Piusbruderschaft     

Priesterbruderschaft
St. Pius X.

Pater Pio zu Mons. Marcel Lefebvre:
„Nein, Du wirst es vergessen.

   
   





  
Treffen Mons. Marcel Lefebvre mit Pater Pio
IST MGR. LEFEBVRE EIN GÜLTIG GEWEIHTER BISCHOF ?
Der Papst nimmt Stellung
Priesterbruderschaft St. Pius X. Ursprung/Gschichte

 

Treffen Mons. Marcel Lefebvre mit Pater Pio

„Unter den zahllosen Pilgern, die zu Pater Pio kamen, war eines Tages auch Mons. Marcel Lefebvre, der Bischof, der wegen seiner übertriebenen Anhänglichkeit zur katholischen Tradition die Autorität des Zweiten Vatikanums in Frage stellte und von Paul VI. suspendiert wurde.“

Im April 1991 publizierte der Schweizer ‘Parvis-Verlag’ das Buch „Pater Pio, Freund Gottes, Wohltäter der Menschen“.

Es handelte sich um eine Übersetzung des italienischen Werkes „I fioretti di Padre Pio“, die im Jahr 1989 in Rom bei dem altliberalen Verleger ‘Edizioni Dehoniane’ herausgekommen war.

 

Pater Pio und Mons. Lefebvre
treffen sich 1967


Die erste Auflage enthielt noch folgenden Text:

„Nein, Du wirst es vergessen.

„Unter den zahllosen, die zu Pater Pio kamen, war eines Tages auch Mons. Marcel Lefebvre, der Bischof, der wegen seiner übertriebenen Anhänglichkeit an die katholische Tradition die Autorität des Zweiten Vatikanischen Konzils in Frage stellte und von Papst Paul VI ‘a Divinis’ suspendiert wurde.“

Er hatte ein Gespräch mit Pater Pio.

Bei diesem Gespräch war auch ein Professor Bruno Rabajotti anwesend, der berichtet, daß Pater Pio den Bischof an einem bestimmten Moment mit großer Strenge anblickte und sagte:

„Trage niemals Uneinigkeit unter die Brüder und praktiziere immer die Regel des Gehorsams, vor allem, wenn Dir die Fehler dessen größer erscheinen, der befiehlt. Es gibt keinen anderen Weg als den des Gehorsams für uns, die wir dieses Gelübde aussprechen.“

Auch darin konnte Pater Pio Lehrmeister sein, denn von ihm wurde auch fragwürdiger Gehorsam verlangt. Er aber überließ sich Gott, als jenem, der immer den Weg zu finden weiß, die Wahrheit triumphieren zu lassen, wie wir heute feststellen können.

Aber es scheint, daß Mons. Lefebvre nicht so dachte, auch wenn er Pater Pio diese Worte erwiderte: „Ich werde mich daran erinnern, Pater.“

Pater Pio betrachtete ihn und entgegnete, in die Zukunft dieses Bischofs blickend:

„Nein, Du wirst es vergessen. Du wirst die Kommunion der Gläubigen zerreißen, Du wirst Dich dem Willen Deiner Vorgesetzten widersetzen, sogar den Anordnungen des Papstes.

Dies wird sich in nicht sehr ferner Zeit vollziehen.

Du wirst das Versprechen vergessen haben, das Du heute hier gegeben hast, und für die Kirche wird viel Übles daraus hervorgehen.

Schwinge Dich nicht zum Richter auf, errichte keine Altäre, die Dir nicht gehören, mache Dich nicht zur Stimme des Gottesvolkes, das schon seine eigene Stimme hat, säe nicht Uneinigkeit und Zwietracht. Denn dies ist es, was Du tun wirst.“

Leider ist die Wahrheit dieser Prophezeiung des Pater Pio vor unser aller Augen in unseren Tagen zu sehen.

Ab der zweiten Auflage war dieser Text verschwunden.
(‘Parvis-Verlag’ das Buch „Pater Pio, Freund Gottes, Wohltäter der Menschen“)

Pdf Kopien des Originalbuches
„Pater Pio, Freund Gottes, Wohltäter der Menschen“.  Parvis-Verlag April 1991

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IST MGR. LEFEBVRE EIN GÜLTIG GEWEIHTER BISCHOF?
Aus EINSICHT Jahrgang-24 Nummer-02 Juli-1994

von
Eberhard Heller

Seit der Rede von Mgr. Lefebvre am 27.5.1976 in Montréal/ Kanada, in der er bestätigte, von dem Freimaurer Achille Liénart zum Priester und zum Bischof geweiht worden zu sein, reißt die Debatte - öffentlich oder auf privater Ebene geführt -, ob die von Liénart gespendeten Weihen gültig gewesen seien bzw. ob er selbst überhaupt ein gültig geweihter Bischof sei, nicht mehr ab. Außer gelegentlichen Hinweisen auf die vorliegende Problematik haben wir bisher zu diesem Thema keine öffentliche Stellungnahme abgegeben, da das vorliegende Material für eine schlüssige Beweisführung der Ungültigkeit der Weihen unserer Meinung nach nicht ausreicht. Ein Beweis läßt sich unserer Auffassung weder positiv noch negativ führen. Für unseren Kampf gegen den Lefebvreismus haben stichhaltigere Argumente ausgereicht, um zu zeigen, daß Mgr. Lefebvre und seine Organisation lediglich eine traditionalistische Rebellengruppe innerhalb der apostatischen 'Kirchen'-Organisation ist, die mit dem wirklichen katholischen Widerstand nicht nur nichts zu tun hat, sondern diesen, wo sie nur kann, programmgemäß noch zerstört.
Anmerkung Webmaster: In diesem Absatz wurde von mir ein Satz in Klammer entfernt. Text soll nur den Sachverhalt schildern.

Inzwischen haben jedoch eine ganze Reihe von Priestern die Lefebvre-Bruderschaft verlassen und wirken in den verschiedensten Meßzentren als Seelsorger (bzw. sie versuchen es). Dieser Umstand veranlaßt uns, auf die Problematik im Zusammenhang mit den an ihnen gespendeten Weihen aufmerksam zu machen.

Hier zunächst Auszüge aus der Rede, die Mgr. Lefebvre am 27.5.1976 in Montreal gehalten hat und die die weltweite Debatte ausgelöst hat:

"Der Heilige Vater (Montini) wurde in einer modernistischen Umwelt erzogen... Es ist deshalb nicht überraschend, daß der Papst nicht reagierte, wie der heilige Pius X. reagiert hätte, wie Papst Pius IX. reagiert hätte oder ein Leo XIII. Als eine Folgeerscheinung herrschte auf dem Konzil eine solche Atmosphäre, daß es keinen Widerstand gegen den modernistischen Einfluß gab, der durch eine Gruppe von Kardinälen ausgeübt wurde, der insbesondere durch Kardinal Liénart befohlen und zu einem gewissen Grade durch ihn dirigiert wurde.... Nun, vor zwei Monaten veröffentlichte in Rom die traditionalistische Zeitschrift CHIESA VIVA - ich habe es in Rom mit meinen eigenen Augen gesehen - auf der Rückseite des Umschlags die Photographie Kardinal Liénarts mit allen seinen freimaurerischen Zutaten, den Tag des Datums seiner Einweihung in die Freimaurerei, den Grad, unter dem er der Freimaurerei angehörte, dann das Datum, an dem er zum 2o., dann zum 3o. Grad der Freimaurerei aufstieg, sich dieser Loge, jener Loge angeschlossen hat, in dieser Stadt, in jener Stadt. - Seitdem, ungefähr zwei oder drei Monate, nachdem diese Veröffentlichung stattfand, hörte ich keinerlei Rückwirkung, keinerlei Widerspruch. Unglücklicherweise muß ich Ihnen nun sagen, daß dieser Kardinal Liénart mein Bischof ist, daß er es ist, der mich zum Priester geweiht hat, daß er es ist, der mich zum Bischof konsekriert hat. Ich kann nichts dafür... Glücklicherweise sind die Weihen gültig... Aber, trotz allem war es sehr schmerzlich für mich, dies zu erfahren." (zitiert nach der deutschen Übersetzung von Herrn Dr. Hugo Maria Kellner / U.S.A. in Brief Nr.72 vom Juli 1977; die Angaben über Liénarts Zugehörigkeit zur Freimaurerei sind zu finden in Nr.51 der Zeitschrift CHIESA VIVA vom März 1976, Anschrift: C.V., Editrice Civiltà, Via Galileo Galilei 121, I - 25100 Brescia)

Mgr. Lefebvre hatte, wie Herr Dr. Kellner weiter nachweisen konnte, bereits vor Mai 1970 Kenntnis von der Zugehörigkeit Liénarts zur Freimaurerei.

Zu den betroffenen Personen:

Achille Liénart

  1907 Priesterweihe
     
  1912 Eintritt in die Freimaurerloge von Cambrai (dann Assoziation mit Logen in Lille, Valenciennes und Paris)
     
  1919 Ernennung zum "Visiteur" (18. Grad)
     
  1924 Beförderung in den 30. Grad
     
  1928 Bischofsweihe

                                   Außerdem wohnte Liénart schwarzen Messen bei.

 
Marcel Lefebvre

 

geb. am 29.11.1905 in Tourcoing / Diözese Lille,

Student im Seminar von Lille, an dem Liénart vor seiner Bischofsweihe als Professor lehrte,

Priesterweihe am 21.9.1929 durch den inzwischen
konsekrierten Liénart,

Bischofsweihe am 18.9.1947 durch Liénart.

 

Quelle für die Zugehörigkeit Liénarts zur Freimaurerei: André Henri Jean Marquis de la Franquerie: "L'infaillibilté pontificale" 2. 1970, S.80 f. Das Buch kann bezogen werden bei: Jean Auguy, Editeur "Diffusion de la Pensée Française, Chiré-en-Nontreuil, F - 86190 - Vouillé.

Der Autor belegt auch, daß Liénart Satanist war. Der Marquis war päpstlicher Geheimkämmerer und ein guter Kenner der Freimaurerinfiltration des Vatikans, besonders der Aktivitäten von Rampolla, unter Leo XIII. Staatssekretär, Kardinal und Freimaurer.

Bald nach Bekanntwerden dieser Tatsachen wurden Zweifel an der Gültigkeit der Weihen von Liénart und Mgr. Lefebvre laut. Sie haben sich rasch auf die Frage konzentriert, ob der Hochgradfreimaurer und Satanist Liénart im Jahre 1928 intentional disponiert war, die Bischofsweihe gültig zu empfangen. Müßte man die Frage negativ beantworten, ergäben sich folgende Schlußfolgerungen: Hätte Liénart die Bischofsweihe nicht gültig empfangen, wären die an Lefebvre vollzogenen Weihen selbstverständlich auch ungültig, ebenso wie die von Msgr. Lefebvre gespendeten Ordinationen.

In diesem Zusammenhang ist noch wie folgt argumentiert worden: Auch wenn die von dem Priester Liénart gespendete 'Bischofsweihe' an Marcel Lefebvre ungültig gewesen sein sollte, dann haben doch zumindest die beiden Co-Konsekratoren die Bischofsweihe gültig gespendet. Dieses Argument würde zutreffen, wenn feststände, daß Lefebvre zuvor gültig zum Priester geweiht worden wäre. Da aber die Priesterweihe ebenfalls von dem Freimaurer Liénart gespendet wurde, dessen Bischofsweihe gerade ja bezweifelt wird, andererseits zum Empfang der Bischofsweihe die Spendung der gültigen Priesteweihe vorausgesetzt wird, kann man diesen Einwand nicht bestehen lassen.

Die Beantwortung der Frage, ob Liénart 1928 intentional so disponiert war, daß er die Bischofsweihe gültig empfing, wurde in den Kreisen des katholischen Widerstandes recht unterschiedlich beantwortet:

- Herr Dr. Hugo Maria Kellner / U.S.A. versuchte den Nachweis der Ungültigkeit unter Hinweis auf mögliche Fälschungen im Kirchenrecht von 1917. (Briefe Nr.72 und Nr.75 aus dem Jahr 1979.)

- Dieser Argumentation schloß sich 1979 Abbe E. Robin / Frankreich - inzwischen verstorben - an.

- Die vorgebrachten Argumente versuchte der damalige Pater Guérard des Lauriers zu widerlegen. (Brief vom 14.6.1979)

- Für gültig wurde die Weihe auch von Gloria Riestra in TRENTO gehalten.

- Zweifel wiederum äußerte Herr A. Eisele, Herausgeber der SAKA-Informationen Anfang 1980

- Starke Zweifel an der Gültigkeit haben Bischof Vezelis (THE SERAPH von 1983) und auch die mexikanischen Bischöfe.

- Für deren Gültigkeit setzte sich dann wieder Prof. B. F. Dryden / U.S.A. ein (Rundschreiben vom 27.4.1983).

- Für die Gültigkeit der Weihen wird auch angeführt, Liénart hätte die Weihen bestimmt in der entsprechenden Intention gültig empfangen, gerade weil er als Bischof der Kirche schaden wollte. (Ähnlich wie bei 'Schwarzen Messen', zu denen ja gleichfalls von abgefallenen Priestern Hostien gültig konsekriert werden, um den Leib Christi auch wirklich schänden zu können.)

Wir haben in München dieses Problem zusammen mit (+) H.H. Dr. Otto Katzer mehrfach und sehr ausführlich (über acht Stunden) diskutiert: die bloße Zugehörigkeit zur Freimaurerei reicht als solche nicht aus, um den ungültigen Empfang zu beweisen. Sie macht ihn bloß irregulär. Das CIC verbietet in diesem Fall aber die Ausübung der unerlaubt empfangenen Vollmachten. Der Besuch von 'Schwarzen Messen' allein ist auch kein ausreichendes Indiz. Liénarts Häresie und die Zerstörung des Glaubens auf dem II. Vatikanum, die ja auch von Mgr. Lefebvre angesprochen wird, lassen keinen direkten Schluß zu auf seinen Mentalzustand bzw. intentionale Einstellung im Jahre 1928, zum Zeitpunkt seiner Konsekration (bzw. 'Konsekration'). Nimmt man aber alle gravierenden Momente zusammen und berücksichtigt Liénarts exponierte Stellung in der Freimaurerei, so lassen sie Zweifel an der für den gültigen Empfang notwendigen Intention begründet zu. H.H. Dr. Katzer, der sich erst vehement sträubte, sich mit diesem Thema zu befassen, kam kurz vor seinem Tode zu der Auffassung, "daß es schlecht um Lefebvre stehe" - gemeint war die Gültigkeit seiner Weihe; bezweifelbar wegen der ungesicherten Intention von Liénart.

Es könnte aber auch sein, daß - wie oben angeführt - Liénart eine ausreichende Intention gerade deswegen aufbrachte, weil er der Kirche schaden wollte. Diese Möglichkeit wird durchaus zugestanden - nur: nachprüfen läßt sie sich nicht mehr. Ein positiver Beweis sowohl für die Gültigkeit wie auch für die Ungültigkeit läßt sich unserer Meinung nach nicht führen. Ein solches Unterfangen muß notwendigerweise in moraltheologischen bzw. moralpsychologischen Spekulationen enden, da man eben Kard. Liénart über seine damalige Einstellung nicht mehr befragen kann - er ist tot -, und wenn er noch hätte Antwort geben können, wäre es sehr unsicher, ob er sich an seine damalige Intention noch erinneren könnte, und wenn ja, ob er uns die Wahrheit sagen würde.

Für die Spendung der Sakramente gilt das Prinzip "tutior", d.h. es muß die sichere Spendung gewählt werden. Im Falle einer nachweislich dubiosen Spendung schreibt die Kirche vor, dieses Sakrament sub conditione zu wiederholen.

Im vorliegenden Fall schließen wir uns den Empfehlungen an, die Mgr. Guérard des Lauriers - damals noch nicht zum Bischof konsekriert - seinen Schülern gab, die von Mgr. Lefebvre geweiht (oder: 'geweiht') worden waren und wegen dogmatischer Gegensätze seine Organisation verlassen hatten, sich unter den gegebenen Umständen, unter denen die Weihen von Lefebvre stehen, sub conditione nachweihen zu lassen.

Anmerkung:
Inzwischen sind weitere Stellungnahmen zu diesem Problem abgegeben worden. Ich erinnere u.a. an die sehr ausführliche Darstellung von H.H. P. Groß in KYRIE ELEISON Nr. 1-4 / 1987, der versuchte, die Zweifel an der Gültigkeit der Weihen in der Manier des Dominikaner-Theologen Ambrosius Catharinus (+1535) zu beheben.
Diesem antwortete wiederum der inzwischen verstorbene Herr André Perlant "Anmerkungen zur Theologie von H.H. P. Groß" (EINSICHT, Nr.4, 20. Jahrgang, vom Okt. 1990, S.37f) und betonte darin gegen die Auffassung von H.H. P. Groß entschieden die Wichtigkeit einer positiven Intention bei der Sakramentenspendung.
In einem Kapitel des Sonderdrucks "Die Zerstörung des sakramentalen Priestertums durch die 'römische Konzilskirche'" (EINSICHT Sonder-Nr.2, vom April 1991) versuchte Herr Prof. Wendland ebenfalls den Nachweis zu erbringen, daß aufgrund der fehlenden Intention Lefebvres Weihen ungültig seien.

Quelle:  EINSICHT Jahrgang-24 Nummer-02 Juli-1994

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Der Papst nimmt Stellung   10. März 2009

In einem Brief an die Bischöfe äußert sich Papst Benedikt XVI. zu seiner umstrittenen Entscheidung, die Exkommunikation der traditionalistischen Bischöfe der Piusbruderschaft aufzuheben.

 

Liebe Mitbrüder im bischöflichen Dienst!

Die Aufhebung der Exkommunikation für die vier von Erzbischof Lefebvre im Jahr 1988 ohne Mandat des Heiligen Stuhls geweihten Bischöfe hat innerhalb und außerhalb der katholischen Kirche aus vielfältigen Gründen zu einer Auseinandersetzung von einer Heftigkeit geführt, wie wir sie seit langem nicht mehr erlebt haben. Viele Bischöfe fühlten sich ratlos vor einem Ereignis, das unerwartet gekommen und kaum positiv in die Fragen und Aufgaben der Kirche von heute einzuordnen war. Auch wenn viele Hirten und Gläubige den Versöhnungswillen des Papstes grundsätzlich positiv zu werten bereit waren, so stand dagegen doch die Frage nach der Angemessenheit einer solchen Gebärde angesichts der wirklichen Dringlichkeiten gläubigen Lebens in unserer Zeit. Verschiedene Gruppierungen hingegen beschuldigten den Papst ganz offen, hinter das Konzil zurückgehen zu wollen eine Lawine von Protesten setzte sich in Bewegung, deren Bitterkeit Verletzungen sichtbar machte, die über den Augenblick hinausreichen. So fühle ich mich gedrängt, an Euch, liebe Mitbrüder, ein klärendes Wort zu richten, das helfen soll, die Absichten zu verstehen, die mich und die zuständigen Organe des Heiligen Stuhls bei diesem Schritt geleitet haben. Ich hoffe, auf diese Weise zum Frieden in der Kirche beizutragen.

Eine für mich nicht vorhersehbare Panne bestand darin, daß die Aufhebung der Exkommunikation überlagert wurde von dem Fall Williamson. Der leise Gestus der Barmherzigkeit gegenüber vier gültig, aber nicht rechtmäßig geweihten Bischöfen erschien plötzlich als etwas ganz anderes: als Absage an die christlichjüdische Versöhnung, als Rücknahme dessen, was das Konzil in dieser Sache zum Weg der Kirche erklärt hat. Aus einer Einladung zur Versöhnung mit einer sich abspaltenden kirchlichen Gruppe war auf diese Weise das Umgekehrte geworden: ein scheinbarer Rückweg hinter alle Schritte der Versöhnung von Christen und Juden, die seit dem Konzil gegangen wurden und die mitzugehen und weiterzubringen von Anfang an ein Ziel meiner theologischen Arbeit gewesen war. Daß diese Überlagerung zweier gegensätzlicher Vorgänge eingetreten ist und den Frieden zwischen Christen und Juden wie auch den Frieden in der Kirche für einen Augenblick gestört hat, kann ich nur zutiefst bedauern. Ich höre, daß aufmerksames Verfolgen der im Internet zugänglichen Nachrichten es ermöglicht hätte, rechtzeitig von dem Problem Kenntnis zu erhalten. Ich lerne daraus, daß wir beim Heiligen Stuhl auf diese Nachrichtenquelle in Zukunft aufmerksamer achten müssen. Betrübt hat mich, daß auch Katholiken, die es eigentlich besser wissen konnten, mit sprungbereiter Feindseligkeit auf mich einschlagen zu müssen glaubten. Um so mehr danke ich den jüdischen Freunden, die geholfen haben, das Mißverständnis schnell aus der Welt zu schaffen und die Atmosphäre der Freundschaft und des Vertrauens wiederherzustellen, die - wie zur Zeit von Papst Johannes Paul II. - auch während der ganzen Zeit meines Pontifikats bestanden hatte und gottlob weiter besteht.

Eine weitere Panne, die ich ehrlich bedaure, besteht darin, daß Grenze und Reichweite der Maßnahme vom 21. 1. 2009 bei der Veröffentlichung des Vorgangs nicht klar genug dargestellt worden sind. Die Exkommunikation trifft Personen, nicht Institutionen. Bischofsweihe ohne päpstlichen Auftrag bedeutet die Gefahr eines Schismas, weil sie die Einheit des Bischofskollegiums mit dem Papst in Frage stellt. Die Kirche muß deshalb mit der härtesten Strafe, der Exkommunikation, reagieren, und zwar, um die so Bestraften zur Reue und in die Einheit zurückzurufen. 20 Jahre nach den Weihen ist dieses Ziel leider noch immer nicht erreicht worden. Die Rücknahme der Exkommunikation dient dem gleichen Ziel wie die Strafe selbst: noch einmal die vier Bischöfe zur Rückkehr einzuladen. Diese Geste war möglich, nachdem die Betroffenen ihre grundsätzliche Anerkennung des Papstes und seiner Hirtengewalt ausgesprochen hatten, wenn auch mit Vorbehalten, was den Gehorsam gegen seine Lehrautorität und gegen die des Konzils betrifft. Damit komme ich zur Unterscheidung von Person und Institution zurück. Die Lösung der Exkommunikation war eine Maßnahme im Bereich der kirchlichen Disziplin: Die Personen wurden von der Gewissenslast der schwersten Kirchenstrafe befreit. Von dieser disziplinären Ebene ist der doktrinelle Bereich zu unterscheiden. Daß die Bruderschaft Pius' X. keine kanonische Stellung in der Kirche hat, beruht nicht eigentlich auf disziplinären, sondern auf doktrinellen Gründen. Solange die Bruderschaft keine kanonische Stellung in der Kirche hat, solange üben auch ihre Amtsträger keine rechtmäßigen Ämter in der Kirche aus. Es ist also zu unterscheiden zwischen der die Personen als Personen betreffenden disziplinären Ebene und der doktrinellen Ebene, bei der Amt und Institution in Frage stehen. Um es noch einmal zu sagen: Solange die doktrinellen Fragen nicht geklärt sind, hat die Bruderschaft keinen kanonischen Status in der Kirche und solange üben ihre Amtsträger, auch wenn sie von der Kirchenstrafe frei sind, keine Ämter rechtmäßig in der Kirche aus.

Angesichts dieser Situation beabsichtige ich, die Päpstliche Kommission "Ecclesia Dei", die seit 1988 für diejenigen Gemeinschaften und Personen zuständig ist, die von der Bruderschaft Pius' X. oder ähnlichen Gruppierungen kommend in die volle Gemeinschaft mit dem Papst zurückkehren wollen, in Zukunft mit der Glaubenskongregation zu verbinden. Damit soll deutlich werden, daß die jetzt zu behandelnden Probleme wesentlich doktrineller Natur sind, vor allem die Annahme des II. Vatikanischen Konzils und des nachkonziliaren Lehramts der Päpste betreffen. Die kollegialen Organe, mit denen die Kongregation die anfallenden Fragen bearbeitet (besonders die regelmäßige Kardinalsversammlung an den Mittwochen und die ein- bis zweijährige Vollversammlung), garantieren die Einbeziehung der Präfekten verschiedener römischer Kongregationen und des weltweiten Episkopats in die zu fällenden Entscheidungen. Man kann die Lehrautorität der Kirche nicht im Jahr 1962 einfrieren - das muß der Bruderschaft ganz klar sein. Aber manchen von denen, die sich als große Verteidiger des Konzils hervortun, muß auch in Erinnerung gerufen werden, daß das II. Vaticanum die ganze Lehrgeschichte der Kirche in sich trägt. Wer ihm gehorsam sein will, muß den Glauben der Jahrhunderte annehmen und darf nicht die Wurzeln abschneiden, von denen der Baum lebt.

Ich hoffe, liebe Mitbrüder, daß damit die positive Bedeutung wie auch die Grenze der Maßnahme vom 21. 1. 2009 geklärt ist. Aber nun bleibt die Frage: War das notwendig? War das wirklich eine Priorität? Gibt es nicht sehr viel Wichtigeres? Natürlich gibt es Wichtigeres und Vordringlicheres. Ich denke, daß ich die Prioritäten des Pontifikats in meinen Reden zu dessen Anfang deutlich gemacht habe. Das damals Gesagte bleibt unverändert meine Leitlinie. Die erste Priorität für den Petrusnachfolger hat der Herr im Abendmahlssaal unmißverständlich fixiert: "Du aber stärke deine Brüder" (Lk 22, 32). Petrus selber hat in seinem ersten Brief diese Priorität neu formuliert: "Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung fragt, die in euch ist" (1 Petr 3, 15). In unserer Zeit, in der der Glaube in weiten Teilen der Welt zu verlöschen droht wie eine Flamme, die keine Nahrung mehr findet, ist die allererste Priorität, Gott gegenwärtig zu machen in dieser Welt und den Menschen den Zugang zu Gott zu öffnen. Nicht zu irgendeinem Gott, sondern zu dem Gott, der am Sinai gesprochen hat; zu dem Gott, dessen Gesicht wir in der Liebe bis zum Ende (Joh 13, 1) - im gekreuzigten und auferstandenen Jesus Christus erkennen. Das eigentliche Problem unserer Geschichtsstunde ist es, daß Gott aus dem Horizont der Menschen verschwindet und daß mit dem Erlöschen des von Gott kommenden Lichts Orientierungslosigkeit in die Menschheit hereinbricht, deren zerstörerische Wirkungen wir immer mehr zu sehen bekommen.

Die Menschen zu Gott, dem in der Bibel sprechenden Gott zu führen, ist die oberste und grundlegende Priorität der Kirche und des Petrusnachfolgers in dieser Zeit. Aus ihr ergibt sich dann von selbst, daß es uns um die Einheit der Glaubenden gehen muß. Denn ihr Streit, ihr innerer Widerspruch, stellt die Rede von Gott in Frage. Daher ist das Mühen um das gemeinsame Glaubenszeugnis der Christen - um die Ökumene - in der obersten Priorität mit eingeschlossen. Dazu kommt die Notwendigkeit, daß alle, die an Gott glauben, miteinander den Frieden suchen, versuchen einander näher zu werden, um so in der Unterschiedenheit ihres Gottesbildes doch gemeinsam auf die Quelle des Lichts zuzugehen - der interreligiöse Dialog. Wer Gott als Liebe bis ans Ende verkündigt, muß das Zeugnis der Liebe geben: den Leidenden in Liebe zugewandt sein, Haß und Feindschaft abwehren die soziale Dimension des christlichen Glaubens, von der ich in der Enzyklika "Deus caritas est" gesprochen habe.

Wenn also das Ringen um den Glauben, um die Hoffnung und um die Liebe in der Welt die wahre Priorität für die Kirche in dieser Stunde (und in unterschiedlichen Formen immer) darstellt, so gehören doch auch die kleinen und mittleren Versöhnungen mit dazu. Daß die leise Gebärde einer hingehaltenen Hand zu einem großen Lärm und gerade so zum Gegenteil von Versöhnung geworden ist, müssen wir zur Kenntnis nehmen. Aber nun frage ich doch: War und ist es wirklich verkehrt, auch hier dem Bruder entgegenzugehen, "der etwas gegen dich hat" und Versöhnung zu versuchen (vgl. Mt 5, 23f)? Muß nicht auch die zivile Gesellschaft versuchen, Radikalisierungen zuvorzukommen, ihre möglichen Träger - wenn irgend möglich - zurückzubinden in die großen gestaltenden Kräfte des gesellschaftlichen Lebens, um Abkapselung und all ihre Folgen zu vermeiden? Kann es ganz falsch sein, sich um die Lösung von Verkrampfungen und Verengungen zu bemühen und dem Raum zu geben, was sich an Positivem findet und sich ins Ganze einfügen läßt? Ich habe selbst in den Jahren nach 1988 erlebt, wie sich durch die Heimkehr von vorher von Rom sich abtrennenden Gemeinschaften dort das innere Klima verändert hat; wie die Heimkehr in die große, weite und gemeinsame Kirche Einseitig keiten überwand und Verkrampfungen löste, so daß nun daraus positive Kräfte für das Ganze wurden. Kann uns eine Gemeinschaft ganz gleichgültig sein, in der es 491 Priester, 215 Seminaristen, 6 Seminare, 88 Schulen, 2 Universitäts-Institute, 117 Brüder und 164 Schwestern gibt? Sollen wir sie wirklich beruhigt von der Kirche wegtreiben lassen? Ich denke zum Beispiel an die 491 Priester. Das Geflecht ihrer Motivationen können wir nicht kennen. Aber ich denke, daß sie sich nicht für das Priestertum entschieden hätten, wenn nicht neben manchem Schiefen oder Kranken die Liebe zu Christus da gewesen wäre und der Wille, ihn und mit ihm den lebendigen Gott zu verkünden. Sollen wir sie einfach als Vertreter einer radikalen Randgruppe aus der Suche nach Versöhnung und Einheit ausschalten? Was wird dann werden?

Gewiß, wir haben seit langem und wieder beim gegebenen Anlaß viele Mißtöne von Vertretern dieser Gemeinschaft gehört - Hochmut und Besserwisserei, Fixierung in Einseitigkeiten hinein usw. Dabei muß ich der Wahrheit wegen anfügen, daß ich auch eine Reihe bewegender Zeugnisse der Dankbarkeit empfangen habe, in denen eine Öffnung der Herzen spürbar wurde. Aber sollte die Großkirche nicht auch großmütig sein können im Wissen um den langen Atem, den sie hat; im Wissen um die Verheißung, die ihr gegeben ist? Sollten wir nicht wie rechte Erzieher manches Ungute auch überhören können und ruhig aus der Enge herauszuführen uns mühen? Und müssen wir nicht zugeben, daß auch aus kirchlichen Kreisen Mißtönendes gekommen ist? Manchmal hat man den Eindruck, daß unsere Gesellschaft wenigstens eine Gruppe benötigt, der gegenüber es keine Toleranz zu geben braucht; auf die man ruhig mit Haß losgehen darf Und wer sie anzurühren wagte - in diesem Fall der Papst -, ging auch selber des Rechts auf Toleranz verlustig und durfte ohne Scheu und Zurückhaltung ebenfalls mit Haß bedacht werden.

Liebe Mitbrüder, in den Tagen, in denen mir in den Sinn kam, diesen Brief zu schreiben, ergab es sich zufällig, daß ich im Priesterseminar zu Rom die Stelle aus Gal 5, 13 - 15 auslegen und kommentieren mußte. Ich war überrascht, wie direkt sie von der Gegenwart dieser Stunde redet: "Nehmt die Freiheit nicht zum Vorwand für das Fleisch, sondern dient einander in Liebe! Das ganze Gesetz wird in dem einen Wort zusammengefaßt: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst! Wenn ihr einander beißt und zerreißt, dann gebt acht, daß ihr euch nicht gegenseitig umbringt." Ich war immer geneigt, diesen Satz als eine der rhetorischen Übertreibungen anzusehen, die es gelegentlich beim heiligen Paulus gibt. In gewisser Hinsicht mag er dies auch sein. Aber leider gibt es das "Beißen und Zerreißen" auch heute in der Kirche als Ausdruck einer schlecht verstandenen Freiheit. Ist es verwunderlich, daß wir auch nicht besser sind als die Galater? Daß uns mindestens die gleichen Versuchungen bedrohen? Daß wir den rechten Gebrauch der Freiheit immer neu lernen müssen? Und daß wir immer neu die oberste Priorität lernen müssen: die Liebe? An dem Tag, an dem ich darüber im Priesterseminar zu reden hatte, wurde in Rom das Fest der Madonna della Fiducia unserer Lieben Frau vom Vertrauen - begangen. In der Tat - Maria lehrt uns das Vertrauen. Sie führt uns zum Sohn, dem wir alle vertrauen dürfen. Er wird uns leiten - auch in turbulenten Zeiten. So möchte ich am Schluß all den vielen Bischöfen von Herzen danken, die mir in dieser Zeit bewegende Zeichen des Vertrauens und der Zuneigung, vor allem aber ihr Gebet geschenkt haben. Dieser Dank gilt auch allen Gläubigen, die mir in dieser Zeit ihre unveränderte Treue zum Nachfolger des heiligen Petrus bezeugt haben. Der Herr behüte uns alle und führe uns auf den Weg des Friedens. Das ist ein Wunsch, der spontan aus meinem Herzen aufsteigt, gerade jetzt zu Beginn der Fastenzeit, einer liturgischen Zeit, die der inneren Läuterung besonders förderlich ist und die uns alle einlädt, mit neuer Hoffnung auf das leuchtende Ziel des Osterfestes zu schauen.

Mit einem besonderen Apostolischen Segen verbleibe ich

im Herrn Euer
Benedikt PP. XVI.

 Aus dem Vatikan, am 10. März 2009 

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Priesterbruderschaft St. Pius X.
http://www.sekten-sachsen.de/

Ursprung/Gschichte: Der traditionalistische Bischof Marcel Lefebvre (1905-1991) gründete 1970 im Zuge seiner Ablehnung zentraler Beschlüsse des 2. Vatikanische Konzils die Priesterbruderschaft als einen Priesterorden mit eigenem Priesterseminar innerhalb der kath. Kirche. Nachdem er 1976 Priesterweihen ohne Erlaubnis gespendet hatte, wurde er suspendiert. 1988 weihte er ohne Genehmigung des Papstes vier Bischöfe, um den Fortbestand seiner Gemeinschaft zu sichern. Damit hat die Bruderschaft die volle Gemeinschaft der kath. Kirche verlassen.  In Reaktion auf diesen schismatischen (= kirchenspaltenden) Akt wurden er und die vier geweihten Bischöfe exkommuniziert (= Aus der kath. Kirche ausgeschlossen) [Text des Motuproprio auf deutsch]. Diese Exkommunikationen wurden im Jan. 2009 von Papst Benedikt XVI. wieder aufgehoben. Dies bedeutet jedoch noch keine Rehabilitierung der Bruderschaft oder ihre Wiedereingliederung in die kath. Kirche. Die der Bruderschaft angehörenden Bischöfe und Priester sind nach wie vor suspendiert, d. h. ihnen ist die Ausübung der Weihegewalt untersagt. Die Bruderschaft selbst steht nach wie vor nicht in der vollen Gemeinschaft der Katholischen Kirche. Ein Urteil des OLG Köln von 1992 (12 U 160/91) aufgrund einer Klage des Erzbistums Köln untersagt es der Bruderschaft folgerichtig, ihre Einrichtungen und Veranstaltungen als "römisch-katholisch" zu bezeichnen.
Im Laufe der Zeit gab es zahlreiche Abspaltungen und Austritte. Am bekanntesten ist die wieder mit Rom verbundene
Priesterbruderschaft St. Petrus. 2012 wurde der Bischof Richard Williamson ausgeschlossen, der die Piusbruderschaft des "Liberalismus" und Verrats am Erbe des Gründers bezichtigt. Er sammelt eine derzeit (2013) sehr überschaubare Zahl radikaler Traditionalisten um sich, lehnt aber derzeit (2013) noch die Gründung einer eigenen Gemeinschaft ab..

Lehre: Sie sehen die röm.-kath. Kirche nach dem 2. Vatikanischen Konzil (1962-1965) in einem Weg des Abfalls vom wahren Glauben. Über Benedikt XVI. sagt de Mallerais, einer der illegal geweihten Bischöfe der Pius-Bruderschaft: "Der jetzige Papst ist ein wirklicher Modernist, er vertritt die gesamte modernistische Theorie, und zwar auf dem neuesten Stand von heute! Noch als Dozent Joseph Ratzinger lehrte er tatsächliche Häresien." (Fideliter, September-Oktober 2008)

Insbesondere lehnen sie ab:

  • die Liturgiereform: Sie feiern die Hl. Messe nach dem bis 1962 gebräuchlichen tridentinischen Ritus. Den jetzigen Messritus empfinden sie als zu protestantisch und entsakralisiert. Während sie für sich die Toleranz der röm.-kath. Kirche fordern, dass auch deren Anhänger ihre Messe besuchen dürfen, vertreten sie die Meinung, dass ein Besuch der Hl. Messe im neuen Ritus kaum möglich und sündhaft sei.
  • die Ökumene: Nach ihrer Meinung kann die kath. Kirche als die einzig wahre nicht auf gleicher Stufe mit anderen christlichen Gemeinschaften sprechen, sondern diese nur zur Rückkehr in die wahre (kath.) Kirche aufrufen.
  • die Religionsfreiheit: Nur die Wahrheit (der kath. Glaube) könne Rechte für sich beanspruchen. Der Staat könne andere Konfessionen und Religionen aus praktischen Gründen dulden, müsse aber vor allem die kath. Kirche fördern und ggf. gegen andere Religionen und Weltanschauungen schützen. Als positives Beispiel wird die spanische Verfassung unter der Diktatur Francos angeführt: Die private Gewissensfreiheit wurde respektiert, aber die öffentliche Ausübung nicht-katholischer Religionen verboten.
  • den interreligiösen Dialog: Ähnlich wie bei der Ökumene wäre die einzige Form des Gesprächs mit anderen Religionen die Mission, um diese zur Bekehrung zum kath. Christentum zu bewegen. Deshalb werden z. B. das Friedensgebet der Religionen in Assisi wie auch der Besuch von Papst Benedikt in der Istanbuler Moschee von ihnen scharf kritisiert. Der Dialog mit den Juden wird unter dem Hinweis abgelehnt, dass diese "des Gottesmordes mitschuldig (sind), so lange sie sich nicht durch das Bekenntnis der Gottheit Christi und die Taufe von der Schuld ihrer Vorväter distanzieren." (Franz Schmidtberger, Distriktoberer für Deutschland, Brief an die Bischöfe 12/2008)
  • die Kollegialität der Bischöfe: Nach ihren Vorstellungen sind die Prinzipien von Leitung, Autorität und Unterordnung gottgegeben und gelten sowohl für die Kirche (mit dem Papst als Oberhaupt) als auch die Familie (mit dem Mann als Oberhaupt, dem sich die Frau unterzuordnen hat). Ihre politischen Vorstellungen laufen in Richtung eines kath. dominierten Gottes- und Ständestaats.

Richard Williamson, bis 2012 einer der Bischöfe der Priesterbruderschaft, geriet Anfang 2009 in die Kritik, als er in einem Interview für einen schwedischen Fernsehsender die Existenz der Gaskammern in den KZs leugnete und meinte, dass in den KZs der Nationalsozialisten nur maximal 300.000 Juden umgekommen seien. Diese Aussage war Anlass für Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Regensburg wegen Holocaust-Leugnung. Nachdem diese Äußerungen großen öffentlichen Wirbel verursacht hatten, hat sich die Priesterbruderschaft von diesen Aussagen distanziert. Am 4.10.2012 wurde Bischof Williamson wegen seiner Weigerung, sich der Leitung der Priesterbruderschaft unterzuordnen, aus der Priesterbruderschaft ausgeschlossen.

Die Piusbruderschaft erkennt den jeweils amtierenden Papst an. Sie versucht also einen Mittelweg zwischen der von ihr als modernistisch eingeschätzten "Konzilskirche" und den Sedisvakantisten, welche die Meinung vertreten, es gäbe derzeit einen rechtmäßigen Papst.

Lebensweise:  Die Priester der Bruderschaft leben in kleineren Priestergemeinschaften in Prioraten (in etwa vergleichbar mit  Pfarreien) und unterhalten dort ein Gemeindeleben für die ihnen verbundenen Gläubigen. Sehr stark wird die Spiritualität vom Besuch der Hl. Messe im traditionalistischen Ritus, Rosenkranzgebet, Andachten und Wallfahrten geprägt. Theologie und Ethik sind extrem konservativ geprägt. Es herrscht ein dualistisches Weltbild vor. Die Welt außerhalb der eigenen Gemeinschaft wird im Stadium des Zerfalls und Untergangs empfunden, weshalb man klare Distanz wahren solle. Bedenklich sind diese Züge der Selbstisolation, wenn z. B. ein damaliger Bischof der Bruderschaft, Richard Williamson am 2.9.06 auf einer Wallfahrt erklärte: "Die Familien sollten – wenn es irgendwie möglich wäre – zusammenkommen, um sich einander zu unterstützen. Damit die Kinder mit anderen katholischen Kindern, natürlichen Kindern anstatt verdorbenen Kindern, spielen können. Kann ich meinen Kinder erlauben, mit den anderen Kindern von heute ihre Zeit zu verbringen, die in allen Dingen auf dem Laufenden sind, auf dem „Laufendsten“ in Sachen Internet und Fernsehen und Nintendo und all diesen Dingen? Als gute Mutter kann ich es kaum erlauben." An anderer Stelle fordert er: "Zuhause darf es höchstens ein Videogerät geben, der Fernseher muss raus! Der Fernseher muss raus! Der Fernseher muss raus! ... Diese Maschine ist verhängnisvoll und stellt einen großen Teil der modernen Verbildung dar." (Predigt am 28.6.2008 in Zaitzkofen, hier zitiert nach: Mitteilungsblatt, 11/2008, S. 12)

Verbreitung: In Deutschland sind sie vor allem im süddeutschen Raum und im Rheinland verbreitet. Im Osten Deutschlands existiert nur ein Priorat in Berlin, von wo aus auch der Gottesdienstort in Dresden betreut wird (Stand 2013). Dieser befindet sich in einem Hinterhaus in Dresden-Löbtau, wo eine kleine Kapelle eingerichtet wurde.  Weltweit gehören zur Pius-Bruderschaft ca. 460 Priester (Deutschland: ca. 50). Die Gottesdienste werden weltweit nach ihren Angaben von ca. 150.000 Gläubigen besucht. Verglichen mit der Anzahl der Katholiken von ca. 1,1 Mrd. weltweit entspräche das einem Anteil von 0,01 %

nahestehende und Unterorganisationen, andere Namen:

  • Katholische Jugendbewegung (KJB)
  • Eucharistischer Kinderkreuzzug
  • Civitas-Institut
  • Katholische Ärztevereinigung St. Lukas
  • St. Petrus Canisius Werk e.V. (Zeitschrift: "Kirchliche Umschau")

 

Weitere Informationen
Selbstdarstellung

kritische Informationen:

Literaturempfehlung:

Wolfgang Beinert (Hg.); Der Vatikan und die Pius-Brüder: Anatomie einer Krise; Herder-Verlag, Freiburg 2009, 1. Aufl.; 258 Seiten; ISBN: 3451302799; Preis: 14,95 Euro (Stand 2009)
Der Band dokumentiert zunächst die für die aktuelle Diskussion zentralen kirchlichen Texte. Danach diskutieren namhafte Theologen insbesondere über die Bedeutung des Zweiten Vatikanischen Konzils, die Rolle des Papstes sowie die kirchenrechtlichen und systematisch-theologischen Hintergründe.
 

Alois Schifferle, Die Pius-Bruderschaft: Informationen - Positionen - Perspektiven, Butzon & Bercker 2009, 400 Seiten, ISBN: 3766612816; Preis: 29,95 Euro. Sehr umfangreiche Abhandlung über Geschichte und Theologie der Piusbruderschaft mit ausführlicher theologischer Darlegung des unterschiedlichen Verständnisses von Tradition in Kirche und Piusbruderschaft

 

 

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