Die Heilige Franziska Romana

Ordensgründerin, Mystikerin

* 1384 in Rom
† 9. März 1440 daselbst

   
   





  

Franziska von Rom

Oft wurde sie von teuflischen Visionen gequält, die sie zeitlebens erzittern ließen, aber die letzten Jahre ihres Lebens sah sie ständig einen Engel an ihrer Seite, in dessen verklärtem Licht sie nachts lesen und schreiben konnte.

Franz von Sales bezeichnete Franziska als eine der größten Heiligen.

Franziska von Rom entstammte dem römischen Adelsgeschlecht de Buscis. Ihre fromme Mutter gab ihr in ihrem eigenen Beichtvater, dem Benediktinerpater Antonio de Monte Savello, einen Seelenführer, der ihr 35 Jahre hilfreich zur Seite stand. Mit sechs Jahren hatte Franziska kein größeres Verlangen, als die Märtyrer und heiligen Jungfrauen nachzuahmen, deren Lebensbeschreibungen sie mit Begeisterung las. Als sie elf Jahre alt war, erlaubte der Beichtvater ihr, die Abtötung eines der strengsten Orden geheim und probeweise zu praktizieren, weil es sie mit jeder Faser des Herzens zum Ordensleben zog. Als ihr Verhalten zu Hause doch auffiel und der Vater den Grund hörte, erklärte er ihr, er habe sie dem jungen Lorenzo de Ponziani zur Ehe versprochen. Nach schweren Kämpfen willigte sie ein; sie war erst dreizehn Jahre alt, als die Hochzeit gefeiert wurde.

Eines Tages sah Vanozza, die Frau von Lorenzos älterem Bruder, Franziska, wie sie bitterlich weinte. Und als diese ihr gestand, was ihr Ideal gewesen wäre, bekannte die Schwägerin, dass auch sie den gleichen Wunsch hätte begraben müssen. In dieser Stunde wurde eine heilige Freundschaft geschlossen, wie sie schöner nicht gedacht werden kann. Lorenzo und sein Bruder wussten, was sie an ihren Gattinnen hatten. Obwohl Verwandte und Bekannte ihnen in den Ohren lagen, die jungen Frauen blamieren mit ihrer übertriebenen Frömmigkeit und ihrer unvernünftigen Almosengeberei die ganze Familie, hörten sie nicht darauf, sondern ließen ihren Frauen viel Freiheit. Von den sechs Kindern, die sie gebar, überlebte nur Johannes Baptista die Eltern. Im Ordensbrevier der Olivetaner Benediktiner heißt es von Franziska: "Sie hörte nicht auf, in ihrer Ehe auf das bedacht zu sein, was Gottes war, so dass sie Gott in ihrem Mann und ihrem Mann in Gott gefiel."

Ihr Leben galt nur Gott, ihrer Familie, für die sie tadellos sorgte, und den Notleidenden. Sie schlief kaum mehr als zwei Stunden. Viele Stunden des Gebetes pflegte sie in der Hauskapelle oder in einer Grotte im Garten zu verbringen. Die Stunden des Tages waren für die häuslichen Obliegenheiten und Krankenbesuche. Sie heilte viele Kranke.

Die Zeit, in der Franziska ihre Liebestätigkeit entfaltete, war die des größten Niedergangs, den die Stadt Rom je erlebte. Kriege, Hungersnöte hatten die Stadt verödet. Der Aufenthalt der Päpste in Avignon (1309-1377) hatte als schlimme Frucht das abendländische Schisma (1373-1417) hervorgebracht. Die Christenheit war gespalten unter zwei, schließlich sogar drei Päpsten. Die Welthauptstadt war zur Ruine geworden. Auf dem Forum grasten die Kühe. Am Abend trieben die Hirten ihre Herden in die St.Paulus-Basilika, deren Dach zum Teil eingestürzt war. Wölfe machten die Vatikanischen Gärten unsicher. Die allgemeine Armut war so groß, dass im Jahre 1414 selbst am Fest Peter und Paul beim Grabe des hl. Petrus keine Lampe brannte.

Was Franziska für alle Zeiten berühmt gemacht hat, ist die Tatsache, dass die jenseitige Welt, Himmel und Hölle, fassbar in ihr Leben eingebrochen ist. Sie wurde vom Teufel belästigt, gequält, verfolgt. Franziska hatte Visionen von der Hölle, von denen sie, solange sie lebte, nicht sprechen konnte, ohne zu zittern. Die letzten 23 Jahre ihres Lebens sah sie beständig einen Engel an ihrer Seite. Gehüllt wie in einen lichten Nebel, war er ihr immer sichtbar, jedem anderen Auge aber verborgen. Sein Strahlenglanz war so blendend, dass sie ihn kaum mit unverwandtem Auge anzuschauen vermochte. In seinem Lichtschein konnte sie nachts jederzeit lesen und schreiben. "Er hat", so beschrieb sie ihn, "die Größe eines etwa neunjährigen Kindes; seine Haltung ist so lieblich und erhaben zugleich; die Augen sind gewöhnlich gen Himmel gerichtet; die göttliche Reinheit seines Blickes können Worte nicht beschreiben. Seine Stirne ist gewöhnlich heiter; der Glanz seiner Augen zündet in der Seele die flamme feuriger Andacht. Sehe ich auf ihn hin, so wird mir die Herrlichkeit der Engel und die tiefe Niedrigkeit unserer eigenen Natur klar."

Neben dem Schutz im Kampf mit den Mächten der Finsternis war die wichtigste Wirkung des Engels eine immer tiefere Erkenntnis ihrer Fehler. Hatte sie sich das Geringste zuschulden kommen lassen, so schien der Engel zu verschwinden. Verdemütigte sie sich dann, bereute sie, richtete sie das Herz wieder ganz auf Gott, dann zeigte er sich wieder, und zwar schöner und fröhlicher als zuvor. War sie von Zweifeln und Furcht gequält, so pflegte er sie besonders freundlich anzublicken, und alles Dunkel verschwand vor diesem Blicke. Das Licht, das von dem Engel ausging, ließ sie in den Herzen der Menschen lesen. Ihre Sünden und Gesinnungen machten ihr oft bittersten Kummer.

1425 gründete sie eine Vereinigung von Oblatinnen, eine Art dritten Ordens benediktinischer Prägung. Nach dem Tod ihres Mannes 1436 führte sie selbst diese Gemeinschaft.

Ihr Gebet, ihre Tränen und ihre Leiden, so kommt es auch in der Heiligsprechungsbulle zum Ausdruck, beschleunigten die Beendigung der Kirchenspaltung (1373-1417) und riefen Gottes Erbarmen auf die bedrängte Kirche herab (Die Heiligen in ihrer Zeit, Mainz, 2.Aufl. 1966).

Am 2. März 1440 starb Franziska, von Papst Paul V. wurde sie 1608 heiliggesprochen.

Papst Pius XI. ernannte sie - neben Christophorus und Elija - 1925 zur Schutzheiligen der Autofahrer.


 

Höllenvision der hl. Franziska Romana

(in der alt-deutschen Rechtschreibung/Grammatik belassen)
Quelle: Auszug aus „Lebensgeschichte der heiligen Franziska Romana“,
von P. Gf. P. Mainz. Verlag von Florian Kupferberg. 1854

Erste Höllenvision

... Es war in den Tagen des Winters; Franziska, allein in ihrem Zimmer, betrachtete das Unglück Derer, die ihren Leidenschaften und der Sinnengewalt hingegeben, sich für alle Ewigkeit vernichten.

 Ihre Betrachtung wurde immer tiefer und tiefer, bald verliert sie das Selbstbewusstsein und sie kommt in Ekstase. Da zeigt sich ihr ein Engel und befiehlt ihr, ihm zu folgen. Sie durchschreitet schnell mit ihm den Raum und nachdem sie trostlose, unfruchtbare Gegenden durchzogen, bemerkt sie den gähnenden Abgrund einer furchtbaren Höhle.

 Sie liest darüber die Worte:
„Hier ist die Hölle, die Hoffnung und die Ruhe finden sich hier nie. Tränen und Schmerzen aber sind hier immer.“
 
Ihr Führer sagt ihr, daß er von dem Allerhöchsten den Befehl erhalten habe, ihr den Ort der Qualen zu zeigen, ohne daß ihr selbst etwas Übles widerführe.

  •  „Unter sinnbildlichen Formen und körperlichen Erscheinungen,“ sagte er zu ihr, „wirst du, o Franziska! Zeuge sein eines Teiles der Leiden, welche die verworfenen Seelen erdulden. Die Teufel haben keine Körper und die Verdammten werden sie erst am Tage des Gerichts zurücknehmen; doch wirst du die Seelen körperlich gestraft sehen; aber fürchte dich nicht, denn in dir findet sich kein Flecken, der solche furchtbare Strafe verdiene.“

Nachdem er diese Worte gesprochen, drang er mit der Gattin des Laurentius in den höllischen Abgrund. Die Ohren der Heiligen treffen düsteres, furchtbares Schreien, unterbrochen von Gotteslästerungen und Schimpfreden, in welche sich abwechselnd wut- und schmerzerregte Stimmen hervortun.
 
Ihre Blicke senken sich in einen furchtbaren Abgrund. Er teilt sich in drei weite Regionen, welche durch düstere Räume von einander getrennt sind, und von denen der letzte der Sammelplatz der allerschlechtesten und unreinsten Verbrecher ist. Aus diesem Raum erhebt sich ein unerhörtes Feuer, welches ewig brennt, ohne sich zu verzehren oder der Nahrung zu bedürfen; es dringt in alle Teile der Hölle; überall hin bringt es den Schmerz und das Grauen. Seine Flamme, immer verzehrend, ist alles Glanzes und Lichtes beraubt, sein fahler blasser Schein läßt nur einige Gegenstände des Schreckens wahrnehmen; aber ein dicker Qualm steigt unaufhörlich auf und diese Finsternis vermehrt noch die Qual der Verdammten.
 
Sie sind aufgehäuft in diesen brennenden Kerker und eine zahllose Menge Teufel üben in diesem trostlosen Orte das Amt der Vollstrecker der göttlichen Gerechtigkeit, sie quälen sie und bringen ihnen die sich immer erneuernden Qualen bei, nach dem Verhältnis der Sünden und Verbrechen eines Jeden; denn Jeder leidet hier nach dem Grade seiner Strafbarkeit. Man hört nur Weinen, Zähneknirschen, Geheul der Wut und der Verwünschung; und das ist das Leiden der Verworfenen, mit großem Geschrei Gott zu lästern, so daß sie, wenn sie selbst keine anderen hätten, ihr Schmerz doch unendlich wäre.
 
Franziska versteht, daß die Leiden dadurch verdoppelt werden, weil sie nicht genugthuen
(genugthuen = Genugtuung, Wiedergutmachung leisten) können, und es reine Strafen sind. Der Verdammte leidet in gewisser Beziehung an seinen Sinnen, als ob er schon wieder seinen Körper angenommen hätte, er leidet noch mehr an allen Kräften der Seele.
 
Ein unaufhörlicher Rauch durchdringt die Augen, verkrustet und trocknet sie aus, ohne je die Quelle der brennenden Tränen zu löschen, welche die Wut fortwährend auspresst; er unterhält diese furchtbare äußere Finsternis, deren zweifelhaftes Halblicht jedem Verdammten dabei gestattet, die ihn umgebenden Gegenstände zu sehen; das Ohr hört ewig Geschrei, Geheul und Gotteslästerungen; der furchtbarste Gestank verletzt ohne Unterlass den Geruchssinn; ein brennender Durst und ein grausamer Hunger zerreißen die Organe des Geschmackes und bewirken die Leiden des furchtbarsten Todeskampfes; das Gefühl empfindet unaufhörlich die grausamen Schmerzen Desjenigen, der in geschmolzenes Metall stürzen würde, ohne sterben zu können.
 
Das Gedächtnis ist ewig gepeinigt durch die Gewissensbisse; das Urteil des Verdammten steht immer vor ihm geschrieben; er weiß, daß er ohne Aufhören und ohne Milderung alles das erleiden muss, was er bereits wirklich erleidet. Der nagende Wurm wiederholt ihm ohne Unterlass, daß er sich freiwillig verdammt hat, um sich niedrigen und gemeinen Freuden hinzugeben; er führt ihm jeden Augenblick ins Gedächtnis, daß Gott ihm Zeit gegeben, das Übel gut zu machen, und die notwendigen Gelegenheiten zur Rettung; er erinnert ihn an die guten Gedanken und die guten Vorsätze, welche die Gnade ihm einflößte und denen er untreu gewesen; er ruft ihm fort und fort zu, daß es für ihn kein Heil mehr gebe, daß für ihn die Jahre, die Jahrhunderte, die Jahrtausende vorübergehen und immer auf derselben Stelle sein werden.
 
Die Teufel lachen über seine ohnmächtige Verzweiflung; sie lassen ihm keine Ruhe und freuen sich, indem sie ihn martern, mit der einzigen Freude, die die Hölle kennt, mit der Freude, Leiden zu schaffen und Gotteslästerungen hervorzurufen.
 
Der Wille ist durchaus in sich zerrissen; er ist beraubt aller der Freuden, nach denen er sich sehnt.
 
Die Erkenntnis kennt und beweint das höchste Gut, welches sie verloren und töricht gegen unwürdige Vergnügungen umgetauscht; Gott und das Paradies, Gegenstände seines ewigen Verlustes, sind für ihn Gegenstand seines Hasses und ewigen Gotteslästerung, und in diesem Hasse des höchsten Gutes, für welches die Kreatur bestimmt war, liegt zugleich ein Schmerz, dessen Unermesslichkeit alle übrigen Leiden der Hölle in den Hintergrund treten lässt.
 
Es wurde der Franziska geoffenbart, daß die Qualen der Verdammten nach dem letzten Weltgerichtstage noch zunehmen werden. An diesem furchtbaren Tage wird keine der verdammten Seelen heraustreten wollen; der Ton der furchtbaren Posaune aber wird sie zwingen, und mit Schauder werden sie sich in der Versammlung finden, in welcher die Heiligen und Engel mit so großem Glanze und so großer Freude erscheinen werden.
 
Das wird für sie ihre furchtbarste Strafe sein, ihre verpesteten und entstellten Körper wieder anzunehmen; aber sie werden gezwungen sein, in diese abscheulichen Kadaver einzugehen, welche für sie Feuergefängnisse werden. Die Flammen der Hölle, den Körper und die Seele zugleich brennend, werden dann ihr ewiges Unheil verdoppeln.
 
Sie werden sich gegenseitig hassen und verfluchen, und doch werden sie vereint bleiben müssen; in Gemeinschaft werden sie die Strafe der Sünde ertragen, welche sie gemeinschaftlich verübt haben. Genossen des Verbrechens, werden sie unzertrennbare Genossen in der Bestrafung sein.
 
Die Notwendigkeit,  vor dem Richter zu erscheinen, welchen sie während ihres irdischen Lebens beleidiget hatten, wird ihre Wut und ihre Verzweiflung vermehren; sie werden nicht fliehen, nicht entgehen können; die Furcht, die Schande und die Beschämung werden für sie noch eine furchtbarere Strafe sein, als selbst die der Hölle. Sie werden dann die Stimme des Sohnes Gottes hören, der sie verfluchen, ihnen ihre Verachtung und ihre Beleidigungen vorhalten wird; er wird ihnen ins Gedächtnis zurückrufen, daß er sich für sie aufgeopfert, daß er für ihre Sünden geschlachtet worden sei, daß er sie mit seinem Fleisch und seinem Blute genährt habe, daß er sich beraubt habe, um sie mit seiner Gnade und seinen Verdiensten zu bekleiden, und daß sie seiner Mildtätigkeit mit Verbrechen und Undankbarkeit geantwortet hätten. Dann werden sie schreiend ausrufen:

  • „Berge stürzet über uns, verberget uns vor den Augen Desjenigen, der auf dem Throne sitzt, und vor dem Lamme, das gegen uns erzürnt ist.“ (Offenb. Joh. Cap. VI, 16.)

Aber die Felsen und Berge werden taub für ihren Ruf sein.
 
Die Seligkeit der Heiligen, deren Zeuge sie einen Augenblick sein werden, wird ihre Wut vermehren und mit dem höchsten Hass und Neid erfüllen. Die Beschämung, in ihrem bejammernswerten Zustande gesehen worden zu sein, und der Schmerz, die Andern in der Fülle einer Glückseligkeit zu schauen, welche für sie auf immer verloren und doch auch ihnen bestimmt war, wird für sie eine unaussprechliche Qual sein.

  • „Mussten wir“, werden sie ausrufen, „sehen, was wir verloren haben, und daß das ganze Weltall Zeuge unserer Schmach und unseres Unglückes sein würde! Abgründe, öffnet euch! Finsternisse, verschlinget uns! Genügen nicht die Gewissensbisse und die Bilder unserer Verbrechen, welche uns ohne Unterlass verfolgen! Alle Diejenigen, die wir verwünschen, sollen unser Elend schauen und unsere Strafe durch den Schauder vermehren, den wir ihnen einflößen!“

Franziska drang immer tiefer in den Aufenthalt der endlosen Schmerzen ein. Sie bemerkte einen furchtbaren Drachen, der die ganze Hölle auszufüllen schien; sein ungeheurer Kopf fand sich in der oberen Region, aus seinem Rachen ging ein Strom von Feuer und Schmutz, sein Körper breitete sich in der mittleren Region aus und sein Schweif zog sich in gewundenen Ringen in der untersten Schmutzregion hin.
 
Franziska ist in Gefahr, vor Schrecken und Erstickung tot nieder zu fallen; der Engel hält sie aufrecht, ermutigt sie und bringt sie weiter.
 
Sie geht vorwärts und sieht einen ungeheuren brennenden Balken, der die Mitte der Hölle stützt und zum Throne des Satans dient. Dort sitzt er mit einer Art scheußlicher und furchtbarer Majestät. Seine Arme sind ausgebreitet, aber nicht in Form des Kreuzes, denn das Zeichen der Erlösung findet sich nicht in diesem Abgrunde; die Hörner seines Kopfes verschlingen sich und bilden ihm eine Art von Krone, Flammen gehen aus jeder ihrer Spitzen und ein stinkendes Feuer geht aus allen Teilen seines Körpers, Ketten umschlingen eng den Satan und den Drachen, scheußliche Dämonen erfüllen von allen Seiten den Raum unter der Gestalt chimärischer Tiere und Ungeheuer, ihr schrillendes Pfeifen beherrscht selbst das Geheul der Verdammten.
 
In diesem Augenblicke erschütterte ein ungeheures und lang anhaltendes Geschrei, hervorgerufen durch Wut und Schrecken und verzweiflungsvollen Seufzern, den ganzen Höllenraum bis in seine untersten Tiefen und schien die Schauer der Hölle zu verdoppeln. Franziska, erschreckt, sah vor sich eine zahllose Anzahl von Verdammten vorüberziehen, welche die bösen Geister nach der Tiefe des Abgrundes hinzogen.

  • Zwei Dämonen sind an jede dieser unglücklichen Seelen gekettet; der eine, um sie zu geißeln und zu quälen, der andere, um ihnen ihre Sünden vorzuwerfen und alles Das vorzuhalten, was sie durch ihre Schuld verloren.

Satan verkündet darauf über sie in törichter Anmaßung einen Richterspruch, ehe er sie in den für ihre Verbrechen bestimmten Ort zur Bestrafung hinabstürzt.

Die Missetaten eines jeden Verdammten sind auf seiner Stirne mit unauslöschlichen Charakteren eingegraben. Die Peinen, mit welchen die göttliche Gerechtigkeit die verschiedenen Sünden straft, sind unserer Heiligen in sinnbildlicher Weise gezeigt worden.

Wir können nicht in allen Einzelheiten den Bericht der Franziska an ihren Beichtvater mitteilen, es würde uns das zu weit führen. Wir wollen uns darauf beschränken, nur die hervorstechendsten Tatsachen dieser furchtbaren Vision zu erzählen und uns dabei so viel wie möglich an die eigenen Worte der Heiligen zu halten.

Das Bild der gesamten Höllenstrafen entrollte sich nach und nach den Blicken der Franziska.

  Die Liebhaber der Welt und ihrer sinnlichen Freuden, die Trägen  und  die Wollüstlinge sind verdammt, sich mit kochendem Pech, mit Gewürm und Unrat speisen zu lassen, welches nie ihren verzehrenden Hunger stillt und sie sind Schlangen übergeben, die sie unaufhörlich zerreißen.
     
  Die Weichlinge, welche nichts Gutes getan und das ihnen anvertraute Talent vergraben haben, um sich nicht Mühe zu machen und Gewalt anzutun, sind an brennende Felsen angekettet und Dämonen, bewaffnet mit eisernen Krallen, zerfleischen sie und zerreißen ihnen die Glieder, welche, um ohne Unterlass zerrissen zu werden, ohne Unterlass wieder wachsen.
     
 

Die Spieler sitzen an brennenden Tafeln, die Teufel schlagen sie mit glühenden Stangen;

     
  Die Meineidigen, die Verräter und Verführer sind in besondere Orte eingeschlossen; ihre geschwollenen Zungen hängen aus ihrem Munde heraus, Teufel schneiden sie mit vergifteten Instrumenten, gießen kochendes Öl darüber und glühende Kohlen und stürzen dann diese Unglücklichen in Schwefelgruben, um sie daraus hervorzuziehen und ihre Strafen zu erneuern.
     
  Eine ausgehungerte Hyäne zerreißt die Leiber der Verleumder und nährt sich davon.
     
  Die Gotteslästerer und die Apostaten sind in Stücke geschnitten und in geschmolzenes Zinn eingetaucht.
     
     
  Diejenigen, welche mit Gedanken gesündigt haben und zu spät bereut haben;
     
    Diejenigen, welche ungültige Beichten abgelegt, ohne Schmerz und ohne Reue und ohne den festen Vorsatz, der Sünde und den freiwilligen nahen Gelegenheiten zu entsagen;
     
    Diejenigen endlich, welche Andern nicht Ersatz leisten wollten, sind verdammt, offene Seiten zu haben; Teufel gießen kochendes Öl in ihre faulenden Wunden, welche eine Menge von scheußlichen Würmern erzeugen.
     
    Die furchtbarsten Strafen sind den Wollüstigen aller Art vorbehalten,
     
   

den Vätern und Müttern, welche durch ihren Vorsatz oder durch ihr Beispiel zum Falle ihrer Kinder beigetragen;

     
    den Ehebrechern,
     
    Denjenigen, welche dem Gelübde der Keuschheit untreu gewesen
     
    oder geheime und schmachvolle Sünden begangen,
     
    oder sich in bösen Gedanken gefallen und denen nur die Gelegenheiten gefehlt haben.
   
  Ihre Strafen sind den Verbrechen angemessen. Öffentlich entlarvt, an brennende Balken gefesselt, auf glühende Roste ausgestreckt, getaucht in Kessel voll Schwefel und kochendem Pech, entzwei geschnitten, gekleidet mit einem Gewande von glühender Bronze sind sie ebenfalls Dämonen übergeben, welche unter der Gestalt von wütenden Hunden sie zerfleischen, ihnen das Herz ausreißen und es mit Unflat bedecken.

 

  Diejenigen, die ihren Standespflichten untreu gewesen;
     
  Diejenigen, welche den Nächsten um sein Gut oder um seine Ehre gebracht
     
 

die Geizigen,

     
 

die  Wucherer, welche mit dem Schweiße der Armen  betrügerischen  Handel treiben,

  werden in geschmolzenes Gold oder Silber getaucht; Teufel lassen sie flüssiges Metall trinken, Schlangen benagen ihnen die Eingeweide und pressen sie mit ihren brennen- den Schweifen zusammen.

 

  Ungerechte Richter sitzen auf feurigen Stühlen, haben auf ihrem Haupte Mützen von glühendem Metall, und sind von eisernen Krallen zerrissen und wütenden Löwen übergeben.
     
  Teufel, ähnlich den Wasserschlangen, zerfleischen alle Organe des Kopfes den Verleumdern und Denjenigen, die gegen die Gerechtigkeit und Liebe gehandelt haben.
     
  Die Ruhm- und Ehrsüchtigen sind in Löwen von glühender Bronze.
     
  Die Neidischen, die Gehässigen und die Verleumder der Unschuld sind in Flammen geworfen und gegeisselt; Teufel durchwühlen sie mit eisernen Zähnen und pressen ihnen die Gurgel zusammen, um den Ausgang der Schlange zu verhindern, welche ihr Herz benagt.
     
  Die bösen Söhne sind in große Gefäße eingetaucht, welche mit schneidenden Instrumenten versehen, mit siedendem Pech und mit Schlangen angefüllt sind, bewegen sich dort in alle Ewigkeit, so daß sie ohne Unterlass zerrissen werden. Franziska sollte dieses Schauspiel einen Augenblick für alle undankbaren Kinder der Erde sehen, in der Hoffnung, sie zu bekehren.
     
  Tyrannische Fürsten, die Meuchelmörder und alle Diejenigen, welche ihres Gleichen gewaltsam unterdrückt haben, sind in Pfützen kochenden Blutes geworfen; Teufel zerreißen ihnen die Körper mit spitzigen Räsern, dann werfen sie dieselben in eine eherne Schlange, wo der Schmerz ihnen schreckliches Geheul auspresst; sind sie da herausgezogen, so machen Geister, bewaffnet mit Degen und Pfeilen, eine furchtbare Schlächterei aus ihnen, zerreißen ihnen das Herz und die Eingeweide, welche in siedendes Pech geworfen werden.
     
  Die Ketzer,  die Gönner falscher Lehren, die Exkommunizierten, die pflicht- vergessenen Priester, die Gottesverächter und Pfründenkäufer werden von dem höllischen Drachen verschlungen und, an seinem Schweif herabgleitend, stürzen sie in siedendes Metall, Pech, Öl und Schwefel, welche die Tiefe der Hölle ausfüllen. Ihre Strafe erneuert sich ohne Unterlass, wie bei allen Höllenstrafen.


Mit einem Worte, Franziska sah, daß jede Sünde durch unaussprechliche Peinen gezüchtigt ist, welche mit ihren Strafen in alle Ewigkeit verbunden sind. Der Engel, welche sie führte, sagte ihr, daß in dem Reiche des Luzifer die Teufel in verschiedene Ordnungen geteilt sind, von denen die einen die Lebenden versuchen und verfolgen, die andern die Verdammten quälen.

Mit Schauer hörte Franziska das verworrene Geschrei, welches durch Verzweiflung und unsichtbaren Schmerz ausgepresst wurde; die Lästerungen, welche eine wütende, heulende Rotte gegen Gott ausstieß, gegen die heilige Menschheit unseres Erlösers, gegen die heilige Jungfrau Maria, gegen alle Heiligen und Engel! Dieses Zähneknirschen, dieses Schluchzen, dieses Geschrei der Teufel, welche ihre Opfer verhöhnten und ihnen vorhielten, daß es ihnen für alle Ewigkeit unmöglich wäre, ihren Strafen zu entgehen.

Sie erfuhr, daß die Bewohner der Hölle in ihr Nichts zurückkehren wollten, nicht um sich ihrer Verbrechen zu entäußern, sondern um sich ihren Schmerzen und Peinen zu entziehen; sie sah, daß  die Sünde fortwährend in dem Willen des Verdammten herrscht und daher auch die Pein notwendig ohne Ende fortdauert.

Franziska fand mit Schrecken in der Hölle mehrere Personen, welche sie während ihres Lebens gekannt hatte; ihr Anblick verdoppelte ihren Schrecken und sie sagte in dieser Beziehung ihrem Beichtvater, daß sie Gott nicht genug für eine Vision danken könne, deren schauderhafte Erinnerung, selbst in Ermangelung jedes andern Antriebes, sie für immer von der Sünde fern halten müsste.

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Zweite Höllenvision

….. Die furchtbare Vision der Hölle entrollt sich wieder ihren Blicken. Sie wohnt zum zweiten Mal den Peinen der Verdammten bei; sie werden ihr noch einmal unter schrecklichen körperlichen Gestalten gezeigt, um ihr die Art und den Grad der ewigen Strafen begreiflich zu machen.
 
Franziska wird im Verlaufe dieser Ekstase und einigen späteren Visionen in neuer Ausführlichkeit hinsichtlich der Hölle eingeführt; sie teilt sie ihrem Beichtvater mit, nach ihrer Gewohnheit, feierlich versichernd, daß Alles, was sie sieht und erfährt, dem Urteil unserer heiligen Mutter der Kirche, in deren Schoß sie leben und sterben will, unterwirft.
 
Es wird ihr gesagt, daß die Verdammten ihre gegenseitigen Sünden kennen. Sie ist Zeuge von gewissen furchtbaren und eigens zuerkannten Strafen, noch außer den allgemeinen Höllenpeinen, für Diejenigen, welche dem Geiste ihres Standes zuwider Verbrechen in dieser Welt verübt.
 
Die Priester und Geistlichen, schuldig der Ketzerei, Simonie, Unreinheit, der Nachgiebigkeit oder Lauheit im Beichtstuhl oder auf der Kanzel, sind die am strengsten Bestraften.
 
Die Heilige hört mit Entsetzen ihre schrecklichen und ewigen Verwünschungen gegen Gott und das Geheimnis der Menschwerdung des Wortes. Gleichwie die Glückseligen niemals den göttlichen Einklang ihres Lobgesanges unterbrechen, ebenso auch unterbrechen die Verdammten nie ihre Gotteslästerungen, und diese ewigen Gotteslästerungen sind ihnen selbst schrecklicher als die gesamten Peinen der Hölle. Die Wut der Teufel und die ihrer Opfer brechen besonders gegen die heilige Jungfrau aus; indem sie einwilligte, Mutter Gottes zu werden, hat sie den Kopf der alten Schlange zertreten und ist die unschuldige Ursache der Qualen für die Feinde des Allmächtigen geworden. Sie ermüden nicht, den Hass gegen sie und die Verachtung ihrer Vorrechte anzufachen, und man erkennt den Erfolg ihrer perfiden Einflüsterungen in der Verwerfung des Cultus der Mutter der Barmherzigkeit tatsächlich bei den Ketzern aller Zeiten und Jahrhunderten.
 
Franziska lernt die Einteilung der Dämonen kennen
(Acta Sanct. etc., hierüber p. 154). Es wird ihr geoffenbart, daß der dritte Teil der himmlischen Geister sich unmittelbar nach der Schöpfung empört hat, als die künftige Menschwerdung des Wortes ihnen angekündigt wurde; sich Götter glaubend, verweigerten sie es, die Hoheit des menschgewordenen, dem Vater gleich ewigen Sohnes anzuerkennen, und wurden in den Abgrund der Hölle gestürzt; die andern Engel unterwarfen sich dem Willen ihres Schöpfers und wurden in ihrem heiligen Gnadenzustande befestiget.
 
Die Dämonen sind in drei große Massen verteilt, von welchen jede in mehrere Unterabteilungen zerfällt; die erste Masse umfasst die schuldigsten; ihr Fall entspricht ihrer früheren hohen Stellung. Die beiden anderen bewohnen die Luft und die Erde; das sind die gefallenen Engel, welche neutral bleiben und sich weder für Gott noch für Luzifer entscheiden wollten. Dieser Letztere ist das Haupt der ganzen höllischen Miliz, unter ihm stehen drei Stellvertreter, welche die drei Grade des Abgrundes beherrschen; Franziska erblickt noch eine gewisse, göttlich zugelassene, unzerstörbare Ordnung trotz dem Wirrwarr, der da herrscht.
 
Der erste Stellvertreter des Luzifer, Asmodeus, nahm früher Teil an den Chören der Cherubinen: die Dämonen, beauftragt, in den Menschen unreine Gedanken und Begierden zu erwecken, sie zu sinnlichem Unfug und dem der Reinheit entgegengesetzten Verbrechen anzutreiben, diese sind ihm untergeben.
 
Mammona, der zweite, gehörte zu den Thronen: der Geiz, der Hochmut, der Durst nach Reichtum und Macht und die daraus hervorgehenden Unterordnungen gehören zu seiner Befugnis.
 
Beelzebub, der letzte, stammt aus dem Range der Herrschaften, er steht vor den höllischen Finsternissen, den Arten der Abgötterei und Hexereien; die Legionen, welche er befehligt, flößen dem Menschengeschlecht die Irrtümer gegen den katholischen Glauben ein.
 
Luzifer mit seinen drei hauptsächlichen Ministern sind in der Hölle angefesselt und kommen nie aus ihr heraus. Die bösen Geister jedoch, selbst die der Luft und der Erde, handeln nur nach ihrem Befehl. Sie folgen ihnen, wie die Engel Gott gehorchen; aber bei den Versuchungen, die sie uns bereiten, können sie nicht die Grenzen überschreiten, welche der Allmächtige ihnen gesetzt und über die hinaus ihre Macht sich nicht erstrecken kann, und Gottes Güte gewährt uns immer die hinreichenden Gnaden, um siegreich aus dem Kampfe hervorzugehen.
 
Die Dämonen der Luft und Erde sind nicht den Peinen des Feuers ausgesetzt; aber sie leiden die allerschrecklichsten von allen, die Strafe des Verlustes der Anschauung Gottes, und die tugendhaften und christlichen Handlungen, welche sie hier auf Erden geübt sehen, verursachen ihnen unaussprechliche Schmerzen. Sie haben einen wütenden Hass den Nachkommen Adams zugeschworen und sind besonders dazu, sie zu versuchen und in ihr eigenes Verderben herabzuziehen. Sie einigen sich unter einander, um zu diesem Ziel zu gelangen, und obgleich ein Jeder von ihnen ein bestimmtes Laster zu seiner besondern Aufgabe sich gemacht hat, so stimmen Alle doch darin überein, gleichsam eine giftige Mischung von verschiedenen Versuchungen zu bereiten, um die Seelen von mehreren Seiten auf einmal anzugreifen.
 
Wenn sie auf den Untergang eines kräftigen und entschlossenen Charakters versessen sind, so rufen sie andere mächtigere Dämonen, als sie selbst sind, zu Hilfe. So lange ein Dämon die Seele nicht zum Falle gebracht, die er verführen soll, so ist sie der einzige Gegenstand seiner Sorge; ist er aber zum Siege über sie gekommen, so benutzt er sie, andere Seelen nachzuziehen und zum Ärgernis zu bringen.
 
Sie wird darauf ein Instrument, ganz seiner Macht unterworfen; diese Herrschaft hört auf durch die Reue und die Beichte und der böse Geist erneuert seine List, um sie wieder zu gewinnen.
 
Der Dämon, welcher eine Seele wirklich in sein Verderben mit hineingezogen, bezeugt darüber eine wilde Freude ungeachtet der ewigen Peinen, zu welchen er selbst verdammt ist; er wird in der Hölle mit Akklamationen von der ganzen höllischen Schar empfangen. Der Schutzengel dieser himmlischen Seele verlässt sie in dem Augenblicke, in welchem sie herabgestürzt ist, und nimmt seinen früheren Platz ein in den himmlischen Chören.
 
Ist hingegen eine Seele ins Fegefeuer eingegangen oder ist sie durch ihren himmlischen Führer ins Paradies eingeführt; da verhängt Luzifer über ihren Verführer schwere Strafen und überlässt ihn dem Hohngelächter der übrigen Dämonen, welche ihn peinigen und ihm vorwerfen, durch seine Nachlässigkeit diese Seele verloren zu haben. Dieser Versucher bleibt von da an ein herumirrender Geist ohne besondere Funktionen, nur von dem Streben erfüllt, möglichst oft Gelegenheit zum Bösen zu finden oder in die Leiber von Tieren und Menschen einzugehen, um sie besessen zu machen.
 
Franziska vernahm, daß nach einer besondern Bestimmung alle höllischen Geister sich untereinander sehen und kennen. Es wurde ihr geoffenbart, daß die Dämonen genötigt sind, das Knie zu beugen, so oft sie den hochheiligen Namen Jesu aussprechen hören; und je reiner und tugendhafter die Person ist, welche diesen Namen ausspricht, desto mehr Wut und Schmerz sie empfinden. Wird dieser erhabene Name in gotteslästerlicher Weise genannt, so müssen sie sich ebenfalls verbeugen; aber sie freuen sich zugleich über die Sünde, welche gegen den Gegenstand ihres scheußlichen Hasses begangen worden.
 

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