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Engelssturz

   
   




 

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Entstehung der Schöpfung im Geistigen
Ordnung in Gottes Werken
Luzifer widersetzt sich
Offenbarung des Johannes, 12. Kapitel
Der Sturz Luzifers und seines Anhangs
Verfolgung des Menschengeschlechtes
Der heilige Erzengel Michael, oberster Heerführer im Reich Gottes

 

Entstehung der Schöpfung im Geistigen
Abfall und Engelssturz (Maria von Agreda)

Die Menschheitsgeschichte reicht viel weiter in die Vergangenheit hinein, als sich dessen die Menschen bewusst sind. Den meisten Menschen fehlt heute das Ur- und. Grundwissen über ihre Herkunft, über ihre Vergangenheit. Dieses „Grund“legende Wissen ist ihnen im Verlauf der Zeit verloren gegangen. Das Wissen um die Anfänge der Menschheit ist die Voraussetzung, um überhaupt den Sinn des Erdenlebens, Gott als Schöpfergott am Anfang, seine Menschwerdung als Erlöser in der Mitte und als Richter und Vollender am Ende, seine Botschaften und Lehren, den Sinn der uns von Gott gegebenen Entscheidungsfreiheit, die Existenz von Gut und Böse, Krankheit und Leid und noch Vieles mehr verstehen zu können. Ohne dieses Wissen um die „Ur“sachen hängt vieles in der Luft – es bleibt unverständlich und rätselhaft – gleich den Wurzeln eines Baumes, die dem oberflächlichen Betrachter nicht offensichtlich sind.

 

GOTT

Gott ist der „Urquell allen Seins” – der Schöpfer aller Dinge. In der Bibel heißt es, der Mensch solle sich von Gott kein Bildnis machen (5.Mos. 5,8). Gott ist eine Person und hat eine Gestalt. Gott ist die Vollkommenheit. In Gott ist nur Reinheit, und diese Reinheit ist eine lebendige Kraft, die nach außen als ein lebendiges Feuer zum Ausdruck kommt. Gott ist in ein gewaltiges Feuer eingekleidet. Um Gott selbst ist unendliches Licht, unermessliche Kraft, die er in die Weiten der geistigen und materiellen Welt sendet. Gott ist die unendliche Liebe und Güte. In Gott ist die Weisheit, die Wahrheit selbst.

 


Die Erschaffung der Geister

Sie wurden von Gott im Himmel erschaffen und zwar im Stande der Gnade. Mit dieser sollten sie sich die Herrlichkeit als Lohn verdienen. Obwohl sie sich am Orte der Gnade befanden, schauten sie doch die Gottheit noch nicht von Angesicht zu Angesicht, bis sie es mit der Gnade durch Gehorsam gegen den göttlichen Willen verdient hatten.  


Die guten wie auch die abtrünnigen Engel blieben nur kurze Zeit im Zustand der Prüfung, denn die Erschaffung, Prüfung und Entscheidung erfolgten in drei ganz kurzen Zeitabschnitten. Im ersten Zeitraum wurden alle Engel erschaffen und mit Gnaden und den Gaben des Heiligen Geistes ausgerüstet, so dass sie überaus schön und vollkommen waren.

 

Luzifer

Luzifer geriet damals in eine sehr ungeordnete Selbstliebe, denn er sah sich mit einer höheren Schönheit der Natur und Gnade ausgerüstet, als die übrigen Engel. In dieser Erkenntnis hielt er sich zu lange auf, und das Wohlgefallen an sich selbst hemmte ihn so, dass er Gott, der einzigen Ursache all seiner Vorzüge, den schuldigen Dank lässig und träge darbrachte. Wiederum betrachtete er sich selbst.

Aufs Neue gefielen ihm seine Schönheit und seine Gnaden. Er schrieb sie sich selbst zu und liebte sie als seine eigenen. Diese ungeordnete Selbstbetrachtung bewirkte, dass er sich mit den Kräften, die er von einer höheren Macht empfangen hatte, nicht nur nicht, wie er sollte, über sich selbst erhob, sondern sie verführte ihn auch zum Neid gegen andere und zur Begierde nach den Gaben und Vorzügen der anderen. Da er diese für sich nicht erlangen konnte, entbrannte er in tödlichem Zorn und Hass gegen Gott, der ihn aus dem Nichts erschaffen hatte, und gegen alle Seine Geschöpfe. Aus dieser Verfassung entsprangen Ungehorsam, Vermessenheit, Ungerechtigkeit, Treulosigkeit, Gotteslästerung, ja, sogar eine Art Abgötterei, denn er begehrte für sich jene Anbetung, die man allein Gott schuldig ist. Er lästerte Gottes Hoheit und Heiligkeit. Er verlor den Glauben und die schuldige Treue. Er nahm sich in seiner Vermessenheit vor, alle Geschöpfe zu vernichten, und schmeichelte sich, dies und noch manches andere ausführen zu können. In dieser Geisteshaltung verharrte er. Seine Hoffart steigerte sich. Doch seine Vermessenheit war größer als seine Stärke, denn in dieser konnte er nicht wachsen. Doch hinsichtlich der Sünde „ruft ein Abgrund dem anderen zu“, der erste sündige Engel war Luzifer, er verführte die anderen. Deshalb wird er der Fürst der bösen Geister genannt, also nicht aufgrund seiner Natur. Nicht wegen dieser, sondern nur um der Sünde willen konnte er diesen Titel behaupten. Die sündigen Engel sind nicht alle aus einem Chor, sondern aus allen fielen Engel ab, und zwar viele.

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Ordnung in Gottes Werken

In den Werken Gottes ist alles nach Maß, Zahl und Gewicht geordnet. Darum beschloss die göttliche Vorsehung, den Engeln unmittelbar nach ihrer Erschaffung, - also bevor sie sich noch anderen Zielen zuwenden konnten – das Endziel zu offenbaren, zu dem sie erschaffen und mit einer so erhabenen und ausgezeichneten Natur begabt worden waren. Gott erleuchtete sie auf folgende Weise: Zuerst empfingen sie eine sehr eindrucksvolle Erkenntnis von der Wesenheit Gottes, Seiner Einheit in der Natur, Seiner Dreifaltigkeit in den Personen. Zugleich erhielten sie den Befehl, den unendlichen Gott als ihren Schöpfer und Herrn zu verehren und anzubeten. Alle folgten gehorsam, doch mit Unterschied, die guten Engel folgten aus Liebe und Gerechtigkeit. Sie unterwarfen sich mit besten Willen, nahmen gläubig auf, was ihre Fassungskraft überstieg, und gehorchten freudig.

Ferner offenbarte Gott den Engeln, dass er Menschen, vernünftige Geschöpfe einer niederen Ordnung, erschaffen wolle. Auch diese sollten Gott als ihren Urheber und ihr ewiges Gut lieben, fürchten und ehren. Er werde diese Natur überaus begnadigen. Die zweite Person der Heiligsten Dreifaltigkeit selbst werde Mensch werden und in Verbindung die menschliche Natur mit der Göttlichen zu einer Person vereinigen. Diesen zukünftigen Mensch gewordenen Gott sollten die Engel nicht nur wegen Seiner Gottheit, sondern auch wegen Seiner Menschheit als ihr Oberhaupt anerkennen, verehren und anbeten. Als an Würde und Gnade Ihm untergeordnet, sollten sie Seine Diener sein. Zugleich ließ Gott die Engel erkennen, wie geziemend, gerecht und vernünftig diese Unterwerfung sei. Wie alle übrigen zukünftigen Geschöpfe hätten auch sie die Aufgabe, den Mensch gewordenen Gott zu verherrlichen, weil er aller Wesen König sei. Alle vernünftigen Geschöpfe, die der Erkenntnis und des Genusses Gottes fähig seien, sollten Sein Volk werden und ihn als ihr Haupt anerkennen und verehren. Dann wurde den Engeln das entsprechende Gebot erteilt. Die gehorsamen, heiligen Engel unterwarfen sich diesem Befehle sofort mit ganzer Willenskraft, mit demütigem und liebesglühendem Eifer.

 

Luzifer widersetzt sich

Luzifer aber, voll Neid und aufgeblasener Hoffart, widersetzte sich und trieb die gleichgesinnten Engel an, ein Gleiches zu tun. Auch sie gehorchten dem göttlichen Befehle nicht. Dafür versprach Luzifer ihnen, dass er ihr Haupt sein und ein unabhängiges Fürstentum gegen Christus aufrichten wolle. Neid und Hoffart und unordentliches Begehren verursachten in diesem einen Engel eine solche Verblendung, dass er unzählige mit der Pest der Sünde ansteckte. Nun erhob sich jener große Kampf im Himmel, von dem der Heilige Johannes berichtet. Die gehorsamen heiligen Engel entbrannten vor Eifer, die Ehre des Allerhöchsten und die Ehre des Mensch gewordenen Gott den sie in einem Gesicht schauten, zu verteidigen. Sie baten um die Erlaubnis und die Genehmigung des Herrn, gegen den Drachen zu streiten. Das wurde ihnen gewährt.
Auslegung des 12. Kapitels der Geheimen Offenbarung

 

„Und es erhob sich ein großer Kampf im Himmel, Michael und seine Engel kämpften mit dem Drachen, und der Drache und seine Engel kämpften. Aber sie vermochten nicht standzuhalten, und ihr Platz im Himmel ging verloren. So wurde der große Drache gestürzt, die alte Schlange, die Teufel und Satan heißt und die ganze Welt verführt. Er wurde auf die Erde gestürzt, und mit ihm wurden seine Engel gestürzt.“
 

  

 

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Offenbarung des Johannes, 12. Kapitel

Der Evangelist sagt: „Ein großes Zeichen erschien am Himmel, eine Frau, mit der Sonne umkleidet, den Mond unter ihren Füßen und eine Krone von zwölf Sternen auf ihrem Haupt.“ Dieses Zeichen ist durch Gottes Willen vor allen Engeln, den guten und den bösen, im Himmel wirklich erschienen. Im Schauen sollten sie ihren Willen entweder zum Gehorsam oder zum Ungehorsam gegen die Gebote des göttlichen Wohlgefallens entscheiden. Dieses Zeichen offenbarte ihnen auch, wie wunderbar Gott die menschliche Natur erschaffen würde. Wohl war sie ihnen schon bei der Offenbarung des Geheimnisses der Menschwerdung zu erkennen gegeben, doch Gott wollte sie ihnen auch noch in einem rein menschlichen, ganz vollkommenen, ganz heiligen Geschöpfe kundtun, das Er nächst Christus erschaffen werde.
 

Es war als sage Gott den Engeln:

„Ich will die Menschen nicht so wie euch züchtigen, weil aus ihnen eine Frau hervorgehen wird, in dessen Schoß Mein Eingeborener Fleisch annehmen soll. Er wird ihnen Meine Freundschaft wieder erwerben, Meine Gerechtigkeit versöhnen und den Weg zur Seligkeit, den die Sünde verschlossen hat, wieder eröffnen.“

Er ließ die Engel erkennen, dass Er durch Vermittlung Christi und Seiner Mutter jene Gnaden und Gaben in den Menschen niederlegen wolle, die die abtrünnigen Engel durch ihre Treulosigkeit verloren hatten.

Die Engel erkannten in diesem Zeichen auch viele Geheimnisse der Menschwerdung, der streitenden Kirche und ihrer Glieder, und dass sie, die Engel, berufen seien, den Menschen zu helfen, sie gegen ihre Feinde zu verteidigen und sie zur ewigen Seligkeit zu führen.

Auslegung des 12. Kapitels der Geheimen Offenbarung

„Und es erhob sich ein großer Kampf im Himmel, Michael und seine Engel kämpften mit dem Drachen, und der Drache und seine Engel kämpften.“

Nachdem der Herr obige Geheimnisse den guten und bösen Engeln geoffenbart hatte, begann der Heilige Michael mit den Seinen unter Zustimmung Gottes gegen den Drachen und seinen Anhang zu kämpfen. Dieser Streit war wunderbar. Er wurde nur mit den Waffen des Verstandes und des Willens geführt. Entflammt von Eifer für die Ehre Gottes, ausgerüstet mit der ihm von Gott verliehenen Macht und bewaffnet mit seiner eigenen Demut, widerstand Michael dem eitlen Hochmut des Drachens, indem er sagte: „Würdig ist der Allerhöchste aller Ehre, alles Lobes, aller Ehrfurcht. Er ist würdig der Ehrfurcht, der Liebe und des Gehorsams aller Geschöpfe. Er ist allmächtig und kann tun, was Er will. Nichts kann Er wollen, was nicht vollkommen gerecht ist. Er, der Unerschaffene und von keinem anderen Wesen Abhängige, gab uns aus Gnade alles, was wir besitzen. Er erschuf uns aus dem Nichts. Er kann auch andere Wesen erschaffen, wann und wie es ihm gefällt. Darum ist es höchst geziemend, dass wir uns vor Seinem göttlichen Thron niederwerfen und Seine göttliche Majestät und wesenhafte Hoheit anbeten, kommet also, ihr Engel, folget mir! Lasset uns Ihn anbeten. Seine wunderbaren geheimen Gerichte und Seine heiligen, vollkommenen Werke lobpreisen.“


Mit diesen Worten kämpften der Heilige Michael und sein Anhang

Wie mit heftigen Blitzen stritten sie wider den Drachen und seinen Anhang. Diese hingegen kämpften mit Gotteslästerungen. Luzifer aber konnte vor dem Antlitz des heiligen Engelsfürsten nicht bestehen. Er verging vor Wut und wollte vor Qual entfliehen; allein der Göttliche Wille gebot, dass er nicht nur gestraft, sondern auch überwunden werde und die Wahrheit und Allmacht Gottes erfahre, er mochte wollen oder nicht. Trotzdem lästerte er: „Gott ist ungerecht, wenn Er die Natur der Menschen (Maria) über die Natur der Engel erhebt. Ich bin der erhabenste und schönste Engel, mir gebührt der Triumph und Huldigung. Ich will meinen Thron über die Sterne setzen und gleich sein dem Allerhöchsten. Keinem einzigen von niederer Natur werde ich mich unterwerfen und niemals zugeben, dass ein anderer mir vorgehe oder sich über meine Hoheit erschwinge!“ Dasselbe wiederholten seine abtrünnigen Anhänger.

Doch Michael erwiderte:
„Wer ist wie der Herr, unser Gott, der in den Höhen wohnt?

Schweige, Feind, mit deinen ungeheuren Lästerungen! Du bist ganz von Bosheit besessen, darum fort aus unserer Gesellschaft, du Unglückseliger! Fahre hinab mit deiner blinden Unwissenheit und deiner Bosheit in die finstere Nacht und in das Chaos der höllischen Pein! Wir hingegen, o Geister des Herrn, wollen Gott anbeten und verehren. Die glückselige Frau aber, die dem ewigen Wort die menschliche Natur schenken wird, wollen wir als unsere Herrin und Königin anerkennen.“
Jenes > große Zeichen < der Himmelskönigin war in diesem Streit für die guten Engel wie Schild und Waffe gegen die bösen Abtrünnigen. Dem gegenüber waren die Streitgründe Luzifers kraftlos. Er wurde verwirrt und sprachlos und konnte die in diesem Zeichen dargestellten Wahrheiten nicht ertragen. Wie dieses geheimnisvolle Zeichen durch Gottes Kraft erschienen war, so wollte Gott auch, dass ein anderes Zeichen,

der rote Drache, sichtbar werde und Luzifer in dieser Gestalt zum Entsetzen und Erschrecken seines Anhanges und zur Verwunderung der heiligen Engel mit Schande aus dem Himmel verstoßen werde.

So offenbarte sich aufs Neue Gottes Macht und Gerechtigkeit

Den Verlauf dieses Streites kann man mit Worten schwerlich schildern, weil der Abstand zwischen unserem Begreifen und der Tätigkeit so vieler erhabener Engel zu groß ist. Die Bösen wurden nicht Herr, denn Ungerechtigkeit, Lügenwerk, Unwissenheit und Bosheit können Gerechtigkeit, Wahrheit, Licht und Güte nicht überwältigen, noch können diese Tugenden von den Lastern überwunden werden.

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Der Sturz Luzifers und seines Anhangs

„Aber sie vermochten nicht standzuhalten, und ihr Platz im Himmel ging verloren.“ Die unglückseligen Engel machten sich durch ihre Sünde der ewigen Anschauung und Gesellschaft Gottes unwürdig. Ihr Andenken wurde aus dem göttlichen Geiste ausgelöscht, wo sie vor ihrem Fall durch ihre Gnadengaben gleichsam eingeschrieben waren. Sie verloren ihr Recht auf die im Falle ihres Gehorsams ihnen zubereiteten Plätze. Dieses Anrecht ging nun auf die Menschen über. Von den abtrünnigen Engeln wurde jede Spur so vollständig ausgelöscht, dass nichts mehr von ihnen im Himmel zu finden war.
 

Oh unglückselige Bosheit, unbeschreibliches Unglück, würdig einer so entsetzlichen Strafe!
 

„So wurde der große Drache gestürzt, und mit ihm wurden seine Engel gestürzt.“ Der heilige Erzengel Michael verstieß den elenden, in einen Drachen verwandelten Luzifer mit jenem unüberwindlichen Wort: „Wer ist wie Gott?“ Es war so kräftig, dass es jenen stolzen Riesen samt seinen Rotten niederschmetterte und mit unvergleichlicher Schande in den tiefsten Abgrund der Erde hinunter schleuderte. Nun empfing er zu seinem Unglück und zur Strafe auch noch neue Namen, wie Drache, Schlange, Teufel, Satan. Namen, die der heilige Erzengel ihm im Streite beigelegt hatte, um dadurch seine Bosheit und Ungerechtigkeit auszudrücken. Wie er durch seine Tücke alles Glück und alle Ehre verwirkt hatte, so ward er auch aller Ehrentitel beraubt und stattdessen mit Schandnamen bezeichnet. Übrigens legte schon sein Bosheitsplan, den er seinen Bundesgenossen vorschlug und befahl, nämlich die Erdenbewohner zu betören und zu verführen, seine Arglist mehr als genügend an den Tag. So ward also jener, der in seinen Gedanken schon alle Völker zerschmetterte, hinabgeschleudert in die Hölle.

Von Ihm sagt Isaias: „In die Unterwelt wirst du hinabgestürzt, in die Tiefe des Pfuhles. Dein Leichnam wird übergeben den Motten und dem Wurme deines bösen Gewissens“ (Is. 14, 15). Es erfüllte sich an Luzifer alles, was Isaias im 14. Kapitel seines Buches berichtet.

So war nun der Himmel von den bösen Engeln gesäubert

Für die guten und gehorsamen aber fiel der Vorhang der Gottheit. Triumphierend gingen sie in ihre Glorie ein, während die Abtrünnigen ihre Strafe empfingen. Gott offenbarte den Engeln einen Teil der göttlichen Beschlüsse und sprach: „Luzifer hat sein Banner der Hoffart und der Sünde aufgepflanzt.“

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Verfolgung des Menschengeschlechtes

„Mit vollendeter Bosheit und starkem Grimm wird er das menschliche Geschlecht verfolgen und viele durch Arglist verführen und so verleiten, dass die Menschen sich gegenseitig umbringen. In der Blindheit der Sünden und Laster werden sie zu verschiedenen Zeiten in unheilvoller Unwissenheit sich empören, aber Hoffart, Lüge und alle Arten von Sünden sind Meinem Wesen und Willen unendlich fern. Wir wollen darum der Tugend und Heiligkeit den Triumph verleihen.“



Jesus siegt über die Hölle

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Der HL. ERZENGEL MICHAEL,
oberster Heerführer im Reich Gottes

In begeisterten Worten verherrlicht unsere heilige Kirche den Erzengel Michael. Sie nennt ihn den glorreichen Fürsten, den Führer der himmlischen Heerscharen, den Bannerträger im Kampf des Heiles; sie rühmt von ihm, dass er durch seine Stärke und Mut den Sieg errungen, dass seine Verehrung den Völkern Segen bringe, dass sein Gebet zum Himmel führe. In der Überzeugung von seiner Macht und im Vertrauen auf seine Güte hat ihn die Kirche zu ihrem Schutzherrn bei Gott erwählt und feiert alljährlich zweimal ein Fest zu seiner Ehre, am 8. Mai und am 29. September. Auch sonst nennt sie ihn bei ihren Gebeten, empfiehlt ihre Sterbenden seinem Schutze.
Gewiss Gründe genug, dass auch wir einstimmen in das Lob des heiligen Erzengel Michaels.
Einen gewaltigen Kampf schildert uns das 12. Kapitel der geheimen Offenbarung. Es entstand ein großer Kampf im Himmel. Michael und seine Engel kämpften wider den Drachen, und der Drache und sein Anhang kämpften wider sie. Und sie konnten nicht die Oberhand erringen, und ihres Bleibens war nicht länger im Himmel." Das war also der erste Kampf, von dem die Offenbarung meldet; ein Kampf, der im Himmel ausgefochten ward; schrecklich in seinen Folgen für die bösen Engel, glorreich und herrlich für die guten, besonders für ihren Anführer St. Michael.
Es hatte sich Luzifer, der Lichtträger, in seinem Stolze wider Gott empört. "Ich will mich erheben über die Gestirne des Himmels," hatte er in Verblendung und Hochmut gesprochen; "dort will ich meinen Thron aufschlagen; dem Allerhöchsten will ich gleich sein." Es war ihm gelungen, auch andere Engel zur Empörung zu verleiten. Wer soll nun einstehen für die Ehre Gottes? Wer soll die Beleidigung sühnen, die dem Allerhöchsten zugefügt worden? Als Rächer erscheint St. Michael, der große Fürst, der Führer der himmlischen Heerscharen. In heiligem Eifer greift er zum Schwert und schwingt es siegreich gegen die Empörer. Sein Kampfesruf: "Wer ist wie Gott?"
sammelt die guten, treu gebliebenen Engel. Luzifer mit seinem Anhang unterliegt und wird in die Hölle verstoßen; Michael und die guten Engel aber werden für immer in der Gnade Gottes befestigt und mit der ewigen Anschauung Gottes belohnt.
Es ist schwer für uns Menschen, diesen Kampf der guten und bösen Engel uns vorzustellen. Wir sprechen vom flammenden Schwert, das St. Michael geführt, vom Kampfes- und Siegesruf, den er angestimmt, und doch wissen wir, dass es unter bloßen Geistern keine irdischen Waffen, keine menschlichen Schlachtenrufe, kein sichtbares Kampfesgetümmel gibt. Dennoch hat die Heilige Schrift gerade jene Schilderung gegeben und die christliche Kunst hat dieselbe in Tausende von Darstellungen wiederholt, weil es so unserer menschlichen Auffassung entspricht. Aus all dem sollen wir sehen, wie begeistert der heilige Erzengel war für die Ehre Gottes, wie standhaft er dafür gekämpft hat, wie bereitwillig die guten Engel seinem Beispiel gefolgt sind.


Der Kampf im Himmel war beendet; er sollte seine Fortsetzung finden auf Erden. Hatten zuerst nur Engel miteinander gekämpft, so führen jetzt Engel und Menschen als Verbündete den Kampf, die Guten auf der einen Seite, die Bösen auf der andern. Die Führer im Kampf sind die gleichen geblieben, Michael für die Kinder des Lichtes, Luzifer für die Söhne der Finsternis.
Weil die bösen Engel sich aufgelehnt haben wider Gott, darum wollen sie auch die Menschen zum Aufruhr verleiten. Weil sie selbst vom Himmel ausgeschlossen und zur Hölle verdammt sind, darum wollen sie auch die Menschen zur Sünde verführen und in die ewige Verdammnis stürzen. Darum beginnt Luzifer mit seinem Anhang jenen erbitterten Kampf, der seit Jahrtausenden auf unserer Erde geführt wird zwischen gut und bös, der schon bei den ersten Menschen seinen Anhang genommen und erst am jüngsten Tage seinen Abschluss finden wird.
Es ist ein gewaltiger Kampf, der unfehlbar mit der Niederlage des Menschengeschlechtes geendet hätte, wäre nicht ein Höherer, der Sohn Gottes selbst, zu Hilfe gekommen. Satan hatte die ersten Menschen und mit ihnen all ihre Nachkommen in seine Gewalt gebracht; er fühlte sich als den Starken, der sein Haus bewacht und seinen Besitz in Sicherheit glaubt. Da erschien Christus als der Stärkere und befreite die Menschen aus der Gewalt ihres Feindes und gab ihnen Freiheit, Kinder Gottes zu werden und im Kampf gegen die Hölle den Sieg zu erringen. Er stiftete seine Kirche und bestellte in ihr als himmlischen Schutzherrn St. Michael, den Fürsten der Engel. Wie dieser glorreiche Kämpfer einst den Luzifer überwand bei seiner ersten Empörung, so hat er ihn auch seitdem überwunden und wird ihn künftig überwinden bei seinen Angriffen gegen die Kirche.
Durchgehe die Jahrhunderte, erforsche die Geschicke der Kirche Christi, die Vorbereitung, welche den ganzen Alten Bund umfasst; die Gründung der Kirche durch Christus, die Ausbreitung in den Tagen der Apostel, das segensreiche Wirken in allen Zeiten und Ländern bis herab auf unsere Tage: immer finden wir Kämpfe, schwere, furchtbare Kämpfe, die nach menschlichem Ermessen zum Untergang der Kirche führen musste; immer aber folgt auf den Kampf der Sieg, und oft sind es so wunderbare, dem Menschen unbegreifliche Siege, so dass selbst der Unglaube gestehen muss: Hier ist der Finger Gottes. Und stammen die Kämpfe von Satan und allen, die sich dem Himmelsfürsten, und allen, die unter seiner Fahne kämpfen. Im Namen Gottes und mit der Kraft Gottes wacht er über die Kirche.

 

Welcher Trost liegt für uns in dem Bewusstsein: Unsere heilige Kirche hat am Erzengel Michael einen mächtigen, siegreichen Beschützer. Gerade jetzt tobt wieder der Kampf gegen die Kirche mit aller Heftigkeit; man wäre fast versucht, das Wort des Propheten Daniel (12,1) zu wiederholen von einer großen Trübsal, "dergleichen noch nicht war, seit die Völker gewesen". Von allen Seiten ruft man zum Kampf, enger als vielleicht jemals schließen sich die Reihen der Feinde, manche jubeln schon, es sei das Ende der Kirche gekommen. Doch verzagen wir nicht! Noch immer schwingt St. Michael sein Schwert; noch immer stimmt er seinen Kampfesruf an: "Wer ist wie Gott?", noch immer schlägt er siegreich die Schlachten des Herrn. Hat er bis auf unsere Tage den Sieg errungen, so wird er ihn auch diesmal und in alle Zukunft erringen. Erst am jüngsten Tage, wenn das Morgenrot der Ewigkeit emporsteigt, wird man sagen können: Nun legt St. Michael das Schwert aus der Hand; nun hat er seinen letzten, entscheidenden Sieg erfochten. Rufen wir ihn an, besonders an seinem Feste, dass er sein Amt als Schirmherr der Kirche auch in unserer Zeit ausübe! Versprechen wir ihm zugleich, dass wir unter seiner Fahne als gute Christen, als treue Kinder unserer heiligen Kirche kämpfen wollen!
Das ist es ja, was wir in diesem Kampfe fürchten müssen. Der Kirche ist der Sieg verheißen, nicht aber einem jeden von uns. Tausende haben sich schon im Kampf gegen die Hölle schwach bewiesen; ganze Länder und Völker sind vom Glauben abgefallen. Der Mensch hat eben seine Freiheit und kann sie gebrauchen, wie er will: Gott bietet einem jeden seine Hilfe an, um zu kämpfen und zu siegen, aber er zwingt niemand, diese Hilfe anzunehmen. Es besteht also für die Kirche keine Gefahr, dass sie untergehe. Sie dauert fort zu allen Zeiten und findet für die Verluste, die sie erleidet, reichen Ersatz in andern Ländern und Völkern, die sich zu ihr bekehren. Für uns aber besteht die Gefahr, dass wir unserer Pflicht untreu werden, dass wir im Kampf erliegen und sogar vom Glauben abfallen.
Deshalb erinnert uns das Schwert des heiligen Michael an die große, unabweisbare Pflicht des Kampfes. "Du musst kämpfen", ruft er einem jeden von uns zu. "Alle Christen, ja alle Menschen müssen teilnehmen an dem großen Kampf, der zwischen gut und bös geführt wird; niemand darf sich davon ausschließen. Darum folge meiner Fahne, harre aus an meiner Seite! Ich führe dich unfehlbar zum Siege."
Schließen wir uns diesem himmlischen Führer an! Er ist im Kampf erprobt; unter seiner Fahne werden wir den Sieg erringen. Einst auf dem Sterbebett, wenn unser Auge zu brechen und unsere Hand zu erkalten beginnt, wird man in den kirchlichen Gebeten die Worte sprechen: "Möge St. Michael die scheidende Seele aufnehmen, der die Führerschaft der himmlischen Heerscharen verdiente!" Er wird dann, wenn wir im Leben ihn treu angerufen, sein flammendes Schwert ein letztes Mal zu unserm Schutze schwingen; er wird uns gegen die Angriffe des bösen Feindes verteidigen und unsere Seele vor Gottes Richterstuhl bringen, um ihr auf der Waage der gerechten Vergeltung eine glückselige Ewigkeit zuzuerkennen.

Luzifer hat einst in seinem Stolze die eigene Ehre gesucht und sich wider Gott empört; dafür war nicht länger seines Bleibens im Himmel, er ward hinab gestürzt in den Abgrund der Hölle. St. Michael trat mit flammendem Eifer ein für die Ehre Gottes; dafür ward er befestigt in der glückseligen Anschauung Gottes und mit den höchsten Würden und Auszeichnungen überhäuft. Es folgen so manche Menschen dem Beispiel des demütigen Michael; sie verzehren sich im Eifer für die Ehre Gottes. Es folgen aber leider auch sehr viele dem Beispiel des stolzen Luzifer. Sie wiederholen jenes Wort frevelhafter Selbstüberhebung: "Ich will nicht dienen!" (Jerem. 2,20). Sie wollen kein Gesetz Gottes, keine Gebote der Kirche anerkennen, keinen Vorgesetzten über sich dulden. "Ich weiß selbst", sagen sie, "was ich zu tun habe. Was gehen mich Papst, Bischöfe und Priester an? Was der Staat mit seinen Beamten? Ich füge mich nicht und gebe nicht nach." Und wie ihre Worte, so ihre Taten. O, wie schwer wird einst dieser Stolz niederdrücken - hinab bis zum Abgrund der Hölle!

In Hass und Neid sah einst Luzifer auf das Glück der Menschen im Paradiese. Weil er selbst den Himmel verloren, sollten ihn auch die Menschen nicht besitzen. Darum wird er zum Verführer und stürzt das ganze Menschengeschlecht ins Unglück und arbeitet seitdem unablässig daran fort, die Hölle mit Verdammten aufzufüllen. St. Michael aber freute sich, dass Gott den Menschen die Plätze der gefallenen Engel zugedacht hatte; er liebte die Menschen und wollte ihnen helfen und so ward er zum Beschützer des jüdischen Volkes im Alten, zum Schirmherrn der katholischen Kirche im Neuen Bunde, zum Führer der auserwählten Seelen nach dem Tode. - Es ist wahr: St. Michael hat seine Nachahmer gefunden, die in aufrichtiger Liebe zu ihren Mitmenschen Wohltaten spendend durchs Leben gehen. Aber es ist ebenso wahr: Auch Luzifer hat zahlreiche Nachfolger, die in Hass und Neid gegen ihre Mitmenschen ihre Lebenstage verbringen. Wer zählt sie alle, die Beispiele der Feindschaft und Rachgier, die im christlichen Volke vorkommen, die Flüche und Verwünschungen, die man gegen seinesgleichen ausstößt, die Kränkungen und das Unrecht, die man andern zufügt! O, sie werden einst zentnerschwer niederdrücken in der linken Waagschale - hinab in den Abgrund der Hölle!

Luzifer hat sich nicht damit begnügt, allein gegen Gott sich zu empören; er zog Tausende und Millionen von Engeln in seinen Abfall, in sein Unglück hinein. Desgleichen war St. Michael nicht zufrieden, bloß selber seinem Gott treu zu bleiben; er sammelte auch die übrigen Engel um sich und bestärkte sie in der Treue gegen Gott! St. Michaels Beispiel wirkt fort. Es brennen so manche Menschen im heiligen Verlangen, Seelen in den Himmel zu retten. Christliche Eltern sagen: Wir wollen alles tun, dass ja keines unserer Kinder verloren gehe. Fromme Seelsorger kennen keinen andern Stolz, als einst möglichst viele Seelen vor ihren Erlöser hinzubringen. Missionäre opfern für diesen edelsten Stolz alles bis zum letzten Blutstropfen, bis auf den letzten Atemzug. Ja, selbst manch unscheinbare Person, ein armer Dienstbote, ein einfacher Fabrikarbeiter, ein braves Schulkind, hat bisweilen ganz den Eifer und vielleicht auch die Erfolge eines Apostels. Aber neben diesen Aposteln wirken Tausende von Luzifers Seelen nach dem Beispiele und im Geiste des ersten Luzifer. Gehe hin auf die Plätze und Straßen und Eisenbahnen, in die Fabriken und Kasernen und Theater, in die Schulen und Familien und Werkstätten; zähle sie alle, die als Gehilfen und Handlanger im Dienste des Satans stehen; zähle die traurigen Folgen ihrer Teufelsarbeit; zähle die unglückliche Opfer, die sie ins Verderben gebracht: die Kinder, die in schlechter Umgebung aufwuchsen; die Jünglinge, die immer böse Beispiele vor sich sahen; die Mädchen, an welche die Verführung in tausend Formen und Gestalten herantrat; die Männer, welchen oft alles den Unglauben predigte; die Frauen, denen oft der eigene Ehemann den letzten Trost, die Religion, genommen! Zähle sie, diese Millionen von Verführten, und zähle auch ihre Verführer; die Unkeuschen, die Ungläubigen und Religionsspötter, die Gotteslästerer und Gewohnheitsflucher, die Aufwiegler und Unruhestifter! Zähle sie alle und bedenke das Wort des Herrn vom Ärgernisse, jenes furchtbare Wort. O, wie muss diese Riesenzahl von Sünden einst zentnerschwer niederdrücken in der linken Waagschale - hinab bis in den tiefsten Abgrund der Hölle!
Gewiss, ein ernster Kampf tobt ringsum und streitet in unserer eigenen Brust. Es ist der Streit mit der Sünde, mit der bösen Lust. Es geht ein Schmerz durch das Leben, und ein Tod, ein Sterben durch die Welt; woher dieser Schmerz, woher dieses Sterben? Gäbe es keinen Kampf, so gäbe es keinen Schmerz; gäbe es keine Sünde, gegen die wir streiten, so gäbe es keinen Jammer, kein bitteres Sterben. Kein Mensch hat noch geleugnet, dass Jammer und Elend auf Erden seien, aber begriffen haben es noch nicht alle, woher seine Quelle. Es ist die Sünde, die uns im Kampfe diese Wunden schlägt, und zuletzt den Tod bringt.
Dieser Kampf, dieser Streit, dieses Elend ist eingetreten in diese Welt und in unserer Erde, seitdem im Paradiese zum ersten Mal jener gefallene Engel, der Feind Gottes und der Menschen zur neugeschaffenen Kreatur als Versucher hingetreten und sie besiegt hatte. Mit den Waffen der Lüge, mit den Lockungen der Sinnlichkeit, mit Stolz und Hochmut hat er den Sieg gewonnen und mit diesen Waffen streitet er noch heute und bis zur Stunde gegen Gott und gegen das Göttliche in der Welt.
Seitdem der falsche Engel im Paradies gesiegt hat, ist er, wie der Herr ihn bezeichnet, der Fürst dieser Welt; seit jener Stunde sucht er seinen Thron auf Erden zu begründen, den er durch seinen Sturz aus dem Himmel dort verloren hatte. Es ist eine Frage, die Jahrhunderte schon die ernstesten Geister beschäftigt, die allen dunkel geblieben ist, bis das Licht des Christentums die Welt erklärt; woher das Böse, woher das Elend dieser Welt? Wir Christen wissen es aus unserem einfachen Glauben, und jedes Kind kann davon Rechenschaft geben. Frei war auch der Mensch geschaffen, wie der Engel und frei, nicht gezwungen sollte er zu Gott sich wenden. Auch für ihn, wie für die Engel stand eine Stunde der Prüfung offen. Da, in diesem Momente der Prüfung, kam Satan mit seiner Lust, und der Mensch unterlag, fiel unter seine Gewalt, kehrte sich ab von Gott. Er hatte jetzt den Fall der Engel nachgeahmt; doch weil nicht durch eigene, selbst verhängte Schuld, sondern durch fremde Verführung der Mensch im Paradies gefallen, so stürzte er ihn nicht gleich dem Lichtengel in die Tiefe der Finsternis, sondern Gottes ewige, schrankenlose Barmherzigkeit hielt seinen gänzlichen Fall auf und gab ihm die Möglichkeit der Errettung.
War aber die Welt einmal vom Satan überwunden worden, dann konnte sie nur durch einen zweiten Kampf ihm wiederum abgerungen werden; der Sieger musste besiegt werden und zwar von keinem anderen als vom Menschen; der Sklave musste sich losmachen von seinen Fesseln, um seinen unwürdigen, grausamen Herrn zu fesseln. Der Starke, der hereingebrochen in das Haus, muss gebunden werden durch einen Stärkeren, muss entwaffnet und hinausgeworfen werden in die Finsternis, von wo er hereinkam. So öffnet sich uns eine der erhabensten Betrachtungen des ganzen Christentums als eines Kampfes wider das eingedrungene Böse, als eines endlichen Sieges und einer Überwindung über den Satan und als dessen vollständiger Entwaffnung.


Vom Paradiese an war Feindschaft gesetzt zwischen der Schlange und dem Nachkommen des Weibes, das der Schlange den Kopf zertreten sollte; eine Feindschaft, die nicht durch gegenseitige Waffenruhe, sondern nur durch völlige Überwindung des Widersachers enden durfte. Es wäre nun allerdings recht merkwürdig, die Herrschaft des Satans über die vorchristliche Welt in den Erscheinungen des Heidentums nachzuweisen - wie das Satanische darin in seinen gräulichsten Ausgeburten nur zu sichtbar auftrat; jene wilde Lust, jene Tausende von Menschenopfern, jene Hunderte von Kindern, die in den Armen glühender Statuen verbrannt, jene, welche die Unschuld und Leben und Sittlichkeit preisgaben.
Es klingt freilich den modernen Philosophen und Gelehrten grell in den Ohren, nach Weise der alten Väter der Kirche das Heidentum auch von dieser dämonischen Seite aufzufassen und hinter den schönen, reizenden Gestalten griechischer und römischer Gottheiten vergoldete, glänzenden Laster der Hölle und die Stimme der Tiefe und des Abgrundes zu ahnen. Aber warum sollten wir scheuen es zu sagen? Paulus hat es getan, wenn er spricht: "Was die Heiden opfern, das opfern sie den Dämonen"; und Justin, der Philosoph, und viele seiner Zeitgenossen haben angesichts der ihnen bereiteten Martern, des Eisens und des Feuers den Heiden in das Angesicht gesagt, dass ihr Kult ein dämonischer, ein satanischer sei, und dass hinter schönen Larven nur die Finsternis und die Nacht der Hölle hause. Diese Männer, die gelehrt und gebildet waren, und das Heidentum selbst sahen und oft lange Jahre selbst davon befangen waren, sie sahen in den Heidentum etwas ganz anderes, als jene zarten, poetischen Ideen, die man in sogenannten mythologischen Lesebüchern und klassischen Liedern unseren christlichen Jünglingen, und, doppelte Schmach! selbst christlichen Jungfrauen in unseren Erziehungsinstituten in die Hände gibt, und in die Köpfe und in die Herzen einpflanzt.
Das Heidentum in der weiten Welt ist danach der größte Sieg des Teufels über die Kreatur; es war ihm gelungen, was er im Himmel vor seinem Falle angestrebt, dass er seinen Thron neben dem Allerhöchsten und über dem Morgensterne seine Herrlichkeit gründe!
Und nun, wer sollte diesen Fürsten der Welt, diesen finsteren Herrscher hinunter stoßen von seinem Throne? Wer soll die Macht des Heidentums überwältigen? Kein anderer als der, der im Paradiese als der Schlangen-Zertreter verheißen war. Und er kam, nicht in Glanz und Hoheit, nicht in Heeresmacht, und nicht mit der Gewalt irdischer Macht; sein Reich war nicht von dieser Welt; arm und demütig kam er, so dass er nicht hatte, wo er sein Haupt hinlegte; er brachte keine gelehrten, weisen Männer von den Schulen mit sich, sondern zwölf einfache, arme Fischer. Und dennoch konnte dieser arme, verachtete Menschensohn am Abend seiner irdischen Tage den Aposteln und damit uns allen versprechen: "Fürchtet euch nicht, ich habe die Welt überwunden; nun ist das Gericht und der Fürst der Finsternis wird hinaus gestoßen." Dieser so in niedriger Knechts Gestalt Wandelnde zeigte sich dennoch als Erlöser von der Sünde und von der Hölle; Legionen böser Geister, die Gewalt hatten über die Leiber der Menschen, wurden von ihm allenthalben ausgetrieben und er konnte diese Macht, die Besessenen zu befreien, auch seinen Aposteln übertragen. So zeigte er sich als ein Überwinder des Dämons und der Hölle; und wie er die Sünde selber überwunden, so heilte er auch mit erbarmender Liebe die Wunden, die die Sünde der Menschheit geschlagen, heilte die Kranken, erleuchtete die Blinden, machte gehen die Lahmen, predigte das Evangelium den Armen; und er war es, der sagen konnte: "Meinen Frieden gebe ich euch, meinen Frieden lasse ich euch." Und diese Kraft, mit welcher der Erlöser selbst den Satan und seine Werke überwunden, diese Kraft verlieh er auch den Seinen, legte sie nieder in seiner Kirche, von der er gesagt hatte, dass die Porten der Hölle sie nicht überwältigen werden.
Die Waffen aber, mit denen der Erlöser den Fürsten der Welt überwunden hatte, sind gerade die entgegengesetzten, mit denen der Fürst der Finsternis die Herrschaft über die Welt gewonnen.

Lüge war des Satans erste Waffe: Wahrheit, ewige, unwiderlegbare Wahrheit, ja sich selber als Weg, Wahrheit und Leben stellt der Heiland ihm entgegen.

Hochmut war die zweite Waffe, die der Satan angewendet, um die Menschen zu betören: Christus hält ihm Demut, Niedrigkeit und Armut der Erde entgegen.

Sinnlichkeit, Lust des Fleisches war die dritte Waffe, die die Verführung gehandhabt: und der Erlöser kämpft gegen diese Waffe durch die Kreuzigung des Fleisches, durch Leiden, Blut und Martern, durch den Kreuzestod. So hatte er am Kreuze den Satan überwunden und der Schlange den Kopf zertreten.

Welcher Kampf! Welche Menschenweisheit hätte das ahnen können, dass durch solche Waffen die Macht ihres Feindes gebrochen wurde! Durch Leiden und durch Dulden zu siegen, das schien der Welt eine Torheit; aber was töricht ist vor der Welt, hat Gott auserlesen, um die Weisen zu beschämen und hat durch das Kreuz, das den Heiden eine Torheit und den Juden ein Ärgernis war, die Weisheit dieser Welt überwunden. Nachdem aber mit dem Erlösungs-Tod des Herrn die Macht des Satans über die Welt gebrochen war, so hat er dennoch seinen fruchtlosen Kampf nicht aufgegeben, vielmehr müssen alle gegen ihn streitend sich die Krone erwerben, die der Heiland zuerst für alle erworben hat. Wir müssen wie der Heiland streiten, wir müssen mit ihm streiten, wir müssen mit ihm leiden, um mit ihm verherrlicht zu werden.
Diesen Streit gegen das Böse in der Welt hat die Kirche Gottes auf sich genommen, sie streitet unüberwunden gegen die Pforten der Hölle bis an das Ende der Zeiten, und darum heißt sie die streitende Kirche.
Wer weiß es nicht, dass die Wut des ohnmächtigen Feindes gerade die verzweifelnste, gerade die bitterste ist? So war es der Satan, seinen Sturz ahnend, wenn das Christentum je über die Welt sich verbreiten sollte, der das Heidentum zu den blutigsten aller Verfolgungen anregte. Wenn auch die Kaiser oft in den ersten Zeiten keine Verfolgungsedikte gegen die Christen erließen, so stürzte dennoch das Volk, wie von einem geheimen Wahnsinn ergriffen, auf die Christen, um sie zu martern und zu töten. Aber aus dem Blute der Märtyrer spross die neue Saat der Bekenner und im Leiden hat die Kirche immer ihre schönsten Früchte geerntet.
Und als das Heidentum im schnell aufblühenden Leben des Christentums erlosch, da fasste der Widersacher einen neuen Angriffsplan. Mit seinen alten Kunstgriffen, mit seinen Waffen der Lüge, des Hochmuts und der Sinnlichkeit erregte er die Häresien, die Spaltungen, das Schisma in der Kirche, um durch die Leiden, die ihr dabei bereitet würden, sie zu zerstören und zu überwältigen. Das Altertum hat hierüber auch ganz anders geurteilt, als unsere zärtliche neuere Zeit; es hat jeden Abfall von der Kirche zugleich auch als einen Abfall von Gott bezeichnet, und mit den ergreifendsten Worten mahnt der große Bischof Ignatius von Antiochien die Seinen vor dem Abfall von der Kirche zur Häresie, die keine Pflanzung des himmlischen Vaters, sondern des bösen Feindes sei. Ja das sonst ganz innig liebende Gemüt des heiligen Polykarp ist so streng, dass er dem Häretiker Marcion bei dem Begegnen auf der Straße, als dieser ihn ansprach, erwiderte: "Ja, ich kenne dich, du Erstgeborener des Satans!"
So hat der Feind der Kirche zu allen Seiten den Samen des Unkrautes unter den Weizen gestreut, um die Saat des Herrn zu vernichten. Doch nun, ist es ihm aber auch gelungen?
Nein, überall hat ihn die Kirche überwunden! Fürchten wir uns also nicht, wenn auch in unseren Tagen gerade der bitterste Hass über die Kirche sich ausgießt; wenn wir fast kein Blatt, kein Buch zur Hand nehmen können, ohne diesen dämonischen Produkten des Unglaubens, der Frechheit und Gottlosigkeit zu begegnen. Es liegt hierin immerhin etwas merkwürdiges. Der Fürst dieser Welt zählt noch viele seiner Trabanten; einen Anspruch darauf zu erhalten, ist nicht schwer. Du darfst nur über den Glauben witzig spotten, so bist du ein freier, aufgeklärter Mann, ein Weiser - freilich nur nach dem Geiste dieser Welt.
Auf dem Boden der Tagesgeschichte begegnen wir ebenso einem ganz Gottes feindlichen dämonischen Treiben. Wenn man mit dem Verbrechen spielt, wenn der Grund der gesellschaftlichen Ordnung wie auf Vulkanen schwankt und zittert, sagt mir, woher dieses alles? Nicht von Gott, wohl aber von den Mächten, die in der Tiefe hausen!
Doch, wo ist die Rettung?


Nur bei der, welche die Pforten der Hölle nie überwältigten, nur bei der Kirche, wo die Waffen des Herrn liegen. Ihr Opfer ist die Sühne der Welt; die Gebete der Kirche sind die Schutzwehr gegen den Untergang des Einzelnen wie der Staaten; der Geist der Aufopferung und der Liebe ist die ewige Vergeltung für die ungeheuren Frevel, die die Welt begeht. Tilgt die Kirche mit ihren Opfern, Erbauungen und Gebeten aus der Welt, wenn ihr könnt, und ihr werdet in Bälde mit Entsetzen erfahren, was sie in der Welt bedeutet hat!
Sie allein ist es, die den Satan in der Welt niederhält und ihn gänzlich überwindet und zwar mit den Waffen, womit der Herr gesiegt, durch das Festhalten an der Wahrheit, durch Leiden, durch Geduld und durch Liebe. Daher sagt der heilige Ignatius, der im Jahre 186 n. Chr. auf seiner Reise zum Märtyrertod nach Rom den Ephesern schreibt: "Ich weiß es, dass es einige gibt, die falsche Lehren ausstreuen; verstopft eure Ohren, hört nicht, was sie sagen. Bedenkt, dass ihr Steine seid im Tempel des Vaters, hergerichtet zu einem Bauwerk Gottes, in die Höhe gezogen durch das Kreuz Christi. Der Glaube ist Führer, die Liebe ist der Weg, der zu Gott führt. Betet für die anderen ununterbrochen; unterweist sie von der Wahrheit aus euren Werken. Bei ihrem Zürnen seid ihr stille, bei ihrem Prahlen seid ihr demütig; ihre Lästerungen erwidert mit Gebet; gegen ihre Täuschungen seid fest im Glauben; gegen ihr wildes Treiben seid gelassen und sanft. Ahmt dem Herrn nach, und bleibt in Christo dem Leibe und dem Geiste nach."
Leiden hat die Welt überwunden und Liebe ist stärker als der Tod. Wir wissen es, dass die Kirche und ihr Glaube und ihre Hoffnung und ihre Liebe nie zuschanden werden, und sie siegt über alle ihre Widersacher. Doch nicht nur siegt sie, ihr Balsam heilt auch alle Wunden, die die Sünde geschlagen. Mit edler Liebe hat sie auch für das Elend der Menschheit gesorgt, hat den Balsam ihrer Barmherzigkeit auf die Wunden gegossen, die der Feind der Seele und des Leibes geschlagen hat. Es ist kein Jammer in der Welt, den sie nicht getröstet, kein Schmerz, den sie nicht gelindert. Geistige und leibliche Not haben in ihr Trost und Erbarmung gefunden.
Das ist der Sieg, das die Heiligung der Welt durch die Liebe!

 

 

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