Die Offenbarung
des Johannes
Das
prophetische Buch Daniel
- Was
geschieht mit unserer Welt?
- Wie
geht es mit den vielen Naturkatastrophen weiter?
- Wie
entwickelt sich bei weiterem Moralverlust unsere
Gesellschaft?
- Wird
es noch mehr Kriege geben?
- Warum werden die Zeiten immer unsicherer?
- Haben
Sie auch wie viele Menschen Angst vor der Zukunft?
Die
beiden großen apokalyptischen Texte der Bibel das Buch
Daniel und die neutestamentliche Offenbarung des
Johannes stellen mit mythischen Gestalten einen in
kosmischen Dimensionen geführter Kampf zwischen Gut und
Böse, Gott und Satan dar.
Wer die
Offenbarung wirklich studieren möchte, muß unbedingt das
Buch Daniel in das Studium miteinbeziehen. Denn diese
beiden Bücher legen sich gegenseitig aus. Das sonderbare
Tier, welchem wir in Offenbarung 13 und 17 begegnen,
finden wir schon im Buch des Propheten Daniel (Kap. 7).
3 1/2 Jahre? Wenn Sie
nachher die Kapitel 8 bis 22 der Offenbarung des
Johannes durchlesen, achten Sie bitte auch auf die
dreieinhalb Jahre, die immer wieder erwähnt werden.
Diese Zeitspanne wird zwar verschieden angedeutet (42
Monate, 1260 Tage, Zeit und Zeiten und eine halbe Zeit),
aber sie wird in den Kapiteln 11 bis 13 mindestes
fünfmal erwähnt. Das Eigenartige ist nun, daß auch
Daniel diese dreieinhalb Jahre erwähnt (vgl. Dan. 7,25
und 9,25 mit Off. 11,3; 12,6 und 14 und 13,5).
Die
Offenbarung enthält viele grundlegende Schlüssel für das
Verständnis dieser Prophezeiungen. Das Buch Daniel
enthält wiederum Schlüssel, die uns dabei helfen, das
Buch der Offenbarung zu verstehen.
Das Buch der
Offenbarung enthält schlechte und gute Nachrichten für
unsere Zukunft. Die guten Nachrichten überwiegen und
vermitteln uns Hoffnung auf eine bessere Welt, in der
die Schrecken unseres Zeitalters wie Krieg, Armut,
Hunger usw. beseitigt werden.
Die Offenbarung des Johannes
Die Offenbarung Jesu Christi, die
dem Johannes gegeben wurde, ist das letzte und auch wohl meist diskutierteste
Buch der Bibel. Es beinhaltet sehr viele Vorhersagen, die gerade für uns eine
äußerst wichtige Bedeutung haben. Die Offenbarung wurde geschrieben, um uns
Menschen zu zeigen, was kommen wird und um uns den Weg in die Ewigkeit zu
zeigen! Wenn wir vom biblischen Begriff der Apokalypse und der Apokalyptik
herkommen, dann bedeutet dieser griechische Begriff: Offenbarung, Enthüllung,
und nicht Weltuntergang.
Dieses Buch enttarnt die Machtspiele dieser Welt. Es zeigt uns auf, dass obwohl
viele Menschen der Meinung sind, Gott habe diese Erde verlassen, er sie immer
noch in seinen Händen hält. Es gibt uns tiefe Einblicke in den großen Kampf, der
um uns Menschen herum tobt. In der Apokalypse geht es um die Kirchengeschichte.
Sie zeigt, dass die Kirchengeschichte die Weltgeschichte ist, und dass sich an
der Kirche die Dinge dieser Zeit entscheiden. Dieses Buch enthält wichtige Warnungen, die jeder
beachten muss, wenn er einmal auf der neuen Erde sein möchte.
Die Offenbarung ist der Brief der zwei
Visionen (Die Vision des
Weltenrichters und die Vision des
Lammes) in fünf Teilen:
Das Buch ist in fünf Teilen angeordnet,
die in einer gewissen 3-er-Kapitel-Reihe
zu finden sind.
-
Erster Teil: Die 7 Briefe
an die Gemeinden (Kapitel 1-3)
-
Zweiter Teil: Die 7 Siegel
(Kapitel 6-7)
-
Dritter Teil: Die 7 Posaunen
(Kapitel 8-11)
-
Vierter Teil: Die 3 Zeichen
(Kapitel 12-14)
-
Fünfter Teil: Die 7 Schalen
(Kapitel 15-)
Die ganze Offenbarung ist nach dem
Zwiebelschalenprinzip aufgebaut. Die
bekannte 7er-Reihe setzt sich dahin vor,
dass aus dem 7. Siegel die 7 Posaunen
hervorbringt und aus der 7. Posaune die
3 Zeichen und aus dem dritten Zeichen
die 7 Schalen. Das ganze verdichtet sich
immer mehr, je weiter man in der
Offenbarung vordringt.
Das
prophetische Buch Daniel
Das Buch Daniel ist eines der
beeindruckendsten prophetischen Bücher des Alten Testaments. Daniel schrieb
die Prophezeiungen ungefähr im Jahr 530 v. Chr. auf, während er in Babylon
lebte. Es beinhaltet 12
Kapitel, wovon 7 Kapitel Vorhersagen beinhalten, die bis in unsere Zeit und noch
weiter reichen. Es ist sogar ganz speziell für unsere Generation geschrieben
worden, da es bis auf die Zeit des Endes von Gott versiegelt wurde, d.h. erst
wir können verstehen, was dieses Buch zu bedeuten hat. Um die Vorhersagen
richtig verstehen zu können, sollte man parallel dazu die Offenbarung studieren
und umgekehrt.
Du, Daniel, halte diese Worte geheim und versiegle
das Buch bis zur Zeit des Endes! Viele werden nachforschen und die Erkenntnis
wird groß sein. Daniel, Kap. 12 Vers 4
Gott hat den Propheten Daniel
benutzt, um seine Gedanken über die Zukunft weiterzugeben - über die direkte
Zukunft (damals) und über die weite Zukunft (was jetzt noch zukünftig ist).
Leider ist es so, daß viele
(sogar Theologen) davon ausgehen, daß Daniel sein
Buch im nachhinein geschrieben hat. Man leugnet also, daß er Weissagung
(Prophetie bezüglich der Zukunft) geschrieben hat. Man sagt dann einfach, daß er
sein Buch nachher als Geschichtsschreibung aufgeschrieben hat. Nun ist es so, daß unser Herr Jesus Daniel einen Propheten nennt (Matthäus 24,15).
Das ist auch
nur richtig so, aus dem einfachen Grund, weil vieles von dem, was Daniel
geschrieben hat, noch erfüllt werden muß.
|
Daniel 2 |
Der Ablauf der Weltgeschichte - durch ein Standbild dargestellt. |
|
Daniel 7 |
Der Ablauf der Weltgeschichte - durch Tiere dargestellt. |
|
Daniel 8 |
Der Ablauf der Weltgeschichte mit dem Gericht am Ende. |
|
Daniel 9 |
Die Ergänzung zu Daniel 8 mit dem Beginn der Vorhersage. |
|
Daniel 10 |
Beginn der sehr detailierten Vorhersage über den Ablauf der
Weltgeschichte. |
|
Daniel 11 |
Hauptteil der detailierten Vorhersage über den Ablauf der
Weltgeschichte. |
|
Daniel 12 |
Abschluss der detailierten Vorhersage und er Beginn der
trübseligen Zeit. |
Daniel (Dan)
1:1 Daniel
und seine Freunde am babylonischen Hof:
1,1-21
Im dritten
Jahr der Herrschaft des Königs Jojakim von
Juda zog Nebukadnezzar, der König von Babel,
gegen Jerusalem und belagerte es.
1:2 Und der
Herr gab König Jojakim von Juda sowie einen
Teil der Geräte aus dem Haus Gottes in
Nebukadnezzars Gewalt. Er verschleppte sie
in das Land Schinar, in den Tempel seines
Gottes, die Geräte aber brachte er in das
Schatzhaus seines Gottes.
1:3 Dann
befahl der König seinem Oberkämmerer
Aschpenas, einige junge Israeliten an den
Hof zu bringen, Söhne von königlicher
Abkunft oder wenigstens aus vornehmer
Familie;
1:4 sie
sollten frei von jedem Fehler sein, schön an
Gestalt, in aller Weisheit unterrichtet und
reich an Kenntnissen; sie sollten einsichtig
und verständig sein und geeignet, im Palast
des Königs Dienst zu tun; Aschpenas sollte
sie auch in Schrift und Sprache der Chaldäer
unterrichten.
1:5 Als
tägliche Kost wies ihnen der König Speisen
und Wein von der königlichen Tafel zu. Sie
sollten drei Jahre lang ausgebildet werden
und dann in den Dienst des Königs treten.
1:6 Unter
diesen jungen Männern waren aus dem Stamm
Juda Daniel, Hananja, Mischaël und Asarja.
1:7 Der
Oberkämmerer gab ihnen andere Namen: Daniel
nannte er Beltschazzar, Hananja Schadrach,
Mischaël Meschach und Asarja Abed-Nego.
1:8 Daniel
war entschlossen, sich nicht mit den Speisen
und dem Wein der königlichen Tafel unrein zu
machen, und er bat den Oberkämmerer darum,
sich nicht unrein machen zu müssen.
1:9 Gott ließ
ihn beim Oberkämmerer Wohlwollen und
Nachsicht finden.
1:10 Der
Oberkämmerer sagte aber zu Daniel: Ich
fürchte mich vor meinem Herrn, dem König,
der euch die Speisen und Getränke zugewiesen
hat; er könnte finden, daß ihr schlechter
ausseht als die anderen jungen Leute eures
Alters; dann wäre durch eure Schuld mein
Kopf beim König verwirkt.
1:11 Da sagte
Daniel zu dem Mann, den der Oberkämmerer als
Aufseher für ihn selbst sowie für Hananja,
Mischaël und Asarja eingesetzt hatte:
1:12 Versuch
es doch einmal zehn Tage lang mit deinen
Knechten! Laß uns nur pflanzliche Nahrung zu
essen und Wasser zu trinken geben!
1:13 Dann
vergleiche unser Aussehen mit dem der jungen
Leute, die von den Speisen des Königs essen.
Je nachdem, was du dann siehst, verfahr
weiter mit deinen Knechten!
1:14 Der
Aufseher nahm ihren Vorschlag an und machte
mit ihnen eine zehntägige Probe.
1:15 Am Ende
der zehn Tage sahen sie besser und
wohlgenährter aus als all die jungen Leute,
die von den Speisen des Königs aßen.
1:16 Da ließ
der Aufseher ihre Speisen und auch den Wein,
den sie trinken sollten, beiseite und gab
ihnen Pflanzenkost.
1:17 Und Gott
verlieh diesen vier jungen Leuten Wissen und
Verständnis in jeder Art Schrifttum und
Weisheit; Daniel verstand sich auch auf
Visionen und Träume aller Art.
1:18 Als ihre
Zeit zu Ende war und man sie vor den König
bringen mußte, wie er es bestimmt hatte,
stellte sie der Oberkämmerer dem
Nebukadnezzar vor.
1:19 Der
König unterhielt sich mit ihnen und fand
Daniel, Hananja, Mischaël und Asarja allen
anderen überlegen. Sie traten also in den
Dienst des Königs.
1:20 Sooft
der König in Fragen, die Weisheit und
Einsicht erfordern, ihren Rat einholte, fand
er sie allen Zeichendeutern und Wahrsagern
in seinem ganzen Reich zehnmal überlegen.
1:21 Daniel
blieb im königlichen Dienst bis ins erste
Jahr des Königs Kyrus.
2:1 Nebukadnezzars
Traum von den Weltreichen: 2,1-49
Im zweiten
Jahr der Herrschaft Nebukadnezzars hatte
dieser einen Traum. Sein Geist wurde davon
so beunruhigt, daß er nicht mehr schlafen
konnte.
2:2 Da ließ
der König die Zeichendeuter und Wahrsager,
die Beschwörer und Chaldäer zusammenrufen;
sie sollten ihm Aufschluß geben über seinen
Traum. Sie kamen und traten vor den König.
2:3 Der König
sagte zu ihnen: Ich habe einen Traum gehabt;
mein Geist ist voll Unruhe, und ich möchte
den Traum verstehen.
2:4 Die
Chaldäer sagten zu ihm [aramäisch]: O König,
mögest du ewig leben. Erzähl deinen Knechten
den Traum, dann geben wir dir die Deutung.
2:5 Der König
antwortete den Chaldäern: Das ist mein
unwiderruflicher Entschluß: Wenn ihr mir
nicht den Traum und seine Deutung sagen
könnt, dann werdet ihr in Stücke gerissen
und eure Häuser werden in Schutthaufen
verwandelt.
2:6 Sagt ihr
mir aber den Traum und seine Deutung, dann
empfangt ihr von mir Geschenke, Gaben und
hohe Ehrungen. Gebt mir also den Traum und
seine Deutung an!
2:7 Sie
antworteten zum zweitenmal: Der König
erzähle seinen Knechten den Traum, dann
geben wir ihm die Deutung.
2:8 Da
erwiderte der König: Nun bin ich sicher, daß
ihr nur Zeit gewinnen wollt; denn ihr seht,
daß mein Entschluß unwiderruflich ist.
2:9 Wenn ihr
mir den Traum nicht sagen könnt, gibt es nur
ein Urteil über euch, nämlich: Ihr habt euch
verabredet, mir einen erlogenen und
verkehrten Spruch vorzutragen, in der
Hoffnung, daß sich die Lage ändert. Erzählt
mir also den Traum; daran werde ich
erkennen, daß ihr ihn auch deuten könnt.
2:10 Die
Chaldäer hielten dem König entgegen: Es gibt
keinen Menschen auf der Welt, der sagen
könnte, was der König verlangt. Auch hat
noch nie ein König, mag er noch so groß und
mächtig gewesen sein, ein solches Ansinnen
an irgendeinen Zeichendeuter, Wahrsager oder
Chaldäer gestellt.
2:11 Was der
König verlangt, ist zu schwierig. Es gibt
auch sonst niemand, der es dem König sagen
könnte, außer den Göttern; doch diese wohnen
nicht bei den Sterblichen.
2:12 Darüber
wurde der König so wütend und zornig, daß er
befahl, alle Weisen in Babel umzubringen.
2:13 Als der
Befehl erging, die Weisen zu töten, waren
auch Daniel und seine Freunde in Gefahr,
getötet zu werden.
2:14 Aber
Daniel, klug und rechtskundig, wandte sich
an Arjoch, den Obersten der königlichen
Leibwache, der schon unterwegs war, um die
Weisen Babels zu töten.
2:15 Daniel
fragte den Bevollmächtigten des Königs,
warum der König einen so harten Befehl
gegeben habe. Da erklärte ihm Arjoch die
Sache.
2:16 Daniel
ging darauf zum König und bat ihn, er möge
ihm eine Frist bewilligen, damit er ihm die
Deutung des Traumes geben könne.
2:17 Dann
eilte Daniel nach Hause, teilte seinen
Gefährten Hananja, Mischaël und Asarja alles
mit
2:18 und
sagte, sie sollten wegen dieses Geheimnisses
den Gott des Himmels um Erbarmen bitten,
damit nicht Daniel und seine Gefährten samt
den anderen Weisen Babels umkämen.
2:19 Darauf
wurde ihm das Geheimnis in einer nächtlichen
Vision enthüllt, und Daniel pries den Gott
des Himmels dafür.
2:20 Er
betete: Der Name Gottes sei gepriesen von
Ewigkeit zu Ewigkeit. Denn er hat die
Weisheit und die Macht.
2:21 Er
bestimmt den Wechsel der Zeiten und Fristen;
er setzt Könige ab und setzt Könige ein. Er
gibt den Weisen die Weisheit und den
Einsichtigen die Erkenntnis.
2:22 Er
enthüllt tief verborgene Dinge; er weiß, was
im Dunkeln ist, und bei ihm wohnt das Licht.
2:23 Dich,
Gott meiner Väter, preise und rühme ich;
denn du hast mir Weisheit und Macht
verlie-hen, und jetzt hast du mich wissen
lassen, was wir von dir erfleht haben: Du
hast uns die Sache des Königs wissen lassen.
2:24 Darauf
ging Daniel zu Arjoch, dem der König
aufgetragen hatte, die Weisen Babels
umzubringen; er trat ein und sagte zu ihm:
Bring die Weisen Babels nicht um! Führe mich
vor den König! Ich werde dem König die
Deutung seines Traumes geben.
2:25 In aller
Eile brachte Arjoch Daniel vor den König und
meldete ihm: Ich habe unter den
ver-schleppten Juden einen Mann gefunden,
der dem König die Deutung des Traums geben
will.
2:26 Darauf
sagte der König zu Daniel, den man auch
Beltschazzar nannte: Bist du wirklich
imstande, mir das Traumgesicht, das ich
hatte, und seine Deutung zu sagen?
2:27 Daniel
antwortete dem König: Weise und Wahrsager,
Zeichendeuter und Astrologen vermögen dem
König das Geheimnis, nach dem er fragt,
nicht zu enthüllen.
2:28 Aber es
gibt im Himmel einen Gott, der Geheimnisse
offenbart; er ließ den König Nebukadnezzar
wissen, was am Ende der Tage geschehen wird.
Der Traum, den dein Geist auf deinem Lager
hatte, war so:
2:29 Auf
deinem Lager kamen dir, König, Gedanken
darüber, was dereinst geschehen werde; da
ließ er, der die Geheimnisse enthüllt, dich
wissen, was geschehen wird.
2:30 Dieses
Geheimnis wurde mir enthüllt, nicht durch
eine Weisheit, die ich vor allen anderen
Lebenden voraus hätte, sondern nur, damit
du, König, die Deutung erfährst und die
Gedanken deines Herzens verstehst.
2:31 Du,
König, hattest eine Vision: Du sahst ein
gewaltiges Standbild. Es war groß und von
außer-gewöhnlichem Glanz; es stand vor dir
und war furchtbar anzusehen.
2:32 An
diesem Standbild war das Haupt aus reinem
Gold; Brust und Arme waren aus Silber, der
Körper und die Hüften aus Bronze.
2:33 Die
Beine waren aus Eisen, die Füße aber zum
Teil aus Eisen, zum Teil aus Ton.
2:34 Du
sahst, wie ohne Zutun von Menschenhand sich
ein Stein von einem Berg löste, gegen die
eisernen und tönernen Füße des Standbildes
schlug und sie zermalmte.
2:35 Da
wurden Eisen und Ton, Bronze, Silber und
Gold mit einemmal zu Staub. Sie wurden wie
Spreu auf dem Dreschplatz im Sommer. Der
Wind trug sie fort, und keine Spur war mehr
von ihnen zu finden. Der Stein aber, der das
Standbild getroffen hatte, wurde zu einem
großen Berg und erfüllte die ganze Erde.
2:36 Das war
der Traum. Nun wollen wir dem König sagen,
was er bedeutet.
2:37 Du,
König, bist der König der Könige; dir hat
der Gott des Himmels Herrschaft und Macht,
Stärke und Ruhm verliehen.
2:38 Und in
der ganzen bewohnten Welt hat er die
Menschen, die Tiere auf dem Feld und die
Vögel am Himmel in deine Hand gegeben; dich
hat er zum Herrscher über sie alle gemacht:
Du bist das goldene Haupt.
2:39 Nach dir
kommt ein anderes Reich, geringer als
deines; dann ein drittes Reich, von Bronze,
das die ganze Erde beherrschen wird.
2:40 Ein
viertes endlich wird hart wie Eisen sein;
Eisen zerschlägt und zermalmt ja alles; und
wie Eisen alles zerschmettert, so wird
dieses Reich alle anderen zerschlagen und
zerschmettern.
2:41 Die Füße
und Zehen waren, wie du gesehen hast, teils
aus Töpferton, teils aus Eisen; das
bedeutet: Das Reich wird geteilt sein; es
wird aber etwas von der Härte des Eisens
haben, darum hast du das Eisen mit Ton
vermischt gesehen.
2:42 Daß aber
die Zehen teils aus Eisen, teils aus Ton
waren, bedeutet: Zum Teil wird das Reich
hart sein, zum Teil brüchig.
2:43 Wenn du
das Eisen mit Ton vermischt gesehen hast, so
heißt das: Sie werden sich zwar durch
Heiraten miteinander verbinden; doch das
eine wird nicht am anderen haften, wie sich
Eisen nicht mit Ton verbindet.
2:44 Zur Zeit
jener Könige wird aber der Gott des Himmels
ein Reich errichten, das in Ewigkeit nicht
untergeht; dieses Reich wird er keinem
anderen Volk überlassen. Es wird alle jene
Reiche zermalmen und endgültig vernichten;
es selbst aber wird in alle Ewigkeit
bestehen.
2:45 Du hast
ja gesehen, daß ohne Zutun von Menschenhand
ein Stein vom Berg losbrach und Eisen,
Bronze und Ton, Silber und Gold zermalmte.
Der große Gott hat den König wissen lassen,
was dereinst geschehen wird. Der Traum ist
sicher und die Deutung zuverlässig.
2:46 Da warf
sich König Nebukadnezzar auf sein Gesicht
nieder, huldigte Daniel und befahl, man
sollte ihm Opfer und Weihrauch darbringen.
2:47 Und der
König sagte zu Daniel: Es ist wahr: Euer
Gott ist der Gott der Götter und der Herr
der Könige, und er kann Geheimnisse
offenbaren; nur deshalb konntest du dieses
Geheimnis enthüllen.
2:48 Dann
verlieh der König dem Daniel einen hohen
Rang und gab ihm viele, reiche Geschenke; er
machte ihn zum Gebieter über die ganze
Provinz Babel und zum obersten Präfekten
aller Weisen von Babel.
2:49 Auf
Daniels Bitte betraute der König Schadrach,
Meschach und Abed-Nego mit der Verwaltung
der Provinz Babel; Daniel selbst aber blieb
am königlichen Hof.
3:1 Die drei
jungen Männer im Feuerofen: 3,1-97 Die
Standhaftigkeit der drei Freunde: 3,1-23
König
Nebukadnezzar ließ ein goldenes Standbild
machen, sechzig Ellen hoch und sechs Ellen
breit, und ließ es in der Ebene von Dura in
der Provinz Babel aufstellen.
3:2 Dann
berief König Nebukadnezzar die Satrapen,
Präfekten und Statthalter ein, die Räte,
Schatzmeister, Richter und Polizeiobersten
und alle anderen hohen Beamten der
Provinzen; sie soll-ten zur Einweihung des
Standbildes kommen, das König Nebukadnezzar
errichtet hatte.
3:3 Da
versammelten sich die Satrapen, Präfekten
und Statthalter, die Räte, Schatzmeister,
Richter und Polizeiobersten und alle anderen
hohen Beamten der Provinzen zur Einweihung
des Standbildes, das König Nebukadnezzar
errichtet hatte. Sie stellten sich vor dem
Standbild auf, das König Nebukadnezzar
errichtet hatte.
3:4 Nun
verkündete der Herold mit mächtiger Stimme:
Ihr Männer aus allen Völkern, Nationen und
Sprachen, hört den Befehl!
3:5 Sobald
ihr den Klang der Hörner, Pfeifen und
Zithern, der Harfen, Lauten und Sackpfeifen
und aller anderen Instrumente hört, sollt
ihr niederfallen und das goldene Standbild
anbeten, das König Nebukadnezzar errichtet
hat.
3:6 Wer aber
nicht niederfällt und es anbetet, wird noch
zur selben Stunde in den glühenden Feuerofen
geworfen.
3:7 Sobald
daher alle Völker den Klang der Hörner,
Pfeifen und Zithern, der Harfen, Lauten und
Sackpfeifen und der anderen Instrumente
hörten, fielen die Männer aus allen Völkern,
Nationen und Sprachen sogleich nieder und
beteten das goldene Standbild an, das König
Nebukadnezzar errichtet hatte.
3:8 Sogleich
traten einige Chaldäer auf und verklagten
die Juden.
3:9 Sie
sagten zum König Nebukadnezzar: O König,
mögest du ewig leben.
3:10 Du,
König, hast doch selbst den Befehl erlassen:
Jeder soll niederfallen und das goldene
Standbild anbeten, wenn er den Klang der
Hörner, Pfeifen und Zithern, der Harfen,
Lauten und Sackpfeifen und aller anderen
Instrumente hört.
3:11 Wer aber
nicht niederfällt und es anbetet, wird in
den glühenden Feuerofen geworfen.
3:12 Nun sind
da einige Juden, denen du die Verwaltung der
Provinz Babel anvertraut hast: Schad-rach,
Meschach und Abed-Nego. Diese Männer
mißachten dich, König. Sie verehren deine
Götter nicht und beten das goldene
Standbild, das du errichtet hast, nicht an.
3:13 Da
befahl Nebukadnezzar voll Zorn und Wut,
Schadrach, Meschach und Abed-Nego
herbeizuholen. Man führte die Männer also
vor den König.
3:14
Nebukadnezzar sagte zu ihnen: Ist es wahr,
Schadrach, Meschach und Abed-Nego: Ihr
verehrt meine Götter nicht und betet das
goldene Standbild nicht an, das ich
errichtet habe?
3:15 Nun,
wenn ihr bereit seid, sobald ihr den Klang
der Hörner, Pfeifen und Zithern, der Harfen,
Lauten und Sackpfeifen und aller anderen
Instrumente hört, sofort niederzufallen und
das Standbild anzubeten, das ich habe machen
lassen, ist es gut; betet ihr es aber nicht
an, dann werdet ihr noch zur selben Stunde
in den glühenden Feuerofen geworfen. Welcher
Gott kann euch dann aus meiner Gewalt
erretten?
3:16
Schadrach, Meschach und Abed-Nego erwiderten
dem König Nebukadnezzar: Wir haben es nicht
nötig, dir darauf zu antworten:
3:17 Wenn
überhaupt jemand, so kann nur unser Gott,
den wir verehren, uns erretten; auch aus dem
glühenden Feuerofen und aus deiner Hand,
König, kann er uns retten.
3:18 Tut er
es aber nicht, so sollst du, König, wissen:
Auch dann verehren wir deine Götter nicht
und beten das goldene Standbild nicht an,
das du errichtet hast.
3:19 Da wurde
Nebukadnezzar wütend; sein Gesicht verzerrte
sich vor Zorn über Schadrach, Meschach und
Abed-Nego. Er ließ den Ofen siebenmal
stärker heizen, als man ihn gewöhnlich
heizte.
3:20 Dann
befahl er, einige der stärksten Männer aus
seinem Heer sollten Schadrach, Meschach und
Abed-Nego fesseln und in den glühenden
Feuerofen werfen.
3:21 Da
wurden die Männer, wie sie waren - in ihren
Mänteln, Röcken und Mützen und den übrigen
Kleidungsstücken - gefesselt und in den
glühenden Feuerofen geworfen.
3:22 Nach dem
strengen Befehl des Königs war aber der Ofen
übermäßig geheizt worden, und die
herausschlagenden Flammen töteten die
Männer, die Schadrach, Meschach und
Abed-Nego hingebracht hatten.
3:23 Die drei
Männer aber, Schadrach, Meschach und
Abed-Nego, fielen gefesselt in den glühenden
Feuerofen.
3:24 Das
Gebet des Asarja: 3,24-50
Doch sie
gingen mitten in den Flammen umher, lobten
Gott und priesen den Herrn.
3:25 Asarja
blieb stehen, öffnete den Mund und sprach
mitten im Feuer folgendes Gebet:
3:26
Gepriesen und gelobt bist du, Herr, Gott
unserer Väter; herrlich ist dein Name in
alle Ewigkeit.
3:27 Denn du
bist gerecht in allem, was du getan hast.
All deine Taten sind richtig, deine Wege
gerade. Alle deine Urteile sind wahr.
3:28 Du hast
gerechte Strafen verhängt, in allem, was du
über uns gebracht hast und über Jerusalem,
die heilige Stadt unserer Väter. Ja, nach
Wahrheit und Recht hast du all dies wegen
unserer Sünden herbeigeführt.
3:29 Denn wir
haben gesündigt und durch Treubruch
gefrevelt und haben in allem gefehlt.
3:30 Wir
haben deinen Geboten nicht gehorcht, haben
weder beachtet noch getan, was du uns zu
unserem Wohl befohlen hast.
3:31 Alles,
was du uns geschickt hast, alles, was du uns
getan hast, das hast du nach deiner
gerechten Entscheidung getan.
3:32 Du hast
uns der Gewalt gesetzloser Feinde und
gehässiger Verräter preisgegeben und einem
ungerechten König, dem schlimmsten König der
ganzen Welt.
3:33 Und
jetzt dürfen wir nicht einmal den Mund
auftun. Schande und Schmach kam über deine
Diener und Verehrer.
3:34 Um
deines Namens willen verwirf uns nicht für
immer; löse deinen Bund nicht auf!
3:35 Versag
uns nicht dein Erbarmen, deinem Freund
Abraham zuliebe, deinem Knecht Isaak und
Israel, deinem Heiligen,
3:36 denen du
Nachkommen verheißen hast so zahlreich wie
die Sterne am Himmel und wie der Sand am
Ufer des Meeres.
3:37 Ach,
Herr, wir sind geringer geworden als alle
Völker. In aller Welt sind wir heute wegen
unserer Sünden erniedrigt.
3:38 Wir
haben in dieser Zeit weder Vorsteher noch
Propheten und keinen, der uns anführt, weder
Brandopfer noch Schlachtopfer, weder
Speiseopfer noch Räucherwerk, noch einen
Ort, um dir die Erstlingsgaben darzubringen
und um Erbarmen zu finden bei dir.
3:39 Du aber
nimm uns an! Wir kommen mit zerknirschtem
Herzen und demütigem Sinn.
3:40 Wie
Brandopfer von Widdern und Stieren, wie
Tausende fetter Lämmer, so gelte heute unser
Opfer vor dir und verschaffe uns bei dir
Sühne. Denn wer dir vertraut, wird nicht
beschämt.
3:41 Wir
folgen dir jetzt von ganzem Herzen, fürchten
dich und suchen dein Angesicht.
3:42 Überlaß
uns nicht der Schande, sondern handle an uns
nach deiner Milde, nach deinem überreichen
Erbarmen!
3:43 Errette
uns, deinen wunderbaren Taten entsprechend;
verschaff deinem Namen Ruhm, Herr!
3:44 Doch
alle, die deinen Dienern Böses tun, sollen
beschämt werden. Sie sollen zuschanden
wer-den und ihre Herrschaft verlieren. Ihre
Stärke soll zerschlagen werden.
3:45 Sie
sollen erkennen, daß du allein der Herr und
Gott bist, ruhmreich auf der ganzen Erde.
3:46 Die
Knechte des Königs, die die drei Männer in
den Ofen geworfen hatten, hörten inzwischen
nicht auf, den Ofen mit Harz und Werg, Pech
und Reisig zu heizen.
3:47 So
schlugen die Flammen bis zu neunundvierzig
Ellen hoch aus dem Ofen heraus.
3:48 Sie
griffen um sich und verbrannten jeden
Chaldäer, den sie im Umkreis des Ofens
erfassen konnten.
3:49 Aber der
Engel des Herrn war zusammen mit Asarja und
seinen Gefährten in den Ofen hinabgestiegen.
Er trieb die Flammen des Feuers aus dem Ofen
hinaus
3:50 und
machte das Innere des Ofens so, als wehte
ein taufrischer Wind. Das Feuer berührte sie
gar nicht; es tat ihnen nichts zuleide und
belästigte sie nicht.
3:51 Der
Lobgesang der drei jungen Männer: 3,51-90
Da sangen die
drei im Ofen wie aus einem Mund, sie rühmten
und priesen Gott mit den Worten:
3:52
Gepriesen bist du, Herr, du Gott unserer
Väter, gelobt und gerühmt in Ewigkeit.
Gepriesen ist dein heiliger, herrlicher
Name, hoch gelobt und verherrlicht in
Ewigkeit.
3:53
Gepriesen bist du im Tempel deiner heiligen
Herrlichkeit, hoch gerühmt und verherrlicht
in Ewigkeit.
3:54
Gepriesen bist du, der in die Tiefen schaut
und auf Kerubim thront, gelobt und gerühmt
in Ewigkeit.
3:55
Gepriesen bist du auf dem Thron deiner
Herrschaft, hoch gerühmt und gefeiert in
Ewigkeit.
3:56
Gepriesen bist du am Gewölbe des Himmels,
gerühmt und verherrlicht in Ewigkeit.
3:57 Preist
den Herrn, all ihr Werke des Herrn; lobt und
rühmt ihn in Ewigkeit!
3:58 Preist
den Herrn, ihr Himmel; lobt und rühmt ihn in
Ewigkeit!
3:59 Preist
den Herrn, ihr Engel des Herrn; lobt und
rühmt ihn in Ewigkeit!
3:60 Preist
den Herrn, all ihr Wasser über dem Himmel;
lobt und rühmt ihn in Ewigkeit!
3:61 Preist
den Herrn, all ihr Mächte des Herrn; lobt
und rühmt ihn in Ewigkeit!
3:62 Preist
den Herrn, Sonne und Mond; lobt und rühmt
ihn in Ewigkeit!
3:63 Preist
den Herrn, ihr Sterne am Himmel; lobt und
rühmt ihn in Ewigkeit!
3:64 Preist
den Herrn, aller Regen und Tau; lobt und
rühmt ihn in Ewigkeit!
3:65 Preist
den Herrn, all ihr Winde; lobt und rühmt ihn
in Ewigkeit!
3:66 Preist
den Herrn, Feuer und Glut; lobt und rühmt
ihn in Ewigkeit!
3:67 Preist
den Herrn, Frost und Hitze; lobt und rühmt
ihn in Ewigkeit!
3:68 Preist
den Herrn, Tau und Schnee; lobt und rühmt
ihn in Ewigkeit!
3:69 Preist
den Herrn, Eis und Kälte; lobt und rühmt ihn
in Ewigkeit!
3:70 Preist
den Herrn, Rauhreif und Schnee; lobt und
rühmt ihn in Ewigkeit!
3:71 Preist
den Herrn, ihr Nächte und Tage; lobt und
rühmt ihn in Ewigkeit!
3:72 Preist
den Herrn, Licht und Dunkel; lobt und rühmt
ihn in Ewigkeit!
3:73 Preist
den Herrn, ihr Blitze und Wolken; lobt und
rühmt ihn in Ewigkeit!
3:74 Die Erde
preise den Herrn; sie lobe und rühme ihn in
Ewigkeit.
3:75 Preist
den Herrn, ihr Berge und Hügel; lobt und
rühmt ihn in Ewigkeit!
3:76 Preist
den Herrn, all ihr Gewächse auf Erden; lobt
und rühmt ihn in Ewigkeit!
3:77 Preist
den Herrn, ihr Quellen; lobt und rühmt ihn
in Ewigkeit!
3:78 Preist
den Herrn, ihr Meere und Flüsse; lobt und
rühmt ihn in Ewigkeit!
3:79 Preist
den Herrn, ihr Tiere des Meeres und alles,
was sich regt im Wasser; lobt und rühmt ihn
in Ewigkeit!
3:80 Preist
den Herrn, all ihr Vögel am Himmel; lobt und
rühmt ihn in Ewigkeit!
3:81 Preist
den Herrn, all ihr Tiere, wilde und zahme;
lobt und rühmt ihn in Ewigkeit!
3:82 Preist
den Herrn, ihr Menschen; lobt und rühmt ihn
in Ewigkeit!
3:83 Preist
den Herrn, ihr Israeliten; lobt und rühmt
ihn in Ewigkeit!
3:84 Preist
den Herrn, ihr seine Priester; lobt und
rühmt ihn in Ewigkeit!
3:85 Preist
den Herrn, ihr seine Knechte; lobt und rühmt
ihn in Ewigkeit!
3:86 Preist
den Herrn, ihr Geister und Seelen der
Gerechten; lobt und rühmt ihn in Ewigkeit!
3:87 Preist
den Herrn, ihr Demütigen und Frommen; lobt
und rühmt ihn in Ewigkeit!
3:88 Preist
den Herrn, Hananja, Asarja und Mischaël;
lobt und rühmt ihn in Ewigkeit! Denn er hat
uns der Unterwelt entrissen und aus der
Gewalt des Todes errettet. Er hat uns aus
dem lodernden Ofen befreit, uns mitten aus
dem Feuer erlöst.
3:89 Dankt
dem Herrn, denn er ist gütig; denn seine
Huld währt ewig.
3:90 Preist
alle den Herrn, ihr seine Verehrer, preist
den Gott der Götter; singt ihm Lob und Dank;
denn ewig währt seine Güte.
3:91 Die
Rettung der drei Freunde: 3,91-97
Da erschrak
der König Nebukadnezzar; er sprang auf und
fragte seine Räte: Haben wir nicht drei
Männer gefesselt ins Feuer geworfen? Sie
gaben dem König zur Antwort: Gewiß, König!
3:92 Er
erwiderte: Ich sehe aber vier Männer frei im
Feuer umhergehen. Sie sind unversehrt, und
der vierte sieht aus wie ein Göttersohn.
3:93 Dann
ging Nebukadnezzar zu der Tür des glühenden
Ofens und rief: Schadrach, Meschach und
Abed-Nego, ihr Diener des höchsten Gottes,
steigt heraus, kommt her! Da kamen Schadrach,
Meschach und Abed-Nego aus dem Feuer heraus.
3:94 Nun
drängten auch die Satrapen, Präfekten,
Statthalter und die königlichen Räte herbei.
Sie sahen sich die Männer an und fanden, daß
das Feuer keine Macht über ihren Körper
gehabt hatte. Kein Haar auf ihrem Kopf war
versengt. Ihre Mäntel waren unversehrt, und
nicht einmal Brandgeruch haftete ihnen an.
3:95 Da rief
Nebukadnezzar aus: Gepriesen sei der Gott
Schadrachs, Meschachs und Abed-Negos. Denn
er hat seinen Engel gesandt und seine Diener
gerettet. Im Vertrauen auf ihn haben sie
lieber den Befehl des Königs mißachtet und
ihr Leben dahingegeben, als daß sie
irgendeinen anderen als ihren eigenen Gott
verehrten und anbeteten.
3:96 Darum
ordne ich an: Jeder, der vom Gott des
Schadrach, Meschach und Abed-Nego
verächtlich spricht, zu welcher
Völkerschaft, Nation oder Sprache er auch
gehört, soll in Stücke gerissen und sein
Haus soll in einen Trümmerhaufen verwandelt
werden. Denn es gibt keinen anderen Gott,
der auf diese Weise retten kann.
3:97 Darauf
sorgte der König dafür, daß es Schadrach,
Meschach und Abed-Nego in der Provinz Babel
gut ging.
3:98
Nebukadnezzars Traum vom stolzen Baum: 3,98
- 4,34
Der König
Nebukadnezzar an alle Völker, Nationen und
Sprachen auf der ganzen Erde: Friede sei mit
euch in Fülle.
3:99 Es ist
mir eine Freude, die Zeichen und Wunder zu
verkünden, die der höchste Gott an mir getan
hat.
3:100 Wie
groß sind seine Zeichen, wie gewaltig seine
Wunder! Sein Reich ist ein ewiges Reich;
seine Herrschaft überdauert alle
Generationen.
4:1 Ich,
Nebukadnezzar, lebte ohne Sorge in meinem
Haus und war glücklich in meinem Palast.
4:2 Da hatte
ich einen Traum, der mich erschreckte. Was
ich auf meinem Lager sah, was meine Augen da
erblickten, versetzte mich in Angst.
4:3 Darum
ließ ich alle Weisen Babels zu mir rufen,
damit sie mir den Traum deuteten.
4:4 Da kamen
die Zeichendeuter, Wahrsager, Chaldäer und
Astrologen herbei. Ich erzählte ihnen den
Traum; aber sie konnten ihn mir nicht
deuten.
4:5 Zuletzt
erschien Daniel vor mir, der nach dem Namen
meines Gottes auch Beltschazzar heißt und in
dem der Geist der heiligen Götter ist. Ihm
erzählte ich nun den Traum und sagte:
4:6
Beltschazzar, Oberster der Zeichendeuter,
von dir weiß ich, daß der Geist der heiligen
Götter in dir ist und daß dir kein Geheimnis
verschlossen bleibt. Hör also, was ich im
Traum gesehen habe, und deute es mir!
4:7 Was ich
auf meinem Lager vor Augen hatte, war dies:
Da stand ein Baum mitten auf der Erde; er
war sehr hoch.
4:8 Der Baum
wuchs zusehends und wurde immer mächtiger;
seine Höhe reichte bis an den Himmel; er war
bis ans Ende der ganzen Erde zu sehen.
4:9 Er hatte
prächtiges Laub und trug so viele Früchte,
daß er Nahrung für alle bot. Unter ihm
fanden die wilden Tiere des Feldes Schatten;
die Vögel nisteten in seinen Zweigen; alle
Lebewesen ernährten sich von ihm.
4:10 Während
ich auf meinem Lager noch das Traumbild sah,
stieg ein Wächter, ein Heiliger, vom Himmel
herab.
4:11 Er
befahl mit mächtiger Stimme: Fällt den Baum,
und schlagt seine Äste ab! Streift sein
Laubwerk ab, und zerstreut seine Früchte!
Die Tiere sollen aus seinem Schatten fliehen
und die Vögel aus seinen Zweigen.
4:12 Aber
laßt ihm den Wurzelstock in der Erde, im
Gras des Feldes, mit einer Fessel aus Eisen
und Bronze. Der Tau des Himmels soll ihn
benetzen, und mit den Tieren soll er
teilhaben am Gras der Erde.
4:13 Sein
Herz sei nicht mehr ein Menschenherz; ein
Tierherz soll ihm gegeben werden, und sieben
Zeiten sollen über ihn hingehen.
4:14 Dieser
Befehl beruht auf einem Beschluß der
Wächter; ein Spruch der Heiligen fordert es.
Die Lebenden sollen erkennen: Über die
Herrschaft bei den Menschen gebietet der
Höchste; er verleiht sie, wem er will,
selbst den Niedrigsten der Menschen kann er
dazu erheben.
4:15 Das ist
der Traum, den ich, König Nebukadnezzar,
gehabt habe. Nun deute ihn, Beltschazzar!
Von allen Weisen meines Reiches konnte ihn
mir keiner auslegen; du aber kannst es, denn
in dir ist der Geist der heiligen Götter.
4:16 Da war
Daniel, der auch Beltschazzar heißt, eine
Zeitlang ganz verstört; denn seine Gedanken
machten ihm Angst. Doch der König sagte:
Beltschazzar, laß dich von dem Traum und
seiner Deutung nicht ängstigen! Beltschazzar
erwiderte: Mein Herr, der Traum gelte deinen
Feinden; seine Deutung treffe deine
Widersacher.
4:17 Du hast
einen Baum gesehen; er wuchs zusehends und
wurde immer mächtiger. Seine Höhe reichte
bis an den Himmel, und er war auf der ganzen
Erde zu sehen.
4:18 Er hatte
prächtiges Laub und trug so viele Früchte,
daß er Nahrung für alle bot. Unter ihm
fan-den die wilden Tiere des Feldes
Zuflucht, und in seinen Zweigen wohnten die
Vögel des Himmels.
4:19 Dieser
Baum bist du, König; du bist groß und
mächtig geworden; deine Größe ist immer mehr
gewachsen; sie reicht bis zum Himmel und
deine Herrschaft bis ans Ende der Erde.
4:20 Dann hat
der König gesehen, wie ein Wächter, ein
Heiliger, vom Himmel herabstieg und befahl:
Fällt den Baum, und vernichtet ihn! Aber
laßt ihm in der Erde, im Gras des Feldes,
den Wurzelstock, mit einer Fessel aus Eisen
und Bronze. Der Tau des Himmels soll ihn
benetzen, und mit den Tieren des Feldes soll
er teilhaben (am Gras der Erde), bis sieben
Zeiten über ihn hingegangen sind.
4:21 Das, o
König, bedeutet - es ist ein Beschluß des
Höchsten, der meinen Herrn, den König,
be-trifft -:
4:22 Man wird
dich aus der Gemeinschaft der Menschen
verstoßen, und du mußt bei den wilden Tieren
des Feldes leben. Du wirst dich von Gras
ernähren wie die Ochsen, und der Tau des
Himmels wird dich benetzen. So gehen sieben
Zeiten über dich hin, bis du erkennst, daß
der Höchste über die Herrschaft bei den
Menschen gebietet und sie verleiht, wem er
will.
4:23
Schließlich hieß es, man solle den
Wurzelstock des Baumes stehen lassen; das
bedeutet: Deine Herrschaft bleibt dir
erhalten, sobald du anerkennst, daß der
Himmel die Macht hat.
4:24 Darum, o
König, nimm meinen Rat an: Lösch deine
Sünden aus durch rechtes Tun, tilge deine
Vergehen, indem du Erbarmen hast mit den
Armen. Dann mag dein Glück vielleicht von
Dauer sein.
4:25 All das
kam dann über König Nebukadnezzar.
4:26 Als er
nämlich zwölf Monate später auf (der
Dachterrasse) des königlichen Palastes zu
Babel spazierenging,
4:27 sagte
der König: Ist das nicht das großartige
Babel, das ich durch meine gewaltige Macht
als Königsstadt erbaut habe, zum Ruhm meiner
Herrlichkeit?
4:28 Noch
hatte der König diese Worte auf den Lippen,
da fiel eine Stimme vom Himmel: Dir, König
Nebukadnezzar, sei gesagt: Die Herrschaft
wird dir genommen.
4:29 Man wird
dich aus der Gemeinschaft der Menschen
ausstoßen. Du mußt bei den wilden Tieren
leben und dich von Gras ernähren wie die
Ochsen. So werden sieben Zeiten über dich
hingehen, bis du erkennst, daß der Höchste
über die Herrschaft bei den Menschen
gebietet und sie verleiht, wem er will.
4:30 Noch in
derselben Stunde erfüllte sich dieser Spruch
an Nebukadnezzar: Man verstieß ihn aus der
Gemeinschaft der Menschen, und er mußte sich
von Gras ernähren wie die Ochsen. Der Tau
des Himmels benetzte seinen Körper, bis
seine Haare so lang wie Adlerfedern waren
und seine Nägel wie Vogelkrallen.
4:31 Als die
Zeit verstrichen war, erhob ich,
Nebukadnezzar, meine Augen zum Himmel, und
mein Verstand kehrte zurück. Da pries ich
den Höchsten; ich lobte und verherrlichte
den, der ewig lebt. Ja, seine Herrschaft ist
eine ewige Herrschaft; sein Reich überdauert
alle Generationen.
4:32 Alle
Bewohner der Erde gelten vor ihm wie nichts.
Er macht mit dem Heer des Himmels und mit
den Bewohnern der Erde, was er will. Es gibt
niemand, der seiner Hand wehren und zu ihm
sagen dürfte: Was tust du da?
4:33 Zu
derselben Zeit kehrte mein Verstand zurück,
und ich erhielt zum Ruhm meines Königtums
auch meine Herrlichkeit und meinen
königlichen Glanz zurück. Meine Räte und
Großen suchten mich auf; man setzte mich
wieder in meine Herrschaft ein, und meine
Macht wurde noch größer.
4:34 Ich,
Nebukadnezzar, lobe, preise und rühme nun
den König des Himmels. Denn alle seine Taten
sind vortrefflich und seine Wege gerecht.
Die Menschen, die in stolzer Höhe
dahinschreiten, kann er erniedrigen.
5:1 Das
Gastmahl Belschazzars: 5,1-6,1
König
Belschazzar gab ein großes Gastmahl für
seine Großen; es waren tausend Menschen, und
zusammen mit den Tausend sprach er dem Wein
zu.
5:2 In seiner
Weinlaune nun ließ Belschazzar die goldenen
und silbernen Gefäße holen, die sein Vater
Nebukadnezzar aus dem Tempel in Jerusalem
mitgenommen hatte. Jetzt sollten der König
und seine Großen, seine Frauen und
Nebenfrauen daraus trinken.
5:3 Man holte
also die goldenen Gefäße, die man aus dem
Tempel des Gotteshauses in Jerusalem
mitgenommen hatte, und der König und seine
Großen, seine Frauen und Nebenfrauen tranken
daraus.
5:4 Sie
tranken Wein und lobten die Götter aus Gold
und Silber, aus Bronze, Eisen, Holz und
Stein.
5:5 In
derselben Stunde erschienen die Finger einer
Menschenhand und schrieben gegenüber dem
Leuchter etwas auf die weißgetünchte Wand
des königlichen Palastes. Der König sah den
Rücken der Hand, als sie schrieb.
5:6 Da
erbleichte er, und seine Gedanken
erschreckten ihn. Seine Glieder wurden
schwach, und ihm schlotterten die Knie.
5:7 Der König
schrie laut, man solle die Wahrsager,
Chaldäer und Astrologen holen. Dann sagte er
zu den Weisen von Babel: Wer diese Schrift
lesen und mir deuten kann - was er auch sei:
er soll in Purpur gekleidet werden, eine
goldene Kette um den Hals tragen und als der
Dritte in meinem Reich herrschen.
5:8 Da kamen
alle Weisen des Königs herbei; aber sie
waren nicht imstande, die Schrift zu lesen
oder dem König zu sagen, was sie bedeutete.
5:9 Darüber
erschrak König Belschazzar noch mehr, und
sein Gesicht wurde bleich. Auch seine Großen
gerieten in Angst.
5:10 Da die
Rufe des Königs und seiner Großen bis zur
Königin drangen, kam sie in den Festsaal und
sagte: O König, mögest du ewig leben. Laß
dich von deinen Gedanken nicht erschrecken;
du brauchst nicht zu erbleichen.
5:11 In
deinem Reich gibt es einen Mann, in dem der
Geist der heiligen Götter wohnt. Schon zu
deines Vaters Zeiten fand man bei ihm
Erleuchtung und Einsicht und Weisheit, wie
nur die Götter sie haben; deshalb hat König
Nebukadnezzar, dein Vater, ihn zum Obersten
der Zeichendeuter, Wahrsager, Chaldäer und
Astrologen ernannt, dein eigener Vater, o
König!
5:12 Bei
diesem Daniel also, dem der König den Namen
Beltschazzar gegeben hat, fand man
außer-gewöhnlichen Geist sowie Erkenntnis
und Einsicht und die Gabe, Träume
auszulegen, Rätsel zu erklären und
schwierige Fragen zu lösen. Darum laß jetzt
Daniel herrufen; er wird die Deutung geben.
5:13 Daniel
wurde vor den König gebracht, und der König
sagte zu ihm: Du also bist Daniel, einer von
den verschleppten Juden, die mein Vater, der
König, aus Juda hierher gebracht hat.
5:14 In dir,
so habe ich gehört, ist der Geist der
Götter, und bei dir fand man Erleuchtung und
Einsicht und außergewöhnliche Weisheit.
5:15 Man hat
die Weisen und die Wahrsager vor mich
gebracht, damit sie diese Schrift lesen und
mir deuten. Sie konnten mir aber nicht
sagen, was das Geschriebene bedeutet.
5:16 Doch du,
so habe ich gehört, kannst Deutungen geben
und schwierige Fragen lösen. Wenn du nun die
Schrift lesen und mir deuten kannst, sollst
du in Purpur gekleidet werden, um den Hals
eine goldene Kette tragen und als der Dritte
in meinem Reich herrschen.
5:17 Daniel
gab dem König zur Antwort: Behalte deine
Gaben oder schenk sie einem andern! Aber die
Schrift will ich für den König lesen und
deuten.
5:18 Mein
König! Der höchste Gott hat deinem Vater
Nebukadnezzar Herrschaft und Macht,
Herrlichkeit und Majestät gegeben.
5:19 Vor der
Macht, die ihm verliehen war, zitterten und
bebten alle Völker, Nationen und Sprachen.
Er tötete, wen er wollte, und ließ am Leben,
wen er wollte. Er erhöhte, wen er wollte,
und stürzte, wen er wollte.
5:20 Als aber
sein Herz überheblich und sein Geist
hochmütig wurde, stürzte man ihn von seinem
königlichen Thron, und er verlor die
Herrscherwürde.
5:21 Man
verstieß ihn aus der Gemeinschaft der
Menschen. Sein Herz wurde dem der Tiere
gleichgemacht. Er mußte bei den wilden Eseln
hausen und sich von Gras ernähren wie die
Ochsen. Der Tau des Himmels benetzte seinen
Körper, bis er erkannte: Der höchste Gott
gebietet über die Herrschaft bei den
Menschen und gibt sie, wem er will.
5:22 Obgleich
nun du, sein Sohn Belschazzar, das alles
weißt, bist du in deinem Herzen doch nicht
bescheiden geblieben.
5:23 Du hast
dich gegen den Herrn des Himmels erhoben und
dir die Gefäße aus seinem Tempel
herbeischaffen lassen. Du und deine Großen,
deine Frauen und Nebenfrauen, ihr habt
daraus Wein getrunken. Du hast die Götter
aus Gold und Silber, aus Bronze, Eisen, Holz
und Stein gepriesen, die weder sehen noch
hören können und keinen Verstand haben. Aber
den Gott, der deinen Lebensatem in seiner
Hand hat und dem all deine Wege gehören, den
hast du nicht verherrlicht.
5:24 Darum
hat er diese Hand geschickt und diese
Schrift geschrieben.
5:25 Das
Geschriebene lautet aber: Mene mene tekel
u-parsin.
5:26 Diese
Worte bedeuten: Mene: Gezählt hat Gott die
Tage deiner Herrschaft und macht ihr ein
Ende.
5:27 Tekel:
Gewogen wurdest du auf der Waage und zu
leicht befunden.
5:28 Peres:
Geteilt wird dein Reich und den Medern und
Persern gegeben.
5:29 Da
befahl Belschazzar, Daniel in Purpur zu
kleiden und ihm eine goldene Kette um den
Hals zu legen, und er ließ verkünden, daß
Daniel als der Dritte im Reich herrschen
sollte.
5:30 Aber
noch in derselben Nacht wurde Belschazzar,
der König der Chaldäer, getötet,
6:1 und der
Meder Darius übernahm die Königsherrschaft
im Alter von zweiundsechzig Jahren.
6:2 Daniel in
der Löwengrube: 6,2-29
Darius fand
es für gut, über das Reich hundertzwanzig
Satrapen einzusetzen, die über das ganze
Reich verteilt sein sollten.
6:3 Über
diese wieder setzte er drei oberste Beamte,
zu denen auch Daniel gehörte. Ihnen sollten
die Satrapen Rechenschaft ablegen, damit der
König keinen Schaden erleide.
6:4 Daniel
nun zeichnete sich vor den anderen obersten
Beamten und den Satrapen aus; denn in ihm
war ein außergewöhnlicher Geist. Der König
erwog sogar, ihn zum höchsten Beamten des
ganzen Reiches zu machen.
6:5 Da
suchten die obersten Beamten und die
Satrapen einen Grund, um Daniel wegen seiner
Amtsführung anzuklagen. Sie konnten aber
keinen Grund zur Anklage und kein Vergehen
finden; denn er war zuverlässig; keine
Nachlässigkeit und kein Vergehen konnte man
ihm nachweisen.
6:6 Da sagten
jene Männer: Wir werden keinen Grund finden,
um diesen Daniel anzuklagen, es sei denn,
wir finden gegen ihn etwas wegen des
Gesetzes seines Gottes.
6:7 Darum
bestürmten die obersten Beamten und Satrapen
den König und sagten zu ihm: König Darius,
mögest du ewig leben.
6:8 Alle
obersten Beamten des Reiches, die Präfekten,
Satrapen, Räte und Statthalter raten dem
König, ein Dekret zu erlassen und folgendes
Verbot in Kraft zu setzen: Jeder, der
innerhalb von dreißig Tagen an irgendeinen
Gott oder Menschen außer an dich, König,
eine Bitte richtet, der soll in die
Löwengrube geworfen werden.
6:9 Erlaß
dieses Verbot, o König, und fertige ein
Schreiben darüber aus! Es soll nach dem
unwandelbaren Gesetz der Meder und Perser
unabänderlich sein.
6:10 König
Darius unterzeichnete das Verbot.
6:11 Als
Daniel erfuhr, daß das Schreiben
unterzeichnet war, ging er in sein Haus. In
seinem Obergemach waren die Fenster nach
Jerusalem hin offen. Dort kniete er dreimal
am Tag nieder und richtete sein Gebet und
seinen Lobpreis an seinen Gott, ganz so, wie
er es gewohnt war.
6:12 Nun
schlichen sich jene Männer heran und fanden
Daniel, wie er zu seinem Gott betete und
flehte.
6:13 Darauf
gingen sie zum König und erinnerten ihn an
sein Verbot; sie sagten: O König, hast du
nicht ein Verbot unterzeichnet, nach dem
jeder, der innerhalb von dreißig Tagen an
irgendeinen Gott oder Menschen außer an
dich, König, eine Bitte richtet, in die
Löwengrube geworfen werden soll? Der König
gab zur Antwort: Die Anordnung steht fest
nach dem unwandelbaren Gesetz der Meder und
Perser.
6:14 Da
berichteten sie dem König: Daniel, einer von
den verschleppten Juden, achtet weder dich,
König, noch das Verbot, das du
unterschrieben hast, sondern verrichtet
dreimal am Tag sein Gebet.
6:15 Als der
König das hörte, war es ihm sehr peinlich,
und er dachte nach, wie er Daniel retten
könne. Bis Sonnenuntergang bemühte er sich,
ihn freizubekommen.
6:16 Doch
jene Männer bestürmten ihn und sagten:
Bedenke, König, es ist bei den Medern und
Persern Gesetz, daß jedes Verbot und Dekret,
das der König erläßt, unabänderlich ist.
6:17 Darauf
befahl der König, Daniel herzubringen, und
man warf ihn zu den Löwen in die Grube. Der
König sagte noch zu Daniel: Möge dein Gott,
dem du so unablässig dienst, dich erretten.
6:18 Und man
nahm einen großen Stein und wälzte ihn auf
die Öffnung der Grube. Der König versiegelte
ihn mit seinem Siegel und den Siegeln seiner
Großen, um zu verhindern, daß an der Lage
Daniels etwas verändert würde.
6:19 Dann
ging der König in seinen Palast; fastend
verbrachte er die Nacht; er ließ sich keine
Speisen bringen und konnte keinen Schlaf
finden.
6:20 Früh am
Morgen, als es gerade hell wurde, stand der
König auf und ging in Eile zur Löwengrube.
6:21 Als er
sich der Grube näherte, rief er mit
schmerzlicher Stimme nach Daniel und fragte:
Daniel, du Diener des lebendigen Gottes! Hat
dein Gott, dem du so unablässig dienst, dich
vor den Löwen erretten können?
6:22 Daniel
antwortete ihm: O König, mögest du ewig
leben.
6:23 Mein
Gott hat seinen Engel gesandt und den Rachen
der Löwen verschlossen. Sie taten mir nichts
zuleide; denn in seinen Augen war ich
schuldlos, und auch dir gegenüber, König,
bin ich ohne Schuld.
6:24 Darüber
war der König hoch erfreut und befahl,
Daniel aus der Grube herauszuholen. So wurde
Daniel aus der Grube herausgeholt; man fand
an ihm nicht die geringste Verletzung, denn
er hatte seinem Gott vertraut.
6:25 Nun aber
ließ der König die Männer herbeiholen, die
Daniel verklagt hatten, und ließ sie mit
ihren Kindern und Frauen in die Löwengrube
werfen. Sie waren noch nicht am Boden der
Grube angelangt, da stürzten sich die Löwen
auf sie und zermalmten ihnen alle Knochen.
6:26
Daraufhin schrieb König Darius an alle
Völker, Nationen und Sprachen auf der ganzen
Erde: Friede sei mit euch in Fülle!
6:27 Hiermit
ordne ich an: Im ganzen Gebiet meines
Reiches soll man vor dem Gott Daniels
zittern und sich vor ihm fürchten. Denn er
ist der lebendige Gott; er lebt in Ewigkeit.
Sein Reich geht niemals unter; seine
Herrschaft hat kein Ende.
6:28 Er
rettet und befreit; er wirkt Zeichen und
Wunder am Himmel und auf der Erde; er hat
Daniel aus den Tatzen der Löwen errettet.
6:29 Daniel
aber ging es gut unter dem König Darius und
auch unter dem Perserkönig Kyrus.
7:1 Daniels Vision von
den vier Tieren und vom Menschensohn: 7,1-28
Im ersten
Jahr Belschazzars, des Königs von Babel,
hatte Daniel einen Traum; auf seinem Lager
hatte er eine Vision. Er schrieb den Traum
auf, und sein Bericht hat folgenden Inhalt:
7:2 Ich hatte
während der Nacht eine Vision: Die vier
Winde des Himmels wühlten das große Meer
auf.
7:3 Dann
stiegen aus dem Meer vier große Tiere
herauf; jedes hatte eine andere Gestalt.
7:4 Das erste
war einem Löwen ähnlich, hatte jedoch
Adlerflügel. Während ich es betrachtete,
wurden ihm die Flügel ausgerissen; es wurde
vom Boden emporgehoben und wie ein Mensch
auf zwei Füße gestellt, und es wurde ihm ein
menschliches Herz gegeben.
7:5 Dann
erschien ein zweites Tier; es glich einem
Bären und war nach einer Seite hin
aufgerichtet. Es hielt drei Rippen zwischen
den Zähnen in seinem Maul, und man
ermunterte es: Auf, friß noch viel mehr
Fleisch!
7:6 Danach
sah ich ein anderes Tier; es glich einem
Panther, hatte aber auf dem Rücken vier
Flügel, wie die Flügel eines Vogels; auch
hatte das Tier vier Köpfe; ihm wurde die
Macht eines Herrschers verliehen.
7:7 Danach
sah ich in meinen nächtlichen Visionen ein
viertes Tier; es war furchtbar und
schrecklich anzusehen und sehr stark; es
hatte große Zähne aus Eisen. Es fraß und
zermalmte alles, und was übrig blieb,
zertrat es mit den Füßen. Von den anderen
Tieren war es völlig verschieden. Auch hatte
es zehn Hörner.
7:8 Als ich
die Hörner betrachtete, da wuchs zwischen
ihnen ein anderes, kleineres Horn empor, und
vor ihm wurden drei von den früheren Hörnern
ausgerissen; und an diesem Horn waren Augen
wie Menschenaugen und ein Maul, das anmaßend
redete.
7:9 Ich sah
immer noch hin; da wurden Throne
aufgestellt, und ein Hochbetagter nahm
Platz. Sein Gewand war weiß wie Schnee, sein
Haar wie reine Wolle. Feuerflammen waren
sein Thron, und dessen Räder waren loderndes
Feuer.
7:10 Ein
Strom von Feuer ging von ihm aus. Tausendmal
Tausende dienten ihm, zehntausendmal
Zehntausende standen vor ihm. Das Gericht
nahm Platz, und es wurden Bücher
aufgeschlagen.
7:11 Ich sah
immer noch hin, bis das Tier - wegen der
anmaßenden Worte, die das Horn redete -
getötet wurde. Sein Körper wurde dem Feuer
übergeben und vernichtet.
7:12 Auch den
anderen Tieren wurde die Herrschaft
genommen. Doch ließ man ihnen das Leben bis
zu einer bestimmten Frist.
7:13 Immer
noch hatte ich die nächtlichen Visionen: Da
kam mit den Wolken des Himmels einer wie ein
Menschensohn. Er gelangte bis zu dem
Hochbetagten und wurde vor ihn geführt.
7:14 Ihm
wurden Herrschaft, Würde und Königtum
gegeben. Alle Völker, Nationen und Sprachen
müssen ihm dienen. Seine Herrschaft ist eine
ewige, unvergängliche Herrschaft. Sein Reich
geht niemals unter.
7:15 Darüber
war ich, Daniel, im Geist bekümmert, und was
mir vor Augen stand, erschreckte mich.
7:16 Ich
wandte mich an einen der Umstehenden und bat
ihn, mir das alles genau zu erklären. Er
deutete mir die Vorgänge und sagte:
7:17 Diese
großen Tiere, vier an der Zahl, bedeuten
vier Könige, die sich auf der Erde erheben
werden.
7:18 Das
Königtum aber werden die Heiligen des
Höchsten erhalten, und sie werden es
behalten für immer und ewig.
7:19 Dann
wollte ich noch Genaueres über das vierte
Tier erfahren, das Tier, das anders war als
alle anderen, ganz furchtbar anzusehen, mit
Zähnen aus Eisen und mit Klauen aus Bronze,
das alles fraß und zermalmte, und was
übrigblieb, mit den Füßen zertrat.
7:20 Auch
(wollte ich Genaueres erfahren) über die
zehn Hörner an seinem Kopf und über das
andere Horn, das emporgewachsen war und vor
dem die drei Hörner abgefallen waren, das
Horn, das Augen und einen Mund hatte, der
anmaßend redete, und das schließlich größer
als die anderen zu sein schien.
7:21 Ich sah
dieses Horn gegen die Heiligen kämpfen. Es
überwältigte sie,
7:22 bis der
Hochbetagte kam. Da wurde den Heiligen des
Höchsten Recht verschafft, und es kam die
Zeit, in der die Heiligen das Königtum
erhielten.
7:23 Der
(Engel) antwortete mir: Das vierte Tier
bedeutet: Ein viertes Reich wird sich auf
der Erde erheben, ganz anders als alle
anderen Reiche. Es wird die ganze Erde
verschlingen, sie zertreten und zermalmen.
7:24 Die zehn
Hörner bedeuten: In jenem Reich werden zehn
Könige regieren; doch nach ihnen kommt ein
anderer. Dieser ist ganz anders als die
früheren. Er stürzt drei Könige,
7:25 er
lästert über den Höchsten und unterdrückt
die Heiligen des Höchsten. Die Festzeiten
und das Gesetz will er ändern. Ihm werden
die Heiligen für eine Zeit und zwei Zeiten
und eine halbe Zeit ausgeliefert.
7:26 Dann
aber wird Gericht gehalten. Jenem König wird
seine Macht genommen; er wird endgültig
ausgetilgt und vernichtet.
7:27 Die
Herrschaft und Macht und die Herrlichkeit
aller Reiche unter dem ganzen Himmel werden
dem Volk der Heiligen des Höchsten gegeben.
Sein Reich ist ein ewiges Reich, und alle
Mächte werden ihm dienen und gehorchen.
7:28 Hier
endet die Mitteilung. Mich, Daniel,
erschreckten meine Gedanken sehr, und ich
erbleich-te. Aber ich bewahrte die
Mitteilung in meinem Herzen.
8:1 Daniels Vision vom
Widder und Ziegenbock: 8,1-27
Im dritten
Jahr der Herrschaft des Königs Belschazzar
hatte ich, Daniel, eine Vision, nach jener
anderen, die ich früher gehabt hatte.
8:2 Ich hatte
eine Vision, und während ich sie sah, befand
ich mich in der Burg Susa, die in der
Provinz Elam liegt, am Ulai-Kanal.
8:3 Ich
blickte auf und sah, wie ein Widder am Kanal
stand; er hatte zwei Hörner. Beide Hörner
waren sehr hoch; doch das eine war noch
höher als das andere, und das höhere wuchs
ihm zuletzt.
8:4 Ich sah,
wie der Widder nach Westen, Norden und Süden
stieß; kein Tier hielt ihm stand, und es gab
keinen, der sich aus seiner Gewalt retten
konnte. Er tat, was er wollte, und machte
sich groß.
8:5 Dann
bemerkte ich einen Ziegenbock; er überquerte
von Westen her die ganze Erde, ohne aber den
Boden zu berühren; der Bock hatte ein
auffallendes Horn zwischen den Augen.
8:6 Er lief
zu dem Widder mit den zwei Hörnern, den ich
am Kanal stehen sah, und rannte mit
grimmiger Kraft auf ihn los.
8:7 Ich sah,
wie er auf den Widder losging und ihm wütend
zusetzte. Er stieß gegen den Widder und
brach ihm beide Hörner ab. Der Widder hatte
nicht die Kraft, ihm standzuhalten. Da warf
der Ziegenbock ihn zu Boden und zertrat ihn;
und niemand war da, um den Widder aus seiner
Gewalt zu retten.
8:8 Der
Ziegenbock wurde über die Maßen groß. Als er
aber am stärksten war, brach das große Horn
ab. An seiner Stelle wuchsen ihm vier
auffallende Hörner, und zwar nach den vier
Himmelsrichtungen.
8:9 Aus einem
der Hörner ging dann ein anderes Horn
hervor. Anfangs klein, wuchs es gewaltig
nach Süden und Osten, nach dem Ort der
Zierde hin.
8:10 Es wuchs
bis zum Sternenheer am Himmel hinauf und
warf einige aus dem Sternenheer auf die Erde
herab und zertrat sie.
8:11 Ja, bis
zum Gebieter des Himmelsheeres reckte es
sich empor; es entzog ihm das tägliche Opfer
und verwüstete sein Heiligtum.
8:12 Ein Heer
wurde verbrecherisch gegen das tägliche
Opfer eingesetzt. Das Horn stürzte die
Wahrheit zu Boden, und was es unternahm, das
gelang ihm.
8:13 Da hörte
ich einen Heiligen (einen Engel) reden, und
ein anderer Heiliger fragte den Redenden:
Wie lange gilt die Vision vom täglichen
Opfer, wie lange bleibt der Greuel der
Verwüstung bestehen und werden das Heiligtum
und der Ort der Zierde zertreten?
8:14 Er sagte
zu mir: Zweitausenddreihundert Abende und
Morgen wird es dauern; dann erhält das
Heiligtum wieder sein Recht.
8:15 Während
ich, Daniel, noch diese Vision hatte und sie
zu verstehen suchte, da stand vor mir einer,
der aussah wie ein Mann.
8:16 Und über
dem Ulai-Kanal hörte ich eine
Menschenstimme, die rief: Gabriel, erkläre
ihm die Vision!
8:17 Da kam
er auf mich zu. Als er näher trat, erschrak
ich und fiel mit dem Gesicht zu Boden. Er
sagte zu mir: Mensch, versteh: Die Vision
betrifft die Zeit des Endes.
8:18 Während
er mit mir redete, lag ich ohnmächtig da,
mit dem Gesicht am Boden. Da berührte er
mich und stellte mich wieder auf die Beine.
8:19 Dann
sagte er: Siehe, ich kündige dir an, was in
der letzten Zeit, der Zeit des Zorns,
geschehen wird; denn die Vision bezieht sich
auf die Zeit des Endes.
8:20 Der
Widder mit den zwei Hörnern, den du gesehen
hast, bedeutet die Könige von Medien und
Persien.
8:21 Der
Ziegenbock ist der König von Jawan. Das
große Horn zwischen seinen Augen ist der
erste König.
8:22 Das Horn
brach ab, und vier andere traten an seine
Stelle; das bedeutet: Aus seinem Volk
entstehen vier Reiche; sie haben aber nicht
die gleiche Kraft wie er.
8:23 In der
letzten Zeit ihrer Herrschaft, wenn die
Frevler ihr Maß vollgemacht haben, kommt ein
König voll Härte und Verschlagenheit.
8:24 Er wird
mächtig und stark und richtet ungeheures
Verderben an; alles, was er unternimmt,
gelingt ihm. Mächtige Herrscher wird er
vernichten, auch das Volk der Heiligen.
8:25 Dank
seiner Schlauheit gelingt ihm sein Betrug.
Er wird überheblich und bringt über viele
unversehens Verderben. Selbst gegen den
höchsten Gebieter steht er auf; doch ohne
Zutun eines Menschen wird er zerschmettert.
8:26 Die
Vision von den Abenden und den Morgen, die
dir offenbart wurde, ist wahr; doch du
sollst sie geheimhalten; denn sie bezieht
sich auf eine ferne Zeit.
8:27 Darauf
war ich, Daniel, erschöpft und lag mehrere
Tage krank zu Bett. Dann stand ich auf und
versah wieder meinen Dienst beim König. Doch
die Vision bedrückte mich, und ich verstand
sie nicht.
9:1 Die Weissagung von
den siebzig Jahrwochen: 9,1-27
Im ersten
Jahr, nachdem Darius, der Sohn des Xerxes,
aus dem Stamm der Meder, König über das
Reich der Chaldäer geworden war,
9:2 in diesem
ersten Jahr seiner Herrschaft suchte ich,
Daniel, in den Schriften die Zahl der Jahre
zu ergründen, die Jerusalem nach dem Wort
des Herrn an den Propheten Jeremia verwüstet
sein sollte; es waren siebzig Jahre.
9:3 Ich
richtete mein Gesicht zu Gott, dem Herrn, um
ihn mit Gebet und Flehen, bei Fasten in Sack
und Asche, zu bitten.
9:4 Ich
betete zum Herrn, meinem Gott, legte ein
Bekenntnis ab und sagte: Herr, du großer und
furchterregender Gott, du bewahrst denen,
die dich lieben und deine Gebote halten,
deinen Bund und deine Gnade.
9:5 Wir haben
gesündigt und Unrecht getan, wir sind
treulos gewesen und haben uns gegen dich
empört; von deinen Geboten und Gesetzen sind
wir abgewichen.
9:6 Wir haben
nicht auf deine Diener, die Propheten,
gehört, die in deinem Namen zu unseren
Königen und Vorstehern, zu unseren Vätern
und zu allen Bürgern des Landes geredet
haben.
9:7 Du, Herr,
bist im Recht; uns aber steht bis heute die
Schamröte im Gesicht, den Leuten von Juda,
den Einwohnern Jerusalems und allen
Israeliten, seien sie nah oder fern in all
den Ländern, wohin du sie verstoßen hast;
denn sie haben dir die Treue gebrochen.
9:8 Ja, Herr,
uns steht die Schamröte im Gesicht, unseren
Königen, Oberen und Vätern; denn wir haben
uns gegen dich versündigt.
9:9 Aber der
Herr, unser Gott, schenkt Erbarmen und
Vergebung. Ja, wir haben uns gegen ihn
empört.
9:10 Wir
haben nicht auf die Stimme des Herrn,
unseres Gottes, gehört und seine Befehle
nicht befolgt, die er uns durch seine
Diener, die Propheten, gegeben hat.
9:11 Ganz
Israel hat dein Gesetz übertreten, ist davon
abgewichen und hat nicht auf deine Stimme
gehört. Darum kamen der Fluch und die
Verwünschung über uns, die im Gesetz des
Mose, des Dieners Gottes, geschrieben
stehen; denn wir haben uns gegen Gott
versündigt.
9:12 Gott
machte seine Drohung wahr, die er gegen uns
und unsere Richter, die uns regierten,
ausgesprochen hatte: Er werde so schweres
Unheil über uns bringen, daß unter dem
ganzen Himmel nie solche Dinge geschehen
sein werden wie in Jerusalem.
9:13 Wie es
im Gesetz des Mose geschrieben steht, ist
all dieses Unheil über uns gekommen. Und
doch haben wir den Herrn, unseren Gott,
nicht begütigt, haben uns nicht von unserem
bösen Tun abgewandt und nicht auf deine
Wahrheit geachtet.
9:14 Der Herr
aber war wach und ließ dieses Unheil über
uns kommen. Denn der Herr, unser Gott, ist
gerecht in allem, was er tut. Wir aber
hörten nicht auf seine Stimme.
9:15 Jetzt
aber, Herr, unser Gott, der du dein Volk mit
starker Hand aus Ägypten geführt und dir
damit einen Namen gemacht hast bis auf den
heutigen Tag! Wir haben gesündigt; wir haben
gefrevelt.
9:16 Herr,
wende jetzt deinen grimmigen Zorn von deiner
Stadt Jerusalem und von deinem heiligen Berg
ab, wie es deinen früheren hilfreichen Taten
entspricht. Wegen unserer Sünden und der
bösen Taten unserer Väter sind Jerusalem und
dein Volk zum Gespött für alle geworden, die
rings um uns wohnen.
9:17 Darum
höre jetzt, unser Gott, das Gebet und Flehen
deines Knechtes: Herr, laß auch um deiner
selbst willen dein Angesicht über deinem
Heiligtum leuchten, das verwüstet daliegt.
9:18 Mein
Gott, neig mir dein Ohr zu, und höre mich;
öffne deine Augen, und sieh auf die Trümmer,
auf unsere Stadt, über der dein Name
ausgerufen ist. Nicht im Vertrauen auf
unsere guten Taten legen wir dir unsere
Bitten vor, sondern im Vertrauen auf dein
großes Erbarmen.
9:19 Herr,
erhöre! Herr, verzeih! Herr, vernimm das
Gebet, und handle! Mein Gott, auch um deiner
selbst willen zögere nicht! Dein Name ist
doch über deiner Stadt und deinem Volk
ausgerufen.
9:20 Während
ich noch redete und betete, meine Sünden und
die Sünden meines Volkes Israel bekannte und
meine Bitte für den heiligen Berg meines
Gottes vor den Herrn, meinen Gott, brachte,
9:21 während
ich also noch mein Gebet sprach, da kam im
Flug der Mann Gabriel, den ich früher in der
Vision gesehen hatte; er kam um die Zeit des
Abendopfers zu mir,
9:22 redete
mit mir und sagte: Daniel, ich bin gesandt
worden, um dir klare Einsicht zu geben.
9:23 Schon zu
Beginn deines Gebets erging ein Gotteswort,
und ich bin gekommen, um es dir zu
verkünden; denn du bist (von Gott) geliebt.
Achte also auf das Wort, und begreife die
Vision!
9:24 Siebzig
Wochen sind für dein Volk und deine heilige
Stadt bestimmt, bis der Frevel beendet ist,
bis die Sünde versiegelt und die Schuld
gesühnt ist, bis ewige Gerechtigkeit
gebracht wird, bis Visionen und Weissagungen
besiegelt werden und ein Hochheiliges
gesalbt wird.
9:25 Nun
begreif und versteh: Von der Verkündigung
des Wortes über die Rückführung des Volkes
und den Wiederaufbau Jerusalems bis zur
Ankunft eines Gesalbten, eines Fürsten, sind
es sieben Wochen; und zweiundsechzig Wochen
lang baut man die Stadt wieder auf mit ihren
Plätzen und Gräben, obwohl es eine bedrängte
Zeit sein wird.
9:26 Nach den
zweiundsechzig Wochen wird ein Gesalbter
umgebracht, aber ohne (Richterspruch). Das
Volk eines Fürsten, der kommen wird, bringt
Verderben über die Stadt und das Heiligtum.
Er findet sein Ende in der Flut; bis zum
Ende werden Krieg und Verwüstung herrschen,
wie es längst beschlossen ist.
9:27 Vielen
macht er den Bund schwer, eine Woche lang.
In der Mitte dieser Woche setzt er den
Schlachtopfern und Speiseopfern ein Ende.
Oben auf dem Heiligtum wird ein unheilvoller
Greuel stehen, bis das Verderben, das
beschlossen ist, über den Verwüster kommt.
10:1 Die letzten
Offenbarungen an Daniel: 10,1 - 12,13
Im dritten
Jahr des Königs Kyrus von Persien empfing
Daniel, der auch Beltschazzar heißt, eine
Offenbarung. Das Wort ist zuverlässig und
kündigt große Not an. Er suchte das Wort zu
verstehen, und das Verständnis wurde ihm in
einer Vision gegeben.
10:2 In jenen
Tagen hielt ich, Daniel, drei Wochen lang
Trauer.
10:3 Nahrung,
die mir sonst schmeckte, aß ich nicht;
Fleisch und Wein kamen nicht in meinen Mund;
auch salbte ich mich nicht, bis drei volle
Wochen vorbei waren.
10:4 Am
vierundzwanzigsten Tag des ersten Monats
stand ich am Ufer des großen Flusses, des
Tig-ris.
10:5 Ich
blickte auf und sah, wie ein Mann vor mir
stand, der in Leinen gekleidet war und einen
Gürtel aus feinstem Gold um die Hüften trug.
10:6 Sein
Körper glich einem Chrysolith, sein Gesicht
leuchtete wie ein Blitz, und die Augen waren
wie brennende Fackeln. Seine Arme und Beine
glänzten wie polierte Bronze. Seine Worte
waren wie das Getöse einer großen
Menschenmenge.
10:7 Nur ich,
Daniel, sah diese Erscheinung; die Männer,
die bei mir waren, sahen die Erscheinung
nicht; doch ein großer Schrecken befiel sie,
so daß sie wegliefen und sich versteckten.
10:8 So blieb
ich allein zurück und sah diese gewaltige
Erscheinung. Meine Kräfte verließen mich;
ich wurde totenbleich und konnte mich nicht
mehr aufrecht halten.
10:9 Ich
hörte den Schall seiner Worte; beim Schall
seiner Worte fiel ich betäubt zu Boden und
blieb, mit dem Gesicht am Boden, liegen.
10:10 Doch
eine Hand faßte mich an und half mir auf
Knie und Hände.
10:11 Dann
sagte er zu mir: Daniel, du (von Gott)
geliebter Mann, achte auf die Worte, die ich
dir zu sagen habe. Stell dich aufrecht hin;
denn ich bin jetzt zu dir gesandt. Als er so
mit mir redete, erhob ich mich zitternd.
10:12 Dann
sagte er zu mir: Fürchte dich nicht, Daniel!
Schon vom ersten Tag an, als du dich um
Verständnis bemühtest und dich deswegen vor
deinem Gott beugtest, wurden deine Worte
gehört, und wegen deiner Worte bin ich
gekommen.
10:13 Der
Engelfürst des Perserreiches hat sich mir
einundzwanzig Tage lang entgegengestellt,
aber Michael, einer der ersten unter den
Engelfürsten, kam mir zu Hilfe. Darum war
ich dort bei den Königen von Persien
entbehrlich.
10:14 Und
jetzt bin ich gekommen, um dich verstehen zu
lassen, was deinem Volk in den letzten Tagen
zustoßen wird. Denn auch diese Vision
bezieht sich auf jene fernen Tage.
10:15 Während
er das zu mir sagte, blickte ich zu Boden
und blieb stumm.
10:16 Da
berührte eine Gestalt, die aussah wie ein
Mensch, meine Lippen. Nun konnte ich den
Mund wieder öffnen und sprechen. Ich sagte
zu dem, der vor mir stand: Mein Herr, als
ich die Vision sah, wand ich mich in
Schmerzen und verlor alle Kraft.
10:17 Wie
kann ich, der Knecht meines Herrn, mit
meinem Herrn reden? Mir fehlt seitdem jede
Kraft, selbst der Atem stockt mir.
10:18 Da
berührte mich die Gestalt, die wie ein
Mensch aussah, von neuem, stärkte mich
10:19 und
sagte: Fürchte dich nicht, du (von Gott)
geliebter Mann! Friede sei mit dir. Sei
stark, und hab Vertrauen! Als er so mit mir
redete, fühlte ich mich gestärkt und sagte:
Nun rede, mein Herr! Du hast mich gestärkt.
10:20 Er
sagte: Weißt du, warum ich zu dir gekommen
bin? Ich muß bald zurückkehren und mit dem
Engelfürsten von Persien kämpfen. Wenn ich
mit ihm fertig bin, dann wird der Engelfürst
von Jawan kommen.
10:21 Vorher
aber will ich dir mitteilen, was im Buch der
Wahrheit aufgezeichnet ist. Doch keiner
hilft mir tatkräftig gegen sie außer eurem
Engelfürsten Michael.
11:1 Im ersten Jahr
des Meders Darius stand ich ihm helfend und
schützend zur Seite.
11:2 Und
jetzt will ich dir die Wahrheit mitteilen:
Noch drei Könige kommen in Persien; der
vierte aber wird größeren Reichtum erwerben
als alle anderen vor ihm. Nachdem er reich
und mächtig geworden ist, bietet er all
seine Macht gegen das Reich von Jawan auf.
11:3 Dann
wird ein kraftvoller König kommen; er
herrscht mit großer Macht und tut, was er
will.
11:4 Doch
kaum ist er aufgetreten, da bricht sein
Reich auseinander und teilt sich nach den
vier Himmelsrichtungen. Es fällt aber nicht
seinen Nachkommen zu und ist nicht mehr so
mächtig wie unter seiner Herrschaft. Denn
sein Reich wird vernichtet; es fällt anderen
zu, nicht seinen Erben.
11:5 Dann
erstarkt der König des Südens; aber einer
von seinen Feldherrn wird mächtiger als er
und tritt die Herrschaft an, und seine
Herrschaft wird noch gewaltiger sein.
11:6 Nach
Jahren schließen sie dann ein Bündnis, und
um den Frieden zu bekräftigen, kommt die
Tochter des Königs des Südens zum König des
Nordens. Doch sie verliert die Macht, und
auch ihr Kind bleibt nicht am Leben; zur
(bestimmten) Zeit wird sie dem Untergang
preisgegeben, sie, ihre Begleiter, auch der,
der sie gezeugt hat, und der, der sie zur
Frau genommen hat.
11:7 Aber an
seiner Stelle tritt ein Sproß aus ihren
Wurzeln auf; er zieht gegen das Heer aus,
dringt in die Festung des Königs des Nordens
ein und verfährt mit ihnen, wie es ein
Sieger tut.
11:8 Sogar
ihre Götter nimmt er als Beute nach Ägypten
mit, ebenso ihre Götterbilder und die
kostbaren Geräte aus Silber und Gold. Dann
läßt er den König des Nordens einige Jahre
in Ruhe.
11:9 Darauf
zieht dieser gegen das Reich des Königs des
Südens, muß aber in sein Land zurückkehren.
11:10 Doch
seine Söhne rüsten zum Krieg und bringen
gewaltige Heere zusammen. Einer (von ihnen)
zieht gegen (den König des Südens); er rückt
vor und überflutet alles. Dann rüstet er
nochmals und dringt bis zu seiner Festung
vor.
11:11 Das
erbittert den König des Südens; er zieht
gegen den König des Nordens aus und kämpft
gegen ihn. Dieser hat zwar ein großes Heer
aufgestellt, aber das Heer fällt dem andern
in die Hand
11:12 und
wird aufgerieben. Da wird sein Herz stolz;
er wirft Zehntausende zu Boden, aber er
bleibt nicht stark.
11:13 Der
König des Nordens stellt nochmals ein Heer
auf, noch größer als das erste, und nach
einigen Jahren zieht er gegen jenen mit
einer großen Streitmacht und einem riesigen
Troß ins Feld.
11:14 In
jener Zeit erheben sich viele gegen den
König des Südens; auch gewalttätige Leute
aus deinem Volk stehen auf, und so erfüllt
sich eine Vision. Aber sie kommen zu Fall.
11:15 Da
zieht der König des Nordens heran, schüttet
einen Wall auf und erobert eine stark
befestigte Stadt. Die Kräfte des Königs des
Südens halten nicht stand; selbst die Truppe
seiner auserlesenen Kämpfer ist nicht stark
genug, um sich zu halten.
11:16 Der,
der gegen ihn vorrückt, tut (mit ihnen), was
er will. Keiner kann ihm widerstehen; so
faßt er Fuß im Land der Zierde, und seine
Hand bringt Vernichtung.
11:17 Dann
faßt er den Plan, das ganze Reich (des
Königs des Südens) zu unterjochen. Er
schließt einen Vergleich mit ihm und gibt
ihm eine seiner Töchter zur Frau, um seine
Macht zu zerstören. Doch das kommt nicht
zustande, es gelingt ihm nicht.
11:18 Jetzt
wendet er sich gegen die Inseln und erobert
viele von ihnen. Aber ein Feldherr macht
seiner Herausforderung ein Ende, ja, er
vergilt ihm seine Herausforderung.
11:19 Nun
wendet er sich den Festungen des eigenen
Landes zu. Er stolpert jedoch, fällt und ist
nicht mehr zu finden.
11:20 An
seine Stelle tritt einer, der einen
Steuereintreiber durch die Zierde des
Reiches ziehen läßt. Doch wird er schon nach
kurzer Zeit beseitigt, aber nicht öffentlich
und nicht im Kampf.
11:21 An
seine Stelle tritt ein verächtlicher Mensch.
Ihm überträgt man die Würde des Königtums
nicht; er kommt aber unversehens und reißt
die Herrschaft durch List an sich.
11:22 Ganze
Heere werden vor ihm hinweggeschwemmt und
vernichtet, auch der Fürst des Bundes.
11:23 Wer
sich mit ihm verbündet, gegen den handelt er
heimtückisch. Er kommt empor, und obwohl er
nur wenige Anhänger hat, wird er stark.
11:24
Unversehens dringt er in die reichsten
Bezirke einer Provinz ein und tut, was weder
seine Väter noch seine Ahnen getan haben: Er
raubt, macht Beute und verteilt den Besitz
an seine Leute. Er denkt Anschläge gegen die
Festungen aus, aber das dauert nur eine
bestimmte Zeit.
11:25 Er
bietet seine ganze Kraft und seinen ganzen
Mut auf und zieht mit einem großen Heer
gegen den König des Südens. Darauf rüstet
auch der König des Südens mit einem großen
und sehr starken Heer zum Krieg; er kann
aber nicht standhalten; denn man plant
Anschläge gegen ihn.
11:26 Die
eigenen Tischgenossen führen seinen Sturz
herbei. Sein Heer wird weggeschwemmt, viele
werden erschlagen und fallen.
11:27 Beide
Könige sinnen auf Böses; sie sitzen am
selben Tisch zusammen und belügen einander.
Aber sie erreichen nichts, denn das Ende
steht noch aus, bis zur bestimmten Zeit.
11:28 Mit
großem Troß tritt dann der König des Nordens
den Rückweg in sein Land an; sein Sinn ist
gegen den Heiligen Bund gerichtet. Er
handelt auch entsprechend und kehrt
schließlich in sein Land zurück.
11:29 Zu
einer bestimmten Zeit fällt er wieder in den
Süden ein. Doch das zweite Mal geht es nicht
wie das erste Mal.
11:30
Kittäische Schiffe greifen ihn an, und er
kehrt eingeschüchtert um. Nun wendet er
seine Wut gegen den Heiligen Bund und
handelt entsprechend. Dann kehrt er heim und
erkennt jene an, die den Heiligen Bund
verlassen.
11:31 Er
stellt Streitkräfte auf, die das Heiligtum
auf der Burg entweihen, das tägliche Opfer
abschaffen und den unheilvollen Greuel
aufstellen.
11:32 Er
verführt mit seinen glatten Worten die
Menschen dazu, vom Bund abzufallen; doch die
Schar derer, die ihrem Gott treu sind,
bleibt fest und handelt entsprechend.
11:33 Die
Verständigen im Volk bringen viele zur
Einsicht; aber eine Zeitlang zwingt man sie
nieder mit Feuer und Schwert, mit Haft und
Plünderung.
11:34 Doch
während man sie niederzwingt, erfahren sie
eine kleine Hilfe; viele schließen sich
ihnen an, freilich nur zum Schein.
11:35 Aber
auch manche von den Verständigen kommen zu
Fall; so sollen sie geprüft, geläutert und
gereinigt werden bis zur Zeit des Endes;
denn es dauert noch eine Weile bis zu der
bestimmten Zeit.
11:36 Der
König tut, was er will. Er wird übermütig
und prahlt gegenüber allen Göttern, auch
ge-genüber dem höchsten Gott führt er
unglaubliche Reden. Dabei hat er Erfolg, bis
der Zorn (Gottes) zu Ende ist. Denn was
beschlossen ist, muß ausgeführt werden.
11:37 Er
mißachtet sogar die Götter seiner Väter,
auch den Liebling der Frauen achtet er nicht
und überhaupt keinen Gott; er prahlt
gegenüber allen.
11:38 Statt
dessen verehrt er den Gott der Festungen;
einen Gott, den seine Väter nicht gekannt
haben, verehrt er mit Gold und Silber, mit
Edelsteinen und Kostbarkeiten.
11:39 Starke
Festungen greift er an mit Hilfe des fremden
Gottes. Alle, die ihn anerkennen, überhäuft
er mit Ehren; er verleiht ihnen die
Herrschaft über viele Menschen und teilt
ihnen als Belohnung Land zu.
11:40 Zur
Zeit des Endes streitet mit ihm der König
des Südens. Da stürmt der König des Nordens
gegen ihn heran mit Wagen und Reitern und
mit vielen Schiffen. Er dringt in die Länder
ein, überschwemmt sie und rückt vor.
11:41 Auch
ins Land der Zierde dringt er ein. Viele
werden niedergezwungen; nur Edom und Moab
und der Hauptteil der Ammoniter entgehen
ihm.
11:42 Er
streckt seine Hand nach den Ländern aus;
auch für Ägypten gibt es keine Rettung.
11:43 Er wird
Herr über die Schätze von Gold und Silber
und über alle Kostbarkeiten Ägyptens. Libyer
und Kuschiter leisten ihm Gefolgschaft.
11:44 Da
erschrecken ihn Gerüchte aus dem Osten und
dem Norden. In großem Zorn zieht er aus, um
viele zu vernichten und auszurotten.
11:45
Zwischen dem Meer und dem Berg der heiligen
Zierde schlägt er seine Prunkzelte auf. Dann
geht er seinem Ende zu, und niemand ist da,
der ihm hilft.
12:1 In jener Zeit
tritt Michael auf, der große Engelfürst, der
für die Söhne deines Volkes eintritt. Dann
kommt eine Zeit der Not, wie noch keine da
war, seit es Völker gibt, bis zu jener Zeit.
Doch dein Volk wird in jener Zeit gerettet,
jeder, der im Buch verzeichnet ist.
12:2 Von
denen, die im Land des Staubes schlafen,
werden viele erwachen, die einen zum ewigen
Leben, die anderen zur Schmach, zu ewigem
Abscheu.
12:3 Die
Verständigen werden strahlen, wie der Himmel
strahlt; und die Männer, die viele zum
rechten Tun geführt haben, werden immer und
ewig wie die Sterne leuchten.
12:4 Du,
Daniel, halte diese Worte geheim, und
versiegle das Buch bis zur Zeit des Endes!
Viele werden nachforschen, und die
Erkenntnis wird groß sein.
12:5 Als ich,
Daniel, aufblickte, standen noch zwei andere
Männer da, der eine diesseits des Flußufers,
der andere jenseits.
12:6 Einer
fragte den Mann, der in Leinen gekleidet war
und über dem Wasser des Flusses stand: Wie
lange dauert es noch bis zum Ende der
unbegreiflichen Geschehnisse?
12:7 Darauf
hörte ich die Stimme des Mannes, der in
Leinen gekleidet war und über dem Wasser des
Flusses stand; er erhob seine rechte und
seine linke Hand zum Himmel, schwor bei dem,
der ewig lebt, und sagte: Es dauert noch
eine Zeit, zwei Zeiten und eine halbe Zeit.
Wenn der am Ende ist, der die Macht des
heiligen Volkes zerschlägt, dann wird sich
das alles vollenden.
12:8 Ich
hörte es, verstand es aber nicht. Darum
fragte ich: Mein Herr, was wird das letzte
von all dem sein?
12:9 Er
erwiderte: Geh, Daniel! Diese Worte bleiben
verschlossen und versiegelt bis zur Zeit des
Endes.
12:10 Viele
werden geläutert, gereinigt und geprüft.
Doch die ruchlosen Sünder sündigen weiter.
Von den Sündern wird es keiner verstehen;
aber die Verständigen verstehen es.
12:11 Von der
Zeit an, in der man das tägliche Opfer
abschafft und den unheilvollen Greuel
aufstellt, sind es zwölfhundertneunzig Tage.
12:12 Wohl
dem, der aushält und
dreizehnhundertfünfunddreißig Tage erreicht!
12:13 Du aber
geh nun dem Ende zu! Du wirst ruhen, und am
Ende der Tage wirst du auferstehen, um dein
Erbteil zu empfangen.
13:1 Die
Anhänge zum Buch Daniel: 13,1 - 14,42 Die
Rettung der Susanna durch Daniel: 13,1-64
In Babylon
wohnte ein Mann mit Namen Jojakim.
13:2 Er hatte
Susanna, die Tochter Hilkijas, zur Frau; sie
war sehr schön und gottesfürchtig.
13:3 Auch
ihre Eltern waren gerecht und hatten ihre
Tochter nach dem Gesetz des Mose erzogen.
13:4 Jojakim
war sehr reich; er besaß einen Garten nahe
bei seinem Haus. Die Juden pflegten bei ihm
zusammenzukommen, weil er der Angesehenste
von allen war.
13:5 Als
Richter amtierten in jenem Jahr zwei Älteste
aus dem Volk, von denen galt, was der Herr
gesagt hat: Ungerechtigkeit ging von Babylon
aus, von den Ältesten, von den Richtern, die
als Leiter des Volkes galten.
13:6 Sie
hielten sich regelmäßig im Haus Jojakims
auf, und alle, die eine Rechtssache hatten,
kamen zu ihnen.
13:7 Hatten
sich nun die Leute um die Mittagszeit wieder
entfernt, dann kam Susanna und ging im
Garten ihres Mannes spazieren.
13:8 Die
beiden Ältesten sahen sie täglich kommen und
umhergehen; da regte sich in ihnen die
Begierde nach ihr.
13:9 Ihre
Gedanken gerieten auf Abwege, und ihre Augen
gingen in die Irre; sie sahen weder zum
Himmel auf, noch dachten sie an die
gerechten Strafen Gottes.
13:10 Beide
hatten wegen Susanna Liebeskummer; doch
keiner sagte dem anderen etwas von seinem
Schmerz.
13:11 Denn
sie schämten sich darüber, daß sie so
begierig waren, mit ihr zusammenzusein.
13:12
Ungeduldig warteten sie jeden Tag darauf,
sie zu sehen.
13:13 Eines
Tages sagte der eine zum andern: Gehen wir
nach Hause, es ist Zeit zum Essen. Sie
trennten sich also und gingen weg,
13:14 dann
aber kehrte jeder um, und sie trafen wieder
zusammen. Sie fragten einander nach der
Ursache und gestanden sich ihre
Leidenschaft. Daraufhin verabredeten sie
eine Zeit, zu der es ihnen möglich sein
sollte, Susanna allein anzutreffen.
13:15 Während
sie auf einen günstigen Tag warteten, kam
Susanna eines Tages wie gewöhnlich in den
Garten, nur von zwei Mädchen begleitet, und
wollte baden; denn es war heiß.
13:16 Niemand
war dort außer den beiden Ältesten, die sich
versteckt hatten und ihr auflauerten.
13:17 Sie
sagte zu den Mädchen: Holt mir Öl und Salben
und verriegelt das Gartentor, damit ich
baden kann.
13:18 Die
Mädchen taten, wie ihnen befohlen war. Sie
verriegelten das Tor und verließen den
Garten durch die Seitenpforte, um zu holen,
was ihnen aufgetragen war. Von den Ältesten
bemerkten sie nichts, denn diese hatten sich
versteckt.
13:19 Als die
Mädchen weg waren, standen die beiden
Ältesten auf, liefen zu Susanna hin
13:20 und
sagten: Das Gartentor ist verschlossen, und
niemand sieht uns; wir brennen vor Verlangen
nach dir: Sei uns zu Willen, und gib dich
uns hin!
13:21
Weigerst du dich, dann bezeugen wir gegen
dich, daß ein junger Mann bei dir war und
daß du deshalb die Mädchen weggeschickt
hast.
13:22 Da
seufzte Susanna und sagte: Ich bin bedrängt
von allen Seiten: Wenn ich es tue, so droht
mir der Tod; tue ich es aber nicht, so werde
ich euch nicht entrinnen.
13:23 Es ist
besser für mich, es nicht zu tun und euch in
die Hände zu fallen, als gegen den Herrn zu
sündigen.
13:24 Dann
schrie Susanna, so laut sie konnte. Aber
zugleich mit ihr schrien auch die beiden
Ältesten,
13:25 und
einer von ihnen lief zum Gartentor und
öffnete es.
13:26 Als die
Leute im Haus das Geschrei im Garten hörten,
eilten sie durch die Seitentür herbei, um zu
sehen, was ihr zugestoßen sei.
13:27 Als die
Ältesten ihre Erklärung gaben, schämten sich
die Diener sehr; denn noch nie war so etwas
über Susanna gesagt worden.
13:28 Als am
nächsten Morgen das Volk bei Jojakim, ihrem
Mann, zusammenkam, erschienen auch die
beiden Ältesten. Sie kamen mit der
verbrecherischen Absicht, gegen Susanna die
Todesstrafe zu erwirken. Sie sagten vor dem
Volk:
13:29 Schickt
nach Susanna, der Tochter Hilkijas, der Frau
Jojakims! Man schickte nach ihr.
13:30 Sie
kam, begleitet von ihren Eltern, ihren
Kindern und allen Verwandten.
13:31 Susanna
war anmutig und sehr schön.
13:32 Sie war
aber verschleiert. Um sich an ihrer
Schönheit zu weiden, befahlen die
Gewissenlosen, sie zu entschleiern.
13:33 Da
weinten ihre Angehörigen, und alle, die sie
sahen, begannen ebenfalls zu weinen.
13:34 Vor dem
ganzen Volk standen nun die beiden Ältesten
auf und legten die Hände auf den Kopf
Susannas.
13:35 Sie
aber blickte weinend zum Himmel auf; denn
ihr Herz vertraute dem Herrn.
13:36 Die
Ältesten sagten: Während wir allein im
Garten spazierengingen, kam diese Frau mit
zwei Mägden herein. Sie ließ das Gartentor
verriegeln und schickte die Mägde fort.
13:37 Dann
kam ein junger Mann zu ihr, der sich
versteckt hatte, und legte sich zu ihr.
13:38 Wir
waren gerade in einer abgelegenen Ecke des
Gartens; als wir aber die Sünde sahen,
eilten wir zu ihnen hin
13:39 und
sahen, wie sie zusammen waren. Den Mann
konnten wir nicht festhalten; denn er war
stärker als wir; er öffnete das Tor und
entkam.
13:40 Aber
diese da hielten wir fest und fragten sie,
wer der junge Mann war.
13:41 Sie
wollte es uns aber nicht verraten. Das alles
können wir bezeugen. Die versammelte
Gemeinde glaubte ihnen, weil sie Älteste des
Volkes und Richter waren, und verurteilte
Susanna zum Tod.
13:42 Da rief
sie laut: Ewiger Gott, du kennst auch das
Verborgene; du weißt alles, noch bevor es
geschieht.
13:43 Du
weißt auch, daß sie eine falsche Aussage
gegen mich gemacht haben. Darum muß ich
jetzt sterben, obwohl ich nichts von dem
getan habe, was diese Menschen mir
vorwerfen.
13:44 Der
Herr erhörte ihr Rufen.
13:45 Als man
sie zur Hinrichtung führte, erweckte Gott
den heiligen Geist in einem jungen Mann
namens Daniel.
13:46 Dieser
rief laut: Ich bin unschuldig am Tod dieser
Frau.
13:47 Da
wandten sich alle Leute nach ihm um und
fragten ihn: Was soll das heißen, was du da
gesagt hast?
13:48 Er trat
mitten unter sie und sagte: Seid ihr so
töricht, ihr Söhne Israels? Ohne Verhör und
ohne Prüfung der Beweise habt ihr eine
Tochter Israels verurteilt.
13:49 Kehrt
zurück zum Ort des Gerichts! Denn diese
Ältesten haben eine falsche Aussage gegen
Susanna gemacht.
13:50 Eilig
kehrten alle Leute wieder um, und die
Ältesten sagten zu Daniel: Setz dich hier
mitten unter uns, und sag uns, was du zu
sagen hast. Denn dir hat Gott den Vorsitz
verliehen.
13:51 Daniel
sagte zu ihnen: Trennt diese beiden Männer,
bringt sie weit auseinander! Ich will sie
verhören.
13:52 Als man
sie voneinander getrennt hatte, rief er den
einen von ihnen her und sagte zu ihm: In
Schlechtigkeit bist du alt geworden; doch
jetzt kommt die Strafe für die Sünden, die
du bisher begangen hast.
13:53
Ungerechte Urteile hast du gefällt,
Schuldlose verurteilt, aber Schuldige
freigesprochen; und doch hat der Herr
gesagt: Einen Schuldlosen und Gerechten
sollst du nicht töten.
13:54 Wenn du
also diese Frau wirklich gesehen hast, dann
sag uns: Was für ein Baum war das, unter dem
du die beiden zusammen gesehen hast? Er
antwortete: Unter einer Zeder.
13:55 Da
sagte Daniel: Mit deiner Lüge hast du dein
eigenes Haupt getroffen. Der Engel Gottes
wird dich zerspalten; schon hat er von Gott
den Befehl dazu erhalten.
13:56 Dann
ließ er ihn wegbringen und befahl, den
andern vorzuführen. Zu ihm sagte er: Du Sohn
Kanaans, nicht Judas, dich hat die Schönheit
verführt, die Leidenschaft hat dein Herz
verdorben.
13:57 So
konntet ihr an den Töchtern Israels handeln,
sie fürchteten sich und waren euch zu
Willen. Aber die Tochter Judas hat eure
Gemeinheit nicht geduldet.
13:58 Nun sag
mir: Was für ein Baum war das, unter dem du
die beiden ertappt hast? Er antwortete:
Unter einer Eiche.
13:59 Da
sagte Daniel zu ihm: Mit deiner Lüge hast
auch du dein eigenes Haupt getroffen. Der
Engel Gottes wartet schon mit dem Schwert in
der Hand, um dich mitten entzweizuhauen. So
wird er euch beide vernichten.
13:60 Da
schrie die ganze Gemeinde laut auf und pries
Gott, der alle rettet, die auf ihn hoffen.
13:61 Dann
erhoben sie sich gegen die beiden Ältesten,
die Daniel durch ihre eigenen Worte als
falsche Zeugen entlarvt hatte. Das Böse, das
sie ihrem Nächsten hatten antun wollen, tat
man
13:62 nach
dem Gesetz des Mose ihnen an: Man tötete
sie. So wurde an jenem Tag unschuldiges Blut
gerettet.
13:63 Hilkija
und seine Frau priesen Gott wegen ihrer
Tochter Susanna, ebenso ihr Mann Jojakim und
alle Verwandten, weil sich zeigte, daß sie
nichts Schändliches getan hatte.
13:64 Daniel
aber gewann seit jenem Tag und auch
weiterhin beim Volk großes Ansehen.
14:1 Daniel
und die Priester des Bel: 14,1-22
Der König
Astyages ging zu seinen Vätern heim, und
sein Reich übernahm der Perser Kyrus.
14:2 Daniel
war der Vertraute des Königs, der ihn höher
schätzte als alle seine Freunde.
14:3 Nun
hatten die Babylonier ein Bild des Gottes
Bel. Sie wendeten für ihn täglich zwölf
Scheffel Feinmehl auf, dazu vierzig Schafe
und sechs Krüge Wein.
14:4 Auch der
König verehrte ihn und kam jeden Tag, um ihn
anzubeten. Daniel aber betete seinen eigenen
Gott an. Der König sagte zu ihm: Warum
betest du Bel nicht an?
14:5 Er
erwiderte: Ich verehre keine Standbilder,
die von Menschen gemacht worden sind,
sondern nur den lebendigen Gott, der den
Himmel und die Erde erschaffen hat und die
Herrschaft besitzt über alles, was lebt.
14:6 Der
König entgegnete ihm: Du meinst also, Bel
sei kein lebendiger Gott? Siehst du nicht,
welche Mengen er Tag für Tag ißt und trinkt?
14:7 Da
lachte Daniel und sagte: Laß dich nicht
täuschen, König! Dieser Bel ist innen von
Lehm und außen von Bronze; er hat niemals
gegessen oder getrunken.
14:8 Da wurde
der König zornig; er rief die Priester des
Bel herbei und sagte zu ihnen: Wenn ihr mir
nicht sagt, wer all diese Mengen verzehrt,
müßt ihr sterben.
14:9 Beweist
ihr aber, daß Bel das alles verzehrt, dann
muß Daniel sterben, weil er über Bel
gelästert hat. Daniel sagte zum König: Es
soll geschehen, was du gesagt hast.
14:10 Es
waren aber siebzig Belpriester, nicht
gerechnet die Frauen und Kinder. Der König
ging nun mit Daniel in den Tempel Bels.
14:11 Die
Belpriester sagten: Wir gehen jetzt hinaus.
Trag du, König, selbst die Speisen auf,
mische den Wein, und stell ihn hin!
Verschließ dann die Tür, und versiegle sie
mit deinem Ring!
14:12 Wenn du
morgen früh wiederkommst und dich nicht
davon überzeugen kannst, daß Bel alles
verzehrt hat, dann wollen wir sterben,
andernfalls aber Daniel, der uns verleumdet
hat.
14:13 Sie
waren unbesorgt; denn sie hatten sich zum
Opfertisch einen verborgenen Zugang ge-macht,
durch den sie jeweils hereinkamen, um alles
zu verzehren.
14:14 Als die
Priester hinausgegangen waren, trug der
König die Speisen für Bel auf. Daniel aber
ließ durch seine Diener Asche holen und
damit den ganzen Boden des Tempels
bestreuen, wobei nur der König zusah. Dann
gingen sie hinaus, verschlossen die Tür,
versiegelten sie mit dem Ring des Königs und
entfernten sich.
14:15 In der
Nacht kamen wie gewöhnlich die Priester mit
ihren Frauen und Kindern; sie aßen alles auf
und tranken den Wein.
14:16 Früh am
Morgen aber ging der König mit Daniel zum
Tempel.
14:17 Der
König fragte: Sind die Siegel unversehrt,
Daniel? Er antwortete: Sie sind unversehrt,
mein König.
14:18 Kaum
war das Portal geöffnet, da blickte der
König auf den Opfertisch und rief laut: Groß
bist du, Bel! Bei dir gibt es nie einen
Betrug.
14:19 Doch
Daniel lachte; er hinderte den König, das
Innere zu betreten und sagte: Sieh dir doch
den Fußboden an und prüfe, von wem diese
Fußspuren sind.
14:20 Der
König sagte: Ich sehe Fußspuren von Männern,
Frauen und Kindern.
14:21 Und er
wurde zornig und ließ die Priester mit ihren
Frauen und Kindern festnehmen. Sie mußten
ihm die geheime Tür zeigen, durch die sie
hereingekommen waren, um das, was auf dem
Tisch stand, zu verzehren.
14:22 Darauf
ließ sie der König töten. Den Bel aber
übergab er Daniel, der ihn und sein
Heiligtum zerstörte.
14:23 Daniel
und der Drache: 14,23-42
Es gab auch
einen großen Drachen, den die Babylonier wie
einen Gott verehrten.
14:24 Der
König sagte zu Daniel: Von diesem Drachen
kannst du nicht sagen, er sei kein
lebendiger Gott. Bete ihn also an!
14:25 Daniel
erwiderte: Nur den Herrn, meinen Gott, bete
ich an; denn er ist wirklich ein lebendiger
Gott.
14:26 Du
aber, König, gib mir die Erlaubnis, den
Drachen zu töten, ohne Schwert und Keule!
Der König sagte: Ich gebe sie dir.
14:27 Da nahm
Daniel Pech, Talg und Haare, schmolz alles
zusammen, formte Kuchen daraus und warf sie
dem Drachen ins Maul. Der Drache fraß sie
und zerbarst. Da sagte Daniel: Seht, was ihr
für Götter verehrt!
14:28 Als die
Babylonier davon hörten, waren sie empört
und taten sich gegen den König zusammen. Sie
sagten: Der König ist Jude geworden. Den Bel
hat er zertrümmert, den Drachen getötet und
die Priester hingeschlachtet.
14:29 Sie
gingen zum König und verlangten: Liefere uns
Daniel aus! Sonst töten wir dich und deine
Familie.
14:30 Da sich
der König aufs äußerste bedroht sah,
lieferte er ihnen Daniel notgedrungen aus.
14:31 Sie
aber warfen ihn in die Löwengrube. Dort
blieb er sechs Tage lang.
14:32 In der
Grube waren sieben Löwen; man gab ihnen
täglich zwei Menschen und zwei Schafe zu
fressen. Jetzt aber gab man ihnen nichts,
damit sie Daniel fressen sollten.
14:33 In
Judäa lebte damals der Prophet Habakuk. Er
hatte sich eine Mahlzeit gekocht und Brot in
einen Napf gebrockt und ging gerade auf das
Feld, um das Essen den Arbeitern zu bringen.
14:34 Da
sagte der Engel des Herrn zu Habakuk: Bring
das Essen, das du in der Hand hast, dem
Daniel nach Babylon in die Löwengrube!
14:35 Habakuk
antwortete: Herr, ich habe Babylon nie
gesehen, und die Grube kenne ich nicht.
14:36 Da
faßte ihn der Engel des Herrn am Schopf,
trug ihn an seinen Haaren fort und versetzte
ihn mit der Gewalt seines Geistes nach
Babylon an den Rand der Grube.
14:37 Habakuk
rief: Daniel, Daniel, nimm das Essen, das
Gott dir geschickt hat.
14:38 Da
sagte Daniel: Gott, du hast also an mich
gedacht; du läßt die nicht im Stich, die
dich lieben.
14:39 Dann
stand Daniel auf und aß. Den Habakuk aber
versetzte der Engel Gottes sogleich an
seinen früheren Ort zurück.
14:40 Am
siebten Tag kam der König, um Daniel zu
betrauern. Er trat an die Grube und schaute
hinein. Da sah er Daniel sitzen,
14:41 und er
rief laut: Groß bist du, Herr, du Gott
Daniels. Außer dir gibt es keinen anderen
Gott.
14:42 Dann
ließ er Daniel herausziehen und statt seiner
die Männer in die Grube werfen, die ihn
hatten vernichten wollen. Und vor seinen
Augen wurden sie sofort aufgefressen.

Die Offenbarung des
Johannes (Offb)
1:1 Vorwort:
1,1-3
Offenbarung
Jesu Christi, die Gott ihm gegeben hat,
damit er seinen Knechten zeigt, was bald
geschehen muß; und er hat es durch seinen
Engel, den er sandte, seinem Knecht Johannes
gezeigt.
1:2 Dieser
hat das Wort Gottes und das Zeugnis Jesu
Christi bezeugt: alles, was er geschaut hat.
1:3 Selig,
wer diese prophetischen Worte vorliest und
wer sie hört und wer sich an das hält, was
geschrieben ist; denn die Zeit ist nahe.
1:4
Briefliche Einleitung: 1,4-8
Johannes an
die sieben Gemeinden in der Provinz Asien:
Gnade sei mit euch und Friede von Ihm, der
ist und der war und der kommt, und von den
sieben Geistern vor seinem Thron
1:5 und von
Jesus Christus; er ist der treue Zeuge, der
Erstgeborene der Toten, der Herrscher über
die Könige der Erde. Er liebt uns und hat
uns von unseren Sünden erlöst durch sein
Blut;
1:6 er hat
uns zu Königen gemacht und zu Priestern vor
Gott, seinem Vater. Ihm sei die Herrlichkeit
und die Macht in alle Ewigkeit. Amen.
1:7 Siehe, er
kommt mit den Wolken, und jedes Auge wird
ihn sehen, auch alle, die ihn durchbohrt
haben; und alle Völker der Erde werden
seinetwegen jammern und klagen. Ja, amen.
1:8 Ich bin
das Alpha und das Omega, spricht Gott, der
Herr, der ist und der war und der kommt, der
Herrscher über die ganze Schöpfung.
1:9 Die
Sendschreiben an die sieben Gemeinden: 1,9 -
3,22 Die Beauftragung des Johannes: 1,9-20
Ich, euer
Bruder Johannes, der wie ihr bedrängt ist,
der mit euch an der Königsherrschaft teilhat
und mit euch in Jesus standhaft ausharrt,
ich war auf der Insel Patmos um des Wortes
Gottes willen und des Zeugnisses für Jesus.
1:10 Am Tag
des Herrn wurde ich vom Geist ergriffen und
hörte hinter mir eine Stimme, laut wie eine
Posaune.
1:11 Sie
sprach: Schreib das, was du siehst, in ein
Buch, und schick es an die sieben Gemeinden:
nach Ephesus, nach Smyrna, nach Pergamon,
nach Thyatira, nach Sardes, nach
Philadelphia und nach Laodizea.
1:12 Da
wandte ich mich um, weil ich sehen wollte,
wer zu mir sprach. Als ich mich umwandte,
sah ich sieben goldene Leuchter
1:13 und
mitten unter den Leuchtern einen, der wie
ein Mensch aussah; er war bekleidet mit
einem Gewand, das bis auf die Füße reichte,
und um die Brust trug er einen Gürtel aus
Gold.
1:14 Sein
Haupt und seine Haare waren weiß wie weiße
Wolle, leuchtend weiß wie Schnee, und seine
Augen wie Feuerflammen;
1:15 seine
Beine glänzten wie Golderz, das im
Schmelzofen glüht, und seine Stimme war wie
das Rauschen von Wassermassen.
1:16 In
seiner Rechten hielt er sieben Sterne, und
aus seinem Mund kam ein scharfes,
zweischneidiges Schwert, und sein Gesicht
leuchtete wie die machtvoll strahlende
Sonne.
1:17 Als ich
ihn sah, fiel ich wie tot vor seinen Füßen
nieder. Er aber legte seine rechte Hand auf
mich und sagte: Fürchte dich nicht! Ich bin
der Erste und der Letzte
1:18 und der
Lebendige. Ich war tot, doch nun lebe ich in
alle Ewigkeit, und ich habe die Schlüssel
zum Tod und zur Unterwelt.
1:19 Schreib
auf, was du gesehen hast: was ist und was
danach geschehen wird.
1:20 Der
geheimnisvolle Sinn der sieben Sterne, die
du auf meiner rechten Hand gesehen hast, und
der sieben goldenen Leuchter ist: Die sieben
Sterne sind die Engel der sieben Gemeinden,
und die sieben Leuchter sind die sieben
Gemeinden.
2:1 An die Gemeinde in
Ephesus: 2,1-7
An den Engel
der Gemeinde in Ephesus schreibe: So spricht
Er, der die sieben Sterne in seiner Rechten
hält und mitten unter den sieben goldenen
Leuchtern einhergeht:
2:2 Ich kenne
deine Werke und deine Mühe und dein
Ausharren; ich weiß: Du kannst die Bösen
nicht ertragen, du hast die auf die Probe
gestellt, die sich Apostel nennen und es
nicht sind, und hast sie als Lügner erkannt.
2:3 Du hast
ausgeharrt und um meines Namens willen
Schweres ertragen und bist nicht müde
geworden.
2:4 Ich werfe
dir aber vor, daß du deine erste Liebe
verlassen hast.
2:5 Bedenke,
aus welcher Höhe du gefallen bist. Kehr
zurück zu deinen ersten Werken! Wenn du
nicht umkehrst, werde ich kommen und deinen
Leuchter von seiner Stelle wegrücken.
2:6 Doch für
dich spricht: Du verabscheust das Treiben
der Nikolaiten, das auch ich verabscheue.
2:7 Wer Ohren
hat, der höre, was der Geist den Gemeinden
sagt: Wer siegt, dem werde ich zu essen
geben vom Baum des Lebens, der im Paradies
Gottes steht.
2:8 An die
Gemeinde in Smyrna: 2,8-11
An den Engel
der Gemeinde in Smyrna schreibe: So spricht
Er, der Erste und der Letzte, der tot war
und wieder lebendig wurde:
2:9 Ich kenne
deine Bedrängnis und deine Armut; und doch
bist du reich. Und ich weiß, daß du von
solchen geschmäht wirst, die sich als Juden
ausgeben; sie sind es aber nicht, sondern
sind eine Synagoge des Satans.
2:10 Fürchte
dich nicht vor dem, was du noch erleiden
mußt. Der Teufel wird einige von euch ins
Gefängnis werfen, um euch auf die Probe zu
stellen, und ihr werdet in Bedrängnis sein,
zehn Tage lang. Sei treu bis in den Tod;
dann werde ich dir den Kranz des Lebens
geben.
2:11 Wer
Ohren hat, der höre, was der Geist den
Gemeinden sagt: Wer siegt, dem kann der
zweite Tod nichts anhaben.
2:12 An die
Gemeinde in Pergamon: 2,12-17
An den Engel
der Gemeinde in Pergamon schreibe: So
spricht Er, der das scharfe, zweischneidige
Schwert trägt:
2:13 Ich
weiß, wo du wohnst; es ist dort, wo der
Thron des Satans steht. Und doch hältst du
an meinem Namen fest und hast den Glauben an
mich nicht verleugnet, auch nicht in den
Tagen, als Anti-pas, mein treuer Zeuge, bei
euch getötet wurde, dort, wo der Satan
wohnt.
2:14 Aber ich
habe etwas gegen dich: Bei dir gibt es
Leute, die an der Lehre Bileams festhalten;
Bileam lehrte Balak, er solle die Israeliten
dazu verführen, Fleisch zu essen, das den
Götzen geweiht war, und Unzucht zu treiben.
2:15 So gibt
es auch bei dir Leute, die in gleicher Weise
an der Lehre der Nikolaiten festhalten.
2:16 Kehr nun
um! Sonst komme ich bald und werde sie mit
dem Schwert aus meinem Mund bekämpfen.
2:17 Wer
Ohren hat, der höre, was der Geist den
Gemeinden sagt: Wer siegt, dem werde ich von
dem verborgenen Manna geben. Ich werde ihm
einen weißen Stein geben, und auf dem Stein
steht ein neuer Name, den nur der kennt, der
ihn empfängt.
2:18 An die
Gemeinde in Thyatira: 2,18-29
An den Engel
der Gemeinde in Thyatira schreibe: So
spricht der Sohn Gottes, der Augen hat wie
Feuerflammen und Beine wie Golderz :
2:19 Ich
kenne deine Werke, deine Liebe und deinen
Glauben, dein Dienen und Ausharren, und ich
weiß, daß du in letzter Zeit mehr getan hast
als am Anfang.
2:20 Aber ich
werfe dir vor, daß du das Weib Isebel
gewähren läßt; sie gibt sich als Prophetin
aus und lehrt meine Knechte und verführt
sie, Unzucht zu treiben und Fleisch zu
essen, das den Götzen geweiht ist.
2:21 Ich habe
ihr Zeit gelassen umzukehren; sie aber will
nicht umkehren und von ihrer Unzucht
ablassen.
2:22 Darum
werfe ich sie auf das Krankenbett, und alle,
die mit ihr Ehebruch treiben, bringe ich in
große Bedrängnis, wenn sie sich nicht
abkehren vom Treiben dieses Weibes.
2:23 Ihre
Kinder werde ich töten, der Tod wird sie
treffen, und alle Gemeinden werden erkennen,
daß ich es bin, der Herz und Nieren prüft,
und ich werde jedem von euch vergelten, wie
es seine Taten verdienen.
2:24 Aber
euch übrigen in Thyatira, denen, die dieser
Lehre nicht folgen und die «Tiefen des
Sa-tans», wie sie es nennen, nicht erkannt
haben, euch sage ich: Ich lege euch keine
andere Last auf.
2:25 Aber was
ihr habt, das haltet fest, bis ich komme.
2:26 Wer
siegt und bis zum Ende an den Werken
festhält, die ich gebiete, dem werde ich
Macht über die Völker geben.
2:27 Er wird
über sie herrschen mit eisernem Zepter und
sie zerschlagen wie Tongeschirr;
2:28 (und ich
werde ihm diese Macht geben,) wie auch ich
sie von meinem Vater empfangen habe, und ich
werde ihm den Morgenstern geben.
2:29 Wer
Ohren hat, der höre, was der Geist den
Gemeinden sagt.
3:1 An die
Gemeinde in Sardes: 3,1-6
An den Engel
der Gemeinde in Sardes schreibe: So spricht
Er, der die sieben Geister Gottes und die
sieben Sterne hat: Ich kenne deine Werke.
Dem Namen nach lebst du, aber du bist tot.
3:2 Werde
wach und stärke, was noch übrig ist, was
schon im Sterben lag. Ich habe gefunden, daß
deine Taten in den Augen meines Gottes nicht
vollwertig sind.
3:3 Denk also
daran, wie du die Lehre empfangen und gehört
hast. Halte daran fest, und kehr um! Wenn du
aber nicht aufwachst, werde ich kommen wie
ein Dieb, und du wirst bestimmt nicht
wissen, zu welcher Stunde ich komme.
3:4 Du hast
aber einige Leute in Sardes, die ihre
Kleider nicht befleckt haben; sie werden mit
mir in weißen Gewändern gehen, denn sie sind
es wert.
3:5 Wer
siegt, wird ebenso mit weißen Gewändern
bekleidet werden. Nie werde ich seinen Namen
aus dem Buch des Lebens streichen, sondern
ich werde mich vor meinem Vater und vor
seinen Engeln zu ihm bekennen.
3:6 Wer Ohren
hat, der höre, was der Geist den Gemeinden
sagt.
3:7 An die
Gemeinde in Philadelphia: 3,7-13
An den Engel
der Gemeinde in Philadelphia schreibe: So
spricht der Heilige, der Wahrhaftige, der
den Schlüssel Davids hat, der öffnet, so daß
niemand mehr schließen kann, der schließt,
so daß niemand mehr öffnen kann :
3:8 Ich kenne
deine Werke, und ich habe vor dir eine Tür
geöffnet, die niemand mehr schließen kann.
Du hast nur geringe Kraft, und dennoch hast
du an meinem Wort festgehalten und meinen
Namen nicht verleugnet.
3:9 Leute aus
der Synagoge des Satans, die sich als Juden
ausgeben, es aber nicht sind, sondern Lügner
- ich werde bewirken, daß sie kommen und
sich dir zu Füßen werfen und erkennen, daß
ich dir meine Liebe zugewandt habe.
3:10 Du hast
dich an mein Gebot gehalten, standhaft zu
bleiben; daher werde auch ich zu dir halten
und dich bewahren vor der Stunde der
Versuchung, die über die ganze Erde kommen
soll, um die Bewohner der Erde auf die Probe
zu stellen.
3:11 Ich
komme bald. Halte fest, was du hast, damit
kein anderer deinen Kranz bekommt.
3:12 Wer
siegt, den werde ich zu einer Säule im
Tempel meines Gottes machen, und er wird
immer darin bleiben. Und ich werde auf ihn
den Namen meines Gottes schreiben und den
Namen der Stadt meines Gottes, des neuen
Jerusalem, das aus dem Himmel herabkommt von
meinem Gott, und ich werde auf ihn auch
meinen neuen Namen schreiben.
3:13 Wer
Ohren hat, der höre, was der Geist den
Gemeinden sagt.
3:14 An die
Gemeinde in Laodizea: 3,14-22
An den Engel
der Gemeinde in Laodizea schreibe: So
spricht Er, der «Amen» heißt, der treue und
zuverlässige Zeuge, der Anfang der Schöpfung
Gottes:
3:15 Ich
kenne deine Werke. Du bist weder kalt noch
heiß. Wärest du doch kalt oder heiß!
3:16 Weil du
aber lau bist, weder heiß noch kalt, will
ich dich aus meinem Mund ausspeien.
3:17 Du
behauptest: Ich bin reich und wohlhabend,
und nichts fehlt mir. Du weißt aber nicht,
daß gerade du elend und erbärmlich bist,
arm, blind und nackt.
3:18 Darum
rate ich dir: Kaufe von mir Gold, das im
Feuer geläutert ist, damit du reich wirst;
und kaufe von mir weiße Kleider, und zieh
sie an, damit du nicht nackt dastehst und
dich schämen mußt; und kaufe Salbe für deine
Augen, damit du sehen kannst.
3:19 Wen ich
liebe, den weise ich zurecht und nehme ihn
in Zucht. Mach also Ernst, und kehr um!
3:20 Ich
stehe vor der Tür und klopfe an. Wer meine
Stimme hört und die Tür öffnet, bei dem
werde ich eintreten, und wir werden Mahl
halten, ich mit ihm und er mit mir.
3:21 Wer
siegt, der darf mit mir auf meinem Thron
sitzen, so wie auch ich gesiegt habe und
mich mit meinem Vater auf seinen Thron
gesetzt habe.
3:22 Wer
Ohren hat, der höre, was der Geist den
Gemeinden sagt.
4:1 Die einleitende
Himmelsvision: 4,1 - 5,14 Die Huldigung vor
dem Thron Gottes: 4,1-11
Danach sah
ich: Eine Tür war geöffnet am Himmel; und
die Stimme, die vorher zu mir gesprochen
hatte und die wie eine Posaune klang, sagte:
Komm herauf, und ich werde dir zeigen, was
dann geschehen muß.
4:2 Sogleich
wurde ich vom Geist ergriffen. Und ich sah:
Ein Thron stand im Himmel; auf dem Thron saß
einer,
4:3 der wie
ein Jaspis und ein Karneol aussah. Und über
dem Thron wölbte sich ein Regenbogen, der
wie ein Smaragd aussah.
4:4 Und rings
um den Thron standen vierundzwanzig Throne,
und auf den Thronen saßen vierundzwanzig
Älteste in weißen Gewändern und mit goldenen
Kränzen auf dem Haupt.
4:5 Von dem
Thron gingen Blitze, Stimmen und Donner aus.
Und sieben lodernde Fackeln brannten vor dem
Thron; das sind die sieben Geister Gottes.
4:6 Und vor
dem Thron war etwas wie ein gläsernes Meer,
gleich Kristall. Und in der Mitte, rings um
den Thron, waren vier Lebewesen voller
Augen, vorn und hinten.
4:7 Das erste
Lebewesen glich einem Löwen, das zweite
einem Stier, das dritte sah aus wie ein
Mensch, das vierte glich einem fliegenden
Adler.
4:8 Und jedes
der vier Lebewesen hatte sechs Flügel, außen
und innen voller Augen. Sie ruhen nicht, bei
Tag und Nacht, und rufen: Heilig, heilig,
heilig ist der Herr, der Gott, der Herrscher
über die ganze Schöpfung; er war, und er
ist, und er kommt.
4:9 Und wenn
die Lebewesen dem, der auf dem Thron sitzt
und in alle Ewigkeit lebt, Herrlichkeit und
Ehre und Dank erweisen,
4:10 dann
werfen sich die vierundzwanzig Ältesten vor
dem, der auf dem Thron sitzt, nieder und
beten ihn an, der in alle Ewigkeit lebt. Und
sie legen ihre goldenen Kränze vor seinem
Thron nieder und sprechen:
4:11 Würdig
bist du, unser Herr und Gott, Herrlichkeit
zu empfangen und Ehre und Macht. Denn du
bist es, der die Welt erschaffen hat, durch
deinen Willen war sie und wurde sie
erschaffen.
5:1 Das
versiegelte Buch und das Lamm: 5,1-14
Und ich sah
auf der rechten Hand dessen, der auf dem
Thron saß, eine Buchrolle; sie war innen und
außen beschrieben und mit sieben Siegeln
versiegelt.
5:2 Und ich
sah: Ein gewaltiger Engel rief mit lauter
Stimme: Wer ist würdig, die Buchrolle zu
öffnen und ihre Siegel zu lösen?
5:3 Aber
niemand im Himmel, auf der Erde und unter
der Erde konnte das Buch öffnen und es
lesen.
5:4 Da weinte
ich sehr, weil niemand für würdig befunden
wurde, das Buch zu öffnen und es zu lesen.
5:5 Da sagte
einer von den Ältesten zu mir: Weine nicht!
Gesiegt hat der Löwe aus dem Stamm Juda, der
Sproß aus der Wurzel Davids; er kann das
Buch und seine sieben Siegel öffnen.
5:6 Und ich
sah: Zwischen dem Thron und den vier
Lebewesen und mitten unter den Ältesten
stand ein Lamm; es sah aus wie geschlachtet
und hatte sieben Hörner und sieben Augen;
die Augen sind die sieben Geister Gottes,
die über die ganze Erde ausgesandt sind.
5:7 Das Lamm
trat heran und empfing das Buch aus der
rechten Hand dessen, der auf dem Thron saß.
5:8 Als es
das Buch empfangen hatte, fielen die vier
Lebewesen und die vierundzwanzig Ältesten
vor dem Lamm nieder; alle trugen Harfen und
goldene Schalen voll von Räucherwerk; das
sind die Gebete der Heiligen.
5:9 Und sie
sangen ein neues Lied : Würdig bist du, das
Buch zu nehmen und seine Siegel zu öffnen;
denn du wurdest geschlachtet und hast mit
deinem Blut Menschen für Gott erworben aus
allen Stämmen und Sprachen, aus allen
Nationen und Völkern,
5:10 und du
hast sie für unsern Gott zu Königen und
Priestern gemacht; und sie werden auf der
Erde herrschen.
5:11 Ich sah,
und ich hörte die Stimme von vielen Engeln
rings um den Thron und um die Lebewesen und
die Ältesten; die Zahl der Engel war
zehntausendmal zehntausend und tausendmal
tausend.
5:12 Sie
riefen mit lauter Stimme: Würdig ist das
Lamm, das geschlachtet wurde, Macht zu
empfangen, Reichtum und Weisheit, Kraft und
Ehre, Herrlichkeit und Lob.
5:13 Und alle
Geschöpfe im Himmel und auf der Erde, unter
der Erde und auf dem Meer, alles, was in der
Welt ist, hörte ich sprechen: Ihm, der auf
dem Thron sitzt, und dem Lamm gebühren Lob
und Ehre und Herrlichkeit und Kraft in alle
Ewigkeit.
5:14 Und die
vier Lebewesen sprachen: Amen. Und die
vierundzwanzig Ältesten fielen nieder und
beteten an.
6:1 Die sieben Siegel
und die sieben Posaunen: 6,1 - 11,19 Die
ersten sechs Siegel: 6,1-17
Dann sah ich:
Das Lamm öffnete das erste der sieben
Siegel; und ich hörte das erste der vier
Lebewesen wie mit Donnerstimme rufen: Komm!
6:2 Da sah
ich ein weißes Pferd; und der, der auf ihm
saß, hatte einen Bogen. Ein Kranz wurde ihm
gegeben, und als Sieger zog er aus, um zu
siegen.
6:3 Als das
Lamm das zweite Siegel öffnete, hörte ich
das zweite Lebewesen rufen: Komm!
6:4 Da
erschien ein anderes Pferd; das war
feuerrot. Und der, der auf ihm saß, wurde
ermächtigt, der Erde den Frieden zu nehmen,
damit die Menschen sich gegenseitig
abschlachteten. Und es wurde ihm ein großes
Schwert gegeben.
6:5 Als das
Lamm das dritte Siegel öffnete, hörte ich
das dritte Lebewesen rufen: Komm! Da sah ich
ein schwarzes Pferd; und der, der auf ihm
saß, hielt in der Hand eine Waage.
6:6 Inmitten
der vier Lebewesen hörte ich etwas wie eine
Stimme sagen: Ein Maß Weizen für einen Denar
und drei Maß Gerste für einen Denar. Aber
dem Öl und dem Wein füge keinen Schaden zu!
6:7 Als das
Lamm das vierte Siegel öffnete, hörte ich
die Stimme des vierten Lebewesens rufen:
Komm!
6:8 Da sah
ich ein fahles Pferd; und der, der auf ihm
saß, heißt « der Tod »; und die Unterwelt
zog hinter ihm her. Und ihnen wurde die
Macht gegeben über ein Viertel der Erde,
Macht, zu töten durch Schwert, Hunger und
Tod und durch die Tiere der Erde.
6:9 Als das
Lamm das fünfte Siegel öffnete, sah ich
unter dem Altar die Seelen aller, die
hingeschlachtet worden waren wegen des
Wortes Gottes und wegen des Zeugnisses, das
sie abgelegt hatten.
6:10 Sie
riefen mit lauter Stimme: Wie lange zögerst
du noch, Herr, du Heiliger und Wahrhaftiger,
Gericht zu halten und unser Blut an den
Bewohnern der Erde zu rächen?
6:11 Da wurde
jedem von ihnen ein weißes Gewand gegeben;
und ihnen wurde gesagt, sie sollten noch
kurze Zeit warten, bis die volle Zahl
erreicht sei durch den Tod ihrer Mitknechte
und Brüder, die noch sterben müßten wie sie.
6:12 Und ich
sah: Das Lamm öffnete das sechste Siegel. Da
entstand ein gewaltiges Beben. Die Sonne
wurde schwarz wie ein Trauergewand, und der
ganze Mond wurde wie Blut.
6:13 Die
Sterne des Himmels fielen herab auf die
Erde, wie wenn ein Feigenbaum seine Früchte
abwirft, wenn ein heftiger Sturm ihn
schüttelt.
6:14 Der
Himmel verschwand wie eine Buchrolle, die
man zusammenrollt, und alle Berge und Inseln
wurden von ihrer Stelle weggerückt.
6:15 Und die
Könige der Erde, die Großen und die
Heerführer, die Reichen und die Mächtigen,
alle Sklaven und alle Freien verbargen sich
in den Höhlen und Felsen der Berge.
6:16 Sie
sagten zu den Bergen und Felsen: Fallt auf
uns und verbergt uns vor dem Blick dessen,
der auf dem Thron sitzt, und vor dem Zorn
des Lammes;
6:17 denn der
große Tag ihres Zorns ist gekommen. Wer kann
da bestehen?
7:1 Die Bezeichnung der
Knechte Gottes: 7,1-17
Danach sah
ich: Vier Engel standen an den vier Ecken
der Erde. Sie hielten die vier Winde der
Erde fest, damit der Wind weder über das
Land noch über das Meer wehte, noch gegen
irgendeinen Baum.
7:2 Dann sah
ich vom Osten her einen anderen Engel
emporsteigen; er hatte das Siegel des
lebendigen Gottes und rief den vier Engeln,
denen die Macht gegeben war, dem Land und
dem Meer Schaden zuzufügen, mit lauter
Stimme zu:
7:3 Fügt dem
Land, dem Meer und den Bäumen keinen Schaden
zu, bis wir den Knechten unseres Gottes das
Siegel auf die Stirn gedrückt haben.
7:4 Und ich
erfuhr die Zahl derer, die mit dem Siegel
gekennzeichnet waren. Es waren
hundertvierundvierzigtausend aus allen
Stämmen der Söhne Israels, die das Siegel
trugen:
7:5 Aus dem
Stamm Juda trugen zwölftausend das Siegel,
aus dem Stamm Ruben zwölftausend, aus dem
Stamm Gad zwölftausend,
7:6 aus dem
Stamm Ascher zwölftausend, aus dem Stamm
Naftali zwölftausend, aus dem Stamm Manasse
zwölftausend,
7:7 aus dem
Stamm Simeon zwölftausend, aus dem Stamm
Levi zwölftausend, aus dem Stamm Issachar
zwölftausend,
7:8 aus dem
Stamm Sebulon zwölftausend, aus dem Stamm
Josef zwölftausend, aus dem Stamm Benjamin
trugen zwölftausend das Siegel.
7:9 Danach
sah ich: eine große Schar aus allen Nationen
und Stämmen, Völkern und Sprachen; niemand
konnte sie zählen. Sie standen in weißen
Gewändern vor dem Thron und vor dem Lamm und
trugen Palmzweige in den Händen.
7:10 Sie
riefen mit lauter Stimme: Die Rettung kommt
von unserem Gott, der auf dem Thron sitzt,
und von dem Lamm.
7:11 Und alle
Engel standen rings um den Thron, um die
Ältesten und die vier Lebewesen. Sie war-fen
sich vor dem Thron nieder, beteten Gott an
7:12 und
sprachen: Amen, Lob und Herrlichkeit,
Weisheit und Dank, Ehre und Macht und Stärke
unserem Gott in alle Ewigkeit. Amen.
7:13 Da
fragte mich einer der Ältesten: Wer sind
diese, die weiße Gewänder tragen, und woher
sind sie gekommen?
7:14 Ich
erwiderte ihm: Mein Herr, das mußt du
wissen. Und er sagte zu mir: Es sind die,
die aus der großen Bedrängnis kommen; sie
haben ihre Gewänder gewaschen und im Blut
des Lammes weiß gemacht.
7:15 Deshalb
stehen sie vor dem Thron Gottes und dienen
ihm bei Tag und Nacht in seinem Tempel; und
der, der auf dem Thron sitzt, wird sein Zelt
über ihnen aufschlagen.
7:16 Sie
werden keinen Hunger und keinen Durst mehr
leiden, und weder Sonnenglut noch irgendeine
sengende Hitze wird auf ihnen lasten.
7:17 Denn das
Lamm in der Mitte vor dem Thron wird sie
weiden und zu den Quellen führen, aus denen
das Wasser des Lebens strömt, und Gott wird
alle Tränen von ihren Augen abwischen.
8:1 Das siebte Siegel
und die sieben Engel: 8,1-5
Als das Lamm
das siebte Siegel öffnete, trat im Himmel
Stille ein, etwa eine halbe Stunde lang.
8:2 Und ich
sah: Sieben Engel standen vor Gott; ihnen
wurden sieben Posaunen gegeben.
8:3 Und ein
anderer Engel kam und trat mit einer
goldenen Räucherpfanne an den Altar; ihm
wurde viel Weihrauch gegeben, den er auf dem
goldenen Altar vor dem Thron verbrennen
sollte, um so die Gebete aller Heiligen vor
Gott zu bringen.
8:4 Aus der
Hand des Engels stieg der Weihrauch mit den
Gebeten der Heiligen zu Gott empor.
8:5 Dann nahm
der Engel die Räucherpfanne, füllte sie mit
glühenden Kohlen, die er vom Altar nahm, und
warf sie auf die Erde; da begann es zu
donnern und zu dröhnen, zu blitzen und zu
beben.
8:6 Die
ersten vier Posaunen: 8,6-13
Dann machten
sich die sieben Engel bereit, die sieben
Posaunen zu blasen.
8:7 Der erste
Engel blies seine Posaune. Da fielen Hagel
und Feuer, die mit Blut vermischt waren, auf
das Land. Es verbrannte ein Drittel des
Landes, ein Drittel der Bäume und alles
grüne Gras.
8:8 Der
zweite Engel blies seine Posaune. Da wurde
etwas, das einem großen brennenden Berg
glich, ins Meer geworfen. Ein Drittel des
Meeres wurde zu Blut.
8:9 Und ein
Drittel der Geschöpfe, die im Meer leben,
kam um, und ein Drittel der Schiffe wurde
vernichtet.
8:10 Der
dritte Engel blies seine Posaune. Da fiel
ein großer Stern vom Himmel; er loderte wie
eine Fackel und fiel auf ein Drittel der
Flüsse und auf die Quellen.
8:11 Der Name
des Sterns ist «Wermut». Ein Drittel des
Wassers wurde bitter, und viele Menschen
starben durch das Wasser, weil es bitter
geworden war.
8:12 Der
vierte Engel blies seine Posaune. Da wurde
ein Drittel der Sonne und ein Drittel des
Mondes und ein Drittel der Sterne getroffen,
so daß sie ein Drittel ihrer Leuchtkraft
verloren und der Tag um ein Drittel dunkler
wurde und ebenso die Nacht.
8:13 Und ich
sah und hörte: Ein Adler flog hoch am Himmel
und rief mit lauter Stimme: Wehe! Wehe! Wehe
den Bewohnern der Erde! Noch drei Engel
werden ihre Posaunen blasen.
9:1 Die
fünfte Posaune: 9,1-12
Der fünfte
Engel blies seine Posaune. Da sah ich einen
Stern, der vom Himmel auf die Erde gefallen
war; ihm wurde der Schlüssel zu dem Schacht
gegeben, der in den Abgrund führt.
9:2 Und er
öffnete den Schacht des Abgrunds. Da stieg
Rauch aus dem Schacht auf, wie aus einem
großen Ofen, und Sonne und Luft wurden
verfinstert durch den Rauch aus dem Schacht.
9:3 Aus dem
Rauch kamen Heuschrecken über die Erde, und
ihnen wurde Kraft gegeben, wie sie Skorpione
auf der Erde haben.
9:4 Es wurde
ihnen gesagt, sie sollten dem Gras auf der
Erde, den grünen Pflanzen und den Bäumen
keinen Schaden zufügen, sondern nur den
Menschen, die das Siegel Gottes nicht auf
der Stirn ha-ben.
9:5 Es wurde
ihnen befohlen, die Menschen nicht zu töten,
sondern nur zu quälen, fünf Monate lang. Und
der Schmerz, den sie zufügen, ist so stark,
wie wenn ein Skorpion einen Menschen sticht.
9:6 In jenen
Tagen werden die Menschen den Tod suchen,
aber nicht finden; sie werden sterben
wollen, aber der Tod wird vor ihnen fliehen.
9:7 Und die
Heuschrecken sehen aus wie Rosse, die zur
Schlacht gerüstet sind; auf ihren Köpfen
tragen sie etwas, das goldschimmernden
Kränzen gleicht, und ihre Gesichter sind wie
Gesichter von Menschen,
9:8 ihr Haar
ist wie Frauenhaar, ihr Gebiß wie ein
Löwengebiß,
9:9 ihre
Brust wie ein eiserner Panzer; und das
Rauschen ihrer Flügel ist wie das Dröhnen
von Wa-gen, von vielen Pferden, die sich in
die Schlacht stürzen.
9:10 Sie
haben Schwänze und Stacheln wie Skorpione,
und in ihren Schwänzen ist die Kraft, mit
der sie den Menschen schaden, fünf Monate
lang.
9:11 Sie
haben als König über sich den Engel des
Abgrunds; er heißt auf hebräisch Abaddon,
auf griechisch Apollyon.
9:12 Das
erste «Wehe» ist vorüber. Noch zweimal wird
das «Wehe» kommen.
9:13 Die
sechste Posaune: 9,13-21
Der sechste
Engel blies seine Posaune: Da hörte ich eine
Stimme, die von den vier Hörnern des
goldenen Altars her kam, der vor Gott steht.
9:14 Die
Stimme sagte zu dem sechsten Engel, der die
Posaune hält: Binde die vier Engel los, die
am großen Strom, am Eufrat, gefesselt sind.
9:15 Da
wurden die vier Engel losgebunden, die auf
Jahr und Monat, auf Tag und Stunde
bereitstanden, um ein Drittel der Menschheit
zu töten.
9:16 Und die
Zahl der Reiter dieses Heeres war
vieltausendmal tausend; diese Zahl hörte
ich.
9:17 Und so
sahen die Pferde und die Reiter in der
Vision aus: Sie trugen feuerrote, rauchblaue
und schwefelgelbe Panzer. Die Köpfe der
Pferde glichen Löwenköpfen, und aus ihren
Mäulern schlug Feuer, Rauch und Schwefel.
9:18 Ein
Drittel der Menschen wurde durch diese drei
Plagen getötet, durch Feuer, Rauch und
Schwefel, die aus ihren Mäulern hervorkamen.
9:19 Denn die
tödliche Macht der Pferde war in ihren
Mäulern und in ihren Schwänzen. Ihre
Schwänze glichen Schlangen, die Köpfe haben,
mit denen sie Schaden zufügen können.
9:20 Aber die
übrigen Menschen, die nicht durch diese
Plagen umgekommen waren, wandten sich nicht
ab von den Machwerken ihrer Hände : Sie
hörten nicht auf, sich niederzuwerfen vor
ihren Dämonen, vor ihren Götzen aus Gold,
Silber, Erz, Stein und Holz, den Götzen, die
weder sehen, noch hören, noch gehen können.
9:21 Sie
ließen nicht ab von Mord und Zauberei, von
Unzucht und Diebstahl.
10:1 Die Engel und das
kleine Buch: 10,1-11
Und ich sah:
Ein anderer gewaltiger Engel kam aus dem
Himmel herab; er war von einer Wolke
umhüllt, und der Regenbogen stand über
seinem Haupt. Sein Gesicht war wie die
Sonne, und seine Beine waren wie
Feuersäulen.
10:2 In der
Hand hielt er ein kleines, aufgeschlagenes
Buch. Er setzte seinen rechten Fuß auf das
Meer, den linken auf das Land
10:3 und rief
laut, so wie ein Löwe brüllt. Nachdem er
gerufen hatte, erhoben die sieben Donner
ihre Stimme.
10:4 Als die
sieben Donner gesprochen hatten, wollte ich
es aufschreiben. Da hörte ich eine Stimme
vom Himmel her rufen: Halte geheim, was die
sieben Donner gesprochen haben; schreib es
nicht auf!
10:5 Und der
Engel, den ich auf dem Meer und auf dem Land
stehen sah, erhob seine rechte Hand zum
Himmel.
10:6 Er
schwor bei dem, der in alle Ewigkeit lebt,
der den Himmel geschaffen hat und was darin
ist, die Erde und was darauf ist, und das
Meer und was darin ist: Es wird keine Zeit
mehr bleiben, 10:7 denn in den Tagen, wenn
der siebte Engel seine Stimme erhebt und
seine Posaune bläst, wird auch das Geheimnis
Gottes vollendet sein; so hatte er es seinen
Knechten, den Propheten, verkündet.
10:8 Und die
Stimme aus dem Himmel, die ich gehört hatte,
sprach noch einmal zu mir: Geh, nimm das
Buch, das der Engel, der auf dem Meer und
auf dem Land steht, aufgeschlagen in der
Hand hält.
10:9 Und ich
ging zu dem Engel und bat ihn, mir das
kleine Buch zu geben. Er sagte zu mir: Nimm
und iß es! In deinem Magen wird es bitter
sein, in deinem Mund aber süß wie Honig.
10:10 Da nahm
ich das kleine Buch aus der Hand des Engels
und aß es. In meinem Mund war es süß wie
Honig. Als ich es aber gegessen hatte, wurde
mein Magen bitter.
10:11 Und mir wurde gesagt: Du mußt noch
einmal weissagen über viele Völker und
Nationen mit ihren Sprachen und Königen.
11:1 Die Vermessung des
Tempels: 11,1-2
Dann wurde
mir ein Meßstab gegeben, der aussah wie ein
Stock, und mir wurde gesagt: Geh, miß den
Tempel Gottes und den Altar, und zähle alle,
die dort anbeten!
11:2 Den Hof,
der außerhalb des Tempels liegt, laß aus,
und miß ihn nicht; denn er ist den Heiden
überlassen. Sie werden die heilige Stadt
zertreten, zweiundvierzig Monate lang.
11:3 Das
Zeugnis der beiden Propheten: 11,3-14
Und ich will
meinen zwei Zeugen auftragen, im Bußgewand
aufzutreten und prophetisch zu reden,
zwölfhundertsechzig Tage lang.
11:4 Sie sind
die zwei Ölbäume und die zwei Leuchter, die
vor dem Herrn der Erde stehen.
11:5 Wenn
ihnen jemand Schaden zufügen will, schlägt
Feuer aus ihrem Mund und verzehrt ihre
Feinde; so muß jeder sterben, der ihnen
schaden will.
11:6 Sie
haben Macht, den Himmel zu verschließen,
damit kein Regen fällt in den Tagen ihres
Wirkens als Propheten. Sie haben auch Macht,
das Wasser in Blut zu verwandeln und die
Erde zu schlagen mit allen möglichen Plagen,
sooft sie wollen.
11:7 Wenn sie
ihren Auftrag als Zeugen erfüllt haben, wird
sie das Tier, das aus dem Abgrund
heraufsteigt, bekämpfen, besiegen und töten.
11:8 Und ihre
Leichen bleiben auf der Straße der großen
Stadt liegen. Diese Stadt heißt, geistlich
verstanden: Sodom und Ägypten; dort wurde
auch ihr Herr gekreuzigt.
11:9 Menschen
aus allen Völkern und Stämmen, Sprachen und
Nationen werden ihre Leichen dort sehen,
dreieinhalb Tage lang; sie werden nicht
zulassen, daß die Leichen begraben werden.
11:10 Und die
Bewohner der Erde freuen sich darüber,
beglückwünschen sich und schicken sich
gegenseitig Geschenke; denn die beiden
Propheten hatten die Bewohner der Erde
gequält.
11:11 Aber
nach den dreieinhalb Tagen kam von Gott her
wieder Lebensgeist in sie, und sie standen
auf. Da überfiel alle, die sie sahen, große
Angst.
11:12 Und sie
hörten eine laute Stimme vom Himmel her
rufen: Kommt herauf! Vor den Augen ihrer
Feinde stiegen sie in der Wolke zum Himmel
hinauf.
11:13 In
diesem Augenblick entstand ein gewaltiges
Erdbeben. Ein Zehntel der Stadt stürzte ein,
und siebentausend Menschen kamen durch das
Erdbeben um. Die Überlebenden wurden vom
Entsetzen gepackt und gaben dem Gott des
Himmels die Ehre.
11:14 Das
zweite «Wehe» ist vorüber, das dritte «Wehe»
kommt bald.
11:15 Die
siebte Posaune: 11,15-19
Der siebte
Engel blies seine Posaune. Da ertönten laute
Stimmen im Himmel, die riefen: Nun gehört
die Herrschaft über die Welt unserem Herrn
und seinem Gesalbten; und sie werden
herrschen in alle Ewigkeit.
11:16 Und die
vierundzwanzig Ältesten, die vor Gott auf
ihren Thronen sitzen, warfen sich nieder,
beteten Gott an
11:17 und
sprachen: Wir danken dir, Herr, Gott und
Herrscher über die ganze Schöpfung, der du
bist und der du warst; denn du hast deine
große Macht in Anspruch genommen und die
Herrschaft angetreten.
11:18 Die
Völker gerieten in Zorn. Da kam dein Zorn
und die Zeit, die Toten zu richten: die
Zeit, deine Knechte zu belohnen, die
Propheten und die Heiligen und alle, die
deinen Namen fürchten, die Kleinen und die
Großen, die Zeit, alle zu verderben, die die
Erde verderben.
11:19 Der
Tempel Gottes im Himmel wurde geöffnet, und
in seinem Tempel wurde die Lade seines
Bundes sichtbar: Da begann es zu blitzen, zu
dröhnen und zu donnern, es gab ein Beben und
schweren Hagel.
12:1 Der Kampf des
Satans gegen das Volk Gottes: 12,1 - 14,5
Die Frau und der Drache: 12,1-6
Dann erschien
ein großes Zeichen am Himmel: eine Frau, mit
der Sonne bekleidet; der Mond war unter
ihren Füßen und ein Kranz von zwölf Sternen
auf ihrem Haupt.
12:2 Sie war
schwanger und schrie vor Schmerz in ihren
Geburtswehen.
12:3 Ein
anderes Zeichen erschien am Himmel: ein
Drache, groß und feuerrot, mit sieben Köpfen
und zehn Hörnern und mit sieben Diademen auf
seinen Köpfen.
12:4 Sein
Schwanz fegte ein Drittel der Sterne vom
Himmel und warf sie auf die Erde herab. Der
Drache stand vor der Frau, die gebären
sollte; er wollte ihr Kind verschlingen,
sobald es geboren war.
12:5 Und sie
gebar ein Kind, einen Sohn, der über alle
Völker mit eisernem Zepter herrschen wird.
Und ihr Kind wurde zu Gott und zu seinem
Thron entrückt.
12:6 Die Frau
aber floh in die Wüste, wo Gott ihr einen
Zufluchtsort geschaffen hatte; dort wird man
sie mit Nahrung versorgen,
zwölfhundertsechzig Tage lang.
12:7 Der
Sturz des Drachen: 12,7-12
Da entbrannte
im Himmel ein Kampf; Michael und seine Engel
erhoben sich, um mit dem Drachen zu kämpfen.
Der Drache und seine Engel kämpften,
12:8 aber sie
konnten sich nicht halten, und sie verloren
ihren Platz im Himmel.
12:9 Er wurde
gestürzt, der große Drache, die alte
Schlange, die Teufel oder Satan heißt und
die ganze Welt verführt; der Drache wurde
auf die Erde gestürzt, und mit ihm wurden
seine Engel hinabgeworfen.
12:10 Da
hörte ich eine laute Stimme im Himmel rufen:
Jetzt ist er da, der rettende Sieg, die
Macht und die Herrschaft unseres Gottes und
die Vollmacht seines Gesalbten; denn
gestürzt wurde der Ankläger unserer Brüder,
der sie bei Tag und bei Nacht vor unserem
Gott verklagte.
12:11 Sie
haben ihn besiegt durch das Blut des Lammes
und durch ihr Wort und Zeugnis; sie hielten
ihr Leben nicht fest, bis hinein in den Tod.
12:12 Darum
jubelt, ihr Himmel und alle, die darin
wohnen. Weh aber euch, Land und Meer! Denn
der Teufel ist zu euch hinabgekommen; seine
Wut ist groß, weil er weiß, daß ihm nur noch
eine kurze Frist bleibt.
12:13 Der
Kampf des Drachen gegen die Frau: 12,13-18
Als der
Drache erkannte, daß er auf die Erde
gestürzt war, verfolgte er die Frau, die den
Sohn geboren hatte.
12:14 Aber
der Frau wurden die beiden Flügel des großen
Adlers gegeben, damit sie in die Wüste an
ihren Ort fliegen konnte. Dort ist sie vor
der Schlange sicher und wird eine Zeit und
zwei Zeiten und eine halbe Zeit lang
ernährt.
12:15 Die
Schlange spie einen Strom von Wasser aus
ihrem Rachen hinter der Frau her, damit sie
von den Fluten fortgerissen werde.
12:16 Aber
die Erde kam der Frau zu Hilfe; sie öffnete
sich und verschlang den Strom, den der
Drache aus seinem Rachen gespien hatte.
12:17 Da
geriet der Drache in Zorn über die Frau, und
er ging fort, um Krieg zu führen mit ihren
übrigen Nachkommen, die den Geboten Gottes
gehorchen und an dem Zeugnis für Jesus
festhalten.
12:18 Und der
Drache trat an den Strand des Meeres.
13:1 Die beiden Tiere:
13,1-18
Und ich sah:
Ein Tier stieg aus dem Meer, mit zehn
Hörnern und sieben Köpfen. Auf seinen
Hörnern trug es zehn Diademe und auf seinen
Köpfen Namen, die eine Gotteslästerung
waren.
13:2 Das
Tier, das ich sah, glich einem Panther;
seine Füße waren wie die Tatzen eines Bären
und sein Maul wie das Maul eines Löwen. Und
der Drache hatte ihm seine Gewalt übergeben,
seinen Thron und seine große Macht.
13:3 Einer
seiner Köpfe sah aus wie tödlich verwundet;
aber die tödliche Wunde wurde geheilt. Und
die ganze Erde sah dem Tier staunend nach.
13:4 Die
Menschen warfen sich vor dem Drachen nieder,
weil er seine Macht dem Tier gegeben hatte;
und sie beteten das Tier an und sagten: Wer
ist dem Tier gleich, und wer kann den Kampf
mit ihm aufnehmen?
13:5 Und es
wurde ermächtigt, mit seinem Maul anmaßende
Worte und Lästerungen auszusprechen; es
wurde ihm Macht gegeben, dies zweiundvierzig
Monate zu tun.
13:6 Das Tier
öffnete sein Maul, um Gott und seinen Namen
zu lästern, seine Wohnung und alle, die im
Himmel wohnen.
13:7 Und es
wurde ihm erlaubt, mit den Heiligen zu
kämpfen und sie zu besiegen. Es wurde ihm
auch Macht gegeben über alle Stämme, Völker,
Sprachen und Nationen.
13:8 Alle
Bewohner der Erde fallen nieder vor ihm:
alle, deren Name nicht seit der Erschaffung
der Welt eingetragen ist ins Lebensbuch des
Lammes, das geschlachtet wurde.
13:9 Wenn
einer Ohren hat, so höre er.
13:10 Wer zur
Gefangenschaft bestimmt ist, geht in die
Gefangenschaft. Wer mit dem Schwert getötet
werden soll, wird mit dem Schwert getötet.
Hier muß sich die Standhaftigkeit und die
Glaubenstreue der Heiligen bewähren.
13:11 Und ich
sah: Ein anderes Tier stieg aus der Erde
herauf. Es hatte zwei Hörner wie ein Lamm,
aber es redete wie ein Drache.
13:12 Die
ganze Macht des ersten Tieres übte es vor
dessen Augen aus. Es brachte die Erde und
ihre Bewohner dazu, das erste Tier
anzubeten, dessen tödliche Wunde geheilt
war.
13:13 Es tat
große Zeichen; sogar Feuer ließ es vor den
Augen der Menschen vom Himmel auf die Erde
fallen.
13:14 Es
verwirrte die Bewohner der Erde durch die
Wunderzeichen, die es im Auftrag des Tieres
tat; es befahl den Bewohnern der Erde, ein
Standbild zu errichten zu Ehren des Tieres,
das mit dem Schwert erschlagen worden war
und doch wieder zum Leben kam.
13:15 Es
wurde ihm Macht gegeben, dem Standbild des
Tieres Lebensgeist zu verleihen, so daß es
auch sprechen konnte und bewirkte, daß alle
getötet wurden, die das Standbild des Tieres
nicht anbeteten.
13:16 Die
Kleinen und die Großen, die Reichen und die
Armen, die Freien und die Sklaven, alle
zwang es, auf ihrer rechten Hand oder ihrer
Stirn ein Kennzeichen anzubringen.
13:17 Kaufen
oder verkaufen konnte nur, wer das
Kennzeichen trug: den Namen des Tieres oder
die Zahl seines Namens.
13:18 Hier
braucht man Kenntnis. Wer Verstand hat,
berechne den Zahlenwert des Tieres. Denn es
ist die Zahl eines Menschennamens; seine
Zahl ist sechshundertsechsundsechzig.
14:1 Das Lamm und sein
Gefolge: 14,1-5
Und ich sah:
Das Lamm stand auf dem Berg Zion, und bei
ihm waren hundertvierundvierzigtausend; auf
ihrer Stirn trugen sie seinen Namen und den
Namen seines Vaters.
14:2 Dann
hörte ich eine Stimme vom Himmel her, die
dem Rauschen von Wassermassen und dem Rollen
eines gewaltigen Donners glich. Die Stimme,
die ich hörte, war wie der Klang der Harfe,
die ein Harfenspieler schlägt.
14:3 Und sie
sangen ein neues Lied vor dem Thron und vor
den vier Lebewesen und vor den Ältesten.
Aber niemand konnte das Lied singen lernen
außer den hundertvierundvierzigtausend, die
freigekauft und von der Erde weggenommen
worden sind.
14:4 Sie sind
es, die sich nicht mit Weibern befleckt
haben; denn sie sind jungfräulich. Sie
folgen dem Lamm, wohin es geht. Sie allein
unter allen Menschen sind freigekauft als
Erstlingsgabe für Gott und das Lamm.
14:5 Denn in
ihrem Mund fand sich keinerlei Lüge. Sie
sind ohne Makel.
14:6 Das
Gericht: 14,6 - 20,15 Die Ankündigung des
Gerichts: 14,6-13
Dann sah ich:
Ein anderer Engel flog hoch am Himmel. Er
hatte den Bewohnern der Erde ein ewiges
Evangelium zu verkünden, allen Nationen,
Stämmen, Sprachen und Völkern.
14:7 Er rief
mit lauter Stimme: Fürchtet Gott, und
erweist ihm die Ehre! Denn die Stunde seines
Gerichts ist gekommen. Betet ihn an, der den
Himmel und die Erde, das Meer und die
Wasserquellen geschaffen hat.
14:8 Ein
anderer Engel, ein zweiter, folgte und rief:
Gefallen, gefallen ist Babylon, die Große,
die alle Völker betrunken gemacht hat mit
dem Zornwein ihrer Hurerei.
14:9 Ein
anderer Engel, ein dritter, folgte ihnen und
rief mit lauter Stimme: Wer das Tier und
sein Standbild anbetet und wer das
Kennzeichen auf seiner Stirn oder seiner
Hand annimmt,
14:10 der muß
den Wein des Zornes Gottes trinken, der
unverdünnt im Becher seines Zorns ge-mischt
ist. Und er wird mit Feuer und Schwefel
gequält vor den Augen der heiligen Engel und
des Lammes.
14:11 Der
Rauch von ihrer Peinigung steigt auf in alle
Ewigkeit, und alle, die das Tier und sein
Standbild anbeten und die seinen Namen als
Kennzeichen annehmen, werden bei Tag und
Nacht keine Ruhe haben.
14:12 Hier
muß sich die Standhaftigkeit der Heiligen
bewähren, die an den Geboten Gottes und an
der Treue zu Jesus festhalten.
14:13 Und ich
hörte eine Stimme vom Himmel her rufen:
Schreibe! Selig die Toten, die im Herrn
sterben, von jetzt an; ja, spricht der
Geist, sie sollen ausruhen von ihren Mühen;
denn ihre Werke begleiten sie.
14:14 Die
Stunde der Ernte: 14,14-20
Dann sah ich
eine weiße Wolke. Auf der Wolke thronte
einer, der wie ein Menschensohn aussah. Er
trug einen goldenen Kranz auf dem Haupt und
eine scharfe Sichel in der Hand.
14:15 Und ein
anderer Engel kam aus dem Tempel und rief
dem, der auf der Wolke saß, mit lauter
Stimme zu: Schick deine Sichel aus, und
ernte! Denn die Zeit zu ernten ist gekommen:
Die Frucht der Erde ist reif geworden.
14:16 Und
der, der auf der Wolke saß, schleuderte
seine Sichel über die Erde, und die Erde
wurde abgeerntet.
14:17 Und ein
anderer Engel trat aus dem himmlischen
Tempel. Auch er hatte eine scharfe Sichel.
14:18 Vom
Altar her kam noch ein anderer Engel, der
die Macht über das Feuer hatte. Dem, der die
scharfe Sichel trug, rief er mit lauter
Stimme zu: Schick deine scharfe Sichel aus,
und ernte die Trauben vom Weinstock der
Erde! Seine Beeren sind reif geworden.
14:19 Da
schleuderte der Engel seine Sichel auf die
Erde, erntete den Weinstock der Erde ab und
warf die Trauben in die große Kelter des
Zornes Gottes.
14:20 Die
Kelter wurde draußen vor der Stadt getreten,
und Blut strömte aus der Kelter; es stieg
an, bis an die Zügel der Pferde,
eintausendsechshundert Stadien weit.
15:1 Die Ankündigung
der sieben letzten Plagen: 15,1-8
Dann sah ich
ein anderes Zeichen am Himmel, groß und
wunderbar. Ich sah sieben Engel mit sieben
Plagen, den sieben letzten; denn in ihnen
erreicht der Zorn Gottes sein Ende.
15:2 Dann sah
ich etwas, das einem gläsernen Meer glich
und mit Feuer durchsetzt war. Und die Sieger
über das Tier, über sein Standbild und über
die Zahl seines Namens standen auf dem
gläsernen Meer und trugen die Harfen Gottes.
15:3 Sie
sangen das Lied des Mose, des Knechtes
Gottes, und das Lied zu Ehren des Lammes:
Groß und wunderbar sind deine Taten, Herr,
Gott und Herrscher über die ganze Schöpfung.
Gerecht und zuverlässig sind deine Wege, du
König der Völker.
15:4 Wer wird
dich nicht fürchten, Herr, wer wird deinen
Namen nicht preisen? Denn du allein bist
heilig : Alle Völker kommen und beten dich
an; denn deine gerechten Taten sind offenbar
geworden.
15:5 Danach
sah ich: Es öffnete sich der himmlische
Tempel, das Zelt des Zeugnisses im Himmel.
15:6 Und die
sieben Engel mit den sieben Plagen traten
heraus; sie waren in reines, glänzendes
Leinen gekleidet und trugen um ihre Brust
einen Gürtel aus Gold.
15:7 Und
eines der vier Lebewesen reichte den sieben
Engeln sieben goldene Schalen; sie waren
gefüllt mit dem Zorn des Gottes, der in alle
Ewigkeit lebt.
15:8 Und der
Tempel füllte sich mit dem Rauch der
Herrlichkeit und Macht Gottes. Niemand
konnte den Tempel betreten, bis die sieben
Plagen aus der Hand der sieben Engel zu
ihrem Ende gekommen waren.
16:1 Die
sieben Engel mit den Schalen des Zorns:
16,1-21
Dann hörte
ich, wie eine laute Stimme aus dem Tempel
den sieben Engeln zurief: Geht und gießt die
sieben Schalen mit dem Zorn Gottes über die
Erde!
16:2 Der
erste ging und goß seine Schale über das
Land. Da bildete sich ein böses und
schlimmes Geschwür an den Menschen, die das
Kennzeichen des Tieres trugen und sein
Standbild anbeteten.
16:3 Der
zweite Engel goß seine Schale über das Meer.
Da wurde es zu Blut, das aussah wie das Blut
eines Toten; und alle Lebewesen im Meer
starben.
16:4 Der
dritte goß seine Schale über die Flüsse und
Quellen. Da wurde alles zu Blut.
16:5 Und ich
hörte den Engel, der die Macht über das
Wasser hat, sagen: Gerecht bist du, der du
bist und der du warst, du Heiliger; denn
damit hast du ein gerechtes Urteil gefällt.
16:6 Sie
haben das Blut von Heiligen und Propheten
vergossen; deshalb hast du ihnen Blut zu
trinken gegeben, so haben sie es verdient.
16:7 Und ich
hörte eine Stimme vom Brandopferaltar her
sagen: Ja, Herr, Gott und Herrscher über die
ganze Schöpfung. Wahr und gerecht sind deine
Gerichts urteile.
16:8 Der
vierte Engel goß seine Schale über die
Sonne. Da wurde ihr Macht gegeben, mit ihrem
Feuer die Menschen zu verbrennen.
16:9 Und die
Menschen verbrannten in der großen Hitze.
Dennoch verfluchten sie den Namen Gottes,
der die Macht über diese Plagen hat. Sie
bekehrten sich nicht dazu, ihm die Ehre zu
geben.
16:10 Der
fünfte Engel goß seine Schale über den Thron
des Tieres. Da kam Finsternis über das Reich
des Tieres, und die Menschen zerbissen sich
vor Angst und Schmerz die Zunge.
16:11 Dennoch
verfluchten sie den Gott des Himmels wegen
ihrer Schmerzen und ihrer Geschwüre; und sie
ließen nicht ab von ihrem Treiben.
16:12 Der
sechste Engel goß seine Schale über den
großen Strom, den Eufrat. Da trocknete sein
Wasser aus, so daß den Königen des Ostens
der Weg offen stand.
16:13 Dann
sah ich aus dem Maul des Drachen und aus dem
Maul des Tieres und aus dem Maul des
falschen Propheten drei unreine Geister
hervorkommen, die wie Frösche aussahen.
16:14 Es sind
Dämonengeister, die Wunderzeichen tun; sie
schwärmten aus zu den Königen der ganzen
Erde, um sie zusammenzuholen für den Krieg
am großen Tag Gottes, des Herrschers über
die ganze Schöpfung.
16:15 Siehe,
ich komme wie ein Dieb. Selig, wer wach
bleibt und sein Gewand anbehält, damit er
nicht nackt gehen muß und man seine Blöße
sieht.
16:16 Die
Geister führten die Könige an dem Ort
zusammen, der auf hebräisch Harmagedon
heißt.
16:17 Und der
siebte Engel goß seine Schale über die Luft.
Da kam eine laute Stimme aus dem Tempel, die
vom Thron her rief: Es ist geschehen.
16:18 Und es
folgten Blitze, Stimmen und Donner; es
entstand ein gewaltiges Erdbeben, wie noch
keines gewesen war, seitdem es Menschen auf
der Erde gibt. So gewaltig war dieses Beben.
16:19 Die
große Stadt brach in drei Teile auseinander,
und die Städte der Völker stürzten ein. Gott
hatte sich an Babylon, die Große, erinnert
und reichte ihr den Becher mit dem Wein
seines rächenden Zornes.
16:20 Alle
Inseln verschwanden, und es gab keine Berge
mehr.
16:21 Und
gewaltige Hagelbrocken, zentnerschwer,
stürzten vom Himmel auf die Menschen herab.
Dennoch verfluchten die Menschen Gott wegen
dieser Hagelplage; denn die Plage war über
die Maßen groß.
17:1 Die Hure Babylon:
17,1-18
Dann kam
einer der sieben Engel, welche die sieben
Schalen trugen, und sagte zu mir: Komm, ich
zeige dir das Strafgericht über die große
Hure, die an den vielen Gewässern sitzt.
17:2 Denn mit
ihr haben die Könige der Erde Unzucht
getrieben, und vom Wein ihrer Hurerei wurden
die Bewohner der Erde betrunken.
17:3 Der
Geist ergriff mich, und der Engel entrückte
mich in die Wüste. Dort sah ich eine Frau
auf einem scharlachroten Tier sitzen, das
über und über mit gotteslästerlichen Namen
beschrieben war und sieben Köpfe und zehn
Hörner hatte.
17:4 Die Frau
war in Purpur und Scharlach gekleidet und
mit Gold, Edelsteinen und Perlen geschmückt.
Sie hielt einen goldenen Becher in der Hand,
der mit dem abscheulichen Schmutz ihrer
Hurerei gefüllt war.
17:5 Auf
ihrer Stirn stand ein Name, ein
geheimnisvoller Name: Babylon, die Große,
die Mutter der Huren und aller
Abscheulichkeiten der Erde.
17:6 Und ich
sah, daß die Frau betrunken war vom Blut der
Heiligen und vom Blut der Zeugen Jesu. Beim
Anblick der Frau ergriff mich großes
Erstaunen.
17:7 Der
Engel aber sagte zu mir: Warum bist du
erstaunt? Ich will dir das Geheimnis der
Frau enthüllen und das Geheimnis des Tieres
mit den sieben Köpfen und zehn Hörnern, auf
dem sie sitzt.
17:8 Das
Tier, das du gesehen hast, war einmal und
ist jetzt nicht; es wird aber aus dem
Abgrund heraufsteigen und dann ins Verderben
gehen. Staunen werden die Bewohner der Erde,
deren Namen seit der Erschaffung der Welt
nicht im Buch des Lebens verzeichnet sind.
Sie werden bei dem Anblick des Tieres
staunen; denn es war einmal und ist jetzt
nicht, wird aber wieder da sein.
17:9 Hier
braucht man Verstand und Kenntnis. Die
sieben Köpfe bedeuten die sieben Berge, auf
denen die Frau sitzt. Sie bedeuten auch
sieben Könige.
17:10 Fünf
sind bereits gefallen. Einer ist jetzt da,
einer ist noch nicht gekommen; wenn er dann
kommt, darf er nur kurze Zeit bleiben.
17:11 Das
Tier aber, das war und jetzt nicht ist,
bedeutet einen achten König und ist doch
einer von den sieben und wird ins Verderben
gehen.
17:12 Die
zehn Hörner, die du gesehen hast, bedeuten
zehn Könige, die noch nicht zur Herrschaft
gekommen sind; sie werden aber königliche
Macht für eine einzige Stunde erhalten,
zusammen mit dem Tier.
17:13 Sie
sind eines Sinnes und übertragen ihre Macht
und Gewalt dem Tier.
17:14 Sie
werden mit dem Lamm Krieg führen, aber das
Lamm wird sie besiegen. Denn es ist der Herr
der Herren und der König der Könige. Bei ihm
sind die Berufenen, Auserwählten und Treuen.
17:15 Und er
sagte zu mir: Du hast die Gewässer gesehen,
an denen die Hure sitzt; sie bedeuten Völker
und Menschenmassen, Nationen und Sprachen.
17:16 Du hast
die zehn Hörner und das Tier gesehen; sie
werden die Hure hassen, ihr alles wegnehmen,
bis sie nackt ist, werden ihr Fleisch
fressen und sie im Feuer verbrennen.
17:17 Denn
Gott lenkt ihr Herz so, daß sie seinen Plan
ausführen: Sie sollen einmütig handeln und
ihre Herrschaft dem Tier übertragen, bis die
Worte Gottes erfüllt sind.
17:18 Die
Frau aber, die du gesehen hast, ist die
große Stadt, die die Herrschaft hat über die
Könige der Erde.
18:1 Die Ankündigung
von Babylons Sturz: 18,1-8
Danach sah
ich einen anderen Engel aus dem Himmel
herabsteigen; er hatte große Macht, und die
Erde leuchtete auf von seiner Herrlichkeit.
18:2 Und er
rief mit gewaltiger Stimme: Gefallen,
gefallen ist Babylon, die Große! Zur Wohnung
von Dämonen ist sie geworden, zur Behausung
aller unreinen Geister und zum Schlupfwinkel
aller unreinen und abscheulichen Vögel.
18:3 Denn vom
Zornwein ihrer Unzucht haben alle Völker
getrunken, und die Könige der Erde haben mit
ihr Unzucht getrieben. Durch die Fülle ihres
Wohlstands sind die Kaufleute der Erde reich
geworden.
18:4 Dann
hörte ich eine andere Stimme vom Himmel her
rufen: Verlaß die Stadt, mein Volk, damit du
nicht mitschuldig wirst an ihren Sünden und
von ihren Plagen mitgetroffen wirst.
18:5 Denn
ihre Sünden haben sich bis zum Himmel
aufgetürmt, und Gott hat ihre Schandtaten
nicht vergessen.
18:6 Zahlt
ihr mit gleicher Münze heim, gebt ihr
doppelt zurück, was sie getan hat. Mischt
ihr den Becher, den sie gemischt hat,
doppelt so stark.
18:7 Im
gleichen Maß, wie sie in Prunk und Luxus
lebte, laßt sie Qual und Trauer erfahren.
Sie dachte bei sich: Ich throne als Königin,
ich bin keine Witwe und werde keine Trauer
kennen.
18:8 Deshalb
werden an einem einzigen Tag die Plagen über
sie kommen, die für sie bestimmt sind: Tod,
Trauer und Hunger. Und sie wird im Feuer
verbrennen; denn stark ist der Herr, der
Gott, der sie gerichtet hat.
18:9 Die
Klage über den Untergang Babylons: 18,9-24
Die Könige
der Erde, die mit ihr gehurt und in Luxus
gelebt haben, werden über sie weinen und
klagen, wenn sie den Rauch der brennenden
Stadt sehen.
18:10 Sie
bleiben in der Ferne stehen aus Angst vor
ihrer Qual und sagen: Wehe! Wehe, du große
Stadt Babylon, du mächtige Stadt! In einer
einzigen Stunde ist das Gericht über dich
gekommen.
18:11 Auch
die Kaufleute der Erde weinen und klagen um
sie, weil niemand mehr ihre Ware kauft:
18:12 Gold
und Silber, Edelsteine und Perlen, feines
Leinen, Purpur, Seide und Scharlach,
wohlriechende Hölzer aller Art und alle
möglichen Geräte aus Elfenbein, kostbarem
Edelholz, Bronze, Eisen und Marmor;
18:13 auch
Zimt und Balsam, Räucherwerk, Salböl und
Weihrauch, Wein und Öl, feinstes Mehl und
Weizen, Rinder und Schafe, Pferde und Wagen
und sogar Menschen mit Leib und Seele.
18:14 Auch
die Früchte, nach denen dein Herz begehrte,
sind dir genommen. Und alles, was prächtig
und glänzend war, hast du verloren; nie mehr
wird man es finden.
18:15 Die
Kaufleute, die durch den Handel mit dieser
Stadt reich geworden sind, werden aus Angst
vor ihrer Qual in der Ferne stehen, und sie
werden weinen und klagen :
18:16 Wehe!
Wehe, du große Stadt, bekleidet mit feinem
Leinen, mit Purpur und Scharlach, geschmückt
mit Gold, Edelsteinen und Perlen.
18:17 In
einer einzigen Stunde ist dieser ganze
Reichtum dahin. Alle Kapitäne und
Schiffsreisenden, die Matrosen und alle, die
ihren Unterhalt auf See verdienen, machten
schon in der Ferne halt,
18:18 als sie
den Rauch der brennenden Stadt sahen, und
sie riefen: Wer konnte sich mit der großen
Stadt messen?
18:19 Und sie
streuten sich Staub auf den Kopf, sie
schrien, weinten und klagten: Wehe! Wehe, du
große Stadt, die mit ihren Schätzen alle
reich gemacht hat, die Schiffe auf dem Meer
haben. In einer einzigen Stunde ist sie
verwüstet worden.
18:20 Freu
dich über ihren Untergang, du Himmel - und
auch ihr, Heilige, Apostel und Propheten,
freut euch! Denn Gott hat euch an ihr
gerächt.
18:21 Dann
hob ein gewaltiger Engel einen Stein auf, so
groß wie ein Mühlstein; er warf ihn ins Meer
und rief: So wird Babylon, die große Stadt,
mit Wucht hinabgeworfen werden, und man wird
sie nicht mehr finden.
18:22 Die
Musik von Harfenspielern und Sängern, von
Flötenspielern und Trompetern hört man nicht
mehr in dir. Einen kundigen Handwerker gibt
es nicht mehr in dir. Das Geräusch des
Mühlsteins hört man nicht mehr in dir.
18:23 Das
Licht der Lampe scheint nicht mehr in dir.
Die Stimme von Braut und Bräutigam hört man
nicht mehr in dir. Deine Kaufleute waren die
Großen der Erde, deine Zauberei verführte
alle Völker.
18:24 Aber in
ihr war das Blut von Propheten und Heiligen
und von allen, die auf der Erde
hinge-schlachtet worden sind.
19:1 Jubel im Himmel:
19,1-10
Danach hörte
ich etwas wie den lauten Ruf einer großen
Schar im Himmel: Halleluja! Das Heil und die
Herrlichkeit und die Macht ist bei unserm
Gott.
19:2 Seine
Urteile sind wahr und gerecht. Er hat die
große Hure gerichtet, die mit ihrer Unzucht
die Erde verdorben hat. Er hat Rache
genommen für das Blut seiner Knechte, das an
ihren Händen klebte.
19:3 Noch
einmal riefen sie: Halleluja! Der Rauch der
Stadt steigt auf in alle Ewigkeit.
19:4 Und die
vierundzwanzig Ältesten und die vier
Lebewesen fielen nieder vor Gott, der auf
dem Thron sitzt, beteten ihn an und riefen:
Amen, halleluja!
19:5 Und eine
Stimme kam vom Thron her: Preist unsern
Gott, all seine Knechte und alle, die ihn
fürchten, Kleine und Große!
19:6 Da hörte
ich etwas wie den Ruf einer großen Schar und
wie das Rauschen gewaltiger Wassermassen und
wie das Rollen mächtiger Donner: Halleluja!
Denn König geworden ist der Herr, unser
Gott, der Herrscher über die ganze
Schöpfung.
19:7 Wir
wollen uns freuen und jubeln und ihm die
Ehre erweisen. Denn gekommen ist die
Hochzeit des Lammes, und seine Frau hat sich
bereit gemacht.
19:8 Sie
durfte sich kleiden in strahlend reines
Leinen. Das Leinen bedeutet die gerechten
Taten der Heiligen.
19:9 Jemand
sagte zu mir: Schreib auf: Selig, wer zum
Hochzeitsmahl des Lammes eingeladen ist.
Dann sagte er zu mir: Das sind zuverlässige
Worte, es sind Worte Gottes.
19:10 Und ich
fiel ihm zu Füßen, um ihn anzubeten. Er aber
sagte zu mir: Tu das nicht! Ich bin ein
Knecht wie du und deine Brüder, die das
Zeugnis Jesu festhalten. Gott bete an! Das
Zeugnis Jesu ist der Geist prophetischer
Rede.
19:11 Sieg
über das Tier und seinen Propheten: 19,11-21
Dann sah ich
den Himmel offen, und siehe, da war ein
weißes Pferd, und der, der auf ihm saß,
heißt «Der Treue und Wahrhaftige»; gerecht
richtet er und führt er Krieg.
19:12 Seine
Augen waren wie Feuerflammen, und auf dem
Haupt trug er viele Diademe; und auf ihm
stand ein Name, den er allein kennt.
19:13
Bekleidet war er mit einem blutgetränkten
Gewand; und sein Name heißt «Das Wort
Gottes».
19:14 Die
Heere des Himmels folgten ihm auf weißen
Pferden; sie waren in reines, weißes Leinen
gekleidet.
19:15 Aus
seinem Mund kam ein scharfes Schwert; mit
ihm wird er die Völker schlagen. Und er
herrscht über sie mit eisernem Zepter, und
er tritt die Kelter des Weines, des
rächenden Zornes Gottes, des Herrschers über
die ganze Schöpfung.
19:16 Auf
seinem Gewand und auf seiner Hüfte trägt er
den Namen: «König der Könige und Herr der
Herren ».
19:17 Dann
sah ich einen Engel, der in der Sonne stand.
Er rief mit lauter Stimme allen Vögeln zu,
die hoch am Himmel flogen: Kommt her!
Versammelt euch zum großen Mahl Gottes.
19:18 Freßt
Fleisch von Königen, von Heerführern und von
Helden, Fleisch von Pferden und ihren
Reitern, Fleisch von allen, von Freien und
Sklaven, von Großen und Kleinen!
19:19 Dann
sah ich das Tier und die Könige der Erde und
ihre Heere versammelt, um mit dem Reiter und
seinem Heer Krieg zu führen.
19:20 Aber
das Tier wurde gepackt und mit ihm der
falsche Prophet; er hatte vor seinen Augen
Zeichen getan und dadurch alle verführt, die
das Kennzeichen des Tieres angenommen und
sein Standbild angebetet hatten. Bei
lebendigem Leib wurden beide in den See von
brennendem Schwefel geworfen.
19:21 Die
übrigen wurden getötet mit dem Schwert, das
aus dem Mund des Reiters kam; und alle Vögel
fraßen sich satt an ihrem Fleisch.
20:1 Die Tausendjährige
Herrschaft: 20,1-6
Dann sah ich
einen Engel vom Himmel herabsteigen; auf
seiner Hand trug er den Schlüssel zum
Abgrund und eine schwere Kette.
20:2 Er
überwältigte den Drachen, die alte Schlange
- das ist der Teufel oder der Satan -, und
er fesselte ihn für tausend Jahre.
20:3 Er warf
ihn in den Abgrund, verschloß diesen und
drückte ein Siegel darauf, damit der Drache
die Völker nicht mehr verführen konnte, bis
die tausend Jahre vollendet sind. Danach muß
er für kurze Zeit freigelassen werden.
20:4 Dann sah
ich Throne; und denen, die darauf Platz
nahmen, wurde das Gericht übertragen. Ich
sah die Seelen aller, die enthauptet worden
waren, weil sie an dem Zeugnis Jesu und am
Wort Got-tes festgehalten hatten. Sie hatten
das Tier und sein Standbild nicht angebetet,
und sie hatten das Kennzeichen nicht auf
ihrer Stirn und auf ihrer Hand anbringen
lassen. Sie gelangten zum Leben und zur
Herrschaft mit Christus für tausend Jahre.
20:5 Die
übrigen Toten kamen nicht zum Leben, bis die
tausend Jahre vollendet waren. Das ist die
erste Auferstehung.
20:6 Selig
und heilig, wer an der ersten Auferstehung
teilhat. Über solche hat der zweite Tod
keine Gewalt. Sie werden Priester Gottes und
Christi sein und tausend Jahre mit ihm
herrschen.
20:7 Der
endgültige Sieg über den Satan: 20,7-10
Wenn die
tausend Jahre vollendet sind, wird der Satan
aus seinem Gefängnis freigelassen werden.
20:8 Er wird
ausziehen, um die Völker an den vier Ecken
der Erde, den Gog und den Magog, zu
verführen und sie zusammenzuholen für den
Kampf; sie sind so zahlreich wie die
Sandkörner am Meer.
20:9 Sie
schwärmten aus über die weite Erde und
umzingelten das Lager der Heiligen und
Gottes geliebte Stadt. Aber Feuer fiel vom
Himmel und verzehrte sie.
20:10 Und der
Teufel, ihr Verführer, wurde in den See von
brennendem Schwefel geworfen, wo auch das
Tier und der falsche Prophet sind. Tag und
Nacht werden sie gequält, in alle Ewigkeit.
20:11 Das
Gericht über alle Toten: 20,11-15
Dann sah ich
einen großen weißen Thron und den, der auf
ihm saß; vor seinem Anblick flohen Erde und
Himmel, und es gab keinen Platz mehr für
sie.
20:12 Ich sah
die Toten vor dem Thron stehen, die Großen
und die Kleinen. Und Bücher wurden
aufgeschlagen; auch das Buch des Lebens
wurde aufgeschlagen. Die Toten wurden nach
ihren Werken gerichtet, nach dem, was in den
Büchern aufgeschrieben war.
20:13 Und das
Meer gab die Toten heraus, die in ihm waren;
und der Tod und die Unterwelt gaben ihre
Toten heraus, die in ihnen waren. Sie wurden
gerichtet, jeder nach seinen Werken.
20:14 Der Tod
und die Unterwelt aber wurden in den
Feuersee geworfen. Das ist der zweite Tod:
der Feuersee.
20:15 Wer
nicht im Buch des Lebens verzeichnet war,
wurde in den Feuersee geworfen.
21:1 Die neue Welt
Gottes: 21,1 - 22,5 Gottes Wohnen unter den
Menschen: 21,1-8
Dann sah ich
einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn
der erste Himmel und die erste Erde sind
vergangen, auch das Meer ist nicht mehr.
21:2 Ich sah
die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von
Gott her aus dem Himmel herabkommen; sie war
bereit wie eine Braut, die sich für ihren
Mann geschmückt hat.
21:3 Da hörte
ich eine laute Stimme vom Thron her rufen:
Seht, die Wohnung Gottes unter den Menschen!
Er wird in ihrer Mitte wohnen, und sie
werden sein Volk sein; und er, Gott, wird
bei ihnen sein.
21:4 Er wird
alle Tränen von ihren Augen abwischen : Der
Tod wird nicht mehr sein, keine Trauer,
keine Klage, keine Mühsal. Denn was früher
war, ist vergangen.
21:5 Er, der
auf dem Thron saß, sprach: Seht, ich mache
alles neu. Und er sagte: Schreib es auf,
denn diese Worte sind zuverlässig und wahr.
21:6 Er sagte
zu mir: Sie sind in Erfüllung gegangen. Ich
bin das Alpha und das Omega, der Anfang und
das Ende. Wer durstig ist, den werde ich
umsonst aus der Quelle trinken lassen, aus
der das Wasser des Lebens strömt.
21:7 Wer
siegt, wird dies als Anteil erhalten: Ich
werde sein Gott sein, und er wird mein Sohn
sein.
21:8 Aber die
Feiglinge und Treulosen, die Befleckten, die
Mörder und Unzüchtigen, die Zauberer,
Götzendiener und alle Lügner - ihr Los wird
der See von brennendem Schwefel sein. Dies
ist der zweite Tod.
21:9 Das neue
Jerusalem: 21,9 - 22,5
Und es kam
einer von den sieben Engeln, die die sieben
Schalen mit den sieben letzten Plagen
getragen hatten. Er sagte zu mir: Komm, ich
will dir die Braut zeigen, die Frau des
Lammes.
21:10 Da
entrückte er mich in der Verzückung auf
einen großen, hohen Berg und zeigte mir die
heilige Stadt Jerusalem, wie sie von Gott
her aus dem Himmel herabkam,
21:11 erfüllt
von der Herrlichkeit Gottes. Sie glänzte wie
ein kostbarer Edelstein, wie ein
kristallklarer Jaspis.
21:12 Die
Stadt hat eine große und hohe Mauer mit
zwölf Toren und zwölf Engeln darauf. Auf die
Tore sind Namen geschrieben: die Namen der
zwölf Stämme der Söhne Israels.
21:13 Im
Osten hat die Stadt drei Tore und im Norden
drei Tore und im Süden drei Tore und im
Westen drei Tore.
21:14 Die
Mauer der Stadt hat zwölf Grundsteine; auf
ihnen stehen die zwölf Namen der zwölf
Apostel des Lammes.
21:15 Und der
Engel, der zu mir sprach, hatte einen
goldenen Meßstab, mit dem die Stadt, ihre
Tore und ihre Mauer gemessen wurden.
21:16 Die
Stadt war viereckig angelegt und ebenso lang
wie breit. Er maß die Stadt mit dem Meßstab;
ihre Länge, Breite und Höhe sind gleich:
zwölftausend Stadien.
21:17 Und er
maß ihre Mauer; sie ist
hundertvierundvierzig Ellen hoch nach
Menschenmaß, das der Engel benutzt hatte.
21:18 Ihre
Mauer ist aus Jaspis gebaut, und die Stadt
ist aus reinem Gold, wie aus reinem Glas.
21:19 Die
Grundsteine der Stadtmauer sind mit edlen
Steinen aller Art geschmückt; der erste
Grundstein ist ein Jaspis, der zweite ein
Saphir, der dritte ein Chalzedon, der vierte
ein Smaragd,
21:20 der
fünfte ein Sardonyx, der sechste ein Sardion,
der siebte ein Chrysolith, der achte ein
Beryll, der neunte ein Topas, der zehnte ein
Chrysopras, der elfte ein Hyazinth, der
zwölfte ein Amethyst.
21:21 Die
zwölf Tore sind zwölf Perlen; jedes der Tore
besteht aus einer einzigen Perle. Die Straße
der Stadt ist aus reinem Gold, wie aus
klarem Glas.
21:22 Einen
Tempel sah ich nicht in der Stadt. Denn der
Herr, ihr Gott, der Herrscher über die ganze
Schöpfung, ist ihr Tempel, er und das Lamm.
21:23 Die
Stadt braucht weder Sonne noch Mond, die ihr
leuchten. Denn die Herrlichkeit Gottes
erleuchtet sie, und ihre Leuchte ist das
Lamm.
21:24 Die
Völker werden in diesem Licht einhergehen,
und die Könige der Erde werden ihre Pracht
in die Stadt bringen.
21:25 Ihre
Tore werden den ganzen Tag nicht geschlossen
- Nacht wird es dort nicht mehr geben.
21:26 Und man
wird die Pracht und die Kostbarkeiten der
Völker in die Stadt bringen.
21:27 Aber
nichts Unreines wird hineinkommen, keiner,
der Greuel verübt und lügt. Nur die, die im
Lebensbuch des Lammes eingetragen sind,
werden eingelassen.
22:1 Und er zeigte mir
einen Strom, das Wasser des Lebens, klar wie
Kristall; er geht vom Thron Gottes und des
Lammes aus.
22:2 Zwischen
der Straße der Stadt und dem Strom, hüben
und drüben, stehen Bäume des Lebens.
Zwölfmal tragen sie Früchte, jeden Monat
einmal; und die Blätter der Bäume dienen zur
Heilung der Völker.
22:3 Es wird
nichts mehr geben, was der Fluch Gottes
trifft. Der Thron Gottes und des Lammes wird
in der Stadt stehen, und seine Knechte
werden ihm dienen.
22:4 Sie
werden sein Angesicht schauen, und sein Name
ist auf ihre Stirn geschrieben.
22:5 Es wird
keine Nacht mehr geben, und sie brauchen
weder das Licht einer Lampe noch das Licht
der Sonne. Denn der Herr, ihr Gott, wird
über ihnen leuchten, und sie werden
herrschen in alle Ewigkeit.
22:6 Zeugnis
und Abschließende Mahnung des Sehers:
22,6-21
Und der Engel
sagte zu mir: Diese Worte sind zuverlässig
und wahr. Gott, der Herr über den Geist der
Propheten, hat seinen Engel gesandt, um
seinen Knechten zu zeigen, was bald
geschehen muß.
22:7 Siehe,
ich komme bald. Selig, wer an den
prophetischen Worten dieses Buches festhält.
22:8 Ich,
Johannes, habe dies gehört und gesehen. Und
als ich es hörte und sah, fiel ich dem
Engel, der mir dies gezeigt hatte, zu Füßen,
um ihn anzubeten.
22:9 Da sagte
er zu mir: Tu das nicht! Ich bin nur ein
Knecht wie du und deine Brüder, die
Propheten, und wie alle, die sich an die
Worte dieses Buches halten. Gott bete an!
22:10 Und er
sagte zu mir: Versiegle dieses Buch mit
seinen prophetischen Worten nicht! Denn die
Zeit ist nahe.
22:11 Wer
Unrecht tut, tue weiter Unrecht, der Unreine
bleibe unrein, der Gerechte handle weiter
gerecht, und der Heilige strebe weiter nach
Heiligkeit.
22:12 Siehe,
ich komme bald, und mit mir bringe ich den
Lohn, und ich werde jedem geben, was seinem
Werk entspricht.
22:13 Ich bin
das Alpha und das Omega, der Erste und der
Letzte, der Anfang und das Ende.
22:14 Selig,
wer sein Gewand wäscht: Er hat Anteil am
Baum des Lebens, und er wird durch die Tore
in die Stadt eintreten können.
22:15 Draußen
bleiben die «Hunde» und die Zauberer, die
Unzüchtigen und die Mörder, die
Göt-zendiener und jeder, der die Lüge liebt
und tut.
22:16 Ich,
Jesus, habe meinen Engel gesandt als Zeugen
für das, was die Gemeinden betrifft. Ich bin
die Wurzel und der Stamm Davids, der
strahlende Morgenstern.
22:17 Der
Geist und die Braut aber sagen: Komm! Wer
hört, der rufe: Komm! Wer durstig ist, der
komme. Wer will, empfange umsonst das Wasser
des Lebens.
22:18 Ich
bezeuge jedem, der die prophetischen Worte
dieses Buches hört: Wer etwas hinzufügt, dem
wird Gott die Plagen zufügen, von denen in
diesem Buch geschrieben steht.
22:19 Und wer
etwas wegnimmt von den prophetischen Worten
dieses Buches, dem wird Gott seinen Anteil
am Baum des Lebens und an der heiligen Stadt
wegnehmen, von denen in diesem Buch
geschrieben steht.
22:20 Er, der
dies bezeugt, spricht: Ja, ich komme bald. -
Amen. Komm, Herr Jesus!
22:21 Die
Gnade des Herrn Jesus sei mit allen!