Hl. Bernhard von Clairvaux   (1090-1153)

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Marias ergebenster Priester

Hl. Bernhard von Clairvaux

Dieser Titel «Marias ergebenster Priester» steht im Bericht über Tod und Begräbnis des Hl. Bernhard, dessen Lebenswerk seiner Zeit sogar den Stempel «Bernardinisches Zeitalter» aufgeprägt hat. Seine Bedeutung wird durch viele Ehrentitel umschrieben (Doctor mellifluus = honigfliessender Lehrer; religiöses Genie usw.). Seine ausgeprägte Marienfrömmigkeit schlägt sich auch in Titeln nieder wie «Doctor Marianus» (=Marianischer Lehrer), «Eques Mariae» (=Ritter Marias), «Cantor Mariae» (=Sänger Marias), «Citharoedes Mariae» (=Zitterspieler zu Ehren Marias).

Bernhard wurde 1090 als Sohn des burgundischen Vasallen Tescelin–le-Sor, Seigneur de Fontaines–lès-Dijon und dessen Gattin Aleth (Adelheid), Tochter des Grafen Bernard, Sir de Montbard auf Burg Fontaines bei Dijon als 3. von 7 Kindern geboren. Er hatte 5 Brüder und 1 Schwester. Mit 8 Jahren wird Bernhard in die Lateinschule der Stiftsherren von St. Vorles in Châtillon-sur-Seine geschickt, die er 10 Jahre lang besucht.

Hier erhielt das Kind eine hervorragende, gründliche theologisch-literarische Bildung, die ihm später sehr zustatten kam. Wenn man die Sprachbeherrschung Bernhards bedenkt, dann waren die Stiftsherren exzellente Lehrer in den Sieben Freien Künsten. Aber auch die zwei Jahre in Cîteaux bei Abt Stephan Harding (1113-1115) haben sicherlich ihre Spuren hinterlassen.

Noch einmal zurück zur Schule in Châtillon-sur-Seine. Hier hatte das Kind Bernhard am Weihnachtsfest 1098/1099, also im Alter von 8 Jahren, eine Vision, die sein ganzes Denken beeinflusste. Bernhard sieht während der Weihnachtsmette die Geburt des Christkindes und er begreift, dass Gott nicht nur der unnahbare Gott ist, der über allem thront, sondern dass er vor allem auch Mensch wurde und sich den Menschen zuneigt, zuwendet – einer von ihnen ist. Für uns ist dies heute selbstverständlich, aber damals eröffneten sich dadurch neue Welten.

1103 – Bernhard ist gerade 13 Jahre alt – stirbt die Mutter. Dieser Tod stürzt den Knaben in eine tiefe religiöse Krise, die ihn jahrelang nicht zur Ruhe kommen lässt. Am Ende aber (1111) hat er seinen Lebensweg gefunden – er will ganz für Gott leben.

Und das nicht etwa in Cluny, sondern in dem damals fast unbekannten, bestenfalls wegen seiner Strenge verrufenen Neuklosters Cîteaux (das Kloster bestand 13 Jahre). 1113 tritt er mit 30 Gleichgesinnten in Cîteaux ein, darunter sind fast alle seine Brüder, später wird auch der Vater folgen.
Drei Jahre später wird er Gründerabt des Klosters Clairvaux (=helles Tal). Hier entfaltet er seine Theologie, nimmt Einfluss auf Kirche und Welt –so sehr, dass man die 1. Hälfte des 12. Jahrhunderts das Bernhardinische Zeitalter nannte.

Vom Stammkloster Citeaux in Burgund ist noch das ehemalige Skriptorium (=Schreibstube) zu sehen. Im 13. Jh. zahlt man 1800 Zisterzienserabteien.—
Die Trappisten (OCSO) sind eine strengere Ausrichtung des Ordens und verzeichnen heute einen neuen Aufschwung.

Bernhards Einfluss auf den Zisterzienserorden ist so groß, dass er oft als dessen Gründer angesehen wird.

Er erlebt gegen 70 Neugründungen in ganz Europa. Als «zweiter Stifter» des Zisterzienserordens (nach Robert v. Molesme) unterhält er in den vier Jahrzehnten bis zu seinem Tod Kontakte mit fast allen Persönlichkeiten Europas. Demütig und bescheiden verkörpert er das Idealbild eines Mönches, der beweist, dass strengste Askese nicht verstümmelt, sondern befruchtet, dass Weltgestaltung trotz monastischer Weltflucht möglich ist. Berühmt wird er mit seinen flammenden Kreuzzugspredigten.— Bernhard wehrt sich gegen jegliche Karriere und lehnt Bischofsernennungen ab (Genua, Mailand). Mit dialektischer Schärfe wendet er sich gegen Abaelard, der als erster Modernist den methodischen Zweifel als Weg zur Wahrheit auch in der Theologie lehrt und die Lehren der Väter ignoriert. Der Hl. Bernhard gilt als grösster lat. Prediger des Mittelalters. Aus den Schriften des Vaters der Christus- u. Brautmystik schöpfen fast alle Theologen bis heute, sogar Luther, Calvin und neuere Häretiker.

1174 erfolgt seine Heiligsprechung (Fest: 20. Aug.; das der Übertragung seiner Gebeine: 12. Okt.). Wegen der Tiefe u. Reinheit der Lehre erteilt ihm Pius VIII. 1830 den Titel Doctor ecclesiae (=Kirchenlehrer).

Die in Clairvaux erhobenen Reliquien werden 1790 nach Ville-sous-la Ferte gebracht. Das Haupt und ein Gebein befinden sich seit 1813 in einem kostbaren Schrein in der Schatzkammer der Kathedrale v. Troyes.

Dargestellt wird der Hl. Bernhard als weisser Mönch mit dem Kreuz oder allen Leidenswerkzeugen in der Hand zum Zeichen seiner beständigen äussersten Abtötung, auch mit einem Hund od. einem gefesselten Teufel zur Seite, od. auch betend vor einem Kruzifix u. die Umarmung des Gekreuzigten empfangend. Der Hl. Bernhard ist Patron v. Gibraltar u. Ligurien, der Bienen u. Wachszieher. Er wird angerufen bei Besessenheit od. Dämonie, gegen Tierplagen und Unwetter (in einem Wettersegen des 15. Jh.).

Der Anwalt Mariens

Die wichtigsten mariologischen Gedanken des hl. Bernhard sind folgende:

♥  Maria ist von Ewigkeit her vorherbestimmt und verheissen.
♥  Sie ist die für ihre Sendung als Mutter des Sohnes GOTTES Zubereitete und Geheiligte! Sie steht zwar auch unter dem Fluch der Ursünde, aber zwischen Empfängnis und Geburt ist sie geheiligt und begnadigt worden.
♥  Auf Grund der jungfräulichen Gottesmutterschaft ist Maria eine unsagbar hohe, fast erschreckende Würde und Grösse eigen.
♥  Sie. ist Mittlerin zwischen Gott und den Menschen (dafür gebraucht der Hl. Bernhard die Bilder vom Aguädukt, vom Kanal, vom Meeresstern und von der Leiter, auf der die Sünder zu Gott emporsteigen). «GOTT wollte, dass wir (im übernatürlichen Bereich) nichts haben, das nicht durch die Hände Marias hindurchging».
♥  Maria hat im Werk der Erlösung mitgewirkt. Sie war dabei als Gehilfin des Erlösers die neue Eva an der Seite des neuen Adam.

♥ 

Maria blieb nicht nur in der Empfängnis und Geburt Jesu und nach dieser Jungfrau, sie ist nach dem Hl. Bernhard auch die erste, die ein Gelübde der Jungfräulichkeit abgelegt hat.
♥  Maria blieb zeitlebens frei von persönlichen Sünden und war geschmückt mit einer Fülle von Gnaden und Tugenden.

 

Der Hl. Bernhard über Marias Mitwirkung im Erlösungswerk:

«Du hast gehört, Hl. Jungfrau, du sollst einen Sohn empfangen und gebären: Nicht von einem Menschen hast Du das Wort gehört, sondern vom Hl. Geist. Der Engel wartet auf Antwort; denn es ist Zeit, dass er wieder zu Gott zurückkehrt, der ihn gesandt hat. Herrin, auch wir warten auf das Wort des Erbarmens, wir, auf denen das Todesurteil lastet. Siehe, Dir ist der Preis unserer Erlösung angeboten. Wir werden sofort befreit, wenn Du zustimmst. Im ewigen Wort GOTTES sind wir alle geschaffen, wir, die wir sterben müssen. Durch ein kurzes Wort von Dir sollen wir neu geschaffen und dem Leben zurückgegeben werden. Um dieses Wort bitten Dich, gütige Jungfrau, der beklagenswerte Adam und seine Nachkommen, die, aus dem Paradies vertrieben, in der Verbannung weilen. Um dieses Wort bitten Abraham und David. Dieses Wort ersehnen alle Hl. Patriarchen, Deine Väter; auch sie wohnen ja im Schatten des Todes. So liegt der ganze Erdkreis Dir zu Füssen und wartet auf Deine Antwort...»

 

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