Barbara Weigand Offenbarungen Band 3        Seite 2

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 Inhaltsverzeichnis Band 3

249 Erster Montag im Juli 1898

„Ist das Priestertum nach Meinem Herzen beschaffen und nicht verweltlicht, dann steht es gut um die Völker.“

Lied: Aus Lieb verwundeter Jesu mein ...

Barbara: „O mein Jesus! Alle meine Sünden sind mir von Herzen leid, weil ich dadurch Dich, das höchste Gut, beleidigt habe. Ich hasse und verabscheue sie alle und nehme mir ernstlich vor, mein Leben zu bessern. Gib mir Deine Gnade dazu. Ich danke Dir, o allersüßester, liebreichster Jesus. O herzallerliebster Jesus, komm doch! O mein Geliebter, komm doch wieder! Siehe, nichts Härteres kann es für mich geben, als wenn Du Dich zurückziehst und mich mir selbst überlässest. O wo bist Du, daß ich Dich wieder auf suche? Räume hinweg alle Hindernisse. O lüfte doch den Schleier, laß mich wieder hineinschauen in Dein süßes Herz. Ich kann nicht leben ohne Dich! O mein Jesus! Komm, o mein Geliebter, komme zu mir! Nach Dir dürstet meine Seele. Wie der Hirsch nach der Wasserquelle verlangt, so sehnt sich meine Seele nach Dir ...

O Du Bräutigam meiner Seele. Was ist es, daß ich so schrecklich leide? Ich kann nicht mehr leben! Komme, o Geliebter! Komme, mein Jesus, komme! Meine Seele, sie ist ausgedorrt wie eine Wurzel, die vom Baum getrennt ist, wie eine Rebe, die abgerissen ist vom Weinstock; denn kein Lebenszeichen fühle ich, wenn Du Dich zurückziehst. Ich kann nur noch beten mit den Lippen, aber mein Herz weiß nichts davon. Denselben Schmerz fühle ich, als wenn die Seele aus meinem Leibe geschieden wäre, so aufgelöst ist alles. Jedes gute Keimchen steht so verlassen da, und ich bringe nichts vorwärts. Mein Jesus, Barmherzigkeit!“

Jesus: „Meine Kinder! So geht es gar vielen Menschen im Leben, so geht es auch allen treuen Kindern der katholischen Kirche, und weil Ich durch euch viele trösten will in ihrer Bedrängnis, Verlassenheit und Armseligkeit, darum lasse Ich dieses alles so zu, und gerade an den höchsten Festen, wo Mein Herz am freigebigsten ist, da entziehe Ich dir Meine Nähe. Denn du sollst leiden und allen, die sich dem Werk der Weltumgestaltung, der Umgestaltung der Seelen, widmen wollen, geht es wie dir, nicht nur den getreuen Seelen, die da vereinzelt in den Familien oder in den Klöstern wohnen, zurückgezogen hinter den Klostermauern der Welt, sondern auch gar vielen von Meinen Dienern, die mutlos werden.

Aber, Meine Kinder, dies ist es, was Ich euch heute lehren will. Seht, an solchen Festen, wie das Große Gebet eines ist, das von der Kirche auch eingesetzt ist, um das Volk herbeizuführen, um sich um Meinen Thron zu versammeln, den Ich aufgeschlagen habe unter dem Menschengeschlecht, sollte sich der ganze mystische Leib glücklich fühlen, um sein Haupt, das die Krone dieses Leibes ist, recht zu ehren und zu zieren. Aber da seht ihr gerade das Gegenteil. Ich, die Krone dieses mystischen Leibes, der Schöpfer aller Dinge, der Herr aller Kreaturen, stehe da auf der Warte, und all der Undank und die Treulosigkeiten, die Mir entgegengebracht werden, wollte Ich vergessen, wollte Meine Kinder umarmen, denn sie alle, alle sollten gesunden an Meinem Herzen.

Aber wo sind sie, wo sind die treuen Kinder, die Glieder dieses mystischen Leibes? Ach, nur vereinzelt steht dieser Leib da, die Glieder dieses Leibes. Viele sind herausgenommen, sind abgestorben, und diejenigen, die noch treu zu Mir stehen, stehen einzeln da; denn das andere Glied neben ihm ist tot. Und dieses alles sollst du mitfühlen, weil Ich dich gesetzt habe, mit Mir zu leiden. Du sollst ja den mystischen Leib vertreten, den mystischen Leib Meiner Kirche. So wie es dir ergeht, wie alle deine guten Absichten manchmal zum Bösen ausgelegt werden, wie du gerade, wo du es gut meinst, auf nichts als Widersprüche stößt, so geht es Meiner ganzen heiligen katholischen Kirche. Wie gut meint sie es mit ihren Kindern, Meine jungfräuliche Braut, wie will sie alle glücklich wissen, wie habe Ich Meine Priester ausgesendet, um sie herbeizuführen, die Kinder dieser Mutter! Welche Mühen und Opfer haben sie nicht alle gebracht, Meine Diener! Und alles wird ihnen mit Undank, mit Treulosigkeit belohnt, von diesen undankbaren Kindern der katholischen Kirche.“

Und ich sehe den Thron, auf welchem der Herr ruht, drüben in der Kirche. O mein Gott, mein Gott! Ich sehe einen Himmel von lauterem, feinstem Gold, mit lauter spitzen Türmchen ist der Altar gearbeitet, so ähnlich wie in einer anderen Kirche, aber aus dem feinsten Gold, und auf diesem Thron hoch in der Höhe sitzt Er, zwischen dem Altar und dem Gewölbe. Auf diesem Thron sitzt der Herr, unendlich liebenswürdig anzusehen, unendlich mild und herablassend; sozusagen freudig ist Er, und doch auch gepaart mit Traurigkeit. Mit heiligem Ernst blickt Er über die kleine Schar hin, die da kniet und betet. Sein Fußschemel ist ein Behälter, der überströmt wie ein siedender Kessel mit kochendem Wasser, und es ist, wie wenn es kocht in diesem Wasser, in diesem Fußschemel und der ganze Altar überströme von dieser Flüssigkeit.

Barbara: „Was willst Du mir denn damit sagen? Ich verstehe dieses Gleichnis nicht.“

Jesus: „Du verstehst es nicht, Meine Tochter! Dieser Fußschemel, den du siehst, ist das heutige Fest, das in dieser Kirche gefeiert wird, das Fest, das alle Kinder dieser Pfarrei und alle frommen Christen einlädt, hierher zu kommen, um die Gnaden in Empfang zu nehmen, die der Herr bereithält für die gläubigen Christen. Die Andacht dieser gläubigen Christen sammeln die Engel und bringen sie vor den Thron Gottes; sie alle werden aufbewahrt in diesem kostbaren Gefäß, auf dem der Herr hier ruht, und von Zeit zu Zeit kommt dieses Gefäß so in Wallung. Es ist die Liebe des Herrn und die Gebete und Andacht der Gläubigen, die das Herz Gottes so bewegen und rühren, daß Er Seine Liebe und Seine Gnadenschätze nicht zurückhalten kann. Dieses bedeutet das Sprudeln, daß von Zeit zu Zeit die Flüssigkeit ausströmt und der ganze Altar davon begossen wird. Wenn du dich recht umsiehst, wirst du sehen, daß diese Flüssigkeit in Strömen dahinfließt über das gläubige Volk, die alle davon bewässert und befeuchtet werden, das heißt, mit neuen Gnaden aus der Kirche wieder in ihre Wohnungen zurückkehren.“

Barbara: „Warum bist Du denn so mild, so ernst und so traurig, und doch auch so innerlich überglücklich? Ich sehe Dir doch Deine Glückseligkeit an. Du scheinst recht zufrieden zu sein am heutigen Tage, und warum läßt Du mich diese Glückseligkeit nicht fühlen? Warum muß ich so leben, als wäre ich von Dir ganz getrennt, da ich Dich doch so sehr liebe und wünsche, Dich lieben zu können, verzeihe mir! Gelt ich bin schuld, ich habe Dich gestern betrübt, weil ich eine Beleidigung nicht mit der Ruhe und Gelassenheit hingenommen habe, wie ich sollte, weil ich in mir grollte darüber. O nein, ich will nicht grollen, aber ich kann mir nicht helfen. Du kennst ja mein Gemüt, das nur Dich allein sucht, und das in solchen Zeiten gern bei Dir in Deiner Nähe weilen möchte, und wenn ich so abgehalten werde davon, bin ich sehr traurig. Verzeihe mir meine Schwermut! Ich verlange, aufgelöst zu werden, um bei Dir sein zu können. Hinweg mit dieser Erde! Mein Jesus, hinauf zu Dir, ich will zu Dir.“

Jesus: „Du kannst noch nicht zu Mir, Meine Tochter! Komme recht nahe her! Komme her zu diesem Gefäß, auf dem Meine Füße ruhen, komme, Ich will dich abwaschen mit der Flüssigkeit, die sich darin befindet.“

Und wir stehen alle drei um das Becken herum; ich weiß nicht, wie ich es beschreiben soll. Und so viele heilige Engel sind hier und sind auch tätig. Weiß, ganz weiß gewaschen wie Schnee, sind wir alle drei. Und ich sehe eine Öffnung an der heiligen Seite, ich fühle die Pulsschläge dieses lieben, göttlichen Herzens.

Barbara: „O lieber, heiliger Johannes! Ich grüße dich durch das allersüßeste Herz Jesu Christi und bitte dich, da du doch der erste warst, der an diesem Herzen ausruhen durfte, nimm doch meine Wenigkeit und alle meine Armseligkeit, mit der ich belastet bin, und opfere sie dem Herrn auf in Vereinigung mit deinen Verdiensten, mit deiner Liebe, mit der Reinheit deines Herzens und Leibes, mit dem süßen Gottvertrauen, mit dem du dich deinem Herrn so ganz ergeben hast. Bitte Ihn, Er möge mich doch so, wie Er dich an diesem Herzen ruhen ließ beim letzten Abendmahl, so recht ausruhen lassen, mich diese Pulsschläge fühlen lassen, damit ich ganz und gar mir selbst absterbe und nur Ihm allein lebe. O lieber, heiliger Johannes, da ich doch so mitten in der Welt stehe und manche Zeit so schwere Bürde zu tragen habe, daß es unmöglich ist, nicht befleckt zu werden, so sei doch mein Trost und meine Stütze und führe mich recht oft herbei zu diesem Herzen.“

Johannes: „Meine Kinder! An diesem Herzen ruhen viele. Im neunzehnten Jahrhundert sollen so viele an diesem Herzen ausruhen und die Pulsschläge dieses Herzens vernehmen, daß kein Jahrhundert sich rühmen kann, so viele Seelen dem göttlichen Herzen Jesu nahestehen zu sehen wie dieses Jahrhundert. Die Zeit ist gekommen, wo die Kirche ihren Kindern alles geschenkt, all den Reichtum, den der Herr in den dreiunddreißig Jahren Seines Lebens vom Himmel auf die Erde gebracht hatte. All diesen Reichtum hat die Kirche ihren Kindern geschenkt und angeboten. Jetzt aber, im neunzehnten Jahrhundert, sollen die inneren Schätze, die in diesem Herzen verborgen blieben bis zu dieser letzten Zeit, geöffnet werden, und ihre Kinder sollen hineingreifen in diesen Schatzkasten und sich damit bereichern. Darum verlangt der Herr, daß die Kinder der katholischen Kirche, die sich noch treue Christen nennen, herbeigeführt werden zu diesem Schatzkästlein. Sie alle sollen vernehmen die Pulsschläge dieses süßen Gottesherzens, sie sollen die Liebe dieses Herzens erwidern, und je mehr die Christen sich anschließen, herbeigeführt werden an dieses liebe, süße Herz, desto mehr wird die Liebe erwidert, die in diesem Herzen verborgen ist.

Fürchtet euch nicht in all den Stürmen, die noch kommen werden. Und du: rufe mich an, wenn du schwach wirst, wenn es nicht mehr weitergehen will. Weißt du nicht, daß ich durch mein Vertrauen vom Herrn erlangte, daß ich ohne Todeskampf in den Himmel einging? Warum kannst nicht auch du durch dein Vertrauen alles das vom Herrn erlangen können? Rufe mich an, und ich werde dir zur Seite stehen; denn der Herr hat dich mir unterstellt, daß ich dich mit meinem ganz besonderen Schutz begleite und deine zwei Freundinnen mit dir. Ihr sollt die Liebe erwidern, die in diesem Herzen schlägt, die der Undank der Menschen zum Zorn herausfordert; denn wenn die Liebe gehaßt wird, verwandelt sie sich in das Gegenteil. Weil der Herr aber nicht hassen kann, so wird Seine Liebe sich in Zorn verwandeln; denn es sind ja dies Seine Geschöpfe, die Er Sich erschuf, damit sie Ihn lieben sollen. Wenn nun diese Ihn hassen, muß Seine Liebe sich in Zorn verwandeln, und Er muß sie bestrafen dafür.

Werde nicht mutlos, meine Kleine! Die Leiden, die dich drücken, sind vom Herrn gewollt. Wisse, daß kein Haar vom Haupte fällt ohne Seinen Willen, wisse auch, daß kein Wort, kein Widerspruch vorkommt ohne Seinen Willen, ohne daß Er es weiß, wofür Er es will. Die Leiden, die du heute fühlst, sollst du mit Ihm fühlen; denn du bist ein auserwähltes Gefäß, in dem Er Seine Gnadenschätze niederlegen will, und du sollst sie austeilen an viele deiner Mitmenschen. So wie es dir ergeht, so geht es allen Menschen. Das Leben ist ein Kampf, und nur wer gesetzmäßig gekämpft hat, wird gekrönt werden. Das Leben ist eine Leidensschule, und nur diejenigen, die diese Leidensschule kennen, die wissen, daß sie in derselben sind, werden leiden für Gott und werden den Preis erringen, der dem Kämpfenden gesetzt ist.

Siehe, als ich noch auf Erden weilte und der Herr mit mir verkehrte – auf dieselbe Weise verkehrt Er aber auch mit dir und mit allen, die Er dazu auserwählt hat –, da war auch ich ein Mensch wie du, ich hatte meine Bedürfnisse und war nicht vom Anfang an, als Er mich zu Sich rief aus dem Gewühl der Welt zu Seinem lieben Gottesherzen, der ich jetzt bin, um ewig zu genießen, was ich mir erworben. Ich lebte auch in einer Welt voll Sünde und Elend, und auch ich hatte meinen Teil davon, obwohl ich der Lieblingsjünger bin und derjenige, der in der ganzen Welt gerühmt wird. Aber der Kampf, der fortgesetzte Kampf über meine Neigungen und das Vertrauen, das ich auf den Herrn gesetzt habe, und der Umgang mit Maria, Seiner Mutter, erwarben mir den Sieg.

Seht, wenn alle Menschen, die Gott erkennen und lieben wollen, so an der Hand geführt würden wie ihr, und Tag für Tag auf ihre Fehler aufmerksam gemacht und immer erinnert würden an das Ziel, das jedem Menschen gesteckt ist, die ganze Welt würde sich zum Herrn wenden, wenigstens diejenigen, die treu zur Kirche halten. Sie würden es machen und tun wie ich es getan, wie ihr es tun sollt. Sie würden alles verlassen und sich ganz dem Herrn hingeben. Wenn ihr noch wankelmütig und unentschlossen sein wollt, was sollen dann die anderen tun? Fest müßt ihr stehen, meine Kinder, fest wie ein Fels! Gottvertrauen müßt ihr euch aneignen, wie ich es hatte in meinem sterblichen Leben, dann könnt ihr Berge versetzen. Nichts wird imstande sein euch zu scheiden von der Liebe Jesu Christi, aber kämpfen müßt ihr, kämpfen! Gelobt sei Jesus Christus!“

Barbara: „Ich danke dir, lieber heiliger Johannes, für deine Tröstung. Du wirst uns also nicht verlassen, wenn wir dich nicht vergessen, aber wir wollen kämpfen, wir versprechen es dir. Mein Jesus! Dein Wille geschehe! O Herr, ich will mich Dir ergeben!

Mein Jesus! Ich empfehle Dir noch alle meine lieben Geschwister, daß sie doch treu ausharren und alle, die sich im Geist mit mir vereinigen, alle die lieben, treuen Seelen, die Dich suchen, besonders meine Schwester in A. Erhebe sie zu einem so hohen Grad der Liebe, daß sie in allem Dich suche, all ihre Fehler zu bessern suche, um in allem Dir wohl zu gefallen und Dir Freude zu machen. Nimm unser Herz so in Besitz, daß wir nichts mehr denken und suchen als nur Dich allein. O hilf mir, daß ich unter meinen beiden Freundinnen doch den härtesten Kampf haben werde. Siehe, all die Kämpfe, die ich schon durchkämpft habe, um Dich zu finden, siehe mein ganzes Leben ist ja ein beständiger Kampf. Hilf auch all denjenigen, die mit mir leben sollen und müssen, sie alle streben das Gute an und sehen manchmal an mir nichts Gutes. Erbarme Dich ihrer und meiner, aller Familienmütter und -väter, erbarme Dich ganz besonders meiner Beichtväter, gib ihnen einen recht hohen Grad der Liebe und eine hohe Stufe der ewigen Glückseligkeit. Ich bitte Dich ganz besonders, stehe meinem Beichtvater in der Leitung meiner Seele bei, daß er doch immer das Rechte finde in mir.

Siehe, ich bin gar nicht mehr ängstlich. Ich weiß nicht, ist es recht, oder bin ich irre. Wenn Du Dich halt zurückziehst, dann meine ich, es wäre alles Sünde, dann bin ich unglücklich. Wenn Du wiederkommst, ist alles hell und ich bin der glücklichste Mensch. So kenne ich mich noch gar nicht. Ich meine halt, Du würdest Deine Barmherzigkeit über mich walten lassen. Hast Du mich ja doch in diese Welt gestellt und nicht in ein Kloster. Dadurch bin ich viel auf mich selbst angewiesen. Darum mußt Du auch Geduld haben mit mir und mir viel Hilfe schicken, und auch Deine heiligen Engeln. O lieber, heiliger Johannes, o hilf mir! O lieber heiliger Vater Josef, du bist mein Schutzherr, ich stelle mich ganz besonders unter euren Schutz. O lieber Jesus! Was bedeutet denn der Glanz, der Deinen Thron umgibt, das aussieht wie reines Gold?“

Jesus: „Es ist die Liebe der Gläubigen, besonders der Priester hier in Mainz. Sie haben diesen Thron mir bereitet. Siehe, mit Freuden ruhe Ich auf diesem Thron in den neun Pfarreien, die hier das Große Gebet abhalten. In dieser Woche fühle Ich Mich sehr geschmeichelt. Ich rühme Mich dessen vor Meinen Himmelsbewohnern. Sie alle sind entzückt und freuen sich, daß Ich Mich so glücklich fühle, und bewundern den Eifer der Priester dieser Stadt.

Und Ich sage euch, wäre es in der ganzen Welt so! Wäre überall, wo eine Kirche steht und ein Priester ist, ein solcher Eifer für die heilige Eucharistie, wie Ich es verlange, und eifrige, fromme Seelen, Turteltäublein, die da trinken aus dem Behälter, den du unter Meinen Füßen siehst, es würde um vieles in aller Welt besser werden. Das Gold habe Ich dir schon oft gezeigt, das Sinnbild der Liebe, das Meine Kirche schmückt, ist das Priestertum. So wie das Gold das Kostbarste ist in der Kirche, in dem steinernen Bau, so ist das Priestertum in der Kirche das Kostbarste, die kostbarsten Geschöpfe, weil sie Meinem Herzen am nächsten stehen, und weil von ihnen das ganze Wohl und Wehe der Völker abhängt. Ist das Priestertum nach Meinem Herzen beschaffen und nicht verweltlicht, dann steht es gut um die Völker.“

Barbara: „Ich danke Dir, mein Jesus, für diese glückliche Stunde. Heute hatte ich Dich nicht erwartet, weil ich so ganz losgelöst war von Dir. Ich mußte mit aller Gewalt mich aufrecht halten. Ich fühle eine solche Schwäche und Schmerz in meinen Gliedern, daß es mir ist, als wäre meine Seele vom Leibe getrennt.“

Jesus: „Dies ist aber der sicherste Beweis, daß du ein lebendiges Glied Meines Leibes bist und gestellt und gesetzt bist, daß Ich durch dich Meine Geheimnisse erschließen will, denn du suchst ja Mich. Geh nur über deine Fehler hinweg, denn Ich vergesse, daß du so trocken, so kalt Mir gegenüberstehst, weil Ich weiß, daß Ich alles in Meiner Hand habe. Ich habe dich in Meiner Hand. Es ist nicht deine Sache, nach Belieben mit Mir verkehren zu können. Dies ist Meine Sache; du hast Mir nur deinen guten Willen zu bringen, alles andere hängt von Mir ab.“

Barbara: „So laß doch alle Glieder dieser Pfarrei Deine Gnade fühlen und Deine Liebe. O führe sie doch herbei, die armen Reichen, möchte ich sagen, die nur ihr Geld und Gut suchen und ihr Vergnügen. So nimm hin meine Leiden, meine Armseligkeiten. O gib mir Seelen. Ich will mich hinopfern, wir sollen uns ja ganz vergessen. Gib uns nur einen recht starken Mut, einen großen Mut und große Liebe, daß wir nicht so kleinmütig sind und so verzagt. O führe die Leute herbei, daß sie wieder eintreten in die Kirche, die solange ferngeblieben, damit sie Dein Wort hören, Deine Sakramente empfangen. Ich empfehle Dir die ganze Stadt Mainz. O laß auch den Armen Seelen etwas zugute kommen; denn alle, die da beten, beten doch für ihre Abgestorbenen. Herr, gib ihnen die ewige Ruhe. Schenke mir besonders N.“

Jesus: „Bis Freitag!“

Inhaltsverzeichnis Band 3

250 Zweiter Freitag im Juli 1898

„Fürchtet euch nicht ihr Kleinen, ihr Demütigen, ihr von der Welt zurückgestoßenen, zurückgesetzten Seelen.“

Lied: Heiliger Kilian, Apostel der Franken ... Hochgelobt und angebetet sei Jesus im Allerheiligsten Sakrament! Lobpreis und Dank sei jetzt und ohne End, Jesus im Allerheiligsten Sakrament!

Barbara: „Mein Jesus, ich danke Dir für all die Gnaden, die in dieser Woche in dieser Stadt so reichlich fließen. Ich vereinige mich mit all den frommen Anbetern hier und mit all den Christen in Bayern droben, die Dich verehren und anbeten in Deinem Diener, dem Apostel der Franken, dem heiligen Kilian, denn ihnen verdanken wir das Licht des Glaubens. Sie haben ihre Heimat verlassen und sind Deinem Lichte gefolgt, um uns die frohe Botschaft zu bringen. Ich bitte Dich, Du mögest ihnen eine eigene Glorie verleihen. Denn ich wünsche ihnen Glück zu ihrer Glorie und vereinige mich mit allen Heiligen im Himmel, die durch sie zur Seligkeit gelangten und ihnen nachgefolgt sind im Frankenland. Ich bitte Dich, Du mögest mir die Gnade verleihen, daß ich wie sie kämpfe, um das Licht des Glaubens in mir recht anzufachen und auszubreiten, aber auch in allen, die sich mit mir vereinigen, dasselbe Licht des Glaubens zu entzünden, immer mehr und mehr, auf daß recht viele ihnen nachfolgen. Gelobt sei Jesus Christus!“

Jesus: „Meine Kinder! Ich bin recht zufrieden in dieser Woche hier in Mainz, denn zahlreicher als zuvor in den früheren Jahren, versammeln sich die getreuen Kinder Meines Herzens um Meine Altäre. Der Geistlichkeit der Stadt Mainz danke Ich herzlich für all die Bemühungen, die sie sich schon längere Zeit auferlegen, um Mein Volk zurückzuführen zur Herde Jesu Christi, zur treuen Herde. Ein anderer Geist weht in dieser Stadt und alle, die noch ein Fünkchen Gottesliebe in ihrem Herzen haben, schließen sich den treuen Kindern der katholischen Kirche dieser Stadt an.

Und seht ihr die Begeisterung, mit welcher das arme Volk, wenn es sein Tagewerk zurückgelegt hat, sich einfindet um Meine Altäre, und mit welcher Freude und Jubel aus seinem Herzen die Wünsche aufsteigen, Mir noch besser dienen zu können! Ja, Ich allein sehe die Wünsche der Herzen aller, die da um Mich versammelt sind, und auch von den rohesten, die sich auch mitunter einfinden, steigen Wünsche zu besserer Gesinnung auf.

Freilich, wenn sie wieder beschäftigt werden, wenn sie hinaustreten in die Werkstätten, Fabriken und Schulen, wo alles wieder herausgearbeitet wird aus den Herzen der Menschen, hält es nicht an. Aber vieles ist doch gewonnen in dieser Stadt. Die Guten nehmen zu, die Verbindungen der Guten werden enger geknüpft, und alles möchte ein Sinn und ein Herz und ein Streben werden, Mir besser zu dienen. Dieses alles verdanke Ich dem Eifer der Priester.

Freilich ist es Mein Geist, Der ihnen diese Kraft und diese Energie gibt, Mein Geist, Der da durch dich ausgegossen ist über die Stadt. Denn nicht du bist es, der da spricht und ordnet und angibt, Mein Geist ist es und Mein Wort ist es, das du sprichst, und du bist nur das Werkzeug, dessen Ich Mich bediene. Glücklich darum, wer Meine Worte hört und sie aufnimmt mit gutem Herzen.

Überall, wo die Schrift hindringt, und wo man Meine Worte hört und liest, geht ein anderes Licht auf, ein anderes Glaubenslicht, und wer da sich anschließen will, der ist gerettet. Wehe dem, der es hört und liest und sich nicht aufrafft und den alten Schlendrian ablegt. Wenn er auch jetzt noch gut ist und wähnt, auf eigenen Füßen stehen zu können, es kommt aber die Zeit der Prüfung, und dann o weh, es ist um ihn geschehen. Er glaubt, auf eigenen Füßen gehen zu können, und fällt über Stock und Stein, um nicht mehr aufzustehen.

Denn wißt, der Unglaube und die Gottlosigkeit, die in allen Schichten der menschlichen Gesellschaft eingedrungen ist, breitet sich immer weiter und weiter aus, und das leichtfertige Leben, das dieser Unglaube predigt und zur Schau trägt, die vielen Vergnügen, die der Unglaube bietet, reißt alles mit sich hin. Und der Mensch, der so leichtfertig dahinlebt, läßt sich mit hineinziehen in diese Vergnügungssucht. O weh, schon ist es um ihn geschehen, er ist nicht mehr zu retten, weil ihm dieses Leben besser gefällt als das liebliche Leben, das stille, zurückgezogene Leben, das da von Meinem Geist geleitet und ausgegangen ist.

Fürchtet euch nicht ihr Kleinen, ihr Demütigen, ihr von der Welt zurückgestoßenen, zurückgesetzten Seelen. Wenn ihr auch nicht prangt vor den Augen der Menschen, vor Meinen Augen aber ist all euer Tun und Lassen ausgebreitet. Ich kenne die Wünsche eurer Herzen, und obwohl auch ihr armselige Wesen seid, Adamskinder wie alle Menschen, Meine Gnade wird alles ersetzen, was ihr nicht zu vermögen imstande seid. Wandelt nur festen und sicheren Schrittes einher mitten unter der gottlosen Welt, steht fest im Kampf. Ich sage euch: kein Haar von eurem Haupte fällt ohne Meinen Willen, kein Haar eures Hauptes wird gekrümmt werden, ohne daß Ich es zulasse.

Darum, wenn ihr verfolgt und niedergebeugt werdet von euresgleichen, euren Mitmenschen, weil ihr ja mitten in dem Geschlechte steht, das nun einmal Meine Zuchtrute fühlen soll und muß, wisset, daß alles, was ihr zu erdulden habt, zu Meiner Ehre und Verherrlichung gereichen soll. Denn durch euch werden viele Seelen gerettet werden. Viele werden sich aufraffen und wieder zu Mir zurückkehren aus der Zahl der Gottlosen, der Lauen und Kalten, die sich wieder anschließen an Mich.

Darum auf, ihr Meine Treuen! Auf, ihr Meine Lieben, auf zum Kampf! Keine Mühe und kein Opfer dürft ihr scheuen. Wo Meine Gnade euch einlädt, da müßt ihr folgen, denn es gilt jetzt, Kinder zu gewinnen, Seelen zu retten. Euch habe Ich an Mich gezogen und Mich mit euch vermählt, damit ihr Mir Kinder gewinnt, damit ihr arbeitet für Meine Ehre und Verherrlichung.

Seht, hier stelle Ich euch Meine drei Freunde vor: Kilian, Kolonat und Totnan. Sie haben aus Liebe zu Mir ihr Vaterland verlassen. Hätten sie nicht besser getan, zu Hause zu bleiben und dort Mir zu dienen, wie viele ihrer Brüder es getan? Nein, Meine Gnade rief sie, und sie folgten Meiner Stimme, sie wollten Kinder gewinnen, Seelen retten, weil sie mit Mir vermählt, jungfräuliche Bräute waren. In den geistigen Ehestand eingetreten, wollen sie sich keine Ruhe mehr gönnen, nein, sie wollen für Mich arbeiten. Die Hausfrau hat immer ihre Beschäftigung, sie ist Tag und Nacht besorgt, um das Hauswesen in Ordnung zu halten, um es zu vermehren und zu vergrößern. So muß jede treue Seele, die in den geistigen Ehestand getreten ist, nicht mehr an sich denken, nicht mehr in Ruhe Mir dienen wollen. Sie muß heraustreten aus sich selbst und sich hineinwerfen in die große Haushaltung Gottes, in die Familie Gottes. Dort muß sie stehen und sich umschauen, wo es vielleicht in der Haushaltung fehlt und eingreifen und helfen.

So taten es auch diese drei Männer. Sie gingen in das Frankenland, wo noch das finstere Heidentum herrschte. Und auch du bist ein Sprößling dieses Heidentums, auch du, Meine Kleine. Darum hast du Ursache, ganz besonders dich zu freuen. Siehe, dich habe Ich fortgeführt aus deiner Heimat in ein fremdes Land, um dich in den geistigen Ehestand einzuführen. Hier, in dieser großen Gottesfamilie, stehst du und sollst Mir Kinder gewinnen.

Und ihr alle, die ihr teilnehmt an dem Liebesbund, die ihr euch anschließen wollt, ja hört die Stimme, die Ich durch diese kleine Dienerin zu euch rede. Ihr alle sollt eintreten in die große Gottesfamilie, eintreten und als Hausfrau arbeiten, nicht nur für euch selbst, auch für andere, auch für eure Brüder und Schwestern, die sich da nicht begeistern für Meine Ehre und Verherrlichung, die sie nicht durch Wort und Beispiel zu gewinnen und anzueifern suchen, damit von Tag zu Tag die Zahl Meiner Kinder sich mehre.“

Dann wendet sich Jesus an eine Verwandte, die von Bayern gekommen war.

Jesus: „Auch du, Meine Tochter, wenn du in deine Heimat zurückkehrst, sage doch allen deinen Mitschwestern und Brüdern, wie sehr Ich erfreut bin, in eurer Mitte zu wohnen, wie Ich dieses arme Volk in Meine Arme schließe, wie Ich ihre Opfer und Mühen belohnen werde am großen Gerichtstage. Sage ihnen, daß Ich sie belohnen werde, und daß keine Seele verlorengehen soll, die mit lebendigem Glauben und festem Vertrauen sich Mir anschließt; die, auch wenn es am Rand des Grabes ist, ihre Sünden offen und frei bekennt, einem Priester beichtet; sie alle, sie alle sollen gerettet werden!

Ja, deswegen habe Ich ja ein so armes Landmädchen Mir erwählt, ein Kind aus eurer Mitte, du armes kleines Landvolk, weil Ich dich liebe, weil Ich dich retten will. Denn du allein zahlst Mir noch den Tribut, der Mir gehört, du allein erkennst Mich noch als deinen Herrn und Schöpfer an. Alle, denen Ich es gut gehen ließ in diesem Leben, die mit Leichtigkeit ihr Brot essen, das andere Menschen verdienen, sie sind von Mir abgefallen und haben Mein armes Volk, das ihnen das Brot in den Mund schiebt, von Mir gerissen, Mir entrissen. Weh diesem Geschlecht, wie werde Ich von ihm einstens die Seelen zurückverlangen, die es dem ewigen Verderben anheimgegeben hat.

Ja alle, die schuld sind, daß dieses so gekommen ist, daß es nunmehr zweierlei Menschen gibt auf Erden: Gottlose, recht Gottlose, und Gute, aber auch recht Gute. Die Gottlosen das sind alle diejenigen, die nicht mehr an Mich glauben, mögen sie nun im Reichtum stehen und schwelgen in den Gütern der Erde. Die Gottlosen sind aber auch die Armen, die sich haben verführen lassen, die jetzt nicht mehr an einen Gott glauben wollen, weil sie hinaufschauen zu dem gottlosen Reichen und dessen Güter sich aneignen wollen, und weil sie dieses tun wollen und Ich die Zehn Gebote gab, darum verwerfen sie Mich, sie wollen Mich hinausschaffen aus den Herzen der Menschen. Diese sind es, die Ich noch retten will, und um derentwillen Ich den Liebesbund gründen will. Ihr alle, ihr alle sollt einstehen für den Liebesbund, für diese eure Brüder. Ihr alle, die ihr dem Liebesbund angehört, ihr sollt sie Mir wieder zuführen, dieses arme gottlose verführte Geschlecht, das da steht unter den Reichen, um das Brot zu verdienen, das nur arbeiten muß, um die Güter der Reichen zu mehren.“

Barbara: „Mein Jesus, sieh doch. Es wenden sich so viele Menschen mit allerlei Bitten an mich, sie sind so bedrängt und haben so viele Bitten. O ich bitte Dich, lindere doch den Armen, den gläubigen Menschen die großen Leiden, womit ihr Herz bedrängt wird. Siehe, diejenigen, die an Dich glauben, die auf Dich hoffen und vertrauen und Dich lieben wollen, wenn sie gar so sehr bedrängt sind, vergessen sie, Dich zu lieben. Sie können die Hand nicht küssen, die sie so sehr schlägt. O erbarme Dich ihrer aller! Ich bitte Dich für die Bedrängtesten, die so wenig zeitliche Güter besitzen, daß sie ihr Brot mit der Hände Arbeit verdienen müssen, und denen Du Leiden schickst und sie so hinderst, ihr Brot zu verdienen. O nimm Dich auch Frau N. an und verschaffe der Tochter doch eine Stelle, wo sie Dir besser dienen kann.“

Jesus: „Sage ihr, dieser Meiner Dienerin, daß sie auch dereinst glänzen soll am Sternenhimmel der Kirche, und da muß Ich sie mit Leiden bedenken, und sage ihr aber auch, daß sie noch viel abzulegen hat, und daß ihre ganze Familie sehr an einer geistigen Krankheit leidet, die Ich stutzen und beschneiden muß, nämlich: den Stolz. Sie erkennt dies nicht und auch ihre ganze Familie nicht, weil es im tiefinnersten Herzen verborgen ist, aber Ich will diesen Fehler herausarbeiten, weil Ich Meine Freude habe an dieser Familie und will sie retten und dereinst vielen anderen vorstellen. Darum soll sie zufrieden sein mit ihrem Schicksal und nur aufschauen auf das Kreuz, und sie alle werden gerettet durch das Kreuz, das Ich in ihre Mitte gestellt. N. aber soll doch zufrieden sein. Wie oft habe Ich schon gesagt, wo Meine Liebe waltet, wo Mir gedient wird, da ist nichts zu fürchten. O wie kleinlich sind doch die Herzen der Menschen. Sage ihr nur, sie soll doch diese Kleinlichkeit ablegen, diese Ängstlichkeit. Was soll Ich ihr denn noch schmeicheln?

Genügt es ihr nicht, wenn Ich ihr sage, daß Ich zufrieden bin, daß sie nur arbeiten soll, aus sich herausgehen und an andere denken, und Mir Kinder gewinnen, Seelen zuführen, und da muß sie doch leiden, ein bißchen Leiden muß Ich ihr doch lassen. Das ist die Ängstlichkeit und die Furchtsamkeit, sie möge Mir nicht genug dienen. Ja, ja, der Rückblick auf sich selbst ist immer das beste Mittel zur Demut, sich zu verdemütigen. Und mit dem Menschen steht es gut, der immer noch glaubt, nichts getan zu haben, der sich immer noch fürchtet, Mir zu mißfallen, wenn er alles getan hat.“

Barbara: „Mein Jesus! Du hast mir auch versprochen, daß ich heute die Hauptgnade von Dir erlange, einen Einzug zu sehen in den Himmel von solchen Seelen, die in dieser Woche des Großen Gebetes ihre Seligkeit gewinnen und aus dem Fegefeuer befreit werden. Mein Jesus! O ich bitte Dich darum!

Liebe Mutter! All die Vaterunser und Ave, die in dieser Woche aus den Herzen aller Menschen emporgestiegen sind, opfere ich Dir durch Deine Hände der Allerheiligsten Dreifaltigkeit auf, Dich demütig bittend, Du wollest uns für jedes Ave und jedes Vaterunser eine Arme Seele schenken. Es wäre freilich zuviel verlangt zu bitten, uns so viele Arme Seelen zu schenken als alle Menschen zusammen gebetet haben, das kann ich nun doch nicht verlangen. Du hast aber gesagt, man soll sein Herz erweitern, vieles und großes verlangen. Gib sie mir, das ganze Fegefeuer. Du hast soeben gesagt, daß Du, o mein Jesus, zufrieden seist, daß sie so einmütig und fromm gebetet hätten, besonders in der letzten Stunde, wo die armen Dienstmädchen, Arbeitsleute und Hausfrauen, die den Tag über keine Zeit hatten und dann so fleißig gebetet, Dir so wohlgefielen.

Siehe, das alles opfere ich Dir auf durch die reinsten Hände Deiner Mutter, und um derentwillen bitte ich Dich um viele Armen Seelen, besonders N. und auch N. O schenke sie uns alle! O ihr heiligen Schutzengel, deren Schützlinge sich im Fegefeuer befinden, alle die Armen Seelen dieser Stadt, für die so fleißig gebetet worden ist. In Vereinigung mit Jesus, den ich am Mittwochabend Seine Arme ausbreiten sah, um alle Seine Kinder an Sich zu ziehen, ich will in Vereinigung mit Ihm, Der da jetzt in mir und mit mir ist, sie euch allen entgegenstrecken, um euch die Verdienste Jesu Christi durch die Hände Seiner Mutter zu übermitteln. Alle die heiligen Messen, die gelesen werden, die heiligen Kommunionen, die empfangen werden, die priesterlichen Segen, die frommen Gebete der Gläubigen, die guten Vorsätze und Entschlüsse und Opfer, die fromme Seelen gebracht, indem sie Stunde um Stunde bei Dir knieten unter Fasten und Tränen und Bitten, alle diese guten Werke opfere ich Dir auf, o himmlischer Vater, durch die reinsten Hände der allerseligsten Jungfrau Maria, für diese Armen Seelen der Stadt Mainz und von R. und S., der ganzen Diözese Würzburg und auch N.

Wenn aber von anderen Ländern Seelen befreit werden sollen, überlasse ich alles Deiner lieben Mutter. Möge Sie jene Seelen herausführen, die Sie zuerst befreien will. Du kennst all die frommen Wünsche Deiner Kinder. Segne alle, die Du uns zugeführt, denn eine ganz besondere Gnade hast Du über alle die ausgebreitet, die sich uns anschließen. Du hast zur heiligen Gertrud gesagt, daß Du alle erhören wollest, die sich mit Vertrauen an Dich wenden, und weil Du ja doch geruhst zu verkehren mit uns armen Kindern, mußt Du auch ganz besonders segnen und mit Segen alle erfüllen, die sich uns anschließen. Darum erfülle alle die frommen Wünsche derer, die sich an uns wenden.“

Und ich sehe eine große Schar. Es sind die heiligen Schutzengel, die sich ihre Schützlinge auswählen, welche die Gnade erlangen, um des Gebetes der frommen Seelen willen aus dem Fegefeuer befreit zu werden.

Maria: „Ja seht, wie gut es ist, sich recht zu beteiligen an solchen heiligen Zeiten.“

Bei denjenigen Familien, die sich recht anschließen in dieser Woche an das Große Gebet, sehe ich, wie ihre Angehörigen zuerst befreit werden. Mein Jesus, ich sehe Familien, deren Mitglieder im Fegefeuer sich befinden, die aber um des Gebetes ihrer Angehörigen willen heute befreit werden, die sich anschließen durften.

Barbara: „O ich danke Dir, liebe Mutter, ich danke Dir für Deine Liebe und Güte.“

Es ist wie ein großer freier Platz, wie der Markt, so sehe ich sie alle aufgestellt. Der heilige Erzengel Michael und die Himmelskönigin ziehen voraus, und die lieben heiligen Engel, jeder einen Schützling an seiner Seite, ziehen mit, gerade so wie ich gesehen, als der Erzbischof N. in den Himmel einzog. Wie ich dessen Zug neulich geschaut habe, so ähnlich ist auch jetzt der Zug. O glückliche Seelen, vergeßt uns nicht! O wie glücklich sie sind! O glückliche Seelen! Darum fürchtet euch nicht, fürchtet euch nicht, ihr lieben Kinder! Er hat uns wahrhaftig nicht erschaffen, um uns zu verderben. Seht, sie alle waren, was wir jetzt sind, wir alle. Auch sie haben nicht anders gelebt und sie waren Menschen, und jetzt immer und ewig diese Glückseligkeit, dieser Austausch von Freude und Friede. Noch einen letzten Blick!

Barbara: „O Herr, jene bitten Dich, Du mögest ihnen doch im kommenden Sturm die Gnade verleihen, nicht aus ihrem Haus vertrieben zu werden.“

Jesus: „Seid nicht gar zu kleingläubig! Wer auf Mich vertraut, wird nicht zuschanden werden. Ich habe euch ein Vorbild gezeigt bei der letzthin verflossenen Wahl. Und nun lebt wohl, Meine Kinder, und freuet euch! Freuet euch mit Mir, denn auch Ich bin sehr getröstet und recht zufrieden. So müßt auch ihr tun, ihr müßt zufrieden sein mit dem wenigen, wie auch Ich es tun muß mit Meinen Kindern. Gar vieles bleibt zu wünschen übrig.“

Inhaltsverzeichnis Band 3

251 Dritter Freitag im Juli 1898

„So muß Ich auch strafen, ganz schrecklich strafen und ganze Völker vertilgen von der Erde, um zu zeigen, daß ich Anerkennung und Liebe verlangen muß von Meinen Geschöpfen.“

Lied: Christen schaut ...

Barbara: „O mein allersüßester, liebreichster und holdseligster Jesus, o Du Bräutigam meiner Seele, wie danke ich Dir für all Deine Liebe und Herablassung zu uns armseligen Würmchen. Wer bin ich, daß Du mich heimsuchst? Ich, Staub und Asche, und Du, der allerhöchste Herr, scheust Dich nicht, zu uns zu kommen. Ja komme, o Herr, Deinen Dienern zu Hilfe, komme und reinige mein armseliges Herz von allen Makeln und Flecken, womit ich mich immer wieder und trotz all Deiner Gnaden verunreinigt habe. O verzeihe mir und bedecke alle die Mängel und Fehler, die ich in meiner Schwachheit beging. Wie bereue ich, daß ich immer wieder so armselig bin, da Du doch alles in mir so angelegt hast, daß ich Dir dienen kann. O wie muß ich Dir danken, daß Du mich in eine Familie hineingesetzt hast, die alle nach der höchsten Vollkommenheit streben; sich nicht zufrieden damit geben, die Gebote Gottes zu beobachten, nein, die sich vielmehr auch bemühen, Dir wohl zu gefallen und nach Heiligkeit streben, wie mir mein Beichtvater selbst zugestand. Nur deswegen habe ich das große Glück, mit Dir verkehren zu dürfen, denn da Du mich in eine Familie gestellt hast, die beständig gegen Dich arbeitete, wie es von Anfang an hier war, weil sie nicht nach Vollkommenheit strebten, so wäre es unmöglich, mich Dir hinzugeben. So aber, weil Du sie bekehrt und an Dich gezogen hast, ist mir das größte Glück zuteil geworden, mich ganz Dir hingeben zu können. O nimm mich hin, Du Held der Liebe, Du mein Leben, meine Welt. Und wenn auch alle Menschen nur mit Verachtung mich ansehen würden, ich würde alles nicht beachten und darüber hinweggehen, weil Du mich dorthin geführt hast.

Ich danke Dir für die große Gnade, daß Du uns zusammengeführt hast zu einem Bund. Ich bitte Dich für alle jene, die sich uns anschließen, daß Du sie durch die Schriften und dadurch, daß sie glauben, daß Du ein so großer Gott bist und Dich der armseligen Werkzeuge bedienst, um den Menschen Beweise Deiner Liebe und Barmherzigkeit zu geben, in der Liebe zu Dir befördert werden und in Abscheu gegen die Sünde. Im Namen aller derjenigen, besonders aber meiner Beichtväter, die mir förderlich sind im Guten, danke ich Dir und empfehle sie Dir ganz besonders. O ihr lieben Heiligen Gottes, mit denen ich das Glück habe, auf eine innige, geistige Weise zu verkehren, die ihr mir schon so schöne Belehrungen gegeben habt, euch alle bitte ich, Fürsprache einzulegen für meinen Beichtvater, meinen Bischof, meinen Pfarrer und alle Vorgesetzten und auch die Priester meiner Heimat, die es so glaubwürdig aufnehmen, und die so eifrige, fromme Priester sind, weil sie sich erbauen können an ihren guten, treuen Schäflein, den Christen meiner Heimat. Ich danke Dir, mein Jesus.

Wie wahr ist es doch geworden, was Du mir alles versprochen hast. Wie hast Du mich doch überzeugt und überführt trotz all der Widersprüche, die ich in all den vielen Jahren und Jahrzehnten erduldete, wie hast Du auch alle, die an die Spitze gestellt sind, überzeugt, wie wahr es ist, daß nicht zuschanden wird, wer auf Dich vertraut. O wie müssen alle sehen, welch ein guter Gott Du bist, wie Du Dich der Kleinen annimmst, wie Du das arme Volk retten willst, und daß Du verlangst, daß das gläubige Volk und das Priestertum Hand in Hand gehen, daß die Priester sich nicht schämen, mit dem armen, gläubigen Volk vertraut umzugehen und sie in der Liebe Gottes zu fördern, anstatt zurückzuhalten.“

Jesus: „Seht, Meine Kinder, dies ist es ja, was Ich dich heute lehren will. Wenn Mein Diener, den Ich auserwählte, um der Welt zu zeigen, wie gut Ich bin und den Ich an die Spitze dieser Herde gestellt, Meine Worte nicht beachten wollte, sie vielleicht für zu kleinlich hielt, weil sie gar zu kindisch gesprochen und aufgesetzt sind, ja Meinen Plan gar vernichten wollte, dann hätte Ich ein anderes Mittel in der Hand, um ihn zum Durchbruch zu bringen. Er steht doch in Meiner Gewalt, Ich bin doch der Herr über Leben und Tod.

Er soll wissen, daß er neben seinem Freund stand, als Ich jenen vom Leben abberief und Ich ihm die blühende Gesundheit ließ, den anderen aber abberief, um ihn einzuführen in Mein Reich und ihm die Krone des Lebens aufzusetzen. Ihm aber ließ Ich das Leben. Denn aus der Mitte zweier seiner Freunde stellte Ich ihn hinein in voller Gesundheit, weil er sich seine Krone erst noch verdienen soll.

Er soll Mir eine Krone aufsetzen, indem er nämlich Meiner Kirche eröffnen soll, daß es Mein Wille ist, den Ich ihm durch ein so unmündiges Werkzeug übermittele, die öftere Kommunion einzuführen in der ganzen Welt, in der ganzen heiligen katholischen Kirche. Denn Ich weiß kein anderes Mittel mehr, um die Menschheit zu retten, als dieses eine noch, daß Ich die guten, die treuen Seelen zusammenschare zu einem Häuflein, das durch die beständige Vereinigung mit Mir nicht mehr abweichen soll vom rechten Weg.

Ihm habe Ich die Aufgabe gesetzt, mit aller Entschiedenheit mit seinen Mitbrüdern, den Bischöfen der katholischen Kirche, in Gemeinschaft mit dem römischen Papst, den Mächtigen dieser Erde Meine Strafgerichte anzukündigen, falls sie nicht damit einverstanden sind, Meine Kirche zum Sieg zu führen. Nicht nur ein Land ist bedroht, nicht nur eine Stadt, nein, die ganze große Gesellschaft der Menschheit von Nord bis Süd und von Ost bis West. Besonders aber wird Europa eine Stätte der Verwüstung und der Greuel werden, weil alle sich erhoben haben, um die Ordnung umzustürzen. Die Ordnung aufrechterhalten kann nur ein Volk, das vom Glauben an einen Gott beseelt und aus Liebe zu Ihm bereit ist, Opfer und Marter zu erdulden.

Deswegen, als die Welt gesündigt hatte und die Völker schon weit vermehrt und ausgebreitet waren, aber auch ausgebreitet und versunken in Laster, da erwählte Ich Mir ein Volk und scharte es zusammen zu einem kleinen Häuflein. Es war und ist das auserwählte israelitische Volk, mit dem Ich dann vertraut redete, wie Ich jetzt mit dir rede, Meine Kleine. Und wie Ich jetzt durch diese zu dir rede, du Mein Diener, du Bischof von N. So wie aber das Volk ausartet in allen Schichten der Gesellschaft, wenn es erst einmal vom rechten Weg abgewichen ist, so muß Ich auch strafen, ganz schrecklich strafen und ganze Völker vertilgen von der Erde, um zu zeigen, daß ich Anerkennung und Liebe verlangen muß von Meinen Geschöpfen.

Ein Zeugnis habe Ich euch gegeben in Sodom und Gomorrha. Wie Ich dort nur Lot und seine Familie herausführte aus dieser gottlosen Stadt, so werde Ich Meine Auserwählten beschützen und um ihretwillen Mein Reich fortbestehen lassen. Ich will, daß die menschliche Gesellschaft bestehen soll so, wie Ich die Ordnung einst eingeführt habe. Denn als Ich Mir das auserwählte Volk erwählte und ihm Meine Gesetze gab, da führte Ich mit diesen Gesetzen auch eine ganz neue Ordnung ein in der menschlichen Gesellschaft, sonst hätte Ich ja nicht die Zehn Gebote auf dem Berge Sinai zu geben brauchen. Die Gebote, die Ich gab, waren nur dazu bestimmt, um die menschliche Gesellschaft und in ihr die Ordnung aufrechtzuerhalten. Reich und arm muß und soll bestehen, solange die Welt steht; denn der Mensch hat seinen freien Willen, und der eine benutzt seinen freien Willen so und der andere anders. Nicht alle Menschen sind gleich gesinnt in der Schöpfung. Gleiche Gesinnung herrscht nur einmal, wenn die Schöpfung zurückgetreten sein wird, wenn sie nicht mehr sein wird, wenn alle in die Vereinigung mit Mir eingegangen sind. Wie nun im ganzen Alten Bund Ordnung herrschte in der Gesellschaft, warum denn nicht noch mehr im Neuen Bund? Es bestand da der Herr mit dem Knecht, der Reiche mit dem Armen, und immer war es so, daß der Arme darben mußte, während der Reiche im Überfluß genoß.

Und doch kam Ich in die Welt hinein, nicht um diese Gesetze aufzuheben, sondern um sie zur Vollkommenheit zu bringen. Ich wollte keineswegs die Gesetze aufheben, daß der Arme so sehr darben mußte – besonders in der Zeit, wo Ich in die Welt hereintrat, denn da verhungerten die Armen und herzlos war der Reiche, herzloser als je in der Weltgeschichte –, und doch kümmerte Ich Mich wenig darum, diese Ordnung zu ändern. Meine Aufgabe war vielmehr, dieses Gesetz zur höchsten Vollkommenheit zu bringen, indem Ich Selbst arm war, arm geboren, hungern und darben wollte. Vierzig Tage lang fastete Ich in der Wüste, und die Schrift sagt von Mir, daß Ich heftig hungerte, um den Armen zu zeigen, wie sehr Ich die Armut liebe und hochschätze.

Hätte Ich diese Ordnung aufheben wollen, wäre Ich im Palast geboren worden. Und Ich hätte diesen Palast sodann Meinem armen Bruder übergeben, der in der elenden Hütte gewohnt, hätte ihn heraufgezogen zu Mir, um so die Welt zu belehren, daß es keine Armen mehr geben dürfte, sondern daß alle Menschen von jetzt an in Palästen leben sollen. Nun aber sage Ich, so wie Ich im Alten Bund schrecklich strafte, wenn das Volk Mich vergessen hatte, und als Ich Selbst unter den Menschen erschien, doch diese Ordnung nicht aufheben wollte in der menschlichen Gesellschaft, sondern sie vielmehr zur höchsten Vollkommenheit bringen wollte, so will Ich jetzt, wo die Welt so gottlos geworden ist – und dies geht nicht anders als durch den Glauben an Mich, der da niedergelegt ist in Meiner heiligen katholischen Kirche –, diese Ordnung aufrechterhalten und wiederherstellen und zur höchsten Blüte bringen.

Dem Bischof in Verbindung mit dem Papst, ihnen allein ist die Ordnung in die Hände gelegt; denn sie besitzen Meine Macht, und diese können sie nur ausüben durch einen kindlichen, demütigen, einfachen Glauben, indem sie sich in Verbindung setzen mit den guten, gläubigen Christen und durch Gebet und Tränen sich vereinigen zu einem Bund, vor die Mächtigen der Erde hintreten und ihnen Meinen Plan vorlegen, den Ich mit der menschlichen Gesellschaft vorhabe. Für was kritisieren? Nimm und lies und überlege, Mein Freund, ob Ich dir ein sichereres Zeugnis geben könnte, als Ich es dir hier gebe, daß Ich es bin, Der zu dir spricht. Da es dir so kleinlich vorkommt, mußt du wissen, daß Ich zu den Kleinen und zu den Armen Mich deshalb so herablasse, weil sie Meine liebsten Kinder sind. Du sollst aber auch wissen, daß Ich diesem unwürdigen Werkzeug, das Ich dir hier gegeben, Mein Auge zugewendet habe, da es Mir nun einmal gefiel, sie vielen anderen vorzuziehen und mit ihr zu verkehren, weil sie Mir ein gutes Herz entgegenbrachte. Du aber, Meine Kleine, fürchte dich nicht.

Sieh, wie Ich all deinen Wünschen entgegenkomme, so werde Ich, wenn man auch noch so sehr dich tadelt, verlacht und verspottet, ferner deinen Wünschen entgegenkommen. Auch wenn man behaupten sollte und wollte, es sei nur dein Wille, und du wolltest das alles so und hättest es gerne so, dann ist es doch immerhin ein Zeichen von einem guten Herzen, wenn es andere glücklich zu machen wünscht, weil es selber glücklich ist. Ein verdorbenes Herz kann seinem Mitmenschen nichts Gutes gönnen, es freut sich vielmehr, wenn es seinem Mitbruder schlecht geht. Sieh doch, als du einmal bei deinem Beichtvater den Wunsch äußertest, du hättest so gern den Kreuzweg eingeführt in deiner Dorfkirche, wie Ich doch bald deinen Wünschen entgegenkam, weil Ich wußte, daß niemand den Kreuzweg eifriger betete als du. Ist dies nicht ein Zeichen, daß dein Wille Mein Wille, und daß du willst, was Ich will, Ich aber auch tue, was du willst?

Merkt es euch, ihr Großen! Nehmt euch ein Beispiel an den Kleinen, an den Unmündigen.

Als du ferner wünschtest, daß Mir ein neuer Thron aufgerichtet werde in deiner armen Dorfkirche, keiner Meiner Diener hatte es gewagt, daran zu denken, einen neuen Tabernakel zu errichten, weil dein Dörfchen und Kirche gar zu arm sind an Mitteln und sie selbst, die armen Priester, dort darben müssen, kam Ich deinem Wunsch zuvor und gab dir die Mittel in die Hand.

Und sieh, wie beharrlich Ich es durchgeführt habe um der Anregung willen, die du gabst, einen Meiner Diener beständig zu haben. (Der Herr bezieht Sich darauf, daß früher die beiden Dörfchen Rück und Schippach keinen eigenen Pfarrer hatten, jetzt aber eine Kuratie zustande gekommen ist, so daß sie einen eigenen Geistlichen haben und den gläubigen Dorfbewohnern dadurch große Erleichterung beim Empfang der heiligen Sakramente gewährt wird.)

Und: habe Ich nicht allen deinen Wünschen die Krone aufgesetzt? Wie oft wünschtest du und trautest dich nicht, deine Gedanken auszusprechen, und Ich kam deinem Wunsche zuvor, und eher als du es ahntest, hast du jetzt in deiner Heimat alles, was du einst gewünscht. Siehe, um deines Gebetes willen bin Ich all deinen Wünschen zuvorgekommen und habe Ich auch einen ständigen Priester in deine Heimat geschickt, dein armes Dörfchen erhoben, daß es beständig einen Priester im Dorf hat. Du aber mußtest das Opfer bringen und deine Heimat verlassen; denn hättest du es nicht verlassen, hätte Ich Meinen Plan nicht ausführen können, den Ich mit dir vorhabe, weil durch dich viele sollen zur Gottesliebe angefeuert und entflammt werden. Kein Priester hätte den Mut gehabt, es durchzuführen.

Deswegen habe Ich dich in eine Bischofsstadt geführt, wo der Bischof in der Nähe ist, damit er um so leichter Kunde davon erhalte. Ich will, daß die Welt zurückgeführt werde zu dem alten, guten Glauben. Nicht soll die Welt vom guten Glauben abgebracht werden, wie einige Meiner Diener im vorigen Jahr und in den letzten Jahrzehnten meinten und wie sie sagen, man müsse mehr mit der Welt sich halten und es sei nicht mehr an der Zeit, vom Wunderglauben zu reden. Auch die guten Christen glaubten nicht mehr daran. Besonders die Reichen, die seien aufgeklärt und verlautbarten gar, man wisse jetzt, woher der Wunderglaube stamme und woher alle diejenigen stammen würden, die mit Gott in Verbindung stünden. Letztere seien nur eine Art hysterischer Personen, von einer Krankheit befallen, die nur zuviel beteten.

O weh, ihr Meine Diener! Ist dies das Goldene Zeitalter, das solche Dinge erzeugt, daß auch die besten Meiner Kinder vernichtet werden sollen? Ich warne euch alle, die ihr zu der Würde erhoben seid, Meine Nachfolger zu sein, ihr alle, die ihr das Glück habt, andere zu leiten und Mir zuzuführen, vor solch gefährlichem Spiel. Spielt nicht mit der unsterblichen Seele! Nehmt das Evangelium in die Hand und lest und studiert, wie einfach und kindlich Ich mit dem armen Volk umging. Lest aber auch nach und schlagt die Blätter um, wieviel ihr suchen müßt, wieviel ihr nachschlagen müßt, bis ihr wieder einmal eine Stelle findet, wo ein Reicher und Gelehrter Mir nachgefolgt ist und Meine Worte beachtete. Immer und immer lest ihr, daß das arme Volk sich an Mich anschloß, von einzelnen Fälle ausgenommen. Welche Mühe kostete es Meine Apostel, um die Völker in Athen und in den gebildeten Städten der Römer, der Griechen zu bekehren. Welche Mühe hatte es sie gekostet, sage Ich. Und doch unterwarfen sie sich, diese gelehrten Völker, dem einfachen, kindlichen Glauben Meiner Apostel. Aber warum denn? Nicht, weil sie in gelehrten Worten Meine Religion lehrten, sondern weil sie einfach und kindlich glaubten, einfach und kindlich lehrten. So aber auch, Meine Tochter, wie Ich es damals durchführte – und dir jetzt nur sagen will und Ich dir zeigen will, wie Ich deine Wünsche erfüllt habe in deiner Heimat –, so werde Ich durchführen, was Ich jetzt von dir verlange, auch wenn sich Mir noch so viele entgegenstellen.

Die Priester deiner Heimat waren dieser Aufgabe nicht gewachsen; sie sollten sie nicht durchführen deswegen, weil sie sich doch Meinem Willen entgegensetzen, den Ich ihnen durch dich kundgab, daß es nicht erlaubt sei, eine Seele, die Mich sucht und sich alle Mühe gibt, Mich zu finden, so zu behandeln, wie man dich behandelte in deiner Heimat. Kein Priester hat das Recht, eine Seele zu tyrannisieren, die sich redlich abmüht, um ihres Glaubens willen. Deswegen entriß Ich dich ihnen. Ich will aber auch zeigen, wie gut Ich bin, und daß Ich alles zum besten zu lenken weiß, auch das, was scheinbar böse ist, doch gut ist für diejenigen, die Mir treu bleiben in all den Bedrängnissen dieses Lebens. Und deswegen führte Ich dich hierher und gab dir, was du wünschtest, Mich Selbst. Ist das nicht das größte Glück? Du hast nun bekommen, was ein Christ nur verlangen kann, du empfängst Mich täglich in der heiligen Kommunion.

Aber damit auch keine Seele irre werden soll in diesem Leben, so will Ich ferner zeigen, daß, wenn eine Seele auch alles das erlangt hat und scheinbar zur Ruhe gekommen ist, sie doch keine Ruhe findet, sie kämpfen muß so lange, bis sie eingegangen ist in jenes Reich, wo es kein Kämpfen mehr gibt. Deshalb mußt du jetzt weiter leiden, weiter fühlen das harte Joch, das da lastet auf den Kindern Adams. Du mußt den Kampf führen zwischen Meinen Dienern und für alle guten, treuen Kinder der katholischen Kirche. Fürchte dich aber nicht. So siegreich und so gewiß Ich dir das, was du jetzt mit Augen siehst, gegeben habe und das doch dich in deiner Heimat auch Opfer kostete und viele Tränen, so gewiß werde Ich durchführen, was Ich jetzt von dir verlange.

Das alles war nur ein Vorspiel, um den Menschen zu zeigen, daß Ich nicht nur die Seele, die Mir treu dient, ewig glücklich machen will, daß Ich sie nicht vom rechten Weg abirren lasse, sondern daß Ich dem leisesten Wunsch ihres Herzens entgegenkomme und ihn erfülle. Harret aus, Meine Kinder, harrt aus in all den Trübsalen, die da noch kommen werden.

Herrlich ist die Krone, die denjenigen bereitet ist, die da gesetzmäßig gekämpft haben, mag es nun sein, in welcher Art Ich auch immer an den Menschen herantrete. Mag es sein, was es will, wenn es zu Meiner Ehre gereicht, dann ist es ein Kampf für Mich. Mag nun der Mensch hinausziehen in fremde Länder als Missionar, um die Menschen im Glauben zu unterrichten, mag er im eigenen Vaterland stehen und seine Brüder unterrichten und Mir zuführen; mag es ein armes Dienstmädchen sein, das Ich hineingestellt in eine Familie, das da aber kämpft und ringt für Meine Ehre, allen diesen ist die Krone bereitet, eine überaus herrliche Krone, denn sie kämpft ja für Mich, und der Siegespreis, um den sie kämpft, ist ein unendlich großer.

Darum, wer es wagen will, eine Seele zu verderben, zu verlachen und verspotten, die den Mut hat, für Mich zu leiden und zu opfern, die den Mut hat, ihren Glauben vor allen Menschen offen und frei zu bekennen, von diesem werde Ich einstens strenge Rechenschaft verlangen. Ich bin der Vater aller Menschen und liebe den Armen, der im letzten Winkel der Erde lebt, der aber seine Pflicht erfüllt gegen Mich, gegen sich und seine Mitmenschen, gerade so wie denjenigen, den Ich auf den Stuhl Petri erhob, denn nicht der Mensch hat das Verdienst, dessen er vor seinen Mitmenschen scheinen kann, sondern alles Verdienst ist in Meiner Hand. Ich habe den Menschen erschaffen, den einen wie den anderen, und daß der eine arm oder der andere auf einem fürstlichen Thron sitzt, ist nicht sein Verdienst, nicht seine Sache. Darum hat auch niemand das Recht, eine Seele zu verachten und zu verspotten, deren Streben man nicht kennt. Eine Seele, die Mir dient, ist Königin vor dem ganzen himmlischen Hof, mag sie sein im armen, grauen Kittel oder im seidenen Gewand.

Denen aber, die Ich mit Leiden bedacht, sagt nur einen herzlichen Gruß. Derjenigen, die deine Schwester Mir anempfiehlt – und so gibt es gar manche Seelen in der Welt, die mit Leiden bedacht an das Krankenbett gefesselt oder von Kummer niedergebeugt sind unter Sorgen und Mühen –, sagt, wie gut Ich bin, daß diejenigen, die Ich auf das Krankenbett niedergeworfen, Tag und Nacht an Meinem Herzen ruhen, daß Ich ihnen den Kuß des Friedens aufdrücken werde, wenn sie eingehen werden in Meine ewige Herrlichkeit. Sagt auch, daß sie, wenn sie ihre Leiden Mir zuliebe mit Geduld ertragen, alle ihre Fehler abgebüßt sind hier auf Erden und somit, ohne die Qualen des Fegefeuers empfinden zu müssen, eingehen werden in Meine Herrlichkeit. Welch ein Trost für alle Leidenden! – Ich, die ewige Wahrheit, habe dieses zu euch gesprochen!

Als Ich am Kreuz verschied in den unendlichen Schmerzen und Qualen, da hing neben Mir ein Verbrecher, der sein ganzes Leben in Sünden und Lastern zugebracht hatte, der sich aber reumütig an Mich wandte und Mich um Verzeihung bat. Und sofort ging er mit Mir ein in die ewige Herrlichkeit. Dieses ist wahr und es steht Mir frei zu tun, was Ich will. Denn alle Geschöpfe sind Mein, und was Ich in Meiner Hand habe, hängt von Meinem Willen ab. Das gilt von euch allen, und ihr alle seid in Meiner Hand. Fürchtet euch also nicht, wenn Ich euch sage, daß ihr ohne Fegefeuer eingehen werdet in den Himmel.

Wozu noch Klagen, wozu noch das unnütze Stöhnen, wenn Ich es dem einen so, dem anderen wieder anders bereitet habe. Wenn Ich diesen zu harter Arbeit verpflichtet, den anderen an das Krankenbett angekettet; diesen auf den Predigtstuhl, einen anderen an den Pflug, diesen an den Bettelstab, jenen auf den Königsthron gesetzt habe. Sie alle habe Ich in der Hand, sie hängen ab von Meinem Willen. Aber einmal kommt die Zeit, wo sie alle gleich sein werden, wo der König neben dem Bettler stehen wird; der Kirchenfürst, der auf dem bischöflichen Stuhl sitzt oder auf dem Stuhl Petri, neben dem armen Dienstmädchen, das die Ecken des Hauses hüten und zufrieden sein mußte mit dem Dachkämmerchen.

Darum merkt euch, wenn Ich eine Sprache rede durch eine Person, die niemals sich in politischen noch in theologischen Schriften geübt, die niemals nachgedacht, was aus der Kirche werden wird, wenn die Welt gottlos geworden ist, und Ich in einem Augenblick sie zurückrufe und Ich durch sie solche Worte spreche, die nur von geübter Zunge können gesprochen werden, dann mußt du wissen, Mein Freund, daß Ich es bin, und daß Meine Worte wahr werden, und daß Ich sie, wenn du sie verschmähst, doch werde durchdringen lassen in der Weltgeschichte. Ich werde tun, was Ich dir in dieser Erzählung gesagt.“

Barbara: „Ich bitte Dich ganz besonders für meinen Beichtvater. Er liest nicht die Schriften und stellt sich immer so, als glaube er nichts. Ich bitte Dich, ich stehe doch unter seiner Leitung und fürchte mich auch, mich wieder einem anderen zu unterwerfen. Nein, ich fürchte mich nicht, wenn er fortgeht, es ist mir ganz gleichgültig. Aber doch wäre es mir lieber, obwohl er so kalt sich mir gegenüber verhält und ich nichts an ihm habe. Solltest Du ihn von mir fortnehmen, so gehe ich zu einem anderen Pfarrer. Läßt Du ihn aber hier, wäre es mir schon lieber, weil er alles von mir weiß, wenn er auch nichts darauf gibt. O liebe Mutter, darf ich darum bitten, daß er hier bleibt?“

Maria: „Du hast es ja schon gehört.“

Barbara: „Gelobt sei Jesus Christus.“ Barbara ängstigte sich dieser Tage durch Bemerkungen anderer, daß das viele Gebet nicht gut sei, ob sie nicht doch am Ende zu viel Zeit versäume. Da sagte der Herr:

Jesus: „Fürchte dich nicht, ängstige dich nicht, das kommt daher, weil in dieser Zeit auch in den besten Kindern der Kirche ein solcher Weltgeist eingedrungen ist, daß sie nichts mehr davon halten, Gott zu dienen! Ein heiliger Nikolaus von der Flüe war doch ein Mann mit zehn Kindern, und doch hat er alles im Stich gelassen, um nur Mir zu dienen. Auch ihn hat man getadelt, doch hatte die Welt eine solche Ehrfurcht vor solchen Personen, daß man sich nicht getraut hätte, den Tadel auszusprechen. Der Gottesdienst war ihm doch das Liebste, das Streben nach zeitlichen Gütern ist doch nur für die Welt, und wenn sie auch meinen, sie wollten damit Gottes Ehre befördern. Es braucht sich niemand darüber zu sorgen, daß zu viele sich anschließen und zuviel gebetet werden könnte.“

Inhaltsverzeichnis Band 3

252 Vierter Freitag im Juli 1898

„Besser ist es aber, tausendmal besser, sich zurückzuziehen von der gottlosen Welt, um sich ganz dem Dienst Gottes weihen zu können.“

Lied: Selig sind, die arm im Geiste ...

Barbara: „Ich danke Dir, o mein liebster Jesus, o Du Bräutigam meiner Seele! Ist es möglich, daß Du Dich würdigst, herabzusteigen zu mir armen Sünderin? In dieser Woche wurde Dir nicht gedient, mein lieber Jesus. Siehe, mit welcher Ängstlichkeit ich die ganze Woche zugebracht habe, und doch wollte ich Dir gefallen, Dir dienen und nur Dich suchen. Aber Du hast Dich mir verborgen. Wo warst Du, mein Geliebter? O wie armselig ist dieses Leben! O ich wünschte mir, befreit zu sein von dem Joch dieses Leibes, eingegangen zu sein in die ewige Ruhe, wo ich nicht mehr gestört werde, sondern im Frieden sein werde mit Dir, mit mir und allen Menschen. Verzeihe mir, wenn ich Ursache dieses Unfriedens gewesen bin, der in dieser Woche in diesem Hause geherrscht.

O liebe, heilige Maria Magdalena. Ich grüße dich durch das allersüßeste Herz Jesu Christi, meines himmlischen Bräutigams. O rede du mit mir, ich fürchte mich heute, mit meinem Herrn reden zu müssen. Rede du, meine liebe Schwester, denn gar zu unwürdig bin ich. Ich habe gesündigt, meinen bösen Neigungen nachgegeben, meinen Willen nicht genug dem heiligen Willen Gottes unterjocht. O wie bereue ich alle Sünden meines ganzen Lebens, aber besonders die Sünden, an denen ich noch hänge und von denen ich befreit sein möchte. Liebe heilige Maria Magdalena, o bitte du für mich! Ich danke dir, liebe heilige Maria Magdalena, für die Gnade, die du mir erwirkt. Magdalena: „Meine liebe Schwester! Unter meinen drei Geschwistern hatte ich meinen Herrn am allermeisten beleidigt und gekränkt. Als ich aber einmal angefangen hatte, mein Sündenelend einzusehen und wer Derjenige ist, Der in unser Haus kommt, in das Haus meiner lieben Geschwister, da wandte ich mich mit ganzer Seele Ihm zu. Ich vergaß alles, was um mich her vorging. Ich vergaß aber auch mein Jugendleben, ich verwarf es, und wenn Er eingetreten war in dieses Haus, das meinen lieben Geschwistern gehörte, dann tat ich es allen anderen zuvor. Sie sorgten noch mehr für Ihn, waren bekümmert, Ihm auch alles erdenkliche an äußeren Diensten zu erweisen, Ihm sich gefällig zu erweisen, durch Bedienung, durch Unterhaltung und anderes, wie mein Bruder es tat, und so allerlei Erkenntnis Ihm zu erzeigen. So bemühten sich beide, wenn Er Sich würdigte, uns zu besuchen. Ich aber setzte mich zu Seinen Füßen nieder und übergab Ihm meine Seele, mein ganzes Herz. Ich hörte Ihm zu, ich sprach mehr im Herzen mit Ihm als mit Worten, wußte ich ja, daß Er mein Inneres durchschaute, und daß Er mehr auf die Liebe des Gebenden schaute als auf die Gabe der Liebe. Verstehst du das, meine Schwester?

Die Liebe der Gebenden ist die Herzensgesinnung, die gute Meinung eines jeden Menschen, der sich entschlossen hat, Gott zu dienen, Ihn zu lieben und Ihm zu gefallen. Die Gaben der Liebe sind aber allerlei Dinge, die ein Mensch hingibt aus Liebe zu Gott, das da sind Almosen, Bußwerke jeglicher Art. Was Ihm unter allen diesen am meisten gefällt, meinem Herrn, ist das Herz, ist das Herz Ihm schenken, Ihm ganz zum Opfer bringen, damit Er in ihm wohne und in ihm schalte und wirke.

Deswegen saß Ich zu Seinen Füßen und hörte aufmerksam auf Seine Worte, um sie alle in mein Herz einzuschließen und in mir zu verwerten. Dieses war es auch, das ich so sehr schätzte, den Wert und das Glück, das in diesem Haus wohnte durch meinen Herrn. Als wir alle flüchten mußten vor der gottlosen Welt wirkten meine beiden übrigen Geschwistern viel in Wort und Beispiel, und erwarben sich dadurch viele Verdienste, weil sie so viele Menschen bekehrten. Auch ich hätte Menschen bekehren können, wenn ich mich darum bemüht hätte. Statt dessen aber riß mich los, um mich ganz allein mit Ihm beschäftigen zu können, um alle die Worte, die ich gehört und in mich aufgenommen hatte, recht zu erwägen und zu beherzigen mein ganzes übriges Leben.

Darum, meine liebe Schwester, und ihr alle, die ihr hier zugegen seid, die ihr das Glück habt, die Schriften, die Worte, die so wichtig sind für das arme Menschenherz, zu lesen und zu studieren, merkt euch wohl, gut ist es, sich dem Dienst an der Menschheit zu widmen, um die Menschen auf bessere Gesinnungen zurückzuführen. Besser ist es aber, tausendmal besser, sich zurückzuziehen von der gottlosen Welt, um sich ganz dem Dienst Gottes weihen zu können. Denn durch diesen Dienst Gottes kann eine Seele, die es recht versteht, mit Ihm umzugehen, der Menschheit mehr nützen als durch alle Werke der Nächstenliebe nach außen hin, weil sie dem Willen des himmlischen Seelenbräutigams entspricht, Der da in den Herzen wohnen will, Der da durch Seelen, die Er ganz in Besitz genommen hat, anderen nützen will.

Du aber, meine liebe Schwester, du darfst nicht müde werden, wenn es auch noch so hart ist, in der Familie zu leben, mit Menschen zu verkehren, die dich auf deine Fehler aufmerksam machen, ihre Fehler aber vergessen. Siehe, dieses alles hat seinen Grund und Ursache, weil du und mit dir viele Menschen gerettet werden sollen. Sie alle sollen wissen, wie gut der Herr ist! Sage es deinen Angehörigen, und alle sollen es wissen, welche die Schriften lesen, daß es nicht jedesmal so gemeint ist, wenn etwas vorkommt, woran andere Anstoß und Ärgernis nehmen und dadurch Uneinigkeiten, Zwistigkeiten, wenigstens in den Herzen der einzelnen Glieder der Familie, entstehen. Dieses ist das Kreuz, das die Menschheit schleppt seit dem Sündenfall Adams, daß sie einander widersprechen. Dies ist so in der Familie, so in den klösterlichen Genossenschaften und überall, wo mehrere zusammenwohnen. Wo jedes seine Gesinnung geltend machen will, auch wenn es die heiligsten Personen sind, da gibt es Widersprüche und Fehler. Durch die Widersprüche entstehen allerlei Unvollkommenheiten und Fehler, die aber durchaus unter Menschen nicht zu verhüten sind, weil sie noch im Fleische leben.

Aber da sollen die Menschen lernen an dir, wie gut der Herr ist, daß nach begangenem Fehler sie sich wieder aufraffen und zu Ihm zurückkehren und Ihm sagen: ‚Mein Gott, ich habe gesündigt, mache Du wieder gut, was ich gefehlt habe.‘ Siehe, dann zerbricht der Mensch das Alabastergefäß, und die Salbe des himmlischen Wohlgeruchs erfüllt das ganze Haus. Dann ist der Eigensinn wieder gebrochen, die Menschen verständigen sich wieder miteinander, und das gute Beispiel des einen zieht viele an und es ist wieder Friede geschlossen in der Familie, in der Genossenschaft, in der menschlichen Gesellschaft. Welches Glück wohnt in diesem Haus, und doch scheint es oftmals, als erkennten es die Bewohner nicht.

Siehe, dies ist aber das Leben der ganzen Menschheit. So war es auch, als ich noch in meiner Familie lebte. Wenn der Herr einkehrte in unser Haus, da freuten sich alle Bewohner desselben, wenn Er aber das Haus wieder verließ, waren wir auch wieder Menschen wie alle anderen Menschen es sind. Deswegen aber strebten wir doch das Gute an und suchten, Ihm zu gefallen. Der Herr, Der gar so lieb und barmherzig zu den Menschen ist, Der sie alle retten will, übersah die Fehler, die Unvollkommenheiten der einzelnen. So tut Er es hier in diesem Haus, und so tut Er es auch in jeder anderen Familie, die mit Gott vereinigt lebt, in deren Mitte der Friede wohnt. Alle acht Tage und manchmal noch öfters, kehrt Er ein in diesem Haus, und doch sind die Bewohner danach wieder unzufrieden und geben ihren Launen nach.

Aber weil sie es einsehen, daß sie armselige, schwache Geschöpfe sind und ihre Fehler gleichzeitig wieder bereuen, vergißt der Herr ihre Fehler und kommt dennoch immer wieder aufs neue zu ihnen. Daß doch die Menschen wüßten um die Sprache der Liebe des Herrn, wie gut Er ist, wie süß Er ist in Seinen Unterhaltungen, in Seiner Gesellschaft, die Welt wäre in ein Paradies umgewandelt. Dies aber ist nicht möglich hier auf Erden, das Paradies ist nur noch aufzurichten in einzelnen Seelen, in einzelnen Familien, wo Gott gedient und wo Er geliebt wird. Die meisten Menschen sind bestimmt, mit den Leidenschaften anderer Menschen zu kämpfen, mit anderen Menschen zusammenzuwohnen und sie zusammenzuhalten in der Liebe Gottes. Einzelne gibt es nur, die der Herr herausgeführt aus der Familie, um sie ganz für Sich zu verwenden.

Dieses tat Er mit deiner Freundin Lieschen. Sie führte Er heraus auf einen hohen Berg, um sie ganz für Sich zu verwenden. Sie ist also bestimmt, mein Leben nachzuahmen, mit Ihm zu verkehren Tag und Nacht, denn Er braucht solche Seelen, die ganz in Ihm aufgehen, um Sich einigermaßen zu entschädigen für den Undank so vieler Menschen, die nur Seiner spotten und lachen, und für die Gleichgültigkeit so vieler anderer, die Ihn zwar noch kennen und lieben, Ihm aber nur soviel dienen, wie es ihnen gefällt.

Du aber und deine Freundin Luise stehen noch in der Gesellschaft der Menschen. Ihr seid bestimmt, noch mehr auf andere acht zu haben, ihren Launen euch zu unterwerfen und ihre Lasten zu tragen, wie sie auch die eurigen tragen müssen. Aber vereinigt euch mit eurer Freundin und mit mir. Ich werde euch beistehen.

Seht, was mich eigentlich befähigte, in dieser Einsamkeit mein Leben zuzubringen, war mein lebendiger Glaube. Die Liebe waren die Flügel, die mich auf den Berg brachten, aber der Glaube war die Wurzel, die mich dort fesselte, um emporzuwachsen bis ins Herz Gottes hinein. Hätte ich im mindesten gewankt im Glauben, wäre es geschehen gewesen um mein Leben, denn ich hatte so viele Versuchungen zu bestehen, daß es kaum einen Menschen geben wird, von Adam und Eva angefangen bis zum Weltende, die so viele harte und schwere Versuchungen zu bestehen hatten wie ich in den Jahren, wo ich mich ganz und gar in diese Höhle zurückgezogen hatte, um nur Gott allein zu gefallen und Ihm allein zu dienen.

Satan trat an mich heran in Gestalt eines alten Mannes und hielt mir vor, ich solle ihm beistehen. Dieses war die Versuchung, mit der er mich beständig an mein Jugendleben erinnerte, an die alten Sünden. Da nahm er die Gestalt eines alten Mannes an, um mir vorzuspiegeln, als sei doch alles umsonst, da ich doch eine so schlechte Jugend vollbracht, niemals werde ich zu einem guten Ziel kommen können. Bald kam er wieder in Gestalt eines Jünglings, um mir die Gegenwart zu verleiden, indem er mich erinnerte an das glückliche Leben, das ich jetzt genießen könnte, wenn ich unter der Gesellschaft von Menschen leben würde, bei meinen Geschwistern oder bei anderen guten Menschen, wo ich doch ein angenehmes Dasein hätte und dabei doch Gott dienen könnte nach Seinem höchsten Willen und Wohlgefallen. Bald nahm er die Gestalt eines Engels an, oder kam mit vielen himmlischen Geistern, es waren aber Geister der Finsternis. Sie sangen mir Lieder vor und lobten meine Tugenden, um mich in Stolz zu bringen und so mit einem Schlag alles zu vernichten, was ich schon jahrelang mir an Verdiensten gesammelt hatte. Doch über alles dieses siegte ich, über alle die Versuchungen in meinem felsenfesten Glauben.

Der Glaube erleuchtete mein Auge, mein Geistesauge, daß ich die Schlauheit des Feindes erkannte, der da alles mögliche aufbot, um mich zu verführen. Endlich hörte aller Kampf auf, und ich lebte nur mehr noch das Leben eines überirdischen, übersinnlichen Menschen. Daran, meine Lieben, müßt ihr euch beständig erinnern. Ihr müßt wissen, daß ihr auch mitten in der Welt auf den heiligen Berg gelangen könnt, auf dem ich mein Leben beschloß. Aber die Versuchungen, die Zweifel und Ängste, die Satan euch beizubringen sucht, die müßt ihr alle niederkämpfen und überwinden, durch einen felsenfesten Glauben.

Wenn er anpocht mit den alten Sünden, mit der Jugendzeit, wo ihr Gott nicht so treu gedient, wie ihr gesollt, dann sagt ihm doch: ‚Schlechter als Magdalena war ich auch nicht, und doch gefiel sie dem Herrn mehr als alle übrigen Menschen ihresgleichen, als sie einmal angefangen hatte, Ihn zu lieben und Ihm zu dienen.‘ Wenn er euch das Leben verleiden will, wegen der Opfer und Mühen, die ihr bringen müßt, Tag für Tag, weil man eurer spottet und sagt: Ja seht, diese Simpel, die immer anderes wollen als wir, die anders beten wollen, die ihre Pflicht vernachlässigen, besser täten sie, wenn sie den gewöhnlichen Weg gingen.

Dann wißt, daß dieser Satan ist, der euch hineinziehen möchte in das Alltagschristenleben. Und doch brauchte zu keiner Zeit die Kirche mehr Seelen, die ein außergewöhnliches, frommes Leben führten, als zur jetzigen Zeit. Schlimmer steht es um eure Zeit als zu der meinigen, wo die römischen Kaiser die ganze Welt beherrschten, alles Heiden. Denn damals strebte der Geist des Menschen noch danach, ein höheres Wesen kennenzulernen, das über ihm steht, und diesem höheren Wesen wollte man noch Anbetung und Tribut darbringen. Jetzt aber, in der Zeit, in der ihr lebt, meine lieben Schwestern, ist auch dieses noch geschwunden, man will jetzt ganz und gar nichts mehr anerkennen als nur sich selbst.

Die Vernunft soll die Gottheit sein, welche die ganze Schöpfung beherrschen soll, und mit dieser armseligen, menschlichen Vernunft soll alles abgetan sein. Die Vernunft soll die Menschheit anbeten, und die Vernunft soll die ganze Menschheit regieren und leiten. Welches Scheusal ist die Gesellschaft von Menschen. Satan tritt an euch heran in Gestalt eines Engels des Lichtes, um euch zu verderben, indem er die Fehler, die jedem Menschen anhaften, so vergrößert, daß er euch zum Kleinmut zwingt und bringen will, indem er sagt: ‚Du siehst ja, daß niemand sich erbauen kann an dir, du kannst ja alle Tage deine Fehler hören von anderen Menschen, laß ab von solcher Frömmigkeit, die nur anderen zum Fall, nicht aber zur Erbauung gereichen kann.‘

Dieses, weil der Mensch gar sehr im Stolz verstrickt ist, ist dem armen Menschen sehr zuwider, daß er auf Fehlern ertappt wird. Kämpft nieder diesen Stolz, wißt, daß alle, die euch die Fehler vorhalten, euch nur nützen können. Indem der Stolz angestachelt und aufgebläht wird, müßt ihr ihn bei der Wurzel packen, indem ihr ruhig weitergeht und Gott so dient, als wenn alle Menschen euch lobten und nur Gutes nachsagten. Dann seid ihr in der Lage, mit Gott euch wieder zu vereinigen, das Alabastergefäß zu zerbrechen und den Wohlduft der Salbe über eure Mitmenschen auszugießen. Denn wenn sie sehen, daß du ruhig weitergehst, meine Schwester, auch wenn du noch so unvollkommen bist und sie dir deine Fehler alle vorhalten, dann erinnern sie sich an ihre eigenen Fehler, und wie auch sie dich nachahmen müssen in dieser Beziehung, und es wird mehr Gutes gestiftet, als wenn sie an dir ein engelgleiches Leben bewundern müßten, denn Engel kann kein Mensch nachahmen, wohl aber einen Menschen.

Darum freut euch, meine lieben Schwestern, das große Glück zu besitzen, daß der Herr so oft mit euch verkehrt, euch heimsucht, und erspart Ihm den Verdruß, daß ihr Satan Platz macht neben Ihm. Es ist jetzt eine Zeit, wo Satan Ernte hält in der Welt. Viele Menschen sind schon in sein Garn gelaufen, hält er gefangen. Darum muß der Herr, so wie Satan, alles aufbieten, die ganze Kraft und Liebe Seines göttlichen Herzens einsetzen, um Satan zu überbieten. Niemals wird das Reich Jesu Christi untergehen, aber doch viele, viele Menschen werden Schaden leiden, denn es ist Luzifer erlaubt, die Menschheit zu sieben, weil die Menschheit gar zu gottentfremdet ist und viele freiwillig und mit Haß und Abscheu sich von Ihm abwenden. Wundere sich darum niemand, daß der Herr so außergewöhnliche Mittel ersinnt, um Seine Geschöpfe zu erhalten, wenigstens die getreuen Kinder Seines Herzens an Sich zu ketten mit den Banden Seiner Liebe. Grüßt alle recht herzlich, die im Liebesbund sich befinden, von einer armen Sünderin, von einer großen Büßerin, von einer treuen Liebhaberin Jesu Christi, der heiligen Maria Magdalena.“

Barbara: „Mein Jesus! Ich opfere Dir auf, alle die Andachten und die Gebete der frommen Christen am heutigen Tage, die zu Ehren Deiner treuen Dienerin Magdalena in allen Kirchen, wo sie verehrt wird, besonders in Trenfort, Dir dargebracht werden. Ich bitte Dich, Du mögest um der Andacht und des frommen Gebetes und aller heiligen Meßopfer willen, ihr einen Zuwachs von Glorie und Verdienst verleihen. Ganz besonders aber grüßen wir sie herzlich durch Dich, o allerliebster, süßester Herr Jesus, Du Bräutigam meiner Seele. Ich grüße sie herzlich durch Dich und bitte, Du mögest ihr das Kleid, das sie trägt, das alle ihre Sünden bedeckt und so glänzt, daß die Fehler, die sie begangen hatte in ihrem Leben, mit lauter Edelsteinen zugedeckt sind, so hell und glänzend machen, daß der ganze Himmel sich daran erfreut und ergötzen möge.

Ich bitte Dich um dieser Freude willen, Du wollest uns doch Nachlaß und Verzeihung aller unserer Sünden und Fehler gewähren, besonders um der Verdienste willen, die sie sich gesammelt, daß sie so große Versuchungen überstanden hat. O gewähre allen, die sich mit uns vereinigen, mit uns verkehren und in Verbindung kommen, besonders aber den Priestern, einen lebendigen Glauben, besonders N. und N., dem hochwürdigsten Herrn Bischof und der ganzen Diözese Mainz und Würzburg. Erhalte und vermehre in uns den Glauben, die Hoffnung und die Liebe. Stehe den Sterbenden bei, besonders denjenigen, die heute vor Deinen strengen Richterstuhl gefordert werden und sich nicht bekehrt haben. Im Geiste stelle ich mich neben Dich, o liebe, heilige Magdalena, du mußt allen Sterbenden die Gnade der Bekehrung erflehen um deiner Liebe willen, die du zu Jesus hattest. Erflehe ihnen doch die Liebe Gottes, die ihnen den Abscheu über ihre begangenen Sünden verleihen und erwirken möchte. Im Geiste gehe ich mit dir, o liebe, heilige Maria Magdalena, in das Fegefeuer hinab.

Nimm doch die Armen Seelen an deinem Festtag heraus, die um solcher Sünden willen zu leiden haben, mit denen ich noch behaftet bin. O befreie sie und nimm sie mit dir, du hast doch so große Gewalt über das Herz Gottes. So viele Seelen erbitte ich durch deine Fürsprache, so oftmals Jesus mit dir verkehrt hat in der Felsenhöhle, denn nach der Beschreibung vieler kam unser guter Jesus oft zu Dir. O gib mir so viele Arme Seelen, als Du sie erfreutest mit Deinen gnadenreichen Besuchen, als Du schon mit mir verkehrt hast in dieser heiligen Stunde. O verzeihe mir, daß ich so oft zweifle und mich ängstige und glaube, ich selbst würde mir solche Dinge einbilden.

Es ist aber auch so bei mir: wenn der Herr wiederkommt, bin ich überzeugt; wenn Er mich verläßt, dann bin ich armselig und schwach, weil ich mehr an die Worte der Kirche halte als an die Offenbarungen, die ich auf übernatürliche Weise empfange. Weil ich aber fest glaube, und sobald die heilige Kirche spricht, auch alles ohne Zweifeln für wahr halte, was Du in dieser Stunde mir offenbarst, darum bitte ich Dich, gib mir so viele Arme Seelen aus dem Fegefeuer, so oft Du schon mit mir verkehrt hast.

So will ich die ganze Welt umfassen, alle Menschen in mein Liebeswerk mit einschließen, indem ich – sovielmal wie Menschenherzen schlagen – Dein Herz Deinem himmlischen Vater darreiche, und mit Deinem Herzen auch vereinige die Herzen der heiligen Magdalena, Deiner heiligsten Mutter, Deines Lieblingsjüngers und aller Seelen, die Dich geliebt haben und lieben werden, solange die Welt besteht. O möge doch mein Herz so groß und so weit werden wie die ganze Welt. Ich verteile es sovielmal, als Menschenherzen schlagen, um mein Herz jedem Menschen geben zu können, daß es Dich liebe. Denn ich verlange Dich so inniglich zu lieben, als es jemals einem Menschen zuvor gelungen ist. O heilige Magdalena, könnte ich Ihn doch so lieben, wie du es getan! O erflehe mir die Gnade, daß ich so viele Seelen einführen kann, als Er schon mit mir verkehrt hat. O ihr lieben Heiligen Gottes, vereinigt euch mit uns, damit wir die ganze Welt bekehren können, umfassen können mit Liebe, dies ist unser allersehnlichster Wunsch. Weil wir so schwache, hinfällige, sündhafte Geschöpfe sind, wollen wir nur zu dem Grad der Liebe gelangen, den Er Sich vorgenommen hat, uns zu erheben und ihn uns zu verleihen. Ich will zufrieden sein mit der Gnade und Liebe, die Er über mein armes Herz ausgegossen. Ich sage Ihm Dank und bitte Ihn durch dich, o liebe Schwester, daß ich nie mehr vergessen möge, Ihm den schuldigen Dank zu entrichten. Zufrieden will ich sein mit Seiner Gnadengabe. Und auch meine beiden Mitschwestern wollen zufrieden sie sein und alle, die dem Liebesbund angehören, und meine lieben Geschwister und alle, die es glauben und guten Willens sind, wollen zufrieden sein mit den Gnaden, die der Herr über sie ausgießt.

O daß doch alle Menschen Dich erkennten, aus ganzem Herzen liebten, aus allen Kräften Dich loben und ehren möchten! Du Bräutigam meiner Seele, gib doch allen Menschen den süßen, heiligen Gottesfrieden, damit alle Dich wieder erkennen und ein Schafstall und eine Herde werde auf der ganzen Welt. O gib den Bischöfen in der Vereinigung mit dem Papst, daß sie vor die Mächtigen hintreten und die Bosheit ihnen vorhalten, mit der sie die Kirche auf Erden kneten, und die Strafgerichte ankündigen, die bald zum Ausbruch kommen werden, damit die Mächtigen erschüttert die Völker wieder zurückführen zur Einheit des Glaubens. Gehe hin, liebe heilige Magdalena, zu unserem hochwürdigsten Bischof, flöße ihm deine Liebe ein, deinen kindlichen Glauben, deine Demut, dein Gottvertrauen; gehe auch zu meinem Beichtvater und zu N.“

Als dieser Tage Barbara in der Kirche große Gnaden empfing und infolge davon, weil ihr Körper gefühllos geworden, ihr Haupt fast die Bank berührte, sprach der Herr:

Jesus: „Erhebe dich und ziehe nicht die Blicke der Menschen auf dich.“

Andern Tages hörte Barbara, daß eine Dame sich bei ihrem Dienstmädchen erkundigt und gesagt habe: „Haben Sie das mit der Barbara auch gesehen, es muß etwas mit Barbara in der Kirche vorgegangen sein, als sie herauskam, war sie schneeweiß.“ Als Barbara wieder weiter betete, sprach der Herr:

Jesus: „Erhebe dich und gehe jetzt nach Haus, denn deine Schwägerin will mit ihrer Tochter spazierengehen!“

Als Barbara wieder in Ängsten sich befand wegen ihrer Unvollkommenheiten, sprach der Herr:

Jesus: „Ihr seid in dem nämlichen Fall wie die heiligen Apostel. Solange Ich bei ihnen war, war alles gut, war Ich aber von ihnen getrennt, so waren sie wieder unvollkommene Menschen und begingen Fehler wie alle anderen.“

Inhaltsverzeichnis Band 3

253 Fünfter Freitag im Juli 1898

„Eine Seele, die Mir zuliebe noch lebt und leben will, eine Seele, die Mich sucht und ihr ganzes Sein und Wirken darauf hinrichtet, Mir zu gefallen, kann nicht irregehen; denn niemals werde Ich sie aus Meiner Hand lassen.“

Lied: Ihr Kräfte der Seele ...

Barbara: „O mein Gott, alle meine Sünden sind mir von Herzen leid, weil ich dadurch Dich, das höchste Gut, beleidigt habe. Ich hasse und verabscheue mich darüber und nehme mir ernstlich vor, mein Leben zu bessern und nie mehr zu sündigen; ja, alle Gedanken, Worte und Taten zu meiden, die Dich beleidigen könnten. Gib mir Deine Gnade dazu. Verzeihe mir, daß ich diese Woche wieder auf so vielfache Weise Dich beleidigt habe. Nimm mich wieder in Gnaden auf und gib, daß ich die kommende Woche besser nutze, um Dir zu dienen, Dich zu lieben und Dir zu gefallen. O mein Jesus!, Du Bräutigam meiner Seele! Ist es möglich, daß ich noch längere Jahre in diesem Kampf leben muß? O erbarme Dich meiner! Sehnlichst verlange ich, aufgelöst und bei Dir zu sein. Wo ich mich auch hinwende, habe ich keinen Frieden mehr. O erbarme Dich Deiner Dienerin! Laß nicht zu, daß ich am Ende noch versage. O erbarme Dich meiner! Ich fürchte, Dich zu verlieren und alles, was ich getan in meinem ganzen Leben, sei unnütz und vergebens gewesen. O erbarme Dich meiner, erbarme Dich meiner!“

Jesus: „Meine Kinder! Ich grüße euch in Vereinigung mit allen lieben Engeln und Heiligen des ganzen himmlischen Hofes, besonders aber mit Meinen heiligen Großeltern, Joachim und Anna, und mit all den lieben Heiligen, deren Feste die Kirche schon gefeiert, die sich alle mit euch vereinigen, euch Kraft und Stärke erflehen vor dem Throne der unendlichen Majestät Meines himmlischen Vaters. Ich komme, obwohl du so armselig bist und den Zweifeln und Ängsten nachgibst, als seiest du getäuscht. Ich komme, weil Ich mit dir viel Nachsicht habe und haben muß, da du niemanden zur Seite stehen hast, der dir beistehen könnte. Unter allen Meinen Dienern gibt es viele, die Mir recht treu dienen, und die Mir zu gefallen sich bemühen, aber in der jetzigen Zeit, die gar zu gottlos geworden ist, fürchten sie sich, sich deswegen lächerlich zu machen und ziehen sich deshalb zurück. Deswegen müßt ihr aber nicht glauben, daß sie keine Achtung vor dem haben, was Ich in mancher Seele wirke. Sie glauben an eine Gnade des Beistandes, an eine übernatürliche Hilfe, wenn sie es euch gegenüber auch zu verbergen suchen.

Deswegen, weil ihr so allein steht, will Ich euch alle Meine Liebe und alle Meine Gesinnungen offenbaren. Glaubt ihr denn, Meine Kinder, daß Ich Mich an Großmut übertreffen lasse? Eine Seele, die Mir zuliebe noch lebt und leben will, eine Seele, die Mich sucht und ihr ganzes Sein und Wirken darauf hinrichtet, Mir zu gefallen, kann nicht irregehen; denn niemals werde Ich sie aus Meiner Hand lassen. Glaubst du denn, Meine Tochter, Ich will Meinen Geschöpfen nachstehen? Ein Mensch, der weiß, daß er die Achtung seiner Mitmenschen besitzt, hütet sich wohl, diese Achtung zu verlieren. Und Ich werde die Achtung einer Seele nicht zu schätzen wissen? Glaubst du wohl, ich werde die Opfer, die du bringst, und die deiner beiden Freundinnen verschmähen? Und wenn es auch wahr ist, daß du ein armseliges Geschöpf bist, so ist es aber dennoch wahr, daß alle Menschen armselige Geschöpfe sind, und daß Ich, Der Ich die Geschöpfe liebe und aus Liebe zu ihnen ihr Bruder geworden bin, Mich freue, wenn Ich nur noch eine Seele finde, die glaubt, daß es eines Gottes würdig sei, mit Menschen zu verkehren, die glauben, daß Ich Mich ihrer Seele mitteile, daß Ich herabsteige in eine Seele, die nach Mir verlangt, die Mir zuliebe aus sich herausgeht.

Und siehe, dies tue Ich wirklich. Jedesmal, wenn du dich Mir überläßt, steige Ich zu euch herab, wie Ich durch das Wort des Priesters herabsteige auf den Altar. Der Menschheit zuliebe habe Ich dieses Heiligste Sakrament eingesetzt. Warum sollte Ich nicht dem Menschen zuliebe in seine Seele kommen, wenn er es verlangt. Ich teile Mich dir mit in Meiner Gottheit und Menschheit, doch nicht immer der Menschheit nach. Bisweilen teile Ich Mich nur deinem Verstande mit und deinen Seelenkräften und treibe dich an, dieses anderen mitzuteilen. Denn wißt, in einer Welt, wie sie jetzt ist, brauche Ich starke Seelen, die feststehen im Glauben, in der Hoffnung und in der Liebe; denn der arme Mensch wird gar bald müde. Wundert euch nicht, wenn Seelen, die euch zugetan waren, auch sich wieder von euch entfernen. Weil der Mensch beständig Abwechslung sucht und will, wird er heute dessen müde, was er gestern geliebt und was er gestern geglaubt, verwirft er heute schon wieder.

Und weil der Stolz im Menschen gar so tief gewurzelt ist, denn Stolz war ja die erste Sünde, darum können auch solche, die sonst gute, brave Menschen sind, doch nicht dulden, daß es Seelen gibt, mit denen Ich in außergewöhnlicher Weise verkehre. Dies alles muß euch nicht wundern, und Ich verzeihe es ja auch dem armen Menschen. Wenn er Mir nur sonst gut dient und ein braver Christ ist, will Ich ja auch mit ihm zufrieden sein. Es ist aber nun einmal Meine Freude, daß Ich derjenigen Seele, die sich Mir hingibt, in außergewöhnlicher Weise verkehre. Freilich habe Ich sie schon von Ewigkeit dazu bestimmt, aber niemand, den Ich von Ewigkeit her schon erwählte, zwinge Ich dazu.

Alle Menschen sind dazu berufen. Alle Menschen sind und wären auserwählt, wenn sie Mir nur ihren ganzen Willen zum Opfer bringen wollten. Ich biete jedem Meine Gnade an, aber weil Ich jedem Menschen auch seinen freien Willen dazu lasse, ob er Mir dienen will oder nicht, darum muß Ich von denen, die Ich dazu auserwählte, doch auch ihre freie Zustimmung dafür haben. Ihr, die ihr Mir eure ganze Willenskraft zum Opfer bringt, die ihr euch Mir freiwillig unterworfen habt, euch habe Ich in Besitz genommen und will Mich in euch ergötzen.

Wundert euch aber nicht, wenn die Stunde vorüber ist, und Ich Mich zurückziehe, daß ihr wieder in die frühere Armseligkeit zurückversetzt seid, denn ihr sollt ja verdienen, Verdienste sammeln, nicht nur für euch, sondern für so viele, die da den Weg der Sünde gehen. Ich werde Mich aber auf längere Zeit zurückziehen, damit ihr mit größerem Verlangen Mich wieder sucht, ihr und alle, die müde geworden sind. Sie sollen sehen, was eine Seele vermag, wenn Ich Mich zurückziehe. Von euch aber erwarte Ich Beharrlichkeit. Ich will sehen, was ihr gelernt habt. Ermuntert euch gegenseitig, wenn die Mutlosigkeit sich einschleicht, und benutzt um so treuer alle die Gelegenheiten, die sich darbieten, um euren Glauben zu erfrischen. Geht hin, wo ihr Mich finden könnt. Beim stillen Tabernakel, dort werdet ihr Mich immer finden, aber eine Zeitlang will Ich Mich diesem Hause entziehen, damit die Bewohner Mich wieder schätzen lernen.“

Barbara: „O mein Jesus! O hilf mir doch! Wie werde ich die Zeit zubringen, wenn Du Dich in mir zurückziehst? O komme doch um so öfter in der heiligen Kommunion. Zeige mir, daß Du es bist, denn dort bin ich öfters gar zu trocken.“

Jesus: „Fürchte nichts, Meine Tochter, Ich werde um so inniger mit dir verkehren in der heiligen Kommunion.“

Inhaltsverzeichnis Band 3

254 Vigil von Mariä Himmelfahrt 1898

„Viele Glieder der heiligen katholischen Kirche sind faul geworden und mit hineingeschwemmt in den Strom der Zeit, und wenn diesem Strom kein Einhalt getan wird, wird er alles verschlingen.“

Lied: Himmelsfürstin ...

Barbara: „Sei mir tausendmal gegrüßt, o meine Königin, o meine Mutter! Aus dem Grund meines Herzens falle ich nieder, um Dir meine Huldigung darzubringen, um Dich zu beglückwünschen, o hehre Himmelskönigin, zu Deinem Einzug in den Himmel. Ich grüße dich, o jungfräulicher Johannes, du, Ihr Beschützer. Du warst gewiß der erste an Ihrem Sterbelager und Ihr der Nächste. O ich wünschte, mit dir an dieses Sterbebett treten zu dürfen. O lieber, heiliger Johannes, mein auserwählter Führer, der du mir von meinem süßen Bräutigam gegeben worden bist an dem Tag, wo Er Sich mit meiner Seele auf innige und geistige Weise vermählte. O mein lieber Freund, du Freund meines Bräutigams, ich grüße dich durch das allersüßeste Herz Jesu Christi und durch das Herz Seiner jungfräulichen Mutter. O laß mich doch einen einzigen Blick tun mit dir an dieses Sterbebett.“

Jesus: „Komme, meine Tochter!“

Barbara: „Gelobt sei Jesus Christus! O mein Gott! Ja, da ist freilich keine Trauer. Da ist nebst den Jüngern und Aposteln, die da versammelt sind, das ganze Sterbezimmer angefüllt mit unzähligen himmlischen Geistern und unter Jubel und Lobgesängen begleiten sie ihren Herrn an dieses Sterbebett. Ja, das glaube ich, daß Deine Seele voll Entzücken aufjauchzte, und nicht der Todesschmerz ist es, der Deine Seele loswand von dem Leibe, sondern der Jubel und die Freude Deines Herzens, die Liebe, die Liebessehnsucht Deines Herzens.“

Maria: „Seht, Meine Kinder, ich freue Mich, Mich in eurer Mitte aufhalten zu können, in dieser Stunde, wo Mein lieber Sohn Seine Dienerin an Mein Sterbebett führt. Seht, dieselbe Stunde steht auch euch bevor, dasselbe Glück, wenn auch nicht in der Weise, wie es Mir geschehen. Bei Mir mußte der Tod eine Ausnahme machen. Bei Mir konnte er seinen Stachel nicht anwenden. Bei Mir mußte er mit Liebespfeilen kommen, um Meine Seele von dem Leib zu lösen. Euer Tod wird zwar schmerzlicher sein, weil die Sünde Adams, die auf euch noch liegt, immer Bitterkeiten mit sich führt bei jedem Menschen, der da lebt unter der Sonne.

Wenn der Herr ihn zu Sich ruft, muß er noch als Sühne dieses Opfer bringen, daß er auf schmerzliche Weise seine Seele vom Leib trennen lassen muß. Ich war zwar davon ausgenommen, weil Ich ja den Urheber alles Lebens, den Herrn über Leben und Tod, geboren und der Welt geschenkt habe, und die Sünde Adams niemals auf Mir lasten konnte, um des Verdienstes Meines lieben Sohnes willen. Aber merkt es euch und alle, die sich im Geist mit euch vereinigen: tut, was in euren schwachen Kräften steht, und dann verlaßt euch mehr auf die Barmherzigkeit Gottes als auf euer Verdienst, nur so könnt ihr dem Tod ruhig ins Angesicht schauen. Bestrebt euch, Mir nachzufolgen, eure Lebenstage zuzubringen nach dem heiligen Willen Gottes, dann habt ihr alle den Tod nicht zu fürchten.“

Barbara: „Gelobt sei Jesus Christus! Ich bete Dich an, o mein allerliebster, himmlischer Bräutigam, aus dem Abgrund meines Nichts. Ich danke Dir für alle empfangenen Gnaden und Wohltaten. Ich danke Dir auch ganz besonders, daß Du Dich wieder gewürdigt hast, Deine arme Magd und Sklavin heimzusuchen. O ich bin es nicht wert, o Herr! Warum aber hast Du auch ein so unwürdiges Werkzeug Dir erwählt, das ja vor den Augen des himmlischen Vaters und denen des ganzen himmlischen Hofes Dir nur Verachtung zuzieht? Mit mir, o Herr, kannst Du wahrhaftig keine Ehre einlegen. Ich glaube schon, daß es den Leuten schwerfällt zu glauben, daß Du mit einer solchen Person verkehren magst. Ich bin ja auch das allerelendste Erdenwürmlein, das unter der Sonne weilt. Wann werde ich anfangen, Dich wirklich zu lieben und Dir zu dienen? Wann werde ich endlich aus mir herausgehen und mich ganz und gar Deinem Willen unterwerfen? O ich armes, elendes Würmchen, o ich Sünderin, o gib mir die Gabe der Tränen, daß ich beweine meine Sünden und meine Seele wieder abwasche.“

Jesus: „Siehst du, Meine Tochter, zum Feste Meiner heiligen Mutter, der glorreichen Aufnahme Meiner heiligsten Mutter in den Himmel, will Ich dir diesen Trost mitbringen, daß kein Mensch auf Erden würdig ist, mit Mir zu verkehren, wenn nicht Meine unendliche Güte, Meine unendliche Weisheit, Meine unendliche Allmacht an dem Menschen alles ersetzt, was ihm mangelt. Alle Menschen sind sündhafte Geschöpfe, auch wenn sie sich bemühen und bestreben, Mir zu dienen. Und eine wahrhaft fromme Seele, die auch mit Ernst und Entschiedenheit sich zu Mir wenden will, sieht dieses ein. Sie sieht, daß sie nichts ist als Elend und Sünde, und darum ist der Kleinmut bei der Seele so groß, daß in der ganzen Welt wenige Seelen sind, die sich getrauen, auch nur aufzublicken und Meinen Besuch zu erwidern. Sie halten sich für unwürdig, und aus lauter Unwürdigkeit und lauter Demut kann Ich mit ihr nichts anfangen. Da du nun aber eine jener Seelen bist, die stark und gesetzt über sich hinwegging, großmütig ihrer eigenen Schwächen zwar eingedenk, aber auch der unendlichen Güte Gottes bewußt, sich so Mir hingegeben hat, deshalb habe Ich dich erwählt und nur durch deine Einwilligung konnte Ich diesen innigen Verkehr mit dir anknüpfen, um vielen diese Mutlosigkeit zu nehmen.

Ja, Meine Kinder, zum Feste der glorreichen Aufnahme Meiner heiligen Mutter will Ich euch zugleich gratulieren auch zu eurer Aufnahme, euch allen, die es gut meinen mit ihrer Seele. Denen, die Meinen Worten glauben, verspreche Ich, daß sie auf ihrem Todesbett, wenn Ich sie auch, solange sie hienieden noch kämpfen und streiten müssen, mit allerlei Widerwärtigkeiten heimsuche, wenn Ich auch die Versuchungen keiner Seele erspare, die Mir treu dient, zum Geschenk der glorreichen Himmelfahrt Meiner Mutter, daß auf dem Todesbett keines von euch soll schweren Versuchungen von seiten Satans anheimfallen, daß es sich merklich ängstigen müßte. Ich werde, mit Meiner heiligsten Mutter im Bunde, keinen Feind, keinen Geist der Finsternis, an ein solches Sterbebett herantreten lassen, wenigstens nicht mehr in den letzten Augenblicken des Lebenshauches. Ein himmlischer Trost, der Ausfluß Meines Geistes, wird sich der Seele bemächtigen, und sie wird mit heiliger Freude und himmlischem Frieden ihre Seele Meinen Händen übergeben und durch Meine heilige Mutter und durch die ihr zugedachten und erwählten Patrone hinübergeleitet werden in jenes glückselige Land, wo es keinen Kampf mehr gibt, keine Ängste, keine Mühsale und kein Leiden.“

Barbara: „Mein lieber Jesus! Wie danke ich Dir für Deine unendliche Liebe und für die tröstliche Verheißung, die Du uns gibst an diesem Abend. Ich danke auch Dir, o glorreiche Himmelskönigin. O erbitte uns doch allen den Frieden, den heiligen Frieden, wie Du ihn hattest in Deinem sterblichen Leben, damit wir doch all die Widerwärtigkeiten, Leiden und Versuchungen so ertragen, wie Du sie ertrugst, meine liebe Mutter! Zwar macht es mir nichts mehr aus, wenn ich von unseren Vorgesetzten höre, daß ich so verachtet bin. Man mag mir nachsagen, was man will, es kümmert mich nicht mehr, aber der böse Feind setzt mir mit seinen Versuchungen gewaltig zu.

O liebe Mutter! Zu Deiner glorreichen Aufnahme in den Himmel erflehe mir doch diese Gnade, daß doch die vielen Ängste mich nicht mehr so quälen, oder erflehe mir die Gnade, daß ich meinen Jesus so liebe, als aller Unrat mich anekelt, daß ich mich mehr losschäle von allem Irdischen, von aller Anhänglichkeit an diese Welt.“

Maria: „Ja, Meine Tochter, du mußt dir aber Mühe geben. Die Gnaden werden nicht in den Schoß geschüttet, die müssen erst verdient sein. Auch Ich mußte sie verdienen, obwohl Ich voll der Gnade war, vom ersten Augenblick Meines Daseins an, durch ganz besondere Privilegien Meines allerliebsten Sohnes, den Ich ja doch zu der Zeit unter Meinem Herzen tragen sollte. Und doch mußte Ich, obwohl Ich voll der Gnade war und zudem geschmückt mit allen Tugenden, treu mitwirken vom ersten Augenblick an. Von nichts blieb Ich verschont: von keinem Leiden, von keiner Widerwärtigkeit und auch von keiner Verängstigung. Siehe, als Ich von Meinen Eltern Mich trennte und in den Tempel ging, tat Ich dieses zwar freiwillig, aber es bereitete Mir doch einige Verängstigungen, die Meiner Natur auch nicht zusagten, unter fremden Menschen zu leben, Mich all den unbequemen Dingen, die der neue Beruf mit sich brachte, auszusetzen und noch vieles anderes. Aber, als Ich diesen Beruf wieder verlassen sollte, um in den Ehestand einzutreten, welche Verängstigungen, welche Zweifel stiegen da in Meiner Seele auf. Hatte Ich ja doch ewige Jungfräulichkeit gelobt, und jetzt sollte Ich Mich vermählen mit einem Manne. Wie ist dieses möglich, jungfräulich zu leben und doch zu heiraten, doch in den Ehestand einzutreten, fragte Ich Mich immerfort.

Glaubt Mir, Meine Kinder, daß das nicht ohne viele Ängste abging. Viele harte Nächte hatte Ich zu durchwachen, um mit Mir eins zu werden. Und als Ich dann mit Meinem lieben Sohn verkehrte, als Er in Mir Fleisch angenommen hatte und Ich wußte, zu welch hoher Würde Ich auserkoren sei, und dieser Mein geliebter Sohn Sich oft tagelang von Mir trennte, welche Verängstigungen, welche Zweifel kamen in Mir da auf! O Meine Kinder! Niemals wird ein Herz erfassen können, was Ich gelitten habe in den drei Tagen, als Mein Sohn von Mir getrennt war, als Er Sich ganz und gar leiblicher Weise Meinen Blicken entzog. Seht, dies alles wollte Ich aber leiden, um allen Menschen ein Vorbild zu werden, um Mitleid zu haben, großes Mitleid zu haben mit den Seelen, die Mir nachfolgen wollen.

Darum fürchtet euch nicht, Meine Kinder! Glaubt nicht, daß der Herr Sich euch entzieht, wenn ihr nicht selbst euch Seiner lieblichen Gegenwart entzieht. Viele, viele sollen durch euch ja belehrt werden. Nicht umsonst fügt es der Herr, daß ihr mit vielen zusammenkommt. Dieses geschieht aus zweierlei Gründen: Erstens, um die Seelen zu Gott zu führen, denn es sind lauter Seelen, die sich doch Mühe geben, Ihm zu gefallen, und da heißt es, eines für das andere einzustehen. Die Seelen alle, die euch zugeführt werden, wenn sie auch noch so fromm sind, haben immer noch etwas an sich, was Meinem lieben Sohn sehr mißfällt und was Er an ihnen bemängelt und gern abgestreift wissen möchte. Darum darf keines von euch dem anderen seine Fehler verschönern, verschweigen oder gar verhehlen. Ihr müßt einander zurechtweisen in brüderlicher Weise, damit der Herr ungestört wirken kann in der Seele. Der zweite Grund, warum Er euch mit so vielen Menschen in Verbindung bringt, ist der, damit ihr von eurem Kleinmut geheilt werden sollt. Denn wenn du siehst, wie alle Menschen, auch wenn sie noch so gut sind und sich Mühe geben, Gott zu gefallen, doch auch immer wieder recht armselige Menschen sind, der eine auf diese Weise, der andere auf jene, und doch liebt Er sie und doch sind sie alle Seine Lieblinge. Wenn du nun die Fehler an deinen Mitmenschen siehst, die doch auch Mir dienen und dienen wollen, dann mußt du dich aufraffen und mußt von deinem Kleinmut zurückkehren, dich Mir großmütig in die Arme werfen und ruhig weitergehen.

Der Welt aber will der Herr zeigen, und besonders den Dienern der Kirche, wie gut Er ist, wie wahr es ist, daß Er in Seiner Kirche lebt, wirklich und wahrhaftig, und daß Er auch lebt in jeder einzelnen Seele, die Ihm treu dient. Daß Sein Geist es ist, der die Kirche leitet und führt. Daß es Sein Geist auch ist, Der jede einzelne Seele leitet, die sich Mühe gibt, Ihm zu gefallen. Wenn man darum eurer spottet, euch verlacht und verhöhnt, dann müßt ihr wissen, daß dieses euer Verdienst ist, daß ihr damit nur verdienen könnt, niemals verlieren, und daß alles, was der Herr wirkt durch diese Seine Dienerin, zur rechten Zeit und an der rechten Stelle zur Geltung kommen wird.

Wenn man euch sagt, daß ja doch nichts eintreffen wird, was der Herr durch sie spricht, dann sagt ihnen, daß der Herr nicht wirke für eine Person, auch nicht für eine Stadt, für ein Land, daß Er wirke für die ganze Welt, für die ganze heilige katholische Kirche. Wenn Er nun gesagt, daß die Strafgerichte ihren Anfang nehmen werden in diesem Jahre noch, dann müßt ihr nicht glauben, daß dieses für eine Stadt wie N., oder für ein Ländchen, wie das Hessenland, oder für Deutschland oder Europa gesprochen ist. Die Kirche Gottes ist ausgebreitet über die ganze Welt und die Gottlosigkeit hat überall Eingang gefunden. Viele Glieder der heiligen katholischen Kirche sind faul geworden und mit hineingeschwemmt in den Strom der Zeit, und wenn diesem Strom kein Einhalt getan wird, wird er alles verschlingen. Er wird auch die guten, die besten Kinder der Kirche noch mit sich fortziehen, wenigstens wird er sie so in den Schlamm hineinführen, daß sie für längere Zeit zu tun haben, bis sie sich wieder erheben.

Darum ist es an der Zeit, daß die Kirche zum Sieg gelangen soll und muß. Die Kirche muß siegen, so wahr Ich heute in den Himmel aufgefahren bin und zur Rechten Meines Sohnes sitze, so wahr muß die jungfräuliche Braut Meines Sohnes wieder auffahren in der Weltgeschichte. Die Völker müssen mit Achtung und Ehrfurcht zu ihr aufschauen. Aber ehe dieses geschieht, muß die Kirche noch vieles leiden. Sie muß darum mit Entschiedenheit ihr Recht suchen, ihr Recht verlangen und in Vereinigung mit den treuen Katholiken fortwährend ihr Recht verlangen.

Darum verlangt Mein Sohn, daß der Liebesbund gebildet werde, daß die guten und treuen Katholiken zusammenstehen und ihre Priester unterstützen. Die Priester mit dem gläubigen Volk, das gläubige Volk mit dem Priestertum Hand in Hand dem Ziel zustreben. Und was damit gefördert wird, habt ihr alle gesehen an den Reichstagswahlen in Deutschland. So wie es dort zuging, daß die Feinde der heiligen Kirche sogar ihre Stimmen beisteuern mußten, ihre Stimme abgeben mußten, gern oder auch ungern, denn ihre Gegner, die Sozialisten und Liberalisten, sind den Zentrumsmännern in ihren Gesinnungen und Gebräuchen ja himmelweit voneinander entfernt, wie der Himmel von der Erde.

Aber eine solche Zeit wird wieder kommen, aber erst dann, wenn die Kirche Gottes schon recht bedrängt und vieles gelitten haben wird, wo ihre Feinde sich wider ihren Willen dieser Kirche unterwerfen müssen, ja unterwerfen müssen! Ich betone dieses ausdrücklich, denn von einem Augenblick zum nächsten wird der Herr einschreiten und wird Seinen Feinden die Waffen aus der Hand nehmen und sie der Kirche in die Hand geben. Darum nicht fürchten, weder das Freimaurertum noch den Liberalismus. Das arme Volk soll gerettet werden, weil doch die Mehrzahl der arbeitenden Klasse ihm angehört. Nicht mutlos werden, Meine Kinder, wenn der Herr auch nicht mehr sooft kommt, aber seht, wie Er Sich sehnt und wie Ich Mich sehne, wenn eine Zeitlang vorübergegangen und Er nicht zu euch gesprochen hat.

Darum grüßt Mir alle recht herzlich! Sagt N., er möge verteidigen, was Mein Sohn von ihm verlangt. Man will außergewöhnliche Dinge sehen. Ist denn das Evangelium etwas Außergewöhnliches? Bietet es seinen Anhängern alle Tage Neuigkeiten? Im Gegenteil! Als Mein Sohn vom Himmel herabstieg, brachte Er der Welt keine Neuigkeit, Er brachte nur das Gesetz zur Vollendung. Und wenn Mein Sohn in einer Seele wirkt, wenn Er Seine Liebe, Seine Güte, Seine Barmherzigkeit an der Menschheit offenbaren will, wenn Er die Menschheit wieder erinnern will an Seine Gegenwart, an Sein Zutun, dann braucht Er keine außergewöhnlichen Dinge zu wirken. Wunder wirken mußte Er, als Er auf Erden wandelte, um den Menschen zu zeigen, daß Er von Gott ausgegangen ist, und daß Er wieder zu Gott zurückkehren werde.

Dies zeigte Er durch das Wunder Seiner Auferstehung. Aber jetzt, nachdem die ganze Welt Seine Wunder geschaut und von Tag zu Tag sie noch schaut, ist es nicht mehr notwendig, neue Wunder zu wirken. Still und unbemerkt kann Er Sich offenbaren in den einzelnen Seelen, und tut dieses und wird dieses tun, solange die Welt steht. Ist es nicht genug, wenn die Gottesliebe neu angefacht wird in denjenigen, die da glauben?

Glücklich die Seele, die glaubt, daß Mein Sohn die Gewalt hat, und daß Er auch die Herzensgüte besitzt, mit den Armen zu verkehren. Glücklich die Seele, die da nicht mit neidischem Auge herabschaut auf ihre Mitschwester, auf ihren Mitbruder, den der Herr erwählt hat zu besonderen Vergünstigungen. Sie wird einsaugen den Honig, der da ausfließt aus den lieblichen Worten, die Seinem Geist entströmen, er wird wachsen und groß werden.

Diejenigen aber, die da vorgeben, es sei nicht mehr an der Zeit, an wunderbare Dinge zu glauben, man müsse mit der Zeit gehen, werden niemals in ihr armes Herz eingeträufelt bekommen den Honig der göttlichen Liebe. Dein liebes Schwesterchen in N. grüße Mir recht herzlich.“

Barbara: „O liebe Mutter! N. fürchtet sich immer noch, die Sünden seien ihr nicht vergeben. Sieh, wie guten Willens sie ist.“

Maria: „Die Sünden sind ihr verziehen, und wenn sie nicht in den Augen Gottes Gnade hätte gefunden, hätte Er sie dir nicht zugeführt. Es ist ein Zeichen, daß der Herr sie emporbringen will. Darum hat Er sie in gute Gesellschaft geführt, um sie loszureißen von sich selbst. Sie hängt aber noch allzu fest an sich selbst, an dem niederen Staub und Tand der Welt, an ihrem eigenen Willen. Aber ihr alle, ihr alle, ihr hängt noch zu viel an eurem eigenen Willen, ihr alle müßt noch absterben euch selbst, nicht der Welt, dieser seid ihr längst abgestorben, aber euch selbst. Die Schuhe müßt ihr noch ausziehen. Aber nur Mut!

Du, Meine Luise, mußt nicht glauben, wenn du manchmal kalt bist und trocken, du seiest abgewichen, es sei Meinem lieben Sohn nicht angenehm, weil du jetzt viel zerstreut bist. Siehe, wenn der Bräutigam seine Braut ins Brautgemach einführen will, wird die Braut ihm dann grollen, wenn er sie einige Zeit im Gange hält und sie liebkost, wird sie ihm grollen? Gewiß ist die Braut auch da mit ihm zufrieden, auch wenn er nur mit ihr auf dem Gang stehen bleibt. Sie wird gewiß nicht drängen und treiben, daß er sie einführe in das Brautgemach. Seht, so macht es Mein lieber Sohn mit einer jeden Seele, die Er liebt. Wenn Er Sich manchmal ihr entzieht und sie darben läßt, weil Er sie hinaussendet unter andere, um sie für Sich zu gewinnen, da hält Er sie auf dem Gang, da liebkost Er sie und spricht mit ihr durch alle die Seelen, die Er dir zuführt. Dieses alles sind Liebkosungen von deinem himmlischen Bräutigam. Ins Brautgemach einführen wird Er dich dann erst, wenn Er dich einführt ins himmlische Brautgemach. Dort wird Er mit dir verkehren, Tag für Tag. Aber solange ihr noch unter den Menschen weilt, müßt ihr mit Menschen verkehren und andere Ihm zuführen.

Das soll aber auch dir gesagt sein, Meine Kleine. Du stehst in einer Familie, die guten Willens sind, zudem recht fromm und brav. Aber siehe, du bist manchmal auch so ungehalten, wenn es dir nicht nach deinem Köpfchen geht. Weg mit der Eigenliebe, nieder mit der Selbstsucht, die Schuhe aus, und deinem Bräutigam entgegenlaufen! Grüße Mir alle deine lieben Angehörigen, die zwei Mädchen, deine Nichte und Schwägerin. Grüßet Mir auch alle, die mit euch in Verbindung stehen, besonders eure lieben Angehörigen.“

Barbara: „Meine liebe Mutter! Ich bewundere N., die Deinem lieben Sohn so großmütig dient, und schäme mich vor ihr, und es tut mir auch leid, daß sie über einiges so redet. Ich weiß nicht, ob ich es ihr nicht sagen soll.“

Maria: „Du mußt ihr in aller Ruhe dieses sagen, deswegen bist du ihr zugeführt worden, das Gerede ihr offenbaren und sie aufmerksam machen auf diesen Fehler. Sie muß wie du und wie ihr alle, die Schuhe ausziehen. Das ist es ja, warum so wenige Menschen zur vollendeten Vollkommenheit gelangen. An etwas hängt jede Seele, und dieses Etwas muß weg. Sie braucht nicht ins Kloster zu gehen, sie soll nur ihren Eigenwillen bekämpfen. Sie soll ja nicht glauben, daß sie allein die Fromme sei, weil sie ihr ganzes Vermögen eingesetzt. Dieses Vermögen hat sie nicht errungen, ist nicht ihr Verdienst; es ist eine Gabe Gottes, die der Herr dem einen gibt, dem anderen nimmt. Ihr hat er diese Gabe gegeben und guten Willen dazu, damit sie diese Gabe für Seine Ehre verwende. Nun soll sie Ihm auch ihr liebes Herz schenken, ihr Ich mit Füßen treten und nicht glauben, andere seien weniger fromm als sie.“

Barbara: „Siehe, liebe Mutter, was sagst Du dazu, daß sie so abfällig vom Dritten Orden spricht und von den Betschwestern. Zwar kann sie nichts dafür, weil sie diesen Fehler von einer Lehrerin ihrer Jugend geerbt hat und ihr dies eingepflanzt wurde, aber es scheint mir doch ein Fehler.“

Maria: „Darum ist es ein großer Fehler und muß auch sehr gerügt werden. Und dieses ist es auch, warum gerade der Herr Sich ein so unwürdiges Werkzeug erwählt, warum Er mit einer Seele und durch eine Seele spricht, die von allen verachtet und hinausgestoßen ist, weil sie in einer Wirtschaft steht. Damit will Er die ganze Welt belehren, auch die abstrakten, frommen Klosterleute, die meinen, man müsse nur im Kloster sein, um mit Gott verkehren zu dürfen, und so sei es erlaubt, von anderen verächtlich denken zu dürfen nach freiem Willen und Belieben. Du, die der Herr ins Kloster geführt, hast für dich zu sorgen, und du, die der Herr in den Ehestand geführt, hast gleichfalls für dich zu sorgen. Du hast zu sorgen, daß du deine Seele hinbringst vor den Richterstuhl Gottes. Und du, die du in der Welt stehst als Jungfrau, in der Familie oder für dich allein stehst, auch wenn du reich bist und andere arm, auch wenn du Gutes tun kannst und andere können nur empfangen, vor Gott seid ihr alle gleich. Da gibt es keinen Unterschied der Person, seiest du ein Kirchenfürst auf dem Stuhle Petri oder auf dem bischöflichen Stuhl; seiest du ein armer Knecht oder eine arme Dienstmagd, oder aber eine Äbtissin, das ist alles gleich vor Gott! Der ist Ihm am nächsten, der sich am meisten verläßt, der nur Ihn sucht und kennt und auf Seine Stimme hört, und diese Seine Stimme befolgt und nicht schaut auf diesen oder jenen. Geht hin und sagt es ihnen.“

Barbara: „Meine liebe Mutter! Man schiebt den Eintritt dieser Klosterkandidatin auf zwei Jahre hinaus. Deswegen möchte ich anderswo anfragen, um ihr fortzuhelfen.“

Maria: „Du kannst dort anfragen. Dies alles hat seine wichtigen Gründe, und später werdet ihr auch erfahren, warum. Meine lieben Kinder! Laßt euch nicht sieben, laßt nichts unter euch aufkommen, was die Liebe und die Einheit und den Frieden stören könnte. Je treuer ihr zusammensteht, desto sicherer ist der Weg, das Ziel, das ihr verfolgt. Zu dritt geht es sich doch viel leichter als alleine. Laßt nie einem Gedanken Raum, der irgendwie die Liebe verletzen könnte. Wißt, daß man alles aufbietet, um euch auseinander zu bringen, daß da alle nur möglichen Kunstgriffe angewendet werden. Ihr müßt euch freuen, eines für das andere und alle für eins. Wenn man eines von euch tadelt, muß dieser Tadel euch soviel gelten, als wenn er euch gegolten hätte. Es muß sich freuen jedes sowie über den Tadel. Aber auch über das Lob, denn wenn man eines von euch tadelt, erweist man euch ja Gutes; wenn man euch lobt, erweist man euch ja Gutes, insofern ihr dieses Lob Gott allein zuschreibt und auf Ihn allein zurückführt.

Aber ihr müßt wissen, daß es darauf abgesehen ist von der Welt, besonders von Meinen Dienern, denen die Gewalt in die Hände gelegt ist, um euch zu prüfen und zu sieben. Diese setzen alle Hebel in Bewegung. Da sie es nicht der Mühe wert halten, sich zu überzeugen, wollen sie sich halt so überzeugen, daß sie mit Verachtung über euch reden und es in die Länge ziehen, um euch so lahmzulegen. Aber der Herr hat euch erwählt und zusammengeführt, nicht um den Menschen zu gefallen, sondern um Ihm Freude zu machen, um durch euch viele andere zu belehren und vielen anderen Freude zu machen und vielen den Weg zu zeigen, der zum Himmel führt, auf dem gewandelt, die heilige Freude auch mitten in der Trübsal in dem Herzen des Menschen sein kann.“

Barbara: „Meine liebe Mutter! Zu Deinem heiligen Feste bitte ich Dich, gib uns doch auch Arme Seelen.“

Maria: „Ich will euch ein anderes Geschenk noch bringen. Ihr habt Mich gebeten um die vollkommene Liebe, um die Losschälung von allem Irdischen. Alles, was euch vorkommt, was wider euren Willen geht und der Herr es anders fügt, als ihr glaubt, ist ein Zeichen, daß ihr noch zu sehr am Weltlichen hängt. Ihr müßt es einfach fallen lassen, sobald ihr merkt, daß es der Herr euch entzieht, mag es sein, was es will: eine Gesellschaft, einen Menschen, der euch treu zugetan und den der Herr auf einmal von euch abwendet, oder daß er sich von euch abwendet. Dann ist es für euch das Zeichen, daß der Herr es so will, daß ihr euch davon trennen sollt dem Geiste nach, daß ihr es Ihm zum Opfer bringt. Ist es aber ein zeitliches Gut, Geld oder etwas von eurem Vermögen, oder in der Familie, geht es nicht so, wie ihr es geglaubt, in eurer Phantasie ausgemalt, dann wißt, daß euer Herz daran hängt, und wenn es euch der Herr entzieht, dann schenkt es Ihm freiwillig, und wendet das Herz von diesem Menschen oder Gegenstand ab und auf den Willen Gottes hin. So und nur so allein werdet ihr zur Freiheit der Kinder Gottes gelangen. Der Herr soll euch alles sein, und nichts anderes mehr wird euch betrüben. Dieses soll Mein Geschenk sein, das Ich euch heute durch eure heiligen Schutzengel überlasse, daß ihr, falls ihr kein Hindernis in den Weg legt, zur höchsten Stufe der Freiheit gelangen könnt, der Freiheit des Geistes.

Du, Meine Luise, bist zu hastig, wenn etwas dir nicht nach Wunsch und Willen geht, oder du dir einen Plan gesetzt, um ihn durchzuführen. Sei ruhiger und gesetzter, und du wirst sehen, welche Fortschritte du machst. Du, Mein Lieschen, bist zurückhaltender, du mußt aber gegen deine Schwestern frei und offen sein, du mußt sie nachziehen als diejenige, die der Herr vorausgesetzt, du bist die ältere, du bist die am weitesten Vorgeschrittene. Nicht aber, daß du dir etwas darauf einbildest. Nein, der Herr hat ein gutes Herz in dir gefunden, und du hast Ihm deinen Willen zum Opfer gebracht, und nun sollst du auch deine Schwestern nachziehen, du sollst mit ihnen wandeln, sie anleiten. Ihr seid bestimmt, vieles zu leiden, aber auch viele zu trösten. Seht nur, wie der Herr für all diejenigen sorgt, wie Er sie führt und leitet, wie Er sie an der Hand hält, die mit euch in Berührung stehen. Seht nur, Meine Kinder, wie Er für euch alle gesorgt, daß ihr an nichts Mangel leidet. Dieses aber nur deswegen, weil Er euren guten Willen gesegnet und weil Er Großes wirken will und den Menschen zeigen will, daß derjenige, der sucht, was droben ist, in keinster Weise zurückgesetzt wird von Ihm, daß Er im Gegenteil alles so lenkt und leitet, daß es demselben auch in zeitlicher Beziehung gut gehen wird. Er soll sich nur Seinem Willen unterwerfen. Seht, wie der Herr alles, was Er noch dir versprochen vom ersten Augenblick an, wo Er mit dir verkehrte, in Erfüllung gehen ließ. Siehe, wie Er alle deine Geschwister segnet um deines Gebetes willen, wie Er sie alle führt und leitet und so alle diejenigen, die mit euch in Berührung kommen; wenn sie einigermaßen das erfüllen, was der Herr verlangt, soll es ihnen gutgehen, sie sollen keinen Mangel leiden, auch nicht in zeitlicher Beziehung. Der Herr wird für das Brot sorgen, sorgen sie nur für Ihn.“

Am Fest Mariä Himmelfahrt nach der heiligen Kommunion sah Barbara ihren Schutzengel. Dieser zeigte ihr ihre Seele und sagte:

Schutzengel: „Siehe, weiß wie gefallener Schnee!“

Als Barbara sich sehr verwunderte und die heiligen Engel bat, Gott mit ihr zu preisen, kamen auch die Schutzengel von Lieschen und Luise hinzu und zeigten Barbara auch ihre Seelen. Alle waren blütenweiß, wie Federn, die auf und ab wogten, so sah es aus, und es war kein Unterschied zwischen den dreien zu sehen. Als Barbara sich verwunderte und sagte, daß das doch nicht möglich sei, weil erst neulich ihr die Seele von Lieschen viel glänzender sei gezeigt worden, sagte er:

Schutzengel: „Ja, das ist durch das Gebet gekommen, was die liebe Mutter Gottes uns gelehrt, die Aufopferung und das Eintauchen der Gebete in das kostbare Blut Jesu. Dadurch wird schneller alles ersetzt, als durch persönliches Verdienst erreicht werden kann.“

Die heiligen Engel beglückwünschten sich und sagten, sie seien sehr froh, daß sie uns leiten dürften, weil der Herr Sich unser so annehme. Wir sollen nur fleißig sammeln, damit wir ihnen viel übergeben könnten, um es vor den Thron Gottes zu bringen. Es wurden an diesem Tage sehr viele Seelen erlöst. Ein ganzes Magnifikat lang zogen Seelen in den Himmel ein. Barbara war in der Herz-Jesu-Kirche, wo ihr der Herr sagte:

Jesus: „Keinem Sterblichen, auch nicht dem heiligsten, enthüllte und enthülle Ich Mich so klar, daß er nicht ähnliche Prüfungen hätte bestehen müssen wie du. Alle mußten im Dunkeln wandeln, denn es gibt einen Grenzstein im Leben und nur derjenige schaut alles klar, der diesen Stein überschritten hat. Ich werde dich an Meiner Hand führen und leiten. Vergiß nie, was Ich dir an dieser Mir geweihten Stätte gesagt habe. Haltet fest zusammen und geht ruhig weiter.“

An demselben Tag kam der liebe Heiland Barbara in einer anderen Kirche als wunderschöner Jüngling entgegen und sagte:

Jesus: „Komm und folge Mir nach!“ Er führte sie an einen schönen, blauen See. Er ging voran und Barbara mußte Ihm folgen.

Jesus: „Weißt du, was Ich dir damit sagen will? Der See ist dein Leben. Du wirst rechts und links von den Wellen gepeitscht werden. Wie es aber schon viele Wassergüsse und Regen und Sturm erfordert, bis das Wasser des Sees sich trübt, so sollst du immer ruhig hindurchgehen und dich durch nichts irremachen lassen.“

Später sagte der Herr zu ihr:

„Ihr bittet Mich schon lange um die Freiheit des Geistes. Wenn Ich aber nicht Selbst solche unangenehme Dinge herbeiführte, so käme der Mensch nie von sich selbst los. Aus diesem Grunde lasse Ich euch dies alles durchmachen. Ihr beiden könnt das nicht leisten, was Lieschen in der Abtötung leistet, aber ihr könnt sie einholen durch den Spott und Hohn, der euch mehr trifft als Lieschen. Wenn ihr feststeht und tut, was Ich wünsche, will Ich euch alle Fehler verzeihen.“

Danach war Barbara sehr in Ängsten, ob sie nicht etwa getäuscht sei, und weil sie nicht schlafen konnte, so las sie in einem Buch. Da plötzlich hörte sie gegen Mitternacht eine wunderliebliche Stimme:

„Wer bittet, der empfängt, wer sucht, der findet, wer anklopft an der Gnadenpforte Meiner Barmherzigkeit, dem wird aufgetan.“

Auf die Kraft dieser Worte hin wurde Barbara wie umgewandelt und voll heiligen Friedens und himmlischen Trostes.

Inhaltsverzeichnis Band 3

255 Erster Donnerstag im September 1898

„Niemand in der Welt kann dir den Frieden geben, niemand kann ihn dir aber auch nehmen, wenn Ich ihn dir gebe.“

Lied: Reine Engel ...

Barbara: „O mein Jesus! O Du Bräutigam meiner Seele! Wie soll ich Dich empfangen, o Du König der Herrlichkeit, Du König der Glorie. Du kommst zu mir armen Sünder. Mein Jesus! Habe ich Dich doch nichts als beleidigt, nichts als Dich gekränkt durch die vielen Zweifel und Ängsten, durch die vielen zahllosen Beleidigungen, die ich Dir entgegenbrachte. O mein Jesus! Wenn Du Dich in mir zurückziehst, bin ich nichts als Armut und Elend, Torheit und Sünde. O wie muß ich Dir danken! O helft mir doch, meinem Jesus Dank sagen. Du allein genügst mir! O ich brauche niemand, o ich brauche nichts, wenn ich Dich besitze, bin ich reich genug. Sage mir doch, warum kommst Du heute, wo ich Dich gar nicht vermutete? Gelobt sei Jesus Christus! Ich danke Dir, o Herr!“

Jesus: „Meine Kinder! Ihr wundert euch, daß Ich so unverhofft komme, so unerwartet Mein Werkzeug benutze. Ich will euch heute eine Freude machen. Seht, der Monat, an dessen Anfang ihr steht, an dessen Eingang, ist Meinen heiligen Engeln geweiht, und Ich komme, euch euren heiligen Schutzengel zu bringen, ihn euch vorzustellen.“

Barbara: „O mein Jesus! O Du Bräutigam meiner Seele. Ich danke Dir für diese unendliche Güte. Ich danke euch, ihr lieben, heiligen Engel, im Namen meiner beiden Mitschwestern. O, diese herrlichen Kronen! Diese sollen wir uns verdienen, diese sollen unser sein, ist es möglich, meine lieben, heiligen Engel?“

Und der Schutzengel von Lieschen steht neben ihr und reicht ihr eine unaussprechlich schöne Krone. Der Engel ist wie durchsichtig, sein Kleid ist wie Kristall und doch gedeckt, unaussprechlich glänzend. Um die Lenden sind sie gegürtet, alle drei. Auch der von Luise hält ihr die Krone hin, aber sie ist noch nicht so herrlich, noch nicht so vollkommen.

Barbara: „Ich danke dir, mein lieber, heiliger Engel!“

Eben hält er Barbara die Krone hin.

Jesus: „Die mußt du aber erst noch verdienen. Du mußt sie noch verzieren mit Edelsteinen und mit Perlen. Siehe, diese Kronen, die aus feinstem Gold geschmolzen sind, da fehlen noch viele Edelsteine, überall sind Lücken, wo ein Edelstein muß eingefügt werden, und so kleine Öffnungen, wo die Perlen fehlen.“

Barbara: „O mein Jesus, Barmherzigkeit für mich! Mein lieber, heiliger Schutzengel, ich grüße dich durch das süßeste Herz Jesu Christi, und ich bitte dich, mache mich so gleichgültig gegen alles Irdische, daß ich darüber hinweggehe, als wenn ich in der Luft flöge. Nicht eher will ich sterben, bis ich geläutert bin. O Herr, laß mich doch so lange leben, bis mein Fuß nicht mehr anstößt an all dem, was mir vorkommt, an all den Stöcken und Steinen, über die ich hinwegschreiten muß. Besonders bitte ich Dich, steh mir bei in meinem Familienleben. Mach mich aufmerksam jeden Tag auf das, was wieder vorkommt, damit ich mich vorsehe und wappne mit Geduld. Wir sind bestimmt und berufen zum Leiden, Seelen zu retten unserem lieben, himmlischen Bräutigam, anderen ein gutes Beispiel zu geben, wie sie ihren Lebensweg zurücklegen sollen. Darum brauchen wir viel Kraft und Stärke. Ihr lieben, heiligen Schutzengel, ich grüße euch durch das süßeste Herz Jesu Christi und bitte euch um Kraft und Stärke, die ihr uns von Gott erflehen wollt. Du aber, o lieber Jesus, o ich danke Dir für die unaussprechliche Liebe und Güte, daß Du Dich würdigst, unsere lieben, heiligen Engel uns zuzuführen.“

Dann sang Barbara das Lied: Engel Gottes ...

Jesus: „Meine lieben Kinder! Seht, wie Ich Mich würdige, euch zu trösten. In allen den Trübsalen, die über euch kommen, will Ich euer Tröster sein, ganz allein euer Tröster! Ihr müßt Mir aber auch eine solche Treue entgegenbringen, daß Ich jederzeit zu euch kommen kann, wenn es Mir beliebt. Treue verlange Ich von euch; ein treues verlange Ich, ein edles Herz und sonst nichts weiter. Gewissenhaftigkeit in allem, was Mich anbelangt. Gewissenhaft müsst ihr Mir gegenüber sein. Ihr müßt euch hüten, je etwas zu denken, zu reden oder zu tun, was Mein liebendes Herz betrüben könnte. Alles andere geht euch nichts an, ob jemand kommt und trinken will an der Quelle, von welcher Süßigkeit ausströmt, oder nicht, ob jemand sich trösten will oder nicht. Alles das muß euch eins sein. Ich werde dafür sorgen, daß ihr Freude habt und Frieden in Überfluß; Freude und Frieden! Meine Kinder! Wundert euch nicht, daß so wenig Menschen glauben, daß Ich ein so guter Gott bin. Sie kennen ja die Liebe nicht, die Liebe eines Gottes, weil sie die Liebe nicht kennen wollen, weil sie die Liebe nicht aufsuchen wollen.“

Barbara: „Mein Jesus! Ich war wirklich untröstlich in den letzten Tagen. Ich hatte mich entschlossen, niemals mehr etwas zu glauben, was über die Vernunft hinausgeht, was man nicht mit Händen greifen kann. Denn wie es immer geht, wenn nicht alles handgreiflich ist, hat man ja nichts zu erwarten als Schmach und Schande und Unbilden von allen Seiten. Kein Mensch ist da, der sich erbauen könnte und erbauen möchte. Darum wollte ich ganz einfach den gewöhnlichen Weg wieder gehen. Aber, mein Herr und mein Gott, wie muß ich Dir danken! Du kommst, ohne daß ich es ahnte. Siehe, ich habe Dich heute nicht erwartet, so wenig wie jeder andere Mensch, der nichts um die Sache weiß, und doch kommst Du. Mein Jesus! Ist es denn möglich, daß Du so unendlich gut bist? Kannst Du denn vergessen den Undank Deines Kindes?“

Jesus: „Ich habe ihn vergessen, denn Ich weiß, wie kurzsichtig der Verstand des Menschen ist. Mein Verstand ist aber nicht zu ermessen und zu erschöpfen, er ist nicht zu vergleichen mit deinem Verstand. Du weißt nicht mehr, daß du dich Mir zum Opfer gebracht hast, daß du Mir deine Einwilligung dafür gegeben hast. Ich aber weiß es noch, und Ich werde tun, was Ich will; denn du bist Mein, und Ich bin dein. Ich bin dein!“

Barbara: „Mein Jesus! Ist es wahr, Du bist mein? O Du genügst mir auch. Komme, wenn die ganze Welt mich verschmäht, wenn sie mich für einen Narren hält. O komme an mein Herz! Mein Jesus! Du hast mir vorhin in der Kirche gesagt, als ich Dich fragte, warum Du meinen Beichtvater weggeholt hast, weil er ja doch nicht so tiefgläubig war und sich nicht um Dich gekümmert hat. Mein Jesus! Ist denn der andere gläubiger, den Du mir heute vor acht Tagen bestimmt? Wird er sich mehr um mich annehmen? Mein Jesus! Ich bin so ruhig, als wäre gar nichts vorgefallen. Ich weiß nicht, ist es ein gutes Zeichen oder ein schlimmes?

Jesus: „Meine Tochter! Niemand in der Welt kann dir den Frieden geben, niemand kann ihn dir aber auch nehmen, wenn Ich ihn dir gebe. Und der Beichtvater, der jetzt kommt, den Ich dir angegeben, wenn er dich einmal kennt, durch und durch kennt, wird er nicht so wankelmütig sein wie der, den Ich von dir weggeführt habe, weil er ja doch Meinen Plänen nicht zustimmte.“

Barbara: „Mein Jesus! Wird es denn etwas nutzen der Sache, wenn dieser besser zu mir ist und nicht so wankelmütig ist?“

Jesus: „Ich will, daß du ein Gebetsleben führen kannst, mehr als die gewöhnlichen Christen. Ich will dich oft in Meiner Nähe sehen; denn je mehr die Menschen Mich hinausstoßen aus ihrem Herzen, je weniger sie glauben an Mich und ihr Vertrauen auf Mich setzen, desto mehr hängt Mein Herz an Seelen, die Meinen Kummer teilen. Nun aber stehst du in einer Familie, die sich gar zu sehr beeinflussen läßt von dem Weltgeist, und darum wirst du gar viel davon abgehalten. Wenn aber dein Beichtvater dazu steht und sich deiner annimmt, dann sehen die, die Ich um dich gestellt habe, doch mehr ein, daß Ich es bin, Der dich in ihre Mitte gestellt und um deinetwillen und um deines Gebetes willen soll der Segen überströmen über sie und über die Familie und über alle, die sich daran beteiligen.

Alle, auch deine Geschwister, sie sollen den Segen empfangen, den Ich spenden werde durch dich und durch dein Gebetsleben. Je mehr du nun dieses Gebetsleben führst, desto mehr soll der Segen ausströmen über alle, die mit dir in Verbindung stehen. Ihr aber, laßt euch nicht in die Enge treiben, laßt euch nicht irreleiten, wenn man euch haßt und verfolgt und alles Unrecht euch nachredet. Freut euch und frohlockt, denn groß ist euer Lohn. Wißt, daß, wer Mir nachfolgen will, auch den Weg gehen muß, den Ich gewandelt bin. Wenn der Schleier fällt, dann erst wird offenbar werden, was Ich durch euch gewirkt habe und durch euch wirken wollte.“

Barbara: „Mein Jesus! Ich kann aber Lieschen nicht nachahmen, soll ich denn auch fasten wie sie?“

Jesus: „Du sollst ruhig über alles hinweggehen, was Widerwärtiges dir vorkommt, nicht achten auf das Gerede der Menschen, geradeaus gehen, schnurstracks auf Mich zu. Das Fasten und alles das, es ist gut für die Seele, die anfängt Mir zu dienen, aber die Seele, die Ich schon eine Weile geführt, und deren Gebetsleben ohnedies schon die Kräfte erschöpft, für diese ist es nicht gut, ihren Körper allzusehr abzuhärmen. Und Ich sage dir nochmals, Lieschen, wenn du Mir Freude machen willst und willst dein Leben verlängern, um Mir zu dienen und Seelen zu gewinnen, dann mußt du deine Kräfte erhalten. Es ist nicht mehr notwendig, durch außergewöhnliche Dinge den Menschen zu erhalten und Wunder zu wirken wie früher. Es ist vielmehr notwendig, auf dem gewöhnlichen Weg ein Tugendleben zu führen, auf ganz gewöhnlichem Wege ein vollkommenes Christenleben zu führen. Dies will Ich durch euch bewirken und bezwecken, und deshalb geruhe Ich, soviel mit euch zu reden und zu verkehren.

Weil die Welt gottlos geworden ist, und weil die Welt allseitig abgewichen ist vom rechten Weg, und weil die Christen, die Meine Lieblinge sind, Mein auserwähltes Volk sind, und Ich durch sie die Welt retten will, darum will Ich eine Regel aufstellen, die alle Menschen befolgen können. Ich will, daß die Eheleute mit den Klosterleuten, mit jenen, die sich Mir geweiht, daß die Laien mit den Priestern, und die Jungfrauen mit den Verheirateten, jedes für sich leben und stehen kann im Gebetsleben. Darum verlange Ich nichts Außergewöhnliches, als nur, daß die Menschen ihr Kreuz, das Ich ihnen auferlegt habe, jedes in seinem Stand und Beruf, mit Geduld Mir nachtragen sollen, daß sie sich losreißen sollen von irdischen Dingen, losschälen von allem, was sie abwärts zieht, von allem Leben und Treiben der Weltkinder, die Vergnügungssucht meiden, der Vergnügungssucht ganz absterben unter jeder Bedingung.

Wer sich anschließen will an den Liebesbund, den Ich gründen will mit den treuen Kindern Meines Herzens, mit den Christen dieser Zeit, der muß die Vergnügungssucht meiden, der muß ein Gebetsleben führen, auch wenn es nur Stoßseufzer sind. Jeder Christ, mag er stehen, wo er will, als Dienstmädchen oder Ehefrau, als Priester oder Bischof, oder Papst auf dem Stuhle Petri, jeder kann ein solches Leben führen und muß es auch führen. Und jeder, der sich anschließen will, muß, weil er da viel Kraft und Gnade braucht, sich oft einfinden am Tisch des Herrn, an Meinem heiligen Tische. Ich Selbst will ihn leiten und führen an der Hand, denn durch diese Armee, die Ich da bilden werde, soll die Welt gerettet werden, soll Meine Kirche wieder aufblühen und zum Sieg gelangen. Darum, wenn auch viele sich euch entgegenstellen werden, wenn alle eure Vorgesetzten euch mit Verachtung gegenüberstehen werden, wenn niemand glaubt und glauben will, wenn man euch sagt: ‚Der redet die Wahrheit, da gibt es kein Fehlen und kein Abweichen von der Wahrheit‘, dann verhaltet euch ruhig und klammert euch fest an Mich. Und doch ist es die ewige Wahrheit, die da zu euch spricht. Und wenn es manchmal euch vorkommt und den Anschein hat, als sei die ewige Wahrheit nicht in euch, dann müßt ihr wissen, daß dieses nur zu eurem Besten geschieht, um euch Leiden zu verursachen. Denn ihr seid gar armselige Menschen und müßt immer wieder abgestreift, geläutert und gesiebt werden, und wie kann Ich euch anders läutern und sieben als durch solche Dinge, die euch Verachtung und Spott eintragen. Aber, daß es Mich freut, daß Ich glücklich bin, zu euch zu kommen, Mich euch mitteilen zu können, seht ihr am heutigen Abend wieder, am Vorabend, wo die Christen Mein Herz verehren, Mein Herz, das alle Schätze der Liebe und der Gnade in sich birgt, das Ich so gern ausgießen möchte und niemand ist da, der sie empfangen will.

Du aber, Meine Tochter (eine Verwandte von Barbara), Ich habe dich an die Seite eines Mannes gestellt, der Meinem Herzen gefällt, der Mir Freude macht, dessen Ich Mich rühmen kann, du mußt dich mehr ihm fügen, du mußt suchen, dich ihm gleichförmig zu machen. Du hast bisweilen einen eigensinnigen Kopf. Du mußt dir alle Mühe geben, diesen Eigensinn abzulegen, recht einig und friedlich mit ihm leben, ihm Freude zu machen suchen. Denn euer Ehestand soll vielen Eheleuten zum Vorbild werden. Deswegen habe Ich euch gesegnet, ihr werdet in Zukunft nie mehr darben an zeitlichen Gütern. Dieses habe Ich euch dazu gegeben, weil ihr Mir dienen sollt. Das verlange Ich aber auch von allen deinen Geschwistern, sie sollen ihren Mitmenschen zum Vorbild stehen, wo sie sind. Nur dann werden Meine Diener überzeugt werden, daß es gut ist, sich in den Liebesbund einzureihen.“

Barbara: „Mein Jesus! Wie bin ich doch so beglückt, gerade heute an dem Tag, wo Du mir meinen Beichtvater weggenommen hast. Ich danke Dir, segne um so mehr N. Segne ihn, daß er noch überführt wird, er ist nicht allein schuld. O segne alle die Priester in der Stadt, daß sie doch feststehen im Kampfe, und alle die Priester in der heiligen katholischen Kirche. Besonders bitte ich Dich für diejenigen, die so wankelmütig sind. Mein Jesus, Barmherzigkeit!“

Inhaltsverzeichnis Band 3

256 Erster Freitag im September 1898

„Denn jeder Mensch hat einen furchtbaren Kampf zu bestehen, weil zwei Geister streiten um seine Seele, um seine Seligkeit.“

Lied: Dem Herzen Jesu singe ...

Barbara: „Hochgelobt und gebenedeit sei das Allerheiligste Sakrament des Altars, von nun an bis in Ewigkeit! O mein Jesus! Ich danke Dir für die unendliche Liebe und Güte, daß Du Dich herabläßt zu mir armen Sünderin. Ich bereue all meinen Undank, meine Treulosigkeiten, die ich in meinem ganzen Leben, besonders an diesen Tag begangen. O verzeihe mir! Wann werde ich einmal anfangen, Dich wahrlich zu lieben, wie Du es verlangst und verdienst. O mein Jesus, Bräutigam meiner Seele!“

Jesus: „Meine Kinder! Es freut Mich und Ich sehne Mich, zu euch zu kommen. Warum auch nicht? Sehnt sich nicht der Vater, seine Kinder wieder einmal zu sehen, besonders, wenn sie lange abwesend waren? Sehnt sich nicht die Mutter nach dem Kind, besonders wenn sie weiß, daß ihr Kind leidet, daß es kein Herz hat so wie ihr eigenes, wie ihr Mutterherz. Da sehnt sie sich, dem Kind zu ersetzen, was ihm von der Außenwelt abgeht. Bin Ich nicht der treueste Vater, bin Ich nicht die zärtlichste Mutter, bin Ich nicht der liebenswürdigste Bräutigam? Und lange war Ich abwesend; schon drei Wochen habe Ich Mich nicht in eurer Mitte sehen lassen.

Aber mehr noch als ihr euch nach Mir sehnt, sehne Ich Mich nach euch. Glaubt es doch, daß Ich Mich sehne, in eure Mitte zu kommen. Habe Ich ja doch das Allerheiligste Sakrament des Altars eingesetzt, um Meine Kinder nicht verlassen zu müssen, da Ich sie ja zu Meinen Brüdern und Schwestern erhob, indem Ich Fleisch von ihrem Fleisch annahm, und darum Ich Mich nicht mehr von ihnen trennen konnte. Solange Mein Fleisch und Blut lebt in dieser Schöpfung, so lange will auch Ich in ihr leben, Ich, Der Ich dieses Fleisch und Blut geschaffen habe. Wenn Ich Mich nun unter euch aufhalte, verborgen im stillen Tabernakel, und unerkannt von den meisten Menschen, so glaubt Mir doch, daß Ich Mich sehne, daß die Menschenherzen sich mit Mir vereinigen und Ich ihre Not und ihr Elend mit ihnen teilen kann, indem Ich tröstend und helfend ihnen zur Seite stehen will, weswegen Ich sie ja einlade, zu Mir zu kommen, um sie in Mich aufzunehmen. Um wieviel mehr sehne Ich Mich, Meine lieben Kinder, zu euch zu kommen, da Ich hier gerade so herabsteige wie auf den Altar, auf das Wort des Priesters, im stillen Tabernakel auf geheimnisvolle Weise, die der Mensch freilich nicht versteht und auch nicht begreifen kann. Und doch ist es so. Bin Ich ja der Schöpfer aller Dinge und kann tun, was Ich will, darf Ich ja nur wollen, und es geschieht.

Wenn Ich Mir nun ein Geschöpf erwähle und dieses benutzen will, wie einen hölzernen Tabernakel, wo Ich wohne, in dem Ich Mich aufhalte, weil es Tag für Tag mit Mir verkehrt in der heiligen Kommunion, und Ich so alle ihre täglichen Fehler wieder auslösche, wie Ich es tue nach jedem guten Werk, sollte es Mir nicht erlaubt sein, mit ihm zu verkehren, wie Ich will. Sollte Ich dieses Geschöpf nicht benutzen dürfen, um Mich durch dieses Geschöpf euch verständlich zu machen; durch dieses Geschöpf zu euch zu reden?

Seht, Meine lieben Kinder, die Liebe ist es, die dieses Werkzeug sich erwählte, nicht für sich, sondern der Liebe zu Meinen Kindern halber. Denn zu allen Meinen Kindern will Ich reden die Sprache der Liebe, zu allen, die guten Willens sind, die an Mich glauben, auf Mich hoffen und Mich zu lieben verlangen. Und weil Ich weiß, daß es doch viele sind, die begierig Meine Worte einschlürfen, wenn sie auch noch so sehr im alltäglichen Geschehen abgezogen werden, freuen sie sich doch immer wieder, ein liebes Wörtchen von Mir zu hören. Deswegen glaubt es Mir, daß Mir die Zeit, bis Ich wieder zu euch kommen kann, länger wird wie euch selbst; denn ihr kennt die Liebe nicht, die Liebe eines Gottes, die Liebe, die da drängt, sich mitzuteilen, die Liebe, die nicht allein sein kann, die alles mit sich fortreißen kann, was ihr im Wege steht, weil sie alles mit sich fortreißen will.

Denn die Liebe ist glücklich. Der Mensch, der liebt, ist glücklich, auch wenn er alles entbehren müßte. Die Liebe ist aber dann erst glücklich, wenn sie in ihrem Ursprung ist, von dem sie ausgegangen ist. Die Liebe, sie ist ausgegangen von Mir, und Ich bin ihr Ursprung, und sie ruht und rastet nicht, bis sie wieder zu ihrem Ursprung zurückgekehrt ist, zu ihrem Schöpfer. Seht, Meine Kinder, es muß euch nicht verdrießen, daß ihr so vieles leiden müßt, daß Ich euch schlage mit Trübsal jeglicher Art: Trübsal von innen und von außen, Trübsal von der Welt, von den Menschenkindern dieser Welt, Trübsal vom Feind, von eurem Widersacher, Trübsal endlich von euch selbst, denn jeder Mensch hat einen furchtbaren Kampf zu bestehen, weil zwei Geister streiten um seine Seele, um seine Seligkeit; denn glücklich sollst du werden, Mein Kind, ewig, ewig glücklich, und diese Spanne Zeit, die du lebst, ist dir nur gegeben, um deine Seligkeit zu erhöhen und zu vermehren.

Darum harre aus, Mein Kind, benütze gut die Spanne Zeit und wisse, daß du nur im Leiden für gut befunden wirst, nur im Kampf. Wer gesetzmäßig gekämpft hat, nur der wird den Siegespreis erlangen. Und ihr alle, die ihr teilnehmen sollt an Meiner Glückseligkeit, ihr alle sollt den Kampf bestehen und gut bestehen. Deswegen komme Ich zu euch, Meine Kinder, deswegen rede Ich eine Sprache, die man nicht verstehen will, die man für einfältig und töricht hält, weil es die Sprache der Kleinen ist, der von der Welt Zurückgesetzten; weil es die Sprache der Verachteten und Verstoßenen ist, der Kinder Meines Herzens. Es ist die Sprache des leidenden und sterbenden Gottmenschen, Der ja Selbst verachtet und zurückgesetzt und verstoßen sein wollte, welcher der Letzte sein wollte unter Seinen Brüdern, weil Er die Kleinen retten wollte.

Wenn Ich nun eine Zeitlang Mich zurückziehe, hat das immer seine wichtige Bedeutung, denn viel leichter ist es für euch, je öfter Ich zu euch komme. Die Kinder, die um den Vater geschart sind, haben keine Not, solange der Vater für sie sorgt. Wenn sie sich aber selbst überlassen sind, angewiesen sind auf ihre eigenen Fähigkeiten und Möglichkeiten, dann darben sie manchmal, besonders aber, wenn sie etwas ungeschickt sind. So geht es euch. Solange Ich bei euch bin, da habt ihr keine Not, da spende Ich euch immer das Lebensbrot, daß ihr übersatt seid. Wenn Ich Mich zurückziehe, geht das Brot aus und ihr müßt hungern und darben. Aber auch das ist ein Kunstgriff Meines Herzens, damit ihr auch verdienen lernt, damit ihr auch seht, wie sauer Mir das Brot zu verdienen kam.

Denn dreiunddreißig Jahre mußte Ich euer Brot verdienen, das Brot, woran alle Menschen essen, solange die Welt besteht, das Gnadenbrot. Ich bin nun eingegangen in Meine Herrlichkeit, und das Gnadenbrot wird ausgeteilt. Aber es soll immer und immer wieder vermehrt werden, der Schatz der katholischen Kirche, den Ich in ihr niedergelegt durch Meine Verdienste und die Meiner heiligen Mutter. Und dieser Schatz wird immer und immer vermehrt durch neuen Zuwachs an Verdiensten, den Meine Kinder Mir verdienen müssen, Meine leidenden Kinder auf Erden. Und diese seid ihr, ihr treuen Glieder Meiner katholischen Kirche, ihr allein könnt das Gnadenbrot verdienen und vermehren helfen. Je mehr die Welt hungert und ausgedorrt ist im Gnadenleben, abgestorben ist, desto mehr Glieder brauche Ich, die sich einsetzen für die anderen, die sich einsetzen und arbeiten und verdienen für andere, die nicht verdienen. Der Vater, der zwölf Kinder hat, hat mehr Sorgen als der Vater, der nur eines hat, und je mehr Kinder draußen herumirren, außerhalb dem Vaterhaus und im Nichtstun sich herumbalgen und dennoch leben und essen und eingehen wollen ins Vaterhaus, desto mehr müssen die anderen Kinder und der Vater zusammenwirken, um das Brot zu verdienen für diese nichtsnutzigen und entarteten Kinder.

Deswegen nicht müde werden, ihr Meine liebsten Kinder, ihr alle, die Ich euch erwählte, um an Meinem Tisch zu sitzen und auszuteilen das Brot des Lebens, das sind die Worte, die da heraussprudeln aus der Quelle des ewigen Lebens, die da fließt über die ganze Welt, über die ganze sichtbare Schöpfung im Allerheiligsten Altarsakrament; denn Ich bin es, die Quelle des ewigen Lebens, die da niedergelegt ist dort im stillen Tabernakel. Dort sprudelt sie; denn hier ist dieselbe Quelle wie dort im stillen Tabernakel, nämlich Mein lebendiges Wort.

Hinaustragen sollt ihr Meine Worte, die da ausströmen aus Meinem Mund, unter Meine Kinder. Ihr sollt verkündigen, wie Ich jedem seinen Stand angewiesen, und mit diesem Stand ihm auch sein Kreuz auf seine Schultern gelegt. Und daß er dieses Kreuz Mir nachtragen möge; wenn er es mit Mir trägt, wie Ich es ihm erleichtere und ihm die Krone verdienen helfe, die seiner wartet in der Ewigkeit.

Große Gefahr steht Meinem Volke bevor, und je näher die Gefahr heranrückt, desto leichtsinniger wird Mein Volk. Satans Reich ist ausgebreitet in Meiner Schöpfung, denn es ist die Zeit gekommen, wo Meine Kinder gesiebt werden sollen, weil die Völker Mich nicht mehr anerkennen als ihren Gott, weil man Meine Kirche geknetet und sie unterdrückt wird von allen Seiten – aber nur deswegen, weil Ich es will, weil so die Herzen und Gedanken vieler offenbar werden sollen. Denn viele Glieder Meiner Kirche sind faul geworden, darum überließ Ich es Satan, seine Gewalt und seine Bosheiten auszuüben in Meiner Schöpfung.“

Barbara: „Mein Jesus! Es gibt doch auch viele Gute noch. O verschone, o Herr, verschone Dein Volk; gedenke, daß Du uns nicht verwerfen kannst, ohne daß der Wert Deines heiligen Blutes an uns verlorengehe. Gern will ich die Schmach ertragen und mit mir alle, die sich an uns anschließen. Lieber ist es uns doch, Schmach und Verachtung zu ertragen, als so gezüchtigt werden, wie Du es vorhast durch Krieg, Hungersnot und Krankheiten aller Art. O dann werden auch wir ja alle gestraft, mitsamt den Gottlosen und den abtrünnigen Menschen. Verschone, o Herr, verschone bitte Dein Volk!“

Jesus: „Ja, es ist so, Meine Kinder! Damit könnt ihr auch am meisten verdienen, daß ihr die Schmachreden alle mit Geduld hinnehmt, die auf euch geschüttet werden. Denn fürchten tun sich alle vor dem Strafgericht. Das weiß doch jeder, der da lebt unter der Sonne, daß es eine Zeit gibt, wo Ich Mein Recht wieder zurückverlange, und wenn er auch tut, als sei er der Ungläubigste von der Welt, wenn er auch sagt, es gibt keinen Gott: im Herzen denkt er ganz anders und zittert vor diesem Gott.

Auch die Bessergesinnten, die Mir noch dienen, fürchten diese Strafgerichte, und wenn Ich sie ihnen androhe, dann glauben sie auch eine Zeitlang. Wenn sie aber nicht plötzlich hereinbrechen, dann fängt man an zu spötteln und zu witzeln über diejenigen, durch die Ich Meine Strafgerichte vorher verkündigen ließ. Gottes Mühlen mahlen jedoch langsam, aber sicher! Wenn Ich bisher Mein Volk strafen wollte, zögerte Ich immer lange, lange damit. Wenn Ich aber strafte, dann strafte Ich furchtbar. Wie weh tut es dem Vater, wenn er sein ausgeartetes Kind strafen muß. Auch wenn er noch so zornig ist, tut es ihm so weh, als müßte er sich selber die Rute schwingen. Und Ich, der beste Vater, Ich sollte nicht zögern? Wehe aber, wenn Ich schlage!“

Barbara: „O mein Gott! Sieh, es gibt doch auch so viele gute Gläubigen. Siehe, wie die katholische Kirche alles aufbietet, um ihre Kinder zurückzuführen. Sieh doch, welche Geduld die Priester üben mit den Christen dieser Zeit. Es gibt doch so viele verborgenen Seelen, Du hast es selber schon gesagt. Erbarme Dich der Welt, verschone Dein Volk um dieser Christen willen!“

Jesus: „Es ist wahr, es gibt viele in diesem Jahrhundert, große Heilige. Aber diejenigen, die nach Heiligkeit streben wollen, müssen diese Heiligkeit auch verdienen. Nicht nur, daß Ich ihnen Meine Gnade dazu gebe, ihrerseits müssen sie auch treu mitwirken, wie immer. Aber ganz besonders in diesem Jahrhundert, welches das abgängige Jahrhundert ist, wo das Christentum abgegangen ist wie noch in keinem Jahrhundert, seitdem Ich die Erde bewohne. Da müssen diejenigen, die nach Heiligkeit streben, sauer ihre Tugenden erproben. Sie werden geprüft und geschmolzen in dem Schmelzofen der Trübsale. Wenn sie auch nicht auf die Folterbank oder auf dem Schafott sterben müssen, eine beständige Folterbank bereite Ich ihnen durch ihre Mitmenschen. Denn je abgängiger die Christen, je lauer die Christen sind, desto boshafter sind sie über andere, die es nicht mit ihnen halten.

Darum freut euch, daß ihr zu denjenigen gezählt seid, die dieses Martyrium zu bestehen haben. Und sagt es allen Meinen lieben Kindern, allen, die die Schriften lesen, die hören von Meinen Worten, daß sie, falls sie sich nicht schämen wollen, offen und frei ihren Glauben zu bekennen, offen und frei vor ihren Mitmenschen sich unter Meine Fahne zu flüchten, Ich sie zu den liebsten Kindern Meines Herzens zähle, zu denjenigen, die nach Heiligkeit streben und dereinstens eine Krone, eine herrliche Krone sich erwerben sollen, die sie vor ihren Himmelsbürgern, vor ihren Mitbrüdern durch die ganze Ewigkeit auszeichnen wird. Wenn Ich, da Ich doch versprochen habe, wer Meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der Mich liebt, schon großen Lohn versprochen, wie erst dann, wenn einer Meine Gebote hat und sie hält und obendrein auch noch für Mich leidet und duldet; dessen Krone wird um vieles schöner, dieser trägt eine eigene Krone.

Grüßet Mir alle eure lieben Geschwister, besonders euer liebes Schwesterchen in A., die ganz aufgeht in Meiner Liebe. Freuet euch, ihr Geschwister dieser Familie, denn ihr habt in ihr eine Blume, die die ganze Ewigkeit hindurch eurem Auge wohltun wird. Sie ist eine Blume im Garten Gottes, eine reine Himmelsblume, die Mein Herz erfreut, wenn Ich sie ansehe. Sie ist demütig, sanftmütig, geduldig, liebreich gegen jedermann, sie liebt Mich über alles und ihren Nächsten wie sich selbst. Dasselbe kann Ich auch sagen von deinen Geschwistern, Meine gute N. Sie alle suchen Mich und nur Mich allein, und sind Blumen im Garten der Kirche, die dereinst verpflanzt werden in Meinen Garten, in Meinen Himmelsgarten. Könnte Ich doch alle Menschen herbeiführen. Könnte Ich ihnen zeigen, wie gut Ich bin! Könnte Ich sie in Meine Arme schließen. Denn niemand kann Ich auf dieser Welt das Kreuz ersparen, das Ich ja Selber tragen wollte dreiunddreißig Jahre, weil Ich ja den Menschen bestimmt habe, mit Mir die Krone zu tragen, die Krone der ewigen Herrlichkeit. Wie gut ist es darum, wenn der Mensch hört und weiß, wie Ich ihn liebe, daß Ich gekommen bin, um ihn zu retten und selig zu machen, daß Ich unter ihnen weile, daß Ich seine Trübsal sehe und Ich ihm doch seine Leiden versüßen möchte.“

Barbara: „Mein Jesus! Würde es Dir nicht Freude machen, wenn man die drei Gebetchen verbreitet, welche Du die heilige Gertrud gelehrt, zur Ersetzung aller Versäumnisse und die Aufopferung von der lieben Mutter Gottes?“

Jesus: „Tue es so und sage Meiner Dienerin N. Meinen Dank für ihre freigebige Liebe. Denn alle die Menschen, die sich erbauen an diesem Gebet, deren Werke und Fehler will Ich ersetzen, indem sie Mir diese Aufopferungen machen, da Ich ja doch ohnedies warte, ob der Mensch nicht zu Mir komme und Mir seine Armseligkeiten vorstelle, weil Ich Mich so sehr sehne, ihm alles zu ersetzen, all dies will Ich dir zugute rechnen. O wie sehr sehnt sich Mein Herz, ihm alles zu ersetzen. Seht doch Mein liebes Gottesherz!

Wenn du zur Ruhe gehst und bist sehr müde und fühlst dich recht schwach und du weißt, daß du dich recht verfehlt hast und getraust dich nicht, die Augen zu erheben vor lauter Armseligkeit und Fehler, die du begangen, und du zu Mir kommst und sagst: ‚Siehe, mein Jesus, welch armseliges Werkzeug ich bin, nichts als Gebrechen habe ich zu bringen, nichts als Fehler und Unvollkommenheiten, ersetze Du mir, was ich elender Sünder nicht vermag‘, wie bin Ich so bereit, wenn du nur kommst und sagen magst, daß Ich ersetzen soll, wie bin Ich so begierig, dieses Wörtchen zu hören und zu sagen zu Meinem himmlischen Vater: ‚Vater, Ich will ersetzen, was ihm mangelt, gewähre ihm die vollen Verdienste, den vollen Genuß, wie er begehrt, und die Ich ihm schenken will; Ich schenke ihm alle Meine Verdienste.‘

Dann gehst du wieder frei von Fehlern den anderen Tag an deine Arbeit und an dein Tagewerk, und wenn du es so machst jeden Tag, und Ich dann komme und dich abrufe vor Mein Gericht, siehe, wie kannst du dann, wenn Ich neben dir stehe und du dich an Mich wendest zum letzten Mal und Mir sagst: ‚Mein Jesus! Ich war ein armer Mensch, aber jeden Abend habe ich Dir die Bitte vorgetragen, mir alles zu ersetzen‘, und Ich dich nun zum letzten Mal Meinem himmlischen Vater vorstellen und sagen werde: ‚Siehe, Vater, Meine Verdienste sind seine Verdienste, o nimm ihn zu Dir in Deine Herrlichkeit‘. Sieh, Mein Freund, mit welchem Trost und Zuversicht kannst du dann aus dieser Welt hinausgehen, scheiden und vor dem Gericht bestehen. Ich sage dir dieses, Mein Freund, damit du dich erinnerst, wenn der Kampf schwer ist, wenn der Schweiß dir ausgepreßt wird von der Last und Hitze des Tages. Siehe, Ich stehe neben dir und will dir alles ersetzen, was du nicht kannst. Glaube Mir nur, und du bist gerettet. Fürchte nur insofern Meine Gerichte, wenn du nicht willst, wenn du nicht glauben magst, dann fürchte Meine Gerichte. Wenn du aber glaubst und tust, wie Ich dir sage, dann hast du nichts zu fürchten, denn alles, alles will Ich dir ersetzen.“

Barbara: „O ihr lieben Heiligen Gottes, o ihr alle unsere lieben, heiligen Schutzengel, helft mir doch Dank sagen. Ihr Schutzengel all derer, welche die Schriften lesen, o saget Dank; denn sie nehmen teil an der Glückseligkeit, die aus den Worten sprudelt. O kommt mit mir! O Himmelskönigin, Dein Lob wollen wir verkünden! Ich sehe das ganze Zimmer voll von himmlischen Geistern; sie alle wollen sich mit uns vereinigen und Lob singen dem Herrn. Heilige Barbara, ihr heiligen Katharina, Agnes, Elisabeth, Franziskus, Antonius; heiliger Johannes, ihr meine erwählten Patrone, ich danke euch für euren Besuch. O singet mit uns Lob der hohen Himmelskönigin! Hochpreiset meine Seele ... O gib doch, o liebe Mutter, daß jene nicht so flucht.“

Maria: „Ihr müßt es mit ihr bereden, solchen Menschen, die Satan in Besitz genommen.“

Barbara: „O schenke uns doch einige Arme Seelen, besonders N. und N.“

Maria: „Für jetzt noch nicht, aber wenn einmal die Gebete verbreitet sind, die sie durch ihre Mittel will drucken lassen, dann kommt das Gebet ihr zugute, und ich will ihr zuwenden das Gebet dieser Christen; denn weil ja jede Aufopferung für die Abgestorbenen mitgebetet wird, will Ich dieses den Seelen zuwenden um des Verdienstes willen, das ihre Tochter verdient durch ihre treue Hingabe an Meinen Sohn. Vielleicht auf Weihnachten. Ich will Mich für sie verwenden.“

Nachtrag: Am Fest Mariä Geburt 1898 war Barbara am Gnadenort der lieben Muttergottes zu N. Während des Hochamtes sah sie, wie die liebe Mutter Gottes in großer Majestät, angetan mit einem unsagbar herrlichen, blumenreichen Mantel, unter den Gläubigen herumging und deren Gebete entgegennahm, und dann vor den Thron Gottes brachte. Als die liebe Mutter Gottes am Altar bei den Priestern stand, ragte Sie mit ihrer Schulter über die der Priester hinaus in unaussprechlicher Majestät. Eine bekannte Arme Seele stellte sich mit sehr wehmütigem, trübem Blick in die Nähe des Altars, und zwar zwischen seine Frau, die ebenfalls anwesend war, und seine Tochter, die dem Körper nach jedoch nicht da war, sondern nur mit dem Seelenauge. Nach der heiligen Wandlung goß die liebe Mutter Gottes das kostbare Blut über diese Seele. Es wurde Barbara bedeutet, daß der trübe Blick bedeute, daß besagte Seele im Leben sich dem Licht des Glaubens verschlossen hatte.

Dann zeigte die liebe Mutter Gottes Barbara die Gestalt der Kirche Gottes auf Erden, wie sie in jetziger Zeit aussehe. Sie führte Barbara zuerst in das Innere, das alles von weißem Marmor und Gold glänzte. Das Gold bedeute die Liebe der Priester und der jungfräulichen Seelen, die trotz aller Feinde der Kirche mit so großer Liebe und Anhänglichkeit an ihr hängen und sie zu stützen trachten.

Der weiße Marmor bedeute die Unverfälschtheit der Lehre Christi, die die Priester mit allem Fleiß zu wahren trachten, und die Reinheit der Sitten und ihres Wandels, sowie der jungfräulichen Seelen in der Welt. Nun führte die liebe Mutter Gottes Barbara nach außen. Dort sah es anders aus. Die ganze Mauer war fast abgebröckelt und nur mehr eine ganz dünne Scheidewand stand aufrecht. Jedoch waren unzählig viele damit beschäftigt, von unten herauf eine feste Mauer an die ganz dünne, zerbröckelte Scheidewand anzubauen, während viele andere den Mörtel emsig anrührten und wieder andere Handlangerdienste verrichteten.

Die ausgefallenen Steine bedeuten die von der Kirche abgefallene Männerwelt. Diejenigen, welche die Steine mit dem Mörtel wieder einfügten, sind die Priester. Es war bereits wieder eine meterhohe dicke Mauer aufgerichtet, und emsig arbeiteten sie weiter. Die Handlanger sind diejenigen, so wurde mir bedeutet, welche die Missionen in der Welt unterstützen, die Familien und treuen Seelen, die ihre Kinder oder Geld dazu hergeben. Die vielen Seelen, die im Kalk oder Mörtel rühren, sind die treuen Seelen der Kirche, die durch ihr Leiden und Opfer die Kirche stützen. Es komme wieder die Zeit, wo die ganze Mauer wieder aufgerichtet sei, wo die Kirche in großem Triumph stehe und der Glanz auch nach außen hin sich entfalte. Die Zeit ist nicht mehr fern.

Bei dem Requiem des Laienbruders, der plötzlich auf der Reise starb, sah Barbara denselben dasitzend und den Kopf in seine Hand stützend, gleichsam als ob er schläfrig wäre. Bei der heiligen Wandlung stand er auf und stellte sich unter den Priester am Altare. Bald darauf kam die liebe Mutter Gottes und führte ihn mit sich fort. Barbara wurde mitgeteilt, daß es ein sehr frommer Bruder gewesen sei, der alles getreulich besorgte, nur sei er etwas schläfrig im Gebet gewesen. Barbara fragte ihren heiligen Schutzengel, was sie ihm tun könne für all seine lieben Dienste. Dieser sagte: „Frage nur deinen lieben Bräutigam in der heiligen Kommunion.“ Barbara jedoch vergaß es sonntags. Am Montag bei der heiligen Kommunion stellte sich ihr Schutzengel an die Seite und sagte: „Jetzt vergiß auch nicht, was ich dir gestern gesagt habe, deinen lieben Heiland zu fragen.“ Das tat sie denn auch und der liebe Heiland sagte:

Jesus: „Dann machst du ihm die größte Freude, wenn du deine Zweifel und Ängste wegläßt, denn die kommen vom Widersacher. Fasse dir dies jetzt recht in den Sinn.“

Inhaltsverzeichnis Band 3

257 Fest Kreuzerhöhung 1898

„Meine Kirche wird nicht gelobt werden. Sie wird hineingestellt in die Welt nackt und bloß, auf sich allein angewiesen, auf Meine Macht. Ans nackte Kreuzesholz wird man sie schlagen.“

Lied: Der am Kreuz ... O du hochheiliges Kreuz, daran mein Herr gehangen, ganz kläglich ausgespannt. O heiliges Kreuz, sei uns gegrüßt, das unsere einzige Hoffnung ist, sei allen Trost und Rettung hier, vermehre den Frommen Gottes Gnad, tilge Sündern ihre Missetat. So betete Barbara dreimal in erhöhtem Ton. Mein Jesus! Ich danke Dir! Ganz besonders muß ich Dir heute danken für Deine unaussprechliche Liebe. Wie bist Du doch so gut. Nichts in der Welt ist, was mich trösten kann. Niemand ist aber auch, der mich zu trösten sucht.

Darum kommst Du, und darum ist mein Dank so groß, daß ich bereit bin, alle Tage dieses Leiden zu erdulden. Weil niemand sich darum kümmert, bist Du um so überzeugender, um so sicherer überführst Du mich. O liebe, heilige Patrone, liebe, heilige Barbara, Katharina, Elisabeth. Und Du, o Himmelskönigin, heiliger Josef, mein Führer, und ihr alle, die ihr mir beisteht, mit denen ich schon das Glück hatte zu verkehren, o helft mir doch Dank sagen für die unaussprechliche Gnade, daß der Herr sich herabläßt. O verzeihe mir meine Sünden, laß mich die Gnade und Barmherzigkeit bei Dir finden. Helft mir doch, meine Sünden bereuen, um Verzeihung zu bitten und Dank zu sagen. Ich bitte Dich aber auch, sei allen denen gnädig und barmherzig, mit denen Du auf ganz besondere Weise verkehren willst.

Siehe, die Welt ist so gottlos, daß niemand mehr daran glaubt, daß Du auf besondere Weise in einigen wirkst. Ja, die besten Kinder glauben nicht mehr. Alles, was sie sehen und hören, legen sie auf die schlimmste Weise aus. O verzeihe die Fehler aller derjenigen, mit denen Du auf solche Weise verkehren willst, weil dieses doch die Ursache ist, daß die anderen nicht glauben wollen. Gib allen denjenigen, mit denen Du verkehrst, den Trost, daß Du sie hinüberführst, weil sie ganz besondere Leiden von ihren Mitmenschen zu erdulden haben. Mein Jesus, Barmherzigkeit! Gelobt sei Jesus Christus!“

Jesus: „Meine Kinder! Freuet euch! Obwohl heute die Kirche ein Kreuzfest begeht, sie feiert das Fest Kreuzerhöhung, wo Meine Kirche gesiegt über alle ihre Feinde, wo ihre Kinder jetzt herbeigeführt werden und ihr Blick aufwärtsgezogen wird, wo Meine Kirche ihre Kinder hinweist, ihre Blicke auf das Kreuz zu richten. Darum sage Ich nochmals, freuet euch, ihr habt alle Ursache dazu.

Seht, je höher die Wogen gehen und je beklommener die Brust der einzelnen Glieder der katholischen Kirche wird, desto mehr sollen sich eure Herzen erweitern und in freudigem Jubel Mir Danksagung entgegenbringen, denn diese Beklommenheit der Christenherzen ist der Anfang zum Sieg, zu einer Entlastung, daß diese Herzen bald wieder freudiger aufatmen und die Beklommenheiten entfernt werden sollen. Habe Ich dir nicht voriges Jahr gesagt, daß haarsträubende Dinge sich ereignen werden? Habt ihr je gelesen in der Weltgeschichte, daß man das Frauengeschlecht zu erdolchen suchte, um seine Pläne durchführen zu können?

Dieses ist das Zeichen, daß der Anfang des großen Elends da ist, das Ich dir im Frühjahr, bei Beginn des Sommers, angedeutet. Meine Diener, die sich dir so ungläubig entgegenstellen, werden bald anfangen zu glauben, daß Ich es bin, der mit dir redet. Verhaltet euch nur ganz ruhig. Laßt sie nur machen. Ich, der Ich die Macht habe, Mir ein Geschöpf zu erwählen und durch dieses Geschöpf zu Meinen Geschöpfen zu reden, habe auch die Macht, alle zur Überzeugung zu bringen, daß Ich es bin, von dem das Wohl und Weh der Völker ausgeht. Das Wohl der Völker habe Ich jederzeit im Auge, auch wenn Ich zuschlage, wenn Ich züchtige. Aber wenn das Volk gottlos geworden ist, dann muß Ich Meine Zuchtrute schwingen, um die Völker wieder zu Mir zurückzuführen.

Wenn auch immer und zu allen Zeiten die Guten mit gestraft werden, um so die Sünden der Gottlosen zu büßen und um die Gottlosen – weil sie Mich hassen und verachten – durch die Verdienste der Guten wieder für Mich gewinnen zu können, so tut es Mir doch von Herzen leid, daß Ich die Unschuldigen strafen soll. Denn die Gottlosen werden sagen: ‚Wo ist denn euer Gott? Wenn es ein Gott gibt, an den ihr glaubt, dann kann Er dieses nicht dulden, nicht zulassen. Seht jetzt, daß wir recht hatten, daß es keinen Gott gibt, und wie gut wir taten, daß wir nach unseren Gelüsten lebten. Ihr Dummköpfe, die ihr in Fasten, Wachen und Beten und Abtötung eure Tage verbrachtet, wie übel seid ihr jetzt daran!‘

Seht, Meine lieben Kinder, die Mir so treu gedient im Leben, um dieses zu verhüten, um nun die Unschuldigen zu trösten und die Guten aufrechtzuerhalten, damit sie nicht wankend werden, will Ich Mein Volk aufmerksam machen durch die Worte, die Ich in einer Seele spreche. Sie sind nur für die Guten gesprochen, für die treuen Kinder Meines Herzens, um sie in der Trübsal zu trösten, um sie aufrechtzuerhalten, wenn Ich die Zuchtrute schwinge. Glücklich darum diejenigen Seelen, die da glauben, daß Ich die Macht habe zu tun, was Ich will, die da nicht mit neidischen Blicken auf ihren Mitbruder oder ihre Mitschwester herabsehen, weil sie wähnen, sie wären doch die besseren Seelen, mit denen Ich verkehren könne, und weil sie dann sich brüsten, die andere Seele sei doch gar nicht geeignet und stehe nicht an dem rechten Platz, wo man glauben könne, daß Ich mit einer solchen Seele zu verkehren wage.

Glücklich, sage Ich, die Seele, die glaubt ohne Hinterhäkchen, ohne Zweifel und ohne zu kritisieren. Wenn der Zeitpunkt gekommen ist, wo sie hineingeschwemmt ist in die Trübsal, in den Strom der Trübsale, wo die Wellen über ihrem Haupt zusammenschlagen, dann weiß sie, daß Ich es bin, Der sie retten wird, und dieser Trost wird sie vor dem Untergang bewahren. Sie wird wie die drei Jünglinge im Feuerofen bewahrt bleiben vor den Flammen, die um sie züngeln; sie wird wie Jonas sein, der drei Tage im Bauch des Walfisches war und dennoch unversehrt ans Land gespieen wurde. Siegreich wird sie hervorgehen aus all ihrer Angst, aus all der Trübsal, die sie umgab, und während ihre Mitmenschen zu Boden geschmettert sind, wird sie stehen wie ein Fels im Meer.“

Dann sang Barbara dreimal: „O heiliges Kreuz, sei uns gegrüßt, das uns die einzige Hoffnung ist, sei allen Trost und Rettung hier, vermehr den Frommen Gottes Gnad, tilg Sündern ihre Missetat.“

Jesus: „Meine Tochter! Ich will, daß du, sobald dieses Buch vollendet ist, zu deinem Bischof gehst und ihm sagst, daß er nicht verwerfen soll, was Ich ihm in die Hände gebe, auch wenn es ihm kleinlich vorkommt zu glauben, was Ich ihm durch ein ungelehrtes Dorfmädchen, durch eine Dienstmagd, sagen lasse. Wenn es ihm auch schwerfällt zu glauben, daß Ich die Arme aus dem Kot erhebe und sie neben die Fürsten Meines Reiches stelle. Die Arme, die Mir treu gedient, die aber von der Welt verachtet und zurückgesetzt und hinausgestoßen ist, weil sie aus der niedersten Schicht der menschlichen Gesellschaft herausgenommen ist. Ich will ihm damit zeigen, daß Ich die Armen retten möchte! Ich bin gekommen, den Armen das Evangelium zu predigen, um ihretwillen bin Ich vom Himmel herabgestiegen.

Und siehe, Mein Sohn, wie gerade die Armen verlorengehen, wie Ich ihr Richter sein muß, sie verdammen muß, weil sie gottlos geworden sind. Sie haben Mich über Bord geworfen. Hohnlachend sprechen sie: ‚Es gibt keinen Gott!‘ Aber sie sind die Verführten, sie sind nicht diejenigen, von denen das Übel ausgegangen ist. Ausgegangen ist das Übel von den hohen Häuptern und nicht wenig von Meiner Kirche. Meine jungfräulichen Braut hat dazu beigetragen in den Tagen, wo es ihr gut ging, wo sie mit Ehren gekrönt, das Szepter führte. In dieser Zeit wurde sie gar üppig. Sie verband sich mit den Mächtigen der Erde, ja sie war mit ihnen verbunden. Und weil die Welt sah, wie diejenigen lebten, denen Ich alle Meine Macht in die Hände gegeben, da wurde sie leichtsinnig, da schwand die Ehrfurcht.

Sobald der Mensch nämlich anfängt, die Autorität zu verlieren, schwindet alles mit dieser Autorität. Der Mensch muß wissen, daß es etwas gibt, vor dem er mit Ehrfurcht hinaufschauen muß, und das bin Ich in erster Linie. Jeder Mensch, der da lebt unter der Sonne, muß mit Ehrfurcht zu Mir hinaufschauen und dieses vor allem Meine Diener, denen Ich Meine Gewalt gab. Sobald diese Meine Diener anfingen üppig zu werden, schwand auch schon die Ehrfurcht. Denn je mehr sie sich an weltlichen Vergnügen und großen Festlichkeiten beteiligten, desto weniger dachten sie an Mich, desto mehr schrieben sie sich die Macht zu und meinten gar, die Ehre gebühre ihnen. So kam allmählich das Übel in Meine Kirche. Es wurde Mir lauer gedient, und Ich mußte ihr Meine Gnaden entziehen. Deswegen entzog Ich ihr alle Macht, alle weltliche Macht, sogar Meinen Dienern, die Ich auf den Stuhl Petri gesetzt habe.

Ich entzog in den letzten Jahrzehnten Meinen Dienern auf dem Stuhl Petri die weltliche Macht, die ihnen von Rechts wegen gebührt, um Meiner Kirche zu zeigen, daß Ich sie strafe, weil sie durch diese weltliche Macht von Mir abgewichen ist. Nun aber will Ich sie wieder zur höchsten Blüte führen. Es ist dies nur eine Strafe, mit der Ich sie eine Zeitlang züchtige. Ich will dem Stuhl Petri seine Macht wieder zurückgeben, denn ihm gebührt die Weltregierung, weil er der höchste Herr sein soll auf der ganzen weiten Schöpfung, zu dem all die übrigen Mächte ehrfurchtsvoll hinaufschauen müssen.

Nun aber habe Ich die Zuchtrute geschwungen in Meiner Kirche, die Ich jetzt wieder an Mich gezogen habe. Meine Kirche ist geläutert und gesiebt. Sie dienen Mir nach Meinem Wohlgefallen, und nur noch kleine Makel und Fehler hängen an ihr, die Ich noch beseitigen will. Dort nämlich, wo sie noch ein wenig liebäugeln will mit der Welt. Freilich verzeihe Ich ihr dieses, weil es zum guten Ton gehört, weil sie nur die Welt dadurch gewinnen möchte, daß sie mit ihr gar viele Nachsicht hat. Ich will dieses aber nicht. Ich will nicht, daß sie Nachsicht hat mit der Welt. Meine Kirche muß durch ihre eigene Macht sich hindurcharbeiten, hindurchkämpfen. Dir habe Ich Meine Macht gegeben, du Meine jungfräuliche Braut, und durch diese Macht mußt du dich hindurchkämpfen durch die gottlose Welt, du mußt hinaustreten, du Mein Freund, und der Welt die Strafgerichte ankündigen.

Glaubst du jetzt, Mein Freund, was Ich dir schon so oft sagen ließ, daß du, der du auf einem fürstlichen Throne sitzest, der du den Hirtenstab trägst, der auch ein Szepter ist, weil Ich dich über ein Reich gesetzt habe. Über ein ebenso großes und mächtiges Reich, noch vieltausendmal mächtiger als das Reich des größten Fürsten, Königs und Kaisers der Welt, denn du besitzest viel mehr Kleinodien als der mächtigste Kaiser, du behütest unsterbliche Seelen, die ewig mit Mir herrschen und triumphieren sollen, um einst zu regieren. Ich habe dir schon oft gesagt, daß du vor die Mächtigen hintreten mußt, die jetzt das irdische Szepter führen und ihnen sagen mußt, daß die Kirche Christi die allein wahre Kirche ist, welche die Macht besitzt, die Völker zurückzuführen. Und daß dieser Kirche Freiheit gewährt werden muß, Freiheit, damit sie frei ihre Rechte ausüben kann über ihre Kinder. Freiheit auch dem Stuhle Petri. In Verbindung müßt ihr euch setzen, ihr Könige und Kaiser, ihr Herrscher der Welt, mit dem, der auf dem Stuhle Petri sitzt. Mit Ehrfurcht müßt ihr ihn fragen in allen Angelegenheiten, wo ihr nicht entscheiden könnt, wo ihr kopfschüttelnd dasteht.

Ja, ja, tun sie es nicht, dann wird die Zeit bald kommen, und sie ist schon da, wie Ich euch schon oft gesagt, daß Ich ihre Häupter zerschmettern werde am Felsen Petri. Was nützt ihnen denn ihre Gewalt, wenn einer nach dem anderen unter dem Dolchschwert eines Bösewichts fallen? Und die Welt ist so überflutet mit Raubmördern, daß kein Mensch mehr sicher ist, weil der Glaube geschwunden ist.

So wie sie an diejenigen gehen, die da in goldenem Geschmeide dahergehen, so kommen sie auch an solche, die da im schwarzen Gewand demütig einhergehen, denn Thron und Altar sollen zugleich gestürzt werden. Deswegen, Mein Diener, sage Ich dir durch diese Meine Kleine, daß du keine Zeit mehr schweigen sollst, daß es dir genügen muß, schon ein ganzes Jahrzehnt diese Seele so zurückhaltend behandelt zu haben, und sie dennoch sich nicht zurückhält, weiter das auszusprechen, was Ich ihr all die Zeit aufgetragen habe. Aber fürchtet euch nicht, denn diejenigen, die euch nachstellen, können zwar den Leib töten, aber eurer Seele keinen Schaden beibringen. Den Wunderglauben will Ich erhöht wissen, dieses ist noch eines der Mäkelchen, die euch anhaften, ihr müßt den Wunderglauben Meiner Kinder bekräftigen, denn sonst werden sie wanken in der Trübsal, ihr müßt ihnen sagen, was man im Mittelalter geglaubt, was man im israelitischen Volk geglaubt, was man jederzeit geglaubt, solange die Welt steht, unter Meinem treuen Volk. Lehrt doch die Kirche in der Heiligen Schrift, daß die Sonne stehen blieb am Firmament, als Ich die Feinde schlagen wollte, auf das Gebet eines einzigen Gerechten hin. Lehrt doch die gleiche Schrift, daß Ich die Körper zum Leben erweckte, wo die Gebeine zerstreut lagen auf dem Schlachtfelde, auf das Gebet eines einzigen Gerechten hin. Warum sollte Ich nicht die Macht haben, in einer Seele zu reden, die im Fleisch wandelt, die Mir treu dient, die Mir zuliebe ihre Heimat verließ, die Mir ihre Ehre und guten Namen zum Opfer brachte. Verachtet, belächelt und bespöttelt wird sie von Meinen Dienern, achselzuckend und hohnlachend geht ihresgleichen an ihr vorüber, der darum weiß, und sie geht ruhig ihre Wege weiter. Warum denn? Weil sie nicht ihre Ehre sucht und nicht eure und nicht die Ehre ihrer Mitmenschen, weil sie Meinen Willen erfüllt und sonst nichts weiter.

Wenn ihr dem Volk auf der Kanzel und im Beichtstuhl sagt, daß Ich der Anfang und das Ende bin von allem, daß niemand sagen kann: ‚Herr Jesus!‘, außer im Heiligen Geist, daß der Mensch zwar Verstand hat und freien Willen und Gedächtnis, daß Ich es ihm aber gegeben, daß Ich die Gedanken einem jeden gebe und lenke und leite, der Mir treu dient, und daß zwei Geister um die Seele des Menschen streiten, daß der böse Geist ebenso mit seinen Einflüsterungen an die Seele herantritt, wie Ich durch Meinen guten Engel an sie herantrete und zu ihr spreche, warum wollt ihr zweifeln, daß Ich es bin, Der in dieser Seele angefangen und bis jetzt durchgeführt hat, daß Ich es bin, Der das, was ihr für ihre Gedanken und Einbildungen hinstellt, lenke und leite und durchführe.

Und Ich werde es durchführen, auch wenn ihr alle Hindernisse an ihr versuchen werdet. Laßt sie nur ruhig ihre Wege weitergehen. Niemals wird sie euch eine Schande bereiten, niemals wird sie sich hervortun in einer Gesellschaft, wo man sagen wird: ‚Seht, so weit kommen diejenigen, die den Pfaffen anhängen‘. Nein, nein! Ich will, daß die Guten und Treuen gefördert werden, indem sie in den Schriften lesen, wie gut Ich bin.

Ich will aber auch eure Autorität erhöhen, denn indem die treuen Christen, die noch glauben an Mich, die Mich suchen, hören, wie gut Ich bin, und welche Macht Ich den Priestern gegeben, werden sie nur mit Ehrfurcht zu euch hinaufschauen, wenn sie hören und sehen, daß ihr an Wunder glaubt, daß ihr glaubet, daß Ich von jeher durch Menschen zu Menschen reden wollte.

Lebt wohl, Meine Kinder, und sagt all denjenigen, die nach Mir verlangen, die durch die Schriften eifriger im Gebet werden, deren Liebe entflammt wird durch die Worte, die Ich durch dieses unmündige Werkzeug an sie richte, einen herzlichen Gruß. Sie sollen nur nicht wanken im Glauben, wenn Ich auch zeitweise Mich ihnen entziehe. Am rechten Tag, wenn es Mir gefällt, werde Ich immer wieder einen Trost für sie haben. Jener Klosterfrau sagt einen herzlichen Gruß von Mir; weil sie ihr Leben für Mich geopfert und eingesetzt, will Ich mit ihr zufrieden sein. Sagt ihr aber auch, sie soll nicht scheiden von ihren Schwestern, ohne ihnen zu sagen, wie gut Ich bin, und deswegen nicht mit einem neidischen Blick auf ein anderes Geschöpf herabsehen, das Ich erwählte, um durch dieses Geschöpf zu ihnen zu reden, als ob es nicht sein könnte, daß Ich auch in der Welt Seelen habe, mit denen Ich verkehre. Sie sollen glauben, daß Ich an jedem Menschen Meine Freude habe, der Mir treu dient, auch wenn er mitten in der Welt steht.

Wie du im Kloster Mir Freude machst durch Gehorsam, tut es eine Seele in der Welt durch die Geduld. Dadurch kann eine Ehefrau sich so hoch schwingen wie eine Klosterfrau. Durch die Geduld kann eine Dienstmagd zu dem Ehrenposten gelangen, auf den Ich einen Kirchenfürsten nicht erheben kann, der Mir lau und nachlässig dient, und noch viel höher wird eine arme Dienstmagd dereinstens gelangen als der laue Kirchenfürst, der sein Amt nur verwaltet, weil Ich es ihm gegeben! Sagt noch Meiner Tochter einen freundlichen Gruß von Mir, sie soll ihr Leiden hinnehmen als ein Opfer Meiner Liebe. Ich habe ihren guten Willen gesegnet, den sie Mir entgegengebracht, daß sie ihr ganzes Leben Mir treu gedient. Sie soll aber auch den Einflüsterungen Satans jetzt widerstehen, aber auch die bösen Gedanken, die sie auf Meine Dienerin hat, niederkämpfen, denn so wie sie ihre Fehler noch hat, die sie noch zu beweinen hat, so lasse Ich einem jeden Menschen gewisse Fehler, auch wenn er Mir noch so treu dient, um ihn in der Demut zu erhalten. Sie soll, wenn sie die Gedanken niederkämpft, die Verheißung haben, daß sie ruhig wie ein Kind entschlafen wird; denn ihr Tod ist ja das Opfer für einen Sünder, der Mir sonst verlorengegangen wäre.“

Barbara: „O Herr! Habe ich es nicht übertrieben, indem ich N. riet, doch trotz ihrer schwachen Gesundheit täglich in die Betstunden zu gehen?“

Jesus: „In Meinem Dienst kann man nicht übertreiben. Sie soll nur jeden Tag eine Stundenuhr der Barmherzigkeit halten, eine Stunde ihrem Bruder halten, aber nicht mutlos werden. Es wird noch eine geraume Zeit verfließen zu ihrer Verdemütigung und zur Prüfung für sie; denn diejenigen, die Mir anhangen, müssen harte Wege gehen; Ich kann es ihnen nicht ersparen, auch Ich mußte diesen Weg wandeln.

Darum freut euch, daß ihr so viel zu leiden habt, daß ihr so harte Wege wandelt, ihr seid ja auf dem Weg, den Ich gewandelt bin. Sagt nur N., fest soll er stehen im Glauben, daß Ich die Macht besitze, zu einem Geschöpf zu reden durch ein Geschöpf, das Ich gerade Mir erwählt, um diese Macht durchzuführen.“

Barbara: „Mein Jesus! Voriges Jahr und schon einige Jahre zuvor, hast du mir das Kreuz gezeigt, glänzend und siegreich, ganz von Gold überzogen. Dieses Jahr sehe ich es ganz hölzern, warum denn nur?“

Jesus: „Weil ihr viele Beängstigungen und Leiden zu erdulden habt, Beängstigungen von allen Seiten. Eingeengt ist Meine Kirche, Meine jungfräuliche Braut, und ihr müßt mit ihr leiden. Ich habe dir nur das Kreuz gezeigt mit Gold überzogen, um euch Mut zu machen. Nach und nach verblaßt dieses Gold und nur noch das nackte Kreuzesholz steht vor euch, ein Zeichen, welches der Triumph eures Herrn geworden ist. Am Kreuze hat euer Herr und Meister triumphiert, am Kreuze sollt auch ihr triumphieren.

Darum nicht der Welt nachsprechen, ihr Meine Diener, ihr Meine treuen Kinder. Am nackten Kreuzesholz sollt ihr stehen, allein, entblößt von allem. Man wird jeder Kirche Lob sprechen, man wird die jüdische Kirche noch loben, man wird alle, die abgerissen sind vom wahren Weinstock, sie alle werden noch gelobt werden, aber eure Kirche, Meine Kirche wird nicht gelobt werden. Sie wird hineingestellt in die Welt nackt und bloß, auf sich allein angewiesen, auf Meine Macht. Ans nackte Kreuzesholz wird man sie schlagen. Deswegen, ihr Meine Diener, harrt aus, ihr Meine Priester, übergoldet dieses Kreuz mit eurer Liebe, umfaßt es und klammert euch fest an dieses Kreuz, denn an diesem Kreuz werdet ihr siegen.“

Inhaltsverzeichnis Band 3

258 Dritter Freitag im September 1898

„Glaubt wohl, meine Kinder, daß ich niemals zu der Stufe gelangt wäre, auf der ich jetzt stehe, wenn ich meinen niederen Neigungen gefolgt oder auf die Reden meiner Mitmenschen geachtet hätte.“

Barbara: Ich sehe den heiligen Franziskus auf dem Berg Alverna im Gebet versunken. Heiliger Franziskus, seraphischer Lehrer. Lehre uns arme und unwürdige Kinder deines heiligen Ordens deine Lebensweise, lehre uns, in deine Fußstapfen eintreten.

„Heiliger Franziskus! Was willst du mich denn lehren?“

Franziskus: „Meine Kinder! Die Zeit, in der ihr lebt, ist so recht ähnlich der Zeit, in der ich lebte, nur noch um eine Stufe tiefer, ja noch viel tiefer ist das Menschengeschlecht gesunken als in der Zeit, da ich lebte. Die Welt war damals auch schon genußsüchtig, stolz und aufgebläht. Man strebte nur nach irdischem Besitz, um sich zu vergnügen, um sich das Leben angenehm zu machen. Aber nur leichtsinnig war die Welt, leichtsinnig über alle Maßen, besonders die Reichen. Man kannte nicht die Not der Armen, man überließ den Armen seinem Schicksal. Aber gottlos war die Welt dennoch nicht, nicht so, wie sie jetzt ist. So tief stand die Menschheit noch nie seit dem Sündenfall, wie sie es jetzt ist. Man glaubte noch an den einen Gott. Man fürchtete jedoch diesen Gott nicht, weil man an sein letztes Ziel und Ende nicht dachte, mit einem Wort: Weil man nicht nachdachte in seinem Herzen.

Aber viele bekannten sich in den Jahren, wo sie die Welt von sich stieß, wo sie die Welt nicht mehr brauchen konnte, doch wieder zum Herrn. Soviel, wie in der jetzigen Zeit, in der ihr lebt, hielt Satan doch nicht Ernte. Leichtsinnig war die Welt und üppig und genußsüchtig, aber nicht gottlos. Gottlos waren nur einzelne, die waren dünn gesät. Jetzt aber sind sie zu Tausenden und Abertausenden auf der Erde, die nicht mehr an einen Gott glauben. Darum, meine Kinder, ist es an der Zeit, daß sich Heilige bilden, daß die streitende Kirche Jesu Christi, der auch ich angehörte, sich alle Mühe gibt, um die treuen Katholiken, die treuen Christen, auf dem Weg zur Heiligkeit zu bestärken und zu fördern. Darum will ich euch heute eine praktische Belehrung geben, wie ihr es anstellen müßt, um recht viele Heilige zu bilden und möglichst schnell heilig zu werden.

Seht, meine Kinder, als ich auf Erden wandelte, waren dieselben Leidenschaften im Menschen, wie sie in euch auch sind. Man spottete und lächelte über eine Seele, die es nicht mit der großen Masse hielt. Deswegen mußt du Christ, wenn du heilig werden willst, nicht nach anderen fragen, dich nicht nach rechts und nicht nach links umschauen, was diese oder jene sagen oder tun. Fromme Christen können sie sein, wenn sie auch kein außergewöhnliches Leben führen.

Ein Familienvater (Familienmutter) kann ein recht frommer Christ sein, wenn er seine Kinder gut erzieht, wenn er ein sparsamer Hausvater (Hausmutter) ist und für das zeitliche und ewige Wohl seiner Kinder bedacht ist; aber daß er dadurch zu einer Heiligkeit sich erschwingt, Verdienste erübrigt, die der Kirche nützen können, ist nicht der Fall.

Merkt euch also, meine Kinder, wollt ihr mehr tun als nur selig werden, als nur in den Himmel kommen, wollt ihr auch andere zu euch ziehen, für andere sorgen, Verdienste sammeln, die auch euren Mitmenschen zugewendet werden können, dann müßt ihr ein außergewöhnliches Leben führen, nicht zufrieden sein mit dem, womit andere zufrieden sind. Ihr müßt auch das aufsuchen, was ich aufsuchte in meinem sterblichen Leben. Wenn ich mein Vaterhaus verließ und herumirrte wie ein verstoßener, verlassener Mensch, billigte dieses die Welt auch nicht. Ich aber tat es, um etwas für meinen Herrn leiden und dulden zu können, um Ihm zu zeigen, daß es mir Ernst ist, um Seine Blicke auf mich zu richten mit einem Wort. Und die erste Gnade zog die andere nach sich, ich hörte auf seine Stimme und folgte jedem Seiner Worte, die ich in meinem Innern vernahm. Ich glaubte, daß die Stimme, die in mir sprach, die mich anleitete, zu laufen auf dem Weg der Vollkommenheit, Gottes Stimme sei, und ich überwand meine natürlichen Neigungen und die Neigungen meiner Mitmenschen, gleich welcher Art sie auch sein mochten.

So müßt auch ihr tun, ob man euch zu- oder abgeneigt ist, geradeaus gehen, schnurstracks auf den Willen Gottes zu, Der da von Tag zu Tag euch kundgetan wird in den heiligen Stunden, wo der Herr Sich würdigt, zu dir und zu euch zu reden. Er wird euch kundgetan, jedem in seinem Herzen, wenn der Herr sich würdigt, bei euch einzukehren in der heiligen Kommunion. Glaubt wohl, meine Kinder, daß ich niemals zu der Stufe gelangt wäre, auf der ich jetzt stehe, wenn ich meinen niederen Neigungen gefolgt oder auf die Reden meiner Mitmenschen geachtet hätte. Wenn in mir der Geist sprach: ‚Stehe auf und gehe da und dorthin, diene Mir in stiller Zurückgezogenheit, oder gehe hin, das Wort Gottes zu vernehmen, und was Ich dir sagen werde durch den Mund des Priesters, der das Wort Gottes vorträgt, das befolge‘, dann ging ich ohne Zögern, nicht nach rechts und links schauend.

Seht, meine Kinder, das sind Ausnahmefälle, die nicht für alle Christen passen, weil nicht alle Christen dasselbe und das gleiche tun können. Dies sind Fälle, die nur für eine Seele passen, die der Herr schon jahrelang vorbereitet, der Er alle Wege gelegt und ihr gezeigt und gesagt hat: ‚Siehe, Ich bin es, Der dieses von dir verlangt; dazu habe Ich dich auserwählt, dazu habe Ich alles geordnet und geleitet, damit du Mir jetzt dienen kannst. Jetzt verlange Ich von dir dieses oder jenes!‘

Die Seele, die der Herr so an Sich zieht, merkt es gar wohl. Dann mußt du aber auch fortfahren, tapfer mitwirken, nicht nach rechts und nicht nach links schauen. Wenn nun der Herr dich ruft an einen bestimmten Ort, wo du ihm in noch größerer, außergewöhnlicher Weise dienen kannst als da, wo du bist, dann mußt du dieser Stimme folgen, es ist Gottes Stimme.

Siehe, meine Tochter, hätte ich nicht gefolgt, wäre ich nicht auf den Berg Alverna gezogen mit einigen meiner Brüder, so wäre ich niemals die Male meines Herrn zu tragen gewürdigt worden. Alle die Seelen, die mir vorausgegangen sind, die mit mir lebten, und die noch leben werden, die der Herr auf außergewöhnliche Wege führt, mußten alle außergewöhnliche Dinge tun. Wenn man euch sagt, es sei besser, den gewöhnlichen Weg zu gehen, dann folgt, soviel in eurer Kraft liegt, um ja keinen Anstoß zu geben, euren Mitmenschen, aber geht ruhig weiter und tut, was der Herr spricht, denn ihr seid berufen, um viele nach euch zu ziehen.

Die Welt, die gottlos geworden ist, braucht viele, die leiden und dulden, die den Mörtel zurechtmachen, womit das Priestertum die Bausteine wieder einfügt und festigt, denn das Mauerwerk der Kirche ist zerbröckelt. Mir wurde die Kirche gezeigt, wie sie am Einstürzen war. Dir wurde gezeigt, wie sie fest am Boden eingewurzelt ist, wie sie dasteht mit hoch gehobenem Haupte, wie ihr Gipfel bis an die Wolken des Himmels reicht, ein Zeichen, wie gewaltig fest und unentwegt die Kirche dasteht unter den gottlosen Völkern dieser Erde. Aber ihre Mauer ist zerbröckelt, ganz und gar zerbröckelt. Nie sind die Tore so aus den Angeln gehoben worden wie zu der Zeit, wo ich und eine andere Dienerin Gottes sie schaute, wie die heilige Brigitta nämlich, wo das große Tor und alle die kleinen Türchen aus den Angeln gehoben waren und der Kirche der Einsturz drohte. Jetzt sind Tür und Tor nagelfest wie neu, obwohl die alte Mauer dasteht, zerbröckelt und zerfallen.

Wißt ihr, was dieses bedeutet? Nicht braucht es Männer und Frauen, die die Kirche wieder aufrichten. Nein, Männer braucht es und Frauen, die Mörtel bereiten, die der Kirche helfend zur Seite stehen, damit die Mauer wieder erneuert werden kann, die zerbröckelt ist. Die Mauer, das Mauerwerk, das da ist die katholische Männerwelt, die ganz abgewichen ist vom rechten Weg, die andere Wege geht durch die unaufhörliche Genußsucht. Überall, auch auf dem Land, wo noch die Männer treu zur Kirche stehen, werden durch die unaufhörliche Genußsucht, durch die unaufhörlichen weltlichen Festlichkeiten, die da eingeführt werden von Sonntag zu Sonntag, die Männer abgezogen vom rechten religiösen Sinn und hineingezogen in das neue Heidentum, in den Liberalismus und den Sozialismus der Zeit. Da braucht die Kirche Seelen, die leiden und sühnen, den Mörtel bereiten; die das Material bereiten, daß das Mauerwerk wieder befestigt werden kann.

Was nützt das Wort des Predigers? Es ist recht, es dringt in die Herzen hinein. Du Prediger und du Priester, Ihr habt die Aufgabe, die Steine wieder einzufügen in die Mauer durch das Wort Gottes, das du predigst auf der Kanzel und durch den Beichtstuhl, wo du zum Sünder sprichst. Aber dieser Stein, der dir da in die Hände gegeben ist und den du wieder zurückführst, er steht noch wankend und wackelnd da, weil der Mörtel fehlt. Siehe, der Mörtel wird nur bereitet durch jungfräuliche Seelen, die da leiden und sühnen und opfern, die in der stillen Klosterzelle oder auf dem Krankenbett oder im Familienleben den Mörtel bereiten, und dieses gibt erst dem Sünder die Festigkeit, gute Beispiele, mit einem Wort, gute Beispiele. Und was ich war im zwölften Jahrhundert der Welt, das müssen solche einzelne Seelen im neunzehnten Jahrhundert wiederum sein. Darum, ihr Priester der katholischen Kirche, arbeitet fleißig und tüchtig, damit die Kirche viele Seelen gewinne, die auch den Mörtel treten, die auch den Speis zurechtmachen, womit ihr das Mauerwerk ausfüllen könnt.

Ihr aber, meine Kinder, fürchtet euch nicht! So und nur so seid ihr wahre Franziskuskinder. Franziskus gefiel auch nicht jedermann. Dieser Franziskus, er tat auch außergewöhnliche Dinge, die nicht jedem gefielen. Er ging betteln von Tür zu Tür, er schmeichelte nicht den Reichen und nicht seinesgleichen, er ging einfach und ruhig seiner Wege und scheute sich nicht, dem Stolzen, Aufgeblähten, auch wenn er eine hohe Würde bekleidete, sein Unrecht ins Gesicht zu sagen, ihn auf seine Fehler aufmerksam zu machen, und auch wenn er ihm nicht folgte, seine Worte nicht beachtete, ließ er es doch an Warnungen und Drohungen nicht fehlen. Er aber blieb nach wie vor der ruhige, verachtete, arme Franziskus.

Meine Kinder, ihr werdet sehen, wie sich die Dinge noch ganz anders gestalten, wie man noch froh sein wird in eurem Jahrhundert, sich an gute, treue Seelen wenden zu können, um Trost und Hilfe in den Bedrängnissen sich zu holen. Denn groß sind die Wirren der Zeit, in der ihr lebt, groß, überaus groß! Und wenn ihr nicht die Hilfe eurer vorausgegangenen Brüder zu erwarten hättet, viele von euch würden verschmachten; aber rechnet auf die Stütze von oben, rechnet auf unsere Hilfe. Wenn je das Glaubensbekenntnis gebetet wurde, und wenn ihr es betet und dabei betet, ‚Gemeinschaft der Heiligen‘, dann nehmt euch dieses wohl zu Herzen, dann denkt daran, wie wir euch in Schutz nehmen. Wenn wir zu allen Zeiten uns mit der streitenden Kirche auf Erden vereinigen, dann ganz besonders in dieser Zeit, wo noch nie die Kirche so bedrängt war und die treuen Kinder der Kirche.“

Barbara: „Wie kommt es doch, o lieber heiliger Franziskus, daß es viele fromme Leute gibt wie N., die den Drittorden verwerfen, und sogar Priester, die sehr vor einem Eintritt in denselben abraten?“

Franziskus: „Die Priester, die dies sagen, sind sehr im Irrtum, und das ist als ein großer Fehler ihnen anzulasten. Diese sind nur Priester, weil der Herr ihnen die Macht und Würde gegeben, und wissen nicht, was sie da verwerfen. Die mögen doch einmal Rundschau halten in ihrem eigenen Herzen, ob es da noch ganz richtig bestellt ist, weil sie vorgeben, es seien ja in diesen Seelen grobe Fehler vorhanden, die Ärgernis geben. Diese mögen nur in sich selbst nachdenken, ob dieselben Fehler nicht auch ihnen zu tadeln sind. Dies ist so und bleibt so, solange die Welt steht. Was der eine befördert, verwirft der andere. Darum werden nicht alle Priester heilig, nein: nur sehr wenige werden heilig, denn viele gehen den gewöhnlichen Weg wie alle Christen und haben nur das voraus, daß sie die Macht und Würde Jesu Christi tragen dürfen, und deswegen sind sie zu achten und zu würdigen, aber in ihrem Leben tun sie auch nicht mehr als andere gewöhnliche Christen.

Dies ist die Ursache, warum sie den Drittorden verwerfen. Sie werden einmal Rechenschaft dafür abzulegen haben an ihrem Lebensende. Alles, was die Seele fördern kann auf dem Weg zur Vollkommenheit, soll ein Priester nicht tadeln. Gibt es auch Seelen hie und da, die den Leuten nicht gefallen und denen man deswegen allerlei nachredet, so ist deswegen aber der dritte Orden nicht schlecht und nicht zu verwerfen. Am allermeisten ist es die Bosheit der Menschen, welche die Fehler solcher Seelen hundertund tausendmal vergrößert, weil sie einmal einen Haß haben auf alles, was sie selbst nicht tun wollen. Der Stolz ist die Ursache von allem, der Stolz ist überall die Ursache.“

Am Fest der heiligen Hildegard in Eibingen war Barbara dort und wohnte dem Gottesdienst bei. Die Heilige erschien ihr beim Evangelium und stellte sich auf die Epistelseite und sagte, sie habe das Evangelium durch ihre Schriften mit verbreiten geholfen, deshalb sei sie gleichgestellt den Evangelisten. Hildegard: „Laßt euch nicht abhalten und nicht einschüchtern vom Gerede der Menschen. Die Gnaden, die Gott in dir niederlegt, sind noch viel größer als diejenigen, die Er in mir gewirkt und viel glaubwürdiger als diejenigen, die ich hatte, weil ich eine Klosterfrau war, die sich üben konnte in diesen Sachen und ich in Wahrheit viele Bücher gelesen, während du in einem Stande stehst, wo es nicht möglich wäre, sich so etwas auszudenken; denn bei mir hätte man eher denken können, ich würde mich hineindenken. Deshalb haben die Priester unrecht, die Schriften nicht anzunehmen. Wie sie die Klosterfrauen durch Beschauung und Ansprachen in der Liebe Gottes entflammt haben, wodurch Gott sehr verherrlicht worden sei, so sollt ihr es tun, wenn ihr euch zusammenfindet.“

Inhaltsverzeichnis Band 3

259 Fest des heiligen Erzengels Michael 1898

„Gottlos wie noch nie ist die Welt geworden und niemand ist da, der Rettung schaffen kann und will.“

Lied: Reine Engel ungesehen ...

Barbara: „Ich grüße dich, o heiliger Erzengel Michael, und mit dir das ganze himmlische Herr der seligen Geister, die Gott treu geblieben sind mit dir. O heiliger Erzengel Michael, erflehe mir Verzeihung meiner Sünden, nimm mein armseliges Gebet, die armseligen Werke, die ich verrichtet habe und übergib sie den Händen der lieben Mutter Gottes.

Und Dich, o liebe Mutter, bitte ich, Du wollest es eintauchen in das kostbare Blut Jesu Christi und es reinigen, verschönern und vervollkommnen und es vollwertig, vollkräftig und vollzählig machen aus dem Wert der hochheiligen fünf Wunden und Deiner Verdienste und Tugenden und es vereinigen mit dem Gebet und den Werken aller Frommen und Gerechten und so dem himmlischen Vater darbringen für die Bedürfnisse der heiligen Kirche, besonders des Heiligen Vaters, für die Bekehrung der Sünder, zum Trost der Armen Seelen. Ganz besonders bitte ich durch dich, o lieber, heiliger Erzengel, um die vollkommene Liebe Gottes, um die Losschälung von mir und allen Geschöpfen, um die Vereinigung meines Willens mit dem Willen Gottes. Gelobt sei Jesus Christus!“

Michael: „Es ist recht so, daß gläubige Seelen sich zusammenfinden, um ihrem Gott, ihrem Schöpfer und Herrn die Ihm gebührende Ehre zu erweisen, Ihm Dank zu sagen für alle erzeigten Wohltaten, wofür Ihm die Menschen nicht danken, Ihn zu loben, Ihn zu bitten. Denn gar viele Menschen sind unter euch und mit euch vereinigt, die es vergessen. Es ist eine Zeit, die so recht der Zeit ähnlich ist, als die Schöpfung zum ersten Mal geschüttelt werden mußte.

Rein und heilig war die Schöpfung aus des Schöpfers Hand hervorgegangen, Seine Geschöpfe nämlich. Denn das erste, was Gott erschuf, war der Himmel, und diesen bevölkerte Er mit uns, Seinen Dienern. Den Himmel gab Er uns zu unserem Palast, in dem wir herrschen und regieren sollten. Er war unser Wohnsitz, der Himmel, der Palast des Königs der Könige. In Seiner Nähe waren wir überaus glücklich und sind es jetzt noch, die treu gebliebenen Engel. Aber auch uns gab der Herr, obwohl Er uns keinen Leib erschuf wie den Menschen, den Er in die zweite Schöpfung hineingesetzt, doch unseren freien Willen. Mit diesem freien Willen sollten wir uns selbst prüfen. Den freien Willen gab uns der Herr, damit wir wählen könnten zwischen Gut und Böse. Damals, als Gott uns erschuf, gab es noch nichts Böses. Da war alles gut aus des Schöpfers Hand hervorgegangen.

Als Er aber die zweite Schöpfung plante, uns Seinen Plan darlegte und mit diesem Plan uns die Schwäche und Armseligkeit des Menschen schauen ließ, daß dieser Mensch, den Er zum König dieser Schöpfung eingesetzt und einsetzen werde, Seinen Willen mißbrauchen werde und Er somit diesen Menschen strafen müsse, da enthüllte Er uns zugleich auch den Plan, daß wir dereinstens einen Menschen anbeten sollen, einen Menschen, der zwar kein bloßer Mensch ist, durch den Er aber die menschliche Natur so erhöhen wolle, daß dieser Mensch höher hinaufsteigen könne zum Throne Gottes durch seine Mitwirkung, als die Geister der ersten Schöpfung. Und dieses war die Prüfungszeit für uns, und viele, viele bestanden sie nicht. Es fing an zu gären, und der Stolz, die erste Sünde, war geschehen.

Der ganze Himmel zitterte, so furchtbar war der Sturm, die erste große Revolution, die in der Schöpfung sich abspielte. Aber wie mit einem Schlag, wie mit einem Zauberschlag durchfuhr mein Eifer diese Schöpfung. Ich forderte alles auf, was da lebte und webte, sich mir anzuschließen und Gott dem Herrn die Ehre, die Ihm geraubte Ehre, wieder zurückzuerstatten, und es gelang uns so, daß große Feierlichkeit und Stille einzog in den Palast des himmlischen Königs, des großen Königs.

Seht, meine Kinder, nicht umsonst hat die heilige Kirche, der Heilige Geist nämlich, in der Kirche, mich als ihren Schutzherrn eingesetzt, als ihren Feldherrn. Weil ich die erste Revolution durchkämpfen mußte, so bin ich der Feldherr aller geworden, die da leben in der zweiten Schöpfung, und zu allen Zeiten, wenn sich der Sturm erhob in der Kirche, in der Welt, in der ganzen Schöpfung, in der sichtbaren Schöpfung, bin ich an die Spitze gestellt, um das Heer zu führen, das gute Heer. Aber, meine Kinder, ich bin ein unsichtbarer Feldherr und kämpfe nur mit den Geistern, mit den Seelen, und helfe nur den Seelen, denjenigen, die den geistigen Kampf kämpfen. Darum ist es billig und recht, wenn sich viele Seelen an mich anschließen und diesen geistigen Kampf mit mir führen.

Das Übel ist groß und stark geworden in der Welt und wieder ist eine Revolution in der sichtbaren Schöpfung entbrannt, wieder deshalb, weil man Gott nicht mehr anerkennen will, weil es so viele Menschen gibt, die sich sagen: ‚Ich will Gott gleich sein‘, die sich selbst zu Gott machen und keinen höheren Herrn mehr über sich anerkennen wollen. Da ist es wieder an der Zeit zu kämpfen, mit geheimen Waffen, zu kämpfen mit Geistern, wie ich gekämpft. Die geheimen Waffen sind das Gebet, das gute Beispiel der einzelnen Seelen, und wehe, wehe der katholischen Kirche, wenn sie sich entblößt sieht dieser Waffen.

Nun ist es aber so weit gekommen in jetziger Zeit, daß diese Waffen sehr abhanden gekommen sind in der Welt, und eine furchtbare Katastrophe bevorsteht dem armen Menschengeschlecht. Gottlos wie noch nie ist die Welt geworden und niemand ist da, der Rettung schaffen kann und will. Alles hat sich erhoben, und voll Angst und Schrecken stehen sich die Geister gegenüber. Die Mächtigen der Erde wissen nicht mehr ein noch aus. Zitternd stehen sie da vor dem Abgrund, der sich unter ihren Füßen auftut, denn keiner ist mehr sicher seines Lebens. Zitternd steht da der Arme, Nackte und Entblößte, weil er nicht mehr gelernt hat, sein Brot zu verdienen durch der Hände Arbeit, weil er nur mit scheelem Auge nach den Glücksgütern des Reichen schaut, seines Bruders, und so viel als möglich nur genießen will. Zitternd steht er da vor seinem Elend, das er sich selbst bereitet hat.

Die Zeit ist gekommen, von der man sagt: Bruder, wie hast du dich in dem einen wahren Glauben halten, wie hast du dich retten können? Und von der eine Sybille sagt, daß der Christen so wenig seien, daß sie sich alle unter dem Schatten eines Baumes versammeln könnten. Ja, wahrhaftig, meine Kinder, die Zeit ist gekommen, denn in der ganzen Welt ist nichts als Irrtum, Unglauben und Aberglauben, und nur einen Bund hat der Herr geschlossen mit einem Volk, und das ist die Christenheit, die katholische Kirche. In ihr allein ist die Wahrheit und in ihr allein wird noch dem Herrn gedient. Aber wo sind die Christen? Abgeirrt sind sie vom rechten Weg. Die einen suchen nur noch ihr Vergnügen in der Wollust, in der Üppigkeit des Lebens, die anderen streben nur nach irdischen Gütern, um zu besitzen. Habsüchtig strecken sie die Hand nur aus nach diesem Staub dieser Erde, der in ihrer Hand zerfließt, und nur noch ein ganz kleiner Teil ist es, der Gott noch treu dient, ein ganz kleiner Teil.

Und da sollte der Herr nicht jammern, wenn Er hinein sieht in Seine Schöpfung, in das Leben so vieler Christen. Harret aus, meine Kinder, und versammelt euch recht oft, sooft der Herr euch ruft, um Ihm Sein Lob zu bringen, Sein Lob darzubringen, das Ihm gebührt. Fürchtet euch nicht! So wie es war in der ersten Revolution, wie diejenigen, die sich mir angeschlossen, den guten Kampf mit mir gekämpft und gesiegt haben, so werdet auch ihr siegen, ihr guten, treuen Kinder der katholischen Kirche.

Aber ein Michael muß der katholische Priester sein, ein Michael! Er muß vor die Mächtigen der Erde treten und vor das Volk und ihm sagen: ‚Wer ist wie Gott?‘ Und fortwährend ihm sagen: ‚Wer ist wie Gott?‘ Schrecklich ist die Zeit, aber harret aus. Auf diese Zeit kommt wieder eine andere, eine gar liebliche, schöne Friedenszeit, obwohl ihr viele Lücken beweinen werdet. Aber andere kommen herbei, die diese Lücken wieder ausfüllen werden, welche die Plätze einnehmen werden, die viele unter den Christen einreißen lassen. Viele, die da abfallen vom wahren Glauben, werden ersetzt werden durch andere, welche die Gnaden des Glaubens wieder besser nützen.“

Barbara: „O heiliger Erzengel Michael! Es ist eine schreckliche Zeit! Man steht da und weiß nicht ein und aus. So viele Menschen, die darben, weil sie nicht sparen können. Zudem wird geflucht und alles verwünscht; lange kann das nicht mehr so gehen. O mein Gott! Da wird es einem angst, wenn es wieder Tag wird. O stehe uns doch bei in all den Trübsalen. Niemand glaubt, daß Gott noch mit Seinen Geschöpfen verkehrt. O stehe mir doch bei, o lieber heiliger Erzengel Michael!

Und du, liebe, heilige Hildegard, du hast mich so schön ermuntert, wie ich an deinem Grabe war. O ihr lieben Heiligen Gottes, o ihr heiligen Engel, vereinigt euch mit uns und wir mit euch, daß wir unser Ziel erreichen. O hilf mir doch in meiner Familie, wo du mich hineingestellt hast, die vielen Widerwärtigkeiten durchzukämpfen, daß ich den Mut doch nicht verliere. O bitte, bitte für uns!“

Michael: „So ist es überall in allen Familien in der ganzen Welt, und nur noch einzelne sind es, die nicht angesteckt sind von diesem Zeitgeist, der da alles überschwemmt hat vom Unglauben. Alles ist matt und schwach geworden. Die Völker haben das Wasser getrunken, das Wasser der Gottlosigkeit, und diese einzelnen sind es, die den Kampf kämpfen müssen, die den geistigen Kampf durchkämpfen müssen durch die Waffen des Gebetes. Sie müssen in der gottlosen Welt ein Michael sein, schnurstracks durch die Welt hindurchgehen, sich verspotten und lästern lassen von ihrer Umgebung, von ihren religiösen Pflichten nichts, aber auch nicht ein Tüpfelchen vom ‚i‘ sich abstreiten lassen und vor allem beten für die gottlose Welt, immerzu beten. Die Priester auf der Kanzel und im Beichtstuhl; der Vater, die Mutter in der Familie, die Jungfrau im Kloster und in der Welt: Ein Michael müßt ihr sein! ‚Wer ist wie Gott!‘ Dieses sei euer Losungswort! Nichts anderes soll euch etwas bedeuten als alle Verdemütigungen und Leiden, alle Verachtung und Verspottung, alle Zurücksetzung. ‚Wer ist wie Gott!‘ sei euer Losungswort.“

Barbara: „O lieber, heiliger Erzengel! Ich empfehle dir die jungen Leute, die mir neulich empfohlen worden sind, denn soviel ich zu wissen bekam, sind dieses so einfältige Landleute, die in gar großer Angst sich befinden. Tröste die guten Leute, die ihre Söhne eingebüßt. O wenn es der heilige Wille Gottes ist, so tue mir doch zu wissen, o mein Gott, zum Trost der armen Eltern, was aus ihren Söhnen geworden ist. Sie wollen ja alle Opfer bringen für sie. – Gegrüßet seist Du, Maria, voll der Gnaden!

Heiliger Erzengel Michael, du Fürst der himmlischen Heerscharen, bitte für sie, du, der du das Amt hast, die Sterbenden zu begleiten vor den Richterstuhl Gottes, der du auch die Armen Seelen aus dem Fegefeuer befreist und die Pforte des Himmels öffnest, um sie darin einzuführen. Ich grüße dich durch das allerheiligste Herz Jesu und bitte dich ganz besonders für die Armen Seelen. Siehe, da doch so viele Menschen in der Welt Gott nicht mehr erkennen, Ihn lästern und verachten, ja Ihn hassen und verfolgen. O ich bitte dich für unsere leidenden Brüder im Fegefeuer, daß diese die Lücken ausfüllen und Ihn loben und preisen anstatt der Menschen. O schenke uns viele Arme Seelen. Schon jetzt opfere ich auf durch die reinsten Hände der allerseligsten Jungfrau Maria und durch dich alle die Rosenkranzgebete, die Ave Maria, die gebetet werden für die leidenden Seelen.

O schenke uns doch an diesem Abend zu deinem heiligen Fest, daß du wieder einen Einzug feiern kannst wie damals, als die bösen Geister aus dem Himmel ausgestoßen und du ein Freudenfest feiertest, wie du mir doch gesagt hast. O nimm recht viele Arme Seelen bei deinem Feste hinauf in den Himmel, damit auch sie ein Freudenfest feiern können, und damit der Herr, Den ich über alles liebe, doch verherrlicht werde, da ich doch so armselig bin, obwohl guten Willens, und doch so schwach. O helfet uns doch und gebt uns doch die Armen Seelen. Erfleht uns Verzeihung am Throne Gottes. Schenkt uns doch alle die lieben Armen Seelen, die im Fegefeuer sich befinden, um der Tränen und des Gebetes willen, das der Herr auf Erden verrichtet und das ihr verrichtet für eure Schützlinge. Besonders ihr, ihr lieben heiligen Schutzengel, deren Schützlinge im Fegefeuer sind, euer Gebet ist freilich nicht mehr wirksam für sie, weil sie nicht mehr im Fleische wandeln. Darum will ich das Gebet aller guten Christen zusammennehmen und dieses euch in die Hände geben. Nicht wahr, diese Gnade gewährt ihr mir, daß das Gebet aller Menschen auf Erden aufgeopfert sei für das Gebet der Schutzengel dieser Seelen. Und jetzt tretet mit mir alle hervor und betet mit mir: „Gegrüßet seist Du, Maria voll der Gnaden, der Herr ist mit dir...“

O wie unendlich schön! Jeder hat eine Seele, jeder heilige Schutzengel führt eine Seele aus dem Fegefeuer, aus der Unterwelt. „Ist denn Schwester N. auch dabei?“ Ja, sie hat eine Krone, die gefertigt ist aus roten und weißen Rosen, ein Zeichen ihrer Jungfräulichkeit und ihrer Liebe zu ihrem himmlischen Bräutigam. Ich sehe aber auch viele jeden Alters und jeden Geschlechtes. Herr N. ist auch dabei, aber Herr N. noch nicht. O um des Gebetes dieser Klosterfrauen willen, ich opfere es dir jetzt schon zum voraus auf, und ich will es ihnen zu wissen tun, daß sie recht eifrig mit ihren Angehörigen den Rosenkranz halten sollen, zum voraus opfere ich es dir auf und mußt du uns auch diese Seele erbitten. O wie glücklich! Es ist mit nichts zu vergleichen die himmlische Aue, die himmlische Aue.

Barbara: „O lieber heiliger Erzengel Michael! O hilf doch N., daß sie die Erlaubnis bekommt, und da sie das Opfer dazu bereits gebracht, so schenke ihr im vorhinein um all des Guten willen, das daraus entsteht, ihren Eltern.“

Michael: „Für heute nicht!“

Barbara: „O schenke uns auch N., lieber, heiliger Erzengel Michael, o gib uns doch den N. Ich grüße dich durch das allersüßeste Herz Jesu Christi! Du bist der Heerführer, der Anführer der Armen Seelen. O ich verspreche dir ja, daß ich dir dankbar sein will. O schenke uns doch den N., wenn er auch kein Kind der katholischen Kirche ist. O selige Katharina Emmerich, hast du doch so viel gefleht für die Andersgläubigen. Warum ist da immer ein Schleier, der da fällt? Warum darf ich nicht da hineinschauen? O laß mich nur einen einzigen Augenblick da hineinwerfen!“

Michael: „Die sind in einer ganz anderen Abteilung.“

Barbara: „O mein Jesus! O heilige Hildegard! So lüftet doch den Schleier, den du so oft schauen durftest, o laß mich doch einmal hineinschauen.“

Barbara schauerte zusammen und entsetzte sich. Da ist es so kalt, eisige Kälte! Die haben ganz besondere Peinen zu leiden, weil die Wärme des Evangeliums, der wahren Kirche Jesu Christi, fehlt, die Liebe fehlt. Wie ist es doch zu bedauern, daß es diese Irrlehrer gegeben hat und noch gibt, die all die Leute zum Abfall bringen. O glücklich sind wir Kinder der katholischen Kirche. Wie ganz anders ist es hier an diesem Ort. Da ist es ja wie Feiertag gegen Werktag und wie Sommer gegen Winter, Frühlingswind weht oben, dort eisiger Norden. O wie ist es zu bedauern, o ihr lieben Armen Seelen, wie dauert ihr mich!

„O Herr, gelt dahin kommen auch die Christen, die ihren Glauben so schlecht betätigen, die sich aber dann doch noch bekehren? O mein Jesus, Barmherzigkeit! O gib mir doch den N., weil seine Frau so viel tut; den ganzen Goldschmuck hat sie hingegeben für den Mann. O gib ihn mir, Du mußt ihn mir schenken.“ – Gegrüßet seist Du, Maria ...“

Arme Seele: „Gehe hin und grüße meine Frau im Namen Jesu Christi, im Namen Seiner heiligen Mutter, und danke Ihr für all die Tränen, die sie geweint, für all die Gebete, die sie verrichtet für mich, ihren Ehemann. Meiner Tochter sage einen herzlichen Gruß, sie möge ihrer Mutter folgen und sich enger anschließen an die Grundsätze ihrer heiligen Religion. Wie bedaure ich, so gelebt und gestorben zu sein, ohne den Wert dieser Religion besser geprüft zu haben. Gnade habe ich gefunden, Gnade vor dem Herrn, um des Gebetes willen, das in eurer Gesellschaft verrichtet wird, weil meine Frau sich so beteiligte und betätigte an dem Guten, durch das, was der Herr hier wirkt.

Alle die Seelen, die da eifriger werden, entflammt werden zur Liebe Gottes, alle die Gebete und Seufzer, kommen denjenigen zugute, die da mit einverleibt sind, und ich habe das Glück, durch meine Frau teilnehmen zu können an all den guten Werken, an all den guten, frommen Seufzern, die da verrichtet werden; alles dieses kam mir zugute, deshalb bin ich so schnell befördert aus den Peinen des Fegefeuers.“

Barbara: „O, daß doch alle Menschen Dich erkennten, aus ganzem Herzen liebten, aus allen Kräften und über alles loben und ehren möchten, zur Erfüllung der auserwählten Zahl Deiner Heiligen, zum Werke Deines Dienstes und zur Auferbauung des Leibes Christi, damit wir alle miteinander zur Einheit des Glaubens gelangen und der Erkenntnis des Sohnes Gottes, und zu vollkommenen Menschen werden nach dem Vorbild Deines Sohnes Jesu Christi. O mit welcher Freude ist dieser Mann erfüllt! O mein Gott, wie verjüngt und wie verklärt er ist! O gehe hin und vergiß auch uns arme Sünder nicht, die wir noch hier auf Erden pilgern und fortwährend in Gefahr sind, zugrunde zu gehen. Hochpreiset meine Seele den Herrn! O hört ihr nicht, wie die himmlischen Geister mit uns singen? O guter Jesus! Was soll denn N. machen, soll sie hierbleiben oder fortgehen?“

Jesus: „Sie soll nur hierbleiben, es ist ja besser für ihre arme Seele, sie soll sich mehr anschließen, mehr den Staub der Erde abschütteln, habe Ich ihr ja doch im Überfluß gegeben. Warum noch nach Irdischem treiben und jagen?“

Barbara: „O Herr, ich empfehle Dir diese Seele, die dem Sterben nahe ist und sich nicht bekehren will.“

Jesus: „Gehe du hin und biete ihr die Gnade an. Gehe du nur hin, stelle ihm Gottes Gerichte vor, er wirft dich nicht die Treppe hinunter, habe keine Angst. Dein Verdienst bleibt dir; auch wenn du die Seele nicht rettest, hast du dafür wieder eine andere gerettet, und Ich will dir für diese eine andere schenken.“

Barbara: „Aber was soll ich als weltfremd vorschützen? O gib mir noch einen Trost für die armen Leute, heiliger Erzengel Michael! O laß ihnen das Gebet zugute kommen, das für sie verrichtet wird von ihren Eltern.“

Michael: „Sie sollen ein ganzes Jahr recht reichlich Almosen geben und jeden Monat eine heilige Messe für sie lesen lassen. Der eine ist hell, der andere dunkel.“

Inhaltsverzeichnis Band 3

260 Am heiligen Rosenkranzfest 1898

Der Herr zeigte Barbara nach der heiligen Kommunion eine Madonna in Weiß gekleidet mit einer dreifachen Krone. Die erste war weiß, die zweite rot und die dritte golden; sie war mit einem Trauerflor verhüllt.

Barbara: „Aber warum zeigst Du mir Deine heilige Mutter in Trauerflor? Heute ist doch der Anfang des Monats, wo Sie so sehr verherrlicht wird?“

Jesus: „Das ist nicht Meine heilige Mutter, die Ich dir zeige, sondern meine jungfräuliche Braut in jetziger Zeit. Die weiße Krone bedeutet ihre jungfräuliche Reinheit, weil das Priestertum im großen und ganzen jungfräulich rein dasteht. Die rote Krone bedeutet ihre Geduld, womit sie ruhig ihre Wege weitergeht, obwohl Ich sie durch so harte Schicksalsschläge züchtige. Die goldene Krone bedeutet, daß sie sich aber gerade durch diese Geduld die Krone des Sieges erwirbt.“

Inhaltsverzeichnis Band 3

261 Fest des heiligen Franziskus 1898

„Denn viel schlimmer als der Kampf, der mit eiserner Waffe gekämpft wird, der blutig erkämpft wird, viel schlimmer, sage ich, ist der innere Kampf, der mit den Geistern und durch die Geister gekämpft wird.“

Franziskus: „Gelobt sei Jesus Christus! So grüße ich euch, meine lieben Kinder, mit dem Gruß unseres seraphischen Ordens. Dieser Gruß war mein Lieblingsgruß, wenn ich meinen Brüdern begegnete. Dieser Gruß soll auch euer Lieblingsgruß sein, wenn ihr zusammengeht, wenn ihr euch auf der Straße begegnet, soll fortwährend aus eurem Munde ertönen: ‚Gelobt sei Jesus Christus!‘ Denn nur so soll die Welt euch erkennen als seraphische Kinder eines seraphischen Vaters. Meine lieben Kinder! Vieles habe ich euch zu sagen. Schon jahrelang verkehre ich mit euch an diesem meinem Festtag, und die Worte, die ich mit euch rede, sollen Kleinodien sein für die Brüder meines Ordens und für alle Brüder und Schwestern des zweiten und dritten Ordens; denn nur durch die Mitglieder des seraphischen Ordens soll die Welt gerettet werden, soll die Welt wieder zu dem guten, alten Glauben, zu den alten Sitten wieder zurückgeführt werden. Nicht umsonst hat der Heilige Vater Leo XIII. der Welt meinen Orden empfohlen. Alle Menschen, alle Christen möchte er eingegliedert wissen in die Reihen dieser Kämpfer, eben weil die Welt so abgewichen ist vom rechten Weg, weil die Welt so üppig geworden ist in all ihren Grundsätzen.

Weil die Welt reich sein möchte, ist die Armut ihr entgegengesetzt, ist die Armut das einzige Mittel, wodurch die Welt wieder ins Geleise kommen soll, durch die freiwillige Armut nämlich, wenn es Menschen gibt, die glücklich sein können in der freiwilligen Armut um Christi willen. Warum können die Kinder der Welt nicht glücklich sein? Warum? Weil ihre Grundsätze falsch sind! Weil ihre Grundsätze nicht übereinstimmen mit der Lehre Jesu Christi, mit den Grundsätzen des Evangeliums. Diesem gegenüber hat der Herr befohlen, einen Damm aufzurichten. Schon ein ganzes Jahrzehnt ist darüber vergangen, wo er dir zeigte, welche Klüfte entstehen in der Menschheit, welche Abgründe. Er hat dir gezeigt, wie sich die Christenheit zersplittert, wie sie sich teilt in zwei Teile, wie der eine Teil gegen Christus, der andere für Christus arbeitet, lebt und wirkt. Diese Zerklüftung ist nun da und die ganze Welt kann sie sehen, wer das Auge nicht schließen will. Gespalten ist die Christenheit in zwei Teile: in solche, die recht treu zu ihrer Kirche stehen, und in solche, die gar nicht mehr zu ihr halten. Darum, meine Kinder, ist es an der Zeit, daß die Guten zusammenstehen und zusammengehalten werden zu einem Häuflein.

Deswegen verlangt der Herr die Einführung der öfteren Kommunion, um den guten treuen Seelen Kraft und Stärke zu verleihen durch Sich Selbst, indem Er Sich Selbst mit den Menschen verbindet, und Tag für Tag ihnen neue Kräfte zuströmen aus Ihm heraus. Denn jetzt, wo die Seele in einer so gefahrvollen Welt steht, wie sie im Heidentum noch nie gewesen ist, braucht die Seele viele Kraft und Stärke, um nicht irre zu gehen.

Darum will Er das Priestertum stählen, zum Kampf ermuntern, damit sie die Schäflein zusammenhalten, die guten und getreuen Schäflein, die noch zur Kirche stehen. Und drittens will Er sie trösten und ermuntern, nicht müde zu werden im Kampfe, der bereits in der ganzen Welt losgebrochen ist. Denn viel schlimmer als der Kampf, der mit eiserner Waffe gekämpft wird, der blutig erkämpft wird, viel schlimmer, sage ich, ist der innere Kampf, der mit den Geistern und durch die Geister gekämpft wird, und dieser Kampf wird, Gott sei es geklagt, noch weiter zunehmen. Wir Heiligen, die da eingegangen sind, eure Brüder und eure Schwestern, stehen in Furcht und Zittern euch zur Seite. Wir schauen vom hohen Himmel herab den Kämpfern zu, wie sie jetzt auf dem Schlachtfeld der Welt stehen und kämpfen mit den Feinden der Finsternis, mit den Feinden des Unglaubens, des Atheismus, des Sozialismus und des Liberalismus, überall, wo wir unsere Blicke hinrichten, sehen wir, wie die Kirche darniederliegt, die Kirche Jesu Christi.

Zu meiner Zeit, als ich lebte, stand es schon schlimm, aber bei weitem nicht so wie zu der Zeit, wo ihr lebt, ihr meine armen Kinder. Bittend stehen wir da auf der Warte und schauen aus, ob nicht Männer sich hervortun, die wie ein heiliger Dominikus und ich selbst gekämpft haben und kämpfen und streiten wollen für die gute Sache. Seht, meine Kinder, da ist es an der Zeit, offen und frei seinen Glauben zu bekennen, sich nicht zu fürchten vor dem Gerede der Menschen. Da ist es aber auch an der Zeit, daß die Priester, anstatt zu tadeln und zu fürchten wegen eines spitzfindigen Wortes, eines Achselzucken ihrer Feinde, zu den Guten halten, sie ermuntern und trösten und bestärken in ihrem Glauben, den sie allseitig bekennen und betätigen. Nicht mehr brauchen sie sich zu fürchten, sich ins Lächerliche zu ziehen, wenn sie zu treuen Seelen stehen, denn ihre Feinde sind längst einig geworden mit ihnen. Sie möglichst bald aus dem Weg und bald aus den Augen zu räumen, ist ihre einzige Aufgabe. Das Spötteln und Witzeln über sie könnten sie längstens gewohnt sein.

Also auf, auf, ihr Priester der katholischen Kirche! Freut euch und frohlockt, denn groß ist euer Lohn im Himmel. Ihr seid ja die erhabenen Söhne, die der Herr erwählte, das Kreuz zum Sieg zu bringen, die der Herr erwählte, das Kreuz zu vergolden mit der Liebe, mit eurer Liebe das Kreuz zu umklammern: Das Kreuz der Verachtung und Verdemütigung; und am Holz der Schmach sollt ihr sterben, am Kreuzesholz der Schmach sollt ihr sterben, ihr Priester der katholischen Kirche. Den Tod hat man euch geschworen, aber glücklich der Tod, den ihr sterbt, denn er ist der Anfang zu einem ewig glücklichen Leben schon hier und dort. Darum rufe ich euch zu mit einer Donnerstimme, welche die ganze Welt hören soll, und ich wünschte, daß sie die ganze Welt wirklich höre: Ergreift freiwillig die Armut und geht ruhig ans Werk. Schaut nicht auf die Großen der Erde, daß sie eure Mißgünstlinge werden könnten, schaut nicht auf die große Masse, welche die Opfer des Unglaubens schon allseitig geworden sind, daß sie euch nach dem Leben streben könnten.

Nein, dies alles muß euch soviel sein, als wenn ihr auf Rosen wandelnd durchs Leben schreiten würdet. Ihr seid berufen, das Reich Jesu Christi aufzurichten und die heilige katholische Kirche zum Sieg zu führen. Und je mehr sie von allen Seiten eingedämmt und niedergeschmettert wird, je mehr die Großen und Mächtigen ihr Haupt stolz erheben und stolz mit Füßen treten den heiligen Glauben, um so stolzer müßt ihr das Haupt erheben, um so sicherer muß euer Fuß stehen, um so feierlicher müßt ihr durchschreiten all die Wirren der Zeit. Denn überall in allen Ländern, die sich noch katholisch nennen, ist alles morsch und faul geworden. Die Häupter, die berufen waren, die Kirche zu stützen, sie sind morsch und faul geworden, und niemand hat mehr den Mut, einen Glauben zu bekennen und ihm beizupflichten, der so verachtet, so geschmäht ist in der Welt.

Diejenigen, die den Unglauben predigen, sollt ihr nicht fürchten, wie ich euch schon sagte, und die kleine Masse auch nicht. Von niemand habt ihr etwas zu fürchten. Also, wozu noch das Zagen und Zittern? Die Pforten der Hölle werden sie nicht überwältigen, auch wenn ihr mit den paar guten, treuen Seelen, die zu euch halten, ganz allein dastehen solltet in der Welt. Zum Sieg sollt ihr führen das Reich Jesu Christi! Darum merkt euch, ihr Priester, wenn man euch alles nimmt und abstreift von euch, dann seid ihr gezwungen, zu den treuen Seelen zu stehen, denn mit ihnen müßt ihr dann ihr Brot teilen.“

Barbara: „O lieber, heiliger Franziskus! Erflehe uns doch Kraft und Stärke. Wir sind wirklich mutlos, wir Kinder der katholischen Kirche. Was ist es doch, daß man so zusammengeschmettert ist, alles andere macht sich breit, viele andere Religionen kommen auf, und wir, die wir doch die wahre Religion besitzen, unser Häuflein wird immer kleiner. Die Christen hängen mehr dem Protestantismus an als ihrer eigenen Religion, diese kalten, lauen Christen! Und wie stolz gehen die Führer jener Sekten auf die Bühne und predigen ihre Unwahrheiten, und unsere Priester haben nirgends Schutz und Hilfe. O lieber, heiliger Franziskus, heiliger Dominikus, o alle ihr lieben Heiligen, bittet für uns in dieser großen Bedrängnis. Man hat keinen Mut zum Beten, weil man meint, es sei alles umsonst. Die meisten frommen Seelen, wen ich höre, die leiden an Geistestrockenheit, alle guten, treuen Seelen sind krank. O helft uns doch! Wie traurig ist es, so dazustehen in der jetzigen Welt.“

Franziskus: „Meine Kinder! Trockne die Tränen und schaue auf, schaue über dich, mein Kind! Siehe die Glorie, in der ich mich jetzt befinde. Siehe, in der Nähe von Jesus und Maria bin ich und weile jetzt schon seit sechshundert Jahren dort. Und sieh doch alle die vielen Throne, die da unter den Seraphim aufgerichtet sind. Unter dem Chor der Seraphim ist mein Thron. Von hier aus herrsche und regiere ich die ganze Ewigkeit mit Jesus und mit allen guten, treuen Seelen, die da gekämpft für ihren Glauben. Hierher sollt auch ihr einst kommen nach vollbrachtem Kampf. Seht, warum der Herr euch alles so leicht gemacht, warum Er schon jahrelang mit euch redet und den Weg zur Vollkommenheit so leicht, so angenehm, so süß gemacht, daß jeder, der nur einigermaßen guten Willens ist, denselben betreten und gehen kann. Viel mehr verlangte der Herr in früheren Zeiten von Seinen treuen Kindern, von Seinen treuen Anhängern. Sie mußten sich scharf geißeln, strenge Nachtwachen verrichten, lange Fasten üben, um das Fleisch zu zähmen, um den Himmel sich zu sichern.

Ihr aber, ihr Kinder dieses Jahrhunderts, wie hat es der Herr euch leicht gemacht. In allen Schichten der menschlichen Gesellschaft, wo ihr wohnt und lebt und arbeitet, könnt ihr Ihm treu dienen und die Krone erlangen, die ich erlangte und mit mir so viele treue Diener Gottes, wenn ihr nur treu zu eurer Kirche steht, wenn ihr nur treu die Pflichten erfüllt, die unsere Kirche vorschreibt. Ihr braucht nicht hinauszuziehen in die Wüste und euren Leib kasteien durch Nachtwachen und Strenge, wie wir sie übten, denn es wäre zu viel verlangt, weil die Menschheit jetzt schwächer geworden ist und dieselbe sich viel zu früh aufreiben würde. Dafür hat aber der Herr anderer Geißeln Sich bedient, um euch zu geißeln.

Die Völker sind abgewichen und abgefallen von Ihm, und diese Völker, die da stehen und die Ihm Schande und Schmach bereiten, sollen doch wieder zurückgeführt werden, und dieses sind eure Geißeln. Diese sind es, die euch geißeln, die Schlechtigkeit dieser Völker, dieser Nationen, die nur überall ihren Gewinn suchen, ihre Hände ausstrecken nach ungerechtem Gut und deswegen alle Mittel ersinnen, um alles, was Gott zum Wohl der Menschheit mit solcher Freigebigkeit geschaffen und wachsen läßt, zu verderben und zu verfälschen. Weshalb der arme Mensch gleichsam schon vergiftet wird im Mutterleib, ehe er noch geboren ist, und das Blut des Menschen schon geschwächt ist und hinfällig schon der Körper ist, in dem dieses Blut strömt und weshalb der arme Mensch schon fasten muß vom Mutterleib bis zum Grab, weil alle Nahrungsstoffe vergiftet sind. Seht, deswegen ist es so wichtig, was der Herr zu euch spricht, ihr Kinder meines Ordens.

Ich rühme mich, euch meine Kinder nennen zu können, denn ihr seid die Berufenen, durch die viele sollen getröstet werden, viele sollen ermuntert werden in der Kirche Gottes. Und weil allenthalben die Schlange das Haupt erhebt in ihren Helfershelfern und mit blitzenden Augen euch überall begegnet auf der Straße und euch morden möchte, darum habt ihr überall genug zu leiden. Seid nur zufrieden mit eurem Schicksal, mit den Leiden, die Gott euch zuschickt und welche die Welt euch bereitet, und haltet treu zu eurer Kirche und hofft und vertraut, daß ihr dieselbe Glorie erreichen könnt, die ich durch meine strengen Übungen erreicht habe. O möchten es doch alle meine Brüder wissen, wie glücklich ich bin, weil der Herr mir versprochen, daß mein Orden sein wird bis zum Jüngsten Tag hinauf, daß mein Orden wie ein goldener Faden die Kirchengeschichte durchziehen soll. Bis hinauf zum letzten der Menschen wird mein Orden bestehen, weil er die heilige Armut sich erwählte, weil er sich einzig und allein auf die Vorsehung stützt und gebaut hat.

Darum freut euch, meine Söhne, meine Brüder, und wenn die Kirche mein Fest feiert, dann erinnert euch an den Tag, wo ihr eingehen werdet in die ewige Herrlichkeit und freut euch um so mehr, je mehr ihr Bedrängnis leidet in der Welt. Viele, viele Orden gibt es, die glänzen vor den Augen der Menschen, aber kein Orden ist, der in den Augen Gottes so wohlgefällig ist wie der, dem ihr angehört.“

Barbara: „O lieber, heiliger Franziskus! N. läßt fragen, wie es um ihre Seele steht?“

Franziskus: „Sie soll nochmals eine gute Generalbeichte ablegen und dann den Weg gehen, den ihr mein Diener zeigen wird, und zufrieden sein. Sie ist eine zu ängstliche Seele; sie soll die Bedingungen erfüllen, die der Herr ihr gezeigt in den Schriften und ruhig sein.“

Barbara: „Ist denn N., der plötzlich und ohne die heiligen Sterbesakramente starb, gerettet? (Barbara entsetzt sich.) Ist es möglich? Ich sehe ihn ganz schwarz, ganz schwarz. Mein Jesus, Barmherzigkeit! Heiliger Vater Franziskus! O mein Gott! O mein Gott! Ist denn gar keine Rettung für ihn? Mein Jesus, Barmherzigkeit! In einem Wasser ist er versenkt wie in einem Meer. O mein Gott! Vielleicht ist doch noch Trost für ihn?“

Franziskus: „Ja, es ist noch Trost für ihn, aber bis zum Jüngsten Tag muß er ausharren in dieser Qual. Eine Warnung für alle diejenigen, die der Kirche den Rücken kehren, die ihre Buße bis auf den Tod verschieben, und wenn die Langmut und Barmherzigkeit Gottes erschöpft ist, dann ist es zu spät. Ihr alle, ihr Gottlosen, die ihr umherirrt, er ist nur um seiner Tochter willen gerettet worden und um des Gebetes einer Seele willen, die in seiner Familie steht. Da kann eine Seele nicht verlorengehen, aber bis zum Jüngsten Tag soll sie leiden, die Seele, die trotz all der guten Ermahnungen, trotz des Gebetes eines Anverwandten dennoch nicht gearbeitet am Heil ihrer Seele. Leiden soll sie, bis die Welt aufhören wird, bis alles Fleisch vertilgt sein wird.“

Barbara: „O lieber, heiliger Franziskus! Soll man denn da, wo ich nichts ausgerichtet, nochmals einen Versuch machen durch die Anverwandten?“

Franziskus: „Ja, tue es! Die Seele, die absolut verlorengehen will, ist nicht zu bedauern. Deswegen, wenn ihr alles aufgeboten, ebenso auch die Priester, sucht zu retten, was zu retten ist, was sich retten lassen will. Wer aber absolut sich nicht retten lassen will, über dessen Untergang sollt ihr lachen. Eben darum, weil so viele verlorengehen, weil Satan große Ernte hält in dieser Zeit des Unglaubens und die Armen so überschwemmt sind von Gottlosigkeit, vom Unglauben, der aber nicht aus ihnen selbst gekommen, sondern der ihnen eingepfropft worden durch die Gottlosigkeit der Reichen, die sie nur ausnutzen und benutzen zu ihrem Vorteil, deswegen jammert der Herr und will die Armen retten, weil die große Masse wie Schneeflocken in die Hölle fliegt.“

Barbara: „Erflehe doch bitte diesen beiden Knaben den Beruf als Priester.“

Franziskus: „Einer davon wird Priester! Diese Seele kann viel tun und ist in den Augen Gottes wohlgefällig, hat in den Augen Gottes Gnade gefunden. Mit Wohlgefallen ruht Sein Auge auf ihr, und auch ich sehe sie gerne, möchte sie doch recht bald ein Mitglied meines Ordens werden. Sie ist eine gute Seele.

O scharet euch doch zusammen, meine Kinder, haltet zusammen, steht fest im Kampf. Vieles, vieles wird euch noch begegnen, aber harret aus. Seht, ihr habt dem Fest einer Heiligen beigewohnt. Hildegard war auch eine Jungfrau. Ihr sollt der Welt das sein, was die Hildegard ihrer Zeit war. Leuchten sollt ihr werden, und zwar ganz still und verborgen, jedes in seinem ärmlichen Kreis. Steht zusammen und geht zusammen, um Gott zu loben und Ihn zu preisen, Ihm Dank zu sagen für die Gnaden, die Er der Menschheit und euch erweist, Ihm Lob zu singen für so viele Menschen, die es nicht mehr tun. Der Himmel freut sich und stimmt mit ein in eure Lobgesänge.“

Dann kam die liebe Mutter Gottes.

Barbara: „O liebe Mutter! O komm doch noch einen Augenblick zu uns, Deinen Kindern! O ich flehe Dich noch an in Vereinigung mit dem heiligen Franziskus und allen Heiligen, gib uns recht großen Eifer, daß wir die Rosenkranzandachten andächtig mithalten können. Erflehe uns auch Gesundheit, daß man nicht so abgespannt ist, aber nur, wenn es so der heilige Wille Gottes ist. Und erflehe uns auch die nämliche Gnade wie voriges Jahr, nämlich für jeden Rosenkranz die Bekehrung eines Sünders.“

Maria: „Ja, ihr sollt es so wieder haben, für jeden Rosenkranz, den ihr betet und dem ihr beiwohnt, die Bekehrung einer Seele, auch wenn es erst auf dem Totenbett ist, die Bekehrung einer Seele, so daß sie doch nicht den Klauen des bösen Feindes auf ewig in den Rachen fällt.“

Barbara: „O erflehe diese Gnade auch allen guten Christen.“

Maria: „Allen, die in der Gnade Gottes, von schwerer Sünde gereinigt sind, alle diese sind damit gemeint. Am Schluß dieses Monats wird der Herr euch wieder eine große Gnade verleihen.“

Barbara: „Meine liebe Mutter! Habe ich mich nicht getäuscht am Sonntag, am Rosenkranzfest? Da ist mir der Heilige Vater gezeigt worden und daß dieses sein letztes Schreiben sei, daß wie der Abschiedsgruß an alle seine Kinder gewesen ist. O liebe Mutter, ich bitte Dich, denn es wäre dies eine große Bekräftigung für mich, ob der Herr es ist, Der mit mir verkehrt und für mich ein großer Trost, daß ich mit dem Heiligen Vater in Verbindung stehe, daß der Heilige Vater in Rom selbst solche Beschauung hat, und der Herr Selbst mit ihm spricht wie mit mir.“

Maria: „Es ist so, Meine Tochter! Bis dieses Rosenkranzfest wiederkehrt, wird Leo XIII. im Himmel dieses Fest feiern.“

Barbara: „O liebe Mutter! Er wird doch nicht sterben wie die Kaiserin Elisabeth von Österreich?“

Maria: „Nein, er stirbt als unblutiger Märtyrer. Er ist eine Zierde der katholischen Kirche, ein Licht vom Himmel, ein Licht, das die ganze Welt erleuchtet, durchleuchtet, aber nicht erleuchtet, weil viele ihr Auge abgewendet haben vom Licht, weil viele das Licht nicht mehr sehen wollen, das auf den Leuchter gestellt ist. Sein Nachfolger wird aber ein nicht minderes Licht werden. Leo XIII. mußte die Kirche sehen in ihrer Niederlage, und wie sie in ihrer Niederlage groß ist und größer werden solle, wie sie anfängt, in ihrem Innern sich zu entwickeln und herrlich sich zu entfalten. Sein Nachfolger wird es sehen, wie die Kirche nach außen hin ihr Licht verbreitet, wie sie zum Sieg nach außen hin wird geführt werden wird.

Vor zwei Jahren hat der Herr dir gezeigt, Meine Tochter, daß dieses Fest, dieser Rosenkranzmonat von der Kirche gefeiert werden wird, solange sie jetzt noch steht. Damals konnte noch niemand wissen in der ganzen Welt, daß es ein bleibendes Denkmal sein soll für diesen Papst Leo XIII., daß er diesen Monat zu einem so herrlichen Monat erhoben hat und niemand konnte noch wissen, daß dieses Fest, das Rosenkranzfest, zu einem Fest ersten Ranges erhoben werden soll. Also kann niemand es sein als nur der Herr Selbst, die unendliche Weisheit, die unendliche Allwissenheit Gottes, Der dir dieses gezeigt.

Denjenigen aber, die es gelesen, und die es jetzt noch lesen und nachschlagen können, soll es ein großer Trost sein. Denn daß du die zwölf Artikel des Apostolischen Glaubensbekenntnisses gesehen, jedes in einem eigenen Rahmen, der angeheftet war an den Glanz, mit dem der Herr geschmückt war, soll soviel bedeuten, daß die Kirche wieder mit einem neuen Festglanz geschmückt wird, mit einem neuen Festtag. Denn durch die Feier dieses Rosenkranzmonates wird der Herr sehr geehrt und auch Seine jungfräuliche Braut mit Ihm. Freut euch, Meine Kinder, und ermuntert alle, die da noch Glauben und gute Sitten haben und auch solche, die es nicht mehr haben, zur fleißigen Anhörung und Beiwohnung des Rosenkranzgebetes, denn diejenigen, die es tun, auch wenn sie es noch so leichtfertig tun, sollen gerettet werden. O, daß doch mehr Glauben wäre in der Welt, o daß sie doch die Augen öffneten und nicht die Augen schließen vor dem Licht.“

Barbara: „O ich bitte Dich für alle, aber ganz besonders für die in der Welt Lebenden, wo so viele Gefahren sind, umfasse sie mit Deiner mütterlichen Liebe und bewahre sie, daß keiner mehr zurücktrete wie einige, die, wenn sie eine Zeitlang eifrig gewesen sind, wieder schwach werden. Bewahre sie vor dem Rückfall in das weltliche Verderbnis. Besonders bitte ich Dich für alle meine Anverwandten und alle, die sich meinem Gebet empfohlen haben. O helft uns doch bitten, ihr lieben Heiligen, besonders heiliger Vater Franziskus.“

Franziskus: „Recht so, meine Kinder! Vereinigt euch immer mehr mit der triumphierenden Kirche. Schon wenn ihr anfangt zu beten, dann benutzt das kleine Gebet, das euch die liebe Mutter Gottes gelehrt, und vereinigt euch mit uns, mit der triumphierenden Kirche, und eure Herzen sollen nicht eng sein, weit sollen sie sein wie die ganze Welt, für alle Menschen sollt ihr beten, alle in eure Liebe einschließen.

Ich verspreche euch, daß der Mangel und die Nachlässigkeit so vieler, die sich im dritten Orden befinden, soll ersetzt werden durch die eifrigen und treuen Glieder dieses Ordens, und was fehlt, will ich hinzugeben durch meine Verdienste; denn ich habe Macht über das Herz Gottes, weil ich arm geworden bin um Seinetwillen, bin ich jetzt reich, überreich dort in jener Welt, wo auch ihr einstens hingelangen sollt.“

Barbara: „O lieber, heiliger Vater Franziskus! Ich möchte aber auch den Armen Seelen nützen. Morgen feiert die Kirche das Fest aller Seelen aller Orden des heiligen Franziskus. Ist es denn wahr, daß alle, die in diesem Jahr gestorben sind und Mitglieder darin waren, auch eingehen in die ewige Herrlichkeit? Ist es wahr, daß du hinabsteigest und sie befreiest?“

Franziskus: „Es ist so, wie ihr glaubt.“

Barbara: „Aber lieber heiliger Franziskus! N. war aber doch, wie der liebe Heiland gesagt hat, zweieinhalb Jahre im Fegefeuer, wiewohl sie deinem Orden angehörte.“

Franziskus: „N. ist bestimmt, eine große Glorie zu genießen, und da mußte sie geläutert werden, mußte sie ein außergewöhnliches Fegefeuer durchmachen, denn es gibt Abstufungen im Fegefeuer wie auch im Himmel. Die gewöhnlichen Christen, die nicht nach höherer Vollkommenheit gestrebt haben, die aber doch Gott gedient, so wie sie es in der Einfalt ihres Herzens konnten, haben ein gelinderes Fegefeuer als diejenigen durchzumachen, die der Herr mit großen Gnaden an sich gezogen, und die gewürdigt sind, nahe bei Ihm zu sein, die müssen dann auch Gott ähnlich werden, und was dann noch fehlt, jedes Stäubchen an ihnen, muß abgebüßt und geläutert sein wie geschliffenes Gold, so muß die Seele glänzen, die in die Nähe Gottes kommt. N. hat viel gebetet, viel gearbeitet im Dienste Gottes, hat aber doch nicht außergewöhnlich viel gelitten. Sie ging ruhig dahin; sie hatte nicht viele Verdemütigungen und Verachtungen zu erdulden, weil sie unbeachtet war.

Sie war eine Ehefrau; weil sie aber der Kirche Großes geleistet durch die gute Erziehung ihrer Kinder, und weil sie Gott so sehr geliebt in stiller Verborgenheit, hat sie der Herr zur Ehre gelangen lassen, aber manches Stäubchen hing noch an ihr; sie mußte noch geschliffen werden und abgestaubt, damit das Gold auch glänzt, das Gold der Liebe, das in ihrem Herzen verborgen war; deswegen mußte sie länger leiden.“

Barbara: „O lieber, heiliger Franziskus! Grüße sie in meinem Namen und sage ihr Dank, wiewohl ich das früher nicht so recht verstanden!“

Franziskus: „Ihr alle habt es nicht verstanden, aber in der Ewigkeit werdet ihr es verstehen, und weil sie vielen Eltern zum Vorbild sein könnte, darum will der Herr, daß ihr Name gerühmt werde. Deswegen führte der Herr euch zusammen, weil vieles soll offenbar werden, was der Welt bis jetzt verborgen ist.“

Lied: Hochpreiset ...

Und jetzt sehe ich die liebe, heilige Hildegard. Das ist die Dankbarkeit, weil wir ihrem Fest beigewohnt; sie hat sich mit uns vereinigt.

Hildegard: „Und jedesmal werde ich euch besuchen, wenn ihr in heiligen Lobgesängen und in feierlichen Gebeten vereinigt Gott lobet, dann werde ich euch besuchen, weil wir Geschwister sind. Im Rheingau habe ich meinen Lebenslauf vollendet. Ihr sollt den Rheingau erfüllen mit Lobgesängen, mit Gebeten, wie ich mit meinen Schwestern getan. Eure Gesänge zogen mich hierher, weil dies das Lieblingsgeschäft war, das ich mit meinen anvertrauten Jungfrauen so gerne verrichtete. Während die Welt herumirrte, im Staub der Erde herumwühlte, versammelte ich meine Schwestern und sprach mit ihnen vom Lobe Gottes und ermunterte sie. Ich sprach mit ihnen von Seinen Geheimnissen, und sang dann zum Schluß mit ihnen heilige Lieder, heilige Lobgesänge. Tut desgleichen! Wenn es erlaubt wäre, es wäre gut, wenn mehrere sich anschließen würden. Aber solange es die Kirche nicht erlaubt, seid zufrieden. Es bleibt auch verborgener und ruhiger. Gut ist es ja für euch so, aber für die Kirche Gottes wäre es besser, wenn viele sich anschließen könnten. Ich grüße euch alle, meine lieben Schwestern, und alle, die mit euch halten, auch dein liebes Schwesterchen in A.“

Nachtrag: Der liebe Heiland hatte einer Sterbenden sagen lassen, daß sie ohne Fegefeuer in den Himmel eingehe. Es war dies eine schlichte, fromme Jungfrau von Jahren. Barbara war bei ihrem Sterben zugegen und empfahl sich ihr dringend und sagte ihr: Wenn du einmal bei Jesus bist, dann frage Ihn einmal, ob ich beruhigt sein kann, weil doch manche Priester meinen, daß die Gnaden, die ich in Fülle erhalten, nur Stolz und Getue seien, ob sie gar recht haben mit dem, was sie sagen? Die Jungfrau verschied mit Freuden ohne den geringsten Todeskampf, und als Barbara sagte: „Gelobt sei Jesus Christus!“, schloß sie die Augen für immer.

Am 13. Oktober erschien sie Barbara während des Rosenkranzgebetes in der Kirche. Sie schwebte vom Altar her auf sie zu in schneeweißem Gewand, das durchsichtig war und schimmerte, und hatte eine Krone von weißen und roten Rosen auf. Ihre Schönheit sei ganz unbeschreiblich gewesen. Sie sagte zu Barbara: Verstorbene: „Einen herzlichen Gruß von meinem und deinem Bräutigam, von meinem und deinem Herrn, und es ist recht so, fahre nur fort.“

Barbara: „Aber was hast du für eine schöne Krone auf?“ Verstorbene: „Eure drei Kronen werden aber noch viel schöner sein, weil ihr aus Liebe zu Jesus so viel Spott erdulden müßt. Die weißen Rosen meiner Krone habe ich verdient, weil ich dem Herrn meine Jungfräulichkeit bewahrte. Die roten Rosen bedeuten die Geduld, mit der ich aus Liebe zu Gott die Leiden meiner langen Krankheit ertrug.“

Am 26. Oktober war das Seelenamt für die Verstorbene, in welchem Barbara die heilige Kommunion empfing. Sie wurde in eine solche Lichtesfülle erhoben, daß sie vor Glückseligkeit verging. Auch durfte sie den Ort schauen, wo die Verstorbene sich jetzt befindet. Aber Barbara sah selbige wie zerschmettert hingestreckt vor der Majestät dessen, den sie jetzt von Angesicht zu Angesicht unverhüllt schauen sollte, und der Herr sagte, daß dies die Strafe dafür sei, daß die Sterbende sich nicht mit Vertrauen an Ihn gewendet habe mit der Bitte, die Barbara ihr aufgetragen habe, sondern erst ihrer Mutter das Geheimnis von Barbara verraten habe. Sie sei zwar ohne Fegefeuer in den Himmel eingegangen, sei aber bis zu dieser Stunde beraubt gewesen, sein liebes Angesicht zu schauen, was für die Seligen im Himmel ein unaussprechlicher Schmerz sei. Am 19. Oktober starb sie und mußte bis zum 26. Oktober den holdseligen Anblick Jesu entbehren, weil auf Erden eine Seele sich über ihre Unbesonnenheit grämte, und weil es ihr mangelte an Vertrauen auf die unendliche Güte und Liebe Gottes und deshalb bezüglich der Bitte von Barbara zu ihrer Mutter sagte: „Dieser Auftrag hängt mir zu hoch!“

 

 

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