Barbara Weigand Offenbarungen Band 6        Seite 2

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Inhaltsverzeichnis Band 6

672 Quinquagesima am 5. März 1905

„Das ist für dich eine große Verheißung und ein großer Trost, und zugleich ein trauriges Schicksal für viele Menschen.“

Jesus: „Ihr müßt im Dunkeln leben, weil Mein Leben auch so war, und was Ich in den Menschen wirke, muß so geheimnisvoll sein, wie Ich gelebt habe auf Erden. Nie ließ Ich Meine Gottheit durchblicken, außer wenn es ganz und gar notwendig war. Im übrigen hielt Ich Mein ganzes Leben so geheimnisvoll, daß alle Leute Mich für einen gewöhnlichen Menschen hielten. Und wie Mein dreiunddreißigjähriges Leben war, so ist auch das Leben der Kirche; denn in den dreiunddreißig Jahren Meines Lebens habe Ich Meiner Kirche den Lebensriß gelegt.

Mein Leben war der ganzen übrigen Welt ein Geheimnis. Und deswegen verfolgen sie Meine Kirche so sehr. Meine Diener werden behandelt wie Ich. In Meiner Jugend wurde Ich verfolgt und Mir nach dem Leben gestrebt, und gegen das Ende Meines Lebens wieder so. So ist das Leben der Kirche. Im Anfang mußte sie die blutigen Verfolgungen durchmachen, schon beim Kindermord floß das Blut; dann kamen die Friedenszeiten, die Meine Jahre im Haus von Nazareth versinnbilden, und die letzten Jahre Meines Lebens, wo Ich wieder verfolgt wurde, bilden die abwechselnden Verfolgungen der Kirche.“

Barbara sah dann den lieben Heiland sehr traurig und fragte, was das bedeute. Der Herr erklärte es ihr, sagte aber, daß sie es nicht mitteilen dürfe, bis Er es wieder sage.

Jesus: „Das ist für dich eine große Verheißung und ein großer Trost, und zugleich ein trauriges Schicksal für viele Menschen.“

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673 Am 6. bis 13. März 1905

„Sie soll wissen, daß, wenn alle Menschen sie nicht verstehen, sie mit Mir allein zufrieden leben kann, so aber auch umgekehrt.“

Jesus: „Du und deine beiden Freundinnen, ihr sollt nicht immer nach neuen Tröstungen verlangen, sondern den Willen Gottes annehmen, wie er sich euch vorlegt.“

Barbara: „Wünschest Du denn, daß ich nach Rück gehe?“

Jesus: „Das sage Ich dir nicht. Ich sage dir nur, nimm den Willen Gottes an, wie er sich darbietet!“

Als Barbara nach Hause kam, lag eine Karte da, wodurch Barbara dringend verlangt wurde. Sie erkannte darin den Willen Gottes, obwohl sie so schwach war, daß sie noch kaum gehen konnte, und ging schon mittwochs nach Rück.

Barbara schreibt am 9. März 1905 aus Rück: Als meine Schwester meine Stimme hörte, schrie sie laut auf: „Meine Babett, meine Babett“, und ihr Sohn weinte, als er die heiße Sehnsucht, mit der seine Mutter mich erwartete, endlich erfüllt sah. Meine Schwester fragte mich beständig, ob ich denn glaube, daß sie nicht verlorengehe.

Jesus bei der heiligen Kommunion: „Welch eine große Gnade ist es für euch drei, daß Ich euch berufen habe, die Heiligste Dreifaltigkeit auf besondere Weise zu verehren und zu versinnbilden. Deshalb sollt ihr aber auch eins sein in der Gesinnung. Sage jener Seele, wie mag sie glauben, ohne Mich fertig werden zu können. Sie soll wissen, daß, wenn alle Menschen sie nicht verstehen, sie mit Mir allein zufrieden leben kann, so aber auch umgekehrt.“

Barbara: Am Freitag, den 10. März, kam der Herr nicht, aber am Sonntag und Montag nach der heiligen Kommunion tröstete mich der Herr sehr. Am Sonntag, den 12. März 1905 sagte der Herr:

Jesus: „Ich verlange von deinen zwei Freundinnen und von dir, daß ihr überall ein gutes Beispiel gebt, nicht so sehr nach Meinen Tröstungen verlangt, sondern alle Vorkommnisse, mögen sie euch angenehm oder unangenehm berühren, auf Meinen göttlichen Willen und Mein Wohlgefallen zurückführt.“

Am Montag: „Siehe, alles, was dem Menschen auf seinem Lebensweg zustößt, ist für ihn eingeplant, um ihn zu dem Ziele zu führen, zu dem er bestimmt ist. Das für euch Menschen Angenehme begreift ihr leicht, aber was gegen euren Willen geht, wollt ihr nicht verstehen, und viele werden zur Zeit der Prüfung irre an Mir.

Die vier Wochen vor Fastnacht, wo Ich dich aufs Krankenbett warf, solltest du Mein Herz trösten für den Verlust so vieler Seelen, die durch die Ausschweifungen der Faschingszeit Mir entrissen wurden. Nur dann kann Mein treuer Liebhaber Mich trösten, wenn er ohne Trost leidet.“

Barbara: Der Herr zeigte mir meine Schwester, wie sie ist in dem Augenblick, wo Er sie aufnimmt in Seine Herrlichkeit, sagte aber, sie müsse noch viel verbüßen und habe ihr Fegefeuer auf Erden. Noch gar so lieb und herablassend war der Herr, aber vieles habe ich vergessen.

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674 Mittwoch am 22. März 1905

Am Tag vor dem Tod ihrer Schwester sagte Barbara zu derselben:

Barbara: „Jetzt habe ich die langen Jahre das Leiden und bin immer noch in Unsicherheit, ob es keine Täuschung ist. Jetzt bist du doch meine Schwester und die erste, die hingeht vor den Thron Gottes. Du mußt so lange bitten, bis du kommen darfst, wenn es auch nur im Traum ist oder nach der heiligen Kommunion, ob alles wahr ist und wir nicht unrecht tun, alles so zu glauben. Versprich mir das!“

Schwester ganz sicher: „Ja, ich gebe dir die Hand darauf, daß ich so lange bitte, bis daß ich kommen darf.“

In der folgenden Nacht, als die Schwester in den letzten Zügen lag, sagte Barbara:

Barbara: „Ich erinnere dich nochmals daran.“ (Sie drückte Barbara nochmals die Hand.) „Ich will es glauben und nicht bezweifeln, magst du kommen im Traum oder nach der heiligen Kommunion.“

Am Tag vorher hatte die Schwester von Barbara die heilige Wegzehrung empfangen, und als das Heiligste Sakrament kam, jubelte sie laut auf und genierte sich gar nicht vor den vielen Anwesenden: „O mein Jesus, meine Liebe, o komm zu mir, o wie sehne ich mich nach Dir“, so daß der Priester sagte: „Ein solches Sterbebett habe ich noch nicht gesehen. O welch einen kindlichen Glauben hatte sie, man kann sie jedermann als Muster vorstellen.“

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675 Montag am 27. März 1905

„Denn die Welt geht einem so entsetzlichen Strafgericht entgegen, das kann ich schon klar in der Zukunft erkennen.“

Barbara: Beim Totenamt vor der Wandlung war es mir, wie wenn jemand mich anrühre und sagte:

Schwester (†): „Ziehe dich zurück, denn ich bin es. Ich bin aber jetzt ein Geist. Ich will mein Versprechen einlösen. Ich will dir sagen, wie es mir geht! O Babett, es ist wahr, es ist wahr, glaub es nur ja fest. O hätte ich geglaubt! Wie vieles hätte ich dann besser gemacht! Ja, ich habe geglaubt und habe auch nicht geglaubt, denn sonst hätte ich danach gehandelt. Und du glaubst und glaubst auch nicht, sonst würdest du nicht zweifeln. Das kommt daher, weil wir armselige Menschen sind. Ich komme in der heiligen Messe bei der heiligen Kommunion, um dich zu überzeugen, daß in dieser Zeit wirklich keine Täuschung vorkommen kann. Im Traum ist immer noch Menschliches dabei und können Täuschungen vorkommen, aber nicht in der heiligen Kommunion.

Deshalb komme ich jetzt, um dich zu kräftigen im Glauben. Als ich eingegangen bin, o wie schön, wie schön! Wie es ist, kann ich dir aber nicht sagen, du würdest es doch nicht begreifen, denn kein Auge hat es gesehen, kein Ohr gehört, und in keines Menschen Herz ist es gekommen, was Gott denen bereitet hat, die Ihn lieben. Ich bin aber noch nicht im Himmel. Ich bin an einem Ort, wo ich keine Freude und kein Leid habe.

Ich bin nur der Anschauung Gottes beraubt, und zwar deshalb, weil ich in den letzten Stunden noch gerne weitergelebt hätte, und weil ich das Leben, obwohl es so kümmerlich und schmerzvoll war, doch noch dem Sterben vorgezogen hätte. Und das rechnet der liebe Gott so hart an, weil das ein Zeichen ist, daß man Ihn nicht über alles liebt. Wir sind Seine Geschöpfe, und Er hat uns erschaffen zu Seiner Ehre, und wenn Er uns ruft und wir noch an einem Fäserchen hängen, ist es ein Zeichen, daß man Ihn einem Geschöpf nachsetzt und nicht aus reiner Liebe stirbt. So lange bin ich noch zurückgehalten, bis die Kinder einig und ohne Sünde das Vermögen geteilt haben. Wenn sie dabei sündigen, fällt der Schatten der Sünde auf mich zurück, und ich muß dafür noch weiter büßen, weil das Band der Eltern mit den Kindern so eng verknüpft ist, daß sie miteinander die Schuld tragen müssen.

Grämt euch nicht über das Unglück, das ihr gestern gehabt (durch den Verlust eines Kalbes). Das ist eine alte Schuld, die zu sühnen ist. So wird noch mehr kommen, aber hängt euch nicht an das Zeitliche.

O wie ist man so glücklich, wenn man von oben herunter mit dem Geistesauge alles sieht, wenn man den Leib abgelegt hat und alles mit ansehen kann, wie es ist auf der Welt. Wie nichtig ist dann alles, wo man jetzt so dran hängt: das bißchen Leben und Streben. Freuen sollte man sich, wenn eines von seinen Lieben stirbt, weil ihr in einer so bösen Zeit lebt; denn die Welt geht einem so entsetzlichen Strafgericht entgegen, das kann ich schon klar in der Zukunft erkennen. Freuen sollte man sich, wenn eines der Seinigen glücklich gestorben ist, da ist es ja dem allem enthoben.

Das ist der Grund, weshalb der liebe Gott das alles in dir wirkt, Er will den Glauben an die Offenbarungen wieder auffrischen in der katholischen Kirche, denn auch in der katholischen Kirche sind unter vielen der Glaube an die Offenbarungen so abhanden gekommen. Diese Schriften stehen ganz in inniger Verbindung mit den Offenbarungen, als Gott auf der Welt gewesen ist. Das ist die Fortsetzung, wodurch das Menschengeschlecht wieder erinnert wird an die ersten Offenbarungen. Er hat Sich im Heiligsten Sakrament eingeschlossen, nicht um dazubleiben, sondern um uns zu trösten. Die Schriften gehen vom Heiligsten Sakrament aus; sie sind dessen Gnadenstrahlen, welche die Welt erneuern sollen.

O wie danke ich jetzt dem lieben Gott, daß Er mich so harte Wege geführt. Sei zufrieden, wenn es euch auch nicht gut geht. Wie glücklich bin ich jetzt, daß ich aller Gefahr entronnen bin, und wie muß ich euch bedauern, daß ihr noch von so vielen Gefahren umgeben seid, denn der Menschheit droht ein großes Unglück.“

Nachtrag: Als die Kinder hörten, daß die Mutter nicht in den Himmel komme, bis die Teilung vorüber sei, sagten sie, auf uns soll die Mutter nicht warten, und sie teilten sich sofort das Erbe.

Barbara: In der letzten Zeit hatte die Sterbende große Beängstigungen. Der böse Feind setzte ihr recht zu und gab ihr ein, sie sei verloren, und malte ihr die begangenen Fehler riesengroß vor. Als ich ankam, war ihre erste Frage, ob ich wohl glaube, daß sie nicht verdammt werde. Ich erinnerte sie an die schönen Verheißungen des Herrn, die allen Liebesbundmitgliedern gemacht seien und besonders, daß in der Todesstunde der böse Feind sich nicht an unser Sterbebett wagen dürfe. Von da an, wo ich bei ihr war, ging dies buchstäblich in Erfüllung. Alle acht Tage brachte ihr der hochwürdigste Herr Kaplan die heilige Kommunion während der drei Wochen, wo ich bei ihr war. Das letzte Mal, vor dem Eintritt in den Todeskampf, fragte er sie, ob sie vielleicht noch etwas beichten oder sagen wolle. Sie sagte: „Nein, ich weiß gar nichts mehr. Geben Sie mir nur noch einmal meinen lieben, guten Jesus.“ Drei Tage brachte sie nur hie und da noch ein wenig Wasser und Wein gemischt hinunter und der geistliche Herr war ängstlich, ob sie wohl die heilige Hostie hinunterbrächte; aber es ging ohne Beschwerde. Die letzte Nacht war sehr erbauend für alle Anwesende. Sterbend gab sie ihren Kindern und deren Angehörigen feierlich den Segen mit Weihwasser, nahm Abschied von allen, dann schaute sie nicht mehr nach ihren Kindern. Barbara durfte auf ihren Wunsch hin ihr Sterbebett nicht mehr verlassen, bis sie sanft, fast unbemerkt entschlief, um halb sechs Uhr morgens.

Barbara fragte die Verstorbene, deren Nähe sie fühlte, und die sie sprechen hörte, obwohl sie dieselbe nicht sah, ob sie denn auch schon die Verwandten gesehen habe.

Schwester (†): „Ja, aber ihre Glorie ist sehr verschieden. Mein Bruder Valentin hat eine ganz geringe Glorie, weil er so mitten heraus aus dem Wirtschaftsleben gestorben ist und nur die allernotwendigsten religiösen Pflichten erfüllt hat. Da kann man nicht viel an Gott denken und an sein ewiges Heil. Aber er ist doch sehr zufrieden und glücklich. Anna (seine Tochter, mit acht Jahren gestorben) hat aber eine große Belohnung, weil sie beim Leiden von Barbara immer so großes Mitleid und Teilnahme gezeigt hat und sich so an das Werk angeschlossen und dadurch sich große Verdienste erworben. Auch hat sie dadurch die kindlichen Fehler gebüßt. Sie hatte auch viele kindliche Tugenden.“

Nach der heiligen Kommunion, als Barbara in ihre Bank zurückkam, sah sie einen Strahl um sich und sie sah den lieben Heiland. Er war so lieb und Barbara sagte:

Barbara: „O Herr, warum hältst Du meine Schwester noch fern?“

Jesus: „Was deine Schwester dir gesagt hat, das ist die Wahrheit. Ich habe sie dir geschickt. Jetzt bist du schon über drei Wochen in Rück, und während der ganzen Zeit hast du nichts gewußt zu sagen und nichts gefühlt, und jetzt auf einmal siehst du Mich und hörst Mich und hast wieder die Überzeugung, daß Ich es bin. Bist du jetzt endlich überzeugt, warum Ich so lange mit dir gesprochen habe?“

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676 Freitag am 31. März 1905

„Ich muß Menschen haben, die Sühne und Abbitte leisten, weil die Zeit kommt, wo so viele ihre Ostern nicht mehr halten.“

Barbara: Heute reiste ich ab nach Aschaffenburg und empfing dort die heiligen Sakramente. Als ich zurückkam von der Kommunionbank, war ich auf einmal im Himmel, und ich sah den Glanz wie neulich in mir und um mich herum. Ich sah die heilige Kommunion in mir in einem unbeschreiblichen Glanz. Der Herr tröstete mich und sagte:

Jesus: „Ich will dir zeigen, wie gut Ich bin. Sei nicht so ängstlich. Ich habe dir schon so oft gesagt, daß Ich nicht der Geist bin, der dich und die Menschen quälen will. Alle die Unruhen und Beängstigungen sind nicht von Meinem Geist, sondern von einem andern. Selbst wenn man gefehlt hat, wenn man aber seinen Fehler einsieht, bereut und verspricht, ihn nicht wieder zu tun, sind die Sünden verziehen. Ich bin es, der dir jetzt Friede und Freude bringt. Und damit du beruhigt bist: hier bringe Ich dir deine Schwester, sie ist jetzt bei Mir!“

Barbara: Ich sah meine Schwester in himmlischer Verklärung. Sie war so freudig und so versenkt in Gott, daß sie fortgeschwebt ist singend: „Hochpreiset meine Seele den Herrn.“

Weil meine Verwandten von Aschaffenburg mir tags zuvor angedeutet hatten, ihnen einige Tage auszuhelfen während der Abwesenheit ihres Dienstmädchens, so dachte ich, du wirst dableiben sollen, weil der Herr mir in Rück einmal gesagt, die Pflicht gehe vor. Deshalb sagte der Herr:

Jesus: „Du bist unschlüssig, weil deine Verwandten in Aschaffenburg dich so notwendig brauchten. Du sollst aber nach Mainz gehen. Alles, was vorkommt in der Familie, die kleinen Kreuze, schicke Ich nur, um sie zu halten; denn in einem bequemen, üppigen Leben kann niemand viel verdienen, aber in den Unannehmlichkeiten, wenn alles entgegengeht, da können sich die Menschen viel verdienen. Gräme dich nur nicht, mag vorkommen, was will. Ich will sorgen, daß sie auf dem rechten Weg bleiben alle, alle deine Familien. Jetzt schau Mir nach!“

Und der Herr deutete zurück. Und ich sah hinter mir alle meine Familien, und vor mir waren die seligen Mitglieder auf dem Teil, worauf der Herr gestanden ist. Alle Familienhäupter hatten die Kinder und Kindeskinder hinter sich stehen und alle schlossen sich mir an.

Jesus: „Siehst du, wenn auch hie und da etwas vorkommt, wo sie sich recht kränken und ärgern, sie lassen sich alle von dem Geist, der ausgegossen ist, nachziehen und kommen zum Ziel. Und du gehst morgen fort. Dorthin habe Ich dich bestimmt. Kümmere dich nicht allzusehr um die kleinen Vorgänge. Ich habe gesorgt für ihr Glück und Segen, und sie sollen die kleinen Kreuze tragen. Ich weiß, wann es Zeit ist, wann Ich Kreuze schicken muß. Ich habe ein schreckliches Kreuz in Meiner Kirche. Ich muß Menschen haben, die Sühne und Abbitte leisten, weil die Zeit kommt, wo so viele ihre Ostern nicht mehr halten. Ihr sollt beten für die Sünder und euch zueinander scharen. Ihr wißt ja, was Ich verlange. Das andere ist nicht dein Beruf. Sag es doch allen, daß sie feststehen im Glauben.“

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677 Brief einer Leserin am 6. April 1905

„Das Lesen der Schriften ist mir vom Beichtvater erlaubt, weil sie zur Gottes- und Nächstenliebe anspornen. Ich werde dadurch immer stärker in der Liebe Gottes entflammt und die eitle Menschenfurcht wird abgeleitet. Es ist dies der Hauch Gottes, der das Feuer wieder anbläst, das unter der Asche der Sinnlichkeit verborgen liegt. Mut, Kraft und Stärke findet die ermattete Seele in diesem lebendig machenden Hause Gottes. Liebe atmet jedes Wort; Gnade, Segen jede Herablassung; Barmherzigkeit die ganze Schrift, die später manche schwache, kranke Seele erquicken wird auf dem mühevollen, dornigen Wege des Heils. Aber alles muß erst ans Kreuz. Allda bekommt es erst Glanz, Kraft, Stärke und Mut. Alles Gute muß eine Leidenskatastrophe durchmachen, um eine wahrhaft nahrhafte Speise zu werden, und muß durch das Salz der Erde gereinigt und gewürzt werden. O wie verlangt Mich nach dieser himmlischen Kost!“

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678 Sonntag am 9. April 1905

Jesus: „Ihr sollt nicht denken, wird all unsere Mühe denn auch etwas nutzen? Ihr sollt nur jetzt tun, was ihr könnt. Ich habe das alles so gelegt, daß du Mir jetzt ganz ungeniert dienen kannst, und Ich verlange das auch. Denkt nicht, weil ihr keine Früchte seht, das wäre alles umsonst. Auch bei Mir hat es geschienen, als wäre alles, was Ich in den dreiunddreißig Jahren Meines Lebens getan, ganz fruchtlos. In der Ewigkeit zeige Ich euch, was das alles Gutes gewirkt.“

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679 Montag am 10. April 1905

Jesus nach der heiligen Kommunion: „Damit Mein bitteres Leiden nicht ganz in Vergessenheit bei der Menschheit komme, habe Ich die langen Jahre mit euch verkehrt und euch vieles darüber mitgeteilt. Da Ich nun nicht mehr so oft im Leiden komme wie früher, so wünsche Ich, daß ihr aus Dankbarkeit für all die Gnaden, diese letzten vierzehn Tage der Fastenzeit jeden Abend euch miteinander vereinigt wie früher auch und eine Stunde von eurem Schlaf abbrecht zur Erinnerung an Mein bitteres Leiden, und Sühne und Abbittgebete verrichtet für die Armen Seelen, damit sie sich mit euch vereinigen und ihr mit ihnen, auf daß viele Seelen gerettet werden in der jetzigen Osterzeit; denn manche Seele fängt an nachzudenken hier in Mainz. Ihr sollt es zumeist für die Mainzer aufopfern und Mich recht unterstützen, damit ihr viele gewinnt.

Donnerstags könnt ihr die heilige Stunde halten, und an den anderen Tagen den Rosenkranz oder den Kreuzweg beten oder abwechselnd aus dem Buch Walser. Aber von den gewöhnlichen Andachten sollt ihr nichts versäumen und auch eure Arbeit verrichten. Sage N., es wäre freilich besser gewesen, wenn sie im Kloster ausgeharrt hätte. Ich will sie aber nicht unruhig machen. In ihrer jetzigen Stellung bleibt es aber auch nicht immer so, wie es eben ist.

Sage N., ihre Krankheit ist die Betauung und Begießung des Werkes. Ihr Zustand kommt mehr daher, weil ihr Körper und ihre schwachen Nerven den vielen inneren Leiden nicht gewachsen sind; aber alle göttlichen Werke müssen solche Schwierigkeiten durchmachen.“

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680 Mittwoch am 12. April 1905

„Denn nur die Sünde ist eine Schmach für Meine Kirche.“

Barbara: Nach der heiligen Kommunion sagte ich zum Herrn, weil ein Priester der Diözese vor Gericht verurteilt worden war:

„O Herr, wie konntest Du doch zulassen, daß solche schlimme Schmach über Deine Kirche kommt?“

Jesus: „Meine Tochter, das ist eine Strafe für Meine Kirche hier, für Meine Diener wegen der Mißachtung Meiner Worte, die Ich schon jahrelang durch dich gesprochen und in dir niedergelegt, die man aber aus Menschenfurcht und aus nichtssagenden Gründen, um, wie man so meinte, eine Schmach, eine Verachtung von der Kirche abzulenken, beiseite schob. Wenn sie es anerkannt hätten, wäre viel Gutes befördert worden. Weil sie es aber nicht taten, so will Ich ihnen jetzt zeigen, was Schmach und Verdemütigung für Meine Kirche ist; denn nur die Sünde ist eine Schmach für Meine Kirche. Deswegen habe Ich den Leiter der Untersuchung N. gleich bestraft, der es am besten hätte wissen und auch den Ausgang hätte verhüten können. Darum habe Ich ihm gezeigt an seiner eigenen Schwester, was eine hysterische Krankheit ist, die meist zu Wahnsinn führt. Das mußte er fühlen.“

Anmerkung: Ein Jahr nach der Untersuchung stürzte sich dessen Schwester, in demselben Monat, in demselben Haus, und jedenfalls auch aus demselben Zimmer zum Fenster hinunter, denn beide sahen auf die Muttergottesstatue im Garten vor ihrem Fenster.

Jesus: „Wenn Meine Diener es auch jetzt noch nicht erkennen, sie werden es aber noch erkennen. Und weil der Leiter der Untersuchung gesagt hat: ‚Wenn es der Heiland gewesen wäre, hätte Er Sich das nicht gefallen lassen dürfen, sondern Er hätte dreinschlagen müssen, denn wir haben es Ihm schön gemacht‘, so sage Ich euch, daß Ich ein langmütiger Gott bin und nur langsam Meine Macht zeige. Jetzt habe Ich dreingeschlagen. Ich hätte die Schmach abwenden können, aber es muß alles seinen geraden Weg gehen. Und sage dem Bischof, er soll den Mann nicht mehr bestrafen, ihn nichts fühlen, nichts entgelten lassen; denn er ist für seinen Fehler sehr streng bestraft. Er soll ihn mit Liebe umfangen; denn er ist in einer verzweifelten Lage, und es kann sonst noch eine größere Sünde geschehen, und es kommt zum schlimmen Ausgang. Der Bischof soll sich erinnern, was Ich zur Ehebrecherin gesagt: ‚Gehe hin und sündige nicht mehr!‘ Wenn Meine Diener es jetzt noch nicht erkennen, sie werden es aber noch erkennen müssen.“

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681 Am 17. April 1905

Am Montag der Karwoche wurde der Liebesbund von der Kanzel herab von einem entschiedenen Gegner des Werkes sehr hart angegriffen. Er sprach über die Herz-Jesu-Andacht und brachte dann vor, es gebe auch eine falsche Herz-Jesu-Andacht, die nur auf Schwärmerei und Gefühlsduselei beruhe, die sich mit religiösen Einbildungen unterhielte, wie die Weltkinder ins Theater gingen. Solche Frommen trügen die Schuld, daß alles so abwärtsgehe, daß die Ehre der Jungfrauen gefährdet sei (durch die späte Donnerstags-Ölbergstunde abends zwischen acht und neun Uhr), daß Frauen und Jungfrauen in Gefahr seien, zugrunde zu gehen.

Derlei sagte er vieles, warf sich dabei in die Brust und sprach mit so leidenschaftlich erhobener, heftiger Donnerstimme, daß die Leute darüber die Köpfe schüttelten und beim Herausgehen sich besprachen, was denn das zu bedeuten hätte. Eine Dame sagte: „Da weiß man nicht, soll man überhaupt noch beten oder gar nicht mehr in die Kirche gehen?“ Eine andere kam und schüttelte Barbara mitleidig die Hände. Eine andere wiederum sagte: „Wie hat der aber den Glauben erschüttert.“

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682 Gründonnerstag 1905

„Nur einzig und allein, weil er Meine Gottheit vor Meinen Feinden und vor Meinen Freunden bekannte.“

Barbara wurde darüber sehr verwirrt, weil ihre Familie, die so gute Vorsätze gefaßt zum Dienste Gottes, nun ganz wankend wurde. Der Herr sagte deshalb tröstend:

Jesus: „Das ist ja gerade euer Verdienst. Ihr habt lange nicht so viel verdient und hättet Mir in dieser heiligen Woche gar nichts mehr opfern können als diese Verdemütigung. Hängt euch nicht an all die Sachen. Was bin Ich so getröstet, wenn ihr so verdemütigt seid! Mach dir keine Sorgen, wenn du auch nicht mehr so viel tun kannst. Sei ruhig! Ich nehme alles hin und ersetze alles, was ihr in eurer Armseligkeit nicht tun könnt.

Wundere dich jetzt nicht mehr, denn Ich bin gar nicht mehr zu haben für deinen Zweifel, ob es möglich sein kann, daß ihr in die Reihe der heiligen Märtyrerinnen und Jungfrauen versetzt werdet, weil diese, die in der Kirche so hoch verehrt werden, so viel für Mich geleistet haben. Komm mit Mir, Ich will dir zeigen, wie heute der Gründonnerstag im Himmel gefeiert wird. Du sollst teilnehmen, wie heute Meine Bewohner im Himmel sich freuen wegen der Einsetzung des Heiligsten Sakramentes. Das ist ihnen ein so großer Trost, weil sie sich alle darin haben heiligen können.“

Barbara: Der Herr nahm mich mit Sich fort. Es wurde immer heller und lichter, und der Raum, worin ich geführt wurde, wurde so groß wie die ganze Welt. Ich sah keinen Anfang und kein Ende mehr. In der Mitte war etwas, eine Feierlichkeit. Ich sah an dem unendlichen Glanz, daß da etwas Außergewöhnliches darin ist, wo ich nicht hineinsehen konnte. Eine Stimme sagte mir: „Hier ist das Lamm, das geschlachtet ist, da darf das Auge eines Menschen nicht hineinschauen.“

Aber die Bewohner, die das Lamm bewachen, die haben Ihn sehen dürfen. Es war rund herum ein Kranz von Seligen: Alle die Priesterscharen, vom heiligen Petrus angefangen, die Apostel, die Bischöfe. Die Priester stehen am nächsten um das Lamm herum, und im zweiten Chor stehen die Jungfrauen. Und der Herr sagte:

Jesus: „Siehst du, hier ist einmal auch euer Platz! Ich will dir aber zeigen, daß das Leben der Heiligen das Leben aller Menschen war. Sie waren auch Menschen wie ihr, und was diese durch ihr Martyrium errungen haben, das oftmals in einigen Stunden oder Tagen vorüber war, wodurch ihre Krone voll war, und von diesem Tage an schauten sie das Lamm, sind bei Ihm und erfreuen sich in Ihm, das erringt ihr aber durch ein Menschenalter hindurch, durch all den Spott und Hohn und die Verdemütigungen Mir zuliebe.

Wer könnte Mir Vorschriften machen in Meiner Belohnung, wer kann Mir widersprechen, daß Ich den Schächer am Kreuz, der ein Leben hinter sich hatte, wie der allerschlechteste Mensch es führen könnte, in einem Augenblick in Mein Reich aufnahm? Hätte Ich es nicht Selbst gesagt, man könnte es widerstreiten. Aber weißt du, warum Ich ihn aufnahm trotz seines lasterhaften Lebens? Nur einzig und allein, weil er Meine Gottheit vor Meinen Feinden und vor Meinen Freunden bekannte. Und dafür gab Ich ihm eine vollkommene Reue und nahm ihn auf in Mein Reich.

Wenn nun ein Mensch trotz all seinem guten Willen sein ganzes Leben in beständigem Widerspruch von Meinen Dienern zubringen muß, warum soll Ich ihm nicht den Lohn geben, den Ich den heiligen Märtyrern gegeben habe, weil er es Mir zuliebe erduldete? Darum freut euch, daß ihr Gelegenheit habt, daß Ich euch immer wieder Gelegenheit gebe, für Mich etwas zu leiden. In der Ewigkeit werdet ihr euch nicht mehr darüber beklagen.

Diese drei letzten Tage der Karwoche sollt ihr recht mit Meiner lieben Mutter und mit allen frommen Christen vereinigt Mein heiliges Grab verehren, und Mir recht Anbetung und Danksagung leisten.“

Barbara: Als ich bis elf Uhr in der Kirche heute zugebracht, sagte der Herr:

Jesus: „Jetzt gehst du nach Hause und zur Abwechslung auf den Kirchhof, damit du dich erholen kannst. So kommt deine Natur wieder ins Geleise, und opfere jeden Schritt und Tritt für die Armen Seelen, weil sie an solchen Tagen so sehnsüchtig warten. Das ist ein so großer Freudentag für sie, weil so viele Opfer für sie gebracht werden und so viele in den Himmel eingehen in diesen Tagen. Deshalb opfere es für die Armen Seelen.“

Barbara: Ich dachte bei mir, während ich am Grabe arbeitete, worin Mein Bruder und meine Nichte liegen, es wird gut sein, einmal alles herauszureißen, damit die Blumen frisch ansetzen. Da fiel mir ein: ach nein, laß es gehen, bis jemand stirbt. Wenn ich zuerst sterbe, mögen sie es machen, wie sie wollen.

Jesus: „Du sollst nicht in das Grab. Ich will, daß ihr drei zusammen in ein Grab kommt. Wenn die erste stirbt, soll das Grab angekauft werden, und wenn die letzte stirbt, soll ein Grabstein darauf gesetzt werden mit der Inschrift: ‚Aus Liebe zu Dir, o Jesu, getragen Spott und Hohn, sind wir jetzt vereint in Dir, o Jesu, um zu empfangen unseren Lohn.‘ Die letzte soll jemand damit beauftragen.“

Barbara: Als ich über den Kirchhof ging und betete: O ihr Armen Seelen mein, jung und alt, groß und klein, wann wir kommen vor das Gericht, so dann auch vergeßt uns nicht, hörte ich die Stimmen mir entgegenrufen: „Ja, wir bitten alle für dich!“ Als ich so dahinschritt, riefen sie mir zu: „O auch mir, o auch mir! Niemand ist, der an mich denkt!“ und sie zeigten mir ihre große Freude.

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683 Am 25. April 1905

Daß der Strom sich auch nach Deutschland herüberwälzen wird, ist und bleibt wahr.“

Jesus: „Was Ich Meiner Kirche durch dich mitteilen wollte, habe Ich gesagt. Für was soll Ich dich noch länger unnütz quälen, da Meine Diener jederzeit eine andere Ausrede haben. Ich werde von jetzt an dich im stillen besuchen, ohne daß es anderen auffällt, und dein Trost sein in allen Bedrängnissen dieses Lebens. Laßt kommen, was da kommen will. Nur eines merkt euch: laßt euch nicht sieben, haltet fest zusammen, ihr drei, und wenn alles gegen euch ist. Und sag es allen Liebesbundmitgliedern, daß sie feststehen im Glauben, daß Ich es bin, der mit dir redet. Denn was Ich gesagt habe, ist und bleibt wahr, daß, wer nicht glauben kann, daß Ich die Menschen aufmerksam machen wollte auf die große Gefahr, die über allen Kindern der katholischen Kirche schwebt, der soll zittern für sich selbst; denn schaut hinüber nach Frankreich. Viele werden jetzt, wo die Stunde der Trübsal gekommen ist, mit hineingeschwemmt in den Strudel des Zeitgeistes, die kurz vorher auch noch glaubten, sie seien gute Katholiken. Denn was Ich gesagt habe, daß der Strom sich auch nach Deutschland herüberwälzen wird, ist und bleibt wahr.

Euch und allen, die zu euch stehen, rufe Ich aber zu: Setzet alle Kräfte des Leibes und der Seele ein für Meine Kirche! Betet, daß die Zeiten abgekürzt und viele noch gerettet werden! Hier in Mainz kannst du nichts ausrichten. Darum schweige und bete. Und wenn du auf der Straße einem Priester begegnest, so schaue nicht auf ihn, wenn du siehst, daß er deinen Gruß nicht erwidern will, damit dein Gemüt nicht verwirrt wird, und sage im stillen den Gruß. Ich höre ihn und erwidere ihn. Ihr wißt, was Ich euch aufgetragen habe zu besorgen, weil ihr hier nichts tun könnt. Allen, die mit euch halten und es glauben, bekommen einen großen Lohn, sie verdienen sich sehr viel, und Ich werde sie beschützen, daß sie unberührt an dem Strom vorbeikommen, der sich von Frankreich herüberwälzt, wie Ich gesagt habe. Alles geht in Erfüllung. Sage N., sie muß sich erst diese große Gnade verdienen. Sie soll nur geduldig abwarten. Auf einmal hat sie alles nach Wunsch. N. soll tun, was Ich ihr eingebe.“

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684 Am 1. und 3. Mai 1905

„Daß Mein Reich durch einzelne Seelen erneuert und deshalb ein Gebetssturm entfaltet werden muß.“

Am 1. Mai nach der heiligen Kommunion sagte der Herr:

Jesus: „Ihr sollt nicht mehr rechts und links sehen, sondern schnurgerade auf Mich losgehen, um Mich zu verherrlichen. Seht euch doch einmal um unter den frommen Seelen, wie viele noch sind, die kein Vergnügen suchen. Seht doch, wie schlimm es in der Welt aussieht. Es ist Mir lieber, wenn du, anstatt die Wallfahrt nach W. mitzumachen, dich deiner zwei Priesterstudenten annimmst und sie mit nach Rück nimmst, damit sie jemand um sich haben, der sie ermuntert und zum Guten anleitet. Frau S. hat noch zu leiden.“

Am 3. Mai nach der heiligen Kommunion hörte ich die Stimme des Herrn:

Jesus: „Gib dich jetzt nicht dem mündlichen Gebet hin, sondern höre, was Ich mit dir reden will. Es ist sehr nötig, allen Liebesbundmitgliedern wieder einmal zu schreiben. Ihr höret von allen Kanzeln herab jetzt dasselbe, was Ich schon vor langen Jahren mit dir gesprochen, daß das Glaubensleben müsse erneuert werden durch einzelne Seelen; durch diese muß die Kirche erneuert werden. Deshalb richtet an alle Liebesbundmitglieder die Forderung, daß sie sich, so viel, wie es ihnen möglich ist, von der Welt losreißen und das Entgegengesetzte von dem Leben und Streben der anderen Weltmenschen tun. Je mehr die Welt dem Vergnügen und Genießen nachströmt, desto mehr sollt ihr alle, ihr Liebesbundmitglieder, euer einziges Glück nur in Mir suchen und eure ganze Freude.

Alle die Leiden und Widerwärtigkeiten, die Ich dem Umkreis jeder einzelnen Familie und jeder einzelnen Seele zusende, sollt ihr, so viel in eurer Kraft liegt, zu heben suchen und durch Ausübung der Nächstenliebe zum Frieden beitragen unter den Eurigen. Ist es aber mehr die Leidenschaft, die zu große natürliche Liebe, die euch so fortreißt, und ihr seht, daß ihr nichts ausrichtet an ihnen, so betrübet euch nicht darüber so, daß ihr eure Hauptaufgabe vergeßt. Ertragt es dann ruhig und opfert es Mir auf, damit ihr durch das ruhige Ertragen ihre Seelen rettet. Denn diese Seelen, für die sie Mir fortwährend ihre Aufopferung dargebracht, werde Ich dennoch retten, obgleich sie wenig Hoffnung geben, aber das Ziel sollen sie nicht vergessen, daß Mein Reich durch einzelne Seelen erneuert und deshalb ein Gebetssturm entfaltet werden muß, wie er nur sein kann und je in solchen Zeiten zum Himmel erhoben worden ist.

Jetzt im Monat Mai sollt ihr, sooft ihr nur könnt, ein Bildnis Meiner Mutter aufsuchen in der Kirche oder in der Kapelle und euch um Sie scharen und mit Ihr vereinigt beten für die Anliegen der Kirche. Keines der Liebesbundmitglieder aber möge sich je seinen geistlichen Vorgesetzten widersetzen, in welcher Pfarrei, Diözese oder welchem Land es auch stehen mag. Keines soll es wagen, sondern immer im Einklang mit ihnen gehen. Sobald der Priester etwas verweigert, sollen sie abstehen und jeder sich fügen in die Anordnungen des Bischofs oder Priesters, aber immer im Auge behalten, daß sie das alles ersetzen können durch die Standhaftigkeit im Glauben und in der Liebe, die ihnen niemand verbieten kann.

Denn sie sollen wissen, daß Ich ihr oberster Leiter bin, daß Ich sie führe als Liebesbundmitglieder, weil sie allzusammen eine Gemeinschaft bilden sollen wie die ersten Christen, die alle beten sollen eines für alle und alle für eines und dieses so uneigennützig, daß keines sein eigenes Wohl vorandrängt; denn die einzelnen Glieder bilden doch in der ganzen Welt, wo sie auch stehen, eine Zusammengehörigkeit in ihrem Leben und Streben und im Gebet. Der Gebetssturm ist aber die Hauptsache.

Doch soll jede ihre Arbeit tun und niemand soll seine häuslichen Berufspflichten vernachlässigen, aber überall sollen sie eine heilige Ruhe und Freude zur Schau tragen, auch wenn es vorkommt, daß sie verkannt, beschimpft und unterdrückt werden, sollen sie es ruhig ertragen, daß die Welt an dem ruhigen Ertragen, an dem Gottvertrauen und der Nächstenliebe sehen muß, daß ihr andere seid als die Alltagschristen und sie sich zurufen: ‚Seht, wie sie einander lieben.‘ Später, wenn alles vorüber ist, seht ihr, was Ich mit euch gewollt habe und warum Ich mit dir geredet habe.

Sage N., er soll sich Gott so in den Willen geben und ihm in die Arme werfen, daß er gleichsam keinen Willen mehr hätte, und auch darin, wenn Ich ihm gleichsam alle Stütze wegnehme, die er scheinbar doch braucht und haben muß, um das Werk halten zu können. Ich verlange von ihm eine heroische Großmut, daß er glaubt, auch wenn alles an dem Werk unterzugehen scheint, das er verteidigt. Dieses Werk ist nur der Widerhall von jenem ersten Werk, das Ich gegründet habe am Kreuz und wofür Ich gestorben bin. Da war Ich auch ganz und gar vernichtet und entblößt von jeder menschlichen Hilfe. So muß auch dieses Werk am Kreuz siegen. N. aber soll nicht nachlassen zu arbeiten und die Einzelnen zu ermuntern.

Setzt einen Brief auf an alle Liebesbundmitglieder, und schicke ihn auch in deine Heimat. Ich entbinde dich jetzt davon, noch ferner dem Bischof Aufträge auszurichten. Tue im stillen, was Ich dir sage, und setzt euch standhaft ein für den Glauben. Das ist eure Aufgabe.“

Inhaltsverzeichnis Band 6

685 Am 4. Mai 1905

„Das Leiden ist auch Gebet, und zwar doppeltes Gebet.“

Heute morgen, gleich nach der heiligen Kommunion, gab mir der Herr eine längere Botschaft. Weil Luise es aber nicht gleich aufschreiben konnte, so bat ich um zehn Uhr die liebe Mutter Gottes in Quintin, mir es nochmals zu wiederholen, und ich beschwor Sie um Ihrer Tränen und des Blutes Ihres Sohnes willen, daß Sie nicht zulassen möge, daß ich in eine Selbsttäuschung verfalle. Sie wiederholte mir folgendes:

Maria: „Sage den Klosterfrauen, sie sollten es als einen Fingerzeig von Gott ansehen, daß Er diese Dame zu ihnen hingesandt; denn Mein Sohn hat sie dahingeführt, weil Er Sein Auge auf diese Klosterfrauen gelenkt hat und sie für Sein Werk gewinnen will. Frl. N. aber stirbt noch nicht; sie muß noch mehr arbeiten für den Liebesbund. Sie hat noch einen weiten Weg.

Den Schwestern aber sage, sie sollten bedenken, was für ein großes Glück es für eine Seele ist, wenn Mein lieber Sohn sie aussucht zu solchen außergewöhnlichen Leiden, wenn sie auch manchmal tief einschneiden in die Seele. Das ist der Weg, wie Er Seine Auserwählten führt und Seine Heiligen bildet. Sie sollten es nicht verkennen und die Gnade nicht umwandeln in eine Strafe für sie. Wenn man Bitterkeit nachträgt, verwandelt man die große Gnade zu Bitterkeit. Mein lieber Sohn will die Schwester nur auf dem Weg der Vollkommenheit weiterbringen. Sie soll das, was ihr zugefügt worden ist, mit Mut hinnehmen und mit Gleichmut ertragen und in ihre Stellung gehen, die ihr angewiesen wurde, und tun, als ob nichts vorgefallen wäre und sich verwenden lassen, wo und wie sie wollen.

Wenn sie das fertigbringt, hat Er Sein Ziel mit ihr erreicht; denn Er will sie nur abstreifen von der Eigenliebe und dem Stolz, den alle Menschen in sich stecken haben, den sie aber nicht eher erkennen, als bis Gott den Menschen darauf führt und ihn davon überzeugt. Sie soll darum mit sich machen lassen, was sie wollen, und dann gebe Ich ihr das Versprechen, daß ihr Vormund aus dem Fegefeuer erlöst werden soll, und daß Mein lieber Sohn daran alle Gnaden für sie anschließen will, und daß sie standhaft bleibt, wenn wieder solche Unannehmlichkeiten kommen und sie keine Versuchung mehr bekommt zum Austritt. Und sage ihr auch, daß du aus eigener Erfahrung weißt, welch große Gnaden solche Verdemütigungen nach sich ziehen.

Im übrigen ist Mein lieber Sohn sehr zufrieden über den guten Willen der Schwester als auch mit ihrer Oberin. Das muß ihnen eine große Beruhigung sein, wenn sie auch zweifeln wollen und versucht sind anzunehmen, man wolle ihnen schmeicheln. Die Oberin soll bedenken, daß niemals eine Seele aus sich selbst das Herz und das Gemüt hat, um mit uneigennütziger Nächstenliebe die Seelen zu bemitleiden.

Das hat sie von Gott und ist der sicherste Beweis, daß sie in Gott befestigt ist. Sie sollen beide zusammenhalten und so fortfahren, die mit Ängsten geplagten Seelen aufzumuntern. Das ist der beste Beweis, daß sie mit Gott vereinigt ist, weil sie ängstlich ist, daß sie nicht alles so mitmachen kann wegen ihrer Gesundheit.

Sie soll jeden Abend Meinem lieben Sohn sagen: ‚Lieber Heiland, ich habe getan, was ich konnte. Wenn Du mehr haben willst, mußt du mir mehr Gesundheit geben!‘ Sie soll immer ein heiteres Gemüt pflegen, daß sie gegenseitig sich immer in der Heiterkeit und Freude ermuntern, und mit Freuden Ihm dienen; denn einen freudigen Geber liebt Mein Sohn. Sie sollen nur ruhig weitergehen und nicht so ängstlich sein, denn eine Ordensperson, die sich einmal Meinem lieben Sohn geschenkt, soll alles hinnehmen, was vorkommt in ihrem Beruf und bedenken, daß sie eine geistige Hausfrau ist, die für Ihn arbeitet und sich selbst vergißt, um Seelen zu retten.

Sage ihnen aber, sie sollen sich anschließen an den Liebesbund, an die in der Welt lebenden frommen Christen, die auch nichts anderes suchen als die Ehre Gottes, weil Mein lieber Sohn es wünscht; denn Er hat schon lang gesagt, daß die Ordensleute und frommen Weltleute sich vereinigen zu einem eifrigen Christenleben, weil das Glaubensleben erneuert werden muß. Die gelben Blätter sollen abgeschüttelt werden vom Baum der Kirche und deshalb trachtet, ein grünes Blatt zu sein und kein dürres.

Ihr alle miteinander müßt über die Unannehmlichkeiten weggehen, das muß euch Nebensache sein, und all die Leiden und Widerwärtigkeiten und Vorkommnisse müßt ihr zu den Sühnungsleiden rechnen für die Bekehrung der Welt.

Mein lieber Sohn läßt das alles zu, wenn man es manchmal auch nicht erkennt, und benützt die Menschen als Werkzeuge. So hat Er bei dieser Schwester ihre Vorgesetzten dazu benützt, um sie im Tugendleben vorwärts zu bringen, und nur auf diesem Weg wird das große Ziel erreicht, wenn viele sich vereinigen zu einem Gebetssturm. Die Leiden spielen aber eine Hauptrolle dabei. Das Leiden ist auch Gebet, und zwar doppeltes Gebet. Sie sollen also nur nicht ängstlich sein, weil Mein lieber Sohn zufrieden mit ihnen ist; sie sollen nur tun, was Er ihnen sagt.“

Inhaltsverzeichnis Band 6

686 Fest der Kreuzauffindung 1905

„Als der Erzengel Gabriel Meiner lieben Mutter das Geheimnis der Menschwerdung ankündigte, da war die Morgenröte der Gnade noch nicht aufgegangen.“

Barbara: Am Fest Kreuzauffindung bat ich den Herrn sehr für zwei Verstorbene. Der Herr schenkte mir die erstere, eine Frau. Sie hielt ein Kreuz in den Händen und sagte:

Verstorbene: „Kreuzauffindung ist meine Erhöhung, weil du mir die Verdienste deiner Feier zugewandt. Ich werde dich am Throne Gottes nie vergessen.“ Das „Hochpreiset“ singend, schwebte sie auf.

Barbara: Während des Segens, den ich der Mutter von S. schenkte, gab mir der Herr auch diese. Ich sah sie, sie war eine alte Frau, aber im vollkommenen Zustand wie eine junge Person. Sie dankte mir und sang das Magnificat, in die Höhe steigend.

Am Herz-Jesu-Freitag, als Barbara in der Herz-Jesu-Andacht war, wo nur Laien beteten, wollte sie noch in eine andere Kirche gehen, um sich den heiligen Segen zu holen. Der Herr aber sagte:

Jesus: „Bleibe hier! Meinst du denn, Ich könnte dir den Segen nicht auch hier geben? Was sollten dann die Ordensleute anfangen und Meine anderen Diener, die auch danach verlangen, aber nicht hinzukommen können? Diese alle lasse Ich teilnehmen an Meinem Segen.“

Am ersten Sonntag im Mai las Barbara in einem Buch, daß man seine Gnaden verbergen solle, und sie wurde ängstlich. Darauf hörte sie die Stimme des Herrn:

Jesus: „Meine Tochter, ziehe dich zurück, Ich will mit dir reden. Du fürchtest dich, darum komme mit Mir!“

Darauf wurde ich in eine glänzende Gesellschaft geführt, wo die heiligen Apostel und Bischöfe und Priester waren. Der Herr sagte:

Jesus: „Weil diese Meine Dienerin von den Priestern in dieser Stadt so verachtet ist, deshalb ist es Mein Wille, daß ihr sie belehret über ihre Zweifel.“

Barbara schämte sich und fürchtete sich vor Täuschung, und wandte sich deshalb ab. Da drängte Sich die liebe Mutter Gottes von hinten vor und sagte:

Maria: „Komme, Meine Tochter, fürchte dich nicht, Ich will dir alles ersetzen.“

Der Herr war so gütig und sagte:

Jesus: „Als der Erzengel Gabriel Meiner lieben Mutter das Geheimnis der Menschwerdung ankündigte, da war die Morgenröte der Gnade noch nicht aufgegangen. Meine liebe Mutter mußte deshalb schweigen, denn es hätte sie niemand verstanden. Jetzt aber, wo Meine Gnadensonne die ganze Welt durchscheint bis in den letzten Winkel hinein, wo aber dieses Glaubenslicht am Erlöschen ist, ist es notwendig, dasselbe wieder anzufachen. Wenn Ich zu einer Seele rede, so rede Ich nicht allein zu ihr, sondern zu allen, um das Glaubenslicht wieder anzufachen.“

Die lieben Heiligen begrüßten Barbara sehr herablassend und freundlich und stimmten dem Herrn bei.

Maria: „Sage dem jungen Mann, er soll sich noch diesen Monat im Missionshaus anmelden. Ist er auch schon fortgeschritten, so kann er doch noch eine Leuchte in der katholischen Kirche werden. Er wird noch viele Versuchungen haben; er soll aber das Irdische nicht achten. Seine Mutter soll sich tief vor Gott verdemütigen.“

Von der Kanzel herab wurde die Donnerstags-Ölbergstunde sehr getadelt und die Beter darum erschüttert. Der Prediger sagte, die Ehre der Beteiligten käme wegen der späten Abendstunde in Gefahr, es seien eigensinnige Neuerungen und dergleichen.

Jesus: „Gebt die heilige Stunde nicht auf, sondern beruft euch darauf, daß Ich sie Meiner Dienerin Margareta Maria Alacoque angegeben und daß Rom sie approbiert und mit vollkommenem Ablaß versehen, und daß ihr sie haltet, weil die Betrachtung des bitteren Leidens die Seele sehr fördere und im Guten bestärke und ihr hofft, Fortschritte zu machen. Wenn sie sie direkt verbieten, dann gehorchet, aber sie werden es nicht wagen.“

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687 Am 27. bis 29. Mai 1905

„Wer Geduld hat, wird alles in Erfüllung gehen sehen.“

Jesus: „Komme her, Meine Tochter, Ich will dich entschädigen für all die ertragenen Leiden.“

Barbara: Und Er führte mich in Sein heiligstes Herz, in eine besondere Wohnung, worin ich schon öfter war. Es war dort eine lange Tafel gedeckt und viele saßen daran, auch Lieschen und Luise. Und der Herr sagte liebreich:

Jesus: „Meine Tochter, suche dir ein Plätzchen und setze dich.“

Barbara: Und ich wurde erfüllt mit großer Süßigkeit, und der Herr sagte:

Jesus: „Laßt euch nicht sieben, haltet um so inniger zusammen, je mehr man euch zu trennen sucht.“

Jesus am 28. Mai: „Schließt euch innig zusammen und geht ungeniert eure Wege; denn der Strom des Kulturkampfes zieht auch seine Streifen nach Deutschland, und es wird bald geschehen, dass der Haß der Bösen auch in Wut übergeht gegen Meine Kirche, und daß alle Priester, Ordensleute und treuen Christen viel zu leiden bekommen. Wie zu Meinen Lebzeiten die Pharisäer immer danach sannen, Mich zu verfolgen, und wie dann endlich der Neid in Wut ausbrach, um Mich zu vertilgen, so wird es auch den Meinigen geschehen. Alles, was Ich gesagt, geht in Erfüllung. Es ist nur die Ungeduld der Menschen, die es nicht erwarten können, aber wer Geduld hat, wird alles in Erfüllung gehen sehen. Man will Mich ganz aus der Menschheit vertilgen. Es kommt noch zu einer blutigen Verfolgung.“

Jesus am 29. Mai: „Ich habe euch doch gezeigt, daß ihr diejenigen seid, die in Meinem Herzen eingeschlossen sind, die bei Mir sitzen und an Meinem Herzen ruhen. Was braucht ihr dann noch mehr?“

Inhaltsverzeichnis Band 6

688 Herz-Jesu-Freitag im Juni 1905

„Denn all die Krankheiten und Trübsale sind ja nur der Weg dorthin. Dort wird alles ausgeglichen.“

Jesus: „Sage N., sie brauche sich nicht zu fürchten vor einem schnellen Sterben. Ich gebe ihr noch die Gnade, daß sie den Bau fertigstellen kann, und daß ihr Geschwister euch alle noch einmal sehen dürft. Denn Ich gönne euch diese Freude, daß ihr euch in heiliger Freude in Mir zusammenfindet zur Belohnung dafür, daß ihr alle trotz allem so fest geglaubt; denn Ich schlage einen solchen Glauben sehr hoch an, wenn man sich über die Gnaden anderer freut. N. soll, wenn sie sich erholt hat, sich mit Mut an den Bau machen, wenn sie auch nicht mehr so gesund wird wie früher. Sie soll all ihr Vertrauen auf Mich setzen; denn es geht alles in Erfüllung, was Ich verheißen habe, aber glauben muß der Mensch. Ic h habe große Freude an all ihren Geschwistern um ihres lebendigen Glaubens willen, und Ich will ihnen diese Freude noch einmal machen. Alsdann aber sollen sie sich über nichts unterhalten als über die himmlische Seligkeit und die Freuden, die ihrer warten, und Meine unendliche Liebe und Güte, und alles andere beiseite lassen, denn all die Krankheiten und Trübsale sind ja nur der Weg dorthin. Dort wird alles ausgeglichen.

Sage auch N., Ich habe große Freude an ihr, sie habe wirklich schon Fortschritte gemacht. Das müsse sie daran erkennen, daß sie keine so heftigen Kämpfe mehr hätte. Ich gebe ihr das Versprechen, daß sie noch dahin gelangt, daß sie sich noch freier fühlt von all den irdischen Dingen. Denn anders ist es nicht zu machen, als daß die Reichen, die aufwärts steigen wollen, sich ihrer Güter entäußern. Sie soll doch täglich bedenken, was denn all das Irdische wäre im Vergleich zur Ewigkeit, wie rasch das alles ein Ende nimmt. Es soll sie trösten und freuen, daß Ich mit ihr zufrieden bin, und um ihrer Entäußerung willen ihr all die kleinen Fehler verzeihe.

Sage noch deinen Schwestern Luise, Ich erfülle ihnen alle Wünsche, weil sie geglaubt, aber die Leiden, das alles gehört zum Weg der Seligkeit, der sie entgegengehen. Sie sollten noch entschiedener alles Irdische und Weltliche abstreifen.“

Inhaltsverzeichnis Band 6

689 Am 5. Juni 1905

„Dieses Gespräch aber geht im Herzen des Menschen vor sich.“

Jesus: „Sage deinen zwei Freundinnen, daß euer Leben jetzt so ruhig dahinfließen wird. Sage N., er möge sich doch aufraffen und sich freuen, daß er sich für Mein Werk hingegeben. Wenn es ja sein Leben kostet, so ist es ja für Mich hingegeben, für seinen Glauben. Er soll fest glauben, daß er noch einmal nach Lourdes gehen kann, und er wird sehen, mit welcher Freude ihn dort Meine Mutter überströmen wird, und wie getröstet er zurückkommt, und wie glücklich er sein wird in der Ewigkeit, wo ihm alles ausgeglichen wird.“

Nach der heiligen Kommunion beschwerte ich mich, weil ich so wenig tun kann. Der Herr sagte:

Jesus: „Beruhige dich, Ich bin mit dir zufrieden.“

Barbara: „Ja, bin ich es nicht selbst, die ich mir das zuspreche?“

Jesus: „Niemals kann ein Zwiegespräch stattfinden in der Seele, das sich auf Gott bezieht, was aus einem anderen Geiste kommt oder was der Mensch aus sich hat; denn das ist ein ganz anderes Gespräch als das Gespräch mit den Lippen. Weil der Mensch aus sich nichts Gutes hat oder geben kann, muß ein Gespräch, das sich auf Gott oder das Heil der unsterblichen Seele bezieht, nur von Gottes Geist her kommen. Dieses Gespräch aber geht im Herzen des Menschen vor sich.“

Dann sagte die liebe Mutter Gottes:

Maria: „Weil Schwester N. so kindlich ist und immer noch meint, es wäre alles nicht richtig, so sage dieser guten Schwester, Mein Sohn hat es ihr zwar schon so oft gesagt, aber weil sie so kindlich ist, sage Ich es ihr wieder, sie soll sich nicht mehr beängstigen um das, was hinter ihr liegt, sie soll vorwärts schauen und die Tage, die ihr noch von Meinem Sohn geschenkt sind, zu ihrer Heiligung verwenden und recht achtgeben, daß sie eine herrliche Blume wird, und das sage Ich ihr nicht allein, sondern allen ihren Geschwistern; denn die Kinder sollen die Krone ihrer frommen, heiligen Mutter werden, und jedes soll sich hüten, daß es keine mißgestaltete gibt, denn dann wäre die Krone verschändet.

Für N. werden auch noch einmal bessere Tage kommen, wo es ihm mit der Gesundheit besser geht. Alles kommt nur daher, weil seine Nerven ruiniert sind durch das, was er durchgekämpft hat, und das sage Ich zum Trost für euch alle, besonders für N., daß die einzelnen Glieder der Kirche in jetziger Zeit, jedes in sich, das ganze Leben der Kirche durchleben müssen: So wie die Kirche im großen und ganzen, so jede Seele im kleinen in ihrem eigenen Leben. Daher kommt es, daß die Seele, die wirklich Gott treu dienen und nach Vollkommenheit ringen will, ein unblutiges Martyrium hat, weil die ganze Christenheit verseucht ist von dem Geist des Liberalismus, der die ganze Welt beherrscht.

Wenn nun eine Seele etwas mehr tut und sich ausscheidet von dem Geist, so hat sie ein Marterleben von Verachtung, Verdemütigung, Hohn und Spott durchzukämpfen. Wundert euch deshalb nicht, wenn Ich so große Verheißungen mache. Denn früher in den ruhigen Zeiten, wo die Kirche blühte und ihre Macht nach außen entfaltete, konnten die Glieder in Ruhe und Frieden leben, wie eine heilige Gertrudis und Mechtildis.

Diese waren fast in beständiger Verzückung berauscht von Liebe und Wonne, weil sie keine Hindernisse und keine Widersprüche hatten. Niemand war da, der sich getraut hätte, sie zu tadeln. Deshalb mußten diese sich durch Abtötungen auszeichnen. Jetzt ist es anders, diese Seelen sind ausgeschieden aus der menschlichen Gesellschaft.“

Inhaltsverzeichnis Band 6

690 Fest des heiligen Antonius am 13. Juni 1905

„Daß Meine heilige Mutter nicht in Ephesus, sondern in Jerusalem auf dem Berg Sion gestorben ist.“

Nach der heiligen Kommunion sagte der Herr:

Jesus: „Dein Neffe (der an galoppierender Schwindsucht darniederlag) wird noch nicht sterben, und dein Neffe Josef wird sein Studium fortführen. Dem Herrn, der gefragt hat wegen der Ephesusfrage, kannst du sagen, daß Meine heilige Mutter nicht in Ephesus, sondern in Jerusalem auf dem Berg Sion gestorben ist. Sie sollten sich nicht streiten wegen Meiner heiligen Mutter.“

Inhaltsverzeichnis Band 6

691 Fest Heiligste Dreifaltigkeit am 18. Juni 1905

„Und je mehr Widersprüche es gibt, desto größer ist die Sicherheit, daß das Werk von Mir stammt.“

Luise war plötzlich erkrankt, gerade vor der Missionsausstellung, die sie nicht einmal sehen konnte. Deshalb sagte der Herr:

Jesus: „Deine Krankheit ist nur eine Betauung des Werkes. Raffe dich auf und gehe darüber hinweg. Sei nicht ängstlich. Ruhe dich ein wenig aus, damit du dich erholst; denn es war nur eine Begießung des Werkes, damit es recht viel Segen bringt und verdienstlich wird, denn das Werk freut Mich sehr. Weil es aber so große Gefahr hat, daß der Mensch in der Ausführung Meiner Werke, und wenn es auch das Höchste ist, worin Ich am meisten geehrt und verherrlicht werde, sich selbst geschmeichelt fühlt durch das Gelingen, so lasse Ich es vorkommen, um das zu verhüten, daß es Widersprüche gibt, wie in jedem Werk, so auch in diesem schönen Werk. Und je mehr Widersprüche es gibt, desto größer ist die Sicherheit, daß das Werk von Mir stammt.

Darum sollen diejenigen, die sich so sehr darum bemühten wie N. und N. und alle anderen, sich recht einschärfen, daß sie sich die Verdienste nicht rauben, sondern in der Demut bleiben, und immer bedenken, daß es besser ist, wenn etwas so gehalten ist, daß man meint, es habe keinen Wert vor Gott und der Welt, weil dann das Verdienst der Menschen um so größer ist, je mehr etwas vernichtet wird. Deswegen rate Ich ihnen, daß sie sich wehren, weil die erste Absicht war, zur Verbreitung des Glaubens in den Heidenländern beizutragen, weil dies sehr notwendig ist für die Verbreitung des Glaubens, und weil ihr so für das Vollkommenere eintretet. Wenn aber ein Kirchenfürst sich äußert und absolut darauf besteht, damit sie sich als gefügsame Werkzeuge der Kirche gegenüber erzeigen und man sie nicht als eigensinnige Geschöpfe erkläre, mögen sie nachgeben, um den betreffenden Kirchenfürsten nicht zu reizen durch eigensinniges Beharren auf ihrem Plan. Ich werde ihnen dann doch dasselbe Verdienst geben, wie wenn sie ihren Plan ausgeführt hätten.

Ihr aber, Meine Kinder, sollt Mir recht dankbar sein an dem heutigen Fest der Heiligsten Dreifaltigkeit. Denn heute hat die Heiligste Dreifaltigkeit den Plan beschlossen, das Werk zu gründen, und vier Tage danach, am heiligsten Fronleichnamsfeste, habe Ich Selbst die Urkunde euch überreicht, indem Ich dir die Erklärung gegeben, wie Wir es haben wollen, daß ihr euch vereinigen solltet, um die Heiligste Dreifaltigkeit zu ehren und zu verherrlichen, um den Plan auszuführen, den Ich euch dargelegt. So wie die Allerheiligste Dreifaltigkeit Sich vereinigt, der Menschheit Gutes zu erweisen, so sollt ihr euch vereinigen, um in euren Gesinnungen eins zu sein, unsere Gesinnungen der Menschheit mitzuteilen. Wie Ich Mich in deinen Geist ergieße, so sollst du es der Menschheit übermitteln.

Weil aber Meine Diener Mein Werk so falsch beurteilen, indem sie meinen, man vernachlässige seinen Beruf und werfe das Kreuz ab, um sich einer Gemütsduselei hinzugeben, und deshalb alles zu vernichten suchen, so lasse Ich so viele Unannehmlichkeiten in der Familie vorkommen, damit du herausgerissen wirst und sie sich fragen müssen, wo steckt denn da die Gemütsduselei, wenn eine Seele alles tut wie ein gewöhnlicher Mensch!“

Inhaltsverzeichnis Band 6

692 Fronleichnamsfest 1905

„Durch das ganze Werk, das Ich gegründet, habe Ich der Menschheit die Mittel angegeben, die für diese Zeiten passen, wie Ich immer tue.“

Das Fronleichnamsfest verbrachte ich in Schippach am Krankenbett eines Neffen zu. Ich kränkte mich so sehr, weil ich die schöne Festoktav ganz vermissen mußte. Ich sah den lieben Heiland, und Er sagte:

Jesus: „Durch das ganze Werk, das Ich gegründet, habe Ich der Menschheit die Mittel angegeben, die für diese Zeiten passen, wie Ich immer tue. Das Wort, das Ich zu Meinen Aposteln gesprochen, habe Ich immer beibehalten: Das Himmelreich ist gleich einem Hausvater, der aus seinem Schatze immer Neues hervorbringt! Das sagte Ich, um der Christenheit zu zeigen, wie Ich es mache. Das ist alles in Gleichnissen gesprochen, und Ich mache alles in Gleichnissen, weil die Menschen nicht alles verstehen, bis die Zeiten kommen, wo sie reif sind dafür. Das wollte Ich damit andeuten, daß Ich sagte: Das Himmelreich ist gleich einem Hausvater, der aus seinem Schatze immer Neues hervorbringt!

So brauchte Ich, wie Ich Meine Kirche gegründet, in der ersten Zeit, wo Meine heilige Mutter und die Apostel gelebt haben, nichts anzugeben, weil das Leben der Christen so rein war. Eines lebte für das andere, nur für den Himmel, weil die Gottes- und Nächstenliebe ganz Hand in Hand miteinander gingen. Darum ließ Ich dasselbe so. Die erste Christenheit stellte die Kindheit vor.

Als aber die Menschheit sich entfaltete und immer mehr ausbreitete, nahm die Gottesliebe um vieles ab, und Ich gab der Menschheit ein, daß sich einige wieder absondern und ausscheiden sollten, um Mir das zu ersetzen, was andere versäumten. Da wurde Mir die Ehre, die Mir geraubt wurde, durch die Genossenschaften wieder ersetzt. So tue Ich von Zeit zu Zeit, wie die Menschheit steht oder fällt in ihrem Glauben und in ihrer Liebe. Ich offenbarte Mich dann immer wieder, um die Menschheit an Mich zu locken und Meine Ehre auf andere Weise herauszuschlagen. So tue Ich bis auf den heutigen Tag.

In der letzten Zeit habe Ich Mein Herz erschlossen durch die selige Margareta Maria Alacoque. So tief, wie jetzt die Menschheit herabgedrückt ist auf die unterste Stufe, war sie noch nie gestanden. Deswegen muß Ich Mich offenbaren. Denn, obwohl es viele Ordensleute gibt, muß Ich sehr beklagen, daß die Gottesliebe so sehr herabgedrückt ist. Deswegen habe Ich angegeben, daß durch den jungfräulichen Stand die Welt soll gehoben werden, durch Seelen in der Welt und im Kloster.

In früheren Zeiten hat es genügt, daß fromme Ordensleute und Ordensgenossenschaften Gott liebten, weil die Welt auf sie schaute und sich um ihretwillen besserte, aber in jetziger Zeit sehen die Weltleute nicht mehr auf das gute Beispiel der Klöster.

Man will nichts als Vergnügen, mögen die Ordensleute beten und sich hinopfern, sie gehen nur ihrem Vergnügen nach. Deswegen habe Ich keine andere Wahl. Ich muß in der Welt Seelen haben, welche die Welt verbessern. Ich muß Jungfrauen haben, die es so machen wie du. Eine Jungfrau muß nicht davonlaufen, wenn sie keinen Dank erntet. Deswegen stelle Ich dich zuweilen dahin, wo du den größten Undank erntest, weil du doch hernach die Früchte siehst. So will Ich es haben, so muß die Welt wieder hinaufgeschafft werden, damit der Ehestand wieder ins Geleise kommt. Die Jungfrauen müssen mit großer Entschiedenheit helfen, die Kinder zu erziehen, wenn sie noch so großen Undank ernten, daß dadurch die Welt muß gerettet werden. Deshalb siehst du es, wie die Früchte (deines guten Beispiels) in deinem Dorf wachsen, wie es sich hebt.“

(Es herrscht große Einigkeit, die Frömmigkeit wächst, vier Jungfrauen sind in diesem Jahr daselbst ins Kloster eingetreten, und als weltliche und geistliche Behörden wegen zusammenfallender Feiertage den St.-Antonius-Tag streichen wollten, sagten alle Männer einstimmig: „Nein, wir wollen ihn feiern, und vertrauen auf Gott, daß Er uns doch ernährt.“)

Jesus: „So will Ich es haben in der ganzen Welt. Ausgeschlossen sind nur diejenigen Jungfrauen, die zeitliche Interessen allein im Auge haben, die nur ihr Vergnügen suchen und sich nicht weh tun wollen. Das sind keine Jungfrauen; da ist Mir eine fleißige Ehefrau lieber. Man muß es machen wie du und Julchen es machen (eine Freundin aus Rück). Ich segne die Familie, wo sie so geführt wird. So muß es gemacht werden.“

Inhaltsverzeichnis Band 6

693 Großes Gebet in St. Ignaz am 3. Juli 1905

„Nur durch die Sünde ist das Glück verdorben worden, und doch hat der Mensch einen solchen Hang zum Glück, weil er dazu bestimmt ist.“

Barbara: Ich hörte die Stimme des Herrn, die mir zurief:

Jesus: „Richte dich jetzt nach innen und höre Meine Stimme. Deine zwei Freundinnen entsetzen sich, weil sie gerade vor dem Großen Gebet erkrankt sind und meinen, sie versäumten so viel. Sage ihnen, daß sie sich darüber nicht betrüben und glauben, sie versäumten viel. Sie versäumen nichts, wenn sie Meinen Willen tun. Der Mensch muß leiden, Meine Geschöpfe müssen leiden. Was ist denn eigentlich das Leiden? Nicht die Leiden, die man meint und sich vorstellt, sondern all das, was gegen den Willen geht, was einem unangenehm in die Quere kommt, wenn dem Menschen das Ziel, wozu er bestimmt ist, getrübt ist und er das nicht findet, was er sucht. Das ist in die Menschen gelegt, weil er dazu geschaffen ist. Nur durch die Sünde ist das Glück verdorben worden, und doch hat der Mensch einen solchen Hang zum Glück, weil er dazu bestimmt ist, so daß er nicht leben kann, wenn er nicht glücklich ist. Aber alle Meine Geschöpfe sind dem Leiden unterworfen, auch die Engel, nur geistigerweise, und ihr, weil ihr noch den Leib habt, muß der Leib auch darunter leiden.“

Barbara: „Wie ist es möglich, o Herr, daß auch die Engel leiden? Sie sind doch reine Geister, und das Leiden kommt doch nur von der Sünde?“

Jesus: „Gerade deswegen komme Ich, um dir den Trost zu bringen für deine zwei Mitschwestern. Wenn der Mensch sündenlos ist, frei von schwerer Sünde, führt er das Leben der Engel hier auf der Welt. Die Engel sind so eng mit euch verbunden, wie ihr selbst miteinander verbunden seid, weil ihr zugleich mit den Engeln aus Meiner Schöpferhand hervorgegangen seid, nur etwas geringer als die Engel.

Daher kommt es, daß auch die Engel – wie ihr Menschen eines mit dem anderen leiden und des anderen Last tragen müßt – die Last und die Leiden mit euch teilen; denn die Engel lieben Mich mehr als die Menschen, bei denen immer noch fleischliche Liebe dabei ist. Sie kränken sich sehr, daß es Menschen gibt, die den Weg nicht gehen, den Ich ihnen vorgezeichnet, und so ihr Ziel verfehlen. Das ist ihnen ein so großer Schmerz, daß ihre Glückseligkeit dadurch getrübt ist. Das ist ihr einziges Leiden, obwohl sie unendlich glücklich sind, weil sie reine Geister sind und befreit von der Sünde. Weil sie jedoch eure Brüder sind, tut ihnen das Unglück von euch Menschen so weh, wenn sie sehen, daß die Menschen ihr Glück verderben durch die Sünde. So nehmen sie Anteil an eurem Leiden.

So ist es auch, wenn Ich den Gerechten auf der Welt Leiden schicke. Diese vertreten die Engel auf der Erde, sie sind Meine liebsten Kinder, und deshalb müssen sie mitfühlen, wenn Ich so sehr gekränkt werde. Sage deinen zwei Freundinnen, sie sollen ruhig die Krankheit hinnehmen und zufrieden sein. Nun will Ich dir auch einmal zeigen, wie viel dazu gehört, um das Opfer einer Seele rein zu machen vor Meinen Augen.“

Barbara: Der Herr zeigte mir zwei Formen wie zwei Brote. Die eine war schön leuchtend, ganz glatt, die andere häßlich zerfressen.

Jesus: „Das erste ist das Opfer einer Seele, die von der Welt verachtet und ganz hinausgestellt ist, wie es euch geht. Das andere ist das Opfer, das Mir jene Seelen bringen, die um ihrer Frömmigkeit und ihrer guten Werke willen auch Anerkennung finden vor der Welt und ihren Mitmenschen. Da schleicht sich so viel Ehrsucht und Selbstgefälligkeit in Meinen Augen ein, daß es wie ganz zerfressen ist. Wenn Ich aber zulasse, daß ein Mensch ganz hinausgestoßen, verachtet, für unnütz und zu nichts tauglich erklärt wird, dessen Opfer ist gereinigt von der Eigenliebe.

Sage Meiner Luise, es komme auch wieder anders, wo sie mehr Trost habe. Ich will Mein Opfer reinglätten. Ihr sollt einmal sehen, wie ihr Mir die ganze Ewigkeit danken werdet, daß Ich Selbst alles abschneide. Du aber, sage nicht eher etwas zu deinen Vorgesetzten, bis Ich es dir zu wissen tue.“

Barbara: Beim Großen Gebet in St. Christoph bei der letzten Stunde hörte ich Seine Stimme:

Jesus: „Meine Tochter, ziehe dich zurück, Ich will dir eine Freude machen.“

Barbara: Und ich sah eine Landschaft, die glänzte, als ob die Sonne darauf schiene, und wie ein See, auf welchem eine Eisdecke ist, die von der Sonne beschienen ist.

Jesus: „Siehe, das sind die Schweißtropfen der Seelen, die trotz der großen Hitze Mich besuchen. Wie viele Seelen verscherzen die Gnaden, um ihrer Bequemlichkeit nichts abgehen zu lassen!“

Barbara: Bei jeder Person, die in der Kirche war, kniete eine schöne Gestalt.

Jesus: „Das sind die Schutzengel der Leute, die tragen fortwährend den Schweiß und die Strapazen vor Meinen Thron, und Ich lege das Fehlende hinzu, und es ist alles ersetzt. Sage N., sie soll nur das Seminar für L. gründen, wenn sie auch viele Hindernisse hat im Rückblick auf das, was Ich schon vor Jahren gesagt, wie darauf gedrungen werden müsse, daß gesorgt werde für gute Lehrerinnen. Das ist schon damals Mein Befehl und Mein Plan gewesen. Sie soll es nur tun. Ich habe Mich deiner angenommen, und was in dir gewirkt wurde, das habe Ich in dir gewirkt, und Ich werde auch ferner Meine Hand auf dich halten. Du wirst sehen! Harre aus! Jetzt ist die Zeit der Prüfung! Wenn du auch nicht so viele Gnaden hast, du mußt verdienen. Aber wenn du hinüberkommst, dann komme Ich dir entgegen. Ich bin es, Der in dir gewirkt hat.“

Inhaltsverzeichnis Band 6

694 Am 8. Juli 1905

„Nur durch Leiden kann man verdienen, und alles, was gegen den Willen des Menschen ist, sind Leiden.“

Gleich nach der heiligen Kommunion war der Herr so gütig und lieb. Vorher mußte ich aber lange flehen, weil ich so finster war. Je länger ich anhielt, desto mehr zerstreute sich die Finsternis. Als bei der heiligen Wandlung das kostbare Blut erhoben wurde, führte mich der Herr in Sein Herz ein.

Jesus: „Komm, damit du siehst, daß Ich alles vergessen habe. Gerade so lieb, wie Ich früher mit dir war, gerade so lieb habe Ich dich jetzt noch. Das alles ist nicht so, wie du meinst, daß Ich dich ganz verlassen hätte. Jetzt denke dir nur, wer kann dir eine solche Glückseligkeit geben? Würdest du noch mit jemand tauschen? Die Freude und die Sicherheit kann nur der geben, der Ich bin. Damit du zufrieden bist und siehst, daß Ich alles vergesse, und daß es nicht so ist, wie du meinst, will Ich dir zeigen, wie Ich die Seele reinige.“

Barbara: Es war Wandlung. Ich betete Ihn an, und wie das kostbare Blut erhoben wurde, nahm Er den Kelch und goß ihn über meine Seele, und sie wurde weiß und die dunklen Flecken waren alle weggewaschen.

Jesus: „Siehst du, weiß wie Wolle! So mache Ich es der Seele, die mit gläubigem, reumütigem Herzen in die heilige Messe geht. Wenn sie noch so verstrickt ist, wasche Ich die Seele rein in Meinem Blut.“

Barbara: Ich bat für alle, die dieses glauben, und sagte:

„Mache doch auch Lieschen und Luise wieder gesund, daß wir dir mit freudigem Herzen dienen.“

Jesus: „Wie soll Ich es anders machen, um Seelen zu retten? Nur durch Leiden kann man verdienen, und alles, was gegen den Willen des Menschen ist, sind Leiden. Wo sind die Menschen, die noch auf andere Weise für Menschen verdienen wollten? Die Menschheit ist so verzärtelt, daß sie sich nichts mehr auferlegen kann. Deshalb muß Ich es tun. Ich bin gar so bedrängt und muß Mich an Meine treuen Kinder wenden. Ihr müßt Mir verdienen. Wenn es Mir gefällt, komme Ich und nehme es euch wieder ab. Wartet ruhig ab, bis Ich es ändere. Aber für jetzt seid zufrieden.“

Barbara: „Soll ich es auch N. sagen?“

Jesus: „Das kannst du nur bei gläubigen Seelen sagen, und nur da kann die rechte Wirkung hervorgehen. Wenn eine Seele nicht glaubt, daß Ich es bin, dann hat sie tausend Einwände und geht darüber hinweg. Der Glaube ist das Verdienst des Menschen. Am Glauben hängt sein ganzes Verdienst. Wenn die Menschen sich noch so sehr bemühen in guten Werken, muß Ich doch alles machen. Aber an seinen Glauben knüpfe Ich sein ganzes Verdienst. Eine gläubige Seele reinige Ich von ihren Fehlern und gebe ihr, was sie wünscht. Alles, was Ich versprochen in den Verheißungen, werdet ihr erlangen, aber das knüpft sich an euren Glauben. Sage es N. und allen Mitgliedern des Liebesbundes, die Nutzen daraus ziehen wollen, daß nur der Glaube es ist, der die Verheißungen an euch in Erfüllung gehen läßt.“

Inhaltsverzeichnis Band 6

695 Am 12. und 14. Juli 1905

„Es muß Seelen geben, denen Ich Mich offenbare, und andere, die es verbreiten, und andere, die es aufnehmen mit gutem Herzen, und so wirke Ich in der Kirche.“

Jesus: „Sage N., er soll nicht so ängstlich sein, Ich habe ihm den Beruf gegeben. Man soll seinen Beruf lieben, und auch dieser Beruf muß sein (Gerichtsperson), gerade so wie der Scharfrichter. Er hat den Beruf, das Gericht zu vollziehen, er ist nur das Werkzeug des Gerichtes. Für seine Person hat er keine Schuld. Er soll nur da einen Unterschied machen, wo er merkt, daß es unverschuldete Armut ist, wie bei einer Witwe. Aber sonst geht das ihn selbst nichts an, und er wird nicht dafür verantwortlich gemacht; denn Ich habe ihm den Beruf gegeben. Es gefällt Mir so gut, und Ich habe Meine Freude daran, daß er so jungfräulich lebt.“

Am 14. Juli sagte ich nach der heiligen Kommunion zum Herrn:

Barbara: „Wenn ich Dich doch wieder so lieben könnte wie früher. Bin ich denn so böse geworden, daß Du mich nicht mehr magst?“

Der Herr wurde so lieb. So überzeugte Er mich, daß Er in mir ist, wie ich Ihn früher zuweilen sah als Mensch.

Jesus: „Du bist Mir gerade so lieb wie früher. Was einmal geschehen und ausgehalten ist Meinetwegen, das bleibt für die ganze Ewigkeit. Ich bin nicht wie die Menschen, die heute das Gute von anderen genießen und morgen nicht mehr daran denken. Was man für Mich gelitten, das bereitet einem die ganze Ewigkeit fortwährend Freude.“

Barbara: „Ja, o Herr, wenn ich nicht so viele Fehler hätte, ich denke aber, daß meine Sünden schuld sind.“

Jesus: „Das achte Ich nicht. So bin Ich nicht, daß Ich wegen jeder Kleinigkeit Mich zurückziehe und trotze wie die Menschen. Ihr müßt jetzt mehr verdienen. Ich habe jetzt alles gesagt, was Ich sagen wollte und euch geliebkost. Der Weg ist jetzt härter, aber verdienstlicher, weil ihr näher dem Ziel zugeht.

Lieschen soll sich jetzt allgemach vorbereiten, denn Ich werde nicht mehr gar so lange ausbleiben. Dann wird sie genießen, was sie verdient. Ich gedenke der Fehler nicht, die ihr aus Schwachheit begangen. Wenn ihr aber merket, daß Ich komme, so gedenket der Verheißungen und saget Mir: ,Lieber Heiland! Ich habe geglaubt und gehofft, was du gesagt. Jetzt will ich davon Besitz nehmen.’ Und dann werdet ihr sehen, ihr habt es nicht zu bereuen.

Sage Luise, sie soll nur Geduld haben, es käme die Zeit, wo es ihr besser ginge. Sie soll fest überzeugt sein, daß sie nicht so viel verdienen könnte bei allen Kommunionen und Gebeten, als mit der Entsagung. Das hat Mir so gut gefallen, daß sie nicht unwillig geworden ist, als Ich sie wiederholt niederwarf. Sie soll nur wissen, daß Ich das so hoch angeschlagen habe, daß sie so bereitwillig alles beiseite legte, um Meine Worte niederzuschreiben. Ich muß Seelen haben, die sich ganz für Mich einsetzen. Ich muß Seelen haben, die Meine Gnade anderen übermitteln. Was nutzte es Mir als Geist und als Gott, Mich zu offenbaren, wenn Ich nicht Werkzeuge hätte, die es glauben und den anderen übermitteln? Es muß Seelen geben, denen Ich Mich offenbare, und andere, die es verbreiten, und andere, die es aufnehmen mit gutem Herzen, und so wirke Ich in der Kirche.

Das ist das Leben Meiner Kirche von Anfang bis zum Ende. Deshalb belohne Ich all die Werke, die von Mir ausgehen und durch andere zur Verbreitung kommen so hoch, als viele Seelen dadurch zum Guten angeregt werden. Es haben sich schon viele Seelen zum jungfräulichen Stand entschlossen, obwohl derselbe heutzutage ehrlos ist. Deshalb ist es ein so großes Werk, Meine Worte zu verbreiten, daß Ich es so hoch anschlage wie denjenigen, die den Glauben in den ersten Zeiten verbreitet haben, wie einem heiligen Bonifatius. Aber was diese ersten Glaubensverbreiter blutigerweise verdient haben, das müssen solche Seelen unblutigerweise verdienen. Freuet euch nur auf das, was auf euch wartet in der Ewigkeit, nicht auf der Welt.“

Inhaltsverzeichnis Band 6

696 Am 19. Juli 1905

„Aber die Menschheit ist noch mehr im Geist verarmt.“

Barbara: Auf St. Vinzenz war der liebe Heiland nach der heiligen Kommunion so liebreich, daß ich staunend fragte, aus welchem Grunde Er dies tue, es sei doch kein besonderes Fest.

Jesus: „Ja, es ist heute das Fest Meines Dieners Vinzenz, und das fühlst du mit, weil du in der Gemeinschaft der Heiligen bist.“

Barbara: „Ja, Herr, diesen Heiligen kann ich nicht nachahmen, dieser hat so viel Großes getan.“

Jesus: „Und doch könnt ihr das, das geschieht durch die Schriften. Wie der heilige Vinzenz viel getan hat für die leibliche Not der Menschheit, so sollt ihr sorgen für die geistige Not, und zwar ist dies in jetziger Zeit noch notwendiger als für das leibliche Wohl. Wer jetzt arbeiten will, kann sein Brot verdienen, es ist in jeder Beziehung gesorgt. Aber die Menschheit ist noch mehr im Geist verarmt, weil die geistigen Werke der Barmherzigkeit zu wenig geübt werden.

Sage N., sie möge nur ganz beherzt die Gnade von ihrem Oberhirten begehren. Überhaupt sollen die Seelen nicht so ängstlich sein, wo es sich um die Ehre Gottes handelt, sondern ihr Recht verlangen und nicht zurückschrecken, wenn ihnen von den Vorgesetzten Schwierigkeiten gemacht werden. Alle müssen dazu beitragen, daß das Reich Gottes erweitert wird; das ist jedem seine Schuldigkeit. Ich gebe aber den Vorsteherinnen den Rat, daß sie es nicht machen wie hier, wenn Schwierigkeiten vorkommen, weil das weibliche Geschlecht zu sehr geneigt ist zu Neid und Eifersucht und deshalb allerlei vorkommt. Sie sollen beide Teile anhören und die einen halten wie die anderen, ob reich oder arm; denn auch die Armen haben das Recht, das Gute zu befördern und auszuüben. Daher sollen sie keinen Unterschied machen, damit Ich das Werk auch segnen kann.“

Inhaltsverzeichnis Band 6

697 Am 21. Juli 1905

„Daß jetzt die Zeit wäre, wo die große Gebetsarmee entstehen solle.“

Barbara: Nach der heiligen Wandlung betete ich gerade mit dem Volk den vollkommenen Ablaß, als ich den lieben Heiland sah, so klar wie früher öfter. Ich sagte:

„Lieber Heiland, Du willst etwas mit mir reden, aber ich will doch den Ablaß gewinnen, ich bitte Dich, warte so lange.“

Er blieb stehen, und ich sagte:

„Lieber Herr, verzeihe mir, wenn ich Dir heute morgen sagte, daß Du nicht mehr so gegen mich seiest wie vor fünfzehn Jahren, wo ich Dich so lieben konnte. Ich kann es nicht ändern, Du mußt es Selbst geben, ich habe nichts als Trockenheit.“

Jesus: „Du siehst, daß Ich noch gerade so gut gegen dich bin wie vor zehn und fünfzehn Jahren. Jetzt will Ich dir Meine Antwort geben auf deine Klagen von heute morgen. Ich bin gegen euch gerade Derselbe, wie Ich damals war. Geht morgen früh beizeiten wallfahrten um sieben Uhr und denkt nicht, daß ihr was versäumt. Was ihr an heiligen Messen versäumt, das opfert Mir auf in der Meinung, wie ihr wallfahrtet. Ich will euch alles ersetzen. Macht, daß ihr um sieben Uhr fortkommt; denn der Geist kann sich nicht so ergießen, wenn der Leib so gequält ist. Geht mit recht freudigem Herzen, laßt euren Geist sprudeln in heiliger Freude, wo die Natur wieder mehr dazu hilft.

Nimm aber auch deine Nichte mit; denn Ich will, daß die Jugend sich beteilige, und Ich will überhaupt Mir diese Seele erhalten, die Ich Mir erwählt und über die Ich Meine Hand gehalten habe in all den vielen Gefahren. Jetzt, wo ihr Geist nicht mehr so beschäftigt ist in äußeren Werken, ist sie mehr den Versuchungen ausgesetzt. Sage aber, daß sie für Mich leben soll und nicht grübeln, wie wird es mir später ergehen. Sie soll nach R. gehen mit recht freudigem Herzen, Meinen Geist dort auszubreiten, die Jugend herbeizuziehen zu Meinem Herzen und soll den Geist recht ausströmen lassen. Sie soll sich um sonst nichts kümmern und denken: ‚Ich bin da zu meiner Erholung.‘ Dann fällt alles andere weg.

Und dann, wenn die Zeit herum ist, soll sie zurückkehren zur Freude ihrer Mutter und zu Meiner Freude, und Ich verspreche ihr, daß, so wie sie jetzt die Freude ihrer Mutter ist, daß Ich für sie sorgen werde und sie sich keine Gedanken darüber zu machen braucht, wer ihr aushelfe. Sie soll sich nur ja nicht irremachen lassen im jungfräulichen Stand, Ich werde ihr schon für jemand sorgen.

Und sage deinen beiden Freundinnen und all denjenigen, die es glauben und sich beteiligen, daß jetzt die Zeit wäre, wo die große Gebetsarmee entstehen solle. Der Liebesbund soll in Vereinigung mit dem Missionsverein Hand in Hand gehen. Ich habe schon lange versprochen, daß, wenn sie es hier nicht annehmen, Ich andere herbeiführen werde, die es durchsetzen. So ist es jetzt! Ihr sollt euch nicht grämen über eure Vorgesetzten. Das habe Ich alles zugelassen, damit Mein Werk recht gedeihe. Das mußte erst betaut und begossen werden. Das Missionswerk macht Mir große Freude.“

Barbara: Dabei strahlte der Herr so hell wie eine Sonne.

Inhaltsverzeichnis Band 6

698 Fest der heiligen Anna am 26. Juli 1905

„Ich habe euch schon Beweise genug gegeben, daß Ich es bin.“

Barbara: Nach der heiligen Kommunion sagte ich zum Herrn: „O Herr, wenn ich aber lese, was die Heiligen getan, so fürchte ich sehr, daß Du nicht könntest mit mir zufrieden sein. Darf man es denn wirklich glauben, daß Du einen so armseligen Sünder so sehr begnadigst?“

Jesus: „Und doch ist es wahr. Auch die Heiligen waren Menschen wie ihr auch. Zwar ist es wahr, daß sie außergewöhnliche Werke geübt, aber Ich bin auch mit euch zufrieden, wenn ihr tut, was Ich euch angebe. Und glaubet nur! Überlegt einmal, was Ich euch schon alles gesagt habe, und jetzt habt ihr die Beweise. Ich habe euch schon Beweise genug gegeben, daß Ich es bin. Und lest ihr nicht, daß Ich Meine Heiligen auch oft sehr hart geprüft habe. Auch sie verließen sich oftmals auf Meine Barmherzigkeit und dachten: ‚Das macht dir schon der liebe Gott.‘ Und Ich ließ es ganz anders kommen. Solche Prüfungen habe Ich allen Meinen Dienern vorgelegt, wie auch euch.

Ich will, daß ihr heute wallfahrten gehen sollt, und nicht morgen, zu Ehren Meiner heiligen Großmutter Anna und zu Ehren des Opfers, das sie gebracht hat, daß sie ihr liebes Kind Mir im Tempel geweiht. Auch vereinigt euch mit all den lieben Pilgern, die heute an die Wallfahrtsorte ziehen, wo sie verehrt wird. Und wenn ihr auch glaubt, daß es wenig ist, was ihr tut, weil ihr euch immer so armselig fühlt, so bin Ich doch zufrieden, wenn ihr es mit gutem Herzen tut, was Ich sage; denn es ist gewiß nicht zuviel. Ihr könnt es tun, und Ich will euch alles ersetzen, was an eurer Armseligkeit abgeht. Und gerade das Außergewöhnliche daran gefällt Mir, daß ihr so arm daherzieht, ohne einzukehren. Laßt euch nicht davon abbringen, sondern macht es wie seither, nehmt euer Stückchen Brot mit und euren Kaffee. Ihr sollt nie in ein Wirtshaus einkehren, wenn der Ort nahe ist, daß ihr euch eine Erfrischung geben laßt. Gerade das ist so notwendig, weil die Welt nichts als Vergnügen sucht, und die Natur so entweiht wird durch die vielen Vergnügungen und das schlechte Leben bei denselben, damit die Schöpfung durch das Gebet wieder entsündigt und geheiligt wird. Deshalb habe Ich von euch das Wallfahrten verlangt und bestätige es immer wieder von neuem, daß die frommen Christen wallfahren gehen sollen. Wisset, daß ihr nichts versäumt. Das Opfer des Wallfahrens rechne Ich euch höher an, als wenn ihr hier die Andachten mitmachtet. Ich kann euch doch segnen, wenn ihr auch hier die Segen versäumt.

Weil öffentlich gesündigt wird in Gottes Natur, muß auch öffentlich Buße getan werden durch das ungescheute Wallfahren, daß man sich nicht schämt. Die Weltkinder schämen sich ja auch nicht ihres öffentlichen Sündenlebens. Schwester N. aber sage, sie soll es als einen Beweis Meiner Liebe und Güte ansehen, daß sie ihr Jubiläum noch erlebt (ihre fünfzigjährige Profeß). Sie soll aber die ganze Freude Mir zuwenden und sich in das Äußere nicht einmischen, sondern sich innerlich mit Mir unterhalten und all das, was ihr von ihren Schwestern Gutes angetan wird, nicht achten.“

Bei der Wallfahrt am Fest der heiligen Magdalena, als wir die lieben, heiligen Jungfrauen einluden, zeigte der Herr Barbara, wie eine unabsehbare Schar heiliger Jungfrauen mit uns zogen während der ganzen Wallfahrt, was uns sehr beglückte und durch deren Fürbitte einen großen Gebetsgeist erweckte.

Inhaltsverzeichnis Band 6

699 Am 30. Juli und 1. August 1905

„Bittet Mich nur um Dinge, die Mich ehren und zu Meiner Verherrlichung gereichen, und Ich werde sie euch gewähren.“

Jesus: „Tuet ihr nur alles, was Ich euch angebe und wozu Ich euch anrege, damit Ich doch wenigstens einige Menschen habe, die Mir treu dienen, weil so viele Menschen Mich nicht mehr kennen und von Mir nichts wissen wollen.“

Barbara am 1. August: Abends während des Rosenkranzgebetes teilte mir der Herr eine große Freude mit. Ich sagte:

„Diese Freude, o Herr, kann mir niemand anders geben als Du. Gib sie mir auch morgen und übermorgen, daß ich recht viel beten und viele Ablässe für die Armen Seelen gewinnen kann.“

Jesus: „Ja, das will Ich tun. Bittet Mich nur um Dinge, die Mich ehren und zu Meiner Verherrlichung gereichen, und Ich werde sie euch gewähren. Warum fragst du Mich nicht wegen jenes Mannes, der da so betrübt ist, weil er von Mir keine Antwort erhalten? Habe Ich dir doch gesagt, daß Ich durch dich viele trösten will.“

Barbara: „Weil ich immer fürchte, Deine Majestät wegen jeder Kleinigkeit zu belästigen, und daß ich deshalb eine Verantwortung auf mich lade.“

Jesus: „Es ist nichts Kleines und Gleichgültiges, wenn der Mensch Mir dient wie dieser Mann und seine Pflicht tut, und er dann einen Trost von Mir verlangt und von Mir lernen und bei Mir in die Schule gehen will, um zu hören, wie er tun soll.“

Barbara: „So rede Herr und sage mir, was ich dem Mann antworten soll.“

Jesus: „Sage ihm, daß Ich zufrieden bin mit ihm und mit der Erziehung seiner Kinder, und daß die beste Zuchtrute der Eltern die ist, daß die Eltern den Kindern mit gutem Beispiel vorangehen. Am Gerichtstage werde Ich es ihm vergelten, was er in der Erziehung seiner Kinder geleistet hat, und Ich sage ihm, daß keines seiner Kinder verlorengeht. Er soll nicht ängstlich sein wegen ihrem Beruf. Er soll sie gut erziehen und die Neigungen seiner Kinder beobachten, und Ich werde ihm dazu verhelfen.“

Inhaltsverzeichnis Band 6

700 Petri Kettenfeier und Portiuncula 1905

„Denn es ist Mir ein großer Schmerz, wenn sie die Leiden nicht gern tragen und abwerfen wollen.“

Barbara: Weil ich die ganze Nacht so krank war, sagte ich zum Herrn:

„Gib mir nur die Gnade, daß ich recht gut beten kann, aber aus mir kann ich es nicht.“

Nach der heiligen Kommunion hatte ich eine so große innere Freude. Der Herr zeigte Sich mir wie vor fünfzehn Jahren und sagte:

Jesus: „Siehst du, bin Ich nicht noch Derselbe, Der Ich früher war? Kann Ich dich nicht gerade so beglücken wie vor fünfzehn Jahren? Und immer beklagst du dich. Ich bin noch Derselbe, nur mußt du mehr verdienen.“

Barbara: „O Herr, was ich für mich bitte, das bitte ich auch für meine beiden Mitschwestern und für meine Verwandten.“

Jesus: „Gerade, was Ich dir gebe, das gebe Ich auch ihnen. Ich bin noch so freigebig, gerade wie Ich es früher war, und alles, was ihr für Mich gelitten habt, sollt ihr nicht umsonst gelitten haben.“

Barbara: Darauf ging die Segensmesse an, und ich schaute Seine Herrlichkeit, als Er mit der Monstranz den Segen gab, daß ich ganz entzückt wurde vor Freude; denn ich sah nicht mehr den Priester, sondern statt dessen las der heilige Petrus die heilige Messe, und der heilige Franziskus hat ihm gedient. Überaus kostbar war das Gewand, das St. Petrus trug, und er war mit einem kostbaren Mantel bekleidet und schien überglücklich zu sein.

Jesus: „Siehe, Ich zeige dir das, um zu beweisen, wie Ich belohne in der Ewigkeit. Das ist das Glück der Seligen. Solange die Ewigkeit dauert, sollen sie unaufhörlich mit Mir erfreut und gesättigt werden in all dem, was sie gelitten und in den Verdiensten, die sie sich gesammelt haben. Und wenn so ein Tag kommt, erfreuen sie sich immer wieder von neuem, und zwar in dem Maße, als man auf der Welt gelitten hat, mag es um eine Verachtung gewesen sein oder eine Verfolgung oder ein leiblicher Schmerz, und dazu beglückwünscht sie der ganze Himmel und freut sich mit ihnen. Und weil diese ihre Festtage, die auf ihr Leben Bezug haben, immer wiederkehren, ist die Glückseligkeit der Seligen ewig alt und ewig neu, und ewig jung und ewig neu, und das ist die fortwährende Seligkeit. Könnt ihr denn dafür nicht etwas aushalten auf der Welt, Schmerz oder Verachtung erdulden?

Stört euch nicht daran. Das geht so fort bis an euer Lebensende, daß ihr immer wieder Spottreden und verächtliche Bemerkungen hört. Aber das soll euch freuen. Ich kann euch gar keine größere Gnade erweisen, als wenn Ich euch etwas zukommen lasse, worin ihr eure ewige Seligkeit vermehren könnt. Siehst du, daß Ich deine Gesundheit nicht brauche. Jetzt warst du die ganze Nacht krank, und doch beglücke Ich dich so. Das Leiden wollte Ich aber für die Bekehrung der Sünder. Meine treuen Kinder müssen Meine Leiden mitfühlen. Siehst du, wer kann dir die Glückseligkeit geben und was hindert Mich, sie dir zu geben? Nichts hindert Mich! Wenn Ich will, komme Ich. Wenn es wieder anders wird und Ich eine Zeitlang ausbleibe, will Ich die Treue Meiner Kinder prüfen. Ich mache euch viele Freude, und ihr müßt Mir die Freude machen, auch dann auszuhalten, wenn Ich mit kleinen Leiden komme.“

Barbara: „O Herr, schenk uns die Gnade, recht viele Arme Seelen zu gewinnen.“

Jesus: „Seht euch nicht um und geniert euch nicht, weil das ein Teil der Verdienste ist, je demütiger ihr so fleißig betet. Laßt alle rechts und links stehen und gehet euren Weg. Jetzt müßt ihr die Gnade benutzen und alles andere lassen. Macht es so, und Ich ersetze, was fehlt und belohne es euch. Meine Gnade schenke Ich niemand umsonst. Was Ich euch kundtue, müssen die Menschen benutzen, und je gläubiger und demütiger der Mensch die Gnaden zu erlangen sucht, desto freigebiger teile Ich sie aus. Darum benutzt die Gnade recht eifrig. Meine treuen Kinder sollen doch ja nicht der Traurigkeit nachgeben. Denn es ist Mir ein großer Schmerz, wenn sie die Leiden nicht gern tragen und abwerfen wollen. Deshalb offenbare Ich Mich so oft, um die heilige Freude immer wieder zu erneuern und aufzufrischen, und ihr über alles hinwegschreiten sollt. Seht doch, wie der heilige Petrus seit zweitausend Jahren immer wieder von neuem geehrt wird, wie du eben gesehen, sooft ein solcher Tag herankommt, der sich auf sein Leben bezieht. So geht es jeder christlichen Seele um dessentwillen, was sie gelitten. Ich habe eine große Freude an einem gläubigen Herzen. Das war das Leben der Heiligen. Alles, auch das Kleinste, haben sie benutzt zu ihrem geistlichen Fortschritt. Wie froh werdet ihr in der Ewigkeit sein, daß Ich euch Gelegenheit gegeben, so etwas für Mich zu leiden.“

Barbara: Auf Portiunkula nach der heiligen Kommunion bat ich den Herrn für Schwester N., und der Herr sagte mir:

Jesus: „Gleich bei ihrem Austritt aus dem Leben bin Ich ihr entgegengeeilt. Als sie Mich aber in Meiner Herrlichkeit erblickte, schämte sie sich aus lauter Demut derart vor Mir, daß sie Mich bat: ‚O Herr, ich bin noch nicht würdig, in Deine Nähe zu kommen, ich bin Dir noch so unähnlich. Laß mich zurück, um noch mehr zu büßen.‘ Sie war auf ihren Wunsch hin noch zwei Tage Meiner Anschauung beraubt, jedoch nicht im eigentlichen Fegefeuer, ihr Leiden war nur die Beraubung Meiner Anschauung.

Am zweiten Tag nach ihrem Tod aber zog sie in den Himmel ein. Ich wünschte, daß die Oberen, die an der Spitze stehen, sich alle miteinander demütigten und sich vereinigten mit den frommen Seelen in der Welt, und nicht länger dem Vorurteil anhängen, als wären sie die allein geliebten Bräute von Mir.

Jede Seele, die Mir treu dient und die Meine Gebote hält, liebe Ich gleich, wie es Meiner Majestät geziemt, daß Ich einen Menschen halte wie den anderen. Deswegen verspreche Ich aber den Oberen, die andere zu leiten haben in einer Genossenschaft, daß, wenn sie die Demut so üben, daß sie sich vereinigen mit den frommen Seelen in der Welt, und die Schwestern recht anhalten zum demütigen, kindlichen Gebet, sich vereinigend mit den frommen Seelen in der Welt, daß von denen im Jahr verstorbenen Klosteruntergebenen keines über Portiuncula im Fegefeuer bleibt, weil sie im Leben den Gebetssturm so ausgeübt, wie er am Franziskustage ausgeübt wird; denn alle sollen eine Genossenschaft, eine Gebetsarmee bilden.

Es soll niemand glauben, einer könne mehr als der andere, sondern alle müssen übereinstimmen. Noch nie war es so nötig, durch demütiges, kindliches Gebet den Himmel zu bestürmen, wie es jetzt ist, und sie haben keinen anderen Ausweg mehr, als daß sie sich in demütigem Gebet an Mich wenden. Die Not zwingt sie dazu. Warum bekämpfen sie sich einander denn immer noch?“

Barbara: „O Herr, gewinnen denn alle, die hier sind, den Ablaß vollkommen?“

Jesus: „Allen, die hier zugegen sind und die sich noch bemühen mögen, den Weg zu machen und ihren Glauben an den Tag zu legen, verleihe und verspreche Ich eine glückselige Sterbestunde, wenn auch nicht alle den Ablaß vollkommen gewinnen. Manche tun es doch recht oberflächlich und nehmen es nicht zu Herzen. Wer es aber erfaßt und von Grund des Herzens betet, der gewinnt den vollkommenen Ablaß. Aber obwohl viele es nicht verstehen, sind sie doch gerettet für den Himmel.“

Barbara: Weil es wegen meinem Neffen (Priesterstudent) neue Schwierigkeiten gab und ich mich deshalb bei dem Herrn beklagte, erwiderte der Herr:

Jesus: „Wer die drei göttlichen Tugenden und die vier Kardinaltugenden übt und die Haupt- und Grundtugend, die Demut, überall unterlegt unter all die anderen Tugenden, der kann nicht irregehen, und wenn er im Zeitlichen wie im Ewigen getäuscht zu sein wähnt, kann er doch nicht untergehen, wenn er die Demut hat. Die Unterlage des lebendigen Glaubens muß die Demut sein, ebenso wie von der Hoffnung und der Liebe und den vier Kardinaltugenden, und wer sie hat und sich daran hält, der kann nicht untergehen. Ich lasse alles so ankämpfen, damit Meine Werke um so glänzender dastehen, wenn sie einmal durchgekämpft sind.“

Inhaltsverzeichnis Band 6

701 Am 5. und 8. August 1905

Jesus: „Beruhige dich, wo Ich ihn haben will, da kommt er hin. Je dunkler der Weg, desto mehr sollen die Menschen sehen, daß Ich es bin, der dies alles gewirkt.“

Am 8. August: „Sage Meiner Dienerin, sie solle es so halten, wie es beschlossen war, weil durch das Gegenteil viele wankelmütig würden. Diejenige, die das Werk gegründet hat, soll auch diejenige sein, die es durchzuleiten hat, und alle anderen müssen sich fügen. Sie soll aber niemand abstoßen, ihre eigene Person ganz und gar außer acht lassen und denken, sie wäre die Vertreterin Gottes und alle mit Entschiedenheit zurechtweisen. Und wenn das Jahr herum und die Zeit wieder da ist, soll sie ganz ruhig und ganz entschieden die Sache machen. Und wenn jemand sich beschwert, soll sie sagen: ‚Wo die Ehre Gottes und das Heil der Seelen auf dem Spiel steht, muß der Stolz zurücktreten und die Demut gewahrt werden.‘ So soll jede denken: ‚Wo es um die Ehre Gottes geht, muß die eigene Ehre zurücktreten.‘ Das sind lauter Nebensachen und ist menschlich.

Das aber ist die Buße dafür, weil man immer sucht, alles glänzend zu gestalten, indem man mit der Welt liebäugelt und die Welt sehen soll, daß eine Person vom Adel dabei ist. Aber Ich bin Gott und habe die Macht, Meine Werke durchzuführen und brauche das alles nicht. N. soll allen ganz bescheiden schreiben: ‚Wenn wir nicht alle miteinander die Demut wahren, so ist der Verein bald verfallen. Ich bitte alle um der Ehre Gottes und um des Werkes willen, daß jede mit der eigenen Meinung zurücktritt.‘

Weil in der jetzigen Zeit die Natur, die doch nur geschaffen ist zu Meiner Ehre und Verherrlichung, so sehr entweiht wird durch die Sünden der Gotteslästerung, der Unzucht und der allzugroßen Vergnügungssucht, so sollt ihr jede Woche euren Wallfahrtsgang machen und nach jedem Gesetz wiederholen: ‚O Herz Jesu, wir wollen Dich trösten und lieben für alle, die Dich betrüben und nicht lieben.‘ Deshalb weise Ich auch immer wieder von neuem darauf hin, die Wallfahrten nicht zu unterlassen.“

Barbara: Gestern erfuhr ich bei der heiligen Messe, was ich der Oberin in N. sagen solle und heute für N. Aber ich verschwieg es gestern, weil ich keine Kommunion hatte.

Inhaltsverzeichnis Band 6

702 Mariä Himmelfahrt am 15. August 1905

„Die Kirche ist so tief gestellt, daß ihre Kinder sie alle verlassen, wenn es so weitergeht.“

Barbara: Ich wandte mich an die liebe Mutter Gottes und sagte:

„Jetzt bitte ich Dich um all der Gnaden und Freuden willen, die Du hattest, als Du in den Himmel aufgenommen wurdest, gib Du mir die Gnade, daß ich nicht getäuscht bin. Sage Du mir, was ich antworten soll und ob das nicht mein Geist war.“

Jesus: „Armseliges Geschöpf, das du bist! Warum willst du wissen, ob es nicht dein Geist gewesen ist, was Ich dir eingegeben habe? Was hast du denn aus deinem Geist? Deine Sorgen und deinen Kummer um das natürliche Wohl deiner Angehörigen und dazu noch deine Sünden. Das kommt aus deinem Geist und aus dir. Alles andere, was sich auf Gott hin bezieht, kommt aus Meinem Geist. Ich habe es dir schon so oft erklärt.

Was Ich dir gesagt habe gestern früh, was du der Oberin sagen sollst, das sage Ich dir heute wieder: Die Menschen sollen wissen, daß Mir nur da recht gedient wird, und daß nur das Mein Wille ist und Mir Freude macht, wenn sie all die Dinge, die Ich über sie verhänge, in dem Geist tragen, weswegen Ich sie ihnen zuschicke.

Die Novizin, die sie Mir empfiehlt, soll eine Zierde ihres Ordens werden und das auch in ihrer Kränklichkeit, und die andere Schwester soll sie in Güte ertragen. Diese soll zur Demut greifen und sich demütigen, dann ist sie ein echtes, wahres Mitglied des Ordens. Und die Seele, von der sie so gerne wünscht, daß sie katholisch würde, soll sie aufsuchen und herbeizuziehen suchen und ihr zureden und nichts scheuen, auch wenn sie manchmal meint, es täte doch nichts nützen, und wenn es andere sähen, spotte man ihrer. All das Streben nach Vollkommenheit und nach Rettung der Seelen führt Hohn und Spott mit sich. Diese Seelen werden bewitzelt und bespöttelt und recht demütigend behandelt.

Man soll nichts unterlassen, auch wenn man meint, man brächte nichts fertig, es wäre alles umsonst. Die Mühe wird euch doch belohnt. Ebenso soll sie es machen mit ihren Geschwistern. Sie soll sie nicht ruhen lassen, sondern immer anstacheln durch Briefe, ihnen die Wahrheit sagen, sie auf das Ewige hinweisen, und sie immer und fortwährend ins Gebet empfehlen von all den Mitgliedern des Liebesbundes. Ich aber verspreche ihr, daß Ich alle ihre Verwandten retten will, und wenn es auch erst am Rand des Grabes ist; sie gehen nicht verloren, und gerade um des demütigen Gebetes willen, wenn man meint, es sei alles umsonst. Diesem Gebet kann Ich nicht widerstehen. Das ist ein großmütiges Gebet und Ich bin viel zu groß dazu, als daß Ich widerstehen könnte. Ihr aber sollt nur ruhig weitergehen wie seither, nichts unterlassen, wenn ihr auch meint, es nütze nichts.

Und sage Meiner Dienerin, die euch gestern besuchte, daß Ich sehr zufrieden bin mit ihrer Treue, und daß es Mich freut, dass sie sich die Mühe gemacht hat, euch aufzusuchen und sich euch anzuschließen. Ich verspreche ihr, Ich will ihre Wirksamkeit segnen, daß unter ihren Kindern einige Kinder erstehen, die Mir recht große Freude machen, die aus Liebe zu Mir den jungfräulichen Stand wählen. Den Keim aber legt sie durch ihr eifriges Bestreben und Leben, daß sie so fleißig vorwärtsstrebt.

Die heilige Freude, die Ich in ihr Herz gieße, wie in all diejenigen, die die Schriften lesen, geht den Hiesigen ab, weil sie sie sich selbst versagt, indem sie Mein Werk nicht angenommen haben. Darum geht nichts vorwärts, sie mögen predigen und anstellen, soviel sie wollen, der Unglaube geht immer weiter, und es kommt noch so weit, daß der Glanz, der jetzt immer noch vorhanden ist, in Mainz noch so erbleicht, daß die Feinde triumphieren und man vom Glanz nichts mehr sieht. So kommen die Gegner vorwärts, weil sie sich nicht demütigen wollen und wenn sie auch predigen und alles aufbieten. Solange nicht einer aufsteht und vorangeht mit gutem Beispiel und das demütige Leben nicht vorzieht, ist an keine Besserung zu denken. Was Ich in den Schriften gesagt, habe Ich nicht umsonst gesprochen.

Es kommt so weit, daß die Gottlosigkeit die Überhand bekommt, und solange nicht einer aufsteht, der es macht wie früher – wie die Kirche so abwärtsging und die Feinde gejubelt – und geht nicht mit Entschiedenheit voran und stellt Bußprozessionen an und geht selbst voraus, so lange gebe Ich Meinen Segen nicht zu ihrem Wirken.

Alle diejenigen, die die Schriften lesen, genießen die heilige Freude. Das kommt daher: Vor vielen Jahren zeigte Ich Mich dir einmal mit einem langen Kreuz auf dem Rücken, und das Kreuz war so lang, wie Liebesbundmitglieder sich vorfanden und sich darunter stellten, und jedes Glied hatte ein Glöcklein in der Hand. Das war die Vorbedeutung, und Ich wollte damit andeuten: Das lange Kreuz ist Meine jungfräuliche Braut, die Kirche. An die Kirche muß sich jedes Liebesbundmitglied treu halten. Das bedeutete das lange Kreuz, es muß darunterstehen, nämlich unter dem Kreuz, da sie immer meinen, die Liebesbundmitglieder wollten einen sonderbaren Weg gehen. Sie werden immer verschrien, als wollten sie einen Extraweg gehen. Das ist aber gerade das Gegenteil.

Das Glöcklein, das jedes Glied in der Hand hatte, bedeutet die heilige Freude, womit all die Seelen wirken. So vergessen sie ihr Kreuz und haben in ihrem Innern immer einen gewissen Trost, den andere nicht haben. Diese sind es, die die Kirche zum Siege führen, weil sie ganz allein die Verdemütigungen, die auf der Kirche lasten, mitertragen, weil sie von den Vorgesetzten immer angesehen werden, als hätten sie eine übertriebene Frömmigkeit. Und nur auf diesem Weg kann die Kirche wieder zum Sieg geführt werden, auf einem tieflebendigen Glaubensleben. Daß Ich es aber gefügt, daß der Liebesbund jetzt schon soll ausgebreitet werden, habe Ich dadurch angedeutet, daß Ich gesagt: Euch habe Ich an den Wendepunkt gestellt, ihr sollt die Kirche zum Siege führen! Was bedeutet aber ein Wendepunkt für den Wanderer? Ist er unterwegs und sieht er, daß er auf dem Irrweg ist, so sagt er ihm, daß er umkehren, zum früheren Ziel zurückkehren muß.

Jetzt ist es an der Zeit, wo die Rückkehr geschehen muß; es müssen Schritte getan werden. Es ist nicht die Zeit wie im Mittelalter, wo Ich die Menschen getröstet habe, die Guten, daß sie auf dem rechten Weg seien; jetzt ist es umgekehrt. Die Kirche ist so tief gestellt, daß ihre Kinder sie alle verlassen, wenn es so weitergeht, und daß die Andersgläubigen den Glanz erlangen, den ihr haben solltet, so daß ihr euch verkriechen müßt.

In Mainz geht es so. Die Andersgläubigen kommen zum höchsten Glanz und euer Glanz verschwindet. Ich will aber, daß Schritte getan werden, daß die Schriften gelesen werden, damit die heilige Freude in sie kommt, die Ich angedeutet durch das Glöcklein, weil Ich den Guten in den Schriften den Beweis gebe, daß Ich mit ihnen zufrieden bin, und daß Ich darin Meinen Geist ausströme. Das verleiht aber allen guten, treuen Seelen eine innere Sicherheit und Freude. Wenn sie das lesen und ihr Leben damit vergleichen, so sehen sie, daß ihr Leben recht ist, indem sie nicht mit dem großen Haufen gehen, und sie dann ihren einsamen Kreuzweg immer mutig weitergehen, weil sie die Freude und Sicherheit in sich haben, daß sie recht tun.

Obwohl aber die Schriften nicht an die Öffentlichkeit gelangen sollen, will Ich doch haben, daß sie unter den gläubigen Seelen gelesen werden. Alle diejenigen aber, die dazu beitragen, daß es so niedergehalten wird, diese alle richten in ihrer Wirksamkeit nicht viel aus. All ihr Predigen ist ein leerer Schall, der an tauben Ohren verklingt. Die Menschheit hört es zwar, lebt aber ruhig weiter wie seither. Die Menschheit muß wissen, daß es auch ein Ziel gibt, das man auch erreichen kann, wenn man danach strebt. Deshalb habe Ich in den Schriften alles so gesagt, daß jeder danach handeln und leben kann: Der Ehestand und der letzte Stand in der Welt, Ordensleute und die Geistlichkeit. Jeder muß sagen, daß Ich nicht zu viel verlange, wohl aber, daß jeder sich tief demütigt und einer den anderen aufrichtet.

Sage N., sie soll nur den Bau ganz ruhig fortsetzen, das Geld aufnehmen und bezahlen, bis er fertig ist. Sie brauchte deshalb gar nicht herumzugehen. Ich habe bisher gesorgt und sorge auch noch weiter. Sie erlebt es noch, daß zu ihrer Lebenszeit noch ein schöner Teil davon abgetragen wird. In ihrem Land ist die Welt noch recht gläubig und da kommen noch christlich gläubige Seelen, die dazu beitragen, und was noch fehlt nach ihrem Tod, das wird einer Schwester nicht schwerfallen.“

Barbara: „O Herr, ich bin ängstlich, weil der Bau der C.-Kirche auch noch nicht ganz abgedeckt ist.“

Jesus: „Sie haben sich dem Einfluß Meines Geistes entzogen, und darum habe Ich ihnen die Mittel entzogen, die sie sonst erhalten hätten von eurer Seite.“

Inhaltsverzeichnis Band 6

703 Am 17. August 1905

„So hat schon der erste Mensch im Paradies Seinen Schöpfer behandelt.“

Barbara: Ich sagte zum Herrn, daß ich mich sehr kränke, daß die anderen meinetwegen so verfolgt und verachtet würden.

Jesus: „Betrübe dich nicht über solche Dinge. Die Zurücksetzungen, die andere deinetwegen tragen, müssen sie nicht deinetwegen tragen, sondern Meinetwegen, und selbst wenn du dich getäuscht hättest, was nicht der Fall ist, so sind und können sie nicht getäuscht sein in ihrem Verdienst, weil Ich den guten Willen der Menschen belohne. Fürchte keine Täuschung deswegen, weil das, was Ich aufgetragen zum Wohl der Menschheit, zum Gegenteil zu werden scheint, indem diejenigen dagegen kämpfen, die es begrüßen sollten mit Ehrfurcht; denn dann wäre auch Ich enttäuscht gewesen an der Menschheit. Schon dort im Paradiese sollte der Mensch leben zu seiner und Meiner Freude, aber der Mensch mißbrauchte seine Freiheit, um Mir statt Freude Verdruß zu machen. Siehe, da hätte Ich Mich auch enttäuscht. So ist es aber durch die ganze Geschichte des Menschengeschlechtes. Nach jedem Zeitalter richtet sich Meine Liebe zu den Menschen, um ihnen die für sie besten Ratschläge zu erteilen. Wenn dann die Menschheit diese wohlgemeinten Ratschläge, die Ich durch manche Seele, – denn jetzt rede Ich nicht mehr zu allen wie im Paradies – an sie richte, nicht annimmt, dann wundert euch nicht. So hat schon der erste Mensch im Paradies Seinen Schöpfer behandelt.“

Inhaltsverzeichnis Band 6

704 Am 20. August 1905

„Alle eure Bitten will Ich euch gewähren, nur müssen eure Bitten auf das geistige Wohl gerichtet sein von euch und anderen.“

Jesus: „Alle eure Bitten will Ich euch gewähren, nur müssen eure Bitten auf das geistige Wohl gerichtet sein von euch und anderen. Das sage auch der Oberin, tröste sie und sage, daß Ich ihr verspreche, daß Ich alle ihre Verwandten retten will, nur soll sie sich recht vereinigen mit dem Gebet des Liebesbundes. Das vereinigte Gebet dringt durch die Wolken.“

Barbara später: Schon vor der heiligen Kommunion war ich so voller Freude und sagte nachher:

„Jetzt empfehle ich Dir alle Anliegen, besonders daß Luise glücklich und freudig zurückkehrt, wenn es Dir gefällt.“

Jesus: „Ich werde ihr die Worte schon eingeben, wie sie alle trösten soll. Ich werde euch schon beistehen und die Worte in den Mund legen, was ihr zu reden habt, wenn es darauf abgesehen ist, euch gegenseitig zu besuchen und zu ermuntern. Sage den Liebesbundmitgliedern in A., daß es Mich freut, daß sie so viel Gutes wirken. Ich habe an ihnen eine große Stütze. Ich wünsche, daß sie recht eins seien, eines wie das andere halten.

Luise soll alle trösten und auch die besuchen, die nebenausstehen wie N. und N. und alle miteinander. Gerade da muß man vorsichtig sein, wo die Seelen an sich selber hängen und sich selbst im Auge haben, aber abstoßen darf man sie nicht. Sage ihnen, daß sie gar nicht ausgesetzt sind, aber selbstlos denken sollen und nicht meinen, daß andere bevorzugt sind. Dafür bin Ich da und beurteile die Menschen nach ihrem wahren Wert. Alle sollen recht Einigkeit halten. Hier haben sich die Reichen freiwillig ausgeschlossen und da lasse Ich sie links stehen.

Sage allen, daß Ich ihnen verspreche, daß Ich alle ihre Bitten erhören will, aber nicht die leiblichen, sondern die sich auf das Heil der unsterblichen Seelen beziehen für ihre Angehörigen und Freunde und wen sie gerettet sehen wollen. Es wäre noch kein gutes Zeichen, wenn sie immer getröstet sein wollen. Sie sollen alle wissen, daß sie jetzt geistige Ehefrauen sind. Es kommt die Zeit, wo der Trost ausbleibt, wie das ja auch im Ehestand der Fall ist. Solange der Bräutigam seine Braut noch liebkost und hätschelt, ist es ein Zeichen, daß er das tun muß, um sie herumzuziehen, damit sie auch später standhält in all den Ereignissen, die der Ehestand mit sich bringt. So ist es auch im geistigen Sinn mit der geistigen Vermählung.

Alle Liebesbundmitglieder sind geistige Bräute Christi, mögen sie sein, wer sie wollen. Die Liebkosungen hören auf, und es kommt die ernste Zeit des Hauswesens. Nach der Vermählung ist die Frau eingetreten in die Rechte des Mannes und in seine Herrschergewalt; sie darf mitregieren und mitherrschen. So dürfen auch Meine geistigen Bräute mitregieren und mitherrschen. Herrschen sollt ihr über eure bösen Neigungen und bedacht sein auf Meine Interessen, auf die Meiner Kirche.

Sage N., sie soll jetzt dafür sorgen, daß sie eine recht tüchtige Ehefrau, Hausfrau für Mich abgibt und wirbt um Seelen. Sie soll nur den Schritt nicht bereuen. Ich will es ihr tausendfach belohnen in der Ewigkeit. Um keinen Preis der Welt soll sie davon abgehen. Sage N., was es für ein Glück wäre, das alles durchmachen zu dürfen. Den anderen gegenüber möge sie ein recht freudiges Herz zeigen. Es täte sich alles auch für sie noch klären, wie wohl es jetzt noch dunkel wäre. Sage N., er möge sich fest vorbereiten auf den Pilgerzug nach Lourdes, den er 1908 mitmachen wird, von welchem so viel abhängt. Er soll aber noch einen oder zwei seiner Mitbrüder mitnehmen, dort ins Bad gehen, und fest vertrauen auf die Fürbitte Meiner heiligen Mutter. Es wird ihn nicht gereuen, dort hingegangen zu sein; denn er wird besser zurückkehren. Auch soll alles aufgeschrieben werden, was Ich euch gewährt habe in letzter Zeit; denn Ich habe alles in Meiner Hand.

Im Handumdrehen hätte Ich auch Frl. Th. und deine beiden Schwestern Luise hinwegnehmen können, aber Ich habe euch erfüllt, was Ich euch versprochen. Sind das nicht Wunder genug, wenn sie immer noch Wunder verlangen? Nach der Lourdes- Pilgerfahrt wird es lichter und um vieles besser. Sehet zu, daß ihr noch mehr Priester mit nach Lourdes nehmet, denn es ist gut, daß sie im Glauben gestärkt werden.“

Barbara: „Herr, willst Du nicht, daß Luise ihre Schwester in H. besuche?“

Jesus: „Nein, Ich will es nicht. Die Schwester soll ihr Verlangen abtöten bis nächstes Jahr, denn dann wird ihre Freude um so vollkommener sein. Sie soll wissen, daß sie einmal in Meinem Hausgarten eine schöne Pflanze sein soll und da muß Ich jedes Verlangen, das nicht ganz geläutert ist, abschneiden. Habe keine Angst um deine Luise, sie wird Lieschen und dich noch überleben. Nur laßt unter euch die Liebe nicht erkalten. Sie soll das Zeichen sein, daß Ich mit euch einen Bund geschlossen, und bis über das Grab hinaus soll Einigkeit und Friede euch zusammenhalten.“

Inhaltsverzeichnis Band 6

705 Am 27. September 1905

Mariechen schreibt aus Rück: „Seit Donnerstag, dem 21. September abends, ist Barbara sehr erkrankt. Schon einige Tage vorher hatte sie furchtbare Schmerzen im Leib. Sie mußte vor Schmerzen so überlaut schreien die ganze Nacht hindurch und den ganzen Tag, daß die Nachbarsfrauen alle herbeikamen und jede wußte ein anderes Mittel. Der Reihe nach wurden angewandt: heiße Wasserumschläge, heißen Essig, Branntwein, Kartoffeln, Kleie, Kamillensäckchen, einen heißen Laib Brot und alle Sorten Tee. Alles umsonst. Plötzlich gegen Abend bekam sie ihr Leiden. Barbara fragte den lieben Heiland, warum sie nur so furchtbar leiden müsse und warum Er so außergewöhnlich komme. Der liebe Heiland sagte, sie müsse Sühne leisten für die Sünden der Jugend in den zwei Örtchen, besonders für die Sünden der Unkeuschheit. Dann warnte Er noch die Jugend vor dem allzu großen Leichtsinn und den Vergnügen und forderte alle Anwesenden auf, doch alles aufzubieten, um diesem Laster entgegenzusteuern, das alle anzustecken droht.

Barbara bat für diejenigen, die den bösen Sinn im Herzen tragen, um andere zu verführen. Da sagte der liebe Heiland, Er wolle den Sinn dieser ändern, aber dafür müsse sie diese Schmerzen im Leibe erdulden, und kein Arzt könne ihr helfen. Sie habe geglaubt, sie könne dem Leiden entfliehen, wenn sie nach Rück gehe, aber auch hier habe Er sie gefunden. Barbara war während dem Leiden schon sehr schwach von den Schmerzen und fragte deshalb, wie lange dieses Leiden noch dauere. Da sagte der liebe Heiland: ,Diese Nacht und morgen den ganzen Tag.‘

So ging es denn auch weiter: beständiges Schreien und Umherwälzen vor Pein, Tag und Nacht. Sonntag, um 10 Uhr, holten wir den Arzt. Er meinte, es sei Windkolik und Wanderniere und verordnete Medizin, welche das Brechen stillte, und Kamilleneingießungen, welche die Schmerzen linderten. Heute, am 27. September, war er zum letzten Male da und meinte, wenn sie sich noch einige Tage halte, gehe es wieder.

Der Herr wünscht, daß die drei letzten großen Gnadenerweise aufgezeichnet würden, die Er dem Gebet der Liebesbundmitglieder gewährte, nämlich dreier schwer kranker Liebesbundmitglieder. Einer Schwester von Luise, die an Lungen- und Rippenfellentzündung äußerst schwer darniederlag, ließ Er, als alle ihre Oberen an der Heilung verzweifelten, sagen, im Moment der höchsten Gefahr, daß sie noch einmal alle ihre Schwestern sehen werde und daß sie den Bau, den sie auszuführen beabsichtige, noch vollenden werde. Nachdem die Krankheit einigermaßen gehoben war und der Arzt sie aufs Land schickte, hustete sie noch so sehr und hatte einen so eitrigen Auswurf, daß der messelesende Pater sagte: ,Diese Schwester geht mal nicht mehr in ihre Stadt zurück.‘

Ebenso war es mit einer anderen Schwester von Luise, bei der man auch alle Hoffnung aufgegeben hatte, und die in ihrem hohen Alter von hartnäckiger Neuralgie gequält wurde. Auch ihr ließ der Herr sagen, daß sie ihr fünfzigjähriges Jubiläum erleben und noch einmal ihre Schwestern sehen werde.

Die dritte Huld, die der Herr dem Liebesbund erwies, war die glückliche Überstehung einer gefahrvollen Operation eines Liebesbundmitgliedes in A. Eine Person, welche die Kranke vor der Operation gesehen hatte, erzählte, daß sie beim Nachhausekommen zu ihrem Herrn gesagt: ,Ich habe Fräulein N. zum letzten Male gesehen.‘ Auch dieser Kranken, die sich um die Ausbreitung des Liebesbundes große Verdienste erwarb, ließ der Herr vor der Operation sagen, daß sie dieselbe überstehen werde und noch einen weiten Weg zurückzulegen habe.

Erbaulicher Tod eines Liebesbundmitgliedes: Eine Frau in Neckarsulm hatte sich durch ihre Tochter dem Liebesbund angeschlossen. Am Tag vor ihrem Tod ließ sie sich noch die Verheißungen des Liebesbundes vorlesen und rief oft aus: ,O welch ein Glück, daß wir an dieser Gnade teilnehmen dürfen.‘ Als der Tod eintrat, war ihr Herr Pfarrer dabei, um zu beobachten, wie sie ohne Todeskampf voll seligen Friedens sanft in den Armen ihrer Tochter entschlief. Danach sagte er: ,Ich muß Ihnen gestehen, daß ich noch keinem so erbaulichen Tod, wie dieser war, beigewohnt bin. Ich kann mich nicht genug darüber verwundern.‘“

Inhaltsverzeichnis Band 6

706 Am 15. Oktober 1905

„Wer Mich empfängt mit gläubigem Herzen, den nehme Ich so ganz in Besitz wie eine schwere Krankheit, die den Menschen besitzt, weil die Krankheit Herr ist.“

Als Barbara noch sehr krank war, sagte sie, da sie gar kein inneres Licht hatte, sondern Satan ihr zuflüsterte, was hast du jetzt davon, daß du Gott dein Leben geopfert hast, jetzt krank, weißt du nicht wohin und wo hinaus:

Barbara: „O laß nicht zu, daß ich getäuscht bin bis an mein Ende. Hilf mir doch heraus, daß ich Dir dienen kann, jetzt bist Du doch bei mir durch die heilige Kommunion.“

Jesus: „Weil die Seele vom Leib umhüllt ist, so war die Krankheit Herr über deine Seele, weil sie jede Faser deines Blutes eingenommen und du nicht Herr warst über deine Fähigkeiten, über deine Seele. Ebensowenig bist du jetzt Herr, weil Mein Geist Sich deinen Geist und deinen Leib unterworfen hat. Wer Mich empfängt mit gläubigem Herzen, den nehme Ich so ganz in Besitz wie eine schwere Krankheit, die den Menschen besitzt, weil die Krankheit Herr ist. Glaube, was Ich dir sage, und fürchte dich nicht.

Die Krankheit hatte ihre Bedeutung. Ich wollte dir zeigen durch die Krankheit, daß du nicht mehr bestimmt bist, deine Verwandten durch schwere Arbeiten zu erleichtern; sie sind junge Leute und sollen sich durch das Leben helfen wie du auch. Solche Nächstenliebe verlangte Ich nur bei deiner kranken Schwester. Da gab Ich dir die Kraft dazu. Jetzt, wo das Übel behoben ist, bist du nicht bestimmt, so zu arbeiten und den Unterhalt zu verdienen. Deshalb habe Ich dir mitten in der dringendsten Arbeit die Krankheit geschickt, um dir das zu zeigen. Jetzt gehst du bei deiner Schwäche alle Tage in eine heilige Messe und empfängst Mich. Ich verlange nicht zuviel, weil dein Körper zu schwach ist. Ihr habt jetzt alle drei viel mit den Krankheiten zu tun.

Du sollst dafür jetzt in deiner Familie sein; in deiner Familie will Ich Meine Gegenwart mehr betätigen. Ich will, daß ihr eine heilige Familie in Nazareth vorstellen sollt. Deine Schwägerin soll Meinen heiligen Nährvater vorstellen. Sie soll befehlen und euer Beschützer sein. Ich habe ihr die Macht dazu gegeben und das Vermögen, daß sie dastehe wie ein Mann. Du sollst Meine heilige Mutter vorstellen.

Als Ich am Kreuz gestorben war, da lebte Sie nicht mehr für die Welt. Sie zog Sich zurück und diente Mir in stiller Einsamkeit und erfüllte nur die eine Aufgabe, daß Sie für die junge Kirche betete. Das ist dein Beruf. Wie Sie, sprich nur dann, wenn es das Wohl der Kirche erfordert. Mariechen soll Mich vorstellen, das Kind von Nazareth, und soll ein ganz zurückgezogenes, einsames Leben führen und sich immer daran erinnern, daß Ich sie dir zur Stütze gegeben. Ich habe große Freude an ihr und werde später für sie sorgen.“

Barbara: „O Herr, ich habe mir vorgenommen, aus Dankbarkeit eine Wallfahrt zu machen.“

Jesus: „Für jetzt nicht, das kannst du nicht. Ich wirke keine Wunder, wo es nicht nötig ist. Rede nicht so viel über dein Leiden. Und wegen der Kinder deiner Verwandten sei nicht unruhig. So wie Ich Mich beklagte, sind diese Kinder nicht. Valentin macht zwar seine Sprünge, aber er ist unverdorben. Und von Josef sollst du nicht denken, daß er ein schwermütiges Gemüt hat, als wollte er nicht studieren. Erstens ist fast jeder abgeneigt vor dem Studium und fürchtet sich davor. Das liegt zweitens im Kind von seiner Mutter her; er hat ein frommes, reines Gemüt. Setze dich darüber hinweg. Ich verlangte die Opfer, und die habt ihr gebracht, und für das andere sorge Ich.

Sage Frau N., Ich will ihr noch einmal die Gesundheit schenken, aber sie sollen die versprochenen Wallfahrten mit aller Gewissenhaftigkeit machen und ihr sollt euch anschließen. Und wenn sie wieder zu Hause ist, soll sie ein einfaches, tiefreligiöses Leben führen mit ihrer Familie.

Du aber sieh dich um nichts mehr um. Was niedergelegt ist in den Schriften, das geht dich nichts an. Hüte dich sehr, wenn jemand sagt, du seiest eine begnadigte Person; dann erröte und fürchte dich. Wenn aber jemand sagt im Spott „die heilige Babett“, dann freue dich und begrüße den Spott mit Freuden, und wenn ein Priester, und zwar noch auf der Kanzel, dich höhnt, dann sage: ,du bist mein Freund’ und kümmere dich nicht, ob es angenommen wird oder nicht.“

Inhaltsverzeichnis Band 6

707 Am 16. Oktober 1905

„Denn Ich habe immer die Gnade an den lebendigen Glauben geknüpft und keinen Kranken geheilt ohne lebendigen Glauben.“

Barbara: Vor der heiligen Kommunion betete ich in einem Buch. Nach der heiligen Kommunion wollte ich meine Anliegen vorbringen und wieder beten. Der Herr aber sagte:

Jesus: „Ich will mit dir reden. Es ist Mir lieber, wenn Ich von Herz zu Herz mit dir sprechen kann, als wenn du aus einem Buch etwas Mir vorbetest.“

Barbara: „O Herr, ich fürchte mich vor Täuschung, wenn ich Dir die Bitten vortrage, und ich höre Deine Worte und meine, Du wärest es, und manches trifft dann nicht zu, und ich sehe, daß ich getäuscht bin. Deshalb habe ich mir vorgenommen, ich will nicht mehr fragen und Dich nicht mehr belästigen.“

Jesus: „Das ist aber der Plan nicht, den Ich habe, und Meinem Wunsch nicht entsprechend. Woher es aber kommt, daß manches anders ausfällt, das geht dich nichts an. Ich halte damit allen Menschen vor, daß sie nicht die ganze göttliche Wissenschaft so in sich aufnehmen und alles durchschauen können wie Ich. Das tat Ich noch nie einem Geschöpfe. Alle Menschen, mit denen Ich verkehrte, die führte Ich auf dieselbe Weise wie dich; es blieb manches unerfüllt. Das kommt daher, weil der Mensch immer gern hat, was er wünscht, und in seiner Überschätzung der Sache will er die Bitte erfüllt haben und glaubt dann fest, daß Ich es ihm täte, und meint, Ich habe es gesagt, und weil der Menschengeist dabei ist, ist es manchmal der Wille des Menschen, der sich vordrängt. Ich aber sehe, daß das nicht gut ist für den Menschen und darum erfülle Ich es nicht so.

Wenn aber etwas so vorkommt, daß etwas nicht in Erfüllung geht, so gebe Ich dir zwei Dinge an, an die du dich halten kannst. Erstens sollst du schon beim Begehren immer voraussetzen: ‚O Herr, wenn es Dein heiliger Wille ist, gib mir oder sag mir das und das.‘ Was du erfährst, sollst du ruhig abgeben an andere und dich nicht kümmern um die Folgen. Fällt es dann nicht nach dem Wunsche des Menschen aus, dann erwecke einen Akt der Reue und sage: ‚O Herr, ich habe es nicht besser verdient, es ist meine Schuld‘, und versenke dich in dein Nichts und sei nicht darüber betrübt, wie es ausfällt. Damit kannst du so viel verdienen, daß das der Menschheit viel mehr nützt, als wenn Ich dir alles gewähre, um was du bittest.“

Barbara: „O Herr, ich getraue mich nicht, Dich um manches zu bitten, besonders wenn es neugierige Fragen sind, denn ich fürchte und zittere, daß ich so in Deine Rechte eingreifen soll. Deswegen überlasse ich das Ganze Dir. Ich will nichts fragen und ich will nichts wissen. Wie Du willst, so will auch ich.“

Es wurde mir gezeigt, daß der Vater der Schwester N. noch lebe. Ich sehe ihn wie in etwas eingeschlossen und der Strahl ging von der Schwester aus und ging an den Mann und schloß ihn ein. Hintennach ging sein Schutzengel.

Jesus: „Siehe, deswegen verlange Ich so sehr nach jungfräulichen Seelen, die einzig und allein sich nur beschäftigen mit anderen Seelen, um andere zu gewinnen. Ich will dir das nur im Bilde zeigen, weshalb Ich so sehr danach Verlangen trage. Das ist der Gebetszwang, den die Seelen Meinem Herzen antun, womit die Seelen Mein Herz bestürmen. Das Gebet nimmt den Mann so in Schutz und hält ihn, daß der böse Feind ihm nichts schaden kann. Er geht zwar noch den Weg der Sünde, weil er nicht auf die Schwester zugeht, sondern sich von ihr entfernt, aber er ist so gehalten und in einem Schutz, daß er nicht verlorengehen kann. Sein Schutzengel geht ihm in der Ferne nach. Das ist die Wachsamkeit, womit Ich ihn umstelle um des Gebetes seiner Tochter willen. Er ist umgarnt mit der Gnade Gottes. Sie umweht ihn beständig. Wenn dann der Augenblick kommt, wo er zu sich kommt, geht die Gnade in ihn ein, wenn jemand da ist, der für ihn betet.“

Barbara: Ich sehe ihn in einer Stadt wie Paris. Ich habe nicht erfahren wo und wie, nur daß er in einer großen Stadt lebt, daß es ihm gut geht.

Jesus: „Er denkt nicht ans Besserwerden. Sie erfährt noch, wo er ist. Sie soll sich aber nicht daran hängen. Ich habe noch vieles im Ordensleben mit ihr vor, Ich brauche sie noch. Sie soll sich nicht abhärmen, daß es mit ihrem Vater so geht, sondern Meinem Willen unterwerfen. Das kommt ihm alles zugute.

Der zweite Grund, warum manches nicht in Erfüllung geht, ist wegen des Unglaubens der Menschen. Denn Ich habe immer die Gnade an den lebendigen Glauben geknüpft und keinen Kranken geheilt ohne lebendigen Glauben. Und warum habe Ich in Meiner Heimat keine Wunder gewirkt? Aus dem einzigen Grund, weil sie nicht an Mich geglaubt haben, weil sie sagten: ‚Er ist nicht mehr als wir, wir wissen, wo Er her ist.‘ So ist es heute noch. Früher sind die Menschen gläubiger gewesen. Da fanden Meine Worte Anklang. Aber jetzt, weil die Menschen es doch nicht glauben, lasse Ich es ihnen auch nicht in Erfüllung gehen.

Sage N., Ich kenne sie und weiß, daß sie immer über Mich und Meine Freunde grummelt, aber Ich verzeihe es ihr. Ich habe sie doch gern und habe Meine Freude an ihr, denn in der ganzen Stadt Mainz finde Ich keine zweite, die ihre guten Werke ganz im verborgenen tun will. Sie wollen alle Gutes tun, damit sie gelobt und für etwas gehalten werden. Es ist freilich hart, das Wort ‚verborgen‘, aber es hat einen süßen Kern. Sie soll die Früchte in sich bewahren und genießen für das zukünftige Leben. Sie soll auf Mich ihr ganzes Vertrauen setzen, aber auch Mir folgen und tun, was Ich sage.

Es ist nicht nötig, Wunder zu wirken; es ist besser, wenn der Mensch sich Verdienste sammelt. Sie soll es einmal probieren und der Krankheit Trotz bieten und nicht so nachgeben und in die Kirche gehen. Sie soll der Krankheit entgegenarbeiten und tüchtig essen und nicht meinen, das und das kann ich nicht essen. Sie soll essen, wonach sie Lust hat, und nicht danach sehen, wie es ihr bekommt. Der Magen ist verwöhnt, weil sie ihm so nachgibt. Sie soll die erste Beschwerde überwinden und dann geht es besser. Sie werde sehen, daß sie bald das Gewünschte erlange. Und wenn sie meint, andere seien glücklicher als sie, so bildet sie sich das nur ein. Sie müßte nur einmal sehen, wie es bei anderen aussieht, was da für ein Glück wohnt. Dann wird sie niemanden beneiden.“

Inhaltsverzeichnis Band 6

708 Heilige Ursula am 22. Oktober 1905

„Das müssen Seelen sein, die die Sinnlichkeit aus sich herausgeschafft und abgelegt haben.“

Barbara: Ich sah den Herrn auf dem Altare statt der heiligen Hostie in Seiner Menschheit so unaussprechlich liebenswürdig, wie wenn Er recht viel Freude in Sich hätte und sehr zufrieden gestimmt sei. Die heiligen Jungfrauen waren alle um Ihn versammelt und der Herr sagte:

Jesus: „Diese sind die Erstgeborenen, und ihr seid die jüngeren Schwestern. Was diese einstens getan, das müßt ihr jetzt tun, und was diese einst erlangt, das werdet auch ihr erlangen. Ich will, daß der Liebesbund sich ausbreite in der ganzen Welt, daß womöglich alle Jungfrauen der ganzen Welt sich anschließen. Denn er ist das Schifflein der heiligen Ursula, womit ihr die Gefahren des Unglaubens der Welt durchschiffen sollt, denn die Gefahren des Unglaubens sind so groß wie zur Zeit der heiligen Ursula und noch viel größer, weil die Christen alle miteinander schon angesteckt sind vom Geist des Unglaubens und es noch viel seltener ist, daß noch eine Seele gläubig ist, wie zur Zeit der heiligen Ursula.

Wenn jetzt die heilige Ursula auf der Welt wäre und wollte sich elftausend Jungfrauen sammeln mit denselben Gesinnungen wie sie, täte Deutschland nicht ausreichen; sie müßte noch Frankreich und noch mehrere Länder durcheilen, um so viele zu finden, die sich um ihres Glaubens willen martern ließen.

Und darum, weil die Gefahren so groß sind und der Unglaube sich immer mehr ausbreitet, muß es Seelen geben, die dem Unglauben sich entgegenstemmen. Das müssen Seelen sein, die die Sinnlichkeit aus sich herausgeschafft und abgelegt haben; denn das ist der Strom, der sich durch die ganze Welt wälzt, der allzu große Hang nach Sinnlichkeit und sinnlichen Freuden und Vergnügen, und daß man sich um das ewige Heil nicht mehr kümmert, auch nicht um Glauben und Religion und Sittlichkeit, wenn man nur sein Vergnügen hat und ein schönes Leben. Und wenn auch anders gepredigt wird und man die Ehe verherrlicht, so bleibt es doch so, wie Ich gesagt, daß Ich durch das Gebet der jungfräulichen Seelen die Welt retten will. Ich will, daß die Sinnlichkeit vermieden wird, denn nur dann erst kann Ich in einer Seele wirken, wenn sie die Vergnügen meidet.

Das Schifflein der heiligen Ursula, womit sie ihren Glauben und ihre Tugend retten wollte, und worin sie die Jungfrauen sammelte, das ist für euch der Liebesbund. Im Liebesbund kann sich Glauben und Unschuld erhalten und retten. Alle die Jungfrauen, die sich anschließen und treu festhalten, Ich verlange ja so wenig, kein Blutvergießen, sondern nur ein sittenreines Leben, sind alle gerettet, und das sind die Seelen, durch deren Gebet und Beispiel und fromme Übungen die Kirche emporkommt. Deshalb wünschte Ich, daß man in der ganzen Welt davon wüßte, nicht nur in Deutschland, sondern in allen Ländern.

Du aber sollst in den Zweifeln und Ängsten nie nachgeben und denken: ‚Was nützt es, daß ich das alles gelitten?‘ Denn wie freue Ich Mich, wenn Ich eine Seele finde, die sich in Meine Pläne fügt und mit der Ich Mich besprechen kann über die Wichtigkeit des gegenwärtigen Lebens und über die Glückseligkeit des jenseitigen Lebens. Das tue Ich von Zeit zu Zeit in Seelen, um den Glauben in anderen zu beleben und um das, was Ich Selbst auf Erden gebracht und gesagt habe, neu aufzufrischen und neu in der Menschheit zu beleben. So habe Ich auch dich erwählt, und wenn du dich jetzt auch ganz vernichtet fühlst und meinst, es wäre nichts, so sage Ich dir aber, daß alles, was Ich in dir gewirkt habe, für die ganze Ewigkeit ist, und daß es bleibt für die Zeit und Ewigkeit und seine Früchte trägt. Damals, als du das Gelübde der Jungfräulichkeit gemacht hast, hast du Mir deine Seele übergeben, und als Ich dich um deinen Willen zum Leiden bat, übergabst du Mir deinen Leib, und wundere dich nicht, daß du jetzt so gebrechlich bist und von Zeit zu Zeit mit schweren Krankheiten heimgesucht bist. Glaube Mir nur ja, damit kannst du mehr verdienen, und Ich habe mehr davon als von deinen frommen Übungen, auch wenn du alles unterlassen mußt. Ich werde bald wieder einmal bei dir anklopfen. Für jedes Wort aber, womit ihr von der Kanzel herab beschimpft werdet, sollt ihr Gott danken.“

Inhaltsverzeichnis Band 6

709 Am 25. Oktober 1905

„Ja, es ist wahr, Ich rechne das hoch an, wenn jemand um Meinetwillen einen zeitlichen Vorteil nicht annimmt.“

Barbara: Ich erfuhr, daß eine Schwester eines Liebesbundmitgliedes im Himmel sei. Sie zeigte sich mir, daß sie keines Gebetes mehr bedürfe. Auch erfuhr ich, daß der Vater durch das Fürbittgebet und das Tugendleben seines Kindes schon längere Zeit im Himmel ist.

Jesus: „Sage N., sie solle alles ganz ruhig lassen, wie es ist, ob sie Antwort bekommt oder nicht. Solange wie einen solche Dinge innerlich noch so sehr erregen, sucht man sich noch selbst und ist noch nicht genug geläutert. Mit dem anderen soll sie einige Wochen warten, bis die Sache hier geordnet ist. Ich habe ja alles in Meiner Hand und lenke und leite alles. Darum soll sie sich ruhig auf Mich verlassen. Warum denn so ängstlich sein? Sage N., ihre Krankheit sei ein Sühneleiden für ihren Vater, und wenn sie auch aufs Land geht, kann Ich es ihr doch nicht abnehmen. Wenn sie ihren Vater retten und bekehren will, muß sie aushalten.“

Barbara: „O Herr, gib mir ein Zeichen für N., daß ich Deine Dienerin trösten kann.“

Jesus: „Ja, es ist wahr, Ich rechne das hoch an, wenn jemand um Meinetwillen einen zeitlichen Vorteil nicht annimmt. Man kann es nicht ahnen, wie hoch Ich das veranschlage.“

Barbara: Der Herr zeigte mir N. Er war nicht groß und nicht klein, ein Mann von mittlerer Größe, sein Angesicht war vollkommen. Er dankte sehr und sagte:

N.: „Tue N. zu wissen, daß Ich ihr danke, daß sie Gott zuliebe das Opfer gebracht hat. Das hat mir so sehr viel genützt in der Ewigkeit. Ich bin noch nicht in der Glorie, und das dauert noch bis Weihnachten. Sie soll die Zeit recht benutzen, viel Gutes tun und Opfer bringen, ihre Werke verdoppeln und stets zu verbessern suchen. Bis Weihnachten sei mein Ziel, wo ich in den Himmel komme. Ich bin aber in keiner Pein, sondern nur der Anschauung Gottes beraubt.“

Barbara: Ich sah auch Frl. P. Es war, wie wenn sie am Eingang stehe und hinein wolle, aber von einem Hindernis zurückgehalten wäre, das sie nicht vorwärts ließe.

Jesus: „Sie ist noch so lange von Meiner ewigen Anschauung zurückgehalten, bis ihre Sache gut geordnet ist. Das ist noch so ein Anhängsel von dem zeitlichen Vermögen. Sage N., sie solle ganz ruhig sein und alles ruhig in Meine Hand legen und nicht so viel grübeln. Ich werde für ihr Werk sorgen. Sage N., ob ihr Meine Liebe denn nicht genüge. Sie soll nicht so viel nach den Menschen fragen, was sie denken und sagen und wie sie gesonnen sind. Sie soll Mich empfangen und alles tun, wie es in den Schriften steht.

Sage N., man solle niemand abstoßen, der auch nur mit einem seidenen Faden an Mir hält. Wehe jenen Meiner Diener, die gesetzt sind, die Seelen zu leiten, und die sich nicht überwinden, um das zerknitterte Rohr nicht zu zerbrechen, die die Seelen abstoßen.“

Inhaltsverzeichnis Band 6

710 Am 30. Oktober 1905

„Wehe aber denjenigen, die sich als Werkzeug hergeben, um Meine Werke und Meine Worte vernichten zu wollen.“

Ein Dienstmädchen bekam Skrupel, ob sie auch beim Liebesbund sein dürfe. Sie befragte sich bei einem Ordensmann. Dieser fragte sie alles aus und zog noch einen Pater und einen Domkapitular zu Rate und machte einen großen Lärm, indem er fünf Sonntage nacheinander Dienstmädchen zitierte und mit Schmeicheleien und Drohungen ihnen Geständnisse erzwingen wollte, um, wie er sagte, den Bund gegen die Kirche zu vernichten. In heiligem Feuereifer rief er: „Vernichtet muß alles werden, vernichtet! Barbara ist eine harmlose Person, aber Luise macht alles, um sich berühmt zu machen.“

Auf einmal kam von oben herab Befehl und er selbst mußte den Verräterinnen sagen, daß er sich nicht weiter mit der Sache befassen dürfe, noch auch sich fernerhin etwas zutragen lassen dürfe, auch dürfte das Mädchen nicht, wie sie gewollt, zu allen gehen, um sie abwendig zu machen. Einer von den Herrn äußerte sich auch: „Diese wollen der Kirche das Regiment aus der Hand nehmen.“ Und man hatte die Mädchen mit der Exkommunikation bedroht, wenn sie mit aushielten.

Barbara: Deshalb beklagte ich mich beim Herrn und trug Ihm mit schwerem Herzen mein Anliegen vor und bat Ihn, uns doch nicht zu verlassen, denn es wäre mir sehr hart, daß andere meinetwegen so zu leiden hätten. Da zeigte Sich mir der Herr in unendlicher Liebenswürdigkeit und ich fühlte mich so hingerissen, meine Seele schwamm in einer Wonne und Freude, die sich nicht beschreiben läßt. Der Herr ließ mich lange Zeit an Seinem Herzen ruhen und sagte:

Jesus: „Welcher Geist kann dir die Wonne geben, die Ich dir gebe? Siehe, dieses ist aber nur ein Vorgeschmack der Wonne und Freude, die du dereinst in der Ewigkeit besitzen sollst. Was liegt dir daran, wenn andere nicht glauben, und wenn es um dich her tobt und stürmt, wenn Ich deine Seele beglücke.“

Und Er zeigte mir eine große Schar, alle diejenigen, die sich angeschlossen hier in der Stadt Mainz in einem weißen Gewand, das mit Gold durchwirkt war mit wunderschönen Goldflimmerchen.

Jesus: „Siehe, dieses Gewand habe Ich verdient allen denjenigen, die um Meinetwillen, sei es in was für einer Sache auch immer, Verfolgung leiden, besonders aber denjenigen, durch die Ich andere belehren und Meine Liebe, Güte und Barmherzigkeit den übrigen Menschen mitteilen und erschließen möchte.

Denn in Meinem sterblichen Leben war die Gottheit in Mir verborgen, doch ließ Ich durch Meine Worte und Belehrungen, die Ich der Menschheit überbrachte von Meinem himmlischen Vater, und durch all die Wunder und Zeichen, die Ich wirkte, überall zur Genüge Meine Gottheit durchblicken, aber denjenigen, die bösen Willens waren, war all dieses Durchleuchten Meiner Gottheit nicht ein Antrieb zum Glauben an Meine göttliche Sendung, sondern im Gegenteil, die Veranlassung zu einem bitteren Haß, der Mich dann ans Kreuz brachte.

Dadurch wollte Ich aber all denjenigen, durch die Ich besonders wirkte, den großen Vorteil verdienen, daß sie an Meinen Verdiensten in besonderer Weise teilnehmen, die Ich verdienen mußte durch all die Verachtungen und Verdemütigungen, die man Meiner Gottheit antat. Die Verfolgungen lasse Ich so zu, um Meine Getreuen herrlich zu belohnen. Wehe aber denjenigen, die sich als Werkzeug hergeben, um Meine Werke und Meine Worte vernichten zu wollen. Ich werde ihnen Mein Licht und Meine Gnade entziehen und sie werden dann, wenn sie nicht zur Einsicht kommen, noch viel Schlimmeres erfahren. Lasset allem seinen Lauf. Ich weiß schon, wenn es Zeit ist.

Ihr habt nichts zu tun, als still und ruhig weiterzugehen. Wisset, zwischen Belohnung und Belohnung ist ein großer Unterschied. Wenn auch andere Mir durch äußere Übungen dienen, so ist Mir das alles nicht so viel wert, als wenn eine Seele für ihren Glauben etwas leidet.“

Inhaltsverzeichnis Band 6

711 Allerheiligen 1905

„Ihr sollt den eucharistischen Kreuzweg gehen.“

Jesus: „Ihr habt nichts zu tun als das, was Ich euch schon gesagt vor Jahren: Ihr sollt den eucharistischen Kreuzweg gehen.“

Barbara: Er erhob mich in Sich und ich war in den Himmel versetzt. Ich sah die lieben Heiligen. Aus der großen Schar traten die heilige Barbara und Katharina hervor und trösteten mich:

Heilige Barbara und Katharina: „Ihr sollt euch nichts daraus machen. Wir haben die Marter am Körper erdulden müssen, ihr an der Seele. Eine Marter müßt ihr durchmachen.“

Der Herr zeigte mir die große Schar und sagte:

Jesus: „Diese alle gingen keinen anderen Weg. Es ist dasselbe. Diejenigen, die hinausziehen in die Missionen, um die Heiden zu bekehren, müssen dort ihr Heil wirken und arbeiten für Gott, und diejenigen, die Er so hineingestellt wie euch, das ist eins und hat ein und dieselbe Bestimmung. Ihr alle miteinander, ihr Liebesbundmitglieder, die ihr dabei steht, ihr müßt die Krone euch aufsetzen durch euren Glauben, ihr müßt sagen: Ich glaube, ich glaube!“

Inhaltsverzeichnis Band 6

712 Am 5. November 1905

„Daß das eure größten Freunde sind, die euch so verfolgen.“

Barbara: Von sechs bis acht Uhr hatte ich eine innige Vereinigung. Ich war ganz gefühllos und konnte so innig beten und opfern:

Jesus: „Was willst du denn von Mir? Ich bin bereit, dir alles zu tun, was du verlangst.“

Barbara: „Schenke mir, o Herr, alle Seelen der Verwandten aller Liebesbundmitglieder.“

Jesus: „Ja! Und was willst du noch?“

Barbara: „Alle Seelen, die von Liebesbundmitgliedern empfohlen sind.“

Jesus: „Und was willst du noch?“

Barbara: „Alle meine Landsleute der beiden Dörfchen Rück und Schippach.“

Jesus: „Und was willst du noch?“

Barbara: „O Herr, ich empfehle Dir alle Seelen des Fegefeuers; denn ich will nur Deine Ehre, und daß Du verherrlicht wirst.“

Da ich aber über meine Kühnheit sehr erschrak, sprach der Herr, Sich vor mich hinstellend, liebreich:

Jesus: „Was willst du, daß Ich dir tun soll?“

Barbara: „O Herr, ich will nur, was Du willst, tue nur, was Du willst.“

Da sah ich eine große Schar, die einzogen, aber nur zwei davon wurden mir vorgestellt: der Vater von N. und Frl. P.

Jesus: „Du sollst nicht sagen, daß deine Verwandte nicht bei dem Priester beichten soll, der den Sturm über euch heraufbeschworen. Ich habe es euch schon gesagt, daß das eure größten Freunde sind, die euch so verfolgen.“

Antonius: „Sage N., daß sie sich nicht beunruhigen soll, daß ich sorgen werde, daß die verlorengegangene Kiste ankommt.“ (Ist bereits eingetroffen.)

Inhaltsverzeichnis Band 6

713 Am 6. November 1905

„Daß die Unvollkommenheit kein Hindernis ist, Mich wahrhaft zu lieben und Mir zu dienen.“

Nach der heiligen Kommunion sagte der Herr:

Jesus: „Du beklagst dich immer, daß Ich nicht mehr so lieb mit dir wäre wie früher. Das ist aber nicht so, wiewohl es nicht mehr in dem Maße ist wie früher. Aber es ist auch nicht mehr so nötig wie damals bei all den Stürmen, die du ausgehalten hast in dem Werk, das Ich durchführen wollte. Jetzt ist eure Arbeit getan. Ich habe gleichsam der Welt, der Geistlichkeit die Arbeit vorgelegt, damit ein jeder sie einsehen kann, die Arbeit, die zu leisten ist, und Ich habe es jedem anheimgestellt, ob er sie annehmen will oder nicht. Da bringt mancher seine Kritik an und tadelt das Werk, aber ihr habt nichts mehr zu tun, das geht euch nichts an. Ihr habt über alles hinwegzugehen. Ihr habt nur ruhig still zu halten und euch gar nicht um das Gerede der Menschen zu kümmern.

Sage Meinem Diener, daß er sich kaum vorstellen kann, welch kostbare Krone er sich durch das Werk verdient. Ich habe sie ihm hinterlegt. Er soll das Leiden, das er sich durch die vielen Aufregungen zugezogen, jetzt tragen, und durch seine Geduld und Ergebung soll er den anderen seiner Mitbrüder zeigen, daß es auch jetzt noch Märtyrer gibt, wenn auch nicht Märtyrer des Blutes.

Durch sein Beispiel, die Geduld und Ergebung, mit der er jetzt in dem Leiden ausharrt, soll das Ordensleben wieder umgestaltet werden. Obwohl Ich diesen Orden bevorzugt habe, ist doch manches eingeschlichen in der neuen Zeit, was nicht mehr den Geist des heiligen Franziskus an sich trägt, und es muß wieder ausgeschieden werden. Der Glaube und das Liebesleben des Ordens muß aufgefrischt werden. Das Leiden soll so angerechnet werden wie den heiligen Einsiedlern, die ihr ganzes Leben mit strengem Fasten und Bußwerken und Geißeln zugebracht haben, und daß er all den Spott seiner Mitbrüder in Geduld ertragen hat, mit freudigem Herzen. Wenn er nicht standgehalten, hätte Ich nichts machen können; denn einen Priester mußte Ich bei dem Werk haben. Deshalb ist sein Verdienst so groß.“

Barbara: „Wie hast Du Dir doch eine so unvollkommene Person wählen können wie ich bin, um ihr Deine Geheimnisse mitzuteilen. Du siehst ja, daß niemand sich an mir erbauen kann und nichts Gutes an mir ist, was doch einfach sehr nötig ist bei solchen Dingen.“

Da wurde der Herr so liebenswürdig und so herablassend nach der heiligen Kommunion, daß Er mich an Sich zog wie in früheren Jahren, wo Er so vieles mit mir gesprochen, um mich vorzubereiten auf das, was Er später ausgeführt hat, als ich Anteil nehmen mußte an Seinen Leiden und Seiner Verachtung.

Jesus: „Wenn Ich aber gerade dich erwählen wollte, dies hat alles seine Bedeutung und seinen Zweck. Hätte Ich mir eine vollkommene Seele erwählt, so wäre das für die gesamte Menschheit lange nicht so tröstend und überzeugend gewesen, wie gut Ich bin, und daß Ich Meine Barmherzigkeit allen Menschen zuwenden will, als so, wo Ich Mir eine unvollkommene Seele erwählt habe. Denn Ich habe dir schon oft gesagt, daß die ganze Menschheit, besonders die Seelen, die noch glauben, an der Mutlosigkeit leiden und immer zu viel Ängsten haben, sie könnten nicht zu Gnaden kommen.

Darum will Ich zeigen, wie unendlich gut Ich bin, und daß Ich alle Menschen retten will. Denn wenn Ich Mir eine unvollkommene Seele erwähle und ihr die Schätze Meiner Liebe und Barmherzigkeit mitteile, dann ist dies ein Beweis, daß Ich alle Menschen retten will, daß die Unvollkommenheit kein Hindernis ist, Mich wahrhaft zu lieben und Mir zu dienen. Und damit du zufrieden bist, will Ich dir den Ort zeigen, der bestimmt ist für dich.“

Barbara: „O Herr, dann nimm auch meine beiden Mitschwestern mit, weil, was ich leide, sie mitleiden müssen.“

Im selben Augenblick waren wir drei zusammen, und wie im Flug nahm Er uns mit Sich an einen wunderschönen Ort, den zu beschreiben kein Mensch imstande ist. Ich sah dort eine unabsehbare Menge lauter lieblicher Gestalten, alles vollkommen. Die heilige Barbara und Katharina erkannte ich zuerst, und in die Nähe von diesen Heiligen wurden wir hingeführt. Ganz unweit von diesem Ort war der Thron, wo der liebe Heiland hinging.

Jesus: „Hier ist der Ort, der für euch bestimmt ist. Diese sind Jungfrauen, die ein Lied singen, das nur sie allein singen können.“

Barbara: Ich wunderte mich, weil wir doch so unvollkommen sind.

Jesus: „Was euch fehlt an Reinheit und eure Fehler, das ersetze Ich durch das Werk. Weil du das Werk angenommen hast, was Ich durch dich habe wirken wollen, so sind dir damit alle deine Fehler ersetzt, und ihr habt nichts mehr zu tun als auszuharren, und dann kommt ihr an diesen Ort. Tuet nur recht viel für andere, daß recht viele Seelen gerettet werden.“

Barbara: Ich schwomm in einer Wonne, die nicht zu beschreiben ist. Mitten in dieser Seligkeit fragte mich der Herr immer wieder:

Jesus: „Was wünschest du noch?“

Barbara: „Nichts mehr, o Herr, als daß dieses ewig dauert.“

Jesus: „Siehst du, daß man nichts verliert, wenn man sich Mir ganz hingibt, Mir ganz opfert?“

Barbara: „Ja, o Herr!“

Jesus: „Siehst du, daß es einem nicht langweilig wird, Mich ewig zu schauen?“

Barbara: „Ja, o Herr, ich kann das Glück nicht beschreiben!“

Jesus: „Siehst du jetzt die Seligkeit des Himmels, was all derer wartet, die Mir dienen?“

Barbara: „Die ganze Ewigkeit will ich kein größeres Glück genießen. O wenn ich doch nur alle Menschen dazu bringen könnte.“

In dem vorerwähnten Sturm stand der hochwürdigste Herr Bischof uns sehr zur Seite. Er sagte zu Barbara:

Bischof: „Gehen Sie nur durch, und wenn wieder ein Wirbelwind kommt, so denken Sie, das geht mich gar nichts an und gehen ruhig Ihren Weg weiter und beten Sie viel, viel für die Kirche.“ 

Inhaltsverzeichnis Band 6

714 Am 8. November 1905

„Niemand sollt ihr ausschließen, eine allumfassende Liebe sollt ihr ausgießen über die ganze Welt.“

Barbara: „Was ist man doch so glücklich in Dir. O sage mir doch, womit wir Dir eine Freude machen können und was wir tun können, damit man nicht lau wird.“

Jesus: „Wenn ihr Mir eine Freude machen wollt, dann haltet die heilige Stunde wieder, wie ihr sie früher gehalten. Nehmt dazu alle, die guten Willens sind, aber rein muß sie gehalten werden, das müßt ihr ihnen sagen, daß sie nur zusammenkommen, um Gott zu loben und zu preisen und nichts reden bei anderen Leuten, ganz ruhig sein. Die Stunde sollt ihr immer halten für die Priester, besonders aber für den Bischof, daß er diesen Geist, der da weht, erhält und durchführt, und für die ganze Kirche. Niemand sollt ihr ausschließen, eine allumfassende Liebe sollt ihr ausgießen über die ganze Welt. Ihr sollt dazunehmen, wer beten kann. Es ist Mir gleich, ob ihr es bei dir halten wollt oder bei Luise.

Wenn so ein Sturm kommt, so muß das für euch alles nicht da sein. Ihr seid nicht da, wenn etwas kommt. Euer ganzes Streben ist in Mir und für Mich. Das muß euch genügen und euer Trost sein. Es ist auch wahr, Meine Tochter, Ich bin unendlich lieb gegen Meine treuen Seelen und verzeihe ihnen alles.“

Barbara: „Ach Herr, wir können dir nicht genug danken. Wie können wir dir eine Freude machen? Sollen wir etwa eine Wallfahrt machen?“

Jesus: „Dazu habt ihr nicht die Gesundheit. Haltet nur die heilige Stunde. Sage N., ihr Bruder in Amerika sei auf der Genesung. Er stirbt noch nicht.“

Inhaltsverzeichnis Band 6

715 Am 9. bis 15. November 1905

„Wenn du es doch verständest, alles in Mein Herz zu legen und Meinem Willen zu übergeben, wie leicht und glücklich könntest du leben Tag für Tag; denn nichts geschieht ohne Meine Zulassung.“

Jesus: „Die Charaktere habe Ich ausgeteilt, und ihr Menschen müßt euch miteinander vertragen. Ihr habt beide einen feurigen Charakter. Ich liebe deine Schwägerin, weil sie so sehr nach Vollkommenheit strebt. Bedenket, was Ich nicht alles ertragen mußte unter Meinen Aposteln. Petrus hatte auch einen feurigen Charakter; er verleugnete Mich. Die zwei Donnersöhne riefen Feuer vom Himmel herab; andere waren neidisch. Judas hing an der Habsucht. Das alles mußte Ich ertragen. Betet doch besonders für die armen verkommenen Menschen, die das Gewand im Leben tragen, was Ich Selber trug, das Gewand der Armut. O welch ein Schmerz für Mein Bruderherz, sie verdammen zu müssen, wenn sie ungläubig an der Pforte der Ewigkeit ankommen.“

Barbara am 10. Nobember 1905: Vor der heiligen Kommunion hatte ich so großes Verlangen, daß ich es nicht erwarten konnte. Nach der heiligen Kommunion sagte ich:

„Mein lieber Herr, Schwester N. habe ich zu ihrem fünfzigjährigen Jubiläum ganz vergessen. Es tut mir so leid, daß ich Dich nicht gebeten. Du hättest mir gewiß ein liebes Wörtchen gesagt.“

Jesus: „Dieses Vergessen habe Ich bewirkt, weil Ich sie prüfen wollte. Ich wollte ihre Treue prüfen; denn in all dem Jubel und den Ehrenbezeugungen, die ihr zuteil wurden, kann es leicht sein, daß Ich zurückgesetzt werde. Diese ihre heimlichen Seufzer und dieses Wehgeschrei ihrer Seele haben Mich aber sehr erfreut und erquickt, daß Ich ihr verspreche, für jeden Seufzer und jedes Verlangen, das sie in ihrem Herzen zu Mir getragen hat, ihr einen Sünder zu schenken, und daß es sie die ganze Ewigkeit hindurch erfreuen soll, daß sie den Trost hat entbehren müssen. So sehr freut es Mich, wenn man die Welt zurücksetzt und Verlangen trägt nach Mir.“

Barbara: „O Herr, habe ich recht gehabt zu sagen, N. solle diese Stelle annehmen?“

Jesus: „Es ist recht so, wie du gesagt hast. Ich bin damit einverstanden, weil der Mensch aus Leib und Seele besteht und auch für seine leibliche Existenz sorgen muß, damit der Unfriede nicht einkehre. Sage N., das geht nicht durch ein Los. Ich werde das Nötige auf andere Weise verleihen.“

Jesus am 12. November 1905: „Ihr sollt um nichts mehr herumsehen, sondern nur an Meine Interessen denken und für Mich sorgen. Wenn ihr im Frühjahr eure Wallfahrten wieder beginnet, dann laßt euch recht angelegen sein, Mir zu danken für die vielen Gaben, die Ich der Menschheit schenke und für die Mir von den meisten Menschen nicht gedankt wird. Die heilige Stunde sollt ihr Mir zur Sühne aufopfern für die ganze Kirche.

Sage N., ihre Mutter stirbt noch nicht; sie kann noch jahrelang ihren Kindern vorstehen, aber ganz gesund wird sie nicht mehr, sie bleibt leidend.“

Jesus am 14. Nobember 1905: „Sage Luise, warum sie sich so niederdrücken lasse von dem Windchen, das jeden Augenblick verweht ist. Und sage Lieschen, sie soll sich nicht so an ihren Umzug hängen, sie soll warten bis nach dem Fest Meiner heiligen Mutter, dann aber nicht länger zögern. Ihr sollt über all die Kleinigkeiten hinweggehen und euch jeden Tag miteinander vereinigen für die verkommenen Menschen, denn Ich erwarte viel Ehre und Lob von euch und allen Liebesbundmitgliedern. Vereinigt euch auch täglich mit den Missionaren, die hinausziehen, und bedenket, was sie für Opfer bringen; die haben es noch härter als ihr. Es geht euch zu viel Zeit verloren mit den Gedanken.

Deshalb sollen sich die Liebesbundmitglieder unter das Kreuz stellen, was Ich schon oft gezeigt, und allen, die sich fest angeschlossen, gebe Ich von Zeit zu Zeit die Gnade, einen Tropfen aus dem Kelch Meines Leidens trinken zu dürfen. (Der Herr bezieht sich auf das Gerede der Menschen bei dem letzten Sturm.)

Sage Meinem Diener, dem Bischof von Mainz, daß er nicht allein sein silbernes Jubiläum feiert, sondern auch noch sein goldenes. Weil er Mir viele Freude macht, schenke Ich ihm ein langes Leben und gebe ihm die Gnade, viele Wirksamkeit auszuüben, besonders unter den Ärmeren wird er Mir viele Seelen gewinnen, aber Kreuze bekommt er genug zu tragen. Dies aber nur, wenn er Mein Werk fördert.“

Jesus am 15. November 1905 bei der heiligen Kommunion: „Lege alle deine Sorgen und Ängste ab. Sie sind null und nichtig, solange du dich selbst damit herumreißest. Wenn du es doch verständest, alles in Mein Herz zu legen und Meinem Willen zu übergeben, wie leicht und glücklich könntest du leben Tag für Tag; denn nichts geschieht ohne Meine Zulassung, und alles, was Ich tue, tue Ich zum Besten der Menschen.

So ist es auch mit N.N. Ich weiß schon, was gut ist für sie, und Ich gebe ihr immer dasjenige, was Ich weiß, das für sie am dienlichsten ist für ihre Ewigkeit, für ihr Seelenheil. Sie hat Mir schon viel Freude gemacht. Sie ist aber noch nicht losgeschält von sich selbst. Sie möchte ihren Eigenwillen, so wie sie meint, durchsetzen, und das ist nicht gut für sie. Denn würde Ich ihr das alles so geben: eine blühende Gesundheit, und ließe alles nach ihrem Wunsch, wie sie meint, jetzt ergehen, dann wäre sie ganz Weltdame wie die übrigen auch, die nur so nebenbei Mir einen Brocken hinwerfen und dann weitergehen. Sie ist aber bestimmt, im Himmel einen Rang einzunehmen, und deshalb muß Ich sie einstweilen noch so halten. Es ist auch viel die Schuld, daß sie sich selbst ihr Leiden vermehrt, weil sie sich immer nach der Welt richtet.

Jetzt, wo die Jugendzeit vorüber ist, ist die Natur schwächer und bedarf mehr der Bedeckung und der Wärme. Wer sich aus Stolz und Eigensinn verderben will, muß auch die Folgen tragen. Sie soll nicht nach anderen fragen, ob sie so oder so gekleidet sind. Es ist aber nicht gefährlich, sie stirbt nicht daran.“

Inhaltsverzeichnis Band 6

716 Brief Luise vom 17. November 1905

An Frl. N. in A: „Es ist wieder ein großer Sturm über uns dahingebraust. Ein Dienstmädchen bekam Skrupel, ob sie auch im Liebesbund sein dürfe, lief zu Pater N. und befragte ihn. Darob große Entrüstung, daß ein Liebesbund sich wage zu bilden, ohne die kirchliche, schriftliche Erlaubnis. Verhöre verschiedener Dienstmädchen, Rücksprache mit Herrn Domkapitular N. und großes Donnerwetter in der ganzen Stadt. Der Hauptkrach entlud sich über meinem Sünderhaupt, und es hieß: ,Barbara ist eine durchaus harmlose Person, aber Frl. H. macht alles, um sich einen berühmten Namen zu machen.‘

So dauerte es fünf Sonntage lang mit den Verhören, bis daß der Pater von oben her Befehl bekam, die ganze Sache einzustellen, und sich nicht mehr darum zu bekümmern, weil der Generalvikar die Sache in die Hand genommen. Gott sei Dank, so werden die Sünden abgebüßt und die Versäumnisse im Guten ein wenig eingeholt, ohne daß ich einen Finger zu rühren brauche.

Sagen Sie bitte Frl. N., daß Barbara erfahren, daß ihr kranker Bruder (aus Amerika) noch nicht stirbt; er sei auf der Besserung. Das erfuhr Barbara schon gleich, ich vergaß es aber in dem Wirrwar, der den Herrn bewog, uns sämtliche von den Liebesbundmitgliedern empfohlenen Armen Seelen und Verwandte derselben zu schenken. Dabei fragte Er immer noch: ,Und was willst du noch?‘“

Inhaltsverzeichnis Band 6

717 Brief Luise an N. über den Sturm

„Mainz, den 22. November 1905 Es ist in der Tat ein entsetzlicher Sturm gegen den Liebesbund ausgebrochen, angeregt durch einen verwandten Pater N., dessen Bruder, Notar N., meine Nichte zur Frau hat und aus klingenden Beweggründen dagegen eifert. Sie wollen auch in anderen Diözesen anfragen lassen durch den Bischof, wer zum Liebesbund gehört und sämtliche Liebesbundmitglieder verhören lassen, so scheint mir.

Die Hauptsache, was ich gefragt wurde, war, ob und wo Bücher existieren. Ich sagte: Das sind Rechte Dritter, Namen zu nennen, die ich nicht veräußern darf, ohne direkte Erlaubnis. Und habe niemand genannt. Nun verlangen sie von mir die Namen sämtlicher Liebesbundmitglieder auch außerhalb binnen vier Wochen. Bitte erkundigen Sie sich doch einmal, ob ich verpflichtet bin, Namen zu nennen, so daß sie mich deshalb exkommunizieren können. Ich habe gesagt, nie und nimmer werde ich Namen nennen, ich will lieber allein leiden, fühle mich aber durchaus nicht verpflichtet, Namen zu nennen, besonders auswärtige nicht, denn was gehen uns auswärtige Diözesen an.“

Inhaltsverzeichnis Band 6

718 Brief Luise an Frl. N. über das Verhör

„Mainz, den 24. November 1905 Gott Lob für Ihr liebes Briefchen mit den guten Aufschlüssen. Dafür kann ich auch Ihnen nicht genug danken. Jetzt kann ich wieder herzlich lachen; denn nur das eine fiel mir schwer, daß ich sollte alle Freunde des In- und Auslandes verraten und in Leiden stürzen aus Pflichterfüllung, wie sie mir vorspiegelten. Alles andere ist mir nichts, wiewohl meine Nerven noch so zittern, weil sie mich diesmal, durch meine Verwandten aufgestachelt, anfielen, wie die Löwen den Daniel nicht angefallen, solche Augen warfen sie mir zu.

,Da sollen Dienstmädchen zusammenkommen sonntags und das soll eine so geheime Versammlung sein, so ein Geheimbund gegen die Kirche etc.‘

,Das geht mich gar nichts an, damit habe ich nichts zu schaffen, ich habe niemand einen Auftrag gegeben.‘

,Es sollen aber doch Namen aufgeschrieben worden sein.‘

,Ja, ich habe gehört, daß sich viele herausnehmen, die Gnaden von Barbara weiterzuerzählen und andere einzuweihen. Deshalb sagte ich zu Barbara im Einverständnis mit Ihnen: Wie kann man anders die Sache eindämmen, daß keine Unberufenen dazukommen, als daß man sie verpflichtet, sie aufzuschreiben, damit sie dann einen Hemmschuh haben, wiewohl vom Herrn aus nichts anderes nötig ist zum Eintritt in den Liebesbund, als daß man es weiß, worin er besteht, und dem Beichtvater oder dem Herrn Selbst seinen Eintritt erklärt. Aber im Grunde genommen ist nichts geschehen, das war nur pro forma.‘

,Es existiert also ein Liebesbund?‘

,Ja, aber nur insofern, als der gute Heiland ihn 1895 geoffenbart und daran viele Verheißungen gemacht hat. Derselbe besteht nur im Empfang der öfteren, heiligen Kommunion, dem Wunsche des Heiligen Vaters gemäß. Das ist ein rein geistiger Bund.‘

,Ich verlange von Ihnen, daß Sie mir sämtliche Mitglieder, die Sie kennen, aufschreiben.‘

,Zur Zeit der Königin Elisabeth von England litten die Jesuiten lieber alle Marter, als einen ihrer Freunde zu verraten.‘ ,Wir sind hier nicht in England.‘

,Sie können mir doch nicht zumuten, daß ich meinen liebsten Freunden Leiden bereite.‘

Da mit Donnerstimme: ,So also, Sie stellen sich über die Kirche.‘

,Das verneine ich ganz entschieden. Ich fühle mich in meinem Gewissen dazu nicht verpflichtet, weil das Rechte Dritter sind, die ich nicht veräußern darf, ohne ausdrückliche Erlaubnis jedes einzelnen.‘

,Also, Sie wollen der Kirche nicht gehorchen!‘

,Das hat damit ganz und gar nichts zu tun!‘

,Da werden Sie sehen, was für Folgen Ihrer warten.‘

,Ich fürchte nichts, mein Gewissen wirft mir nichts vor. Ich habe dem Herrn alles geopfert und jetzt mag Er mit mir tun, was Er will. Übrigens, mein Herr, sind Sie selbst schuld daran, wenn ich glaube.‘

,Und warum?‘

,Noch kürzlich sagte ein Domkapitular zu einem Herrn: ,Die Frl. Hannappel ist eine hochgebildete, eminent begabte Person, die macht die Sache!‘

,Ich gebe zu, daß Sie alles besser wissen als ich, nur eins weiß ich besser als Sie, nämlich, ob ich was dazu tue oder nicht, darüber muß ich mir vollkommen klar sein. Nun kann ich aber vor Himmel und Erde schwören, daß ich nicht ein Wort dazu getan. Sie stehen also auf ganz falschem Standpunkt, auf Hörensagen, und ich auf der Wahrheit. Ferner hat Herr Stadtpfarrer E. von P., Ihr hochwürdiger Herr Bruder, zur Generaloberin von Trier gesagt: ,Die Sache kann nicht richtig sein, weil Bischof Haffner in der Hölle sein soll!‘

,Mein Herr! Schlagen Sie die Bücher auf, nach seinem Tod am ersten großen Fest, da finden Sie seinen Einzug in den Himmel beschrieben, und wie entsetzten wir uns, als er mit seiner Stimme im Leben uns also anredete: (Ich machte seine Stimme nach.) ,Meine Kinder! Ich segne euch im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes! Geht hin und saget meinen Amtsbrüdern: das Gebetsleben nicht unterdrücken, sondern befördern. Fürchtet euch nicht, saget ihnen, was ihr gesehen und gehört, daß da, wo nichts Irdisches gesucht wird, kein Geld und Gut und Ehre, keine Gefahr ist. Und wie hätte ich mir meinen Thron verschönern können, wenn ich der Sache auf den Grund gegangen wäre.‘ (Das hat sie mäuschenstill gemacht.) ,Also sehen Sie, daß Sie auf falschem Standpunkt stehen.‘

Dann viele Einwände.

,Haben Sie ein Gebet ausgeteilt, das nicht approbiert ist?‘

,Ich habe keines ausgeteilt und weiß nichts davon.‘

(Nun hat Pater N. seiner Schwägerin, Schwester N., verraten, denn schließlich stellte es sich heraus, daß diese es war, die es in ihrer eigenen Druckerei herstellte und austeilte.)

,Ob noch Schriften existieren?‘

,Ich habe alle meine Bücher Bischof Brück ausgeliefert.‘

,Wissen Sie nicht, daß sonst noch welche existieren?‘

,O ja, Bischof Haffner hat mir von 1896 bis Ende 1898 erlaubt aufzuschreiben und einer Dame persönlich abzuschreiben und seit dieser Zeit existieren diese.‘

,Wo, wer?‘

,Bitte zu entschuldigen, ich habe ja gesagt, Namen nenne ich nicht.‘

Drohung mit Donnerstimme und vernichtenden Blicken, die ich aber fest aushielt und erwiderte.

,Übrigens, meine Herren, wenn Sie jetzt erst das Werk vernichten wollen, kommen Sie fünf Jahre zu spät, denn es hat schon seit 1900 seinen Abschluß gefunden, und wir haben nichts mehr zu tun als auszuhalten und immer wieder zu sagen: Ich glaube, ich glaube, ich glaube! Wenn Sie sich auf den Standpunkt meiner Verwandten stellen, stehen Sie auf einer schiefen Ebene; denn das sind klingende Interessen verwandtschaftlicher Verhältnisse, die hierhin nicht gehören!‘

Er winkte dann, ich sollte gehen.

,Also bin ich entlassen! Meine Herren! Wenn ich sollte etwas zu frei gewesen sein in meiner Rede, so geschah dies nicht aus Widersetzlichkeit und Ungehorsam, sondern lediglich zur Bekräftigung der Tatsache im Interesse der Wahrheit, zu der mich Gott aufgestellt als Zeugen, und bitte ich, dies gütigst zu entschuldigen. Gelobt sei Jesus Christus!‘

,Bis in 14 Tagen verlange ich die Namen! Wenn nicht, dann werden Sie sehen; Sie kommen noch an die Öffentlichkeit! Von jetzt an dürfen Sie mit Barbara nicht mehr verkehren.‘

Ich machte einen tiefen Knicks und ging froh davon. Ebenso fest und schön sprach Gottes Geist durch die zwei anderen Mädchen. Von den hiesigen Mitgliedern haben sich viele gemeldet, die wollen aufgeschrieben sein, und ich weiß nicht, ob es nicht klüger ist, wenn die zwei anderen einige nennen, weil sie sonst sagen, ich bearbeite sie. Was meinen Sie? Die haben Mut wie Löwen.

Barbara ist nicht geladen worden, entweder weil sie nicht hier ist, sie ist eben bei der Beerdigung ihres Neffen in Rück, oder weil der hochwürdigste Herr Bischof es nicht zugelassen. Der fürchtet sich auch vor den anderen Herren und kann nur allmählich dämpfen. Ich sagte auch noch: ,Bei der letzten Untersuchung (1900) sagte Herr Bischof Brück zu mir: Wenn Sie etwas nicht sagen wollen, so sagen Sie einfach: Ich verweigere die Antwort!‘

„So, der Bischof Brück?“

,Ja!‘

,In vierzehn Tagen werden Sie wieder geladen.‘

Ich sagte auch: ,Es wird eine Zeit kommen, wo Sie sich selbst noch Trost holen werden in den Schriften.‘

Ich sagte auch von dem Liebesbund zwei Verheißungen vom Rosenkranz und Ave, aber daß ein Priester als Repräsentant der Kirche dabei sein müsse und sagte:

,Überlegen Sie einmal, wer kann solche Verheißungen machen, wenn es der Herr nicht ist, als nur ein Narr oder ein großer Betrüger, und Sie werden mir zugeben, daß Barbara beides nicht ist. Wer muß es also sein?‘

,Man sagt, Sie wollen die Kirche regieren. Wir wollen die Ehre der Kirche wiederherstellen.‘

,Ach großer Gott (lachend), davon weiß ich nichts. Wenn Sie alles auf die Spitze treiben wollen! Ich lebe ja wie eine Einsiedlerin zwischen vier Wänden.‘

Wenn eine vor Gericht war, beteten wir anderen und schrien zu der heiligen Katharina: Sprich du durch ihren Mund! Alle nacheinander schrien wir an. An der Türe sagte ich noch:

,Ich erlebe es noch, daß die Schriften gedruckt werden.‘

Ein Mädchen sagte zum Generalvikar: ,Bischof Haffner hat ja schriftlich gegeben, daß die Schriften gegen den Glauben nicht verstoßen.‘

Da sagte er: ,Bischof Brück hat sie aber verworfen, wissen Sie das nicht, Herr Domprätendent?‘

Dieser sagte: ,Ich weiß es nicht.‘

Der Beichtvater von Bischof Brück hat aber zu mir gesagt: ,Der Bischof ist Feuer und Flamme für die Sache.‘ Durch den Widerstand mancher Herren wird er sich haben wankelmütig machen lassen und später schloß er sich dem Urteil des Arztes an, ließ uns aber durch den Leiter der Untersuchung sagen: Damit sind die Schriften nicht verworfen.“

Inhaltsverzeichnis Band 6

719 Sonntag am 26. November 1905

„Die Weisheit der Welt ist Torheit vor Mir, und die Torheit des Kreuzes ist Weisheit, die Ich lehren will.“

Barbara sang das schöne Lied:

„Wann wird doch mein Jesus kommen in das wilde Tränenland? Qual und Plag hat zugenommen, Leid und Neid nimmt überhand. Wann wird mich mein Heiland grüßen, mir den bittern Kelch versüßen? Herr, du bleibst ja gar so lang, nach dir wird mir's angst und bang.“ (Augenblicklich kam Er.)

Jesus: „Der Gang der Dinge, den sie begonnen, ist zwar übertrieben streng, sie wollen sich Mir entgegensetzen, was Ich gebunden haben, weil Ich die Schwächen der Menschen kenne und weil Ich keinem Menschen mehr auflade, als ein armes Herz ertragen kann, deswegen habe Ich euch zum dritten zusammengebunden durch ein enges Band der Freundschaft. Nun wollen sie dieses Band lösen und treten sie Meiner Majestät entgegen. Ich lasse es geschehen, und auch ihr nehmt alles ruhig hin und nehmt euch Mein Beispiel vor Augen, aber hart, hart müßt ihr es fühlen.

Du, Mein Freund, du Bischof von Mainz, zwei deiner Vorgänger habe Ich hinweggenommen, weil sie Meinem Willen nicht willfahrten. Dir habe Ich große Verheißungen gegeben, wisse aber, daß sie an Bedingnisse sich knüpfen, wie Ich alle Verheißungen der Menschheit gebe.

Wenn du länger auf zwei Schultern trägst, dann wirst du sehen, daß man mit Meiner Kirche verfährt wie du mit diesen, daß die Ungläubigen mit deiner Kirche verfahren, mit deiner Diözese, und überhaupt mit dem ganzen katholischen Leben, wie ihr Meiner Dienerin gegenüber verfahrt. Wenn ihr alles über einen Leisten ziehen wollt, die Seelen abhalten vom Gebet, wenn einige mehr tun wollen als alle gewöhnlichen Christen, dann tretet ihr dem Gebetsleben entgegen. Denn glaubt nur nicht, daß ihr auf einem anderen Weg die Kirche zum Sieg führen könnt als auf dem demütigen Weg des Kreuzes, und den habe Ich euch zur Genüge durch Meine Kinder gezeigt, der demütige Weg des Kreuzes, daß sich Glied an Glied reiht an Meine Dienerinnen.

Wer noch lebendigen Glauben in sich tragen will, muß sich anschließen an Meine Dienerinnen; denn nur durch Leiden, Kämpfe und große, große Trübsale wird die Kirche siegen über all ihre Feinde. Wo kann aber eine Seele in solcher Finsternis, wie ihr sie ihnen bereitet, aushalten, wenn sie nicht zum Gebet ihre Zuflucht nehmen soll und wenn sie es tut, dann verwerft ihr sie. Ich sage es noch einmal, Ich habe lange, lange zugeschaut. Menschen habt ihr ruiniert, die Kräfte derjenigen ausgesogen, die Mir standhielten. Wenn alle so machen wollten, wie ihr tut, dann hätte es wahrhaft in Meiner Kirche noch keine ausgezeichnete Diener gegeben; denn alle, die Ich an Mich ziehen will, durch die Ich andere retten wollte, haben ein Leben geführt, ein demütiges, abgetötetes Leben wie diese Personen hier.

Nun gebe Ich dir den Auftrag, prüfe das Leben und dann urteile nach dem Leben und nicht nach den Reden und Urteilen leichtfertiger Menschen, auch wenn sie Priester sind. Woher kommt es denn, daß so viele Meine Fahne verlassen? Hast du je gehört, daß ein solcher Abfall von Priestern vor sich ging in den zweitausend Jahren wie in jetziger Zeit? Warum denn? Weil man ein liberales, leichtfertiges Leben führen will, weil man den laxen Grundsätzen der leichtsinnigen Welt mehr zustimmen und zuhalten will als Mein Leben nachahmen.

Ihr alle seid ein zweiter Christus. Zurück zu Christus! Und wollt ihr zu Mir zurück, dann müßt ihr einen anderen Weg einschlagen als den, den ihr seither gegangen. Ihr dürft nach Verdemütigungen euch nicht umsehen und das Gebet der Kleinen nicht verschmähen. Es ist schon zur Genüge geprobt, nur bot man alle Mittel auf, um Mich bei euch und in euch zu vertreiben.

Mir steht es zu, die Mittel und Wege zu wählen, wie Ich will, und wenn Ich einen anderen Weg einschlage als den, den sich diejenigen stecken, die so halb und halb mit der Welt liebäugeln wollen, dann brauche Ich nach ihnen Mich nicht zu richten. Ich zeige ihnen durch dieses verdemütigende Leiden, daß nur der demütige Glaube vor Mir gilt, der einfache, kindliche Glaube, und daß Ich durch diesen einfachen, kindlichen Glauben alle Weisheit der Kinder dieser Welt, der Großen, zuschanden mache. Die Weisheit der Welt ist Torheit vor Mir, und die Torheit des Kreuzes ist Weisheit, die Ich lehren will.

Bringe dieses deinem Bischof und dann unterwerft euch und sage ihm, eine Seele auch nur um ein Quentchen in der Gottesliebe mehr zu fördern, ist mehr wert, als all die klugen Vorsichtsmaßregeln derjenigen, die auch Seelen retten wollen und dadurch mehr verderben als gutmachen. Sage ihm, es sei eine ganz falsche Richtung, die kleinen, armen Menschen so zu knechten. Es sei noch nie gehört worden, wenn eine Seele mehr tun wolle, daß sie von seiten der Vorgesetzten darin gehindert wird, anstatt sie zu fördern.

Ich bin gekommen, euch zu trösten, zu helfen und aufzurichten und denjenigen Meinen Geist zu überbringen, daß Ich es bin, daß keine Macht der Welt dir helfen wird und keine ärztliche Kunst, und daß dein Leiden von keiner Krankheit herrührt, denn dies alles sind leere Phrasen.“

Barbara: Am Schlusse der Rede des Herrn erdreistete ich mich, wegen meiner ältesten Schwester zu fragen, die mich so quält, ob sie die heilige Ölung sich geben lassen soll. Der Herr tadelte mich und sagte majestätisch:

Jesus: „Das ist nicht die Zeit, Dinge zu fragen, die Ich jetzt nicht beantworten will. Ich habe dir heute früh versprochen nach der heiligen Kommunion, daß Ich dir helfen werde, daß Ich dich trösten werde, nun sei zufrieden und tröste dich.“

Inhaltsverzeichnis Band 6

720 Am 27. November 1905

Luise: Heute morgen ging ich zum hochwürdigsten Herrn Bischof, um die Botschaft zu überbringen. Ich sagte:

„Bischöfliche Gnaden! So wie ich Sie gestern verzweifelt rief, weil ich fest überzeugt war, entweder stirbt Barbara, oder der Herr kommt zu reden, so habe ich schon oft die Priester gerufen, sie möchten doch herbeikommen, den Herrn reden zu hören. Sie sehen also, daß ich keine Schuld trage, wenn die Herren sagen, ich mache es, da sie nur einige Schritte zu machen brauchten, um sich zu überzeugen, ob ich es mache. Von Ihrer Würde kann ich dies nicht verlangen, ich kam jedoch aus innerem Drang, weil der Herr wohl wollte, daß Sie wissen sollten, was vorging. Herr Kaplan N. hat zwei Stürme gesehen; erkundigen Sie sich. Dann kam nach dem dritten Sturm der Herr und redete mit solcher Majestät, daß wir zitterten vor Ehrfurcht und Liebe. O wenn Sie doch nur ein einziges Mal herbeikämen, wie überzeugt gingen Sie fort. Der Herr gab mir Aufträge für Sie, darf ich sie Ihnen ausrichten?“

Bischof: „Ach, bitte, lassen Sie das sein, ich will ganz neutral bleiben. Wenn ich meinen Rat gegeben und die Herren folgen mir nicht, so stelle ich mich zurück und lasse den Sachen ihren Weg. Ich gehe von dem Grundsatz aus: Wenn es Gott ist, wird Er Selbst Sein Werk weiterführen. Der Gehorsam ist der beste Weg.“

Luise: „Gut, ich gehorche mit Freuden, meine Pflicht ist erfüllt. Das weitere geht mich nichts an. Doch fürchte ich sehr, Bischöfliche Gnaden, es möchte aber doch sehr unangenehme Folgen für Sie haben. O wie wären Sie so überzeugt, wenn Sie all die Kämpfe schon durchgemacht hätten wie wir: in der Familie mit den Zweifeln und Ängsten, mit dem Beichtvater. O es hat schon einen harten Kampf gekostet. (Ich stand auf und sagte noch, weil die Richter gesagt, ich wolle mich über die Kirche stellen:) „Bischöfliche Gnaden! Wenn eine Seele nur für die Kirche lebt, wenn sie die Liebe zur Kirche und ihren Dienern mit der Muttermilch eingesogen hat – denn unser Haus war stets ein Priesterhaus, in dem alle Zuflucht fanden – wenn die Seele all ihr Gut einsetzt für die Kirche und ihre Diener, wie mag man dann sagen, sie hasse die Priester!“

Bischof: „Ich meine es herzlich gut in der Sache.“

Ich dankte und ging.

Inhaltsverzeichnis Band 6

721 Brief Luise an P. Ludwig vom 27. Nov. 1905

„Wo ist es je gehört worden, daß Ich eine Seele untergehen ließe, die auf Mich vertraute.“

„Mainz, den 27. November 1905

Preiset alle mit uns die Güte des Herrn! Seitdem Barbara von Rück zurück ist, wo sie der Beerdigung ihres Neffen beigewohnt, durfte ich nicht mehr mit Barbara verkehren. Gestern (Sonntag) war ich in St. Quintin im Hochamt. Auf einmal beim Evangelium zieht mich jemand von hinten an meinem Mantel, ich sehe mich um und sehe Barbara wie sterbend, gehe mit ihr hinaus. Da sie keinen Schlüssel hatte, mußte ich sie zu mir führen. Sie war am Sterben. Kurz entschlossen lief ich zum hochwürdigsten Herrn Bischof und dachte: Jetzt muß er mal herbei; denn entweder stirbt Barbara, oder der Herr kommt.

Der Bischof kam gleich, und ich sagte: ,Bischöfliche Gnaden entschuldigen, wenn ich in einem solchen Aufzuge komme, es eilt sehr, entweder stirbt Barbara, oder der Herr kommt zu reden, und zu beiden wünschte ich Sie. O bitte, bitte, kommen Sie.‘

Er sagte: ,Ja, ein Bischof kann das nicht gut, holen Sie den Herrn Dompfarrer.‘ Eiligst ging ich hin. Dieser schickte nur den Herrn Kaplan. Derselbe gab ihr alle Sterbesakramente, die heilige Ölung. Dann kam der erste Sturm im Leiden, und der Herr Kaplan entsetzte sich, wollte sie auffangen, kniete und betete die Sterbegebete. Dann kam der fürchterliche zweite Sturm. Dabei krachte alles mit der Gewalt und Herr Kaplan wurde mit herumgeschleudert. Nun mußte er die Elf-Uhr-Messe lesen. Ich bat ihn: ,Schicken Sie doch den Herrn Pfarrer!‘ Er kam nicht! Dann kam der dritte Sturm, und der Herr kam zu reden mit solcher Gewalt und Majestät, daß wir erzitterten.

Er gab mir Botschaften für den hochwürdigsten Herrn Bischof und sagte: ,Meine Kinder, seid nicht mutlos, vertraut auf Mich und ihr werdet nicht zuschanden werden. Wo ist es je gehört worden, daß Ich eine Seele untergehen ließe, die auf Mich vertraute. Laßt den Sturm über euch ergehen. Laßt alles mit euch machen, was sie wollen, so als ob Ich es euch antäte. Wenn sie dich wieder rufen, gib einige Namen an, die Schwägerin von Barbara, Frau Zulauf und Frl. Vogel. Dann nenne, wenn sie in dich dringen, Frl. Th. und einige ihrer Vertrauten, Frl. von Sch., die ja in der Stadt den Herren bekannt ist. Die schwächeren Seelen, die selbst nicht die Wege Gottes kennen, lasse weg.

Unterwerft euch der Kirche, widersetze dich nicht. Alles soll unter Ruhe, Entschlossenheit und innerer Überzeugung vor sich gehen, wie Ich Mich ja auch verurteilen lassen mußte. Wie viele Wunder habe Ich gewirkt vor Meinen Feinden. Ich habe aber, als Ich in ihre Hand fiel, Mich nicht geweigert. Ich habe Mich zwar berufen auf Meine Werke, aber alle, die es nicht einsehen und erkennen wollten, weil sie Mich verwerfen wollten, o die armen, armen Priester, wie können sie Mein Werk fördern, wenn sie selbst nicht glauben, daß Ich Macht habe über alle Meine Geschöpfe und Herr bin über Leben und Tod. Gehe zum Bischof und sage ihm: ...‘ (Botschaft für den hochwürdigen Herrn Bischof in Nr. 719).“

Inhaltsverzeichnis Band 6

722 Brief Barbara an P. Ludwig vom 6. Dez. 1905

„Hochwürdiger Herr Pater Ludwig!

Nun bitte ich Sie, doch mit mir dem lieben Heiland zu danken für die unendliche Herablassung, Sich unserer Menschlichkeit zu bedienen, Sie als Hintergrund hinzustellen, damit Sein Werk darauf aufgeführt werden könne, und mich, eine ungelehrte, unwissende Sünderin, zu benutzen, die Wahrheit zu bekräftigen, daß Er unter uns und in uns wohnt. Dies ist auch der Grund, daß, sooft Er Sich würdigte, mich Arme heimzusuchen, ich zum Schluß das Magnificat singen mußte. O wie danke ich dem lieben Gott, daß Er alles so wunderbar schön zusammengefügt hat.

Alle aber, ob Priester oder Laie, Ordensfrau oder Weltdame, Dienstbote oder Beamte eines Königs, bitte ich, freuen wir uns. Seien wir recht treue Mitglieder des Liebesbundes und legen wir offen und frei, wie ich Unwürdigste aller, Zeugnis ab vor der höchsten geistlichen Obrigkeit, damit erreicht wird, was der Herr bezwecken will. Denn heute teilte Er mir mit: Er verlange, daß der Liebesbund sich ausbreite über die ganze Welt. Wo noch ein frommer Christ lebe, wünsche Er, daß er Kenntnis vom Liebesbund erhalte. Der Liebesbund sei ein Werk, das nicht erst nach Jahrhunderten entstehen solle und anerkannt werde, wie zum Beispiel die Andacht zu Seinem Heiligsten Herzen. Nein, wo jetzt die Gefahr so groß ist und so viele Menschen zugrundegehen, rettet, was noch sich retten läßt. ,Ich habe‘, so sagte der Herr, ,durch dich gesprochen, weil Ich will, daß es an die Öffentlichkeit kommen soll. Sein treuer Diener, Pater Ludwig, soll sich nur herzhaft ermannen. Er habe noch einen weiten Weg. Er möge die Abwaschung mit frischem Wasser gebrauchen (Pater Ludwig ist sehr leidend), aber mit Beihilfe eines Bruders, der ihn zu gleicher Zeit mit einem Tuch tüchtig abreiben soll. Dann werde sich sein Gemüt wieder kräftigen, und er werde seinem Orden noch gute Dienste leisten, besonders verlange Er, daß es nach Frankreich gelange an das Priestertum, damit jene mit Mut und Entschlossenheit die Rechte der Kirche verteidigen vor der weltlichen Macht und tun sollten, was in der Information an die Bischöfe angegeben sei.

Alle sollten es wissen, daß Er unter uns wohnt im stillen Tabernakel, nicht nur als ein verborgener Gott, sondern als Einer, der Sich den Seinen zur rechten Zeit lebendig offenbart. In Frankreich müßten Männer auftreten mit Löwenmut, und in zwei Jahren, wenn wir unseren Pilgerzug wieder nach Lourdes machten, sollten viele Priester auch aus Frankreich sich anschließen, denn Er wolle, daß ein allgemeiner Gebetssturm erhoben werde. Und wie Er uns die erste Pilgerreise dorthin angegeben hätte für die unterdrückte und geknechtete Kirche, so verlange Er, daß wir unsere zweite Reise als Danksagung für die zu siegen beginnende Kirche machen sollen.“

Darum sprechet doch alle mit: „Hochpreiset meine Seele den Herrn.“ Hier lege ich einen Brief bei von einem geistlichen Herrn der Diözese Würzburg. Dieser war vom Jahre 1870 – 1873 Kaplan in meiner Heimat, und ich habe ihm vieles zu danken. Nach mehr als dreiunddreißig Jahren schreibt er mir hie und da. Dieser Herr ist noch älter als Sie, hochwürdiger Herr Pater. Ich meine, er habe gesagt, 68 Jahre sei er alt. Der hatte denselben Zustand. Er konnte gar nichts mehr tun. Er hat auch viel, viel schon gelitten. O ich weiß einen guten Teil. Und ich lese hier, daß es ihm bedeutend besser geht. Und jetzt noch eins: Ob wir drei, Lieschen und Luise und ich, wieder zusammen verkehren dürfen, hat der hochwürdige Herr Beichtvater am Samstag nicht gesagt. Ich fürchte mich jetzt, noch einmal bei ihm anzufragen. Was sollen wir also jetzt machen? Wenn wir so aus uns zusammengehen, wird hochwürdigster Herr Bischof wieder eine Ursache haben, uns für ungehorsam zu erklären. Ich bitte um Ihre Meinung hierüber.

Ich wünsche Ihnen nun, daß das liebe Christkind Ihnen Ihre volle Gesundheit schenken und Sie mit uns allen eine recht fröhliche Weihnacht feiern können. In vorzüglicher Hochachtung ihre Dankbare

gez. Barbara Weigand.

Inhaltsverzeichnis Band 6

723 Brief Barbara an Seelenführer v. 12. Dez. 1905

„So wie die Geistlichkeit hier in Mainz mit dir umgeht, so wird die irr- und ungläubige Welt mit ihnen umgehen, wenn sie Meine Worte nicht beachten.“

„Vor allem danke ich Ihnen für das entschiedene Wort. Sie wollten mich verklagen, denn dadurch überwand ich die Menschenfurcht. Auch spreche ich meinen Dank den edlen Damen aus, die den Mut hatten, mir dies zu schreiben. Hören Sie nun, zwei Tage sagte die innere Stimme: „Schreibe an deinen Beichtvater“, und als der Brief von Aachen dazukam, fing ich an zu schreiben. Verlangen Sie aber nicht mehr den ganzen Inhalt. So fing der Brief an:

,Hochwürdiger Herr Beichtvater!

Erlauben Sie mir, daß ich den geängstigten Gefühlen meines Herzens Luft mache. Soeben erhielt ich einen Brief von A., worin mir gemeldet wird, daß ich sollte verklagt werden, wenn ich ihnen nicht sagte, daß N. aus dem Kapuzinerorden in A. seit zehn Jahren mein Seelenführer ist. Hiermit setze ich Sie in Kenntnis, daß mein hochwürdiger Herr Seelenführer wünscht, daß ein Gerichtshof einberufen werde, wo Zeugen von meiner Seite dazu gerufen und mein Seelenführer gefragt werde. Dieses ist jetzt die sechste Untersuchung, die man anstellt, nicht aber um den Geist zu prüfen, sondern, wie Herr Pater Heuser (ein Jesuit) damals zu einer Dame sagte: ,Wir wollen die Sache untersuchen, damit wir sie verwerfen können.‘

Die Dankbarkeit gegen einen für mich und die Sache Gottes so sehr verdienten Seelenführer verpflichtet mich, Ihnen, Herr Beichtvater, diese Worte zukommen zu lassen, denn er hat nicht nur seine Gesundheit, seine Stellung als Oberer, Ehre und guten Namen eingebüßt, sondern er ist auch ein Opfer der ungerechtesten Kritik geworden, und deswegen darf und kann ich ihn jetzt nicht zurücksetzen.

Der hochselige Bischof Brück ließ mich zur Untersuchung auf drei Wochen in das Elisabethenhaus einsperren. Zwei Geistliche und der Arzt des Hauses wurden gerufen, wenn das Leiden eintrat.

Aber an dem Tage, wo der Arzt seine hypnotische Kunst anwenden wollte, ging von den geistlichen Herren keiner hinzu. Da erklärte der Arzt: „Sie müssen heute mich anschauen, denn ich bin von Ihrem Bischof beauftragt, also mir folgen und hierhin schauen.“

Da ergriff eine unsichtbare Gewalt meinen Kopf und drehte ihn gegen die Wand. Wie wütend sprang der Arzt auf mich zu und schrie mich an: „Wollen Sie folgen und hierhin schauen!“ Aber alles war vergebens, alle Mühe, die ich mir gab, die unsichtbare Gewalt ließ mich nicht los. Hatte ich ja noch nie etwas von Satanskunst gehört noch gesehen. Warum war da keiner der Herren dabei? An die Aussage dieses Arztes schloß sich dann das geistliche Gericht an.

Pater Alphons war acht Jahre mein Beichtvater. Die acht Jahre waren eine ununterbrochene Kette von Verdemütigungen aller Art. Aber der liebe Gott wollte doch, daß er erst sein Zeugnis ablegen mußte, ehe Er ihn abrief. Denn einige Tage vor seinem plötzlichen Tode sagte er im Sprechzimmer zu mir: ,Beunruhige dich nicht mehr, welcher Geist in dir wirkt; es ist der liebe Heiland. Der Herr hat das Schwache erwählt, um das Starke zu beschämen.‘ Hätte man schon früher geglaubt, daß es der liebe Heiland ist und hätte Pater Alphons seine Überzeugung vor dem Bischof vertreten, so wäre Prof. Schieler heute noch als braver, seeleneifriger Priester hier in Mainz. Daß der liebe Heiland durch Sein unwürdiges Werkzeug ein ganzes Jahr voraussagen ließ, wenn sie Seine Worte nicht beachten, Er sie hinwegnehmen werde, ist niedergeschrieben, wo noch niemand ahnen konnte, daß die Worte sich so bald erfüllen sollten (Bischof Haffner und Bischof Brück).

Da nun Gott voraussah, wie die Geistlichen hier in Mainz mit mir und meinen zwei Freundinnen umgehen werden, gab Er mir einen Seelenführer bei, der außerhalb der Diözese Mainz steht. Ebenso wollte Gott, daß ich zu Ihnen, hochwürdigster Herr Bischof, beichten gehe, denn ich flehte sehr inbrünstig um einen guten Beichtvater damals. Denn hätte ich einen Geringeren als Sie, er hätte mitsamt mir längst Reißaus nehmen können.

Die boshaften Verleumdungen, die gegen mich und meine zwei Freundinnen fortwährend ausgestreut werden, betrüben mich nicht. So haben es die Pharisäer ja auch dem lieben Heiland gemacht. Aber daß die Geistlichkeit hier immerfort schreit: ,Vernichtet muß es werden‘, und sich nicht überzeugen, was sie vernichten wollen, und denjenigen Priester, den der liebe Gott mir als Seelenführer dazugestellt, nicht zu Rate ziehen – ja, seine Widerlegung, die er schon einmal an das Bischöfliches Offizialat geschickt, nicht einmal beantworten – und dann schreien, diese sind ungehorsam gegen die Kirche, leuchtet einem gesunden Verstand ein, daß dieses ein großes Unrecht sein muß von solchen, die Gott uns Menschen hingestellt als einen anderen Christus, und daß da von Ungehorsam gar keine Rede sein kann. Und dieses Verfahren wird der Herr früher oder später aber ganz gewiß bestrafen. Denn Er sagte am Sonntag vor acht Tagen, wo Frl. Hannappel zu Ihnen kam und bat, sie möchten doch einmal herüberkommen: ,So wie die Geistlichkeit hier in Mainz mit dir umgeht, so wird die irr- und ungläubige Welt mit ihnen umgehen, wenn sie Meine Worte nicht beachten.‘

Zum Schlusse bat ich den hohen Herrn um Verzeihung, wenn ich manche Worte so hart gradheraus gesprochen, weil ich so ungelehrt bin.

In vorzüglicher Hochachtung Ihr untertänigstes Beichtkind.

gez. Barbara Weigand.‘

Dieser Brief verfehlte seine Wirkung nicht. Am Samstag redete der Bischof mir sehr zu, daß ich nur ruhig sein sollte. Die neue Untersuchung ginge mich gar nichts an, und er habe mit den geistlichen Herren gesprochen, und alle sagten, sie ist eine unschuldige, gerade Seele, und das Lob kann auch ich Ihnen zu Ihrem Troste sagen, und ich erlaube Ihnen, sie dürfen, was Ihnen auf diesem Wege vorkommt, dem genannten Pater schreiben. Seien Sie fest überzeugt, der Herr wird Sein Werk durchführen, wenn Er es ist und wenn Er es durch Schloß und Riegel durchzwängen müßte. Sagen Sie nur den anderen, daß sie sich unterwerfen, und dann ist alles gut. Dieser Sturm hier in der Stadt legt sich auch wieder.

Ferner bat der hochwürdigste Herr, doch bei Verbreiten der Schriften seinen Namen nicht zu nennen als Bischof, sondern, ,mein Beichtvater hat mir das gesagt‘. Er bat so kindlich demütig, doch seine Würde als Bischof zu schonen, denn wie er da herumgezogen werde, könne seiner Würde viel schaden. Nicht wahr, meine Lieben, Ihr versprecht dieses, diesem wahrhaft großen Diener Gottes. Dieses ist meine Beichte in Wirklichkeit und freuen wir uns, denn wir haben wieder ein Mitglied mehr im Liebesbund.“

Inhaltsverzeichnis Band 6

724 Brief Barbara an P. Ludwig vom 12. Dez. 1905

„Noch niemals hätte die Welt Seine Hilfe so nötig gehabt wie jetzt.“

„Hochwürdiger Herr Pater Ludwig!

Am Dienstag, als ich vor dem Altar des heiligen Antonius um Ihre Genesung betete, bekam ich die Verheißung, daß Sie noch einmal ganz gesund werden, und heute wurde mir mitgeteilt zur Ergänzung von dem, was ich Ihnen schon geschrieben:

Im sechzehnten Jahrhundert habe Er durch die selige Klosterfrau Margareta Maria Alacoque die Welt zur Verehrung Seines heiligsten Herzens hingewiesen und gezeigt, welche Schätze in Ihm verborgen seien. Jetzt aber wollte Er, daß diese Schätze aus Seinem Herzen mit vollen Händen herausgeschöpft und ausgeteilt werden unter Seinen Kindern. Denn noch niemals hätte die Welt Seine Hilfe so nötig gehabt wie jetzt. Und die Macht der Hölle hätte gegen Seine Kirche noch nie so furchtbar getobt als in unseren Tagen, weil sie in Seiner Kirche selbst so viele Helfershelfer gefunden habe. Und obschon Er Seiner Kirche versprochen habe, daß die Pforten der Hölle sie nicht überwältigen, so verlange Er doch, daß diese Nichtüberwältigung durch Seine Kirche Selbst, das heißt durch ihre Kinder, erkämpft werden müsse. Dafür habe Er jedem Menschen freien Willen gegeben.

Und jetzt, wo so viele sich auf Satans Seite stellen und gegen Sein Reich ankämpfen, müßten die treuen Kinder der Kirche sich zusammenscharen und nach allen Seiten hin ihren guten Willen zeigen. Dann werde Er plötzlich eine Wendung herbeiführen. Darum sollten die Oberhäupter der Kirche sie nicht zurückhalten, die Wahrheit verkündigen zu lassen, daß Er Sich uns mitteile, um unseren Mut zu bestärken. Da nun mein hochwürdiger Herr Beichtvater mir erlaubt, Ihnen mitzuteilen, was ich mitgeteilt bekomme, so hielt ich es für gut, wenn Sie ihm diese letzte Mitteilung zuschickten. Er könnte sich doch vielleicht entschließen, sich zur Sache zu stellen. In vorzüglichster Hochachtung Ihre Untertänigste gez. Barbara Weigand“

Inhaltsverzeichnis Band 6

725 Brief Barbara an P. Ludwig vom 15. Dez. 1905

„Hochwürdiger Herr Pater Ludwig!

Gestern bekam ich die Verheißung vom Herrn, Er werde nicht zulassen, daß Sein Werk zerstört werde. Man möge nur alle Hebel in Bewegung setzen hier in Mainz. Und wenn alles gegen uns ginge und alles abgeschnitten werde, nur wir drei müßten festbleiben. Ihm könne niemand hinderlich sein. Die ganze Welt könne uns nichts anhaben, selbst wenn der Papst und alle Bischöfe gegen uns gingen, wenn wir drei zusammenständen.

Nun muß der liebe Gott ein Wunder wirken. Er muß und Er tut es auch, ich habe das größte Vertrauen, Pater Ludwig die Kraft zu geben, wenn sie eine Untersuchung anberaumen, zu erscheinen hier in Mainz. Dann, wenn sie dies tun, werde ich darauf drängen, daß auch ich und Sie, Hochwürden, dazu geladen werden.

Ich erwarte Ihre Antwort. Samstag werde ich sie meinem Beichtvater überbringen. Nun bitte ich alle die lieben Damen, als Namenstagsgeschenk den Herrn recht zu bestürmen, daß Er Sein Werk beschütze und uns die heilige Gleichmut verleihe, alles so zu tun, daß Er allein geehrt und gepriesen werde. Was liegt an uns armen Würmchen.

Heute nach der heiligen Kommunion ließ Sich der Herr sehr demütig herab, mich zu trösten. Ich war ganz erdrückt von all den Leiden und schlaflosen Nächten und sagte: ,O Herr, hilf mir jetzt. Laß nicht zu, daß Dein Werk zerstört werde.‘ Da sah ich den Herrn auf dem A1tare, wie Er die Arme nach mir ausstreckte. Voller Freude eilte ich hin, und Er umfaßte mich und drückte mich so fest an Seine Seite, daß auf einmal sich die Wunde öffnete und ein reichlicher Strom von Flüssigkeit schoß daraus hervor. Ich ward ganz davon benetzt und schaute mich um und sah, daß der Strom sich verteilte zu lauter kleinen Flüßchen, die dann in einzelne Menschen hinein sich ergossen, und der Herr bedeutete mir, dies sei der Liebesbund, und alle, welche die Schriften lesen, worin Er den Erguß Seiner Güte und Liebe hineingeleitet, werden fortwährend bewässert von dem Strom Seiner grundlosen Barmherzigkeit, die Er durch mich ausgießen wollte. Dies ist für mich eine Beruhigung, weil ich glaube, daß Er damit andeuten will, daß dieser neue Sturm sich wieder legen wird.

Hochachtungsvoll Ihre dankbar ergebene Barbara Weigand.“

Inhaltsverzeichnis Band 6

726 Am 15. Dezember 1905

Barbara: Gestern, als ich dem hochwürdigsten Herrn Bischof sagte, ich hätte diese Woche auch meinem Seelenführer geschrieben, fiel er mir in die Rede und sagte:

Bischof: „Dies hätten Sie nicht tun sollen, denn ein Seelenführer, so weit entfernt, was kann der nützen oder beurteilen? Und das sage ich Ihnen, wenn Sie ihm wieder schreiben, dann lassen Sie das Wort ,Bischof’ weg und schreiben sie lieber ,mein Beichtvater’ hat mir das und das gesagt.“

Barbara: Was soll und muß ich jetzt tun, um nach dem Willen Gottes zu handeln? Gestern sagte er mir, als ich ihn bat als Oberhirte und als Bischof, er möge doch nicht zugeben, daß die Namen der Mitglieder an die Öffentlichkeit kommen, denn es seien Personen aus besseren, gebildeten Kreisen dabei, und weil Herr Bischof Haffner das Abschreiben und Verbreiten der Schriften erlaubt habe, seien sie weit verbreitet und dies seien immer doch (wie hier in Mainz auch) die treuesten und besten Kinder der katholischen Kirche. Wie müßten da alle erschüttert werden in ihrem Glaubensleben, wie wir es auch getan. Ja, sagte ich, Bischöfliche Gnaden, wo soll ich Kraft schöpfen, wenn ich nicht glauben darf, daß der Herr Sich finden läßt von einer Seele, die Ihn sucht. Vor dreißig Jahren wurde mir von einem Priester schon gesagt: ,Laß dich nicht irremachen. Es ist der Heiland, der in dir das Verlangen nach der heiligen Kommunion erweckt. Fahre fort und vertraue. Vom Glauben gelangt man zum Schauen, vom Schauen aber zur Vereinigung mit Gott.’ Da fiel er mir wieder in die Rede und sagte:

Bischof: „Beruhigen Sie sich. Wenn Sie dafür sorgen, daß mit den Dienstmädchen nichts mehr vorkommt, so werden Sie weiter nichts mehr zu hören bekommen.“

Frage an Pater Ludwig: Sollen Luise und die zwei Dienstmädchen die Namen angeben und jetzt doch die Namen hinschicken? Bis Mittwoch soll es geschehen sein. Dann wird eine Sitzung anberaumt. Oder ist es nicht besser, ruhig abwarten, bis eine Vorladung kommt? Ferner: Soll ich für jetzt ruhig dazu sein, daß wir drei so auseinandergerissen sind? Luise ist ganz fremd gegen mich, weil mir und ihnen die höchste Kirchenstrafe angedroht ist, oder soll ich mich wehren? O beten Sie doch alle, ihr lieben Treuen, daß Gott die Zeit dieser schrecklichen Prüfung abkürze, damit wir nicht erliegen. Wo hat man je gehört, daß man so lange spottet mit einer tiefgläubigen Seele?

Inhaltsverzeichnis Band 6

727 Brief Barbara an P. Ludwig vom 20. Dez. 1905

„Hochwürdigster Herr Pater Ludwig!

Ich habe am Samstag Ihren Auftrag an den hochwürdigen Herrn Beichtvater besorgt. Aber das Resultat ist für mich gar nicht gut ausgefallen. Ich muß nach wie vor selbst meine Schreiben machen. Es tut mir leid, Sie mit meiner schlechten Schrift so belästigen zu müssen, aber Sie müssen zu den vielen Unannehmlichkeiten auch noch diese dazunehmen. Wir sind schon froh genug, daß wir wieder Ruhe haben vor dem Domkapitel. Dieses hat hochwürdiger Herr Beichtvater besorgt. Und daß er aber auch jene zufriedenstellt, muß er so handeln.

Wenn nur von unserem Kleeblatt nicht eins oder das andere verdorrt. Was aber noch mehr zu bedauern ist, ist das Verbot, daß ich bei dem Herrn mich für niemand mehr verwenden soll. Es ward mir gesagt, die Leute sollen sich an ihre Priester wenden. Hiermit soll (ich denke es mir so) der Liebesbund aussterben. Es ist mir jetzt einerlei, wie der liebe Gott die Sache lenkt. Ich kann, ich darf jetzt nichts mehr sagen, weil es sich für mich nicht mehr geziemt. Und da ich mein eigener Herr nicht bin, sondern von anderen abhängig, wird vieles verlorengehen.

Am Montag beklagte ich es sehr nach der heiligen Kommunion: ,Warum‘, so fragte ich den Herrn, ,läßt Du dieses alles so zu? Werden wir nicht ermüden und erkalten in der Liebe zu Dir, da uns verboten ist, uns gegenseitig zu ermuntern und von Deiner Liebe zu reden? Du weißt, wie hart dieses Opfer Lieschen, meiner treuen Freundin, ankommt. Siehe, was hat sie schon alles ausgehalten und jetzt soll sie ganz beiseite gesetzt werden.‘ Da gab mir der Herr die tröstliche Antwort: ,Beruhige dich, Lieschen hat keinen Schaden dabei. Ich rechne ihr dieses Opfer höher an, als wenn sie faste bei Wasser und Brot. Haltet diese Prüfung recht tapfer aus, und ihr sollt sehen, wie Ich zu belohnen weiß.‘ Wenn nun das liebe Christkind als Weihnachtsgeschenk Sie gesund machte, dann wollten wir alles andere gerne hinnehmen. Hochachtungsvoll grüßt Sie und wünscht Ihnen ein recht frohes Weihnachtsfest

Ihre gez. Barbara Weigand“

Inhaltsverzeichnis Band 6

728 Requiem am 22. Dezember 1905

„Gerade durch die Treue, womit man ja seine täglichen Christen- und Berufspflichten erfüllt, können wir eine hohe Stufe der Seligkeit erlangen.“

Barbara: Am Begräbnistag eines Neffen von mir, beim Requiem, als der Priester zur heiligen Wandlung gekommen war, wandte ich mich an den himmlischen Vater:

„Siehe, himmlischer Vater, ich versenke jetzt meinen Neffen in das Herz Deines anbetungswürdigen Sohnes mit all Seinen Leiden und Verdiensten, die Er uns erworben, und vereinige mich nicht nur mit Ihm, sondern auch mit allen Priestern der ganzen Welt, die heute das heilige Meßopfer darbringen, dazu lege ich die Verdienste Seiner heiligen Mutter und aller Heiligen sowie die verdienstlichen Werke aller frommen Christen auf Erden und bringe sie durch die reinsten Hände der lieben Mutter Gottes dar.“

Dann wandte ich mich an die liebe Mutter Gottes mit der Bitte, mein Gebet zu unterstützen. Kurz vor der Kommunion des Priesters sah ich den Verstorbenen in lichthellem Gewand an den Stufen des Altars erscheinen. Sehnsüchtig schaute er auf den Altar. Als aber der Priester die heilige Kommunion empfing, eilte er auf den Priester zu und zerschmolz mit der heiligen Hostie. Ich hatte eine große Freude, die mir die Überzeugung gab, mein Neffe sei mit Gott vereinigt und flehte zum Herrn, meinen Neffen noch einmal zu sehen und von ihm ein Wort des Trostes an seine tiefbetrübten Eltern zu erfahren. (Er starb im Alter von 24 Jahren.) Plötzlich erschien der Verstorbene wieder, aber jetzt überglücklich. Keine Spur von dem, was ich vorher bemerkte. Er sagte:

Neffe (†): „Liebe Tante! Sag meinen Eltern, um mich brauchen sie nicht mehr zu trauern, denn ich bin ein Kind der ewigen Glückseligkeit. Aber meinen Geschwistern sage, und besonders meinem Bruder V., wenn eine Versuchung zur Sünde an sie herantritt, sollen sie sich erinnern an meine Sterbestunde und V. solle nur seine guten Vorsätze ausführen; dann hat er nichts zu fürchten für die Ewigkeit. Ich werde mich für alle meine Geschwister verwenden, ganz besonders aber für ihn, daß er den Kampf gut zu Ende führt.

Dir aber, liebe Tante, danke ich. Den Geist, der durch dich unserer Familie mitgeteilt wurde, habe ich mit der Muttermilch eingesogen, und als ich Meßdiener wurde, hatte ich große Ehrfurcht vor dem im Heiligsten Sakrament verborgenen Gott; denn dort verstand ich erst, was ich als Knabe oft in der Familie abgelauscht hatte, wenn meine Eltern sich über dem innigen Verkehr unterhielten, den der Herr im Heiligsten Sakrament mit dir habe. Und am Weißen Sonntag, als ich Ihn zum ersten Mal empfangen durfte, hatte ich für mich nur eine Bitte, nämlich, mich nie in eine schwere Sünde fallen zu lassen.

Und diese Gnade gewährte mir der gütige Herr. Ich brachte das Kleid der Unschuld und Reinheit unversehrt vor meinen Richter. Daß ich so jung von dem Elternhaus scheiden mußte, war für mein von treuer Kindesliebe erfülltes Herz ein großer Schmerz. Aber eben diese hartfühlende Trennung und die seligen Stunden, die ich im Elternhaus und beim Messedienen an den Altarstufen genossen habe, führten mich durch alle Gefahren, besonders bei meiner Militärzeit, hindurch. Die Fehler und Sünden, die ich im Leben begangen, mußte ich hart verbüßen in meiner Krankheit, denn ich habe entsetzlich gelitten. Und weil ich mir alle Mühe gab, die Geduld nicht zu verlieren und mit Ergebung in den Willen Gottes zu sterben, habe ich alle Schwachheitsfehler abgebüßt und bin jetzt ein Kind der ewigen Seligkeit.“

Barbara: Ich betete dreimal das Magnificat vor lauter Freude und Dank gegen Gott und die allerseligste Jungfrau Maria. Einige Zeit danach war ich einmal nach der heiligen Kommunion recht innig im Gebet versunken und fühlte mehr als gewöhnlich die Nähe Gottes. Da bat ich kindlich den Herrn, er möge mir doch einmal den Ort zeigen, wo mein Neffe Josef sich befinde. Und der Herr gewährte mir diese Bitte.

Meine Seele ward an einen Ort versetzt, dessen Schönheit nicht zu beschreiben ist. Hier traf ich Josef. Er ist so überglücklich, daß ich mich wieder zurechtfinde, wenn ich manchmal recht zusammengedrückt bin wegen der vielen Leiden, die uns die Geistlichkeit bereitet. Er unterhielt sich mit mir und sagte:

Neffe (†): „An diesen Ort wäre ich nie gekommen, wenn ich mir nicht so große Mühe gegeben hätte, mein Herz vor Unkeuschheit recht rein zu bewahren. Diese alle hier sind Jungfrauen, und wir schauen Gott ganz in der Nähe.“

Barbara: „Aber Josef, du mußt etwas Besonderes getan haben, daß du dir diese hohe Stufe der ewigen Seligkeit verdient hast?“

Neffe (†): „Ich habe es dir ja gesagt, daß ich mich hütete vor Unkeuschheit. Dann gab ich mir alle Mühe, keine Zeit unnütz zu verlieren, um in mir keinen bösen Gedanken aufkommen zu lassen. Und weil ich meine freie Zeit dazu benutzte und durch die Schnitzereien, die ich anfertigte, die Ehre Gottes beförderte und meinen Eltern und Geschwistern Freude machen wollte, somit im Kleinen sehr getreu war, habe ich eine hohe Stufe der ewigen Seligkeit erlangt.

O wenn es mein Bruder verstände, seine harte Arbeit immer durch die gute Meinung zu heiligen, wie viele Verdienste könnte er sich sammeln für die Ewigkeit! Es sind viele im Himmel unter den Heiligen, die auf Erden ein ganz gewöhnliches Leben geführt haben. Gerade durch die Treue, womit man ja seine täglichen Christen- und Berufspflichten erfüllt, können wir eine hohe Stufe der Seligkeit erlangen.“

Barbara: Mein Neffe war gelernter Bäcker, tüchtig als Gesell, führte das ganze Geschäft meines Bruders in Aschaffenburg. Die Stunden, die er für sich frei hatte, benutzte er, um eine Krippenvorstellung oder einen kleinen Altar zu machen.

Inhaltsverzeichnis Band 6

729 Am 2. Januar 1906

„Zweifel und Ängste seien für eine gläubige Seele, mit der Er verkehren wolle, das größte Hindernis, Ihn zu schauen und zu besitzen, soweit es einem sterblichen Menschen möglich sei.“

Barbara: Am Neujahrstage bat ich den Herrn, uns doch nicht zu verlassen und uns die eine Gnade zu gewähren, daß wir drei wieder zusammen Ihm dienen dürften.

Jesus: „Laßt euch nur im Herzen nicht trennen. Meinetwegen hat man euch in diese Bande gelegt, aber tragt sie nur mit Freuden. Wie einst Paulus, so müßt auch ihr euch bemühen, sagen zu können: Ich fließe über von Wonne, inmitten aller Trübsal.“

Barbara: Als ich bat, um Seines heiligsten Namens willen doch auch N. und alle die guten treuen Seelen, die sich mit uns vereinigen und all die Trübsale mit uns teilten, einen Trost bringen zu dürfen, sagte der Herr:

Jesus: „O kümmere dich nicht, daß Ich etwas übersehe. Kein Vater, kein Freund, kein Bräutigam ist ja so aufmerksam gewesen, wie Ich es bin. Kümmere dich besonders nicht so sehr um N. Er weiß zu schätzen die Leiden dieser Zeit, und gerade jetzt, wo er scheinbar nichts mehr wirkt, tut er am meisten. Jetzt ist er recht, der Hintergrund, auf dem Ich Mein Werk errichten will. Sage ihm und all den treuen Seelen, wo sie sich auch befinden, einen herzlichen Gruß zum Feste Meines heiligsten Namens. Alle sollen sich im neuen Jahre recht Mühe geben, die Leiden schätzen zu lernen, denn sie sind kostbare Edelsteine für die Himmelskrone.

Sage auch deiner Schwester in Augsburg, sie möge sich vorbereiten auf ihren baldigen Heimgang ins Vaterhaus. Sie hat mir schon viele Freude gemacht durch ihren einfachen, kindlichen Glauben. Und damit sie Mich nicht beschuldigen kann, als hätte Ich sie gar zu trocken behandelt im Leben, soll sie wissen, daß Ich für sie die Tröstungen alle für die Ewigkeit aufspare. Und wenn sie einst an die goldene Pforte kommt, dich abzuholen, dann wird sie dich umarmen und wird zu dir sagen: Komm, Schwester, ziehe ein, und vor deinen Blicken wird sich eine Schar entgegenstellen, die alle mit Wonne auch dich empfangen und dir sagen: „Siehe, wir haben geglaubt, was du vom Herrn empfangen. Und für jeden Akt der Gottesliebe, den wir deswegen mehr erweckt, haben wir immer neue Freuden hier.“ Grüße Mir besonders auch Luise und Lieschen. Und deinen lieben Angehörigen und all denjenigen, die Ich früher mit Meinem Besuche zu beehren pflegte in der Nacht Meiner Geburt, entbiete Ich heute einen freundlichen Gruß.“

Barbara: Die ersten Tage, wo ich unter Gehorsam verboten bekam, nichts mehr von den Mitteilungen bei meinen Freunden zu sagen, und wir müßten auseinanderbleiben, sah ich einmal den Herrn auf dem Altar in der Kapuzinerkirche gegenwärtig. Er blickte mich so liebevoll an, daß ich ganz in Liebe zu Ihm entbrannte. Meine Seele schwang sich auf und wollte auf Ihn zueilen, aber sie war wie gefesselt mit Banden an meinem Körper. Ich fragte den Herrn, was dieses bedeute, und Er teilte mir mit: dieses seien die Zweifel und Ängste, die mir durch die Kritik meiner Vorgesetzten beigebracht würden. Zweifel und Ängste seien für eine gläubige Seele, mit der Er verkehren wolle, das größte Hindernis, Ihn zu schauen und zu besitzen, soweit es einem sterblichen Menschen möglich sei.

Inhaltsverzeichnis Band 6

730 Fest Heilige Drei Könige am 6. Januar 1906

„Sie hätten es nicht nötig gehabt, in Jerusalem zu fragen, wenn sie immer dem Stern gefolgt wären.“

Jesus: „Meine Tochter, frage nicht so viel. Nimm dir zum Vorbild Meine Diener, die Heiligen Drei Könige. Die sind auch auf die Suche gegangen, und Ich habe ihnen immer durch den Stern den rechten Weg gezeigt. Als sie sich aber befragen wollten bei der Obrigkeit, sagt die Schrift, sahen sie den Stern nicht mehr, weil sie Mich bei Menschen suchen wollten. Sobald sie aber die Stadt verließen, ging der Stern wieder vor ihnen her.

Sie hätten es nicht nötig gehabt, in Jerusalem zu fragen, wenn sie immer dem Stern gefolgt wären. So mußt du es machen. Laß dich nicht irreführen durch andere Menschen, auch nicht durch die Obrigkeit. Du hast ja auch einen Stern, das ist der Glaube, wenn er bisweilen sich auch verdunkelt, der dir immer zeigt, daß du auf dem rechten Wege bist. Weißt du nicht, wie Ich Meinen Dienern sagen ließ durch einen Engel: ,Kehrt auf einem anderen Weg zurück!‘ So sage Ich auch euch.“

Inhaltsverzeichnis Band 6

731 Brief Barbara an Beichtvater vom 6. Jan. 1906

„Hochwürdigster Herr Bischof! Hochwürdigster Herr Beichtvater! Nach der Unterredung mit Ihnen vor einigen Wochen, wo Sie mir sagten, Ihren Namen als Bischof wegzulassen in meinen Briefen, teilte mir Tags darauf der Herr nach der heiligen Kommunion mit, es sei nicht der Wille Gottes, daß Sie sich so aus der Sache ziehen. Er offenbare Sich mir, um den noch gläubigen Christen Mut und Vertrauen einzuflößen in diesen gefährlichen Zeiten, und fordere Seine Diener auf, die Schätze Seiner Liebe und Barmherzigkeit in reichstem Maße den Menschen zuströmen zu lassen. Im sechzehnten Jahrhundert habe Er durch eine arme Klosterfrau die Christen zur Verehrung Seines heiligsten Herzens hingewiesen und große Verheißungen denjenigen gegeben, die Sein heiligstes Herz verehren. Jetzt aber sei die Zeit gekommen, wo Er Seine Diener aufmerksam machen wolle, hineinzugreifen und mit vollen Händen die Schätze Seiner Liebe auszuteilen unter das gläubige Volk. Noch nie sei unsere heilige katholische Kirche so bedrängt gewesen, weil der Kampf die ganze Welt umfasse. Der gefährlichste Feind jedoch sei im eigenen Lager. So viele seien nur noch reine Namenschristen und durch dieses böse Beispiel greife die Lauheit der großen Masse immer weiter und weiter um sich. In dieser äußersten Bedrängnis wolle Er Seine treuen Kinder trösten.

Durch die Unterredungen nach der heiligen Kommunion wolle Er zeigen, daß die Lehre von dem Allerheiligsten Altarsakrament auch eine lebendige Tatsache sei, und daß Er zu uns komme mit Geist und Leben und Sich um unsere Bedürfnisse kümmere, und daß Er in dem Leiden, das Er mir gab, öffentlich durch mich gesprochen, solle das Zeichen sein, daß es in die Öffentlichkeit dringen soll. Wohl habe Er Seiner Kirche die Verheißung gegeben, daß die Pforten der Hölle sie nicht überwältigen werden, aber diese Nichtüberwältigung binde Er an die Kämpfe Seiner Kinder. Er stehe ihnen bei in Rat und Tat, aber sie müßten den Kampf durchführen, wie auch Er unter dem allerschwersten Kampf die Welt habe erlösen wollen. Der Herr sagte auch einmal: ,Ich habe dir vor einem Jahrzehnt mitgeteilt, daß die Vertreter der Völker auf dem Karren der Gottlosigkeit sitzen, und daß Meine Diener von diesem Karren der Gottlosigkeit sollen verdrängt werden.‘

Damals verstand ich diese Worte nicht. Jetzt aber, wo sie in Erfüllung gehen, verstehe ich sie. Der Karren, in dem die Vertreter der Völker sitzen, ist der Unglaube, der sich nun auch durch die gottentfremdeten Schulen der unteren Klassen und der breiten Masse der Völker mitgeteilt hat. Und von dem Karren der Gottlosigkeit sollen Seine Diener verdrängt werden. Damit wollte der Herr gewiß uns vorbereiten auf die Tatsachen, daß die Rechte der katholischen Kirche von den Regierungen nicht mehr geschützt, sondern überall unterdrückt werden. Und wenn diese Zeit gekommen sei, dann sollten Seine Diener, die Bischöfe, hintreten vor die Großen der Erde und ihnen sagen, daß mit dem Sturz der Altäre auch der Sturz der Throne folgen werde!

,Nicht umsonst gab Ich dir zwei Freundinnen bei, die Meine Worte aufschreiben, weil Ich sie nicht umsonst sprechen wollte.‘

Ferner: Vor zwanzig Jahren zeigte mir der Herr die große Zerklüftung der Völker, wie sie sich jetzt gestaltet. Er zeigte mir auf geheimnisvolle Weise die ganze lebende Menschheit sich in zwei Klassen teilen. Der größte Teil ging gegen Christus und entfernte sich immer weiter von Ihm. Dabei sah ich viele Kinder, die sich gegen Christus wandten und spottweise die Zunge nach Ihm ausstreckten. Der kleine Teil der Menschheit schloß sich immer enger an Christus an. Ich sah Ihn in ihrer Mitte, fortwährend beschäftigt, sie zu trösten und zu ermutigen. Dann wandte der Herr Sich zu mir und sagte: ,Meine Tochter, willst du Mir nicht Sühne leisten für jene, die Mich verlassen und Meiner Liebe nur spotten? Siehe, jene sind auch Meine Kinder!‘

In der Heiligen Nacht 1900 zeigte mir der Herr wieder die heilige katholische Kirche, und zwar in Gestalt eines neugeborenen Kindes, das die liebe Mutter Gottes unter Ihrem Mantel verbarg. Über Ihrem Haupte schwebte der heilige Erzengel Michael mit einem gezückten Schwert. Es wurde mir mitgeteilt, das kleine Kind bedeute das kleine Häuflein der wahren Katholiken, die unter dem Schutz Seiner heiligen Mutter sich gestellt und deswegen von dem Zeitgeist unberührt bleiben.

Weihnachten 1901 zeigte mir der Herr den traurigen Zustand, in den Seine Kirche gegen Ende des Jahres 1902 eintreten werde. Auch erteilte Er Ratschläge für die Priester und gab mir den Auftrag, an die Bischöfe zu schreiben und zum Gebete aufzufordern, was durch die Information auch geschah. Man hat damals gespottet, die Prophezeiung sei unecht gewesen, und doch hat sie sich, wenn auch nicht in Deutschland, in Frankreich buchstäblich erfüllt. Nach den Mitteilungen der letzten Zeit verlangt der Herr aber, daß Seine Worte an die französische Geistlichkeit gelangen. Durch sie wolle Er feurige Männer erwecken, die mit glühendem Eifer die Rechte der Kirche verteidigen, und Deutschland soll sich vereinigen im Gebete mit der Kirche Frankreichs und den Himmel bestürmen. Und wenn dies geschähe, verspreche Er uns bis zum Jahre 1908, wo wir unseren zweiten Pilgerzug nach Lourdes machen werden, daß sich viele deutsche und französische Priester anschließen, um Seiner heiligen Mutter ihre Danksagung darzubringen für die zu siegen beginnende Kirche. Diese Worte habe ich meinem hochwürdigen Herrn Seelenführer geschrieben, erhielt aber die Antwort zurück: „Um diese Worte nach Frankreich gelangen zu lassen, bedarf es der Einwilligung des hochwürdigsten Herrn Bischofs von Mainz.“

Oft und auch heute wieder sage ich zum Herrn: ,Warum, o Herr, hast Du das letzte Deiner Geschöpfe erwählt, um durch sie Deine Güte und Barmherzigkeit auszugießen? Siehe, daß es meine Vorgesetzten nicht glauben können, daran ist nur meine Unwürdigkeit schuld.‘ Aber wenn ich die Ursachen in Betracht ziehe, weswegen man annehmen kann, daß der Herr Sich offenbart, nämlich um das laue Christenleben wieder umzugestalten, dann tröste ich mich wieder, daß ich so den Willen Gottes erfülle. Wir haben einen Postbeamten aus N. in Logie, der als Soldat in D. gedient. Vor einiger Zeit erzählte er, daß, wenn die Soldaten ihre Osterbeicht verrichtet hätten, seien sie morgens, und zwar sämtlich Katholiken, hingesessen, ihr Frühstück einzunehmen, und dann gingen sie in die Kirche kommunizieren. Er allein habe sich nicht dazu bewegen lassen, sei aber dafür die Zielscheibe des Spottes und der Lächerlichkeit geworden.

Meine verheiratete Schwester hier hatte einen Waisenknaben erzogen, der seine Militärzeit in O. zubringt. Die Weihnachtstage war er hier und erzählte, daß alle drei Wochen das Militär einen Vortrag hätte, wo den Katholiken ihre Pflichten dargelegt werden. Trotzdem hätten sämtliche katholische Soldaten bei Verrichtung der Advents-Kommunion vorher ihren Kaffee mit Brötchen eingenommen und nachher kommuniziert. Ein Knabe, der als Student in das Ostergymnasium geht, kam vor einigen Monaten nach Hause und sagte: ,Mutter, was meinst du, unser Professor sagte heute, die Lehre vom Schutzengel sei ein Märchen. Man solle dies nicht glauben, daß kleine Kinder vom Schutzengel beschützt seien, wenn sie fallen. Kinder hätten biegsame Knochen.‘ Wo bleibt da ein anderer Ausweg für uns Katholiken als die Hilfe von oben! Warum sollte da der Herr sich nicht mitteilen, wo alles im Strudel des Zeitgeistes unterzugehen scheint. Man sagt mir, wenn Gott es ist, wird Er Sich auch durchsetzen. Daß Er sich durchsetzt, habe ich schon mehrmals die Überzeugung gewonnen. Aber diejenigen, die Ihm hinderlich im Wege standen, mußten es hart fühlen.

Was haben wir Böses getan, meine zwei Freundinnen und ich, daß man uns verbietet, miteinander zu verkehren? Ist es ein Verbrechen, zu beten und ein zurückgezogenes Leben zu führen? Die eine meiner Freundinnen, Lieschen Feiler, hat ihr sämtliches Vermögen bis auf einige tausend Mark, die sie für Hausmiete braucht, den Missionaren geschenkt. Jetzt lebt sie, zweiundsiebzig Jahre alt, von Almosen. Fünf Geschwister meiner anderen Freundin stehen im Dienste der Kirche, N. und N., eine Schwester als Provinzial-Oberin in Amerika, eine in Holland, zwei in der Diözese Trier. Ich selbst war oft Augenzeuge, wie Luise hier und da forthelfen muß.

Bald ist es ein Harmonium für eine arme Missionskirche, da ein Speisekelch, dort ein Meßkelch. Ein Jesuitenpater, der als Missionspriester in Amerika wirkt und auch zur Familie gehört, wendet sich zeitlich an Luise mit der Bitte: Gut Hausmütterchen, brauche wieder so und so viel Allerlei. Und diese Seelen, die sich im Dienste Gottes ganz verzehren, aber weil sie Zeugnis ablegen für die Wahrheit, stößt man sie zurück, ja, man behandelt sie, wie man Verbrecher nicht behandeln würde. Und weil die Geistlichkeit so handelt, glauben die frommen Damen, ein gutes Werk zu tun, wenn sie über solche Personen allerlei Lügen verbreiten.

Dieses Geschriebene übergebe ich Ihnen als einen Protest, da meine beiden Freundinnen meinetwegen verfolgt werden.“

Barbara: Heute nach der heiligen Kommunion sprach der Herr Sich sehr tröstend aus für alle die mit Leiden heimgesuchten Seelen, indem Er mir den Auftrag gab, folgende Worte an alle Liebesbundmitglieder gelangen zu lassen:

Jesus: „Jedes Mitglied solle am Morgen die gute Meinung machen, sein von Gott ihm auferlegtes Kreuz mit Ergebung zu tragen in Vereinigung mit den Leiden Seiner heiligen Kirche. Mit dieser guten Meinung stelle man sich täglich unter das schwere Kreuz, das Seine heilige Kirche schleppe. Und je mehr sich unter dieses eucharistische Kreuz stellten, desto bälder und um so glänzender werde der Sieg der Kirche sein. Die Leiden, die Er jedem zugeschickt, zu vereinigen mit den Leiden Seiner Kirche, sei ein Akt der selbstlosesten Liebe zu Ihm und Seiner Kirche und man könne auf diesem Wege ein Märtyrer der Liebe werden.“

Barbara: Der Herr ist so liebevoll gegen uns, besonders gegen die, die sich Mühe geben, sich Seinem heiligen Willen in allen Vorkommnissen zu unterwerfen, daß ich nicht anstehe zu sagen: Auf diesem Wege kann jeder von uns, sei er reich oder arm, ein heiliges Leben führen.

Als ich mich beklagte, daß, wenn man eine Legende aufschlage, man nur ganz selten die Lebensbeschreibung eines armen Menschen finde, immer hieße es da, dieser oder jener stammt aus vornehmer, adeliger oder fürstlicher Familie, sagte ich zum Herrn: „Ich kann dieses nicht ganz recht finden, daß sogar hier in deiner Kirche so viel Unterschied gemacht wird.“

Aber wie tröstete mich der Herr und wie geschickt weiß Er den Zweifel zu entfernen. Er sagte:

Jesus: „O wie viele Aloysiusse sind im Himmel aus der unteren Klasse von Menschen. Und erst wie viele heilige Agnesen gibt es dort. Damit du aber nicht urteilen kannst, als werde in Meiner Kirche auch ein Unterschied gemacht zwischen Reich und Arm, so will Ich dir darüber eine Erklärung machen. Siehe, die Armen sind lange nicht so vielen Gefahren ausgesetzt wie die Besitzenden. Wenn eine Seele gläubig fromm das Kreuz ihres armen Standes trägt aus Liebe zu Mir, kann sie eine große Heiligkeit erlangen. Viele Tugenden bringt ihr verachteter Stand schon mit. Ganz anders ist dies bei den mit Glücksgütern Gesegneten. Selten, ja nur ganz selten, bringt es der Mensch fertig, wenn er viele zeitliche Güter hat, sie zu verachten und sein Glück in Mir allein zu suchen. Da Er aber auch diese retten wollte für den Himmel, habe Er es angeordnet, daß viele von diesen in das Verzeichnis der Heiligen eingetragen werden, damit die anderen wieder auf diese Beispiele schauten.“

Inhaltsverzeichnis Band 6

732 Brief Barbara an P. Ludwig vom 12. Jan. 1906

„Hochwürdiger Herr Pater Ludwig!

Ob gern oder ungern, ich muß mich in mein Schicksal, nämlich in den Vernichtungsplan meiner Vorgesetzten fügen. Durch die zwei großen Briefe, die ich an den hochwürdigsten Herrn Bischof gelangen ließ, habe ich ihm so zugesprochen, doch zu achten auf die Lebensweise derjenigen, die von der Geistlichkeit der Stadt Mainz schon seit langen Jahren so verfolgt werden und uns doch so viel Recht zu verschaffen, daß wir wie früher miteinander verkehren dürften. Aber alles ist vergebens. Jeden Samstag wird mir gesagt: ,Folgen Sie mir, ich nehme alles auf mich, und sollte ich irren, so irren Sie doch nicht, wenn Sie folgen, und gehen Sie jetzt den gewöhnlichen Weg. Nur unterlassen Sie Ihre Gebete nicht.‘

Dabei fahren die anderen hochwürdigen Herren N.N. und ganz besonders Pater N., tüchtig auf, der am Sonntag früh tüchtig räsoniert in der dritten Ordensversammlung und vor den Leuten uns recht spöttisch hingestellt hat, indem er vorbrachte, man dürfe ja keine Schriften lesen, auch wenn sie Auszüge aus den Evangelien seien, in denen zwar viel von der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft enthalten sei, dieses brauche man durchaus nicht zu wissen und solche Schriften gehörten auch zu denen von der Kirche verbotenen und würden nicht genehmigt. Alle Leute wußten, wem diese Predigt wieder galt, und die spöttischen Blicke waren auf die Babett gerichtet.

Herr B. hat die Schriften zu untersuchen. Er tut dieses aber nur, um seinen Spott darüber auszulassen. So sagte er unter anderem bei Damen, die ohnedies einen neuen Stoff suchen, ihren Spott zu befriedigen: ,Es ist zum Totlachen, daß der Heiland dem Mariechen einen herzlichen Gruß sagen läßt.‘ Herr B. meint damit meine Nichte. O wenn dies arme Ding nur so etwas nicht erfährt. Der Glaube muß ja im Grunde der Seele erschüttert werden. Ich kann den Spott nicht all aufs Papier bringen; es ist auch nicht erbauend.

Herr N. sagte in der Predigt: ,Wenn es besser werden soll in unserer Stadt, muß Einigkeit sein unter den Gläubigen. Das Streben einiger frommen Seelen nützt da nichts. Diese müssen zur Gesamtheit stehen. Noe war mit seiner Familie auch fromm, und doch konnte er die Welt nicht retten vor der Sündflut. Ebenso Lot, der auch gerecht war, und Gott schonte seinetwegen Sodom und Gomorrha nicht.‘ Zu einigen, die zu ihm kamen, sagte er: ,Bleiben Sie mir von diesen gefährlichen Personen, Frl. Hannappel und dieser Babett, weg, denn durch diese kommt es noch zu einer Glaubensspaltung usw.‘ Zwar sagte mir der hochwürdigste Herr Bischof auf meinen letzten Brief: ,Wenn Sie etwas erfahren oder haben, was ich wissen muß, dürfen Sie mir es schreiben. Schreiben Sie aber dann an den Bischof, nicht an den Beichtvater, damit ich es auch verwerten kann.‘

Aber dabei bleibt es, daß ich bei meinen zwei Freundinnen nichts mehr reden soll von übernatürlichen Dingen. Ich soll und muß ihm selbst schreiben, was mir vorkommt. Man will uns auseinanderreißen, und da werden alle Mittel versucht. Unter dieser fortwährenden geistigen Marter bin ich aber jetzt zerquetscht. Mein ganzes Gemüt leidet so sehr, daß ich alle Fassung verliere. Meine Überzeugung wird durch diesen beständigen Spott der Priester so zertreten, daß mein heiliger Glaube verdunkelt. Ich habe ja gar keinen Anhaltspunkt mehr dadurch, daß man sagt: ,Dieser Weg führe zu einem Schisma.‘ Seit Sonntag kann ich nicht mehr. Mein ganzes Gemüt ist krank.“

Inhaltsverzeichnis Band 6

733 Fest des heiligsten Namens Jesu 1906

Barbara: Wie mir scheint, wollte der Herr mich vorbereiten auf diese harte Prüfung. Als ich die heilige Kommunion empfing und zurückgehen wollte, begleiteten mich zwei Gestalten mit brennenden Kerzen, so daß ich, als ich niederkniete, meine Aufmerksamkeit auf sie richtete. Beide waren in heiligem Ernst versenkt, still anbetend rechts und links, meinem Geistesauge lange sichtbar. Der eine war aber viel feiner, vornehmer in seiner ganzen Haltung als der andere. Seine Gewänder funkelten wie von Edelsteinen durchwoben. Seine ganze Gestalt war unvergleichlich schön, viel majestätischer als der andere. Der andere hatte dasselbe Licht wie der auf meiner linken Seite, aber sein Glanz war matter und seine ganze Haltung sowie seine Gewänder waren einfacher. Ich war wie von Himmelswonne erfüllt und dieses muß ein Augenblick jener Glückseligkeit gewesen sein, die wir alle einmal genießen sollen.

Dieses Wonnegefühl kam aber nicht von dem Anblick der Engel, wie ich nachher erfuhr, sondern der Herr, der bei mir eingekehrt war, bewirkte diese Wonne. Um acht Uhr, während des Hochamtes in meiner Pfarrkirche, erfuhr ich: Der herrliche Engel sei ein Seraph gewesen, der mir von Gott gegeben sei, um mir Kraft und Stärke zu bringen in den Leiden und Prüfungen, die ich zu erdulden hätte für den Herrn im Heiligsten Sakrament. Der andere sei mein Schutzengel gewesen, der bringe meine Gebete und guten Werke vor den Thron Gottes und überbringe mir dessen Willen. Wie jener aber an Glanz und Schönheit den Schutzengel übertroffen, so übertrifft das Verdienst, für den Herrn zu leiden, alle anderen Verdienste, die der Mensch durch Gebet und andere gute Werke verdienen könne.

Ferner wurde mir im Dom mitgeteilt:

Jesus: „Alle, die sich an dem Auftrage des Herrn beteiligen, die Schriften abschreiben und verbreiten und dadurch Anteil nehmen an der Schmach und Verachtung, die dir zuteil wird, nehmen auch Anteil an deinen Verdiensten und werden dafür im Himmel herrlich belohnt.“

Barbara: Die brennenden Kerzen der beiden Engel bedeuten das Licht des Glaubens. Aus einem tieflebendigen Glaubensleben heraus entspringen alle verdienstlichen Werke, die der Mensch verrichte. Er sei aber auch die Quelle, aus der der Mensch die Kraft schöpfe, für Jesus zu leiden.

Inhaltsverzeichnis Band 6

734 Am 24. Januar 1906

„Auch wenn sie noch so viele Vereine gründen, um das Volk anzulocken und um sich zu scharen, es wird wenig nützen, solange sie den Geist von sich stoßen, der sich über sie ergießen wollte.“

Barbara: Am 23. und 24. Januar war im Kapuzinerkloster in Mainz eine Versammlung von Ordens- und Weltpriestern und deshalb war um sieben Uhr ein feierliches Levitenamt. Das Allerheiligste war in der Monstranz ausgesetzt. Ich hatte den ganzen Morgen schon innig zu dem Herrn gefleht, uns arme Würmlein nicht zu verlassen und mir den Unwillen und die Ungeduld zu verzeihen, die ich manchmal über diejenigen hatte, die mir mit ihrer ungläubigen Kritik den Glauben aus dem Herzen reißen wollten und flehte:

„O Herr, schaffe Frieden hier in der Stadt Mainz unter der geistlichen Obrigkeit, daß alle anerkennen müssen Deine Macht und Güte, die Sich offenbart in jedem Worte, das Du seither mit mir gesprochen hast. Denn solange jeder Priester glaubt, das Recht zu haben, seinen Unmut auszulassen von der Kanzel herab, und bei jeder Gelegenheit die Leute zu warnen vor uns, den armen Opfern, kann von Frieden keine Rede sein. O Herr, verlaß Du mich nicht! Ich bringe Dir meine ganze Freiheit, meinen ganzen Willen und alles, was ich besitze, aufs neue zum Opfer dar.“

Als ich noch so flehte, hörte ich in mir eine Stimme:

Stimme: „Die Versammlung heute hält eine Beratung über das seraphische Liebeswerk ab, denn es soll auch nach Mainz ein Zweig dieses Werkes verpflanzt werden.“

Barbara: Bei diesen Worten ging aus der Monstranz eine solche Fülle von Strahlen aus und erstreckte sich über die ganze Stadt und einzelne Strahlen noch darüber hinaus wie eine Sonne. Ein Strahl fiel auf mich, und ich hatte eine unaussprechliche Freude. Dann sagte der Herr:

Jesus: „Ich habe euch schon längst euren Beruf vorgezeichnet. Tut, was Ich euch gesagt habe, und den Weg, den ihr seither gegangen seid, geht ruhig weiter. Ich habe euch angegeben, was Ich sonst noch von euch verlange und damit ist euer Opferleben eingeschlossen. Und frage nicht mehr hier in Mainz und hoffe nicht, daß es hier anders wird, denn hier sucht man auf anderem Wege das Glaubensleben zu erneuern als auf dem demütigen, eucharistischen Kreuzwege. Sie werden es fühlen müssen. Auch wenn sie noch so viele Vereine gründen, um das Volk anzulocken und um sich zu scharen, es wird wenig nützen, solange sie den Geist von sich stoßen, der sich über sie ergießen wollte.“

Barbara: Abends war dann eine Predigt über den Zweck des seraphischen Liebeswerkes, wo der Herr Prediger sagte, daß heute der Beschluß gefaßt worden sei, daß auch nach Mainz eine Verzweigung dieses Liebeswerkes verlegt werden soll, und daß heute bereits bestimmt worden sei, ein Lokal hier einzurichten. Nun verstand ich erst die große Freude des Herrn. Kinderseelen waren es, die Ihm diesen Ausstrahl der Freude hervorlockten, die gerettet werden sollen.

Jesus: „Im übrigen will Ich nicht, daß ihr, wenn ihr zusammenkommt, euch so viel unterhaltet über die Kritik eurer Vorgesetzten. Unterredet euch über die Güte Gottes zu den Menschen und leistet Ihm Abbitte und Sühne.“

Barbara: Vorher wußte aber von uns Laien niemand ein Wort von diesem Plan unserer Vorgesetzten. Also wollte der liebe Heiland mir wieder einen Beweis geben, daß Er es ist, Der mit mir redet.

Inhaltsverzeichnis Band 6

735 Fest Mariä Lichtmeß am 2. Februar 1906

„Denn seinen Nächsten um der göttlichen Gnade willen zu beneiden, ist eine Sünde gegen den Heiligen Geist.“

Heute, am Feste Mariä Lichtmeß, zugleich auch Herz-Jesu-Freitag, hatte ich wieder eine große Freude nach der heiligen Kommunion. Stundenlang dauerte die innigste Vereinigung des Herrn mit meiner Seele. Alle Sinne meines Leibes ruhten in Ihm und ich konnte nicht genug die Güte Gottes bewundern gegen ein so armseliges Geschöpf, wie ich es tatsächlich bin. Ich bat den Herrn für alle, die sich durch mich an Ihn wenden wollten und denen ich jetzt keine Antwort mehr erwirken darf, doch so im Glauben zu bestärken, daß keine einzige Seele wankend werde und fragte:

Barbara: „O Herr, soll denn dieses jetzt so bleiben?“

Jesus: „Der Kampf hört nicht auf, aber er dient nur zu eurem Besten. Habt ihr auch nur Gegner hier in Mainz, so wißt ihr doch, daß Mein Weg kein anderer war. Verlangt also kein anderes Wunder als das, welches Ich Meinem Diener Paulus versprach, als er Mich anflehte, den Stachel des Fleisches wegzunehmen: Genügt dir Meine Gnade nicht? Die Beharrlichkeit ist eine weit größere Gnade, den Kampf gut zu vollenden, als denselben zu beseitigen.

Siehe, heute fing der Kampf Meiner heiligen Mutter an, als der greise Simeon Ihr sagte: ‚Ein Schwert wird Deine Seele durchdringen!‘ Und er dauerte bis zu Ihrem Tode. In euch will Ich das Leben Meiner Kirche versinnbilden. Darum nicht müde werden, ein Opfer- und Sühnungsleben zu führen. Dem Bischof von Mainz aber kannst du sagen, daß Ich kein Wohlgefallen habe an dem Verfahren einiger Priester hier in der Stadt. Unter guten Christen, die treu zu ihrer heiligen Kirche stehen und dazu noch alle nach höherer Vollkommenheit streben, wie Priester, Ordensleute und nach Frömmigkeit strebende in der Welt lebenden Christen, brauche man keine Polizei-Kommission. Solche Priester, ja noch mehr solche Ordensleute, nötigten Ihn ja, ihnen die Gnade innerer Erleuchtung zu entziehen, weil sie die kostbare Zeit, die Er ihnen gegeben, statt sich im Gebet und Betrachtung mit Gott zu unterreden, stundenlang zu Personen setzen, die mit Polizeiaugen nur andere ihresgleichen beobachten, um sie bei solchen Priestern zu verdächtigen.

Daher kommt es, daß man sich erlaubt, unter guten Vorwänden seine Voreingenommenheit auszulassen, bei jeder Gelegenheit, anstatt Frieden nur üble Nachreden und Verleumdungen zwischen gläubigen Christen herbeizuführen und zu unterhalten. Ich sage es noch einmal, daß Ich keine Freude habe an solchen, und daß sie Mich nötigen, ihnen das Licht des guten Beispiels zu entziehen. Daher ist so viel Unfriede zwischen Personen, die mit ihnen zusammenleben müssen. Und wie viele Sünden werden dadurch erst begangen gegen die christliche Nächstenliebe; denn seinen Nächsten um der göttlichen Gnade willen zu beneiden, ist eine Sünde gegen den Heiligen Geist. Und woher kommt es, daß man so viel Spott und Unrecht sich erlaubt gegen diejenigen, die etwas tiefgläubiger ihren Weg eingeschlagen haben? Woher anders, als weil der Neid das Herz angefressen hat, und durch das Vorgehen der geistlichen Obrigkeit hält man in dieser Stadt den geistlichen Neid nicht einmal für eine Sünde.

Unter Meiner Gewalt werden die Gewissen nicht geknechtet. Wie ertrug Ich die Fehler Meiner Apostel. Niemals gebot Ich diesen, den Weg zu gehen, den jener Meiner Apostel ging. In ihrem Gewissen ließ Ich jedem vollkommene Freiheit. Zu jedem aber, der zu Mir kam in guter Absicht, konnte Ich sagen: Folge Mir nach! Würden Meine Diener diese Lehre recht zu Herzen nehmen, nämlich daß jeder von ihnen, ein anderer Christus sein müsse, dann würde man hier ganz anders handeln. Sie verlangen zur Bekräftigung, daß Mein Geist dich leite, ein Wunder und sagen: ‚Ihre Schriften enthalten weiter nichts als Auszüge aus den Evangelien.‘ Wohlan, wenn dem so ist. Ist es kein größeres Wunder als Kranke heilen, wenn Ich durch ein so armseliges ungelehrtes Geschöpf das Evangelium erkläre, während ihr Priester euch durch jahrelanges Studium darauf vorbereiten müßt?

Ich bin es, der dich unter die Leitung dieses Beichtvaters gestellt, und er hat gut gehandelt, daß er dir gebot, deine inneren Vorgänge selbst aufzuschreiben. Jetzt kann er auch die Vorurteile bekämpfen, die heute noch unter den Priestern dieser Stadt festgehalten werden, das Ganze sei nur ein Machwerk von Luise.“

Barbara: Als ich nach St. Quintin in die Zehn-Uhr-Messe kam, bat ich gar inständig die liebe Mutter Gottes, Ihren lieben Sohn zu bitten, Er wolle nicht verlangen, an meinen Bischof zu schreiben oder darüber mit ihm zu sprechen. Zu gleicher Zeit wandte ich mich mit dieser Bitte an den lieben Heiland und bat ihn, mir diese Erleuchtung wegzunehmen. Statt meine Bitte zu erfüllen, sagte Er:

Jesus: „Gehe und schreibe, wie Ich dir in die Feder diktiere: ‚Hochwürdigster Herr Seelenführer! Ich will Ihnen die Worte erst zuschicken, und erst, wenn Sie es für gut halten, schicken Sie die Abschrift an N. zurück, damit ich es an Hochwürdigsten Herrn Bischof gelangen lasse.‘“

Inhaltsverzeichnis Band 6

736 Nochmals am 2. Februar 1906

„Die durch ihren modernen Glauben, den sie aus der modernen Wissenschaft hineinpflanzen wollen in Meine Kirche, alles vergiften wollen.“

Barbara: Weihnachten schickte meine Schwägerin durch Mariechen, wie alljährlich, ein Almosen ins Kapuzinerkloster. Weil aber Pater N. die letzte Untersuchung anzettelte und am meisten über mich und Frl. Hannappel schimpfte, sagte meine Schwägerin: „Du läßt Pater N. rufen und gibst das Geld ihm in die Hand.“ Damit wollte meine Schwägerin einen heroischen Akt der Feindesliebe üben. Pater N. tat dann auch, als sei er der beste Freund, und gab Mariechen ein Buch zum Durchlesen. Es war das Leben der heiligen Franziska Romana. Am Freitag trug Mariechen das Buch zurück und ließ wieder Pater N. rufen und sagte:

Mariechen: „Herr Pater, wir haben das Buch mit großem Interesse gelesen, weil in dieser Frau der liebe Gott so ganz ähnlich gewirkt hat wie bei meiner Tante.“

Pater N. spöttisch: „Ei der Tausend, das glaube ich aber nicht, aber komm, wir wollen darüber uns einmal besprechen.“

Barbara: Jetzt fing er an, das Mädchen so zu bearbeiten, daß man solche Dinge durchaus nicht glauben dürfe.

Pater N.: „Ihre Tante ist eine fanatische Person, ebenso Frl. Hannappel. Wer gab denn die Erlaubnis, solche Schriften zu verbreiten?“

Mariechen: „Der Bischof Haffner.“

Pater N.: „So, und wie mag Ihre Tante glauben, ein Priester, der in Aachen steht und sie in Mainz, sie also gar nicht kennt, könne sie leiten? Wir Geistlichen in Mainz nehmen an, daß dies nur das Machwerk von Frl. Hannappel ist und daß diese ihren Bruder, Pater Ludwig, mit hineingezogen hat.“

Mariechen: „Da sind Sie aber irre. Warum seid Ihr denn nicht hingegangen und habt Euch überzeugt, Ihr Mainzer Priester? Pater Ludwig ging mehrere Male dazu, wenn Tante das Leiden hatte. Darum glaubte er, weil er sich überzeugt hat und hatte keine Vorurteile.“

Barbara: Als der Pater bemerkte, daß Mariechen feststehe, fing er an, alle möglichen Beweise zu bringen, daß alles natürlich sei und daß die heutige Wissenschaft alles aufkläre. Was man früher für Wunder, Ekstase und dergleichen gehalten habe, sei jetzt aufgeklärt. Der Spiritismus, Magnetismus und dergleichen wirke ja auch Wunder, das seien ja auch teuflische Einflüsse. Die Sachen gehen jetzt alle nicht mehr. Man ist sogar daran festzustellen, daß, wenn die Seele auf eine Zeitlang den Leib verläßt, dies auch natürlich zu erklären sei; nur seien die Gelehrten noch nicht ganz einig.

Kurz und gut, an jenem Abend kam ich heim, und beide, meine Schwägerin und Mariechen, saßen ganz betrübt beisammen und Mariechen sagte:

Mariechen: „O liebe Tante, wäre ich doch nicht bei diesem Pater gewesen. Ich wußte nicht, daß auch Priester und Ordensgeistliche so ungläubig sind. Pater N. ist durch und durch liberal. Der spricht ganz dasselbe wie die modernen Ungläubigen.“

Barbara: Gestern nach der heiligen Kommunion bekam ich aber einen großen Trost für den großen Seelenschmerz, den wir Tag für Tag durchzumachen haben, denn es ist leicht zu durchschauen, was man hier will mit all den Bindemitteln. Man will mich, ohne daß ich es merken soll, ausschälen, alles abschneiden. Dann, hofft man, zerfällt alles in Trümmer. Der Herr würdigte Sich, mich an Seinem Herzen ruhen zu lassen. Ich konnte hineinschauen in die Wunde Seines Herzens und vergaß alles Weh und Leid. Ich bat und flehte, Sich doch unser zu erbarmen und nicht zuzulassen, daß diejenigen, die meinetwegen so viel verachtet und verspottet werden, von mir auch nicht getäuscht seien, wenn wir vor Ihm einmal erscheinen müssen in der Ewigkeit. Verzeihe, o Herr, meine Fehler und laß uns von unseren Feinden nicht zuschanden werden.

Da ward der Herr sehr traurig und gab mir ein Zeichen, auf die Stelle Seiner Herzenswunde zu schauen. Aber wie erstaunte ich, als neben dieser Wunde eine zweite tiefe Wunde zu sehen war, die ganz frisch blutend war, wie wenn ein Dolchstoß in diesem Augenblick diese Wunde erst geschlagen hätte.

„O Herr, was bedeutet diese neue Wunde in Deinem Herzen?“

Jesus: „Diese Wunde schlagen Mir Meine Diener, diejenigen, die durch ihren modernen Glauben, den sie aus der modernen Wissenschaft hineinpflanzen wollen in Meine Kirche, alles vergiften wollen, was bisher Meinen treuen Kindern heilig war. Darum verlange Ich von dir und allen, die glauben, daß Ich mit dir rede, Mir Sühne zu leisten. Je mehr man Mich in euch verspottet, desto freudiger sollt ihr Mir dienen, weil dieses für euch der Beweis ist, daß ihr auf dem Wege wandelt, den Ich gegangen bin auf Erden. Und wer waren diejenigen, die Meiner spotteten? Die Schriftgelehrten, die Lehrer des Volkes. Darum wundert euch nicht und wenn es bis an euer Lebensende dauern sollte. Nicht durch fein ausgedachte Predigten, nicht die Wissenschaft der Gelehrten, sondern die verachteten, verschmähten Seelen, die Meine Wege gehen, die Demütigung und das Kreuz nicht fürchten, sind es, an denen Ich noch Meine Freude finde.

Darum brauchst du N. nicht zu bedauern, daß er so hingeopfert ist. Ich will, daß der kindliche Glaube wie von jeher Meiner Kirche erhalten bleibe. Und dazu habe Ich N. ausersehen. Ich habe es zugelassen, daß er vor der Zeit gebrochen ist, weil seine Erscheinung für seine Mitbrüder eine fortwährende Predigt sein soll, weil sein kindlicher Glaube eine Zielscheibe des Spottes für den modernen Glauben geworden ist. Dafür soll er belohnt werden. Denn wie unter tausend Priestern, auch wenn sie sonst Seeleneifer haben, kaum einer zu finden ist, der auf diese Weise eine Demütigung ertragen wollte, so soll Pater Ludwig unter tausend seiner Zeitgenossen den Vorrang besitzen in der Ewigkeit, weil er gerade für diesen kindlichen Glauben vieles leidet, soll er einen herrlichen Lohn empfangen. Ihr aber, Meine Kinder, stehet fest im Glauben und laßt euch nicht sieben. Es schlägt die Stunde der Vergeltung.“

Barbara: Am Samstag bekam ich vom hochwürdigsten Herrn Bischof den Auftrag, nur ja auf die innere Stimme zu hören.

Inhaltsverzeichnis Band 6

737 Am 5. und 7. Februar 1906

Am Montag, dem 5. Februar, teilte mir der Herr mit:

Jesus: „Ich bin die Blume des Feldes. Und Ich will die Blume des Feldes sein, damit Mich pflücken kann, wer nach Mir verlangt. Ich will nicht stehen in einem umzäunten Garten, denn dort kann der Eigentümer des Gartens Mich pflücken lassen, von wem er will.“

Barbara: Am Mittwoch, dem 7. Februar, wohnte ich in St. Quintin einem Amt bei, welches zu Ehren des heiligen Josef dort gehalten wird. Bei der Opferung – ich hatte mich vorher sehr inständig an den Herrn gewandt, mich doch ein Strählchen von der Glorie schauen zu lassen, womit Er, wie ich gewiß hoffte, Seine treue Braut N. belohnt habe – brachte ich dem Herrn die Verdienste Seines Leidens, Seiner heiligen Mutter und des heiligen Josefs Leiden dar.

Indem ich dem Herrn dankte für alle Gnaden, womit Er Schwester N. überhäuft hatte ihr ganzes Leben lang, brachte ich Ihm aber auch ihre Verdienste, die sie sich durch treue Mitwirkung erworben, vereinigt mit dem Priester, der das Opfer auf dem Altare darbrachte, zu einem Ihm wohlgefälligen Opfer dar.

An den Stufen des Altares sah ich nun auf einmal Schwester N. Sie war so herrlich gekleidet, zwar war das Gewand so ähnlich wie das einer Ordensfrau, aber die Farbe war eine ganz andere. Sie war anzuschauen so lieblich und doch so majestätisch, daß ich dafür keinen Ausdruck fand. Ihr Mantel hatte einen Schimmer, der ins Grüne fiel, und ganz von funkelnden Edelsteinen besetzt war. Der Herr teilte mir mit, daß diese Seine geliebte Braut die Zeit ihres Lebens abgekürzt habe durch ihr großes Verlangen und die feurigen Liebesseufzer, die sie beständig bei Tag und Nacht zu Ihm abgeschickt habe. Sie habe Ihn gleichsam genötigt, sie hinwegzunehmen.

Wenn ich nicht irre, kommt nach ihr P. Ludwig und dann die Schwester N. Sie wandte sich an mich und sagte:

Schwester N. (†): „Sage meiner Schwester L., sie möge keinen Tag vorübergehen lassen, wo sie nicht auf den Knien Gott gedankt habe, daß Er uns Gelegenheit zu Verdemütigungen gegeben hätte. Durch die Verdemütigungen, die mir zuteil geworden, habe ich mehr verdient als durch mein ganzes Ordensleben. Durch Verdemütigungen können wir Jesus Christus am ähnlichsten werden, weil Er Sich für uns so tief verdemütigen ließ, daß Er am Kreuze habe sterben wollen.“

Barbara: Sie munterte mich auf zur Beharrlichkeit und verschwand. Als ich zu mir kam, war der Priester schon vom Altare weg. Ich sah, wie Vater und Mutter von Schwester N. freudestrahlend ihr entgegenkamen und eine lange Reihe längst Verstorbener folgte diesen beiden weit zurück, aber alle zählten zur Familie. Es war wie eine lichte Straße von lauter Gold, bis zurück in die Vergangenheit. Sie alle nahmen Anteil an der Glückseligkeit ihrer Verwandten, Schwester N. Aber merkwürdig ist, es war die Straße, wie mir mitgeteilt wurde, die Stammlinie der Familie. Alle die Seligen zogen nacheinander auf der rechten Seite hin, und die andere Seite blieb leer. Die darauf gehen sollten, waren abgewichen und hatten einen ganz falschen Weg eingeschlagen. Es wurde mir mitgeteilt: „Ein Zweig dieser Familie hat sich dem Protestantismus zugewandt.“ Eben fragte ich, ob sie denn jemand in ihrer Verwandtschaft hätte, der nicht katholisch sei.“ „Ja“, sagte sie, „da haben wir alle wieder einen sicheren Beweis der Echtheit der Mitteilungen.“

Inhaltsverzeichnis Band 6

738 Beerdigung am 8. Februar 1906

„Geist und Herz nie ans Irdische hängen, den Blick jederzeit nach dem Ewigen, unserer wahren Heimat, gerichtet halten.“

Barbara: Das Söhnchen meines Bruders in Aschaffenburg wurde heute beerdigt. Das Kind war siebeneinhalb Jahre alt und sechs Jahre krank und hatte entsetzlich vieles gelitten. Sein ganzer Leib war nur eine Wunde, die beständig eiterte. Bei Einsegnung seiner Leiche im Leichenhause erschien der Knabe oberhalb seiner Bahre, aber nicht im Glanze seiner Glorie, nur im einfachen weißen Gewande, aber ich erkannte, daß er noch nicht zur Anschauung Gottes gelangt sei.

Tags darauf, es war ein Freitag, war ein Engelamt für den Knaben. Bei der Opferung erschien eine kleine Schar hellglänzender Gestalten und in ihrer Mitte der kleine Alfons, so hieß der Knabe. Sie bildeten gleichsam Spalier um die Altarstufen, und es war eine Lust, dieses zu sehen. Ich war so von Glückseligkeit überwältigt, daß es mir schien, als ob ich in himmlische Räume versetzt sei. O ein Augenblick dieser Glückseligkeit wiegt alle Leiden unseres ganzen Erdenlebens auf. Vom Altare her kamen zwei Engel und brachten eine herrliche Krone, und unter Zeichen großer Freude der übrigen setzten die beiden Engel dem kleinen Alfons die Krone auf. Es waren dies lauter verwandte Kinder, die gekommen waren, unter großem Jubel den neuen Ankömmling zu beglückwünschen.

Die Tochter meines Bruders Valentin, die ich erzogen hatte und die im achten Lebensjahr gestorben war, kam zu mir und sagte:

Anna (†): „Liebe Tante! Wir sind glücklich, wir Kinder, die wir schon jetzt zur Anschauung eines so guten Gottes gelangt sind, bevor der giftige Hauch des Weltgeistes unsere Seele berührt hatte und der Abglanz des Geistes Gottes noch ungetrübt auf unseren Seelen strahlte. Dafür loben und preisen wir Ihn jetzt immer und ewig und sagen Ihm Dank.“

Barbara: Auf einmal schellt es zur heiligen Wandlung, und wie im Zauberschlag war meine Nichte Anna und der kleine Alfons da, der sich zwischen seine Eltern gestellt hatte, und, wie um sie zu trösten, sich bald rechts zum Vater, dann wieder nach links zu seiner weinenden Mutter neigte, enthuschten beide; und als ich anbetend bei der heiligen Wandlung in die von dem Priester soeben erhobene heilige Hostie blicken wollte, sah ich die Kinder, die in die Reihe der anderen wieder zurückgekehrt, auf dem Angesichte in heiliger Ehrfurcht liegen. Nach der heiligen Wandlung bis zur Kommunion des Priesters blieben die Kinder in dieser ehrfurchtsvollen Stellung. Dann kehrten beide zurück.

Anna (†): „Auch Ihr, liebe Tante, seid glücklich und könnt euch nur freuen auf euren Heimgang. Nur müßt Ihr nach eurem heiligen Glauben auch leben und den Geist und Herz nie ans Irdische hängen, den Blick jederzeit nach dem Ewigen, unserer wahren Heimat, gerichtet halten. Für die Sünden, die ihr zu begehen das Unglück gehabt habt, müßt Ihr freilich büßen. Daher die vielen Leiden, womit der Lebensweg derjenigen bestreut ist, die – von Gott vorgezeichnet – einen längeren Lebensweg zu durchleben haben. Sag meiner Mutter, wenn du zurück nach Mainz kommst, wie glücklich ich bin, und daß ich es bin, die Maria, meiner lieben Schwester, diesen Lebensberuf erbeten habe. Sie möge nur recht beharrlich auf demselben vorwärtsschreiten. Sage ihnen, daß kein Verlangen gedacht werden könne als das, welches die Seligen nach ihren lieben Angehörigen haben, um auch sie um und bei sich zu sehen, weil kein Glück auf der Welt mit dieser Glückseligkeit könnte verglichen werden.“

Barbara: Ich empfahl nun den glücklichen Kindern noch die Angehörigen jeder einzelnen Familie und daß keines auf Abwege gerate, Josef und Willy, daß der liebe Gott die Opfer derjenigen, die das Geld für das Studium hergeben, segnen und auch annehmen wolle, und ich wurde sehr getröstet ihretwegen. Ferner bat ich, mir von Gott eine Erleuchtung zu erbitten, ob es vielleicht besser sei, meine morgige Beicht hier zu verrichten. Ich erhielt die Weisung, nicht hier, sondern bei meinem Beichtvater dies zu tun. Niemals dürfe ich einer Unruhe nachgeben, die jedesmal auf mein Gemüt einstürme, sooft ich die Weisung von Gott erhielte, an den Bischof zu schreiben. Die Anregung sei vom lieben Gott, der sich in heutiger Zeit um so deutlicher Seinen Geschöpfen offenbaren wolle, je mehr alles Übernatürliche bekämpft und der Glaube all der guten Christen dadurch sehr abgeschwächt werde und unter lauen Christen immer mehr schwände.

Anna (†): „Darum, liebe Tante, wenn dein Gemüt beängstigt wird, dann wisse, daß dies immer der böse Feind ist, der dich gerne verwirren möchte.“

Inhaltsverzeichnis Band 6

739 Am 12. und 13. Februar 1906

„Ihr aber sollt niemandem etwas nachtragen, sondern euch freuen darüber, daß Ich euch gedemütigt habe.“

Barbara: Am Montag bekam ich eine Mahnung von dem Herrn, mich oft in der jetzt eingetretenen Zeit vor den Tabernakel zu begeben, und auch zu den Morgen- und Abendbesuchen eine Mittagsstunde zu verwenden, um Ihm in Seiner großen Verlassenheit von Seinen Geschöpfen Abbitte und Sühne zu leisten, nicht nur während diesen Tagen, wo Er so entsetzlich beleidigt wird in den Ausschweifungen der Fastnachtsvergnügungen, sondern auch die Fastenzeit hindurch, bis die österliche Zeit vorüber sei. Da es mir mittags nicht gut passen will, nehme ich die Anbetungsstunde von vier bis fünf Uhr, um so den Willen des Herrn zu erfüllen. Ich glaube, Ihn auch so zufriedenzustellen.

Am 13. Februar 1906 sagte der Herr nach der heiligen Kommunion:

Jesus: „Ich will, daß ihr euch nicht mehr erinnert an das Unrecht, das ihr Meinetwegen gelitten. Bei euren Zusammenkünften sprecht nicht mehr darüber. Ich habe Mich den Priestern dieser Stadt deutlich genug jetzt offenbart in dir. Wer es wissen will, der weiß es jetzt. Ihr aber sollt niemandem etwas nachtragen, sondern euch freuen darüber, daß Ich euch gedemütigt habe.“

Inhaltsverzeichnis Band 6

740 Am 15. Februar 1906

„Wenn du Freude fühlst am Gebete, dann tröste Ich dich; wenn du aber Unlust verspürst, und du betest doch, dann tröstest du Mich.“

Barbara: Heute, Donnerstag, bat ich den Herrn, mir doch auch Freude am Gebet zu verleihen, damit ich Ihn auch durch mein Erscheinen vor Seinem Tabernakel trösten könne. Er erwiderte:

Jesus: „Wenn du Freude fühlst am Gebete, dann tröste Ich dich; wenn du aber Unlust verspürst, und du betest doch, dann tröstest du Mich.“

Barbara an ihren Seelenführer: „Ich möchte darum so gern diese Ermahnung des Herrn allen treuen Seelen anempfehlen, aber mein hochwürdigster Herr Beichtvater sagte neulich, er halte es für unratsam, die inneren Vorgänge außer dem Beichtvater oder Seelenführer noch jemand wissen zu lassen. Deswegen erlaube er es nicht, daß meine Freundin aufschreibe. Was halten Sie für gut, hochwürdigster Herr Seelenführer?“

In St. Quintin während des Engelamtes sah ich die liebliche Schar meiner verwandten Kinder wieder bei der heiligen Wandlung wie heute vor acht Tagen. Sie jubelten und waren sehr fröhlich, und ich erfuhr: Der Herr tröste sie mehr als alle anderen, denn sie dürften Anteil nehmen an all dem Guten, das auf der Welt durch die Belehrungen, die Er mir gab, geübt werde. Auch Schwester N. habe eine weit höhere Stufe der ewigen Seligkeit erlangt, weil sie, nebst der Pflichttreue einer Ordensfrau, auch ein recht treues Mitglied des Liebesbundes gewesen sei und sich dadurch viele Verdienste gesammelt habe. Dadurch wolle Er zeigen, wie sehr es Ihm gefalle, wenn eine begnadigte Seele, wie Priester und Ordensleute, sich auch über die Gnadenerweisungen, die Er über andere ausgieße, freuen könnten. Dieses sei ein Zeichen von großer Reinheit des Herzens und einer von sich gänzlich losgeschälten Seele, und daß so viel Widerspruch und Kritik einzelner immer ein Zeichen sei eines von sich selbst eingenommenen Herzens.

In der Nachbarschaft meines Bruders in Aschaffenburg lebte eine Jungfrau, die oft mit dem kranken Alfons spielte aus Mitleid zu dem Kleinen. Oft sagte sie: Ach könnte ich doch einmal mit Alfons sterben und eine Krone erlangen wie er. Hört, wie Gott dieses Verlangen belohnte. Die Jungfrau war morgens noch im Gottesdienst, und abends war sie noch bei dem Kleinen. Und am anderen Morgen, als der Leichenwagen mit dem kleinen Alfons anhielt, fand mein Bruder, der den Wagen begleitet hatte, die Jungfrau schon dort aufgebahrt und Alfons kam neben sie. In derselben Zeit, wo das Kind starb, traf sie ein Schlag; ihr Wunsch war erfüllt.

Sie war eine sehr fromme Seele, sammelte Gelder in der Stadt für arme Studenten und hatte schon einigen Priestern auf diese Weise das Studieren ermöglicht. Aber die ganze Stadt verachtete sie wegen ihres ekelhaften Auswurfs. Bei dem Requiem sah ich sie bei der heiligen Wandlung. Zwar war sie nicht so kostbar gekleidet wie Schwester N., aber doch in weißem, durchsichtigem Gewande, so ähnlich wie die Kinder, und trug ein Kränzlein von roten und weißen Rosen. Der liebe Gott will uns durch diesen Vorgang belehren, wie wahr Seine Worte sind: „Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder ...“ Mir aber wollte Er zeigen, wie Er diejenigen belohnt, die auf der Welt ein Leben der Verachtung führen müssen.

Inhaltsverzeichnis Band 6

741 Am 21. Februar 1906

Barbara: Heute bat ich nach der heiligen Kommunion recht innig für meinen hochwürdigsten Herrn Seelenführer.

„O Herr, wenn du Pater Ludwig zu Dir nimmst, dann haben die Kritiker gewonnen, und alles wird vernichtet werden. Ich bitte dich um des Glaubens so vieler frommen Seelen willen, laß Pater Ludwig noch längere Zeit am Leben.“

Da wurde ich ganz liebreich am Herzen Jesu getröstet, so daß ich eineinhalb Stunden in unaussprechlicher Glückseligkeit für eine Minute hätte halten können. Der Herr zeigte mir, daß bei Pater Ludwig durch diesen entnervten Zustand mit jedem Tag seine Krone herrlicher und kostbarer werde, weil er es verstehe, seine Leiden in der rechten Weise auszunutzen.

Jesus: „Diese seine körperlichen Leiden sind zwar entstanden dadurch, daß er seine Natur nicht zu ihrem Recht kommen ließ, die sich auch gegen die ungerechten Angriffe der Menschen wehren wollte. Aber weil er es versteht, diese seine Leiden in der rechten Gesinnung zu tragen, ziehe Ich für Meine Kirche aus denselben viel Nutzen. Jetzt brauche Ich solche Kreuzträger. Ihr werdet keine Klage aus seinem Munde hören gegen die, die ihm Unrecht tun, und darum lasse Mich nur machen, was Ich will. Ich weiß, was Ich tue.“

Barbara: Als ich dann später für Schwester N. in N. betete, gab mir der Herr die Weisung:

Jesus: „Diese Familie soll vielen als Muster von guter Erziehung der Kinder voranleuchten und im Himmel durch die ganze Ewigkeit besonders belohnt werden. Darum müssen sie auf Erden den Anteil in reichlicherem Maße kosten, der Mir zukam auf Erden.“

Inhaltsverzeichnis Band 6

742 Am 24. Februar 1906

„Wisse, daß Ich im Heiligsten Sakrament wohne wie ein Freund unter seinen Freunden, ja, noch mehr, wie ein Vater unter seinen Kindern.“

Diese Woche habe ich fast jeden Tag jene glücklichen Stunden, besonders nach der heiligen Kommunion, wie ich sie vordem hatte, ehe ich jenes geheimnisvolle Leiden bekam. Als ich mich nun gestern mit Verwunderung an den Herrn wandte und Ihn ängstlich fragte, ob dies nicht vielleicht nur ein Stimmung des Gemütes sei, daß ich stundenlang mit so inniger Vereinigung mit Ihm bitten könne für andere und für mich, teilte mir der Herr mit:

Jesus: „Wisse, daß Ich im Heiligsten Sakrament wohne wie ein Freund unter seinen Freunden, ja, noch mehr, wie ein Vater unter seinen Kindern. Wenn ein Vater zusehen muß, wie all seine Liebe und die Opfer, die er für seine Kinder bringt, von einigen seiner Kinder nur mit Füßen getreten und sie ihn mit Undank schnöde verlassen und ihre eigenen Wege gehen, schmerzt ihn dieser Undank so sehr, daß er alle Freude am Leben verliert. Wenn nun seine übrigen Kinder sich alle Mühe geben, mit doppelter Liebe dem Vater ihre Anerkennung darzubringen, dann wirft sich die ganze Zärtlichkeit des Vaters auf seine guten Kinder, die ihm den Undank ihrer bösen Geschwister ersetzen.

Ich aber bin im Tabernakel, um Mich Tag und Nacht zu opfern für Meine Kinder, die Ich Mir am Kreuze erworben habe und muß zusehen, wie Tag für Tag mehr Mein Blut mit Füßen getreten wird. Warum sollte Ich da nicht Meine guten Kinder, die sich Mühe geben, Mich für den Undank ihrer Mitbrüder zu entschädigen, Meine Liebe und Zärtlichkeit fühlen lassen? In ihnen will Ich Meinen Schmerz ersticken, indem Ich Meine ganze Zärtlichkeit über sie ausgieße.“

Ferner: Der Herr wird uns Pater Ludwig noch erhalten und hat deshalb euch, ihr edlen Damen, den Entschluß eingegeben, ihm bessere Pflege zu verschaffen. Tut es, ihr erfüllt dadurch den Willen Gottes. Unterlaßt lieber ein anderes gutes Werk. Wir dürfen da kein Wunder verlangen, wo wir durch guten Willen Abhilfe verschaffen können. Pater Ludwig ist uns allen noch sehr notwendig, denn er ist ein Priester nach dem Herzen Gottes. Frl. N. wird reichlich heimgezahlt, was sie an unserem ehrwürdigen Seelenführer tut. Wenn Pater Ludwig besser, kräftiger genährt wird, wird er bald wieder mehr leisten im Dienste Gottes. O wir brauchen ihn noch. Du darfst und wirst uns Pater Ludwig noch erhalten, mein lieber Jesus! Du hast ja gesagt, wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind. Wie eine Mauer wollen wir uns vor das Herz Gottes stellen.

Inhaltsverzeichnis Band 6

743 Am 1. März 1906

„Wenn du Mir Freude bereiten willst, dann unterlasse nicht aufzuschreiben, was Ich mit dir rede, denn dieses ist für eure Zeit von großer Wichtigkeit.“

Barbara: Die drei Fastnachtstage waren wie jedes Jahr hier in Mainz für den Herrn Tage schrecklicher Verunehrung und Leiden. Man hätte meinen können, die Hölle mit all ihrem Gebrüll, Blasen und Toben sei in Mainz losgelassen. Am Sonntagmorgen bei der heiligen Kommunion bot ich mich dem Herrn zum Opfer an und stellte Ihm all die treuen Seelen, die sich uns angeschlossen, zur Verfügung. „Siehe Herr, alles Gute, was die treue Schar tut aus Liebe zu Dir, bringe ich Dir dar als Sühne und zur Abbitte für diejenigen, die ihren Leib der Sünde hingeben, besonders für jene, die bisher noch in Unschuld gewandelt sind.“

Da sah ich den Herrn. Er war so traurig, daß ich vor Schmerz hätte vergehen mögen. Der Schmerz preßte mir die Tränen so zahlreich aus, daß sie lange Zeit flossen. Fortwährend erweckte ich Akte der Liebe und des Verlangens und machte im Geiste die Runde zu allen meinen Freunden und Freundinnen und stellte sie dem Herrn vor. „Siehe, o Herr, vergiß Deinen Schmerz. Wie viele Ordensleute und gute Priester tun dasselbe. Vergiß Deinen Schmerz.“ Da wandte Sich der Herr um und sagte:

Jesus: „Wohlan, die Liebe wird siegen, die Liebe siegt. Hier möchte der Arm Meiner göttlichen Gerechtigkeit dreinschlagen, aber er wird in seinem Schwung aufgehalten von denen, die da weinen und trauern mit Mir.“

Barbara: In der Nacht von Dienstag auf Aschermittwoch erging es mir wieder so. Von zehn bis elf Uhr nachts hatte ich ein solches Gefühl des Mitleidens mit dem Herrn und bot Ihm als Ersatz meine Tränen an. Bei der heiligen Kommunion bat ich Ihn, mich doch zu stärken, daß ich die Fastenzeit gut ausnutzen kann. Und ich erhielt die Antwort:

Jesus: „Wenn du Mir Freude bereiten willst, dann unterlasse nicht aufzuschreiben, was Ich mit dir rede, denn dieses ist für eure Zeit von großer Wichtigkeit.“

Barbara: Darum ihr alle, ihr edlen Seelen, danket mit mir dem Herrn. Wie ist Er so gut! Frl. N. muß das Werkzeug sein, dessen Er Sich bedienen will, Seinen treuen Diener Pater Ludwig uns zu erhalten. Frl. N. muß mit mütterlicher Liebe sorgen und ordnen, daß das Werk weiter sich entfalten kann. Frl. N. hat ihre Aufgabe zu erfüllen, und so sieht man überall nur das liebevolle Walten Seiner Vorsehung. O wie gut ist Gott.

Frl. N. soll die Stelle als zweite Schriftführerin für das Missionswerk nur übernehmen, damit das Werk besser beisammen bleibe. Die Schriften ins Französische übersetzen dürfe der Priester schon tun, aber verwerten für sein Volk werde erst dann geschehen können, wenn der Bischof die Druckerlaubnis gebe, denn daß die Kirche in Frankreich jetzt so viel zu leiden habe, seien Strafen für zwei große Laster, die mit Mut und Entschlossenheit von den Bischöfen und Priestern bekämpft werden müßten. Es sei dieses die Entheiligung der Sonn- und Feiertage und das zweite die Entwürdigung der Ehe. Und alle übrigen christlichen Länder, je nachdem sie sich mehr oder weniger an diesen zwei vorherrschenden Lastern beteiligten, werden mitgestraft.

Inhaltsverzeichnis Band 6

744 Am 4. März 1906

„Darum lasse Ich Meine Auserwählten fühlen, was Ich nicht mehr fühlen kann.“

Barbara: Obwohl der Herr mir schon öfters erklärte, daß Ängste und Beunruhigungen bei Gott liebenden und Gott aufrichtig suchenden Seelen nicht immer eine Strafe für persönlich begangene Sünden seien, und daß Er bei ihnen meistens andere Absichten habe, so sind und bleiben wir im geistlichen Leben immer nur ABCSchüler, die, hat der Lehrer aufgehört zu sprechen, das Gesagte auch immer vergessen haben.

Seit langen Jahren habe ich die Nächte von Samstag auf Sonntag oder wenn ein ernster Abschnitt im Kirchenjahr eintritt, wie die Nacht vor Aschermittwoch, vieles zu leiden. Wie der Herr früher durch das auffallende Leiden an den Freitagen nur den einen Zweck haben konnte, die Menschen zu erinnern, welche Leiden die Sünde Ihn gekostet habe, so lassen sich die jetzigen Zustände auch nicht anders erklären, wie mir heute mitgeteilt wurde. Bereits die ganze Nacht brachte ich wieder ohne Schlaf zu bis gegen Morgen in einer solch unbeschreiblichen Seelenangst, die nur ein Ausfluß aus der Hölle sein kann.

Als ich nun heute früh kommuniziert hatte, hatte ich noch diese Beängstigungen in mir, so daß es mir schien, es sei besser, nicht zu kommunizieren. Aber kaum war ich zurück von der Kommunion, schwand die Seelenangst und gar lieb und freundlich vernahm ich die Worte: „Ich bin da, Meine Tochter!“

Barbara: Anfangs traute ich mir selbst nicht, aber der Umschwung in meinem Innern sagte mir deutlich: Es ist der Herr! Ich ward zutraulich, und meine Seele schmiegte sich an Ihn an wie ein Kind, das großer Gefahr entronnen, furchtsam sich an die Mutter klammert, und sagte:

„O Herr, sage mir doch, woher die großen Beängstigungen und Unruhen kommen, die mir jeden guten Gedanken und sogar den Schlaf verdrängen. Habe ich Dir mißfallen, so laß es mich erkennen, daß ich es anders mache. Aber siehe, ich fürchte mich gar nicht vor Dir und bin in Deiner Nähe jetzt so unendlich glücklich. Woher kommt das nur?“

Jesus: „Meine Tochter! Deine Beängstigungen sind Sühnungsleiden für Meine treulosen Kinder. Siehe, wie sie den Tag des Herrn entheiligen, indem viele, viele frech sich hinwegsetzen über Gottes- und Kirchengebote. Und weil du und alle, die sich an dich angeschlossen, so viel für die Bekehrung anderer beten, muß Ich auch Werkzeuge haben, die die Bekehrung der Sünder verdienen helfen. Denn obwohl Ich im Tabernakel mit Fleisch und Blut gegenwärtig bin, habe Ich aber nur einen verklärten Leib, einen leidensunfähigen Leib. Darum lasse Ich Meine Auserwählten fühlen, was Ich nicht mehr fühlen kann.

Deswegen sagte Ich dir vor einigen Tagen: Wenn du Mir Freude machen willst, dann unterlasse nicht, das, was Ich mit dir rede, aufzuschreiben, denn es gilt nicht der Trost dir allein, sondern allen, die mit gutem Willen Mir dienen wollen. Ja, gerade in dieser traurigen Zeit, wo die ganze Macht der Hölle sich in Bewegung gesetzt hat, Meinen Geist aus den Herzen Meiner Kinder zu verdrängen, wünsche Ich das, was Ich mit dir rede, allen treuen Seelen zugänglich zu machen. Und sage nur jener Oberin in N., die allzugroße Furcht, die sie äußere, ,man dürfe Offenbarungen nicht annehmen, solange die Kirche sie nicht als göttlich erklärt habe‘, sei unbegründet, denn weder das Ansehen des Ordens noch das der heiligen Kirche könne in Gefahr kommen, wo die Seelen zum Fortschritt im Guten gefördert werden. Und ihr Verfahren gegen Schwester N. mißfalle Ihm, denn es sei an der Zeit, daß die treuen Kinder der katholischen Kirche zusammenstehen müssen. Die Gebete des armen Taglöhners und der armen Dienstmagd seien Ihm ebenso wohlgefällig wie das des Priesters und der Ordensfrau.

Und es ist ein großes Unrecht von denen, die Ich gesetzt habe, andere zu leiten, sich in die Gewissensfreiheit ihrer Anvertrauten einzumischen. Der Vorgesetzte hat die Pflicht, in allem, was seine Untergebenen in der Liebe zu Gott und im Haß gegen die Sünde fördert, jedem selbst zu überlassen, denn etwas, wo die Seele zum Guten ermuntert wird, kann jedem nützen, wenn auch die Kirche ihre Anerkennung noch nicht öffentlich ausgesprochen. Alle, die Mir treu dienen, mögen sie auch ganz verschiedene Wege wandeln, sind Mir wohlgefällig. Wenn nur der Mensch gewillt sei, Ihm zu dienen, dann warte Er nicht auf die Art und Weise, wie er sich entschließe, Ihm zu dienen, sondern Er komme ihm schon entgegen und richte sich ganz nach der Neigung des Menschen, die ihm am meisten zusage. Darum brauche kein Mensch sich zu beunruhigen, wenn er sieht, der andere gehe einen anderen Weg zu Gott, weil Ich jedem Mich anpasse und mit jedem auch zufrieden bin, wenn er nur guten Willens ist.

Benedikt Josef Labre sei von seinen Eltern zum Priesterstand angehalten worden. Benedikt habe aber weder zum Priester noch Ordensstand Neigung gehabt. Vielmehr habe er zu einem freien, unabhängigen Leben hingeneigt. Da sei er seiner Laune nachgekommen und habe ihm diese strenge Lebensweise eingegeben.

Theresia sei eine Ordensfrau gewesen, habe sich jedoch in ihrer stillen Zelle bewogen gefühlt, die Mißstände zu heben, die sie in ihrem Kloster fand. Er sei ihr auf diesem Wege entgegengekommen und habe sie nicht nur zur Gründerin vieler Klostergemeinden, sondern auch zur Reformatorin der Orden gemacht.“

Inhaltsverzeichnis Band 6

745 Am 11. März 1906

Barbara: In der letzten Zeit geht wieder das Gerede in der Stadt, die jungen Geistlichen, wie die Herren Kapläne und dergleichen, hätten sich verabredet, genau zu kontrollieren, wo wir drei hier beichten gehen, und wenn sie es herausbrächten, müßte streng dahinter gegangen werden. Auch hört man in letzter Zeit scharfe Worte in den Predigten gegen die, welche von einer Kirche in die andere gehen und zwei bis drei Predigten an einem Tag anhörten. Zu viele Predigten hören, sagt man, und zwar sagt dieses der hochwürdigste Herr Bischof selbst, sei Unmäßigkeit und geistliche Naschhaftigkeit usw. Meine zwei Freundinnen waren darüber sehr ängstlich, weil sie fürchteten, besonders Luise, man werde ihr dann die heilige Kommunion nehmen. Dazu sagte der Herr:

Jesus: „Sage deiner Freundin Luise, ihre Ängstlichkeit wegen der heiligen Kommunion sei unbegründet. Besser wäre es für sie, wenn sie zu einem erfahrenen Priester ginge, der sie auch persönlich kenne. Und wenn sie einmal gefragt werde, nur ganz entschieden, aber ruhig antworten, daß sie hier nur nach dem heiligen Willen Gottes und ihrer festen Überzeugung gehandelt habe.“

Barbara: Und der Herr läßt Luise bitten, ihre kindische Furcht abzulegen. Man dürfe nicht alles so auffassen, um sich damit zu beunruhigen, wenn etwas auf der Kanzel gesagt werde. Ein Bischof habe die Pflicht, nicht nur für die Gläubigen, sondern auch und dies ganz besonders, für die seiner Hirtensorge anvertrauten Priester einzutreten. Und wenn er anrate, nicht von einer Predigt in die andere zu gehen, habe er mehrere gute Gründe dabei im Auge. Dieses sei nur für diejenigen gesagt, die gerne die Predigten bekritteln.

Dem Schwager von N. läßt Er sagen: Es sei besser, seine Kinder von der Mutter selbst erziehen zu lassen, und er solle alle Tage Ihm danken, daß Er ihn bisher nicht genötigt habe, eine andere Mutterstelle an seinen Kindern aufzusuchen. Die beste Erzieherin ist eine gläubig fromme Mutter.

Inhaltsverzeichnis Band 6

746 Am 15. März 1906

Barbara: Gestern erhielt ich den Auftrag vom Herrn, solange hier in Mainz die Exerzitien, die diese Woche begannen, dauerten, woran sich die österliche Beichte und Kommunion anknüpften, jede Woche einmal wallfahrten zu gehen für die Bekehrung der Sünder. Ferner: Alle Mitglieder des Liebesbundes sollten sich in ihren Gesinnungen dahin einigen, daß alle nur das eine große Ziel im Auge haben, die Kirche recht zu unterstützen in ihren Bestrebungen durch Sühnungsgebete, Sühnungsleiden. Jedes Mitglied soll sein eigenes ‚Ich‘ vergessen, damit Gott allein Ehre zukomme von uns. Keines, hoch oder niedrig, reich oder arm, darf sich zurückgesetzt oder gekränkt fühlen. Eines für alle und alle für eines beten in den Bedrängnissen, womit die eine Seele mehr, die andere weniger heimgesucht wird.

Jesus: „So war es in der ersten Kirche zur Zeit der Apostel. Dort gab es Reiche und Arme, wie im Liebesbund auch. Und so wie damals alle nebeneinander glücklich waren, weil ihre Gesinnungen zusammen harmonierten und in Gott, ihrem höchsten Ziel, gipfelten, so muß es bei euch sein. Es darf kein Unterschied bestehen. Alle, alle, wo Ich sie auch hingestellt habe, sollen sich beteiligen.“

Barbara: Und da meine Freundin gestern mir den Auftrag gab, den Herrn zu bitten, ob wir, wenn sie im Mai nach N. gehe, ihren Bruder besuchen, nicht auch einige Tage zur Familie N. gehen und dann auch einige Tage zu N., und ob es Ihn freue, zusammen eine Wallfahrt, die geplant sei, zu machen, so trug ich halt in Einfalt des Herzens diese kindischen Anliegen vor, wurde aber etwas beschämend von dem Herrn zurechtgewiesen, indem Er mir bedeutete:

Jesus: „Bis dahin ist noch lange, da wird noch allerlei dazwischen kommen. Der Anstand und die Zeit und die Umstände werden euch selbst Aufklärung verschaffen. Und wenn ihr zusammen eine Wallfahrt machen wollt, dann macht sie wie Meine heiligen Eltern und Ich sie machten, wenn wir Meinen himmlischen Vater verherrlichen wollten.

 

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