch verbrennt nicht. Er wird zum Zeichen, daß GOTT unantastbar ist. Die Dornenkrone des HERRN verbirgt und enthüllt zugleich die Würde JESU: ER ist wahrhaft König..

Der  Auftrag an Moses

Mose sagte: Ich will dorthin gehen und mir die außergewöhnliche Erscheinung ansehen. Warum verbrennt denn der Dornbusch nicht?  Als der Herr sah, daß Mose näher kam, um sich das anzusehen, rief Gott ihm aus dem Dornbusch zu: Mose, Mose! Er antwortete: Hier bin ich.Der Herr sagte: Komm nicht näher heran! Leg deine Schuhe ab; denn der Ort, wo du stehst, ist heiliger Boden. Dann fuhr er fort: Ich bin der Gott deines Vaters, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs. Da verhüllte Mose sein Gesicht; denn er fürchtete sich, Gott anzuschauen.

Der Herr sprach: Ich habe das Elend meines Volkes in Ägypten gesehen, und ihre laute Klage über ihre Antreiber habe ich gehört. Ich kenne ihr Leid. Ich bin herabgestiegen, um sie der Hand der Ägypter zu entreißen und aus jenem Land hinaufzuführen in ein schönes, weites Land, in ein Land, in dem Milch und Honig fließen, in das Gebiet der Kanaaniter, Hetiter, Amoriter, Perisiter, Hiwiter und Jebusiter. Jetzt ist die laute Klage der Israeliten zu mir gedrungen, und ich habe auch gesehen, wie die Ägypter sie unterdrücken. Und jetzt geh! Ich sende dich zum Pharao. Führe mein Volk, die Israeliten, aus Ägypten heraus! Mose antwortete Gott: Wer bin ich, daß ich zum Pharao gehen und die Israeliten aus Ägypten herausführen könnte? Gott aber sagte: Ich bin mit dir; ich habe dich gesandt, und als Zeichen dafür soll dir dienen: Wenn du das Volk aus Ägypten herausgeführt hast, werdet ihr Gott an diesem Berg verehren. Wieder ist es eine dreifaltige Offenbarung: GOTT ist Seinem Volk VATER und König, der vorsorgt für Sein Volk, der es führen wird, der es als Priester hineinnimmt in das Feuer Seiner Liebe

Da sagte Mose zu Gott: Gut, ich werde also zu den Israeliten kommen und ihnen sagen: Der Gott eurer Väter hat mich zu euch gesandt. Da werden sie mich fragen: Wie heißt er? Was soll ich ihnen darauf sagen? Da antwortete Gott dem Mose: Ich bin der "Ich-bin-da". Und er fuhr fort: So sollst du zu den Israeliten sagen: Der "Ich-bin-da" hat mich zu euch gesandt. Weiter sprach Gott zu Mose: So sag zu den Israeliten: Jahwe, der Gott eurer Väter, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs, hat mich zu euch gesandt. Das ist mein Name für immer, und so wird man mich nennen in allen Generationen.

GOTT ist verzehrendes Feuer

Die Kundgabe des Namens kann verschieden gedeutet werden. Früher übersetzte man: „Ich bin der ich bin, im Sinne, ich bin der allein wahrhaft Seiende“´, eine mehr metaphysische Deutung. Sie ist nicht überholt. Denn obwohl GOTT wahrhaft mit seinem Volk, für sie da ist, bleibt ER doch der Jenseitige, den sie nicht zu greifen vermögen.Vor Seiner Macht zittern nicht nur die Feinde, auch das Volk. Jahweh ist der GOTT, „der ist, indem ER sich offenbart“. ER offenbart sich immer vollkommener, und in dem Maße wie ER sich dem Volke zu erkennen gibt, erhebt ER auch Anspruch auf die Erwählten. ER ist nicht nur da für den, den ER ruft, ER verlangt auch, daß der Gerufene ganz für IHN da ist. Die Übergabe des Dekaloges am Berge Horeb ist der erste entscheidende Schritt, Seine Gegenwart als Gesetz in das Herz des Volkes zu schreiben. Feuer hüllt den Berg ein, als ER auf ihn herabsteigt. Der ganze Sinai war in Rauch gehüllt, denn der Herr war im Feuer auf ihn herabgestiegen. Der Rauch stieg vom Berg auf wie Rauch aus einem Schmelzofen. Der ganze Berg bebte gewaltig, und der Hörnerschall wurde immer lauter. Mose redete, und Gott antwortete im Donner (Ex 19,18f)[9] Wieder ist eine dreifaltige Offenbarung: GOTT offenbart sich als der VATER und König, der vorsorgt für Sein Volk, der es führen wird, der es als Priester hineinnimmt in das Feuer Seiner Liebe.[10] Am Horeb wird das Feuer Zeichen für die eifersüchtige Liebe GOTTES, die das Volk läutern will in einem Schmelzofen wie Gold. Das goldene Kalb, das sich die Israeliten inzwischen bereiten, ist armseliger Versuch des sündhaften Menschen, diesem Feuer zu entgehen. Moses wird in heiligem Eifer das Kalb zermalmen und den Staub den Kindern Israels zu trinken geben. Das Feuer GOTTES, das Israel hier von der Weite erlebt, weist hin auf das letzte Feuer, in dem GOTT in der Geheimen Offenbarung die Schöpfung reinigen wird, damit sie als „Kristallenes Meer, vermischt mit Feuer“ eingehe in Seine Herrlichkeit (vgl. Offb 4,6 u.15,2).

An der Gewalt der GOTTESoffenbarung wird jede Art zu menschlicher Vorstellung von GOTT-VATER, wie sie uns aus dem Heidentum überkommen, wie wir sie uns zurechtschneidern zuschanden. Was der Hl.GEIST bei den Heiden vorbereitet hat, liegt vor der Schwelle dessen, was GOTT dann, beginnend mit Abraham an Seinem Volke tut. Wir müssen lernen durch den Engel, Geist von GOTTES Geist auf GOTT zu schauen. Da erscheint der VATER wie das Feuerlicht der Sonne, wie eine Wolkenwand, hinter der die Sonne glühend untergeht.

Der biblische Offenbarungsbegriff (Zusammenfassung)

Dreifaches läßt sich von GOTT sagen aus der biblischen Offenbarung entnehmen:

·       ER ist Leben in göttlich unbegreifbarer Fülle;

·       ER ist das „Werde“ über aller Schöpfung;

·       ER ist in Allmacht das „Sei!“

Die Mitte aber ist das „ICH bin!“, an dem sich alles Leben ausrichtet, zu dem es emporstrebt und es doch nie erreicht. So sehr dieses „ICH bin!“ in sich geschlossen ist, so sehr öffnet es sich dem, der sich ihm unterwirft.

Dreifach offenbart sich das „Sei!- vor Meinem Angesicht!“

·       im erschaffenden VATER,

·       im neu erschaffenden SOHN,

·       im rückführenden HEILIGEN GEIST.

Dreifach wird das Geschöpf vor GOTT:

·       Der VATER ruft zum Leben,

·       der SOHN gibt die Kraft zu solchem Leben,

·       der HEILIGE GEIST will es umformen in Liebe, damit es eingehe in das Feuer der Liebe GOTTES.

 Rückblick

·       Der Vaterbegriff ist schon bei den Heiden religiösen Ursprungs;

·       er kristallisiert sich an einer Persönlichkeit religiös-politischer Prägung

·       und zeigt schon bei den Heiden die dreifaltige Prägung: König, Richter, Priester.

·       Immer zielt er auf die Bildung einer größeren Familie, einer Sippe, eines Volkes.

·       Die Erwählung Abrahams nimmt all diese Elemente auf und hebt sie aus dem politisch-religiösen Raum hinein in die Offenbarung des Einen, Wahren GOTTES.

·       Die Gewalt der GOTTESbegegnung ist erster Anstoß zu einer Lebensordnung, die ihr entspricht. In ihr soll der Mensch GOTT entgegenwachsen, wie es GOTT in den großen Heilspersönlichkeiten: Abraham, den Patriarchen, Moses, den Propheten kundtut.

·       Nur dort bleibt religiöse Lebensordnung lebendig, wo sie an diese erste GOTTESerfahrung zurückgebunden ist. Wo sie verloren geht, kann sie sich, wie im Abfall des auserwählten Volkes in eine Ordnung gegen GOTT verwandeln.

Was GOTT an Israel getan hat, ist noch heute Gegenwart, dafür stehe das einfache Zeugnis des Diakon Ephraem, Gründer der Gemeinschaft der Seligpreisungen. Er schreibt auf der ersten Seite seines Buches„Spätsommerregen“ das von der Entstehung der Gemeinschaft berichtet als Bilanz der ersten zehn Jahre: „GOTT hat gewirkt“. Er fährt fort im Hinweis auf das gleiche Wirken GOTTES in der Heilsgeschichte Israels: „Die jüdische Bibelauslegung erklärt, daß alles in seinem eigenen Anfang enthalten ist,  wie im ersten Kapitel eines Buches, im ersten Vers dieses Kapitels, bis auf den ersten Buchstaben. Es ist nicht unwichtig, daß die Bibel mit dem Buchstaben Beth anfängt, welcher sowohl „Haus“, wie in Betlehem, als im „Inneren von“ und auch „Ab, Vater“ bedeutet. Die Bibel beginnt wie die Mitteliung eines Vaters, der die eigenen Kinder in das Haus seines Herzens zurückführen will.......GOTT hat zu mir gesprochen, Er hat zu mir in diesen Gründungszeiten sehr stark gesprochen, in einem gewissen unaussprechlichen von Herz zu Herz Gespräch.“ (aaO, S.13).

 

Der Vater im NT“

Bei den Synoptikern

Elternliebe- Nachfolge

Der HERR hebt das 4. Gebot der Elternliebe nicht auf; im Gegenteil, er tritt dafür ein und unterstreicht, daß es in Wahrheit und reinen Herzens erfüllt werde: Warum mißachtet denn ihr Gottes Gebot um eurer Überlieferung willen? Gott hat gesagt: Ehre Vater und Mutter!, und: Wer Vater oder Mutter verflucht, soll mit dem Tod bestraft werden. Ihr aber lehrt: Wer zu Vater oder Mutter sagt: Was ich dir schulde, erkläre ich zur Opfergabe!, der braucht seinen Vater oder seine Mutter nicht mehr zu ehren. Damit habt ihr Gottes Wort um eurer Überlieferung willen außer Kraft gesetzt. Ihr Heuchler! Der Prophet Jesaja hatte recht, als er über euch sagte: Dieses Volk ehrt mich mit den Lippen, sein Herz aber ist weit weg von mir (Mt15,4-6).

Doch tritt das 4. Gebot in Seinem Nachfolgeruf in eine Spannung, ja Gegensätzlichkeit, die nur im HEILIGEN GEIST in rechter Weise gelöst werden kann. In der Perikope vom „reichen Jüngling“ wird diese Spannung zur Scheidung. Du kennst doch die Gebote: Du sollst nicht töten, du sollst nicht die Ehe brechen, du sollst nicht stehlen, du sollst nicht falsch aussagen, du sollst keinen Raub begehen; ehre deinen Vater und deine Mutter! Er erwiderte ihm: Meister, alle diese Gebote habe ich von Jugend an befolgt. Da sah ihn Jesus an, und weil er ihn liebte, sagte er: Eines fehlt dir noch: Geh, verkaufe, was du hast, gib das Geld den Armen, und du wirst einen bleibenden Schatz im Himmel haben; dann komm und folge mir nach! (Mk 10,19 par)

Menschlich würden wir von Überforderung sprechen. Weil der HERR alles gibt, fordert Er von uns auch alles. Nur weil ER zuerst gibt, können wir Seiner Forderung entsprechen. Dies ist in der Perikope angezeigt durch den liebenden Blick, mit dem JESUS den Jüngling anschaut. Er ist nicht nur Herausforderung, er ist auch Kraft, sie aufzunehmen. Mit dem Evangelium treten wir gegenüber dem Alten Testament in eine andere, eine eschatologische Ordnung, wie sie zwar besonders bei den Propheten schon im AT aufscheint, aber erst in JESUS CHRISTUS verbindlich wird.  In der Forderung, IHM nachzufolgen spricht der HERR sogar vom „Hassen“: Kein Sklave kann zwei Herren dienen; er wird entweder den einen hassen und den andern lieben, oder er wird zu dem einen halten und den andern verachten. Ihr könnt nicht beiden dienen, Gott und dem Mammon (Lk 16,13).

Das trifft sogar die Eltern, wenn wir hier auch sinngemäß milder übersetzen müssen (misein = geringachten, zurückstellen): Wenn jemand zu mir kommt und nicht Vater und Mutter, Frau und Kinder, Brüder und Schwestern, ja sogar sein Leben gering achtet, dann kann er nicht mein Jünger sein (Lk 14,26). Was der VATER uns in JESUS schenkt, ist so über alle menschlichen Maße hinaus, daß wir es nur dann verstehen, wenn wir bereit sind, uns zu überschreiten. ER wird uns dazu helfen. Es geht um das Ewige Leben, das uns in JESUS vom VATER angetragen wird, da ist kein Preis zu gering. Wer zurückschaut muß erstarren: Denkt an die Frau des Lot! Wer sein Leben zu bewahren sucht, wird es verlieren; wer es dagegen verliert, wird es gewinnen. Ich sage euch: Von zwei Männern, die in jener Nacht auf einem Bett liegen, wird der eine mitgenommen und der andere zurückgelassen. Von zwei Frauen, die mit derselben Mühle Getreide mahlen, wird die eine mitgenommen und die andere zurückgelassen.

Wo es um die Bindung an GOTT geht, müssen alle anderen Bindungen, selbst die nächsten zurückstehen, auch wenn dabei die Familie im irdischen Sinne zerbricht: Meint ihr, ich sei gekommen, um Frieden auf die Erde zu bringen? Nein, sage ich euch, nicht Frieden, sondern Spaltung. Denn von nun an wird es so sein: Wenn fünf Menschen im gleichen Haus leben, wird Zwietracht herrschen: Drei werden gegen zwei stehen und zwei gegen drei, der Vater gegen den Sohn und der Sohn gegen den Vater, die Mutter gegen die Tochter und die Tochter gegen die Mutter, die Schwiegermutter gegen ihre Schwie gertochter und die Schwiegertochter gegen die Schwiegermutter. Der Vater hat uns den SOHN geschickt, um in IHM eine neue Familie aufzubauen, wie sie uns zuerst in Nazareth vorgestellt wird, wie sie in Bethanien als Angeld der Erlösung erscheint und nach Pfingsten in der Urgemeinde in die Öffentlichkeit tritt. Die Bluts- und andere Bindungen sind aufgenommen, soweit sie sich in die neue Ordnung des Kreuzes fügen, in die wir durch das Sterben JESU hineingerufen sind.

Patriarchalische Verfassung der Familie

Diese eschatologische Gegensätzlichkeit von Nachfolge und Elternliebe hebt die jüdisch patriarchalische Verfassung der Familie nicht auf, doch sie läßt ihre Grenze erkennen. Dort wo der Sünder in Reue umkehrt, wird das Gnadenhafte dieser Ordnung erst recht sichtbar: Da ging er in sich und sagte: Wie viele Tagelöhner meines Vaters haben mehr als genug zu essen, und ich komme hier vor Hunger um. Ich will aufbrechen und zu meinem Vater gehen und zu ihm sagen: Vater, ich habe mich gegen den Himmel und gegen dich versündigt. Ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu sein; mach mich zu einem deiner Tagelöhner. Dann brach er auf und ging zu seinem Vater (Lk 15,17-20). Als er aufbrach, war für ihn die Familie nur Sprungbrett für seine Abenteuer, jetzt weiß er um ihre göttliche Ordnung („ich habe gesündigt gegen den Himmel uind dich!“). Hier kehrt der verlorene Sohn in Reue und im Glauben an die Barmherzigkeit des Vaters zurück, wo der HERR die Jünger ruft, stellt ER die Familienbindung zurück. Die Jünger werden sie später in anderer Weise wieder aufnehmen. Nicht als „verlorene Söhne“ kehren sie zurück, sondern im Gegenteil, um die Gnaden, die sie empfangen haben, auch den Ihren weiterzugeben. Weil uns in JESUS ein neues Leben geschenkt wird, gibt es keine ein für alle Mal fertigen Ordnungen, wie sie die Pharisäer beanspruchen; im Hauch des GEISTES sind sie immer neu und anders und schöpfen gerade so aus ihrer Quelle: GOTT.

„abba=lieber VATER“

Während die jüdische Familienordnung vom Gesetz des Moses zur Erstarrung neigt, ist die vom HERRN angezielte Ordnung der Familie immer auf die Liebe des VATERS ausgerichtet; ihr soll der Mensch auch in der Ordnung der Familie begegnen. Ausdruck dafür ist das Wort „abba = lieber Vater“, das wohl schon in der jüdischen Tradition aufscheint, doch erst jetzt seinen vollen Sinn bekommt. Wir finden dieses Wort nur dreimal im NT, ein Hinweis, daß die Urgemeinde wohl um seine Tiefe wußte und nicht zuließ, daß es abgenützt würde. Es ist wie das Zitat beweist eine Grenzerfahrung, die dem Menschen meist nur in tiefer Not geschenkt wird, wenn sein Herz im Kreuz aufgebrochen ist: Jesus sprach (am Ölberg): Abba, Vater, alles ist dir möglich. Nimm diesen Kelch von mir! Aber nicht, was ich will, sondern was du willst (soll geschehen) (14,36). In solcher Anrede liefert gibt der Mensch sich bedingungslos in die Arme des VATERS, wie es auch im Gebet von Charles de Foucauld deutlich wird: „O, mein VATER. Überlasse mich ganz Dir, mache mit mir, was Du willst. Was immer du mit mir tust ich danke DIR, denn Du bist mein VATER!“ Nur ein in der Passion durchbohrtes Herz vermag so zu sprechen.

Darum ist auch in solch‘ liebender Anrede die Transzendenz des VATERS gewahrt, wie es in dem Wort: „VATER im Himmel“ zum Ausdruck kommt. Doch sie ist nicht Ferne, nicht ein unerreichbares Jenseits, sondern, was sie auszeichnet, ist die unantastbare Güte des VATERS, die alles menschliche Begreifen übersteigt: Wenn nun schon ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gebt, was gut ist, wieviel mehr wird euer Vater im Himmel denen Gutes geben, die ihn bitten (Mt 7,11). So wie sich der SOHN in der Passion nach ihr ausstreckt, so müssen auch wir tun, nur so können wir in den heiligen Willen GOTTES eingehen:  Nicht jeder, der zu mir sagt: Herr! Herr!, wird in das Himmelreich kommen, sondern nur, wer den Willen meines Vaters im Himmel erfüllt (Mt 7,21). Im Begriff des Himmels wird uns am deutlichsten, wie viel größer die Wege GOTTES sind als unser Begreifen: Und er nahm die fünf Brote und die zwei Fische, blickte zum Himmel auf, sprach den Lobpreis, brach die Brote und gab sie den Jüngern; die Jünger aber gaben sie den Leuten (Mt 14,19), Nur vom Himmel her kann der Mensch erkennen, so wie es Petrus vom VATER geschenkt wird: Simon Barjona; denn nicht Fleisch und Blut haben dir das offenbart, sondern mein Vater im Himmel (Mt 16,17). Hilfe zum besseren Erkennen sind das reine Kind und die Engel, die im Angesicht GOTTES stehen: Hütet euch davor, einen von diesen Kleinen zu verachten! Denn ich sage euch: Ihre Engel im Himmel sehen stets das Angesicht meines himmlischen Vaters (18,10). Mit ihnen müssen wir uns ausstrecken, auch wenn wir es hier auf Erden nicht erreichen: Nach der Auferstehung werden die Menschen nicht mehr heiraten, sondern sein wie die Engel im Himmel.  Hier verstehen wir besser das Gebot JESU: Auch sollt ihr niemand auf Erden euren Vater nennen; denn nur einer ist euer Vater, der im Himmel (Mt 23,9); nur über den Engel könnten die Väter solcher Überforderung näher kommen.

„MEIN VATER, euer VATER“

Besonders bei Mt finden sich nicht wenige Stellen, wo der HERR ausdrücklich von „Seinem VATER“ (vgl.5,48; 6,8,14,15,25,32; 7,11; 18,14; 23, 8,9,10), aber auch von „eurem VATER“ an die Jünger gewandt spricht. Es geht Ihm um die rechte Jüngerschaft. Was für IHN gilt kann nur in der Nachfolge für die Jünger wirklich werden. Nur im SOHN können sie Söhne des VATERS werden. Nie hat der HERR sich in das „VATER unser“ eingeschlossen. Sein Verhältnis zum VATER ist unübertragbar; das muß MARIA und Joseph bitter erfahren, als sie IHN in Jerusalem nach drei Tagen Suche im Tempel finden: Als seine Eltern ihn sahen, waren sie sehr betroffen, und seine Mutter sagte zu ihm: Kind, wie konntest du uns das antun? Dein Vater und ich haben dich voll Angst gesucht. Da sagte er zu ihnen: Warum habt ihr mich gesucht? Wußtet ihr nicht, daß ich in dem sein muß, was meinem Vater gehört? Doch sie verstanden nicht, was er damit sagen wollte. Dann kehrte er mit ihnen nach Nazaret zurück und war ihnen gehorsam. Seine Mutter bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen (Lk 2,49ff). Hier ist keine Brücke vom Pflegevater zum Himmlischen VATER.  Leidend muß der Mensch in seinem Herzen den Abstand ermessen, um GOTT VATER den rechten Platz einzuräumen. Nur wenn diese Spannung mit MARIA im Herzen durchgetragen wird, kann sie in uns fruchtbar werden, wir verstehen ein wenig mehr: wer der Himmlische VATER ist.

Der VATER allein

Im Jubelruf des HERRN wird etwas von der Einzigartigkeit des Verhältnisses JESU zum VATER offenbar: In jener Zeit sprach Jesus: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du all das den Weisen und Klugen verborgen, den Unmündigen aber offenbart hast. Ja, Vater, so hat es dir gefallen. Mir ist von meinem Vater alles übergeben worden; niemand kennt den Sohn, nur der Vater, und niemand kennt den Vater, nur der Sohn und der, dem es der Sohn offenbaren will (Mt 11,25f, par). Absoluter kann der HERR Sein Verhältnis zum VATER nicht darstellen: „niemand kennt den VATER nur der SOHN!“ An der Einzigartigkeit der Liebe des SOHNES zum VATER muß der Jünger sich emporranken wie die Rebe am Weinstock.  Der VATER ist über alles hinaus – und doch in JESUS und durch IHN erreichbar. Es gibt Geheimnisse, die dem VATER allein vorbehalten sind: Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen. Doch jenen Tag und jene Stunde kennt niemand, auch nicht die Engel im Himmel, nicht einmal der Sohn, sondern nur der Vater (Mk 13,32). So wie sich der SOHN sich einordnet, so müssen die sich einordnen, die in IHM Söhne des VATERS werden wollen.

GOTT der VATER aller Menschen

Die Stoa weiß von GOTT dem VATER aller Menschen, doch wir würden sagen: in einem humanitären Sinne. Es bleibt das Wort Vater eine Chiffre.  Der Mensch kann ihm nicht begegnen. So bleibt dieses Wissen um den VATER unverbindlich. Wie anders bei Lukas, wo gerade im Gleichnis vom „verlorenen SOHN“ diese Wahrheit in aller Wärme des Erbarmens GOTTES mit uns armen Sündern aufleuchtet. Dann brach er auf und ging zu seinem Vater. Der Vater sah ihn schon von weitem kommen, und er hatte Mitleid mit ihm. Er lief dem Sohn entgegen, fiel ihm um den Hals und küßte ihn (Lk 15,20). Erst jetzt in der Umkehr findert der Sohn den Vater, wird er wirklich SOHN, geborgen im größeren Erbarmen GOTTES, von dem weder die Stoa noch die Rationalisten etwas wissen, für die der Begriff des Vaters im Himmel eine Chiffre bleibt, die den Menschen nicht verpflichten kann. In JESUS CHRISTUS können wir den VATER als Kind anreden: Wenn ihr betet, sollt ihr nicht plappern wie die Heiden, die meinen, sie werden nur erhört, wenn sie viele Worte machen. Macht es nicht wie sie; denn euer Vater weiß, was ihr braucht, noch ehe ihr ihn bittet (Mt 6,8), Er schaut in unsere Herz mehr als auf unsere armen Worte. Darum hat er uns ja auch das Vaterunser gegeben (Mt6,9ff), das nur im persönlichen Aufschauen zu GOTT zu klingen beginnt.

Autorität und Fürsorge des VATERS

Der VATER steht über allem, ER schaut auf alle durch Seinen SOHN, denn Er will sie alle in IHM erkennen und lieben. Je mehr die Menschen durch den SOHN auf IHN schauen, um so mehr sind sie in Seiner Liebe geborgen.  Alle wollen das Leben haben, und der VATER schenkt es ihnen in aller Freigiebigkeit, doch nur wenige wollen eintreten in den Weg des SOHNES, der in dieser Zeit ein Weg des Kreuzes ist. Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen, damit ihr Söhne eures Vaters im Himmel werdet; denn er läßt seine Sonne aufgehen über Bösen und Guten, und er läßt regnen über Gerechte und Ungerechte (Mt 5,45). Die äußere Sonne ist nur Bild für die nicht sichtbare, ja dunkle Sonne der Liebe GOTTES, die über denen scheint, die dem VATER im SOHNE antworten. Sie werden einmal als die Gerechten im Reich ihres Vaters wie die Sonne leuchten (Mt 13,43), wenn die Sonne am Firmament dieser Schöpfung für immer erloschen sein wird: Sofort nach den Tagen der großen Not wird sich die Sonne verfinstern, und der Mond wird nicht mehr scheinen; die Sterne werden vom Himmel fallen, und die Kräfte des Himmels werden erschüttert werden (24,29). Der SOHN ist ganz in der fürsorgenden Autorität des VATERS geborgen und mit IHM alle die, die sich IHM anheimgegeben haben: Macht euch also keine Sorgen und fragt nicht: Was sollen wir essen? Was sollen wir trinken? Was sollen wir anziehen? Denn um all das geht es den Heiden. Euer himmlischer Vater weiß, daß ihr das alles braucht (Mt 6,29).

Autorität und Gehorsam

Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Senfkorn, das ein Mann auf seinen Acker säte. Es ist das kleinste von allen Samenkörnern; sobald es aber hochgewachsen ist, ist es größer als die anderen Gewächse und wird zu einem Baum, so daß die Vögel des Himmels kommen und in seinen Zweigen nisten (Mt 13,30). Der VATER hat den Samen JESU in das Erdreich gelegt,  im unbedeutensten Ort dieser Erde, in einem kleinen vergessenen Land, auf dem kleinsten der Sterne. Schweigend hat der Gehorsam begonnen: Dann kehrte er mit ihnen nach Nazaret zurück und war ihnen gehorsam (Lk 2,51).  Er ist gewachsen hin zum Gehorsam am Kreuz, der uns die Erlösung brachte. Als Anführer des Glaubens ist uns der SOHN vorausgegangen, in blinder Unterordnung unter den gößeren Willen des VATERS: Mein Vater, wenn dieser Kelch an mir nicht vorübergehen kann, ohne daß ich ihn trinke, geschehe dein Wille (Mt 26,42).

Betend findet der SOHN immer wieder durch zum Willen des VATERS, denn auch ER weiß nicht alles: Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen. Doch jenen Tag und jene Stunde kennt niemand, auch nicht die Engel im Himmel, nicht einmal der Sohn, sondern nur der Vater Mk 13,32). Was der SOHN als Vollmacht besitzt, das erhält ER vom VATER; die Erwählung Petri als Nachfolger ist direkter Eingriff des VATERS. Sie macht offenbar, wie verborgenerweise der SOHN im Willen des VATERS geführt wird: in der Kraft des HEILIGEN GEISTES: Selig bist du, Simon Barjona; denn nicht Fleisch und Blut haben dir das offenbart, sondern mein Vater im Himmel. 18 Ich aber sage dir: Du bist Petrus, und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen, und die Mächte der Unterwelt werden sie nicht überwältigen (Mt, 16,17).

Die Einheit von Vater, Richter und Herrscher

Sie gilt für JESUS genauso wie für die Juden die Autorität des Vaters in dieser dreifachen Weise bis  hinein in die Familie gilt. Der GOTT ihrer Väter hat es ihnen durch Moses offenbart. Alle Autorität ruht auf dem Willen des VATER: Nicht jeder, der zu mir sagt: Herr! Herr!, wird in das Himmelreich kommen, sondern nur, wer den Willen meines Vaters im Himmel erfüllt (Mt 7,21).

Er ist Vater, weil der VATER es IHM gibt, so wird Er mit recht in der Herz JESU Litanei „Pater futuri saeculi= Vater der kommenden Zeit“ genannt.

ER ist Richter, weil ER einmal die Böcke von den Schafen scheiden wird: Er wird die Schafe zu seiner Rechten versammeln, die Böcke aber zur Linken.

ER ist König im Namen des VATERS: Dann wird der König denen auf der rechten Seite sagen: Kommt her, die ihr von meinem Vater gesegnet seid, nehmt das Reich in Besitz, das seit der Erschaffung der Welt für euch bestimmt ist (Mt 25,33f).

Der tiefste Grund Seiner Herrschaft ist, weil Er sich dem Willen des VATERS bis zur Selbstvernichtung unterworfen hat. Sie zogen ihn aus und legten ihm einen purpurroten Mantel um. Dann flochten sie einen Kranz aus Dornen; den setzten sie ihm auf und gaben ihm einen Stock in die rechte Hand. Sie fielen vor ihm auf die Knie und verhöhnten ihn, indem sie riefen: Heil dir, König der Juden! Und sie spuckten ihn an, nahmen ihm den Stock wieder weg und schlugen ihm damit auf den Kopf (Mt 27,28ff). Am deutlichsten ist dies im Hebräerbrief ausgesprochen: alles hast du ihm zu Füßen gelegt. Denn als er ihm alles zu Füßen legte, hat er nichts von der Unterwerfung ausgenommen. Jetzt sehen wir noch nicht alles ihm zu Füßen gelegt; aber den, der nur für kurze Zeit unter die Engel erniedrigt war, Jesus, ihn sehen wir um seines Todesleidens willen mit Herrlichkeit und Ehre gekrönt (Hebr.2,8).

Der VATER hat IHN auf Erden geschickt als verborgenen König, um zu sehen, wer sich wie ER Seinem heiligen Willen unterwerfe: Mit dem Himmelreich ist es deshalb wie mit einem König, der beschloß, von seinen Dienern Rechenschaft zu verlangen (vgl. Mt 18,23). Der verspottete, dornengekrönte König wird richten über Lebende und Tote.Wenn der Menschensohn in seiner Herrlichkeit kommt und alle Engel mit ihm, dann wird er sich auf den Thron seiner Herrlichkeit setzen.Und alle Völker werden vor ihm zusammengerufen werden, und er wird sie voneinander scheiden, wie der Hirt die Schafe von den Böcken scheidet (Mt 25,31ff).

Die Synoptiker im einzelnen (zusammenfassend)

Weil jedes Evangelium unter einer besonderer Inspiration steht (Lebendes Wesen!) muß auch das Bild des VATERS in den verschiedenen Evangelien verschiedene Züge zeigen.

Mathäus

Hier ist es die HEILIGKEIT GOTTES, die die entsprechende Antwort des Menschen verlangt: „seid heilig wie ICH heilig bin!“ In diese Heiligkeit muß der Mensch hineinwachsen. ES nimmt deshalb nicht wunder, daß es gerade 7 Schritte der Erkenntnis des VATERS sind, die bei Mt aufgewiesen werden. Sie folgen dem Ablauf des Evangeliums und lassen sich den Gaben des Hl.GEISTES zuordnen.

1.     Der VATER schaut durch den SOHN auf unsere gute Taten (die wir ja nur in IHM tun können: : 5,6,45,48; 61,4,9,14,26. In ihnen erkennen wir die Güte des VATERS und sind in IHM erkannt.

2.     Wir sind in der Sorge des VATERS geborgen: 6,32; 7,11,21; 10,20,24. GOTTES Wege sind immer Weisheit.

3.     Wir erkennen IHN im Maße wir uns zum SOHN bekennen:  10,32; 11,25, 27.  Dies ist unsere Sendung auf Erden (= der uns je persönliche gegebene Rat).

4.     Wir können nur leben aus der Gnade des VATERS: 13,43; 15,13; 16,17. Diese Wissenschaft gilt es zu erlernen.

5.     Im SOHN offenbart sich die Herrlichkeit des VATERS: 16,27 u.18,10; nur der Starkmütige wird sie erfahren; hier helfen uns die hl.Engel.

6.     Alle Verheissung liegt im Kleinsein und Einssein: 18,14, 19; hier bedarf es der GOTTESfurcht.

7.     Groß ist der Lohn im Himmel: 20,23; 23,9; 26,29,53; 28,19: GOTTseligkeit!

 Markus

Es fällt auf, daß bei Mk eine ganze Reihe Zitate mit dem irdischen Vater zu tun haben, und zwar im Blick auf seine Unterordnung unter die höhere Ordnung des Reiches. Schon das erste Zitat (1,20) spricht davon, daß die Jünger ihren Vater verlassen und dem HERRn nachfolgen. Ähnlich die folgenden: 7,10, 11,12 ; 9,21,24; 10,7,9,29; dabei wird das 4. Gebot nicht angetastet. 

Der VATER kann in uns nur wirken, wenn wir IHM in einem reinen Herzen Raum geben: Und wenn ihr beten wollt und ihr habt einem anderen etwas vorzuwerfen, dann vergebt ihm, damit auch euer Vater im Himmel euch eure Verfehlungen vergibt (Mk 11,25).

Doch jenen Tag und jene Stunde kennt niemand, auch nicht die Engel im Himmel, nicht einmal der Sohn, sondern nur der Vater (Mk 11,32). Abba, Vater, alles ist dir möglich. Nimm diesen Kelch von mir (14,36)

Diese drei Zitate stehen im Zeichen des Allmächtigen GOTTES:

Die Allmacht GOTTES ist – unbegreiflicherweise – durch die Freiheit des Menschen eingeschränkt (1. Zitat). Sie ist eine Allmacht der Erkenntnis: der VATER weiß alles (2.Zitat) und der VATER kann alles (3. Zitat). Der SOHN ist bei Markus in Seinem ganzen Sein und Tun Hinweis auf die Allmacht des VATERS; so sind auch wir in JESUS eingeladen, uns im Vertrauen dem VATER anheimzugeben. GOTT wird es in unserer Schwachheit vollbringen.

Lukas

Die ersten Zitate: 1,42,67, 73; 2,33, 48, 49 beziehen sich auf den irdischen Vater, im Unterschied zu Markus konkret auf den Vater des hl.Johannes des Täufers und seine heilsvermittelnde Rolle. Als Vater ist er im HEILIGEN GEIST in eine Aufgabe hineingestellt, die er erst langsam in dem ihm auferlegten Schweigen erkennt. Die heuchlerische Berufung der Jugen auf Abraham wird abgetan:  Bringt Früchte hervor, die eure Umkehr zeigen, und fangt nicht an zu sagen: Wir haben ja Abraham zum Vater. Denn ich sage euch: Gott kann aus diesen Steinen Kinder Abrahams machen (Lk 3,8).

Das erste auf den Himmlischen VATER bezogene Zitat steht im Zeichen der Barmherzigkeit: Seid barmherzig, wie es auch euer Vater ist! Richtet nicht, dann werdet auch ihr nicht gerichtet werden. Verurteilt nicht, dann werdet auch ihr nicht verurteilt werden. Erlaßt einander die Schuld, dann wird auch euch die Schuld erlassen werden (Lk 6,36f). Verbindend zwischen dem Himmlischen und dem irdischen Vater ist das folgende Zitat in der Perikope vom fallsüchtigen Knaben: durch das Erbarmen GOTTES empfängt der Vater seinen Sohn heil zurück: Als der Sohn herkam, warf der Dämon ihn zu Boden und zerrte ihn hin und her. Jesus aber drohte dem unreinen Geist, heilte den Jungen und gab ihn seinem Vater zurück (Lk 9,42).

Scharf ist die Trennung, die der HERR zieht, wo ER zur Nachfolge ruft: Zu einem anderen sagte er: Folge mir nach! Der erwiderte: Laß mich zuerst heimgehen und meinen Vater begraben (Lk 9,49) Wenig weiß der Mensch von der Größe solchen Rufes. Sie wird deutlich im „Jubelruf“, in dem der HERR 5mal den VATER preist. In dieser Stunde rief Jesus, vom Heiligen Geist erfüllt, voll Freude aus: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du all das den Weisen und Klugen verborgen, den Unmündigen aber offenbart hast. Ja, Vater, so hat es dir gefallen. Mir ist von meinem Vater alles übergeben worden; niemand weiß, wer der Sohn ist, nur der Vater, und niemand weiß, wer der Vater ist, nur der Sohn und der, dem es der Sohn offenbaren will (Lk 10,21f): Es gibt keine größere Seligkeit, als sich im VATER geborgen zu wissen. Hier ist das Ziel alles Ringens um den VATER angegeben.

Im Anschluß an das Vaterunser weist der HERR bei Lukas als einziger unter den Synoptikern darauf hin, daß wir in und vor allem Bitten um den HEILIGEN GEIST bitten sollen. ER ist in besonderer Weise in JESUS CHRISTUS die Gabe GOTTES, die uns am meisten not tut. Wenn nun schon ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gebt, was gut ist, wieviel mehr wird der Vater im Himmel den Heiligen Geist denen geben, die ihn bitten (Lk 11,13). Etwas später erinnert der HERR daran, daß alles Sorgen in die Hände des VATERS zu geben ist, der sehr wohl weiß, was wir bedürfen: Darum fragt nicht, was ihr essen und was ihr trinken sollt, und ängstigt euch nicht! Denn um all das geht es den Heiden in der Welt. Euer Vater weiß, daß ihr das braucht (12,29f).

Wie aus dem Herzen des Erbarmens GOTTES ist das folgende Wort an die „kleine Herde“ gesprochen: fürchte dich nicht, du kleine Herde! Denn euer Vater hat beschlossen, euch das Reich zu geben. Verkauft eure Habe, und gebt den Erlös den Armen! Macht euch Geldbeutel, die nicht zerreißen. Verschafft euch einen Schatz, der nicht abnimmt, droben im Himmel, wo kein Dieb ihn findet und keine Motte ihn frißt (12,32f). Wie groß ist die Verheissung der Armut des GEISTES! Wer sie lebt, wird auch in der Stunde der Prüfung recht entscheiden: Drei werden gegen zwei stehen und zwei gegen drei,der Vater gegen den Sohn und der Sohn gegen den Vater, die Mutter gegen die Tochter und die Tochter gegen die Mutter, die Schwiegermutter gegen ihre Schwiegertochter und die Schwiegertochter gegen die Schwiegermutter (Lk 12,53). Konsequent folgt hier das überscharfe Wort vom „hassen“, das hier sogar auf die Eltern geht (Lk 14,26) – der Ruf GOTTES steht über allem!

Auf das Bild väterlichen Erbarmens in der Perikope vom „Verlorenen Sohn“ haben wir schon in anderem Zusammenhang hingewiesen. Hier gibt Lukas die schönste Zeichnung vom Himmlischen VATER. Barmherzigkeit und Gerechtigkeit sind in der Weisheit GOTTES versöhnt: Der Vater (spricht zum SOHN, der zu Hause geblieben ist)  Mein Kind, du bist immer bei mir, und alles, was mein ist, ist auch dein. Aber jetzt müssen wir uns doch freuen und ein Fest feiern; denn dein Bruder war tot und lebt wieder; er war verloren und ist wiedergefunden worden (15,31f). In der folgenden Perikope vom „Reichen Mann und Lazarus“ erläutert Lukas daß der Mensch sehr wohl die Stunde des Erbarmens versäumen kann und dann der heiligen Gerechtigkeit GOTTES begegnet. Abraham redet den armen Reichen noch als „Kind“ an. Gerechtigkeit GOTTES ist niemals Härte. Lukas gelingt es wohl am besten, deutlich zu machen, daß sie die andere Seite der LIEBE GOTTES ist, die wir nie begreifen.

Groß ist der Lohn, den der VATER denen schenkt, die treu bleiben in aller Bedrängnis dieser Zeit:  In allen meinen Prüfungen habt ihr bei mir ausgeharrt. Darum vermache ich euch das Reich, wie es mein Vater mir vermacht hat (22,29). Wer mit IHM ausgeharrt hat im Ringen um den Willen des VATERS, hat auch Teil ans dem Lohn, den ER in Passion und Sterben erworben hat. Die Stärkung, die der HERR in Seiner Passion durch den Engel erfahren hat, ist eine besondere Gnade des VATERS, von der nur Lukas berichtet. Im Zeichen des Kreuzes müssen wir eins werden, auch mit den Hl.Engeln, nur so werden wir den Kampf bestehen (vgl.Lk 22,42).

Siegen muß die größere Liebe: Jesus aber betete: Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun. (Lk 23,38). In diese größere Liebe stürzt der SOHN in Seinem Sterben: Jesus rief laut: Vater, in deine Hände lege ich meinen Geist. Nach diesen Worten hauchte er den Geist aus (23,46). Im Hl.GEIST ist diese Liebe all denen verheißen, die sich nach ihr ausstrecken: Und ich werde die Gabe, die mein Vater verheißen hat, zu euch herabsenden. Bleibt in der Stadt, bis ihr mit der Kraft aus der Höhe erfüllt werdet (24,49).

Zusammenfassung zum Begriff des „VATERS“ bei den Synoptikern

Bei Mt begegnen wir der Heiligkeit des VATERS, die sich kundtunt in der heiligen Ordnung, in die wir durch den SOHN hineingerufen sind. Sie wird noch heute vor allem durch die benediktinische Lebensordung versinnbildet.

Bei Mk ist es die Allmacht des VATERS, die den SOHN führt und endlich allen Widerstand des Feindes. Die Dynamik des Wortes JESU treibt die Jünger hinaus: das Evangelium der ganzen Schöpfung zu künden. In ihr ist alle Verheissung, jenseits: Verdammnis. Das Wort der Allmacht GOTTES duldet keinen Widerspruch.

Bei Lukas begegnen wir dem VATER vor allem in der Führung JESU durch den Hl.GEIST, die sich vom Anfang bis zum Ende wie ein roter Faden durch das Evangelium zieht. Im Hl.GEIST geht Zacharias in den Tempel. Die Jünger sind vom Auferstandenen HERRn angerufen, in Jerusalem die Herabkunft des HL.GEISTES zu erwarten. Der Hl.GEIST verbindet in Liebe (Barmherzigkeit) und scheidet in Gerechtigkeit; nur der mit MARIA Betrachtende vermag in die Pläne der Weisheit GOTTES einzudringen.

 

Der VATER bei Johannes

Prägung und Eigenprägung

GOTT-VATER

Auf den VATER angewendet findet sich „kyrios=HERR“ nur einmal bei Johannes 12,13: beim Einzug in Jerusalem, dafür 73 mal „Theos-GOTT“. Die Begriffe der Synoptiker: „Euer VATER“ und „VATER im Himmel“ sind ihm unbekannt. Der Begriff MENSCHENSOHN dagegen kommt 10 mal vor: ER ist wahrhaft der, der nach Daniel von oben kommt. ER ist das LICHT, das die Scheidung, die mit dem ersten Schöpfungstag begonnen hat, zur Vollendung bringt.

Anknüpfen an die jüdische Tradition

Die Vatervorstellung ist patriarchisch, sie entspricht dem Bild des Hausvaters der jüdischen Tradition, vgl. 6,32; 8,33; 14,9, 16,15;17,10. Der VATER sorgt für die Seinen: Nicht Mose hat euch das Brot vom Himmel gegeben, sondern mein Vater gibt euch das wahre Brot vom Himmel (6,32).

JESUS ist die Offenbarung des VATERS

Der Offenbarungsbegriff greift auf die Synoptiker zurück, doch ist er von Johannes ausgeweitet und vertieft. Nur im SOHN können wir den VATER erkennen! Alle Offenbarung die uns zuteil wird, kommt durch den SOHN:  Niemand hat Gott je gesehen. Der Einzige, der Gott ist und am Herzen des Vaters ruht, er hat Kunde gebracht (Jo 1,18). Im Namen Seines VATERS ist JESUS gekommen (5,43), der VATER hat schon in den Schriften über IHN Zeugnis abgelegt (vgl.5,39, 47) Der SOHN muß am besten vom VATER wissen, denn ER ist von Ewigkeit her  „hin auf den Schoß des VATERS“(Jo 1,18). Es ist nicht nur ein Sein beim VATER, sondern ein ewige Hin zu IHM, in das ER alle die hineinnehmen will, die IHN aufnehmen.

Seine Sendung im Namen des VATERS

So muß auch Seine Sendung verstanden werden (vgl.10,36). Die Offenbarung des VATERS ist eins mit dem Heilswerk, das JESUS im Namen des VATERS und durch IHN vollbringt. All Sein Reden und Tun kommt aus dem Wissen um den VATER, aus der Einheit mit IHM (vgl.14,7-10; 8,19; 12,45). Die Übereinstimmung von VATER und SOHN ist vollkommen. Sie kommt aus der Liebe des SOHNES zum VATER, die nichts anderes weiß als den VATER. (vgl.15,9; 17,23,26) Sie kommt aus dem gegenseiten Erkennen. Sie ist ein Sein im VATER (vgl.10,38; 14,21; 17,21).

All Sein Tun ist Empfangen aus der Hand des VATERS

Alles was ER tut, ist Tun des VATER (10,32), auch Sein Lehren. Er empfängt aus der Hand des VATERS bis hin zur Auferstehung. Die Einheit vollendet sich im Opfer (vgl.19,29; 17,24): Auch in der größten Verlassenheit ist ER nicht allein (8,16,29). Es sind drei einfache Schritte:

Lieben, Gehorchen, Verherrlischen, die seinen Lebensweg kennzeichnen. Der HEILIGE GEIST will diese Gnade hineinlegen in die Gemeinschaft der Glaubenden, damit auch sie „eins seien!“

Kampf mit den Juden um die Wahrheit des VATERS

Von Anfang an ist es ein Kampf mit den Juden um diese Wahrheit vom VATER, die ER zu künden gekommen ist. Er bestreitet ihren Zugriff auf den VATER; sie können ihr Erkennen nicht in einem entsprechen Leben wahr machen (8,42). Dies ist der Grund, warum Johannes den Begriff „Euer VATER“ meidet. Die Vaterschaft der Juden ist eine andere (vgl.8,41); schonungslos wird sie auf den Teufel zurückgeführt.

Das Gebet JESU zum VATER

JESUS ist der zum VATER Betende; das wird deutlich, je näher ER der Passion kommt (vgl. 11,41;12,27). Nur betend kann ER Seine Sendung erfüllen. Auch den Jüngern ist solche direkte Nähe zum VATER zugesichert, wenn sie mit IHM und durch IHN auf den VATER zugehen: Das Vaterunser, bei den Synoptikern den Jüngern gelehrt, ist die Segensfrucht Seines Heilswirkens (vgl.17,26).

 

Der Weg zum VATER bei Johannes

Weg des Abstieges aus der Herrlichkeit des VATERS

Der SOHN in der Herrlichkeit des VATERS

1. Wir haben geschaut Seine Herrlichkeit als des Eingeborenen des VATERS....der am Herzen des VATERS ruht (1,14 u.18)

Aus dieser Herrlichkeit kommt der SOHN in die Finsternis der Welt. In der Sendung zu den Menschen hat IHM der VATER alles an die Hand gegeben (3,35), ER steht wahrhaft für den VATER. Was ER uns lehren will ist, den VATER anbeten im GEIST und in der Wahrheit (4,21). Wie am ersten Schöpfungstag: Das Licht leuchtet in der Finsternis (1,5, vgl.Gen 1,1).

2. Der VATER wirkt in der Sendung des SOHNES

Mein VATER wirkt bis zur Stunde und so wirke auch ICH. Deshalb trachteten ihm die Juden erst recht nach dem Leben, weil er nicht bloß den Sabbath brach sondern auch GOTT Seinen VATER nannte und damit sich GOTT gleich stellte(5,16ff). Der SOHN kann nichts aus sich tun, nur was ER den VATER tun sieht. Denn der VATER liebt den SOHN und zeigt Ihm alles, was ER selbst tut. Die Scheidung von Licht und Finsternis beginnt. Hier ist das Firmament des 2. Schöpfungstages gesetzt.

Ziel der Sendung ist, den Menschen das LEBEN zu bringen: Wie der VATER die Toten erweckt und lebendig macht, so macht auch der SOHN, wen ER will (5,21).Auch richtet der VATER niemand, sondern ER hat das Gericht dem SOHN übergeben. Alles sollen den SOHN ehren, wie sie den VATER ehren (siehe auch 5,26,36,43,,45).

3. Der VATER gibt den SOHN als BROT des LEBENS

Müht euch nicht um die vergängliche Speise, sondern die Speise, die vorhält zum Ewigen Leben, die der Menschensohn euch geben wird, denn diesen hat der VATER beglaubigt (6,27). Wie uns das irdische Leben aus dem Brot der Erde kommt, so das Ewige Leben aus dem BROT, das der VATER uns in JESUS reicht (vgl.6,32). Nur in IHM kann unser Leben, entsprechend dem 3. Schöpfungstag fest werden.

Der VATER gibt uns nicht nur das BROT des Ewigen Lebens, er wirkt auch, daß wir es empfangen können:Jeder, den der VATER mir gibt, kommt zu mir (6,37), denn ER will uns im SOHN das Ewigen Leben schenken (vgl. 6,40). Weil ER selbst unsichtbar bleibt, sind wir in allem auf den SOHN verwiesen. Es gibt keinen Weg an IHM vorbei: Nur der von GOTT ist, hat den VATER gesehen (6,46).

4. Das Zeugnis des VATERS

Diese Zeugnis steht notwendig in der Mitte der 7 Schritte des Abstieges: Ich selbst lege Zeugnis für Mich ab, und auch der VATER ,der Mich gesandt hat, legt Zeugnis für Mich ab. Da fragten sie: wo ist dein Vater? (8,18). Sie verstehen Sein Reden vom VATER nicht (vgl.8,27), und daß ER nur kundgibt, was ER beim VATER gesehen hat (8,38). Hier ist der Zeitpunkt gekommen, den Juden klar zu machen wer ihr Vater ist: Wenn GOTT euer Vater wäre, würdet ihr Mich lieben, denn Ich bin von GOTT ausgegangen und gekommen. ... Ihr habt den Teufel zum Vater (8,42ff). Die Juden suchen GOTT zu greifen, wie der Erzfeind nach IHM gegriffen hat, damit haben sie sich im Blick auf den 2/5.Schöpfungstag[11] für die „unteren Wasser“ entschieden.

5. Die Einheit von SOHN und VATER

Ich kenne die Meinen und die Meinen kennen Mich, wie Mich der VATER kennt und ich den VATER kenne (10,15). Dieses „Kennen“ muß aus der tiefsten Tiefe, vom biblischen Erkennen= Zeugen her verstanden werden. Im Erkenne ist das Leben GOTTES. Wo der VATER uns im SOHNE erkennt, haben wir Teil an Seinem Leben. Der SOHN empfängt in diesem Erkanntwerden das Leben vom VATER, wie der VATER im Erkanntwerden vom SOHN Sich  in IHM findet. Dieser Austausch ist die höchste Seligkeit GOTTES, er geschieht in der Freiheit der Liebe: Deshalb liebt Mich der VATER, weil Ich Mein Leben hingebe, um es wieder an Mich zu nehmen. Ich gebe es freiwillig hin (10,16,f).

In diese gegenseitige Hingabe, in dieses „Liebesspiel“ GOTTES, sind wir im Maße unseres Glaubens hineingenommen. Der VATER will in uns den SOHN sehen, ER will, daß ER in uns wachse, uns ganz ausfülle. Der SOHN will in uns dem VATER antworten. Der innertrinitarische Liebesaustausch im HEILIGEN GEIST, soll sich so auf der Ebene der Schöpfung vollziehen.

Wer an ihm teilhat, ist allem Zugriff des Bösen entzogen: Mein VATER, der sie Mir gegeben hat, ist mächtiger als alle; niemand kann sie der Hand meines VATERS entreißen. ICH und der VATER sind eins:“(10,30). Von dieser Einheit können die Juden nichts verstehen: sie ist ihnen weder durch das Wort JESU noch durch seine Werke zugänglich (vg.10,27ff). Ihr erneuter Zugriff geht ins Leere (vgl.10,39).

6. Ringen mit dem VATER

Was soll Ich nun sagen? VATER rette Mich aus dieser Stunde? Doch gerade deshalb bin ich in diese Stunde gekommen. VATER, verherrliche Deinen Namen!(12,27f). Das Hören auf den VATER, das Schauen auf IHN, mündet immer in die Unbedingtheit des Gehorsams gegenüber dem VATER.  Weil Adam durch den Ungehorsam gefallen ist, so muß der SOHN den Gehorsm in aller Unbedingtheit wieder aufrichten.

7. Rückkehr zum VATER - Wendepunkt des Evangeliums

JESUS wußte, daß für Ihn die Stunde gekommen war, zum VATER heimzukehren (13,1). Der VATER erwartet von IHM das höchste Zeugnis der Liebe; die Hingabe Seines Lebens für die, zu denen ER IHN geschickt hat. Die Gleichheit von GOTTES- und Nächstenliebe wird im Kreuzestod des HERRN besiegelt. Der demütige Dienst der Fußwaschung ist dafür das wirksame Zeichen, das die Passion schon vorausnimmt (wie in anderer Weise die Einsetzung der Hlst. Eucharistie. In beiden wird die untrennbare Einheit von Nächsten- (Fußwaschung) - und GOTTESliebe(Eucharistie) aufgezeigt).

Wir sind hier am Wendepunkt des Evangeliums, das in seinem Aufbau mit einer Parabel verglichen werden kann: Abstieg bis zu diesem Punkt tiefster Erniedrigung - Aufstieg wieder zum VATER über die Passion, die Johannes ganz im Licht der Glorie zeigt. Die Abschiedsrede zeigt den Jüngern den Weg zurück zum VATER in 7 Stufen (vgl. dazu die Vorlesung zu den Johannesschriften).

Der Weg zurück zum Vater, Abschied von den Jüngern

1. Über den Weg

Auch wenn die Jünger noch nicht verstehen, der HERR will ihnen doch in seinen letzten Worten den Weg weisen, den sie später im HEILIGEN GEIST erkennen und nachvollziehen werden.

Beim VATER ist die Wohnung, die den Jüngern durch JESUS bereitet ist (14,2); nur durch IHN können sie dorthin kommen (14,6). In IHM wissen sie um den VATER, haben Ihn gesehen (vgl.14,9). Auch sie müssen einmal diesem Weg gehen, denn der VATER ist größer (vgl.14,12). Auf diesem Weg kann der VATER ihnen nichts abschlagen, was immer sie erbitten (14,12). Er ist ein Weg der Verherrlichung des VATERS (14,13).

2. Führung durch den HEILIGEN GEIST

Für diesen Weg erbittet der SOHN ihnen den HEILIGEN GEIST (14,26). Nur in Seiner Liebe können sie in diesen Weg eintreten und  reiche Frucht bringen (15,8).

3. Weg der Gebote

Der Weg ist bestimmt durch die Gebote, die der HERR ihnen gegeben hat (15,10). Nicht sie haben ihn bestimmt, sondern der VATER hat sie durch den SOHN berufen (15,16). Wer diesen Weg der Liebe nicht findet, ist ausgeschieden (15,23).

4. Gerufen zur Einheit

Sie sind gerufen, einzutreten in die Einheit des SOHNES mit dem VATER durch den HEILIGEN GEIST: Alles was der VATER hat, ist mein (16,15). Doch vorausgeht die Prüfung der Trennung. Wenn sie nur den VATER bitten, werden sie die Prüfung bestehen (vgl. 16, 23). Sie werden die Liebe erfahren, die der VATER für den SOHN hat (vgl.16,27).

5. Bitte um die Verherrlichung[12]

Verherrliche Deinen SOHN, damit Dein SOHN Dich verherrliche(17,2). Zu solcher Verherrlichung sind auch die Jünger gerufen.

6. Einstehen für die Jünger:

DU hast sie Mir gegeben und sie haben dein Wort bewahrt (17,6)... Für sie bitte ich (16,9, 15) Für sie weihe Ich Mich, damit auch sie in Wahrheit geweiht seien (17,19). Ein Dreifaches wird hier ausgesagt:

der VATER hat dem SOHN die Jünger gegeben,

Er muß für sie vor dem VATER einstehen,

Er nimmt sie auf in Sein Leben. Es gibt für sie keine anderes Leben mehr als im und durch den SOHN. Er hat ihnen Anteil gegeben an Seiner Herrlichkeit, so müssen sie wie ER den Weg des Abstieges gehen, dann werden Sie mit IHM auch zum VATER (mit reicher Frucht) aufsteigen.

7. Bitte um die vollkommene Einheit:

Wie DU VATER in Mir bist und Ich in DIR, so laß sie in uns sein, damit die Welt es glaube, daß DU mich gesandt hast (17,22). Das ganze Ringen der Jünger muß auf diese Einheit mit dem HERRN gehen, durch die sie eingehen dürfen in die Einheit des SOHNES. So können sie durch IHN wie ER für den VATER vor der Welt Zeugnis ablegen könnnen.

(Nach diesen Worten ging JESUS MIT SEINEN Jüngern hinaus über den Bach Cedron (18,1),......Seiner Passion entgegen, in der ER Seine Worte an die Jünger durch Seinen Tod am Kreuz besiegeln wird).

Der Begriff des VATERS in den übrigen Schriften (Nachtrag)

In der Apostelgeschichte,

wie bei Paulus: Hinweis auf die ALLMACHT des VATERS

Wort des HERRN as die Apostel:  es gilt zu „warten auf die Verheissung des VATERS“ (1,4)

und „Zeiten und Fristen, die der VATER festgesetzt hat“ (1,17), GOTT zu überlassen.

Bei Paulus

Auffällt die Sicht auf den VATER durch das Kreuz (der vier Eigenschaften GOTTES). Nach dem dogmatischen Satz: „das Heilshandeln ist immer bezogen auf den DREIFALTIGEN GOTT“, ergibt sich die dreifache Sicht:

im Blick auf den DREIFALTIGEN GOTT:

Im Vordergrund steht die Allmacht des VATERS, doch im Bezug zu den den vier Eigenschaften GOTTES:

HEILIGKEIT:  Paulus spricht von der HERRLICHKEIT des VATERS, die JESUS auferweckt hat (Rö 6,4). Er nennt den VATER „VATER der Herrlichkeit“ (Eph 1,17)

WEISHEIT: ER ist der Ursprung aller Dinge (1 Kor 8,6) und ER ist VATER über allem und durch alles und in allem (Eph 4,6)

GERECHTIGKEIT: „Alles Geschlecht hat von IHM seinen Namen“ (Eph 3,14)

ALLMACHT/Vollendung: Am Ende wird der SOHN die Herrschaft dem VATER übergeben (1 Kor 15,24)

hin zu den Menschen:

Weisheit: ER ist der VATER „alles Erbarmens und allen Trostes“ (2 Kor 1,3). Hier zeigt sich die Nähe zu Lukas. Durch den Hl.GEIST haben Heiden und Juden Zugang zum VATER (Eph 2,18)

Heiligkeit: Es ist der HEILIGE GEIST, der uns zu Söhnen des VATERS macht, daß wir „Abba, lieber VATER“ rufen können (Rö 2,15, vgl. Gal 4,6):

Gerechtigkeit: Es ist der VATER, der uns beruft: Gal 1,1, vgl. a. 1Pt 1,2. So müssen wir „Gemeinde sein in IHM“ (1, Thess 1,1)

Allmacht: Der Christ kann nicht genug danken für seine Berufung (Eph 5,20; Kol 1,3,12, vgl. 1Pt 1,17: „ohne Ansehen der Person“)

im Blick auf die Aufgabe des Apostels

Heiligkeit: Vater sein den Gläubigen 1 Kor 4,15,

Allmacht: Paulus hat sie durch das Evangelium in JESUS CHRISTUS gezeugt  („In JESUS CHRISTUS bin ich durch das Evangelium euer Vater geworden.“ (aaO) Onesimus der Sklave ist „sein Kind“ (Philemon 10).

Weisheit: „Wie ein Vater seine Kinder habe ich jeden von euch einzeln ermahnt (1Thess 2,11)

Gerechtigkeit: darum: Väter „reizt eure Söhne nicht zum Zorn, schüchtert sie nicht ein (Eph 6,4; vgl. auch Hebr. 12,9)

Jakobus:

(dreifaltige Sicht)

„jede gute Gabe kommt vom VATER der Lichter (1,17)

Ihm gilt es makellos zu dienen (1,27)

Hüten der Zunge (3,9) – um unserer Berufung im Wort würdig zu sein

Johannesbriefe:

(beachte das 2x3: Sein/Tun im Blick auf den DREIFALTIGEN GOTT; es ist verborgener Hinweis auf  MARIA, vollkommener Spiegel der HLST. DREIFALTIGKEIT: ihr müssen wir nachfolgen!)

SEIN: „Wir verkündigen euch das Ewige Leben, das beim VATER war“ (1Jo 1,2)

Es ist „Gemeinchaft mit dem VATER und dem SOHN“

Wir haben als arme Sünder einen „Beistand beim VATER, den HEILIGEN GEIST“ 1Jo 2,1)

 

TUN: „Wer die Welt liebt hat die Liebe zum VATER nicht“ ( 1Jo 2,15)

Der Antichrist leugnet den VATER und den SOHN (1 Jo 2,22)

„in IHM bleiben!“ 1 Jo 2,24 ( 2jo 9)

Zusammenfassung:

in den übrigen Schriften des NT zeigt sich: auch wenn der VATER über allem steht, so steht auch ER:

·         für das Heilswirken des DREIFALTIGEN GOTTES,

·         und zwar im Licht des Kreuzes der vier Eigenschaften GOTTES.

Der Christ ist angerufen im Aufschauen auf den DREIFALTIGEN GOTT im Zeichen des Kreuzes mitzubauen an der GOTTESstadt (3x4).

Damit ist aller gnostischen GOTTESerkenntnis (die nur um GOTT „wissen will) ein Riegel vorgeschoben. Wahre GOTTESerkenntnis muß notwendig im HEILIGEN GEIST fruchtbar werden an guten Werken.

 

VIII. Durchschauen auf die unsichtbare Wirklichkeit der Hl.Engel

Überall wo lebendige, liebende Ordnung aufscheint, dürfen wir auf die Wirksamkeit der Hl.Engel schließen. Sie sind von GOTT berufen, diese Ordnung aufzubauen und gegen alle Angriffe und Störung des Feindes und derer, die ihnen als Werkzeuge dienen, durchzutragen.  Solcher Ordnung begegnen wir zuerst in der Natur, als dem Bilderbuch des VATERS, dann aber vor allem im Worte des SOHNES, durch das uns erst die Ordnung der Natur auf GOTT hin durchsichtig wird. Wir begegnen ihr, im Blick auf den HEILIGEN GEIST in der Schönheit eines ganz auf GOTT ausgerichteten Lebens. Wir müssen lernen durchzuschauen auf die verborgene, unsichtbare Wirksamkeit der hl. Engel, wie sie in Weisheit, Schönheit und Harmonie der Schöpfung aufleuchtet.

Dies ist wohl die Krisis des Glaubens an die hl.Engel in der Kirche von heute, daß uns ihre greifbare Gegenwart genommen ist. Wir können dem Engel nicht mehr begegnen, wir wir ihn uns gerne vorstellten: mit weißem Kleid, Flügeln einem Heiligenschein. GOTT fordert angesichts der Verkitschung und der daraus folgenden Leugnung der Engel Gerechtigkeit für Seine Ersterschaffenen. Wir müssen ihnen begegnen, so wie sie wirklich sind, nämlich als Geistwesen. Darum genügt es auch nicht, wenn wir die Hl.Schrift nach ihrer sichtbaren Gestalt durchforschen, die sie um unserer Schwäche willen angenommen haben.

Gerufen, allem Seienden die entsprechende Prägung und Gestalt zu vermitteln, sind sie am besten über die schöne Form des Geschaffenen zu erkennen, die hinüberweist auf die größere Schönheit GOTTES. Sie tragen das Antlitz GOTTES in die Schöpfung; nicht eines Gottes der Philosophen, sondern des GOTTES Abrahams, Isaaks, Jakobs, unseres HERRN JESUS CHRISTUS. Wie sie uns in ihrer Aufgabe als Schutzengel als Person anrufen, so wollen sie uns in allem zur Erkenntnis des persönlichen Antlitzes GOTTES führen, das GOTT nur für uns hat[13].

So wie sich die Himmlische Hierarchie in der ersten Prüfung der Engel am Anfang der Zeit im Zeichen des Kreuzes gebildet hat, so soll sich die Kirche als Mystischer Leib CHRISTI in Einheit mit den hl.Engel in diesem Zeichen aufbauen und vollenden: die Kirche wird nach der Lehre der Väter endlich sichtbares Abbild der unsichtbaren Ordnung der hl. Engel. Wir werden ihnen deshalb auch überall dort in der Kirche begegnen, wo sie die heilige Ordnung des Reiches GOTTES widerspiegeln. Wo Menschenwerk in den Vordergrund drängt, ist ihnen ihr Platz genommen; sie werden stumme Mahnung, auf  den Weg GOTTES zurückzukehren. In ihrer hl.Ordnung sind wir vor aller Macht der Hölle geborgen. Sie warten nur auf unseren Glauben, um uns beizustehen, die Kirche im HEILIGEN GEIST zu erneuern.

Wo immer eine Ordnung aufgebaut wird, kommt sie aus aus einem (meist einfachen) Gedanken und ist auf ein Ziel ausgerichtet, zu dem sie uns führen will. Auf diese Mitte wollen uns die Hl.Engel zuerst hinweisen: sie ist keine andere als der SOHN selbst, auf den GOTT die Schöpfung hin geschaffen hat. In Seinem Wort hat er uns diese Ausrichtung erkennen lassen, im Seinem Kreuzestod wurde sie besiegelt, in der Kraft der Hl.Eucharistie soll sie immer mehr alle Schöpfung überformen, bis der VATER in ihr überall das Antlitz des SOHNES erkenne. Dann ist sie bereitet für das Himmlische Hochzeitsmahl.

Dies ist für uns das Unbegreifliche: daß aus der Ohnmacht des BROTES das Siehe, Ich mache alles neu. kommen soll. Doch es ist nicht nur unbegreiflich für uns arme Sünder, es ist im Blick auf die Menschwerdung des SOHNES genauso unbegreiflich für die Hl.Engel. Nur im SOHN können Mensch und Engel zusammen kommen -  ER ist die Endgestalt der dreifachen Schöpfung. Die Hymnen des Hl.Paulus in Eph. u. Kol. sind dafür unumstößliches Zeugnis. Auf diese Mitte müssen wir deshalb auch im Blick auf das Wirken der Hl.Engel schauen, sie ist bei Johannes angedeutet im Bild des LAMMES GOTTES, in dem sich endlich in der Apokalypse der Allmächtige Richter der Lebenden und Toten offenbart. 

Diese Mitte des Lammes ist im Evangelium des Johannes dreifach angedeutet:

- im Anfang, wo Johannes der Täufer auf den HERRN als das LAMM GOTTES hinweist (1,29), am Ende (21,15), wo der HERR Petrus aufträgt: Seine Lämmer zu weiden[14] und in der Mitte in der wunderbaren Brotvermehrung und der darauf folgenden Eucharistischen Rede (Kap.6). Hier wieder nicht wörtlich, sondern im Gleichnis des Bildes von Lamm und Brot; der eine Nenner ist das GEOPFERTSEIN. Im Lamm ist die ganze Tierwelt, im Brot die ganze stumme Schöpfung miteinbezogen, wie sie GOTT dem Menschen zu Füßen gelegt hat, daß Er sie besorge, verwalte und endlich zu IHM heimbringe. Das Bild von Brot und Fisch über dem Feuer am See Tiberiades faßt dieses Geheimnis noch einmal in anderer Weise zusammen. Hier ist das Bild des Lammes in dem des Fisches aufgegangen, der im griechischen Wort ichthys Seinen Heiligen Namen  (jäsous, christos, theou hyios = JESUS CHRISTUS SOHN GOTTES) widerspiegelt. Die Bezugsmitte ist auch hier das Geopfertsein. Der Fisch  wird in seiner Ellipsenform mit den zwei Zentren Bild für die vollzogene Einheit von GOTT und Mensch, wie sie sich immer wieder als Mandorla in den Ikonen findet. Bilder sind Aussageweisen;  um Unsichtbares zu fassen, bedarf es oft einer Mehrzahl verwandter Bilder.

Weil die Hl.Eucharistie bei Johannes in der Mitte des Evangeliums steht, bilden die Sakramente als Zeichen wie einen siebenarmigen Leuchter. In der Siebenerordnung, Bild für die mit GOTT geeinte Schöpfung (3+4), wird endlich alle Schöpfung in der Wirksamkeit des Hl. GEISTES durch die Engel überformt und eingeholt. Sie sind ja diese mit GOTT geeinte Schöpfung, die nun in der Hand des GEISTES Werkzeug wird zur Erlösung und Heimholung aller Geschöpflichkeit. Solches Wirken erkennen wir beispielhaft am besten durch die Tabernakelengel, die von jedem Tabernakel aus ihre Schwingkreise des Anrufes, der Wandlung und Heimholung über Mensch und Schöpfung legen. In den Sieben Sakramenten wird etwas von ihrer je verschiedenen und doch auf eins gerichteten Wirkweise deutlich. Wir wollen ihr hier im Blick auf das Evangelium ein wenig nachgehen.

Als erster, der das weiße Licht, Bild für das Einssein GOTTES hinausträgt, steht vor uns St. Chaled. Von ihm heißt es: er gibt uns den Schlüssel zum wahren Erkennen, das nicht bloß einer Fackel St. Assaels (Geistgabe der Erkenntnis) gleich dem Verstand entspringt.

Das wahre Erkennen ist ein stilles, großes Licht (1),

das aus dem Geist und dem Herzen kommt (2),

das sowohl zur Weisheit wie zur Klugheit

wie zur tiefgründenden Intuition führt (3),

weil es Leben, Kraft und Liebe in sich trägt (4),

weil es die Gnaden weckt (5),

weil es Sturm des GEISTES im Erkennen (6)

und zugleich Flamme des Anrufes ist (7).

 

Das sagt dir der Engel St. Chaled:

das Leben aus GOTT, das mit GOTT gelebte Leben (8),

die Kraft aus GOTT (9),

die du dir in Willenszucht und Enthaltsamkeit

schweigend erringen kannst,

die Liebe GOTTES, diese drei sind eins (10),

Sie sind der Schlüssel zur wahren Erkenntnis die du suchst [15]

 

Dieses Licht der Erkenntnis ist im Ersten Schöpfungstag des Evangeliums von Johannes wirksam, am deutlichsten in der Berufung der Jünger.

Es ist in JESUS CHRISTUS der DREIEINIGE GOTT, der den Jüngern die erste entscheidende Erkenntis über den HERRN schenkt. Sie sind von diesem Licht nicht einfach überfallen, es dringt wie organisch in sie ein, in Herz und Verstand. Es weckt in ihnen ein Verstehen, das aus der Göttlichen Weisheit kommt, sie zu klugem Handeln (Nachfolge) anleitet und zugleich tiefer in das Geheimnis der Sendung CHRISTI schauen läßt. Dies ist vor allem im Besuch der ersten beiden Jünger angedeutet: sie dürfen sehen, wo ER wohnt. Dieses Wohnen weist schon jetzt hinüber zum VATER, der IHN gesandt hat. In der Abschiedsrede, wird der HERR es wieder aufgreifen, im HEILIGEN GEIST werden sie es endlich tiefer erkennen. Die erste Intuition, die ihnen in dieser Begegnung geschenkt wurde, hat sich vollendet. Notwendig sind es drei Schritte: das Bild, das Wort und endlich das Verstehen.

Auch die vier folgenden Schritte sind zu erkennen:  die beiden ersten Jünger, Johannes und Andreas, die Johannes dem Täufer zugetan waren, gehen im Erkennen JESU hinüber in ein neues Leben. Der HERR hat in ihnen Gnaden geweckt, die dieses Leben aufbauen werden. Das Erkennen ist über sie gekommen wie ein Sturm, den sie in der Flamme des Anrufes an die nächstberufenen Jünger weitergeben (vgl.1,41ff), die sich ihrerseits jetzt zu JESUS gesellen.

Johannes zeichnet den HERRN von Anfang an als den GEOPFERTEN. Dazu heißt es im Blick auf das Lebende Wesen Adler: Das LW trägt nach vorne das Angesicht des Adlers, nach hinten das Löwenangesicht des Endsiegers. Nach links schaut der Opferstier zum Zeichen, daß alle Liebe und alle Gerechtigkeit im Wort vom Opfer unterbaut sein soll. Nach rechts hängt das Angesicht des Engels festverankert am Angesicht GOTTES. Die Kraft aus diesem förmlich apokalyptischen Wesen strömt über die Ecksäule Gerechter GOTT hinunter zu allen GOTTgeweihten[16]

Das BROT wird in der Einheit von Brot, Wort und Kreuz die scheidende Achse des Evangeliums. Hier stellt Petrus, entsprechend Mt 16,16, die entscheidende Frage im HEILIGEN GEIST: Wohin sollen wir gehen...?(6,68). Um diese Mitte baut sich die Kirche auf, vorgezeichnet in der Berufung der ersten fünf Jünger. Sie steht für den Ewigen Bund GOTTES mit den Menschen, der in der Hochzeit von Kana angedeutet wird.


 

 

IX. Starkmut, eine endzeitliche Gabe

Keine halbe Lösung mehr

Wo wir einmal nachgegeben haben, dort ist auch der Einbruch schon da. Darum steht von den Posaunenengeln hier St. Graphiel mit der siebten Posaune, der die Torheit des Kreuzes trägt. Man muß wirklich in der Torheit des Kreuzes stehen, um in dieser verkehrten Zeit noch das Richtige durchzuhalten. Die Menschen werden sagen: Du bist verrückt. Du kannst doch nicht gegen den Strom schwimmen. Du kannst es nicht einfach anders machen wollen!  -

Nein, ich kann es sicher nicht, das ist ganz klar. Wenn es nicht GOTTES Wille ist, da wird es unmöglich gehen, da wird keiner sich gegen den Strom stellen können. Aber wenn wir ins Leben der Heiligen hineinschauen, dann sehen wir: im Willen GOTTES ist es sehr wohl möglich. ER möchte in dieser letzten Zeit nur noch Heilige haben. Dazwischen gibt es nichts mehr. Entweder fällt man ab in das Dunkel oder man geht den Weg der Heiligkeit. Eine halbe Lösung gibt es nicht mehr.

Deswegen ist diesem Eingang auch der Engel der sechsten Gemeinde von Philadelphia zugeordnet, die nach außen hin so armselig dasteht, die aber der HERR so sehr lobt, weil sie in Geduld und Tapferkeit Sein Wort bewahrt hat. Die Mutter hat uns durch die Engel gelehrt, daß diese Gemeinde für unsern Weg steht. Auch bei uns werden es nicht viele sein, die in der Prüfung bestehen. Sie kann nur in der Torheit des Kreuzes bestanden werden kann. Es heißt im Brief an die Gemeinde von Philadelphia. So spricht der Heilige, der Wahrhaftige, der den Schlüssel Davids hat, der öffnet, so daß niemand mehr schließen kann, der schließt, sodaß niemand mehr öffnen kann... Dies ist das Geheimnis der Siegel-Engel: sie öffnen den Getreuen den Weg nach innen und versiegeln nach außen. GOTT will uns auch, wenn wir nur eingehen in Seine Pläne, im Ganzheitsgelöbnis öffnen hin zur Fülle der GOTTESliebe und verschließen vor der Welt, daß der böse Feind uns nichts mehr anhaben kann. ICH kenne deine Werke und ICH habe vor dir eine Tür geöffnet, die niemand mehr schließen kann... Du hast nur geringe Kraft, aber dennoch hast du an Meinem Wort festgehalten und Meinen Namen nicht verleugnet. Das Schwimmen gegen den Strom kommt nie aus der eigenen Kraft, aus Starrsinn und Eigensinn und Widersetzlichkeit, sondern es muß kommen aus der Allmacht GOTTES in unserer Schwachheit. So gar die unbekehrbar scheinenden Leute aus der Synagoge Satans, die sich für Juden ausgeben werden sich bekehren vor diesem Zeugnis. ICH werde bewirken, daß sie kommen und sich dir zu Füßen werfen und erkennen, daß ICH dir meine Liebe zugewandt habe. Die Juden werden sich bekehren, wenn wir einmal in die Reinheit des Glaubens durchgestoßen sind. Du hast dich an Mein Gebot gehalten und bist standhaft geblieben. Darum werde auch ICH zu dir halten und dich bewahren vor der Stunde der Versuchung, die über die ganze Erde kommen soll, um die Bewohner der Erde auf die Probe zu stellen.

Diese Prüfung hat schon jetzt begonnen; nämlich, ob wir GOTT mehr lieben als uns selbst. ICH komme bald. Halte fest, was du hast, damit kein anderer deinen Kranz bekommt. Wer siegt, den will ich zu einer Säule im Tempel meines GOTTES machen, und er wird immer darin bleiben. Das ist eine Verheißung, die uns GOTT geschenkt hat: wer mit seinem Engel feststeht in dieser stürmischen Zeit, wird zur Säule wird, die niemand mehr umwerfen kann. Und ICH werde auf ihn den Namen meines GOTTES schreiben und den Namen der Stadt meines GOTTES, des Neuen Jerusalems, das aus dem Himmel herabkommt von meinem GOTT. Dieser Name, mit dem uns GOTT bezeichnen wird, wird auch einmal unser Name sein, der Name unserer Sendung, den ER schon in unseren Engel hineingelegt hat, und den Namen der Stadt. Wir werden wirklich lebendige Steine werden für den Bau dieser GOTTESstadt. Und ICH werde auf ihn auch Meinen neuen Namen schreiben. Wenn in der Schöpfung alles neu wird in ihren drei Teilen, so wird alles einen neuen Namen erhalten. Der Weg dorthin ist der über die sechste Posaune. Sie wird nach der fünften Posaune die Welt bis in ihre Grundlagen erschüttern.

Der sechste Engel blies seine Posaune. Da hörte ich eine Stimme, die von den vier Hörnern des goldenen Altares herkam, der vor GOTT steht. Die Stimme sagte zu dem sechsten Engel, der die Posaune hält: Binde die vier Engel los, die am großen Strom, am Euphrat, gefesselt sind. Das sind St. Urim, St. Saddim, St. Thumim und St. Boromim, diese Versiegelten Engel in der Höhe der Herrschaften. Da wurden die vier Engel losgebunden, die auf Jahr und Monat, auf Tag und Stunde bereitstanden, um ein Drittel der Menschheit zu töten. Es kann sehr leicht sein, daß wir das diese Reinigung noch erleben müssen. Wie das geschieht, durch einen Krieg, Verfolgung oder durch ein direktes Eingreifen GOTTES, das wissen wir nicht. Wir brauchen uns darüber keine Gedanken zu machen. Wir müssen uns nur auf diese Stunde bereiten.

Und die Zahl der Reiter dieses Heeres war vieltausendmal tausend. Diese Zahl hörte ich. Und die Reiter trugen feuerrote und rauchblaue und schwefelgelbe Panzer. Die Köpfe der Pferde glichen Löwenköpfen. Aus ihren Mäulern schlug Feuer, Rauch und Schwefel. Ein Drittel der Menschen wurde durch diese Plagen getötet, durch Feuer, Rauch und Schwefel, die aus ihren Mäulern hervorkamen. Die tödliche Macht der Pferde war in ihren Mäulern und in ihren Schwänzen. Die Schwänze glichen Schlangen, mit denen sie Schaden zufügen können. Doch die übrigen Menschen, die nicht durch die Plagen umgekommen waren, wandten sich nicht ab von den Machwerken ihrer Hände. Sie hörten nicht auf, sich niederzuwerfen vor ihren Dämonen aus Gold, Silber, Erz, Stein und Holz, die weder sehen noch hören noch gehen können. Sie ließen nicht ab von Mord und Zauberei, von Unzucht und Diebstahl. Bei der ersten und zweiten Posaune, mit St. Nachiel bzw. St. Malachiel ist Bekehrung noch möglich. Sie wird schwerer, wenn das dunkle Licht mit St. Thiriel hereinbricht. Deshalb dürfen wir nicht, und schon gar nicht im Werk, diesen Anruf zu einer tieferen Bekehrung verschieben. GOTT will unsere Bekehrung hin zur Schönheit MARIENS (darum St. Georah) – das sollte uns bis in Innerste herausfordern.

Ein Wort Mutter soll uns daran immer erinnern:

Die Sichten in das Reich GOTTES sind uns gegeben als Stoßkraft,

um die Liebe möglichst tief in die Herzen der Menschen vorzutreiben.

Darum liegt der ganze Schwerpunkt im Werk der hl.Engel auf der Liebe!

Starkmut und Schönheit

Es steht über diesem sechsten Eingang in das Zelt GOTTES der Engel St. Thamael mit der GOTTESfurcht. Dieser Blinde (in Jo 9) hatte sie in einem ganz besonderen Maße, vor allem im Annehmen dessen, was GOTT über ihn verfügt hat. An diesem Eingang steht auch St. Georah. Was schön ist, soll noch schöner werden – der Schönheit GOTTES entgegen. St. Georah trägt die Schönheit des Zeitablaufes; vielleicht darf man sie deuten als Bewegung hin zur Schönheit – daß endlich alles sei wie MARIA: tota pulchra – ganz schön, innen und außen, wie in eins.

 


 

Inhalt

A.  ALLGEMEINE BETRACHTUNGEN

II. D a s  S c h w e i g e n  d e s  H E R R N am Kreuz

III. Die Wesentlichkeit des Kreuzes (tbb.49)

IV. Der Rosenkranz  als  Schule des Gehorsams

V. SENDUNG IN SAN MIGUEL DEL MILAGRO

VI. „Mann und Engel“ in biblischer Sicht

VII „Ich will aufbrechen und zu meinem Vater gehen“ Lk 15,8

GOTT und  VATER

VIII. Durchschauen auf die unsichtbare Wirklichkeit der Hl.Engel

IX. Starkmut, eine endzeitliche Gabe

 


 

1        [1] Man vergleiche dazu die sieben Stufen des Falls im Blick auf die sieben Worte des HERRN am Kreuz in der Arbeit "Das Schweigen des HERRN am Kreuz“, Vortrag zu den Brüderexerzitien in Flüeli, Juni 1970).

 

[2] Der immer offenbarere Verfall kirchlicher Ordnung und kirchlichen Lebens in den Gemeinden wie in den traditionellen Orden, ist dafür die negative Seite. Die Gebetsgruppen, die sich allerorts bilden, sind der erste Schritt hin zu den versiegelten Gemeinden.

[3] Das Schwert hat immer Kreuzform; daß der Engel es trägt, ist ein Hinweis, daß wir nur in der verlorene Paradies wieder finden können.

[4]        Siehe dazu die verschiedenen noch unveröffentlichten Arbeiten zu Fatima: zuletzt: „Fatima und der Engel“, mit dem Hinweis auf St. Gabriel als Engel Fatimas.

 

[5] Das kleine Buch "Estampas del Cerro de los Angeles, Tabor, Calvario y Altar Mayor de Espana" von Emiliano Anibarro Espeso, Madrid 1975 (Obra Nacional des Cerro de los Angeles, Carranca 23, Madrid 10) gibt anhand von Bilddokumenten einen guten Überblick über Geschichte und Bedeutung des "Engelberges" in Spanien.

[6] Sshwesternexerzitien in Flüeli zu diesem Text (Ausführung fehlt)

[7]Siehe dazu „Fatima und der Engel“ mit der Deutung der Engelerscheinung in Fatima auf St. Gabriel, die exegetische aus der Verkündigung an MARIA (Lk 1,26-38) erschlossen wird (unveröffentlicht).

[8]“p, t, k“ nennt man Explosivlaute, „l, m“ Labiale, mit den Lippen geformt

[9]Feuer begleitet den Weg Abraham und Isaaks zum Berge Moria, wo das Opfer vollzogen werden soll (Gen 22,6f). Im Feuer muß das Lamm beim Auszug gebraten  und die Reste verbrannt werden (Ex 12,8f), in der Feuersäule führt GOTT Sein Volk aus Ägypten heraus. Gerade im Feuer, in Seinem Willen zu beschneiden, sich im Feuer ein Volk zu schmieden, das Seine Plänen dient erweist sich GOTT als der der „da ist“.

[10]Vielfältig sind die Stellen, die auf diese bleibende Gegenwart GOTTES mit Seinem Volk hinweisen: siehe auch Lev 18,2, Dt  5,6; eine Vielzahl Stellen finden sich bei Is: sie sind Aufmunterung, Stärkung aber auch Mahnung, nicht zu vergessen, was GOTT an Israel getan hat, wie schon vorher in Dt 32,6, 2 Sam 7,14: Ich will für ihn Vater sein und er wird mir Sohn sein; ähnlich im Blick auf Salomon, 1Chr 28,6.

In der Weisheitsliteratur: Ps  31,13; 41,15; 68,6; 81,11; 89,27; 103,13; Spr 4,12; Weish 2,16; 11,10; 14,3; Sir 23,1,4; 51,10;

 

[11]Bei den Schöpfungstagen entsprechen sich: 1/4; 2,/5; 3/6 - Schöpfungsräume - ihre Belebung.

[12] die Abschiedsrede entsprcht der Ölbergstunde bei den Synoptikern, in besonderer Weise gilt dies vom Hohepriesterlichen Gebet, 17. Kap..

[13]So wie uns GOTT der VATER durch Seinen SOHN anschaut, so sollen wir werden. Darum hat GOTT für jeden, der glaubt, eine anderes Antlitz, das seine besondere Berufung im Mystischen Leib der Kirche widerspiegelt.

[14]Tief ist dieses Wort des HERRN. Nicht Er selbst gibt sich jetzt als Lamm, sondern die, die IHM vom VATER aufgetragen sind. Und doch sieht ER sich in ihnen als LAMM; sie sind ja nur wirklich Seine Herde, wenn sie auch Sein Antlitz tragen.

[15](vgl. DBIII, par.67). Die Zahlen am Ende der Zeilen wollen den Aufbau dieses Textes durchsichtig machen. Es wird hier nicht nur von der wahren Erkenntnis gesproche, sie wird auch in der Form, wie sie ausgesagt wird, sprechend. In 1-3 weist sie auf ihre Herkunft vom DREIEINIGEN GOTT, in 4-7 auf ihre Wirksamkeit an uns Menschen, in 8-10 ihre heimholende Kraft. Sie kommt von GOTT und will uns zu GOTT hinaufheben.

[16]Vgl. DBI, S. 113. Das Geopfertsein steht im Stier nach vorne, hier beim Adler , wo die Allwissenheit (in der Weisheit) nach vorne kommt, ist sein Platz an der linken Seite. Nicht das Opfer ist in der Sicht Johannes das Letzte, sondern die Gerechtigkeit GOTTES, die dieses Opfer fordert.

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