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Aus Briefen

von Padre Pio

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Briefe die von Pater Pio verfasst worden sind:

Machen Sie sich keine Sorge, dass Sie mir die Zeit rauben; denn wir können unsere Zeit nicht besser verwenden als dadurch, dass wir Menschen zur Heiligkeit führen. Ich selbst weiss nicht, wie ich meinem himmlischen Vater für seine Güte danken soll, dass ER mir Seelen zuführt, denen ich ein bisschen helfen kann. 

 

Wie sehr wünsche ich, GOTT möge es gefallen, mich mein Leben in diesem hl. Dienst verbringen zu lassen! Ich aber habe meine Zeit damit verschwendet, dass ich Gott beleidigte. Durch mein schlechtes Beispiel habe ich Jesus Seelen geraubt, die ER mit seinem Blut erkauft hat. Hierin bin ich schlimmer als Luzifer gewesen.
Ich weiss wohl, dass vor dem Herrn niemand makellos ist, doch die Unreinheit meiner Seele ist ohne Beispiel. Meine Seele ist so verunstaltet, dass mein heiliges Ordenskleid, wenn ich daran denke, sich über meine Mangelhaftigkeit zu entsetzen scheint. Und doch ist die Güte GOTTES, unseres Vaters, immer bereit, und ER hat meine Seele nie von seiner Barmherzigkeit ausgeschlossen...

 

Meine lieben Töchter und Schwestern! Das ist kein Verlassensein, sondern Liebe, die Ihnen unser guter Erlöser bezeigt. Es ist durchaus nicht wahr, dass Sie IHN beleidigen, denn seine Gnade wacht über Sie, wenn ER so handelt. Es ist also nicht richtig, dass Sie über die Sünden Ihres vergangenen Lebens eine Generalbeichte abzulegen brauchen, wie einige von Ihnen zu glauben scheinen. Sie wissen wohl, wie oft wir darüber gesprochen haben und wie wirklichkeitsfern Ihre Denkart ist. Aus Ihren Briefen und bei den vielen Gelegenheiten, da ich Sie persönlich traf, bin ich zum Schluss gekommen, dass Ihr Seelenzustand ohne Zweifel ein Zustand ist, der des Trostes entbehrt, oder ein Zustand geistigen Leidens heiliger Art ist. Im einzelnen versichere ich Ihnen wieder im Herrn: Die Dunkelheit, die bisweilen den Himmel Ihrer Seele verdüstert, ist nicht anderes als Licht. Sie meinen, Sie wären im Dunkel und in der Mitte des brennenden Dornbusches. Wenn aber der Dombusch wirklich brennt, ist die Umgebung wegen des Rauches im Dunkel.
Der erschreckte Geist fürchtet dann, er könne nichts sehen und überhaupt nichts mehr verstehen. Aber gerade dann spricht GOTT. ER ist dann in der Seele gegenwärtig, die hört, versteht und zittert. Haben Sie Mut, meine Töchter! Warten Sie nicht, bis Sie zum Berge Tabor kommen, um den Herrn zu sehen. Sie sehen IHN am Berge Sinai. 

 

Erkenntnis Ihrer eigenen Unwürdigkeit und seelischen Unschönheit ist reinstes göttliches Licht, wodurch Sie gezwungen sind, über Ihre eigene Natur und deren Fähigkeit für jede Art von Sünde nachzudenken. Diese Erkenntnis wurde den größten Heiligen zuteil, weil sie den Menschen vor jedem Gefühl des Stolzes und der Eitelkeit schützt und die Demut vermehrt, welche die Grundlage wahrer Tugend und christlicher Vollkommenheit ist. Auch die hl. Theresia hatte diese Erkenntnis. Sie sagt, dass sie zeitweise so viel Leid und Schrecken mit sich brachte, dass sie gestorben wäre, wenn der Herr ihr nicht geholfen hätte. Die Erkenntnis unserer in der Natur des Menschen liegenden möglichen Unwürdigkeit, von der wir soeben gesprochen haben, darf mit der tatsächlichen Unwürdigkeit nicht verwechselt werden. Diese erste macht den Menschen dem Allerhöchsten lieb und angenehm, die letztere macht ihn in den Augen GOTTES verabscheungswürdig, weil sie ein Widerschein der Sünde und Bosheit ist, die Seele und Gewissen des Menschen beherrschen. In der Dunkelheit, in der Sie sich jetzt zu befinden glauben, verwechseln Sie das eine mit dem andern, und in der Erkenntnis der Möglichkeiten Ihres Seins und Handelns fürchten Sie, dass Sie wirklich so sind.

 

Welche Anstrengung würden Sie machen und welche Verdienste erwerben, wenn Sie von einer solchen Überzeugung erfüllt wären? Die grausamsten Qualen wären dann wie Rosen. Was Sie trösten sollte, ist die maßgebende Stimme dessen, der Sie führt und leitet. Sie sollen nicht darauf bedacht sein, sich selbst in aller Klarheit zu erkennen. Das ist nicht notwendig. Es genügt, dass jener, der für Ihre Seelen besorgt ist, ein klares Bild von dem hat, was Sie sind. Glauben Sie dem, was man Ihnen sagt. Es kommt nicht darauf an, ob Ihr Geist zu diesem Tun geneigt ist. Die Märtyrer mussten inmitten ihres Leidens glauben. Der schönste Glaubensakt ist jener, den wir vollziehen, während wir in seelischer Dunkelheit sind, und jener, den wir unter Opfern und mit Überwindung großer Hindernisse erwecken. Selbst der Mangel an völliger Ergebung und die Auflehnung, die Sie inmitten der Trostlosigkeiten empfinden, können Prüfungen sein. Der Geist fügt sich, jedoch die niedere Natur lehnt sich auf, und Sie sind der Meinung, dass der Geist sich empört. Glauben Sie mir, das kann nicht der Fall sein. Gott kann bei einem Menschen, der in Sünde zur Welt kam und der das unglückliche Kennzeichen der von Adam ererbten Sünde trägt, alles zurückweisen. Aber ER kann in keinem Fall den Wunsch verdrängen, IHN zu lieben. Wenn Sie aus anderen Gründen meinen, Sie könnten seiner himmlischen Barmherzigkeit nicht sicher sein und wenn Sie den Versicherungen, die ich Ihnen in unserem lieben Herrn gebe, keinen Glauben schenken wollen, müssen Sie doch im aufrichtigen Wunsch, Gott zu lieben, sich gesichert fühlen. Daraus folgt: Sie sollten in der Seele Frieden haben und darüber glücklich sein, dass GOTT mit Ihnen zufrieden ist und dass ER in Ihnen seine ruhevolle Wohnung findet. Versuchungen, Entmutigung, Unruhe usw. sind alles Dinge, die vom verworfenen Teufel kommen. Deswegen sollten Sie sich nicht beunruhigen. Denken Sie daran: Solange der Teufel großen Lärm macht, steht er noch vor der Tür und ist noch nicht eingetreten. Was wir fürchten müssen, ist seine friedliche Harmonie mit der menschlichen Seele. Glauben Sie mir; denn ich spreche zu Ihnen als Bruder und mit der Autorität des Priesters, der Ihr geistlicher Führer ist. Weisen Sie all diese nichtigen Befürchtungen von sich! Durchbrechen Sie diese Wolken, die der Teufel um Ihre Seelen legt, um Sie zu quälen und Sie, wenn möglich, von der täglichen Kommunion fernzuhalten. Ich weiß, dass der Herr dem Feind erlaubt, diese Angriffe zu machen, damit Sie dem Herrn in seiner Barmherzigkeit lieb und teuer werden. ER wünscht, dass Sie ihm in den Kämpfen in der Wüste, im Ölgarten und am Kreuz gleichen. Doch Sie müssen sich verteidigen, den Teufel vertreiben und all seine Einflüsterungen verachten. Habe ich klar gesprochen? Doch jetzt muss ich eine Pause machen. Ich kann nicht weiterfahren. Teilen Sie mir mit, ob Sie sonst noch etwas brauchen! Beten Sie für mich immer mit heiliger Zudringlichkeit, besonders damit mir die Gnade gewährt werde, von der ich zu Ihnen gesprochen habe. Was mich betrifft, so denke ich in meinen Gebeten an sie alle und an all jene anderen Seelen, die vor Christus mit uns im gleichen Geiste vereint sind.       

 Ihr ergebener Diener Pater Pio, Kapuziner.

 

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