Die heilige Hildegard von Bingen             

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Hildegard von Bingen, eine der bedeutendsten Frauen des Mittelalters, ist deshalb, weil sie uns in der sechsten Schau des zweiten Buches ihres großartigen Werkes "Scivias" (Wisse die Wege) in mystischer Tiefe die Eucharistielehre der Kirche dargestellt hat, unter die eucharistischen Heiligen einzureihen. Sie wurde 1098 geboren. Im Alter von acht Jahren wurde sie einer Frauenklause auf dem Disibodenberg zur Erziehung übergeben.

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Das Wort Gottes und die benediktinische Lebensordnung wurden so zum tragenden Fundament ihres Lebens. Hildegard war mit reichen Gaben des Herzens und des Verstandes von der göttlichen Weisheit beschenkt, hatte von Kindheit an (mit 3-4 Jahren) die Fähigkeit, Unsichtbares zu schauen.

 

Sie erhielt in einer Vision von Gott den Auftrag (im Jahre 1141), das Geschaute niederzuschreiben und es den Menschen mitzuteilen. Nach anfänglichem Sträuben gegen den Auftrag Gottes überwand sie schließlich ihre Furcht und begann mit der Niederschrift ihres Erstlingswerkes "Scivias" ("Wisse die Wege"). Einen Wendepunkt im Leben der bis dahin unbekannten Ordensfrau brachte die Synode zu Trier 1147/48, welcher Papst Eugen III. vorstand. Abt Kuno von Disibodenberg liess dem Papst durch Erzbischof Heinrich von Mainz über Hildegard berichten. Dieser entsandte unter dem Vorsitz von Bischof Albero von Verdun eine Kommission in das Kloster Hildegards, um die Echtheit ihrer Sehergabe zu prüfen.

 

Die Kommission kehrte, tief beeindruckt von Hildegards Persönlichkeit, mit positivem Ergebnis zurück und überreichte dem Papst einen Teil der Schrift "Scivias". Dieser las öffentlich daraus vor und bestätigte unter dem Beifall aller Anwesenden Hildegards Charisma.

 

Die heilige Hildegard schrieb über ihre Sehergabe im Alter von 77 Jahren an den Mönch Wigbert (Guibert) von Gembloux: "Die Worte, die ich spreche, habe ich nicht von mir noch von einem anderen Menschen, sondern ich sage sie aus der Schau, die ich von oben empfange. Ich sehe die Schau einzig in meiner Seele, mit offenen leiblichen Augen, so dass ich niemals die Bewusstlosigkeit einer Ekstase erleide, sondern wachend schaue ich dies, bei Tag und Nacht.” Was hat nun die heilige Hildegard über die Heilige Eucharistie geschaut!

 

Sie schaut in der sechsten Schau des zweiten Buches von "Scivias" wie in den vorausgehenden Schauungen - die Kirche als Braut Christi, die als unsagbar kostbare "Hochzeitsgabe" Leib und Blut Christi im heiligsten Altarssakrament empfängt...

 

...Als nun ein Priester, mit den heiligen Gewändern bekleidet, zur Feier der göttlichen Geheimnisse an den Altar trat, kam plötzlich heller Lichtglanz vom Himmel. Engel stiegen herab, und das Licht umflutete den Altar. Das blieb so, bis sich nach Vollendung des heiligen Opfers der Priester entfernte. Nachdem das Evangelium des Friedens verlesen und die Opfergabe für die Konsekration auf dem Altar bereitgelegt war, sang der Priester den Lobpreis des allmächtigen Gottes: “Sanctus, sanctus, sanctus, Dominus Deus Sabaoth!” und begann das unaussprechliche Geheimnis. In diesem Augenblick öffnete sich der Himmel. Ein feuriges Blitzen von unbeschreiblich lichter Klarheit fiel auf die Opfergaben nieder und durchströmte sie ganz mit seiner Herrlichkeit, wie die Sonne den Gegenstand, den sie bestrahlt, mit ihrem Lichte durchdringt. Und der blitzende Schein trug die Opfergabe in unsichtbare Höhen bis in das Innerste des Himmels empor und liess sie wieder auf den Altar hernieder, ähnlich wie ein Mensch beim Atmen die Luft einzieht und sie wieder aushaucht. Obgleich nun die Opfergaben für das Auge der Menschen noch das Aussehen von Brot und Wein hatten, waren sie doch in wahres Fleisch und wahres Blut umgewandelt...

 

Aber als der Priester das Lied von dem unschuldigen Lamme “Agnus Dei, qui tollis peccata mundi” sang und sich zum Empfang der heiligen Kommunion anschickte, zog sich das feurige Blitzen zurück. Der Himmel schloss sich, doch hörte ich aus seinem Innern eine Stimme: “Esset und trinket den Leib und das Blut meines Sohnes, auf dass die Sünde Evas getilgt werde und ihr in euer rechtmäßiges Erbe eingeht!” Als sich nach Vollendung des heiligen Geheimnisses der Priester vom Altar entfernte, zog sich auch der helle Lichtglanz, der den Altar bis dahin umstrahlt hatte, wieder nach oben in die Verborgenheit des Himmels zurück..."

 

Ausführlich spricht die heilige Hildegard über die heilige Kommunion. Über die Art und Weise, wie sie empfangen werden soll, und über ihre Wirkungen: Zunächst verlangt sie entsprechende Vorbereitung auf den Empfang der heiligen Kommunion: Wie der Leib des Herrn im reinsten Schoss der Jungfrau entstand, so darf er auch, weil eben überaus rein, von den Gläubigen nur mit reinem und einfältigem Herzen empfangen werden. Wer zum Empfang der heiligen Kommunion hinzutreten will, muss sich hüten, in einem Gottes unwürdigen Zustand zu erscheinen; darum muss er zuerst eine gewissenhafte Selbstprüfung (Hl. Beichte) anstellen:

 

Nach dem Maß der Herzensreinheit, des Glaubens und Verlangens des Kommunikanten richten sich die Gnadengaben beim Empfang der heiligen Kommunion. Die Wirkungen der heiligen Kommunion im richtig disponierten Empfänger sind gross und zahlreich. Die heiligste Dreifaltigkeit selber kommt; darum hört die heilige Hildegard, wie Gott spricht: "Anderswo gebe ich meinen Auserwählten, die Mich suchen, Meine Gnaden nach den verschiedenen Gaben des Heiligen Geistes. In diesem Sakrament aber zeige Ich Mich ihnen ganz; denn Mein Sohn ist in Mir und Ich in Ihm, und der Heilige Geist ist in Uns und Wir sind in Ihm und sind eins in der Gottheit!" Solch gnadenreiche Einwohnung des dreifaltigen Gottes reinigt die Kommunikanten von ihren Gebrechen und stärkt sie gegen den bösen Feind. Aus diesem Sakrament erwächst den Tugenden des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe neue Anregung. Keine Gnaden empfängt, ja neue Schuld lädt auf sich, wer dieses heiligste Sakrament in schwerer Sündenschuld empfängt. Ein solcher "schickt den Herrn,... in den Sumpf seines Elends." Hildegard hat diesen Glauben an das heiligste Sakrament hochgehalten bis an ihr Lebensende. Sie starb nach dem Empfang der heiligen Wegzehrung am 17. Sept. 1179.

 
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