Autor Thema: Gedanken von Mutter Teresa für jeden Tag  (Gelesen 33321 mal)

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Hemma

  • Gast
Re:Gedanken von Mutter Teresa für jeden Tag
« Antwort #8 am: 30. April 2011, 23:50:43 »


16.

Ich darf nicht beurteilen, wie Gott an mir handelt; ich darf nicht die Schritte zählen, die er mich machen lässt. Ich darf mich nicht danach sehnen zu wissen, wie ich auf dem Weg vorankomme, und auch nicht, wo ich auf dem Weg zur Heiligkeit stehe.
 Ich bitte ihn einfach darum, dass er mich heilig werden lässt. Wie diese Heiligkeit aussieht und welche Mittel und Wege dahin führen, darüber kann nur er befinden.

17

Bin ich überzeugt von Christi Liebe zu mir und von meiner Liebe zu ihm? Diese Überzeugung ist wie das Sonnenlicht, das den Lebenssaft fließen und die Knospen der Heiligkeit aufblühen lässt. Diese Überzeugung ist der Fels, auf dem die Heiligkeit aufbaut.
Was müssen wir tun, um zu dieser Überzeugung zu kommen? Wir müssen Jesus kennenlernen.  Jesus lieben, Jesus dienen.
Wir lernen ihn kennen durch das Gebet, die Meditation und die Erfüllung der geistlichen Übungen.
Wir lieben ihn durch die heilige Messe, die Sakramente und durch die innere Liebeseinheit.

18

Was ist unser geistliches Leben? Es ist eine Liebeseinheit mit Jesus, in der sich das Göttliche und das Menschliche vollkommen durchdringen.
Jesus möchte von mir nur, dass ich mich ihm ganz schenke in all meiner Armut und Nichtigkeit.

19

Heilig sein bedeutet: Ich werde mich von allem frei machen, was nicht Gott ist.
Ich werde mein Herz entblößen und es von allem Geschaffenen frei machen.
Ich werde in Armut und Loslösung leben.
Ich werde auf meinen Willen, meine Neigungen, meine Träume und Wünsche verzichten und ein williger Diener des Willens Gottes sein.

Ja, meine Kinder, für jeden einzelnen von uns bete ich täglich darum, dass wir Diener des Willens Gottes werden.

20

Die Kirche Gottes braucht heute Heilige.
Das erlegt uns Schwestern die große Verantwortung auf, gegen unser Ego und den Hang zur Bequemlichkeit anzukämpfen. Sonst werden wir dazu verleitet, uns für eine bequeme, unbedeutende Mittelmäßigkeit zu entscheiden.
Wir sind berufen, in unserem Leben mit Christus zu wetteifern; wir sind berufen, Krieger im Sari zu sein, denn die Kirche braucht heute Kämpfer.
Unser Schlachtruf muss lauten: Kämpfen – nicht fliehen! Und dabei mit beiden Beinen auf dem Boden bleiben.

21

Jeden Tag sollten wir mit neuer Entschlossenheit und neuem Eifer leben, als wäre es der erste Tag unserer Bekehrung.
Sagen wir: „Herr, Gott, hilf mir in meinem guten Vorsatz und in deinem heiligen Dienst, gib mir die Gnade, heute neu zu beginnen, denn was ich bislang getan habe, ist nichts.“

22

Unser Ideal ist Jesus, nichts anderes.
Wir müssen denken wie er, lieben wie er und wünschen, was er wünscht.
Wir müssen es ihm ermöglichen, uns ganz in seinen Dienst zu nehmen.
Die Demut Christi ist wunderbar: „Er war Gott gleich, hielt aber nicht daran fest, wie Gott zu sein, sondern er entäußerte sich und wurde wie ein Sklave und den Menschen gleich. Sein Leben war das eines Menschen…“ (Phil 2, 6ff)

23

Die Demut Jesu wird sichtbar in der Krippe, auf der Flucht nach Ägypten, in seinem verborgenen Leben, in der Schwierigkeit, sich den Menschen verständlich zu machen, im Hass seitens der Verfolger, in seinem entsetzlichen Leiden und dem Tod am Kreuz.
Heute zeigt sich seine Demut in seiner ständigen verborgenen Gegenwart im Tabernakel. Er hat sich zu einem kleinen Stück Brot gemacht, so dass der Priester ihn mit zwei Fingern halten kann.
Je mehr wir uns selbst leer machen, desto mehr geben wir Gott Raum, damit er uns erfüllen kann.

24

Achten wir darauf, dass weder Stolz noch Eitelkeit in unser Tun eindringen.
Unsere Arbeit ist Werk Gottes; die Armen sind die Armen Gottes.
Arbeitet für Jesus, dann wird Jesus mit euch arbeiten.
Betet mit Jesus, dann wird Jesus durch euch beten.
Je mehr ihr euch selbst vergesst, desto mehr wird Jesus an euch denken.
Je mehr ihr euch von euch selbst loslöst, desto mehr wird Jesus mit euch verbunden sein.
Gebt euch ganz unter den Einfluss Jesu, damit er in euch seine Gedanken denken kann und sein Werk durch eure Hände tun kann, denn mit ihm, der euch stärkt, werdet ihr alles tun können.

25

Die Kirche braucht „Erneuerung“.
Erneuerung meint nicht die Änderung von Gewohnheiten oder einigen Gebeten.
Erneuerung bedeutet Treue zum Geist unseres Werkes.

Streben wir nach Heiligkeit durch ein Leben der Armut, Demut und der aufrichtigen, geduldigen Liebe, durch spontane Opfer und Großherzigkeit, welche ihren Ausdruck in der Reinheit und Aufrichtigkeit findet.

26

Wenn wir beten, sollten wir Jesus immer wieder bitten:  Heilige mich, wie du heilig bist, mach mich gütig und von Herzen demütig.
Er bestand darauf: „Lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig“ (Mt 11, 29).
Wir lernen Jesus kennen durch Bibelstunden und Meditationen über das Evangelium, aber haben wir seine Demut verstanden? Fasziniert uns die Demut? Zieht sie uns an?

27

Wir sollten uns selbst gut kennen, die guten wie die schlechten Seiten.
Jeder von uns hat viel Gutes und viel Schlechtes in sich.

28

Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Kaufmann, der schöne Perlen suchte (vgl. Mt 13, 45). – Wir haben Großes versprochen, aber noch Größeres ist uns verheißen.
Seid Christus treu und betet um Standhaftigkeit.
Sagt euch immer wieder: Ich bin für Größeres geschaffen. Geht nie hinter euer Lebensideal zurück.
Gebt euch mit nichts anderem zufrieden als mit Gott.

29

Danken wir Gott für all seine Liebe zu uns, die sich so vielgestaltig und an vielen Orten zeigt.
Als Antwort auf seine Liebe und zum Zeichen dankbarer Verehrung wollen wir den Entschluss fassen, heilig zu werden, denn er ist heilig.
Jedes Mal, wenn Jesus den Menschen seine Liebe erweisen wollte, wurde er abgewiesen. Schon als seine Eltern vor seiner Geburt eine einfache Bleibe suchten, fanden sie keine.

30

Jesus tritt in unser Leben ein als das Brot des Lebens. Er gibt sich uns zur Speise, er lässt sich von uns verzehren. So sehr liebt er uns. Und er kommt in unser Leben als einer, der Hunger hat. Er hofft, dass wir ihm das Brot unseres Lebens, unseres liebenden Herzens und unserer dienenden Hände geben.
Wenn wir lieben und dienen, bezeugen wir, dass wir als Abbild Gottes geschaffen sind. Denn Gott ist die Liebe, und wenn wir lieben, sind wir ihm ähnlich.
Das meinte Jesus, als er sagte: „Ihr sollt…vollkommen sein, wie es auch euer himmlischer Vater ist“ (Mt 5, 48).

Hemma

  • Gast
Re:Gedanken von Mutter Teresa für jeden Tag
« Antwort #9 am: 21. Mai 2011, 21:54:25 »


Mai


1

Wir müssen eine tiefe Liebe zu Marie haben, denn sie war es, die Jesus lehrte zu gehen, zu beten, sich zu waschen, all die Kleinigkeiten zu tun, die unser menschliches Leben verschönern. Sicher hat sie ihm all das beigebracht. Und so wird es auch heute sein: Sie ist immer bereit uns zu helfen.
Sie lehrt uns, ganz allein Jesus zu gehören, nur ihn zu lieben, ihn zu erkennen, wenn er sich im Leid verbirgt, ihn zu  berühren und ihm zu dienen.

2

Maria war eine echte Missionarin. Sie fürchtete sich nicht, die Magd des Herrn zu sein. Eilends machte sie sich auf den Weg zu Elisabeth, um für sie die Arbeit einer Magd zu verrichten.
Marias Demut wurde konkrete Liebe. Wir wissen, wie das Kind in Elisabeths Schoß darauf reagierte: Es hüpfte vor Freude in ihrem Leib (vgl. Lk 1, 41.44).
Es war das erste Geschöpf, das Christi Kommen erkannte. Die Mutter des Herrn sang daraufhin voll Freude und Dankbarkeit das Magnifikat als Lobpreis auf den Herrn.

3

Marias Größe besteht in ihrer Demut. Es ist kein Wunder, dass Jesus, der in ihrer Nähe aufwuchs, so sehr darauf bedacht ist, dass wir von ihm und seiner Mutter dieses Eine lernen: gütig und demütig von Herzen zu sein.

4

Niemand hat so wie Maria verstanden, was Demut ist. Als Magd des Herrn war sie ganz leer von sich selbst, und Gott erfüllte sie mit Gnade.
„Voll der Gnade“ bedeutet voll von Gott. Eine Magd steht ihrem Herrn ganz zur Verfügung, sie lässt sich von ihm voll Vertrauen und Freude in Dienst nehmen, wie er will. Sie gehört ihm ohne Vorbehalt. Dies ist ein Kernpunkt der Spiritualität unserer Gemeinschaft.

5

Ganzhingabe – das ist Verfügbarkeit für Gott, die Bereitschaft, sich von ihm in Dienst nehmen zu lassen, wie er will, seine Magd zu sein, ihm zu gehören.

6

Maria lehrt uns durch ihr Beispiel, was Demut ist. Sie, die Mutter Gottes, dient im Haus der Elisabeth wie eine Magd.
Sie, die ohne Erbschuld Empfangene, ist bei Jesus, als er gedemütigt wird und das Kreuz trägt; sie steht unter dem Kreuz als eine von uns, wie eine Sünderin, die der Erlösung bedarf.

7

Maria ähnlich sein… Je größer die Gnade ist, die wir empfangen haben, mit desto größerer und feinfühligerer Liebe  sollten wir die Leprakranken berühren und für die Sterbenden, die Einsamen und Ausgestoßenen da sein.
Ihr ähnlich sein… Nehmen wir wie sie immer das Kreuz an, in welcher Form es uns auch trifft.

8

Möge mein Herz erfüllt werden von der Demut Marias.

"Maria lehre mich, wie du Jesus gelehrt hast, gütig und demütig von Herzen zu sein und so unseren Vater im Himmel zu ehren."

9

Maria gehorcht dem Engel: „Mir geschehe, wie du es gesagt hast“ (Lk 1, 38). Wie der Engel gesagt hat… Das Wort des Engels steht hier für das Wort Gottes. Gott hat ihn zu Maria gesandt. Und sie, die Himmelskönigin, gehorcht dem Engel.
Maria gehorcht auch dem heiligen Josef, ordnet sich ihm mit großer Liebe unter. Sie rechtfertigt sich nicht. Sie sah im heiligen Josef IHN, dessen Platz er übernommen hatte.

10

Im Evangelium lesen wir, dass Gott die Welt so sehr geliebt hat, dass er seinen einzigen Sohn hingab (vgl. Joh 3, 16).
Er gab ihn einer jungen, einfachen Frau aus dem Volk. Sie war das reinste, das heiligste menschliche Geschöpf.
Und sie sagte, als sie ihn empfing (sie wusste, wer er war): „Ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast“ (Lk 1, 38).
Mutter Jesu sollte sie werden. Deshalb sage ich oft: Niemand auf der Welt hätte ein besserer Priester sein können als Maria, die reinste Jungfrau. Und doch blieb sie die Magd des Herrn. Jesus hat sie nicht zum Priester geweiht.

11

Bitten wir in dieser Zeit Maria, dass sie uns ihr Schweigen, ihre Freundlichkeit und ihre Demut lehre.
Maria, dein Schweigen soll zu mir sprechen und mich lehren, mit dir und wie du alles im Herrn zu bewahren, nichts zu erwidern, wenn ich angeschuldigt oder zurechtgewiesen werde, sondern allzeit in der Stille des Herzens zu beten wie du.

12

Bitten wir Maria, bei uns zu sein. Bitten wir sie, uns ihr wundervolles, reines, unbeflecktes Herz zu schenken – ein Herz voller Liebe und Demut, ein Herz, das bereit ist, Jesus als Brot des Lebens zu empfangen, das ihn liebt, wie Maria ihn geliebt hat, und ihm dient in der Gestalt der Leidenden und Armen.

13

Wir alle haben auf die eine oder andere Weise versucht, eine Freude für Maria zu sein. Im Laufe des Tages nennen wir sie oft „Ursache unserer Freude“. Die Freude ihres Sohnes ist unsere Kraft.
Versprechen wir, aus unserer Gemeinschaft ein „zweites Bethlehem“ zu machen, ein „zweites Nazareth“.
Lieben wir einander, wie wir Jesus lieben.
Das Haus von Nazareth war geprägt von Liebe, Einfachheit, Gebet, Opfer, harter Arbeit und besonders von großem Verständnis und gegenseitiger Wertschätzung; jeder war auf den anderen bedacht.

14

Wir brauchen ein tiefes Gebetsleben, um so lieben zu können, wie Jesus jeden von uns liebt.

Bitten wir Maria: "Liebe Mutter, lehre mich lieben und mach mich dazu bereit".

Es genügt nicht, Priester, Ordensbruder oder Ordensschwester zu werden. Wir müssen immer demütiger werden, wie Maria, und heilig wie Jesus. Wären wir demütig wie Maria, dann könnten wir heilig werden wie Jesus. Und das ist alles: heilig werden wie Jesus.

15

Weil Gott die Welt liebt, sandte er seinen Sohn.
Jetzt sendet er euch, damit ihr sein Wort seid. Es muss „Fleisch werden“ in den Herzen der Menschen. Deshalb braucht ihr die Hilfe der Muttergottes.
Als das Wort Gottes zu ihr kam und in ihr Mensch wurde, da gab sie es den anderen weiter.
Bei euch soll es ebenso sein: Das Wort Gottes ist zu euch gekommen und in euch „Fleisch geworden“. Jetzt müsst ihr lernen, seine Liebe weiter zu schenken.

Hemma

  • Gast
Re:Gedanken von Mutter Teresa für jeden Tag
« Antwort #10 am: 21. Mai 2011, 23:22:57 »


16

Im Geheimnis der Verkündigung und bei ihrem Besuch bei Elisabeth steht Maria vor uns als Vorbild. Sie hat Jesus in ihr Leben aufgenommen, dann machte sie sich eilends auf den Weg zu ihrer Kusine Elisabeth.
Was sie empfangen hatte, musste sie weitergeben.

Wie Maria sollt auch ihr das Wort, das ihr in der Meditation empfangen habt, sofort weiterschenken.

In der Eucharistie nimmt Jesus, das Wort Gottes, Fleisch an in unserem Leben – dies ist ein ganz besonders, kostbares Geschenk Gottes.

Warum ausgerechnet ihr und nicht andere berufen sind, Brüder des Göttlichen Wortes zu sein, weiß ich nicht. Aber ihr müsst dieses Geschenk sorgsam bewahren, denn er, das WORT, möchte „Fleisch werden“ in euch und in denen, die euch folgen.

17

Jesus möchte, dass wir heilig sind, wie sein Vater heilig ist. Wir können große Heilige werden, wenn wir es nur wollen. Heiligkeit ist nicht ein Luxus für wenige, sondern eine Pflicht für euch wie für mich.

18

Während wir uns auf das Kommen des Heiligen Geistes vorbereiten, bete ich für euch, dass der Heilige Geist euch mit seiner Reinheit erfülle, damit ihr in einander und in den Armen, denen ihr dient, das Antlitz Gottes sehen könnt.
Ich bitte den Heiligen Geist, euch von aller Unreinheit zu befreien, den Leib, die Seele, den Verstand, den Willen und das Herz, damit jeder von euch ein lebendiger Tabernakel Gottes wird und den Menschen seine Liebe und Barmherzigkeit bringen kann.

Bittet den Heiligen Geist, dass er euch zu Sündern ohne Sünde macht.

19

Wir wollen dieses Jahr zu einem ganz besonderes Jahr des Friedens machen. Deshalb werden wir mehr zu Gott und mit Gott sprechen und weniger mit den Menschen und zu den Menschen.
Verkünden wir den Frieden Christi, wie er es getan hat.
Er zog umher und tat Gutes (vgl. Apg 10, 38). Er ließ nicht von den Werken der Barmherzigkeit ab, als die Pharisäer und andere ihn hassten oder versuchten, das Werk des Vaters zu zerstören. Er zog weiter umher und tat Gutes.

Kardinal Newman schreibt:
 „Hilf mir, deinen Wohlgeruch zu verbreiten, wo immer ich hinkomme. Gib, dass ich dich verkünde, ohne zu predigen; nicht mit Worten, sondern durch mein Beispiel.“

20

Damit unser Leben Frucht bringt, müssen wir von Christus erfüllt sein. Wir können seinen Frieden, seine Freude und seine Liebe nur dann weitergeben, wenn wir selbst davon erfüllt sind. Denn wir können nicht geben, was wir  nicht haben; sonst wären wir Blinde, die einen Blinden führen.

Die Armen in den Slums sind ohne Jesus, und wir haben das Vorrecht, in ihre Häuser kommen zu dürfen. Was sie von uns denken, spielt keine Rolle, es kommt darauf an, was wir für sie sind.
In die Slums zu gehen, bloß um etwas zu tun, genügt nicht; dadurch allein können wir die Armen nicht zu Jesus führen.

Wenn du mit dir selbst und deinen Dingen beschäftigt bist, wirst du unser Ideal nicht leben können.

21

Wenn ihr den Leuten ein entstelltes Bild von Christus gebt, einen zerteilten, lahmen, gekrümmten Christus, dann werden sie nur dieses Bild vor Augen haben.
Wenn ihr dagegen möchtet, dass sie ihn lieben, müssen sie ihn lieben, müssen sie ihn zuvor kennenlernen.

Zeigt den Menschen – zunächst den Schwestern, dann den Bewohnern der Slums – den ganzen Christus; einen Christus voller Eifer, Liebe, Freude und Sonnenschein.

Fragen wir uns: Komme ich diesem Ziel näher? Oder bin ich ein dunkles Licht, ein falsches Licht, eine Lampe ohne Strom, die kein Licht ausstrahlt?
Unser Herz soll ein strahlendes Licht sein.

Bitten wir Jesus: „Hilf mir, deinen Wohlgeruch zu verbreiten, wo ich auch hingehe.“ Das ist unsere Aufgabe, und deshalb nennt man uns Schwestern der Slums, Träger der Liebe Christi.

22

Die Schwestern sollten in den Slums einen Platz finden, wo sie mit den Kindern von den Straßen zusammenkommen können, wer sie auch sind.
Zuerst sollen sie sich darum kümmern, dass die Kinder sauber sind und zu essen haben, dann bringen sie ihnen ein wenig Lesen und Schreiben bei.
Über die Religion sollten sie zu ihnen auf ganz einfache, interessante Weise sprechen.
Das, was die Schwestern unterrichten, soll den Kindern Freude machen und zugleich lehrreich sein.

23

Es ist gut, wenn die Schwestern die Kinder zur Messe bringen. Setzt euch nach Kräften dafür ein, dass sie zur Messe kommen.
Wenn ihr euch für ein Kind einsetzt, obwohl es Mühe kostet, wird Gott ihm in seiner grenzenlosen Barmherzigkeit Licht und Gnade schenken – wegen all der Mühe, die ihr aufgewendet habt.
Verliert nie die Barmherzigkeit Gottes aus den Augen.
Nehmt die Mühe auf euch, in den Kindern die Liebe zur Messe zu wecken. Helft ihnen, die Bedeutung der Messe zu verstehen und sich mit einfachen Gebeten und Liedern an der Feier zu beteiligen. Achtet darauf, wie ihr die Kinder während der Messe ermahnt. Weist sie nicht laut zurecht. Faltet eure Hände und stimmt selbst in die Gebete und Lieder ein. Die Kinder werden genau das tun, was ihr tut.

24

Bei ihren Besuchen in den Familien regen die Schwestern die Verehrung des heiligsten Herzens Jesu und das Rosenkranzgebet an.
Sie sollten die katholischen Familien davon überzeugen, sich dem heiligsten Herzen Jesu und dem unbefleckten Herzen Marias zu weihen.

Wir müssen unser Möglichstes tun, damit die Familien vereint bleiben. Erinnern wir uns, dass „eine Familie, die zusammen betet, zusammenhält“. Es gibt so viele zerrüttete Familien, so viele Eheleute, die sich getrennt haben.
Lehrt sie, dass man ohne Gebet nicht das Glück findet. Auch im hohen Alter ist man nicht vor Versuchungen gefeit.

25

Überall in der Welt herrscht großes Leid, ein schrecklicher Hunger nach Liebe. Beten wir in unseren Familien, beten wir mit den Kindern. Lehrt sie beten. Denn ein Kind, das betet, ist ein glückliches Kind. Eine Familie, die betet, ist eine glückliche Familie.

26

Wenn ihr die Familien besucht, werdet ihr mit viel Elend konfrontiert.
Ihr werdet manchmal ein kleines Kind treffen, das zusieht, wie der Vater stirbt, oder den Kopf der toten Mutter hält.
In solchen Augenblicken müsst ihr alle Kraft aufbringen, um dem Kind in seinem Leid beizustehen.

Einmal hat man zwei Kinder neben ihrem Vater gefunden, der schon zwei Tage tot war. Gott sei Dank kamen die Schwestern, standen den Kindern bei und verhalfen dem Vater zu einem würdigen Begräbnis.

27

Unser Bischof hat seine Zustimmung dazu gegeben, dass wir die Sterbenden taufen.
Nirmal Hriday, das Haus für die Sterbenden in Kalkutta, ist kein Selbstzweck. Wenn es nur darum ginge, die Leute zu waschen und zu pflegen, würden wir das Haus noch heute schließen. Aber weil es die Möglichkeit bietet, zum Herzen der Menschen zu gelangen, ist es von größter Bedeutung. In Nirmal Hriday verstehen wir besser den Wert einer Seele.

28

Vor einiger Zeit fand ich auf der Straße einen Mann, der von Schmutz und Würmern bedeckt war. Die Würmer hatten ihn praktisch bei lebendigem Leib aufgefressen, sie krochen überall auf seinem Leib. Nur sein Gesicht war nicht davon befallen.
Ich nahm ihn mit zu unserem Haus. Er sagte: „Wie ein Tier habe ich auf der Straße gelebt. Nun werde ich wie ein Engel sterben, geliebt und umsorgt.“

Wir brauchten drei Stunden, um ihn zu säubern und die Würmer von seinem Leib zu entfernen. Dann sagte er: „Schwester, ich gehe nun heim zu Gott“ und starb.
Er ging wirklich heim zu Gott, mit einem wunderschönen Lächeln auf seinem Gesicht. Ich habe nie ein Lächeln wie dieses gesehen.

Der Mann hatte wie ein Tier auf der Straße gelebt. Und doch hatte er  Mut. Er freute sich. Sein Gesicht strahlte Frieden und Freude aus, weil jemand ihn liebte, ihn annahm und ihm half, im Frieden mit Gott zu sterben.

29

Neulich schrieb mir ein Mann aus Brasilien, eine hohe Persönlichkeit, dass er den Glauben an Gott und die Menschen verloren habe.
Er hatte seine Stellung aufgegeben und wollte Selbstmord begehen.
Eines Tages kam er an einem Geschäft vorbei; im Schaufenster fiel sein Blick auf einen Fernseher, in dem gerade die Schwestern sich um die Kranken und Sterbenden kümmerten.
Er schrieb mir, er habe sich danach hingekniet und zum ersten Mal seit vielen Jahren gebetet. Nun hat er sich entschieden, zu Gott zurückzukehren.
Er hat den Glauben die Menschheit wiedergefunden, weil er gesehen hat, dass Gott die Welt immer noch liebt.

30

Allein die Tatsache, dass Gott euch einen bestimmten Menschen über den Weg schickt, ist ein Zeichen, dass Gott etwas für ihn tun möchte. Es ist kein Zufall, sondern eine Fügung Gottes.
Wir müssen uns im Gewissen verpflichtet wissen, für diesen Menschen da zu sein.
Wenn sich jemand nach Gott sehnt, hat er ein Recht darauf, den Weg kennen zu lernen, um zu ihm zu gelangen. Niemand darf ihn daran hindern.
Schaut auf das Kreuz, und ihr werdet verstehen, wie viel jeder einzelne für Jesus bedeutet.

31

Der Eifer für die Seelen ist Frucht und Zeichen wahrer Gottesliebe.
Der Wunsch, Menschen zu Gott zu führen, muss uns verzehren.
Nichts liegt Jesus so sehr am Herzen, wie das Heil der Menschen. In diesem Eifer erweist sich unsere Liebe, und diese muss sich in der Hingabe unseres Lebens und im Einsatz all unserer Kräfte als echt erweisen.

Hemma

  • Gast
Re:Gedanken von Mutter Teresa für jeden Tag
« Antwort #11 am: 12. Juni 2011, 17:40:40 »


Juni


1

Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit all deinen Gedanken“ (Mt 22,37).

Das ist das Gebot unseres unendlich großen Gottes. Er wird von uns sicher nichts Unmögliches verlangen. Liebe ist wie eine Frucht, die in jeder Jahreszeit reift und die jedermann pflücken kann.
Jeder kann lieben, da gibt es keine Ausnahmen.

Man findet zur Liebe durch Meditation, Gebet,  Opfer und ein tiefes inneres Leben. Sind wir wirklich davon geprägt?

2

Ich möchte, dass eure Herzen mit einer großen Liebe erfüllt sind. Glaubt nicht, dass eine echte, brennende Liebe etwas Außergewöhnliches ist.
Nein, es kommt nur darauf an, dass wir beständig den Wunsch haben, den zu lieben, der uns liebt.

3

Um Gott zu besitzen, müssen wir ihm erlauben, von unserer Seele Besitz zu ergreifen. Wie arm wären wir, wenn Gott uns nicht die Kraft gegeben hätte, uns ihm zu schenken! Und wie reich sind wir jetzt? Wie leicht ist es, Gott zu erobern!
Wenn wir uns ihm schenken, dann gehört Gott uns, und nichts gehört uns mehr als er.
Die Münze, mit der Gott unsere Hingabe entlohnt, ist er selbst. Wir werden würdig, ihn zu besitzen, wenn wir uns ganz und gar ihm überlassen.

4

Sich Gott hingeben heißt, sich ihm ganz schenken. Wir müssen uns ihm ganz schenken, denn Gott hat sich uns ganz geschenkt.
Wenn Gott uns nichts schuldet und bereit ist, uns nichts weniger als sich selbst zu geben, können wir dann als Antwort darauf nur einen Teil von uns geben?
Müssen wir uns ihm nicht ganz geben, um Gott selbst aufnehmen zu können?

Ich für Gott, Gott für mich. Ich lebe für ihn und gebe mich selbst auf, und so lebt Gott in mir.

5

Hingabe an Gott bedeutet, ihm meinen freien Willen, mein Denken, mein ganzes Leben anzubieten in einem freien Akt des Glaubens.
Meine Seele ist vielleicht in der Dunkelheit. Doch gerade in Prüfungen und Leiden erweist sich meine uneingeschränkte Hingabe.

6

Sich Gott hingeben bedeutet wirklich lieben.
Je mehr wir uns ihm ergeben, desto mehr lieben wir Gott und die Menschen.
Wenn wir die Menschen wirklich lieben, müssen wir bereit sein, an ihre Stelle ihre Sünden auf uns zu nehmen und sie zu tilgen durch Buße und ständige Abtötung.
Wir müssen ein lebendiges Opfer sein, denn das ist es, was die Menschen brauchen.

7

Gottes Liebe kennt keine Grenzen. Sie ist ohne Maß, und ihre Tiefe ist nicht auszuloten. Jesus zeigte es uns in seinem Leben und Sterben. Deshalb darf auch unsere Liebe keine Grenzen kennen:
Wir müssen bereit sein, uns ganz Gott zu schenken und seine verschmähte Liebe zu sühnen, das heißt, uns aufzuopfern für die Menschen, die seine Liebe angelehnt haben.

8

Die Liebe ist wie ein Gewand, dessen Saum den Schmutz berührt und Straßen und Gassen sauber fegt. Da sie dies kann, muss sie es auch tun.
Eine Missionarin der Nächstenliebe, die diesen Namen verdient, muss voll Liebe sein und diese Liebe auf andere überströmen lassen, ob sie Christen sind oder nicht.

9

Machen wir uns heute neu bewusst, wie sehr Gott jeden von uns liebt.
Seine Liebe ist voll Zärtlichkeit. Seine Liebe ist so groß, so echt und lebendig, dass Jesus kam, um uns zu lehren, wie man liebt. Die Liebe erkaltet nie, sie bleibt immer lebendig.
Die Werke der Liebe, die unsere Liebe zum Ausdruck bringen, sind ein Weg zum Frieden.
Und wo beginnt diese Liebe? In unserem Herzen!

Wir müssen uns bewusst sein, dass wir für etwas Großes geschaffen sind, nicht dafür, eine Nummer in der Welt zu sein und auch nicht dafür, akademische Grade und Titel zu erwerben oder diese oder jene Arbeit zu tun.
Wir sind geschaffen, um zu lieben und geliebt zu werden.

10

Immer wieder hören wir diesen Satz aus dem Evangelium: „Wenn ihr nicht… wie die Kinder werdet, könnt ihr nicht in das Himmelreich kommen“ (Mt 18,31).

Wie ein Kind sein heißt, ein reines Herz haben, ein Herz, das Jesus in sich trägt und ihm immer wieder sagt: Jesus, du bist in mir, ich glaube an deine große Liebe zu mir. Ich liebe dich.
Ein solches Herz brauchen wir, auch die Jüngsten. Dann können wir zum Kreuz aufblicken und werden verstehen, wie sehr Jesus mich geliebt hat, jeden einzelnen von uns.

11

Unser Glaube ist ein Evangelium der Liebe. Es offenbart uns Gottes Liebe zu den Menschen und verlangt als Antwort die Liebe der Menschen zu Gott. „Gott ist Liebe“ (1 Joh 4,();
Eine Missionarin der Nächstenliebe muss deshalb die Liebe bezeugen.
Wir müssen Gottes Liebe auf der Erde verbreiten, wenn wir möchten, dass die Menschen aus ganzem Herzen ihre Schuld bereuen, dass sie in der Versuchung stark werden, dass sie an Großherzigkeit wachsen und  immer mehr wünschen, für Christus zu leiden.
Wir sollten unter den Menschen ein sichtbarer Ausdruck der Liebe Christi sein.
Denken wir an die Worte aus der Nachfolge Christi:
„Die Liebe spürt keine Bürde, misst keine Mühe, möchte mehr tun, als sie kann. Sie klagt nicht über das Unmögliche, weil sie glaubt, dass sie alles tun darf und tun kann. Wenn sie müde ist, ist sie doch nicht erdrückt; wenn sie gefordert wird, erleidet sie keinen Zwang; wenn sie verängstigt ist, lässt sie sich nicht verwirren. Wie eine lebendig Flamme  wie eine brennende Fackel seigt sie empor und überwindet alle Widerstände.“

12

Bei unserer Arbeit kann es vorkommen, dass wir uns zu eitlen Unterhaltungen oder unnützem Gerede verleiten lassen. Seien wir auf der Hut, dass dies nicht auch bei unseren Besuchen in den Familien geschieht.
Es könnte sein, dass wir über die persönlichen Angelegenheiten von diesem oder jenem reden und den eigentlichen Grund unseres Besuches vergessen.
Wir kommen, um den Frieden Christi zu bringen, wie können wir da Unruhe stiften?
Wie sehr muss ein solches Verhalten unseren Herrn schmerzen!
Nie dürfen wir zulassen, dass Leute schlecht über Priester, Ordensleute, ihre Nachbarn oder andere reden.

13

Wenn wir in eine Familie kommen, in der die Stimmung getrübt ist und es vielleicht bald zu Lieblosigkeiten kommen wird, dann beten wir inständig für diese Menschen und geben ihnen einige Anstöße, mehr an Gott zu denken; dann gehen wir gleich weg. Solange der Friede nicht zurückgekehrt ist, können wir nichts Gutes tun. Ebenso müssen wir mit denen umgehen, die nur mit uns reden wollen und uns um unsere kostbare Zeit bringen.

14

Die Liebe beginnt zu Hause.
Alles hängt davon ab, wie sehr wir einander lieben.

Sorgt dafür, dass eure Gemeinschaften in dieser Liebe leben! Verbreitet überall, wo ihr hinkommt, den Duft der Liebe Jesu.
Fürchte euch nicht, zu lieben, bis es weh tut, denn auch Jesus hat so geliebt.

15

Seid freundlich und liebenswürdig zueinander, denn ihr könnt nicht Christus in der Gestalt des Armen lieben, wenn ihr nicht Christus im Herzen der Brüder und Schwestern liebt.

Die Liebe ist nur lebendig, wenn sie im Opfer wurzelt.

Seid großzügig in den Bußübungen und all den Opfern, die unsere Armut mit sich bringt.
Dann könnt ihr aufrichtig und ehrlich sagen: Mein Gott und mein alles.

Hemma

  • Gast
Re:Gedanken von Mutter Teresa für jeden Tag
« Antwort #12 am: 13. Juli 2011, 15:30:09 »

Liebe Freunde von Mutter Teresa!

Leider habe ich mich mit den Abschriften aus dem Buch "Gedanken von Mutter Teresa" verspätet, aber nun ist es mir möglich diese wieder fortzusetzen. :D


16

Je mehr ich in der Welt herumkomme, desto besser verstehe ich, wie notwendig es für uns ist, dass unsere Arbeit Gebet wird, Ausdruck unserer Liebe zu Gott. Dies ist nur möglich, wenn wir uns Gott ganz schenken, unserem Vorgesetzten und einander in Liebe vertrauen und den Armen mit Freude begegnen.

17

Es ist nicht möglich, sich im direkten Apostolat einzusetzen, ohne zu beten, ohne den Willen Gottes zu erforschen und sich ihm zu unterwerfen.

18

Wir müssen heilig werden – nicht, weil wir uns als Heilige fühlen wollen, sondern damit Christus in Fülle in uns leben kann.
Wir müssen ganz Liebe, Glaube, Reinheit sein – aus Liebe zu den Armen, denen wir dienen.
Wenn wir einmal gelernt haben, zuerst Gott und seinen Willen zu suchen, dann führen die Begegnungen mit den Armen uns und andere zu großer Heiligkeit.
Heiligkeit ist Einheit mit Gott; im Gebet wie im Tun kommen wir von Gott zu Christus und gehen durch Christus zu Gott.

19

Die heilige Margareta Maria Alacoque stellte eines Tages Jesus die Frage:
„Herr, was möchtest du, das ich tue?“
- Gib mir freie Hand“, antwortete Jesus.
Er wird das göttliche Werk der Heiligung vollbringen, nicht ihr. Er bittet nur um eure Fügsamkeit.
Lasst euch von ihm leer machen und zurechtweisen.
-   Er füllt dann den Kelch eures Herzens bis zum Rand, damit ihr von eurer Fülle weitergeben könnt.
-   Schaut auf ihn im Tabernakel; richtet eure Augen auf ihn, der das Licht ist;
-   bringt eure Herzen zu seinem göttlichen Herzen;
-   bittet ihn um die Gnade, ihn kennenzulernen, um die Liebe zu ihm und um den Mut, ihm zu dienen.
Sucht ihn mit Eifer.

20

Von jeher haben die Menschen die Notwendigkeit verspürt, Gott Opfer darzubringen, doch – wie Paulus sagt - , das Blut von Stieren und Böcken kann unmöglich Sünden wegnehmen“ (Hebr 10,4).
Deshalb musste Christus ein anderes Opfer darbringen: sich selbst.
Jesus, der am Kreuz stirbt, ist unser Opfer.

Denken wir nicht, die heilige Messe sei nur ein Gedächtnis. Nein, sie ist auch das Opfer, das Jesus am Kreuz darbrachte.

Es ist sehr tröstlich, dass dieses Opfer auch unser Opfer ist.

21

Bemüht euch, in der Liebe zum eucharistischen und zum leidenden Christus zu wachsen, indem ihr mit Freude die kleinen tagtäglichen Opfer annehmt. Vernachlässigt diese kleinen Geschenke nicht, denn sie sind sehr wertvoll für euch und für andere.

22

Wenn wir Christus kennenlernen, ihn entdecken in der Gestalt der Armen, werden wir zu einer persönlichen Liebe zu ihm finden.
Diese Liebe wird uns aber nur dann Licht und Freude schenken, wenn sie zu frohem gegenseitigem Dienst wird.

Vergesst nicht, dass wir einander brauchen. Unser Leben wäre leer ohne die Beziehung untereinander.
Wie können wir Gott und seine Armen lieben, wenn wir nicht die lieben, mit denen wir Tag für Tag zusammen leben und das Brot brechen?

23

Voller Zärtlichkeit und Liebe sagt Jesus, der sich uns in der heiligen Kommunion schenkt:
„Mein Fleisch ist wirklich eine Speise, und mein Blut ist wirklich ein Trank. Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir und ich in ihm“ (Joh 6, 55).
Könnte Jesus mehr für mich tun, als mir sein Fleisch zur Speise zu geben?

24

Die heilige Kommunion ist, wie das Wort sagt, innigste Vereinigung von Jesus mit unserer Seele und unserem Leib. Wenn wir uns nach dem Leben sehnen und es in größerer Fülle haben möchten, müssen wir aus dem Fleisch unseres Herrn leben.
Die Heiligen haben das verstanden; sie verbrachten oft Stunden damit, sich auf die Kommunion vorzubereiten, und noch längere Zeit mit der Danksagung.
Dies bedarf keiner Erklärung, denn wer kann „die Tiefe des Reichtums, der Weisheit und der Erkenntnis Gottes“ (Röm 11, 339 ermessen?
Paulus schrieb: „Wie unergründlich sind seine Entscheidungen, wie unerforschlich seine Wege! Denn wer hat die Gedanken des Herrn erkannt?“ (Röm 11, 33 f)

25

Wenn ihr das Brot des Lebens empfangen habt und mit Christus in eurem Herzen sprecht, dann denkt daran, was Maria empfunden haben muss, als sie vom Heiligen Geist überschattet wurde und den Leib Christi empfing.
Der Geist war so mächtig in ihr, dass sie sich eilends aufmachte, um zu dienen.

26

In der Heiligen Schrift lesen wir, wie feinfühlig Gottes Liebe ist.
So sehr hat er die Welt geliebt, dass er seinen Sohn sandte. Jesus wurde einer von uns, er brachte uns die frohe Botschaft, dass Gott Liebe ist, dass Gott dich
und mich liebt.

Gott möchte, dass wir einander lieben, wie er jeden von uns liebt.

Wenn wir auf das Kreuz blicken, verstehen wir, wie sehr Jesus uns geliebt hat.
Und wenn wir auf die Eucharistie schauen, verstehen wir, wie sehr er uns jetzt liebt.

Er macht sich zum Brot des Lebens, um unseren Hunger nach seiner Liebe zu stillen. Und, als würde ihm das noch nicht genügen, macht er sich zum Hungernden, zum Nackten, zum Heimatlosen, damit wir die Möglichkeit haben, seinen Hunger nach unserer Liebe zu stillen.
Denn dazu sind wir geschaffen zu lieben und geliebt zu werden.

27

Wo wird euch die Freude der Liebe zuteil?
In der Eucharistie, in der heiligen Kommunion.
Jesus hat sich zum Brot des Lebens gemacht, um uns das Leben zu geben. Bei Tag und bei Nacht ist er da.

Wenn ihr wirklich in der Liebe wachsen wollt, dann geht zur Eucharistie, haltet Anbetung.

In unserer Kongregation hielten wir früher wöchentlich eine Stunde Anbetung; 1973 beschlossen wir, jeden Tag eine Stunde Anbetung zu halten.
Wir haben viel Arbeit. Unsere Häuser für die Armen, Kranken und Sterbenden sind überall voll.
Seit wir jeden Tag Anbetung halten, ist unser Liebe zu Jesus inniger geworden, unsere Liebe füreinander verständnisvoller, unsere Liebe zu den Armen mitfühlender, und die Zahl der Berufungen hat sich verdoppelt.

28

Betrachtet Jesus im Tabernakel.
Versteht ihr, was diese Liebe uns heute bedeutet?
Ist unser Herz so rein, dass wir dort Jesus erkennen?
Jesus hat sich zum Brot des Lebens gemacht, damit wir ihn leichter erkennen können, damit wir das Leben empfangen, ein Leben im Frieden und in der Freude.
Findet ihr Jesus, findet ihr den Frieden.

29

Jeder Augenblick des Gebets, besonders vor unserem Herrn im Tabernakel, ist immer ein Gewinn.
Die Zeit, die wir mit diesem täglichen Gespräch mit Gott verbringen, ist der kostbarste Teil des Tages.

30

Um heilig zu werden, brauchen wir die Demut und das Gebet.
Jesus lehrte uns beten und sagte uns, wir sollten von ihm lernen, gütig und von Herzen demütig zu sein.
Beides können wir erst dann, wenn wir wissen, was Schweigen ist.
Sowohl in der Demut als auch im Gebet kommen wir voran, wenn die Gedanken und die Zunge schweigen, wenn man in der Stille mit Gott lebt, denn in der Stille des Herzens spricht Gott.

Hemma

  • Gast
Re:Gedanken von Mutter Teresa für jeden Tag
« Antwort #13 am: 07. August 2011, 01:14:23 »


August

1

Da Jesus uns so sehr liebte, nahm er das Kreuz auf sich. Die Sünde hat dies verursacht, unsere Sünde und die Sünden der Welt.
So ist es noch immer. Wären wir so rein wie Engel und so aufrichtig wie Heilige, dann wären die Missionarinnen der Nächstenliebe überflüssig.

Gott wird von den Menschen, die er zur höchsten Würde der Gotteskindschaft erhoben hat, nicht so geliebt und geehrt, wie er sollte.
Gott sucht Menschen, die sich in die Kluft, die zwischen ihm und uns liegt, hineinstellen, vor ihn hintreten und ihn im Namen des Menschengeschlechtes bitten, es zu verschonen.
Wir Missionarinnen der Nächstenliebe möchten diesen Platz einnehmen; deshalb freuen wir uns über das, was wir von Natur aus ablehnen würden. Wir tun alles, was in unseren Kräften steht, damit Gott die Undankbarkeit der Menschen seiner grenzenlosen Liebe gegenüber vergisst und an sein Erbarmen denkt.
Jesus hängt vor uns am Kreuz und schreit: „Mich dürstet!“ (Joh 19, 28).
Wir sollen seinen Durst stillen; dafür tun wir Missionarinnen der Nächstenliebe auch Dinge, die der Welt als Torheit erscheinen. Wir dürfen uns glücklich schätzen, wenn wir ein wenig an der Kreuzesnachfolge teilhaben.

2

Seht, welches Mitleid Christus mit Judas hat, mit dem Mann, der so viel Liebe erhalten und doch seinen eigenen Meister verraten hat.
Jesus hat das heilige Schweigen gewahrt und ihn nicht seinen Gefährten verraten. Er hätte ja auch in der Öffentlichkeit von Judas sprechen und seine verborgenen Pläne offen legen können. Er tat es nicht. Vielmehr zeigte er Erbarmen und Liebe; statt ihn zu verurteilen, nannte er ihn einen Freund.
Wenn Judas Jesus in die Augen geschaut hätte wie Petrus, dann wäre Judas heute ein Freund Gottes. Denn Jesus hatte immer Mitleid.

3

Jesus ist das Licht.
Jesus hat die Wahrheit.
Jesus ist das Leben.
Auch wir müssen
das Licht der Liebe,
die Wahrheit der Demut,
gelebte Heiligkeit sein.

4

Unsere Werke der Liebe sind nichts anderes als Werke des Friedens.
Wir wollen sie mit größerer Liebe und mehr Einsatz tun, jeder in seiner alltäglichen Arbeit; zu Hause, in der Nachbarschaft, überall ist es derselbe Christus, der sagt:
Ich war hungrig – nicht nur an Nahrung, sondern auch nach Frieden, der aus einem reinen Herzen kommt.
Ich war durstig – nicht nach dem Wasser, sondern nach Frieden, der den Kriegsdurst stillt.
Ich war nackt – es fehlte mir nicht an Kleidung, aber ich kannte nicht die wunderbare Würde der Männer und Frauen und hatte keine Achtung vor ihrem Leib.
Ich war heimatlos – ich hatte zwar ein Obdach aus Stein, aber mir fehlte ein Herz, das versteht, das zudeckt und liebt.

5

Die Liebe ist nur echt, wenn sie weh tut.
Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab. Sein Sohn hat die Welt so sehr geliebt, dass er sein Leben hingab.
Jesus sagte (vgl. Joh 15, 9): Wie der Vater mich geliebt hat (indem er mich der Welt geschenkt hat) so habe ich euch geliebt (indem ich mein Leben für euch hingegeben habe).
Liebt, wie ich euch geliebt habe (indem ihr euch selbst hingebt). Diese Hingabe kommt zum Ausdruck im Gebet, im Opfer der Keuschheit, der Armut und des Gehorsams sowie in einem freiwilligen Dienen mit ganzem Herzen.

6

Wir müssen lieben, bis es weh tut. Es genügt nicht zu sagen: Ich liebe.
Die Liebe muss lebendige Tat werden.
Wie? Dadurch, dass man gibt, bis es schmerzt.

Vor einiger Zeit hatten wir in unserem Kinderheim keinen Zucker mehr. Ein vierjähriger Junge hörte davon, ging nach Hause und sagte seinen Eltern: „Ich will drei Tage lang keinen Zucker essen. Ich gebe ihn der Mutter Teresa.“
Nach drei Tagen brachten die Eltern ihn zu uns. Er konnte kaum meinen Namen aussprechen, doch er hat mich gelehrt, wie man große Liebe hat.
Es kommt nicht darauf an, wie viel man gibt, sondern dass man mit Liebe gibt. Der kleine Junge gab, bis es weh tat.

7

Vor einigen Wochen bekam ich einen Brief von einem Mädchen aus den Vereinigten Staaten.
Sie ging zur ersten heiligen Kommunion und bat ihre Eltern: „Kauft keine besonderen Kleider für meine Erstkommunion. Ich werde in meiner Schuluniforum zur Erstkommunion gehen. Macht kein Fest für mich. Gebt mir lieber das Geld; ich möchte es Mutter Teresa schicken.“
Dieses Mädchen war erst sieben oder acht Jahre alt, doch liebte es von Herzen, bis es weh tat.

8

„Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan“ (Mt 24, 30).
„Das ist mein Gebot: Liebt einander!“ (Joh 15, 12).

Wenn dieses Gebot nicht verwirklicht wird, geht das große Werk der Kirche Christi zugrunde. Denn Jesus kam auf die Welt, um der Liebe im Herzen der Menschen den rechten Platz zu geben.
Er sagte: „Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid: wenn ihr einander liebt“ (Joh 13, 35).
Dieses Gebot bleibt in Ewigkeit bestehen. Wahre Liebe zu unserem Nächsten bedeutet, ihm Gutes zu wünschen und Gutes zu tun.



9

Höre, wie Jesus, der mit dir ist, zu dir spricht:

Ich möchte, dass du mein Feuer der Liebe unter den Armen, Kranken, Sterbenden und Kindern bist;
Ich möchte, dass du die Armen zu mir bringst. Lerne diesen Satz auswenig; wenn es dir an Großzügigkeit fehlt, dann wiederhole ihn.
Wie einen Menschen können wir auch Christus abweisen:
Ich gebe dir nicht meine Hände zum Arbeiten;
Ich gebe dir nicht meine Füße zum Gehen;
Ich gebe dir nicht meinen Kopf zum Studieren und nicht mein Herz zum Lieben.
Du klopfst an der Tür, aber ich gebe dir nicht den Schlüssen zu meinem Herzen.
Es ist ein bitterer Schmerz für Jesus, wenn er in einem Menschen nicht lieben kann.

10

Vor einigen Wochen fand ich ein hungerndes Kind auf der Straße. Wer weiß, wie viele Tage es nichts gegessen hatte.
Ich gab ihm ein Stück Brot; das Kind nahm es und begann eine Krume nach der anderen zu essen.
Ich sagte ihm: „Nimm nur, iss das Brot!“
Das Kind schaute mich an und sagte: „Ich habe Angst. Wenn ich das Brot aufgegessen habe, bekomme ich wieder Hunger.“

Der Schmerz des Hungers ist etwas Schreckliches. Dieses Kind hat ihn schon erfahren.
Ihr wisst vielleicht nicht, was Hunger ist und werdet es nie wissen.
Aber denkt daran, die Freude des Liebens mit anderen zu teilen, indem ihr gebt, bis es weh tut.


Hemma

  • Gast
Re:Gedanken von Mutter Teresa für jeden Tag
« Antwort #14 am: 28. August 2011, 10:34:37 »


 

11


Wenn ein Junge das Feld des Vaters verlässt, und auf einem anderen Acker arbeitet, ist er nicht mehr Mitarbeiter seines Vaters.

Mitarbeiter sein heißt, mit jemandem zusammen zu arbeiten, miteinander Müdigkeit, Demütigungen und Schande zu teilen, nicht nur Erfolg.

Diejenigen, die alles miteinander teilen, sind Partner. Sie antworten mit Liebe auf die Liebe des anderen; sie leiden, wenn der andere leidet.

Jesus, du bist gestorben; du hast alles gegeben: dein Leben, dein Blut, alles. Jetzt bin ich an der Reihe. Ich stelle dir alles zur Verfügung.

Der gemeine Soldat kämpft in den hinteren Reihen; der treueste aber möchte nah beim Hauptmann sein, um sein Schicksal zu teilen. Darauf allein kommt es an; das ist wahres Leben im Geist Christi.


12


Wir müssen mit großem Glauben arbeiten, stetig und wirkungsvoll, vor allem aber mit großer Liebe und Freude. Sonst würde unsere Arbeit wie die der Sklaven sein, die einem unerbittlichen Herrn dienen.


13


Die Größe unserer Berufung besteht darin, in den Armen und Leidenden Christus selbst zu dienen.

Er begegnet uns in den Armen, ist verborgen in ihrem Leid.

Wir sind berufen, jeden Tag einen priesterlichen Dienst zu versehen. Er besteht darin, in der Gestalt der leidenden Menschheit den Leib Christi zu berühren und allen, mit denen wir zusammen kommen, die Kommunion zu reichen, indem wir seine Liebe überall verbreiten.


14


Ein echtes inneres Leben erfüllt das Tun mit Liebe und setzt dafür alle Kräfte ein.

Es lässt uns Jesus finden in den elenden Hütten der Slums, in der erbärmlichen Not der Armen.

Dort begegnen wir dem nackten Gott-Menschen, der traurig und von allen verachtet am Kreuz hängt, dem Mann der Schmerzen, zertreten wie ein Wurm, gegeißelt und gekreuzigt.

Das innere Leben hilft uns, in den Armen Jesus zu dienen.


15


Ich möchte in dieser Welt leben, die sich von Gott so weit entfernt und sich vom Licht Jesu abgewandt hat.

Ich möchte unseren Ärmsten helfen und etwas von ihrem Leid auf mich nehmen.

Denn nur, wenn wir eins sind mit ihnen, können wir sie erlösen, indem wir Gott in ihr Leben und sie zu Gott bringen.


16


Ich weiß, dass ihr die Armen liebt, sonst wärt ihr nicht hier.

Aber jeder einzelne von uns soll sich bemühen, dass seine Liebe freundlicher, nachsichtiger und froher wird, damit wir mit den Augen des Glaubens im Antlitz der Armen noch klarer das Antlitz Christi erkennen.


17


Die Liebe für die Armen ist wie eine lebendige Flamme. Je trockener das Brennholz ist, desto heller brennt es.

Wenn unser Herz frei ist von irdischen Beweggründen und ganz eins mit dem Willen Gottes, werden wir frei von allem Unnützen unseren Dienst tun, wie es der Gehorsam verlangt.


18


Haltet immer die Liebe zu den Ärmsten der Armen lebendig.

Betrachtet es nicht als Zeiverschwendung, die Hungernden zu speisen, die Kranken und Sterbenden zu besuchen und für sie da zu sein, den Ausgestoßenen und Heimatlosen die Tür zu öffnen und sie zu empfangen.
Das ist unsere konkrete Liebe zu Christus. 

Je niedriger die Arbeit, desto größer sollten unsere Liebe und unser Einsatz sein.

Fürchtet euch nicht vor den Opfern, die das Leben der Armut mit sich bringt.


19


Wir alle sehnen uns nach dem Himmel, wo Gott ist.

Doch wir können schon jetzt mit ihm im Himmel sein, wir können in diesem Augenblick mit ihm glücklich sein.

Jetzt mit ihm glücklich sein heißt lieben, wie er liebt, helfen wie er hilft, geben, wie er gibt, dienen, wie er dient, befreien, wie er befreit, vierundzwanzig Stunden am Tag bei ihm sein.


20

 
Ohne das Leid wäre unsere Arbeit ein soziales Engagement, gut und nützlich, aber nicht das Werk Jesu Christi, nicht Teil der Erlösung.

Jesus wollte uns helfen, indem er unser Leben teilte, unsere Einsamkeit, unsere Agonie und unseren Tod. All das hat er auf sich genommen und in die dunkelste Nacht getragen. Dadurch, dass er mit uns eins war, hat er uns erlöst. Wir dürfen dasselbe tun.

Die ganze Trostlosigkeit der Armen, nicht nur ihre materielle Armut, sondern auch ihre bittere geistliche Not, bedarf der Erlösung, und wir können daran teilhaben.

 
21


Christus hatte mit lärmenden, dichtgedrängten Volksmassen zu  tun, deren überschwängliche Begeisterung auch lästig werden konnte. Sie dachten nicht darüber nach, was er wohl nötig hätte.

Die Menschen seiner Umgebung vergaßen manchmal sogar, dass er unter ihnen war.

Und doch hatte er Nachsicht mit ihnen. So sehr sie ihn auch immer beleidigten, er hatte immer Mitleid mit ihnen. Er schämt sich nicht, mit Sündern zusammen zu sein, er überging sie nicht.

Wenn sie wollten, war er für sie da wie für jeden anderen, gleich was es ihn kostete.

"Ich bin gekommen, um die Sünder zur Umkehr zu rufen, nicht die Gerechten" (Lk 5, 32).

Wir Missionarinnen der Nächstenliebe sind glücklich zu nennen, dass wir dazu berufen sind, Jesus in seiner grenzenlosen Liebe zu den Armen und Einsamen nach zu folgen.

Wie Christus haben wir es mit vielen Menschen zu tun.

Wir sind berufen, seine Mitarbeiter in den Slums zu sein.

Wir müssen ihm die Möglichkeit geben, in uns zu leben und sein Leben auszustrahlen durch uns in den Vierteln der Armen.


22


Jeder von uns soll Jesus erkennen in der Person eines Armen.

Je abstoßender eine Arbeit oder die Leute sind, desto größer müssen unser Glaube, unsere Liebe und unsere freudige Hingabe im Dienst an unserem Herrn sein, der sich hinter dem Elend und Leid verbirgt.


23


Je mehr wir mit Gott vereint sind, desto mehr wachsen unsere Liebe und die Bereitschaft zum ungeteilten Dienst an den Armen.
 
Viel hängt von dieser innigen Einheit ab.

Die Liebe Gottes, des Vaters, für seinen Sohn und die Liebe des Sohnes für den Vater bringt Gott, den Heiligen Geist hervor.
 
So sollte die Liebe Gottes zu uns und unsere Liebe zu Gott den freien, ungeteilten Dienst für die Armen hervorbringen.


24


Jesus sagt: Was ihr einem der geringsten meiner Brüder tut, das tut ihr mir.

Wenn ihr ein Kind aufnehmt, dann nehmt ihr mich auf.
 
Wenn ihr ihm ein Glas Wasser reicht, dann reicht ihr es mir.

Um sicher zu sein, dass wir dies verstehen, sagt er, dass wir in der Stunde unseres Todes nur danach gerichtet werden:

Ich war hungrig, und du hast mir zu essen gegeben. Ich war nackt, und du hast mich bekleidet. Ich war obdachlos, und du hast mich aufgenommen (vgl. Mt 25, 40).
 
Hunger ist nicht nur Hunger nach Brot; es gibt auch Hunger nach Liebe.

Nacktheit ist nicht nur das Fehlen von Kleidung, sie auch ein Mangel an menschlicher Würde und an der wunderbaren Tugend der Reinheit, der Mangel an gegenseitigemRespekt.
 
Obdachlosigkeit meint nicht nur das Fehlen eines Hauses aus Steinen, sie bedeutet auch, abgelehnt, ausgestoßen und nicht geliebt zu sein.


25
 

Papst Paul VI. sagte, Berufung sei die Fähigkeit, den Hilferufen der Menschen Beachtung zu schenken, den Stimmen derer, die unschuldig leiden, die ohne Trost, Führung und Liebe sind.
 
Diese Forderung wird erfüllt durch unser Gelübde freien, ungeteilten Dienstes an den Armen.

Wie Christus umherzog und Gutes tat, Kranke heilte, Dämonen austrieb und das Reich Gottes verkündete, so suchen auch wir unermüdlich Arme, Verlassene, Kranke, Schwache und Sterbende auf, in Städten und Dörfern, selbst auf Müllhalden.
 
Wir sorgen uns um diese Menschen, helfen ihnen, besuchen sie, verkünden ihnen die Botschaft Christi und tun unser Bestes, um sie zu Gott zu bringen.


26
 

Wir leben die Armut - nicht, weil wir dazu gezwungen wären, sondern weil wir uns aus Liebe zu Jesus dafür entschieden haben. Denn er, der reich war, wurde arm aus Liebe zu uns. Täuschen wir uns nicht selbst.
 

27

 
Durch das Gelübde der Armut verzichten wir auf den Besitz und freien Gebrauch irdischer Güter.

Die Tugend der Armut überwindet die ungeordnete Anhänglichkeit an die Dinge dieser Welt.
 
Das Gelübde ist das Mittel, die Tugend das Ziel.

Der beste Weg, um die wesentlichen Aspekte der Armut  zu leben, ist das strikte Befolgen des gemeinschaftlichen Lebens; das heißt, jeder - auch der Obere - sollte sich mit der Nahrung, Kleidung und Ausstattung begnügen, die allen in gleicher Weise zugeteilt wird. Sonderregelungen für Ausgaben, die nicht wirklich notwendig sind, gibt es nicht.
 

28


Wir müssen alles tun, damit unser Blick rein und frei von den Dingen der Welt bleibt und unser Dienst an den Armen ein einziger Akt der Liebe wird. Dieser reine Blick, diese "Sicht", machte Bruder Damian zum Apostel der Leprakranken und den heiligen Vinzenz von Paul zum Vater der Armen.
Wir haben deshalb alles aufgegeben, um den Armen zu dienen.

Hemma

  • Gast
Re:Gedanken von Mutter Teresa für jeden Tag
« Antwort #15 am: 08. September 2011, 12:48:04 »

29

Der Welt erscheint es als Torheit, dass wir uns über ein ärmliches Essen freuen,
dass wir rohe, geschmacklose Speisen zu uns nehmen,
dass wir nur drei Habite beisitzen, die aus grobem Stoff oder alten Soutanen gemacht sind, das wir sie ausbessern und flicken, dass wir sie sorgfältig pflegen und uns weigern, mehr zu haben,
dass wir froh jede Art von Schuhen tragen, gleich welcher Form und Farbe,
dass wir uns mit nur einem Eimer Wasser in einem kleinen Bad waschen, dass wir schwitzen, aber keinen Ventilator wollen,
dass wir hungrig und durstig umhergehen, aber in den Häusern der Leute kein Essen annehmen,
dass wir keine Radios und Plattenspieler haben wollen, die nach der harten, mühsamen Arbeit eines langen Tages unseren angespannten Nerven gut tun könnten,
dass wir auch bei Regen oder in der glühenden Sommersonne weite Strecken zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurücklegen,
dass wir mit der Tram oder in überfüllten Zugabteilen reisen,
dass wir auf harten Betten schlafen und weiche, dicke Matratzen weggeben, die dem Körper, der weht tut nach der harten Arbeit des Tages, Erholung geben könnten,
dass wir auf rauen, dünnen Teppichen in der Kapelle knien und dafür weiche, dicke weggeben,
dass wir mit Freude in den Krankensälen der Armen behandelt werden, wo wir doch ohne Schwierigkeit Einzelzimmer haben könnten,
dass wir zu Hause und draußen wie die Kulis arbeiten, auch wenn wir Diener einstellen und nur leichte Arbeiten tun könnten,
dass wir im Nirmal Hriday, dem Haus für die Sterbenden, und im Shishu Bhavan, einem Haus für die Neugeborenen, mit Freude die Toiletten putzen und sauber machen, als wäre es der schönste Beruf der Welt…

All das nennen wir unseren „Tribut an Gott“.

In den Augen der Welt vergeuden wir unser kostbares Leben und vergraben unsere Talente.

30

Unser Herr gibt uns ein lebendiges Beispiel der Armut:
Vom ersten Tag seiner irdischen Existenz wuchs er auf in einer Armut, die kein Mensch jemals so wird erfahren können, denn er war reich und wurde für uns arm (vgl. 2 Kor 8, 9).
Als seine Mitarbeiterin, in seiner Nachfolge, muss ich leben und wachsen in der Armut, die unser Herr von mir verlangt.

31

Die Armut unseres Erlösers ist größer als die der ärmsten Tiere der Welt.

„Die Füchse haben ihre Höhlen und die Vögel ihre Nester; der Menschensohn aber hat keinen Ort, wo er sein Haupt hinlegen kann“ (Mt 8, 20).

In der Tat war es so. Er hatte kein eigenes Haus und keine feste Bleibe. Die Samaritaner vertrieben ihn, so dass er nach einem Obdach suchen musste. Nichts war gesichert, weder die Unterkunft noch das Essen. Was er bekam, waren Almosen, die andere ihm aus Liebe gaben. Dies ist wahrlich große Armut.
Wie viel kann man davon lernen, wenn man bedenkt, wer er ist: der Gott-Mensch, der Herr des Himmels und der Erde.
Was hätte er nicht alles besitzen können!
Gerade dies macht die Würde und Größe seiner Armut aus, dass er freiwillig, aus Liebe zu uns arm war, damit wir reich würden.

Wir sind glücklich zu nennen, dass wir berufen sind, im Kleinen teil zu haben an der Armut des großen Gottes. Es erfüllt uns mit unsagbarer Freude, dass unser Leben ein so wunderbares Vagabunden-Dasein ist.

Wir streifen zwar nicht umher, aber wir verlassen alles wie ein Vagabund.
Wir haben nichts zum Leben, und doch leben wir glänzend.
Wir haben keinen Boden unter den Füßen, und doch schreiten wir furchtlos voran.
Wir haben nichts, auf das wir uns stützen könnten, aber voll Vertrauen stützen wir uns auf Gott; denn wir sind sein eigen, und er ist unser sorgender Vater.

 

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