WANDLUNG und SÜHNE

im Licht der „PASSION MARIENS“

   
   





  

Wandlung und Sühne im Licht der „PASSION MARIENS“
HLST. EUCHARISTIE und MARIA
MARIAS Anteil an der Hlst. Eucharistie.
Brot und Jerusalem
„Von der Erde bist du genommen…“
MARIA - Lebensbaum
Hlst. Eucharistie und GOTTESstadt
Der Sühnetod MARIAS: “Steh’ auf Jerusalem!“
Das Sterben MARIENS unter dem Kreuz
Lösung vom Leib?

WANDLUNG und SÜHNE bei den Jüngern
Der Weg der Jünger nach Emmaus (Lk 24,13-35)
Wandlung in den Jüngern
Wandlung im Strom des Lebens
Das Kreuz muss in ihnen aufgerichtet werden
DER HERR in der Mitte der Jünger (Lk 24,36 - 49)
Wandlung der vierfachen Wirklichkeit des Menschen

Sühne als Waffe
„Sühneseelen, Opferseelen“
Priester im Auftrag der Sühne

SÜHNE UND AUFERSTEHUNG

Herz JESU, QUELLE ALLEN NEUEN LEBENS
Eine  „Neue Gnade“?
„Bitternis“
Die bittere Täuschung des „Süßen Lebens“
Vom Zorn GOTTES
„Bitternis“ für Johannes
Geheime Offenbarung und Sühneübernahme
Eine Botschaft der Sühne
Zeugnis der Schriften
Verbindlichkeit der Engeloffenbarung
Prüfung durch die Kirche und Selbstprüfung
Das Kreuz als Schwert zu erst auf uns gerichtet
Ein Werk göttlicher Barmherzigkeit
Familie mit den hl. Engeln
JESU in der Mitte Seiner Schäflein

Persönliches Zeugnis für Mutter Gabriele Bitterlich
Zeugnis und Martyrium
Begegnung mit Mutter Gabriele
„Engelsburg“, Die erste Nachricht vom Engelwerk
Die erste Begegnung in der Klause der Mutter in Innsbruck 1967
1969: „Welcher Innenraum!“
Ein folgenschwerer Rat: Jazzmesse und Sonnwende
„Am Boden anfangen“
„Der Kaplansacker hat abgeerntet“
„Entwerden“
Barmherzigkeit
Der Sog der Aktivität
„Sentire cum Ecclesia = in der Kirche stehen
Die Sonnenbrille nicht vergessen!
Achtzehn Monate zwischen Himmel und Erde
Verhängnisvolle Missverständnisse
Unverstandensein CHRISTI in dieser Zeit
Das Sterben der Mutter
„Wer bis zuletzt ausharrt, gerettet!“
Vier Punkte im Zeichen des Kreuzes

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Wandlung und Sühne im Licht der „PASSION MARIENS

HLST. EUCHARISTIE und MARIA

Manches in den folgenden Betrachtungen zur „Passion MARIENS“ ist mehr ein Suchen als ein Finden; doch Beides ist dem Unbefleckten Herz MARIENS anvertraut und der Führung des guten hl. Engels, allein ihr zu Ehre. Es ist da ein stilles Versprechen über dieser „Letzten Zeit“, die ihr ganz in GOTTES Erbarmen anvertraut ist: dass langsam so Manches der vielen Geheimnisse, die sie im Herzen bewegte, denen, die sie lieben, kund getan werde zur größeren Ehre GOTTES und damit auch ihr Glanz über dieser dunklen Zeit immer mehr aufstrahle wie heilige Morgenröte eines Neuen Tages, der über dieser Schöpfung aufgehen soll. Erste heilige Andeutung dieser Hoffnung ist das Bild von Guadalupe, in dem sie in vielfältigen Bildern und Zeichen zu den einfältigen Indios gesprochen hat – und sie haben verstanden!

„Lazarus“

Beginnen wir bei „Lazarus“, auch wenn wir mehr ahnen als wissen, in welcher Beziehung diese auserwählte Familie zu MARIA stand. Da der HERR besonders in der letzten Zeit ein Stück „Heimat“ hier auf Erden fand, ist anzunehmen, dass nicht nur MARIA davon wusste und sich sicher darüber freute und GOTT dankte.  Die Familie Lazarus’ ist schon vor Pfingsten „Angeld der Kirche“. Sie ist Brücke vom Alten Bund hinüber zum Neuen Bund nicht durch das Wort, sondern auf dem Weg der Liebe. Nach der Ermordung ihrer Eltern durch römische Soldaten (wie man erzählt), waren sie nach Jerusalem gezogen. Sie führten weiter, was ihre Eltern begonnen hatten: Gäste aufzunehmen und zugleich für die Toten zu sorgen. Dieser stille Dienst hat sie nach dem Tod der Eltern noch näher an die Grenze von hier und drüben gebracht, an der sie  dem HERRN begegnen mussten.

Hier brauchte der HERR nicht in Bild und Gleichnissen zu sprechen wie vor den Menschen, sie auch nicht wie den Jüngern später auslegen. Sie waren in diesem Bereich zu Hause, seit sie ihre Eltern verloren hatten. Schon damals durfte Lazarus die Erfahrung machen, dass das Leben nach dem Tode weiter geht. Er konnte nicht aufhören, mit seinen Eltern zu sprechen, als wären sie noch im Leben, ja er durfte erfahren, dass sie mehr als „lebten“ und die Hilfe der Kinder brauchten. Vielleicht ist auf diese Weise noch vor dem Abstieg JESU ein erster Lichtstrahl der Frohbotschaft nach Drüben gelangt, wo die Gerechten, die Wege des HERRN bereitet und in inniger Teilnahme darauf gewartet haben, dass sich alle Verheißung vollende.

Standen nicht Lazarus und die dienende Maria an dieser Grenze, da sie nicht aufhörten um ihre Schwester Magdalena zu ringen. Sie hat in ihrer Schönheit den Feind ins Haus gebracht. War der Erste ein römischer Offizier? Wie immer! Die zarte Blüte wurde gebrochen, aus ihren Träumen gerissen; wenn sie nicht JESUS begegnet wäre, die tiefste Sehnsucht ihres Herzens nach reiner Liebe wäre verwelkt. War ihr Triumph über die Männer nicht bittere Rache für die Gewalt, die sie wohl zuerst erlitten hatte?

Notwendig musste Lazarus in seinem stillen Betrachten den HERRN an Seinen Nährvater Joseph erinnern. In dieser Familie war ein Stück der hl. Familie lebendig, Musste nicht JESUS in die Mitte kommen? Sie lebten in der Hingabe an die Ärmsten am Rande der Gesellschaft, religiösen Tuns, jenseits alles bösen Streites um den Messias. Hier blieb in allem Umbruch eine Oase des Friedens. Es gibt Hinweise, dass Maria Magdalena der MUTTER und Johannes nach Ephesus folgten, dass sie erst von dort nach Frankreich kam. Wie immer! Waren ihr nicht schon Lazarus stiller Hinweis zum kontemplativen Leben?

Musste sie nicht immer neu ihrer letzten Begegnung mit dem HERRN als „Gärtner“ nachdenken und all den Gnaden, die sie durch IHN erfahren hatte? Vor allen anderen Heiligen ist sie berufen, den Weg heiliger Buße zu eröffnen als den sichersten Weg, JESUS zu begegnen. Hatte der VATER nicht mit Johannes d.T. im Bußruf Seine Verkündigung eröffnet? Nicht wenige Frauen sind mit MARIA und Johannes unter dem Kreuz gestanden, da dort das Herz der MUTTER bis in seine letzten Tiefen aufgebrochen wurde „damit die Gedanken vieler offenbar werde“. Ist ihr nicht schon dort Magdalena gefolgt? Hat nicht der HERR ihr vorauswirkend mit dem Namen „Maria“ alle Blindheit genommen? Kam ihre Sehnsucht nach reiner Liebe, die so tief gebrochen wurde, nicht der Sehnsucht des MUTTERherzens MARIAE nahe, IHM Seelen zuzuführen? Will sie zusammen mit MARIA nicht der Menschheit von heute helfen, den Anruf zur Buße nicht zu verfehlen?

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MARIAS Anteil an der Hlst. Eucharistie.

Muss nicht MARIA in ihrem liebenden Mutterherz diesen einen Gedanken im Herzen bewegt haben: „Wie wird ER bei uns bleiben?“. Hat sie nicht schon in Betlehem = „Haus des Brotes“ im Angesicht des KINDES in der Krippe darüber nachgedacht? War sie nicht in der Schrift des Alten Bundes mit all den Stellen bekannt, die auf dieses Geheimnis wiesen, vorderst im „Brot vom Himmel, dem Mannah in der Wüste“? Hat sie nicht in den Gleichnissen, die sie JESUS lehren durfte, Sein Wort zum Brot für die Kleinen bereitet? So muss dieser Gedanke immer mehr zu einem heißen Wunsch aufgeblüht sein, den JESUS in ihrem Herzen lesen konnte, auch wenn sie darüber nicht gesprochen hat, weil das Geheimnis zu groß war, um es in Worte zu bringen. Hier sollte ja mehr sein als „Bild und Gleichnis“, wahrhaft Gegenwart in Leib und Blut.

In der Bereitung des Passah Mahles zusammen mit den Frauen, hat sie den letzten Schritt getan, um dem Bleiben JESU im BROT Gestalt zu geben. Mit diesem Gedanken hat sie das ungesäuerte Brot gebacken, das der HERR dann in Seinen Leib verwandelte. So wie ER in ihr Mensch wurde, so sollte ER in dem Brot, Brot werden „zum Leben der Welt“. Es musste das Geheimnis Seiner Gegenwart an diese Erde gebunden bleiben. Seine Menschwerdung verlangte in letzter Folgerung nach „Brotwerdung“, schon die wunderbare Brotvermehrung zielte in dieser Richtung.

So sehr sie als Mutter im Anfang erschrocken war über die Beziehung JESU zu Maria Magdalena, denn sie durfte in die Abgründe dieses enttäuschten Herzens schauen, so sehr wusste sie, dass solche tiefe Verletzung danach verlangte in der Tiefe geheilt zu werden, nicht nur geistlich, sondern konkret durch Seine Gegenwart in Brot und Wein. Wer wird dieser besser erkannt haben als sie, da sie zufrieden gewesen wäre, seinen Leichnam bei sich zu haben. Sie war im Grab noch blind für IHN, der sich in Neues Leben gewandelt hatte. Noch da sie IHN als den Anderen erkannte, wollte sie IHN greifen; doch der HERR wies sie ab mit dem Wort: „Ich bin noch nicht zum VATER aufgefahren“(Jo 20,15). Sie musste erst hinüber finden zu MARIA! Welch’ wunderbares Verhältnis muss damals zwischen beiden Frauen aufgeblüht sein!

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Brot und Jerusalem

Hier treffen wir auf einen weiteren Zusammenhang, den es tiefer zu betrachten gilt. Immer wieder ist MARIA auf der Via dolorosa den Leidensweg ihres SOHNES hinauf nach Golgotha gegangen in all den Jahren, die sie in Jerusalem blieb. Nicht nur um die Verdienste ihres SOHNES dem VATER vor Augen zu stellen, sondern auch um Erbarmen auf „ihre Stadt“ herabzuflehen. War sie nicht hier aufgewachsen, ist sie nicht als Tempeljungfrau in den Tempel eingetreten in den Kreis der Getreuen um den Hohenpriester Hillel? Die dunkle Prophezeiung JESU über Jerusalem: „Kein Stein wird hier auf dem anderen bleiben!“, blieb für sie schreiende Herausforderung, der sie ihr ganzes Gebet und das Blut CHRISTI entgegen halten musste, auch wenn sie wie später Johannes über das irdische Jerusalem hinaus auf das himmlische schauen durfte.

Auch wenn JESUS „draußen vor der Stadt“ leiden musste, ER hatte Seinen Ort in ihr. Sie ahnte: ER wird Alles neu machen! Wenn bei der Zerstörung durch die Römer auch nur die Westmauer des Tempels erhalten blieb, geht da nicht eine Linie von Gethsemani hinüber zum Gemach des Abendmahles? Im Blick auf die „Trennungslinie“, die Johannes in der Beschreibung des Neuen Jerusalems bringt, die von NW nach SO zieht, ist sie nicht nur Trennung des Lichtes von der Finsternis, sondern zugleich Verheißung, dass dieses Licht auch im tiefsten Dunkel durchbrechen wird. Die Verheißung ihres Namens: „Stadt des Friedens“, die schon im Zusammenhang mit der Begegnung Abrahams und Melchisedechs aufleuchtet, wird sich erfüllen kraft des Blutes CHRISTI, das diese Stadt mehr geheiligt hat als alle anderen heiligen Stätten.

 

„Von der Erde bist du genommen…“

Der Boden von Jerusalem weist zurück auf den des Paradieses, wo GOTT den Menschen aus ihr bildete. Ihn konnte der Fluch Jahwes über die Sünde der Voreltern nicht treffen. Wir müssen nur das Wort Jahwehs an Adam, als er vertrieben wurde, tiefer betrachten: „Du sollst dorthin zurück kehren, woher du genommen bist“ (Gen. 3,14). Es meint nicht nur die Vergänglichkeit unseres Lebens, an der wir besonders am Aschermittwoch erinnert werden.  Er soll „Ackerboden“ werden für einen Neuen Anfang in der Gnade. Jerusalem wird durch das Blut CHRISTI heilige Erde der Verheißung, zu der nach den Prophezeiungen des Isaias einmal alle Völker hinaufpilgern werden.

Von Jerusalem aus hat die Evangelisierung immer wieder neue Länder in das „Land MARIA gewandelt“. Von Portugal[1] aus und Spanien, ging es hinüber in die Neue Welt: „terra de MARIA“ – einmal wird alles Land ihr Land sein und der SOHN wird es beim Hochzeitsmahl dem VATER zu Füssen legen.

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MARIA - Lebensbaum

MARIA ist als Lebensbaum die Mitte des Neuen Paradieses, das in der lobpreisenden Einheit von Engel, Mensch und Schöpfung zum Neuen Jerusalem wird. MARIA ist der Ackerboden auf dem das Brot der Engel heranwächst, das Kirche und Welt Einheit schenken wird. Das scheint schon Lukas ahnend zu erkennen, da er von ihr als dem Kelch des Blutes CHRISTI in den Wandlungsworten spricht, nicht einfach vom „Blut des Bundes“ wie Mt und Mk. Je mehr wir dem Ende aller Dinge entgegen gehen, um so mehr wird das Neue Jerusalem schon hier auf Erden Wirklichkeit im Geheimnis der Gegenwart des HERRN durch die Hlst. Eucharistie, dh. durch MARIA. Nur über sie können wir diesem Geheimnis näher kommen, wo wir sie außer Acht lassen, wird Sein Bleiben nur schwer zu deutendes Zeichen, das sich endlich verliert.

Hlst. Eucharistie und GOTTESstadt

Das Wort wird nur dann als Wort vom WORT verstanden, wenn der Gläubige es aufnimmt mit Seinem ganzen (durch das Wort geprägten) Sein über seine vier Fähigkeiten in Zuordnung zu den Himmelsrichtungen – Elementen – zur GOTTESstadt. Nur so kann es auch über MARIA in uns Fleisch werden. Dieser Ansatz ist mit der Hilfe MARIAS von Lukas aufgenommen worden, besonders deutlich in den Vier Seligpreisungen. JESUS steigt hier im Gegensatz zu Mt und seinen Seligpreisungen vom „Berg herunter“ und begibt sich mitten in die Menge hinein, um Sein Wort zu künden. Es soll den Boden anheben, dem der Mensch verpflichtet bleibt.

Hier tritt die GOTTESstadt in anderer Weise vor unser Auge als bei Matthäus.

·         Die „Armen“ rücken in das helle Licht des Südens – da sie einfältig sind wie die Tauben, gelten ihnen die Geheimnisse des Himmelreiches, im Gegensatz zu den Reichen und Gescheiten dieser Welt. Hier ist dem Geist des Menschen der rechte Platz gewiesen.

·         Die Hungernden, die im Lebenskampf (Westen) zu unterliegen scheinen, werden gesättigt und gestärkt mit dem Brot der Engel, der hlst. Eucharistie. GOTT ist nicht nur GEIST, ER ist Fleisch geworden, so dürfen sie IHN bis in ihre Sinne hinein aufnehmen.

·         Über den Verachteten und Verfolgten, ins Dunkel des Nordens gestoßen, leuchtet auf dem Hirtenfeld das Gloria der hl. Engel auf. Die Nacht der Welt wird zum hellsten Tag. Weil ihr Herz offen ist, sind sie die Ersten, die den Heiland im Fleische schauen.

·         Die nach GOTT Weinenden im Osten, werden lachen, wenn sie endlich vor GOTTES Angesicht treten. Im unbedingten Willen zu GOTT haben sie durchgehalten, jetzt wird ER selbst ihr größter Lohn.

Dies ist die GOTTESstadt, die Lukas den Kleinen schon hier auf Erden verheißt, da der HERR mitten unter sie tritt: ER ist wahrhaft in ihrer Mitte! Dafür sind die „Brotwundern“ erste Verheißung, die sich in den Wandlungsworten erfüllen soll. Darum sprechen die Evangelisten auch von dem „Gras“, das sich dort vorfand. Mk unterstreicht: es war „grünes Gras“, nicht durch die Sonne verdorrt. Auch die Ordnung in Gruppen, die dort vorgegeben wird, weist hinüber auf das himmlische Jerusalem, in dem sie sich vollenden wird, da GOTT endlich in Allem die Mitte und über Allem das Ewige Licht geworden ist.

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Der Sühnetod MARIAS: “Steh’ auf Jerusalem!“

Wie MARIA neu zum Leben kam, eine Osterbetrachtung. Nur im Licht der Schmerzhaften Mutter können wir in dieses heute verlorene Geheimnis GÖTTLICHEN Wirkens eindringen. Ohne das Leiden der Sühneseelen, wäre die Welt längst am Ende. Da sie mit IHM Tag für Tag sterben, schieben sie das Gericht immer wieder hinaus. Immer schon hat MARIA das Geheimnis der Hlst. Eucharistie in ihrer Seele getragen, beginnend wohl in Betlehem bei der Geburt JESU. Über die Jahre ist es in ihr gewachsen, die Höhe der Vollendung deutet der HERR in Seinem Wort der Eucharistischen Rede an: „ICH bin das BROT DES LEBENS, wer von diesem Brote ist, wird leben in Ewigkeit“. ER hat es von der MUTTER! ER hätte sie mit sich genommen, hinauf zum VATER, doch sie musste erst der Kirche, da sie kaum zum Leben gekommen war, MUTTER sein. Sie wäre sonst wohl schon im Anfang zerfallen, wie es jetzt droht, da der Feind sie spaltet, um sie zu dem Staub zu machen, der seine letzte Bestimmung ist.

Eine andere „Verankerung“ ist MARIENS tiefe Verbundenheit mit Jerusalem. Sie war dort aufgewachsen, erzogen worden, kannte alle messianischen Voraussagen über diese Stadt. Sie ist 10 Jahre nach dem Tod ihres SOHNES dort geblieben, bevor sie nach Ephesus ging, um den Kreuzweg ihres SOHNES immer wieder nachzugehen und Sein Blut dem VATER aufzuopfern für die ungetreue Stadt. Hier standen ihr die beiden gläubigen Pharisäer: Joseph von Arimathäa und Nikodemus zur Seite. Sie sind eingebunden in das Begräbnis JESU im Garten Josephs von Arimathäa. Der „Garten“ weist zurück auf das Verlorene Paradies, das in der Kraft des Blutes CHRISTI neu werden soll. Schon deswegen kann den Juden diese Verheißung nicht genommen werden.

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Das Sterben MARIENS unter dem Kreuz

Aus charismatischer Quelle wissen wir, dass MARIA immer wieder unter dem Kreuz in Ohnmacht gefallen ist. Sie musste als Mutter mit IHM sterben. Da man ihr den Leichnam in den Schoß legte, fiel sie in die letzte und tiefste Ohnmacht, in der sich die Seele MARIENS fast vom Leib gelöst hat. Lukas, der Arzt wurde zur Hilfe gerufen. Vielleicht war er erst im Zeichen von Golgotha zu den Jüngern gestoßen? Die Frauen, die mit ihr im Abendmahlsaal geholfen haben, brachten sie dorthin. Ist es schwer zu verstehen, dass sie nicht mehr leben wollte, dass sie  glaubte, jetzt sei ihre Sendung zu Ende?

Wir müssen ihrem Sterben tiefer nachbeten. Wenig wissen wir in der Kirche von dieser Passion MARIAE obwohl schon die Väter von ihrem „unblutigen Martyrium“ gesprochen haben und von der „Zweiten Geburt JESU“ unter dem Kreuz. Die Schrift gibt hier keinen Hinweis. Hilft uns die Not der Kirche nicht, uns betrachtend in ihr Mitsterben mit dem SOHN hinein zu beten? Musste sie dem SOHN nicht ins „Reich des Todes“ folgen? Konnte sie IHM nicht helfen, schweigend von dem Großen, das auf Golgotha geschehen war, ihren Vorfahren zu erzählen, während ER die seligen Gerechten ans Licht der Erlösung führte? Der hl. Joseph mag sie wohl als Erster an das Wort erinnert haben: „Steh auf Tochter Jerusalem!“, doch wie sollte sie aufstehen von diesem Tod der furchtbarer war als alle Tode?

Leise mag in ihrer Seele der Gedanke an die Partikel der Hlst. Eucharistie, die sie beim Abendmahl gesammelt und zu sich genommen hatte, aufgestiegen sein. Als JESUS das Wort der Wandlung über die Gestalten sprach und das „Nehmet und esset Alle davon!“[2], da war sie mit hinein genommen in Seine Auferstehung, da durfte sie IHM neu ihren Leib schenken, damit ER Seine Sendung in der Kirche kraft der Hlst. Eucharistie im Hl. GEIST fortsetze. ER sprach ja im Abendmahl, das Wandlungswort nicht nur über Brot und Wein, sondern notwendig auch über Leib und Seele Seiner MUTTER, über all die Seinen, ja die ganze Schöpfung, damit sie neu werde.

Hat sie Seiner Seele nicht in der Empfängnis Leib und Seele geschenkt, dass sie Mensch werde? Auch wenn ER in Seiner Sendung mehr bei den Jüngern als ihr nahe war, war sie IHM nicht mit den getreuen Frauen bis unter das Kreuz gefolgt? Nichts hat IHN in Seiner furchtbaren Passion mehr gestärkt als ihre Nähe und die Johannes’ und der Frauen, Verheißung Neuen Lebens für Alle,  die aus Seiner Seite geboren werden sollten. So wie die Frau aus der Seite Adams genommen wurde, so wie sie IHM zuerst ihren Leib geschenkt hatte, so hat der VATER sie als Neue Eva aus der durchbohrten Seite Seines SOHNES neu gebildet: Aus ihr sollte der Neue Adam werden! Ave MARIA! Aus ihr sollte im Hl. GEIST in eins mit Johannes die Kirche wachsen. Auch wenn alle Jünger den HERRN verlassen hatten, Johannes ausgenommen, in ihr war dem „Mich dürstet“ des SOHNES eine Antwort gegeben, die alle spätere Antwort der Gläubigen einschließt und übersteigt.

Auch wenn die Kirche im Ansturm der Hölle zu zerbrechen scheint, dieser Fels MARIA, umgeben und gestützt von allen hl. Engeln  und Heiligen wird dem Sturm des Bösen nicht nur widerstehen. Es wird der Felsblock, der das Grab JESUS verschloss durch sie und ihre Gegenwart im Grab, zum Davidstein, der den Todfeind JESU schlägt, gerade dort, wo er zu triumphieren meinte! In MARIA ist die Verheißung Davids gegenwärtig, auch wenn es nur wenige Gläubige sind, die unter dem Kreuz durchstehen, sie werden in, mit und durch MARIA dem Feind endgültig das Haupt zertreten! „Tod wo ist dein Triumph, dein Sieg?“ In diese Verheißung sind wir heute hinein gerufen mit allen heiligen Engeln. Mit der hl. Johanna von Orleans dürfen wir zuversichtlich den Banner der Unbefleckten tragen und ihrem Wort vertrauen: „Unser Kampf heißt Sieg!“

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Lösung vom Leib?

Es ist diese Frage heute nicht mehr so schwer zu beantworten, da wir nicht wenige Zeugnisse von Menschen haben, die vom Tode wieder zurück gekommen sind, die der HERR zurück geschickt hat, damit sie von dieser Erfahrung einem ungläubigen Geschlecht Zeugnis gäben. Wo sie dieser Sendung treu bleiben, sind sie mit und durch MARIA „Christoph  = CHRISTUS – träger“, wie wir es als Gläubige in und durch MARIA alle sein sollten. Doch weiter und tiefer greift dieses Geheimnis in MARIA! Wie ist es mit den Aussagen der Schrift zu vereinbaren? Unter den Frauen, die um die ohnmächtige MARIA waren, war M. Magdalena die Erste, die im Morgengrauen aufbrach zum Grab. Als sie MARIA nicht mehr schlafend bei den Frauen fand, wussten sie, sie war schon früher aufgebrochen. In ihrer Ohnmacht war sie dem SOHN gefolgt auf Seinem Weg zu den Gerechten. Da sie wieder zu sich kam, eilte sie zum Grabe und durfte auf dem Weg dorthin als Erste dem AUFERSTANDENEN begegnen. Später hat sie ihnen schlicht und einfach erzählt, dass sie beim Grab war. So ist bis heute verborgen geblieben, dass sie JESU auf dem Weg zu den Gerechten begleitet hatte. Was an ihr geschah, ist Verheißung für die Getreuen dieser Tage, besonders die Sühneseelen, die in das Opfer CHRISTI mit Leib und Seele eingestiegen sind.

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WANDLUNG und SÜHNE bei den Jüngern

Der Weg der Jünger nach Emmaus (Lk 24,13-35)

Zeichen für GOTTES Heilswille, alle Menschen heimzubringen zum VATER

Nur als gewandelte und immer neu zu wandelnde können wir der Größe des Auftrages, der uns mit den hl. Engeln gestellt ist, entsprechen. Jetzt erst, da sie selbst in der Kirche verkannt wird leuchtet etwas auf von der Größe und Gewalt der Binde- und Lösegewalt der Kirche. Die dies an der Hand des hl. Engels erkennen dürfen, bringen die Gnaden aus den Sakramenten zum Fließen. Sie nehmen den Heilswillen GOTTES auf, der in MARIA in die Kirche gegenwärtig bleibt und auf alle Menschen zielt. Das Vat.II hat hier in der Person von Papst Johannes XXIII die Türe aufgestoßen. Die Sehnsucht, dass der Überzahl der Heiden, gerade jetzt, wo wir verführt zurückstehen, diese Licht gebracht werde, muss über alle karitative  Hilfe hinaus, jeden Christen packen, damit hier Mauern nieder gelegt werden, die wir in der Sorge um uns selbst aufgerichtet haben.

Der Satz, dass die Heidenkinder nicht zur beseligenden Anschauung GOTTES kommen, ist heute nicht mehr so allgemein angenommen wie früher, wenn er auch mehr im Sinne eines „Seid umschlungen Millionen“ aus Mozarts „Zauberflöte“ verstanden wird. Es ist mehr momentaner Aufschwung der Seele, als heilige Verpflichtung. Immer versteht der Feind sofort, wie er die Pole vertauschen muss, um ihr alle Kraft zu nehmen. Den Buchstaben kann er verdrehen, doch das Lebenszeugnis der sel. Teresa von Calcutta, getragen von dem des sel. hl. Vaters Johannes Paul II, stehen. In aller Vorsicht hat die Kirche bei der Seligsprechung dieses Papstes einschränkend darauf hingewiesen, dass sie sich auf sein Leben, nicht auf sein Werk beziehe.

Obwohl der dogmatische Satz vom „Allgemeinen Heilswillen“ steht, er muss erst noch tiefer in der Kirche wurzeln, um die Heimkehr der Heiden zu bereiten, wie sie schon Paulus in 1 Kor 9 – 11 im Blick auf die Berufung der Juden verheißt. Wie viel größer muss noch unser Glaube werden, dass uns aufgehe, dass nur in der größeren Liebe die Furcht besiegt wird, den anderen Religionen entgegen zu gehen, um das Licht aufzunehmen, das in aller notwendigen Verdunkelung durch den Feind, auch ihnen gegeben ist. Wie sehr sind wir selbst verdunkelt gerade im Blick auf die Wahrheit unseres Glaubens, wo sie mehr als ein Mundbekenntnis verlangt. Johannes Paul II hat es gewagt, der Rückschlag gegen ihn ließ nicht auf sich warten. Doch er kann nur bestätigen, dass hier Einer, allein auf GOTT gestützt, sein Leben gewagt, um diese dogmatischen Lehrsatz ins Leben zu bringen, in einem ersten Schritt. Wie sehr brauchen wir auch die Hilfe der hl. Engel helfen.

In seltsamer Führung hat GOTT hier zwei Gläubige auf ganz verschiedenen Weg vor bereitet. Notwendig mussten sie einmal zusammen kommen. Das „Hinaus“ des hl. Vaters wie das „Hinein“ eines Schwimmbades im Vatican hat Teresa in anderer Weise mit der Kirche, zuerst mit ihrer Gemeinschaft durch kämpfen müssen. Immer wieder musste sie der HERR erinnern, wie sehr ER auf sie warte. Die Anstrengung aus dem vorgegebenen Ordensleben auszusteigen und ins Dunkel eines Abenteuers einzusteigen, die Auseinandersetzung mit den entsprechenden Autorität, hat ihre letzte Hingabe gefordert. Die Nacht, in die der HERR sie geführt hat, die ihr für den Rest ihres Lebens aufgetragen war durchzustehen, begann nicht erst mit dem Schritt hinaus.

Sie war leer und bloß, als sie endlich hinausging, materiell wie geistig. Erst so konnte der HERR über sie für die neue Aufgabe verfügen. Die Aufgaben der Gemeinschaft waren beschränkt, unserer menschlichen Armseligkeit angepasst, hier musste von Heute auf Morgen  für Alle dasein, ohne je Einen zur Taufe führen zu wollen, wenn er es nicht selbst verlangte. Wo wir im Heilswillen GOTTES leben und sterben, eröffnet sich der Kirche eine Sendung über die ganze Schöpfung hin, von der wir heute wenig ahnen, auch wenn sie schon in Prophezeiungen angesagt ist. In dieser Sicht gilt es auch den Wurf des Werkes der hl. Engel zu verstehen. Er sprengt Kategorien und Vorstellungen, in denen wir zu Hause waren!

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Wandlung in den Jüngern

Zuerst die kritische Frage: Wo ist da Sühne bei den Jüngern, da sie noch mit dem HERRN auf dem Weg nach Jerusalem waren, wo noch mehr in der entscheidenden Stunde der Passion? haben sie nicht Alle versagt? Es ist notwendig, diese Frage zu stellen, denn an ihr kann deutlich werden: Sühne ist nicht etwas, das wir machen, sie ist immer zuerst Gnadengeschenk GOTTES. Sühnen in Wahrheit konnte nur der Menschensohn, weil ER zugleich SOHN GOTTES war. Wo wir in der Taufe als Adoptivsöhne angenommen sind, kann ER uns gnadenhaft daran Anteil geben, wenn wir zu diesem Angebot, das die Meisten zurückweisen werden, Ja sagen. Die Überforderung, die den Menschen hier anfällt, kann ihn niederwerfen, zum Sektierer machen, zerstören, wenn in der Sühne nicht der ausdrückliche Wille GOTTES liegt. Immer hat der HERR Sühneseelen vorher gefragt. Selbst hier kann der menschliche Stolz sich einmischen, doch er zerstört.

Im Folgenden werden in einer gewissen „Grenzüberschreitung“ zu erläutern versuchen, dass  Sühne von den Mächten, ja von den Gewalten und zuletzt von den Herrschaften in der Hierarchie mit getragen. Solange wir nur vom Schreibtisch aus beurteilen, kann dieser Eingriff GOTTES nur Widerspruch auslösen. Er bringt uns in eine Spannung des Kreuzes, die wir ohne die Hilfe unsere Schutzengels nicht zu tragen fähig sind. Dafür stehen nicht zuerst die Schriften des Werkes, sondern der heroische Einsatz einer einfachen Frau, die es wie Teresa auf das Wort des HERRN hin einfach wagte. Schon die ersten, die es mit ihr wagten, sind hier zurück getreten. Das Samenkorn, das mit ihr in die Erde fiel, muss erst aufgehen. Wo GOTT mehr vom Menschen fordert, als er leisten kann, muss auch Seine Hilfe entsprechend sein.

In diesem Sinn wollen wir die Mächte, sechster Chor in der Hierarchie, ins Spiel bringen. Ihre Aufgabe ist es, den Menschen zu weiten für die größeren, unbegreiflichen Pläne GOTTES, so wie der Landmann den Ackerboden bereit, bevor die Saat ausgestreut wird. Der Mensch muss gelöst sein von seinem Ich und seinen Wünschen über das durchschnittliche Maß des Christen, das schon im Angriff des Feindes zerbricht. Er muss leben aus den drei theologischen Tugenden von Glaube, Hoffnung und Liebe (dreimal sieben Mächte), er muss geborgen sein, nicht nur von Außen, sondern noch mehr von Innen von den viermal drei Mächten, die die Kirche in ihrer Struktur aufbauen. Wenn sich auch heute, wo das Ordensleben zerfällt,  der HERR nicht wenige Sühneseelen aus den Laien holt, früher waren es meistens Ordensleute. Die Struktur des Ordensleben hilft nicht wenig, das noch mehr an Last, das uns im Ordensleben erwartet, leichter zu tragen, denken wir nur an die stärkende Kraft der Vier Gelübde. Nicht weniger hilft, wenn die Gemeinschaft lebendig ist, die Bereitschaft der Anderen, die nicht in der Sühne stehen, mit zu tragen. Sühne ist schenkt die Gnade, mittragen dürfen an der Last des Kreuzes, das der HERR mystisch für seine Kirche trägt.

Die Mächte der Kirche tragen in besonderer Weise das W e i t e n  der Seelen nach Länge, Breite und Tiefe. Sie weiten die Seele, damit GOTT in ihr immer mehr Platz finde, damit ER a l l e i n  in uns bestimme und durch uns hinaus wirke zum Heil der Welt. Das Siegel der Vierergruppe, zu der  hl. Engel der Wandlung gehört: "REX GLORIAE" bedeutet als Wort des HERRN vor dem VATER im letzten Gericht: "sie haben Mich vor der Welt bekannt."  In diesem Bekenntnis wirken drei Kräfte: im VATER tragen die Mächte über die Throne das "Werde!“, im SOHNE über die Gewalten das "Weiche!",  im HEILIGEN GEIST  das "Komme!" als die ihnen eigene Kraft. Diese drei  Kräfte wirken in der Perikope von Emmaus.

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Wandlung im Strom des Lebens

Die Jünger beurteilen JESUS nach den irdischen Messiasvorstellungen des jüdischen Volkes: "wir hatten gehofft, ER würde das Reich aufrichten." Für sie ist JESUS der versprochene Messias im politischen Sinn, der prophetischen Verheißung werden die Flügel beschnitten. Sie sehen IHN nur irdisch, wie es uns heute in der Kirche im Übergewicht der Horizontale ergeht.  Für die  Fülle  des Lebens, die uns der VATER in Seinem SOHN schenken möchte ist in ihnen noch kein Platz. Was in den Wundern JESU geschehen ist, gehört in den Bereich des Außerordentlichen, ist nur „Ausnahme von der Regel“, wie  uns die Wissenschaft noch heute zu deuten versucht. Sie hören zwar die Worte, mit denen der HERR ihnen die Schrift auszulegen versucht, doch sie gehen nicht ein in ihr Herz und ihren Geist. Die Katastrophe des Kreuzes hat sie in ihrem Lebenswillen niedergeschlagen, das Licht der Erkenntnis fast gelöscht, in der Angst vor Verfolgung ihre Liebe zu JESUS gefesselt. Sie laufen neben dem HERRN einher, ohne zu wissen woher und wohin. Was sie bei IHM hält, sind ihre Vorstellungen, nicht das was GOTT in IHM wirken will.  Es ging auch bei ihnen um den „besseren Platz“.

Man vergleiche dazu die Dritte Leidensvorhersage bei Markus:

10.32 „Während sie auf dem Weg hinauf nach Jerusalem waren, ging Jesus voraus. Die Leute wunderten sich über ihn, die Jünger aber hatten Angst. Da versammelte er die Zwölf wieder um sich und kündigte ihnen an, was ihm bevorstand. 33 Er sagte: Wir gehen jetzt nach Jerusalem hinauf; dort wird der Menschensohn den Hohenpriestern und den Schriftgelehrten ausgeliefert; sie werden ihn zum Tod verurteilen und den Heiden übergeben; 34 sie werden ihn verspotten, anspucken, geißeln und töten. Aber nach drei Tagen wird er auferstehen.

35 Da traten Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, zu ihm und sagten: Meister, wir möchten, dass du uns eine Bitte erfüllst. 36 Er antwortete: Was soll ich für euch tun? 37 Sie sagten zu ihm: Lass in deinem Reich einen von uns rechts und den andern links neben dir sitzen.“

Sie leben in einer anderen Welt: ER ist ihnen im wahrsten Sinne des Wortes ein Fremder. So wie der Kirche heute der Glaube an die hl. Engel „fremd“ ist. Wo sonst finden wir den Schlüssel für das Eine Buch, das uns den Weg weisen könnte, die GO? Es sind dort andere Maße, die unsere aus den Angeln heben, sie stehen im Vergleich wie der uns mit bloßen Augen sichtbare Sternhimmel zum ganzen Kosmos. Sie müssten erst den Tod, der in ihnen wirkt, überwinden,  um neue Menschen in CHRISTUS zu werden, die politischen Vorstellungen vom Messias abtun. Nur der Schlüssel des Kreuzes kann hier die Tür öffnen. Der HERR hat in Seinem Weg hinauf nach Jerusalem das Seine getan, um sie vorzubereiten. Es bleibt IHM nur, sie der Katastrophe des Kreuzes auszuliefern, die Jedem spätestens in der Stunde des Todes bevorsteht. Nur im Licht und der Kraft des HL. GEISTES wird ihnen dazu die Gnade. Das Kreuz hört im Licht des HL.GEISTES auf, ein Marterwerkzeug zu sein!

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Das Kreuz muss in ihnen aufgerichtet werden

Sie müssen in ihrem Herzen erkennen: "MUSSTE DER MESSIAS NICHT ALLES DIES LEIDEN, UM IN SEINE HERRLICHKEIT EINZUGEHEN?“ Erst dann wird auch das Wort der Schrift zum bekräftigenden Licht. Die Erkenntnis kommt im Brotbrechen. Nur aus der Größeren LIEBE GOTTES kann die Wandlung kommen. Sie setzt bei den Emmausjüngern dort an, wo sie IHN einladen, mit ihnen in die Herberge zu kommen. Es ist das erste Zeichen, dass sie IHN nicht mehr nur als Fremden sehen. Nicht wenig drängt sie freilich dazu die Angst vor der Nacht, die hereinbricht. doch erst im Mahl mit dem HERRN als Ausdruck der tiefsten Hingabe an uns sündige Menschen. wird dieser erste Funke des Erkennens zu einem kleinen Feuer, das unter der Asche ihrer Enttäuschung über den Tod des HERRN zu brennen beginnt.

Hier könnte uns die Verheißung der Sakramente, besonders der Hlst. Eucharistie aufleuchten. Erst auf dem Rückweg wird das Wort des HERRN ihnen im Herz lebendig, der tote Geist der Schriftgelehrten in ihrer Herrschaft äußerer Ordnung nach dem Buchstaben vermag sie nicht mehr zu unterjochen.  Erinnern sie sich jetzt doch, dass schon bei Seinen Worten etwas vom Feuer der Hingabe JESU an den Willen des VATERS ihr Herz zu entzünden begann. Hier beginnt die WANDLUNG im Strom der Liebe.

Es muss im Herzen Freude und Dankbarkeit erwachen, dass Einer sich der Sühne hingibt, denn es gibt keine innigere Verbindung mit dem HERRN als die in Seinem Leiden. Auch dafür steht das Zeugnis der Schmerzensmutter, das zuerst die Frauen gewonnen hat, nicht nur damals unter dem Kreuz, sondern durch die ganze Geschichte der Kirche. Der Mann ist durch seinen Willen zur Tat meist so gehemmt, dass ihm schon der Gedanke fremd scheint, auch wenn er später bereuend erkennen muss, wie sehr er aus dem Stolz des Besserwissens  und Tun kommt.

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DER HERR in der Mitte der Jünger (Lk 24,36 - 49)

Die schöpferische Kraft der Auferstehung

Neues Leben wird der Schöpfung durch die Auferstehung JESU CHRISTI. Der Hauch des GEISTES trifft zuerst die Apostel über die Mächte der Kirche, durch sie geht er an alle Menschen guten Willens und auf die ganze Schöpfung: Die Mächte sind jene heiligen Kräfte, die auf den Befehl GOTTES  und nach Seinem Willen den Menschen die Seelen einhauchen, die Seelen weiten, und so im Namen des HERRN das "WERDE!" sprechen.  sie selbst zeugen nichts, GOTT zeugt durch sie in die Schöpfung hinein.“

Wo der Mensch verriegelt hat, wenn er nur in der Seele noch einen Funken trägt, brechen sie auf, lösen das verkrampfte Herz und weiten es hinein in die größeren Wege GOTTES, wie es den Aposteln in der Begegnung mit dem Auferstandenen HERRN geschieht. Immer ist das Wort des HERRN an Seine Kirche Hauch des Hl.GEISTES, doch in besonderer Weise in der Zeit nach der Auferstehung. Wort und Hauch sind eins. Wo der Hauch verloren geht, ist das Wort bloßer Schall und fällt in seiner Schwere zu Boden. Wer immer das Wort GOTTES in bereitem Herzen aufnimmt, wird diesen Hauch verspüren, es entfaltet, weitet sich und beginnt zu leuchten, wie es den Aposteln auf dem Rückweg deutlich wurde. Hier zeigt sich, auch das Wort muss wie organisch  in uns wachsen, es hat in Jedem von uns seine Zeit. Auch wenn es über den Einen oder Anderen manchmal wie ein Sturm einbricht, es verlangt dann wie bei der Bekehrung des Paulus, dass es sich auswirke und den ganzen Menschen durchdringe.

"Ausweiten“ ist nicht ein Druck von Außen, sondern ein Weiten von der Tiefe her, aus den Kraftspeichern des dunklen Glaubens, der dunklen Hoffnung, der dunklen Liebe. darin liegt wie in einem Zeugungsschoss der Mutter, die kraft, das göttliche "Werde" aufzunehmen und schweigend in die Schöpfung zu hauchen - den Menschen nicht fassbar.

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Wandlung der vierfachen Wirklichkeit des Menschen

Jeder Mensch soll ein Abbild der GOTTESstadt  werden, Abbild JESU CHRISTI in Seiner zweifachen, menschlichen und GÖTTLICHEN NATUR (= 2 x 2). Darum muss der HERR die Jünger vierfach ansprechen im Zeichen des Kreuzes, dass es in Jedem von ihnen aufleuchte.

- Richtung Gemüt, im Menschen noch „unklar“, sie hören und hören nicht!

Zuerst wird der Mensch - die Apostel stehen hier für die ganze erlösungsbedürftige Menschheit - angesprochen in seinem  Gemüt. Es meint sein bis in die Tiefen reichendes Gefühlsleben in Leib und Seele. Darum wird für „Gemüt“ auch manchmal  „Herz“  gebraucht. Die lateinische Entsprechung wäre wohl " mens ", die griechische "nous ". Das althochdeutsche Wort "muot" bedeutet „ S i n n – Sinnhaftigkeit“. „Mutig“ ist nur der Mensch, der dem Sinn seines Lebens entspricht, der diesen Sinn gegen alle feindlichen Kräfte in und um ihn durchhält. Der HERR baut den Sinn des Lebens neu auf und will ihn festigen inmitten einer der Sünde verfallenen Welt,  in die er die Apostel senden wird. Darum muss ER „IN IHRE MITTE" treten (Lk 24,36). Lukas hat schon einmal dieses Wort "Mitte" verwendet, wo er den HERRN darauf hinweisen lässt, wo das REICH GOTTES zu suchen ist .... nicht draußen ....sondern „ Siehe, es ist mitten unter euch“ (Lk 17,20).  Schon hier hat das Wort die zweifache Bedeutung: in der Mitte des Einzelnen wie: in der Mitte der Gemeinschaft. Das  Gemüt ist die Mitte des Menschen, als leibhaftes Geistwesen; auch eine Gemeinschaft  kann dafür Zeugnis geben in der Wärme und Geborgenheit, die sie ausstrahlt.

- Anrede an den Geist: zu stehen auf der Flucht!

Die Furcht hat sich bei den Aposteln bis ins Leibhafte hinein festgesetzt. In dieser Tiefe sollte sich jeder Mensch von GOTT gerufen erkennen. Bei Ihnen, letztlich bei uns Allen, legt sich darüber der Todesschatten von Golgotha. Sie haben auf den HERRN gehofft: doch die Juden haben ihn getötet. In Angst, es werde ihnen Gleiches geschehen, sind sie geflohen, einer der Ersten: Johannes. So tief war sein Erschrecken, dass die Angst sogar in den eingedrungen ist, der doch am Herzen des HERRN ruhen durfte. Sie sind noch immer auf der Flucht. Letzter Rest ihrer Hoffnung ist die Frage: wie konnte es zu dieser Katastrophe (Kreuzes) kommen? Immer wieder tritt sie bei Lukas nach vorne. Auf diese Furcht geht der HERR zu, um sie in Seinem Wort zu klären: “warum seid ihr verwirrt, und warum steigen solche Gedanken in eurem Herzen auf" (Lk 24,39).

- Herausforderung des Willens

Auch wenn der Messias in ihren Köpfen spukt, dort ist es mehr Männerüberlegung, in ihrem Herzen ist verborgen ein anderes Bild gewachsen in den drei Jahren der Gemeinschaft mit IHM, Tag und Nacht. Doch es konnte nicht durchbrechen. Sie mussten nicht nur durch das Wort, sondern in ihrem je eigenen Versagen erfahren, dass sie blind für IHN waren. Da der HERR leise auf sie zukommt, dass sie Seine Gegenwart wohl erst langsam wahrnehmen, ER beginnt erst für sie da zu sein, da sie mit ihm einkehren. Sie haben den Boden unter den Füßen verloren. Wenn Petrus am See Tiberiades einige seiner Brüder einlädt, mit zum Fischen zu kommen, liegt es nahe zu deuten: „Packen wir dort wieder an, wo der HERR uns am Anfang gerufen hat: beim Fischfang!“.

- Die Hilfe der Sinne

Der HERR  muss ihnen seine Leibhaftigkeit beweisen; nur so kann ER sie aus ihren sie einkreisenden Überlegungen zurückholen. Darum zeigt er ihnen die Male Seiner Passion. Als sie noch immer zweifeln.[4] verlangt ER von ihnen etwas zu  essen. Die Jünger reichen IHM einen gebratenen Fisch:  Zeichen des Geopfertseins und eine Honigwabe - Bild der neuen, in hl. Ordnung gefügten Schöpfung. Der Beweis Seiner Wirklichkeit ist geliefert.  Doch was diese Zeichen bedeuteten, können die J ü n g e r  nur ahnen. Es ist ihnen wohl später im Licht des HEILIGEN GEISTES aufgegangen.

- Der ganze Mensch muss getroffen sein (Wissenschaft des Kreuzes)

Erst da sie die Worte, die er auf dem Weg gesprochen hat, auf dem Rückweg im Herzen überlegen im Blick auf die Schriftzitate verstehen sie, was die Schrift da voraus sagt. Hier wird „Wissenschaft im Zeichen des Kreuzes“, der Welt ein Ärgernis! Und doch steht sie in der Mitte der GEISTgaben, heute in rein weltlicher Deutung. Erst jetzt, da sie dort angesprochen sind, wo ihre tiefste Not liegt, kann der HERR sie in ihrem Geist aufbauen, ausscheiden, was sie umgedeutet, deuten, was der „tiefere Sinn“ der Schrift sagen will, wie es schon die Väter am Anfang versuchten.

- Sendungsauftrag (Wille)

Jetzt kann ER auch ihren WILLEN wecken: „In Seinem Namen soll bei allen Völkern...Buße und Vergebung der Sünden gepredigt werden“ (24,47). Damit ist ihrem Leben der Sinn gegeben, den sie verloren hatten, weil sie IHN auf menschliche Weise, wie es heute bewusst geschieht, falsch gedeutet haben..

- Durchführung im Hl. GEIST

Zuletzt verleiht ER ihnen im Hauch die SENDUNG (Lk 24,48): „Seht, Ich sende die Verheißung meines VATERS auf euch herab. Bleibt in der Stadt, bis ihr mit Kraft von oben ausgerüstet seid“. In ihr wird ihr Leben heil,  heilig werden, Sein Friede durchdringt sie. Es spiegelt sich in der parallelen Perikope von Johannes im Gruß des HERR: „Der FRIEDE sei mit euch." (vgl. Joh 20,19 ff).  Wo der Mensch in JESUS CHRISTUS  neu geworden ist, ist er in den Frieden GOTTES eingegangen und keine Macht des Bösen kann ihn aus diesem Frieden mehr herausreißen, wie es uns am Beispiel der Märtyrer deutlich wird. Sie sind bereit, das Leben (des Leibes) hinzugeben, weil sie die Gegenwart des Neuen Lebens in sich tragen.

Zusammenfassung:

Der Mensch wird in seinen vier wesentlichen Fähigkeiten erneuert:

Im Norden, wo ihn der Feind zuerst angegriffen hat, in der Tiefe seines Gemütes.

Im Süden durch das Wort in seinem Geist.

Im Osten, weil sein Wille zur Tat aufgerufen wird.

Im Westen als ganzer, sinnenhafter Mensch durch die Eingießung des HEILIGEN GEISTES. Hier ist die Schließe zum Gemüt, wo dieses „Ganze“, die Sinngebung des Lebens grundgelegt ist. Die drei ersten Schritte sind Bereitung. In der Sendung wird die Aufgabe der Mächte der Kirche bestätigt: Sie tragen das Merkmal des einen GOTTESvolkes in seinem  Sein, in der ihm von GOTT gegebenen heiligen Ordnung.

Im Blick auf die Geheime Offenbarung:

GOTT hat den Menschen mit der Tiefe des Gemütes bereitet, als die Zeit gekommen ist, spricht ER ihn an im GEIST und ruft Seinen Willen zur Tat. Wo er gehorcht, wird er gewandelt in den Neuen Menschen im SOHN, gerufen, einzugehen in GOTTES Herrlichkeit. Alle Bereitung, alle „Schule“, durch die wir im Leben gehen, zielt auf dieses Ziel: uns zu bereiten für das Ewige Leben. Wo der Mensch in gutem Willen Antwort steht und in dieser Antwort durch alle Anfechtungen durchhält, ist er auf dem Einen Weg: JESUS CHRISTUS. Wo er nach aller Geduld und Weisheit GOTTES diesem Anruf Widerstand leistet, erstickt er diesen Ruf, außen wie innen, bis er in seiner Seele gestorben ist, noch bevor er im Leibe sterben muss. So bleibt bis zuletzt noch eine letzte Möglichkeit der Umkehr. Dieser letzten Frist begegnen wir in der GO. Wie der HERR immer mehr Widerstand findet, abgelehnt, verurteilt, so geschieht es auch im Leben des einzelnen Menschen. In diesem Licht erscheint noch einmal nüchtern die Hilfe der hl. Engel im letzten Kampf als letzter Anruf an den Menschen, umzukehren oder ihrem gerechten Gericht schon hier auf Erden zu verfallen.

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Sühne als Waffe

Nicht wenige Waffen sind dem Christen gegeben, sie leben aus der Kraft der Auferstehung CHRISTI. Sie sind uns gegeben, damit wir in der Nachfolge des gekreuzigten HERRN im Kampf des Lebens  bestehen gegen alle Versuchungen der Welt, des Ich und des Teufels. Sie sind Waffen des HEILIGEN GEISTES, nur durch IHN können wir lernen, sie in rechter Weise zu nützen. Kinder, in der Gnade der Taufgnade des GEISTES, nehmen sie im Herzen auf wie Dinge dieser Welt. Werden sie nicht angehalten, sie zu nützen, verfallen sie wie Alles auf Erden. Es sind ganz einfache Gebete: zum Schutzengel, zur Himmelsmutter, zum Heiligen Schutzengel, zum Namenspatron. Damit war der Mensch schon von Kindsbeinen an in eine unsichtbare Gemeinschaft gestellt, ganz abgesehen von der Ordnung christlichen Lebens, in die er durch eine gute Familie wie von selbst hineinwuchs.

Diese Gemeinschaft, mit dem äußeren Zeichen des GOTTEShauses, ist uns verloren gegangen, selbst auf dem Lande sind nur noch die Alten letzte Zeugen, dass es „einmal besser und einfacher war“. Schon die mittlere Generation weiß kaum mehr davon: ihre Welt ist die der Arbeit und des Vergnügens, und damit Punkt. Dem Menschen ist aufgegeben, sich auf dieser Erde einzurichten, er ist dabei mit allen Kräften. Die Welt des Glaubens wird Museum, durch das man gelangweilt geht, weil man jeglichen Bezug dazu verloren hat. Wo die Kirche versucht, mit der Welt mitzuhalten, reiht sie sich ein als Mitkonsument, der je nach Beteiligung, beachtet wird. Die Großveranstaltungen sind wie eine letzte Kraftanstrengung.

Sie sind so schnell vergessen wie die Tagesereignisse. Sie flackern auf und erlöschen. Vielleicht, dass in der kommenden Zeit der Prüfung die eine oder andere Erinnerung aufflammt, wir wollen es hoffen und dafür beten. Wird sie sich mit den Kindergebeten, die das Kind fast mit der Muttermilch aufgenommen hat, messen können, die nicht Wenige, die später abgerutscht sind, noch retten konnten? GOTTES Erbarmen misst nach dem Maß unserer Not! Kaum ist von hier eine Brücke zu schlagen hinüber zu Sühne. Buße, Sühne, Opfer sind geistige Wirklichkeiten, die aus unserem Horizont geschwunden sind und wohl nur  gnadenhaft noch erweckt werden können.

In „Wunderkraft der Sühne “ wird uns ein Zeugnis, wie sehr wir in dieser Zeit auf die Sühne als die entscheidende Waffe im Kampf gegen Feind hingewiesen sind und wie wir hier notwendig dem hl. Engel in ähnlicher Weise begegnen wie der HERR ihm am Ölberg begegnet ist. Je mehr uns der HERR ans Kreuz schlägt, umso besser werden wir verstehen, welche Gnaden uns durch die hl. Engel angeboten sind. Doch erinnern wir uns nüchtern: hier am Ölberg steht der HERR dem Widersacher Angesicht zu Angesicht gegenüber wie zuerst nach den Vierzig Tagen Fasten in der Wüste. Sollte es uns anders gehen, wenn wir uns mit IHM dem Kampf stellen.

Am Ende heißt es: Mt 4,11 „Darauf ließ der Teufel von ihm ab, und es kamen Engel und dienten ihm.“ Wenn wir durchhalten, wird uns ähnlich geschehen. Wir müssen nur den längeren Atem haben. Wenn IHN auch der Widersache nie aus den Augen gelassen hat, um herauszufinden, wie er IHM wieder beikommen könnte, so muss er erfahren, was der HERR im Blick auf „Seine Zeit“ unterstreicht, zuerst in Kana bei der Hochzeit Jo 2, 4 „Jesus erwiderte ihr: Was willst du von mir, Frau? Meine Stunde ist noch nicht gekommen“. In gleicher Weise später die Juden. Da sie IHN zu ergreifen suchen: Jo 7,30 „Da wollten sie ihn festnehmen; aber keiner wagte ihn anzufassen, denn seine Stunde war noch nicht gekommen.“ Der HERR selbst deutet dieses Geheimnis, als die Griechen über Philippus nach IHM fragen kurz vor Seiner Passion.

Seine Stunde, in der Zeit und Ewigkeit zusammenfallen, ist die Seines Leidens und Sterbens. Sie ist in Seiner Sendung in eins die Stunde Seiner tiefsten Erniedrigung wie Seiner Verherrlichung, die einmal in je anderer Weise auch die unsere sein wird. Die Stunde ist gekommen, daß der Menschensohn verherrlicht wird. 24 Amen, amen, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es reiche Frucht. 25 Wer an seinem Leben hängt, verliert es; wer aber sein Leben in dieser Welt gering achtet, wird es bewahren bis ins ewige Leben. 26 Wenn einer mir dienen will, folge er mir nach; und wo ich bin, dort wird auch mein Diener sein. Wenn einer mir dient, wird der Vater ihn ehren. 27 Jetzt ist meine Seele erschüttert. Was soll ich sagen: Vater, rette mich aus dieser Stunde? Aber deshalb bin ich in diese Stunde gekommen. 28 Vater, verherrliche deinen Namen! Da kam eine Stimme vom Himmel: Ich habe ihn schon verherrlicht und werde ihn wieder verherrlichen. 29 Die Menge, die dabeistand und das hörte, sagte: Es hat gedonnert. Andere sagten: Ein Engel hat zu ihm geredet. 30 Jesus antwortete und sagte: Nicht mir galt diese Stimme, sondern euch. 31 Jetzt wird Gericht gehalten über diese Welt; jetzt wird der Herrscher dieser Welt hinausgeworfen werden. 32 Und ich, wenn ich über die Erde erhöht bin, werde alle zu mir ziehen. 33 Das sagte er, um anzudeuten, auf welche Weise er sterben werde.“

Um die Bedeutsamkeit dieser Stunde zu erfassen, gilt es sie im Licht unserer Berufung in IHM zu betrachten. Spätestens in der „Stunde“, da uns der HERR heim ruft, manchmal auch in schweren Ereignissen, ist unser ganzes Leben wie auf einen Punkt zusammengefasst. An ihm wird offenbar, wie wir vor GOTT stehen, welches unser Name in IHM einmal sein wird für alle Ewigkeit. Wir erkennen, nicht nur, die Zeit kommt aus der Ewigkeit, sie wird notwendig wieder in sie zurückkehren. Doch welche die Stunde sein wird, selbst der MENSCHENSOHN sollte es erst erfahren, da sie da ist. 

In dieser Stunde stehen wir Angesicht zu Angesicht wie der HERR dem Bösen nicht nur in einem allgemeinen Sinne gegenüber, wir erkennen konkret die Geister, die uns zu Fall gebracht haben. Sie warten nur darauf, sich für ihre Arbeit an und für uns den Lohn zu holen. Der die Fäden in der Hand hält, führt das Wort. Er kommt über uns in dem Augenblick, da GOTT es ihm gewährt, um das persönliche Gericht als der Ankläger vor GOTT einzuleiten. Ähnliches hat JESUS am Ölberg erfahren. Nicht Sünden kann er ihm vorhalten, doch dass all Seine Anstrengung, die Menschen für GOTT zu gewinnen umsonst war.

Nicht zuerst auf die äußere Erfüllung der Gebote sind wir gefragt, (um uns zu rechtfertigen), sondern ob unser Leben eins mit unserer Berufung geworden ist, die wir erst jetzt im Licht GOTTES klarer erkennen. Nur Heilige werden hier bestehen, die das eine Notwendige gesucht haben: IHN, wie ER in ihnen leben und wirken wollte. Die Prüfung fasst die Vielzahl unserer Prüfungen im Leben zusammen: im Blick auf das Eine Notwendige: unsere Berufung im Mystischen Leib der Kirche. Haben wir IHM dort gedient, wo ER auf uns gewartet hat? Die meisten Sünden haben eine Wurzelsünde, die nicht selten die erste war, die wir trotz besserer Erkenntnis taten.

Auf sie sollte unsere Gewissenserforschung jeweils durchstoßen, um sie immer klarer ins Licht zu stellen. Was in Sein LICHT gestellt wird, wird Licht oder fällt ins Dunkel. Nur so bleiben wir im Bild und Gleichnis des Lebens CHRISTI, und dürfen uns in IHM erkennen. Dies wird in nicht wenigen Nahtoderlebnissen bestätigt: nicht selten ist da, was wir als Sünde angesehen haben, im Licht GÖTTLICHER Gerechtigkeit keine Sünde, anderes jedoch, was mit unserem Versagen in der eigenen Berufung zusammenhängt, das wir nicht gebeichtet haben, ist Teil der Wurzelsünde unseres Lebens.

Die in Garabandal versprochene Größte Gnade, die je der Menschheit geschenkt wurde, will in diesem Licht verstanden und gewürdigt werden. Es heißt dort, dass im Höhepunkt des geistigen Kampfes mit den Mächten des Bösen allen Menschen das Licht werde, sich im Augenblick ihres persönlichen Gerichtes zu erkennen. Die ganze Menschheit steht vor Gericht steht. Keiner weiß wann, doch es kann nicht mehr weit sein, die Welt ist schon heute vom Fürsten dieser Welt besetzt. Was wir tun können, ist uns täglich in der Gewissenserforschung diesem Gericht zu stellen. Wir könnten dies leicht schon an all den Anstrengungen des Feindes erkennen, uns den Glauben immer leichter zu machen, um ihn endlich ganz zu rauben.

Es dürfte nicht zuletzt dem nüchternen Beter, der die Augen offen hält, klar werden, wie wenig wir bis in die Kirche hinein dieser Prüfung ins Auge sehen, dass selbst diese Garabandalgnade ohne Wirkung an den Meisten vorbeigehen wird der dass sie vor Schrecken sterben. Im heftigsten Kampf ist kaum mehr Raum, auf die Stimme des Engels im Gewissen zu horchen. Er wüsste uns zu raten, da er besser um unser Versagen aber auch um unser Ringen weiß, wird er Alles versuchen, uns dem Feind im Augenblick der Verwirrung zu entreißen. Wenn wir Richtung „Gericht“ schauen, sei es auf das persönliche, dem Keiner entgeht, sei es auf das Schwert der Scheidung, das über der Menschheit steht, nur wenn wir bereit sind, uns bedingungslos GOTT auszuliefern, wird uns noch Rettung. Hier kann uns auch aufgehen, dass wir gefordert sind im Maße unseres Glaubens für unsere Bruder zu stehen, die noch im Dunklen tasten. Die Gnade der Sühne ist so groß, dass die Wenigen, die sich ihr ausgeliefert haben, noch Viele retten können!

Doch wir müssen unbeirrt auf die Passion JESU schauen, nicht nur die historische, sondern auf Seine in unserem Leben, in den Unsrigen, in unserer Umgebung. Erst dann kann uns das tiefere Anliegen der Sühne im HEILIGEN GEIST aufleuchten. Erst im Licht der Passion JESU erkennen wir gnadenhaft, dass uns durch die hl. Engel die Hilfe geschenkt ist, die wir heute brauchen. Wo die Ordnung der Kirche zerfällt, Wort und Sakramente ausgehöhlt sind, sind wir gerufen, dieses  End - Geheimnis tiefer zu erschließen, es in unserem Leben wirksam zu machen und so im HEILIGEN GEIST zur Vollendung von Schöpfung und Erlösung unseren Teil beizutragen.

Die hl. Engel stehen nicht irgendwo abseits im Himmel, sondern sie sind eingebaut in die drei Phasen von Schöpfung, Erlösung und Vollendung. Ohne ihre Hilfe können wir das Geheimnis der Menschwerdung des WORTES weder erkennen, noch persönlich mitwirkend erfahren,  und im Mystischen Leib der Kirche verwirklichen. Es beginnt hier in der Heilsgeschichte ein Neues, das zuerst erkannt, dann gelebt und mehr durch das Zeugnis als durch das Wort der Kirche als der Neue Weg im Erbarmen GOTTES aufleuchten muss. Im „ Siehe, ICH mache Alles neu!“ ist es uns von Anfang an dieser Weg in der Geheimen Offenbarung aufgezeigt. Doch bis auf den heutigen Tag ist dieses Buch selbst der Kirche verschlossen geblieben. GOTT muss erst die Sieben Siegel dieses Buches lösen.

ER hat dies verborgen vor der Welt getan, da ER einer demütigen Magd die Tür zu den hl. Engeln öffnete und sie auf dem Weg der Passion in dieser Reich eintreten ließ. Sie hat dafür in Sühne ihr Leben geopfert. Warten wir im dunklen Glaube, dass das Samenkorn, das er mit ihr in den Boden gelegt hat, aufgehe. Nicht Menschen sondern Engel – werk, doch in Einheit mit ihnen durch den HERRN! Dass Kirche und Menschheit heute in einer Prüfung stehen, die das Antlitz der Erde erneuern wird, ist in den begleitenden Zeichen der Zeit mehr auf der Seite der Sekten, der Dissidenten im Glauben aufgegangen, die weniger geschützt und deshalb dem Angriff des Feindes mehr ausgesetzt sind. Hier ließe sich eine ganze Vorgeschichte zum „Engelwerk“ schreiben. GOTTES Voraussicht will nicht, dass wir überrannt werden. Nicht das Wann ist notwendig zu wissen, es wird zu immer neuen Ausrede, sondern dass wir vorbereitet sind. Der Tod kann uns jeden Augenblick überraschen, nicht den wachen Christen, der jederzeit bereit sein muss abberufen zu werdcn. Das Bewusstsein: Wir sind nur Gast auf Erden“ gehört zu unserem Glauben.

Es können hier nur Blitzlichter gesetzt werden. Die Daten 1513, 1713, 1913 unterstreichen, dass die „Neuzeit“ nicht nur ein Ordnungsbegriff der Geschichtswissenschaft ist, sondern dass in der Wende vom Mittelalter zur Neuzeit tatsächlich Neues einbricht in die Geschichte der Menschheit. Über diesem Umbruch steht das Bild der „Sonnenumkleideten FRAU“, Offb 12.

Die synoptische Apokalypse gibt uns  konkretere Hinweise: über die „Kriege der Nationen“, sie haben inzwischen den Boden unserer Familien erreicht, die Wirrsal Babylons, die von dorther weiter wüstet, kann nur mit äußerer Gewalt nieder gehalten werden.  Zerrüttung auf allen Gebieten haben uns seit der Neuzeit heimgesucht, sie werden nüchtern von der anderen Seite geplant und durchgeführt, bis hin zu „kosmischer Strategie“. Die Schöpfung ist aus den Fugen, es braucht da nur berechnend ein Stoß. Der Mensch hat in der Führung des Rebellen,  das Ruder in der Hand bis hin zu den endzeitlichen Wirren und den kosmischen Zeichen, die das Zweite Kommen des HERRN begleiten.[5] Wer weiß, dass die Sünde des Menschen die letzte Ursache ist?

Unter den vielen, diesen Umbruch deutenden Zeichen, sei nach Guadalupe 1531 in Mexiko, besonders Fatima erwähnt. Das Dogma der Himmelfahrt MARIENS einerseits und die Aufmerksamkeit der letzten Päpste auf Fatima sind Hinweis, dass die Kirche der Sendung MARIENS als Wegbereiterin  (wie einst Johannes der Täufer) entgegen zu kommen versucht. Wir sind in einen geistigen Kampf gestellt, dessen Bedeutung wir verfehlen, wenn wir im Nebel der Verwirrung übersehen, dass der Feind sehr wohl erkannt hat, dass seine letzte Stunde angebrochen ist und Alles daran setzt auf dem Boden eines billigen Humanismus, die Menschheit vom Weg des Heiles abzubringen.

Die endzeitliche Sendung der hl. Engel, wie sie Frau Gabriele Bitterlich mitgeteilt wurde, ist die Hilfe im geistigen Kampf dieser Tage. Wohlstand unter dem Weißen wie dem Roten Stern sind Kulissen, um den Menschen zu täuschen, was sich dahinter verbirgt. Da die Führung auf Weltebene in der Hand des Feindes liegt, braucht es die Entscheidung jedes bewussten Christen. Hier schenkt die Bindung an den heiligen Schutzengel neue, außerordentliche Kraft. Der HERR hat es beispielhaft am Ölberg durch den Kelch erfahren, den ihm der hl. Engel reichte, um IHN in seiner letzten Einsamkeit, wie wir sie heute erleben, zu stützen. Nicht das New Age hat den Schlüssel zu den Engeln in der Hand, sondern der Glaubende. Das wahre Erkennen, das dem Menschen nicht zuerst durch das Licht des Geistes, sondern im Herz geschenkt wird, weist auf die MITTE, aus der uns diese Hilfe zukommt: es ist das HERZ JESU und der Mutter. Dies ist der Neue und doch alte Weg, auf den uns GOTTES Erbarmen aus Babylon heraus führt. 

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„Sühneseelen, Opferseelen“

Sie ziehen wie ein goldener Faden durch die ganze Heilsgeschichte, beginnend bei Abraham mit den „Anawim = den Armen Israels“, die doch den größten Schatz des Menschen: den Begriff GOTTES, durchgetragen haben bis hin auf St. Anna, die Mutter MARIENS. In den Frauen und Johannes unter dem Kreuz, verborgen schon in der Familie des Lazarus in Bethanien, wird dieser Faden in den Heiligen der Kirche aufgenommen und durchgetragen bis auf unsere Tage, wo sein Gold das Dunkel der Prüfung, in der wir stehen, durchbricht. Sie stehen mit Paulus unter dem Wort, das damals nur im Blick auf CHRISTUS zu verstehen war. Im zweiten Korintherbrief lässt uns Paulus etwas von diesen Leiden erkennen, die er übernehmen durfte, um die Kirche aufzubauen: Col 1,24 „Jetzt freue ich mich in den Leiden, die ich für euch ertrage. Für den Leib Christi, die Kirche, ergänze ich in meinem irdischen Leben das, was an den Leiden Christi noch fehlt.“

Der Mensch läuft wie instinktiv weg von jedem Leid. Der Auftrag Jahwehs in der Genesis: der Mensch solle sich die Erde unterwerfen, hat keinen Bezug mehr zu GOTT. Was tieferes Betrachten und Umkehr verlangt, wird geflissentlich übersehen. Dass der Mensch arbeiten müsse, liegt auf der Hand, hier weiß der Mensch noch etwas vom verlorenen Paradies, doch auch er meint vermessen, es sich nach eigenen Maßen und durch eigene Anstrengung aufbauen zu können. Von allem Streben nach oben zu GOTT ist übrig geblieben der Ehrgeiz, sich durchzusetzen, es dem Anderen zuvor zu tun, es besser zu wissen. Dieses Gift liegt schon im schillernden Wort der Schlange:  Gen 3,5 „Gott weiß vielmehr: Sobald ihr davon esst, gehen euch die Augen auf; ihr werdet wie Gott sein und erkennen Gut und Böse“.

Der Mensch muss über sich hinaus, doch im Maß seines Geschöpfseins, das der Böse leugnet und bewusst übersieht: er will sich selbst Schöpfer sein. Auch diese Verführung des Schöpferischen müssen wir mit einschließen, wenn wir verstehen wollen, warum auch Arbeit eine Versuchung sein kann, wenn sie Richtung und Maß verloren hat. Der Mensch braucht die Arbeit, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen und die Gemeinschaft mit aufzubauen. Wo ihm diese natürliche Gnade im Alter immer mehr genommen wird, muss er einen Ersatz finden. Alternd kommt er vielleicht dazu zu erkennen, dass ihm auch hier eine Aufgabe gestellt ist, die seine letzten Kräfte fordert….. nach Innen!

Selbst im religiösen Raum wird dies kaum mehr erkannt, so sehr sind wir in die Bewegung nach Außen hinein gerissen. Arbeit an sich selbst setzt voraus, dass wir den unmittelbaren Raum, den wir uns in Familie, Arbeit, Vergnügen geschaffen haben, nach Oben überschreiten.  Weil selbst das „Oben“ in der Religion noch als ein Außen gedeutet wird, ist hier eine weiteres Hindernis zu überwinden. Erst wenn der Mensch sein Innen entdeckt, öffnet sich hier eine Türe. Der Feind, der einen Stunde früher aufsteht, hat sie inzwischen schon geschlossen. Soziale Hilfe nach Außen, Gnosis nach Innen ersetzen den verlorenen Himmel.

Überall wartet der Feind an der Grenze, die er selbst am Anfang leichtfertig überschritten hat. Der blinde Drang nach Freiheit hat die in Weisheit gesetzten Grenzen, die Generationen aufgebaut haben, nieder gerissen. Verloren sucht der Mensch nach Halt und Sicherung. Wo er sie nicht mehr finden kann, fällt er in der Schwerkraft der Sünde dem Feind entgegen, der  darauf wartet, ihn aufzufangen. Auch dort ist etwas vom Licht, etwas von der „Gemeinschaft“, die wir suchen, seit wir den Mutterleib verlassen haben, doch es ist ein unruhiges, schillerndes Licht, die Geborgenheit, wie wir heute verstehen, ist ein Netz, das wir nicht mehr zerreißen können. War früher noch, getragen von einer mehr christlichen Lebensordnung die Moral ein Halt, der wenigstens nach Außen gewahrt wurde, sobald die Jugend rücksichtslos diesen Schleier herunterriss in ihrer Suche nach Freiheit, musste diese Täuschung fallen. In dieses Loch ist bald auch die Beichte gefallen, soweit sie sich nur an einer äußeren Ordnung ausgerichtet hatte.

Wo GOTT als Anker fällt, ist das Lebensschiff des Menschen ohne Steuer. Alle Ordnung menschlichen Lebens, die nicht auf IHN bezogen ist, fällt, wie es mitleidlos jeder Mensch in der Stunde seines Todes erfahren muss. Nicht selten haben Heiden dafür ein besseres Gespür als wir, die wir die uns im Glauben vorgegebene Ordnung nach unserem Bedürfen umändern, auch wenn sie dann ihren Inhalt verliert. Der Abbau der Ethik hat unseren Moraltheologen nicht wenig zu schaffen gegeben. Das „Gesetz CHRISTI“ stellt mit Häring den Anruf CHRISTI an jeden Einzelnen Christen über eine bis ins Einzelne gehende Moralverpflichtung, wie sie zum Beispiel in der Moraltheologie von Nolding (die jahrzehntelang neu aufgelegt wurde) die Ordnung christlichen Lebens bestimmte[6]. Häring steht am Anfang aller oft gewagten Versuche, die christliche Moral unserer Zeit anzupassen.

Die Antwort der MUTTER ist nüchterner und geht auf den Kern: christliche Lebensordnung setzt die Begegnung mit dem HERRN voraus. Wo sie nur von der Tradition getragen war, muss sie im Ansturm des Bösen zerfallen. Moral, äußerlich verstanden, wird zur Selbstrechtfertigung. Wir müssen uns auf den nüchternen Boden: Erfüllung des Willens GOTTES stellen. Hier wird der hl. Engel zur unentbehrlichen Hilfe, wenn wir uns auf ihn einstellen. Die Feineinstellung der Elektronik könnte uns hier Bild und Gleichnis werden. Von Außen weist uns der hl. Engel durch Zeichen, von Innen über die Stimme unseres Gewissens. Wie müssen hier nur bei ihm in die Schule gehen. Immer schaut der Schutzengel auf GOTT allein und damit auf die Ordnung GOTTES, auf die er sich in der Prüfung am Anfang entschieden hat. Zugleich aber ist er verpflichtet, den Willen GOTTES seinem Schützling kundzutun, ihm nahe zu bringen, ohne seine persönliche Freiheit anzugreifen.

Im Umbruch aller Werte ist die Kirche in der Gefahr um der Ordnung willen, äußere Ordnung mehr zu bewerten als die Freiheit des Gewissens. Wo sich Parteiungen durchzusetzen versuchen, wird diese verständliche Sorge,  je nach Ausrichtung  zur eigenen Rechtfertigung benützt nach dem bleibenden „Vorbild von Pharisäern und Sadduzäern“. Die Gesetzestreuen versuchen sie in Richtung Tradition zu verengen, die Sadduzäer sie in ihrer Forderung nach Anpassung zu lockern. Wieder gibt hier Paulus in der Befreiung von allem äußeren Gesetz, die er erfahren durfte, die Richtung, die wir nicht verlieren dürfen: die Liebe des HERRN. In allem Streit und aller Spaltung, die die Kirche mehr schwächen als der Angriff von Außen, muss notwendig fallen, was nicht in GOTT verankert ist. Wir sind in der Mitte dieser Reinigung, wo der Feind morgen über uns auch von Außen her fällt, um die Spreu vom Weizen zu trennen. Wie sehr könnten wir mit offeneren Augen erkennen, dass hier die hl. Engel am Werke sind!

Die brutale Gewalt des letzten Weltkrieges, die moralische Verwüstung durch den Wohlstand haben den Weg für den Feind bis in die Mitte des einst christlichen Kontinentes Europa bereitet. Bis in den Boden hinein sind heilige Ordnungen geschliffen, nicht nur in den materialen Mahnmalen, unseren Kirchen und Klöster, viel mehr noch im Menschen selbst. Er ist haltlos und Beute des Zufalls geworden, der vom Feinde klug gesteuert wird. Der Griff nach dem Kismet der Moslems, zeigt, dass die Steinwüste des Mondes, von der wir jetzt besser wissen, Bild der Wüste unseres Lebens geworden ist.

Wo die Anbetung dieses kalten GOTTES im Feuer der Reinigung zu Asche wird, kann morgen die Anbetung des Lebendigen GOTTES mit und durch den Engel aus den Herzen der Getreuen aufsteigen, die in der Gnade GOTTES diese Prüfung bestanden haben. Sie dürfte in ihrer Gewalt nicht hinter der der Engel am Anfang stehen. Die Auswirkungen des Himmelssturzes im Anfang auf diese Erde sind für klarsichtige Augen noch  heute spurenhaft  zu erkennen. Sie werden in der Gewalt des geistigen Kampfes noch einmal das Angesicht der Erde erneuern, nicht nur im Menschen.

Wo die Erde von Innen auf sich reckt und aufbricht, kann der Mensch der im Wahnwitz der Technik auf sie seine Hände gelegt hat, sich nur noch in Sein Innen zurückziehen. Der Feind weiß besser als wir um diese letzte Türe, darum hat er in Voraussicht auch hier die Pole vertauscht. Die Hekatombe nicht weniger junger Menschen auf Wegen des Yoga sollte uns daran erinnern. Das Heil kommt von Osten, aber nicht von dem, der sich auf Kain zurückführt. Nur ein Häutchen dazwischen! Das einfache Wort des hl. Augustinus: DEUS intimior intimo meo = GOTT ist das Innerste vom Inneren des Menschen“ weist uns die Richtung. Weil wir ausgebrannt sind, wird der entstandene Leerraum wie von selbst in anderer Weise gefüllt. Das Feuer, das von Außen über uns kommen wird, wird dies zu Tage bringen!

GOTT hat von weither Wege des Heiles bereitet hat, auch wenn sie über Jahrhunderte schon in Vergessen geraten sind. Gnadenvoll hat die Theologie des hl. Thomas die heilige Ordnung Europas mit aufgebaut. Doch schon ein hl. Franziskus und in seiner Nachfolge der hl. Bonaventura durften weiter sehen. Was hier aufgebaut wurde, hat der Feind mit Ende des Mittelalters an sich gerissen, nur an den Mystischen Weg der Franziskaner, die schon damals ahnten, was mit der Alten Welt geschehen wird, konnte er nicht heran. Der Aufbruch in die Neue Welt hinter dem mehr war als „Eroberung“ von Abenteurern, war dafür ein äußeres Zeichen, wie es die Missionen der Franziskaner an der Westküste bis hinauf nach Kanada noch heute weisen. Sie schauten schon damals auf das Reich GOTTES, das eine Neue Welt aufbauen wird, ja sie ahnten wohl sogar, dass dies durch die MUTTER GOTTES geschehen müsste. Die Erscheinung ULF von Guadalupe in Mexiko sollte sie darin nicht wenig bestärken. Doch GOTTES nüchterne Weisheit lässt erst den alten Weg auslaufen!

Der Weg des Menschen nach Innen ist nicht in östlicher Verzerrung ein Weg tiefer hinein in das eigene Ich und seine Pläne, sondern der Weg in die Freiheit der Kinder GOTTES. Das hat  uns der hl. Franz vorgelebt. Dass ihm die eigenen Jünger nicht folgen konnten, sondern sich in Auseinandersetzung dritt - teilten, zeigt wie weit er in der Gnade schauen durfte, bis hin zum Seraphischen Orden, der nur in Einheit mit den hl. Engeln wirklich werden kann …., wenn das Herz des Menschen wie das des Poverello durchbohrt ist von der Liebe GOTTES. Dann ist Innen und Außen ein Neues. Dorthin will uns der Erbarmende Wille GOTTES bringen, dass die Herrlichkeit der Neuen Jerusalem schon hier auf Erden offenbar werde.

In der Auferstehung JESU sind durch die hl. Engel diese Endzeitgeheimnisse wie im Hauch zu erahnen. Je mehr wir sie mit den hl. Engeln betrachten, um so mehr werden sie in uns, die wir schon hier Neues Jerusalem werden sollen, wirklich werden. Doch vergessen wir in der nüchternen Liebe GOTTES nicht, dass der Weg zur Auferstehung über Golgotha geht, für jeden Einzelnen, die Kirche und die ganze Menschheit. An der Hand des hl. Engels müssen wir lernen durchzuschauen durch den Leidenden CHRISTUS und Seine Sendung vom VATER. Wir stoßen hier auf ein dreifaltiges Geheimnis. Wo der Mensch heute, verführt durch den Bösen, immer mehr nach Außen drängt, muss GOTTES unerforschliche Weisheit die Kraft der Sühne in Seinen Getreuen anheben, um das äußere wie innere Gleichgewicht von Mensch, Engel und Kosmos, in der Kraft Seines Kostbaren Blutes zu stärken.

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Priester im Auftrag der Sühne

Von Amt her ist die Gnade der Sühne zuerst den Priestern der Kirche aufgetragen. Sie sollen nicht nur nach Außen die heilige Messe lesen, sie soll in ihrem Leben wirklich werden. Dafür hat ER uns gerade in dieser Zeit, da das Priestertum seine innere Kraft verloren hat und abzusterben droht, den heiligen Pater Pio von Petrelcina geschenkt und seine Heiligsprechung durchgesetzt. Nicht die Ordnung, die die Kirche in der Christenheit der Welt geschenkt hat, wird uns mehr retten, nicht mehr das Wort GOTTES, das schales Salz geworden ist, sondern die Wunderkraft der Sühne, die in nicht wenigen Sühneseelen aufgelodert ist. Ohne diesen heiligen, verborgenen Quell, wäre unsere Welt schon heute eine Wüste.

Diese Sühnekraft ist wunderbar schon im verborgenen Leben der hl. Familie da, sie tritt in der Familie des Lazarus schon vor Golgotha in das Licht der Erlösung, sie lebt von Golgotha weg weiter in den Kleinen und Verachteten, den „Helden des Alltags“ die all das, was sie kaum tragen können, hineinwerfen in den Feuerofen der Passion des HERRN. Hier wird der Boden für das Wort, das der HERR in Seiner Verkündigung hinaustragen wird, bereitet, hier brechen wie kostbare Rosen die Wunder JESU auf, die Seinen Leidensweg begleiten. Wo immer sie nicht nur den Leib des Menschen wandeln, sondern den Weg nach Innen aufbrechen, sind sie mit der Schmerzhaften Mutter GOTTES verborgene Quellen Neuen Lebens, die in der Kirche aufbrechen.

Die Sühneseelen öffnen nicht selten in ihrer Hingabe auch eine ganz Neue Sicht auf das verborgene Leben JESU, das in den Evangelien ja nur wie in wenigen Strichen angedeutet ist. Dafür stehen nicht wenige oft ganz Unbekannte, zuerst die Mystiker des Mittelalters, besonders gerufene Seelen, denen GOTT etwas mitteilt von dem unsagbaren Schatz des Lebens JESU, wie es im Herzen MARIA nur darauf wartet, den Getreuen offenbar zu werden. Wie viel mehr wir nur durch MARIA über die Geheimnisse des Glaubens, die uns jetzt noch verschlossen oder versiegelt sind, erfahren werden, ist uns prophetisch vorausgesagt. Auch dafür steht die Geheime Offenbarung als Kronzeuge von der Kirche selbst als letztes Buch dem Neuen Testament eingefügt. Wie sehr schon sie aus dem Schatz MARIENS schöpft, mag uns in der engen Verbindung des hl. Johannes mit MARIA in Ephesus ahnend nahe kommen, auch wenn die eigentliche Offenbarung in Patmos direkt aus der Hand GOTTES kommt.

Wo die Kirche gegen den Ansturm der Hölle durch die hl. Engel versiegelt wird, werden sich die Getreuen um diese verborgenen Quelle sammeln. In aller Bedrängnis und Verfolgung wird hier in der Liebe GOTTES ein neues Leben aufblühen, das schon jetzt die GOTTESstadt auf Erden bringt, auch wenn ihr Glanz in äußerer Armut vor der Welt verborgen bleibt. In ihnen bereitet MARIA durch ihre Getreuen die Wiederkunft des Richters der Lebenden und der Toten, der am Ende die Kirche im Triumph heimführen wird. Die Kraft, die in ihnen wirkt, ist keine Andere als die der Auferstehung CHRISTI, die im Maße die Kirche nach Außen arm wird, in ihrer Fülle offenbar werden soll. Diesem Geheimnis wollen wir in dieser Arbeit in besonderer Weise nachspüren. 

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SÜHNE UND AUFERSTEHUNG

Im Leben der Sühneseelen

Wir müssten hier zuerst das Leben der meist verborgen gebliebenen Sühneseelen in der Kirchengeschichte nachgehen. Weil Sühne vom ihrem Wesen her verborgen ist, sich selbst auslöscht, wo sie bewusst ans Tageslicht tritt, darum kann sie auch nur dort erkannt werden, wo der Suchende an sich selbst diese Gnade erfahren haben muss. Nicht zufällig war es im Verfall der deutschen Romantik ein Dichter, Clemens Brentano, der aus allen Träumen dieser letzten großen literarischen Bewegung in anderer Weise als Eichendorf festen Boden unter den Füßen fand. Es braucht ein Gespür für dieses geheime, liebende Wirken GOTTES, um ihm nahe zu kommen, das mit wenigen Ausnahmen der mehr intellektuellen Theologie abgeht.

Zeugen dafür, dass Theologie und Mystik nicht unvereinbar sind, sind nicht nur der hl. Bonaventura und andere mystisch inspirierte Kirchenlehrer….. bis auf die Kleine Therese…., dafür steht nicht zuletzt, Schüler von Romano Guardini unser hl. Vater Benedikt XVII. So sehr die Welt draußen ihren Anspruch auf den Menschen durchsetzt, um so stärker muss in der Kirche das Soli DEO, für das schon die Kirchenväter stehen, nach vorne drängen, damit der Glaube sie nicht im Fortschritt der Technik und Wissenschaften verstricke. Gerade heute, wo nicht Wenige in der Kirche durch eine sezierende Exegese den Glauben an die lebendige Kraft der Schrift in ihrem Lebensnerv abgeschnitten haben, haben nicht Wenige über die wunderbaren Lebensberichte JESU einer Katharina Emmerich, einer Valtorta u.a.m aus dem Unglauben heraus einen Weg ins Licht JESU gefunden.

Nicht nur die hl. Engel drängen im Kampf nach vorne, der HERR ruft auch die Heiligen in die geistliche Schlacht unserer Tage, besonders die Märtyrer unserer Tage, die ihr Leben für den Glauben hingegeben haben. Zeugnis dafür ist das 20. Kapitel der Geheimen Offenbarung über das Tausendjährige Reich. Die nicht wenigen Heilig- und Seligsprechungen unserer Tage wollen nicht zuletzt in diesem Licht gesehen werden. Da das Wort durch die Medien dem Feind weitgehend Beute oder gar gelöscht wurde, muss um so mehr das lebendige Zeugnis hell aufscheinen. Wort, das Fleisch geworden, ist nicht so leicht zu entstellen, wie der ohnmächtig ausgelieferte Buchstabe der Schrift, den der Feind zu manipulieren, ja zu fälschen nicht müde wird.

Wenn die Welt in all dem erschreckenden moralischen Verfall, in dem wahrlich die Hölle triumphiert noch nicht mit schwereren Strafen geschlagen wurde, wie wir sie jetzt laufend erfahren, dann verdanken wir es wesentlich den Sühneseelen, die sich bedingungslos ins Feuer des Opfers CHRISTI hinein werfen, um das Gericht noch aufzuhalten oder zu mildern. Hierzu gehören nicht nur die Seelen, die spätestens nach ihrem Tode vom frommen Gespür des einfachen Volkes erkannt und „selig gesprochen werden“, sondern auch die zahllosen einfachen Seelen, die Lastträger, die Tag für Tag opfernd die Kreuze auf sich nehmen, die von den Kindern der Welt nicht achtend weggeworfen werden. Hier ist ein Kapital der Kirche, wieder im Herzen MARIAE gesammelt, das das Gleichgewicht der Welt noch wie im letzten Augenblick rettet.

Hier ist es, wo die hl. Engel, uns in der Ölbergstunde der Kirche zur Hilfe gesandt, einsteigen, und auch diesen in den Augen der Welt und meist auch der Kirche vergessenen und verkannten Seelen zur Hilfe kommen. Wie sehr wäre dies eine Aufgabe der Priester. Wie sehr konnten sie in der Geschichte hier Hilfe leisten: denken wir nur an Maria Margaretha Alacoque u.a.m, die in aller Anfechtung auch durch die Kirche durchgehalten haben, weil da ein Priester für sie eingestanden ist. Liegt hier nicht eine der vornehmsten Aufgabe der Priester? Kommen wir hier nicht, die wir  uns so leicht in Amtsgeschäften verlieren, dem lebendig schlagenden Herz des HERRN näher, das uns fremd geworden ist?

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Herz JESU, QUELLE ALLEN NEUEN LEBENS

Das Kreuz mit dem durchbohrten Herz JESU und der Lanze ist das eindringlichste Zeichen für das Geheimnis der Sühne. Es steht auf dem Hügel Tepeyac, Ort der Erscheinung ULF von Guadalupe in Mexiko. So erinnert es uns in gleichem Atem an das Dornengekrönte Herz ULF, einzig würdige Antwort auf die Liebesglut des Herzens JESU. Das Geheimnis der Beiden  Herzen allein bringt uns näher, was es um die Sühne JESU auf Golgotha ist. Aus dem Herzen JESU, so erinnert uns die Präfation des Herz JESU Festes, kommen die Sakramente der Kirche, die sie nähren auf dem Pilgerweg durch diese Zeit hinauf zum Himmlischen Jerusalem.

 Aus diesem Bild allein kann uns klar werden, dass alle Sühne auf die EINE SÜHNE JESU CHRISTI, unseres HEILANDES zurückgeht. Nur ER als GOTTESSOHN konnte  unsere Sünden tilgen durch sein vergossenes Blut, das zuerst MARIA, die Schmerzensmutter unter dem Kreuz aufgefangen hat, doch nicht erst dort. Eines der eindringlichsten Bilder des Filmes „Passion“ ist, wie die MUTTER schon nach der furchtbaren Geißelung das Blut JESU aufwischt. Kein Blutstropfen ist verloren gegangen, die hl. Engel haben ihr geholfen, es zu bergen. In der Hingabe an Sein Kostbares Blut liegt das Geheimnis der Gnadenvermittlung MARIENS. Hier mag uns aufgehen, in welch’ inniger Beziehung über Schmerzensmutter die hl. Engel stehen, ja, dass wir in der Bedrängnis dieser Zeit nach ihrer Hilfe rufen müssen. Im Blute JESU allein kann die dreifache Schöpfung Materie, Mensch, Engel gegen alle Übermacht der Spaltung des Feindes eins werden zur Verherrlichung des DREIEINIGEN GOTTES.

Erinnern wir uns daran: nicht nur Sein Blut hat der HERR vergossen. Als der Soldat Seine Seite durchbohrte, kam aus ihr Blut und Wasser heraus, und unsichtbar schon die Gnadenfülle des HL.GEISTES. : „Dieser ist es, der durch Wasser und Blut gekommen ist: Jesus Christus. Er ist nicht nur im Wasser gekommen, sondern im Wasser und im Blut. Und der Geist ist es, der Zeugnis ablegt; denn der Geist ist die Wahrheit. Drei sind es, die Zeugnis ablegen: der Geist, das Wasser und das Blut; und diese drei sind eins.“ (1 Jo 5,6ff) Diese Drei sind das Zeugnis GOTTES, des DREIEINEN für unsere Erlösung. Nur in diesem Zeugnis kann der Mensch, der sich durch die Sünde von GOTT abgeschnitten hat, neu werden  und einmal eingehen in die Herrlichkeit des Himmels.

Dies ist nicht nur einmal, und damit für alle Male, auf Golgotha geschehen. In jeder hl. Messe, besonders im der Wandlung, wird dieses Geheimnis gegenwärtig gesetzt. Doch noch immer ist es ein Geheimnis vor uns. Es will aber durch die hl. Kommunion in uns eingehen, dass wir endlich mit dem hl. Paulus sagen dürfen: „Ich aber bin durch das Gesetz dem Gesetz gestorben, damit ich für Gott lebe. Ich bin mit Christus gekreuzigt worden; nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir. Soweit ich aber jetzt noch in dieser Welt lebe, lebe ich im Glauben an den Sohn Gottes, der mich geliebt und sich für mich hingegeben hat“. (Gal 2,19f).

Zur Sühne gerufen zu sein ist ein Geheimnis der Auserwählung GOTTES. Niemand kann es sich nehmen. Und doch könnte die Kirche nicht leben wenn der Gnadenquelle der Sühne sie nicht immer neu von ihren Sünden reinwaschen würde. Genau dies geschieht durch das Sühneleiden JESU dort, wo es in großmütigen Seelen aufgenommen wird.

Nicht die dreißig Jahre des verborgenen Lebens JESU, nicht die drei Jahre der Verkündigung, sondern die 21 Stunden Seiner Passion am Kreuz haben uns erlöst. Zeugnis dafür geben nicht wenige Sühneseelen wie die sel. K. Emmerich, die Resl von Konnersreuth, der hl. P.Pio und viele andere Verborgene, um die GOTT allein weiß. In ihrem bitteren Leiden, ist das Erlöserleiden, das in der hl. Messe in Bild und Zeichen gegenwärtig wird, Fleisch geworden.

In einer Zeit wie der unseren, in der das Wort keine Kraft mehr hat – die Medien haben es zusammen mit dem Bild geraubt – in der die Sakramente nur noch unverstandene Zeichen sind, die nach Belieben gedeutet werden, sammelt GOTTES Barmherzigkeit im mystischen Leiden solcher Seelen, die ganze Kraft Seiner Erlösung zur Rettung der Welt. In der hl. Kommunion klopft der HERR heute an jedes treue Herz: willst du mir helfen, Seelen zu retten?

Sühne ist TORHEIT DES KREUZES.

„Denn da die Welt angesichts der Weisheit Gottes auf dem Weg ihrer Weisheit Gott nicht erkannte, beschloss Gott, alle, die glauben, durch die Torheit der Verkündigung zu retten. Die Juden fordern Zeichen, die Griechen suchen Weisheit. Wir dagegen verkündigen Christus als den Gekreuzigten: für Juden ein empörendes Ärgernis, für Heiden eine Torheit, für die Berufenen aber, Juden wie Griechen, Christus, Gottes Kraft und Gottes Weisheit. Denn das Törichte an Gott ist weiser als die Menschen, und das Schwache an Gott ist stärker als die Menschen. 1 Kor 1, 21. Ist es nicht auch ein Geheimnis der Torheit des Kreuzes, dass in Tirol, dem hl. Herzen JESU geweiht, GOTT eine Seele gerufen hat, durch ihre Sühne für die Priester den hl. Engeln einen Weg hinein in die Kirche zu bereiten?

„Amen, amen, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es reiche Frucht. Wer an seinem Leben hängt, verliert es; wer aber sein Leben in dieser Welt gering achtet, wird es bewahren bis ins ewige Leben. Wenn einer mir dienen will, folge er mir nach; und wo ich bin, dort wird auch mein Diener sein.“(Jo 12,24ff)

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Eine  „Neue Gnade“?

Woher? Es ist die „Gnade JESU CHRISTI““, die über uns ausgegossen ist, nicht nur als ER in letzter Hingabe an den Willen des VATERS und um die Rettung der Seelen den Thron des Kreuzes bestieg. Sie begann schon in der Empfängnis und nährt und tränkt in „Wasser, Blut und GEIST“ Seinen Mystischen Leib, die Kirche, bis ER sich ganz in ihr erkennt und sie heimführt zum VATER.  „Neu ist nur, dass wir in der über die Kirche verhängten Reinigung in diese Gnade hineinwachsen müssen als letzten Rettungsanker.

Auch wenn manchmal die Gnade außen ansetzt, immer sucht sie zuerst das Herz des Menschen, um es zu wandeln. Die Wandlung beginnt im Innen des Menschen, der langsam zu verstehen beginnt, dass GOTT nicht zuerst über und um uns ist. ER muss wohl Innen zu finden sein, wenn ER sich uns in der Hlst. Eucharistie als BROT schenkt, das wir in uns aufnehmen, verdauen, das Fleisch wird von unserem Fleisch. So einfach sind die Wege GOTTES. Ist es so schwer anzunehmen, dass JESUS dieser wunderbare Gedanke: „Brot“ wohl von Seiner MUTTER vermittelt wurde, da ER in nüchterner Erkenntnis Seines Weges unter den Menschen sich fragen musste: wie kann ich bei ihnen bleiben, wenn sie MICH am Kreuz erschlagen haben? Wir sollten einmal diesem Gedanken nachsinnen. ER ist das LEBEN, dafür steht das BROT, das ER uns hinterlässt. Brauchen wir es nicht auch für unser natürliches Leben, Tag für Tag, meist als Erstes, auch ohne Zutaten, die uns verdecken, wie köstlich doch einfaches Brot ist?

Warum begegnen wir dem Kreuz auf allen unseren Weg, nicht zuletzt, wenn wir in uns hinein schauen, in unseren Leib, in unsere Seele? Warum fliehen wir hinein in all die Erfindungen menschlicher Ausflucht, um ihm zu entgehen? Warum wollen wir so unbedingt für immer auf Erden bleiben auch als toter Staub, der Erde anheim gegeben? Unbehauster Mensch dieser Zeit, suchst Du nicht, wohin immer Du Dich wendest, so etwas wie Heimat, selbst im Dunkel, in das DU Dich verirrt hast?

GOTTES Erbarmen reicht Dir in diesem Kreuz, das Du verstößt, verlachst, verhöhnst, die Medizin, die Du brauchst, zuerst um Dich zu heilen, dann um Dich aufzubauen, um Dir eine Heimat zu schaffen. Im Anfang ist sie bitter, sehr bitter. Du wirst immer wieder versucht sein, sie wegzustoßen, sie auszuschütten. Dein guter hl. Engel wartet. Es geht Dir immer schlechter. Vielleicht solltest Du es doch einmal mit dem Kreuz versuchen? Mit Deinem Kreuz, so ganz verschieden vom Kreuz jedes Anderen. ER hat es von Ewigkeit her für Dich ausgedacht und ausgewählt. Es ist voll der Weisheit und Vorsehung. Schaue es einmal an. Es kommt Dir schon zu von Deinen Eltern und Vorfahren, es ringt Dich ein in der Umgebung, in der Du lebst, es ist in Dir durch Deine guten und schlechten Anlagen. Schaue zuerst auf die guten. Dort packe zu in der Kraft des Kreuzes, und es wird ein Neues, ein Abenteuer beginnt, das Alles, was Du bisher erkannt hast, in den Schatten stellt.

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Bitternis

Die Stelle in der GO, auf die wir uns hier zuerst beziehen, findet sich bei der dritten Posaune. Die Posaunen in der GO sind letzte Weckrufe des Erbarmens GOTTES, dass der Mensch von seinen verdorbenen Wegen zurückkehre und zu GOTT aufschaue.

Offb 9, 10 „Der dritte Engel blies seine Posaune. Da fiel ein großer Stern vom Himmel; er loderte wie eine Fackel und fiel auf ein Drittel der Flüsse und auf die Quellen. 11 Der Name des Sterns ist «Wermut». Ein Drittel des Wassers wurde bitter, und viele Menschen starben durch das Wasser, weil es bitter geworden war“.

Was bedeutet „bitter“ in der Schrift?

Bevor wir auf diese erste Stelle eingehen, sei dem Begriff „bitter“ in der Bibel mehr Aufmerksamkeit gewidmet. Er ist nicht nur der Geheimen Offenbarung eigen.

Die Bitterwasser von Mara Ex 15,22

Er kommt zuerst vor in den Bitterwassern von Mara. Es ist die erste Prüfung auf Glauben und Gehorsam der von Ägypten aufbrechenden Israeliten. GOTT hat sie sicher durch das Rote Meer geführt, die verfolgenden Ägypter sind in den zurück flutenden Wassern untergegangen. Doch dann finden sie kein Wasser und murren gegen GOTT. Wie schnell vergisst der Mensch, was GOTTES Erbarmen an ihm getan hat, wenn ihm Not widerfährt. 

Ex 15, 22: Mose ließ Israel vom Schilfmeer aufbrechen, und sie zogen zur Wüste Schur weiter. Drei Tage waren sie in der Wüste unterwegs und fanden kein Wasser.

 23 Als sie nach Mara kamen, konnten sie das Wasser von Mara nicht trinken, weil es bitter war. Deshalb nannte man es Mara (Bitterbrunnen). 24 Da murrte das Volk gegen Mose und sagte: Was sollen wir trinken? 25 Er schrie zum Herrn, und der Herr zeigte ihm ein Stück Holz. Als er es ins Wasser warf, wurde das Wasser süß. Dort gab Gott dem Volk Gesetz und Rechtsentscheidungen, und dort stellte er es auf die Probe. 26 Er sagte: Wenn du auf die Stimme des Herrn, deines Gottes, hörst und tust, was in seinen Augen gut ist, wenn du seinen Geboten gehorchst und auf alle seine Gesetze achtest, werde ich dir keine der Krankheiten schicken, die ich den Ägyptern geschickt habe. Denn ich bin der Herr, dein Arzt.  27 Dann kamen sie nach Elim. Dort gab es zwölf Quellen und siebzig Palmen; dort am Wasser schlugen sie ihr Lager auf.

Moses tritt vor GOTT ein für das Volk. Achten wir darauf, dass Jahweh sich hier selbst „Arzt“ nennt. Es geht ihm auch heute um unsere Heilung. Das Murren ist ein böses Krankheitssymbol, inzwischen ist es zur geballten Faust gegen GOTT geworden, wo immer GOTT eine Prüfung setzt, die der Mensch nicht versteht. Da ER nicht hilft, stellt der Mensch selbst sich auf seine Füße und nimmt sein Schicksal in die Hand, wenig bewusst, dass er damit noch tiefer in sein Unheil stürzt. Das Heilmittel das der „Arzt“ augenblicklich schenkt ist ein Stück Holz. Und das Wasser wird süß! Müssen wir nicht sofort an die Heilkraft des Kreuzes denken, das durch Sein Erlöserleiden und – sterben die Medizin der an der Sünde kranken Menschheit wurde. Der Name „Elim“, wohin sie aufbrechen, weist weiter. Er bedeutet Bindung, so wie sich GOTT durch die Sünde an das Holz des Kreuzes binden ließ. Damit wird voraus weisend auf die Stelle in der GO deutlich: das „Bittere“ des Wermut wird heilen, wenn wir es im Zeichen des Kreuzes annehmen.

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Die bittere Täuschung des „Süßen Lebens

Die zweite Stelle aus den Sprichwörtern weist uns auf die Täuschung hin, der wir verfallen, wenn wir uns abwenden und anderorts unseren Trost suchen. Die Sünde, wo sie den Kitzel des Neuen hat, scheint süß, doch ihre Frucht ist mehr als bitter. Zuletzt verbittert sie den ganzen Menschen gegen GOTT, dem er, wie immer die Schuld zuschiebt. Keine Heilung mehr möglich. Sünde gab es seit Adam und Eva immer auf der Welt, doch ausgenommen die Verderbnis vor der Sintflut, hat sie doch nie die Menschheit so eingefangen wie heute, dass tatsächlich die Erkenntnis des Menschen verdunkelt: Weiß wird zu Schwarz und Schwarz wird zu Weiß. Sprw 5,3 „Die Lippen der fremden Frau triefen von Honig, glatter als Öl ist ihr Mund. 4 Doch zuletzt ist sie bitter wie Wermut, scharf wie ein zweischneidiges Schwert. 5 Ihre Füße steigen zur Totenwelt hinab, ihre Schritte gehen der Unterwelt zu.“

Isaias warnt vor diesem luziferischen Trug der die Pole umdreht: 5, 20 „Weh denen, die das Böse gut und das Gute böse nennen, die die Finsternis zum Licht und das Licht zur Finsternis machen, die das Bittere süß und das Süße bitter machen.“ Solche Verkehrung der Wirklichkeit = Wahrheit führt in letzter Folge zur Sünde gegen den HEILIGEN GEIST, die nicht mehr gelöst werden kann, wenn sie bewusst den Menschen täuschen will. Sie führt zur Verbitterung bis ins Innere. Weil man die bittere Medizin des Kreuzes verschmäht hat, die heilen sollte, wird endlich Alles, was wir anfassen bitter, selbst die Freuden, in denen wir solche Bitternis zu ertränken versucht haben: Is 25, 9 „Man trinkt keinen Wein mehr bei frohem Gesang, das Bier der Zecher ist bitter geworden.“ Jer 2,19 So erkenne doch und sieh ein, wie schlimm und bitter es ist, den Herrn, deinen Gott, zu verlassen und keine Furcht vor mir zu haben. Bis ins Herz hinein wird der Mensch vergiftet, seine Seele stirbt ab (vgl Jer 4,18), er tötet seine Seele.

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Vom Zorn GOTTES

Der Prophet Zephania weist auf den Zorn GOTTES über alle Verdrehung der Wahrheit:

1,14 „Der Tag des Herrn ist nahe, der gewaltige Tag, er ist nahe, schnell kommt er herbei. Horch, der Tag des Herrn ist bitter, da schreit sogar der Kriegsheld auf. 15 Ein Tag des Zorns ist jener Tag, ein Tag der Not und Bedrängnis, ein Tag des Krachens und Berstens, ein Tag des Dunkels und der Finsternis, ein Tag der Wolken und der schwarzen Nacht.“ Der „Tag des HERRN“, an dem der Mensch von seiner bitteren Täuschung zum Licht der Wahrheit erwachen muss, bringt es ans Licht, welche Sünde der Mensch begangen hat, da er den Lebendigen GOTT zu einem Götzen machte, mit dem er tun kann, was er will – wie wir es heute bis in die Kirche hinein erleben. Da der Mensch nicht auf das heilende Wort des HERRN hört, muss er jetzt der Gerechtigkeit GOTTES stehen. Um diese Gerechtigkeit, die der Mensch jetzt in sich hinein trinken muss, da er die bittere Medizin der Umkehr nicht nehmen wollte, geht es in der dritten Posaune.

JESUS hat alle Bitternis auf sich genommen. Das nächste Zitat des Propheten Zacharias weist schon hinüber auf die Person JESUS, der für uns den bitteren Trank der Gerechtigkeit des VATERS über alle Sünde, bis zur Neige getrunken hat, damit er für uns Heil werde: 12, 10 „Doch über das Haus David und über die Einwohner Jerusalems werde ich den Geist des Mitleids und des Gebets ausgießen. Und sie werden auf den blicken, den sie durchbohrt haben. Sie werden um ihn klagen, wie man um den einzigen Sohn klagt; sie werden bitter um ihn weinen, wie man um den Erstgeborenen weint.“ In IHM allein wird uns noch die Umkehr im letzten Augenblick geboten. Wir verstehen jetzt besser, warum es in der GO heißt: 9,11, Der Name des Sterns ist «Wermut». Ein Drittel des Wassers wurde bitter, und viele Menschen starben durch das Wasser, weil es bitter geworden war.[7]

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Bitternis“ für Johannes

Notwendig muss Johannes in Patmos diese Bitternis am eigenen Leib erfahren. Er ist vom HERRN nicht als neutraler Berichterstatter gerufen, sondern als Zeuge mit Leib und Seele. Das Buch, das er essen muss, so wie wir die bitteren Wasser trinken müssen, ist das Buch der Rechenschaft. „10, 9 Und ich ging zu dem Engel und bat ihn, mir das kleine Buch zu geben. Er sagte zu mir: Nimm und iss es! In deinem Magen wird es bitter sein, in deinem Mund aber süß wie Honig.  10 Da nahm ich das kleine Buch aus der Hand des Engels und aß es. In meinem Mund war es süß wie Honig. Als ich es aber gegessen hatte, wurde mein Magen bitter. 11 Und mir wurde gesagt: Du musst noch einmal weissagen über viele Völker und Nationen mit ihren Sprachen und Königen.“

Süß ist es zuerst in seinem Mund, weil er ja, als ihm das Buch der Siegel gezeigt wurde und niemand war, der es öffnen konnte, bitter weinte.  (Offb 5,3). Doch es ist ein Anderes, um etwas zu wissen und es zu erleiden. Die bitterste Erfahrung aber, die keinem Menschen erspart bleibt, ist den Tod zu erfahren, letzter Sold unserer Sünde: Sirach 41:1 „Tod, wie bitter ist es, an dich zu denken, für den, der ruhig sein Heim bewohnt, für den, der ohne Sorge ist und in allem Erfolg hat und noch kräftig genug ist, die Lust zu genießen.“

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Geheime Offenbarung und Sühneübernahme

Im Zitat zum Buch der Rechenschaft (vgl. Offb 10) wird uns die Brücke hin zur Sendung von Frau Gabriele Bitterlich für das Werk der hl. Engel. Ihre Sendung wird am besten in der Nachfolge von Johannes in Offb 10, 9 verstanden werden muss: „Du musst noch einmal weissagen über viele Völker und Nationen mit ihren Sprachen und Königen.“ Was Johannes in der GO angekündet, wird im Werk der hl. Engel, wenn wir auf die uns bevorstehende Reinigung schauen, greifbare Wirklichkeit. Wo die Not am größten ist, ist GOTTES Hilfe am nächsten. Und immer hilft GOTT genau in der Weise, wie es die Not verlangt. Weil wir in einem geistigen Kampf stehen, der in der Geschichte der Menschheit seinesgleichen sucht, braucht es geistige Hilfe.

Doch die hl. Engel werden nicht Alles allein erledigen. Es braucht für diesen Kampf, weil es zuerst um die Beute Mensch und dann um die Schöpfung geht, die bewusste und bereite Hilfe des Menschen, auch wenn er nichts Anderes sein kann als Landeplatz – wie eine Piste auf dem Flughaften. Genau so hat Johannes der Täufer schon die Erste Ankunft angekündet: Eine Stimme ruft in der Wüste: Bereitet dem Herrn den Weg! Ebnet ihm die Straßen! (Mt 3,3). Und notwendig geht alle Hilfe über den Einen Mittler JESUS CHRISTUS. Dies hat ER selbst angekündet: 27 Der Menschensohn wird mit seinen Engeln in der Hoheit seines Vaters kommen und jedem Menschen vergelten, wie es seine Taten verdienen. Es geht hier auch nicht um ein Letztes, es ist dieses Kommen nur der erste Schritt für das Letzte Gericht, nach dem die erlöste Menschheit zum Himmlischen Hochzeitsmahl mit dem VATER geladen ist. Darüber wurde schon an anderer Stelle berichtet[8]

Hier liegt die ganze Schwierigkeit für die Menschheit von heute, bis in die Kirche hinein, die sich mit den Mitteln der Technik hier auf Erden ihr Paradies aufbauen will wie einst die Anstrengung, den Turm von Babel zu errichten, um GOTT zu beweisen, was der Mensch kann. Der Wohlstand, bewusst von der anderen Seite gefördert, beginnt heute selbst die Dritte Welt einzufangen. Wo er noch nicht da ist, weiß man wenigstens davon und macht sich darüber entsprechende Vorstellungen. Wie sehr wurden die Menschen aus dem Osten Deutschland enttäuscht, als sie die Wirklichkeit des Wohllebens näher erfuhren! Die Täuschung ist so angelegt, dass sie nur dann aufgeht, wenn es schon zu spät ist. Nur im Licht des HEILIGEN GEISTES kann der Gläubige noch seinen Weg durch die immer größere Finsternis finden.

Als Gabriele Bitterlich, am Fest des hl. Markus, 1949, zugleich Weißer Sonntag, von diesem Plan GOTTES, das Werk der hl. Engel aufzubauen, erfuhr, hat GOTTES Erbarmen in ihr den Grundstein für die Engelhilfe gelegt, auf dem die Gerufenen aufbauen müssen.  Nicht sie  persönlich war es, die diese Sendung hinaus tragen sollte, sondern, wie der HERR sich auszudrücken pflegte: „ihren Söhne“, die Priester, die Er persönlich zum Werk gerufen hat. Nur als Sendung in, mit und durch Johannes in Einheit mit den hl. Engeln kann sie von der GO her in rechter Weise verstanden werden. Doch Mutter Bitterlich[9] hatte die Aufgabe, sie ihnen zu übermitteln. Die Sendung hinaus steht in der Nachfolge der „Priester der Letzten Tage“, wie sie der hl. Louis Maria Montfort besonders in seinem „Feuergebet für die Priester“ erwähnt. Die Weinende MUTTER hat sie schon in La Salette ausgesprochen, doch sie ist bis auf den heutigen Tag bewusst verdrängt worden. Melanie starb unvollendeter Dinge vor den Toren Roms in größter Armut. Ähnlich tragisch war das Schicksal Maximins. In La Salette ist die Weinende Mutter GOTTES nur eine eherne Statue, die Kongregation, zur Verbreitung der Botschaft gegründet, hat sie vergessen. Der Feind weiß schon, warum er die Botschaft bis heute in den Schatten verwies.

Die Aufgabe der „Priester der Letzten Zeit“ hilft uns die Aufgabe des Werkes der hl. Engel besser verstehen. Ausdrücklich hat der HERR sie den Priestern und dies zuerst zur Rettung und Stärkung der Priester anvertraut. Die Restaurierung des „Ordens vom hl. Kreuz“ ist ein  Versuch, das Werk über den Orden in der Kirche zu verankern. Das Errichtungsdekret des portugiesischen Ordens der „Cruzios“ (aus dem 12. Jahrhundert, ausgelöscht 1833) wird für das Werk zur unerbittlichen Prüfung. Die Kirche gewährt die Restauration, fügt jedoch hinzu, dass sie nicht auf die Spiritualität des Werkes zurückgreifen kann. Der dem Orden von der Kirche aufgegebene Rahmen ist die traditionelle Engellehre. In der Logik nennt man dies eine „contradictio in adiecto“ = „ein Widerspruch in sich selbst“. Im Licht des Glaubens ist sie nüchtern eine Prüfung in der Torheit des Kreuzes, die dem Orden kraft seines Namens entspricht.

Die Reinigung der Kirche muss notwendig die zuerst ergreifen, die sie nach dem Willen GOTTES mit zu tragen gerufen sind. „Der Jünger ist nicht über dem HERRN.“ Dass sie bestanden werden kann, beweist Leben und Werk Mutter Bitterlich. Noch einmal soll in Einheit von Engel  und Mensch das Evangelium über die Welt gehen: Mt 24, dieses Evangelium vom Reich wird auf der ganzen Welt verkündet werden, damit alle Völker es hören; dann erst kommt das Ende. Was diese Reinigung bedeutet, können wir besten in der GO erkennen. Die hl. Engel haben nicht nur das Erste Kommen des HERRN bereitet über die ganze Menschheitsgeschichte hinein (vgl. die Ahnentafel bei Lukas, der mit Adam ansetzt), sie sind IHM nicht nur bei Seiner Verkündigung vorausgegangen (vgl. den Weg JESU hinauf nach Jerusalem bei Lukas (Kap 9-18), sie bereiten auch Sein Zweites Kommen „auf den Wolken des Himmels“ = durch MARIA. Der erste entscheidende Schritt dazu sind die „1000 Jahre“ Offb 20,1ff, in ihnen erfüllt sich die Verheißung MARIENS in Fatima vom Sieg ihres Unbefleckten Herzens.[10]

Mutter Gabriele hat diese Prüfung im Kreuz voraus gesehen und fasst sie in das Bild: das Werk versickert wie ein Gebirgsbach, kommt aber weiter unten gereinigt wieder heraus. Schon an anderer Stelle haben wir das Wort der GO zitiert: „In dieser Zeit ist notwendig díe Geduld und der Glaube der Heiligen!“ Da sich der Gegner gegen diesen Versuch, ihn zu stürzen, mit letzter Kraft aufbäumt,  hat er Alles getan und wird es weiter tun,  um den Plan GOTTES mit dem Werk zu verhindern. Ohne die Hilfe der hl. Engel und von Brüdern und Schwestern, die sich diesem Plan geweiht haben, müsste er ans Ziel gelangen. Doch vergessen wir nicht, das Werk der hl. Engel lebt durch das Kreuz, das wieder leuchtend über der Kirche stehen soll, aus der Kraft der Auferstehung CHRISTI. Notwendig ist jeder Gerufene mit seinem hl. Engel in diese Prüfung gestellt. Was menschlich unmöglich erscheint, ist möglich in der Einheit mit dem hl. Engel. Er hat den HERRN am Ölberg gestärkt, er ist erster Zeuge der Auferstehung und wird auch unsere Hand nicht loslassen, wenn wir zu ihm stehen.

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Eine Botschaft der Sühne

Nur wenn wir die Offenbarung über die hl. Engel in erster Linie als eine Botschaft verstehen, die unsere Sühne für allen Verfall in der Kirche, besonders aber des Priestertums verlangt, ist der Auftrag des Werkes der hl. Engel in rechter Weise zu verstehen. Das gilt nicht zuletzt auch für die Mitglieder des Ordens. Bevor der HERR mit diesem Anliegen an die Mutter herantrat, hat ER sie schon tief in die Sühne getaucht. Sie durfte nicht Missionarin werden, wie es ihr Mädchentraum war. Sie wurde verheiratet. Der Mann war ein Freidenker, offen für die Gnosis. Der Krieg und die Sühne von Mutter Gabriele hat ihn zurückgeholt, ja zu einem Bekenner und Verteidiger des Werkes gemacht, das schon im Anfang, vielleicht so gar durch ihn, in das Licht von „Geheimlehre“ kam. Mit missverstandenen Begriffen wie „Kabbala“ ist man der Sache der hl. Engel auf den Leib gerückt. Der besser wissende Geist ist das grausamste Schwert gegen das Herz.

Mutter hat schon als Kind das Schweigen gelernt, als sie einmal voll Freuden ihrer Mutter erzählte, dass sie in der Kirche mehrere Engel gesehen hatte. Sie meinte, das sei doch Allen möglich. Die Mutter war nicht weniger streng als der k. u. k. Beamte Vater. Bis in Kleinigkeiten hinein, stand von Anfang an die Vorsehung über dem Leben von Gabriele Bitterlich. Das gilt nicht zuletzt für den Namen, den sie durch ihren Mann empfing: „Bitterlich“. Nicht nur die Erfahrung der Ehe wurde für dieses reinste Menschenkind bitter, auch der weitere Weg bis zum bitteren Sterben trug diesen unerbittlichen Stempel. Wer sich tiefer in dieses Geheimnis hinein betet, wird am Ende sagen müssen, es konnte nicht anders sein. Wo sich unser Blick zum „Bitteren Leiden“ unseres HERRN JESUS CHRISTUS erhebt, fallen alle besser wissenden Einwände, die nur unser Wohlsein rechtfertigen.

Auch wenn die Botschaft der Beiden Herzen, des Heiligsten Herz JESU und des mit Dornen gekrönten Herzens MARIAE durch den hl. Jean Eudes zum ersten Male im vergangen Jahrhundert erging, der tiefere Anruf wird wohl erst in der Reinigung, die die Kirche heute erfährt, offenbar: „Ein Schwert wird Dein Herz durchbohren!“ Lk 2, 34 Und Simeon segnete sie und sagte zu Maria, der Mutter Jesu: Dieser ist dazu bestimmt, daß in Israel viele durch ihn zu Fall kommen und viele aufgerichtet werden, und er wird ein Zeichen sein, dem widersprochen wird. 35 Dadurch sollen die Gedanken vieler Menschen offenbar werden. Dir selbst aber wird ein Schwert durch die Seele dringen.

Nur ein durchbohrtes Herz kann die schweigende Botschaft des durchbohrten Herzen JESU aufnehmen. Schon hier müsste uns deutlich werden, dass der Anruf der hl. Engel an die Kirche über sie die Passion verhängt. Botschaft des Herz JESU – Botschaft des Unbefleckten Herzens – Botschaft der Hilfe der hl. Engel, wie erkennen eine goldene Linie der sich opfernden Liebe GOTTES im HEILIGEN GEIST. Die hl. Engel sind hinein geworfen in den Kampf um die Heiligkeit GOTTES, der nur durch ihre Hilfe bestanden werden kann. Da jeder hl. Engel einmal Schutzengel sein muss, darf er im Sühnopfer seines Dienstes an einem Menschenkind hier auf Erden das Opfer JESU  für die Rettung der Seelen einmal konkret mit tragen. Hier er lernt er mit dem HERRN Nachfolge in bitterer Verlassenheit und Verkennung. Wer von uns Christen denkt heute nach an diese bittere Nachfolge, die dem hl. Engel durch diese Aufgabe zugewiesen ist. Und doch kann es nicht anders sein, wenn einmal Engel, Mensch und stumme Schöpfung im Himmel den Einen Lobpreis GOTTES singen werden.

Hier öffnet sich der Kirche im Kampf gegen die Übermacht des Feindes ein Tor, das durch nicht wenige Heilige schon seit langem angestoßen wurde: die Sühne. Nicht durch sein verborgenes Leben in Nazareth, nicht durch seine Verkündigung in Wort und Tat, sondern durch sein Bitteres Leiden hat uns letztlich der HERR erlöst. Hier liegt das Nadelöhr hin zur Unbegreiflichen Liebe GOTTES, die sich für uns Sünder geopfert hat. Der nach vielen Schwierigkeiten heilig gesprochene Pater Pio, ähnlich der hl. Faustine ist es nicht anders gegangen, ähnlich so vielen vergessenen Heiligen, die am Rande der Kirche leben. Sie sind neu im Register der Seligsprechungs - Kongregation in Rom, ihr Platz muss erst erkämpft erden  -  und doch sind sie die Heiligen von Morgen die in Einheit mit den hl. Engeln den Sieg bringen werden. Torheit sind sie für eine Zeit, die nach den Großtaten des Menschen schmachtet, der sich sein Paradies selbst erobert.

Schauen wir auf diese, besonders von uns Priestern den Psychiatern zugeschobenen Heiligen, und wir werden in ihrem Antlitz das Antlitz des HERRN im Leichentuch von Turin wie in dem Schweißtuch der Veronika erkennen. Dann werden wir auch nicht mehr so schnell mit dem Urteil über das Werk der hl. Engel sein und es als gefährliche Sekte abstempeln. Wie leicht fällt es dem Bösen, mit den Mitteln dieser Zeit, uns sein Antlitz aufzuprägen und damit zu beweisen, dass es den Bösen nicht gibt, nur die Bösen, die nicht zu ihm gehören. Wer merkt, dass wir uns hier in unlösbare Widersprüche verwickeln? Sie sind Hinweis auf den, der aus dem Widerspruch gegen GOTT lebt, das ist seine einzige Rechtfertigung. Dass sie dem Feind bald genommen wird, spornt seine letzten Kräfte an. Doch schon stehen die himmlischen Heerscharen bereit, auch wenn die Landefläche schmal ist. Es braucht nicht Viele, es braucht Sühneseelen. Sie sind die geistige Waffe, stärker als die Atombombe! Hat es nicht der hl. P. Pio bewiesen? Millionen durfte er zum Glauben führen.

Notwendig mussten sich P. Pio und M. Gabriele kennen, wenn auch nicht von Angesicht zu Angesicht. Mutter Gabriele hat es bestätigt durch den Hinweis, dass sie ihm durch die hl. Engel besonders schwierige Sühnefälle zugeschickt hat. Wie allein war sie in diesem Anliegen, das durch sie Quellgrund für ein neues Aufblühen der Liebe GOTTES in der Kirche werden soll. Darum war auch der erste Schritt hin zur Gründung des Werkes im Jahre 1949, als Mutter nur mit wenigen tapferen Schwestern im Sühneeinsatz für die Priester stand, nicht die Engelweihe, sondern die Sühneweihe. Nur die Sühne bereitet im Herzen des Menschen den Boden für den gemeinsamen Einsatz von Engel und Mensch zur Rettung der Seele. Sie ist nicht eine Weihe, wie wir es schon vom Brandopfer der Kleinen Therese her verstehen sollten, um den Gläubigen nach außen weiter abzuschirmen und zu sichern, sondern sie ist letzte Hingabe an den Unbegreiflichen Willen GOTTES, der am Kreuz gesiegt hat. Darum trug damals diese kleine Gemeinschaft auch den demütigen Namen, den der HERR ihnen nahe gelegt hatte: „Gemeinschaft der Armen Sünder für die Rettung der Armen Sünder“. Dies ist die nach außen so wenig glorreiche Wiege der Werkes der hl. Engel.

In diesem harten Widerspruch, der nur in der Demut MARIENS bestanden werden kann, werden wir heute geprüft, wohin immer uns GOTTES unbegreifliche Liebe gestellt hat. Es geht nicht um uns und unser Bessersein, sondern um Seine Sache und die Seiner hl. Engel. Hier muss unser Zeugnis stehen, wenn es vor dem strengen Urteil der Kirche bestehen soll!

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Zeugnis der Schriften

Die Kirche hat nach einer ersten Prüfung der Schriften, in der nichts gegen die Lehre der Kirche gefunden wurde, die Schriften versiegelt. Das Siegel heißt, wie schon erwähnt: „Die Offenbarungen der Frau Bitterlich über die Hierarchie der hl. Engel sind der Kirche fremd“. Zur Durchführung des Dekretes wurde ein Delegat, P. Benoit Duroux, OP, ein Schweizer, von der Glaubenskongregation bestimmt. Der Orden, in seiner Sendung für das Werk der hl. Engel inzwischen von der Kirche anerkannt, kann nur nach Außen bringen, was vorher geprüft wurde. Ähnlich ist es mit den Schriften der Heiligen der Barmherzigkeit und in anderen Fällen gegangen. Die Prüfung der Zeit bringt es an den Tag! Nichts ist verborgen, was nicht offenbar werden muss! Der HERR selbst hat es uns gewiesen, der Hl. GEIST aufgenommen. So wird es immer in der Kirche bleiben: „GOTT ist größer“. An der GO sollte uns offenbar geworden sein, dass die „Letzten Dinge“ in besonderer Weise umkämpft sind. Vor Nichts erzittert der Feind mehr als vor der Stunde, da er vor Gericht gerufen wird.

Die Disziplinarmassnahme darf nicht als Verbot gesehen werden. Sie verlangt nicht nur die äußere Prüfung im Gehorsam gegenüber der Kirche, sondern ebenso die Prüfung nach Innen, darum ist sie notwendig Scheidung in der Berufung zum Werk. Erinnern wir uns, dass die erstgerufenen Brüder und Schwestern über den HERRN direkt kamen, ähnlich wie die der Apostel durch den HERRN. Leider ist diese Unterscheidung gefallen, als die erste Gemeinschaft der Pia Unio der Brüder vom Kreuz (errichtet in Aparecida) rasch gewachsen ist. Die Offenbarungen über die Hilfe der hl. Engel sind mehr als eine leuchtende Perle, deren Anblick blendet. Sie sind nüchterner Auftrag, mit den hl. Engeln in den geistigen Kampf um das Reich GOTTES einzutreten. Voraussetzung dafür war, das wurde im Eifer des Gefechtes vergessen, den hl. Engel in uns wachsen zu lassen. Es erging uns wie den meisten von JESUS  Geheilten, denen der HERR doch auftrug „zu schweigen“, damit das Wunder nach Innen wirksam werde.

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Verbindlichkeit der Engeloffenbarung

In einem persönlichen Gespräch mit dem damaligen Professor Ratzinger (wohl in den sechziger Jahren), hat Mutter Bitterlich in Gegenwart von P. Herrmann Precht, CSSR, die Frage gestellt: „Bin ich verpflichtet, dem Ruf GOTTES im Gehorsam zu folgen?“ Ohne die Hilfe von guten Priestern, darunter besonders von den Jesuiten in der Sillgasse In Innsbruck, hätte es Mutter, immer von den gefallenen Engeln angegriffen, wohl nicht geschafft. Immer wurde die Begegnung mit Mutter Bitterlich zugleich Prüfung für gerade für die Priester. Auch hier hat sie einen Kreuzweg durchgestanden, der in seinen Einzelheiten wohl erst später aufgezeigt werden kann, wenn die Kirche ihr Ja zu den hl. Engeln gesprochen hat. Die Offenbarung über die letztzeitliche Hilfe der hl. Engel hat Fragen gestellt, die über den üblichen Horizont der Seelenführung hinausgingen. Als Beispiel diene die Frage, in wie weit der hl. Engel die Seelenführung übernehmen kann. Sie wird besonders heute in der Krise, die das Priestertum erleidet, immer aktueller, da der HERR von jedem Christen ein letztes persönliches Ja zu seiner Berufung erwartet. Nur in einem solchen Ja kann der Berufene im Sturm dieser Zeit bestehen.[11]

Die Antwort des damaligen Theologieprofessors Ratzinger auf die Frage der Mutter konnte nur „Ja“ sein. Doch musste er auf zwei Bedingungen hinweisen: solange die Schriften noch nicht von der Kirche anerkannt sind, trägt die Mutter und Jeder, der ihr nachfolgt, die Verantwortung allein. Die Kirche ist in aller Bedrängnis dieser Zeit die helfende, ratende Mutter. Wie oft freilich sind die besten Mütter heute in der Not der Jugend des Rates teuer. Die Kirche konnte im Blick auf das Wachstum des Werkes und den damit verbundenen Nöten nicht anders entscheiden. Nüchtern erkannte sie besonders aus den Schwierigkeiten, der mangelnden Einheit unter den Brüdern, dass wir der aufgetragenen Sendung noch nicht gewachsen waren. Was das Werk von uns forderte, war über das Maß, das die Kirche selbst für die strengen Orden gesetzt hatte. Die Schriften wurden nach dem zuständigen Ortsbischof in Innsbruck zuerst dem hl. Vater Pius X vorgelegt. Ob sie je gelesen wurden?

Unter Papst Paul IV empfingen die Brüder den Segen für die Priesterhilfe und gingen auf die ersten Missionsreisen über die Welt. Im Wesentlichen wurde die Mission des Werkes von P. Hermann Precht geleitet. Fünfzig Priestergemeinschaften zur Stärkung der geistigen Kraft der Priester wurden von Bischöfen aus aller Welt gegründet und durch Jahre betreut. P.. Herrmann Precht versuchte im Alleingang, ein Jahr vor seinem Tod 2009, in Rom bei den zuständigen Kasterien noch einmal die Sendung der hl. Engel in der gegenwärtigen Not zu unterstreichen. Schwer lastete auf ihm wie auf manchem anderen Bruder die Richtlinien des Dekretes. Der Konflikt zwischen Gewissen und äußerem Gehorsam zieht sich durch die ganze Kirche. Wie kann der Aktive von heute auf morgen den Weg in die Stille finden, wenn sie ihm als Zwang auferlegt wird? Wie wenig wissen wir um die Heiligkeit einer Sendung, die aus der Hand des HERRN empfangen wird. Was das Herz voll ist geht der Mund über. Da er als Missionar zurück treten musste und gnadenhaft als Seelsorger in der Stille wirken durfte, wie konnte er verschweigen, was ihm auf seinem eigenen Weg zum Heil geworden war? Welche Wandlung wurde ihm als junger, für alles Neue offener Missionar in der Begegnung mit der Mutter geschenkt!

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Prüfung durch die Kirche und Selbstprüfung

Die Kirche hat die vorher von ihr bestätigten Weihen zurückgenommen, darunter auch das  Schweigegebot des Werkes, an dem wir uns im Übrigen leider selbst zu wenig gehalten haben. Zu schnell kommt heute alles gnadenhaft Erfahrene hinaus auf die Straße. Durch die Verfügungen des Dekretes hat sie den Gliedern des Werkes ein anderes Schweigegebot auferlegt. Es muss tiefer betrachtet werden, damit es nicht nach dem Buchstaben ausgelegt werde, sondern dazu verhelfe, dass die Wahrheit der Offenbarungen ans Licht komme. Es verlangt von uns  Berufenen wie von der Kirche eine nüchterne, selbstlose Prüfung, wenn wir vor dem Gericht GOTTES bestehen wollen. Wer heute noch zum Werk steht, muss wissen, dass es sich in der Engelhilfe um ein letztes Angebot der Hilfe GOTTES handelt, das nicht leichtfertig zurück gewiesen werden darf[12].

Am deutlichsten mag uns dies am Schweigeverbot JESU deutlich werden, das JESUS den Geheilten auferlegte. Zum Zeugnis für die Heilung müssen sie sich dem Priester stellen und das entsprechende Opfer zu bringen. Das Opfer: „zu schweigen“ wird durch die Forderung, es vor den Priester zu bringen, noch verstärkt. Der Priester soll uns hier helfen, wissend um die Wankelmut des Menschen. Dass da Einer in außerordentlicher Weise geheilt war, konnte nicht verborgen bleiben, meist war die Heilung ja in der Öffentlichkeit geschehen. Das Schweigen, das der HERR forderte, war zuerst Anruf an den Geheilten, in die Stille zu gehen und dem nachzudenken, was GOTTES Barmherzigkeit an ihm getan hatte. Nur so konnte die Heilung tiefer gehen und den Menschen zu einem Neuen Menschen machen, der mit seinem ganzen Sein Zeugnis für die Großtat GOTTES gibt. Wie sehr gilt dies auch für die Gnaden der Engeloffenbarung, die den hl. Engel aus der Unsichtbarkeit in Bild und Gleichnis uns sichtbar machen will.

In der Antwort, die Mutter von Professor Ratzinger damals empfing, muss sich jeder von uns, der zum Werk gerufen wurde, prüfen und danach seine Entscheidung treffen. Der Ruf des HERRN an Mutter traf ihre Herzmitte wie der HERR in Seinem „Folge mir nach!“ die Apostel im Herz getroffen hat. Auch wenn sie später versagten, der Gerufene bleibt seinem Ruf im Gewissen verpflichtet. Ohne das lebendige Zeugnis von Jüngern und dann ihre Verkündigung wäre die Kirche eingegangen. Wie sehr hat der HERR, besonders im letzten Weg hinauf nach Jerusalem, Seine Jünger auf das Ärgernis des Kreuzes vorzubereiten versucht. Wie wenig ist es ihm gelungen! Auch wir haben hier versagt, obwohl Mutter Bitterlich immer wieder auf das Ärgernis des Kreuzes hingewiesen hat, das sie am schwersten tragen musste. Das gilt in ähnlicher Weise für jede Neugründung: entscheidend ist das Zeugnis! Es braucht nicht nur das heroische Zeugnis der Mutter, es braucht nicht weniger das Zeugnis der Berufenen. Hier hilft die Kirche dem Betroffenen, wenn sie ihn verstehend in die Stille weist. In der schweren Krise des Gehorsams, der heute die Kirche von Innen mehr erschüttert als der Angriff von Außen, steht jede tiefere Entscheidung im Zeichen des Kreuzes. Es bleibt das Gebot: „was die Kirche bindet, bleibt gebunden!“, doch es bleibt auch die brennende Forderung des eigenen Gewissen. Aus dieser Zerreisspannung muss der Gehorsam in der Kirche neu werden.

Das Samenkorn ist mit der Mutter in die Erde gefallen, es wird aufgehen, wo Einer in treu zu seiner Berufung steht. Nur in der Schmerzhaften MUTTER GOTTES können wir diese Schwertspitze in unserem Herzen ertragen, die den Acker unserer Seele aufbrechen und fruchtbar machen soll. Wenn morgen, im persönlichen Tod oder in der Reinigung der Kirche das Prüfungsdunkel über uns gehoben wird,  werden wir erkennen, wer dieser schweren Prüfung gestanden ist. Es ist ein gewaltiger Auftrag, den der HERR durch die Mutter der Kirche vorgelegt hat. „Eine große Zeit wie die unsere“ schreibt Mutter, „braucht große Männer!“ Wer müssen dies schon heute in der Reinigung der Kirche erfahren. Sie beginnt nicht zuerst außen, sondern innen im Herz des Menschen.

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Das Kreuz als Schwert zu erst auf uns gerichtet

Die Restaurierung des „Ordens vom hl. Kreuz“, auf die der HERR gewiesen hatte, sollte dazu helfen, das Werk über den Orden in der Kirche zu verankern. Nur in der Kirche kann der Plan GOTTES zum Leben kommen. Doch gerade das Errichtungsdekret des portugiesischen Ordens der „Cruzios“ (aus dem 12. Jahrhundert, ausgelöscht 1833) wurde für das Werk zur unerbittlichen Prüfung auf unsere Berufung; hier wurde und wird noch nicht nur die Gemeinschaft, sondern auch jeder Einzelne auf die Wahrheit der Hingabe an GOTT geprüft. .

Sind die hl. Engel nicht in die Kirche unserer Tage gesendet, um in ihr neu das Kreuz aufzurichten, in dessen Zeichen sie geboren wurde? Was Wunder dass jeder Gerufene im Werk ins unbestechliche Licht dieser Sendung gestellt wird. Wie bei den Aposteln muss auch bei uns das Ärgernis des Kreuzes wie ein Schwert die Scheidung bringen. Erleben wir heute nicht, wie aller nur äußerer Glanz der „Siegreichen Kirche“ von uns abfällt und wir arm und bloß in dieser Prüfung vor der Welt am Pranger stehen?

Wie sehr haben die Medien den „Missbrauch“ als eine ihrer Waffen gegen die Kirche genutzt. Wie wenig ist von der Welt zu erwarten, dass sie unser Schuldbekenntnis annimmt, da sie nichts mehr von Sünde weiß. Heute braucht es mehr als Erklärungen, es braucht das Zeugnis, wenn notwendig das Martyrium, um die Sendung der Kirche wieder ins Licht des Erbarmens GOTTES zu stellen. Wer die Erscheinung ULF von Fatima im Licht der vorhergehenden Engelerscheinungen tiefer betrachtet, möchte verkürzend sagen: was dort der Kirche nach Außen als Weg der Rettung gewiesen wird, das will der Engel nach Innen entfalten, wie es leidend den Kindern geschah. Keine Offenbarung ohne Sühne! Dass wir selbst dies zu wenig erkannt haben, erklärt, dass wir jetzt das Gewicht des Außen als Sühne für unser Versagen tragen müssen.

Dass dies je nach Berufung dem Betrachtenden näher liegt als dem Aktiven, hat uns auch die Mutter nüchtern vorgelegt. Ist heute nicht die Kontemplation in der Kirche selbst in den strengen Orden in einer schweren Krise? Hat der „homo faber“ = der Aktive heute nicht bis hinein in die Kirche die Oberhand? Muss da die Wahl des gegenwärtigen hl. Vater nicht als ein Wunder von Oben betrachtet werden? Dass die Hilfe der hl. Engel notwendig als eine Hilfe von Außen verstanden wurde, ist dabei nicht wenig unser Versagen. Wer hat sich die Zeit genommen, tiefer zu graben? Wird das Werk nicht von Anfang bis auf die heutigen Tage trotz kirchlicher Anerkennung über die ganze Kirche hin als Sekte gestempelt und verleumdet? Wie konnte unter solchem Angriff ein Weg in die Stille wachsen? Auch unter uns hat sich die Wahrheit des Wortes bewährt: „Primum in intentione, ultimum in exexutione – was als Erstes angezielt ist, kommt meist erst zuletzt!“

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Ein Werk göttlicher Barmherzigkeit

Dass die Gründung des Werkes am Tag des hl. Evangelisten Markus, damals zugleich Weißer Sonntag, durch den HERRN selbst erfolgte  (wie St. Michael in Monte Gargano selbst den hl. Ort seiner Erscheinung einweihte), dass dieser Tag mit dem Stichtag dem „Sonntag der Barmherzigkeit“ zusammenfällt, dass die hl. Engeln uns notwendig sind, dass der Sieg des Unbefleckten Herzens wirklich werde, weil die Kirche es allein nicht gegen die wachsende Macht der Hölle mehr schafft, wer sieht es nicht klar, wenn er sich nicht von einem billigen Humanismus und Wohlleben blenden lässt? In der wachsenden Bedrängnis, in der wir durch die Überseigerung des Ich, den Druck der Welt und die immer offenbareren Machenschaften des Bösen leben, ist jeder einzelne Christ zum Bekenner, ja zu Martyrer für den Glauben gerufen. Musste nicht selbst JESUS in Seinem Menschsein durch den bitteren Kelch des Ölbergengels gestärkt werden, um den Willen des VATERS vollkommen erfüllen zu können? Wer erkennt nicht, wie sehr Kirche und Welt in die Passion JESU hineingerufen sind? Beweist das nicht schon das Übermaß der Verfolgungen der Christen in der ganzen Welt? Wer soll da unsere Blindheit auflichten wenn nicht das Feuer des Hl. GEISTES durch den hl. Engel?

Es geht um mehr, als da und dort das lecke Schiff der Kirche zu dichten, da doch täglich neu ein neues Leck aufbricht. Es geht, wie wir es nüchtern durch die GO[13] herauszustellen versuchen, um das „Siehe ICH mache Alles neu!“ Neuer Wein in neue Schläuche. Nicht eine theologische Begründung des Werkes aus Schrift und Tradition bringt das Werk wieder zum Leben. Die Kirche droht im Kampf gegen den Drachen, der in der Neuzeit sein abgeschlagenes Horn neu erhoben hat, immer mehr an den Rand gedrängt zu werden. Wer die von Henry Ford veröffentlichten Offenbarungen der „Weisen von Sion“ (noch im Internet) liest, weiß, dass der Plan, das christliche Europa zu zerstören. nahezu erfüllt ist. Die Abmachungen des Warschauer Abkommens nach dem letzten Weltkrieg haben hier den letzten Stein der Zerstörung gesetzt mit dem Plan, die Kirche von Innen her zu zersetzen.

Der Tanz einer verblendeten Menschheit auf dem Vulkan erinnert an das Ende der „Titanic“. Sie sollte beweisen was er Mensch von heute alles kann. Doch sie ist untergegangen, so wie die Menschheit, die den Glauben verloren hat, untergehen wird. Die Großmächte arbeiten auf Hochtouren, jeder auf seine Art, auf den Fettaugen des Fortschritts und der Globalisierung, die Weltherrschaft in ihre Hand zu bekommen. Und Du, kleiner Mensch, Spielball in all den Machtkämpfen der Großen, deren Fäden der in der Hand hält, der sich als Größter gegen GOTT gestellt hat, was bleibt Dir zu tun übrig, als dich der unendlichen Barmherzigkeit GOTTES in die Arme zu werfen? Hat er nicht der „Kleinen Herde“ alle liebende Zuversicht zugesagt? Arme Täuschung der Kirche, dass sie meint in diesem Großen – Wettstreit mithalten zu können.

Keine Organisation wird mehr das wachsende Chaos auffangen können. Wie einst in Galiläa fängt der HERR mit den Kleinen an, den Armen, den Ausgestoßenen. Hier hat der Neuaufbau schon begonnen, jenseits einer schreierischen Welt, die Alles besser weiß. „Fürchte Dich nicht kleine Herde. Es hat IHM gefallen, gerade euch das Reich zu vermachen“, und dies nicht irgendwie als leeres Versprechen. Der Anruf mit dem hl. Engel eins zu werden in heiligem Kampf gegen die Mächte der Finsternis, stellt uns unter die Standarte der IMMACULATA: Sie wird den Kopf der Schlange zertreten wie sie durch die hl.. Johanna von Orleans, von St. Michael als Kind zu den Waffen gerufen, sterbend gesiegt hat!

„Macht eben die Hügel, füllt aus die Täler…..!“, „Werde licht Jerusalem!“

Nur die Weisheit von oben, wie sie uns durch MARIA vermittelt wird, vermag es, die lichten Fäden der Barmherzigkeit GOTTES, in der ER die Seinen führt aus dem dunklen Gewirr der Drahtzieher dieser Welt zu lösen und dankend vor GOTT zu bringen. Alle Verheißung gilt denen, die sich ihrer Führung durch den hl. Engel anvertrauen. Die Gerechtigkeit GOTTES, die unbeirrbar hinter der liebenden Barmherzigkeit GOTTES wartet, wird durch das undurchdringlichste Dunkel dieser sich verfinsternden Welt den Pfad der Rettung für die Seinen bahnen. Es braucht nur den Glauben. Er kommt heute über die Seinen wie ein Wunder, langsam, fast unmerkbar. Wo er dankbar aufgenommen wird, wird er zu einem Baum, auf dem die Vögel des Himmels nisten, die hl. Engel. Selig die Einfältigen, die dies verstehen und preisen, dass dies der VATER den Kleinen und Unmündigen offenbart hat, was den Gelehrten und Gescheiten verborgen bleiben muss.

Der Weg durch die Kriegsjahre und die nicht weniger schweren Kriegsjahre, durch all den Zusammenbruch, innen und außen, der noch heute nicht verarbeitet ist, Hoffnungen auf das Konzil und zugleich bittere Enttäuschungen, die Fata Morgana des Wohlstandes – sie müssen durchschritten werden, um, wenn auch erst von Ferne, das wunderbare Licht der GOTTESstadt zu erkennen, die sich durch die hl. Engel gerade in diesem Zusammenbruch auf Erden hernieder senkt. Es muss der Landeplatz geebnet werden. Selig, wer den Bußruf Johannes des Täufers im Herz gehört hat, er wird nicht enttäuscht werden.

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Familie mit den hl. Engeln

Buße allein tut es nicht. Wenn Einer in der Gnade GOTTES umkehrt, aber dann nicht irgendwo einkehren kann, wo er sich zu Hause fühlt, bleibt es im besten Falle bei der gnadenhaften Erfahrung und der Sehnsucht und zugleich dem Vertrauen, doch noch ein Haus zu finden, wo er geborgen ist, auch wenn sie sich dann hier auf Erden nicht erfüllt, in IHM wird sie Wirklichkeit. Doch es kann daraus auch Verbitterung kommen und aus dieser der Wille, selbst Hand an zu legen, selbst sich ein Haus zu bauen – ohne Rücksicht auf Verluste. Bleibt dem Menschen draußen etwas Anderes? Wie viele ziehen um, bis sie endlich im Wohnwagen unterwegs bleiben, moderne Nomaden.

Eine nüchterne „Rechnung“

30 Jahre war der HERR in der Stille, und selbst dort wo er flüchten musste, war er in der hl. Familie geborgen und noch tiefer im DREIFALTIGEN GOTT. Hier muss der Gläubige verwurzeln, hier muss die Strömung des Lebens sich bergen und entfalten und stark werden, damit sie allen hinweg reißenden „Strömungen“ dieser Zeit widerstehe. Welch’ eine Gnade, wenn Einer da noch in einer christlichen Familie aufwachsen konnte, doch zugleich welch’ tiefe Verpflichtung vor GOTT und den Menschen. Drei Jahre war der HERR verkündigend und heilend unterwegs. Wenigstens in Seinem Wort konnten sich die Menschen bergen, etwas von Heimat finden. Was tun wir unbehausten Menschen: aus Worten bauen wir uns so etwas wie Heimat, doch es ist im besten Fall Ideologie, selbst wenn wir es religiös versuchen. Der Boden ist unsicher, unser Wort ist Beute der Diskussion geworden, „discutere“ aber heißt „zerreißen“.

Instinktiv versuchen junge Leute, die sich füreinander entschieden haben und denen die Mittel nicht fehlen, zuerst ein Haus, ja noch vor der staatlichen und (wenn gesucht) der kirchlichen Heirat. So überschwänglich ist das Bedürfnis nach Heimat. Doch oft steht dann das Haus, aber die Belastungen, die sie auf sich genommen haben, haben sie müde gemacht, entfremdet. Bittere Erfahrung. Und dann versuchen sie es doch wieder, immer ein Stück ärmer. Mit Ideen, mit Worten allein kann man keine Heimat bauen, auch wenn die Kirche selbst nach diesem ärmsten Hilfsmitteln greift: Papier, Plakate, schöne Worte – man sieht sie gar nicht mehr.

In den 18 = 2 x 3 x 3 Stunden der Passion JESU am Kreuz, in der restlosen Hingabe an den Willen des VATERS nach Innen (in den drei Ölbergstunden) in den 3 x 4 Schritten hinauf zum Kreuz, in den 3 Stunden angenagelt am Kreuz, wird in MARIA, Johannes und den Frauen unter dem Kreuz die Kirche. Sie sollte uns in allem Unbehaustsein in dieser Welt Heimat, ein Stück Paradies auf Erden sein. Der Feind ist daran, sie von Innen her zu zerstören. Nur im Kreuz kann sie in den Wenigen, die durchhalten neu aufgebaut werden. In diesem Kraftfeld, wachsend aus der Strömung des DREIFALTIGEN GOTTES (wie tief muss sie sein, um den Stürmen dieser Zeit zu widerstehen!) und aus der Strahlung des Wortes JESU, der dem Bau Richtung und Halt gibt, wird sie Raum der Freiheit der Kinder GOTTES, in der sie in der Liebe zu GOTT und zum Nächsten heil werden können. Wie sehr muss die Kirche heilend werden, um noch das Herz des Menschen zu finden! Alle Ideologie aus Besserwissen, alle nur äußere Verwaltung muss Raum geben dem bergenden Erbarmen JESU und MARIAE.

 

JESU in der Mitte Seiner Schäflein

Es war nur Monate vor dem Sterben von Mutter Gabriele, wohl das letzte Mal, dass ich in Gemeinschaft mit Anderen bei ihr in der Klause war. Der HERR hatte sich ihr in einem Bild gezeigt, das sie uns weiter geben wollte. Darum rief sie, wen sie gerade erreichte. Das Bild war schlicht, ohne fromme Verbrämung, wie man es auf guten, alten Bildern in frommen Häusern vielleicht heute noch manchmal findet: ein wirklicher Hirte, wirkliche Schafe, kein frommer Dunst darüber oder darum. JESU hatte den Schäferstab in der einen Hand, mit der anderen hielt er ein Schäflein, das über seinen Schultern lag und das Köpflein hängen ließ. Das Bild genügte, bis heute, es nicht zu vergessen in allem ratlosen Suchen nach „Neuevangelisierung“.

Wo immer noch etwas wie eine Familie ist, da ist ER in der Mitte und wartet nur darauf, dass sie die Schäflein um IHN scharen. Das Übrige wird der Hl. GEIST mit seinen hl. Engeln tun, wen wir uns nur diesem leisen Hauche fügen. Wie viel ist da ausgesagt – jenseits allen Streites zwischen modern und traditionell, Altar zum Volk oder zum Hauptaltar u.a.m.. Das Bild gibt auf alle diese uns so erregenden Fragen eine leise, beruhigende Antwort. ER muss in der Mitte sein, in uns, in der Familie, in der Gemeinschaft, in der Kirche – die Heilung beginnt. Was werden die versiegelten Gemeinden anders sein als solche Familien in der Liebe CHRISTI. Und auch die Draußen werden es sehen: „Seht, wie sie einander lieben!“ Die Hilfe der hl. Engel, die sich in diese Gemeinschaft einfügen, gibt dann wie von selbst das notwendige Baugerüst.

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Persönliches Zeugnis für Mutter Gabriele Bitterlich

Kleines Vorwort

Die Entscheidung des Dekretes zu den Offenbarungen über die hl. Engel, ist eine Disziplinarentscheidung ist. Die Kirche prüft den Gehorsam der Betroffenen, in erster Linie den der Brüder und Schwestern im Kreuzorden. Sie macht keine Aussage über den Inhalt der beim Heiligen Offizium vorgelegten Schriften. In einem Kommentar des Vatikan zum Dekret wurden die Kreuzwege des Werkes als religiöse Schriften in ihrer Bedeutung für die Kirche hervorgehoben. Gleiches gilt sicher nicht weniger für die Hymnen und Gebete, die Mutter Bitterlich hinterlassen hat. Einige von ihnen haben in dieser Arbeit ihren Platz gefunden.

Sie sollen uns ein Hinweis sein, dass die tiefere Bedeutung der Offenbarung der hl. Engel in der Höhe des GOTTESdienstes liegt, in der die hl. Engel von Anfang der Kirche an GOTT liebenden Menschen Vorbild und Weisung waren. Das Wort: „psallere cum angelis“ steht wegweisend im GOTTESdienst nicht nur für die Mönche, die darin ihre erste Aufgabe erkennen, sie gilt für die hl. Katholische Kirche in ihrer Gesamtheit. In das zwielichtige Dunkel dieser Zeit muss da heilige Licht der Liebe GOTTES durch die hl. Engel fallen, um Dunkel und Licht zu scheiden wie im Anfang. Danken wir GOTT, dass Papst Benedikt XVII uns die Bedeutung einer heiligen Liturgie wieder in Erinnerung gebracht hat.

Das Buch „Einstieg in die Geheime Offenbarung“[14] versucht darauf hinzuweisen, dass das Werk der hl. Engel gerufen ist, den Plan GOTTES „Siehe ICH mache Alles neu“ hin auf das „1000 jährige Reich“ (Offb 20, 1ff) in die Tat umzusetzen. Wenn die Engeloffenbarung, wie es die Kirche im Dekret verlangt, von der Schrift und Tradition her gestützt werden muss, so ist dafür diese letzte Buch der Bibel das klarste Zeugnis. Für dieses Zeugnis steht  der hl. Johannes, der Lieblingsjünger des HERRN, der es in Patmos unter dem Diktat des hl. Engels aufgeschrieben hat. Die GO ruft die Gläubigen, auf hineinzuwachsen in die hl. Liturgie der Engel, die in einer letzten Phase der Kirche schon hier auf Erden in der Einheit von Engel und Mensch wirklich werden soll.[15] Das Ringen des gegenwärtigen hl. Vaters weist ganz in diese Richtung, Es ist wie eine Ahnung, was uns GOTT schenken will, wenn wir uns IHM durch den hl. Engel ganz anvertrauen.

Ein vierfaches Zeugnis im Blick auf die vier Transzendentalien[16] soll die Kirche schon hier auf Erden ablegen.

„UNUM“: Alle Vielfalt der Schöpfung ist in IHM zusammen gefasst. IHM  allein gebührt Ewiger Lobpreis, in den zuerst die hl. Engel, die Geistgeschöpfe gerufen werden. Er vollendet sich dort, die die beiden anderen Teile der Schöpfung: die Materie und der Mensch in den Lobpreis der hl. Engel mit einstimmen. Wenn wir dies erahnen verstehen wir besser, warum wir dafür ihre Hilfe brauchen. Die heilige, von den hl. Engeln getragene Liturgie ist das erste Zeugnis der Geschöpfe für die HEILIGKEIT  GOTTES hier auf Erden. 

„VERUM“. Alles was GOTT geschaffen hat, spricht uns von der WAHRHEIT GOTTES: es ist Licht vom LICHTE GOTTES, in jeder Schöpfungsart verschieden. Auf die hl. Engel fällt dieses Licht zuerst. Darum wurden sie auch als Erste geprüft, ob sie zu diesem Licht stehen. Die Schöpfung unter uns, ist durch ihr Mitwirken aus dem Licht geworden (1. Schöpfungstag). Der Mensch soll im SOHNE GOTTES immer mehr in dieses Licht hineinwachsen. Er ist die Mitte aller Geschöpflichkeit.

„BONUM“: Selbst die stumme Schöpfung, die den Menschen trägt und nährt ist noch in den kleinsten Geschöpfen Zeugnis der GÜTE GOTTES.

„PULCHRUM“: Wie sehr braucht das Herz des Gläubigen den milden Schein der Schönheit, wie sie uns leuchtend in der MUTTER GOTTES entgegen tritt. Ihr begegnen wir in der Schönheit der Schöpfung, des Wortes, der Liebe. Sie, die in der Mitte der GO  (Kap XII) aufstrahlt, hat allein das WORT vollkommen aufgenommen und ist so Spiegel der Hlst. DREIFALTIGKEIT geworden. Über die hl. Engel verstehen wir tiefer was das Wort: „tota pulchra es MARIA et macula originalis non est in te = ganz schön bist Du MARIA, kein Makel ist in Dir“ sagen will. Die Kirche muss Abbild werden dieser Schönheit, sie wird die Hässlichkeit der Sünde auslöschen. Letzter Sieg des LICHTES über alle Finsternis.

Diese vier Bestimmungen des Seins weisen zurück auf die Vier wesentlichen Eigenschaften GOTTES: Seine Heiligkeit, Seine Weisheit, Seine Gerechtigkeit und Seine Allmacht. Wunderbar hängen sie zusammen und durchdringen einander. Als Beispiel diene die Liebe, heute immer mehr von unten verstanden. Sie zielt immer auf GOTT, auch wenn sie auf den Nächsten gerichtet ist. Sie verlangt den ganzen Menschen, Leib und Seele, nur dann ist sie wahr. Sie soll Abglanz Seiner Güte sein. Nur als „schöne Liebe“, kommt sie GOTTES LIEBE nahe. Nicht nur um eine allgemeine Schönheit geht es hier, sondern, jeder von uns soll sie in je einzigartiger Weise, entsprechend seiner Berufung erfahren. Hier braucht es notwendig den hl. Engel als den Vermittler des GEISTES, denn jeder von uns soll einmal in je seiner Weise in den Lobpreis GOTTES einstimmen. Welch ein gewaltiges Konzert zur größeren Ehre GOTTES wird einmal die heimgekehrte Schöpfung sein.

Dazu ein Wort von Mutter Gabriele:

„Die Sichten ins Reich GOTTES

sind uns gegeben als Stoßkeil,

um die Liebe möglichst tief

in die Herzen der Menschen voranzutreiben.

Darum liegt der ganze Schwerpunkt

im Werk der hl. Engel auf der Liebe.

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Zeugnis und Martyrium

Zeugnis und Martyrium sind das gleiche Wort. Es muss einer einstehen mit seiner ganzen Person, nicht nur mit irgendwelchen Hinweisen, die sachlich bedeutsam sein können. Darum kann die bezeugende Person nicht ganz zurück treten. Mutter Gabriele hat ihre „Söhne“ gekannt, nicht nur von außen, sondern im Licht des Schutzengels, also im GEISTE, bevor sie ihnen das erste Mal begegnete. Sie hat sie in ihr Lebensopfer hinein genommen und durchgetragen bis zuletzt. Dieses Opfer war so groß, dass sie daran gestorben ist.[17] Immer war es Einsatz auf Leben und Tod für jeden Einzelnen von uns: vor GOTT war sie unsere Mutter; als solche hat sie der HERR angesprochen und von ihr verlangt, dass sie für uns einstehe in jeder Hinsicht, am meisten im Gebet und in der Sühne.

Hier steht sie ganz in der Nachfolge MARIENS. Der HERR besiegelt ihre sühnende Mutterschaft durch die einfache Überschrift an ihrem Grab: „Mutter“; kein Name, nur der Geburts- und Sterbetag. Als Mutter ist sie Weisung nicht nur den Schwestern, sondern auch den Brüdern. Sie schrieb einmal: der Orden wird von allen Orden der strengste, aber zugleich auch am meisten „familia DEI“ sein. Wer immer durch ihre Vermittlung zum Werk, besonders aber zum Orden gerufen wurde, muss mit seinem Engel für diese GOTT geschenkte Berufung einstehen und damit auch Zeuge für die Ganzhingabe der Mutter an ihren Auftrag.

Brüder wie Schwestern sind für den Seligsprechungsprozess schon durch ihr Lebenszeugnis bedeutsam, auch wenn sie nicht zu Protokoll gerufen werden. Vor dem meist stillen Zeugnis der Schwestern steht das Zeugnis der Priesterbrüder. Ob Brüder oder Schwestern, wir sind ohne Ausnahme in unserer Berufung die erst Geretteten durch die hl. Engel[18]. Sie sind zuerst gesandt für die Rettung und Heiligung der Priester. Wie viele Priester die Mutter in der Umbruchszeit nach dem Vat.II durch ihren Sühneeinsatz gerettet hat, werden wir wohl erst im Himmel genauer erfahren. Die Brüder, die in der nächsten Nähe der Mutter sein durften,  können schon jetzt dafür Zeugnis ablegen.

Was hier aufgeschrieben folgt, sind Tatsachen und Erfahrungen, die von Anderen geprüft und ergänzt werden müssen, wenn wir die schwere Prüfung, in der das Werk steht, bestanden haben. Die Gnaden, die ich durch die hl. Engel erfahren durfte, sind wie die vorhergehenden von Coimbra[19]., Fatima, Garabandal und P. Pio, Gnaden der Umkehr, wie sie in ähnlicher Weise jeder von uns, vermittelt durch die Sühne der Mutter, erfuhr. In einer Zeit, die nicht mehr von einer christlichen Lebensordnung geprägt ist, muss das persönliche Zeugnis ersetzen, was uns an äußerer Stütze und Hilfe verloren gegangen ist. Fatima setzt hier für mich den Anfang. Die Wunder, die ULF dort wirkt, sind nicht solche äußerer Heilung, sondern „innere Wunder“ der Umkehr. Sie sind sühnend von den Hunderten von schwer, ja unheilbar Kranken an den Erscheinungstagen in Fatima getragen. Sie sind schon heute lebendiges Zeugnis für die Wunderkraft der Sühne und bereiten das Dogma der Mittlerschaft und Miterlösung MARIENS vor. Nicht umsonst ist ihnen der Platz vorne unter den Arkaden der Kirche zugewiesen. 

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Begegnung mit Mutter Gabriele

Vorbereitet war die Begegnung 1967, im Jahr meiner Priesterweihe, durch die Begegnung mit dem hl. P. Pio 1967, bei dem ich meine dritte hl. Messe in S. Giovanni Rotondo feierte. Er hat mir mit der Resl von Konnersreuth die Augen geöffnet für das Geheimnis der Sühne. Alle Not, alle Verwirrung des Geistes in meinem Theologiestudium wurden in dieser Begegnung gelöst. Nichts hat mich auch später im Leben unserer Mutter mehr beeindruckt als ihre Sühnehingabe für die Rettung der Seelen, besonders der Priester. Was sie über die hl. Engel vermittelte, wurde Sühnehilfe in der Ölbergstunde der Kirche. Darum geht  mein Zeugnis für  Mutter Gabriele zuerst auf ihren Sühneeinsatz, auf ihr Sühneleben – und sterben. Manches ist hier in meinem Lebensweg: „Sardis“ aufgeschrieben, doch Manches darf ich jetzt auch anders sehen.

 

Engelsburg“, Die erste Nachricht vom Engelwerk

Sie kam mir durch den guten Pfr. Otto Stauß zu, bei dem ich, gegen mein besseres theologisches Seminarwissen schon ein Jahr vor der Priesterweihe das Schutzengelversprechen ablegte. In geheimnisvoll klingenden Worten erzählte er mir einmal im Halbdunkel seiner einfachen Wohnung, dass da nahe bei Innsbruck eine „Engelsburg“ sei. Das Geheimnisvolle in seiner Art vom Werk zu sprechen, ließ mich diese Bemerkung bald wieder vergessen. Nüchtern dachte ich mir: wenn er mir etwas sagen wolle, müsse er sich klarer ausdrücken. Er hat mehr als andere Brüder in seinem Herzen gewusst vom Rettungsplan GOTTES mit dem Werk. In Exerzitien fesselte er die Zuhörer durch sein schlichtes Zeugnis, dass sie es nie mehr vergaßen.

Nur zu schnell hat ihn der HERR heimgeholt. Bei den ersten Exerzitien, die ich in Flüeli 1969 mitmachte, kam die Nachricht von seinem plötzlichen Tod. Mutter wusste von seinem Weg hinüber zu berichten. Ich war tief getroffen und konnte nur anbeten. Nichts wächst langsamer im Herzen des Menschen als das Verstehen von „Geheimnis“. Die heutige Welt hat es ganz verloren. Sie hat an seine Stelle das Außerordentliche gesetzt, das dem Menschen blendet. Mutter war nüchtern in ihrer Durchgabe; ihre Person trat ganz hinter ihrem Auftrag zurück. Wer verstehen wollte, musste ihr im Gebet folgen. Wie schnell sind wir damals von einem Einsatz zum anderen geflogen, um die „Frohe Nachricht von der Hilfe der hl.. Engel“ hinauszutragen. Nicht ohne Grund hat der HERR uns zu Seiner Zeit in die Stille gewiesen. Wir müssen nachholen!

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Die erste Begegnung in der Klause der Mutter in Innsbruck 1967

Die Weihnachtstagung 1969 endete für mich im Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern. Mein guter Pfarrer war ratlos und froh, meinen Wunsch zu gewähren, als ich ihn fragte, ob ich für 14 Tage nach Italien fahren dürfe. Kurz vorher hatte ich Br. Otto Stauß, den Pfarrer von Fürstätt getroffen, der gerade von Exerzitien des Werkes kam und mir das erste Mal von Mutter Bitterlich erzählt hatte. Ich dachte mir in der Stille des Herzens: ich will auf der Fahrt nach Italien kurz in Innsbruck absteigen und sie besuchen. Obwohl er mir geraten hatte, nicht an einem Freitag vorbeizuschauen, fiel die Fahrt gerade auf diesen Tag. Dieses Mal hatte ich mehr Glück als vor Jahren bei der Resl von Konnersreuth, als wir an einem Freitag dort abgewiesen wurden. Kurz vorher hatte ich mich in Nürnberg mit einem Laien getroffen, der auf eigene Kosten von den Erscheinungen ULF der Völker berichtete. Immer war die MUTTER die Wegbereiterin.

Als Kind dieser Zeit erwartete ich bei diesem Besuch so etwas wie ein „Wunder“. Doch da war nur eine einfache Frau in schlichtem Kleid mit Arbeitsschürze, deren gütige Augen mich nicht mehr losgelassen haben. Nicht ein Wort vom Engel, und doch hat sie mir den spirituellsten Rat meines Lebens gegeben, ähnlich dem knappen Wort, das ich von P. Pio vorher empfangen hatte[20]. Noch beim Abschied erinnerte sie mich: „Sie müssen besser essen und mehr schlafen!“ Sie gab diesen einfachen, mütterlichen Rat mit solch’ ungewöhnlicher Liebe und Eindringlichkeit, dass ich ihn nie mehr vergessen habe. Er hat mich langsam dem „Maß“ des Engels näher gebracht.

In der Person der Mutter bin ich zum ersten Mal der Ordnung begegnet, die zu suchen ich im Chaos dieser Zeit und meines Lebens nicht müde wurde. Es war ihr nüchternes Wort nicht ein Rat von oben herab, wie es Lehrer gerne tun, wie ich es nicht selten getan habe. Er kam aus einem Herz, das den Bittsteller in seiner Not durchschaute und dort ansetzte, wo es konkret am notwendigsten war. Nicht die „Sache“ Engelwerk stand im Vordergrund, sondern der Mensch, der ihr da gerade begegnete. Hier haben wir „Jünger“ am meisten gefehlt. Nicht dem Engel bin ich zuerst in ihr begegnet, sondern dem HERRN, der aus ihr strahlte. Muss nicht der hl. Engel vor IHM zurück treten, auch wenn er IHM allein dient? Auf diese Gefahr sind wir leider erst später aufmerksam geworden, als man uns besser wissend darauf aufmerksam machte. Von den hl. Engeln in einer Zeit zu wissen, da sie in der Senke verschwunden waren, hat uns verführt, zu direkt und ungestüm vorzupreschen. Es war da noch zuviel menschliche Begeisterung, die das Zeugnis des GEISTES zurück drängte, das zuerst gefordert war. Wir sind dabei zu lernen!

Wie von selbst kommt mir in diesem Zusammenhang die erste Begegnung der Jünger mit dem HERRN in den Sinn, da sie von Johannes dem Täufer gewiesen wurden: „Seht das Lamm GOTTES“; nur in der Begegnung mit dem LAMM, wie es über und in der Apokalypse steht, kann die Sendung des Werkes aufgehen. Wie Johannes auf Patmos muss uns der hl. Engel das Schauen in eine andere Welt lehren, damit wir in dieser Welt durchschauen können auf GOTT, auch wenn es immer finsterer wird. Nur schauend konnte Mutter etwas über den bislang verschlossenen Himmel der Engel aufschreiben, nur durchschauend konnte sie die ersten Berufungen zum Werk, die der HERR ihr schickte, erkennen. Solches Schauen will geübt sein. Hier war uns Mutter eine mehr schweigende Lehrmeisterin. Aus ihrem Lebenszeugnis hätten wir es lernen  und einüben müssen wie ein ABC. Es gab sonst keinen Lehrer, auch die älteren Brüder waren hier Lehrlinge. Sie konnten über den hl. Engel und die hl. Engel sprechen; doch sollte nicht zuerst der hl. Engel aus ihnen sprechen? So musste jeder von uns mit dem eigenen Engel seinen Weg finden. Die Versuchung lag nahe, diese Hürde zu überspringen!

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1969: „Welcher Innenraum!“

In all der Not, die ich in den letzten Jahren durchgestanden hatte, war mir durch den hl. Engel eine Richtung gewiesen, die es Schritt für Schritt, ja tastend zu verfolgen galt. Mit den „Geschichten vom nahen Ende“, habe ich ein erstes Bekenntnis gewagt, das mein Schreiben schon am Anfang in die Schublade verwies. Die Münchner Kirchenzeitung hatte sich umgestellt. Da ich um Freistellung von der Diözese bat, um am Petersberg einzutreten, wollte man mich zuerst zu einem Psychiater schicken. Doch dann wurde das Urteil gemildert im Hinblick auf eine Untersuchung bei einem Internisten, der zugleich Psychiater war im Drittordenskrankenhaus in München. Dort habe ich die „Geschichten“ geschrieben. Dabei habe ich auch vom Rasenkreuz in Eisenberg und der einfachen Mutter Lex geschrieben. Hat die Mutter der kleinen Gabriele Bitterlich nicht in ähnlicher Weise mit einer Ohrfeige gedroht, als sie begeistert von der hl. Messe kam und davon berichtete, dass sie dort mehrere hl. Engel gesehen habe. Die angedrohte Ohrfeige war gnadenhafte Vorsehung. Ähnlich sollte ich diesen Verweis verarbeiten. Die „Endstimmung“ dieser Geschichten deckten etwas von dem Dunkel auf, das ich durchzutragen hatte, seit ich Priester war. Durch die zu früh abgelegte Sühneweihe wurde es noch dichter. Der hl. Engel ist ein Samenkorn, das in aufgepflügte Erde fallen muss.

Bei der schon erwähnten Weihnachtstagung  in Innsbruck aufmerksam hatte mich am meisten der Vortrag von Dr. Blasko über die Apokalypse als „apokalyptische Messe“ getroffen. Unvergessen ist mir bis heute die Bombennacht geblieben, in der meine Heimatstadt Würzburg wie vorher Dresden kurz vor Torschluss des Krieges ausgelöscht wurde. Hier war ich „von Oben“ her vorgemerkt. Kein Buch hat mich seit Ende meines Studiums so beschäftigt wie dieses letzte Buch der Bibel. Die Begegnung mit P.Pio ein Jahr vor seinem Tod, die Weihe an St. Michael am Monte Gargano, mein erster Besuch bei  Mutter Gabriele öffneten mir die Türe hinein in das Werk.

Über eine Schwester, die ich in Galtür kennen gelernt hatte, habe ich dann auch einige Schriften des Werkes bekommen. Eine neue Welt öffnete sich, die ich freilich mehr bewunderte als verstand. Schon damals ging mir auf, dass sie nur in tiefer Betrachtung erschlossen werden könnte. Hier war Antwort auf viele Fragen, die ich aus meinen Irrwegen mitbrachte, und die Forderung, einzutreten in den geistigen Kampf unserer Zeit. Über die Schwester von Galtür wurde es möglich, zum zweiten Mal Mutter Bitterlich zu besuchen. Eines Tages, es ging mir gerade etwas besser, kam sie mit Mutter, die unten im Auto wartete, vorbei und lud mich ein, mit ihnen zur Wohnung in der Kaiser Franz Josef Straße zu fahren. Die Begegnung war ganz anders als die erste an jenem Freitag, da ich auf dem Wege nach Italien nach Assisi und Collevalenza war.

Da ich schon in die Schriften hinein geschaut hatte, sah ich Mutter Gabriele mit anderen Augen. Es leuchtete damals ein Gedanke in mir auf, der mich nie mehr verlassen hat: „Welcher Innenraum muss in der Seele dieser Frau sein, dass in ihr die gewaltige Welt der hl. Engel offenbar werden konnte?“ Im Gespräch zeigte sie sich besorgt um mein Kranksein und schlug mir eine Behandlung bei Frau Dr. Weinert in Murnau vor.  Auch in dieser zweiten Begegnung wurde kaum von den hl. Engeln gesprochen: ihre Muttersorge um meine Krankheit hatte Vorrang. Auch war es, wie ich es später immer wieder erleben durfte, einfach gut, bei ihr zu sein. Wichtige Fragen, die ich vorbereitet hatte, waren vergessen. Ihr Schweigen war Antwort, der es nachzusinnen galt. Wie dankbar war ich, als frisch gebackener Kaplan, in ihr eine Mutter gefunden zu haben. Hier begann sich eine Not zu lösen, die manchem Mitbruder draußen die Berufung kostete.

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Ein folgenschwerer Rat: Jazzmesse und Sonnwende

Ein Höhepunkt der Spannung zum Pfarrer in Herz JESU (meine zweite Kaplansstelle) war erreicht, als eines Tages eine französische Jugendgruppe eine Jazzmesse bei uns gestaltete. Es passte zum Stil unseres Pfarrers, dass er bei der Zelebration, bei der ich assistierte, nicht den Weihrauch weglassen wollte. Als der Altar inzensiert wurde, wurde es einigen der Jungen schlecht, einer ist sogar umgekippt. Der Dirigent kam händeringend auf uns zu: „meine Jungen vertragen den Weihrauch nicht, bitte weglassen“; da er es in Französisch sagte, musste ich übersetzen. Unser guter Pfarrer schaute erstaunt auf. Das musste selbst ihm merkwürdig erscheinen, doch er hat dann dem Wunsch entsprochen. Nach der Messe versuchte er der Sache nachzugehen - doch es kam immer nur die gleiche Erklärung: „meine Jungen  vertragen den Weihrauch nicht!“ Es gibt „heilige Dinge“, die unangenehm aufwecken und aufdecken!

Sein Ringen um Anerkennung nicht nur bei der Jugend, für die er wahrlich ein Herz hatte, sein Eifer, mit allen Mitteln die Menschen GOTT zuzuführen, machte ihn blind in der Unterscheidung der Geister. Die weite Halle des früheren Kinos von Hitler auf dem Obersalzberg, die nach dem Krieg zur Herz JESU Kirche umgewidmet wurde, verführte ihn, sie zu einem Museum für die Bilder seines Freundes Seewald zu nützen. Sie wurde zum Konzertsaal bei großen Orchestermessen mit namhaften Solisten, zum Vortragsraum für namhafte Theologen und andere Persönlichkeiten, die damals im Gespräch waren. Zuletzt hat er in kindlicher Tierliebe einmal die alten Leute der Pfarrei eingeladen, in die hl. Messe ihre Tierlieblinge mitzubringen, die doch auch beim Lieben GOTT ihren Platz haben. Er hatte wirklich ein gutes, übergutes Herz. Es tut mir leid, dass ich mich ihm damals nicht öffnen konnte. Die „Endzeit“ lag mir schwer auf den Schultern.

Ich habe ihm damals meine Not wegen der Jazzmesse in einem Brief eröffnet und den Brief unter seine Tür gelegt. Für ein persönliches Gespräch war er zu beschäftigt. Als er mich am nächsten Tag darauf ansprach, meinte er, ich sähe doch wohl zu schwarz. Mit seiner Bemerkung „man fängt leichter eine Fliege mit einem Tropfen Honig als mit einem Fass Essig, hatte er wohl recht. Doch die Sache war damit nicht abgetan. Es begann die Zeit, dass Jugendliche unvorbereitet zur hl. Kommunion liefen; wenn sie nur überhaupt noch zur Messe gingen! Meine Not war ihm fremd. Warum sollte er junge Menschen zurück stoßen? Er versuchte Don Bosco nachzueifern..

Ich habe damals zum Telefon gegriffen und Mutter Bitterlich meine Not geklagt und gefragt, was ich wohl tun sollte? Sie zitierte das Wort aus der Apostelgeschichte: „man muss GOTT mehr gehorchen als den Menschen!“ Ich habe das wohl verstanden,  doch wie? Ich unterstand im Gehorsam dem Pfarrer und über ihm dem Bischof. Es hat viel Gebet gebrauch, das Wort auszuloten. Was wollte der HERR mir damit sagen? Sicher nicht einfach davon laufen! Es war ein verhüllter Hinweis, dass der HERR mir helfen werde, zu Seiner Zeit! Bis dorthin galt es, das Kreuz im Schweigen zu tragen.

Bei einem Pfarrausflug in das Alpenvorland am Sonnwendtag mit dem hl. Johannes dem Täufer. kam mir die Gewissheit: bald wirst du frei sein. Da zum Tanz eingeladen wurde, verließ ich die Runde und ging ein Stück hinaus ins Dunkel. In der Ferne sah ich ein Feuer: junge Leute hatten es angezündet. Ich blieb in Abstand, um nicht in ein Gespräch gezogen zu werden. Im Herzen wusste ich: ich brauche nur auf das Feuer zugehen! Auch wenn noch Schwierigkeiten aufkamen, die Hilfe fehlte nicht. Das Feuer der Sonnwende hat meine Berufung zum Werk geheimnisvoll mit geprägt.  In dunklem Glaube durfte ich gegen alle menschliche Befürchtungen auf meine „Befreiung“ hoffen. Die Verlegung des Seminars von Freising nach München hatte nicht wenige Berufungen abgeschnitten. Würde mich Kardinal Döpfner freigeben, da ich mein drittes Jahr in der Diözese abgeleistet hatte? Freistellung für ein Werk, das schon damals im Schatten der Verleumdung und Ablehnung stand?

Vom Psychiater und der Untersuchung im Krankenhaus habe ich schon gesprochen. Nachdem ich dort entlassen war, schickte man mich zu einem anderen Arzt, Hindernisse über Hindernisse. Mutter Gabriele gab den besten Rat: ich sollte mit ihr die Sühneweihe für den Kardinal ablegen. Was wog meine Teilnahme im Vergleich zu ihrem Anteil? Sie tat so, als ständen wir auf gleicher Stufe. Immer wieder durfte ich ihre schweigende Demut bewundern. Nur nicht davon sprechen, sie begann sonst sofort zu weinen. Sie wusste es besser, wer da half! Ein Ausweg war gefunden, als man mich für Brasilien vorschlug. Jahre später habe ich von einer begnadeten Person erfahren, dass dieses Einstehen der Mutter Kardinal Döpfner gerettet habe. Sie selbst hat wohl nichts davon erfahren und hätte noch weniger etwas davon erzählt. 

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Am Boden anfangen

Die Jahres - Exerzitien der Brüder des „inneren Kreises“ hätten keinen besseren Ort finden können als die Stille der Klause des hl. Einsiedlers, Br. Klaus. Um so mehr erstaunt war ich, als ich erleben musste, dass sie nicht im vollkommenen Schweigen gehalten wurden, wie ich es erwartete. Immer wieder habe ich Brüder im Gespräch miteinander gefunden. Schon hier musste ich lernen: Beweglichkeit. Es gibt keinen Anfang mit dem Engel, wenn nicht auf dem Boden der Freiheit; der Anruf zum Schweigen muss von Innen kommen. Der Engel kann den Menschen nur führen, wenn er in solche Führung frei einwilligt. Nichts achtet GOTT mehr als die freie Entscheidung. Obwohl das vollkommene Schweigen in den Exerzitien sicher vorteilhaft gewesen wäre, es wurde nicht auferlegt; wer es suchte, brauchte nur ein wenig abseits gehen. Der HERR war gut mit mir; ich bekam das Häuschen St. Bruno, das unten am Weg zur Melcha lag. Es sollte bald darauf meine Noviatsklause für ein dreiviertel Jahr werden.

Die zweite wichtige Erfahrung war: es ging auch sonst bei den Exerzitien ganz normal zu - keine außerordentlichen Erfahrungen, wie ich sie in meiner übersteigerten Phantasie ersehnte. Auch hier nichts anderes als das „trockene aber gesunde Brot des Wortes des HERRN“, wie es die Mutter durchgab. Schon damals schien mir, dass der HERR unser Ringen um „alte oder neue Liturgie“, in dem wir nicht einig werden konnten, gar nicht so ernst nahm, wie wir es taten. Damals überwog freilich noch die „traditionelle Partei“.

Die Exerzitien brachten einen neuen Aufbruch, etwas von der Gnade, die Br. Klaus erfahren hatte, als er Haus und Heim verließ und seiner neuen Berufung nachging. Bald hat GOTT ihn in entgegen gesetzter Richtung wieder in heimatliche Gaue zurückgeführt. Da er auf dem Rückweg nach oben in die Berge strebte, sollte ihn der HERR nach kurzer Zeit wieder hinunter zur Melcha rufen. Er musste dort entwerden,  wo er auszog, um GOTT zu dienen. Die Erkenntnis GOTTES geht immer über das Kreuz, Du musst es annehmen, wenn Du IHM begegnen willst. Der Weg hinaus war notwendig, damit Br. Klaus Länge, Breite und Tiefe seiner Berufung ausmesse, bevor er seinen Ort fand. Der Mensch der sich in GOTT erkennen darf, ist für dieses Leben gestorben; das sieht man noch heute deutlich an der Klause von Br. Klaus - sie ist wie ein „Sarg“ - kein normaler Mensch möchte in solcher Armut leben, er würde daran zugrunde gehen.

Wer GOTT gefunden hat, hat schon hier die „Wohnung“ von drüben. Die irdische Armut wird ihm zum Mantel, zur „Kutte“. Wo dieses Zeichen für ein Leben hin allein auf GOTT verloren geht, geht langsam auch die innere Berufung verloren. Der HERR selbst hatte mich durch Mutter in die Schule des Bruder Klaus geschickt! „Sie brauchen nur die Schrift und einige unserer Kreuzwege!“, war ihr  begleitendes Wort beim Abschied in Innsbruck. Seither habe ich zu Büchern gesunden Abstand. Schon der hl. Ignatius hat geraten: „non multa, sed multum“, oder „gozar las cosas por dentro = die Dinge von Innen verkosten!“ Die Tiefe braucht keinen Buchstaben.

Durch den Exerzitienvortrag „Das Schweigen des HERRN am Kreuz“, den ich bei den Brüder - Exerzitien halten durfte, wieder vermittelt durch die Mutter, hat der HERR meine Berufung zum Schweigen unterstrichen. Im Schweigen durfte ich Mutter auch in der Ferne nahe sein. Wie sehr hat sie sich nach diesem Schweigen von Br. Klaus gesehnt und musste es doch aufopfern in all den Arbeiten, die ihr mit den Brüdern und Schwestern oblagen. Wie oft hat sie im Stillen geweint über den Lärm vor ihrer Klause am Petersberg, da wir im Gang vergaßen, dass sie aus der Stille ihre Nahrung bezog.

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Der Kaplansacker hat abgeerntet

Dieses Wort aus dem einzigen Notiviziatsbrief[21], den Mutter mir nach Flüeli schickte (ich durfte Kaplan des ersten Schwesternnoviziates sein), ist mir bis heute im Gedächtnis geblieben. Leider ist Mutter bald sehr krank geworfen, wohl in Sühne für diesen neuen Anfang mit den Schwestern, der nicht nur mir viel Not brachte. Wir waren einfach hinein geworfen. Wie wenig wussten wir von unserem hl. Engel, der uns doch führen sollte. Immer wieder haben wir auf alte Formen des Ordenslebens zurückgegriffen. Diese Versuchung war besonders für alle die groß, die aus einer sterbenden Gemeinschaft ausgestiegen waren. In der Sehnsucht, ganz neu anzufangen, musste ich erst erfahren, dass auch in den alten Formen Halt und Hilfe zu finden war, wenn wir sie nur mit dem hl. Engel von Innen anpackte.

Welche neue Last kam da auf Mutter Last zu, nun auch für den äußeren Aufbau sorgen zu müssen. Nur dies hatte sie uns voraus: dass ihr die Erfahrung religiösen Lebens fremd war. Auch wenn sie von da und dort Hinweise bekam, sie musste sie stets erst vor den HERRN tragen und immer wieder unsertwillen Abstriche machen. Nicht weniger hat haben ihr junge Leute wie ich bereitet, die aus dem Alten ausgebrochen waren und meinten es leichthin hinter sich zu lassen. Das Bedürfnis nach Freiheit ist nicht weniger täuschend wie das ängstliche Festhalten an alten Formen die geistig entleert sind. Erst hier ging mir langsam auf, dass ich das Trauma der Hitlerzeit noch lange nicht verkraftet hatte.

Hier hat, wie sie mir später einmal nüchtern andeutete, der Böse schon die Schlinge nach mir ausgeworfen. Es war da auch außer dem alten Benediktiner Pater, bei dem ich zur Beichte ging, da, der mich auf diesem Weg durch das Wort hätte weisen können. Wie viel Sühne braucht es, bis eine Seele frei wird, ein klares Ja zu ihrer Berufung zu sprechen. Welche Gnade wurde uns da in der Mutter geschenkt! Wie viel Mutter hat da Mutter in der Sühne mit getragen! GOTT möge es ihr ewig lohnen! Als Beispiel sei ihr Einsatz für mich erwähnt, da ich versuchte für eine in Flüeli von ihren Mitschwestern bös gemiedene Schwester einzutreten. Unterscheidungsloses Erbarmen macht blind. Zurück gerufen auf den St. Petersberg, erschien mir die Burg düster, belastend, ja niederdrückend. Vor allem Neuanfang braucht es Umkehr und Buße. Erst so könnte ich IHN finden. Es wäre notwendig gewesen, mir auch im Wort diesen Anruf zu vermitteln, doch Jeder hatte mit seiner Last genug. Es war da noch so viel an Besserwissen abzubauen, bevor wir uns ohne Schminke anschauen konnten.

Die Spaziergänge, die ich unternahm, waren eine gute Gelegenheit, die Burg einzukreisen und bewusster auf den Anruf des HERRN zuzugehen, dem ich noch nicht gestanden hatte. Nicht wenig hat mir auch hier wieder die Natur geholfen. Der „Naturbursche“ – so hatten mich auch meine Amerikaner als ich in der Snackbar arbeitete, wusste noch recht wenig, wie tief in uns die Sünde wurzelt. Der Anruf zur Umkehr und Buße öffnete die Türe zur Burg. Immer wieder, wenn ich von langen Fahrten oder Auslandsaufenthalten zurückkam, bin ich spätesten am Fuß des Hügels, auf dem die Burg lag, ausgestiegen und dann zu Fuß hinaufgegangen. Man kann dort nicht einfach mit der Tür ins Haus fallen - oder man hat einfach kein Gespür, für das, was GOTT am diesem Ort hinter dicken Mauern bereitete. Im Anfang erlebte ich das Geheimnis um diesen Ort so stark, dass ich „sah“ und erlebte, was sich später als eingebildet herausstellte. Auch dies war ein Zeichen, dass ich IHM noch davonlief und in diesen leeren Raum meine „Bilder“ setzte.

Wer sich der Wirklichkeit GOTTES nicht stellt, muss notwendig eine „andere Wirklichkeit“ erfinden. Die vom modernen Menschen aufgebaute Welt ist dafür das deutlichste Zeichen. Je mehr sich der Mensch von GOTT entfernt, ist er versucht, „sich selbst aufzubauen!“ Hier ist mir die sühnende Nüchternheit der Mutter zur Hilfe gekommen! Alles Suchen nach äußeren Zeichen, das mich damals noch bestimmte, war nur ein Ausweichen vor dem unbedingten Anruf, in die Tiefe zu gehen, in der sich allein wahre Geheimnisse erschließen. Als ich vom Zug aus der Schweiz kam, hatte ich bei Mutter Gabriele nur „vorbeigeschaut“, ohne sie recht „anzuschauen“. Nach dem gemeinsamen Frühstück, bei dem auch ein anderer Bruder und eine Schwester dabei waren, hätte ich wohl eine Gelegenheit gehabt, auf sie zuzugehen. Obwohl sie zutiefst wusste, was mir fehlte, hat sie mich nicht angesprochen; sie hat weiterhin meine Last getragen. Ich musste den Weg von selbst finden - das war „Engelerziehung“. Mutter half durch ihre Sühne und ihr Gebet, dass die Schwester zurücktrat und den Blick auf den  HERRN freigab.

Welche Not sie mit diesem ersten Noviziat ausgestanden hatte, kann ich erst heute besser ermessen. Es wurde wie aus dem „Boden gestampft!“ Auch die Novizenmeisterin war ihrer Aufgabe nicht gewachsen und musste bald durch eine andere ersetzt werden. Es fehlte die rechte Form für das Noviziat, Br. Hj. hat hier durch die „Erzengeldienste“ abzuhelfen versucht. Reihum abwechselnd sollten die Schwestern ihre Aufgabe in Einheit mit einem der sieben Erzengel erfüllen, um ihnen näher zu kommen. Warum nicht ganz unten mit dem Schutzengel anfangen, habe ich mir später gedacht? Wie notwendig es gewesen wäre, die erste Aufmerksamkeit der Schwestern auf ihren Schutzengel zu lenken, ihnen zu helfen, dass sie ihn langsam erkennen und auf ihn merken. Doch wir älteren Brüder, unter denen ich der jüngste war, hätten hier erst selbst in die Schule gehen müssen. Die Versuchung höher zu steigen, kam nicht nur von den Bergen, die uns manchmal nicht weniger bedrückten wie die dicken Schlossmauern. 

Wie viel muss Mutter gelitten haben, wie sehr wurde sie durch unsere Nöte vom Schauen auf GOTT abgezogen. Der Unterschied in den Tageblättern vor und in der Zeit des „Aufbaus“ im Orden muss dem tiefer Betrachtenden auffallen. In Demut und Sühne hat sich Mutter unter die Aufgaben des Ordens gebeugt. Da sie in Ordensdingen ohne Erfahrung war, ist sie manchem Rat gefolgt, der die Weite des Planes GOTTES einzuschränken drohte, für die sie doch eintreten musste.

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Entwerden

Eine andere Aufgabe, die uns durch die enge Verbindung der Mutter mit den Guthirtinnen nahe gebracht wurde, war die Hilfe in St. Gabriel, in München, bei den „gestrandeten Mädchen“. Hier war es leichter, dem hl. Engel nahe zu kommen. Die Arbeit mit ihnen wäre fruchtbarer geworden, hätten wir uns unter Brüdern und dann mit der Mutter getroffen, um den Engelweg tiefer einzupflügen. In allem Aufbruch fand sich dazu keine Zeit. Jeder hatte seine eigene Lösung. Die Prüfung ging nicht nur für mich in unerbittlicher Schärfe auf das „Mitleid“. Wir mussten von aller zu persönlichen Anteilnahme gereinigt werden. Wie ruhig muss ein operierender Arzt das Messer führen, fast wie „unbeteiligt“.

Da wir uns dieser Aufgabe nicht wirklich stellten, wurde sie uns bald genommen. Sie ähnelte der Aufgabe, die Mutter Gabriele schon in der Zeit des „Werkes der Rettung der Armen Sünder durch die Armen Sünder“ (1948/49), auf sich genommen hatte, da vom Werk noch nicht die Rede war, Der Feind kannte unsere Schwachstellen. Wir waren der Aufgabe noch nicht gewachsen! Es fehlte uns das unbedingte Schauen auf den HERRN, dass er uns wie die Mutter als Werkzeuge Seines Erbarmens verwenden konnte. Das Schauen in der Stille zu lernen, ist schwieriger als erobernd hinauszugehen. Wir haben uns in den vielen Aufgaben, die von allen Seiten an uns herangetragen wurden, verzettelt.

Die erste Aufgabe, erst später erkannt, ist unsere Läuterung. Das sollte mir in einer bitteren Erfahrung wie ins Herz gebrannt werden. Wir hatten gerade die Exerzitien in Altötting beendet, da erfuhr ich, dass die „schwierige Schwester“, der ich mich in Flüeli so sehr gewidmet hatte, im Krankenhaus sei und darauf warte, dass sich ein Priester um sie kümmere. Die zuständige Schwester schien sie vergessen zu haben oder meinte wohl, es sei gut, sie ein wenig warten zu lassen. Von Ordensgehorsam wusste ich damals wenig. Wir waren „hineingeworfen“ in Aufgaben, in denen wir uns mit dem hl. Engel zurechtfinden mussten. Der Bruder, der mich begleitete ist noch vor Abschluss abgereist, keine Gelegenheit für ein klärendes Gespräch. Ich konnte ihm nur mitteilen, dass ich vorhabe, über München zum Petersberg zurückkehre. Die Schlinge war noch nicht gelöst. Zu sehr war ich überzeugt, dass ich helfen müsse.

Betend in der Gnadenkapelle hatte ich mich allein zu dieser Fahrt durchgerungen. Da kein Zug mehr zu erreichen war, versuchte ich es mit Autostop. Auf der Ausfahrtsstraße war ein kleiner Unfall passiert, so staute sich, gerade als ich hinauskam, eine ganze Autoschlange. Ich brauchte nur an einem Wagen mit Münchner Nummer anfragen; bald fand ich einen gutgesinnten Fahrer, der mich am Krankenhaus, wo die Schwester lag, absetzte, weil er in der Nähe wohnte. War das nicht das deutlichste Zeichen, dass ich auf dem rechten Wege war? Als ich auf den Petersberg zurückkam, wurde ich von Br. H, zur Rede gestellt und in die Stille geschickt, um ein wenig nachzudenken, was es um den Gehorsam sei.

Ich sollte darüber eine schriftliche Arbeit machen. Inzwischen würde man überlegen, was mit mir zu tun sei. Die stillen Tage waren ein Geschenk des Himmels, die schriftliche Arbeit wurde zu einer Noviziatsunterweisung, die der HERR selbst übernahm, Schließlich ließ man Gnade über Recht ergehen. Eine bessere und wirksamere Unterweisung hinein in den Gehorsam hätte ich nicht finden können. Erst jetzt kam der hl. Engel zu Wort. Dahinter stand die geduldige Sühne von Mutter. Der Bruder, in der Ordensdisziplin aufgewachsen, hätte mich sicher weggeschickt. 

 

Barmherzigkeit

Mutter hat meinen Weg der Läuterung  mitverfolgt. Als die drei Wochen der Stille vorbei waren, die schriftliche Arbeit vorgelegt war, bekam ich den Bescheid, dass ich im Erbarmen des HERRN wieder angenommen war. Bald darauf durfte ich auch nach Innsbruck fahren, um im kleinen Zimmer der Mutter die heilige Messe zu lesen. Es war dies für mich ein so großer Tag, dass ich mich noch an Einzelheiten genau erinnere. Als ich ankam, musste ich noch einige Zeit in der Küche warten. Das gab mir die Gelegenheit, das Evangelium des Tages ein Stück tiefer zu durchbeten: der HERR, der über die Wogen zu den Jüngern komm. Die Jünger meinen, es sei ein Gespenst. Selten ist mir so deutlich aufgegangen, wie sehr uns eigene Vorstellungen und Wünsche hindern, der Wirklichkeit so zu begegnen, wie sie ist. Jetzt da ich frei war, war auch der Weg zur Mutter hin wieder offen. Ein Zeichen mehr, wie sehr sie mit dem HERRN eins war, Werkzeug in Seinen Händen.

Die Predigt, die ich damals hielt - es war wohl die erste in Gegenwart der Mutter - war ein Geschenk der Dankbarkeit an sie für all die Not, die sie um mich ausgestanden hatte. Über Andere, die nicht so schweigsam waren wie sie, hatte ich inzwischen manches von dem Leid erfahren, das die Mutter für mich getragen hatte; ich war tief beschämt. Es war diese hl. Messe eine tiefe Begegnung im HERRN, Friede und stille Freude erfüllten mich und Mutter verbarg nicht, dass auch sie zufrieden war. Nicht nur war ich wieder angenommen, ich durfte ein Stück tiefer einsinken in Sein Herz! Die Wege des HERRN, wenn wir uns nur ein wenig fügen, brechen nicht ab, sondern wandeln uns hin zu IHM, der allein unsere ganze Aufmerksamkeit verdient!

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Der Sog der Aktivität

Immer wieder war der HERR so gut, mir Zeiten der Stille, des Betens und der Überlegung zu schenken, sonst wäre wohl auch ich langsam aber sicher in den Sog der Aktivität geraten. Konnte es anders sein? Wir waren Kinder dieser schnelllebigen Zeit und kamen meist aus großer Not und Bedrängnis, die erst hätte gelöst werden müssen. Doch Niemand hatte dafür Zeit. Stillschweigend galt: „die hl. Engeln werden das schon tun“. Keiner wollte erkennen, dass da ein wenig Mithilfe notwendig gewesen wäre. Wir meinten, wir brauchen sie nur hinauszutragen. Nicht wenig haben wir auch die Mutter in den Strudel der Aktivität hinein gezogen. Da der HERR sie führte, meinte man, erübrige sich weitere Führung. Später sollte ich erfahren, wie sie selbst mich armen „Rekruten“, so nannte mich scherzhaft ein älterer Bruder, manchmal um meine Meinung befragte.

Mit hineingerissen war der HERR mit ihr; auch dies ist uns erst viel später schmerzlich aufgegangen. In den Aufzeichnungen um l960, wird der HERR nicht müde, auf die notwendige innere Wandlung hinzuweisen. Doch wir meinten es besser zu wissen. Später würde sie von selbst kommen. So haben wir sie aus dem Auge verloren. Wie viel besser hätte ich die Zeit beim Bruder Klaus ausnützen können - mir scheint heute, dass ich, die besondere Gnade von Marienberg (Einkehrzeit vor meiner Primiz) ausgenommen, nie mehr später so tief in die Stille eingesunken bin wie in den ersten Monaten in Flüeli.

Die Mutter wurde hinein gerissen in unsere Eroberungspläne, wir waren nicht aufzuhalten. Die „Zeit der Brüder“ war angebrochen, sie verlangte ihren bitteren Zoll, zuerst von der Mutter. Nie vergesse ich das Wort einer der Mutter sehr nahen Schwester, die in den Anfängen zu ihr gestoßen war. Sie, mit anderen Mägden, hatte Ähnliches erlebt wie die ersten Frauen in der Mariapolis der Focolarini: die himmlische MUTTER war in ihrer Mitte. Haben die anderen Brüder nie davon gehört? Dieses gnadenvolle Geleis war still gelegt, ohne dass wir es in unserem Übereifer auch nur ahnten.

Als ich von Flüeli zurück kam und dem Frühstück in der Wohnung von Mutter beiwohnte, hatte der HERR gerade vorher ihr das Wort gegeben: „Deine eigenen Söhne und Töchter werden immer weniger auf dich achten!“ ER gab die Weihe an das „Unverstandensein CHRISTI in dieser Zeit“. Ich habe davon erst später erfahren. Die Sühne wurde für Mutter zur ersten Aufgabe! Wie sehr musste sie für unser Versagen vor dem HERRN gerade stehen! Wie tief muss sie in den folgenden Jahren darüber erschrocken sein, welch untauglichen Werkzeugen sie das Werk überließ, für das sie geblutet hatte! Immer mehr hat sich das böse Wort des Feindes, das sie eines Tages hören musste, bewahrheitet: „sie kamen zusammen mit ihren Fahnen ... und spielten“. Und dies trotz all der Mahnungen, die der HERR immer wieder durch sie an uns ergehen ließ. Oft mussten wir uns bange fragen, wird der HERR nicht mit seiner Drohung wahr machen, dass er sich andere, gefügigere Werkzeuge suchen werde? Um der Mutter willen hat ER wohl immer wieder Barmherzigkeit vor Recht ergehen lassen.

Wir wussten damals noch nicht, wie sehr jedes Versagen vom „Anderen“ notiert wurde zu einer ständig wachsenden Anklageschrift, die er zu seiner Zeit an die Öffentlichkeit bringen würde. Bald sollte es offenbar werden. Immer ist es der Verrat in den eigenen Reihen, der am schmerzlichsten trifft. Keiner von uns ist hier besser: es gibt nur einen Weg um „gut zu machen“, dass Er uns mitnimmt nach Golgotha! Dass der Orden ein Büßerorden sein sollte, wer anders konnte es uns vorleben als Mutter, wer hat es inzwischen verstanden? Mussten wir nicht zufrieden sind, dass uns die Kirche aufgefangen hatte und auf einen „mittleren Weg“ festlegte? Mutter hat jede Station dieses Abweges sterbend durch gelitten. Kein Wunder, dass ihr Totenangesicht das Wort des HERRN widerspiegelte: „warum hast DU mich verlassen? Ich kann es nicht vergessen.

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Sentire cum Ecclesia = in der Kirche stehen

Als Spätheimkehrer in die Kirche wusste ich wenig vom Geheimnis der Kirche, die Vorlesungen haben es eher zugedeckt. Erst durch Mutter durfte ich einen ersten Blick in das mystische Geheimnis der Kirche tun, etwas von Seiner bleibenden Gegenwart erfahren. Sie war in einer christlichen Familie aufgewachsen und wollte in Begeisterung Missionarin werden. Doch sie wurde unter das Joch der Ehe gebeugt. Die Ehe wurde für sie schon am Anfang zur Prüfung: sie entschied sich für den höheren Gehorsam gegenüber GOTT, ohne sich ihrem Mann zu entziehen. Da der HERR sie auf das Werk ansprach, musste sie die Spannung zwischen dem Heute der Kirche und der Verheißung: „Siehe ICH mache alles neu“ auf sich nehmen bis zum Verbluten.

Hier konnte ihr niemand zur Seite stehen, Nahe liegend war es, diesem Kreuz auszuweichen. Der Auftrag das Werk hinauszutragen, braucht er nicht tiefere Vorbereitung in der Stille, gemeinsames Beraten und Beten? War nicht unsere erste Pflicht, der Mutter zur Seite zu stehen? Notwendig musste der Orden auseinander brechen, da ihm durch den Tod der Mutter das Herz genommen war, das uns bis zuletzt in Sühne durchgetragen hat. Die Hilfe der Kirche enthebt uns nicht, der ersten Liebe nachzugehen! 

Für nicht Wenige von uns war das Werk im Schiffbruch der Neuerungen nach dem Vat.II ein Anker geworden. Der HERR hatte durch die Mutter erkennen lassen, dass Er über allen Umbruch hinaus auf eine Kirche schaue, die mit den Engeln und ihrer Ordnung zusammenwachse. Nur so konnte sich die Verheißung: „Siehe, ICH mache alles neu“ der Geheimen Offenbarung verwirklichen. Doch wer von uns, die Mutter ausgenommen, war fähig, dies tiefer zu erkennen und in sich aufzunehmen? Der Hinweis des HERRN war klar, doch nur über den Weg der Prüfung zu verwirklichen. So wie diese Prüfung von Anfang über dem Leben der Mutter stand, so steht sie über der Gemeinschaft und der ganzen Kirche. Der feste Boden ist auch jetzt noch nicht erreicht,  da die Kirche auf den Orden und seine Sendung  aufmerksam geworden ist. Die Sendung mit den hl. Engeln bleibt zu beweisen!

Bestes und erschütterndes Dokument für die innere Auseinandersetzung der Mutter sind der Briefwechsel mit dem jungen Doktoranden der Dogmatik und des Kirchenrechtes, Georg Blasko. Hier stand theologisches Examenswissen gegen erlebte Wirklichkeit GOTTES. Nicht Buchstaben gegen Geist, sondern Buchstaben gegen ein vor Liebe für die Kirche brennendes Herz. Wie sollte ein Mensch, der ganz aus der Sühne lebte, das „Anathema sit“ der Kirche ertragen – da er den letzten Sünder in der Kraft des Blutes CHRISTI zu retten sich ausstreckte? Der Gedanke, einen Verirrten dem Feind auszuliefern, war der Mutter unerträglich, da sie jeden Tag neu um Priesterseelen ringen musste, die sonst verloren gewesen wären. Wer würde diesen Auftrag weiter tragen?

Priesterrettung

Der HERR hatte uns im ersten Jahr in Petersberg in der Hilfe für die Ärmsten eine der dringenden Aufgaben gezeigt, die uns als Werk aufgegeben war. Doch sie war nicht die erste, auf die Er das Werk ausgerichtet wissen wollte. Die Rettung der bedrohten oder abgefallenen Priester, die sich „abgesetzt“ hatten (nach dem Konzil waren es in kurzer Zeit mehr als 40 000!) und die Stärkung der getreuen Priester war unsere erste Aufgabe. Der Petersberg sollte ein „Haus der Priester“ sein, wo sie geistige Hilfe finden könnten. Musste uns nicht erst selbst geholfen werden?

Ein nüchternes Wort des HERR sollte es in der Aufgabe der Priesterrettung leiten: „Bevor Du Bruder nicht im Öl der Heilung schwimmst, wirst Du Deine Gespaltenen nicht heimbringen“ Erst muss der Spaltpilz der Absonderung nach innen wie nach außen überwunden werden. Die Kirche unserer Tag ist von ihr durchfurcht. Zum Trost blieb uns nur: „primum in intentione - ultimum in executione = was man zuerst anstrebt, wird meist erst zuletzt erreicht!“ Anders war es bei der Mutter. Wie viel Sühnetode sie für Priester gestorben ist, die sonst verloren gewesen wären, weiß der HERR allein. Die älteren Brüder, die in der Nähe der Mutter sein durften, konnten es in nächster Nähe erfahren.

Hier ein Beispiel, es war in der letzten Zeit des Sühneleidens der Mutter, da der HERR daran war, sie heimzuholen, wir standen zu fünf Priestern segnend und kämpfend um das Bett der Mutter. Sie hatte schon sterbend die Augen geschlossen, der Atem war dünn geworden, fast erloschen, da schlug sie plötzlich die Augen wieder auf, sah uns erstaunt an und rief mit frischer Stimme: „ihr Rasselbande, habt mich gerade noch vor der Tür zum Himmel zurück geholt!“ Wir waren erschöpft vom Kämpfen, sie lächelte uns an: „GOTT ist gut!“ Sie hat uns dieses Wort auf ihrem Kreuz am Grab hinterlassen. Der HERR bedient sich der Schwachen, um die Starken zu besiegen. Großtaten des Erbarmens GOTTES, doch wer wird ihnen Glauben schenken? Die einen zweifeln, die anderen leugnen, außen ein mitleidiged Lächeln. Der HERR hat versprochen, dass ER Wunder über Wunder wirken wird, wenn einmal die Zeit der Prüfung durch gestanden ist. Wir glauben, auch wenn das Werk wie ein Gebirgswasser für eine Zeit unter der Erde verschwunden ist, es wird gereinigt wieder auftauchen.

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Die Sonnenbrille nicht vergessen!

Ernüchtert durch alle Prüfungen, blieb die Mutter unbeirrt in der Liebe zu GOTT und zum Nächsten. Selbst in schwersten Prüfungen hat sie nie den Boden unter den Füßen verloren. Sie hatte Verständnis für alle, die Fernen und die Nahen, die Braven und die Schwierigen, keiner, der das Glück hatte, einmal bei ihr vorsprechen zu dürfen – was selbst für uns nicht leicht war – ist ungetröstet von ihr gegangen. Und immer waren es nicht hohe, fromme Worte, die sie mitgab, sondern meist ein recht hausbackener Rat. Das durfte ich nicht mir nur bei mir selbst, sondern auch in der Sorge für unsere ersten Studenten erleben, die meiner Fürsorge in Rom anvertraut waren. Da der Hausvater und die Hausmutter in Rom sehr sparten, sorgte sie dafür, dass „Zugaben“ für die Brüder bereit waren.

Das Studium war schwer, da braucht es manchmal eine Schokolade oder sonst etwas Süßes. Im Anfang hat mich das gewundert, ja ich habe mich sogar daran gestoßen, besonders wenn ein junger Bruder darauf pochte. Mütterliche Vorsorge und Güte passen nicht in Ordensschubladen! Wenn wir auf Mission in ferne Lande zogen, war sie besorgt, dass wir gut ausgerüstet seien, bis auf die Sonnenbrille, notwendige Medizinen u. a. m. woran nur eine Mutter denkt, so Manches, was wir im Eifer des Gefechtes vergessen hätten. Sie verhehlte nicht, dass sie für solche kleinen und großen Nöte auch eine „schwarze Kasse“ hatte. Hat sie je Ordensgelübde abgelegt? Nie trug sie ein Ordenskleid. Das Wort „Mutter“ am Grab, sollte uns ihren eigenen „Ordensstand“ in Erinnerung bringen.

Ein besonders lieber Brauch war es, dass sie nicht nur beim Abschied winkend am Fenster stand, sondern vorher auch mit jedem der gesendeten Brüder eine Tageszeit ausmachte, in der sie an ihn zu denken versprach – bei all dem Anderen, was sie belastete. Wie sollte sich recht verstandene Ordensdisziplin mit mütterlicher Güte und Vorsorge stoßen? Hat sie uns nicht wiederholt: der Orden soll einmal der strengste sein und doch ganz Familie. Nur wer ein wenig mehr vom Geheimnis des Kreuzes weiß, wird dies recht verstehen – heute stehen sich diese Gegensätze ablehnend bis feindlich gegenüber, spalten die Kirche in feindliche Lager. Wie wahr ist ihr Wort, dass die tiefere Bindung mit dem Engel den Menschen menschlicher macht, aufmerksamer, liebender – einfach weil er wacher ist, tiefer und weiter blickt als der bloß „humane“, der nur sich selbst sucht. Auch wenn wir es an uns noch kaum erfahren, in der Mutter war das Einssein mit dem hl. Engel Wirklichkeit, die keiner von uns vergessen kann, auch wenn wir jetzt weit abgetrieben sind.

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Achtzehn Monate zwischen Himmel und Erde

Wie der HERR es der Mutter schon 1970 vorausgesagt hatte, so sollte es sich auch erfüllen - dass „ihre Kinder ihrer immer weniger achteten“. Es wird dieses Wort erst jetzt in seiner ganzen Schwere offenbar. Im Anfang haben wir es, soweit wir es überhaupt aufnahmen, mehr auf Einzelfälle bezogen, die in diesen Jahren zwischen 1970 und 77 nicht fehlten. Es war das Werk zu sehr eine Herausforderung, als dass es nicht Widerstand, Ärgernis und Verneinung herausgefordert hätte. Nicht Wenige kamen zu uns, die ein Unterkommen suchten, da sie in allem Umbruch draußen ihren Platz verloren hatten. Die Zeit war vorbei, dass alle Berufungen über die Mutter gingen.

Die Brüder aber hatten nicht die Zeit, um sie zu prüfen. Sie waren draußen oder kämpften in Rom um die Restaurierung des Kreuzordens, auf den uns der HERR verwiesen hatte. Die täglich neuen äußeren und inneren Angriffe, die uns zu einer gefährlichen Sekte stempelten, waren nicht mehr zum Schweigen zu bringen. Wir waren froh über den Segen so vieler Berufungen, die herein strömten. Der nicht einfache Rat der Mutter: „Berufung ist dort, wo der Engel zuerst eintritt“ war vergessen, er verlangte zuviel Zeit für Gebet und Aufmerksamkeit für den Kandidaten. Die Mutter musste in ihrer Verantwortung für uns vor dem HERRN immer mehr die Last der Fehlentscheidungen tragen. Da sie es im Schweigen tat, konnten wir meinen, es sei alles beim Besten!

Ihre größte Not waren die „eigenen Wege“, die wir gingen, mit bestem Gewissen doch ohne bewusstes Aufschauen zum HERRN, ohne uns mit dem Bruder tiefer zu verständigen und mit ihm in eins zu gehen. Nicht nur die Mutter ließen wir damit außer Acht, sondern den HERRN, der sie uns gegeben hatte. Man wird dies später auch an den Tagesaufzeichnungen nachprüfen können: wir haben die Mutter vom Weg, den der HERR sie führen wollte, abgedrängt. Als Pierina, die Seherin von Montechiari, eine Statue der „Rosa Mystica“ zur Mutter brachte, erging an uns durch die „MUTTER DER LETZTEN STUNDE“ (wie sie damals Mutter nannte) eine letzte Mahnung zur Einheit. Ich war damals mit Bruder Michael von Rom herauf gefahren. Wir mussten schwören, Br. H. den Sohn, nicht aus unserer Mitte zu entlassen, auch wenn er selbst sich entferne. Dieser ernste Anruf hat wohl jeden getroffen,  doch er konnte den verhärteten Boden nicht mehr aufreißen. Wir waren einander schon zu fern. Bald sind wir wieder den „gewohnten Weg“ weitergegangen.

Beinahe zwei Jahre vor ihrem Sterben fiel Mutter in eine seltsame „Krankheit“. Als einer von uns oder den Schwestern im Gang bei der Mutter die Türe zuschlug oder zufallen ließ, bekam die Mutter einen schweren Herzanfall, der ihr Todesleiden bis zu ihrem Lebensende auslöste. Sie konnte damals nur noch, und dies auch nur selten, ihr Bett mit dem Liegestuhl wechseln. Nach außen tat sich die Krankheit vor allem in äußerster Schwäche kund. Immer mehr wurden wir Brüder zum Segnen und Bannen zur Hilfe gerufen. Bald erkannten wir gezielte Fluchangriffe von einem der feindlichen Zentren in Südtirol. Im Anfang wurden sie noch abgewehrt, später ist auch diese Abwehr unter der immer größeren Wucht der Angriffe zusammen gebrochen. Wir Brüder mussten fast Tag und Nacht zur Verfügung sein. Oft war es nur eine Abwehr „ins Blinde“. Um diesen geistigen Kampf zu bestehen, hätten wir uns auch strategisch zusammensetzen müssen, um in Gebet und Studium zu überlegen. Doch jeder einzelne Bruder war mit seinen Aufgaben so belastet, dass es notwendig nur zu „Einzeleinsätzen“ kommen konnte.

Es gab dazwischen auch wieder stillere Zeiten, besonders in den über sieben Monate, da ich allein für Mutter zu sorgen hatte. Die älteren Brüder waren aus dem Hause oder hatten für diese Aufgabe keine Zeit. Es wurde eine gnadenvolle Zeit der Stille und des Schauens. Stunden verbrachte ich schweigend im Zimmer der Mutter. Da ich nach Weisung des HERRN nicht für den Exorzismus gerufen war, genügte es, dass ich betend für die Mutter da war, die hl. Messe feierte, sie häufig unter Tag segnete und abends, so weit es noch möglich war, ihre Beichte hörte. Stille  Zeiten sind  wie an der Grenze der Zeit, sie schauen hinüber in die Ewigkeit - wie schnell sind sie vergangen! Ich weiß mich nur noch an wenige Einzelheiten zu erinnern.

Schweigend in der Nähe der Mutter zu sein, war ein Stück Seligkeit. Wenn ich wirklich einmal etwas gefragt habe, was damals schon kaum mehr möglich war, so bekam ich eine ganze andere „Antwort“, hatte Mutter die Frage überhört? So sprach sie einmal, als ich sie auf eine „Correctio fraterna = brüderliche Zurechtweisung“ ansprach, von den Namen der MUTTERGOTTES, die mir in besonderer Weise zugeordnet waren. Still schweigend hat sie mich auf die MUTTER verwiesen. Ein anderes Mal war es ein Hinweis, wie sehr der HERR von mir Behutsamkeit erwarte. Es war wohl nur ein oder zweimal, dass ich etwas aufzuschreiben hatte, was ich dann weitergegeben habe. Die Mutter wurde stumm. Schwieg sie, weil wir nicht mehr hörten?

Für uns war eine Türe zum HERRN hin zugefallen; doch nicht einmal dies war uns recht bewusst geworden. Ihr Schweigen war Gegengewicht zur fieberhaften Aktivität der älteren Brüder in Rom: es ging um die Restaurierung des Kreuzordens von Coimbra. Eines Tages kam für eine Reihe von uns Brüdern und Schwestern die Order, nach Portugal aufzubrechen, um das Noviziat vorzubereiten. Der Abschied von Mutter war schwer.

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Verhängnisvolle Missverständnisse

Mit dem Noviziat schien die Zeit gekommen, den „Wildwuchs“ zu beschneiden, in dem wir aufgewachsen waren. Es war dies übrigens ein Wort der Mutter im Blick auf das erste Noviziat am Petersberg. Gab die Kirche dazu nicht alle Handhabe? Es war beste Absicht und bester Wille von P. Thomas, die Weisung der Kirche für dieses Noviziat nach dem Buchstaben zu erfüllen. Die Umstellung war für die Meisten von uns krass, doch bald wurde dem größeren Teil das Wohltuende einer Ordnung offenbar, die das oft Sprunghafte, das wir vorher in der Führung erlebt hatten, einzudämmen schien. P. Thomas meinte einmal mir gegenüber: mit einem Bus kann man nicht so scharf in die Kurven gehen! Die Erfahrung einer bis ins Einzelne gefügten Ordnung, die er von den Trappisten mitbrachte, war für mich eine neue Erfahrung von Kirche. Weder im Heimatseminar noch in Innsbruck im Canisianum bei den Jesuiten hatte ich Ähnliches erlebt. Buchstabengetreu folgte P. Th. der Weisung der Kirche. Dass auch das Gesetz noch kein letzter Schutz gegen „Willkür“ bedeutet, sollten wir später leidvoll erfahren.

Bald wurde für die Wenigen, die dem Engel schon ein wenig näher gekommen waren, das Atmen schwieriger, besonders als die ersten Pionierarbeiten zum Aufbau des Hauses erledigt waren. Genau dies war auch der Hinweis, der uns nach einiger Zeit vom Petersberg kam: „Es fehlt an frischer Luft“! - nicht nur standen wir durch strenge Ordnung wie unter ständiger Aufsicht, es gab auch wenig Möglichkeit, einmal entspannend an die frische Luft zu gehen. Selbst der wöchentliche Ausflug, der oft wegen des Regens ausfiel war in „Formation“. Dabei versuchte der gute P. Thomas treu seiner Trappistenregel den hl. Engel „mit einzubauen“.  Sie sollten sich nicht nur der  Ordnung anpassen, sondern vor allem auch uns dabei helfen. Wie schnell wird aus dem Glauben eine praktische Ideologie, denn es ist kein Zweifel, dass er in seiner Art an die Hilfe der hl. Engel glaubte. Er wäre sonst nicht zu uns gekommen und gegen alle später aufkommenden Widerstände geblieben.

Auch wenn sich der hl. Engel in seiner Sendung in unsere Ordnungen fügt, um uns durch sie näher zu GOTT zu bringen, bleibt er doch abhängig vom höheren Willen GOTTES, der nicht nur ein allgemeiner ist, sondern auf Jeden von uns und seine besondere Berufung schaut. Dies ist Gesetz für die hl. Engel: die willensmäßige Bindung an GOTT, sie war von ihnen in der Prüfung am Anfang der Zeit gefordert.  Im Grund war diese „Einordnung des Engels“ nur eine „Variante“ der Beschneidung unseres „Wildwuchses“. Hier war ein nach dem Buchstaben verstandenes Gesetz, das nicht weniger unsere eigene Sicht und unseren Eigenwillen zu decken hatte, eine Engelideologie, die in unsere Pläne passte. Auch wir Brüder hatten ja nicht als Erstes gelernt, auf unseren eigenen hl. Engel zu hören.

Wer sich nicht von der äußeren Ordnung blenden ließ, musste bald feststellen, dass die Spannungen von Tag zu Tag stiegen, besonders als Br. Herrmann eines Tages das verhüllte Wort des HERRN durch Mutter durchgab: „Haarscharf vorbei!“ und bald danach durch seinen Besuch schon am ersten Morgen einen Konflikt mit dem Gesetz der Kirche auslöste, als er eine zweite Messe feierte. Ich war naiv genug, ihn darauf aufmerksam zu machen, welchen Regelungen wir unterworfen seien und dass es wohl besser sei, sich hier schweigend einzufügen, wie es auch uns auferlegt war. Buchstabengetreu hatte ich mich eingefügt, war es für mich nicht eine neue Erfahrung von Kirche? Erst viel später wurde mir deutlich, dass ich den hl. Engel im Bruder verletzt hatte. Denn ihm war er gefolgt, als er von Mutter zu uns geschickt wurde. Bald sollten wir erfahren, dass schon hier das Noviziat auf ein Nebengeleis geraten war. Denn was wollte uns ein Orden, in dem der Engel nicht mehr der Führende sein konnte?

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Unverstandensein CHRISTI in dieser Zeit

Die entsprechende Weihe wurde schon erwähnt. Das Unverstandensein CHRISTII in dieser Zeit ist Scheidung nicht nur im Werk, sondern bis in die Mitte der Kirche hinein. Der „Humanismus“ deutscher Prägung ist zu einem gefährlicheren Feind der Kirche geworden als der Kommunismus und der Kapitalismus, Extremformen des Humanismus. Es muss alles menschlich erklärt werden, menschlich aufgehen: letzte, giftigste Blüte des Rationalismus, der mit der französischen Revolution als Geißel über Europa und jetzt über die ganze Welt gekommen ist. Nur auf diesem dunklen Hintergrund kann erahnt werden, was das Unverstandsein CHRISTI bedeutet. In dieses Unverstandensein, dem auch wir fremd gegenüber standen, stand Mutter Gabriele allein. Auch wo sie vom HERRN her noch wie durch Br. Herrmann Weisung geben konnte, die Weisungen drangen nicht mehr durch. Auch uns, Kindern dieser Zeit, dieser Kirche, war der hl. Engel noch fremd, so sehr wir uns in Not nach ihm ausstreckten. Diesen Konflikt hätten wir zuerst in Postulat und Noviziat bei denen lösen müssen, die als Berufene zu uns kamen. Wie sehr muss unsere Berufung tiefer einsinken, um in allem Umbruch dieser Zeit zu bestehen!

Unter allen heiligmässigen Tugenden der Mutter, voran die Reinheit ihres Herzens, ihr Kindsein vor GOTT, ihre abgrundtiefe Demut, ragt die Tapferkeit, der Glauben dieser Frau hervor, die in der Gnade GOTTES gewagt hat, den Schritt über die Schwelle der sichtbaren Kirche in das unsichtbare, verkannte und vom Bösen verzeichnete Reich der hl. Engel zu tun. Hier lag wohl auch die Klippe für die Priester, die sich um die Seelenführung der Mutter bemühten. Musste ihnen von ihrer Ordensausbildung her nicht der Auftrag des HERRN unbegreiflich erscheinen? Mussten sie nicht für die Kirche und ihre Ordnungen stehen, wie sie es gelernt und erfahren hatten. Wie wenig war hier Platz für den hl. Engel, wie wir ihn im Werk kennen lernen. Nur die Geheime Offenbarung kann hier Licht geben.

 Welche Anfechtungen sie durchstehen musste, in der Angst, auf falschem Wege zu sein, auch die ihr Anvertrauten auf diesen Weg zu bringen. Es waren mit ihre größten Qualen, die letztlich nur in der größeren Liebe zu GOTTES ihre Lösung fanden. Sie hat mit den hl. Engeln einen Weg in die Kirche gebahnt, der von  uns nicht weniger Tapferkeit verlangt, wenn wir dem Anruf GOTTES folgen wollen. Nur im je eigenen Bekenntnis kann die Offenbarung über die hl. Engel, wie sie in den Schriften niedergelegt ist, fruchtbar werden. Wenn wir in diese Richtung schauen, ist das Dekret eine notwendige Zurechtweisung. Doch diese Gegensätzlichkeit will angenommen und durch gelitten sein in der Ölbergnot des HERRN um Seine Kirche. Warum musste ER vom Engel gestärkt werden?

In allem Ringen um den Willen des VATERS war der HERR als Mensch allein und wurde vom Feind wie ein “Wurm“ zertreten: Zeugnis dafür ist seine blutige Passion. Welcher Schatz der Gnaden in dieser GOTTverlassenheit JESU für die Kirche verborgen liegt, werden die kommenden Zeiten offenbaren. Eine Kleine hl Therese durfte am Ende ihres Lebens in diese Not eintreten. Von der Theologie wird sie mit dem Schlagwort: „GOTT ist tot“ beantwortet. Im Erbarmen GOTTES sollen uns durch MARIA die letzten Gnaden aus dem Kostbaren Blut Seines SOHNES erschlossen werden.

 

Das Sterben der Mutter

Ein wenig haben wir auch im Noviziat der Cruzios in Sameiro die Gewalt des geistigen Kampfes um Werk und Orden mitgemacht, deren Schwertspitze sich gegen das Herz der Mutter richtete. Zwei jüngere Brüder haben geistig durchgedreht, einer davon hat sich später das Leben genommen, der zweite kommt nicht frei von seinen Zwangsvorstellungen, bleibende Mahnung, in welchen Kampf wir hinein gestellt sind. Die Mutter hat in diesem Kampf ihr Leben hingegeben für den Orden. Das anfängliche „haarscharf vorbei!“, das uns als Mahnung getroffen hatte, hätte uns endlich abgetrieben. Der Karfreitag 1978, als der Abt uns besuchte, brachte das Todesurteil über den Versuch der Brüder, das Anliegen des Werkes im Kreuzorden unterzubringen. Die Kirche hatte das „Folium annexum“[22] (Anhang zum Dekret der Restaurierung des Kreuzordens) als „conditio qua non“ unterstrichen. 

Noch an diesem Karfreitag kam die Nachricht, dass es mit Mutter sehr schlecht stehe. Die Brüder seien pausenlos im Einsatz mit Gebet, Segen und Exorzismus. Wer wach war, wusste, was die Stunde geschlagen hatte. Das Wenige, das ich vom Sterben der Mutter gehört habe, weist hin auf den apokalyptischen Kampf, der sich im Sterben der Mutter abgespielt hatte. Vereinfachend gesagt: „alle Fronten waren zusammengebrochen“. Sie starb wie im Chaos dieses Zusammenbruches.

Vielleicht hat sich mir auch nach den wenigen Berichten, die ich gehört hatte, betrachtend dieses Bild geformt. Die Auferstehungsberichte in den Evangelien atmen noch heute die Erschütterung über den Kreuzestod JESU. Sie sind nicht Berichte von Augenzeugen. Die einzigen Augenzeugen, die Wachen am Grab, waren geblendet und sind wie tot umgefallen, Die Auferstehungsberichte leben aus dem Licht von Drüben. Sie warten darauf, in unserem je eigenen Sterben erfahren zu werden. An der Gewalt dieses größten Geschehens der Menschheitsgeschichte muss alles Menschenmaß zu Schanden werden. Im Sterben der Mutter ist „Letztes=Novissima“ vorausgenommen, wie es der HERR der Mutter in den Jahren vor der Gründung des Werkes hatte sehen lassen (vgl. das Tb.6, von l948).

Mit Br. André durfte ich zum Begräbnis der Mutter von Portugal nach Petersberg kommen. Wenn man das Gesicht der Mutter im Sarg von vorne betrachtete, konnte man aus ihm das „Mein GOTT warum hast DU mich verlassen!“ herauslesen. Wenn man von hinten auf sie schaute, leuchtete das „Es ist vollbracht auf“. In dieser Gegensätzlichkeit ist ihr ganzes Leben gestanden. Sie musste auch ihren Tod prägen. Wenn der Orden nach dem Willen GOTTES werden soll, muss er dieses Erbe mit tragen. Ich durfte damals, auf und abgehend am Grab der Mutter, zum ersten Mal die Tagebuchaufzeichnungen zum „Letzten Angesicht“ lesen, die in der ersten schweren Prüfung des Werkes entstanden waren, als der Innsbrucker Bischof der Mutter auftrug, jeden Gedanken an eine Neugründung aufzugeben. Der Orden ist heute nach den Maßen der Kirche anerkannt, trotz aller bleibenden Verleumdung. Dass er das werde, was ihm der HERR vorgegeben hat, bleibt in der Hand GOTTES.

Die Beerdigung von Mutter war in der folgenden Passion am Freitag in der Sterbestunde des HERRN. Ich weiß nicht, was mich veranlasste, in der Zelle zu bleiben, am Boden ausgestreckt; wohl um mich von nichts Äußerem ablenken zu lassen; so habe ich die letzte Öffnung des Sarges nicht erlebt und auch die Prozession zum Grab nicht mitgemacht. Erst nach drei Uhr bin ich hinunter zum Grab gegangen. In meinem Herzen war die Hoffnung: vielleicht finden wir Brüder jetzt zusammen, wie die Apostel nach der Katastrophe von Golgotha. Die Brüder kamen nicht zusammen; war es das Bedürfnis, auszuruhen von der unsagbaren Last des Kampfes, langsam wieder Boden zu finden? Was im Anschluss an das Begräbnis der Mutter nicht geschah, ist auch später nicht mehr zustande gekommen. Wie notwendig wäre gewesen: alle eigenen Vorhaben abzublasen, uns in die Stille zurückzuziehen, auszuruhen, uns zu besinnen, zu beten - unsere Schuld gemeinsam vor dem HERRN zu bekennen. Es bleibt nachzuholen! Sind es Gedanken eines Träumers? Die Zeit wird es weisen.

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Wer bis zuletzt ausharrt, gerettet!“

Wie sehr brauchen wir die Hilfe der hl. Engel, die die erste schwere Prüfung am Anfang der Zeit bestanden haben und im Blick auf ihre dem Bösen anheim gefallenen Brüder besser wissen, worum es in der Entscheidung für oder gegen GOTT geht!

Wir stehen an einem Neuanfang der an den Beginn der Schöpfung erinnert:

Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde;

 Gen1, 2 die Erde aber war wüst und wirr, Finsternis lag über der Urflut, und Gottes Geist schwebte über dem Wasser.

 3 Gott sprach: Es werde Licht. Und es wurde Licht.

 4 Gott sah, daß das Licht gut war. Gott schied das Licht von der Finsternis,

 5 und Gott nannte das Licht Tag, und die Finsternis nannte er Nacht. Es wurde Abend, und es wurde Morgen: erster Tag.

 6 Dann sprach Gott: Ein Gewölbe entstehe mitten im Wasser und scheide Wasser von Wasser.

 7 Gott machte also das Gewölbe und schied das Wasser unterhalb des Gewölbes vom Wasser oberhalb des Gewölbes. So geschah es,

 8 und Gott nannte das Gewölbe Himmel. Es wurde Abend, und es wurde Morgen: zweiter Tag.

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Vier Punkte im Zeichen des Kreuzes

·         Das aufbrechende Chaos in und um uns wird immer offenbarer. Doch wer wacht auf? Nicht mehr nur die Trompeten der hl. Engel sind über uns ,sondern die Zornschalen: die Reinigung hat begonnen. Wer nicht aufschaut zum GEIST GOTTES, der auch jetzt über allem Chaos schwebt und uns die hl. Engel zur Hilfe schickt, wird in der Prüfung fallen.

·         GOTT spricht auch heute das „Es werde Licht zu Jedem, der noch einen Funken Licht der Sehnsucht in seiner Seele brennen lässt. Er sendet uns Seine hl. Engel zur Hilfe gegen die drohende Übermacht des Feindes, sie werden unser armes Licht der Sehnsucht zum Feuer für GOTT entzünden. In Einheit mit den hl. Engeln werden wir siegen, doch diese Einheit will erst mit unserem Schutzengel errungen werden, Tag für Tag und Stunde für Stunde. Versäumen wir nicht, den Tag mit dem hl. Engel zu beginnen, mit ihm den Kreuzweg des Tages zu gehen und uns mit seiner Hilfe am Abend in der Gewissenserforschung vor GOTT zu stellen.

·         Das Gewölbe des zweiten Tages ist Scheidung durch das KREUZ.. Die „Wasser unten“, das sind die in Erden – und Sündenschwere dem Feind anheimfallen, das Wasser oben sind die, mit den hl. Engel nach oben ziehen.

·         Erst am dritten Tage wird der Boden unter uns wieder fest, es offenbart sich vor denen, die durchgestanden haben. „ein neuer Himmel und eine neue Erde! Das Reich MARIENS wird noch auf Erden offenbar. Der Feind ist gefesselt, GOTT ist mitten unter uns, in uns – sollen die Menschen langsam hinaufwachsen in das Himmlische Jerusalem, das uns entgegen kommt. So darf die gereinigte Menschheit GOTT entgegen wachsen in Einheit mit den hl. Engeln.

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[1] ..wohl als erstes Land, befreit von den Moslems, „Land MARIA“ genannt, als die Kreuzfahrer bei Porto von der See her das Land betraten.

[2] Erinnern wir uns an das Wunder der Auferstehung des 12 jährigen Mädchens, zu der der HERR sprach. „talita kum! – steh auf Mädchen“! Hat der HERR nach dem Wunder nicht nüchtern den Eltern gesagt: „gebt ihr zu essen!“?

[4] Häretisch wurde später behauptet, JESUS hätte nur einen Scheinleib gehabt – also auch nicht gelitten.

[5] Näheres darüber in „Fatima 2000 im Zeichen des Dritten Geheimnisses“. Salvator Verlag, „Guadalupe, Siegesbanner MARIENS“ Assisi Verlag, „Einstieg in die Geheime Offenbarung“, Benedetto Verlag.

[6] Es war der „Noldin“ 1962 – 1967 noch an der Fakultät der Jesuiten in Innsbruck die offizielle Moraltheologie, die auch so gelehrt wurde.

[7] Erinnern wir daran, dass die Zahl 1/3 in zweifacher Weise symbolisch verstanden werden muss:

sie weist zuerst auf das Gericht durch den DREIFALTIGEN GOTT. Der Mensch, nach Seinen Ebenbild (1) geschaffen, muss sich von ihm teilen lassen, am augenscheinlichsten in Mann und Frau.  Wo er sich dem widersetzt, wie er es heute versucht mit „einem Geschlecht“, wird er unfruchtbar und fällt er ins Nichts. Die Gegensätzlichkeit, in die er gestellt ist, ist Voraussetzung aller Fruchtbarkeit, Geheimnis allen Lebens aus GOTT. In GOTT selbst ist sie durch den Gegensatz von VATER und SOHN, die im HEILIGEN GEIST ihre heilige Lösung findet. So muss es auch im Geschöpf sein. Hier hat sich in falscher Gegensätzlichkeit der Lichtträger gegen GOTT erhoben und wurde „der Mörder von Anfang an“(vgl. Jo 8,44). In der angesagten Reinigung geht es um eine letzte Entscheidung für oder gegen GOTT. Die „Drittel“ bei den Posaunen in der GO sind ein Hinweis: ein  Drittel entscheidet sich für GOTT, ein weiteres gegen GOTT, um das letzte noch unentschiedene Drittel aber geht der Kampf.

[8] Siehe „Einstieg in die GO“ Bd II

[9] Deutlich sind drei Phasen in der Führung von M. Bitterlich durch den HERRN zu erkennen: Es ist da die Phase der Nähe  zu ihrem Schutzengel, der ihr von Klein an wie ein guter Freund vertraut war;

Die zweite Phase ist die der Brautschaft zum HERRN, wie sie uns von der Mystik her vertraut ist.

Doch schon am Anfang des Weges hinein in das Werk folgte, beginnt,  was wir die „dunkle Nacht des Geistes und der Seele“ nennen, und doch anders. Der HERR entzog ihr Seine Nähe und stellte sie hinein in die dem Menschen wegen ihrer Größe notwendig unbegreifliche Welt des GEISTES, der hl. Engel. Der HERR sprach zu ihr nicht mehr als Braut, sondern als „Mutter“, denn sie sollte durch ihr Muttersein den Nachfolgenden den Weg mit dem hl. Engel, in dem sie geführt wurde, nahe bringen.

[10] Siehe dazu Bd II „Einstieg in die GO“

[11] Die Gründerin des neuen Zweiges aus dem Geist des hl. Bruno nimmt seltsamerweise Abstand von der traditionellen Seelenführung durch Priester. Die kontemplativen Schwestern auf der Kinderalm bei St Johann im Pitztal erfahren ihre priesterliche Seelenführung durch bewährte Schwestern. Nicht wenig Not haben die verantwortlichen Priester in allem Umbruch der Kirche auch in die klausurierten Klöster gebracht.

[12]  In Voraussicht des von der Kirche 1987 erlassenen Dekretes „zu den Offenbarung der Frau. Gabriele Bitterlich“, das feststellte, dass „die Namen der hl. Engel der Kirche fremd seien“ sie hier die Stellungnahme eines namhaften Professor in Jerusalem untersucht, der darauf hinweist, dass die meisten Namen im Judentum bekannt waren. Je nach ihrer besonderen Berufung haben Brüder im Werk zur Frage der Authentizität der Offenbarungen über die hl. Engel Stellung genommen. Sie warten darauf, von der Kirche eingefordert zu werden. Der Versuch, die Hilfe der hl. Engel von der GO her zu begründen, der in drei Bänden „Einstieg in die GO“ vorgelegt wird, ist hier nur einer der letzten. Vorausgegangen sind nicht wenige Arbeiten theologischer Art, um der Forderung des Dekretes zu entsprechen, die Engellehre aus Schrift und Tradition zu belegen, aus den Vätern, den Heiligen. Doch nur im Blick auf die Erscheinungen ULF seit 1531 in Mexiko bis auf unsere Tage. Nur über MARIA ist diese entscheidende Hilfe der hl. Engel für die Kirche tiefer zu verstehen. Die Erscheinungen wurden nicht selten wie schon in Mexiko durch einen hl. Engel vorbereitet. In Fatima wäre die Erscheinung MARIENS ohne die Hilfe St. Gabriels unmöglich gewesen. Von den Offenbarungen von M.M: Alacoque über die Verheißungen des Unbefleckten Herzens MARIENS geht ein direkter Weg, der in dem einfachen Wort des HERRN bei M.M.Alcoque gipfelt: „Mein Volk (=die Kirche) achtet immer weniger auf die Gnade der Erlösung. …. Zuletzt werde ich sie mit meiner Heiligkeit umgeben, sie werden in ihren Sünden sterben, wenn sie dieses Angebot zurückweisen.“ (Nach dem Gedächtnis zitiert). Die geschaffene Heiligkeit GOTTES aber sind die hl. Engel. Vom Autor dieser Schrift wurden besonders die Beziehungen  der Offenbarung zu den Evangelien, besonders Lukas und Johannas, zu den Marienerscheinungen Guadalupe, Fatima in verschiedenen Schriften herausgestellt.

[13] Siehe: „Einstieg in die Geheime Offenbarung“, 3 Bände, Benedetto Verlag 2010

[14] Benedetto Verlag 2010

[15] Siehe dazu vor allem den II. Bd. „Einstieg in die GO.“

[16] Die Philosophie versteht unter den Vier Transzendentalien die höchsten Wesenseigenschaften des Seins. Sie wurden schon von den ersten griechischen Philosophen entdeckt, die sich fragten, was in der Schöpfung bleibt in allem Wechsel der Dinge?

Alles Geschaffene weist auf den EINEN GOTT zurück:  Unum ER ist der EINE, in dem Alles seinen Ursprung, Sein und seine Bestimmung  erkennt.

Es gibt Zeugnis für die überfließende GÜTE GOTTES: Bonum:

Es kündet die WAHRHEIT und GERECHTIGKEIT GOTTES: VERUM.

Es ist Spiegel Seiner SCHÖNHEIT:

 

[17] Der HERR hat ihr zehn Lebensjahre mehr verheißen; am Sühneeinsatz für die Einheit der Brüder ist sie verblutet, ohne sie erreicht zu haben. Sterbend muss sie voraus gesehen haben, dass das Werk und der Orden an den Spaltungen unter den Brüdern zerbrechen werden – wenn auch später einmal die Quelle neu aufbrechen wird. Die Kirche hat durch das Dekret zusammen gehalten, was noch zu retten war. Die Spannungen unter den Brüder wie die hin zur Kirche/Werk, Werk/Kirche sind nicht nur Zeugnis unserer Armseligkeit. Jeder der Brüder und Schwestern hat in seiner Weise sein Bestes getan. GOTT hat in die Not der Kirche durch die Sendung der hl. Engel von oben eingegriffen, um sie zu reinigen und retten. Welcher Art auch die Spannung = Kreuz war und wohl weiter bleibt, sie muss von jedem Einzelnen, den der HERR ruft, durchgetragen werden. Sie wird sich endlich im HEILIGEN GEIST lösen, wenn auf der einen Seite die Berufenen erkennen, dass sie wie die hl. Engel nur Knechte sind wie die hl. Engel und die Kirche auf der anderen Seite, die Hilfe der hl. Engel in ihrer Not als die Hilfe GOTTES annimmt.

[18] Am Ende meines Studiums in Innsbruck, trat ich zwar noch ein in das Pastoraljahr in Freising, doch schon mit dem Hintergedanken, meine Habilitationsschrift „Dichtung und Offenbarung“ (ausgehend von Trakl) in Stille vorzubereiten. Die Nachricht von den Erscheinungen U.L.F. von Garabandal, von P.Pio, meine versprochene Wallfahrt nach Fatima im Jubeljahr 1967 (ab Coimbra zu Fuß), haben mich in der größeren Gnade GOTTES noch im rechten Augenblick zurückgeholt. Die Kaplanszeit, zuerst in Garmisch, dann in München brachte neue schwere Prüfungen, doch hier war Mutter Gabriele schon nahe und gab die entscheidende Weisung.

[19] Den äußeren Anstoß zum Glauben gab in Coimbra eine einfache Hausmagd in der Familie, bei der ich untergebracht war. Täglich in der Arbeit von früh 7 Uhr bis oft Mitternacht, wurde sie mir schon damals Bild der Magd, wie der HERR sie für den Orden ruft. Als sie nach der Gebetsnacht vom 12. auf den 13. Mai von Fatima zurückkam, strahlte sie, wie ich es vorher nie bei einem Menschen gesehen hatte. In meinem Herzen dachte ich: „es muss doch etwas Wunderbares sein, wirklich glauben zu dürfen!“ Doch es brauchte noch Zeit, dass diese Herzenserkenntnis in mir wirkte. In der Auseinandersetzung mit der Diktatur von Salazar bin ich den Kommunisten unter meinen Schülern nahe gekommen und habe im Jahr darauf versucht, einen Platz an der „Freundschaftsuniversität“ in Moskau zu bekommen. Doch man hat mich an der Botschaft in Berlin auf den Papierweg verwiesen. Das war mir zu umständlich. Die vorauswirkende Gnade von Mutter war stärker! (vgl. „Sardis“, Lebenserinnerungen) 

[20] Bei der zweiten Beichte, als ich nach meiner Ordensberufung frug, antwortete P.Pio lakonisch; „Seien sie zuerst ein guter Christ, dann ein guter Priester, dann werden sie auch ein guter Ordensmann werden!“ Da ich es mit dem „Ordensmann“ nicht schaffte, habe ich mit 70 Jahren um die Lösung der Gelübde gebeten, um in den einfachen Priesterstand zurück zu treten. P.Pio war kein Prediger, doch die kurzen Worte, die er zu prägen wusste, waren wie Überschriften für ein ganzes Buch, das man betend lesen musste. Ähnlich war es mit entscheidenden Worten der Mutter. P.Pio und Mutter Gabriele wurden meine geistlichen Eltern, da ich meine eigenen bald nach meiner Priesterweihe verloren habe. Sie verband der „heiße Draht“ der Sühne! Mutter nannte ihn einen „Hühne der Sühne“, sie hat ihm viele schwere Fälle zugeschickt, auf die sie die hl. Engel aufmerksam machten..

[21] Den Brüdern vorher hat die Mutter gegen sieben persönliche Noviziatsbriefe geschrieben, in denen sie jeweils auch auf ihre besonderen Nöte und Schwierigkeiten einging. Ich dürfte der letzte gewesen sein, der wenigstens noch einen bekam.

[22] Offizieller Hinweis im Dekret zur Restaurierung des Kreuzordens, dass der Orden nicht auf der Spiritualität des Werkes aufgebaut werden darf.

 

 

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