Autor Thema: Gebet zum hl. Erzengel Michael  (Gelesen 27580 mal)

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Offline Marcel

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Gebet zum hl. Erzengel Michael
« am: 08. Februar 2011, 18:49:48 »
lateinisch:                 deutsch:
Sancte Michael Archangele,
defende nos in praelio; contra nequitiam
et insidias diaboli esto praesidium. Imperet
illi Deus, supplices deprecamur: tuque
princeps militiae caelestis, satanam aliosque
spiritus malignos, qui ad perditionem animarum
pervagantur in mundo, divina virtute in infernum
detrude. Amen.
Heiliger Erzengel Michael, verteidige
uns im Kampfe; gegen die Bosheit und
die Nachstellungen des Teufels sei unser
Schutz. "Gott gebiete ihm", so bitten wir
flehentlich; du aber, Fürst der himmlischen
Heerscharen, stoße den Satan und die
anderen bösen Geister, die in der Welt
umhergehen, um die Seelen zu verderben,
durch die Kraft Gottes in die Hölle. Amen.

                                                          (besonders nach der Hl. Messe)
In te, Domine, speravi:
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Offline Winfried

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Re:Gebet zum hl. Erzengel Michael
« Antwort #1 am: 10. Februar 2011, 18:55:31 »
Lieber Marcel,

herzlichen Dank für Deinen Eintrag. Dieses Gebet zum Hl. Michael wird auch "Kleiner Exorzismus" genannt. Nach seiner "Höllenvision" hat Leo XIII dies in die frühere Liturgie eingefügt. Nach jeder Hl. Messe betete der Priester dieses Gebet. Paul VI hat es als Bestandteil der Hl. Messe wieder abgeschafft. Über die Folgen kann man spekulieren.


Dieses Gebet eignet sich auch hervorragend für den privaten Gebrauch, besonders wenn man sich vom Bösen bedrängt fühlt oder real bedrängt wird. Am besten in Verbindung mit Weihwasser und unter zusätzlicher Anrufung der Heiligsten Gottesmutter.
In hoc signo vinces.

Offline Marcel

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Re:Gebet zum hl. Erzengel Michael
« Antwort #2 am: 14. Februar 2011, 14:34:05 »
Dieses Gebet zum Hl. Michael wird auch "Kleiner Exorzismus" genannt.

Danke für diese Information. Ich war mir bzgl. der Bezeichnung dieses Gebetes
als »Kleiner Exorzismus« nie ganz sicher.

Nach seiner "Höllenvision" hat Leo XIII dies in die frühere Liturgie eingefügt.

Ja, das war mir bekannt.

Nach jeder Hl. Messe betete der Priester dieses Gebet.

Es war (und ist auch heute noch/wieder in der außerordentlichen Form der
römischen Liturgie) nach der stillen heiligen Messe (hl. Messe ohne Gesang,
z. B. an Wochentagen) vorgesehen – nicht aber nach dem Hochamt –, zu-
sammen mit anderen Gebeten (u. a. zur hl. Gottesmutter).

Wenn ich Zeit finde, werde ich diese Gebete hier einmal posten.

Marcel
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Offline Marcel

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Re:Gebet zum hl. Erzengel Michael
« Antwort #3 am: 15. Februar 2011, 20:37:54 »
Wenn ich Zeit finde, werde ich diese Gebete hier einmal posten.

So. Hier sind sie:



Gebete nach der stillen heiligen Messe

Die sogenannten leoninischen Gebete sind 1884 von Papst Leo XIII. zur Verrichtung nach jeder
stillen hl. Messe eingeführt worden. Heute sind sie nicht mehr verpflichtend. Es ist zu beachten, daß
es lokal recht große Unterschiede in der Übersetzung der Gebete gibt. Im Zweifel ist das vor Ort
Übliche vorzuziehen.


lateinisch:                 deutsch:
Ave, Maria, gratia plena, Dominus tecum;
benedicta tu in mulieribus, et benedictus fructus
ventris tui, Iesus. Sancta Maria, Mater Dei, ora
pro nobis peccatoribus, nunc et in hora mortis
nostrae. Amen. (Ter.)
Gegrüßet seist Du, Maria voll der Gnade, der
Herr ist mit Dir. Du bist gebenedeit unter den
Frauen, und gebenedeit ist die Frucht Deines Lei-
bes, Jesus. Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte
für uns Sünder, jetzt und in der Stunde unseres
Todes. Amen. (Dreimal.)
Salve, Regina, mater misericordiae; vita,
dulcedo et spes nostra, salve. Ad te clamamus,
exsules filii Hevae. Ad te suspiramus gementes
et flentes in hac lacrimarum valle. Eia ergo,
advocata nostra, illos tuos misericordes oculos
ad nos converte. Et Iesum, benedictum fructum
ventris tui, nobis post hoc exsilium ostende.
O clemens, o pia, o dulcis Virgo Maria.
Gegrüßet seist Du, Königin, Mutter der
Barmherzigkeit; unser Leben, unsre Süßigkeit
und unsre Hoffnung, sei gegrüßt. Zu Dir rufen
wir elende Kinder Evas. Zu Dir seufzen wir
trauernd und weinend in diesem Tale der Tränen.
Wohlan denn, unsre Fürsprecherin! Wende Deine
barmherzigen Augen uns zu, und nach diesem
Elend zeige uns Jesus, die gebenedeite Frucht
Deines Leibes. O gütige, o milde, o süße Jung-
frau Maria.
V/ Ora pro nobis, sancta Dei Genitrix.
R/ Ut digni efficiamur promissionibus Christi.
V/ Bitte für uns, o heilige Gottesgebärerin.
R/ Auf daß wir würdig werden der Verheißungen
Christi.
O r e m u s.   Deus, refugium nostrum et
virtus, populum ad te clamantem propitius respice:
et, intercedente gloriosa et immaculata Virgine
Dei Genitrice Maria, cum beato Ioseph, eius Sponso,
ac beatis Apostolis tuis Petro et Paulo et omnibus
Sanctis; quas pro conversione peccatorum, pro li-
bertate et exaltatione sanctae Matris Ecclesiae
preces effundimus, misericors et benignus exaudi.
Per eundem Christum, Dominum nostrum. R/ Amen.
L a s s e t   u n s   b e t e n.   Gott, unsre
Zuflucht und Stärke, sieh gnädig an das Flehen Dei-
nes Volkes, und erhöre in Deiner Barmherzigkeit und
Güte, auf die Fürbitte der glorreichen und unbe-
fleckten Jungfrau Maria, ihres Bräutigams, des
hl. Joseph, Deiner hll. Apostel Petrus und Paulus
und aller Heiligen, die Gebete, die wir für die
Bekehrung der Sünder, für die Freiheit und Erhöhung
unserer heiligen Mutter, der Kirche, flehentlich
verrichten. Durch ihn, Christus, unsern Herrn.
R/ Amen.
Sancte Michael Archangele,
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Schutz. "Gott gebiete ihm", so bitten wir
flehentlich; du aber, Fürst der himmlischen
Heerscharen, stoße den Satan und die
anderen bösen Geister, die in der Welt
umhergehen, um die Seelen zu verderben,
durch die Kraft Gottes in die Hölle. Amen.
Hierauf dreimal:
V/ Cor Iesu sacratissimum.
R/ Miserere nobis.
V/ Heiligstes Herz Jesu,
R/ erbarme Dich unser.



(aus dem Büchlein

»ORDO MISSAE, Die gleichbleibenden Teile der hl. Messe nach der außerordentlichen
Form des römischen Ritus«,

3. Auflage 2009, herausgegeben und bearbeitet von P. Martin Ramm FSSP, Priester-
bruderschaft St. Petrus,

und dem

»SCHOTT, Das vollständige Römische Messbuch, lateinisch und deutsch«,
1962, Nachdruck von 2006)
In te, Domine, speravi:
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Offline Marcel

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Re:Gebet zum hl. Erzengel Michael
« Antwort #4 am: 10. Mai 2011, 23:45:55 »
Auch in dieser glaubensarmen Zeit, gibt es noch gute Neuigkeiten den Glauben betreffend!

...John J. Paprocki, Bischof der Diözese Springfield in Illinois, hat angeordnet, dass ab sofort das Gebet zum Heiligen Erzengel Michael gegen den Satan am Ende jeder Messe nach der Entlassung gebetet werden muss.

Vielen Dank. lieber wendelinus, für diesen interessanten Hinweis.

Ich selbst bete nach Möglichkeit – auch nach der hl. Messe in der ordent-
lichen Form des römischen Ritus (NOM) – nach jeder hl. Messe die Leoni-
nischen Gebete und möchte das auch jedem Gläubigen ans Herz legen.

Soweit ich weiß, wurde früher als Danksagung nach der hl. Messe auch
noch das »Benedicite«, der Lobgesang der drei Jünglinge aus dem Alten
Testament (Dan 3,57–88.56), gebetet. Bei Gelegenheit werde ich dieses
Gebet auch einmal hier auf Latein und Deutsch posten. (Kann aber noch
etwas dauern, da ich den Text zunächst entsprechend formatieren muß.)

Marcel
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Offline Winfried

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Re:Gebet zum hl. Erzengel Michael
« Antwort #5 am: 11. Mai 2011, 07:41:04 »
Liebe Leser,

der Ordnung halber möchte ich an dieser Stelle einmal die Stellungnahme der Glaubenskongregation aus dem Jahre 1985 hier einfügen, aus der hervorgeht, dass es grundsätzlich für jeden Laien verboten ist, über einen Besessenen oder angeblich Besessenen ein besonderes Befreiungsgebet zu sprechen, auch was den sog. Kleinen Exorzismus (Leo XIII) betrifft. Es sei denn für den privaten Gebrauch.

Da ich diesen Exorzismus selber schon gegenüber Besessenen angewandt habe, habe ich mich wohl gegenüber diesen Richtlinien schuldig gemacht, aber was hätte ich tun sollen, wenn der zuständige Beauftragte des Bistums sagt "Es gibt keinen Teufel" und der Bischof nicht erreichbar ist? Ich denke, ich kann es mit meinem Gewissen vereinbaren, der betroffenen Person damit zumindest Erleichterung verschafft zu haben, da auch in einem (getauften) Laien der Heilige Geist wohnt, durch den wiederum Jesus Christus selber wirkt und in der Lage ist, dem teuflischen Treiben Einhalt zu gebieten (leider wurde diese Szene in dem Film "Teufels Werk und Gottes Beitrag" nicht gezeigt).

Derzeit befindet sich die genannte Person in guten priesterlichen Händen und wir hoffen, dass dies so bleibt. Was aber geschieht mit denen, die in die Hände derartiger, vom Bischof ernannter Teufelsleugner geraten?



Hier nun der Text:

"Eure Exzellenz,

Seit einigen Jahren vermehren sich in bestimmten kirchlichen Kreisen Gebetsversammlungen zu dem Zweck, die Befreiung von bösartigen Einflüssen zu erlangen, wobei es sich nicht um echte und eigentliche Exorzismen handelt. Diese Versammlungen finden unter der Leitung von Laien statt, aber oft in Anwesenheit eines Priesters. Da nun bei der Kongregation für die Glaubenslehre angefragt wurde, was von dieser Tatsache zu halten ist, erachtet es diese Behörde für notwendig, alle Ordinarien über die folgenden Antworten in Kenntnis zu setzen.

 

1. Der Kanon 1172 des Kanonischen Rechts (CIC) bestimmt, dass niemand rechtmäßig Exorzismen über Besessene sprechen darf, wenn er nicht die besondere und ausdrückliche Vollmacht des zuständigen Ortsbischofs hat (§1), und bestimmt, dass der zuständige Ortsbischof die Vollmacht nur einem Priester geben darf, der über Frömmigkeit, Wissen, Klugheit und Unbescholtenheit der Lebensführung verfügt (§2). Daher sind die Bischöfe aufgefordert, sich streng an diese Vorschriften zu halten.

 

2. Als Folge dieser Vorschriften dürfen die Gläubigen den Exorzismus gegen Satan und die rebellierenden Engel nicht benützen, der von dem Exorzismus abgeleitet wurde, der durch Verfügung Papst Leo XIII. öffentliches Recht wurde; und noch weniger dürfen sie den vollständigen Text dieses Exorzismus verwenden. Die Bischöfe sollen den Gläubigen im Bedarfsfall von dieser Vorschrift unterrichten.

 

3. Schließlich werden die Bischöfe aus den gleichen Gründen gebeten, darüber zu wachen, dass niemand ohne die entsprechende Vollmacht Versammlungen leitet, in denen Befreiungsgebete benützt werden, in deren Verlauf die Dämonen direkt angesprochen werden und man sich bemüht, ihre Namen zu erfahren - auch in Fällen, bei denen es sich nicht um echte und eigentliche teuflische Besessenheit handelt, aber dennoch ein teuflischer Einfluss vorzuliegen scheint.

Wenn auch an diese Vorschriften erinnert wird, so dürfen die Gläubigen in keiner Weise vom Beten abgehalten werden, um vom Bösen befreit zu werden, wie es Jesus uns gelehrt hat (vgl. Mt 6,13). Darüber hinaus können sich die Oberhirten der ihnen gebotenen Gelegenheit bedienen, um an die Lehren der Kirche in Bezug auf die eigentlichen Funktionen der Sakramente, auf die Fürsprache der allerseligsten Jungfrau Maria, der Engel und der Heiligen, aber auch den geistigen Kampf der Christen gegen die bösen Geister zu erinnern.

Joseph Kardinal Ratzinger, Präfekt

Monsignore Bovone, Sekretär"




 ;tffhfdsds
In hoc signo vinces.

CSPB

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Re:Gebet zum hl. Erzengel Michael
« Antwort #6 am: 11. Mai 2011, 11:53:14 »
@Winfried:
Ich habe einmal gehört, dass Dämonen nur dem Priester gehorchen müssen. Nur der Priester darf ihnen direkt befehlen ("Kraft des mir von Gott verliehenen Amtes befehle ich dir...").
Laien dürften höchstens Gott bitten ("Allmächtiger Gott, bitte befehle diesem Dämon...").
Das ist, denke ich, auch der Grund, warum der große Exorzismus für Laien absolut verboten ist.

Ich bin kein Experte, deshalb frage ich ja. Ich habe immer geglaubt, dass der von Laien gebetete Exorzismus eine sehr gefährliche Sache sei, da die Dämonen ihm nicht auf direkte Befehle gehorchen müssten, im Gegensatz zu einem Priester. Oder liege ich da falsch?

Interessant ist ja die Formulierung:
"Als Folge dieser Vorschriften dürfen die Gläubigen den Exorzismus gegen Satan und die rebellierenden Engel nicht benützen, der von dem Exorzismus abgeleitet wurde, der durch Verfügung Papst Leo XIII. öffentliches Recht wurde; und noch weniger dürfen sie den vollständigen Text dieses Exorzismus verwenden."

Hier hat man doch deutlich eine Relativierung des Verbotes des kleinen Exorzismus. Warum wurde dieses Verbot eigentlich erlassen? Man spricht ja nicht den Dämon direkt an, sondern man bittet den Heiligen Erzengel Michael um Hilfe.

Offline Winfried

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Re:Gebet zum hl. Erzengel Michael
« Antwort #7 am: 11. Mai 2011, 14:35:12 »
Lieber CSPB,

früher gabe es ja bekanntlich die Exorzistenweihe, die jeder Priester als eine der niederen Weihen (Sakramentalien) erhielt. Diese wurde von Papst Paul VI incl. des Gebetes zum Hl. Michael nach der Hl. Messe (nach Leo XIII) aus mir unverständlichen Gründen abgeschafft. Der Grund, warum Laien das nicht dürfen, dürfte der sein, dass sonst dem Missbrauch, wie es z.B. in fundamental-evangelikalen Kreisen der Fall ist, Tür und Tor geöffnet ist.

Seit Klingenberg (Anneliese Michel) tut man sich in den deutschsprachigen Ländern mit diesem Problem sowieso schwer, da angesehene Priester und Theologen heute immer noch glauben, Anneliese Michel sei Epileptikerin gewesen (s. FORUM). Trotz alldem hat Benedikt XVI, der ja selber als Erzbischof von München den damaligen zuständigen Bischof, Joseph Stangl, beerdigte, vor einigen Jahren verfügt, dass jede Diözese einen Exorzisten zu bestellen hat, was bis auf wenige Ausnahmen nicht geschah.

Wen man, wie ich, einem Besessenen gegenüber das Gebet zum Hl. Michael auch nur ansatzweise spricht, meldet sich der Dämon sofort (filmische Unterlagen dazu liegen mir vor). Auch ohne den Dämon nach seinem Namen zu fragen - die Namen waren mir sowieso bekannt, da es sich, wie bei Anneliese Michel, um die Dämonen Luzifer und Judas handelte - oder gar den Befehl zur Austreibung zu geben, reagierten die Dämonen wie auf Knopfdruck.


PS: Aus dem Leben der Hl. Katharina von Siena und anderen Heiligen ist bekannt, dass sie erfolgreich Exorzismen vornahmen, besonders dann, wenn die Priester nicht mehr weiterkamen.



In hoc signo vinces.

Offline Marcel

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Re:Gebet zum hl. Erzengel Michael
« Antwort #8 am: 12. Mai 2011, 01:07:13 »
der Ordnung halber möchte ich an dieser Stelle einmal die Stellungnahme der Glaubenskongregation aus dem Jahre 1985 hier einfügen,

Vielen Dank dafür, denn leider habe ich diesen Text bisher nicht auf der Website
des Vatikans finden können.

Zitat
2. Als Folge dieser Vorschriften dürfen die Gläubigen den Exorzismus gegen Satan und die rebellierenden Engel nicht benützen, der von dem Exorzismus abgeleitet wurde, der durch Verfügung Papst Leo XIII. öffentliches Recht wurde; und noch weniger dürfen sie den vollständigen Text dieses Exorzismus verwenden.

Nach meiner Ansicht muß man zwischen folgenden Exorzismen unterscheiden
(wenn ich das richtig verstanden habe):

1. Großer Exorzismus;
2. Kleiner Exorzismus* von Papst Leo XIII.;
3. Exorzismus Leonis, das ist das Michaelsgebet nach der hl. Messe
    (auch von Leo XIII.), um das es in diesem Thread geht.

* Dieser Exorzismus beginnt mit einem Gebet zum hl. Erzengel Michael:
  »Glorreicher Fürst der himmlischen Heerscharen (...)«



   Im zehnbändigen »Lexikon für Theologie und Kirche« (Herder Verlag)
wird der Exorzismus wie folgt umschrieben:

   Exorzismus (Beschwörung) = die Dämonen, den Dämon abwehren,
ein im Namen Gottes (Jesu) an den Teufel gerichteter Befehl, Menschen
oder Gegenstände zu verlassen bzw. sich eines schädigenden Einflusses
auf sie zu enthalten. Der Exorzismus hat seine Voraussetzung in den
Folgen des Sündenfalls (dämonische Einflüsse auf die Menschen und die
unter dem »Fluch« Gottes stehende Erde). Die Vollmacht zur Vornahme
des Exorzismus leitet die Kirche ab vom Auftrag Christi und dem Beispiel
der Apostel (Mk 1,25; Lk 4,35; Mk 16,17). Demnach wurde der Exorzis-
mus zunächst an eigentlich Besessenen vorgenommen. Als ursprüng-
lich charismatische Gabe, die jedem Christen zukommen konnte, wird
der Exorzismus spätestens gegen das 3. Jahrhundert amtliche, einem
besonderen Ordo anvertraute Handlung und Befugnis. Da infolge der
Sünde der Teufel über alle Menschen, besonders über die noch unter
der Erbsünde und ihren Folgen stehenden Nichtgetauften, Einfluss hat
und ausübt, so erscheint seit dem 3. Jahrhundert auch ein Exorzismus
für Katechumenen und Täuflinge (Tauf-Exorzismus) aus dem Heidentum.

   Außerhalb der Taufe wird im römischen Ritus der so genannte kleine
Exorzismus für circumcessi (»Umsessene«) und für Sachen angewandt,
so bei der Weihwasser- und Salzweihe, bei der Weihe der heiligen Öle am
Gründonnerstag, dann der so genannte Exorzismus Leonis, das ist die
seit Leo XIII. nach den Muttergottesgebeten nach der Heiligen Messe
vorgeschriebene Anrufung des heiligen Michael (Beringer I 303/05).

   Der große Exorzismus an wirklich Besessenen (vgl. CIC can. 1151/53)
darf nach der weitläufigen Anweisung des Rituale Rom. tit. XI. c. 1, n. 1/21
nur nach sorgfältigster Prüfung, ob Besessenheit und nicht etwa ein
anormaler Zustand des leiblichen Organismus vorliegt und (bei Strafe
der Suspension) nur mit ausdrücklicher, schriftlich erteilter Erlaubnis
des Bischofs vorgenommen werden, und zwar in der Kirche oder an
einem anderen religiösen oder ehrbaren Ort, im Hause nur an Kranken.


Mit »Beringer I« ist vermutlich der erste Band des folgenden Buches
gemeint, das mir hier in der 14. Auflage von 1915 vorliegt:

   Franz Beringer: Die Ablässe, ihr Wesen und Gebrauch.

Leider kann ich darin nichts zur Bezeichnung »Exorzismus Leonis«
finden, insbesondere nicht auf den Seiten 303 bis 305 des ersten
Bandes. Die Gebete nach der stillen hl. Messe sind dort auf S. 292f.
erwähnt, aber leider nicht mit dem Namen »Exorzismus Leonis«.

Marcel
In te, Domine, speravi:
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Offline Winfried

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Re:Gebet zum hl. Erzengel Michael
« Antwort #9 am: 12. Mai 2011, 08:23:13 »

Außerhalb der Taufe wird im römischen Ritus der so genannte kleine
Exorzismus für circumcessi (»Umsessene«) und für Sachen angewandt,
so bei der Weihwasser- und Salzweihe, bei der Weihe der heiligen Öle am
Gründonnerstag, dann der so genannte Exorzismus Leonis, das ist die
seit Leo XIII. nach den Muttergottesgebeten nach der Heiligen Messe
vorgeschriebene Anrufung des heiligen Michael (Beringer I 303/05).


Lieber Marcel,

der genaue Text findet sich im Kirchenrecht CIC Kanon 1172.


Mit dem "Exorzismus für Umsessene" habe ich so meine Probleme. Während es kinderleicht ist, eine echte Besessenheit festzustellen (unterschiedlicher Gebrauch von Weihwasser und normalem Wasser), ist dies bei einer Umsessenheit wesentlich schwieriger. Hier befindet sich der Dämon ja außerhalb der Person. Hierbei mag es gelingen, diesen kurzfristig einzuschüchtern, aber seiner habhaft zu werden, ist so gut wie unmöglich. Bei einer besessenen Person ist er in deren Körper gefangen und somit direkt angreifbar. Bei umsessenen Personen kann er auch den Eindruck erwecken, sich in ihr zu befinden (Hören von Stimmen, eingeben von Gedanken etc.). Gebete schaden nie, aber noch besser ist es in einem solchen Fall, für die betreffende(n) Person(en) in diesem Anliegen eine oder mehrere Hl. Messen feiern zu lassen. Dies ist jedoch auch keine Garantie für eine (endgültige) Befreiung, da die Ursachen einer Umsessenheit (circumsessio, obsessio) sehr komlex sein können. Jemand, der ein Leben lang esoterische Praktiken betrieben hat, wird nicht mit einem Schlag befreit werden können.

In hoc signo vinces.

 

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